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Kategorien-Archiv: Zwischenmenschliches

Romantischer Gruselabend „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ im Tom Pauls Theater Pirna

14 Donnerstag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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In eine düster romantische Welt voller Geister, Geheimnisse & Wunderbarem entführen mit Spiel, Gesang und sphärischen Klängen Tom Pauls und die Musiker des Freddie Ommitzsch Studio Ensemble in ihrem Gruselmärchenabend frei nach Grimm im Tom Pauls Theater Pirna. Foto: Siegfried Michael Wagner

Von der Sehnsucht, die Angst zu verlieren

Im romantischen Gruselabend frei nach Grimm wandern Tom Pauls und Ensemble zu düsterkomisch sphärischen Klängen durch die Gefilde des Geheimnisvollen und Magischen in seinem Theater in Pirna.

Es wird kein lustiger Abend, sagt Tom Pauls gleich zu Beginn seines neuen Programms. Schließlich kommen darin Geister, Irrlichter und Untote aller Art vor im Gruselmärchen „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ der Gebrüder Grimm, das mit Pauls und dem Freddie-Ommitzsch-Studio-Ensemble neu erzählt auf die Bühne kam am Mittwochabend im Tom Pauls Theater in Pirna. Vor vollen Rängen zogen der Komödiant und die anderen Darsteller alle Register mit Musik, Gesang und Spiel und ließen dabei nichts aus im Wechsel von Licht und Dunkel, schaurigen Gruseleffekten und romantischen Szenen mit bekannten Volks- und Wanderliedern.

Jedem gruselts vor etwas, dem einen vor seiner Frau oder vor der Regierung in Berlin, so Pauls. Dem anderen vor dem neblig trüben Novemberwetter. „Man sieht und hört nischd mehr!“ Während er aus dem Märchenbuch vorlas und erzählte, steckten seine Söhne Maximilian, Felix und Konstantin Pauls nacheinander, neugierig lauschend die Köpfe durch den roten Vorhang, denen er als sie noch klein waren auch oft Märchen vorlas. Pauls führte als Erzähler und in allen Rollen, mit ernster Miene und schelmisch ironischen Unterton, mal sachlicher, hoher und tiefer Stimme, erschrocken oder Schrecken einjagend, zögernd oder vorpreschend, raunend, zischelnd oder schallend lachend, herzhaft, wehmütig, still und aufbrausend in eine rätselhaft undurchschaubare Welt, die sich mit Seeelenzuständen wie Angst, Tod und Trauer beschäftigt. Das Motiv der Furcht wird variantenreich durchgespielt. Tom Pauls sieht es als Gleichnis für das „angstdurchzogene Lebensgefühl heutiger Menschen.“ Und spürt mit seinem romantischen Gruselbabend frei nach Grimm, neu erzählt von Autor Mario Süßenguth und inszeniert einschließlich Choreografie von Irina Pauls, dem romantischen Lebensgefühl zu Lebzeiten von Caspar David Friedrich nach.

In diesem Jahr seines 250. Geburtstages und inspiriert von Friedrich als herausragendem Maler von Licht und Atmosphäre und als Vorreiter der Moderne, nehmen Pauls und Ensemble dies zum Anlass für eine stimmungsreiche, märchenhaft-musikalische Wanderung in die Gefilde des Geheimnisvollen, Magischen, Wunderbaren, kontrastiert mit der rational nüchternen Suche nach dem unterschwelligen Gefühl der Angst. Da wechseln lyrische, mehrstimmige Männerchöre mit Melodien von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Maria von Weber und sphärische, geisterhafte und moderne Klänge, komponiert von Konstantin Pauls. Am Klavier begleitet und die musikalische Bearbeitung der Chöre hat Benjamin Rietz inne. Tom Pauls trägt ein weißes Hemd und Kniebundhosen wie ein Wanderbursche und fragt sich als Hauptfigur Hans in der Geschichte immer wieder, was es wohl mit dem Gruseln auf sich habe und seufzt laut: „Ach, wenn`s mich nur gruselte!“ Das klingt komisch und traurig zugleich, als wäre dies der Schlüssel zu einer anderen, ihm verborgenen Welt, als lebe er in einer Art Dämmerzustand. Das Getöse, Geister ohne Kopf und Stimmengewirr um ihn herum sieht er, doch es berührt ihn nicht.

Der furchtlose Hans weiß nichts von Leid und Schmerz, das er anderen Lebewesen zufügt, wenn er mit Stöcken Vögel tot schlägt, Katzen peinigt oder Fliegen die Beine ausreißt. Den Pfarrer hält Hans im Dunklen für einen Spitzbuben und stößt ihn die Treppe hinunter. Sein Vater schickt den ungehobelten Taugenichts daraufhin hinaus in die Welt, um das Fürchten zu lernen. In einem verwunschenen Schloss übernachtet Hans drei Nächte lang, erlebt ungerührt allerlei Geisterspuk. Gruslig-komischer Höhepunkt dabei, wie die Männer in dunklen Kutten weiße Totenköpfe halten, hochwerfen, tanzen und damit kegeln zu hämmernden Technoklängen. Als Belohnung für seine Unerschrockenheit erhält Hans die Königstochter.

Mit dem Gruseln ist es wie mit dem Verlieben. Es geschieht einfach oder eben nicht. Auf der Hochzeitsfeier zur Geisterstunde, beim Auftritt einer Kapelle mit Schlagersänger in goldener Glitzerjacke und blondem Haar und seinem geschmachteten „Alles was du willst“ packt Hans plötzlich das Gruseln, hält er sich die Ohren zu mit leidender Miene. Nichts geht über echtes Gefühl, tief aus dem Inneren. Reichlich Applaus gab es für diesen romantischen Gruselabend mit Tom Pauls und Ensemble. Die Vorstellungen gestern und an diesem Freitagabend sind schon ausverkauft. Mit etwas Glück gibt es noch Restkarten an der Abendkasse, die 18.30 Uhr öffnet, sagt Kerstin Kochan vom Tom Pauls-Theater. Ab Mai 2025 steht der Gruselabend dort wieder im Spielplan.

Text + Fotos (3) (lv)

Weitere Spielplan-Infos:
http://www.tom-pauls-theater.de

Unter dem Titel „Wandergefährten“ gibt es zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich auch eine Ausstellung mit Landschafts-Bildern aus seiner Zeit im Tom Pauls Theater in Pirna zu sehen.

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Premiere „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen im Schauspielhaus Dresden

12 Dienstag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Kalter Glanz & Herzen, die zu Eis gefrieren: Die Schneekönigin (Christine Hoppe) entführt Kay (Jakob Fließ) in ihr blendend weißes Reich der Eiseskälte und der Märchenerzähler Hans Christian (Paul Kutzner) bangt mit ihm in der diesjährigen Märchenaufführung zur Weihnachtszeit für kleine und große Zuschauer im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Zauberhafte Reise in eine kalte Glitzerwelt

Vor einem großen Spiegelrund, abwechselnd in warmes und kaltes Licht getaucht, umgeben von spitzen Eissplittern und einer fantasievoll farbenfrohen Figurenschar hatte das Märchen von Hans-Christian Andersen am Sonnabend im Schauspielhaus Dresden Premiere.

Gerade im schönsten, funkelnden Flockenreigen fliegt die kalte Herrscherin am Fenster vorbei und alles ringsum erstarrt. In ihre Welt aus blendendem, blinkendem Eis entführt „Die Schneekönigin“ in dem bekannten Märchen von Hans Christian Andersen den Jungen Kay und sein Herz gefriert zu einem Eisklumpen. Seine Freundin Gerda macht sich auf die Suche nach ihm und erlebt auf ihrer Reise an den Nordpol viele wundersame und gefährliche Abenteuer. Die Premiere der diesjährigen Märchenaufführung zur Weihnachtszeit für die ganze Familie war am vergangenen Sonnabend im Schauspielhaus Dresden.

Der große dänische Dichter Andersen (Paul Kutzner) begleitet in dunklem Anzug und Regenschirm die Zuschauer mit kindlichem Stauneblick durch die traumhaft geheimnisvolle Märchenwelt in dieser Inszenierung unter Regie von Nora Bussenius. Er taucht auch als gewitzt-kluger Krähenmann und Waldtaube auf, die Gerda den Weg weisen. Gebannt hören die Kinder von der Großmutter (gutmütig-beherzt: Anna-Katharina Muck, die auch als Blumenfrau, Räubermutter und Finnin urkomisch herausragt) die Geschichte von dem Spiegel, der im Gerangel zwischen Engeln und Teufel in unzählige Teile zersplittert vom Himmel auf die Erde fiel und wenn die Splitter in die Augen oder sogar ins Herz der Menschen gelangen, verkehren sich alle guten Eigenschaften ins Gegenteil, treten Hässliches und Böses besonders hervor. So ergeht es auch Kai (sanft und rau: Jakob Fließ, der auch als Prinz und Rose zu sehen ist), der gerade noch scherzte, dass er die Schneekönigin auf den Ofen setzen und schmelzen würde und seine Freundin Gerda liebevoll Huckepack trägt, als die ersten Schneeflocken schweben.

Die Großmutter weigert sich, ihren auch im Winter blühenden Rosenstrauch einem kalten Geschäftsmann (Sven Hönig, der außerdem als Krähendame, Feuerlilie und Waldtaube erheitert) zu verkaufen. Kurz darauf schneidet eine Spiegelscherbe Kay ins Auge und Herz, ist er wie umgewandelt, redet nur noch grob und verächtlich über die Rosen, Gerda und sieht nichts Schönes mehr. Er bindet seinen Schlitten an den großen Schlitten der Schneekönigin und fliegt mit ihr durch die dunkle Winternacht in ihr eisiges Reich. Die Dame im weiß glitzernden Mantel mit Kapuze und spitzer Eiszapfenkrone (kühl-arrogant mit unnahbar hallender Stimme: Christine Hoppe) küsst Kay auf die Stirn. Nun friert und fühlt er nichts mehr. Das Bühnenbild ist karg und modern gestaltet. Als Spielfläche dient ein großer Erdkreis in der Bühnenmitte, der mal in sonnigen, frühlingshaften und winterlichen Farben leuchtet und mal die Nordlichter. Dahinter kreisen wie in einem Spiegel mal die Schwalben und mal schattenhafte Nachtgestalten in Videobildern (Gary Hurst).

Ringsherum ragen große, spiegelglatte Eissplitter, die das Reich der Eiskönigin umgeben. Die Schauspieler spielen und singen fast durchweg in mehreren Rollen und bezaubern mit wandlungsreicher Spielfreude, mal lustigen, komischen und traurigen Szenen, zauberhaften Klängen und abwechselnd weißen und farbenfroh fantasievollen Kostümen. Gerda (aufgeweckt und mutig: Pauline Georgieva, Studentin vom Schauspielstudio Dresden) zieht allein und Hand in Hand mit ihrem Spiegelbild (Gisela de Paz Solvas) los, um Kay wiederzufinden und begegnet auf ihrer Reise vielen illustren Menschen und Tieren, die ihr weiterhelfen, wie die sprechenden Blumen, das flippige Prinzenpaar schenkt eine Kutsche, das aufmüpfige und gutmütige Räubermädchen (Kaya Loewe) gibt Gerda ihr liebes, altes Rentier Bä (anrührend: Thomas Eisen) als Reisebegleiter mit nach Lappland.

Wundervoll die Szene wie er als silbergraues Rentier mit stattlichem Geweih glücklich über die lang ersehnte Freiheit hoch am Sternenhimmel schwebt gemeinam mit Gerda. Sie findet Kai im Eispalast, der gerade dabei ist aus Eisstücken das Wort der Worte zusammenzusetzen. Dann will die Schneekönigin ihm die ganze Welt und neue Schlittschuhe schenken. Doch erst Gerdas Tränen tauen sein kaltes Herz wieder auf und er wundert sich wie er es in dieser Kälte ausgehalten hat. Herzlichen Beifall und viele Bravos gab es für diese zauberhafte Geschichte über Liebe, Mitgefühl und Verbundenheit zwischen Menschen und Natur, die stärker sind als kalter Glanz und Gleichgültigkeit auf der Welt.

Text + Fotos (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Neue Lyrik zur HerbstZeit: Trauben & In neuem Licht & Zauberwesen

03 Sonntag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches

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Trauben

Dunkles Tiefblau schimmernd wie Nachtseide
stößt an Rotviolett daran hängt noch der Glanz
und Duft des Sommers
schwelgend raunen sie mir aus dem Karton zu:
Greif zu!
kitzeln meine Sinne verführen
und verschließen mir den Mund
mit wohlig würziger Süße
Bitternis verrinnt
Es sind weniger Trauben dieses Jahr
nur ein Drittel der sonstigen Ernte
sagst Du die anderen erfroren nach der Wärme
der Kälteschock im Frühjahr
einhundertjährige Reben die am Haus Spalier stehen
und die Nachzügler auf dem Dach der Werkstatt mit
den sich im Wind drehenden Monden
sah hinterm Weinlaub die grünen Beeren wie sie
wuchsen blau sich ins Wachstum vertieften alle
Widrigkeiten hinter sich ließen
in vollen Reben wie Perlen an einer Schnur
jede einzelne ein Wunder
in reifer Fülle strahlen sie mich nun an
wie Du der sie mir schenkte
mir scheint die Trauben werden gar nicht weniger
sie wiegen leicht und schwer
einige winzig und runzlig wie Rosinen
liegen bei den anderen süß saftig und prall rund
wie ein langes gutes Leben

LV
21.10.2024

In neuem Licht

Der Himmel flammt auf
in Goldtönen Rot und Violett
spiegeln sich im Fluss
dahinter dunkle Baumumrisse
blättrige Gesellen am Ufer
tasten und tanzen im Schattenlicht
bangte davor dass es erlischt
zu Samhain vor einem Jahr
nach dem Flimmern den Lichtblitzen
im Dunkeln die Schockdiagnose
die Netzhaut löste sich zur Hälfte
von einem Auge schon am nächsten Tag
OP brannte tagelang ins Sonnenlicht zu sehen
wieder eintauchen in die lichten Farbschwünge
die sich im Blau ausbreiten wie Flügel
endlos weit
ein Junge steigt mit einer Mondlaterne auf
die Ufermauer
von der Seite ein klirrendes Geräusch
eine schwarze Gestalt nähert sich
mit weißem Grinseschädel der Sensenmann
läuft an mir vorbei
stützt sich auf sein blitzendes Schwert
jeder Schritt ein Aufschlag
wie ein Herzschlag
vor einer Haustür leuchtet mit breitem Lachen
ein Kürbiskopf

LV
31.10.2024

Zauberwesen

Sie rühren sich nicht
von der Stelle
sehen still vor sich hin
lächeln verzückt milde
traurig oder verwegen
staunend fragen ihre Blicke
Bin ich noch am Leben
Wie auf ein geheimes Zeichen hin
wie von Zauberhand bewegt
aus einem Traum entstiegen
einer anderen Zeit
zwischen Gestern und Morgen
Tag und Nacht
vergessen sie die Fäden
an denen sie hängen
regen ihre Glieder
die in dunklen Kleidern und Anzügen
stecken elegant und vornehm ihr Auftreten
kokett zierlich zurückhaltend ergeben
versponnen oder pikiert
einige tragen spitze Hüte
einer spitze Ohren ein anderer eine
Herznase
in weißen und verwitterten Gesichtern
leuchten Augen auf rollen lebhaft hin
und her
sehen sich an und um im
Raum halb Salon und Rumpelkammer
brennende Kerzen Kürbisse morsche Äste
und dunkle Rosenblätter
Geisterhaft wiegen sie im Takt zu
zauberhaften Klängen
alle halten etwas in den Händen manche
wie Krallen
kleine Figuren an Fäden
zappelndes Getier
Gezweig und lange Stäbe
alle scheinen auf etwas zu warten
das sie losreißt
ein paar Jungen nehmen Reißaus in
großen Sprüngen in Zeitlupe als könnten
sie die Zeit anhalten oder ihr entfliehen
dem Zauber des Zerfalls der
Vergänglichkeit und Zeitlosigkeit
entgehen
Stumm schreiend hält ein Mann ein
zuckendes Etwas wie ein Herz in der Hand
im blutigen Mund

LV
31.10.2024

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry

https://www.facebook.com/reel/1199148747808229

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Kunst ohne Worte in allen Spielarten lockt wieder beim 39. Internationalen Pantomime Festival Dresden

03 Sonntag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Clownerie mit dem Bewohner einer Kuckucksuhr und ihrem Besitzer.
Kuku, 9.11., 18 Uhr, Familienvorstellung mit Anatoli Akerman & Christoph Schiele. Foto N. Milatovic


„flying kuku“, 9.11., 18 Uhr. Foto: D. Shakin


„Mime on the Moon“, 8.11., 19 Uhr mit Radim Vizváry aus Tschechien.

Slapstick, Clownerie und Tragikomik entführen in die faszinierende Welt der Pantomime

Vom 6. bis 10.November 24 findet das 39. Internationale Pantomime Theater Festival Dresden im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a statt. Der Mitbegründer des Festivals und  „Vater der Pantomime“ in Dresden, Ralf Herzog wird für seine Verdienste geehrt bei der Eröffnungsgala am kommenden Mittwoch.

Eine wunderbare Dresdner Tradition nimmt Anlauf auf den 40. Geburtstag im nächsten Jahr: Das Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden findet vom 6. bis zum 10. November 2024 bereits zum 39. Mal statt. Künstler und Ensembles aus Deutschland, Tschechien, Frankreich, Österreich und der Ukraine laden zu sechs Vorstellungen in das Theaterhaus Rudi ein. So vielfältig, wie die Spielarten des Bewegungstheaters sind, so breit gefächert ist das Programm. Ein schräges Nummernprogramm mit Slapstick und Comedy ist ebenso dabei wie komisch-tragische Clownerie, klassische und zeitgenössische Spielarten der Pantomime und Performances in Verbindung mit ausdrucksstarken Tanzelementen.

„Pantomime ist die Basis für viele künstlerischen Ausdrucksformen und erzählt mit Mimik und Körpersprache wunderbare emotionale Geschichten“, so Michael Meinel, Vorsitzender des Vereins Mimenstudio Dresden, welcher das Festival mit viel Herzblut im Ehrenamt auf die Beine stellt. „Ob zum Lachen, zum Nachdenken oder als inspirierende Reise in die Phantasie – das Festival hat viele Facetten und das auf sehr hohem künstlerischem Niveau.“

Die Eröffnungsgala am Mittwoch zeigt Ausschnitte aus den Shows des Festivals

Den Auftakt des Festivals bildet traditionell die Eröffnungsgala am 6. November. Hier zeigen die bereits angereisten Künstler Auszüge aus ihren Shows. Das Galaprogramm gestalten das Duo Diagonal aus Deutschland, die 044 Mime Company und Anetta Anisimova aus der Ukraine, die Franzosen Mangano & Massip und ihre Werkstatt-Teilnehmer und das Derevo Creative Lab aus Deutschland. Außerdem zeigen die gastgebenden Akteure des Mimenstudio Dresden e.V. eine Etüde zu „Kafka – der Prozess“, die sie im offenen Pantomimekurs unter Regie von Ralf Herzog derzeit erarbeiten.

Die einzelnen Vorstellungen bedienen ein breites künstlerisches Spektrum

Am Donnerstag kann man über das Jubiläumsprogramm des Duo Diagonal herzlich lachen. Seit 25 Jahren verbinden Deana und Holger Ehrich Comedy, Mime, Tanz und Slapstick und lassen hintergründigen Witz auf gekonnten Unfug treffen. Am Freitag ist Radim Vizvary aus Tschechien zu Gast, einer der angesehensten Vertreter der zeitgenössischen Pantomime in Europa. In „Mime on the Moon“ erzählt er von einer Flucht aus einer Welt, die von Perfektion besessen ist. Das Publikum erwartet ein poetisches Spiel auf einem hohen mimisch-künstlerischen Niveau.

Clownerie der alten Schule wird in der Vorstellung „kuku“ am Samstag gezeigt. Sie beginnt bereits 18 Uhr und richtet sich an Familien mit Kindern ab sechs Jahren. Hier geht es um den Bewohner einer Kuckucksuhr und den Besitzer jener Uhr, die zusammen wunderbare tragisch-komische Momente erleben, aber auch Absurdes und hinreißend Fröhliches. Am Sonntagvormittag zeigen Künstler aus der Ukraine eine Doppelvorstellung und laden im Anschluss zu Kaffee und Kuchen und Gesprächen ein. Die 044 Company beschäftigt sich in ihrem Stück „News“ mit der Nachrichtenflut und ihrem Einfluss – Was ist wahr und was ist falsch? Die Künstler pflegen die Kunst der klassischen Pantomime und spiegeln die verschiedenen Charaktere in ihrem Stück sowohl auf groteske als auch komödiantische Weise.

„Peace inside us“ titelt im Anschluss die Solo-Performance mit Anetta Aleksandra
Animisova. Die Künstlerin hat sie während des Krieges nach ihrer eigenen Geschichte entwickelt und kommt zum Credo: “Wenn jeder im Inneren Frieden schafft, wird es auf der ganzen Welt Frieden geben“. Am Sonntagabend kann man eine Premiere mit Anton Adasinskij und Derevo erleben. Die deutsch-russische Company veranstaltet parallel zum Festival einen fünftägigen „DerevoArtHouse Pantomime Creative Lab“ und präsentiert mit den internationalen Teilnehmern das Ergebnis – eine Performance mit dem Titel „Durch den Spiegel“.

Workshops sind ein wichtiger Teil des Festivals – noch gibt es freie Plätze

Am Wochenende vor dem Festival (am 2./3.11.) konnte man im Projekttheater einen 10-stündigen Workshop mit Mangano-Massip aus Frankreich besuchen, Schüler des berühmten Pantomimen Marcel Marceau. Sara Mangano und Pierre-Yves Massip waren 2022 mit zwei eigenen Stücken Gäste des Festivals. In diesem Jahr sind sie als Dozenten für die offene Werkstatt dabei, die Neugierige, Amateure und professionelle Künstler einlädt, das Medium Pantomime kennenzulernen oder ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern.

Ein weiterer Workshop findet während des Festivals statt. Am Samstag von 10 bis 12 Uhr führt Anetta Aleksandra Animisova im Projekttheater Amateure und Profis in die Grundlagen mimischer Körpertechniken und des Improvisierens ein. Die Teilnahme kostet 10 Euro. „Die Workshops und der fachliche Austausch unter den internationalen Künstlern sind von jeher ein ganz wesentlicher Teil und eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Festivals“, betont Michael Meinel. „Dieser Austausch ist neben der familiären Atmosphäre beim Festival einer der wichtigsten Gründe, dass sich Künstler aus aller Welt für die Teilnahme bewerben. Auch wir als Gastgeber nehmen jedes Jahr neue Impulse für das vielfältige Genre der „Kunst ohne Worte“ mit.“

Die Ausstellung über die „Geschichte der Pantomime in Europa“ wurde erweitert
Im vergangenen Jahr wurde das Festival durch eine Ausstellung mit dem Titel „Geschichte der Pantomime in Europa“ begleitet. Sie wurde vom Mimenstudio Dresden e.V. organisiert in Zusammenarbeit mit Nils-Zdenek Kühn, Vorsitzender der FEM – Federation of European Mime und über 37 Jahre Leiter der ETAGE Schule für Darstellende Künste Fine Arts e.V. Nils-Zdenek Kühn ist in diesem Jahr leider verstorben. Ihm zu Ehren widmet sich ein neuer Teil der Ausstellung seinem Schaffen.

Eine weitere Tafel erzählt die Geschichte eines Pantomimen, dessen Werdegang mit der Tradition des Pantomimefestivals in Dresden untrennbar verbunden ist. Die Rede ist von Ralf Herzog, „Vater der Pantomime“ in Dresden, Mitbegründer des Festivals und langjähriger Intendant der Mimenbühne. Nach wie vor leitet er im Mimenstudio einen Pantomimekurs und hat im Laufe der Jahrzehnte ungezählte Schüler geprägt und inspiriert. Für seine herausragenden Verdienste in der Kunst der Pantomime wird er im Rahmen der Eröffnungsgala mit dem Special Award „Golden Hands“ der World Mime Organisation ausgezeichnet.

Karten für die Shows gibt es bei SAX-Ticket (saxticket.de), Reservix und an allen Vorverkaufskassen, die mit Reservix zusammenarbeiten. Reservierungen sind auch unter Telefon +49 1515 5619899 möglich. Wer sich für einen Workshop interessiert, meldet sich bitte per E-Mail: info@mimedresden.de

Das 39. Internationale PantomimeTheaterFestival wird durch die Kulturstiftung des  Freistaats Sachsen, die Landeshauptstadt Dresden, die Ostsächsische Sparkasse, das Stadtbezirksamt Dresden Pieschen, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und den Bund Deutscher Amateurtheater gefördert.

Text: Sabine Mutschke i.A. des Mimenstudio Dresden e.V.

http://www.mimedresden.de
Mimenstudio Dresden e.V.
Vereinsvorsitzender und Künstlerischer Leiter
Michael Meinel
http://www.mimedresden.de /
info@mimedresden.de /
Telefon 0151/ 55619899


25 Jahre Romantik & Slapstick – das Jubiläumsprogramm mit dem Duo Diagonal aus Deutschland, am 7.11., 19 Uhr. Foto O.Haas.

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Kreatives Universum mit neuen Erlebnisräumen für Kunst: Der aus Venezuela stammende Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm hat eine Kunstmanufaktur mit Galerie & Atelier in Wurzen eröffnet

25 Freitag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte, Zwischenmenschliches

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Ein charismatischer & wagemutiger & visionärer Künstler ist Esteban Velázquez von Wilhelm. Sein Markenzeichen ist die Augenklappe, die nicht nur für Abenteuer in der Kunst steht, sondern auch für den gefahrvollen Weg und Wirken in seiner Heimat Venezuela, die er deshalb verlassen musste. Nun hat er sich den Traum von einer eigenen Kunstmanufaktur in einem alten Fabrikgebäude in Wurzen erfüllt, in der sogar der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer schon zu Besuch war.
Fotos: Ronny Bahr

SEHR SÄXSISCH

Mit einer Einzelausstellung und einem Rundgang durch sein Atelier eröffnete der aus Venezuela stammende Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm seine `von Wilhelm Manufaktur`auf über 2 000 Quadratmetern in Wurzen (Landkreis Leipzig) offiziell.

Resonanzvolle Ausstellungen sowie seine häufigen Kunstaktionen im öffentlichen Raum Dresdens haben dazu beigetragen, einen Namen und einen Stil zu festigen, der einen bislang leeren Schrank füllt. Sein Name ist ebenso klangvoll wie, um es metaphorisch auszudrücken, seine Gemälde. Der in Venezuela geborene Dresdner Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm, dessen jüngste Vergangenheit bereits weit verbreitet ist, feiert 10 Jahre seines Lebens in Deutschland, 2 davon in München und 8 in Dresden, was der Künstler selbst in seiner Rede zum Ausdruck gebracht hat, den Teilnehmern als „ein neues Leben“ präsentiert.

Von einem winzigen Raum in einem Flüchtlingslager bis zu einem riesigen Atelier von mehr als 2 000 Quadratmetern. Nachdem er in seinem Herkunftsland schrecklich gefoltert wurde, fliegt von Wilhelm nach Deutschland, dem Land seiner Vorfahren, und lässt sich in München nieder, wo er hofft, das Kunst- und Lifestyle-Magazin wieder auf den Markt zu bringen, das ihm in Venezuela so viel Erfolg (aber auch Unglück) beschert hat. Er lässt sich im eleganten und aristokratischen Viertel Schwabing in einer wunderschönen Villa an der Ecke Tengstraße/Elisabethstraße nieder, von der der Künstler glaubt, dass er sein neues Leben in Deutschland beginnen wird. Aber das wäre nur eine helle Einleitung, mit dem, was als nächstes kommen würde, hatte von Wilhelm nicht gerechnet. Nach zwei Jahren in München, ohne mit seiner Zeitschrift „Wilhelm Magazin“ Erfolg zu haben, muss der Künstler Asyl beantragen, da eine Rückkehr in das Land, in dem er beinah tödlich angegriffen wurde, nicht möglich ist.
Das Flüchtlingsverteilungssystem weist dem Freistaat Sachsen die Zuständigkeit für die Aufnahme zu. „Eines Nachts in einem kalten Herbst kam ich im Lager des Deutschen Roten Kreuzes in Dresden an, die erste Nacht schlief ich in einem Zimmer mit 11 anderen Flüchtlingen aus arabischen und afrikanischen Ländern. Ich konnte mich überhaupt nicht ausruhen: Es war alles sehr laut, mit einem starken Geruch, und irgendwie fühlte ich mich unsicher“, so von Wilhelm.

Dies war von Wilhelms erste Nacht in seiner neuen Heimat. Doch am nächsten Morgen stellte der Lagerleiter überrascht fest, dass es sich um einen Asylbewerber aus Venezuela handelte, was zu diesem Zeitpunkt völlig neu war. Der Mann, den von Wilhelm als freundlich und beschützend beschreibt, bot ihm ein kleines Privatzimmer mit nur einem Bett und einem großen Fenster an, das viel Licht bedeuten würde. Von Wilhelm war inmitten so vieler Schatten glücklich, am nächsten Tag besorgte er sich einige Leinwände und Tuben mit Ölfarben und begann zu malen. „Ich fühlte mich euphorisch, ich konnte nicht mehr an einen Relaunch meines Magazins denken, ich konnte mir nicht einmal vorstellen, mit Freunden auf einen Kaffee oder ein Bier in einen Biergarten zu trinken. Dann griff ich auf das zurück, was mich mein ganzes Leben lang vor Unglück bewahrt hat: die Malerei. Ich habe drei Monate lang zwanghaft gemalt, um mir eine andere Welt zu schaffen und in sie einzutauchen, dann entdeckte ich im Dresdner Schloss die Gemäldegalerie der Kurfürsten von Sachsen: Stolz, königlich, brillant, mächtig; Ich fing an, sie zu malen und schloss mich mit in die Bilder ein, bis eines Tages der Geruch von Terpentin das Personal des Flüchtlingslagers alarmierte und die Polizei kam und mich aufforderte, alle diese Bilder loszuwerden, was für mich unmöglich war, sie waren gemalt in Öl eingelegt und sie waren noch frisch. Mitten in der Auseinandersetzung mit der Polizei erschien der freundliche Lagerleiter und diskutierte hitzig mit den Polizisten in einem Deutsch, das ich noch nicht beherrschte. Aber die Polizei ging und ich konnte weiter malen. Das war mein Atelier, eigentlich wurde dort „von Wilhelm“ geboren, der ich jetzt bin“, so von Wilhelm.

Doch Platzbeschränkungen stellten für den Künstler nie ein Hindernis dar, obwohl sein Ehrgeiz, große Installationen zu schaffen oder sein gewaltiges Projekt „Neuer Fürstenzug“ zu schaffen, durch diesen Faktor behindert wurde, träumte von Wilhelm von einer großen Kunstmanufaktur mit ausreichend Platz, und zwar dafür mehrmals besuchte er die Leipziger Spinnerei, beobachtete die Räumlichkeiten, die Dimensionen und die Bewirtschaftungsmöglichkeiten, doch bald kristallisierte sich sein visionäres Projekt heraus, nicht genau in der Spinnerei, sondern ganz in der Nähe von Leipzig, in Wurzen. Dort in den alten Gebäuden, wo vor mehr als 160 Jahren die alte sächsische Bronzewarenfabrik gegründet wurde. In dem riesigen Gebäudekomplex in der Badergraben 16, 04808 Wurzen, in dem auch die Leuchtenmanufaktur ihren Sitz hat, befindet sich die vom Künstler begehrte “von Wilhelm Manufaktur”, die auf einer Fläche von mehr als 2 000 Quadratmetern ein ausgestattetes Atelier umfasst großzügige Flächen von gigantischen Ausmaßen, zahlreiche Räume zur Aufbewahrung von Kunstwerken, je nach Größe, Material, Themen und Jahren sowie eine eigene, öffentlich zugängliche Galerie.

Aber von Wilhelms Idee geht noch weiter und er möchte andere Künstler in sein Atelier einbeziehen, um sich für kurze Zeiträume dort niederzulassen, um Kunstwerke zu produzieren, die dann nach den Kriterien der von von Wilhelm selbst eingeladenen Kuratoren in Ausstellungen enden würden sowie in gedruckten und digitalen Katalogen. Nach Aussage des Künstlers wäre dies ein Weg zur Einbeziehung zahlreicher Künstler, die kein Atelier haben, in die Kunstszene.

Der Besuch des sächsischen Ministerpräsidenten im Atelier des Künstlers.

Doch von Wilhelms Erfolg beschränkt sich nicht nur auf sein Arbeitsumfeld oder den Umfang seines künstlerischen Schaffens, sondern auch auf seine Fähigkeit, Menschen anzuziehen. Der Künstler kennt den Weg zum Erfolg, es ist nicht das erste Mal, dass er ihn beschreitet. So war der erste Gast, noch während des Ausstellungsaufbaus, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Der MP ging mit von Wilhelm von der mit den bekannten Stoffpuppen des Künstlers geschmückten Fassade zu den Galerieräumen, wo er bei einem privaten Besuch die Werke des Künstlers betrachten konnte.

Die Eröffnung der Ausstellung

Ein roter Teppich und eine riesige Festtafel mit einer Vielzahl internationaler und regionaler Gerichte, geschmückt mit großen Steinamphoren voller Blumen, dienten den Gästen als Empfang am gewölbten Eingang zu den alten Manufakturhöfen.
Die angrenzende Galerie voller Besucher mit Sektgläsern in der Hand lauschten den Begrüßungsworten des Oberbürgermeisters von Wurzen Marcel Buchta (parteilos). Der verantwortlich für die Auswahl der in der Galerie ausgestellten Werke und die kuratorische Arbeit, Prof. Henry Ripke erläuterte den Anwesenden das Leben und künstlerische Werk von Wilhelms. Die ukrainische Geigerin Tatiana Liakhina begeisterte mit einem klassischen Repertoire, das teilweise vom Künstler selbst ausgewählt wurde, der ein Liebhaber klassischer Musik ist.

Zu Professor Ripkes Auswahl gehörten weiße Werke aus der Münchner Periode des Künstlers, die von 2014 bis 2016 konzipiert wurden, eine umfangreiche Auswahl abstraktionistischer Barockwerke aus der Dresdner Zeit, die sich durch das Thema der Kurfürsten auszeichneten, und sogar Werke aus den Jahren 2023 und 2024, die von Professor Ripke als zweite Dresdner Periode katalogisiert wurden, obwohl einige dieser letzten Gemälde bereits im Jahr 2024 im neuen Wurzener Atelier entstanden sind.

Der am meisten erwartete Moment. Der Rundgang durch das Atelier.

Auf der Treppe des Hauses führte ein riesiges, 5 Meter hohes Banner mit dem Bild der Ausstellung die Gäste zum Erdgeschoss, in das kreative Universum des Künstlers ein.
Im Flur vor dem Betreten des Ateliers sollte ein Podest mit Orientierungskarten und nummerierten Schildern den Besuchern als Wegweiser dienen, damit sie ihre Reise durch das riesige Atelier sinnvoll gestalten können. Sobald wir das Atelier betreten, ist die Atmosphäre nur Kunst, eine musikalische Untermalung mit Oper ließ uns „O mio Babbino caro“ von Maria Callas hören, während die Menge, die sich nie überfüllt oder unterbrochen fühlte, angenehm, ohne zu stolpern, durch die Arbeitsbereiche, Lagerhallen, persönlichen Räume, Nähwerkstatt, Bildhauerwerkstatt und die viel diskutierte Dunkelkammer gingen. Als wir das Atelier des Künstlers betraten, konnten wir jedoch eine Reihe neuer Werke bemerken, die völlig neu sind und sich stark von den Arbeiten des Künstlers unterschieden, die wir bisher kannten. Riesige Installationen aus Gummischläuchen, die in Form von Wasserfällen von der Decke
herabsteigen und sich viele Meter über dem Boden erstrecken. Die Besucher blickten neugierig auf die neuen Werke des Künstlers, die weit entfernt von seinem bis dahin zwanghaft entwickelten Thema der sächsischen Kurfürsten sind.

Der Künstler ist jedenfalls davon überzeugt, dass seine Ausstellungen für den Betrachter ein neues Erlebnis generieren werden. „Die Zeit des passiven Zuschauers ist vorbei. Wir befinden uns im Zeitalter der direkten Beteiligung. Die Öffentlichkeit möchte sich einbringen und Teil des Prozesses und nicht länger blind sein, was hinter den Kulissen passiert,“ so von Wilhelm.

Ein Abschluss mit Stil.

Am 5. und 6. Oktober erfolgte der letzte Schliff. An den alten Industrie-Arbeitstischen aus massivem Holz wurden großzügig verschiedene Tapas-Gerichte aus der lateinamerikanischen, spanische, russischen und deutschen Küche serviert.
Die Gläser mit Wein und Sekt waren in den Händen aller Gäste zu sehen, die in Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten, beginnend um 11.30 Uhr, eintrafen. was es dem Künstler ermöglichte, das riesige Atelier noch einmal mit all seinen Gästen zu besichtigen. Auch wenn von Wilhelms Werke Aufmerksamkeit erregen, ist das Erscheinungsbild des Künstlers selbst, stets mit seinen von ihm entworfenen und bemalten Kleidungsstücken, nicht weniger auffällig. Zu diesem Anlass trug der Künstler ein Outfit im Cowboy-Stil, komplett bemalt mit den Motiven, die ihn bekannt gemacht haben: den Kurfürsten von Sachsen. Zusammen mit einem ausführlichen Besuch seines riesigen Ateliers weckt dies bei den Besuchern noch mehr Neugier und Spannung. Die Atmosphäre, die im Gegensatz zur Sommervernissage nun kälter war, begleitet von den Opern von Maria Callas und Montserrat Caballé, sorgte für eine festliche Atmosphäre mit viel Stil. Diese Art von Partys scheinen für den Künstler nichts Neues zu sein, sondern waren eher ein Merkmal der exzentrischen Soireen, die der Künstler bereits in seiner Heimat Venezuela zusammen mit seiner Großtante Angelina zu organisieren gelernt hatte. Sogar die Serviertabletts aus Keramik waren mit dem Gesicht des Künstlers bemalt und erregten die Aufmerksamkeit der Gäste, die beim zweiten oder dritten Glas Sekt begannen, sich zu dem besonderen Detail zu äußern.

Der Abschluss endete mit einer prächtigen Torte, deren Dekorationsmotiv die gleiche
Einladungskarte aus der Ausstellung war und die Veranstaltung spät um 19 Uhr schließlich abschloss.

Verlängerung der Ausstellungstermine.

Auf Wunsch vieler, die nicht teilnehmen konnten, beschloss der Künstler, die Besuchstermine in der Galerie und im Atelier nach Vereinbarung bis Samstag, den 9.11., zu verlängern. Hierzu müssen Interessenten eine E-Mail an das  von wilhelm.atelier@gmail.com schreiben.

Text: Daniel Uscher

website: vonwilhelmart.com
Instagram: @vonwilhelmart

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Neue Lyrik: Kindheitswege & Alles aus Liebe

22 Dienstag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches

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Kindheitswege

Jahrelang zog mich nichts
an diesen Ort
keiner den ich liebte lebt mehr dort
alles weit weg fremd und doch nah
immer noch und vertraut
kenne fast alle Wege die alten Steinmauern
engen Gassen und Gemäuer wirkten kalt
und trostlos in der Kindheit
rühren mich heute efeubewachsen mit kleinen Gärten
und hinter Torbögen verborgen ruhender Schönheit
kleine Häuschen in verblassten Farben
heruntergekommen verstecken sich fast
hinter hohen Bäumen im milden Abendlicht
in einem der Häuser an der Pulsnitzer Strasse 27
hängt der Rollladen etwas schief im Schaufenster
die Fenster leer eins angelehnt
dort wohnte ein Onkel aus unserer Familie
Omas Bruder er hatte dort einen Spielzeugladen
und nur einen Arm noch nach dem Krieg
wir waren selten dort als Kinder
könnte ich doch noch einmal in seinen Laden
hineinschauen
der kleine Junge sitzt noch immer auf dem hellen
Stein auf dem Kirchhof der St. Marienkirche in der
Nähe
Was hat er vom Leben gesehen
was ist ihm geschehen
Efeu wächst aus seinem Knie
der große Engel breitet immer noch seine Arme
über allen aus schwärzer sein Gewand von grüner
Patina überzogen und gütig lächelnd
friedfertige Stille einen Moment
an einen Baum gelehnt mit uralt knorrigem Stamm
hoch über der Stadt
die weite hügelige Landschaft Baumwipfel und der
Blick tief ins Herrental wo ein Mann laut zetert über
unsere Zeit die neue Hetze die Worte versagen
an diesem Platz mit der weiten Aussicht saß Lessing
gern der große Dichter hier geboren und immer Teil
der Liebe zu meiner Heimatstadt
Über ihn hieß es: sein Geist sei wie ein Pferd das
doppelt Futter braucht
diese Wissbegier faszinierte mich schon als Kind
Neulich hörte ich den Satz einer Frau zu ihrem Kind
im Vorübergehen: Pferde haben keine Flügel!
Und was ist mit Pegasus kennt den keiner mehr
Was wollen wir heute nicht alles wissen
Doch was nützt das alles wenn der Verstand das
Herz nicht hört
sie nicht zusammenfinden
Wer reicht Nathan das Wasser
im alten grauen Gemäuer vorn am Pfarrhaus
fliegen in den Fensterhöhlen viele Tauben ein und
aus
aus den Städten weitgehend vertrieben
und halten Ausschau

LV
12.9.2024

Alles aus Liebe
(Für meine Großmutter zu ihrem 113. Geburtstag heute)

Ein Kerzenlicht rote Herbstblumen
und ein Zweig weiße Rhododendron stehen
vor Deinem Bild
vor vielen Jahren aufgenommen bei uns zuhause
Ich lege eine Hand um Dich
ein gütiger Blick aus braunen Augen weißes welliges
Haar umrahmt Dein Gesicht und Du lächelst etwas
verlegen
ein altes Familienbild zeigt Dich Jahrgang 1911
als kleines Mädchen im schwarzen Kleid mit weißem
Kragen und großer Schleife im langen Haar
zauberhaft zwischen zwei größeren Schwestern und
Jungen und den Eltern
Dein Vorname Lotte kurz und knapp beginnt mit L
wie Liebe wie meiner
Du zeigtest sie selten
doch gabst sie uns
Wir Kinder waren Dein ein und alles
umarmten Dich hielten uns
Du hieltest viel aus
manchmal flossen Tränen
Deine große Liebe Rudolf verlorst
Du früh im Krieg bliebst mit zwei Mädchen
allein
Vor der Krippe beim Abholen empfing ich Dich
mit Gänseblümchen und nannte Dich Muppi
einmal nahmst Du mich mit zu Uropa Max
mit einer Kanne voll Milch und warmem Essen
an den Zigarrenduft erinnere ich mich noch
er saß allein am Küchentisch im weißen Unterhemd
und Hosenträgern ein großer hagerer Mann mit
kantigen Gesichtszügen immer noch vollem weißen
kurzen Haar
ich staunte wie Du ruhig seinen Bart rasiertest
ohne einen Kratzer eine innige Geste
er sagte kaum ein Wort der Blick abwesend
vielleicht bei Uroma Marie
sie stand noch an meinem Kinderwagen
mir war bang vor ihm und wollte ihn  gern einmal
lächeln sehen
doch wusste nicht wie
das wunderschöne alte Stubenbuffet von ihnen
steht nun bei mir

Manchmal hast Du Dich in ein kleines Zimmer
eingeschlossen auf dem Hausflur
Wir Kinder klopften an wie an einen Zauberort
abgeschirmt geborgen und warm
ein großer Glasschrank voll wundersamer Dinge
stand dort
Bücher mit vergilbten Seiten in alter Schrift
die ich entzifferte wie eine Geheimsprache
bunte Glaskugeln als Briefbeschwerer Urgroßvater
war Glasbläser
und Schokolade von den Tanten im Westen
stecktest Du uns zu
in der Küche duftete es immer gut
Du machtest aus wenig viel
Es gab oft Nachschlag
doch den Hunger nach Liebe stillte es nie ganz
das Warten auf das Fehlende den Einen
übernahm ich von Dir
Das Kindheitshaus steht schon lange nicht mehr
seh Dich noch immer vor mir
wie Du mir zum Abschied jedes Mal aus dem Fenster
des hell gelben Hauses in der Heinrich-Heine-Straße
nachwinkst und ich drehe mich immer wieder um
und winke zurück solange ich Dich seh

LV
22.10.2024

Texte + Fotos; Lilli Vostry

Weitere Bilder und KindheitsGedichte folgen demnächst.

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Atelierbesuch bei Renate Winkler in Radebeul & Reisebilder

20 Sonntag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Lust am Reisen & Malen: Die farbenfrohe Welt des Orients, Landschaft & Begegnungen mit Menschen haben es der Künstlerin Renate Winkler angetan. Von Radebeul zieht es sie immer wieder zu Malreisen in die Welt hinaus. Fotos: (8) (lv)

Vier Reisetagebücher mit ihren Eindrücken, Erlebnissen und lustigen, liebevoll gestalteten Illustrationen & Geschichten für ihre Enkel hat Renate Winkler schon geschrieben. Als als Erwachsener hat man viel Vergnügen beim Anschauen und Lesen der unkonventionellen und interessanten Geschichten-Abenteuer aus dem Orient.

Im Gebirge in Sama Wakan, in einer Herberge auf 1 400 Metern Höhe vor malerischer Kulisse. Fotos (2): Burkhard Schade

“Ich mache Küchenkunst“

Von ihren vielen Malreisen in den Orient erzählen farbenfroh und ausdrucksreich Malerei, Grafik und Keramik der Künstlerin Renate Winkler in Radebeul.

Der Blick schweift von einer Terrasse mit Bogenfenster über eine südliche Landschaft mit farbigen Häusern, Palmen, Grün- und Feldstreifen und gelb dunstig blauem Himmel. Auf dem Sims steht eine bronzene Karaffe. Das Bild hat Renate Winkler auf ihrer jüngsten Reise nach Luxor in Ägypten im April diesen Jahres gemalt. Dort weilte sie in einem alten, gemütlichen Familienhotel an der Westbank mit Blick Richtung Tal der Könige, um künstlerisch zu arbeiten. Es scheint, als sitze sie direkt vor dieser Landschaft auf dem braunen Ledersofa ihres Wohnzimmers auf der Dr. Külz-Straße in Radebeul.<

Diese ferne, geheimnisvolle Welt des Orients ist ihr längst nahe. Renate Winkler trägt ein graublaues, ornamentverziertes Trägerkleid, ein Bein hat sie hochgeschlagen, das andere barfuß auf dem ziegelfarbenen Teppich. Auf dem Beistelltisch stehen eine Bronzekaraffe, eine bemalte Erdkugel aus Keramik, kleine Tonfiguren und ein Buch über Tutanchamun, den ägyptischen Pharao. Tiere aus Keramik, mehrere Kamele, ein Nilpferd und Fabelwesen aus knorrigen Wurzeln in einer türkisblauen Schale tummeln sich im Raum. Gegenüber eine Schrankwand voller Bücher, Kunst- und Reisebände, Märchen und Belletristik. Im Flur hängen drei weitere, neue Ölbilder, auf einem ragen die Pyramiden von Gizeh und sitzt ein Kamel mit bunter Decke und Troddeln davor im Wüstensand, außerdem Ansichten vom sanftblau in der Morgensonne und abends orange und violett schimmernden, breiten Nil, darauf schaukelnden winzigen Schiffen und großen Segelbooten und der Skyline mit Tempeln und Hochhäusern.

Ein großer Farbholzschnitt der Göttin Isis vom Nil hängt im Schlafzimmer. Sie strahlt in sonnigen Farbtönen Liebe, Güte und Weisheit aus. „Sie verkörpert Fruchtbarkeit, neues Leben, Werden und Vergehen“, sagt Renate Winkler. Diese Grafik war auch sehr gefragt bei Käufern. Sie habe nur noch ein Blatt der Göttin Isis. Renate Winkler reiste seit 2011 bereits elf Mal nach Ägypten, in alle Ecken des Landes, ins Sinai-Gebirge bis nach Assuan. Es begann mit einer Malreise mit dem Radebeuler Künstler  Pit Müller. „Ich bin mitgefahren, weil ich in Ruhe malen wollte und mir der Orient gefällt“, sagt Renate Winkler. „Dann bin ich neugierig geworden und wollte immer mehr sehen.“ Seitdem reist sie allein als Individualtouristin, weil sie das Land, die Menschen und Kultur möglichst authentisch erleben und näher kennenlernen möchte. Das spiegeln ihre Bilder faszinierend.

Zuletzt war sie im Frühjahr zusammen mit Roland Gräfe, einem Radebeuler Künstler, unterwegs. Vier Malreisen haben sie schon gemeinsam nach Ägypten und Istanbul unternommen und helfen sich gegenseitig. Das Plenair malen habe sie von ihm gelernt, nun hat sie immer auch Leinwandrollen im Gepäck. Sie organisiert die Reiseroute, den Flug und die Unterkunft. In Bildern, Skizzen- und Tagebüchern hält sie ihre Eindrücke und Erlebnisse fest. Auf ihren Reisen entstanden auch viele ausdrucksvolle Porträts, wie der Wüstenfürst, ein alter Beduine mit wettergegerbtem Gesicht, eine alte Ziegenhirtin in rotem Gewand und schwarzem Kopftuch, ein Kind mit großen, fragenden Augen und ein alter Mann aus dem Iran sitzt vor einer Moschee und telefoniert am Handy. „Hello Mr. Trump“, so der Bildtitel. Das Blatt entstand 2019 während des drohenden Angriffs der USA auf den Iran. Ein Mann geht mit einem Kind an der Hand die Straße entlang, vor ihnen ragen Berggipfel und davor kleine Häuschen, erhellt von der Morgensonne. Der Holzschnitt entstand nach einer Reise nach Georgien im März letzten Jahres.

Sie könnte nicht nur Landschaften malen. “Eigentlich interessiert mich der Mensch am meisten und dass man einen Bezug zur Zeit sieht in der Grafik“, sagt Renate Winkler. “Ich mache Küchenkunst“, sagt sie schmunzelnd. Da sie kein richtiges Atelier habe, sitzt sie oft in der Küche, wo sie ihre Holzschnitte macht und Tiefdruckkupferplatten ätzt und manchmal schaut sie nebenher einen Film auf Arte. Nebenan hat Renate Winkler einen kleinen Raum mit Arbeitstisch am Fenster, Kästen mit Farbentuben und Druckplatten und Tüten mit Ton stehen dort. Eine Wand voller Arbeiten anderer Künstler. Darunter eine Origialgrafik „Chaost“ von a.r. Penck, Grafiken von Angela Hampel, Gudrun Trendafilov, Christiane Latendorf, Markus Retzlaff, Pit Müller u.a. „Ich kann machen, worauf ich Lust habe, weil ich nicht von der Kunst leben muss. Ich bekomme ja Rente“; sagt Renate Winkler. „Ich mache es, weil es mich innerlich drängt. Wenn ich Glück habe, wird mal etwas von meinen Arbeiten verkauft.“ „ArtigeUnart“ ist der Anspruch an ihr künstlerisches Tun. Renate Winkler wurde 1948 in Meißen geboren, stammt aus einer Familie von Porzellanmalern und Grafikern und lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr in Radebeul. Sie selbst hat viele Jahre als Kunstpädagogin gearbeitet, Erzieherinnen ausgebildet und absolvierte eine Ausbildung u.a. bei Lothar Sell als Keramikkurs-Leiterin. Ihr Rakubrandofen steht in der Garage.

Wenn die Familie zusammenkommt, gehe es zu wie auf dem Marktplatz. Bis zu 17 Leute feiern Weihnachten bei ihr, die von Potsdam bis Hamburg anreisen. Fünf Kinder, davon ein gemeinsames und zehn Enkel haben Renate Winkler und ihr Mann zusammen. Die auch herkommen, weil sie am besten kocht, sagt sie lächelnd. An diesem Nachmittag gibt es leckere panierte Hähnchensteaks mit Gemüse und eine herzhafte Kichererbsensuppe auch für den Besuch. Und Reisetomaten, die zerteilbar sind wie Mandarinen, aus dem Garten ihrer Tochter. Am Herd stehend, erzählt Renate Winkler aus ihrem Leben. Wie die Kunst ihr auch half, Schicksalsschläge zu verkraften. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes Peter vor 21 Jahren in Kuba, an den eine sonnenfarbene Grafik in der Küche erinnert, war ihre Rettung die offene Druckwerkstatt bei Markus Retzlaff im Atelier Oberlicht in Altkötzschenbroda, wo sie mit anderen Menschen zusammen aktiv sein konnte. Mit ihm ist sie bis heute befreundet.

„Ich bin ein Optimist. Das Glas ist nie halbleer. Das bringt mir Kraft, wenn ich mich auseinandersetze und das Leben annehme wie es kommt“, so Renate Winkler. Vier Bücher mit ihren Reiseabenteuern im Orient, humorvoll und episodenreich erzählt von einem Kamel und einem Krokodil, mit fröhlich bunten Illustrationen und Fotografien hat sie bereits für ihre Enkel geschrieben, auch für einen größeren Leserkreis verlegenswert. Im November wird Renate Winkler 76 Jahre und ist immer noch sehr unternehmungslustig. Sie hält sich drei Mal in der Woche fit mit Sport. Ihre nächste Reise führt Renate Winkler im Oktober nach Oman, wo sie zu viert durch die Wüste und Wadis wandern am Indischen Ozean entlang und sie auch ihre Malsachen wieder im Rucksack dabei hat.

Text (lv)

http://www.renate-winkler.com

Das Bild entstand nach einer Reise nach Georgien im März 2023. Die Fotos stammen aus ihren Reisetagebüchern in den Orient.

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Musical über Glaube & Liebe & Hoffnung mit dem Apostel Petrus & jugendlicher Power im Kulturhaus Freital

16 Mittwoch Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Projekte, Zwischenmenschliches

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Mit Leidenschaft & Power: Die Geschichte des Apostel Petrus erzähl das neue Musical des Adonia-Vereins. Am 17. Oktober, 19.30 Uhr sind die jungen Sängerinnen und Sänger im Kulturhaus Freital zu Gast. Foto: Adonia/Simon Leimbeck

Mit Musik Licht in die Herzen bringen

Das Musical-Projekt Adonia mit 70 jungen Darstellern, Chor und Live-Band kommt am 17. Oktober ins Kulturhaus Freital.

Im Halbdunkel der Bühne gehen immer wieder Lichter an, die Kinder und Jugendliche in den Händen halten. „Es ist kalt in der Nacht. Kein Mensch unterwegs. Wir sind zu Hause und haben es bequem. Doch so gut wie wir hat es nicht jeder auf der Welt“, singt ein Mädchen in einem Rap-Song. Sie tragen helle Sachen und tragen reihum ihre Songs vor im Chor der „Lichterkinder“. „Für alle, deren Leben dunkel und kalt ist, voller Schatten, Angst und Gewalt ist. Wir teilen die Liebe, Zeit und Geld. Nächstenliebe ist alles was zählt“, singen sie zusammen im Musical „Lichterkinder“ in einem Konzertvideo von 2019 in Rheinhausen. Veranstaltet wurde es vom Verein Adonia e.V., einer unabhängigen christlichen Jugendorganisation mit Sitz in Karlsruhe, der seit 2001 deutschlandweit „Musical-Camps“ anbietet. Nach vier gemeinsamen Probentagen mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiterteam bringen die Sängerinnen und Sänger im Alter von 12 bis 19 Jahren ihre Konzertprogramme auf die Bühne an verschiedenen Orten. Sie sind mit viel Freude und Schwung bei der Sache. Begleitet von einer Live-Band und Theaterszenen sind bei ihren Auftritten mitreißende Songs voller Zuversicht und Licht zu hören, mit denen sie die Herzen der Menschen erreichen wollen.

Das neue Musical „Petrus – Der Apostel“ des Adonia e.V. wird in diesem Jahr von 45 Projektchören an 180 Orten deutschlandweit aufgeführt. Erstmals kommt ein Konzert mit dem Adoniaprojekt-Chor auch ins Kulturhaus Freital am 17. Oktober, 19.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr). „Diese Begeisterung von 70 hochbegabten Teenagern auf der Bühne ist ein unglaubliches Erlebnis“, sagt Markus Kutschker, Koordinator des Adonia-Projektchors von der Evangelischen Kirchgemeinde in Freital. Der Auftritt ist Teil eines Ferienprojektes. Die Teilnehmer, darunter einige aus Freital, kommen aus der Region Ostsachsen. Er selbst war 2017 schon einmal bei einem Musical-Camp des Adonia-Vereins als Helfer dabei. Die jugendlichen Darsteller können in den Aufführungen ihre Talente ausleben mit Theaterspiel, sie können ein Instrument spielen in der Live-Band oder im Technik-Team mitarbeiten. Dabei geht es den Veranstaltern darum, Kinder und Jugendliche zu fordern und fördern in ihrem Glauben, ihrer Kreativität und Persönlichkeit. Der Vereinsname Adonia ist abgeleitet vom hebräischen Wort Adonei und bedeutet: Der Herr ist mit Dir!

“Das Stück erzählt eine Bibel-Story von Petrus, die Apostelgeschichte, die modern und für jeden verständlich im Hier und Heute auf die Bühne kommt. Die Aufführung möchte die Hoffnung auf Frieden und menschliches Miteinander vermitteln“, so Kutschker. Das Musical-Projekt setzt auf die verbindende Kraft der Musik. Er selber erlebte, dass dabei Freundschaften entstehen, die über die Chorcamps hinaus dauern. In Freital gibt es zudem einen großen Kirchenchor. Den Auftritt hier organisierte Kutschker zusammen mit der katholischen Kirchgemeinde und der Gemeinde Pesterwitz. Während der viertägigen Konzerttournee übernachten die Teilnehmer in Gastfamilien. „Das haben wir auch geschafft“, sagt Kutschker stolz. Rund 100 Plätze sind schon durch Gastfamillien, Freunde und Angehörige der Akteure reserviert. Insgesamt ist Platz für 530 Besucher im Kulturhaus Freital. „Wir hoffen auf viele interessierte Besucher bei diesem besonderen Konzert“, so Projektkoordinator Kutschker. Da alle Betreuer, Techniker und Organisatoren den Chor ehrenamtlich unterstützen, ist der Eintritt zum Musicalabend frei. Finanziert wird das Musical-Projekt hauptsächlich über Spenden und Teilnehmerbeiträge. Auf den Konzerten wird auch noch einmal gesammelt. Der Erlös geht komplett an den Adonia-Verein für künftige musikalische Jugendfreizeiten.

Text (lv)

Weitere Konzerte mit dem Musical-Projektchor gibt es an diesem Mittwoch in Görlitz, in Freiberg am 18.10 und in Großenhain am 19.10.

Kontaktadresse: http://www.adonia.de/petrus

 

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Atelierbesuch bei Danny Hermann in Tharandt

11 Freitag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Zwischenmenschliches

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Farbintensiv, oft witzig skurril bis düsterkomisch ist die Bilderwelt des jungen Künstlers Danny Hermann. Seine neuesten Arbeiten zeigt er in der derzeitigen Ausstellung „Home, Sweet Home“ in der Galerie mit Weitblick, Obere Bergstraße 13, in Radebeul. Geöffnet: Sa + So von 14 bis 18 Uhr.

Die Schönheit und Abgründe der modernen Welt

Reales und Fantastisches fließen farbreich und oft skurril zusammen in der Malerei von Danny Hermann, der gerade von Dresden nach Tharandt umgezogen ist und als Waldameisenheger etwas für den Umweltschutz tut. Seine neuesten Arbeiten sind derzeit in der Ausstellung „Home, Sweet Home“ in der Galerie mit Weitblick“, Obere Bergstraße 13, in Radebeul zu sehen.

Neben den Umzugskisten stehen die Leinwände, auf der Staffelei ein Bild. „Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich die Kirche und die Burgruine. Hier habe ich die Malmotive direkt vor der Tür“, sagt Danny Hermann. Er ist 33 Jahre jung und gerade von Dresden nach Tharandt umgezogen. „In Dresden ist mir zu viel los. Ich habe das Familiäre vermisst und ich brauche die Natur und Ruhe zum Malen.“

Er kommt vom Land. In der Nähe seines Heimatortes Netzschkau im Vogtland in Elsterberg steht auch eine Burgruine, die ihn schon immer faszinierte und daher stammt auch seine Liebe zum Mittelalter und zu Musik aus dieser Zeit. Gemalt hat Danny Hermann schon als Kind gern. „Meine Eltern standen immer hinter mir und so konnte ich anfangen, meinen Traum als Künstler zu leben.“ Sie besuchten mit ihm Ausstellungen und Schaffensorte der Künstler wie das Geburtshaus von Picasso in Barcelona, einem seiner großen Vorbilder. Während seines Kunststudiums brachte sein Vater, der Fensterbauer war, mit dem Auto Bilder von Danny Hermann in eine Galerie nach Florenz. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung als Mediengestalter, arbeitete im Bereich der Kreativwirtschaft und studierte an der Dresdner Kunsthochschule, erwarb 2016 sein Diplom als Bildender Künstler und war danach Meisterschüler bei Professor Ralf Kerbach bis 2019.

Danny Hermann hat 13 Jahre in Dresden gelebt in der Pirnaischen Vorstadt nahe der Hochschule und der Carolabrücke, die nun halb eingestürzt in der Elbe liegt, von wo man auch einen guten Blick auf die Altstadt hatte. Nach dem Studium wohnte er zusammen mit seiner Freundin in Gorbitz. Die neue Dachgeschosswohnung in Tharandt sei schon teurer als in Dresden, doch dafür haben sie nun mehr Platz auf insgesamt 74 Quadratmetern. Und beide haben ein eigenes Atelier. Die Bilder lagern auf dem Dachboden. Hinter dem weißen Wohngebäude an der Dresdner Straße erheben sich Felsen und Wald. Der Bahnhof ist nahe und damit eine gute Anbindung gegeben. „Wir wollen, wenn es geht, dauerhaft hier bleiben“, so Hermann. Seine Freundin Mandy Hegewald arbeitet als Grafikdesignerin und auch als Künstlerin, sie malt vorwiegend Landschaften und Tiere. In Danny Hermanns figürlicher Malerei fließen Reales und Fantastisches farbreich expressiv zusammen. Auf den ersten Blick wirken seine Bilder oft skurril, geheimnisvoll bis düster komisch. Bei näherem Hinsehen entdeckt man viele Bezüge zur heutigen Zeit.

Die Schätze der Gegenwart und Schönheit am Abgrund zeigen die Arbeiten in der derzeitigen Ausstellung „Home Sweet Home“ von Danny Hermann in der Galerie mit Weitblick in Radebeul, Obere Bergstraße 13 noch bis 22. Dezember. Die Wochenendgalerie unterhalb der Weinberge hat sonnnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

Da thront in einem Bild ein Rabe in seinem Nest voll Müll, abstruse Plastikgewächse wuchern. Ein Mann wie ein Außerirdischer in Raumanzug, mit Erdkugelhelm, Schutzbrille und Gasmaske steht vor einem riesigen Pilz, ein anderer steckt in einer Zwangsjacke. Der Himmel ist für VIP`s reserviert, die Hölle steht allen offen in diesen ironisch und symbolreich auf die Welt blickenden Szenarien, in denen Mensch und Natur sich immer fremder werden. In seinen Bildern setzt Danny Hermann sich eindrucksvoll mit Social Media, digitalen Welten, künstlicher Intelligenz (KI), Natur und Umweltschutz auseinander. Zu seinen Anregern und Vorbildern zählt er neben Ralf Kerbach auch Wolfgang Petrick, ein Berliner Künstler, außerdem Edvard Munch und Marianne von Werefkin.

Danny Hermann ist außerdem ausgebildeter, ehrenamtlicher Waldameisenheger. Er zeigt eine Urkunde von einem Seminar der Akademie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und der Ameisenschutzwarte LV Sachsen e.V. aus diesem Jahr. Schon drei Rettungsumsiedlungen, bei denen die Nestbauten von Waldameisen umgesetzt werden an sichere Orte, führte Danny Hermann in Dresden und Umgebung durch. Schon von kleinauf interessieren ihn Insekten, Käfer, Schnecken. Warum gerade diese Kleinstlebewesen? „Vielleicht weil sie so wenig Beachtung finden“, so Hermann. „Ohne Waldameisen sterben irgendwann die Wälder, da sie die Borkenkäfer fressen und Samen verstreuen im Wald.“ Solch ein Ameisenstaat wäre auch mal ein interessantes Bildmotiv.

“Ich will nicht nur zu diesen Themen malen, sondern selber etwas aktiv zum Umweltschutz tun“, sagt Danny Hermann. Er möchte „mit der Kunst etwas bewirken, etwas Bleibendes schaffen und für künftige Generationen hinterlassen.“  Nächsten Sommer will er mit seiner Freundin zelten fahren nach Usedom, mit Malblock und Farben in der Natur, zwei Wochen komplett ohne Technik sein. Im neuen Atelier werden bald Bilder von der Burgruine und dem Tharandter Wald in Herbst- und Winterfarben entstehen. Außerdem sind zwei Ausstellungen geplant im „Urban Schidd“ in der Dresdner Neustadt und in der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden im kommenden Jahr.

Text + Fotos (lv)

http://www.dannyhermann.de

Bilder voller Symbolik, Ausdruckskraft und grotesker Komik, die Denkanstöße geben wollen über eine Gegenwart, in der sich Mensch und Natur immer fremder werden, digitale Welten und KI auf dem Vormarsch sind. Galeristin und Künstlerin Dorothee Kuhbandner, hier bei der Ausstellungseröffnung im September, freut sich über diese besondere Ausstellung des ambitionierten, jungen Künstlers Danny Hermann.


„Der Hirte“, das Titelbild der Ausstellung von Danny Hermann in Radebeul und nach seinem Umzug von Dresden in seinem neuen Atelier in Tharandt.

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Premiere „Der Raub der Sabinerinnen“ in der Comödie Dresden

08 Dienstag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Theater, Zwischenmenschliches

≈ Ein Kommentar


Die Freuden und Leiden des Theaterlebens: Komik und Dramatik, Leben und Bühne mischen sich köstlich mit viel Humor und Selbstironie in der Inszenierung „Der Raub der Sabinerinnen“ mit Tom Pauls in der Rolle des umtriebigen Theaterdirektors Emanuel Striese in der Comödie Dresden. Foto: Robert Jentzsch

Ein hochkomisch dramatisches Sittendrama im Erfolgstaumel

Der Komödienklassiker „Der Raub der Sabinerinnen“ hatte in einer Neubearbeitung von Peter Kube mit vielen aktuellen Bezügen rund um Theater und wirkliches Leben Premiere in der Comödie Dresden. Dort gab es auch ein Comeback für das Zwinger-Trio Dresden.

Ganz wie im echten Leben: Theater voller Liebe, Schmerz, Verderben und Sterben, zum Lachen und Heulen schön. So feierte der Komödienklassiker „Der Raub der Sabinerinnen“ frei nach Franz und Paul von Schönthan und dem Film von Kurt Hoffmann in einer Neubearbeitung von Peter Kube, der auch Regie führt und mitspielt, Premiere im September in der Comödie Dresden.

Mit viel Humor, Herzblut, Theaterzauber und Kampfgetöse kam die Inszenierung auf die Bühne. Komödie und Tragödie liegen nah beieinander mit vielen aktuellen Bezügen. In Trauerspielen zeige sich gerade sehr das wirkliche Leben. Sein oder Nichtsein, deklamiert Tom Pauls gleich zu Beginn heroisch als Hamlet im barocken Kostüm. Darum geht es buchstäblich auch mit seinem schwächelnden Wandertheater, das im in einem Dorfgasthof gerade für ein neues Stück probt. Pauls spielt den Theaterdirektor Emmanuel Striese mit mal zartbesaitetem Gemüt als Künstler und verteidigt scharf sein Theater, für das er alles tut. Eine Paraderolle für den Erzkomödianten Tom Pauls, der selbst ein Theater in Pirna führt. Urkomisch in breitem Sächsisch hält er die hehre Klassik hoch, die Kassengift heutzutage ist. Er zieht alle Register und ist erst zufrieden, wenn die Träne quillt beim Zuschauer. Ereifert sich über moderne Stücke, die keiner mehr versteht, penible, lebende Autoren, die einem erst den Mund wässrig reden mit neuen Stücken und dann ängstlich einen Rückzieher machen.

Das Publikum erlebt hautnah die Freuden und Leiden des Schauspielerlebens, wie aus dem hanebüchenen, trockenen Historienstück des Gymnasialprofessors Gollwitz ein hochkomisches, dramatisches Sittendrama aus dem alten Rom und Stück zur Gegenwart wird. Und außerdem wird weidlich die Liebe zum Theater, seine Magie und Kraft beschworen und gefeiert. Der „Raub der Sabinerinnen“ wurde letztmals 1999 in der Comödie Dresden gespielt mit Hans Teuscher, Alfred Müller und Günther Schubert. Dort gab es nun nach 25 Jahren ein großartiges Comeback mit dem Zwingertrio Dresden, bei dem Jürgen Haase als Kneiper und Römer, Peter Kube als biederer und um seinen Ruf besorgter Professor Gollwitz und Tom Pauls als leidenschaftlich gewiefter Theaterdirektor Striese gemeinsam auf der Bühne standen. In einer Szene singen sie zusammen adrett in Jacketts und mit Sonnenbrillen mit witzig hehrer Hingabe ein romantisches Lied „Ein Stern fällt vom Himmel…“.  Cornelia Kaupert spielt Luise, die Frau des Theaterdirektors ganz nach dem Motto: „Ich bin so jung wie ich mich schminke!“ Als taffe, erfolgshungrige Professorengattin überrascht Tine Josch, die von den Landesbühnen Sachsen „ausgeborgt“ ist.

Das Hausmädchen Rosa (Dorothea Kriegl) liest heimlich das Stück vom Raub der Sabinerinnen, weint vor Rührung, schwärmt davon dem Theaterdirektor vor und will am liebsten mitspielen. Der wittert gleich seine Chance und bringt das Stück über alle Hindernisse hinweg groß heraus, einfallsreich mit wenig Geld und Personal. In Bedrängnis fragt Striese: „Wollen wir die Römerschlacht weglassen, nur noch Blümchenkaffee und Eierschecke bringen?!“ Und bekommt Szenenapplaus. Herrlich komisch, wie die paar Darsteller als Römerheer mit weißen Umhängen, Pappschwertern und Rollatoren mit Pferdeköpfen aufmarschieren, im Kreis rings um die Bühne rein und raus gehen und wegrennen. Und schön wortwitzig wie sich das Hausmädchen Rosa und der Schauspieler Emil Sterneck (Erik Brünner) in einer Schlüsselszene näher kommen, Wie das Stück, das vermeintlich ein Reinfall ist, ein grandioser Erfolg wird, da Komik und Dramatik, Leben und Bühne sich mischen samt Einrichtungsgegenständen aus der Wohnung von Gollwitz. Kurioser Höhepunkt dabei ist der sprechende Papagei als römischer Kriegsadler auf goldbemaltem Schrubber. Reichlich Beifall vom Publikum gab es für einen hinreißenden, lebensprallen Theaterabend.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

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Über uns

Willkommen in diesem reichhaltigen Garten der Künste – Hier blüht Euch was! Hier wächst vieles, Schönes und Dorniges, Auffälliges und Verborgenes, Seltenes und Seltsames nebeneinander. Hier erfahrt Ihr das Neueste aus der Dresdner Kultur- und Kunstszene in aller Eigenart und Vielfalt. Sitzt man auf der Gartenbank mit namhaften und weniger bekannten Kulturmenschen und Menschen mit Ideen und Visionen aus anderen Lebensbereichen. Zeigen Künstler beim Atelier-Besuch ihre neuesten Werke, bevor sie in der Ausstellung hängen und erzählen, welche Bilder sie nie ausstellen würden. Wird Neues aus der Bühnen- und Bücherwelt vorgestellt, Augen- und Ohrenschmaus weitergegeben. Es gibt ein Traumtagebuch, für die Bilder der Nacht und Lebensträume. Es ist Platz für Poesie und Kurzprosa, Reisereportagen, Beiträge über das Leben mit anderen Kulturen, über Lebensart und Zwischenmenschliches. Es werden WortRaritäten gesammelt und Wort-Rätsel mit geheimnisvollem Inhalt gelüftet. Und nun: Schaut Euch um, entdeckt, genießt und lasst Euch anregen von der Fülle an Kulturgewächsen. Und vor allem: Bleibt schön neugierig und empfehlt meinwortgarten weiter.
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Lilli Vostry

Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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Top-Beiträge & Seiten

  • Atelierbesuch bei Kathrin Stadthaus: "Ich fühle mich überall zuhause"
  • Ausstellung "Tiere und Menschen" zum Gedenken an Hans Grundig in der Galerie Mitte
  • Kunst aus Tschechien in der Galerie Rainar Götz
  • Friedensmalfest & Ausstellung mit Kinderbildern beim Verein "Das Zusammenleben" in Freital
  • Ausstellung "Bilder ohne Rahmen" von Ausdrucksmalern in der Städtischen Galerie Dresden
  • Scham. 100 Gründe rot zu werden - Neue Sonderausstellung im Hygiene-Museum Dresden
  • Erotischer Advent: Malerei und Musik über das Geheimnis der Liebe in der Galerie Kunst & Eros
  • Atelierbesuch bei Renate Winkler in Radebeul & Reisebilder
  • Singspiel "Abu Hassan" von Carl Maria von Weber in der SLUB Dresden
  • Mein schönstes WeihnachtsGeschenk: die erste Gedicht-Veröffentlichung in einem Buch

Aktuelle Beiträge

  • Bühne frei für: „Lyrik unter freiem Himmel“ auf dem Konkordienplatz in Dresden
  • Jubiläumsausstellung „handsam“ von Angela Hampel in der Galerie Mitte in Dresden
  • Neue Lyrik: Frühlingsanfang & Blütensterne & Frühlingsbeginn (Ohne P.)
  • Leipziger Buchmesse beendet mit neuem Besucherrekord
  • Leipziger Buchmesse: Menschen am Fluss & Romantasy & Wo sich die Erde verändert. Empfehlungen für den letzten Buchmesse-Tag.
  • Leipziger Buchmesse: Halbzeit mit neuem Besucherrekord
  • BilderAlbum: Unterwegs in der Welt der Bücher auf der Leipziger Buchmesse
  • Die Preisträger der Leipziger Buchmesse 2026
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  • Leipziger Buchmesse: Besondere Bücherschätze auf der Antiquariatsmesse

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