Unterwegs: Schloss Burgk in Freital hat eine großartige Kunstsammlung & eine Schaubergwerksanlage


Kulturelle Oase abseits vom Großstadttrubel: Im Innenhof von Schloss Burgk kann man gemütlich entspannen und feinen Kuchen und Eis aus dem Schlosscafé genießen. Zu Ostern lockt hier ein mittelalterliches Spektakel, außerdem neue Ausstellungen, Theater Open Air und Kunstperformances, erzählt Kristin Gäbler, die neue Schlossherrin von Burgk.


„Gotthardt Kuehl. Ein Lichtblick für Dresden“, so heißt eine Ausstellung mit Malerei des großen Dresdner Impressionisten, die ab 31. Juli in den Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk zu sehen ist. Kristin Gäbler vor einem Bild des Künstlers.


Bergbaugeschichte erkunden können Besucher in der nach zwei Jahren wieder öffnenden Bergbauschauanlage, die sich hinter dem Schloss Burgk in einem schönen Landschaftspark befindet. Ab April gibt es hier wieder Führungen. Außerdem die Ausstellung „Ins Licht“ – Streifzüge durch die Bergbaufotografie im Döhlener Becken (noch bis 18. April zu sehen.)

Mittelalterliches Osterspektakel und Freiluftmalerei für alle

Reichlich Kulturerlebnisse locken nach der Corona-Pause wieder auf Schloss Burgk in Freital.

Die Frühlingssonne taucht den Schlossinnenhof in warmes Licht. Vögel zwitschern in den hohen alten Bäumen. Draußen vor dem Schlosscafé sitzen einige Besucher gemütlich bei Kaffee und Kuchen und am Eisausschank steht schon eine Schlange. Nach dem coronabedingt langen Winterschlaf locken jetzt auf Schloss Burgk in Freital auch wieder reichlich kulturelle Angebote. Im prall gefüllten Programm stehen neue Ausstellungen, Kunstperformances, eine Freiluftmal-Aktion für alle im Sommer, ein Theater-Open-Air der Gruppe Spielbrett aus Dresden mit Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ (11.6., 20 Uhr), der Dokfilm „Freital 2018“ mit anschließendem Gespräch mit dem Dokumentarfilmer und Journalist Axel Kaspar (3.4., 11 Uhr, Festsaal auf Schloss Burgk), Vorträge zur Bergbaugeschichte und Führungen durch die im April wieder öffnende Bergbauschauanlage.

Zu Ostern gibt es im Innenhof von Schloss Burgk ein mittelalterliches Spektakel, das zusammen mit dem Projektzentrum Dresden veranstaltet wird vom 16. bis 18. April. Mit historischen Buden, umherwandelnden Spielleuten, Jongleuren und Kinderreiten durch den Schlosspark. „Wer im Kostüm erscheint, bekommt vergünstigten Eintritt“, sagt Kristin, Gäbler. Sie ist seit einem Jahr die Leiterin der Städtischen Kunstsammlungen auf Schloss Burgk. Den Wechsel von der Städtischen Galerie in Dresden, die sie als Museologin zusammen mit dem Direktor Gisbert Porstmann aufbaute, hierher sieht sie als Herausforderung. Sie sei mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen. Auf Schloss Burgk ist Kristin Gäbler nun die Chefin. Freital habe eine hervorragende Kunstsammlung. Da die Chefstelle zugleich die Kuratorenstelle für die Kunst sei, kann sie auch über die Ausstellungen entscheiden. Kristin Gäbler ist Spezialistin für Dresdner Kunst und kennt ihren Vorgänger Rolf Günther gut, der nun pensioniert ist. Mit ihm habe sie viele Ausstellungen, Bilder und Fachwissen ausgetauscht.

Ihre erste kuratierte Ausstellung bei den Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk war im Frühjahr letzten Jahres eine große Schau mit Freitaler Kunst im weitesten Sinne, von den Anfängen 1921 bis zur Gegenwart. Mit Arbeiten von Matthias Jackisch, Wolfgang Petrovsky, Olaf Stoy, Peter Fritsche u.a., Künstlergesprächen und weiteren Aktionen. „Es war immer voll“, sagt sie. 18 Tage war die Ausstellung geöffnet, die eigentlich bis Juni zu sehen sein sollte. Dann kam die Schließung im zweiten Lockdown der Corona-Pandemie. „Das war natürlich schade und es kamen auch Besucher, die dies sehr bedauert haben.“ Einen Tag lang war Schloss Burgk rot angestrahlt, wie viele andere Kulturstätten in der Region, um gegen die Schließung von Kultureinrichtungen zu protestieren. Im Herbst konnten die Besucher dann am Denkmalstag erstmals auf den Schlossturm von Burgk hochsteigen, die historische Uhr sehen und aufziehen, die alten Kamine, Schornsteine und Lamellenfenster betrachten. Fünf Leute pro Stunde durften hinauf. “Das war ein großer Erfolg, daher wollen wir die Turmbesteigung dieses Jahr wiederholen“, so Kristin Gäbler. Die Weihnachtsausstellung mit historischem Blechspielzeug und Eisenbahnen konnte leider nicht in der Adventszeit öffnen, wurde aber bis Ende Januar verlängert.

Die nächste große Personalausstellung in den Städtischen Sammlungen Freital zeigt unter dem Titel „Idylle“ Malerei von Jochen Fiedler, einem Kuehl-Nachfolger, ab 8. Mai bis 3. Juli. Danach sind ab 31. Juli Werke des großen Dresdner Impressionisten Gotthardt Kuehl zu sehen. Parallel zur Ausstellung startet die Freiluftmalaktion „Guck! Mal!“, bei der fünf goldene Bilderrahmen im Schlosspark stehen werden, durch die jeder gucken und mit Pinsel, Farben und Stiften auf Leinwand und Papier das Gesehene – ob Bäume, ein Denkmal, Wolken, ein Schloss oder ein Gesicht – festhalten kann. Die Bilder können bis 9. Oktober an der Museumskasse abgegeben werden. Alle Arbeiten des Mal- und Zeichenwettbewerbs werden im Schloss gezeigt und eine Jury aus Künstlerinnen, Museumsleuten und „Freitaler Prominenz“ kürt das schönste Bild mit Preisverleihung am Abschlusstag am 16. Oktober, um 15.30 Uhr. Außerdem startet eine „Taschenlampenführung“ für Kinder durch die Kunstsammlung mit
Steffen Petrenz am 30. Juni., um 14 Uhr und eine Führung für die Großeltern mit Kristin Gäbler. Unter dem Motto „Sommer Kunst und Kuchen“ wird ab 21. Juni, 14.30 Uhr, immer dienstags zum Bilder-Plausch vor dem Schlosscafé eingeladen. Dort gibt es hervorragenden, feinen Kuchen, weiß Kristin Gäbler.

“Wir hoffen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist mit unserem Angebot und sind dankbar, dass die Stadt sich auch während der schwierigen Corona-Zeit zu den Städtischen Sammlungen bekennt und uns unterstützt.“ Die Mindereinnahmen infolge von fehlenden Besuchern und Eintrittsgeldern würden über den allgemeinen Haushalt ausgeglichen, sagt Matthias Weigel, Pressesprecher der Stadt Freital. Die genaue Summe lasse sich schwer abgrenzen. Ein Blick auf die Besucherzahlen in den Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk verdeutliche die Situation am besten: 23 715 Besucher kamen 2018, im Jahr darauf erhöhte sich die Zahl auf 24 505, mit Beginn der Corona-Einschränkungen im Jahr 2020 sank die Besucherzahl auf 11 848 und 2021 nochmals auf 10 040 Besucher. „Wenn die Corona-Regeln ab April wegfallen, hoffen wir, dass dann alles stattfinden kann“, sagt Kristin Gäbler zuversichtlich.

Text + Fotos (lv)

http://www.freital.de/museum

Alice im Wunderland nach Lewis Carroll an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Wunderreiche Verwandlungen

Die Inszenierung „Alice im Wunderland“ ist wieder zu erleben am 1. April, um 19.30 Uhr auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Ein Uhrzifferblatt, die Zeiger drehen sich unaufhaltsam. In der Mitte erscheint das Gesicht einer alten Frau, Alice (berührend komisch: Anke Teickner). Sie sitzt im Nachthemd und langen weißem Haar auf einem Stuhl auf der kahlen Bühne. Ihr Sohn in weißem Shirt und Anzug ist in Eile und rennt einem weißen Kaninchen hinterher oder ist es gar selbst. Sie wundert sich, wo und warum sie hier ist, in diesem leeren Raum?! Sie hat das Gefühl, die Welt dreht sich um sie im Kreis und sie ist mittendrin und weiß nicht wohin…

Ihr begegnen Gestalten, die ihr unheimlich, rätselhaft sind, die sie ängstlich und misstrauisch betrachtet. Die strenge Frau im weißen Kittel (Sabine Köhler), die sie ausfragt und ihrem Gedächtnis auf  die Sprünge helfen will. Zwei Pfleger Dideldum und Dideldei (grotesk: Michael Berndt-Cananá und Grian Duesberg), die mit Alice und einem anderen Bewohner (traurig-abgestumpft: Michael Heuser) des Pflegeheims im Kreis gehen, streiten, welcher Wochentag ist und die Monotonie versuchen etwas aufzulockern, mit lustigen Wortspielen und Schwimmbewegungen. Die junge Alice (Luca Lehnert) taucht in eine fantasievolle Traumwelt ein, mit schönen, aberwitzigen, traurigen bis dramatisch-komischen Szenen, in denen sie sich neugierig, klug und tapfer behauptet.

Dann sind da noch der verrückte Hutmacher, der Märzhase, ein hochnäsig, superschlaues Ei und die Herzkönigin, die für reichlich Staunen, Spaß und Verwirrung sorgen, begleitet von einer Fülle surrealer Traumbilder, in mal heiteres, warmes und düsterrotes Licht getaucht, sphärischen, lustigen, grusligen und geheimnisvollen Klängen (Komposition: Tobias Herzz Hallbauer) in der Aufführung „Alice im Wunderland“ nach Lewis Carroll von Roland Schimmelpfennig.

Mit viel Sprachwitz, absurd-komischem Spiel, Bewegung, Liedern und Klängen erzählt die Inszenierung in der Regie von Sandra Maria Huimann die Geschichte von Alice im Wunderland als die einer Frau, die an Alzheimer Demenz erkrankt ist. Ein Gleichnis aber auch für die stetige Verwandlung der Welt und des eigenen Lebens und die Suche nach Antworten auf die spannende Frage: Wer bin ich wirklich?! Ein schön ironisches Spiel auch mit der Bedeutung und dem Doppelsinn von Worten, die jeder ihnen gibt wie es gerade beliebt. Die Inszenierung entstand während der Corona-Zeit mit ihren Kontaktbeschränkungen in einer Kooperation der Landesbühnen Sachsen mit dem Societaetstheater Dresden. Dort war letztes Jahr im Oktober die Premiere. Die Aufführung fand viel Anklang beim Publikum.

Das Wunderland ist auf keiner Landkarte verzeichnet, es existiert nur in deinem Kopf, heißt es zum Schluss. Alles ist möglich, alles wird anders, wenn du es siehst. Alles beginnt in deinem Kopf.

Text (lv)

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

Vortrag & Hilfsaktion für Ukraine: „Verfeindete Brüder. Das russisch-ukrainische Verhältnis im Verlauf der Geschichte und der aktuelle Krieg in der Ukraine“

Nachdenken über die Bilder des Krieges und Spendenaktion für eine Frühgeborenen-Station in Kiew

Der Vortrag „Verfeindete Brüder. Das russisch-ukrainische Verhältnis im Verlauf der Geschichte und der aktuelle Krieg in der Ukraine“ mit Oberstleutnant Holger Hase, Vorsitzender des Denk Mal Fort! e. V. findet am 6. April, um 18 Uhr in der Gedenkstätte Bautzner Straße statt. In einer Villa gegenüber lebte Putin übrigens als ehemaliger KGB-Offizier während der Stationierung russischer Truppen in Dresden in der DDR bis zur Wende. Die Gedenkstätte Bautzner Straße spendet Eintrittsgelder an Kiewer neonatologische Klinik.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Bautzner Straße sind zutiefst betroffen von den gegenwärtigen Ereignissen in der Ukraine. Wir verurteilen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins und fordern eine sofortige Beendigung. Tausende unschuldige Zivilisten wurden verletzt oder getötet, Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Auch das Undenkbare passiert: Krankenhäuser und Geburtsstationen werden bombardiert. Menschenrechtsverletzungen stehen auf der russischen Tagesordnung.

Es ist schwer, einfach nur hilflos zuzusehen und wir möchten den Ukrainerinnen und Ukrainern unsere Solidarität zusichern, indem wir die blau-gelbe Flagge mit den ukrainischen Nationalfarben an der Gedenkstätte anbringen. Wir wollen aber nicht nur dieses Zeichen setzen, sondern auch finanzielle Hilfen leisten. So werden am Mittwoch, dem 6. April 2022 alle Eintrittsgelder gespendet, die in der Gedenkstätte Bautzner Straße gezahlt werden.

 Ebenfalls am 6. April  wird um 18 Uhr zur Informationsveranstaltung „Verfeindete Brüder. Das russisch-ukrainische Verhältnis im Verlauf der Geschichte und der aktuelle Krieg in der Ukraine“ eingeladen. Oberstleutnant Holger Hase, Vorsitzender des Denk Mal Fort! e. V., wird die Bilder des Krieges, die uns täglich in den Nachrichten erreichen, unter einer militärischen Perspektive versuchen einzuordnen und die historische Entwicklung und Staatengründung der Ukraine im 20. Jahrhundert darstellen.

Die eingenommenen Spenden sollen den kleinsten und schutzbedürftigsten Menschen zugutekommen. Über die deutsche Stiftung Kranke Neugeborene (DSKN) wird Geld gesammelt für dringend benötigte Medikamente und weiteres medizinisches Zubehör zur Versorgung kranker Neugeborener und Frühgeborener in einer neonatologischen Einrichtung in Kiew. Der Verein „Apotheker ohne Grenzen“ organisiert den Transport und die Verteilung der Hilfsgüter. Da die Frühgeborenen-Station mittlerweile auch den Angriffen zum Opfer gefallen ist, werden die Kinder im Keller versorgt und der Hilfsbedarf ist akuter denn je.

Deutsche Stiftung Kranke Neugeborene: www.DSKN.org

Spendenkonto:
Deutsche Stiftung Kranke Neugeborene
Bank für Kirche und Caritas eG
IBAN: DE79 4726 0307 0043 9400 00 | BIC: GENODEM1BKC

Text: Dr. Christine Bücher
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden
Bautzner Straße 112a
01099 Dresden

Home: www.stasihaft-dresden.de

Das Geburtstagskonzert zum 50. von Jazzposaunist Micha Winkler wird nachgeholt & Programm mit dem Dresden Swing Quartett und dem Sänger Gunther Emmerlich


Vielseitig musikalisch unterwegs: der Posaunist Micha Winkler.

Leidenschaft für Klänge von Jazz bis Polka

Das krankheitsbedingt ausgefallene Geburtstagskonzert von Micha Winkler wird am 9. Juli nachgeholt. Am 31. März, um 20 Uhr begleitet er mit seinem „Dresden Swing Quartett das Programm „fortgeschritten“ von Gunther Emmerlich im FriedrichstaTT Palast am Wettiner Platz 10 (Eingang Jahnstraße) in Dresden.

Wenn Töne in aller Fülle funkeln, flüstern, hüpfen, springen oder quietschen, ist Micha Winkler ganz in seinem Element. Mit Posaune, Tuba, Trompete und Loop-Station begleitet er klangreich Kabarettisten und Geschichtenerzähler, leitet und spielt er erfolgreich in verschiedenen Bands. Der Jazzposaunist und Multimusiker Micha Winkler wollte am 19. März seinen 50. Geburtstag mit einem Konzert mit seiner „Dresden Bigband“ sowie musikalischen Freunden und Künstlerkollegen im FriedrichstaTT Palast  feiern, Daraus wurde krankheitsbedingt leider nichts.

Dafür begleitet Winkler mit seinem „Dresden Swing Quartett“ am 31. März, um 20 Uhr im Programm „fortgeschritten“ den populären Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich, der Heiteres, Interessantes und zuweilen auch Besinnliches aus seinem bewegen Künstlerleben liest und auch den oder anderen Ohrwurm mitswingt mit seiner Bassstimme.

Mit zehn Jahren begann Winklers Musikerlaufbahn, kam er beim Meißner Pionierblasorchester in seiner Heimatstadt erstmals mit der Posaune in Berührung. „Die Verteilung der Instrumente ging nach dem Alphabet und bei W waren nur noch Posaune und Tuba  übrig“, erzählt Winkler schmunzelnd. Eigentlich wollte er Klarinette oder Trompete spielen wie sein Vater. Mit vierzehn gründete Winkler mit Gleichgesinnten seine erste Jazzband. „Wenn die anderen zur Disco gingen, spielten wir mit dem Orchester Konzerte. Der Orchesterleiter Siegfried Göckert war Musiker bei den ,Dresdner Tanzsinfonikern`. Dadurch habe ich mich auch früh mit dem Jazz- und Swing-Virus infiziert.“

Und das ließ ihn nicht mehr los. Als Winkler über Wochen einen Ton, das „F“, übte, fragten die Nachbarn seine Eltern, ob sie jetzt ein Schaf hätten?! Sie erwiderten: „Nee, unser Sohn spielt Posaune!“ Es braucht Zeit, Erfahrung und nicht zuletzt die körperliche Statur, bis es schön klingt, weiß Winkler. Er studierte fast zehn Jahre Jazzposaune, Arrangieren und Komposition bei den Professoren Hans Hombsch, Henry Walther und Rainer Lischka an der Dresdner Musikhochschule und danach in der Meisterklasse als Posaunist bei Prof Jiggs Wigham in Berlin, der als Jazzposaunist bei der Rias-Bigband spielte. Der schwedische Posaunist Nils Landgren ist ein großes Vorbild für Winkler. „Da er vielen Menschen Zugang zu Jazz gewährt, der sonst immer noch zu avantgardistisch erscheint.“

Micha Winkler zeigt, dass es auch  anders geht. Seine Posaune kann schmissig schmettern, feurig oder erhaben feierlich klingen. Und die Posaune kommt der männlichen Stimme am nächsten mit ihrem kräftig warmen Ton. Winkler ist vielseitig musikalisch unterwegs, seit 2008 vorwiegend als Musiker und Bandleader mit eigenen Projekten, darunter mit Sänger Gunther Emmerlich und dem „Dresden Swing Quartett“. Emmerlich ist auch der Ehrenpräsident des Fördervereins im FriedrichstaTT Palast. Mit der Jindrich Staidel Combo spielt Micha Winkler fröhlich mitreißende Musik, Jazzpolka.

„Meine Leidenschaft ist es, verschiedene künstlerische Genres, Stile und Menschen zu verbinden“, so Winkler. Wie im Großprojekt „Jazzmaschine“, wo mehrere Musiker eine Installation aus Schrott bespielten Kurz vorm Lockdown letztes Jahr im Oktober brachte Winkler noch ein Programm „Diktator Alligator“, die anrührende Lebensgeschichte eines Krokodils im Moskauer Zoo, mit dem Autor Francis Mohr  heraus. Jetzt steht der FriedrichstaTT Palast wieder offen, dessen Mitbetreiber und musikalischer Leiter Micha Winkler an der Seite von Schauspielerkollege Thomas Schuch seit 2019 ist.

Das Geburtstagskonzert wurde auf den 9. Juli verlegt, wo Künstlerkollegen und Weggefährten Micha Winkler nachträglich musikalisch gratulieren und mit ihm zusammen eine reichliche Ladung Swing und Jazz auf die Bühne bringen werden. Mit Blick auf`s neue Lebensjahrzehnt sagt Micha Winkler: „Mit 50 mache ich nur noch, was Spaß macht!“ Gerade erschienen ist seine erste CD mit eigenen Songs, erhältlich im FriedrichstaTT Palast und über seine Webseite www.michawinkler.de

Text + Foto (lv)

http://www.dresdner-friedrichstatt-palast.de

Neue Reihe „Sprachen machen Leute“: Lesung mit dem Lyriker José F.A. Oliver im Erich Kästner-Literaturhaus

Wörter mit Weltbiss

Der aus Andalusien stammende Dichter José F.A. Oliver stellt  seinen aktuellen Gedichtband „wundgewähr“ bei einer Lesung (Moderation: Michael G. Fritz) am 6. April, um 19 Uhr im Erich Kästner-Literaturhaus Dresden, Antonstraße 1/Albertplatz vor. Voranmeldung wird empfohlen.

Die Reihe „Sprachen machen Leute“ startet am 6. April mit dem Lyriker José F. A. Oliver in das Veranstaltungsjahr 2022. Oliver, der „nomadische Heimatdichter“ (Ilija Trojanow), stellt seinen aktuellen Gedichtband „wundgewähr“ vor, in dem er wieder einmal seine Leichtigkeit im Umgang mit Sprache(n) unter Beweis stellt.

Der in Hausach (Schwarzwald) geborene Lyriker andalusischer Herkunft „begreift Lyrik als Seinsform und damit Literatur als grundlegend für die Existenz, weil sie es bei aller erzählerischer Stringenz ermöglicht, die poetische Vieldeutigkeit aufrecht zu erhalten und so das Nebeneinander von Sichtweisen bejaht“, wie Guy Helminger die Auszeichnung Olivers mit dem Heinrich-Böll-Preis 2021 begründete.
„Oliver hat sich einen Ernst zu eigen gemacht, dem oft ein Schalk im Nacken sitzt. Aber so wie die Narren in den Theaterstücken, die die eigentlich Klugen sind.“
Jürgen Brôcan, fixpoetry

José F. A. Oliver schreibt mit „messer & gabel & schere & licht“. Nach Belieben ist Oliver das Kind, das mit den Sprachen spielt. Er stibitzt sie, wie das Kind die ihm verwehrten Instrumente. Aber Oliver lässt die Sprachen nicht feiern, er gibt sich keinen  Sprachspielen hin, er macht aus ihnen lauter Spielsprachen. Bald humorvoll, bald zornig, auch ironisch, mitunter bitter und oft ohnmächtig, zuweilen mit »m:acht« und immer mit Bedacht verleiht er den Wörtern »weltbiss«, um »die welt mit sätzen zu verbessern« und in Gegenwart des Todes »die niederkunft der wundgewähr / aus welken & w:erden« zu verkünden.
(Matthes & Seitz)

José F. A. Oliver wurde 1961 in Hausach (Schwarzwald) geboren. Er ist Lyriker, Essayist, Veranstalter und literarischer Übersetzer. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem Basler Lyrikpreis und zuletzt mit dem Heinrich-Böll-Preis. 

Text: Florian Ernst

Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.
Villa Augustin
Antonstraße 1
01097 Dresden
Tel 0351 / 8045087

kontakt@kaestnerhaus-literatur.de
www.kaestnerhaus-literatur.de

Kleines Welttheater in Radebeul spielt wieder


Humorist, Menschenfreund & Naturliebhaber: Alf Mahlo genießt die Ruhe im Wald an der Triebisch. „Wer nichts wissen will, muss alles glauben. Das Gebot der Zeit ist, bei sich zu bleiben und sich wirklich kennenzulernen: Wer bin ich?“ Nachdenkliche Worte von einem Komiker. Foto: privat

Humorvolle Lebensweisheiten im Frisörsalon

Die Komödie „Locken im Sturm“ eröffnete die neue Spielsaison im Kleinen Welttheater in Altkötzschenbroda. Entertainer Alf Mahlo will zudem ein neues Theater auf dem Land errichten.

Gut geschnitten ist halb gewonnen. Bei Giacomo Messerschmitt
bekommt jeder den passenden Kopfschmuck. Und mancher bekommt den Kopf gewaschen im doppelten Sinne. „Locken im Sturm“, so heißt die neue Komödien-Show, mit der das Kleine Welttheater in Radebeul-Altkötzschenbroda Anfang März nach der langen Corona-Pause wiedereröffnete und in die neue Spielsaison startete mit zwei ausverkauften Vorstellungen. Die nächsten Vorstellungen von „Locken im Sturm“ sind dort am 1. und 2. April, 20 Uhr.

Das humorvoll frivole Stück spielt in einem Frisörsalon. „Dorthin kommen illustre Typen zum Haare schneiden, wobei auch verschiedene soziale Schichten aufeinander knallen und tief blicken lassen“, erzählt der Entertainer und Komiker Alf Mahlo, der das Stück schrieb und als Frisörmeister und „trällernde Schmalzlocke“ zu erleben ist. Schauspielerin Henriette Ehrlich spielt die Frisöse Yvonne, bei der Zittern angesagt ist, wenn sie das Rasiermesser wetzt. Auch die anderen Figuren spielen sie selbst, gewohnt witzig schräg. Regie führt der Schauspieler Mario Grünewald, der in anderen Stücken des kleinen Ensembles mit auf der Bühne steht.

Vor drei Jahren erfüllten sich Alf Mahlo und Henriette Ehrlich den Traum vom eigenen Theater, in dem sie eigene Produktionen zeigen. „Wir möchten Theater für lebendige, mitdenkende Menschen machen.“ Die Spielstätte in einem umgebauten, alten Scheunengebäude mit urigem Flair hat 80 Plätze. Derzeit können coronabedingt weniger Besucher rein. Für Theatervorstellungen, Firmenevents und Familienfeiern kann der Raum  genutzt werden. Das Kleine Welttheater arbeitet eng zusammen mit dem Betreiber des Wirtshauses Sonnenhof im vorderen Gebäude. Wer mag, kann vor dem Theaterbesuch auch ein extra Dinner bestellen. Das Angebot wurde bisher gut angenommen, so Alf Mahlo. Es gebe bereits ein Stammpublikum, aber auch zufällige Besucher. Die Corona-Zeit mit ihren vielen Schließungen traf das Kleine Welttheater und seine Künstler hart.

Die Schauspieler und Techniker arbeiten freischaffend, die Spielstätte wurde bisher ohne laufende Subventionen von Stadt und Land aufrechterhalten. „Alle Kosten von Werbung über Künstlerhonorare, Mieten, Technik und Versicherungen werden ausschließlich von den Karteneinnahmen bestritten“, so Mahlo. Die Tickets kann man im Vorverkauf auch online buchen. Aus einem Neustart-Fonds der Deutschen Theater und Technikgesellschaft (DTHG) bekommt das Kleine Welttheater jetzt finanzielle Unterstützung für die technische Einrichtung. “Wir strukturieren das Theater so um, dass wir flexibler spielen können, wenn noch mal solch eine Situation kommt“, sagt er. Da der Raum nicht groß genug ist für Umbauten wegen der Corona-Maßnahmen, hat das Kleine Welttheater neue, robuste Technik angeschafft, auch für mobile Veranstaltungen und Open-Air-Aufführungen. Der Spielplan steht vorerst bis Ende Mai. Gespielt wird weiterhin im Kleinen Welttheater und auf Reisen.

Die Komödianten touren sachsenweit und in Sachsen-Anhalt mit ihren meist musikalischen Stücken wie „Mit Cha, Cha, Cha um die Welt“. Weiterläuft auch die Komödie „Jägerstolz im Unterholz“ mit Musik und viel Halali aus dem Moritzburger Wald. In Moritzburg wohnen Alf Mahlo und Henriette Ehrlich mit Sohn Alfons auf einem eigenen Hof mit Pferden, zwei Hunden und Katzen. Der inzwischen 13-Jährige spielt Schlagzeug und macht Leistungssport. Mujy Thai, eine Kampfsportart. Das Soloprogramm „Der Menschenfreund“ bringt Alf Mahlo völlig neu überarbeitet mit Bezügen zur Wirklichkeit am 6. Mai, 20 Uhr wieder auf die Bühne im Kleinen Welttheater.

„Wir sind durch diese Zeit gekommen, weil wir Freunde und Herzensmenschen haben, die füreinander einstehen. Uns helfen gute Gedanken, Leidenschaft und ein Lebenskonzept. Jeder muss sein eigenes finden“, so Mahlo. Er hat schon ein neues Stück im Kopf für eine neue Spielstätte. „Wir barmen nicht rum wegen der ganzen Maßnahmen. Wir handeln antizyklisch und errichten ein neues Theater auf dem Lande“, mehr verrät er noch nicht.

Text + Foto (1) (lv)

http://www.kleines-welttheater.de

Alf Mahlo am Eingang zum Kleinen Welttheater in Radebeul-Altkötzschenbroda. Hier locken Theater- und kulinarischer Genuss im Restaurant „Sonnenhof“ nebenan. Auf dem Spielplan steht intensives Körper- und Sprechtheater mit viel Musik und schwarzhumorigen, absurden Elementen.

Tatort Radebeul – Film-Premiere im Lügenmuseum

Tatort Radebeul – der Krimi aus Radebeul

1. April ab 19 Uhr – Premiere im Lügenmuseum. Zum Weltlügentag werden die ersten 20 Folgen als Premiere im Lügenmuseum vorgeführt.

Tatort Radebeul, die Stadt der Millionäre, das sächsisches Nizza, Verflechtungen hinter den Kulissen, kann man sich vorstellen. So gab es eine Filmförderung, Juliane Vowinckel Treatments, Marco Borowskis Kamera und Schnitt, Reinhard Zabka als Regisseur schritten zur Tat.

Erfahrungen der Künstler im öffentlichen Raum, direktes Wirken ohne doppelten Boden, wurde auf die Filmarbeit übertragen. Die kurzen Filme beinhalten fiktive und dokumentarische Storys, lokale und kunsthistorische Bezüge rund um das Lügenmuseum. Happenings, Tänze, Performances, zeitgenössisches Geschehen verweisen auf kulturpolitische Problematiken, auf komplexe Themen des Überlebens.

Etwas ist nicht geheuer, damit fängt der Krimi als logische Folge der modernen Welt an, das Rätsel als neue Form unseres Misstrauens gegenüber der Gesellschaft. Kaum geht das Lügenmuseum über Bord, gibt es den entsprechenden Krimi dazu. Am Anfang liegt da eine Tote, die alles in Gang bringt. Kommissar ermittelt, am Ende steht der Delinquent da, entblößt, beschuldigt, entlarvt.

Der Krimi ist eine Büchse der Pandora, alles auf den Tisch, bis er bricht. In der Fantasie wimmelt es nur so von Ängsten, Intrigen, Entführungen, Verschwörungen, Mord, Totschlag und Hass. Auf der anderen Seite schimmern Hoffnungen, Liebe, Kulinarisches, Radebeul mit seinen Weinbergen und Mentalitäten und vor allem: Gerechtigkeit.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Erste Ausstrahlung 2. April 20.15 Uhr

Jeweils eine Sendung Samstags 20:15 auf luegenmuseum.de und YouTube, 32 Folgen

Reinhard Zabka

Weltlügenball am 1. April im Lügenmuseum Serkowitz & Verlust des einzigartigen Kulturortes droht durch Verkauf des historischen Gasthofs


Ein Huhn als Kunstanstifter. Collage von Reinhard Zabka, 1993

Ort der Wunder und Träume – das Lügenmuseum ringt ums Überleben

Das Lügenmuseum wird zweiunddreißig und lädt KünstlerInnen und Kunstbegeisterte zum Weltlügenball am 1. April, ab 19 Uhr in das fantasievolle Reich im historischen Gasthof in Serkowitz ein. Die Betreiber Reinhard und Dorota Zabka hoffen auf viele UnterstützerInnen zum Erhalt dieses außergewöhnlichen Kulturortes in Radebeul.


Das Lügenmuseum bewarb sich 1995 um eine Mitgliedschaft im Museumsverband des Landes Brandenburg. Die Direktorin war ein Huhn, die Mitglieder der Jahresversammlung brachen in schallendes Gelächter aus und nahmen es auf! Der Verband schätzte den innovativen beispielhaften Unruheherd in der Provinz, der Preise und Stipendien erhielt.

1980 hatte der Künstler Reinhard Zabka in einer verfallenden Bauernkate im sumpfigen Rhinluch sein Sommeratelier errichtete als Rückzugsort von der Prenzlauer Berg Szene. Den Traum des damaligen Bundeskanzlers von einem Deutsch Historischen Museum in Berlin träumte er weiter als Wahres Deutsch Historisches Lügenmuseum in den blühenden Landschaften der brandenburgischen Provinz. Zum internationalen Weltlügentag 1990 eröffnete er sein eigenes Museum.

Der ästhetische Widerstand im Lügenmuseum verunsichert den vertrauten Blick auf die Welt. Sand im Getriebe kehrt der selbstgefälligen Zeit den Rücken. Egal, was die Zeitgenossen urteilen, aber in hundert Jahren sollte es noch existieren. In Sachsen 2012 gestrandet, stieß diese einzigartige Kulturinitiative auf begeisterte Besucher allen Alters, sie lieben diesen außergewöhnlich erfrischenden Kulturort. Der Bürgermeister hatte angeboten, das Lügenmuseum in den verfallenden Gasthof einzuziehen zu lassen, um es aus einer Notlage zu befreien. Nach zehn Jahren Sanierung und Aufbau eines einzigartigen, hochkomplexen Museums steht wieder eine Notlage ins Haus.

Der historische Gasthof soll verkauft werden. Das kulturelle Erbe verliert auf dem Immobilienmarkt seine öffentliche Zugänglichkeit. So ist unklar, ob das Lügenmuseum seinen 33 Geburtstag noch in Radebeul feiern kann.

Text: Reinhard Zabka

Weltlügenball
1. April 2022, 19 Uhr
Lügenmuseum Serkowitz

Bitte helft das Lügenmuseum und sein Domizil zu retten!

Liebe Freunde des Lügenmuseums,

Als wir vor etwa vierzig Jahren den Kitsch aus Müllcontainern sammelten, da wollten wir uns nur über uns selber lustig machen. Es entstand ein Museum von hohem Schauwert und überregionaler Ausstrahlung. Dies soll nun durch den Verkauf der Immobilie obdachlos werden.

Bitte unterschreibt unsere Petition und leitet sie weiter

https://www.openpetition.de/!luegenmuseum

Das Lügenmuseum wird 32, Das feiern wir am internationalen Weltlügentag

https://youtu.be/JbLIrteVFOA

Es danken Euch herzlich: Dorota und Reinhard Zabka

Lügenmuseum
Kötzschenbrodaer Str. 39
01445 Radebeul / Dresden
+49 176 99 02 56 52
www.luegenmuseum.de

Fülle des Lebens & der Farben & Formen: Ausstellung „Alterswerke – Kunstgeschicht(e)n erzählen“ auf der Albrechtsburg Meißen


Schöne Überraschung auf dem Weg zur Albrechtsburg. Zum Glück hatte ich Katzenfutter dabei…

„Das Vergessen“, Sägemalerei von Winfried Hänel, 2020


„Liebespaar“, Acryl auf Leinwand von Regina Zepnick, 2016; „Meine Mutter und ich“, Öl auf LW von Rolf Walter, 2021


„Zauberer am Meer“, Acryl auf LW von Stefan Plenkers, 2019; „Fächer, Tanz“, Digitalcollage von Volkmar Fritzsche, 2020

Kunst hält jung

Das zeigt eindrucksvoll die Sonderausstellung „Alterswerke“ mit aktuellen Arbeiten von 80 Künstlerinnen und Künstlern auf der Albrechtsburg Meißen.

„Malen ist eine Sache, von der man den Ausgang nicht weiß, wie das Leben an sich – es ist Arbeit, die einem Freude macht und einen manchmal zur Verzweiflung bringen könnte.“ Ein anderer bekennt: „Eine Portion Verrücktheit gehört natürlich auch zu so was.“ Das bringt auf ungewöhnliche Ideen. „Meine erste Staffelei habe ich mir aus geklauten Zaunlatten, die irgendwo locker waren, selber gebaut“, verrät einer. „Ich hab mich als Künstler noch nie alt gefühlt, ein Künstler muss mit seiner Zeit gehen, er muss den Geist seiner Zeit einfangen“, erfährt der Betrachter.

Wie Künstler sich und ihr Tun selbst sehen, steht auf einer Stellwand voller Zitate, leider ohne Namen, am Eingang zur neuen Sonderausstellung “Alterswerke“ – Kunstgeschichte(n) erzählen“, die coronabedingt pausierte und nun wieder geöffnet ist auf der Albrechtsburg Meißen. Die Ausstellung entstand gemeinsam mit dem Künstlerbund Dresden e.V. Teilnahmeberechtigt waren in diesem Jahr 150 sächsische Bildende Künstlerinnen und Künstler, die 70 Jahre und älter sind. 80 von ihnen luden die beiden Kuratorinnen Nina Fischäss und Maren Marzilger in ihre Ateliers zur Auswahl von Werken und zum Gespräch ein. Ausschnitte aus diesen Interviews, die über das Gezeigte hinaus Eindrücke zum Schaffen und zur Persönlichkeit der Künstler vermitteln sollen, kann man per Audioguide auf dem Ausstellungsrundgang hören.

Zu sehen sind aktuelle Arbeiten in großer Bandbreite von Malerei, Zeichnungen, Collagen, Fotografie, Skulpturen bis zu Objekten. Eine Fülle an Farben, Formen und Darstellungen unterschiedlich in Intensität und Ausdruckskraft. Jeder Künstler ist mit einem Werk vertreten, einige mit mehrteiligen Arbeiten. Darunter zwei farbige Aquarelle, „Nachricht aus dem Paradies“ und „Trauer um den geschlagenen Baum“ von Wolfgang E. Herbst Silesius. Farbe hat für ihn viel mit Rhythmus zu tun. „Madrid, Museumstreppe“, heißt eine analoge Fotografie von Michael Vogler mit gewundenen Stufen, die an übereinander gelegte Masken erinnern. „Weben und Leben“, nennt Meta Keppler ihr Triptychon verwobener Flächen aus Blattgold, Papier und Fine Liner. Warme und erdige Farbtöne dominieren auf den Leinwänden. Fragiles und Kraftvolles, Vergänglichkeit und Lebensfreude sind nah beieinander in den Werken, die Figürliches, Landschaften und Gebäudeumrisse, durchzogen von Zeit- und Erinnerungsspuren von abstrakt bis konkret zeigen. Der Schatten des „Vergessens“ liegt über einer orange leuchtenden Landschaft mit welligen Linien und Kerben, die Sägemalerei stammt von Winfried Hänel.

Das „Flimmern am Bootshaus“ hielt in beschwingten Farbspiegelungen Bodo Brzóska fest. Stein-Fragmente auf weißem Papier ragen auf einem Holzschnitt von Angelika Brzóska. Eine „Schwarze Sonne“ rotiert wie in einem dunklem Metallkäfig von Reinhard Zabka. Eine sich wie ein wildes Tier gebärdende „Flachzange“ und eine “Flachzangenballerina“ in schwungvollem Handstand zeigen zwei witzig-fantasievolle, bemalte Keramiken von Heidemarie Dreßel. „Neues und Altes Jahr“ erscheinen geisterhaft und verlockend in einem Gemälde von Hernando León. Schön  traumversunken der „Zauberer am Meer“ von Stefan Plenkers. Eine verführerische Dame mit Zylinder und Fächer begegnet einem in einer Digitalcollage von Volkmar Fritzsche.

Erschreckend aktuell wirkt ein kleiner rostbrauner „Adler – ostwärts blickend“, geformt aus einem Bombensplitter und an eiserner Kette festgehalten in einem Werk von Armin Bock von 2017. Berührend lebhaft-kraftvoll und heiter gelassen sieht eine helle Sandsteinfigur dem „Totentanz“ entgegen in der Skulptur von Eva Backofen. Kunst hält jung und behält ihre Träume bis ins hohe Alter, das zeigt diese Ausstellung eindrucksvoll. Und ermuntert dazu auch die Besucher.
Die Ausstellung wurde bis 24. April verlängert und es finden auch Kuratorinnenführungen statt.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 18 Uhr

http://www.albrechtsburg-meissen.de

„Neues und Altes Jahr“, Acryl von Hernando Leon, o.J.


„Adler – ostwärts blickend“, Objekt aus Bombensplitter von Armin Bock, 2017


„Flachzange“ und „Flachzangenballerina“, Objekte, Keramik bemalt von Heidemarie Dreßel, 2020


„Schwarze Sonne“, Objekt von Reinhard Zabka, o.J.


„Totentanz“, Skulptur, Sandstein von Eva Backofen, 2019

Premiere „Djamila“ nach Tschingis Aitmatow im Theater Junge Generation


Was der Krieg mit Menschen macht: Wie Djamila und ihre Freunde ihre Freude am Leben wiederfinden, davon erzählt das dieser Tage hochaktuelle Stück als Figuren- und Objekttheater nach der bekannten Erzählung von Tschingis Aitmatow. Foto: Marco Prill

Von der Liebe zum Leben

Das Stück „Djamila“ nach Tschingis Aitmatows Erzählung „Dshamilja“ hat aus dem Russischen übersetzt von Gisela Drohla in einer Fassung von Katharina Kummer am Sonnabend, dem 26. März, 19.30 Uhr Premiere im Puppentheater des Theaters Junge Generation im Kraftwerk Mitte. Für Zuschauer ab 16 Jahre.

Djamila ist jung, klug und gewitzt. Während viele ihrer Mitmenschen ihre zupackende Energie bewundern, empört sie Djamilas Schlagfertigkeit. Der fünfzehnjährige Said hingegen liebt seine Schwägerin unschuldig und innig. Weil alle erwachsenen Männer des Dorfes zum Kriegsdienst an die Front eingezogen wurden, soll er sie beschützen und ihr bei der Arbeit zur Hand gehen. Als sich Djamilas Arbeitsaufgaben erweitern, bekommt sie weitere Unterstützung – durch Danijar, einen schweigsamen, verwundeten Kriegsrückkehrer. Auch ihn neckt Djamila gemeinsam mit Said, bis er eines Abends mit einem eigenen Lied seine Gedanken und unfassbar schöne Stimme erklingen lässt. Said ist von Danijars Gesang so verzaubert, dass auf einen Schlag seine von ihm selbst als unmöglich eingeschätzte Leidenschaft für die Malerei wieder erwacht und heftig danach verlangt, ausgelebt zu werden. Und Djamila? Schweigt. Und trifft bewusst eine ihr Leben verändernde Entscheidung.

Tschingis Aitmatows Novelle „Djamila“ von 1958 erzählt nicht nur davon, wie wichtig es ist, mit Vertrauen in sich selbst das eigene Leben zu gestalten, sondern ist auch eine Liebeserklärung an die Künste und ihre den Blick auf die Welt verändernde Sprengkraft.

Text: Norbert Seidel/TJG

tjg. theater junge generation
Kinder- und Jugendtheater Dresden
~ theatre for children and young audiences
Kraftwerk Mitte 1
~ 01067 Dresden
Postanschrift
~ Postfach 12 00 20 ~ 01001 Dresden
Tickets und Info +49 351 3 20 42 777
~ tjg-dresden.de