Zwischen Märchen und Realität: Tanztheater über Traumfrauen

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Sie residiert auf einem Matratzenberg, drapiert mit rosa Laken und träumt vom Märchenprinzen. Etwas piekst und drückt. Ruhelos wirft sie sich hin und her, reißt das Stroh aus der Füllung und findet eine Erbse, einen Wecker und eine Spieldose.

Die begleitet die Traumfrau aller Männer auf ihrem Weg, mit mal lieblich, süß-klebrigen, sanften, rockigen und verführerischen Klängen. Sie wechselt unentwegt Kleider, Perücken und Aussehen, ähnelt mal Sissi, mal Diana, der „Königin der Herzen“ und mal Madonna mit spitzem BH. Vom schönen Schein und Sein von „Prinzessinnen“ erzählt das gleichnamige Tanztheaterstück an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul (Regie: Manuel Schöbel). Die Tänzerin und Choreografin Wencke Kriemer de Matos und der Schauspieler Marco Bräutigam entführen die Zuschauer mit viel Witz, Poesie und Power auf eine Reise zwischen Märchen und Realität, bei der sie Frauen-Bilderrollen und Schönheitsideale samt ihren unvereinbaren Widersprüchen, bestehend aus gesellschaftlichen Vorgaben, Zwängen und eigenen Ansprüchen und Lebensvorstellungen aufs Korn nehmen.

Das Publikum wird dabei buchstäblich in Bewegung versetzt auf mehreren Spielebenen, beginnend in der Garderobe im Untergeschoss geht es per Fahrstuhl hoch ins Theaterfoyer, wo sich Männer, Frauen und auch ein paar kleine „Prinzessinnen“ gegenüber stehen bzw. sitzen und das Geschehen aus wechselnder Perspektive betrachten können. Da bleibt die Prinzessin am Treppenaufgang mit ihren spitzen Pumps prompt stecken auf dem Weg nach oben, werden mal lockend auf dem Laufsteg und mal knallhart, über den anderen hinweg steigende Matratzen-Kämpfe um Erfolg und Anerkennung ausgefochten. Protzt er mit bergeweise goldenen Schuhkartons, bis sie ihm diese nachwirft zum Stöhnhit  Je`taime, klappert er vor ihr mit dem Abfalleimer, überschüttet sie mit Geldscheinen und tanzen sie gemeinsam im Regen. Gegen Ende lässt die Spannung etwas nach, sitzt sie wie verloren umgeben von goldenen Kissen auf der Matratze, der Geschenke überdrüssig und er weiß offenbar nicht, womit er sie noch beglücken kann.

Die „Prinzessin“ zitiert einige kluge Sätze, die auf den im Theaterfoyer ausliegenden Zetteln stehen, wo die Zuschauer ihre Lieblingszitate anstreichen und dalassen können. Sie stammen von Künstlerinnen und Schriftstellerinnen, die sich äußern über weibliches Rollenverhalten, Sexualität und Körperkult und ausbrechen aus dem gesellschaftlich verordneten Wie-Frau-sein-soll-Korsett. Die sich fragen wie Ariadne von Schirach, wie der „bewirtschaftete Körper wieder zum bewohnten wird“ und „wie wegkommen von dem Glitzer und dem Plastik und dem unendlichen Spaß?“ Die Tür fällt laut ins Schloss. In eine weiße Decke gehüllt, geht die Prinzessin und wirft noch etwas unschlüssig einen Blick durchs Fenster zu ihm. Wie denn nun eine echte Prinzessin ist, darf jeder für sich beantworten. Herzlicher Beifall vom Publikum.

Nächste Vorstellung: 26.2., 19 Uhr.

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