Wirbelnde Farbwogen und Flüchtlinge im Park

Die erste Einzelausstellung mit Arbeiten des georgischen Künstlers, Mitgründer des Palais Sommer und Leiter des Plenairs ist ab dem 4. August (Eröffnung um 19 Uhr) beim Kulturfestival auf der Wiese des Japanischen Palais zu sehen.

Wie ein schwerer alter Dampfer ragt die Altstadtkulisse aus dem Fluss. Da treffen verwittertes Sandsteingrau auf lebhaft wirbelnde Farbwogen und Blütenzauber in zarten Pastelltönen aufeinander auf den Leinwänden. Die Bilder hängen im Freien mit Blick auf die malerische Landschaft. „Mein Traum sieht ähnlich aus wie ein blühender Pfirsichbaum!“, so nennt der georgische Künstler Aleko Adamia seine Ausstellung, welche am heutigen Freitagabend, um 19 Uhr den nunmehr neunten Palais Sommer auf der Wiese am Japanischen Palais eröffnet.

Das Kulturfestival bietet wieder den ganzen August über, eintrittfrei auf Spendenbasis mit über 100 Veranstaltungen, den Besuchern reichlich Kunst und Kultur mitten im Grünen, auf Decken und Liegestühlen sitzend und an der Bildergalerie entlang flanierend. Die Palette reicht dabei von Klavierkonzerten, Singer-Songwriter-Nacht, Hörspielen, Lesungen mit Poesie und Yoga im Park bis zu einem Gespräch unter dem Titel “Wie wollen wir leben?“ mit dem Philosophen Richard David Precht und dem Autor Chistian Felber (am 14.8., 20.30 Uhr).

Die farbreich-poetischen, figürlichen und abstrakten Bilder von Aleko Adamia entstanden während der internationalen Plenairs, mit denen das Kulturfestival 2005 begann. Sie zeigen Erträumtes und Erlebtes zwischen Park und Fluss wie „Das Frühstück im Grünen“, „Garten Eden“, „Chillende Wasserpfeife“, „Danea“, „Träumerin“, „Gewitter“ oder „Gäste“. In diesem Bild malte Adamia eine Flüchtlingsfamilie im Park vor der Flusslandschaft. “Ich bin auch Gast und es ergeht mir mit Dresden wie mit Tbilisi. Wenn ich wegfahre und wiederkomme, fühlt es sich wie Heimat an. Dresden hat auch ein einzigartiges Porträt, da braucht man nur noch zu den Farben greifen“, sagt Aleko Adamia. Dresden ist seit 25 Jahren sein zweites Zuhause. Er studierte Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Tbilisi, wo er eine Gastprofessur hat. Außerdem ist er Mitgründer des Palais Sommer und künstlerischer Leiter des Plenairs.

Das erste fand 2005 noch im Filmnächte-Gelände am Königsufer statt. Begeistert von der Idee des Kunst-Happenings unter freiem Himmel, das mit Freilichtmalern wie Paul Cezanne und anderen Postimpressionisten in Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts begann, stieg Filmnächte-Veranstalter Jörg Polenz auch als Geschäftsführer beim Palais Sommer mit ein und mit ihm viele weitere Programmpartner und Unterstützer, die helfen das Kulturfestival – vom Bühnenaufbau über die Technik bis zu Gagen für die Künstler – zu finanzieren.

Bei den Spenden von Unternehmen und Besuchern des Palais Sommer gilt das Motto: „Du gibst was du kannst“. Man kann auch Liegestühle und Yogamatten ausleihen. Der Erlös fließt ebenfalls in den Palais Sommer. Zum Unterstützerkreis gehört auch Familie Metzig, die von Anbeginn eine Künstlerwohnung für Plenair-Teilnehmer in ihrem Haus bereitstellt. Dort befindet sich auch Adamias Atelier. Unter den langjährigen emsigen Helfern und Weggefährten des Plenairs sind außerdem der Maler Otto Rabisch und die Kulturmanagerin Simone Lade mit ihrer Agentur „Ars longa“.

Zwei Jahre wurde das Plenair von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gefördert, mit „Frühstück im Freien“ und Aktmalerei nach einem Gemälde von Èdouard Manet und das zweite Mal innerhalb der Ausstellung „Verwandelte Götter“ im Japanischen Palais. Es folgten weitere sinnliche Bilderinszenierungen wie „Schlummernde Venus“ oder „Flora mit Akt“ und in diesem Jahr regen „Nackte Reiterinnen“, zwei Aktmodelle nebst echtem Pferd, die Sinne und Fantasie beim Betrachten und Malen an (am 12.8., ab 12 Uhr). Dazu sind neben der Künstlergruppe vom Plenair ebenso künstlerische Autodidakten aus dem Publikum eingeladen. Fortgesetzt wird auch die Aktion „Folge kleinen Herzen“, wo Kinder und Jugendliche mit Künstlern zusammen Bilder malen, der Verkaufserlös kommt sozialen Zwecken zugute.

Aleko Adamia betreut diesmal zehn Teilnehmer bei der Freilichtmalerei, drei Kunststudenten aus Dresden und sieben junge Künstler aus Tbilisi. Sie werden ihre Staffeleien im Grünen aufstellen und in den kommenden drei Wochen täglich vor den Augen der Passanten malen. Erstmals ist eine Einzelausstellung beim Palais Sommer zu sehen. Diesmal mit Arbeiten Adamias, der dieses Jahr seinen 55. Geburtstag feierte. „Jedes Jahr erhält ein anderer Künstler die Möglichkeit, mit seinen Werken präsent zu sein, die auch auf einem Plakat und im Programmheft gedruckt  werden“, so Adamia. Pro Abend kommen immerhin bis zu tausend Besucher zum Palais Sommer, die dann auch die Bilder betrachten und erwerben können. Von den verkauften Bildern gehen 30 Prozent der Einnahmen an den Palais Sommer. Die beim Plenair entstehenden Bilder werden mit feierlicher Vergabe des Canaletto-Preises, den der Künstlerbedarf Gerstaecker stiftet für die besten Bilder, ausgewählt von einer Jury aus regelmäßig am Plenair teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern (wie Maria Mednikowa, Mandy Friedrich, Ulrike Pisch, Babak Nayebi) in einer gemeinsamen Abschlussausstellung am 27. August präsentiert.

Text + Fotos (lv)

Das vollständige Programm steht unter www.Palaissommer.de

Bald ist die Wiese am Japanischen Palais wieder voller Bilder, kann man allabendlich Musik und Hörspielen lauschen und beim Yoga entspannen. Auf viele interessierte Besucher freuen sich der Künstler Aleko Adamia und die Kulturmanagerin Simone Lade. Auch wenn Adamia weiß: „Oft entscheidet der Bauch mehr als der Kopf. Doch ich bin sicher, wenn diese ständige Angst der Menschen, nicht genug zu haben, hungrig zu sein, eines Tages wegfällt, werden sie Kunst suchen und das Schöne sehen und genießen.“

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