Fotos: Sebastian Hoppe/Staatsschauspiel Dresden

Ein Nashorn in der Stadt! Ein Fall höherer Gewalt!

Das absurd-komische Stück „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco über Individualität, graue Masse, gefährliche Hirngespinste und die Kraft der Einbildung ist heute, am 20. Juni, um 19.30 Uhr nochmals im Kleinen Haus in Dresden zu sehen.

Eine Gruppe Gestalten, nach hinten geneigt, mit starren Körpern und weit ausholenden Schritten marschiert an den Bühnenrand. Stoppt kurz vor dem Publikum. Sie strömen
auseinander, treten in Spielflächen die Lage- oder Stadtplänen ähneln. Ein Mann lässt einen anderen über seinen Rücken nach unten rutschen. Ein anderer sagt, er habe nur Vertrauen zu Tierärzten. Eine Frau hält ein Fell in der Hand, redet mit ihm wie einem „Kätzchen“und legt es sich um den Hals.
Plötzlich bleiben alle schreckerstarrt stehen: „Ein Nashorn! Das ist die Höhe!“, ruft die Menge entsetzt. Ein Nashorn, das frei herumläuft in der Stadt, das geht doch nicht!

Sie rätseln woher es kommt, was es will von ihnen, ob es ein oder mehrere Hörner hat, wie es sich verhält und was man von der ganzen Sache halten soll. Denn nach und nach zeigen immer mehr Bewohner des kleinen Ortes nashornähnliches Gebaren und wer sich anders verhält, wird ausgegrenzt, verfolgt, für verrückt oder krank erklärt. Das ominöse Tier wirbelt mächtig Staub auf in der ebenso absurd-komischen wie beklemmend-düsteren, metapherreichen Inszenierung „Die Nashörner“ nach dem Stück von Eugène Ionesco unter Regie von Juliane Kann mit Studenten des Schauspielstudios der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig am Staatsschauspiel Dresden.

Ein grotesk-abgründiges Stück über (Un)Sinn, Logik, Willen, Naturgesetze, Moral, Träume und Realität mit tollen, eigensinnigen Darstellern.

Letztmals in dieser Spielzeit zu sehen am 20. Juni, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus.

Text (lv)

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