Farbenfrohe Gesichter & Landschaften, offen und vieldeutig: Lucas Oertel vor seinen Bildern in der neuen Ausstellung im Einnehmerhaus Freital.

Lustige Wesen aus Farbklecksen und geballte Fäuste

Mit der Ausstellung „Der schöne Samstag“ von Lucas Oertel eröffnete das Einnehmerhaus Freital wieder für Besucher.

Fröhlichbunte Wesen, die ihre langen Knollennasen nach allen Seiten ausstrecken, den Betrachter verschmitzt anlächeln und die Arme übermütig in die Luft halten als wollten sie gleich los fliegen, tummeln sich auf den Leinwänden. Lucas Oertel hat sich den kindlich naiven Stauneblick auf die Welt bewahrt, mit dem er seine fantasievoll wunderliche Figurenschar erschafft.

Diese trifft man in der Ausstellung „Der schöne Samstag“, die am vergangenen Sonntagnachmittag im Einnehmerhaus Freital auf der Dresdner Straße 2 mit reger Resonanz und viel Sonnenschein eröffnete. Es ist die erste Ausstellung nach der langen Corona-Pause. Eigentlich sollte Lucas Oertel hier zum 30-jährigen Jubiläum des Kunstvereins Freital vor zwei Jahren ausstellen.

„Das wird jetzt nachgeholt“, sagt Barbara Hornich, die Vorsitzende des Kunstvereins. Sie kennt Lucas Oertel noch aus der Zeit, als er mit zehn Jahren bei ihr im Keramikzirkel und später im Malkurs bei Sandor Doro seine ersten künstlerischen Erfahrungen sammelte. Lucas Oertel wurde 1983 in Dresden geboren, wuchs in Freital auf und studierte von 2002 bis 2008 an der Dresdner Kunsthochschule bei den Professoren Siegfried Klotz, Elke Hopfe und Peter Bömmels. Eine seiner ersten Ausstellungen mit Malerei zeigte Oertel dann nach seinem Meisterschülerstudium zusammen mit Radierungen von Peter Wuttke 2008 im Einnehmerhaus. Nun sind an diesem Ort neue Arbeiten, Malerei und Figürliches aus bemaltem Holz, von Lucas Oertel zu sehen, der inzwischen in Dresden lebt und arbeitet.

Die 30 klein- und großformatigen Ölbilder und eine Videoinstallation mit dem Titel „Resilienz“, wo es um Klimmzüge, Fit halten und Entkommen aus dem Hamsterrad der Leistungsgesellschaft nicht nur in Corona-Zeiten geht, entstanden in den letzten drei Jahren. Vor den witzig-skurrilen Bildern mit farbbeklecksten Gestalten und auf frühlingsbunten Wiesen umherschwirrendem Getier wie Schmetterlinge, Insekten, Vögel und Katzen, die aus dem Blätterdschungel hervorlugen und zwei honigsüßen Miezen aus Holz, erlebten die Besucher zur Ausstellungseröffnung eine urwüchsig zauberhafte, laut- und klangmalerische Performance mit dem Musiker Arystan. Er lebt abwechselnd in Dresden und Umbrien in Italien, spielt verschiedenste Instrumente wie Flöte, Rundhalsharfe, Zimbeln, Saxofon und versteht es großartig, auf seiner Loop Station archaische und moderne Klänge miteinander zu verbinden. Das Titelbild zur Ausstellung zeigt drei Gestalten in einem rotgrünen Paddelboot. Einer liegt erschöpft da mit ausgestrecktem Arm, einer holt kräftig aus und der dritte greift nach dem Ruder. Eine Anspielung auf die derzeitige Ampelregierung, die in wilder Abenteuerlaune drauflos rudert? Manche sahen auch einen Bezug zur Flüchtlingskrise, sagt der Künstler. Lucas Oertel überlässt es dem Betrachter, was er in seinen Bildern sieht. Sie sind offen und vieldeutig. „Freiheit für den Kopf“, sagt er dazu. Seine Arbeiten sind ein Spiel mit Fiktion und Fantasie, Wünschen und Wirklichkeit. Sie zeigen Ausschnitte, spielen mit Sehgewohnheiten aus der Fotoästhetik und fragen, was wir wirklich sehen.

Da begegnen einem lustige Gesichter, die aus Farbflecken erwachsen und an denen sich schon die Kleinsten auf Vaters Arm erfreuen, sieht man Füße barfuß im Gras und ein Paar, das sich küsst im Mondenschein. Im hinteren Raum, etwas versteckt, sieht man splitternackte Körper, zwei Mädchen beim Sonnenbad und einen Mann alleine beim FKK groß ins Bild gerückt. Doch die Bilderwelt von Lucas Oertel ist nicht nur heiter unbeschwert, es geht darin ebenso witzig-hintergründig bis abgründig um menschliches Sein, Individualität und kleinkariertes Denken. Schönes kann jederzeit ins Gegenteil umschlagen. Ein Lächeln zur Grimasse werden. Begeistert hochgerissene Arme und erhobene Fäuste recken sich im strahlenden Himmelblau, die jeden Moment aufeinander einschlagen können. Die Ausstellung „Der schöne Samstag“ von Lucas Oertel ist noch bis 21. Mai zu sehen. Außerdem lockt ein vielfältiges künstlerisches Kursangebot für alle Altersgruppen von Töpfern, Schnitzen, Klöppeln, Bildender Kunst mit dem Künstler Matthias Jackisch bis zu Textilgestaltung mit der Künstlerin Annerose Schulze.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet:  Di bis Fr von 16 bis 18 Uhr, Sa von 14 bis 17 Uhr

http://www.kunstvereinfreital.de
http://www.lucasoertel.de


Zeit zum Innehalten & Genießen. In den Ausstellungsräumen lockt zugleich ein vielseitiges künstlerisches Kursangebot für alle Altersgruppen. Barbara Hornich, die Vorsitzende des Kunstvereins Freital freute sich über die rege Resonanz zur Ausstellungseröffnung.

Bezaubernd klangreich: der Musiker Arystan überraschte mit einer urwüchsigen Performance die Besucher.