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Kategorien-Archiv: Literatur

Fest der Bücher: Die Leipziger Buchmesse lockt wieder mit viel Literatur live

26 Mittwoch Apr 2023

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Projekte, Zwischenmenschliches

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ENDLICH. WIEDER. MORGEN ÖFFNET DIE LEIPZIGER BUCHMESSE

Nach drei Jahren Zwangspause kehrt die Leipziger Buchmesse mit dem Lesefest Leipzig liest und der Manga-Comic-Con zurück. Autor:innen, Zeichner:innen, Übersetzer:innen, Vertreter:innen der Verlage und Buchhändler:innen – und natürlich das Publikum: Sie alle freuen sich auf ein Fest der Literatur in Leipzig. Die Leipziger Buchmesse präsentiert dabei nicht nur mehr als 2.500 Veranstaltungen rund um die Novitäten des Frühjahrs, sondern auch zahlreiche neue Formate wie die #buchbar, das Forum Offene Gesellschaft oder den JugendCampus UVERSE. Im Fokus aller Begegnungen steht auch in diesem Jahr: das offene Wort für ein friedliches Miteinander.

2.000 Aussteller:innen aus 40 Ländern präsentieren die Novitäten des Frühjahrs. Für das Comeback des größten Lesefestes Europas lesen und diskutieren mehr als 3.200 Mitwirkende in 3.000 Veranstaltungen an 300 verschiedenen Orten auf dem Messegelände wie auch in der Stadt. „Die Leipziger Buchmesse hat gefehlt – der Branche und unserem Publikum. Die große Resonanz unserer Aussteller zeigt, dass Leipzig der Treffpunkt für die Buch- und Medienwelt im Frühjahr ist“, betont Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe. „Jetzt freuen wir uns alle darauf, einander wiederzusehen und das Lesen uneingeschränkt zusammen feiern zu können.

Was während der Pandemie nicht möglich war und gerade in Krisenzeiten so wichtig ist – der lebendige Austausch – in Leipzig wird er während der nächsten Tage intensiv gepflegt und zelebriert. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das geschriebene und gezeichnete Wort zu genießen. Gleichzeitig ist die Messe aber auch ein Ort der Diskussion, sei es über die vielfältigen Formen und Themen der Literatur, aber auch über die aktuellen Krisen und Wege aus ihnen heraus. Und vor allem bietet Leipzig eines: eine öffentliche Bühne für jene kritischen Stimmen, die in ihrer Heimat nicht gehört werden dürfen.

„Für mich besteht der Zauber der Buchmesse auch im glücklichen Zufall, diesen spontanen kleinen und großen Begegnungen, die für wundervolle Gespräche, Momente und Überraschungen sorgen“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. „Sich endlich wieder ins Literatur-Getümmel begeben zu können, zu sprechen, zu lachen und zu streiten, ehrliche, skeptische und hoffnungsvolle Stimmen laut werden zu lassen und über möglichst viele Grenzen bekannt zu machen – dafür bietet die Buchmesse einen einzigartigen Raum, der seinesgleichen sucht und geschützt und gestärkt werden muss.“

Von #buchbar bis UVERSE – die neuen Buchmesse-Formate

Spontane Zusammenkünfte ergeben sich ganz sicher an der neuen #buchbar in Halle 2, wo man ab morgen seine Lieblingsautor:innen auf einen Kaffee treffen und an moderierten Gesprächen teilnehmen kann. Das ebenfalls neue Forum Offene Gesellschaft bietet spannende Diskurse zu drängenden Themen wie Demokratie, Diskriminierung, Diversität, Integration, Krieg, Meinungsfreiheit und Menschenrechte.

Lust auf die Buchmesse macht seit März die Buchhandelstour YOUR PLACE TO READ, in deren Rahmen in vielen deutschen Buchhandlungen Lesungen stattgefunden haben. Während der Leipziger Buchmesse kann man nun in Halle 4 (Stand A101) seine Lieblingsbuchhandlung am Stand verewigen und so seinen persönlichen Lieblingsleseort promoten.

Leipzig liest: endlich wieder Lieblingsschriftsteller:innen treffen

Schreibende und Lesende ganz nah zusammenzubringen, dafür steht Leipzig liest inzwischen seit mehr als 30 Jahren. Nach der langen Durststrecke ist die Vorfreude enorm, Literatur nicht nur allein zu Hause, sondern auch wieder mit Gleichgesinnten erleben zu können. Die direkte Resonanz des Publikums ist für Autor:innen extrem wichtig, um so länger ist folglich auch die Liste derer, die sich zum größten Lesefest Europas angekündigt haben: von Ulrike Draesner, Ralph Ruthe, Gisa Pauly und Clemens Meyer über Emilia Roig, Jan Weiler und Helga Schubert bis hin zu Jörg Thadeusz, Takis Würger, Hengameh Yaghoobifarah und Angela Merkel – um nur ein paar Beispiele für die deutschsprachigen Vertreter:innen zu nennen. Das aktuelle Programm ist in der Buchmesse-App abrufbar sowie zu finden unter: https://www.leipziger-buchmesse.de/programm

Schlaglichter auf die wichtigsten Werke des Frühjahrs wirft der Preis der Leipziger Buchmesse. Er wird morgen, am 27. April um 16 Uhr in der Glashalle auf dem Messegelände in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung verliehen. Die Preisverleihung wird zudem auf der Website gestreamt.

Im Landeanflug auf Leipzig: prominente Bestseller-Autor:innen aus aller Welt

Mit Spannung werden in Leipzig insbesondere die internationalen Autor:innen erwartet – darunter zum Beispiel aus Österreich Robert Seethaler und Ursula Poznanski, Anneleen Van Offel aus Belgien, aus Rumänien Mircea Cărtărescu, Filip Gańczak aus Polen, die Briten RJ Barker und Ben Aaronovitch, Arild Midthun aus Norwegen, Todd Nauck aus den USA oder die selten in der Öffentlichkeit auftretende Japanerin Keri Kusabi.

„Meaoiswiamia“ lautet das Motto des diesjährigen Gastland-Projektes Österreich (Halle 4, Stand D201/E200), was so viel bedeutet wie „mehr als wir“ und deutlich machen will, wie groß die Vielfalt der Autor:innen ist, die Österreichs und damit Europas Literaturmarkt vertreten. Das Programm umfasst 110 Veranstaltungen, die von rund 60 Verlagen und circa 200 Autor:innen gestaltet werden. Wer erfahren möchte, wie Österreich schmeckt, kann bei der Meaoiswiamia-Menüwoche vom 24. bis 30. April im Café Grundmann täglich von 11:00 bis 22:00 Uhr in der Mahlmannstraße 16 in ein olfaktorisches und gustatorisches Abenteuer starten.

Literat:innen aus zehn Ländern, die sonst nur selten vereint auftreten, präsentieren sich auch am Traduki-Stand und auf der Bühne Traduki-Kafana (Halle 4, Stand D407). Zu hören sind mehr als 40 Autor:innen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien und Slowenien – darunter Ana Marwan, Mircea Cărtărescu, Lana Bastašić und Anja Zag Golob.

Erinnern – Weiterdenken – Neu gestalten. Mit diesem Zielgedanken öffnet auf der Leipziger Buchmesse der Ukraine-Stand (Halle 4, Stand D307). Das Programm am Ukraine-Stand vom Goethe-Institut wird in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kunst- und Kulturmuseum Mystetskyi Arsenal (Art Arsenal), dem Ukrainischen Buchinstitut und dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen sowie der Bundeszentrale für politische Bildung umgesetzt. Finanziert und organisiert wird er durch das Bundesministerium für Kultur und Medien, das Goethe-Institut sowie die Leipziger Buchmesse. Hier werden Themen behandelt wie die Erinnerungskultur und ihrer Instrumentalisierung unter Kriegsbedingungen, Facetten des Pazifismus, das Überleben der Institutionen, eine neue Perspektive auf Gerechtigkeit, Verschwörungstheorien und Informationssicherheit, Frauenrollen im Krieg sowie die Dekolonialisierung der Kunst.

In Vorbereitung auf ihre Teilnahme als Gastland 2024 bringen die Niederlande & Flandern (Halle 4, Stand C305) bereits dieses Jahr 21 Autor:innen und Illustrator:innen, einen Literaturwissenschaftler und eine Übersetzerin nach Leipzig mit. In 27 Veranstaltungen vermitteln sie an verschiedenen Orten auf der Messe und in Leipzig ebenfalls einen Vorgeschmack auf ihren Auftritt im nächsten Jahr.

Auch Portugal und die portugiesische Sprache, Gastland 2021/2022, sind Teil der diesjährigen Messe (Halle 4, Stand D300) und stellt nicht nur portugiesische Autor:innen vor, sondern die gesamte Bandbreite der Literatur in portugiesischer Sprache, in der sich Schriftsteller:innen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika ausdrücken.

Der diesjährige Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht an die russisch-jüdische Autorin Maria Stepanova für ihren Lyrikband „Mädchen ohne Kleider“. Die Verleihung findet heute, am 26. April, im Gewandhaus zu Leipzig statt. Die Gedichtzyklen führen eindrücklich vor, wie sich in aktuelle Poesie ein waches Geschichtsbewusstsein einschreibt.

Eine große Welt für die Jüngsten: der JugendCampus UVERSE

Kinder fürs Lesen begeistern – das ist seit jeher ein wichtiges Ziel der Messe. Und so finden auch in diesem Jahr zahlreiche Lesungen mit Kinderbuchautor:innen statt, bei denen die jüngsten Besucher neue Geschichten und die Köpfe dahinter entdecken, mit dabei sind unter anderem Kirsten Boie, Ralph Ruthe und Bernhard Hoëcker.

Neu in diesem Jahr ist die Kreativwerkstatt UVERSE in Halle 3. In den insgesamt 100 Workshops beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit Fragen der Demokratie, entwickeln eigene Texte, erleben und erfahren den Umgang mit Medien, lernen spielerisch Konflikte zu bestreiten und werden selbst zu kulturellen Akteuren auf dem Buchmesse-Parkett. Das UVERSE ist sowohl für Schulklassen als auch Familien geöffnet. Eine Anmeldung vorab ist nicht notwendig.

Die Stiftung Lesen zeichnet mit dem Lesekompass seit 2012 Neuerscheinungen im Kinder- und Jugendbereich aus, die besonders dazu geeignet sind, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern und ihre Lesekompetenz zu stärken. Dieses Jahr gibt es erstmals einen Schwerpunkt zum Thema Comic. Zur Leipziger Buchmesse werden die zehn besten Werke dieses Genres ausgezeichnet.

Farbenfroher Augenschmaus nicht nur für Fans – die Manga-Comic-Con

Um Comics und Manga dreht sich auch alles bei der wichtigsten deutschen Frühjahrsveranstaltung der Szene, der Manga-Comic-Con, die im Verbund mit der Leipziger Buchmesse stattfindet. Auf knapp 30.000 Quadratmetern in Halle 1 und erstmals auch in der halben Halle 3 erwarten rund 400 Aussteller:innen und über 200 Veranstaltungen Manga-, Anime-, Comic- und Cosplay-Liebhaber:innen. Zahlreiche Lesungen, Signierstunden, Workshops, Podiumsdiskussionen und Performances stehen an, bei denen man Ehrengäste wie Roger Langridge, Todd Nauck, Miguel Díaz Vizoso oder Keri Kusabi treffen kann. Wahre Fan-Liebe erlebt man auch beim Leipziger Cosplay Wettbewerb, wenn sich Besucher:innen in Ebenbilder ihrer fiktiven Held:innen verwandeln (am 29. April von 14:30 bis 16:30 Uhr auf der Großen Bühne in Halle 3, Stand G400; Siegerehrung von 17:30 bis 18:00 Uhr).

Beim Pen-and-Paper-Event „Die Bibliothek aus Obsidian“ am 28. April können die Zuschauer:innen, von 15:00 bis 17:00 Uhr auf der Großen Bühne in Halle 3 live miterleben, wie auf Grundlage des Regelwerks „Die Schwarze Katze“ eine spannende Geschichte erzählt wird. Das Event wird zusätzlich gestreamt. Zum Mitmachen laden auch verschiedene Workshops auf der Manga-Comic-Con sowie das Radioballett ein, eine interaktive und immersive Kunstperformance des Körperfunkkollektivs, bei der die Teilnehmenden via Kopfhörern Anweisungen befolgen und damit Teil des Stückes werden. Ein Stück dafür wurde eigens für die Manga-Comic-Con geschrieben. Das Radioballett findet an allen Messetagen statt – Donnerstag auf der großen Bühne in Halle 3, an allen anderen Tagen auf der Dance Area in Halle 1.

Wichtiger Treffpunkt für die Buchbranche und Impulsgeber für den Bildungsbereich

Über einhundert Fachveranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse richten sich gezielt an Branchenvertreter:innen. Für die Verlage, den Buchhandel und die schreibende Zunft bietet die Messe eine wichtige Orientierung – darunter insbesondere Auszeichnungen wie der Preis der Leipziger Buchmesse oder der Kurt-Wolff-Preis, der im Forum „Die Unabhängigen“, einem gemeinsamen Projekt der Leipziger Buchmesse und der Kurt Wolff Stiftung, für literarische Neuentdeckungen verliehen wird.

Neben ihrer Rolle als Fachmesse ist die Leipziger Buchmesse aber auch eine Bildungsmesse. Im Ausstellungsbereich Bildung in Halle 2 präsentieren sich knapp 80 Aussteller:innen. Das pädagogische Programm Fokus Bildung umfasst zahlreiche Veranstaltungen, unter anderem gebündelt im Forum Unterrichtspraxis (Verband Bildungsmedien), im Trendforum Bildung, im Forum Kinder-Jugend-Bildung und im Congress Center Leipzig (CCL). Lehrer:innen, Erzieher:innen und Pädagog:innen sowie Bibliothekar:innen, Buchhändler:innen aber auch interessierte Eltern und Schüler:innen können spannende Talks verfolgen oder auch neue Impulse für ihre tägliche Arbeit bekommen. Über die Kooperation der Leipziger Buchmesse mit dem Bundesverband Musikunterricht und MDR Klassik erhalten am Musiklehrer:innen-Tag am 28. April Musikpädagog:innen exklusive Impulse für ihren Unterricht und können diese in praktischen Einheiten direkt ausprobieren. Darüber hinaus bietet der Musikbereich an allen Messetagen innovative und kreative musikalische Angebote mit Verlagspräsentationen, Meisterwerkstätten für Holzblas-, Blechblas- und Streichinstrumente oder Lesungen und Konzerte im Musik-Café. Mit der Preisverleihung „Best Edition“ werden besondere Notenausgaben und Musikbücher erstmals auf der Leipziger Buchmesse gewürdigt. Ebenfalls am 28. April findet das didacta-Symposium zur frühkindlichen Bildung unter dem Titel „Kinder schützen – Prävention hat viele Gesichter“ statt. Von 10:30 bis 15:00 Uhr werden verschiedene Aspekte des frühkindlichen Alltags beleuchtet.

Natürlich ist die Leipziger Buchmesse aber vor allem auch eine Autor:innen-Messe. Ob Autor:innen klassischer und neuer Verlage, etablierte und Jungautor:innen, Self-Publisher:innen, Blogger:innen, Texter:innen oder Publizist:innen – alle sind eingeladen, bei der Leipziger Autor:innenrunde am 29. April im CCL, Saal 1, ihre Erfahrungen zu teilen und von den Referent:innen wichtige Tipps zu erhalten, auf was Publizierende aktuell besonders achten müssen.

Öffnungszeiten und Tickets

Die Leipziger Buchmesse im Verbund mit der Manga-Comic-Con sowie dem Lesefest Leipzig liest öffnet vom 27. bis 30. April. Tickets für Privat- und Fachbesucher:innen gibt es unter www.leipziger-buchmesse.de/tickets . Die Tickets gelten für den Veranstaltungsverbund der Leipziger Buchmesse und der Manga-Comic-Con. Das detaillierte Programm ist zu finden unter www.leipziger-buchmesse.de/programm oder in der Buchmesse-App (kostenlos downloadbar im App Store oder auf Google Play).

Die Höhepunkte der Messe lassen sich auch auf Facebook, Twitter und Instagram mitverfolgen sowie per Stream via Buchmesse ON AIR auf der Startseite der Leipziger Buchmesse und auf der großen LED-Wand in der Leipziger Innenstadt.

Über die Leipziger Buchmesse
Die Leipziger Buchmesse ist der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser:innen, Autor:innen und Verlage. Sie präsentiert die Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends und zeigt neben junger deutschsprachiger Literatur auch Neues aus Mittel- und Osteuropa. Gastland der Leipziger Buchmesse 2023 ist Österreich. Durch die einzigartige Verbindung von Messe und „Leipzig liest“ – dem größten europäischen Lesefest – hat sich die Buchmesse zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Zur letzten Veranstaltung kamen 2.500 Aussteller:innen aus 46 Ländern und begeisterten auf dem Messegelände sowie in der gesamten Stadt 286.000 Besucher:innen. Die Leipziger Buchmesse wird durch NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Text: Julia Lücke
Pressesprecherin der Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
www.leipziger-buchmesse.de/programm
www.preis-der-leipziger-buchmesse.de
https://blog.leipziger-buchmesse.de

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Premiere „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe in den Landesbühnen Sachsen

11 Dienstag Apr 2023

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Theater, Zwischenmenschliches

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Im Rausch der Walpurgisnacht: Befeuert von Mephisto und den Geistern der Nacht mit der Aussicht auf Liebe, verfällt der wissbegierige Faust immer mehr der Vergnügungssucht. Fotos (2): Hans-Ludwig Böhme

Ein teuflisches Vergnügen

Von Glaube, Liebe, Hoffnung und der Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit des Glücks erzählt in starken Bildern voller Farbkontraste, Gegensätze und Ironie die Inszenierung „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Das Titelplakat zur Aufführung zeigt eine geballte Faust. Es werden auch viele Kämpfe ausgefochten, sobald zwei aufeinander treffen, im Kleinen wie im Großen. Und auch Faust, der Gelehrte, Magier und Alchemist, ringt ständig mit sich, den hellen und dunklen Kräften in sich und der Außenwelt. Es geht um Wissendrang und seine Grenzen, Größenwahn, Allmachtsfantasien, Glaube, Liebe, Hoffnung und die Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit des Glücks und Lebens. Davon erzählt „Faust – Der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe. Das wunderbare, zeitlose Schauspiel, der Stoff und die Figur, begleiteten ihn bis ans Lebensende, alterten und reiften mit dem Dichter. Beide Teile des „Faust“ wurden 1832, kurz vor seinem Tod, 60 Jahre nach den ersten Zeilen fertig. Passend zur Frühlingszeit, der Zeit des Neubeginns in der Natur und Neuerwachens der Lebensgeister, war die Premiere von „Faust I“  am Sonnabend in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Dies ist zugleich die Abschlussinszenierung von Oberspielleiter Peter Kube, der in den Ruhestand geht. Zu erleben war intensives, eindringliches Theaterspiel in prägnanten Bildern, die Geist und Fantasie Raum lassen und auch Humor und Ironie kommen nicht zu kurz. Auffallend in der Ausstattung sind vor allem die starken Farbkontraste, es dominieren Rot und Schwarz (Bühne und Kostüm: Barbara Blaschke).

„Die Posten sind, die Bretter aufgeschlagen und jedermann erwartet sich ein Fest…“, tönt es erwartungsfroh von der Bühne. Von wegen! Eine bunte Figurenschar drängt sich um den Theaterdirektor (Alexander Wulke), sein Frack mit Orden dekoriert, der amüsiert zusieht, wie die Menge wild durcheinander einredet auf den Dichter in altertümlicher Tracht (Moritz Gabriel), was er alles berücksichtigen soll, bis er geschafft am Boden liegt. Er will das Schöne, Gute, Wahre zur Gehör bringen. Doch die Menge dürstet vor allem nach Unterhaltung. Der Theaterdirektor hängt ihm einen goldenen Lorbeerkranz um. „Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst uns Taten sehen…“

Die Drehbühne zeigt abwechselnd ein schwarzes, leeres Bücherregal, Fausts Studierstube, und auf der anderen Seite eine weiße Wand und eine Treppe, auf der die Darsteller das pralle Leben zeigen und Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Fast alle spielen mehrere Rollen, Menschen, Engel und Teufel, Hexe oder lustige Person. Ihre Kostüme sind mal fantasievoll schillernd, mal heutig in schnellem Szenenwechsel. Da packt Gott in weißem Anzug, Goldkette mit Kreuz und Bart (Grian Duesberg) Mephisto (schalkhaft-listig: Matthias Avemarg), der einen dunklen Anzug und eine verwegene rote Feder an der schwarzen Kappe trägt, am Kragen und schickt ihn auf die Erde, um Faust eine Lektion zu erteilen und ihn zu bekehren. Denn „es irrt der Mensch, solang er strebt.“ Eigentlich mag Gott Mephisto. Von allen Geistern, die verneinen, ist ihm der Schalk am wenigsten zur Last. Im Spagat steht er auf der Treppe nach diesem Bekenntnis und wird vom Dichter auf den Schultern hinausgetragen.

Faust ist in Kubes Inszenierung kein Greis, der die berühmten Verse sagt: „Da steh ich nun, ich armer Tor/und bin so klug als wie zuvor“, sondern ein junger Mann um die 30, in schwarzem Hemd und Hose (wissbegierig und voller Selbstzweifel: Felix Lydike), unzufrieden mit sich selbst. Er hat alles Mögliche studiert und dennoch das Gefühl, nichts zu wissen und zu nichts nütze zu sein. Er kommt sich vor wie ein Wurm und fühlt sich doch zu Höherem berufen, will wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Faust schlägt ein Buch auf, beschwört Geister und verfällt immer mehr der schwarzen Magie. Das Spiel wird begleitet von zwei Musikern (Hendrik Gläßer, Stefan Köcher) an Marimbaphon und Vibraphon, die Klänge sind sphärisch, hell, leicht und geheimnisvoll. Die Bühne ist mit Neonröhren behängt, die abwechselnd grell weiß, gelb, rot glühend oder nachtblau leuchten.

Zuerst erscheint Faust eine wunderliche Gestalt in weißer Hülle auf Rädern, der Erdgeist (Julia Vincze) wie in einen Kokon eingesponnen. Sie lacht ihn aus, sei zu groß für ihn. „Du gleichst dem Geist, den du begreifst!“ Faust geht enttäuscht raus ins Freie zusammen mit dem Studiosus Wagner (Moritz Gabriel), oben von der Treppe aus betrachten sie das Volksgetümmel, hören die Glocken und feierliche Männerchöre. Faust sagt den berühmten Osterspaziergang auf und geht hinunter zu der Menge. Die Leute bestaunen und belächeln den weltfremden Gelehrten, sie tragen alle ähnliche, grell orangene und erdfarbene Sachen und Plastbecher. Auf der Wiese sitzen sie beim Picknick, grillen Würstchen, spielen Federball, eine Frau massiert ihrem Mann den Rücken. Zwei Nachbarn unterhalten sich, über die Welt draußen, in der die Menschen sich die Schädel spalten und zuhause bleibt alles beim Alten, sagt einer zum anderen.

Ein schwarzer Hund umkreist Faust und Wagner mit einen Feuerschweif. Als lustig knopfäugige Handpuppe nimmt Wagner ihn hoch. Hinter des Pudels Kern steckt Mephisto, der bald mit teuflischem Vergnügen Faust heimsucht. Er spricht rätselhaft, stellt sich vor als „ein Teil jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Faust versteht nicht, Mephisto stehe doch ganz vor ihm?! Der Mensch hält sich für ganz, vollständig für gewöhnlich, antwortet der ihm spöttisch. Alles hat zwei Seiten. Das Böse tarnt sich gern. Beide, Faust und Mephisto, tragen schwarze Sachen. Manchmal sitzen sie Kopf an Kopf am Bühnenrand und sehen sich an, wie ein Spiegelbild des anderen. Mephisto tritt elegant in schwarzem Frack auf, das schwarze Haar gescheitelt. Den Namen Satan hört er nicht gern, wie ihn eine reizende Hexe (Maria Sommer) nennt, als er sie nimmt. Er sieht sich lieber als Genussmensch, Verführer, Wortführer. Matthias Avemarg zieht als Mephisto raffiniert alle Register, gibt sich mal cool, abgeklärt, schelmisch grinsend oder tobt bedrohlich umher, umhüllt von Rauch und Donner auf glutroter Bühne. Er macht sich lustig über Fausts Wissensdrang, Naivität und Ungeduld. Der zögert nicht lange, als er mit Mephisto die Wette abschließt, mit Blut unterzeichnet, der ihm zeigen will, was noch kein Mensch gesehen hat und das Leben erscheint ihm lang genug, alles auszukosten. Sobald er zum Augenblicke sagt: Verweile doch, du bist so schön!, will er sterben und Mephisto gehören.

Er zeigt Faust die kleine und die große Welt, sie feiern und trinken ausgiebig mit den Gästen im Leipziger Auerbachs Keller, bis sie kopfüber mit den Köpfen in den Weineimern verschwinden. Er befeuert seine Liebeslust in der Begegnung mit Gretchen (anmutig und sehnsuchtsvoll: Tammy Girke) und lockt sie mit einem Schmuckkästchen, das sie in ihrem harten Bettgestell findet. Sie trägt ein orangenes Kleid und Turnschuhe. Ihre Augen leuchten viel mehr als die Ohrringe, die sie anlegt, sich kokett dreht auf dem Bett stehend und weiß: „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles…“ Ein Genuss für sich in Goethes „Faust“ sind all die geballt auftauchenden Sprüche und Lebensweisheiten, viele kennt man auswendig, an denen man sich freut oder reibt und die in immer neuem Licht erscheinen. Wie Gretchens Frage an Faust, bevor sie sich ihm hingibt: „Wie hast du`s mit der Religion?“ „Ich habe keinen Namen dafür. Alles ist Gefühl, Schall und Rauch. Alles ist Liebe, Gott“, antwortet er.

Nach der romantischen Liebesnacht das schmerzliche Erwachen und der Schatten von Mephisto immer nah bei ihnen. Erst feurig sinnlich, dann gruslig dramatisch die rauschhafte Walpurgisnacht, in der die Gestalten der Nacht in schwarzen Sachen und roten Luftschlangen wild ekstatisch tanzen zu hämmernden Trommelklängen. In der Bühnenmitte liegt Gretchen in weißem Kleid mit Blutfleck ihnen wehrlos ausgeliefert. Verführt und allein gelassen steht sie später, dem Wahnsinn nahe. Faust eilt zu ihr, sie lehnt sich an ihn, Liebe und Schutz suchend. Doch er weicht ihr aus. Sehr berührend ihre Verzweiflung, Schmerz und Trauer um das verlorene Kind und ihre Ohnmacht, allein als Frau und als „Sünderin“ verurteilt, bittet Gretchen die Göttin Nike, die Schmerzensreiche um Schutz. Die Trommelklänge prasseln wie Schläge auf sie nieder. Der Morgen dämmert herauf. Mephisto ruft Faust, mit ihm zu kommen. Hin und her gerissen zwischen seiner Liebe zu Gretchen und der Angst, mit ihr in den Abgrund gerissen zu werden, lässt er sie los. Sie sieht ins Licht, ergeben, doch sie kann nicht verstehen, dass er Mephisto folgt, der nach hinten im Zuschauersaal untertaucht, und sagt zum Abschied: „Heinrich, mir graut vor dir!“ Bevor das Licht ausgeht. Ein abruptes Ende. Und schwer zu begreifen, dass ein Liebender ins Dunkle flieht, dem unheilvollen Geist nach, doch Faust weiß keinen anderen Ausweg. Er tut es in der Hoffnung, dass er doch noch eines Tages zum Augenblick sagen kann: Verweile doch, du bist so schön! Begeisterter Beifall vom Publikum, insbesondere für die Darsteller von Faust, Mephisto und Gretchen und eine tolle Ensembleleistung. Eine Aufführung, die man nicht so schnell vergisst und viel Stoff zum Nachdenken bietet.

Text (lv)

Nächste Termine: 14.4., 20 Uhr und 16.4. 19 Uhr

http://www.landesbuehnen-sachsen.de


Von der Sehnsucht, den Augenblick festzuhalten: Faust (Felix Lydike) und Gretchen (Tammy Girke).

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Ausstellung „Leseland DDR“ im Kultur-Bahnhof Radebeul-Ost

24 Freitag Mär 2023

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Projekte, Zwischenmenschliches

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Der Zauberberg der vergessenen Bücher

Auf eine Zeitreise zum Staunen, Schmunzeln und Erinnern nimmt die Ausstellung „Leseland DDR“ die Besucher mit im Kultur-Bahnhof Radebeul-Ost.

Was waren das für Zeiten, als Bücher weggingen wie warme Semmeln, vor Buchläden Schlangen standen und Menschen am Ostseestrand liegend gebannt in ihre Lektüre vertieft waren? Auf eine spannende Zeitreise in ein besonderes Kapitel DDR-Geschichte nimmt derzeit die Ausstellung „Leseland DDR“ die Besucher mit im Kultur-Bahnhof Radebeul-Ost in der Sidonienstraße 1c. Staunen, Schmunzeln, vielfältige Erinnerungen und auch ein bisschen Wehmut löst diese Schau aus. Diese wird veranstaltet von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und kuratiert von Stefan Wolle, Historiker, Autor und wissenschaftlicher Direktor des Berliner DDR-Museums.

Zu sehen sind rund 20 Tafeln nostalgisch rot unterlegt, rund um Literatur aus dem Osten für Erwachsene und Kinder mit vielen zeithistorischen Fotos, Texten und QR-Codes zum Anhören von Videos mit Zeitzeugen. Darunter Interviews mit dem Schauspieler und Bücherretter Peter Sodann, dem Liedermacher Wolf Biermann, Heinrich Böll, Brigitte Reimann auf dem „Bitterfelder Wege“, 1962, Thomas Brasch und Stefan Heyms Rede im November 1989 auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz. Im Rückblick können die Besucher der Ausstellung auf diese Zeit schauen wie in einem Kaleidoskop, an eigene Erlebnisse und Erfahrungen anknüpfend und Menschen, die die DDR-Zeit nicht kennen einen Einblick bekommen. Dazu lädt ein heller Raum als Café gestaltet mit kleinen runden Tischen, Stühlen und Sesseln in warmen Farben und einer Sofaecke mit Leselampe am Fenste  ein, wo man verweilen und das Gesehene wirken lassen kann, in der ehemaligen Schalterhalle und jetzt Kultur-Bahnhof.

Die Ausstellung „Leseland DDR“ geht dem Wert von Büchern und Literatur im Spannungsfeld von Realismus contra Realität nach. Bevor die „Wunderbaren Jahre“ und „Märchenwelten“ dazumal in der Dokumentation noch einmal aufleuchten, erzählt „Der Zauberberg der vergessenen Bücher“ gleich auf der ersten Tafel vom Ende des Leselandes DDR. Mit Fotos von Bücherbergen in Containern, weggeworfen mit dem Untergang der DDR. Ein Student durchwühlt einen davon und hält einige Bücher in der Hand. Traurig und dramatisch beschrieben, wie die Leute auf wacklige Leitern steigen, um an die obersten Regale zu gelangen und unter Lebensgefahr die plötzlich wertlosen Bücher zu holen. Ironie der Geschichte. Ein Saal voller Bücher aus der DDR, aufbewahrt in der Bibliothek von Peter Sodann und Antiquariat im sächsischen Staucha im Landkreis Meißen. Der Schauspieler, Kabarettist und Theatermacher rettete viele. In reichlicher Auswahl begleiten sie die Ausstellung, viel gelesene und diskutierte Bücher z.B. von Andrej Platonow „In der schönen und grimmigen Welt“, Ulrich Plenzdorf „Die neuen Leiden des jungen W.“, Landolf Scherzer „Der Erste“, Christa Wolf „Kindheitsmuster“ und Kurt Schwitters „Anna Blume und andere“.

Weitere Tafeln zeigen beliebte Kinderbücher wie „Alfons Zitterbacke“, Science Fiction-Literatur, Krimis, Kochbücher, schwer erhältliche Bücher mit brisantem Inhalt, so genannte „Giftschrank-Literatur“ künden von der Macht des Wortes, die Leipziger Buchmesse lockt viele als „Fenster zur Welt“ und die Frage nach „Zwei deutschen Literaturen?“ wird gestellt. Der erste Deutsche im Weltraum, der DDR-Kosmonaut Siegmund Jähn hatte 1978 eine dreibändige Miniaturausgabe von Goethes „Faust“ im Reisegepäck. Laut einer Besucherbefragung bekam 1983 nur noch jeder sechste Kunde seinen konkreten Kaufwunsch erfüllt vom Volksbuchhandel im „Leseland DDR“. Gefragte Titel waren meist nur unter dem Ladentisch mit „guten Beziehungen“ zum Buchhändler erhältlich. An der Spitze stand Alexander Wolkow, gefolgt von Karl May, Avery Corman, Èmile Zola und Maxi Wander. Stefan Zweig kam auf Platz neun, dicht gefolgt von Franz Kafka und Hermann Hesse.

„Was wäre aus dem DDR-System geworden, wenn bestimmte literarische Stimmen hätten wirken dürfen?“, fragt Ines Geipel, Schriftstellerin und Hochschullehrerin mit Blick auf zeitkritische Autoren. Im letzten Kapitel der Ausstellung „DDR und kein Ende“ sind Bücher versammelt, die nach der Wende erschienen und spannend vom Leben in der DDR und der deutschen Teilung erzählen wie die Romane von Erich Loest, Lutz Seiler in „Kruso“, Uwe Tellkamp „Der Turm“ und Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Die Ausstellung bietet viele Anregungen zum Austausch und auch mal wieder zu einem Buch aus der DDR-Zeit zu greifen. Denn: „Sicher ist eines: Es gibt noch genug zu erzählen“, so der Autor der Ausstellung, Stefan Wolle.

Eine Lesung mit dem Schriftsteller Lutz Rathenow unter dem Titel „Trotzig lächeln und das Weltall streicheln“ aus seinem Buch „Mein Leben in  Geschichten“ gibt es zum Abschluss der Ausstellung am 31. März, 19 Uhr im Kultur-Bahnhof Radebeul-Ost.

Text + Fotos aus der Ausstellung (lv)

Geöffnet wie die Bibliothek: werktags von 10 bis 19 Uhr, Mittwoch geschlossen

Weitere Infos + Begleitmaterial zur Ausstellung unter http://www.leseland-ddr.de

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Premiere „Der brave Soldat Schwejk“ in der Comödie Dresden

11 Freitag Nov 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Theater, Zwischenmenschliches

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Von einer pikant brenzligen Situation in die nächste: In einer Paraderolle als „Soldat Schwejk“ glänzt der Komiker Thomas Böttcher. Fotos (2); Robert Jentzsch

Unerschütterlicher Humor gegen blinden Gehorsam

Von gemütlich zu explosiv, fröhlichen Klängen zu Marschmusik wechselt die Stimmung in der Komödie „Der brave Soldat Schwejk“ nach dem Schelmenroman von Jaroslav Hasek, der letzten Freitag Premiere in der Comödie Dresden feierte. Das beste Stück seit langem auf einer Dresdner Bühne und die Geschichte hochaktuell.

Er trägt sein Herz auf der Zunge und sein unerschütterlicher Humor ist Munition für die Mächtigen dieser Welt. Von beidem gibt es reichlich in der Komödie „Der brave Soldat Schwejk“ nach dem autobiographischen Schelmenroman von Jaroslav Hasek, der in einer Bearbeitung von Robert Gillner und Dominik Paetzholdt Premiere am Freitagabend in der Comödie Dresden feierte.

Die ebenso berührende wie bissige Satire um Obrigkeitshörigkeit, blinden Gehorsam, verlogene Doppelmoral der Befehlsgeber und bodenständige, gewitzte und untrügliche Volksweisheit ist im 100. Jubiläumsjahr der Romanvorlage aktueller denn je. Das Buch wurde in über 50 Sprachen übersetzt, verfilmt und für Theater und TV adaptiert. In einem Schwejk-Film von 1960 spielte Heinz Rühmann die Titelrolle. Die Inszenierung von Dominik Paetzholdt schafft das Kunststück, lustig und leicht bitterernste Themen wie die Angst vor Krieg, soziale Gräben und Spannungen und menschliche Zivilcourage auf die Bühne zu bringen. Sieben Schauspieler spielen um die 20 Rollen in kurzen Episoden, in schnellem Wechsel der Kostüme und Stimmungen und mit viel Situationskomik. Das turbulente Geschehen zwischen bierernst und tieftraurig vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird begleitet von abwechselnd flotten und schmissigen Walzerklängen wie dem Radetzkimarsch, volkstümlicher Blasmusik und romantischen, beschwingten Melodien. Vor der Kulisse eines Wirtshauses mit trist grauen Wänden und hohen Bogengängen trifft sich Freund und Feind, geht es offen und direkt, gemütlich und explosiv zu von einem Moment zum anderen.

Da sitzt Schwejk (herrlich schalkhaft-verschmitzt: Thomas Böttcher) in Jackett, Hut und Fliege beim Bier, bestellt gleich noch ein Dunkles aus Pietätsgründen, als er vom Attentat auf Herzog Ferdinand in Sarajevo erfährt und wird prompt von einem mithörenden Spitzel verhaftet, als er über den „beschissenen Kaiser“ von Österreich herzieht, obwohl es doch nur die Fliegen waren. Schwejk bittet um Handschellen, damit die Leute nicht denken, er gehe freiwillig mit einem Spitzel und bekommt Szenenapplaus dafür. Furchtlos, voll trockenem Humor, deftig und anrührend naiv-komisch spielt Thomas Böttcher, bekannt als Radiomoderator und Komiker, in einer Paraderolle wie auf den Leib geschrieben den „behördlich anerkannten Idioten“ Schwejk, der doch immer den Nagel auf den Kopf trifft. Als kluger Dummkopf bringt er Polizeibeamte, Ärzte und Oberste derart in Rage, dass ihnen reihum die angeklebten Schnauzbärte abfliegen zum Gaudi des Publikums. Ob bei der Musterung fürs Militär, im Spital bei den kriegsverweigernden, verschiedenste Krankheiten vortäuschenden Simulanten oder aus dem Zug an die Front geworfen, da er die Notbremse zog, überall trumpft Schwejk auf mit pointierten Sprüchen wie: „Nur mit Klisieren kann die Monarchie existieren!“ oder „Der Krieg ist nur was für reiche Leute!“

Mal ist er der Trottel, mal ein gefeierter patriotischer Held als Krüppel im Rollstuhl. Als Laufbursche des galanten Oberleutnants und Schürzenjägers Lukasch mit Wiener Dialekt (Ferdinand Kopeinig) hilft Schwejk ihm immer wieder aus der Bredouille, aus pikanten Situationen und springt notfalls samt seiner Manneskraft selbst ein bei gar zu liebeshungrigen Damen. Alle Frauenrollen wie auch eine spendable, geleimte Baronin und die fesche, besorgte Wirtin, spielt Dorothea Kriegl. Ein bisschen mehr Liebe und keiner hätte mehr Zeit für den saublöden Krieg!, kommentiert Schwejk dazu. Er entführt einen – echten – sehr lieben und folgsamen Hund für den Oberleutnant, den sein Herrchen jedoch beim Gassi gehen wieder erkennt und ihn strafversetzt an die Front. Schwejk begleitet den Oberleutnant bis zum letzten Atemzug. Nahegeht auch  die Szene mit dem russischem Soldat Ossip (Ulrich Milde), die beide die Gewehre niederlegen, sich nebeneinander setzen am Bühnenrand, ihre Geschichte erzählen und die Uniformen tauschen. Schwejk wird deswegen zum Tod verurteilt. In letzter Minute der erlösende Ruf: Der Krieg ist aus! Und Schwejk kann doch noch zur Verabredung mit seinem besten Freund Woditschka im Gasthaus. Er hat nur noch ein Bein. Der Spitzel sitzt auch wieder am Nebentisch. Alles ist so wie es war, nur bissl schlechter, sagt Schwejk. Und er hofft, dass mit dem Frieden auch der Verstand zurückkommt. Reichlich Beifall und stehende Ovationen gab es für einen Theaterabend, der großartig Unterhaltung und Haltung vereint. Bitte mehr von diesen Schwejks!

Text + Fotos (2) (lv)

http://www.comoedie-dresden.de


Spielte brav mit im Stück und bekam hinterher viel Applaus und Leckerli: Hund Charly, im Stück heißt er „Rosine“.

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Hereinspaziert zum Open Mic – der offenen Bühne für alle im Kulturcafé Freital

04 Freitag Nov 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Das erste Mal auf einer Bühne: Gudi, sechs Jahre, hat viel Freude am Musizieren zusammen mit der Musikerin Sophia Mix beim Open Mic im Kulturcafé im Kulturhaus Freital. Später kamen auch noch ihre Schwester Asia, zwölf Jahre, und ihr Vater ans Mikro. Er sang ein Lied aus seiner Heimat Syrien.

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Herzerwärmende Lieder und humorvolle Verse

Beim Open Mic, einer offenen Bühne für alle überraschen sich Akteure und Zuschauer gegenseitig. Jeden ersten Dienstag im Monat, ab 19 Uhr im Kulturcafé Freital.

Die Scheinwerfer sind schon an. Gudi, sechs Jahre, sitzt schon probehalber auf dem Hocker am Mikro. An ihrer Seite steht die Musikerin Sophia Mix mit der Gitarre und stimmt eine Melodie an. Die ersten Zuschauer nehmen Platz. Zur Tonprobe kommen auch noch ihre Schwester Asia, zwölf, und ihr Vater auf die Bühne. Er singt ein Lied aus seiner Heimat Syrien. Mit seiner Familie ist er vor dem Krieg geflohen, zuerst waren sie neun Monate in Griechenland in einem Camp. Seit zwei Jahren wohnen sie in Deutschland. Zuerst in Kreischa und seit einem Monat in Freital. Asia spricht arabisch, englisch, lernt gerade französisch, versteht auch schon gut Deutsch und übersetzt für ihren Vater. Sie sind schon das vierte Mal im Kulturcafé im Kulturhaus Freital, Lutherstraße 2, das immer dienstags ab 16.30 Uhr offen steht für alle Interessierten.

Jeden ersten Dienstag im Monat, ab 19 Uhr ist Open Mic. Eine offene Bühne für alle, für selbst erdachte und traditionelle Texte, Lieder, Gedichte und Performances aller Sprachen und Formen. Ein Experimentierraum für Neues. Jeder, der mag und Spaß daran hat, kann etwas vortragen vor Zuschauern. Egal ob Laien oder Profis. Technik und ein Klavier sind vorhanden. Instrumente gerne mitbringen. Ohne Voranmeldung kann man auf die Bühne. Eintritt frei. Das macht die Sache auch so spannend und überraschend für Zuschauer wie Akteure, wer kommt und wie es wird. Man braucht nur Neugier, Offenheit und etwas Mut dafür. Je mehr sich trauen, um so bunter und ausdrucksreicher wird der Abend. Gern überraschen von neuen Teilnehmern und Beiträgen lässt sich auch Sophia Mix, die Gastgeberin der offenen Bühne. „Ich bin ein Bühnenmensch“, sagt die 36-Jährige. Ihre Mutter hatte ein kleines Theater in Würzburg. Seit kleinauf konnte Sophia sich dort ausprobieren.

Seit 13 Jahren ist sie freischaffend tätig als Bildende Künstlerin und Musikerin und arbeitet auch im Montagscafé im Kleinen Haus in Dresden mit. „Dort wurde ich auch eingeladen, das Kulturcafé in Freital mitzugestalten“, erzählt sie. „Multidilletantin“ nennt Sophia Mix sich. Sie schreibt eigene Lieder und gern dadaistische Texte. Einige davon trägt sie witzig, wortspielerisch und temporeich an diesem Abend vor, die von einer „Flaschenpost“ erzählen und wie sie den Swing wiederfand. Und ringt köstlich sprachakrobatisch nach Worten im Liebesgedicht „Frag nicht“. Sie begleitet außerdem zusammen mit Vincent Oertel durch den Abend, stellt die Akteure vor und er stellt originelle Fragen. Der 35-Jährige schreibt auch, „Reflexionen über sich und die Welt“. Er  moderierte die „Open Mic`s“, die es einige Jahre in der Spielbühne Freital gab, und unterstützt jetzt Sophia bei der offenen Bühne im Kulturcafé. Zwischen fünf und 30 Zuschauer kamen bisher. Jeder Akteur hat eine viertel Stunde Zeit für seine Darbietung. „Man kann das Angebot auch als Netzwerk sehen. Man lernt Leute kennen, andere Musiker, Dichter und Autoren, kommt miteinander ins Gespräch und kann sich verbinden für andere Veranstaltungen“, sagt Sophia Mix. Wer schon einmal da war, kann gern wieder auf die Bühne.

Bevor es losgeht, gibt es  Tee, Kaffee oder Wasser und belegte Brote, die auf einem Tisch für die Besucher bereitstehen. Diesmal gehen sechs Akteure ans Mikro. Rund ein Dutzend kleine und große Zuhörer sitzen davor, hören aufmerksam zu und alle erhalten viel Beifall. Die Kinder sitzen in der ersten Reihe. Auch Asia, Gudi und ihr Bruder Abdul, der noch seine Fußballsachen trägt. Makeda, sieben Jahre,  malt nebenbei lustige Bilder mit fliegenden Herzen, Häusern, Mond, Sonne und Sternen auf kleine Notizblätter und verschenkt sie an die Zuschauer. Friedemann Röber aus Pretzschendorf leitet den offenen Familienchor im Kulturcafé und lauscht mit seinem kleinen Sohn Adrian im Arm der Musik. Beim Open Mic spielt an diesem Abend sein Bruder Christoph am Klavier und begleitet eine Sängerin. Sie singt mit sanfter, herzerwärmender Stimme Lieder von Tori Amos und Gundermann, die von Abschied, vom Wandel in der Natur und im Leben erzählen.

Franziska Mühr aus Tharandt las aus ihrem Buchmanuskript „Pocket Guide Grundschulzeit“ über ihre eigene Erfahrungen und von anderen Eltern, wie Kinder und Erwachsene durch einfühlsames Reden und Geduld, ohne vergleichen und bewerten, aktiver und lernfreudiger werden. René Seim aus Dresden ist zum zweiten Mal beim Open Mic im Kulturcafé Freital dabei. Seine Texte erscheinen, von ihm und anderen Künstlern illustriert, im eigenen „Windlust“-Verlag. Außerdem lädt er regelmäßig zum Wildblumenblues auf seine Lesebühne „Wildes Parfüm“ mit Texten anderer Autoren und Musik in die Spielstätte „Wanne“ im Stadtteilhaus Äußere Neustadt in Dresden ein. Das nächste Mal am 12. November um 16 Uhr. Seim las kurzweilig gereimte Verse mit viel Humor, Lust und Hintersinn und bekam reichlich Applaus. Das Spektrum reicht von Naturbetrachtungen, Liebesbriefen, Gedanken über Leben und Schreiben bis zu Geschichten über bunte Vögel, Dämmerlicht und Kneipenflair, Großmäuler und Genießer.

Stefan Döhnert blätterte lange bis er endlich seinen skurrilen Text für ein Kinderlied mit dem Titel „Ich liebe dich nicht“ fand und sorgte mit einem ironischen Dialog zum Thema Gender-Sprachverwirrung mit eigenen Wortschöpfungen wie „Spieli“ und „Mitbewohni“ für Heiterkeit. Und auch ich las spontan drei neue, auf dem Handy gespeicherte Gedichte: „Sonnenflecken (Für Vincent van Gogh), „Bericht an die Nachgeborenen“ (nach Brecht) und „Der Zwitscherbaum“. Das nächste „Open Mic“ findet am 6. Dezember als spezielle „Nikolaus-Edition“ statt. Nächste Woche Dienstag, den 8. November, von 18 bis 19.30 Uhr wird zum offenen Spieleabend für alle im Kulturcafé Freital eingeladen.

Text + Fotos (lv)

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Besondere Kunst-Oase nahe der Weinberge: Die Galerie mit Weitblick in Radebeul feiert 10-jähriges Bestehen

26 Mittwoch Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Literatur, Musik, Projekte, Zwischenmenschliches

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Helle Ausstellungsräume mit weitem Blick ins Freie & ein farbenfroh fantasiereiches Universum an Bildern und anderen originellen Dingen zum Staunen, Schmunzeln und Freude bereiten und nicht zu vergessen die kleine, feine Auswahl an Büchern aus dem NotSchriften-Verlag Radebeul und die gemütliche Sitzecke mit Kaminofen: Das alles macht die Galerie von Dorothee Kuhbandner besonders und anziehend für die BesucherInnen, darunter oft Touristen, die das kulturelle Kleinod unterhalb der Radebeuler Weinberge meist zufällig entdecken und um so erfreuter sind darüber. Herzlichen Glückwunsch zum Galeriejubiläum und noch viele weitere Jahre und viele interessierte und kauffreudige BesucherInnen!

Farbreiches Universum mit morbidem Charme

Die Galerie mit Weitblick in Radebeul von Dorothee Kuhbandner feiert am Sonntag, dem 30. Oktober ihr zehnjähriges Jubiläum. Das Angebot kommt gut an und der Langmut macht sich allmählich bezahlt.

Eine Frau im Kleid und mit Regenschirm springt übermütig barfuß über eine Pfütze. Einmal in leuchtenden Farbtönen und in schwarz-weiß. Die Bilder sind
ganz neu und Dorothee Kuhbandner nahm sie mit zum Meißner Grafikmarkt am vergangenen Wochenende. Außerdem ist sie mit ihren Arbeiten beim 44. Radebeuler Grafikmarkt am 6. November dabei. Die Wände strahlen in frischem Weiß wie der Fußboden in ihrer „bunten Stube“, wie sie den Raum nennt, in dem ihre eigenen Bilder hängen. „Dorealismus“ nennt sie dieses farbenfroh fantasiereiche Universum in ihrem unverkennbar eigenen Stil. Luftiger, weiter und klarer wirkt der Raum jetzt. In einer Ecke steht immer noch der kleine Kaminofen, Sessel, Tisch und Stühle für Gäste bereit. Und das hereinfallende Sonnenlicht lässt ihre ohnehin farbreichen Bilder noch mehr leuchten. In weiteren zwei Räumen zeigt Dorothee Kuhbandner die Werke anderer Künstlerinnen und Künstler in wechselnden Ausstellungen in der Galerie mit Weitblick auf der Oberen Bergstraße 13 in Radebeul.

Sie wohnt mit ihrer Familie gegenüber, sah das seit einigen Jahren leer stehende Gebäude. Unten befand sich ehemals ein Pferdestall und oben eine Wohnung. Dort wäre eine Gelegenheit, ihre eigenen Sachen zu zeigen und anzubieten, dachte sie sich und fragte den Vermieter nach einer neuen Nutzung der Räume. Seit nunmehr zehn Jahren betreibt Dorothee Kuhbandner hier nun ihre eigene Galerie. „Es ist immer wieder Neues zu sehen, damit es den Radebeulern nicht langweilig wird“, sagt sie schmunzelnd. Das Treppenhaus ist noch nicht renoviert und besitzt morbiden Charme. „Die Leute mögen es, jetzt bleibt es so“, sagt sie. Der Mietvertrag werde alle zwei Jahre verlängert und es sei nie sicher, ob sie drin bleiben darf. Dennoch ist sie froh über diese Möglichkeit und der Vermieter weiß, dass sie das Gebäude warm hält.

Inzwischen ist in der Galerie mit Weitblick bereits die 24. Ausstellung zu sehen, derzeit mit Malerei, Zeichnungen und Keramik von Michael Horwath. Die Laudatios zur Eröffnung hält meist der bekannte Radebeuler Autor und Kunstfreund Thomas Gerlach aus Freundschaft zur Galerie. Musik, Getränke und Schnittchen gibt es immer gratis dazu für die Besucher. Dorothee Kuhbandner sitzt fast jedes Wochenende hier zu den Öffnungszeiten der Galerie. Die Ausstellungen können auch nach Vereinbarung in der Woche besichtigt werden. Die Besucher können anrufen. Dorothee Kuhbandner hat eine Funkklingel in ihrem Atelier im Wohnhaus und schließt dann den Besuchern die Galerie auf. Manchmal sitzen die Künstler selber in der Ausstellung, wenn sie einmal nicht da sein kann. 150 Stammbesucher stehen in ihrem Verteiler. Sie kümmert sich um alles selbst, Ausstellungen organisieren, Plakate und Ausstellungskarten gestalten und drucken lassen und an Orten wie Buchhandlungen und Bibliotheken verteilen. „Es hängt viel Zeit dran und die Galeriearbeit ist der blanke Idealismus“, sagt Dorothee Kuhbandner. „Im Sommer gehen alle in den Wald, baden und in Urlaub, aber nicht in eine Galerie.“

Aber jetzt im Herbst und Winter sei die beste Zeit. Es kommen neben Einheimischen auch viele Touristen, die meisten entdecken die Galerie zufällig nach einem Ausflug in die nahen Weinberge. „Aus der Besenwirtschaft kommen manche in weinseliger Stimmung hierher, genießen die Kunst und kaufen auch oft etwas“, erzählt Dorothee Kuhbandner. Die Besucher kaufen gern Radebeul-Motive wie Schloss Wackerbarth und die Weinberge in farbigen Federzeichnungen von Christine Grochau unter anderem. Gut gehen auch bemalte Keramik, Schmuck, Weihnachtssterne aus Wäscheklammern, ein Kalender für die Adventszeit und Fensterengel aus weißem Papier von Dorothee Kuhbandner. Der Renner sei jetzt der Kalender für 2023, den sie gestaltet hat. Jedes Blatt ein Unikat, mit Hingabe koloriert, bestempelt und geglitzert. In einer Auflage von 50 Stück. „Die Hälfte ist schon verkauft.“ Sie habe auch schon Sammler für ihre Lebensart-Hefte mit farbigen Zeichnungen und witzig-weisen Sprüchen.

Neben den Ausstellungen gab es außerdem schon 25 Veranstaltungen, musikalische Lesungen und Konzerte in der Galerie mit Weitblick und im Minckwitzschen Weinberghaus. Es kamen auch schon Kindergartengruppen zum Bilder anschauen und drei Mal Schülergruppen vom Radebeuler Gymnasium Louisenstift zu Projekttagen in die Galerie, interviewten die Künstlerin Dorothee Kuhbandner für szenische Lesungen. Die Resultate bekam sie leider nie zu sehen. Einmal konnten die jungen Besucher in ihren Bildern versteckte Details suchen und einen Fragebogen dazu ausfüllen. „Sie haben alles gefunden und das hat viel Spaß gemacht“, sagt die Künstlerin und Mutter von vier Söhnen. Sie selbst malt und zeichnet, seit sie einen Stift halten kann. Ihr Vater war Kunsthistoriker und so lernte sie als Kind schon viele Künstler kennen. „Im Atelier von Peter Graf hat mich das künstlerische Chaos stark beeindruckt und ich war gern bei meinem Patenonkel, dem Künstler Werner Juza in Wachau“, erzählt Dorothee Kuhbandner.

Sie wurde 1964 in Dresden geboren, hat Ausbildungen als Buchbinderin und Krankenschwester und arbeitet seit 2010 freischaffend als Künstlerin und seit 2012 mit eigener Galerie in Radebeul. Sie erhält keinerlei Förderung als private Galerie. Manchmal dachte sie schon ans Aufhören. „Die Besucher bestärkten mich dann weiterzumachen. Sonst würde etwas fehlen in Radebeul!“  Die vielen Kontakte, Gespräche und Leute, die sie kennenlernt durch die Galerie, bedeuten ihr auch viel. Manchmal sei sie auch seelsorgerisch tätig, hört Besuchern und ihren Nöten zu bei Kaffee, Tee und Gebäck. Einige bringen ihr auch Holz für den Ofen mit, einer schöne, alte Papierseiten zum Bemalen und sie bekam zwei dicke Bücher über den Radebeuler Naturheilkundler Eduard Bilz. Sie erhält wöchentlich zwei Anfragen für Ausstellungen in ihrer Galerie. „Der Langmut macht sich langsam bezahlt“, sagt Dorothee Kuhbandner erfreut. Sie will auch weiterhin musikalische Lesungen anbieten. Zur Lesung aus dem Roman „Tyll“ von Daniel Kehlmann mit Annabell Schmieder kamen 30 Zuhörer. Das hätte sie nicht gedacht.

Für die Galerie freut die Künstlerin sich über Unterstützer, die helfen Werbeflyer für die Ausstellungen und Veranstaltungen zu verteilen oder auch mal den Galeriedienst am Wochenende übernehmen. „Ich würde es auf jeden Fall noch mal machen, eine eigene Galerie“, sagt Dorothee Kuhbandner. Sie wünscht sich weiterhin kunstneugierige Besucher und natürlich auch Käufer. Das zehnjährige Galeriejubiläum wird am 30. Oktober, ab 17 Uhr mit einem Konzert mit dem Musiker Peter „Salbei“ Schlott gefeiert. Am vierten Advent wird es wieder ein Weihnachtsmärktlein in der Galerie (von 11 – 19 Uhr) mit Kunsthandwerksständen mehrerer Künstler und zum Aufwärmen für die Besucher Glühwein, Soljanka, Kaffee und Stollen geben. Zeit zum Umschauen, Verweilen und Genießen in einem besonderen Kleinod, das die Radebeuler Kulturlandschaft großartig bereichert.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa und So von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

http://www.doro-malerei.de

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SchreibLust

Hervorgehoben

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, In eigener Sache, Lebensart, Literatur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Zwischenbilanz meines Lebens

Schreiblust

Die Welt der Worte hat mich immer fasziniert. Als Kind sah ich bei meiner Oma Bücher in altdeutscher, schnörkeliger Schrift, die einen eigenen Zauber besaßen.
Wie eine Geheimsprache. Mich reizte, die Worte zu entziffern, auch wenn ich den Inhalt nicht verstand oder er mich langweilte. Ich wollte einfach wissen, was da steht. So weit ich denken kann, waren immer Bücher in meiner Nähe. Ich habe als Kind viel Zeit mit ihnen verbracht, weil ich viel allein war. Bergeweise holte ich sie aus der Bücherei der Kleinstadt. Märchen aus aller Welt, am liebsten von Andersen, außerdem die reichhaltige griechische Mythologie mit ihren vielen Göttern, Helden, Tragödien, Ober- und Unterwelt, Hades und Olymp. All die fremden, klangvollen Namen und zauberhaften, wandlungsreichen Geschichten las und kannte ich auswendig und zehre von diesem Wissen bis heute.

Bald kam zum Lesen das Schreiben hinzu. All die Gedanken, Eindrücke und Einfälle wollten festgehalten werden. Beim Schreiben höre ich mir selbst zu. Es ist wie ein Schüssel zu mir selbst. Ich schließe mich und andere auf. Betrete meine eigene und die Gedanken- und Gefühlswelt anderer. Sehe mich darin um, verweile, lausche, halte Zwiesprache. Das kann innig, zärtlich oder auch rau, heftig, ungeduldig, leise und laut, lustvoll, lakonisch, traurig, komisch und ironisch, verborgen in Metaphern oder klar und konkret geschehen. All das bin ich, die Worte sind mein Spiegel, Ausdruck meines Denkens und Fühlens und Selbstvergewisserung. Indem ich sie niederschreibe, teile ich sie, vertraue mich mit ihnen anderen an. Werde sichtbar mit meinem Sein, auch mein Inneres. Worte können wärmen, schützen, halten, befreien, aber auch herzlos sein, bloßstellen, verletzen.

Bücher und Schreiben sind für mich Schätze, die mich mein ganzes Leben begleiten. Soviel wie als Kind lese ich heute nicht mehr. Es bleibt nie Zeit für alles. Doch ich habe das Schreiben zu meinem Beruf gemacht. Bin aus der Enge der Kleinstadt in die große, weite Welt gegangen, um mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Im Westen war ich das erste Mal 1990 zur Aufnahmeprüfung an der Deutschen Journalistenschule in München. Da wurden die Texte noch in klappernde mechanische Schreibmaschinen geschrieben. Alle zusammen in einem Raum. Das Geräusch höre ich heute noch. Die Reportagen von damals habe ich leider nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass ich über zwei Museumswärter im Deutschen Museum und der Pinakothek in München schrieb und beeindruckt von den Sammlungen war. Ansonsten kam ich mir winzig vor in dieser neuen, fremden Welt. Die überbordende Warenfülle und der kalte Glanz der Einkaufspaläste, die hastenden Damen in Pelzmänteln mit ihren vielen Einkaufstüten, Reisende aus aller Welt und arme, umherirrende Menschen, Bettler und Straßenkünstler waren tägliche Kontraste. Ich hatte immer Angst, verloren zu gehen, unterzugehen. Mich nicht zurechtzufinden. Nicht bestehen zu können in solch einer schönen, wohlhabenden und widersprüchlichen Stadt. In der Journalistenklasse in München waren nur zwei Frauen aus Ostdeutschland. Ich war eine davon. Die erste Frage war: War im Osten wirklich alles so grau?! Es gab Neugier, Offenheit, aber auch Vorurteile und Unsicherheit auf beiden Seiten.

Ein  Leben im Westen für länger konnte ich mir nie vorstellen. Meine Heimatverbundenheit war immer groß. Ich würde nie meine Heimat verlassen,  egal was kommt. Man kann woanders hingehen, doch seiner Vergangenheit, dem was man mitbringt, sich selbst, kann man nicht entkommen, die nimmt man überallhin mit. Man kann sich jedoch wandeln, den Blick auf das eigene Leben mit den Erfahrungen und in anderem Umfeld immer wieder erneuern, sich selbst immer wieder neu und anders erfahren auch im Spiegel anderer Menschen. Den eigenen Horizont erweitern, die Außen- und Innenwelt immer mehr in Einklang bringen. Durch Schreiben erlebe ich die Welt bewusster, lebe intensiver.

Ein Leben ohne Schreiben kann ich mir nicht vorstellen. Vieles wird durch Aufschreiben erst greifbar, erkennbar für mich. Alles was Leben ausmacht. Jeden Tag neu. Sehen, entdecken, finden, sich schreibend immer wieder allem nähern, was einem begegnet, was gesehen und ergründet werden will. Anregungen zum Schreiben finden sich überall. Beispielsweise die Schriftzüge auf Schaufenstern von Läden, Schildern und Speisekarten von Cafés ebenso wie Sehenswürdigkeiten und Gedenkorte einer Stadt. „Geschichte macht Gesichte“ steht auf einer alten Hauswand. Ein Reimesprecher bietet Unterhaltung an, die aus dem Rahmen fällt. Wenn das Leben dir einen Korb gibt… Was dann. Dann nimm ihn und geh Blumen pflücken, schrieb eine der Frauen aus dem Gedicht-Workshop nach dem Stadtspaziergang. Sich einen eigenen Reim auf die Welt machen, Erlebtes und Erfahrenes zusammenbringen nach eigenem Sprachduktus und Empfinden.

Das rein intuitive Schreiben einmal unterbrechen, sich dem Formzwang oder besser Formwillen aussetzen, um gewohnte, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen, offen zu sein und durch die Einschränkungen die Fantasie im Worte (er)finden, hin zu neuer Freiheit der Gedanken, Ideen und Ausdrucksformen noch mehr anzuregen und zu stärken. Das war, reizvoll, spannend und es waren einige Widerstände zu überwinden. Eine ganz neue Erfahrung, andere Herangehensweisen, Zugänge und Formen zum Schreiben kennenzulernen und zu erproben, war dieser Gedicht-Workshop im Rahmen eines Schreib-Festivals, das für alle offen war. Es war das erste Mal, dass ich in einer Gruppe mit anderen Leuten etwas schrieb, ich hatte große Scheu davor, dass ich es dann nicht schaffe, nach innen zu gehen oder mir nichts einfällt, andere schneller fertig und besser sind und mit meinen Texten nichts anfangen können. Doch es ging erstaunlich gut und zum Schluss hatten wir eine wunderbare, gut besuchte Lesung mit den im Gedicht-Workshop entstandenen Gedichten. Ich bin gerade auch in einer intensiven Schreibphase, erkunde neue Erzählgenres und die Worte fließen stetig. Ich spiele auch gern mit Worten, ihrem Sinn, drehe sie hin und her, stelle sie um. Doch nicht nach einem bestimmten Schema oder Ordnungsprinzip, sondern wie es sich aus dem Moment und meinem Befinden ergibt.

Ich sehe meine Gedichte auch als Momentaufnahmen, die in dem Moment so aus mir heraus geschrieben werden wollten und damit einen Sinn und Aussagekraft haben. Jede Änderung ist schon wieder ein neuer Moment, der die Aussage und das Gedicht verändert. Ein Bild wird nicht besser, wenn man es hundert Mal übermalt. Es kommt auf den Kern an, dass der erkennbar und plausibel ist, etwas anstößt beim Lesen. Neugier weckt und zum Weiterdenken, die eigene Fantasie und Tun des Lesenden anregt. Wenn ich das erreiche, bin ich glücklich.
Lilli Vostry
23.9.2022

(Dieser Text entstand zum Abschluss meines Fernstudiums Literarisches Schreiben an der Cornelia Goethe Akademie in Offembacb/Main, das zwei Jahre dauerte mit abschließendem Schriftstellerdiplom im Herbst 2022.)

Fotos (lv)

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Worte die beflügeln…

Hervorgehoben

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, In eigener Sache, Kurzgeschichten, Lebensart, Literatur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Text-Atelier Lilli Vostry

Worte geben Träumen Wurzeln um von ihnen zu erzählen.
(Lilli Vostry)

In allen Farben des Lebens geschrieben und gesprochen, abwechslungsreich, mit unverwechselbarer Feder

finde ich für Sie/Euch in vielfältiger Form:

. Texte für Leute mit Ideen, über Projekte und Veranstaltungen
. KünstlerPorträts
. Texte für Kataloge, Werbeflyer und -broschüren, für Websites und Firmenzeitschriften
. Presse- und PR-Texte
. Texte und Reden für Galerien und Künstler, für persönliche Jubiläen, Feste und
Firmenfeiern
. Ghostwriting/Lebensgeschichten festhalten
. Eigene Kurzprosa und Poesie für verschiedene Anlässe
. Schreibwerkstätten für Kinder, Senioren und andere Interessierte

Preise (auf Anfrage)

P.S.: Aktuell suche ich einen Raum in Dresden oder Umgebung für Schreibwerkstätten, der auch als Café & Kunst-Kiosk mit kreativen Angeboten nutzbar ist. Möglichst mit Schaufenster/Ausschank-Möglichkeit/Schiebefenster etc. Gern auch ein kleines Gartenhaus.

Kontakt: Lilli Vostry, Tel.: 0177 – 524 88 48
e-mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de oder lilli.vostry@web.de

Freie Journalistin . Autorin . Poetin . Wortschmiedin . Redekünstlerin

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Tschechisch-Deutsche Kulturtage: Gastspiel „Holzfällen“ von Thomas Bernhard des Divadlo Na zábradli im Kleinen Haus

13 Donnerstag Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Äußere Opulenz und Ästhetisierung entleerter Lebensformen. Davon erzählt gnadenlos grotesk komisch die Inszenierung „Holzfällen“ nach dem bekannten Prosatext des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard. Foto: Veranstalter

HOLZFÄLLEN von Thomas Bernhard
Gastspiel des Divadlo Na zábradlí, Praha /
Theater am Geländer, Prag
Mit deutschen Übertiteln

Am 13. Oktober 2022, 19.30 Uhr gastiert im Kleinen Haus 1 des Staatsschauspiels Dresden Thomas Bernhards HOLZFÄLLEN, eine Produktion des Divadlo Na zábradlí, Praha / Theater am Geländer, Prag.

Die Inszenierung findet im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage und der Tschechischen Saison Dresden statt und ist von dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden organisiert.
In HOLZFÄLLEN fasste Thomas Bernhard die wesentlichen Züge eines Themas zusammen, das ihn sein Leben lang beschäftigt hatte – das enge Nebeneinander von Tod und Kunst. Er konzentriert sich auf das Problem der echten und unechten künstlerischen Existenz und enthüllt unbarmherzig die Ästhetisierung entleerter Lebensformen als Flucht vor Wahrheit und Verantwortung.

In der Inszenierung des Theaters Divadlo Na zábradlí wird ein kleines, mit Bildern und Gästen überladenes Zimmer zum geschlossenen Schauplatz eines künstlerischen Abendessens, bei dem von Anfang an auf das Eintreffen eines Burgschauspielers gewartet wird.

Mit: Jakub Žáček, Magdalena Sidonová, Honza Hájek, Johana Matoušková, Jana Plodková, Václav Vašák, Dita Kaplanová, Petr Jeništa
Regie: Jan Mikulášek, Adaption: Dora Viceníková, Jan Mikulášek, Bühne und Kostüme: Marek Cpin,
Musik: Auswahl mit Verwendung der Komposition von M. König, Dramaturgie: Dora Viceníková, Petr Štědroň
Dauer der Aufführung: 1 Stunde und 50 Minuten. Keine Pause.
Foto©KIVA
Termin: 13.10.2022, 19.30 Uhr im Kleinen Haus 1

Text:

Franziska Blech
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Staatsschauspiel Dresden

Theaterstraße 2, 01067 Dresden

Telefon: +49  351 4913 755

www.staatsschauspiel-dresden.de

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Von Widerstand und Liebe in rauer Zeit: „Das Buch der verschollenen Namen“ von Kristin Harmel

09 Sonntag Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur

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Es bleiben nur die Hinweise auf dem Papier

Die Amerikanerin Kristin Harmel erzählt fesselnd in „Das Buch der verschollenen Namen“ von der Rettung jüdischer Kinder im Frankreich der Nazizeit.

Von Kathrin Krüger

„Wie schön muss es sein, von Fragen verfolgt zu werden statt von Geistern.“ Eva Abrams, früher Eva Traube, stößt in einer amerikanischen Bücherei auf einen für sie wichtigen Zeitungsbeitrag. Darin sucht der deutsche Bibliothekar Otto Kühn die rechtmäßigen Besitzer von Büchern aus dem Zweiten Weltkrieg. Die betagte Amerikanerin sieht auf dem Foto sofort ein Buch, das offenbar ihr gehört: Das Buch der verschollenen Namen. Darin hat sie im besetzten Frankreich die wahren Namen jüdischer Kinder festgehalten, die mit einer neuen Identität in die Schweiz geschmuggelt und damit gerettet wurden. Mithilfe der Fibonacci-Folge markierte sie damals als junge Frau Buchstaben und schuf damit einen Geheimcode. Sie tat es gemeinsam mit Rèmy, einem Widerstandskämpfer der Resistance, in den sie sich verliebte. Ihre Reise aus dem heutigen Amerika nach Berlin zu dem Buch wird zur Rahmenhandlung für den Rückblick auf die Geschehnisse in dem kleinen französischen Ort Aurignon.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt die Romanautorin von Widerstand und Liebe, von Verrat und den grausamen Lebensumständen, die das Schicksal der jüdischen Franzosen jener Zeit bestimmten. Der Versuch von Kristin Harmel, die damalige Unmenschlichkeit zur Ausrottung der Juden fassbar zu machen, wird erträglicher durch die eingestreute Lovestory, die so ganz nach aktuellem Geschmack geschrieben ist. Doch diese Lovestory verläuft keinesfalls gradlinig. Harmel fügt noch einen innerfamiliären Konflikt hinzu: Den Widerstand von Evas jüdischer Mutter gegen die Verbindung mit einem Katholiken. Das wirkt teilweise gestelzt, ist aber für jene Zeit realistisch nachvollziehbar. Eva und Rémy leiden also nicht nur unter der Gefahr, in ihrer Arbeit als Dokumentenfälscher entdeckt zu werden. Sondern auch unter den Zwängen religiöser Konventionen.

Trotz einiger Stellen, in denen die Übersetzung aus dem Amerikanischen dem deutschen Sprachstil schlecht entspricht, liest sich „Das Buch der verschollenen Namen“ spannend und schlüssig. Die Figuren werden plastisch gezeichnet, die Handlung wird dynamisch vorangetrieben. Bis zum überraschenden Ende, das eben der Schluss eines Liebesromans ist. Ob die geretteten Kinder mit Hilfe des Buches ihre wahre Herkunft wiedergefunden haben, spielt dabei leider keine Rolle mehr.

 

Von Kristin Harmel erschien bei Knaur auch „Das letzte Licht des Tages“. Dieser Roman spielt ebenfalls im Frankreich der 1940er Jahre.

 

Knaur 2021, Taschenbuch, Preis: 14,99 Euro.

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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