Diese Galerie enthält 6 Fotos.
Traumlandschaft auf Leinwand… Für Traumwandler und Träumer – Eine faszinierende, bilderreiche Reise durch die Nacht In die reichhaltig schillernde, mäandernde, …
08 Freitag Jul 2022
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Traumlandschaft auf Leinwand… Für Traumwandler und Träumer – Eine faszinierende, bilderreiche Reise durch die Nacht In die reichhaltig schillernde, mäandernde, …
08 Freitag Jul 2022

So übergroß die Träume, Sehnsüchte und Widersprüche ihrer Zeit: Eine Szene aus dem Stück „Vor den Vätern sterben die Söhne“ nach Erzählungen von Thomas Brasch. Fotos: Sebastian Hoppe
Stumm und unbeweglich stehen sie da, vor einer weiß sterilen Wand auf der Bühne. Neugierig, gutmütig, fremd und verloren zugleich wirken sie und harren der Dinge die kommen. Ein Nashorn reckt sein Horn in die Luft, ein Elefant, Strauß, Zebra und Giraffe stehen bei ihm und schauen auf das Menschen-Theater. Die Tier-Figuren werden später noch ihren fulminanten Einsatz im Stück haben. Wofür sie genau stehen, ob sie Eigenschaften verkörpern oder als Metaphern dienen, bleibt rätselhaft, vieldeutig. So metapherreich, atmosphärisch dicht, atemlos, packend, zwiespältig ist die ganze, knapp zweistündige Aufführung ohne Pause „Vor den Vätern sterben die Söhne“ nach den Erzählungen von Thomas Brasch, die unter Regie von Sebastian Hartmann im Schauspielhaus Dresden im Juni Premiere hatte. Der gleichnamige Erzählband von ihm erschien 1977 in der Bundesrepublik, da er in der DDR nicht gedruckt werden durfte.
Ein Mann in weißem Anzug und dunklem Haar äußert sich anfangs zu einem Preis, den er für seinen ersten Film bekam und annahm nach seiner Ausreise in den Westen – 1981 der Bayerische Filmpreis, verliehen von Franz Josef Strauß – was zu einer Auseinandersetzung zwischen seinen Freunden führte. Die Annahme oder Ablehnung sei nicht entscheidend, sondern der Umgang mit den Widersprüchen, diese auszuhalten und noch zu verschärfen, erklärt der Mann eindringlich. Die Szene steht exemplarisch für das Leben und Schaffen von Thomas Brasch, Schriftsteller, Dichter und Dramatiker, der als Kind jüdischer Eltern und Kommunisten in der Emigration in England geboren, in die DDR kam und bald gegen den Vater und den Staat rebelliert. Seine rastlose Suche nach einem eigenen Platz für seine Ideen, sein leidenschaftliches Ringen nach Wahrhaftigkeit, Schönheit und Lebenssinn und seine innere Zerrissenheit zwischen Anspruch und Realität verkörpern in dieser Aufführung zwei Schauspieler, Brasch in jungen Jahren spielt Yassin Trabelsi und den älteren, von vielen Kämpfen zermürbten, immer noch rastlosen Schriftsteller bringt Viktor Tremmel eindrucksvoll auf die Bühne.
Schauspiel und Szenen auf der Leinwand, mit Live-Kamera aufgenommen von Julius Günzel und Eckart Reichel, wechseln sich ab. Intensives Körper- und Sprechtheater, grotesk, grell überzeichnet, beklemmend, bedrückend, bedrohlich und berührend, streckenweise sehr artifiziell und künstlich überdreht wirkt die Figurendarstellung. Diese wird begleitet von beeindruckenden, realen und surrealen Bildern in schwarz-weiß und Großaufnahme auf Leinwand, die hoch und runter fährt über der Bühne und abrupt abbricht, mit mal sphärischen, mal dumpfen, rockigen und leise melancholischen Klängen.
In einem wilden, unbändigen Bilderreigen tauchen die beiden Brasch-Darsteller und die Figuren seiner Erzählungen, seine Freunde, Frauen und Musen auf, die mal im Bett lethargisch und lustvoll liegen, gemeinsam an einem Tisch sitzen. essen, trinken, feiern, streiten, lachen, schreien, ihrer Wut, Angst, Träumen und Sehnsüchten freien Lauf lassen. Unaufhörlich rinnt Regen auf die Runde, sind sie schutzlos ausgeliefert, buchstäblich nackt und nass bis auf die Haut, sich nach Erfrischung und Erlösung sehnend, wirbeln die beiden Brasch-Darsteller ständig über die Bühne. Sie reiben sich an den Widersprüchen der gesellschaftlichen Verhältnisse, fühlen sich eingeengt und abgeschnürt die Luft zum Atmen, wollen frei sein, etwas Eigenes bauen statt in die ausgetretenen Fußstapfen der Väter zu treten. Immer wieder prallen Braschs Ansichten und eigene Lebensvorstellungen mit dem Denken, der Ideologie und der Übermacht des Vaters (stur, unnachgiebig: Torsten Ranft) hart aufeinander.
Braschs Texte sind im Spiel seiner Figuren verwoben in mal poetischen, mal sachlich lakonischen, wort- und sinnspielenden Versen, Schilderungen und Szenen der Absurditäten des Alltags, der Suche nach Auswegen, Einsamkeit, Verzweiflung in kraftvoll bildreicher Sprache. Wunderbar seine Verse zum Woanders sein: „aber wo ist woanders/ anders… /wo ist man wo… im Wasser, am Meer, die Füße im Sand…/aber wo ist man anders.“, fragt ihn eine Frau mit rosa Haar, seine Liebste (Kriemhild Hamann) und schüttelt ihn ungeduldig an der Schulter.
Der Konflikt mit dem Vater ist allgegenwärtig und spiegelt sich auch in Braschs Erzählungen. Da sieht er sich selbst als Seefahrer, der unentwegt auf dem Meer unterwegs ist und keinen Hafen findet und sein Vater hockt hm auf den Schultern, der ihm fast die Luft abdrückt, ihn abhalten will hinauszufahren und verbittert in die offene Grube springt. In einer anderen Erzählung ist der Vater als alter, verwirrter und einsamer Mann zu sehen, der fremde Menschen von der Straße zu sich in die Wohnung nimmt und ihnen Heldengeschichten erzählt, dabei hat er Oranienburg nie verlassen.
Braschs Freunde und Figuren rufen ihm immer wieder zu: „Hau ab!“. Doch auch im Westen bleibt ihm vieles fremd, gerät er in Widerspruch zum System des Kapitalismus. Seine Freundin verliert in der unruhevollen Zeit ihr Kind, In Schmerz und Zorn halten sich beide in den Armen. Immer öfter greift er zur Flasche, kommt es zu exzessiven Ausbrüchen, hemmungsloses Lachen und Weinen, Schreie und Schluchzen mischen sich und nach Atem ringen. Eine Pfütze erscheint auf einmal groß und weit wie das Meer, Gischt schäumt und Möwenschreie liegen in der Luft in diesem Sehnsuchtsbild.
Phantastisch und nahegehend, wie die Tiere von der Bühne gegen Ende lebendig auf der Leinwand erscheinen in einer Animation mit gezeichneten, surrealen Filmbildern von Tilo Baumgärtel. Wie der Elefant und das Nashorn zwischen grau trostlosen Hochhäusern mit weißen, gesichtslosen Fenstern umherirren. Der Strauß sein schillerndes Gefieder spreizt und durch endlose Gänge rennt und schwebt. Das Zebra mit seinen schwarz-weißen Streifen im Wohnzimmer steht und vergebens schafft sich anzupassen. Und die Giraffe auf dem Hochhausdach die Weite genießt und in den Abgrund schaut. Ein Raum zeigt einen leeren Schaukelstuhl vor laufendem Fernseher, in dem die Zeit vergeht, Blitze einschlagen und die Giraffe zum Skelett erstarrt da steht.
Das Telefon auf der Bühne klingelt ununterbrochen. Keiner geht ran. Zu einem Eisklumpen gefroren der Apparat, trägt ihn Schauspielerin Louise Aschenbrenner, die abwechselnd verführerisch und sirenenhaft Braschs Muse spielt, fröstelnd zu den anderen. Sie sitzen nebeneinander, wie auf ein Wunder wartend, springen auf und marschieren in einer Reihe raus zu beschwingt romantischen Klängen aus der Oper „Peter und der Wolf“ und düsteren, albtraumartigen Szenen mit einer maskierten Gestalt taumelnd und am Boden zuckend, hinter der sich ebenfalls Brasch verbirgt, im Wechsel. Zuletzt sieht der Seefahrer auf die Stadt und das Meer und wartet vergebens auf das Klopfen in den Schläfen. Nur Stille. Ohne Widerpart, Streit und Diskurs egal wie konträr die Meinungen auch sind, herrscht Stillstand. lässt sich nichts bewegen und verändern in einer Welt voller Widersprüche. Das ist die zeitlos bleibende Botschaft von Thomas Brasch. Viel Beifall gab es für die Aufführung vom Publikum.
Text (lv)
http://www.staatsschauspiel-dresden.de
„Ab jetzt ist Ruhe – Roman meiner fabelhaften Familie“ von Marion Brasch (Fischer Taschenbuch). Darin erzählt die Schwester von Thomas Brasch die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie.

07 Donnerstag Jul 2022
Patrick Wilden: Schreibers Ort
Volker Sielaff: Poesiealbum 366
Patrick Beck (gemeinsam mit Fouad EL-Auwad): Die unsichtbaren Dinge werden von der Zeit trainiert (arabisch/deutsch)
Musik: Cornelia Vranceanu (Klavier) und Oliver Clauß (Saxophon)
Im LeseGarten der Buchhandlung LeseZeichen, Prießnitzstraße 56.
Eintritt frei
Der blasse Tagesmond
bestaunt die Pflaumenblüten
von allen Seiten!
(Patrick Beck)
Der letzte Zug zur Grenze ist durchgerauscht
der Ostwind dreht
das Federvieh träumt
auf den Bäumen des Friedhofs
es ist zu dunkel
um hinter dem Fluß die Musik noch zu sehen
(Patrick Wilden)
Nature Writing
und danach, and after, eine Zeile bei Gary Snyder.
Danach heißt: nach dem Knall, dem Anthropozän.
Auf atme dann die Welt, ohne uns. (Hypothese.)
Wir machen Pause, werden weicher: keimen und grünen.
(Volker Sielaff)
https://literaturnetz-dresden.de/veranstaltungen/poesie-premiere³-beck-sielaff-wilden/
Ihr
Jörg Scholz-Nollau
-- Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr Buchhandlung LeseZeichen Priessnitzstrasse 56 01099 Dresden Inh.: Jörg Scholz-Nollau Tel. 0351-8033914 Fax 0351-8033915 www.buchlesen.de info@buchlesen.de
07 Donnerstag Jul 2022
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik

Fest der Farben und Sinnlichkeit: Sala Lieber »Assemblé« Öl auf Leinwand, 2022, Ausschnitt Foto: Galerie Kunst & Eros
Vernissage am Freitag, 15. Juli 2022 · Beginn 19 Uhr
Begrüßung: Janett Noack
Musik: »Rio Mar Tango Trio«
Morina Krause Querflöte, Valentina Solis Kontrabass & Leandro Rasz Gitarre
Herzliche Einladung an alle Kunstfreunde zur Eröffnung der Ausstellung »Sommersalon 22«
am Freitag, den 15. Juli 2022, um 19 Uhr in die Galerie kunst & eros.
In dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Malerei, Grafik und Plastik
zeitgenössischer Künstler vorgestellt:
Sala Lieber | Viktoria Graf | Michael Hofmann | Maximilian Hagstotz | Peter Zaumseil & weitere Künstler
Anlässlich der neuen Ausstellung »Sommersalon 22« in der Galerie kunst & eros wird es zur Eröffnung ein Konzert
mit dem »Rio Mar Tango Trio« geben:
Das Trio spielt Tango, Vals und Milonga in einer Besetzung die mit Querflöte. Gitarre und Kontrabass einen Klang entwickelt, der auf die Ursprünge des Tangos zurückgeht. Das Repertoire umfasst verschiedene Nuancen des Genres und stellt seine Vielfalt in den Vordergrund. Mal sehnsuchtsvolle, mal spielerische Melodien und Rhythmen verflechten sich mit den tanzenden Körpern im Halbdunkel einer Synkope. Tangos, Valses und Milongas schaffen den Fluss, der in einer Umarmung mündet, jenem Ort, an dem der Tango immer wieder lebendig wird.
Der Eintritt ist frei!
Wir freuen uns auf dieses Wiedersehen, Ihre Neugier und auf die anschließende Geselligkeit in der Galerie.
Herzliche Grüße in Vorfreude
Ihre Janett Noack & Team
Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr
kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785
06 Mittwoch Jul 2022

Vertraute Scheinidylle: Vom Umgang mit Unsicherheit und Angst vor Veränderungen erzählt aus der Kaninchen-Perspektive witzig ironisch, bedrohlich und berührend die Inszenierung „Watership Down – Unten am Fluss“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Fotos: Sebastian Hoppe
Das Gehege ist ihr Zuhause. Den bequemen Bau verlassen, weil etwas Schlimmes passieren könnte? Was, wenn draußen eine noch viel größere Gefahr lauert?! Die Welt der Kaninchen gerät aus den Fugen im Stück „Watership Down – Unten am Fluss“ nach dem Bestsellerroman von Richard Adams (1920 – 2016), der die Geschichten zunächst seinen beiden Töchtern erzählte und sich zeitlebens für Umweltschutz und Tierwohl einsetzte. Die deutschsprachige Uraufführung war im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.
Im gediegen holzgetäfelten Kaninchenbau mit grünen Vorhängen und idyllischen Bildern an den Wänden sitzen die Bewohner adrett in weißen Hemden, Schlips und schwarzen Hosen beisammen, knabbern Salatblätter und dürre Mohrrüben. Nur Fiver, das noch ganz seinen natürlichen Instinkten vertrauende, naiv-aufgeweckte Kind (großartig in ihrer ersten Rolle am Staatsschauspiel Dresden: Katja Gaudard) fühlt die drohende Gefahr. Die anderen meinen, es sei nur das Licht des Sonnenuntergangs, doch Fiver sieht das Feld bedeckt voll Blut! Die Bühne ist in rotes Licht getaucht und flimmert grell von surrenden, unheilvollen Tönen begleitet. Sein Bruder Hazel (besorgt und ironisch-unruhevoll die anderen mitreißend: Matthias Reichwald) warnt das Oberkaninchen ebenfalls. Als lässiger Anführer, mit Möhre wie eine Zigarette im Mundwinkel, agiert spöttisch und Aufruhr im Gehege witternd Thomas Eisen.
Auf die Bühne kam eine wunderbare, metapherreiche Parabel über das Zusammenleben in der Menschen- und Tierwelt, über das Verhältnis von Individuum und Masse, ihre Bedürfnisse und Interessenkonflikte ebenso wie die Angst vor Veränderung. Was hemmt und beschleunigt Auf- und Umbrüche, führt zu Zerfall oder Zusammenhalt, all das beleuchtet und hinterfragt die zweistündige Inszenierung ohne Pause überaus witzig, klug und spannend unter Regie von Tom Kühnel.
Anrührend komisch, traurig, dramatisch bis unheimlich grotesk steigert sich das aus der Kaninchen-Perspektive erzählte Geschehen im Laufe des Abends. Wundervolle Naturschilderungen und düstere Szenen, leise, lustige und grelle Klänge und Naturgeräusche, Schauspiel und Videobilder auf die Bühnenwand projiziert, wechseln sich ab. Die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler nehmen das Publikum mit auf die beschwerliche Reise und Suche der Kaninchen nach einer neuen Heimat bis zu jenem hoch gelegenen, sicheren Ort auf den Hügeln, von dem man aus alles sehen kann und wo kein Mensch hinkommt! Überall lauern Gefahren: Da gibt es in einem anderen Gehege Futter in Hülle und Fülle in einem Einkaufswagen und feiern sie berauscht davon. Plötzlich legt sich am Futterplatz eine Schlinge um den Hals des großmäulig-selbstsicheren Kaninchens Bigwig (Moritz Kienemann). Als die anderen ihn befreien wollen, hält der Gehege-Anführer sie zurück mit der Parole: „Ein Tag weniger für einen, bedeutet ein Tag mehr für alle!“ Doch wer will schon freiwillig ins Gras beißen. Erschütternd die Schilderung eines alten Kaninchens, Holly, der als einziger der grausamen Ausrottung seines Geheges durch Menschen entkam, dort steht jetzt eine Luxuswohnanlage.
Schön ironisch die Szene mit zwei ängstlichen Kaninchen aus Käfighaltung, wie sie zögernd und sächselnd den ersten Schritt in die Freiheit gehen. Bezaubernd die Zeremonie, bei der die Kaninchen lange weiße Gewänder tragen und eine Gestalt eine Blumenkrone und die Schöpfungsgeschichte erzählen, als alle Wesen gleich und Freunde waren, bis ein Fürst sein Volk als das stärkste der Welt hervorhob und Streit und Furcht vor der Überlegenheit der anderen zwischen den Tieren ausbrachen und sie sich seither gegenseitig bekämpfen und töten. Zuletzt erscheinen die Kaninchen maskiert wie Dämonen mit rollenden Augen und scharfen Hauern, die Angst und Schrecken verbreiten und listreich Weibchen zur Arterhaltung holen in ihr Gehege, wo sie satt und zufrieden wieder umher hoppeln, mit gebeugten Pfoten in trauter Scheinidylle. Viel Beifall vom Publikum.
Text (lv)
http://www.staatsschauspiel-dresden.de

25 Samstag Jun 2022
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches



Ein schöner Ort für Kunst & Poesie: Der Künstler Eckhard Kempin vor seinem Atelier im Melli Beese-Haus und die freie Autorin & meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry.


Immer wieder überraschend: Musiker Gabriel Jagieniak spielte neben dem Libertango von Astor Piazolla am Anfang der Gedicht-Lesung etliche andere Stücke und eigene Lieder, inspiriert von der wundervollen Umgebung des Gartens. Fotos (8): JN





Am Eingangstor ein großer Strauß Sommerblumen. Die Hausherrin hatte an alles gedacht. Auf der Veranda standen erfrischende Getränke und selbstgebackener Rhabarber-Erdbeer-Kuchen von mir, von dem fast nichts übrigblieb… Genuss für Gaumen, Auge und Ohr gab es reichlich für die BesucherInnen, die zur Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit frühen und neuen Texten von mir, begleitet von Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme, am Donnerstagabend ins Melli Beese-Haus in Dresden-Laubegast kamen. Schade für diejenigen, die es nicht dorthin schafften!
Es war eine wunderschöne Gedicht-Lesung. meine erste im Freien, mitten im Grünen, zusammen mit dem Musiker Gabriel Jagieniak und seinem mitlauschenden Hund Gulliver, in lockerer Runde, mit aufmerksamen ZuhörerInnen, angeregten Gesprächen zwischendurch und lebendig, intuitiv, beschwingt und mitreißend musikalisch umrahmt teils mit Beteiligung des Publikums. Die eine indianische Melodie über das Licht inmitten hoher Berge summe ich immer noch, he jei jo…
So kann es gerne weitergehen. Herzlichen Dank der Gastgeberin vom Melli Beese-Haus, Silvia Tröster und ihrem Mann und dem Künstler Eckhard Kempin, der uns zur Lesung einlud.
Text + Fotos (11) (lv)


Fotos (2): Teodosius

Musizierfreudig: Mancher Zuhörer griff selbst zur Gitarre zwischendurch und es wurde auch zusammen mit Gabriel Jagieniak musiziert und gesungen. Von osteuropäischen Weisen bis zum Gundermann-Lied „Immer wieder wächst das Gras“.


Charmant: der Künstler Eckhard Kempin freut sich über den Besuch von Janett Noack, Galeristin von Kunst & Eros in Dresden. Bezaubernd: Kleine Fee im Garten.

Janett Noack mit Tochter Klara.


Viel zu entdecken im Garten. Besonders viel Freude bereitete das Himbeeren pflücken. Von den Sträuchern naschte einst schon Melli Beese, die erste deutsche Motorfliegerin, als Kind.



21 Dienstag Jun 2022

Kunstreicher Ort mit malerischem Ausblick ins Grüne: Silvia Tröster, die neue Besitzerin, rettete und sanierte das Melli Beese-Haus in Dresden-Laubegast. Hier im Gespräch mit dem Künstler Eckhard Kempin, der im Haus einen neuen Ort zum Wohnen und Malen gefunden hat. Für beide ein Glücksfall.


Die rostige Wasserpumpe steht immer noch im Garten vor dem Melli-Beese-Haus in Laubegast. Sie gehört dorthin wie all die hohen, alten Bäume, die die Zeiten überdauert und ihre Spuren hinterlassen haben. Hinter dem schmiedeeisernen Metalltor empfängt den Besucher eine blühende Oase. Ein Spalier mit roten Rosen und lila Rhododendronbüschen und vielen weiteren, seltenen Gewächsen. Ein helles Sonnensegel spannt sich schattenspendend über der Wiese. Ein Tisch und Stühle stehen dort. Ein paar Spritzer vom Rasensprüher dringen erfrischend herüber.
Es hat sich viel getan am Haus und im Garten, seit Silvia Tröster das Geburtshaus von Melli Beese auf der Österreicher Straße 84 im Jahr 2016 zusammen mit ihrem Lebensgefährten und zwei Freunden erworben und mit privaten Mitteln saniert hat. Erbaut wurde dieses Ende des 19. Jahrhunderts. Hier hat Hedwig Amelie Beese, 1886 geboren und später die erste deutsche Motorfliegerin, ihre Kindheit verbracht. In dem weiträumigen, urwüchsigen Garten naschte sie als Kind bestimmt schon von den vielen Himbeeren, pflückte Äpfel von den Bäumen, lag im Gras und schaute träumend in den Himmel. 1911 erhielt Melli Beese als erste Frau in Deutschland den Pilotenschein. „1898 sind Beeses dann nach Striesen gezogen. Im Garten wollte der Vater seine Fabrik, einen Steinmetzbetrieb und Tiegelgießerei, im Bereich des Gartens erweitern, aber die Stadt lehnte ab. Zum Glück“, weiß Silvia Tröster.
1998 sollten 23 Reihenhäuser auf dem Grundstück gebaut werden. Doch auch dies scheiterte. Viele Jahre gehörte das Grundstück einer Erbengemeinschaft, die sich nicht einigen konnte, was mit dem Haus passieren soll. Zehn Jahre stand das Gebäude leer und verfiel immer mehr, bevor Silvia Tröster es 2011 entdeckte. Sie ist gebürtige Schweizerin, studierte in Basel Geschichte und Sprachen und zog 1993 nach Dresden. Sie mag diese Stadt und ihre Historie, doch vor allem die besondere menschliche Lebensqualität, sagt sie. Erstmals besuchte sie die Elbestadt und Herrnhut in der Lausitz als junges Mädchen mit 16 Jahren in den 1970er Jahren und erinnert sich gern an diese Zeit. Seit 1995 wohnt sie in Laubegast. „Wir haben etwas Altes zum Sanieren mit Gestaltungsmöglichkeiten gesucht, am liebsten in Laubegast. Im Denkmalsschutzamt wurde uns dieses Haus genannt. Als ich es das erste Mal sah, ging mir schon das Herz auf“, erzählt Silvia Tröster, die mit ihrem eigenen Touristikbüro Stadt- und Kunstführungen in Dresden anbietet.
Um das denkmalgeschütze alte Gebäude originalgetreu zu sanieren und den wundervollen Garten zu erhalten, hat sie ihre Eigentumswohnung verkauft und ihr Lebenspartner sein Haus. Die alten Holzrahmenfenster, Holztüren und Klinken wurden aufgearbeitet, eine völlig zugekleisterte Stuckdecke samt Deckenmalerei in einem Raum von Silvia Tröster allein wieder freigelegt und restauriert, die blau weißen Villeroy & Bochkacheln erhalten und veraltete Wasser- und Gasanschlüsse im Haus erneuert. Das – welch ein Zufall – im Schweizer Stil erbaute, nun wieder frisch weiß strahlende Gebäude mit filigranen Holzverzierungen und hellgrünen Fensterläden steht umgeben von einer Teneriffa-Kiefer, Mittelmeer-Zypressen und einem Gingkobaum. „Der Alteigentümer und Vater der Erben hatte ein gutes Händchen für den Garten. Er ließ sich Setzlinge von Reisenden mitbringen. Ihn habe ich leider nicht mehr kennengelernt“, bedauert Silvia Tröster. Diese Mischung aus kultivierten Gewächsen und Wildblumen hegt, pflegt und vermehrt sie nun mit Hingabe weiter. Alte Apfel-, Kirsch-, Pflaumen- und Nussbäume stehen im Garten. Alte Obstsorten wie „Berner Rose“, „Kaiserapfel“ und „Danziger Kantapfel“ mit feinem Aroma lassen ihre Augen leuchten. „Wir lassen den Garten naturnah und pflanzen nur insekten- und vogelfreundliche Sorten“, sagt Silvia Tröster. Gemäht wird das Gras erst wenn es hoch steht, zwei Mal im Jahr, Anfang Juni und im Oktober mit Sense und Balkenmäher. Ein alter Brunnen noch vom Hausgründer wird mit Elektropumpe genutzt. Äste mit Windbruch bleiben liegen in einer „Feenecke“ als Unterschlupf für Igel im Winter.
„Wir sehen den Klimawandel und möchten unseren Garten nachhaltig gestalten und erhalten als eine grüne Oase in der Großstadt“, sagt Silvia Tröster. Durch die hohen Bäume bleibt Feuchtigkeit im Boden, während vier junge Lärchen schon verdurstet sind. „Dafür sprossen plötzlich Königskerzen, Fingerhut und Lichtnelken reichlich, die sich selbst ernähren und man nicht zu gießen braucht. Die ersten Himbeeren sind schon reif, die wunderbar schmecken“, freut sich Silvia Tröster. „Wir wollen dieses besondere Haus und den Garten auch für Besucher öffnen zu kulturellen Anlässen.“ Im Anbau des Melli-Beese-Hauses mit Holzveranda und malerischem Ausblick in den Garten wohnt der Künstler Eckhard Kempin, der sein Atelier im Erdgeschoss hat und 80-jährig immer noch vital und produktiv ist, malt und Ausstellungen und Lesungen im Haus organisiert. Am Gartentor hängt ein Aushang mit den Veranstaltungen.
Text + Fotos (lv)

Ein schöner Ort zum Malen, Wohnen und Kultur genießen: der Eingang zum Atelier von Eckhard Kempin, der hier auch zu Ausstellungen und Lesungen einlädt.


Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

Herzlich willkommen zu meiner nächsten Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Melli Beese-Haus, im Atelier von Eckhard Kempin, Österreicher Straße 84 in Dresden-Laubegast. Ein wunderschöner Leseort mit zauberhaftem Garten.
Der Zauber endloser Anfänge geht weiter. Diesmal sind wir mit unserer Gedicht-Lesung mit Musik in einem Haus mit besonders bewegender Geschichte zu Gast. Im Melli Beese-Haus, dem Geburtshaus der ersten deutschen Motorfliegerin, in Dresden-Laubegast. Eine Gedenktafel mit ihrem Bildnis an der Gartenmauer am Eingang erinnert an die berühmte Bewohnerin. Umgeben ist das Haus von einem wundervollen, urwüchsigen Garten mit hohen alten Bäumen, blühenden Sträuchern, Blumen und seltenen Pflanzen. Ein beflügelnder Ort wie geschaffen für Kunst, Musik und Poesie, begleitet von Vogelgezwitscher. Das von seinen neuen Besitzern liebevoll, detailgetreu sanierte, denkmalgeschützte Haus lädt ein zum Träumen, Innehalten und Verweilen. Die Besitzer öffnen die Türen gern für Besucher zu kulturellen Anlässen wie Ausstellungen, Lesungen und Musikabenden. Diese finden statt im Atelier- und Ausstellungsraum des Künstlers Eckhard Kempin, der hier seit der Sanierung des Gebäudes wohnt. Durch ihn wurde ich auf diesen besonderen Ort und seinen zauberhaften, naturnah belassenen Garten aufmerksam.
Um so größer die Freude, nun hier meine Gedichte, begleitet von Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme, wieder lesen zu können. Zu hören sind ältere und neue Texte, darunter aus den bereits vier veröffentlichten GedichtBilderKalendern, die zwischen 2010 und 2022 entstanden.
Meine Wortgebilde sehe ich wie Wolken, die beständig ihre Form ändern,
in offener Weite die Fantasie anregen und in denen man immer etwas Neues entdecken kann. Die mal unbeschwert, mal bewölkt, von den Wandlungen im Leben, von Licht und Schatten, dem Zauber des Augenblicks und Neuanfangs erzählen.
Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.
Kommt, schaut, lauscht und genießt.
Wir freuen uns auf Euer Kommen!
Herzliche Grüße
Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak
Hier vorab eines meiner neuen Gedichte zur Einstimmung auf die Lesung im Melli-Beese-Haus:
Nahe bei Dir
Ich saß in einem Garten
ganz in deiner Nähe
und dachte wie es wäre
wenn wir uns noch einmal
alles erzählen
wie es begann
dein und mein Leben
wir uns aus den Augen verloren
doch nicht aus dem Sinn
ein Wasserstrahl flüstert
in einem Brunnen
sitzt du manchmal
auf einer der Bänke
beschirmt von hohen Bäumen
verblüht schon die Rhododendron
die Blumen aus Kindertagen
locken vor mir weiße Blütensterne
der Duft von Holunder in der Luft
greife nach den hoch hängenden
Blütendolden
und vergesse einen Moment
die unsichtbare Grenze
zwischen uns
LV
2.6.2022
Text + Fotos (lv)





17 Freitag Jun 2022

Nach innen gehen & die Kraft der eigenen Stimme spüren. Die Sängerin und Gesangslehrerin Katrin Schmidt gibt ihre Erfahrungen damit gern weiter.
Bisher haben sich schon sieben Sängerinnen angesagt, davon ein Kind, das bei ihr Gesangsunterricht nimmt und schon Basiserfahrungen mitbringt. Du darfst auch gern noch Jemanden mitbringen, wenn du magst… (mir vorab dann noch Bescheid geben). In den Raum passen ca. zwölf Personen, es können noch vier Teilnehmer dazukommen.
Als Sängerin und Gesangslehrerin durfte ich erfahren, dass unsere Stimme mächtige, unberührte Dimensionen in sich trägt. Ist denn der Ansatz unserer Kultur, die Stimme durch virtuoses Muskeltraining zu stärken, allumfassend oder erzählt die einfache Stimme unsere Geschichte tiefer, deutlicher, allumfassender? Wir werden es erfahren.
Das Vokalsingen ist nicht sehr bekannt, es ist jedoch ein Weg direkt zu unserer Seele. Und es wirkt sehr stimmstärkend, es ist ein Heilmittel, ein Spiegel und zeigt eine Ausrichtung auf etwas Größeres.
Was teilt uns die innere Stimme derzeit mit? Vielleicht führt dich dein Lauschen zu neuen Einsichten. Vielleicht kannst du Wandlungsphasen als solche erkennen und sie würdigen…Finde behutsam und liebevoll deinen derzeitigen Ruf …
Bitte notiere dir deine Dialoge und Gefühle nach bestimmten Übungen in einem Tagebuch, dass du selbständig mitbringst. Wir halten die Energie im Raum, indem wir im Prozess wenig sprechen und fragen, du darfst aber viel singen, Gefühle fließen lassen. Du kannst für später im Tagebuch Fragen auch notieren.
Am Ende sei zu einem umfänglichen Erfahrungsaustausch herzlich eingeladen, sofern du das möchtest. Wer da für sich sein mag, muss sich keinem Gruppenzwang unterwerfen.
Bitte bringe dehnfähige Kleidung mit und sei schon 14.45 Uhr pünktlich vor Ort. Wenn du schnell frierst, bring dir eine leichte Decke mit. Matten sind vorhanden. Die Gebühr darfst du vor Ort am Ende bezahlen. Bitte setz dich ganz leise in den Raum und stell dein Handy in den Flugmodus. Versuche deinen Atem wahrzunehmen, bei dir anzukommen. Oder es geschieht dann später von selbst…
Dan Millman, der Autor des Buches „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ drückt das so aus:
„Jeder erzählt dir, was du tun sollst und was gut für dich ist. Die wollen aber nicht, dass du deine eigenen Antworten findest. Die wollen, dass du an ihre glaubst.
Ich will, dass du damit aufhörst, deine Informationen von draußen zu holen und dass du anfängst, sie dir von innen zu holen.
Die Menschen haben Angst, in sich hineinzusehen, das ist aber der einzige Ort, wo sie das finden, was sie brauchen.“
Bis zum Beginn am 19.Juni 15 Uhr, Bischofsweg 31 sei in Freude gegrüßt.
Text + Foto (1): Katrin Schmidt
www.Katrin-Schmidt.com unter Workshops, Anmeldung auf der Website oder unter meiner Mail Katrin7Schmidt@yahoo.de

Spiegelung. Unsere Stimme ist auch ein Spiegelbild der Seele. Foto (lv)
17 Freitag Jun 2022

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Zeigt her eure Reize: Der Spaß beginnt schon vor der Show. Fantasievoll kostümierte Fans der „Rocky Horror Show“ am Premierenabend im Foyer im Alten Schlachthof Dresden. Foto: Lilli Vostry
Grusel und Glamour, Traum und Wirklichkeit liegen nah beieinander in der The Rocky Horror Show von Richard O`Brien. Das mittlerweile fast 50 Jahre alte Musical feierte in einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen (Regie, Bühne, Kostüm und Licht: Sebastian Ritschel), coronabedingt mehrmals verschoben, letzte Woche am Sonntagabend endlich Premiere im Alten Schlachthof in Dresden.
Seit seiner Premiere 1973 als Bühnenstück in London war dieses Musical ein Riesenerfolg und der Film von Jim Sharman 1975 brachte den Kultstatus. Das Stück hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren, es prickelt und ist pikant wie eh und je auch in unserer scheinbar so aufgeklärten modernen Welt. Die Rocky Horror Show erzählt schockierend offen, ungeniert, witzig, frech und selbstbewusst, auch visionär über Moral und Scheinmoral, Lust und Laster, Träume, Liebe, Freiheit, ihre Grenzen und Gewalt in Beziehungen ebenso wie in der Gesellschaft. Noch reiz- und spannungsvoller in einer Zeit, in der Frau-Mann-Geschlechterrollen immer mehr verschwimmen, Genderfragen heiß diskutiert werden im Zwiespalt von Gleichheitsanspruch, Gleichberechtigung und möglichst geschlechtsneutraler Sprache und andererseits dadurch Anonymität, Beliebigkeit, Verwischung von Unterschieden und Individualität, die es jedoch braucht, um einander zu erkennen und zu ergänzen im überall in der Natur vorhandenen Spiel der Gegensätze. Im Mittelpunkt der Aufführung steht der schillernde Außenseiter und transsexuelle Frank N`Furter (Jan Rekeszus), der sich um keine Konventionen schert und ganz nach eigenem Gefallen lebt und liebt.
Die Show beginnt schon vorher. Viele Fans erscheinen in fantasievollen Kostümen. Männer in enganliegenden Minikleidern, Netzstrümpfen und High Heels, manche mit Perücken und einer sogar mit spitzen Zuckertüten-Brüsten. Gaudi schon im Foyer. Der weiß gerüschte Bühnenvorhang ist in pinkfarbenes Licht getaucht im vollbesetzten Saal. Die Bühne bestückt mit futuristischen Lampenschalen wie Augen oder Ufos, die bunt blinken, wenn Frank N`Furter und sein illustres Gefolge auftauchen. Ein Erzähler (Lutz van der Horst, bekannt aus der „Heute“-Show im ZDF) zuerst im schwarzen Anzug, dann in Body und Strapsen und pinfkfarbenem Kleid stimmt das Publikum auf die Show ein und erklärt das Procedere, wann und wie die Zuschauer das Stück begleiten dürfen. Mit „Uhs“, „Ahs“, „Psst“, zischeln, Reis werfen als Glückssymbol für das Brautpaar und aus Wassererspritzpistolen regnen lassen. Das geschieht dann auch ausgiebig und sorgt für eine fröhlich mitgehende Atmosphäre im Publikum.
Mit Neugier, Heiterkeit, Staunen, Mitfiebern bis zum übermütigen Mittanzen reagieren die Zuschauer auf das prüde schüchterne Paar Brad (energisch-entschlossen: Merlin Fargel) und Janet (romantisch und abenteuerlustig: Karen Müller), die verliebt und frisch verlobt auf einem Ausflug eine Reifenpanne haben, in ein Unwetter geraten und in einem alten, düsteren Schloss landen, in dem es zu spuken scheint. Fenster öffnen sich plötzlich und seltsame Gestalten tauchen auf, die mal in schwarz-weiß hochgeschlossenen Trikots, mal in schwarz glitzernden Bodys und Strapsen immer mehr Haut zeigen. Aufreizend umtanzen die „Phantoms“, Geschöpfe der Nacht, das Paar. Frank N`Furter lässt die beiden nass gewordenen Gäste in sein Reich, zeigt ihnen alles und verführt sie nacheinander, in einem weißen, offenen Gestell mit rosa Kissen und Bettdecke. Anfangs sind Brad und Janet verlegen und empört, doch bald erwacht ihre Lust und geben sie sich dem Vergnügen hin, singend und tanzend mal in knalligen Lackmänteln, in Korsage und Strapsen. An der Bühnenwand prangen Closetts als rote, verführerische Münder a la Mick Jagger, darüber die Showbühne mit Glitzervorhang. Seitlich der Bühne recken rote Kunstkörper ihre Hinterteile in den Raum. Zur schrill amüsanten Figurenschar um Frank N`Furter gehören Magenta (Julia Harneit) und Riffraff (Martin Mulders) als ergeben-listige Diener.
Der künstlich erschaffene, muskelbepackte Gespiele Rocky (Andrew Chadwick) in regenbogenfarbener Badehose, die liebevoll-gutmütige Columbina (Romina Markmann) und Eddi, den Frank N`Furter im Rausch tötet (in einer Doppelrolle auch als zackig-militanter Wissenschaftler Dr. Everett Scott, im karierten Anzug im Rollstuhl umherfahrend: Michael Berndt-Cananá). Die Aufführung lebt vor allem auch von der zündenden, mitreißenden, gefühlsstarken wie zeitlosen Musik und Songs, die von Anfang bis Ende packen mit ihrer Mischung aus wild rockigen, kraftvollen, sanften, leisen und verträumten Liedern wie „Don`t dreamed“ bis zu Varieteemusik und Slapstick, gespielt von der Rocky Horror Show Band (musikalische Leitung: Uwe Zimmermann). Immer wieder standen die Zuschauer auf, sangen und tanzten begeistert mit. Hände fliegen zum energiegeladenen Hit „Let`s do the time warps again“.
Die Aufführung ist temporeich in Szene gesetzt, vom Darstellerensemble großartig gespielt und gesungen, begleitet von lustsprühenden, flottenTanzeinlagen der androgynen Tänzerinnen. Immer ungehemmter und zügelloser tritt Frank N`Furter auf, der sich über alle Grenzen hinwegsetzt und hemmungslos nimmt, was ihm gefällt und dafür auch kalt tötet. Das kann nicht gut gehen. Am Ende wird er selbst zum Opfer seiner Leidenschaft und Willkür. Seine geliebte Columbina wirft sich vor ihn schützend und stirbt ebenfalls unter den Schüssen zweier silbern glänzender Sternenkrieger. Zum Schluss stehen Brad und Janet allein, erscheint wie ein böser Albtraum alles. Verwundert sehen sie sich an, mit anderen Augen als vorher, diese Nacht hat sie verändert. Sie gehen die Showtreppe hoch, umarmen und küssen sich und verschwinden hinter dem Glitzervorhang. Eine Liebe voller Licht und Schatten wie ein schöner Traum. Reichlich Beifall und Zugaben gab es zur Premiere. Die Rocky Horror Show wird noch bis 3. Juli im Alten Schlachthof in Dresden gespielt.
Text + Foto (1) (lv)
Nächste Termine: 17., 18., 19.6., jeweils 19.30 Uhr
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