Die Sprache der Scherben

„Dicker Mann am Fenster. Und ein kleiner Vogel.“

„Drei Tänzer“

„Geflatter“

„Die Hexe im Flug“

„Hund im Grünen“

„Rückenschwimmen“

Kaputte Scheiben sind nicht schön – oder doch? Der SZ-Fotograf Klaus-Dieter Brühl entdeckt dabei ganz interessante Motive.

Zerfallende Gebäude, Ruinen und alles, was damit in Verbindung steht, habe ich eigentlich schon immer gern fotografiert – seit ich aktiv die Lichtbildnerei mit der Spiegelreflexkamera betreibe, also seit 1978. Das hatte so was Elegisches und passte eigentlich gut in die Zeit der 80er Jahre, eine Zeit, in der die triste Realität des real existierenden Sozialismus immer weniger mit den hehren Ansprüchen des Systems in Übereinstimmung zu bringen war. Man musste nur die zerfallenden Altbauten in Leipzig oder die zahlreichen veralteten Industriebetriebe in der DDR gesehen haben, um das zu wissen. Natürlich war mit solchen Fotos kein Blumentopf bei großen Fotoausstellungen zu gewinnen. Aber das eine oder andere Bild habe ich schon auch bei Fotozeitschriften oder Ausstellungen untergebracht.

Und wo unbewohnte, verfallende Häuser sind, gibt es auch zerschlagene Scheiben. Die fotografiert man so nebenher, und irgendwann nimmt die zerbrochene Glasfläche Gestalt an und erheischt Aufmerksamkeit. Das ist doch ? , sagte mein Sohn, und erklärte das Gesehene wahlweise zu Fledermaus, Elefant, Stiefel oder Kopf. Auch andere Kinder fanden, das sei ein lustiges Spiel. Ist es auch. Gerade das Foto der zerschlagenen Scheibe an sich ist ja grundsätzlich etwas Besonderes.

Täter – Fotograf – Betrachter

Denn: Drei Personen sind es, die das Bild „produzieren“: Zunächst kommt einer, der eine vorher intakte Scheibe einschmeißt. Dabei kommt der Zufall ins Spiel. Je nach Glasqualität entsteht aus den Scherben eine Form. Der Fotograf sieht das Ergebnis und hält es aus einem bestimmten Winkel und zu einer bestimmten Zeit fest. Damit nicht genug: Jetzt kommt der Betrachter ins Spiel, dessen Fantasie ebenfalls gefragt ist. Er kann ja in seinem Kopf die Vorstellung entwickeln, was die entstandene Leerfläche darstellen könnte. Hier kann dann auch ein origineller Titel vom Bildautor spannend sein.

Natürlich könnte man beliebige derartige Formen zersplitterten Glases auch mit Fotoshop künstlich herstellen. Aber so interessant wie die natürlich Erzeugten sind die nicht, das hat sich immer wieder bestätigt. Der Werkstoff Glas ist in seinen Eigenschaften so diffus und unwägbar, dass er immer wieder überrascht. Man denkt, dieser Riss – da muss jemand nachgeholfen haben, jener Splitter ist so gar nicht darstellbar … Aber nein, manipuliert wird nicht, alles habe ich so belassen, wie ich es vorfand. So habe ich einige der Bilder zerschlagener Scheiben aus den Archiven gekramt und ein Poster daraus gemacht. Die Ältesten sind um 1980 entstanden, die Neuesten sind höchstens ein paar Monate alt.

Manche Fotos entstanden bei meiner Tätigkeit in Großenhain, viele in meinem Wohnort Riesa sowie in Dresden und Leipzig. Das große Geflatter entdeckte ich am Straßenbahnhof Dresden-Mickten vor seinem Umbau zur Markthalle. Die drei Tänzer: Das Foto entstand am Rande einer Feuerwehrübung im ehemaligen Citycenter Großenhain, bevor die Gebäude abgerissen wurden. Die Zweifach-Verglasung bietet schöne Doppelkonturen.

Nicht nur in der Stadt gibt’s interessante Motive: Die „Hexe“ fand ich in Ebersbach an der alten Molkerei. Manche Scherbenbilder wie der Mann mit seinem Vogel erzählten ganze Geschichten. Zum Bild SUZ: Das war ursprünglich mal eine bekannte Automarke. Der Rückenschwimmer ist an einer ehemaligen Russenkaserne unterwegs gewesen.

Text + Fotos: Klaus-Dieter Brühl, Fotograf bei der Sächsischen Zeitung in Großenhain

Vielen Dank für die Bereitstellung von Beitrag und Bildern für meinwortgarten.com

Buchvorstellung: Ein Nervenarzt als Buchautor

Dr. Bernd Sachs ist in Rente und blickt auf seine berufliche Laufbahn zurück. Dabei spielt auch der gesellschaftliche Umbruch eine große Rolle.
Einer der schonungslosen Abschnitte kommt fast am Ende des Buches. Da schreibt Bernd Sachs: „Trotz aller Widrigkeiten und Hemmnisse … bekam ich das Gefühl, etwas bewegen zu können, wie ich es in den folgenden Jahren auch nach der politischen Wende nie wieder hatte. Heute denke ich manchmal, dass wir trotz der Bedingungen im System DDR auf unserem Fach- und Arbeitsgebiet auch gegen Widerstände gefahrlos mehr hätten tun können, dass wir unsere Möglichkeiten, die sicher begrenzt waren, trotzdem nicht ausgeschöpft haben und uns unnötigerweise zu sehr angepasst und untergeordnet haben.“

Dass der 76-jährige Großenhainer zu solchen Einsichten kommt, macht sein jetzt erschienenes Buch „Mensch, Arzt und Psychiater“ interessant. Es trägt stark autobiografische Züge, ist also vor allem für Leser geeignet, die mehr über den bekannten Großenhainer Bernd Sachs wissen wollen und die sich für Psychologie und Psychiatrie interessieren. Oder eben für die Erlebnisse eines aktiven Menschen, der ärztlicher Direktor des psychiatrischen Großkrankenhauses Arnsdorf war. Von 1967 bis 1991 hat Dr. Sachs dort gewirkt, bis 2010 arbeitete er als niedergelassener Facharzt in Großenhain, danach bis voriges Jahr als Angestellter im MVZ der Elblandkliniken.

Einblick in sein Leben

Als Rentner hat der Großenhainer nun Zeit zur Reflexion. Ein Jahr lang arbeitete er an seinem Lebensrückblick. Das machen viele Pensionäre. Bernd Sachs gehört zu denen, die der Öffentlichkeit auch etwas zu sagen haben. Ein selbstverliebter Schwätzer ist er nicht. Allerdings mutig genug, die Öffentlichkeit in sein Leben blicken zu lassen: in seine Hobbys Astronomie, Anthropologie, Geschichte, Philosophie und klassische Musik. Auch seine Familie lernen wir näher kennen: seine Frau Elfi und drei Kinder.

Die Frage eines neuen Buches ist aber immer: Braucht das die Welt? Hat es nicht schon ein anderer geschrieben? Die Biografie von Bernd Sachs ist sicher nicht einzigartig in Deutschland. Auch schreibt der Großenhainer nicht literarisch, sondern meist sachlich nüchtern. Dennoch wirft er selbstbewusst und eben auch manchmal selbstkritisch viele Schlaglichter auf die Nachkriegszeit, die politisch geprägte Sozialisierung in der DDR und die Geschehnisse nach der Wiedervereinigung. Wenngleich er schon im Vorwort verkündet: „Also erwarten Sie keinen quotenträchtigen Abenteuerroman oder einen Politthriller eines alternden, ehemaligen Dissidenten der DDR, der nach Jahrzehnten immer noch nicht die Kränkungen und seinen Frust darüber abgearbeitet hat. Zu beidem fühle ich mich weder befähigt, berufen noch gehörte ich dazu.“

Bernd Sachs tritt vor den Leser als „real denkender Mensch“. Seine Autobiografie notierte er ausschließlich aus der Erinnerung – was schon mal beachtlich ist. Ein Tagebuch als Quelle hatte er nicht verfasst. Sein intellektuelles Niveau begeistert, seine Erfahrungen sind spannend und sehr detailreich. Kurzweilig liest sich, wie Familie Sachs 1991 nach Großenhain übersiedelte und eine eigene Praxis einrichtete. Da kommen viele Wendeerinnerungen hoch. Manch anderer hat sie vielleicht schon längst wieder vergessen.

Bernd Sachs beschreibt die Behandlung von Depression und Demenz, von Angststörungen und weiteren psychischen Leiden. Und er stellt fest: „dass die Menschen immer weniger in der Lage sind, Konflikte mal selbst und ohne externe Hilfe zu lösen.“ Aufschlussreich, dass der Großenhainer das Phänomen als „Massentrauer“ bezeichnet. Gesellschaftlich brisant und bedeutsam ist seine Feststellung: „Diese Massenphänomene könnten für Soziologen und Psychologen ein interessantes Forschungsthema dafür sein, wie es eigentlich mit der emotionalen Grundbefindlichkeit im Volke aussieht, von der die Regierenden meiner Meinung nach keine Ahnung haben.“ Damit finden sich Sachs` Lebenserinnerungen mitten in der aktuell-politischen Diskussion wieder. Nicht von ungefähr setzt sich der Nervenarzt nach 50 Berufsjahren auch mit der menschlichen Dummheit auseinander: „Sie ist eine allgemeine gesellschaftliche Erscheinung, die in allen Schichten jederzeit und nicht unbedingt an den Bildungsgrad gebunden zu finden ist“, schreibt er und zitiert Sokrates: „Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser!“ Es bedarf wohl nicht weiterer Beispiele, um zu belegen, dass die Lektüre von „Mensch, Arzt und Psychiater“ gewinnbringend sein kann.

Erschienen im Novum Verlag, 19,50 Euro

Text: Kathrin Krüger-Mlaouhia, Redakteurin bei der Sächsischen Zeitung in Großenhain

Vielen Dank für die Bereitstellung des Beitrages für meinwortgarten.com

Wildwechsel – Jahresendausstellung beim Kunstverein Meißen

Zu sehen sind rund 200 Arbeiten von 76 Künstlern aus der Region in dieser letzten Ausstellung des Kunstvereins Meißen im Bennohaus am Markt.

Die weihnachtliche Jahresendausstellung gehört zu den schönen Traditionen im Meißner Kulturleben am Jahresende. Der Kunstverein lädt dazu jedes Jahr jene Künstlerinnen und Künstler ein, die in Meißen leben und arbeiten und all jene, die in den vergangenen Jahren im Kunstverein Meißen ausgestellt haben. Die zirka 200 Arbeiten füllen dabei alle Wände der beiden Ausstellungsräume im Bennohaus am Marktplatz. In diesem Jahr werden 76 Künstler an der großen Ausstellung teilnehmen.

Wildwechsel nennt man die ausgetretenen Pfade im Wald, die von Wildtieren regelmäßig benutzt werden. So wechselt Wild etwa vom Tageseinstand, meist einem vor allem ruhigen und oft sonnigen Bereich mit guter Deckung, auf eine Äsungsfläche, wo es Nahrung findet. Aber nicht nur Tiere haben ihre oft benutzten Wege, die sie selten verlassen. Auch der Mensch folgt gern ausgetretenen Pfaden aus reiner Gewohnheit. Diese Ausstellung ist nun die Gelegenheit, die Pfade einmal zu verlassen und neue Perspektiven zu gewinnen. „Wildwechsel“ kann eben auch bedeuten, sein gewohntes Territorium zu wechseln und andere Wege zu gehen.

So wird auch der Kunstverein Meißen im kommenden Jahr neue Wege gehen, da diese Ausstellung die letzte im Bennohaus am Marktplatz sein wird. Die Bedingungen vor Ort für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst haben sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert und sind nun nicht mehr für den Kunstverein geeignet. Im kommenden Jahr werden daher neue Räume in Meißen gesucht. Elf Jahre war das Bennohaus Unterkunft für fast 100 Ausstellungen.

Text + Foto: Daniel Bahrmann

25 Jahre Kunstverein Meißen e.V. 1992 – 2017 Kunstverein Meißen e.V.
Markt 9 || 01662 Meißen || Tel./Fax: 03521 476650 || www.kunstverein-meissen.de
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 11 – 18 Uhr und samstags 10 – 15 Uhr;
sonntags, montags und zwischen den Ausstellungen geschlossen. Eintritt frei.

 

Jazztage Dresden zu Gast: Zartbesaitet mit Beatboxing – das Greg Pattillo`s Project Trio an den Landesbühnen

Zwischen Klassik, Jazz und Avantgarde

Das Greg Pattillo`s Project Trio aus New York überrascht mit außergewöhnlichen Klängen. Zu erleben am 10. November, um 19.30 Uhr in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. 

Das Project Trio ist ein passioniertes, hochenergetisches New Yorker Kammermusikensemble im Grenzbereich zwischen Hip-Hop, Klassik, Jazz und Avantgarde. Mit Greg Pattillo, Eric Stephensons und Peter Seymour stehen drei klassisch ausgebildete Musiker auf der Bühne, die ihren Instrumenten unerwartete und außergewöhnliche Klänge entlocken. Das Cello legt groovend fast minimalistische akustische Loops, der Kontrabass einen atmosphärischen Klangteppich aus. Darüber erhebt sich Greg Pattillos melodisch klares und ruhig geführtes Querflötenspiel – bis der Beat einsetzt. Pattillo beherrscht eine Technik, die es ihn ermöglicht, mittels Mund, Atmung und Stimme ein Schlagzeug oder einen Drumcomputer zu imitieren. Virtuos und rhythmisch besessen praktiziert er das sogenannte Beatboxing und „normales“ Flötenspiel fast ausschließlich gleichzeitig.

Dieser Pattillo-Style ist bisher unerreicht. Die New York Times beschreibt den Flötisten als den „Besten der Welt, in dem was er tut“. Im Internet ist er mit seinen bahnbrechenden Performances, u.a. einem Video von „Inspector Gadget“ mit über 20 Millionen Klicks, der absolute Flöten-Youtube-König.

Neben zahlreichen Eigenkompositionen sorgen die drei Musiker immer wieder mit herrlich schrägen Interpretationen bekannter Themen aus Jazz, Filmmusik und Klassik für große Begeisterung. Ausgelassene Freude herrscht zum Beispiel, wenn aus fetten Hip Hop Beats plötzlich die zarte Vogelstimme aus „Peter und der Wolf“ herausflattert oder die Titelmelodie der Beverly Hills Cops durch die Beatbox gejagt wird.

Text  + Foto: Landesbühnen Sachsen

Besetzung:

GREG PATTILLO – QUERFLÖTE UND BEATBOX
ERIC STEPHENSON – VIOLONCELLO
PETER SEYMOUR – KONTRABASS

WEBSITE GREG PATTILLO’S PROJECT TRIO

http://www.Jazztage-dresden.de

 

Preisverleihung beim ersten Fast Forward Festival für junge Regie in Dresden

Beste Regie: JEDEN GEST von Wojtek Ziemilski & Wojciech Pustoła, Production: Nowy Teatr Warschau

Publikumspreis: Die große Krise von Helium,
Szenografie: Lukas Sander, Coproduction mit: Kaserne Basel

Starke Bilder und Gesten, wo Sprache versagt

Mit dem Preis für die beste Regie – einer neuen Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden – wurde das Stück „Jeden Gest“ (Eine Geste) von Wojtek Ziemilski & Wojciech Pustola ausgezeichnet.

Am letzten Tag des europäischen Festivals für junge Regie Fast Forward fand am Sonntag abend die Preisverleihung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden statt. Die Jury kürte „Jeden Gest“ (Eine Geste) von Wojtek Ziemilski & Wojciech Pustoła bei der siebten Ausgabe des Festivals zum Fast Forward Preisträger 2017. Der Preis besteht in einer Regiearbeit am Staatsschauspiel Dresden.

Die Begründung der Jury, der in diesem Jahr Mounia Meiborg, Sanja Mitrović, Tobias Brenk und Joachim Klement angehörten: „Es ist der Regie von Wojtek Ziemilski zu verdanken, dass mit einfachen Theatermitteln starke Bilder entstehen; dass die Tonspur eine eigene Geschichte erzählt; und dass der Abend so zu einer eindrücklichen sinnlichen Erfahrung wird. Die Inszenierung erzählt nicht nur vom Alltag gehörloser Menschen. Auf einer zweiten Ebene spielt sie mit Codes, die im Theater herrschen. Sie thematisiert die Schwierigkeit, den Anderen zu verstehen, die Grenzen von Sprache, und das, was – in egal welcher Sprache – ungesagt bleibt.“

In „Jeden Gest“ berichten vier gehörlose Frauen und Männer von ihrem Umgang mit Kommunikation und Sprache. Was daran ist universell, und was wäre spezifisch anders? Im Gegensatz zur gesprochenen Sprache, die auf Tönen und Lauten basiert, beansprucht die Gebärdensprache den Menschen in seiner Körperlichkeit, sowohl den „Sprechenden“ als auch den „Verstehenden“. Die Inszenierung eröffnet dem Publikum eine Welt der Gehörlosen, in der sich eine markante individuelle und nationale Vielfalt der Sprachen aufzeigen lässt. Der Vorgang der Kommunikation ist hier ein Zusammenspiel aus Gestik, Mimik, Bewegung und Selbstbewusstsein, das man, um es zu begreifen, sehend erfahren muss.

Der Regisseur Wojtek Ziemilski, *1977, hat sich zunächst mit performativen Installationen einen Namen gemacht. Nach einem Studium der Philosophie in Grenoble, der Angewandten Sprachwissenschaft in Warschau und der Regie an der Gulbenkian Foundation in Lissabon setzt er sich heute in Polen vor allem mit dokumentarischen Theaterformen auseinander. In „Eine Geste“ arbeitet er nicht zum ersten Mal mit Laien zusammen.

Publikumspreis geht an „Die große Krise“

Auch in diesem Jahr wurde bei Fast Forward ein Publikumspreis verliehen, bei dem die Besucherinnen und Besucher eingeladen waren, ihren Festival-Favoriten zu küren. Gewinner des Publikumspreises ist die Schweizer Inszenierung „Die große Krise“ von helium x. Das Schweizer Performance-Kollektiv helium x erklärt die Bühne zum Labor für Krisenforschung. Die Krise als Dauerzustand, als Daseinsform, als globale Gegenwart einer Gesellschaft, die sich am Rande des Abgrunds eingerichtet hat.

Mit einfachen Spielmitteln – und einer Materialschlacht, die sich lustvoll am Sortiment der Baumärkte bedient – begibt sich das Kollektiv auf die Suche nach einem adäquaten Zugriff auf das vorherrschende System. Ob Lehman Brothers, wertlose Immobilien, wachsende autoritäre Tendenzen, ein Frühlingsregen auf Grönland, immer mehr Systemreferenzen und Krisen-Symptome finden in Form von Objekten auf der Bühne ihren Platz. Die Performance analysiert das multiple Geflecht und erprobt Ursachen, Dynamiken und Lösungsstrategien. Und weil die Krise in ihrer Krisenhaftigkeit nicht einfach zu fassen ist, geht helium x das Phänomen augenzwinkernd und polyglott auch als Sprach- und Übersetzungskrise an.

„Die große Krise“ ist die zweite Produktion des Performance-Kollektivs, das sich 2015 für „Die große Schlacht“ in Basel um den Regisseur und Autor Philippe Heule gegründet hat. Helium x macht sich nach eigenen Aussagen das Theater als Simulationsraum für Denkmodelle zunutze.

In der laufenden Spielzeit dürfen sich alle Freunde von Fast Forward noch auf die Produktion der Preisträgerinnen des Jahres 2015 freuen. „Sun and Sea“ von Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė und Lina Lapelytė unter der Regie von Rugilė Barzdžiukaitė hat am 17. März 2018 in Dresden seine deutschsprachige Erstaufführung.

Mit der Preisverleihung am 5. November endete die erste Dresdner Ausgabe von Fast Forward. Vier Tage und Nächte war das Publikum zu Theater, Künstlergesprächen und Party ins Staatsschauspiel Dresden eingeladen. Insgesamt waren rund 70 junge Theaterschaffende aus sieben europäischen Ländern zu Gast. Das Programm 2017 wurde erneut von Barbara Engelhardt kuratiert.

Im Rahmenprogramm, das u. a. Studierende verschiedener europäischer Theaterhochschulen nach Dresden einlud, kooperierte Fast Forward mit dem Studiengang Bühnen- und Kostümbild der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Zwei der acht Festival-Gastspiele wurden im Labortheater der HfBK in der Güntzstraße gezeigt. Weitere Spielstätten waren neben dem Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden, Semper Zwei und das Studentenwohnheim in der Borsbergstraße. Gemeinsam mit den Partnern Studentenwerk Dresden, Semper Zwei und HfBK entstand so ein kompakter innerstädtischer Festival-Parcours.

Die Dresdner Erstausgabe von Fast Forward fand mit maßgeblicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden statt.

Text + Fotos: Staatsschauspiel Dresden

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

 

 

 

BilderAlbum: Trommel- und AkkordeonZauber zur „Nacht der Lieder“

Alles singt

Es ist immer wieder faszinierend. Ein Raum voller Menschen. Man setzt sich einfach dazu und schon ist man mittendrin. Im Fluss der Klänge. Zaghaft zunächst, summt und singt man bald mit immer mehr Hingabe in froher Runde. Melodien, die man noch nie hörte, einfach ergreifend schön, die einen schweben lassen und erden, zauberhaft, zart und kraftvoll klingen und schwingen. Vertraute und unbekannte, geheimnisvolle Worte und Silben, die die Natur, das Leben und die Liebe besingen und feiern. Mit ansteckender Musizierfreude luden Corynna Kilian im Herzschlag der großen Trommel und Gabriel Jagieniak am Akkordeon und mit Percussion zum gemeinsamen Singen zur „Nacht der Lieder“ am Sonntag abend in der Stephanuskirche in Dresden-Zschachwitz ein.

Innerhalb der bundesweiten Nacht der spirituellen Lieder war es eine dreistündige, klangreiche Reise zu den Kulturen der Welt. Die Bandbreite reichte von mittelalterlichen, alt nordischen, indianischen, sephardischen bis zu englischen Gesängen und einem abschließenden Ave Maria. Da wird die Mutter-Göttin Frigga („Hell Frigga“) geehrt mit einem erdumspannenden Fest, da wird das Leben im Flow mit Körper, Herz und Seele besungen, der Gang der Sonne, Herbstbättertanz und Flackerndes Feuer. Letzteres ein Lied aus Kindertagen, schon lange nicht mehr gehört und doch Ton für Ton sofort wieder da und zeitlos schön. Unverhofft sehr passend, auf dem nachher sehr verregneten Nachhauseweg auch das Lied The River is Flowing: „Das Leben will fließen/frei will es fließen/das Leben will fließen/zurück ins Meer./Mutter Erde trage mich/dein Kind bin ich ewiglich/Mutter Erde trage mich/zurück ins Meer.“

Die nächste gemeinsame Musizieraktion mit Corynna Kilian und Gabriel Jaginiak soll im Frühling stattfinden. Gabriel Jagieniak ist zudem als freischaffender Musiker mit eigenen Liedern, Klezmer und Balkan Musik sowie Barpiano unterwegs. Corynna Kilian veranstaltet monatliche Singgruppen zur Trommel und bietet Tagesseminare zu Stille, Urkraft und Gesang und eine indianische Jahresgruppe an.

Text + Fotos (lv)

Kontakt:

e-mail: gabriel.jagieniak@posteo.de
Corynna Kilian: ywww.tommel-vision.de

Internationales Pantomime-Theater-Festival geht neue Wege

Lebhafte Kunst der Körpersprache: die Mimekünstler Jan Romberg, Projektleiter
des Pantomime-Festivals, Hannah Senft aus Berlin und Arne König aus Dresden.
Foto: Sabine Mutschke

Kunst ohne Worte mit Funk, Futurismus & Co.

Mit neuen Spielarten und Workshops will das Pantomime-Fest vom 9. bis 12. November in Dresden auch Kinder und junge Leute begeistern.

Ralf Herzog und der Mimenstudio Dresden e.V. laden zum bereits 34. Internationalen Pantomime-Theater-Festival in Dresden ein. Hier kann man in sieben Vorstellungen die faszinierende Vielfalt an Spielarten der „Kunst ohne Worte“ erleben, darunter eine Kindervorstellung und die beliebte Improvisationsshow mit allen Festivalteilnehmern zum Abschluss des Festivals.

Das diesjährige Motto lautet „Funk, Futurismus & Co.“ und verdeutlicht die Wege, die sich die Pantomime auch in die Popkultur sucht. Gleichzeitig rücken Kinder und Jugendliche mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. „Es gibt einen tollen Workshop speziell für Kinder, der schon sehr gut gebucht ist“, erzählt Jan Romberg vom Mimenstudio e.V., der das Festival als Projektleiter betreut. „Außerdem gibt es eine Sonntagsvorstellung für Kinder ab vier Jahre und die Auftakt-Gala auf der Schülerbühne Vitz, die sich für die ganze Familie eignet. Aber auch zur Improvisationsshow laden wir den Nachwuchs herzlich ein. Hier kann er mit entscheiden, was gespielt wird – das macht gerade Kindern einen Riesenspaß.“

Erstmals gibt es eine extra Homepage, auf der die Angebote für Kinder und Familien gebündelt vorgestellt werden. http://www.pantomaniacs.de/kinder/

Künstler aus fünf Ländern zeigen sieben Vorstellungen

Insgesamt stehen von Donnerstag bis Sonntag sieben Vorstellungen auf dem Programm. Spielstätten sind das Theater August und das Stadtteilhaus „Rudi“. Die Künstler kommen aus Kanada, den USA, Polen, der Ukraine und Deutschland. Die Spielarten beinhalten klassische Pantomimetechniken ebenso wie ein „Mime Musical“ mit Livemusik, Slapstick im Rhythmus eines Trickfilm und Clownstheater.

„Moderne Pantomime ist heute die Symbiose verschiedener Genres“, sagt Ralf Herzog, Gründer und Künstlerischer Leiter des Festivals. „Die Technik der Pantomime ist die Basis der darstellenden Künste, und was dabei alles möglich ist, kann man jedes Jahr auf`s Neue beim Pantomimefestival erleben. Hier lernt jeder von jedem. Gemeinsam führen wir die Kunst der Pantomime in die Zukunft, erzählen mit Körpersprache fantasievolle Geschichten, erzeugen Bilder im Kopf und erreichen das Herz der Zuschauer.“

Der Mimenstudio Dresden e.V. bzw. seine Akteure im Ensemble der pantoMimenbühne im AUGUST Theater im Stadtteil Pieschen ist zum 34. Mal Gastgeber für die Kollegen aus aller Welt. Beim Festival sind sie mit ihrer erfolgreichen Inszenierung „Weiber Weiber“ zu erleben. Außerdem leitet Ralf Herzog am Sonntag die legendäre Improvisationsshow zum Abschluss des Festivals.

Spannende Workshops auch für Laien mit Vorerfahrung

Ein wichtiges Anliegen des jährlichen Festivals ist der fachliche Austausch der Mimen, um für die weitere Entwicklung des vielseitigen Genres neue Impulse zu setzen. Daher sind Workshops für Profis und interessierte Laien mit Vorerfahrung fester Bestandteil. Neben drei Workshops für Erwachsene wird erstmals ein Workshop für Kinder angeboten, der durch Izabela Czesniewicz vom renommierten Wroclawer Pantomimetheater geleitet wird. Die Workshops können nur nach vorheriger Anmeldung besucht werden.

Das Festival hat eine lange Tradition. Das PantomimeTheaterFestival Dresden wurde 1982 von Rainer Petrovski und Ralf Herzog als „Pantomimenwerkstatt“ gegründet und entwickelte sich schnell von einem Treffen der lokalen Szene zu einer international wahrgenommenen Veranstaltung, auf der sich Stars wie Marcel Marceau die Ehre gaben. Damals galt Dresden neben Berlin und Jena als ein Mime-Zentrum der DDR. Im Jahr 1999 wurde der Mimenstudio Dresden e.V. gegründet, der heute das Festival organisiert. Spielstätte des Vereins ist die Mimenbühne, die anfangs im Stadtteilhaus Neustadt zu Hause war und nach einem Brand im Juni 2004 auf die Maternistraße zog. Heute spielt die Mimenbühne im August Theater auf der Bürgerstraße in Pieschen.

Starke Impulse aus Dresden beleben die Szene

Das Pantomimefestival hat sich in den letzten Jahren den Ruf erarbeitet, dass es starke künstlerische Impulse in die Szene sendet und sich verstärkt der Nachwuchsförderung widmet. Aufgrund der begrenzten finanziellen Ausstattung des Festivals lassen sich zwar nicht alle künstlerischen Ambitionen abdecken, dennoch hat das Festival eine große Bedeutung für die Entwicklung des Genres im internationalen Maßstab.

„Durch den intensiven Kontakt der Mimen und die Workshops in Dresden entstehen immer wieder neue Kooperationen und Projekte“, erzählt Jan Romberg. „Beispiele sind das Zusammenspiel der Gruppen MI MINOR aus St. Petersburg und MATINEE aus Jerusalem oder auch die gemeinsamen Vorstellungen von Shinya Morayama aus Japan und Wolfgang Fendt aus dem Allgäu. Sie hatten sich ursprünglich in Dresden kennengelernt.“

Durch Initiativen wie das Dresdner Festival sind die Mimen heute international bestens vernetzt und pflegen regelmäßig den Kontakt. In diesem Jahr hat das Dresdner Festival in Berlin und Poznań „Töchter“ bekommen, im Jahr 2018 sollen weitere Festivalausgründungen in Rom und Barcelona folgen.

Das Dresdner PantomimeTheaterfestival findet vom 9. Bis 12. November statt. Die Tickets für die Vorstellungen sind über die Homepage, unter Tel. 0351/ 32 37 15 28 und an allen Reservix-Vorverkaufsstellen erhältlich.
Mehr Informationen findet man unter http://www.pantomimefestival-dresden.de.

Das diesjährige Festival wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das Amt für Kultur und Denkmalschutz der LH Dresden, die Ostsächsische Sparkasse Dresden, den Bund Deutscher Amateurtheater zusammen mit dem Auswärtigen Amt und das Adam Mickiewicz Institut.
Langjähriger Partner und Unterstützer ist das Autohaus Mellmers,

Text: Sabine Mutschke

„Nacht der Lieder“ – Ein offener Singabend mit vielen Stimmen und Rhythmen

Zur diesjährigen „Nacht der Lieder“ laden die Musiker Corynna Kilian an der Großen Trommel und Gabriel Jaginiak am Akkordeon am 5. November, von 18 – 21 Uhr in die St. Stephanus Kirche, Meußlitzer Straße 113 in Dresden ein.

Im Sinne der „Nacht der Spirituellen Lieder“, welche in vielen Kirchen landesweit jährlich stattfindet, laden die Musiker Corynna Kilian (Gesang und große Trommel) und Gabriel Jaginiak (Gesang und Akkordeon/Percussion) alle Sing- und Musikbegeisterten herzlich ein, gemeinsam zu singen. Lieder verschiedener Welt-Religionen verbinden uns mit dem einen Grundgedanken, dass das Leben ein Geschenk ist. Es werden Lieder gesungen, welche als Mantren bekannt sind, Niguns, einfache Silben-Gesänge und auch in unserer eigenen Sprache. Die Beiden laden ein zu einem besonderen Singabend mit vielen Stimmen und Rhythmen, zu denen es sich auch tanzen lässt und sei es im Herzen.
Die Große Trommel – ein Ur-Instrument alter Völker – symbolisiert den Herzschlag der Erde, des Lebens selbst.
Das Akkordeon – ein Melodie-Instrument – lädt zum Tanzen ein. Beide gemeinsam weben einen Teppich von Tiefe und Fröhlichkeit. „Es ist ein bisschen wie Himmel  und Erde, wenn die Leichtigkeit des Akkordeons mit dem Herzschlag der Großen Trommel  tanzt.“
Es wird um Spenden gebeten, welche einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden.

 

48-h-Trommeln: Auf der Suche nach der inneren Stille

Lilli Vostry und Coynna Kilian beim 48-h-Trommeln.
Foto: Thomas Kretschel/kairospress

Nach indianischem Brauch soll 48-Stunden-Trommeln im Schweigen helfen, zu sich selbst zu finden. Ich habe es in Schmiedeberg ausprobiert und die Kraft dieses Rituals erfahren. Zu einem neuen Seminar dieser Art lädt Corynna Kilian vom 9. bis 12. November ein.

Es klingt paradox. Doch Trommeln und Stille passen gut zusammen. Mit jedem Schlag öffnet sich eine Tür nach innen. Ruhe zieht ein, und gleichzeitig setzt sich etwas in Bewegung.
Was die klangvolle Kraft der Stille alles vermag, will ich bei einem 48-Stunden-Trommeln im Schweigen erspüren. Wir sind vier Frauen und zwei Männer um die dreißig bis Ende fünfzig und werden zwei Tage in einem Klangraum der Stille verbringen, den wir gemeinsam im Samana-Haus in Schmiedeberg erschaffen. Das Seminargebäude mit heller Holzfassade und großen Fenstern steht auf einer Anhöhe, umgeben von Baumwipfeln und Wiesen.

Bevor die Schweigezeit beginnt, erzählen wir in der Runde, was uns hergeführt hat. Die Gründe sind vielfältig: Herauszufinden, was einem persönlich guttut, was im Kalender stehen bleiben kann und was nicht. Sehnsucht nach Ganzheit. Loslassen von emotionalen Abhängigkeiten. Und wieder mehr auf die eigene Stimme hören.

Das 48-Stunden-Trommeln greift auf altes indianisches Wissen zurück. „Es hilft dabei, in die eigene Stille zu reisen, leer zu werden und den Verstand zu verlangsamen, damit wir klarwerden“, sagt Corynna Kilian, die Leiterin der Trommelzeremonie. „In der Stille begegnen wir unseren im Alltag oft überhörten Gefühlstönen“, verspricht sie. „Vertraut auf die Weisheit eures Körpers, wenn während des Trommelns unversehens Bilder, Träume und persönliche Fragen auftauchen und ihr plötzlich die Antwort wisst.“

Trommeln geht durch den ganzen Körper. Der Verstand, der sonst oft das Sagen hat, wird still durch den gleichmäßigen Takt, der wie ein Herzschlag klingt. „Als Kraft- und Lebensquell symbolisiert die Trommel in der indianischen Kultur den Schoßraum von Mutter Erde, mit der wir eine innige Rückverbindung herstellen“, erklärt Corynna Kilian. „Das Trommeln muss nicht schön klingen, und es können Widerstände auftreten.“ Wichtig sei, bei sich zu bleiben, gibt sie uns mit auf den Weg.

Zum Anfang eine Pfeife

Corynna Kilian sammelt seit 1993 Erfahrungen mit indianischer Zeremonialmedizin und befasst sich mit schamanischer Selbstheilung. Seit 2002 nutzt sie die große Trommel und bietet seit 2012 Seminare an verschiedenen Orten an. Zu Beginn der Zeremonie raucht sie eine Pfeife nach indianischem Brauch. Sie lädt die Kräfte der vier Himmelsrichtungen und Krafttiere wie Eule, Rabe, Bussard und Adler ein, dabei zu sein in der Runde. Nach altem Ritual kann man auch Ahnen und noch lebende Familienmitglieder einbeziehen, sie ehren oder offene Dinge klären und sich versöhnen, wenn es an der Zeit ist.

Bevor wir lostrommeln, gehen wir gemeinsam in die Schwitzhütte. Zwischen erhitzten Steinen ist es dunkel, warm und geborgen wie im Mutterschoß. Wir atmen ein und aus und gehen in uns. Alle Teilnehmer sprechen ihre Wünsche und Fragen an nahestehende Menschen und das Leben in den Raum.

Der Wechsel von innen nach außen, von Stille und Klang begegnet uns in den folgenden Stunden immer wieder. Wir trommeln an einer zweiseitig mit Hirschefell bespannten Rahmentrommel, rund wie ein großer Tisch. Jeweils zwei Menschen sitzen sich gegenüber mit einem Trommelschläger mit Fellbesatz und Ledergriff. Es wird ausgelost, wer mit wem ein Paar bilden soll. Eine Stunde lang trommeln, zwei Stunden Pause im Wechsel, begleitet manchmal noch von Handtrommeln. Jedes der drei Paare trommelt also 16 Stunden miteinander.

Ringsherum gibt es Matratzen zum Ausruhen und Lauschen. Drei Tage nichts essen, außer Obst und Tee trinken, um innerlich frei zu werden. Tag und Nacht an der Trommel. Vor dem Fenster Regen, Schnee und Sonnenschein. Ein Lichtfenster, das sich abends in der Tiefe des Marmorbodens spiegelt, und tänzelnde Kerzenflammen begleiten uns. Herz und Geist, der ganze Körper wird offener und weiter. Verspannungen und Blockaden lösen sich.

In der zweiten Nacht bin ich bereit für das Loslass-Ritual mit einem sogenannten Hochzeitskorb aus Bast, den man vor den Bauch hält. Mit dem Ausatmen soll man sich abnabeln von den Eltern oder anderen Menschen. Ich trenne mich von alten Ängsten, Verlustschmerz und zu hohen Erwartungen. Die Trommel hält mich und nimmt alle Emotionen auf. Sie klingt mal laut und leise, mal erdig und warm und sanft und dann wieder kraftvoll und energiegeladen.

Endlich wieder durchschlafen

Einige setzen oder legen sich nah an sie heran und geben sich den Klängen hin. Die Schläger springen wie Felltiere über die Trommel. Die Klopfklänge meines Mitspielers, der seinen Schläger zeitweise auch quer, von hinten und vorn gleichzeitig bewegt, locken den Kobold in mir hervor, der sich sonst selten zeigt. Durch das herausfordernde, gewaltig trommelnde männliche Gegenüber werden aber auch wunde Punkte in mir berührt. Wie das Versöhnen der Gegensätze im Leben. Das männliche und das weibliche Lebensprinzip. Ordnung und Chaos. Eine Balance finden zwischen Nähe und Distanz in Beziehungen.

Während der Trommelzeremonie habe ich Zeit, mir über vieles klarzuwerden im Zwiegespräch mit meinen Familienangehörigen. Dadurch sind Verbundenheit und Verständnis gewachsen für ihre und meine Situation. Hinterher bedanke ich mich bei meinem Gegenüber und er ebenso. Wir lernten viel voneinander in der Art, wie wir zusammen trommelten. Er half mir, noch bewusster wahrzunehmen und zu spüren, wenn etwas zu viel wird. Klänge und Gefühle sich manchmal schlagartig entladen.

Ich genieße noch mehr das erste Essen nach den Obst-Tagen. Endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen. Die Arme schmerzen vom vielen Trommeln, Kopfweh und Druck in den Ohren, als ich auf der Straße stehe. Und ich gebe es zu, ganz ohne Flüstern und ein paar Worte ging es bei mir nicht in den 48 Stunden. Doch ich bin wieder angekommen bei mir selber. Jeder konnte seine innere Trommel mit ihrer eigenen Melodie und ihrem Rhythmus für sich finden und mitnehmen. Und ich kann nun immer wieder in diese Kraft der Stille hineingehen, wenn es im Alltag zu laut wird. Ich habe erlebt: Wahre Stärke kommt von innen – leise und unbeschwert in die Welt

(lv)

 

Auszeit: 48-Stunden-Trommeln

Fotos: Corynna Kilian

Zurückholen von Seelenanteilen – Belebung des eigenen Seelen- und Lebensplanes

Zu einem neuen Seminar im Kraftraum der Trommel mit Zeit für Stille, Klärung innerer Blockaden und Herzöffnung lädt Corynna Kilian, erfahren in indianischer Zeremonialmedizin und schamanischer Selbstheilung, vom 9. bis 12. November nach Schmiedeberg ein. Es sind noch einige Plätze frei.

Wenn wir in der Liebe verletzt werden, beschließen wir, unser Herz nie mehr ganz zu öffnen. Wenn wir einen Menschen durch Tod oder durch Lebensumstände verlieren, trauern wir ihm nach. Durch all das gehen uns Seelenanteile verloren, Seelenkräfte, die wir für die Verwirklichung unseres Lebensplanes dringend benötigen würden.

Auch Schockerlebnisse (Unfälle, plötzlicher Verlust…) in diesem oder in vergangenen Leben, besonders eine gewaltsame Trennung, gewaltsamer Tod oder das Verlieren eines Kindes in der Schwangerschaft – so wie wir es individuell erleben – spalten Seelenanteile von uns ab.

Es gibt eine bestimmte Symbolik, die uns dabei hilft, auf sehr nachhaltige Weise, diese verlorenen Seelenkräfte zurück zu holen und wieder in uns zu integrieren. Diese werden wir im Kraftraum der Trommel nutzen können. Zusätzlich steht uns die Medicine-Pfeife zur Verfügung, mit dieser ich Euch individuell unterstützen kann.

Das 48Stunden-Trommeln wird daher dieses Mal den Schwerpunkt haben, Seelenanteile zu integrieren, Euch zu vervollständigen, um wieder die Ganzheit des Fühlens, Liebens, Lieben-Könnens zu ermöglichen, zu stärken, zu erinnern. Es wird absolute Stille-Momente geben während der Zeit des Trommelns, um es Dir zu erleichtern, Dich an Deine innere Stille, Tiefe und Liebeskraft anzuschließen.

Die Ahnen aus unseren Familien werden wie immer einen Platz haben, da es sich in unserer Ahnenreihe auch mitunter um Dramen handelt, die sich in verschiedenen Spielarten wiederholt haben bzw. wiederholen und die wir durch uns unterbrechen können, damit wir und unsere Kinder diese nicht fortführen.

Wir haben dazu eine günstige Zeitqualität. Nach dem Maya – Kalender beginnt am 9. November 2017 die Welle von OC, des weißen Hundes. Diese dauert 13 Tage. Die Überschrift dieser Zeit lautet:

Ich vereine heute alle Kräfte, die ich für meine Herzqualität benötige. Durch diesen Kanal fließt meine Schöpferkraft. Ich Bin heute ein Wesen der Liebe; Loyalität tritt ins Leben!
Menschen, die in der Welle von OC, dem weißen Hund, geboren sind, in diesem Jahr Geburtstag haben oder bewusst die kommenden 13 Tage durch’s Leben gehen, werden von OC unterstützt, einen Neuanfang zu setzen und sich von den emotionalen Dramen aus der Vergangenheit zu befreien.

Das 48Stunden-Trommeln wird uns dabei unterstützen. Es reinigt den Körper, die Gefühle und letztendlich auch die Gedanken, bis der Kopf leer ist davon. Die Zeit ist dabei relativ: so manch eine Minute kann zur Ewigkeit werden oder eine Stunde zu einem Augenzwinkern…

Am 1. Tag abends gehen wir in die Die Schwitzhütte.

Die Arbeit mit dem Hochzeitskörbchen, eine alte Technik der Navaho zur Ablösung von Bindungen zu nahestehenden Menschen aus Deinem Leben, damit jede Person wieder in ihrer natürlichen Freiheit sein kann, wird am Ende des 48Stunden-Trommelns nach Bedarf durchgeführt.

Mehr Infos auf Anfrage.

Begrenzte Teilnehmerzahl: 9
die nächsten Termine siehe -> Kalender

Ort: Samana-Seminarhaus Schmiedeberg, Niederpöbel 27, 01744 Dippoldiswalde/OT Schmiedeberg

Anmeldung: post@trommel-vision

Text: Corynna Kilian – post@trommel-vision.de