„Strukturen in Natur und Technik“ – Neue Ausstellung im Stadtarchiv Dresden

„Strukturierte Arbeitswelt“

Am 16. Oktober 2017, 19 Uhr wird die Kunstausstellung „Strukturen in Natur und Technik“ des Fotoclubs IFW Dresden (Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden) mit einer Vernissage erstmals im Zwischenarchiv Dresden auf der Elisabeth-Boer-Str. 7 eröffnet.
Freunde und Kunstinteressierte sind herzlich zu dieser Vernissage am neuen Ausstellungsort Zwischenarchiv eingeladen.

Die Ausstellung „Strukturen in Natur und Technik“ zeigt Fotografien von Formen und Formationen, wie sie natürlich vorkommen oder technisch arrangiert sind. Die ausschnitthafte Fokussierung der Bilder lässt die detaillierten Strukturen in neuem Licht erscheinen. Durch die Impressionen der unterschiedlichen Autorinnen und Autoren ergeben sich zudem verschiedene Sichtweisen und Blickwinkel auf das Thema.

Der Fotoclub des IFW Dresden wurde 1994 gegründet, und die meisten Mitglieder in der über zwanzigjährigen Geschichte sind von Anfang an dabei. Neben der beruflichen Verbindung von Wissenschaft und Technik dienen Fotoexkursionen dem Austausch von Erfahrungen. Auf der Suche nach dem besten Foto und unter der Erweiterung von handwerklichen und künstlerischen Fertigkeiten wurden aus ihnen Fotofreunde im wahrsten Sinne des Wortes.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo/Mi: 9-16 Uhr, Die/Do: 9-18 Uhr, Freitag: 9-12 Uhr.
Text: Stadtarchiv Dresden // Zwischenarchiv  
Elisabeth-Boer-Str. 7
01099 Dresden

www.dresden.de/stadtarchiv

Von kernig bis elfenhaft – Faszinierend vielseitige Aktfotografie im Kunstkeller

 

Fotografin Janine Werab und Galerist Volkmar Fritzsche   

 Reizvolle Körperbilder mit Tattoos

Die Dresdner Fotografin Janine Werab stellt in ihrer Ausstellung „Weiblich – Männlich“ erstmals Aktaufnahmen von Frauen und Männern in der Galerie im Kunstkeller aus.

Sie strahlen, schlängeln, blühen und umgarnen unentwegt den Betrachter. Tattoos auf nackter Haut. Bilder tätowierter Frauen und Männer zeigt die derzeitige Ausstellung „Weiblich – Männlich“  mit Aktfotografie aus weiblicher Perspektive von Janine Werab  in der Galerie im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15 (noch bis 25. Januar 2018).

Überwältigend schöne, reizvoll vielseitige Körperbilder und Blicke auf Männer und Frauen zeigt sie in ihrer ersten größeren Ausstellung. Da es außerdem wenige Aktaufnahmen von Männern von Fotografinnen gibt, freut sich Galerist Volkmar Fritzsche um so mehr über diese neue Entdeckung. Die Generation „Tattoo“ ist inzwischen im mittleren Lebensalter angekommen und lässt sich auch in der zeitgenössischen Aktfotokunst nicht übersehen. Janine Werab, 1979 in Dresden geboren und gelernte Fotografin mit Schwerpunkt Porträt- und Hochzeitsfotografie und seit 2011 mit eigenem Fotostudio „FotoGen“, bezieht die Hautbilder ihrer Modelle in ihre Arbeiten ein.

„Es ist Körperschmuck wie ein Armband und ja auch Teil der Persönlichkeit“, sagt die Fotokünstlerin. „Wenn die Tattoos zart sind, bleiben sie zart. Sind sie dominant, so wird das herausgeholt im Bild und man sieht ihre Aussagen“, sagt Janine Werab. Die Aktbilder entstehen im Studio oder an verlassenen Orten, im Zusammenspiel von Körperformen, Kulissen, Licht und Schatten. In einer Porträtserie steht ein Mann mit tätowiertem Sonnenzeichen auf dem Arm inmitten eines verfallenen, graffitibemalten Fabrikgemäuers, mal versonnen, mal kraftstrotzend die Arme in die Seiten gestimmt und selbstbewusst männlich mit augenzwinkernder Geste.

Eine Frau hockt entspannt im Fersensitz, auf ihrem Rücken prangt ein großes Blütentattoo. Mal in klarem, kontraststarkem Schwarz – Weiß, mal in warmem Bronzeton umspielt das Kameralicht Körperrundungen, zeigen Frauen und Männer sich sehr offen, kraftvoll, sinnlich, schwerelos fast fliegend, aber auch weich und verletzlich. Janine Werab spielt in ihren Aktaufnahmen auch mit Rollenbildern, bricht sie auf und hinterfragt, was Weiblich- und Männlichkeit eigentlich ausmacht, die sie auch fotografisch ausdrucksreich in Körperhaltungen, Blicken und Gesten festhält.

„Das männlich Kernige, Raue, das breite Kreuz und die Muskeln, aber auch sich Hingebende gehören für  mich dazu und bei Frauen die Grazie, das Elegante und Sanfte, Elfenhafte ebenso wie das Aufrechte ,Brust raus`“, sagt die Fotografin. Neben den Tattoobildern zeigt sie auch faszinierende weibliche Akte in Kleidern ganz aus der Natur.

Geöffnet: Di 15 – 21-30 Uhr und Mi + Do 16.30 – 18.30 Uhr

Weitere Infos zur Fotokünstlerin unter:
http://www.fotogen-dresden.de

Weitere Fotos zur Ausstellung folgen.

BilderAlbum & Gedichte: Sommerabschied und Freilassung der Wünsche

Sommerabschied

Der Sommer schleicht
davon auf samtigen Pfoten
ein letztes Mal sonnenwarm
seidiges Katzenfell
an meiner Wange

die Sonnenblumen senken
ihre Häupter zur Erde
im verblassten Glanz
lichttrunkener Tage

rufen gelb runzlige Äpfel
vergebens: Schüttle mich
rollen ins Gras
zu den eingerollten Blättersegeln

im dämmrigen Kürbislaternenlicht
des Abendhimmels sprudelt
die Würze des Lebens nähert sich
Bacchus und sein Gefolge
mit klingenden Gläsern

(L.V., aus meinem ersten BilderGedichtKalender 2013)

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Letzte Liebe

Kraftstrotzend
wie eine überreife Frucht
rückt ein alter Adam
seinen Bierbauch zurecht
ans erschalffende Fleisch lehnt sich
seine Eva faltenschön
fragil im hellen Ballerinakleid
auf ewig dein

ruht ein Paar auf schlohweißen Laken
einander nah wie Philemon und Baucis
in atemloser Stille
die zerfurchten Hände ineinander verschlungen
wer wollte sie jemals lösen
bei ihrem gemeinsamen Gang aus dieser Welt

(L.V., 22.9.2012 anl. der Ausstellung „C`est la vie“ im Hygienemuseum)

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Sehnsucht

Sucht mich
Das Sehnen
Oder Sehne
Ich mich
Nach dem Suchen
Das mich
Immer wieder
Fort und
zu mir
Treibt

(L.V., 2012)

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Federlakenweißer Himmel

Federleichte Flügel
überspannen den Himmel
am Morgen
weiße Laken
getaucht in frühes Sonnenlicht

Darin versinken
mich von den Wellen
der Lust
davontragen lassen

(L.V., 2012)

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Wolkenfeuer

Ein Wolkengesicht sieht herab
mit apfelprallen Wangen
sie glühen vor Verlangen
der Wind verweht die zürnend
roten Wolkenwogen
ungerührt

(L.V., 2012)

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Erwachen

Aus Träumen erwachen
ist wie barfuß
über Scherben gehen

den Himmel nicht
mehr sehen
nicht fliegen
am Boden schwanken

mit umarmenden Händen
ins Leere greifen

(L.V., 2012)

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Bei Tageslicht

Wachgelegen
mit den Nachtschattenwesen
versickert der Schlafsand

stellt der Tag
sein Licht
scharf
auf jeden Winkel
in mir

als könnte ich ihm
nicht entgehen

(L.V., aus meinem BilderGedichtKalender 2014)

Freilassung der Wünsche

Kastanien glänzen auf den Wegen
wie Erdaugen
einige noch in Stachelschalen
sammle sie auf
und lasse sie liegen
auf dem Küchentisch

sehe die Wellenlinien
Risse und Brüche
auf den Gehäusen
dieses Jahr war ich
nicht am Meer

paradox: Wenn man seine Wünsche
loslässt
erfüllen sie sich
von selbst

(L.V., 7.10.2017)

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Im Ungefähren

Wir brauchen nur zugreifen
von deiner zu meiner Insel springen
warum tun wir es nicht

Halten uns auf im Ungefähren
unstillbaren Verlangen
kommen nirgends an

Willst du die Blüten inmitten der Brennesseln
winde sie aus dem Blätterdickicht
ihrer verborgenen Wünsche

(L.V., 11.9.2017)

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Weiße Pferde

Ich träumte von weißen Pferden
die am Nachtsaum grasten
eins flog nah über meinen Kopf
hinweg

ich sah ihm nach
eine schwarze Wand brach ein
in meinem Traum stand ich
auf dem Bahnsteig

Reisende stiegen ein und aus
ich suchte nach den weißen Pferden
und wusste nicht wohin

(L.V., 19.3., 2017)

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Herzwüste

Komm in meine Herzwüste
Bepflanz sie mit Küssen
Lass die Quelle sprudeln
Nimm deinen Helm ab
Zeig dich mir ohne Scharnier

Roll die Steine fort
Leg dich zu mir
Brenne und kühl mich
Zieh mir den Stachel
der Unverwundbarkeit

(L.V., 6.6.2017)

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Spiegelblick

Der Blick gleitet
in ein Spiegelrund
brunnentief
wachse ich in die Höhe

Berührt das Himmelblau
meine Fußspitzen
das Geflecht der Baumkronen
verwirbelt mein Haar

Bin verwoben
im Unten und Oben
Falle in das Nicht Sichtbare
Treffe mich hinterm Glas und
Überschreite den Spiegelrahmen

(L.V., 10.9.2012)

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Kleiner Falter

Sah einen dunklen Fleck
dann das Flatterding an der Wand
reglos hing es über der Landkarte
meiner Träume
der Laptop schlief schon
eine Nacht oder länger

lautlos wie unsere Liebe
verflogen mit der Zeit
oder fliegen wir mit ihr
über uns hinaus
bist du bereit auch unter
meine Flügel zu sehen

wenn sie sich nicht mehr öffnen
dachte ich als der Falter am nächsten Tag
immer noch an der Wand saß
scheute mich ihn zu berühren
herabfallen
zerfallen in Nichts zu sehen

gefangen im Schwarz
hob ich sacht seine Flügel an
der Falter flog sofort auf
flimmerte mich an
und verschwand durchs offene Fenster

sein Platz ist sonnengelb
Mein Schattenfalter fliegt draußen
und doch vermisse ich ihn

(L.V., 15.4.2017)

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Auf dem Weg

Die Nacht hat ihr
Kleid abgestreift
Elfenbeinweiß gibt sie sich
dem Tag hin der mir
zulächelt auf dem Weg
in deine Milchstraße

(L.V., aus meinem BilderGedichtKalender „Augenblicke“ 2015)

Texte + Fotos (lv)

Premiere von Philipp Schaller: „Mit vollen Hosen sitzt man weicher“ im Kabarett Breschke & Schuch

Weich gepolstert mit Rettungsweste: Philipp Schaller
Foto: Robert Jentzsch

Bissige Satire für eine friedliche Welt

Über die vielen Krisenherde in der Welt, Flucht und Ausflüchte in der Politik erzählt sehr schwarzhumorig der erste Soloabend von Philipp Schaller im Kabarett Breschke & Schuch in Dresden.

Je beschissener die Weltlage, um so schwärzer der Humor. Es geht buchstäblich ans Eingemachte im Programm „Mit vollen Hosen sitzt man weicher“. Der erste Soloabend von Philipp Schaller hatte am Sonnabend seine Dresden-Premiere im Kabarett Breschke & Schuch. Die Uraufführung war im April auf der Lachmesse in Leipzig.

Das ist nun schon eine Weile her und seither sind viele neue, unbequeme Wahrheiten in einer immer unübersichtlicheren Welt dazugekommen. Er wisse gar nicht wie er anfangen soll, gesteht der erfolgreiche Autor und Kabarettist und sucht bis zum Schluss seines Programms nach einem guten Anfang. „Wo sind die Sicherheiten hin?“, fragt er. „Plötzlich ist alles denkbar.“ Mit mal gespielter, mal echter Ratlosigkeit, abwechselnd locker-kumpelhaftem Plauderton und scharf-bissiger Satirelust, politisch unkorrekt, Hirn und Herz des Publikums fordernd, packt Schaller schwierige Themen und heiße Eisen an. Von der wenig durchdachten Flüchtlingspolitik, Angst vor Terror, über nur empörtes Gutmenschentum, die rechten Stimmenfänger der AfD, verlogene, wenig demokratische Politik, Schwachstellen im Gesundheits- und Bildungssystem und Leistungsdruck von Geburt an bis zur Gefahr eines Atomkrieges durch einige größenwahnsinnige Politiker und Flucht-Szenario aus Europa weg zusammen mit den Flüchtlingen und Schlepperbooten zurück übers Mittelmeer.

Schaller nimmt hohle Schlagworte und Stereotypen bitterböse, fast zynisch aufs Korn. Wenn er seinem Sohn bei seinem Schulaufsatz aufrechnen hilft: „Was ist schlimmer? Die Erderwärmung oder die vielen Mittelmeertoten ?!“ Wenn Flüchtlinge in einem ehemaligen KZ sicher untergebracht sind, weil die Rechten doch nicht die „Architektur des Führers“ anzünden würden. Wenn er seine muslimische Nachbarin, dieses „anatolische Bombenluder“ immer noch freundlich grüßt. Oder angeregt vom seinem „schwulen chinesischen Negernachbar Lutz aus Texas“  über das alte, vermeintlich rassistische Wort Neger, die sich selbst so nennen, nachdenkt und einen wertfreien, entspannten Umgang damit fordert. Denen es nicht tiefgründig genug ist, für die senkt Schaller selbstironisch seine Stimme in die Tiefe und macht auch vor komisch erschütternden Einblicken in sein Gefühls- und Privatleben vom einstigen Töpfchenzwang in DDR-Kindergärten bis zum gestressten Familienvater nicht halt, der von gestalterischer Zwangsbeglückung aus der Schule genug hat, während Fragen stellen als Zeichen von Mitdenken im Unterricht weniger gilt.

„Ich konnte nie, wenn ich sollte und musste nie, wenn ich musste“, das weckte früh Schallers Widerstand gegen alles willkürlich Verordnete. Wie hieß noch einmal das schon im Kindergarten gelernte, wichtigste Wort? „Frieden!“ Das wäre ein guter Anfang und ein guter Schluss, gibt Philipp Schaller dem reichlich applaudierenden Publikum mit auf den Weg.

http://www.kabarett-breschke-schuch.de

 

Keine für Alle! – Lara Finesse

Kolumne: Beerenzeit

Sie ist eigentlich vorbei. Doch für mich ist immer noch Beerenzeit. Es gab selten so viele wie diesen Sommer. Ihnen verdanke ich viele schöne Momente. Beerenglück.
Es brennt und kribbelt auf der Haut. Die Arme sind voller Kratzer, roter Striemen. Von der Natur gezeichnet, gepiekst und umarmt mein Körper. Die Brombeeren haben ganze Arbeit geleistet. Schreiben hinterlässt nicht solche Spuren. Jedenfalls nicht unmittelbar. Die Beeren lachten mich schon von weitem an, aus den Büschen entlang des Elbradweges in Pieschen. Viele schon groß und schwarz, andere noch rot, brauchte ich sie nur einsammeln. Andere versteckten sich unter den Blättern. Man sieht sie nicht von vorn, sie wollen gefunden werden. Es braucht einen Perspektivwechsel. Von allen Seiten. Das ist mühsam, braucht Zeit und Geduld. Stachlig sind die wilden Brombeeren auch, anders als die gezüchteten im Garten. Doch das wäre mir nur das halbe Vergnügen. Wie verlockender ist es doch, sich ihnen zu nähern über alle Widrigkeiten hinweg, sie zu entdecken, zu erhaschen und zu bergen. Und dann mit den Beeren den köstlichen, fruchtigen Duft des Sommers zu bewahren. Ich habe inzwischen einen schönen Vorrat an Brombeer- und auch Holundermarmelade, die an kalten Tagen noch mehr schmeckt. Wie viel man beim Brombeerpflücken nebenbei über sich selbst und andere lernt. Mehr als aus all den Besser-Leben-Ratgebern und Selbstoptimierungskursen. Auch deshalb bin ich so gern in der Natur. Sie gibt und schenkt ihre Schönheit, wenn man sie sieht.

Schön, aber oft auch seltsam sind die Reaktionen der Umwelt, wenn andere einen beim Brombeerpflücken sehen. Von erstaunten, bewundernden bis mitleidigen Blicken. Von wegen, die  arme Frau kann sich nichts zu essen kaufen!, ist alles dabei. Wenn man halb versteckt nach den Beeren Ausschau haltend aus dem Busch hervorschaut und Vorbeikommende einen mustern als führe man etwas Böses im Schilde… Und man selbst halb mulmig, halb belustigt es wahrnimmt. Manchmal muss man sich auch verstecken vor der Welt, um nicht zu verzweifeln an dem, was da täglich oft Grausiges passiert. Die schönsten Beeren hängen weit oben. So sehr ich mich recke und strecke, dank Yoga kein Problem, einige bleiben unerreichbar. Das stachelt meinen Ehrgeiz an. Ich gehe immer tiefer in die Hecke, mein Haar verfängt sich in den Zweigen und die Stacheln zerreißen mein blaues Lieblings-Shirt. Alles im Leben hat Folgen, denke ich. Aber ist es das immer wert? Wo ist die Grenze? Mein T-Shirt hat nun eine Naht, die sich wie eine Narbe auf dem Bauch anfühlt. Die oberen Beeren sind vertrocknet. Auch sonst sind viele hinüber, weil nur wenige sich die Mühe machen sie zu pflücken. So war es vergangenes Jahr und dieses Jahr wieder.

Da braucht man schon eine Leiter, lacht ein Mann der ebenfalls Brombeeren pflückt. Obwohl er hochgewachsen ist, pflückte er nur in Gesichtsnähe. Geht aber auch paarweise! Ein junger Mann hebt seine Freundin im geblümten Kleid auf seine Schultern, so kommt sie gut an die oberen Brombeeren heran. Ich reiche ihnen gern eine neue Schale. Ein vorbeigehender Mann fragt, ob es fürs Abendbrot reicht. Für mehrere, antworte ich. Ein anderer joggt entlang der Brombeerhecke auf und ab, während ich pflücke und in der Sonne schwitze. Als sie fast schon untergeht, stehe ich immer noch da, glückselig im Gestrüpp reich beschenkt von der Natur. Ein junger Mann bleibt stehen. Ob man die Beeren unbedenklich pflücken könne, wegen dem Fuchsbandwurm?! Ich hab noch keinen gesehen, sage ich amüsiert. Wovor nicht alles gewarnt wird, dann kann man bald nicht mehr aus dem Haus gehen. Es geht mir auch nicht nur um die Brombeeren, sage ich. Sich Zeit zu nehmen, sie nicht zu übersehen, sondern zu verweilen und dankbar anzunehmen die Gaben der Natur, das ist für mich wie Meditation. Beeren pflücken ist Luxus und Genießen. Der junge Mann vertieft sich ebenfalls in die Brombeerhecke, kostet ein paar Beeren und sagt nach einer Weile, er fühle sich schon ganz entspannt und: „Wir Großstadtkinder sind das eben nicht mehr gewöhnt mit der Natur…“ Ein älterer Mann kommt an der Brombeerhecke vorbei als ich mich gerade wieder in die Höhe strecke. „Fliegen müsste man können“, sagt er lächelnd. Geht schon, erwidere ich.

Inzwischen ist Herbst. Die sonnigen Tage werden seltener. An grau trüben Tagen erfreue ich mich an meinen leuchtend bunten, betörend duftenden Wildblumensträußen, der noch mal auflodernden Farbenfülle in der Natur, dem würzigen Laubgeruch und der klaren frischen Luft. „Lebe deine Fülle!“, zwinkert mir Ganesha (der Elefantengott) auf einem Bild über meinem Schreibtisch zu. Die Brombeerhecke am Elbweg trägt noch immer viele rote und vereinzelt schwarze Beeren und rosa Blüten, zu denen sich Hagebutten gesellen. Ich habe noch eine Schale voll gesammelt. Wohl die letzte in diesem Jahr. Werde sie Beere um Beere genießen. Doch es gibt ja noch mehr Früchte.
Wer Frisches aus der Natur ebenso mag und die Früchte nicht dem Verfall überlassen möchte, findet eine Karte mit verzeichneten Orten, in denen man Obstbäume gratis ernten darf im Netz unter www.mundraub.org.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

BrombeerZauber im Herbst 

  Es gibt immer noch Brombeeren… Gepflückt am Elbufer in Pieschen am 15. Oktober 2017.

Text + Fotos (lv)

Die Leiden des jungen Werther auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus

Foto: Sebastian Hoppe

Vom Abenteuer Liebe

Fünf Männer und eine Frau gehen dem unbegreiflichsten aller Gefühle nach frei nach Goethes Sturm- und Drangklassiker in einer Aufführung der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Es lebt der Mensch, solange er liebt. Von den Verrücktheiten und der Verzweiflung, die dieses Gefühl auslöst, erzählt das Stück „Die Leiden des jungen Werther“ frei nach Goethe. Eine Aufführung mit jungen und nicht mehr jungen Männern, die liebten und litten, heißt es im Untertitel dieser neuen Produktion der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

In der Fassung von Miriam Tscholl und Esther Undisz gehen, ausgehend von Goethes berühmtem Sturm- und Drangklassiker, fünf Darsteller, begleitet von einer Sängerin (tröstend und kraftvoll: Christa Abels) und einem Musiker (Christoph Margraf) mit mal rockigen und bluesigen Gitarrenklängen, auf eine abenteuerliche Reise auf der Suche nach der wahren Liebe. Hinter dem goldgelb wehenden Bühnenvorhang kommt ein rostiger blauer Kleinbus zum Vorschein. Relikt aus glücklicheren Tagen, dessen Tür wechselweise aufgeschoben und zugeknallt wird im Rückblick der Spieler auf Erlebtes, Träume und Enttäuschungen. Blassblau sind auch die Sitzpolster und Anzüge der Männer, die von zumeist verflossenen Lieben erzählen.

Einer der Männer, Hans-Werner Sonntag, war auf Weltreise mit dem Kleinbus. Euphorisch steht er auf dem Autodach, liest Briefe an seine Liebste vor und fragt sich, was jetzt noch kommen soll?! Wenig später ist er am Boden zerstört, da seine Frau inzwischen einen anderen Mann hat und er sich nicht damit abfinden kann. „Wenn es nicht die Lotte ist, dann ist es eben die Liese. Es gibt so viele…“, tröstet Mitspieler Bernd alias Bertolt List ihn. Und zitiert Werther: „Es ist doch gewiss, dass den Menschen in der Welt nichts notwendig macht als die Liebe…“

Wie schön und zugleich schwer es aber ist, dieses faszinierende, unbegreifliche und unerschöpfliche Gefühl für sich zu erkennen, festzuhalten, zu leben und berührend auf die Bühne zu bringen, zeigt die Aufführung ebenso. Es wird leider mehr nebeneinander her als miteinander agiert, mehr vorgelesen und erzählt als gespielt. Da wird in mal überschwänglichen Versen, mal skurril-komisch und ernüchtert nachdenklich das romantische Ideal der einen großen Liebe hinterfragt. Wie weit wir heute gehen für die Liebe, mit Trennung umgehen bis hin zum Thema Freitod. Da wirkt manches etwas aufgesetzt wie der über die Vor- und Nachteile eines Suizids nachdenkende Mann im Rollstuhl (Franjo Geising) und der dazu konträr schillernde, frech-verruchte Adonis im Glitzerkleid (Max Löffler). Herzlicher Beifall vom Publikum.

Nächste Termine:  15.10., 19 Uhr + 19.10., 20 Uhr, Kleines Haus.

Weiblich – Männlich – Aktfotografien von Janine Werab im Kunstkeller

Akte mit Tattos

Die nunmehr 93. Ausstellung der Galerie im Kunstkeller -AktfotoARTdresden zeigt Aktfotografie aus weiblicher Perspektive von Janine Werab ab 10. Oktober.

Inzwischen ist die Generation „Tattoo“ ins mittlere Lebensalter gelangt und kann im Bereich der zeitgenössischen Aktfotokunst nicht mehr negiert werden. So wundert es nicht, dass Janine Werab – selbst dieser Generation zugehörig – tätowierte Menschen, Männer und Frauen, in ihr vielseitiges fotografisches Schaffen einbezieht und dabei den Akt nicht ausspart. Dass ihre Arbeiten oft in morbidem Umfeld angesiedelt sind, gehört zu den Ausdrucksformen in der Kunst unserer Zeit.

Weil nicht viele Fotokünstler sich auch dem männlichen Akt widmen und von daher nur selten in Kunstkeller-Ausstellungen integriert waren, kamen mir Janine Werabs  Arbeiten mit männlichen (und weiblichen) Akten aus weiblicher Perspektive für ein Ausstellungsprojekt sehr entgegen. Sie lebt in Dresden und arbeitet dort im eigenen Fotoatelier.

Text: Volkmar Fritzsche

Vernissage:

Dienstag, 10. Oktober, 20 Uhr

Einführende Worte und musikalische Umrahmung: Solvig Frey

Ausstellungsdauer: 10. Oktober 17 bis 25. Januar 2018

Geöffnet:  Di 15 – 21.30, Mi + Do 16.30-18.30 Uhr und nach tel. Absprache

Blick in die Ausstellung  ab 8. Oktober  auf: www.kunstkeller-dresden.de/aktuell.htm

 

Herbst & Weinfest Radebeul: Feuriges Finale in Labystan & Verleihung des Wandertheaterfestival-Publikumspreises

Ein bewegender Moment: die Künstler um Richard von Gigantikow übergaben am Sonntag abend ihr selbsterschaffenes Fantasieland Labystan den Flammen, in dem sie drei Tage lang mit den Besuchern feierten, musizierten, tanzten und Ideen sammelten für eine schönere Zukunft für alle. Doch die Ideen leben, einmal entzündet, weiter.

  

Beim feurigen Finale noch einmal versammelt: die Akteure des Internationalen Wandertheaterfestivals. Der begehrte Publikumspreis ging in diesem Jahr vom Vorjahressieger PuntMoc (Spanien) an Circo Ripopolo (Belgien), womit auch ein Wiedersehen beim Wandertheaterfestival 2018 in Radebeul verbunden ist.

Sächsischer Wein und europäische Vielfalt

Zehntausende feierten in Radebeul das Weinfest mit Internationalem Wandertheaterfestival.

Etwa 50.000 Besucher aus Nah und Fern kamen am Wochenende zum 27. Herbst- und Weinfest mit XXII. Internationalem Wandertheaterfestival nach Radebeul. Unter dem Motto „Europa, Du Schöne!“ zeigten 14 Theatergruppen aus Europa und Südamerika beeindruckende und humorvolle Inszenierungen. Die Aufführungen waren ausnahmslos sehr gut besucht. Schon lange vor Beginn der Vorstellungen bildeten sich lange Schlangen vor den Bühnen. Auch das regnerische Wetter am Sonntag trübte die Stimmung der Besucher nicht.

Gewinner des diesjährigen Publikumspreises ist die Gruppe Circo Ripopolo aus Belgien. In ihrer Inszenierung „A Rovescio“ ließen sie das Publikum hinter die Kulissen des Zirkus blicken. Gemeinsam mit den Zuschauern entdeckten sie unerwartete Aspekte des Zirkuslebens und kamen sich dabei ungewöhnlich nahe. Auch vor poetischen Abschweifungen wurde nicht zurückgeschreckt.

Besonders begehrt waren die Plätze im Hoftheater. Dort zeigte die Gruppe PuntMoc, Gewinner des Publikumspreises 2016, ihre Siegesinszenierung GAGSonTRIX. Auf dem Dorfanger sorgte das Theater Irrwisch für jede Menge Chaos. Als britische „Bobbies“ und „Grannies“ tauschten und stibitzten sie aus den Reihen des Publikums allerhand Leckereien und Kleidungsstücke und sorgten damit für jede Menge Lacher unter den Zuschauern. Ein Höhepunkt des Wandertheaterfestivals war die Inszenierung „Es war einmal… ein Schwanensee“ des italienischen Oplas Teatros. Auf der Elbwiese verliehen sie am Samstagabend dem Ballettklassiker Schwanensee mit Stelzentanz, eindrucksvollen Kostümen und faszinierenden Wasser- und Feuereffekten ein neues Federkleid.

Die OOZ-Band sorgte am Kuffenhaus innerhalb weniger Takte für ausgelassen tanzende Besuchermassen. Voller Energie und mit unnachahmlicher Spielfreude sorgte die ausgeflippte Brassband auch auf dem Dorfanger für Stimmung.

Ein besonderes Erlebnis für Groß und Klein waren die Fahrten mit dem Theaterkarussell von Georg Traber. Zur Musik der clownesken Band „The Bombastics“ drehte sich das muskelkraftbetriebene Fahrgeschäft und ließ den Festtrubel rundherum zu einem bunten Schleier verschwimmen.

Auf der Elbwiese erschufen Richard von Gigantikow und sein internationales Künstlerteam in diesem Jahr mit LABYSTAN einen eigenen Fantasiestaat inmitten des Weinfestes. In dem labyrinthischen Pop-up-Land konnten sich die Besucher innerhalb weniger Minuten einbürgern lassen und jedes Wunschamt vom Präsidenten bis zum Chefkritiker bekleiden.

Beim Finale Grande am Sonntagabend wird traditionell der Publikumspreis für die beliebteste Theaterinszenierung verliehen. Bei diesem feurigen Festhöhepunkt geht das hölzerne Labyrinth spektakulär in Flammen auf. Künstler und Besucher feiern vor der flammenden Kulisse gemeinsam den Ausklang des Festwochenendes.

Das Herbst- und Weinfest mit Internationalem Wandertheaterfestival findet jährlich Ende September im historischen Stadtteil Radebeul Altkötzschenbroda statt. Die Komposition aus Weinfest und internationalem Wandertheater ist weltweit einzigartig und lockt jedes Jahr etwa 50.000 Besucher nach Altkötzschenbroda. Das Fest wird von der Stadt Radebeul organisiert.

Text &  Kontakt:
Ina Dorn, Amt für Kultur und Tourismus, Altkötzschenbroda 21, 01445 Radebeul
Telefon: 0351 / 83 11 624
http://www.weinfest-radebeul.de

Fotos (lv)

 

BilderAlbum: Herbst- und Weinfest & Wandertheaterfestival Radebeul

Bunte Vielfalt und Lebensfreude zwischen Weindorf und Wunderland Labystan

Unter dem Motto „Europa, Du Schöne!“ locken wieder reichlich Kultur- und Naturgenuss pur beim Herbst- und Weinfest und dem Internationalen Wandertheaterfestival auf dem alten Dorfanger, in geöffneten Höfen und auf den Streuobstwiesen in Radebeul-Altkötzschenbroda, das seit Freitag- bis Sonntagabend gefeiert wird. Bei sonnigem Herbstwetter zog es am Sonnabend viele kleine und große Besucher zum Schauen, Umherwandeln und Genießen. Die Weinstände und bunten Theaterzelte waren dicht umlagert und meist bis auf den letzten Platz besetzt. Mancher Spielort erwies sich allerdings als zu klein, stand man umsonst in der Warteschlange am Eingang. Mehr Spielflächen im Freien – mit Straßentheater, Stelzenläufern, Clowns und Musikanten – wie in den vergangenen Jahren wären daher angesichts des wachsenden Besucherzuspruchs für das Wandertheaterfestival angebracht.

Besondere Anziehungskraft hatte das während des Herbst- und Weinfestes auf den Elbwiesen erstandene Fantasieland Labystan, wohin ein Künstlerteam um Richard von Gigantikow kleine und große Besucher einluden. Hier konnten sie fröhlich spielen, toben und tanzen, schauen und im kunstreichen Irrgarten aus Holz umher wandeln und gemütlich entspannen. Außerdem konnten alle Labystan mit ihren Ideen und Träumen füllen, sich als Labystaner mit Urkunde einbürgern lassen und ihre ausgefüllten Fragebögen in der „Reparaturwerk statt Demokratie“ hinterlassen, was für sie kaputt ist und was sie ändern würden als Präsident.

Heute ist der Himmel grau verhangen und regnerisch. Doch echte Labystaner hält das nicht ab. Sie gestalten ihre Welt wie es ihnen gefällt. So mache auch ich mich heute noch einmal auf den Weg in dieses fantastische Wunderland. Auch wenn das Holzlabyrinth heute abend in Flammen aufgeht. Da es Transformation, Verwandlung für Erneuerung braucht und die Wünsche und Träume von Labystan in  den Besuchern weiterleben.

Mit einem großen Feuer- und Theaterspektakel mit viel Musik und der Verleihung des Wanderthheater-Publikumspreises (ab 20 Uhr) auf den Elbwiesen endet heute abend das Herbst- und Weinfest in Radebeul.

Text + Fotos (lv)

  Willkommen im fantastischen Labystan

Musiker Robert Hennig

Zauberhafte Installation „Metamorphose“ von Muriel Cornejo und César Olhagaray (Chile) auf der Streuobstwiese

Traumhaft schön: Maler, Reisender, Faun & Clown Mai Rojas (Costa Rica) mit intensivem Körpertheater voller Poesie, Wildheit, Witz, Zartheit und Kraft

Humorvoller Rollentausch: Wie fühlt es sich an, schöner oder hässlicher als der andere zu sein?

Doch als Gefahr in Gestalt des Jägers droht, der das schönste Tier für den Zoo einfangen will, bleibt „Berta und Girolama“, der Nilpferd- und der Giraffendame nichts anderes übrig als sich zusammenzutun im gleichnamigen, witzig-nachdenklichen Stück des Teatro Paravento (Schweiz) über Identität, Individualismus, krankhaftes Konkurrenzdenken und Miteinander sein im Anderssein.

Kultur & Naturgenuss: Streuobstwiesenäpfel

Endspurt bei der Ostrale: Internationale Kunstausstellung endet am Sonntag

Kontinuierlich steigende Besucherzahlen

Ostrale – Biennale 2017 schließt mit knapp 30 000 Besuchern.

Dresden. Obwohl ganze 21 Tage kürzer als im Vorjahr, ging die OSTRALE Biennale heute mit knapp 30.000 Besuchern (2015: ca. 20.000, 2016: ca. 25.000) zu Ende. Die Veranstalter hoffen, die nächste OSTRALE Biennale im Jahr 2019 wieder in Dresden durchführen zu können und bereiten das bereits vor. Zusätzlich organisieren sie im Auftrag der Stadt Valletta/Malta die dortigen Präsentationen zeitgenössischer Kunst im Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2018.

Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste Dresden –
Fazit und Ausblick

Die OSTRALE Biennale 2017 endet am Sonntag (1. Oktober) mit weiterem Besucherzuwachs.

Dresden. Kunstinteressierte müssen sich sputen: Die diesjährige Großausstellung OSTRALE Biennale in Dresden geht am kommenden Sonntag, 1. Oktober, zu Ende. Bis dahin noch präsentieren sich zeitgenössische Newcomer im Dialog mit bereits etablierten Vertretern aller künstlerischen Genres. Zu sehen sind, diesmal unter dem Motto re_form, dabei 1.118 künstlerische Positionen aus 25 Nationen.

Obwohl ganze 21 Tage kürzer als im Vorjahr, wird die OSTRALE Biennale ihre Besucherzahl mit voraussichtlich etwa 29.000 Besuchern (Vorjahr ca. 25.000) erneut deutlich steigern können, wie die Veranstalter mitteilen. Auch nutzten wieder zahlreiche Schulen die OSTRALE Biennale, um ihren Schülerinnen und Schülern zeitgenössische Kunst nahezubringen. Mit dem Ende der diesjährigen Ausstellung am kommenden Sonntagabend verbinden sich dennoch einige dringender werdende existenzielle Fragen, die auch das Aus der OSTRALE Biennale bedeuten könnten, während die Landeshauptstadt Dresden die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 vorbereitet. So ist vor allem die Finanzierung der Großausstellung bei weitem nicht gesichert. Die Veranstalter hoffen, die nächste OSTRALE Biennale im Jahr 2019 wieder in Dresden durchführen zu können und bereiten das bereits vor. Zusätzlich organisieren sie im Auftrag der Stadt Valletta/Malta die dortigen Präsentationen zeitgenössischer Kunst im Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2018.

Besucherzuspruch weiter steigend

Mit dem diesjährigen Thema „re_form“ griff die OSTRALE die Frage der Identität von Menschen und neuen Räumen angesichts der Flüchtlings- und Migrationsbewegungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf, wollte mit den kuratierten künstlerischen Positionen „auch und gerade in Dresden Mediator zwischen Identitäten sein, die sich überschneiden, aber nicht immer verschmelzen.“, so die Direktorin Andrea Hilger. „Das diesjährige Konzept der OSTRALE Biennale ist bei unseren Besuchern sehr gut angekommen. Wir werden trotz deutlich kürzerer Dauer der OSTRALE gegenüber dem Vorjahr bis Sonntag erneut eine Steigerung der Besucherzahlen erreichen, und zwar auf etwa 29.000. Dafür danke ich meinem 10-köpfigen Team und den mehr als 30 saisonalen Mitarbeitern.“, so Andrea Hilger.

Insgesamt besuchten in diesem Jahr 440 Klassen aus Sachsen und den angrenzenden Bundesländern die diesjährige Schau, das entspricht etwa 8.700 Schülerinnen und Schülern. Längst hat sich die OSTRALE damit auch als nennenswerter Baustein der pädagogischen Kunstvermittlung in Sachsen etabliert.

Der Sammler und Künstler Olaf E. Schirm (Sammlung Schirm, Berlin), nahm zum ersten Mal an der OSTRALE teil und ist begeistert: „Als Kunstsammlung sind wir sehr darauf bedacht, unsere Werke an herausragenden Orten und in professioneller Umgebung auszustellen.

Umso mehr hat es uns gefreut, mit dem eingespielten Team der Ostrale zusammenzuarbeiten und zum gemeinsamen Erfolg beitragen zu können. Die vielseitige Ausstellungsfläche bot die Möglichkeit, auch technisch anspruchsvolle Installationen zu zeigen. Wir danken der gesamten Ostrale-Mannschaft und wünschen weiterhin viel Erfolg!“

„Verglichen mit anderen Gruppenausstellungen, in denen mich oft nur wenige Exponate wirklich begeistern konnten, ist die Quote an qualitativ hochwertigen Werken bei der Ostrale erstaunlich hoch. Eine derartig große Zahl stimmiger Arbeiten, in denen sich Idee, Form und Kontextualisierung zur geballten Aussage verdichten, ist beeindruckend, ganz ungeachtet persönlicher Vorlieben. Es ist das eminente Verdienst des Ostrale-Teams, eine solche Menge niveauvoller Arbeiten kuratiert und mit feiner Hand zu einer machtvollen Kunstshow vereint zu haben – eine Leistung, die ihresgleichen sucht.“ so Alexander Nym, Geschäftsführer und Projektleiter des KULTUR AKTIV e.V.

Die OSTRALE Biennale hat neben Werken sächsischer Künstler auch künstlerische Positionen aus dem Ausland ausgestellt. So waren Künstler aus Aserbaidschan, Belgien, China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Georgien, Iran, Island, Israel, Italien, Japan, Mexiko, den Niederlanden, dem „NSK Staat“, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Slowenien, Spanien, Türkei, Ukraine, Ungarn, USA und Weißrussland vertreten.

Internationale Vernetzung:
Kulturhauptstadt Europas Valletta 2018 nutzt Expertise der OSTRALE

„Bei der Zusammenstellung der Exponate kam uns erneut sehr zugute, dass wir nach all den Jahren im internationalen Diskurs zur zeitgenössischen Kunst sehr gut vernetzt sind. Denn neben der OSTRALE haben wir seit Jahren insgesamt vierzehn Auslandsprojekte in neun Ländern durchgeführt, so unter anderem in den Kulturhauptstädten Europas Pécs (Ungarn, 2010) und Breslau (Polen, 2016), aktuell auch in der Kulturhauptstadt 2018 Valletta auf Malta.“ , so Direktorin Andrea Hilger. In Valletta verantwortet das Team im kommenden Kulturhauptstadtjahr fast die gesamte Präsentation zeitgenössischer Künste. „Währenddessen bereiten wir uns auf Möglichkeiten vor, die OSTRALE Biennale 2019 durchführen zu können.“

Landeshauptstadt Dresden kümmert sich um Sanierung der Futterställe ab 2020 und Interimsräumlichkeiten für 2019

Die Baugenehmigung der denkmalgeschützten, aber baufälligen Gebäude als Veranstaltungsort endet am 31.12.2017. Die Dresdner Stadtverwaltung arbeitet derzeit an der Umsetzung des Stadtratsbeschlusses vom 3. November 2016, nach dem eine Übergangslösung gefunden und die historischen Futterställe im Dresdner Ostragehege saniert werden sollen, damit die OSTRALE Biennale eines Tages wieder dort stattfinden kann.

Dresdens Beigeordnete für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch: „Die OSTRALE ist für die Vermittlung zeitgenössischer Bildender Kunst zu einer festen Größe im Kulturkalender der Stadt Dresden geworden. Umso wichtiger ist es nun, die Zukunft und Qualität der OSTRALE in Dresden zu sichern, indem die Futterställe saniert und eine Interimslösung für die Biennale ab 2019 gefunden werden. Ich danke allen Unterstützern und Partnern der OSTRALE für ihr Engagement.“ Aufgrund der anstehenden baupolizeilichen Schließung und nötigen Sanierung der derzeit genutzten Gebäude muss die OSTRALE Biennale eigener Einschätzung nach mit erheblichem finanziellen Mehraufwand in unbekannter Höhe rechnen, da neue Räume ab 2018 aktiviert und für 2019 interimsmäßig erschlossen werden müssen.

Wirtschaftliche Nöte machen Fortführung fraglich

Die OSTRALE wird trotz eines vergleichbar geringen Budgets seit ihrer Gründung von einer kleinen, nicht institutionellen Schar von Künstlern und Idealisten kontinuierlich weiterentwickelt. Ihre Größe, internationale Ausstrahlung und Bedeutung sind dabei inzwischen weit über das zur Verfügung stehende Budget hinausgewachsen. Die OSTRALE Biennale musste daher in diesem Jahr erneut mit erheblichen Kürzungen auskommen, nachdem Förderungen wiederholt niedriger als beantragt ausgefallen waren bzw. gar nicht erteilt worden waren. Die Finanzierung der kommenden OSTRALE ist bei weitem nicht gesichert, ihre Durchführung 2019 daher noch unsicher.

Dr. Bernd Kugelberg, Schatzmeister der OSTRALE.freunde und engagierter Vertreter des Sponsors Schneider + Partner, zur wirtschaftlichen Situation: „Die größte Ausstellung zeitgenössischer bildender Kunst im Freistaat Sachsen und immerhin drittgrößte Deutschlands musste in den elf Jahren ihres Bestehens fast immer ohne Fördermittel des Landes und des Bundes auskommen.

Die institutionelle Förderung seitens der Landeshauptstadt Dresden, obwohl dankenswerterweise in diesem Jahr um einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhöht, ist verglichen mit den Subventionen für andere Institutionen in der Kulturstadt relativ gering. Sie macht nur einen Bruchteil des für eine Kunstausstellung in der Größenordnung der OSTRALE Biennale nötigen Budgets aus. Die privaten Sponsoren können die fehlenden Mittel der öffentlichen Hand auf Dauer nicht kompensieren, teilweise wollen sie es künftig auch nicht mehr. Wir gehen davon aus, dass für eine solide Finanzierung der kommenden OSTRALE Biennale mit Planungssicherheit verglichen mit dem diesjährigen Budget etwa 180.000 Euro fehlen.“

Bis Sonntagabend (1. Oktober) noch lädt die OSTRALE Biennale 2017 die Öffentlichkeit zum Erlebnis zeitgenössischer Kunst ein.

Fotos (lv)

www.OSTRALE.de

Öffnungszeiten

Freitag bis Sonntag

11 Uhr – 20 Uhr

1 Stunde vor Schließung ist Kassenschluss

Eintrittspreise

€ 15 Normalpreis / € 10 ermäßigt
€ 30 Familien Ticket / € 25 Familien Ticket, ermäßigt € 10
Gruppe, 10+ Personen, Normalpreis € 5 Führung pro Person

Bei Bezahlung mit der SparkassenCard ein Euro Rabatt.

Führungen

Samstag und Sonntag, 15 Uhr

Anfahrt

Öffentliche Verkehrsmittel: Linie 10 bis „Messe Dresden“

Auto: Dresden, Zur Messe 9, Parkplatz P2 (Messering 8)

WEITERE INFORMATIONEN / KONTAKT:

OSTRALE Zentrum für zeitgenössische Künste

OSTRALE / Büro, Messering 20, 01067 Dresden, Tel +49 351 653 37 63, post@ostrale.de,

www.ostrale.de, OSTRALE: / Ausstellung: Zur Messe 9, D-01067 Dresden, Förderverein: www.ostrale-freunde.de

Text: blaurock markenkommunikation