Songs, Gedichte & Geschichten beim Palaissommer

Poetisches Sommervergnügen

Songs, Gedichte und Geschichten gibt es beim diesjährigen Palaissommer am Freitag, den 11. August, 20 Uhr im Ostra-Dome (Zur Messe 9a, Dresden).

Große Wiese. Coole Bühne. Gastronomie. Wasserfläche. Büchertisch.

Görda (Konzert) / Manuela Bibrach / Verica Trickovic / Marcel Beyer (Lesung) Volker Sielaff (Moderation)

Weil sich zu den Gedichten nun auch Geschichten und Songs hinzu gesellen, heißt das kultige Format jetzt ‚Songs, Gedichte & Geschichten‘. Es wird ein so kurzweiliger Abend, wie das Publikum ihn seit Jahren gewohnt ist. Ein poetisches Sommervergnügen aus Lesung, Performance und wunderbarer Musik, bei dem namhafte Dichter, ein Romancier und ein berauschendes Songwriterinnen-Duo dem wandelnden, sitzenden oder liegenden Zuhörern ihre Lieder und Texte vorstellen.

Ein Novum beim diesjährigen Abend von „Songs, Gedichte und Geschichten“: Am Schluss des Abends wird jeder Autor gemeinsam mit Görda zu deren Musik noch ein Gedicht performen („Music meets Poetry“). Man darf gespannt sein!
Görda: Das female Duo aus Leipzig, verwebt in einer multi-instrumentalen Live Performance Vocals, E- Bass, Querflöte, Synthesizer, Cello und Beats zu vielschichtigen Klangteppichen. Görda ist eine schillernde Kreuzung aus Alternative Pop und Experimental Songwriter, durch die immer wieder der Jazz Background blitzt. Kraftvoll, poetisch und gewitzt erzählen ihre Geschichten von Alltag und Utopie, Tagtraum und Ekstase. Das Duo schafft einen Raum, der inspiriert und verbindet

Manuela Bibrach, 1971 in Dresden geboren, absolvierte eine Ausbildung als Diplom-Ingenieurin (FH) für Landschaftsnutzung und Naturschutz (Verteifung: Umweltbildung und – psychologie). Neben einer Tätigkeit als Umweltpädagogin arbeitete sie als Verkäuferin, PR-Referentin und Auftragstexterin. Sie lebt in der Oberlausitz. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, u.a. „Der Maulkorb“, „Am Erker“, „Ort der Augen“, „Ostragehege“ und der Anthologie „Weltbetrachter“ (Poetenladen Verlag). Ihr erster Lyrikband ist in Vorbereitung. Preise u.a.: Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen in Breslau, 3. Preisträgerin des Feldkircher Lyrikpreises, nominiert zum Lyrikpreis München und 1. Preisträgerin des 14. Irseer Pegasus.

Verica Tričković, geboren 1961 in Nerav, Mazedonien, ist Dichterin, Herausgeberin und Übersetzerin. Sie wanderte nach dem Abitur nach Serbien aus und emigrierte 1999 während der Luftangriffe der NATO in Serbien mit ihren zwei Kindern nach Deutschland, wo sie in Isernhagen bei Hannover lebt. Zuerst auf serbisch erschienen sind ihre Gedichtbände Tražim deo neba, 2001, und Lokvanj i pelen, 2007. Nach den Gedichtbänden Als rettete mich das Wort, 2011, und Im Steinwald, 2016, beide zweisprachig serbisch-deutsch im Leipziger Literaturverlag erschienen, schreibt sie ausschließlich auf deutsch. 2022 erschien im gutleut Verlag Frankfurt a. M. ihr Gedichtband um | schrift. Seit 2014 zahlreiche Übersetzungen deutschsprachiger Gegenwartslyrik. 2022 wurde Tričković mit einem Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds für die Übersetzung von Anja Utlers Gedichtband münden – entzüngeln ausgezeichnet, 2023 mit einem Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds für die Übersetzung von Kerstin Preiwuß Gedichtband Rede.

Marcel Beyer, geboren am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg, wuchs in Kiel und Neuss auf. Er studierte von 1987 bis 1991 Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Siegen. Bis 1996 lebte Marcel Beyer in Köln, seitdem ist er in Dresden ansässig. Beyer, der zunächst stark beeinflusst war von Friederike Mayröcker und den Autoren des französischen Nouveau Roman, ist Verfasser von Lyrik, Essays und Romanen, die sich immer wieder mit der deutschen Geschichte – insbesondere mit der Zeit des Nationalsozialismus – auseinandersetzen. 2016 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. In der Begründung erklärt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: „Seine Texte sind kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich. So ist während dreier Jahrzehnte ein unverwechselbares Werk entstanden, das die Welt zugleich wundersam bekannt und irisierend neu erscheinen lässt.“

Programmpartner: Loose Notes | Literaturforum Dresden e.V.
EINTRITT FREI!

Anfahrt: PKW (PKW-Parkplätze direkt am Festivalgelände), Straßenbahn (Anfahrt Straßenbahn: Linie 10) oder Fahrrad.

Mit den besten Empfehlungen

Jörg Scholz-Nollau


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Skulpturen-Ausstellung von Matthias Jackisch im Schlosspark Freital-Burgk

Reizvolles Stein-Geflüster

Eine Steindame mit Hündchen und neuem Kopf und viele andere  wundersame und geheimnisvolle Skulpturen des Tharandter Künstlers Matthias Jackisch können die Besucher derzeit im Schlosspark Freital-Burgk entdecken.

Eine Vielzahl an Steinwesen überraschen, erstaunen und beleben derzeit den Schlosspark Freital-Burgk. Kleine und große Figuren, allein und zu zweit, fein oder rissig und verwittert ihr Aussehen, erheben sich auf Stelen oder stehen im Gras und unter Bäumen, sichtbar oder halb verborgen in Mauern und Nischen. Der Besucher entdeckt sie beim Spaziergang durch den Park in der Skulpturenausstellung mit dem Titel „Die Dame mit dem Hündchen – kopflos“ von Matthias Jackisch.

Letzten Sommer war erstmals Kunst im Schlosspark Burgk zu sehen. Nach den begehbaren Metallskulpturen von Steffen Petrenz wird das erfolgreiche Debüt nun fortgesetzt mit den Steinskulpturen des in Tharandt lebenden Künstlers Matthias Jackisch. „Er ist es gewohnt, seine Skulpturen direkt mit der Umgebung interagieren zu lassen. Sie gehen auf das Vorgefundene ein, spielen mit ihrem Umfeld, interpretieren es vielleicht ganz neu“, sagt Kristin Gäbler, die Leiterin der Städtischen Sammlungen Freital im Schloss Burgk. Die Kunstwerke fügen sich harmonisch ein in die Gartenlandschaft und Architektur und verwandeln sie zugleich. Sie wecken Neugier und regen die Fantasie an, laden zum Anschauen, Verweilen und stiller Zwiesprache mit dem Gesehenen ein.

Wie die Titelfigur der Ausstellung, die rätselhafte, kopflose Dame im edlen Kleid mit ihrem Hündchen, die aus dunklem Stein aus einer Steinmauer hervor wächst, nahe am Besucherbergwerk im unteren Teil des Parks. Matthias Jackisch hat ihr einen Kopf mit Haube aus hellem Stein aufgesetzt für die Zeit der Ausstellung. Mit versonnenem Blick. Die Skulptur vervollständigte er angeregt von der bekannten Erzählung „Die Dame mit dem Hündchen“ von Anton Tschechow. Ein Stück weiter steht auf einer Anhöhe eine große, erhabene Sandsteinfigur, „Moira“, die Schicksalsgöttin, entstanden 2021. Zwischen Bäumen ruht die „Große Liegende“ in einer steinernen Pferdetränke, die ehemals im Schlosshof stand. Am Bach sitzen kleine, zauberhafte Figuren. Vor dem Wiesenhügel ragt ein Relief mit zwei Rubensdamen aus Stein und daneben liegt ein „gefallener Engel“ kopfüber zwischen gelben Wiesenblumen.

Umgeben von Rhododendronbüschen haben sich zu den barocken Sandsteinfiguren, mit Buch, Kugel oder Sternrohr in der Hand, die reizvoll geheimnisvollen Steinwesen von Jackisch gesellt. Sie sind oft aus sprödem, spurenreichem Stein hervorgeholt, mal konkret und mal abstrahiert schemenhaft die Gesichter, von fragiler, traumhaft entrückter, wunderlicher und anrührender Gestalt. Manchmal haben die Skulpturen geschwungene, gedrehte und abstehende Formen wie aus einem Stamm gewachsen und ähneln Flügeln. Licht und Schatten, Blätterrauschen und Pflanzen umspielen die Steinfiguren und lassen sie immer wieder anders erscheinen. Auf der Schlossrückseite am Baldachin stehen auf Sockeln zwei grazile Sandsteinfiguren von Jackisch, eine männliche und weibliche, als stünden sie schon immer dort.

Nah bei ihnen auf der Wiese trifft man eine kleine sandfarbene  Figur mit Kappe, der gewölbte Körper von verdorrtem Moosgeflecht überzogen. Sie wirkt wie eine Erdmutter und man möchte sie am liebsten aus der Sonne unter einen der schattigen, hohen alten Bäume stellen. Vor einer offenen Baumgruppe neben der Metallglocke hockt eine Figur sinnend. Gleich daneben ein Flötenspieler auf  der Wiese, dem jeder still für sich lauschen kann. Unten am Teich mit hohem Schilf steht eine große metallene Frauenfigur, die einen bärtigen Kopf an ihrem Körper hält, Salome oder Undine vielleicht. In der Sonne glänzen die keramischen Relieftafeln in einer Marienandachtssäule im Schlosspark, deren Nischen Jackisch mit Bildern füllte. Darunter ein Rabe, sein Lieblingstier. Zur Ausstellung ist ein Begleitheft mit Bildern und Titeln der Skulpturen, Lageplan und Wissenswertem zur Historie von Schloss Burgk und dem Schaffen des Künstlers erschienen. Dieses ist kostenfrei an der Museumskasse erhältlich. Die Skulpturen von Matthias Jackisch sind noch bis 10. März 2024 im Schlosspark Burgk zu sehen, der immer geöffnet hat.

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Der Bär ist wieder los beim Musiksommer in Bärenstein


Viel Spaß am gemeinsamen Musizieren und Experimentieren haben die jungen Musiker und Sänger Erwin vom BärensteinOrchester um Leiter und Jazzmusiker Hartmut Dorschner. Hier bei ihrem Auftritt beim Musiksommer Bärenstein am vergangenen Freitag im Kunsthaus Bärenstein. Foto: Veranstalter

Der Bär ist wieder los in Bärenstein –
diesmal ganz musikalisch

Mit Konzerten an besonderen Spielorten im Kunsthaus, in der Kirche bis zum Schafstall lockt der erste Musiksommer Bärenstein Besucher an.

Der „Sommersong“ vom letzten Jahr war wieder dabei. Außerdem eine Klangcollage mit Worten, in den Bär vorkommt wie „Saubär“ oder „Bärtram“, kam spielfreudig auf die Bühne beim Auftritt des BärensteinOrchesters am Sonnabend im Kunsthaus Bärenstein. Der Bär ist wieder los in dem Ort im Osterzgebirge – diesmal ganz musikalisch. „Die ganze Palette von Improvisation, eigene Stücke komponieren und spielen bis hin  zu Free Jazz, was richtig zur Sache geht, steht im Programm von Juli bis September“, sagt Hartmut Dorschner, Musiker, Orchesterleiter und Initiator des ersten Musiksommer Bärenstein. Den hat er zusammen mit dem Kult-ur-art Kunstverein im Ort ins Leben gerufen.

Zum Start fand eine Woche lang ein offener Workshop mit dem BärensteinOrchester statt, den Hartmut Dorschner gemeinsam mit Agnes Ponizil, einer Sängerin und Komponistin gestaltete. Sie arbeitet spielerisch mit Texten und Klängen. Sechs Teilnehmer zwischen acht und 53 Jahren, die alle auch im BärensteinOrchester musizieren, kamen. Sie spielen bekannte und selbst erfundene Stücke mit viel Begeisterung an Schlagzeug, Klavier, Trompete, Saxofon, Posaune und Akkordeon, gemischt mit Gesang. Am Sonntag gab es ein Konzert an Orgel und Synthesizer mit Friedbert Wissmann in der Kirche in Bärenstein. Ein weiteres Highlight des Musiksommers war ein Dozentenkonzert im Milchschafhof Bärenstein. Während die rund 60 Tiere auf der Weide standen, erklangen drinnen in Stall Saxofonklänge von Dorschner und Gesang von Ponizil, begleitet von fröhlichem Schafblöken. Schwalben, die unterm Stalldach ihre Nester haben, schwirrten rein und raus und die Hofkatze stromerte umher. „Das Stall-Konzert war gut besucht mit rund 80 Zuschauern“, so Dorschner. Bänke und Stühle wurden aufgestellt und nebenher konnten sie die frische Landluft genießen und im Hofladen Bioprodukte erwerben.

„Das wollen wir gern wiederholen in diesem Ambiente“, sagt Hartmut Dorschner. „Wir wollen auch kulturell etwas bewegen in der Region.“ Das Motto des Musiksommer Bärenstein lautet augenzwinkernd zweideutig: „Hört auf!“ Angelehnt an den Bergmannsgruß „Glück auf! in der Bergmannsregion, lässt es aufhorchen, aber klingt auch nach aufhören, sein lassen. Das Logo einer gekreuzten, roten Note mit Notenschlüssel hat Dorschner selbst entworfen. „Es provoziert auch“, weiß er. Nicht jedem im Ort gefalle das Programm, die Musik sei zu neu manchen Einwohnern.
“Wir  haben eine starke Sportlerfraktion in Bärenstein, die sehen das wohl als Konkurrenz“, so Dorschner. Auch Altenberg sieht sich traditionell vor allem als Sportstadt, erlebt er im Gespräch mit Vertretern der Stadt und manchen Stadträten. Dabei könnten Sport- und Kulturangebote sich gut ergänzen und noch mehr Besucher anlocken. „Musiker sind ja auch Sportler, die mit Ehrgeiz und Spaß üben. Es gibt auch Wettbewerb untereinander, mal laut und leise. Jeder will der Beste sein und am Ende greift alles ineinander“, so Dorschner. Deshalb sei er auch Musiker geworden, da er gern mit anderen zusammen spiele. Er ist offen für musische und kreative Aktionen gemeinsam mit den Sportlern beim nächsten Musiksommer Bärenstein. Letztes Jahr startete der Kultursommer dort mit verschiedenen Künsten und fand überwiegend gute Resonanz.

Diesmal ist das Programm kleiner als voriges Jahr, da es weniger Fördermittel gab. Vom Musikfond des Bundes kam eine Absage. Dafür bekam der Musiksommer Bärenstein 5 000 Euro aus dem Kleinprojektefond der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.  Der Musiksommer soll weiterhin eintrittfrei bleiben, um möglichst viele Besucher anzusprechen. Spenden für die Arbeit des Kult-ur-art Kunstvereins als Träger des Festes sind natürlich immer willkommen. Im nächsten Jahr sollen dann auch als Kooperationspartner an besonderen Spielorten beim Musiksommer der Wildpark Osterzgebirge, Schloss Lauenstein  bis zur Naturschutzstation und der Seekirche in Zinnwald mit dabei sein.

Ein Höhepunkt steht noch bevor diesen Sommer mit dem Konzert mit „Culture Clash“ mit fröhlich mitreißendem Folklore-Jazz mit einem tschechisch-mährischen Ensemble und drei deutschen Jazzmusikern am 24. August, 19 Uhr  im Kunsthaus Bärenstein. Die Band spielt auch beim Bürgerfest am 9. September im Schloss Bellevue in Berlin vor dem deutschen Bundespräsidenten Steinmeier und dem tschechischen Präsidenten, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds werden kulturelle Aktivitäten vorgestellt. Und Ende September ist  „Culture Clash“ bei einem Jazzfest in Prag zu Gast.

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Ausstellung „Von der Poesie des Wassers“ von Michael Klose in der Galerie Mitte


„Mich zieht es immer wieder zum Wasser“, sagt der Künstler Michael Klose über seine farbreich spiegelnden Bilder.

Wasser und Seerosen in allen Farbschattierungen

„Von der Poesie des Wassers“ erzählt eine Ausstellung mit Malerei, Zeichnungen und künstlerischer Druckgrafik von Michael Klose in der Galerie Mitte in Dresden.

Licht, Farben und Wasser malen mit. In den bezaubernden Bildern mit Seerosen-Teichen und Landschaften am Wasser steht das Lebenselixier im Mittelpunkt. Zu sehen sind sie in der der Ausstellung “Von der Poesie des Wassers“ mit Malerei, Zeichnungen und künstlerischer Druckgrafik von Michael Klose in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49, in Dresden (noch bis 26. August).

Es ist seine zweite Einzelausstellung in dieser Galerie. 2020 zeigte Klose seine Landschaften zusammen mit Plastiken von Jürgen Cominotto unter dem Motto: „Im Wald und auf der Heide“. „Da war Blau noch die vorherrschende Farbe. Jetzt Grün“, sagt er schmunzelnd. Das Wasser spiegelt sich in allen Schattierungen auf den Leinwänden, mal flirrend sonnengelb, orange oder rot glühend im Abendlicht, mal klar, mal verschwommen und formreduziert leuchten die Seerosen. Auch das Elbtal ist mehrfach vertreten in allen Farbtönen. Michael Klose sammelt die Eindrücke, ohne Skizze zu machen, besucht die Orte oft mehrmals. Es geht ihm um das Darstellen einer bestimmten Stimmung, die er mit ihren Farbnuancen und Formen aufnimmt und dann im Atelier malt, sagt Michael Klose. 2012 hat er sich mit Monet beschäftigt, besuchte auch dessen berühmten Garten mit dem Seerosenteich und das Atelierhaus des großen französischen Impressionisten in Giverny. Außerdem fuhr Klose im Urlaub mit dem Hausboot zusammen mit seiner Frau südlich der Müritz eine Woche lang und malte Seerosen. Ingesamt drei Mal. Dann hatte sich das Thema Seerosen erst mal erledigt.

Bis er im Sommer 2021 beim Spazierengehen mit seiner Pudeldame einen kleinen Seerosenteich am Ortsrand von Arnsdorf entdeckte. Dort wohnt er mit seiner Familie. „Über 30 Ölbilder sind in dem Jahr entstanden.“ Er malte die Seerosen morgens, abends, auch bei Regen. „Je nach Licht ändert sich die Stimmung und sehen sie auch grün aus, wenn Wasserlinse darauf gewachsen ist“, so Klose. In der Ausstellung zeigt er Ölmalerei, pastell- und erdfarbene Aquarelle und eine langgestreckte Grafik mit zarten hellen Seerosenblättern vor dunklem Grund. „Es zieht mich immer wieder zum Wasser, vielleicht wegen seiner Vielschichtigkeit, Transzendenz und dem surreal Schwebenden“, sagt Michael Klose. Im Juli feiert er seinen 60. Geburtstag. Mit dem Aquarellieren begann er 1979, erste Holzschnitte und Radierungen entstanden 1982. Nach seinem Architekturstudium an der TU Dresden arbeitete er auf dem Gebiet der architektonischen Denkmalpflege bis 2018. Inzwischen ist er nur noch als freischaffender Künstler tätig und hat sein Atelier in der ehemaligen Schokoladenfabrik in der Johannstadt in Dresden.

„Michael Klose ist ein interessanter Kolorist, der sich auf gewisse Weise in der Farbe einwurzelt und verschiedene Gemütszustände ausdrückt. Das Schöne an den Bildern ist, dass sie oft keine klaren Konturen haben, sondern wie verwischt, wie eine Fata Morgana erscheinen und wieder verloren gehen. Damit sind sie auch ein Sinnbild unserer schnelllebigen Zeit“, sagt Karin Weber über Kloses Seerosen-Malerei. Außerdem sind bemalte Keramikhühner und ein Gemeinschaftswerk mit bemalten Schiffchen-Vasen aus Keramik von Michael und Dorit Klose zu sehen. Dazu gesellen sich edle Porzellantrinkgefäße für Heilwasser und farbenfroh-urwüchsige Mensch-Tier-Zeichnungen und bemalte Keramikteller von Elke Heber in der Kabinettausstellung in der Galerie Mitte.

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Weitere Fotos zur Ausstellung folgen.

Eintauchen in die Natur: Waldbaden


Achtsam Wahrnehmen, bewusstes Atmen & sanfte Bewegungen regen die Sinne an und helfen zu entspannen beim Waldbaden. Re. im Bild die Sport- und Bewegungstherapeutin Nancy Raeder mit Teilnehmern der Klinik in Hetzdorf im nahe gelegenen Tharandter Wald.

Waldbaden mit allen Sinnen

Entschleunigen, Entspannen und Genießen für Körper, Geist und Sinne bietet eine neue Therapieform der Rehaklinik in Hetzdorf nahe am Tharandter Wald.

Beim Baden fällt einem sofort sprudelndes, erfrischendes Wasser ein.
Doch es geht auch anders. Eintauchen ins Grüne und genießen mit allen Sinnen, die frische Luft, Farben und Düfte des Waldes. Es braucht zum Waldbaden nicht unbedingt Sonne. An dem Tag war der Himmel grau, wolkenverhangen und es regnete. Hohe Kiefern stehen am Waldeingang, die herabhängenden Zweige bewegen sich leicht, behangen mit Regentropfen wie Perlen. Wir stehen am Übergang, der kleinen Schwelle und betreten bewusst die Grenze in den Wald.

Fünf bis acht Teilnehmer treffen sich regelmäßig zum Waldbaden einmal wöchentlich im Tharandter Wald. Diesmal sind drei Teilnehmer dabei, zwei Frauen und ein Mann in mittlerem Alter. „Waldluft ist Medizin zum Einatmen“, steht im Flyer der Klinik mit Herz am Tharandter Wald in Hetzdorf. Zusammen mit Fotos von Bäumen in strahlendem Sonnenlicht und bemoostem Waldboden werden die positiven Wirkungen eines langsamen Waldspazierganges mit gesundheitsbezogenen Übungen genannt wie Stärkung des Immunsystems, Abbau von Stresshormonen und Entspannung für Körper, Geist und Seele.  Das Waldbaden wird als erholsame, neue Therapieform seit Sommer 2022 in der Rehaklinik in Hetzdorf angeboten. Das Angebot ist bisher einmalig in Sachsen. „Wir bieten unseren Patienten ein ganzheitliches Konzept, das ihre Kognition, Emotionen und Persönlichkeit anspricht und schult mit dem Ziel, dass sie wieder ins Leben zurückkehren können und lernen, anders mit körperlichen Beeinträchtigungen oder Stressfaktoren im Alltag umzugehen“, sagt Peter Themann, Chefarzt der Klinik in Hetzdorf.

Hier werden Patienten zwischen 18 und 65 Jahren mit neurologischen Erkrankungen, Menschen, die Schlaganfälle oder Schädelhirntrauma erlitten haben, unter Multipler Sklerose oder Parkinson leiden und in ihrer Bewegungsfähigkeit oder Feinmotorik eingeschränkt sind, behandelt nach individuell mit Ärzten und Therapeuten abgestimmten Therapieplänen. Die Klinik mit 316 Betten ist voll belegt. Rund 240 Mitarbeiter, medizinisches und Pflegefachpersonal betreuen derzeit die Patienten. „Wir hätten noch mehr Kapazitäten, doch bräuchten dann auch mehr Personal“, so Themann. In seiner Freizeit spielt er Fußball, ist Präsident der nationalen Fußballmannschaft der Neurologen und entspannt sonntags auch gern im Wald.

Das Waldbaden sei als Therapieform noch wenig  bekannt. Die Klinik nah am Tharandter Wald bietet sich geradezu dafür an. Umgeben von wunderbarer, sanfthügeliger Landschaft mit weiten Wiesen und Feldern. Bäume und Bänke stehen im Außengelände. Ein Hahn kräht. Eine Katze stromert durchs Gelände. Das Waldbaden stammt ursprünglich aus Japan und ist dort bereits eine anerkannte Therapieform. Seit 2012 gibt es sogar einen eigenen Forschungszweig „Waldmedizin“.

„Waldbaden ist entschleunigen, achtsam sein und die Natur wahrnehmen mit allen Sinnen. Hören, Sehen, Fühlen“, sagt Nancy Raeder. Seit drei Jahren arbeitet sie als Sport- und Bewegungstherapeutin in der Rehaklinik Hetzdorf und als Fachkraft für tiergestützte Interventionen. Das Angebot zum Waldbaden kam von der Klinik. Nancy Raeder hat dazu eine Fortbildung am Teutoburger Wald absolviert. Inzwischen ist das Waldbaden in der Klinik in Hetzdorf etabliert und wird von den Patienten gut angenommen. Auch wenn die Sonne nicht scheint. Dieses achtsame Gehen, um zur Ruhe zu kommen, bei sich anzukommen, ist auch der Unterschied zum schnurstracks Wandern. Wir kommen vorbei an einem leise rauschenden Bach, lauschen dem Vogelgesang, meditieren, kosten Sauerklee und legen aus Naturmaterial, Zweigen, Zapfen, Blättern und Baumrinde ein Mandala, einen Kreis, der das Lebensrad symbolisiert. Und jeder kann für sich überlegen, an welcher Stelle mehr außen oder innen man gerade steht.

Der Mann in der Runde lehnt sich an einen Baumstamm und staunt über „das Grün in allen Schattierungen, das den Augen gut tut.“ „Waldbaden senkt den Stresspegel und den Blutdruck und nach einem Waldspaziergang kann man besser schlafen“, sagt Nancy Raeder. Am Waldeingang haben wir unseren Rucksack mit den schweren Gedanken abgelegt und fühlen uns beim Hinausgehen tatsächlich leichter und entspannt. Der große Baum am Ausgang winkt mir zu mit den Zweigen beim Abschied. Die Patienten können außerdem in einem Therapiegarten mit Hochbeeten Blumen und Kräuter anlegen, hegen und pflegen.

In einem Freigehege mit Zelt auf der Wiese hinter der Klinik stehen die vierbeinigen Mitarbeiterinnen, die „Mähdels“ bereit. Fünf bretonische Zwergschafe. Sie heißen Lotte, Toffi, Fee, Lilly und Molly und helfen den Patienten beim Gesundwerden, welche die Schafe im Gelände an Kegeln entlang und über Hindernisse führen in spielerisch achtsamem Gleichgewichts- und Koordinationstraining. „Die tiergestützte Therapie war bereits zu Schulzeiten ein Traum von mir, da ich gerne mit Tieren und Menschen gemeinsam arbeiten wollte, so dass alle glücklich sind“, sagt Nancy Raeder.

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Ausstellung Christian URI Weber zum 80. in der Galerie mit Weitblick Radebeul


Bilder & Aphorismen sind seine Leidenschaft: Der Künstler und Autor Christian URI Weber im Atelier seines Wohnhauses in Radebeul. Er selbst bleibt lieber im Hintergrund und lässt seine Arbeiten ganz für sich sprechen.

Urwüchsige Wesen voller Witz und Wunder

Farbenfroh, einfallsreich und um die Ecke denkt Christian URI Weber gern in seinen Bildern. Eine Ausstellung ehrt den Meister des lakonischen Humors zum 80. Geburtstag in der Galerie mit Weitblick in Radebeul.

Seltsame Wesen tummeln sich im Grünen. Ein Baum mit Gesichtern steht da, davor weht eine schwarze Fahne mit Tierkopf, ein kleiner gelber Vogel balanciert auf einer Blattspitze und ein rosa Stachelschwein mit feurigem Schweif treffen sich zu einer „Beratung“. Worum es dabei geht, bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen im Titelbild der Ausstellung „URI – ,ein Meister mit lakonischem Humor` wird Achtzig“. Eröffnet wurde sie letzten Sonntag in der Galerie mit Weitblick in Radebeul, Obere Bergstraße 13, um 17 Uhr.

Dort zeigt Christian URI Weber eine Auswahl kolorierter Grafiken, mit Acrylfarben auf Spanplatten und Papier gezeichnet, aus den letzten Jahren. Seine letzte Ausstellung hatte er 2019 in der Stadtbibliothek Radebeul-Ost. In seinem Atelier im oberen Stockwerk des Wohnhauses auf der Zinzendorfstraße hängen sie schon bereit: ein „Frisiertes Alpenveilchen“, „Die drei Weisen“, drei Figuren mit Ecken, Kanten und Krone und ein „Engel mit Handy“ abgewandelt von Paul Klee. Eine „Katze“ blinzelt gelbäugig, gemütlich schwarz geringelt den Betrachter an. Daneben das „Müff“ ist ein schneckenähnliches Fantasiewesen, das ein farbiges Zelt mit sich trägt.

Auf der „Autobahn“ brausen ein Haifisch und ein Hecht aneinander vorbei. Eine Figur mit langer Krawatte schaut auf ein kleines, lustiges, türkisblaues Männchen mit wild wirbeligen roten Haaren. „Wir sind gar nicht so weit entfernt voneinander“, heißt der Bildtitel. Oft tauchen Tiere, Misch- und Fabelwesen auf in der Bilderwelt von Christian URI Weber. Der Künstlername URI ist von urig, ursprünglich abgeleitet. Farbenfroh, urwüchsig und mit viel skurril hintergründigem Witz und Ironie erzählen seine Arbeiten von den Wundern, Verrücktheiten und Abgründen im Umgang von Mensch, Natur, moderner Technik, scheinen Wünsche, Widersprüche und Werte gegenseitig zu wetteifern. In seinen Gedankenbildern oder Bildergedanken, formreich, abstrahiert und fabulierfreudig festgehalten, wirbelt URI den Zeitgeist und seine Moden gehörig durcheinander, stellt Gewohntes, Festgefahrenes und Schubladendenken in Frage, denkt und zeichnet selten schnurgerade, sondern gern kurvig, wellig, um die Ecke.

„Ich versuche immer wieder etwas Neues zu machen, was es in der Form noch nicht gegeben hat“, sagt Christian URI Weber zu seinen Arbeiten. Das Bild sei im Kopf fertig, das zuerst als Skizze festgehalten, dann aufs Papier drängt. Die Farben können sich auch noch mal ändern. Gedankenblitze und Aphorismen, in denen er heiter philosophisch über die Welt und eigene Lebenserfahrungen reflektiert, schreibt er vorwiegend nachts, die Bilder malt er am Tag. „Die Einfälle, zu Papier gebracht, sind eine Art roter Faden, der mich begleitet seit dem 16. Lebensjahr“, erzählt er.  Er las gern die Abenteuergeschichten von Karl May und Marco Polo, später kamen Hermann Hesse, die großen Satiriker Ringelnatz, Tucholsky, Morgenstern, Heine und Werke von Oscar Wilde und Elias Canetti hinzu. Anregungen findet URI beim Autofahren, Fernsehen, im Alltag oder nachts im Traum. Künstlerische Anreger für ihn sind außerdem Kandinsky, Miró und Klee.

Manches Bild von URI provoziert auch wie die „Singenden Schweine“. In einer Studie las er, dass die Tiere bei klassischer Musik etwa von Mozart im Schlachthof Stress abbauen und dann schmecken sie besser. Im Bild „Wagnis“ sieht man eine Frau und einen Mann, die sich vereinen zu einer Figur aus beiden, miteinander verflochten traumblau. Der „Komödiant“ kommt leicht beschwingt und verquer daher. URI`s Bilder füllen die Wände im Treppenhaus, Atelier und Wohnzimmer mit Blick ins Grüne.

In Dresden geboren, wurde er als Junge künstlerisch unterrichtet bei seinem Vater, der Architekt und Maler war und bei dem Kunstmaler Gerhard Ulrich. Nach dem Abitur studierte Weber von 1964 bis 1970 Theologie und klinische Psychologie. Ab 1973 leitete er eine gesundheitliche Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft. Seit 1984 lebt und arbeitet Christian Weber in Radebeul als freischaffender Literat und veröffentlichte rund ein Dutzend Bücher mit seinen Gedichten, Aphorismen und Kurzgeschichten in Verlagen im In- und Ausland. 18 Jahre hatte er einen eigenen Verlag, in dem er damals nach rare Dresden-Stadtführer und Künstlerbücher herausgab und eine Galerie am Dom in Meißen. „Mit Fünfzig hat es mich wieder getrieben, zu malen“, so URI. „In der Lebenskunst sind wir alle Autodidakten“, notiert er in seinem Aphorismenbuch „Gedanken auf Glatteis“. „Das Vergängliche besteht aus dem, was wir in Formen gießen.“ Daher möchte URI mit seinen Bildergedanken immer wieder neu die Fantasie anregen und Denkanstöße geben. Die den Betrachter schmunzeln lassen und einladen, die Welt auch mal aus anderem Blickwinkel zu betrachten.

Die nächste Ausstellung von Christian URI Weber, in der er eine Mischung aus abstrakter und konkreter Malerei zeigt, eröffnet im Oktober in der Galerie Holger John in Dresden.

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Weitere Bilder zur Ausstellung folgen.

Ausstellungseröffnung „Sommersalon“ in der Galerie Kunst & Eros


Lustvolles Spiel der Sinne: „Jetzt ist zu Ende das Spiel“, von Karen Gäbler, Öl auf LW, 2023. Es ist das Titelbild der diesjährigen Sommersalon-Gruppenausstellung in der Galerie Kunst & Eros, Hauptstr. 15, in Dresden.

SOMMERSALON »Sommernachtstraum«

Malerei · Zeichnung · Grafik

  1. Juli bis 2. September 2023

Vernissage am Donnerstag, 06. Juli 2023 · Beginn 19.30 Uhr

Begrüßung: Janett Noack

Galeriekonzert: »BAROCK- DUO« mit Kartrin Meingast Violoncello & Judit Iszak Cembalo/ Klavier

Theaterperformance: »ellemonhs of passion« eine theatralische Inszenierung von der Regisseurin Anna Yaryga

Eröffnung der Ausstellung SOMMERSALON »Sommernachtstraum«
am Donnerstag, den 06. Juli 2023, um 19.30 Uhr in der Galerie kunst & eros.
In dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Malerei, Grafik und Zeichnungen zeitgenössischer Künstler vorgestellt:

Karen Gäbler | Steffen Fischer | Helena Zubler | Juan Miguel Restrepo Valdes | Leonore Adler | Mechthild Mansel & weitere Künstler

Anlässlich der neuen Ausstellung in der Galerie kunst & eros wird es zur Eröffnung ein Galeriekonzert mit dem »BAROCK- DUO« geben:

»Barock trifft auf Romantik« heißt es am 6. Juli um 19.30 Uhr, im Rahmen der Eröffnung des SOMMERSALONS »Sommernachtstraum«. Die Cellistin Katrin Meingast und die Pianistin Judit Iszak werden an diesem Abend Werke der Romantik und des Barockes erklingen lassen.

Die 6 Künstler der Ausstellung haben Gedichte zum Thema »Sommernachtstraum« mitgebracht, die durch die beiden Musikerinnen musikalisch eingeflochten werden. Wir freuen uns auf ein unterhaltsames und lebendiges Programm aus Musik und Literatur.

Im Anschluss um 22 Uhr: Theaterperformance »ellemonhs of passion«

Die Theatergruppe »ellemonh« spielt an diesem Abend als kleine Zugabe in der Passage der Galerie eine theatralisch musikalische Skizze »ellemonhs of passion« zum Thema Macht der Leidenschaft und wie man den Kopf verliert wegen der Liebe oder die Liebe wegen dem Kopf. Lasst euch überraschen.

Text + Foto: Ihre Janett Noack & Team

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Ausstellung „Der Zauberteppich. Von Radebeul in andere Welten“ von Renate Winkler im Hoflößnitz Radebeul


Neugierde auf fremde Kulturen: „Meine Arbeiten sind eine Einladung zu einem Flug in die Welt…“, sagt die Radebeuler Künstlerin Renate Winkler über ihre Ausstellung im Hoflößnitz Radebeul. Farbenfroh, faszinierend und überraschend, wie nah Fernes auf einmal werden kann, beim Blick in die Gesichter, die Licht, Freude, Träume, Sorgen spiegeln… Majestätische Berge, das Licht der Wüste, wogendes Häusermeer und leuchtend blaues Meer… Sprudelnder Lebensquell.
Klangreich: Von beschwingt bis besinnlich-erhabene Musik von Bach musizierte Robert Hennig am Bandoneon und Akkordeon zur Ausstellungseröffnung.
„Anflug auf Teheran“: das Titelbild der Ausstellung.

Zauberhafte Bilderreise

In farbenfroher und eindrucksvoller Malerei, Grafiken, Reisetage- und Skizzenbüchern fliegen die Besucher der Ausstellung „Der Zauberteppich. Von Radebeul in andere Welten“ mit Renate Winkler im Sächsischen Weinbaumuseum Hofößnitz in Radebeul.

Hoch über den Dächern und Türmen der Stadt, die in sonnigen Farbtönen vor ihnen liegt, genießen ein Liebespaar, ihre Begleiterin und ein vorbei springender Rehbock die Landschaft und den Wein und schweben auf und davon im Titelbild der diesjährigen Sommerausstellung „Der Zauberteppich. Von Radebeul in andere Welten“ mit Arbeiten von Renate Winkler im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz Radebeul.

Die Künstlerin nimmt die Besucher mit auf eine zauberhafte Bilderreise. Hinauf in die Berge des Sinai, in die Wüste, ans Meer, nach Istanbul, Kairo, Teheran und Jerusalem entführen in leuchtenden und erdigen Farbtönen die Malerei, Grafiken und Reisetage- und Skizzenbücher von Renate Winkler. Eine bunte Häuserkulisse vom Meer aus gesehen. Im hellen Morgenlicht leuchtet blau und violett Hagia Sophia, die berühmte Moschee mit Minarett, davor fliegt eine weiße Taube. Ein weißer Ausflugsdampfer legt an in Assuan. Segelboote liegen am Hafen mit Blick auf Kairo. Inmitten der Bilder in mal ocker, sandigen und kräftigen, pastos aufgetragenen Farben kann man hinter Glas die aufgeschlagenen Skizzenbücher mit farbigen Aquarell- und schwarzen Tuschezeichnungen von unterwegs und eng beschriebene Seiten mit Reiseeindrücken betrachten. Der Ausstellungstitel ist angeregt von einem gleichnishaften orientalischen Märchen von Karl May, einer kleinen Erzählung, die just vor 100 Jahren, im Karl-May-Jahrbuch für 1923, erstmals aus dem Nachlass veröffentlicht wurde unter dem Titel „Der Zauberteppich“.

Iranische Miniaturen inspirierten Renate Winkler zu dem Holzschnitt „Anflug auf Teheran“, dem Titelbild der Ausstellung, 2019 nach einer Reise dorthin entstanden. „Ich kenne die Arbeiten von Renate Winkler seit vielen Jahren vom Radebeuler Grafikmarkt und finde vor allem ihre großformatigen Radierungen und Holzschnitte mit Motiven unserer Weinbaulandschaft toll“, sagt Museumsleiter Frank Andert, der sie zu der Ausstellung im Hoflößnitz einlud. Ihre orientalische Malerei kannte er noch nicht. Nach anfänglicher Skepsis, sich so ins Rampenlicht rücken zu lassen, schließlich sei sie keine „akademische Malerin“, willigte sie in das Projekt ein. Renate Winkler, Jahrgang 1948, war als Lehrerin tätig und ist künstlerische Autodidaktin.

Die Auswahl der gezeigten Bilder überlässt Andert in guter Tradition den Künstlern selbst. „Mein Wunsch war nur, dass das druckgrafische Werk dabei angemessen vertreten ist.“ Da treffen Landschaften, Stadtansichten von nah und fern und Figürliches, Vertrautes und Fremdländisches in spannenden, reizvollen Kontrasten aufeinander. Eine Karawane mit Kamelen und Reitern in der Sahara. Der Blick von Aust`s Weinberg mit prallen Trauben, Steintreppe, Winzers Rastplatz unterhalb der Steinterrasse und Rebstöcke im Winter weiß umhüllt neben einer verwinkelten Häusergasse von Jerusalem und einem Fachwerkhaus mit Weinkneipe in Meißen.

Die Porträts spiegeln Momente der Begegnung. Eine Frau mit Kopftuch in rotem Kleid, verziert mit Sonnenrädern bei einer „Ruhepause im Sinai“. Der Mann im weißen Gewand und Turban heißt „Moussa“ und sitzt erhaben vor einem Zelt. Ein Klarinettenspieler spielt vor der Altstadtkulisse von Jerusalem. Ein Mann trägt sein Akkordeon auf dem Rücken abends in der bunt leuchtenden Neustadt. Ausdrucksstark vor allem die figürlichen Grafiken. Ein Beduinenkind mit großen, fragenden Augen. Eine alte Frau mit lebhaften Gesichtszügen und ein stolzer Wüstenfürst mit wettergegerbtem Gesicht.

In einer Serie Farbholzschnitten wandert Renate Winkler auf den Spuren von Abraham und seinem Sohn Issak. Außerdem zeigt sie keramische Arbeiten, Kamele sitzend und stehend, eine Blütenschale und meerblaue Schüsseln und eine „Schwebende“. Seit ihrer ersten Malreise nach Ägypten, die der Radebeuler Künstler Pit Müller  2009 organisierte, war Renate Winkler zehn Mal dort, außerdem sieben Mal im Sinai und drei Mal auf dem Nil im Segelboot mit einer kleinen Gruppe unterwegs. 15 Skizzenbücher gefüllt mit Bildern ihrer Reisen hat sie inzwischen. „Die Neugierde auf andere Kulturen lässt mich immer wieder aus Radebeul aufbrechen. Abseits herkömmlicher Pfade lerne ich Menschen kennen, zu  denen ich gern zurückkehre, weil sie inzwischen Freunde sind“, sagt Renate Winkler. Die Begegnungen, das Unverhoffte und Überraschende, weiten den Blick. Mit ihrer Offenheit für die Unterschiede in der Lebensweise fühlte sie sich als Reisende dort immer willkommen. Die Ausstellung ist noch bis 6. August zu sehen im Hoflößnitz.

Text + Fotos (lv)

Außerdem ist Renate Winkler zusammen mit Mechthild Mansel mit einer Malaktion im Garten des Weinbaumuseums zu erleben innerhalb der Veranstaltung „Kunst geht in Radebeuler Gärten“ am 1. und 2. Juli, 13 bis 18 Uhr.

Weitere Infos zu „Kunst geht in Gärten“ und Veranstaltungsorte unter: http://www.radebeul.de/stadtgalerie

Die Ausstellung „Der Zauberteppich“ im Hoflößnitz hat geöffnet: Di bis So von 10 bis 18 Uhr

Premiere „Sylvia und Sybille“ nach Christa Winsloe im Kleinen Haus


Der Traum vom Fliegen… Im Zwiespalt der Gefühle zwischen schwebender Leichtigkeit, Lebenslust und Übermut und starren Konventionen von Familie und gesellschaftlichen Rollenbildern hin und hergerissen… Von einer ungewöhnlichen Liebesbeziehung erzählt die Aufführung „Sylvia und Sybille“ (mit Leonie Hämer und Fanny Staffa) unter Regie von Daniela Löffner im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Beeindruckendes Ping-Pong der Gefühle

Emotionsreich voller leiser, lauter, komischer, trauriger, sinnlicher und berührender Szenen und Momente kam die Inszenierung „Sylvia und Sybille“ nach Christa Winsloe in einer Überschreibung von Daniela Löffner auf die Bühne im Kleinen Haus.

Zwei Frauennamen im Stücktitel sind selten im Theater. “Sylvia und Sybille“ nach Christa Winsloe erzählt in einer Überschreibung von Regisseurin Daniela Löffner eine ungewöhnliche und spannungsreiche Liebesgeschichte. Eine Mutter beginnt eine Affäre mit der Freundin ihres Sohnes. Sylvia ist 16, Sybille 46. Der große Altersunterschied und ihre, unkonventionelle, leidenschaftliche Beziehung verschärfen die Situation. Zur Entstehungszeit Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war das Stück ein Skandal. Wie gehen Familie und Gesellschaft heute mit derartigen Tabubrüchen und gleichgeschlechtlicher Liebe um? Fragt die Inszenierung die im Mitte Mai Premiere im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden hatte.

Die Zuschauer sitzen rings um die Bühne und können das Geschehen von allen Seiten betrachten. Die Darsteller spielen und schauen abwechselnd zu.
Zu Beginn sieht man einem jungen Paar beim Tischtennis zu. Minutenlang. Wenig aufregend. Bald fliegen wie beim Ping-Pong des Balls auch die Gefühle, Wut, Schmerz und unerfüllte Sehnsüchte, lange aufgestaut, heftig hin und her zwischen Erwachsenen und jungen Leuten. Nach und nach erfährt man aus ihren Wortwechseln oder mehr  –gefechten die familiären Bezüge, Hintergründe und erlebten Tragödien der einzelnen Figuren und wie sie zueinander stehen. Das Mädchen in den kurzen Hosen, Lilly (lebensfroh-selbstbewusst: Mina Pecik) und ihr Freund Henry, Bruder von Sylvia (Jakob Fließ) bekämpft seine Trauer um den Tod der Mutter mit Aggressivität gegenüber seinem Umfeld. Passt ihm etwas nicht, schlägt er wie verletzt wild um sich, wandelt sich Zärtlichkeit in Gewalt. Seine Schwester Sylvia (nach außen cool: Leonie Hämer) trägt nur dunkle Klamotten, fühlt sich von allen unverstanden und will nur ihre Ruhe.

Mit ihrem Vater (egozentrisch und wehleidig: Hans-Werner Leupelt) zofft sie sich ständig. Die harmoniesüchtige Hausfreundin Maike (Christine Hoppe) kann die Risse in der Familie nicht kitten. Erst lächelnd und dann zunehmend genervt wehrt Sylvia die Annäherungsversuche von Fritz (tragikomisch: Daniel Séjourné) ab, der erst naiv gutmütig im bunten Streifenpulli und dann als feurig romantischer, wutschnaubend verstoßener Liebhaber in weißem offenen Hemd und schwarzer Hose auftritt. Er malt ihr eine schöne Zukunft aus und will mit ihr irgendwohin, weit weg von allem, was dunkel und banal ist. Beim Abendessen bei Fritz zuhause lernt Sylvia Sybille kennen, einer verwitwete Modedesignerin, attraktiv und elegant in weißem Anzug (mal herb dandyhaft und gefühlvoll weiblich im lindgrünen Kleid: Fanny Staffa) kennen, die so ganz anders ist, ihr zuhört, ihren Schmerz versteht. Bei der sie endlich wieder aufblüht und ganz sie selbst sein kann.

Scheu, sinnlich, berührend und schmerzlich schön erlebt das Publikum gemeinsam mit Sylvia und Sybille hautnah alle Facetten ihrer Liebe mit allen Höhen und Tiefen, Widersprüchen, Lust und Verzweiflung, die an gesellschaftlichen Rollenbildern und Normen scheitert. Wunderschön die Szene, bei der Sylvia auf einem funkelnden Kronleuchter wie auf einer Schaukel übermütig schwingt und Sybille sie anschiebt, auffängt und aus ihrer Traurigkeit zurück ins Leben holt. Verlockend schwebende, weiße Tücher wandeln sich zu Seilen, Fesseln und schwarzes Klebeband spannt sich bis in die Zuschauerreihen einschneidend. Da suchen die jungen Leute Geborgenheit und Vergnügen, tanzen im Drogenrausch, aus Infusionsbeuteln inhallierend wie Patienten auf der Intensivstation und wird mit vorgehaltener Pistole knallhart gefragt: Wer bist du und wofür stehst du?!

In einfallsreichen und eindringlichen, lauten, leisen, schrillen, komischen und traurigen Szenen und großartig, packendem Spiel vor allem der beiden Hauptdarstellerinnen kam die Geschichte auf die Bühne. Reichlich Beifall gab es dafür vom Publikum.

Text (lv)

Letzte Vorstellung vor der Spielzeitpause: 30.6., 19.30 Uhr im Kleinen Haus.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Sommertheater: „Der Diener zweier Herren“ nach Carlo Goldoni im Innenhof des Japanischen Palais


Wettstreit der Leidenschaften… Komik und Dramatik nah beieinander… Wer ist Gewinner, wer Verlierer… Das wechselt ständig… aber alle fiebern gemeinsam mit, wenn Dynamo Dresden spielt… Hinreißend komödiantisches Sommertheater bietet die Inszenierung „Der Diener zweier Herren“ nach Carlo Goldoni vom Staatsschauspiel Dresden zurzeit im Innenhof des Japanischen Palais. Foto: Sebastian Hoppe

Das Leben als Glückslotterie

Um Liebe und Geschäft, Business und Moral, List, Lüge und echte Gefühle dreht sich alles in der rasant komischen Verkleidungs- und Verwechslungskomödie „Der Diener zweier Herren“ nach Carlo Goldoni in modernisierter Textfassung. Mit viel Witz, Streitlust, Dance-Hits der 90er Jahre und Lokalkolorit im Jahrmarktsbuden-Ambiente inszeniert, kam zweieinhalb Stunden deftig-direktes, pralles Sommertheater unter Regie von Rafael Sanchez auf die Bühne in dieser Inszenierung des Staatsschauspiels Dresden im Innenhof des Japanischen Palais. Höchst vergnüglich!

Als „Mr. Bombastic“ aus dem gleichnamigen Hit, mit cool-ergrautem Charme und zugleich geschäftstüchtiger Moralapostel namens Pantalone dei Bisognosi, der versucht seine Tochter Clarice unter die – möglichst vermögende – Haube zu bringen, zieht Ahmad Mesgarha alle Register. Besonders reizvoll, da die als „freche Göre“ genannte, aufmüpfige Tochter Clarice von der wie er schon reiferen Schauspielkollegin Anna-Katharina Muck verkörpert wird, die lebenslustig, temperamentvoll, kratzbürstig und leidenschaftlich dramatisch um ihren Liebsten Silvio (verzweifelt-komisch: Philipp Lux) kämpft. Mit dunkler Wuschelperücke, Lederjacke und lila Hose gibt er den südlichen Liebhaber als feurig eifersüchtigen, verwöhnten, eitlen und wehleidig-unverstandenen Trottel. Sein Vater Dottore Lombardi (cool-gelassen: Moritz Dürr) wirkt klein und zäh wie ein Fels in der Brandung, lässt alle Anfeindungen seines Widersachers Pantalone galant und spitzfindig zugleich abprallen und beide entlarven sich bei ihren Wortduellen gegenseitig. Für Verwirrung und Überraschungen sorgt die in Männerkleidern auftretende Beatrice (kess-selbstbewusst und kraftvoll: Ursula Hobmair), die ihren Geliebten Florindo (finster-verwegen: Thomas Eisen) sucht, der unter Verdacht steht, den Bruder Beatrices ermordet zu haben.

Da werden lustvoll genüsslich Mann-Frau-Geschlechterrollen durcheinander gewirbelt auf, vor und hinter der Jahrmarktsbuden-Kulisse. Da fliegt ein roter Herzballon hoch in die Lüfte, unaufhaltsam, unerreichbar. Und wird die Regenbogenfahre gehisst am Balkon vor dem barocken Gemäuer am Japanischen Palais. Da hagelt es Liebesschwüre, Flüche, Kose- und Schimpfworte, Küsse und Vorwürfe von allen Seiten. Da werden Briefe überbracht, heimlich geöffnet, gelesen und mit Kaugummi wieder zugeklebt. Mittendrin eilt Truffaldino (zwiespältig voller Ironie: Raiko Küster) als Diener zweier Herrn hin und her, anfangs naiv, unsicher, gestresst, bald immer gerissener, abgebrühter und dreister, um es allen recht zu machen. Er wechselt Kleidung und Haarmoden nach Belieben und angepasst an die Situation und Vorgesetzte. Mal fühlt er sich als Glückspilz mit gleich zwei Jobs, meint zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Doch immer in Eile und der Angst, aufzufliegen, verstrickt Truffaldino sich immer mehr in seine Lügengeschichten, gerät immer mehr in Bedrängnis bis das Lügengebäude zusammenbricht, platzt wie eine Seifenblase. Ihm zur Seite steht die ihn bewundernde und anhimmelnde, naiv-liebenswerte Smeraldina, die lässig auf einem Motorradroller hereinfährt (Betty Freudenberg). Schön wie die beiden sich näher kommen, mit hungrigem Magen sich die leckersten Speisen ausmalen und immer mehr Lust aufeinander bekommen.

Lakonischer Begleiter des turbulenten Geschehens, Zuhörer, Tröster und Lachender Dritter ist der Imbisshändler Brighella (voll südlicher Heiterkeit und Gelassenheit, mit zurückgekämmtem dunklem Haar und Bart sehr authentisch: Holger Hübner). Im zweiten Teil gewinnt die zweieinhalbstündige Aufführung noch an Tempo, Spannung und Intensität. Klangreich musikalisch begleitet von den in der Losbude sitzenden Musikern der Banda Communale. Zu erleben ist ein äußerst spielfreudiges Ensemble, jeder geht auf in seiner Rolle und zeigt was Geld, Liebe, Glück, Erfolg wert sind und was der Einzelne bereit ist dafür zu tun. Alles hat seinen Preis. Und als alle Maskerade fällt, finden sich am Schluss der Komödie doch noch glückliche Paare. Reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

Nächste Termine: 22.6. und 23.6., jeweils 20 Uhr. Letzte Vorstellung: 09.07., 19 Uhr

http://www.staatsschauspiel-dresden.de