Lesung mit dem Dichter Andreas Reimann im Landhaus Dresden

Verse aus einer anderen Zeit und eine Werkausgabe zu Lebzeiten

Der Dichter Andreas Reimann liest in der Reihe „Literarische Alphabete  – Lesungen im Landhaus“ am 9. Juni, 19.30 Uhr im Café im Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2.

Auch wer den Dichter Andreas Reimann nicht kennt, hat bestimmt schon Lieder von ihm gehört. Als Texter von Popgruppen, Liedermachern und Chansonsängern hielt der 1946 in Leipzig geborene Sohn eines Grafiker-Ehepaares sich in den späten 80er Jahren über Wasser. Für Lift und Stephan Krawczyk hat er unter anderem gedichtet. Sein heute hoch geschätztes Werk ist nicht zuletzt aus einer brüchigen Biografie erwachsen: als 1953 der Vater in den Westen ging, 1954 die Mutter sich das Leben nahm, kam er in einer Kinderheim, später wuchs er bei der Großmutter in Leipzig auf. Die weiteren Wegmarken: Schriftsetzerlehre, Literaturstudium, Exmatrikulation, zwei Jahre Haft wegen »staatsfeindlicher Hetze«. Nach seiner Entlassung 1970 Transportarbeiter, Brauereigehilfe, Lohnbuchhalter. Aber das sind nur die äußeren Fakten.
Zwei Gedichtbände durften von Andreas Reimann in der DDR erscheinen, dann durfte er bis 1989 nicht mehr veröffentlichen. Aber er schrieb trotzdem weiter über das Land, an dem er litt. Viele Bücher von ihm erschienen nach 1989, die Liste ist lang. Peter Geist schrieb über Reimanns Poesie: »Er weiß die Bennschen Wallungswerte in Klangmagie und harten Fügungen ebenso für sich zu nutzen wie die Möglichkeiten der Bildparadoxa. Der dialektische Sprachwitz Brechts scheint durch.«

Nun wird der Dichter mit einer Werkausgabe zu Lebzeiten geehrt, die ersten 5 Bände sind in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erschienen. Im Gespräch mit Patrick Beck gibt er Auskunft über sein Werk und liest Gedichte aus seinem umfangreichen Œuvre.

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes. Gefördert von der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur- und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden.

Mit besten Empfehlungen,
Jörg Scholz-Nollau

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The Rocky Horror Show im Amphitheater am Senftenberger See


Lüstling und Bürgerschreck mit Hahnekamm in Punkermanier: Frank`N`Furter, gespielt von Matthias Luckey, zieht alle Register in der „Rocky Horror Show“ von Richard O`Brien. Das Kultmusical kommt auch in einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen auf die Bühne  (Premiere: 12. Juni, 19.30 Uhr, Alter Schlachthof Dresden). Foto: Neue Bühne Senftenberg

Bizarr und brillant

Matthias Luckey ist als Gast der Frank’N’Furter in der Rocky Horror Show des Theaters Senftenberg.

Von Kathrin Krüger

Stolz und erhobenen Hauptes schreitet Frank’N’Furter über die kleine Bühne des Amphitheaters am Senftenberger See. Seine Haare in Punkermanier zum  Hahnenkamm hochgezogen, ein Korsett um die Brust mit Ringen in den Brustwarzen, ist Matthias Luckey ganz der King im Ring. Der in Dresden vom Staatsschauspiel her eher in ernsten Rollen bekannte Darsteller aus Berlin macht die „Rocky Horror Show“ zu seinem großen Auftritt. Und zu einem Fest für Augen und Ohren. Denn Richard O‘ Brians inzwischen fast 50 Jahre altes Musical kehrt zurück ans Theater Senftenberg. Auch die Landesbühnen Sachsen bringen das Kultstück aus diesem Anlass im Alten Schlachthof Dresden am 12. Juni zur Premiere. Die Senftenberger waren mit dem Start am 26. Mai noch schneller.

Die Rocky Horror Show ist eine freche, anzügliche und höchst amüsante Geschichte über ein biederes Pärchen in den 70ern, das durch eine Autopanne in ein Gruselschloss mit schaurig-aufreizenden Außerirdischen gerät. Frank’N’Furter ist ihr Anführer. Er lebt seine sexuellen Begierden hemmungslos aus. Und bald tun es auch Janet und Brad, das biedere, frisch verlobte Pärchen. The Rocky Horror Show wird in dieser Inszenierung zur maßlosen Übertreibung der Anti-Spießigkeit, die Matthias Luckey, weitere Gäste und das Ensemble des Theaters Senftenberg openair mit Genuss und gesanglicher Finesse zelebrieren. Die opulente Ausstattung von Mike Hahne, die Bandbegleitung unter Leitung von Benjamin Rietz und die Regie von Tilo Esche verhelfen dem Publikum zu einem ungemein amüsanten Abend. Stimmlich und darstellerisch geben die Mimen – auch die Männer samt und sonders in hochhackigen Schuhen – alles. Und die Zuschauer im Amphietheater machen natürlich mit. Stoffbeutel (Goodie Bag) werden am Eingang verkauft mit diversen Utensilien, die zur Show passen. Luftschlangen sollen nach Anweisung geblasen, Wasserpistolen abgespritzt oder Gummihandschuhe übergestreift werden. Ehrlich – für prüde Zeitgenossen ist das nichts. Doch Besucher wie Heike Weymann aus Großenhain sind begeistert: „Herrlich unanständig“, sagt sie. Und singt zum großen Finale mit demEnsemble mit: „Let’s do the time warp again“.

Vorstellungen noch bis 10. Juli immer donnerstags bis samstags um 19.30 Uhr, sonntags um 18.30 Uhr im Amphitheater Großkoschen.
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Ausstellung „Anregungen aus der Kunst für Wissenschaft und Forschung“ von Markus Johne in der Galerie mit Weitblick Radebeul


Ein Wolf nimmt Reißaus vor einer Industrielandschaft: Real und fantastisch zugleich wirken viele Bilder des Berliner Künstlers Markus Johne.,

Wilde Natur und das Leben zwischendrin

Fantastische, witzig-skurrile Malerei zeigt der Berliner Künstler Markus Johne derzeit in einer Ausstellung in der Galerie mit Weitblick Radebeul.

Ein Wolf nimmt Reißaus vor einer Industrielandschaft, er hat sich zweifellos verirrt. Schwalben kreisen auf den Dünen und durch die Nacht. Hirsche stehen im Wald tarnfarben. Eine Zitronenkatze streift umher und seltsame Gefährte bewegen sich durch ferne Gegenden. Fantastische, witzig-skurrile und poetische, farbenfrohe Malerei versammelt zurzeit die Ausstellung „Anregungen aus der Kunst für Wissenschaft und Forschung“ des Berliner Künstlers Markus Johne in der Galerie mit Weitblick, Obere Bergstraße 13 in Radebeul.

Der Ausstellungstitel klingt trocken sachlich, auch mit leiser Ironie und kontrastiert mit den farb- und formreichen Bildwelten. Heitere Farbtöne wechseln mit militärisch braun-grün gefleckten Farben in der Bilderserie „Hageltarn“ aus dem Jahr 2003. Da sieht man „Esel bei der Marslandung“ als Kosmonaut, „Esel als Falkner“ und „Spieler“ vor entsprechend gemusterter Tapete in Wohnräumen. „Tiere erleben sich über Menschen“, kommentiert Markus Johne. Er sah selbst schon Wölfe auf Brachflächen und ehemaligen Truppenübungsplätzen. Ein Wolf schleicht vor dem Braunkohlekraftwerk Boxberg mit rauchenden Schloten, kargem Boden und ein paar kleinen Kiefern vorbei auf dem Titelbild der Ausstellung. Verdutzt und aufmerksam schaut er den Betrachter an. Der Wolf steht für die Härte und den Überlebenskampf der Natur und ihrer Geschöpfe, aber auch für das Wilde, Freie.

Um Technik und Industrie, die von Menschen angelegt sind, wilde Natur und das Leben zwischendrin geht es auf den oft großformatigen Leinwänden von Markus Johne. Außerdem zeigt er faszinierende, wundersame Landschaften und fantasievolle Erfindungen, zu denen ihn seine Reisen anregten. Er hat einen ganz eigenen Malstil entwickelt, mal zeichenhaft-abstrahiert, surreal, verspielt-versponnen und konkret, bewegen sich Figuren mit wunderlichen Transportmitteln wie Lastenrädern durch die Wüste, begleitet von seltenen Tieren. Da begegnen einem Beduinen beim Reisig sammeln im Westjordanland, ein Fuchs auf kleiner Wüstenfahrt, schwirren Sandflöhe, Tausendfüßler, ein Skorpion und ein Steppenschakal und mustern die Reisenden. Da zeigt er seine Visionen vom Leben im Weltraum im Ölbild „Gravitationsrakete“ und in der Bilderserie „Kriegerphylogenese“ in rostigen und metallenen Farben abstrahierte Figuren mit Keule, Rüstung und einen Samurai. Und was kommt als nächstes?

Die Bilder von Markus Johne laden zum Schmunzeln ebenso wie zum Nachdenken über unsere bewegt-wandlungsreiche Gegenwart ein. Markus Johne wurde 1964 in Hoyerswerda/Lausitz geboren. Er hat Physik in Jena und Leipzig studiert von 1984 bis `89, war als Choreograph für Festveranstaltungen tätig von 1991 bis `96 und wohnt und arbeitet seit 1997 als freischaffender Maler in Berlin. Der Kunst ist Markus Johne schon lange verbunden, seine Mutter war viele Jahre Galeristin in Brandenburg und dadurch entdeckte Dorothee Kuhbandner auch seine witzig-einfallsreichen Arbeiten. Die Ausstellung wurde bis 7. August verlängert in der Galerie mit Weitblick. Im Rahmen der 18. „Kunst offen: in Sachsen“ kann diese während der Pfingsttage am 4., 5. und 6. Juni jeweils von 10 bis 18 Uhr besucht werden.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa und So von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

www.doro-malerei.de
http://www.markus-johne.de

Kunst: offen in Sachsen – Ausstellung „Sinnbilder“ von Ekkehard Schneider im Orthschen Gut Quohren


Selbstporträt von Ekkehard Schneider
Leidenschaft für Steindruck: Ekkehard Schneider druckt seine eigenen Graphiken. Foto: Christoph Reime

„Der mit den Steinen druckt –
und noch ein bisschen mehr“

Der Kreischaer Künstler Ekkehard Schneider zeigt in seiner Ausstellung „Sinnbilder“ Gemälde, Lithographien und Marmorplastik im Orthschen Gut Quohren im Rahmen von „Kunst: offen in Sachsen“.

Über einer kargen, hügeligen Landschaft, mit ein paar verstreuten Krähen auf Stoppelfeldern, pulsiert helles Sonnenlicht im Titelbild zur Ausstellung
“Sinnbilder“ von Ekkehard Schneider. Er ist Künstler und Drucker in einer Person und mit seinen 80 Jahren immer noch aktiv. Innerhalb der Aktion  “Kunst: offen in Sachsen“ zeigt er an den drei Pfingsttagen (4. bis 6. Juni, jeweils 10 bis 18 Uhr) Gemaltes, Gezeichnetes, Gedrucktes und Gehauenes im Orthschen Gut in Quohren, Talstraße 40. Dann werden traditionell wieder viele Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers und Werkstätten für Besucher öffnen, um hautnah Kunstwerke und ihre Entstehung zu sehen und zu erwerben. Ekkehard Schneider zeigt Gemälde, Lithographien und Marmorplastik. Landschaften, Stillleben und Figürliches als Sinnbilder der Natur und des Lebens.

Auf einer in Grautönen gehaltenen Grafik leuchten grüner Spargel auf dem Teller und rote Kartoffeln neben einer Weinflasche und Glas. Ein Selbstporträt zeigt in sonnig impressionistischen Farben den Künstler mit hellem Hut, Bart und Pfeife in blauem Pullover. Sen bestes Stück, seine Steindruckpresse samt daliegendem Grafikblatt, hat er natürlich auch in einer Lithographie festgehalten. Bilder begleiten Ekkehard Schneider schon sein Leben lang. Anregungen dafür bekam er während seiner Lithographenlehre und seiner langjährigen Tätigkeit als Kunsterzieher. Seit 17 Jahren ist er in Rente und widmet sich nun ganz seinem künstlerischen Schaffen. Auf seinem Grundstück in Lunkwitz, einem Ortsteil von Kreischa, befindet sich auch sein Atelier nah am Waldrand. Hier steht eine große, alte Steindruckpresse aus dem 19. Jahrhundert, erzählt Schneider stolz, eine Rarität.

Ganz in der Tradition Alois Senefelders, der dieses Flachdruckverfahren 1796 erfand, druckt Ekkehard Schneider seine eigene Graphik. Er lud auch schon zum lithographischen Schaudrucken Besucher in sein Atelier ein im Rahmen von „Kunst: offen in Sachsen“. Steindruck ist selten heutzutage. Ekkehard Schneider pflegt die lithographischen Techniken und sorgt dafür, dass diese Kunst erhalten bleibt. „Solides Handwerk, Leidenschaft, Frische und Unmittelbarkeit im Ausdruck sowie Wahrhaftigkeit“, nennt er als Ansprüche an sich selbst. Immer wieder aufs Neue greift Schneider zu Pinsel und Malspachtel, zu Zeichenstift, Kreide und Feder, zu Spitzeisen und Fäustel für neue Sinnbilder und sucht nach neuen Wegen des Ausdrucks: „Ich freue mich auf kunstfreudiges Publikum, das sich in lockerer Atmosphäre umschauen und Zwiesprache halten möchte mit dem Künstler, anderen Besuchern, aber vor allem mit sich selbst.“ Auch ein TV-Beitrag vom MDR zu seinem Schaffen ist in der Ausstellung zu sehen.

Text (lv)
Fotos (3): Ekkehard Schneider

Verlockende Vielfalt & besondere Spielorte: 10. Freitaler Kultur(All)Tage


Aus dem kalten Reich der Schneekönigin geht`s mitten ins neu erblühte Kulturleben bei den diesjährigen Kultur(All)Tagen ab 1. Juni in Freital. Einen ganzen Monat lang! Foto: Thomas Morgenroth


Vielerlei Erlebnisse locken an ungewöhnlichen Spielorten: Mit dabei Lydia Weber-Scholz vom Soziokultur Freital e.V., Gestalterin des Kultur(All)Tage-Plakats und passionierte Musikerin und Heiko Eisold, der sein Versicherungs-Büro für eine Ausstellung mit Papierkunst zur  Verfügung stellt. Foto: Marcel Stimpel/Lifeart

Es schneit im Sommer!

Bunt, originell und reichhaltig ist das Programm der 10. Freitaler Kultur(All)tage, die am 1. Juni starten mit über 70 Veranstaltungen an 40 Spielorten.

Gleich zu Beginn taucht unerwartet eine Dame in weißem Pelz mit eisigem Lächeln auf. Das Stück „Die Schneekönigin“ nach Hans Christian Andersen passt auch gut in diese turbulente Zeit. Nach langer Winterruhe, allen Widrigkeiten trotzend, taut auch das Kulturleben jetzt endlich wieder auf und erblüht neu und reichhaltig. Das Theaterstück für die ganze Familie, das die Spielbühne Freital aufführt, eröffnet die bereits 10. Kultur(All)Tage in der Stadt am 1. Juni und ist noch einige Male zu sehen. Da entführt die Schneekönigin den Jungen Kay in ihr kaltes Reich und wirbelt alles durcheinander, bis ihn seine Schwester Gerda auf einer Reise voller Abenteuer findet und befreit. „Es wird spannend, es schneit im Sommer !“, sagt Uwe Jonas schmunzelnd. Die Flocken werden auf die Besucher herab rieseln aus einer Schneemaschine am Eingang der Spielstätte auf der Lutherstraße 33a und natürlich gibt es auch Eis zum Genießen. Uwe Jonas ist Leiter des Soziokulturellen Zentrums Lifeart und Organisator der Kultur(All)Tage, die seit 2016 vom Trägerverein Soziokultur Freital e.V. veranstaltet werden. Vor zehn Jahren wurde das Kulturfest von der Stadt Freital ins Leben gerufen und später samt Budget in die Hände des Vereins gegeben.

„Wir möchten auch Unternehmen und Einrichtungen ermutigen, ihre Räume für Kultur bereitzustellen und ein breites Publikum ansprechen“, so Jonas. Es lockt wieder ein vielseitiges Programm mit Ausstellungen, Theater, Musik, Lesungen, Workshops, Spiel- und Kreativangeboten, das Laien, Künstler und Kulturschaffende aus der Region gestalten. Über 70 Veranstaltungen an 40 Spielorten werden den ganzen Monat Juni in Freital geboten. Darunter Kunst im Frisörsalon Bienenhof, wo die Ausstellung „Arte de Pli“ von Paula Plischke zu sehen ist. Die gelernte Chemielaborantin und  leidenschaftliche Künstlerin zeigt Landschaften, aber auch Menschen und deren Mimik und Aktbilder in Öl- und Acrylfarben (vom 1. bis 24.6.). Eine Vernissage mit „Papier in Form und Farbe“, bei der auch atemberaubende Papierkleider von Angelika Schulze zu sehen sind, findet in den Räumen der Versicherung Huk-Coburg am 8. Juni, 17 Uhr statt. Einen originellen Rückblick auf „Schattenwirtschaft und Freitaler Industriegeschichte“ bietet eine „Mustermesse“ der 1 000 kleinen Dinge, die in Zeiten des Mangels halfen, aus der Not eine Tugend zu machen. Zu sehen sind sie in der F1-Galerie des Soziokulturellen Zentrums Lifeart in der Dresdner Straße 172a. Ein Highlight ist das Kinderfest auf Schloss Burgk mit Zauberei, Tanz, Theater, Mitmachaktionen und Carli-Sonderfahrten mit der Windbergbahn am 6.6., von 11 bis 17 Uhr. Außerdem gibt es ein Parkplatzfest am Rewe-Markt mit Bühne und Händlerständen und das Stadtteilfest „Kunst im Hof“ mit vielen kreativen Aktionen entlang der Lange Straße am 18.6., von 14 bis 21 Uhr in Freital-Deuben.

Dieses Jahr sind es etwas weniger Spielorte als vor Corona bei den „Kultur(All)tagen. 2019 fanden fast 100 Veranstaltungen statt. „Doch auch während der Corona-Krise gab es Veranstaltungen im digitalen Format, im Livestream oder aufgezeichnet im Internet zu sehen“, so Jonas. Mit dem Budget für die Kultur(All)tage in Höhe von 22 000 Euro, die gefördert werden durch die Stadt Freital, die Kulturstiftung Sachsen, die Stiftung der Ostsächsischen Sparkasse und den Kulturraum Landkreis Meißen – Sächsische Schweiz und unterstützt von Sponsoren, werden die Ausgaben für Werbung, Ausstattung und Versicherungen für die Veranstaltungen gerade so abgedeckt. „Die Druckkosten sind jedoch dieses Jahr sehr gestiegen um 50 Prozent, so kosteten uns die
30 000 Programmhefte über 5 000 Euro“, so Jonas. Daher sei nun verstärkt Einzelwerbung mit Plakaten und Flyern gefragt. Die meisten Veranstaltungen der Kultur(all)tage sind eintrittfrei. Uwe Jonas schaut sich fast alle selbst an. „Schon um zu wissen, wie sie ankommen bei den Besuchern. Es ist für jeden, von jung bis alt, etwas dabei und zu entdecken entlang der Dresdner Straße und in Hinterhöfen.“

Text (lv)

Das vollständige Programm der Kultur(all)tage steht unter http://www.lifeart-tv.de

Ausstelllungseröffnung „Labyrinthversuche“ von Anna Kasten im Kunstverein Meißen

Auf verschlungenen Wegen

Im Rahmen des diesjährigen, vom Kunstverein ausgeschriebenen Residenzstipendiums realisierte Anna Myga Kasten in den vergangenen Wochen ihr eingereichtes Vorhaben und verwirklichte eine begehbare, raumfüllende Installation in Form eines Labyrinths aus Papier. Zur Eröffnung der Ausstellung am 28. Mai um 17 Uhr laden wir Sie recht herzlich ein.

Text: Maren Marzilger, Geschäftsführerin Kunstverein Meißen e.V.

Kunstverein Meißen e.V. · Burgstraße 2 · 01662 Meißen
Tel./Fax: 03521 476650 · kontakt@kunstverein-meissen.de · www.kunstverein-meissen.de ·

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 12–18 Uhr. Eintritt frei.

„Mut schöpfen“: Kurzgeschichte & Dialog-Szene „Wenn aus Liebe Gewalt wird“

Nach der Erzählung “Katrin“ von Angelika Mechtel

– Kurzgeschichte aus der Sicht eines objektiven Erzählers (Nachbarin) von Lilli Vostry

In letzter Zeit sah ich sie seltener. Wir wohnen im selben Haus, kennen uns vom Sehen. Mal ein kurzer Schwatz im Treppenhaus, Paketsendungen entgegennehmen gegenseitig und die Blumen gießen, wenn die Bewohner im Urlaub waren. Ihren Vornamen Katrin weiß ich nur, da ihr Mann sie manchmal laut rief. Einige Male stritten sie heftig, Türen knallten, die Kinder weinten. In letzter Zeit war es merkwürdig ruhig bei ihnen. Eines Tages, ich kam gerade vom Einkaufen, stand ein Notarztwagen mit Blaulicht vor unserem Haus. Ich bin erschrocken und dachte seltsamerweise gleich an sie. Befürchtete das Schlimmste und machte mir Vorwürfe, dass ich sie nicht von mir aus einmal angesprochen hatte und fragte, ob sie Hilfe brauche. Doch nun war es wohl zu spät.

Als ich an dem Krankenwagen vorbeiging, stand die Tür offen und ich sah eine Trage, auf der Katrin lag. Ihr Mann war bei ihr mit besorgter Miene und ein Arzt. Etwas war mit ihrem Arm. Und sie hatte die Augen geschlossen. Still und bedrückt ging ich weiter, ins Haus. Die Sache ließ mir keine Ruhe. Was war geschehen?! Hatte sie sich verletzt, war sie gestürzt oder hatte er ihr Gewalt angetan?! Er war von großer, kräftiger Gestalt, energiegeladen, grüßte stets freundlich und hielt Frauen höflich die Tür auf. Half auch mal bei kleineren Reparaturen im Haus. Sie war klein, zierlich, ruhig sanfte Ausstrahlung. Ich hörte ihren Mann oft hastig die Treppe hinunter eilen, wie getrieben aus dem Haus gehen. Versuchte mich an Details zu erinnern, die Hinweise auf das nun offensichtliche Unglück geben könnten.

Nach außen waren sie eine ganz normale Familie. Ein Ehepaar in mittlerem Alter mit Kindern. Sie war zu Hause, kümmerte sich um den Haushalt und versorgte die Kinder, wenn sie aus dem Kindergarten und der Schule kamen und kochte das Essen. Er ging morgens zur Arbeit und kam abends wieder. Ich hörte, wenn ihr Baby schrie und wenn der Mann sich darüber aufregte. Wenn sie es nicht gleich beruhigen konnte. Er hatte oft Wutanfälle, die er an seiner Frau ausließ. Noch mehr, als er arbeitslos wurde. Manchmal, wenn er nicht zu Hause war, hörte ich sie weinen. Sie tat mir leid und ich überlegte jedes Mal bei ihr zu klingeln. Ließ es aber dann doch, aus Scheu und Unsicherheit, in ihre Privatsphäre einzudringen und zu erkennen zu geben, dass jemand merkte, dass sie weinte und litt. Vielleicht wollte sie auch alleine sein damit, vielleicht halfen ihr die Tränen auch in dem Moment. Weinen hat auch etwas Tröstliches, von Schmerz Befreiendes.

Dass sie Tabletten schluckte gegen Kopfschmerzen, Tabletten gegen Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen behandeln ließ und Blutarmut, erfuhr ich erst später. Auch wie das Blatt ihrer Ehe sich wendete. Sie ging in die Verweigerung, sprach kein Wort mehr mit ihm. Wurde wütend, wenn er wütend war. Irgendwann kapitulierte sie, hat sich die Pulsadern aufgeschnitten, aber sie wollte nicht sterben! Sie konnte selbst nicht begreifen, was sie tat, sagte sie hinterher. Sie hat es zugelassen, dass ihr Mann ihr den Arm abband, dass er für den Hausarzt einen Unfall erfand. Was sollte sie ihm auch sagen?!

Dass sie eigentlich vor ihrer Ehe und ihrem Mann fliehen wollte, sie weder gehen noch bleiben konnte. Er nichts kapierte. Alles zur Wehr setzen nichts half. Sie derart verletzt war innerlich von ihm, dass sie sich selbst verletzte. Es war ein Hilfeschrei! Er war entsetzt, es tat ihm leid. Das hatte er nicht kommen sehen. Sie hatte ihm ja nie gesagt, was mit ihr los war und wie es in ihr aussah. Sie konnten beide nicht über ihre Gefühle sprechen. Die Wut war sein Ventil, sie tat es ihm gleich. Doch die Wut verrauchte. Dann blieben nur noch das Schweigen, die Sprachlosigkeit, der Suizidversuch. Aus Verzweiflung. Sie wusste nicht mehr weiter. In ihrer größten Not stand ihr Mann ihr bei. Und machte das Unglück etwas kleiner. Indem er einen Unfall erfand. Sie haben es überstanden.

Katrin hatte gehofft, dass einer fragen würde. Was geschehen war. Sie hat sich selbst gefragt. Ich habe ihr zugehört. Sie saß im Park auf einer Bank, schaute versunken vor sich hin, und ich habe mich zu ihr gesetzt. Schließlich wohnen wir im selben Haus.

*

Szene: Versuchter Suizid von Katrin und Besuch des Ehemanns im Krankenhaus
(von Lilli Vostry)

Zur Kurzgeschichte „Katrin“ von Angelika Mechtel

Ehemann (stellt einen Blumenstrauß auf den Tisch, setzt sich ans Krankenbett und sagt leise): Hallo, Katrin! Wie geht es dir? Hast Du mir einen Schrecken eingejagt… Warum nur?!
Katrin (liegt im Bett im Krankenhauszimmer und sieht ihn eine Weile schweigend und fragend an.): Warum bist du hier?!
Ehemann: (verwundert): Weißt du denn nicht mehr, was passiert ist?
Katrin: Nein.
Ehemann (nach Fassung ringend): Das kann nicht sein! Du warst sicher nicht bei Sinnen. Du wolltest nicht, was du getan hast… Doch du hast es getan.
Katrin: Was habe ich denn getan?
Ehemann (ruhig): Du hast dir die Pulsadern aufgeschnitten… dir versucht, das
Leben zu nehmen. Ich hab dich in letzter Minute im Bad liegend fast ohnmächtig gefunden! Alles war voller Blut! Ich konnte gerade noch den Notarzt alarmieren.
Katrin (sieht ihn stumm an und sagt leise): Das habe ich getan. Ich wusste nicht mehr weiter. Ging wohl alles schief…
Ehemann (irritiert): Das verstehe ich nicht. Warum hast Du nichts gesagt, vorher?! Was ging denn schief…
Katrin (lacht bitter): Na alles. Du kapierst es einfach nicht! Egal was geschieht. Wie kann man nur so blind sein?!
Ehemann: Ach ja, dann sag mir bitte jetzt, was los ist.
Katrin: Warum hast du mich nicht einfach da liegen lassen?!
Ehemann: Das ist nicht dein Ernst?! Sollte ich etwa zusehen, wie du verblutest?!
Katrin: Warum nicht?! Es war dir doch vorher auch egal, wie es mir geht.
Ehemann: Glaubst du das wirklich?!
Katrin (sieht ihn schweigend einige Minuten an): Es geht mir nicht gut. Schon lange nicht. Ich wollte das alles nicht.
Ehemann (greift nach ihrer Hand und streichelt darüber): Das tut mir leid! Ich wollte immer, dass es Dir und den Kindern und uns gut geht. Wie konnte es nur so weit kommen?!
Katrin (zieht ihre Hand zurück): Hast du dich überhaupt mal gefragt, wie es mir geht in der ganzen Zeit?! Warum ich zuletzt kein Wort mehr mit dir gesprochen habe?
Ehemann (sieht sie unsicher an): Ich nahm an, es geht dir gut. Nicht alle Tage sind gleich, das ist normal. Du hast dich selten beschwert. Hast dich um die Kinder, den Haushalt, die Wohnung, um alles sorgfältig gekümmert. Mich gefragt, wie es mit der Arbeit läuft und wie es mir sonst geht. Ich wusste nicht, dass du dich so allein gefühlt hast. Vielleicht brauchst du einfach mehr Zeit für Dich und Ruhe, habe ich zuletzt gedacht.
Katrin: Ja, genau! Ruhe von Dir, den Kindern, von allem, brauchte ich.
Da blieb mir nur noch, die Pulsadern aufschneiden…
Ehemann (ernst): War es wirklich so schlimm?!
Katrin: Ja, war es.
Ehemann: Hast du noch Schmerzen?
Katrin: Es geht so.
Ehemann: Du bist wirklich sehr stark! Ohne dich wäre ich nicht dort, wo ich heute stehe. Immer warst du für mich und die Kinder da. Ich hab mich wohl so daran gewöhnt, dass ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen konnte. Dass ich tatsächlich dich übersehen habe, dass du auch Zeit für dich selbst brauchst.
Katrin: Oh ja, stark sein! So stark und robust, bis man gar nicht mehr merkt, wie schwach man eigentlich ist, innen leer, ausgebrannt… Ohne eigene Wünsche und Ziele. Unempfindsam und unehrlich sich selbst und anderen gegenüber.
Ehemann (kleinlaut): Wir haben uns gegenseitig belogen und etwas vorgemacht.
Katrin: Ja, das haben wir.
Ehemann: War unsere Liebe, unsere Ehe also auch eine Lüge, ein Fehler, ein Irrtum?!
Katrin (sieht ihn stumm und aufmerksam an): Die Liebe nicht, aber die Ehe und so schnell Kinder bekommen zu haben, war ein Fehler von meiner Seite im Nachhinein. Ich habe d e i n e Kinder geboren! Weil du welche haben wolltest. Mich hast du nie nach meinem Kinderwunsch gefragt!
Ehemann (traurig, überrascht): Das ist hart zu hören. Ich hab dich vom ersten Moment an so geliebt, dass ich mit dir unbedingt auch Kinder, eine Familie haben wollte. Ich fühle mich bei dir wohl und geborgen. Du hast ein weiches, warmes Herz. Kennst meine Träume und meine Sorgen. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, du wolltest keine Kinder!
Katrin: Ja, ich bin eine Frau und Frauen können Kinder bekommen. Doch es ging mir damals alles zu schnell mit dem Kinderkriegen. Ich habe mir gut zugeredet, ich wollte glücklich sein. Daher ließ ich mich darauf ein, auch auf unsere Ehe. Hab die Kinder bekommen, dich zur Arbeit geschickt und das Essen gekocht. Ich habe von deiner Mutter gelernt, wie du gewohnt warst zu leben und was du am liebsten isst. Ich habe mich darauf eingestellt. Meine eigene berufliche und persönliche Entwicklung blieb völlig auf der Strecke. Ich habe zu viel einfach hingenommen. Sogar deine Wut und deine Schläge!
Ehemann: Ich kenne es nicht anders aus meiner Familie. Dass die Frau für den Mann und die Kinder sorgt. Es war mir nicht klar, dass du in der Hinsicht manches anders siehst, Familie und arbeiten gehen wolltest, eigenes Geld verdienen. Es war mir auch nicht klar, dass du Angst vor mir hattest! Ich hatte doch selbst solche große Angst, dass ich es nicht schaffe alles, im Beruf und als Ehemann und Vater! Du hast mich geweckt, wenn ich nachts in Träumen schrie und gesagt, du seiest es. Es hat mich getröstet, auch wenn ich wusste, dass es nicht stimmt. Ich wusste nicht, wie ich mit dir über meine Ängste reden soll!
Über den Stress, den Konkurrenzdruck auf Arbeit, meine Versagensängste auch bei dir… Ich war oft wütend auf das alles und da ist mir manchmal die Hand ausgerutscht. Das schaukelte sich auch gegenseitig hoch, meine und deine Wut und Ratlosigkeit. Es tut mir verdammt noch mal leid im Nachhinein!
Katrin: Ja, ich wollte auch mein eigenes Leben, nicht nur für die Familie leben.
Ich habe die Fehler bei mir gesucht, versucht verständig und nachsichtig zu sein.
Ich habe dir Mut zugesprochen, dich getröstet und war glücklich, wenn du mich in deinen Armen begrubst, wenn du freundlich warst. Ich habe gelernt mit deinen Ängsten zu leben. Doch mit deinem Jähzorn konnte ich nicht umgehen.
Mich hat keiner getröstet, keiner Mut zugesprochen, wenn ich traurig, hilflos war, Depressionen bekam. Ich habe mir einen sanften Mann gewünscht, der auch mein großer Bruder sein könnte. Davon hab ich dir nie etwas gesagt. Ich habe in geschlossenen Räumen geweint. Habe mir gesagt, dass die täglichen Niederlagen nichts sind gegen meine Zuneigung.

Ehemann: Diese verdammte Angst… richtet alles zugrunde. Gibt es überhaupt etwas, wovor du oder ich keine Angst haben?! Was machen wir nun?
Katrin (setzt sich im Bett auf): Ich habe keine Angst mehr vor der Wahrheit, zu sagen, wie es ist für mich. Ich lasse nicht mehr zu, dass mich einer verletzt. Ich habe Schreibmaschine gelernt und Stenografie und eine Arbeit angenommen. Nicht nur des Geldes wegen. Ich habe Selbstvertrauen dadurch auch gewonnen.
Ehemann: Meine größte Angst war, als ich dich dort im Bad liegen sah und dachte, du würdest es nicht überleben. Das könnte ich mir mein Leben lang nicht verzeihen! Du hast zugelassen, dass ich dir den Arm abband und für den Hausarzt einen Unfall erfand. Wir haben uns beiden das Leben gerettet.
Katrin: Wir haben es überstanden. Ich kann kaum glauben, was du mir da sagst. Es fühlt sich an wie ein Traum. Aus dem ich jeden Moment erwache und dann geht alles wieder von vorn los! Du sitzt vor mir, siehst mich an und es kommt mir vor, als hätten wir uns noch nie gesehen. Und mein Leben beginnt ganz neu in diesem Moment.

Aktion „Mut schöpfen“: Wasser als Lebenselixier & Alle sollen gewaltfrei leben können


Mut schöpfen am Brunnen vis a vis mit den Badenden (im Foto von li nach re): die Freitaler Gleichstellungsbeauftragte Jona Hildebrandt, Katrin Hollube, Projektleiterin im Familienzentrum „Regenbogen“ und Teresa Schubert, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Sächsische Schweiz – Osterzgebirge luden zu der Aktion ein, um ein Zeichen gegen Gewalt jeglicher Art zu setzen.


Wasser als Lebens- und Kraftquell & Jedes Mal, wenn du dich aufrichtig freust, schöpfst du Nahrung für den Geist, lautet einer der Mutmach-Sprüche. Eine schöne, bestärkende Aktion, findet meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry. Und auch die Sonne strahlte aus den zunächst dunklen Wolken hervor.

Mut schöpfen für ein lebendiges Miteinander

Mit der erfrischenden Aktion an einem Springbrunnen setzten Besucher und Initiatorinnen ein Zeichen gegen Gewalt und stellten Hilfsangebote vor.

Aus dem Brunnen schauen, vom Wasser umspült, die Gesichter der „Badenden“. Davor stehen viele fröhlichbunte, mit Blumen, Bäumen, Herzen und Schmetterlingen bemalte, Tassen. Mit den Gefäßen konnte, wer gerade vorbeikam, Wasser und symbolisch Mut schöpfen. Wasser als Lebenselixier, das erfrischt, reinigt und die Sinne neu belebt. „Alle sollen gewaltfrei leben können“, unter diesem Motto lud am Dienstagnachmittag das „Regenbogen“ Familienzentrum e.V. gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und der Stadt Freital zur Aktion „Mut schöpfen“ ein.

Zwei Stunden lang war dazu Gelegenheit vor dem Brunnen „Die Badenden“ (neben der Sparkasse in Freital-Potschappel), den der Künstler Peter Fritzsche gestaltet hat. Es waren Gesprächspartnerinnen vor Ort, um mit Besuchern in Kontakt zu kommen, Hilfsangebote für betroffene Menschen vorzustellen und gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt jeglicher Art zu setzen. Die Aktion „Mut schöpfen“ fand innerhalb einer bundesweiten Initiative der Mehrgenerationenhäuser statt, zu denen auch das Familienzentrum „Regenbogen“ gehört. Gefördert wird diese im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ und aus Mitteln des Freistaates Sachsen. „Eigentlich findet der Tag gegen häusliche Gewalt immer im November statt, an dem wir Kerzen anzünden und auf die Thematik aufmerksam machen. Doch das ging letztes Jahr coronabedingt nicht und wurde nun nachgeholt“, sagt Teresa Schubert, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. „Außerdem möchten wir auch Menschen ansprechen, die aus Kriegsgebieten herkommen.“

Gewalt hat viele Gesichter. Mal offen, aggressiv, mal versteckt, körperlich und seelisch verletzend, gibt es sie im häuslichen Umfeld, in der Schule ebenso wie im Weltgeschehen. Aber auch ungeplante Einschränkungen und Veränderungen im Leben können schmerzhaft sein und wollen bewältigt werden. Die betroffenen Menschen sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. Auf den Stehtischen vor dem Brunnen liegen Blätter mit Mutmach-Sprüchen zum Mitnehmen wie „Zu allem Großen ist der erste Schritt der Mut“, „Probleme sind Gelegenheiten zu zeigen, was man kann“ und „Vertrauen ist die stillste Form von Mut“ und außerdem weiße Steine, die man selber beschriften kann mit bestärkenden Worten. Die Resonanz ist zunächst verhalten.

„Häusliche Gewalt ist immer noch ein Tabuthema in der Öffentlichkeit, mit dem man nichts zu tun haben will“, weiß Jona Hildebrandt, die Freitaler Gleichstellungsbeauftragte. „Die Gewalt findet im Verborgenen statt. Man muss erst mal den Mut finden, sich zu outen. Es ist auch nicht einfach, wenn man ein Leben zusammen aufgebaut hat, man verheiratet ist, Kinder hat und vielleicht noch ein Haus zusammen.“ Aktuelle Zahlen zu Betroffenen von häuslicher Gewalt liegen ihr zurzeit keine vor und die Polizei erfasst auch nur die Fälle, die zur Anzeige kommen. Es finde überwiegend Gewalt von Männern gegen Frauen statt. Doch es gebe auch umgekehrt Gewalt gegen Männer. „Manchmal braucht es schon Mut, früh aufzustehen oder wenn Jugendliche eine Lehrstelle suchen“, so Jona Hildebrandt. „In der Corona-Zeit herrschte viel Vereinzelung, soziale Isolation. Das läuft jetzt erst wieder an, dass Menschen wieder rausgehen und zusammenkommen.“

Einige Passanten bleiben stehen und informieren sich über die Mut-schöpf-Aktion. Eine Frau im roten Kleid und dunklem Haar will mehr darüber erfahren. Die Initiatorinnen erzählen und geben Flyer und Notfallkarten mit allen Hilfs- und Beratungsstellen und Telefonnummern mit. „Täglich kommen bis zu 70 Menschen, die bei uns ein- und ausgehen, das ist viel“, sagt Katrin Hollube, Projektleiterin im Familienzentrum „Regenbogen“ auf der Poststraße 13 in Freital. Immer montags öffnet hier das Familiencafé von 14 bis 18 Uhr zum Ankommen, Reden, Spielen und Wohlfühlen. „Wir haben auch einen offenen Eltern-Kind-Treff, wo die Kinder spielen und die Eltern auch mal für sich zur Ruhe kommen und mit anderen austauschen können“, erzählt sie.

„In letzter Zeit kommen oft ukrainische Familien, um Anschluss und Orientierung zu finden.“ Sowohl Hilfesuchende als auch Menschen, die helfen wollen, finden hier „Raum zum Wachsen“, so lautet das Motto im Familienzentrum „Regenbogen“. „Wir sind keine Beratungsstelle für Opfer von häuslicher Gewalt, aber wir haben gute Kontakte und vermitteln auf Wunsch zu Fachkräften in den zwei Familienberatungsstellen, der Awo in Deuben und der Diakonie in Potschappel“, so Katrin Hollube. Es gibt ein Frauenschutzhaus mit acht Plätzen in Pirna, wo vor Gewalt fliehende Frauen und Kinder vorübergehend wohnen können und eine Männerschutz-Wohnung. Eine Außenstelle der dortigen Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt sei in Freital noch im Aufbau, so die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Teresa Schubert. Der nächste Aktionstag gegen häusliche Gewalt findet am 25. November statt, wieder mit einer Kerzen-Aktion und einem orange angestrahlten Haus, das zugleicht Licht und Hoffnung aussendet.

Text + Fotos (lv)

http://www.regenbogen-freital.de

Nummer gegen Kummer für junge Leute: 116 111*
(Notrufnummern sind in Deutschland generell kostenfrei.); Erreichbar: Mo – Sa 14 – 20 Uhr; Mo, Mi, Do 10 – 12 Uhr

Hilfe bei Gewalt zu Hause: 03501/5764 988
Helpmail in Krisen: u25-dresden.de


Sprudelnde Lebensfreude: Brunnen vor dem Bahnhof Freital-Potschappel

BilderAlbum: Zeitreise zum 150 +2-jährigen Eisenbahnjubiläum der Strecke Cottbus – Großenhain


Schön in Schale geworfen: Als Reisende aus dem Bürgertum anno 1870 wandelten Darsteller der Spielbühne Großenhain zum 150 + 2 (coronabedingt)jährigen Eisenbahnjubiläum am Sonnabend rings um das schmucke Bahnhofsgebäude und begrüßten die Reisenden der modernen Zeit.

Reisen im Zug der Zeit

Der Zug von Dresden fuhr 150 + 2 Jahre zurück… Zum Eisenbahnjubiläum der Strecke Cottbus – Großenhain an diesem Wochenende. Am Bahnhof Großenhain empfingen gestern bei Bilderbuchwetter historisch kostümierte Damen und Herren die Reisenden, wandelten umher und drehten eine Runde im Stadtpark mit der K- und K-Kleinbahn und winkten den Spaziergängern huldvoll zu. Kurzer Halt. Gruppenfoto vor den farbenprächtigen und betörend duftenden Azaleen und Rododendronbüschen.  Ein Vergnügen für die jungen Darsteller der Spielbühne Großenhain e.V. und für die Besucher.

Dampflok fuhr leider keine zum Jubiläum, die hatte die Deutsche Bundesbahn wegen Waldbrandgefahr vorsorglich abgesagt. Kein Schaffner mit roter Mütze, Kelle und Trillerpfeife am Bahnsteig mehr. Dafür gab es eine Modelleisenbahn mit originalen Zuggeräuschen von einst, fröhlich schnaufend und mit Pfiffen der Lok. Am späten Nachmittag sollte noch ein Zug mit historischen Wagen eintreffen. Mal schauen.

Weiterging`s mit dem Oldtimerbus. Ich durfte mich sogar kurz ans Steuer setzen. Als der Bus noch fuhr, war ich gerade fünf… Wie die Zeit vergeht. Man kann das hübsche Gefährt auch mieten für Sonderfahrten, sich sogar im Bus trauen lassen. Ins Seenland, ins renaturierte ehemalige Tagebaugebiet nach Hoyerswerda, wollte ich schon immer mal. Dann fuhr der Jubiläumszug Punkt 17 Uhr auf dem Großenhainer Bahnhof ein, die Wagen noch aus DDR-Zeiten mir DR-(Deutsche Reichsbahn)Aufschrift. Gemütliche, separate Sitzabteile mit Schiebetüren statt Großraumwagen und Speisewagen mit weißen Spitzengardinen… Die Sitzbezüge schon mit den blauen Kästchen der Deutschen Bundesbahn. Stille Übernahme nach der Wende. Reisende steigen ein und aus. Der Schaffner schließt als letzter die Tür. Die historische Reisegesellschaft  winkt den Weiterreisenden zum Abschied. Rund zehn Minuten dauerte der Ausflug in die Vergangenheit inklusive freie Plätze im Zug finden, sich kurz setzen und die Zeit anhalten. Der Zug sah wie neu aus. Und ist doch Historie. Die Erinnerungen an die Zugerlebnisse, die über viele Lebensgleise führten, bleiben.

Heute, am Sonntag wird noch mal Bahnjubiläum in Großenhain gefeiert mit historischen Reisenden, Oldtimerbus und Sonderzügen von 10 bis 17 Uhr.

Text + Fotos (lv)


meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry und Winnie Rudolph von der Spielbühne Großenhain, sie leitet dort die Kindergruppe, in einem Zugabteil der Deutschen Reichsbahn, aber schon mit blauem Kästchenbezug der Deutschen Bundesbahn. Früher waren es grüne und rötlich braune Ledersitze.

„Vorwärts immer! Jubiläumsshow !“ der Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ im Theaterhaus „Rudi“ in Dresden


Spielfreude kennt kein Alter: Drei Damen in barocken Kleidern umgarnen und tanzen Twist mit dem König (Gert Knieps). Eine Szene aus dem Märchen „Aschenputtel“.

Spielfreudige Senioren

Mit einem herzerfrischend heiteren Programm feierte die Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ mit ihrem Leiter Gert Knieps aus Freital unlängst ihr 15-jähriges Jubiläum im Theaterhaus „Rudi“ in Dresden.

“Der erste Lack ist ab, wir sind nicht mehr die Jüngsten. Uns stört`s nicht im geringsten. Kein Mensch kann ewig glänzen…“, singen die Akteure auf der Bühne
zu beschwingten Akkordeonklängen zu Beginn. Es ist für sie mehr als ein Lied, eine Lebenshaltung. Es spricht ihnen selbst und den Zuschauern aus dem Herzen. Der Theaterraum im „Rudi“ ist voll besetzt. Im Publikum sitzen viele Familienangehörige, Bekannte und frühere Arbeitskollegen der Darsteller. An diesem Abend und auch sonst staunen sie und sind begeistert über das frische Theaterspiel, mit wie viel Witz und Schwung man auch im Alter noch etwas bewegen kann, für sich und andere.

Eindrucksvoll zeigte dies die Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ auch in ihrem Programm unter dem Motto: „Vorwärts immer! Die Jubiläumsshow!“, einer kurzweilig vergnüglichen Mischung aus kurzen Spielszenen, Gesangsparodien, Musik und Tanz mit Gästen, mit dem sie unlängst ihr 15-jähriges Bestehen nach zwei Jahren coronabedingter Pause im Theaterhaus „Rudi“ in Dresden feierten. Seit nunmehr 20 Jahren treten in dieser städtischen Spielstätte viele Künstler und Gruppen der freien Szene in Sachsen auf. Regelmäßig dabei seit mehreren Jahren sind die  spielbegeisterten Senioren. Die Gruppe wurde als „Älterntheater“ im Jahr 2005 gegründet. Seitdem entstanden zwölf Inszenierungen. Darunter Stücke für Erwachsene, die über das Älterwerden erzählen mit eigenen Texten der Gruppe und Märchen.

In der Jubiläumsshow waren Ausschnitte aus dem ersten Programm des Seniorentheaters, den „Hochhausgeschichten“ zu sehen und Szenen aus den Aufführungen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ und „Alle werden älter – nur wir nicht“. Den größten Erfolg hatte die Theatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ 2009 mit der Teilnahme am 3. Europäischen Seniorentheaterfestival in Pforzheim mit ihrem Stück „Heim oder Daheim“.

Die zehn Spielerinnen und Spieler sind zwischen 68 und 80 Jahre alt. Ein Tisch und Stühle und farbige Lichteffekte auf einer Leinwand genügen als Kulisse. In einer Szene geht es um Schnäppchenkauf, drei Frauen zeigen stolz ihre neueste schicke Bluse, leider alle dieselbe und man erlebt drei ältere, lebensfrohe Damen, die in einer WG zusammen leben und sich ihren persönlichen Wellnesscoach leisten, der sie massiert. Sie sind gerade beim Sektfrühstück, als der Doktor ihnen ihre nicht so tollen Blutwerte aus dem Labor überbringt, der ein Gläschen mit den Damen ablehnt und hinter vorgehaltener Hand bekennt, er habe schon drei Gläser heute morgen geleert.

Durchs Programm führte, garniert mit Witzen und Anekdoten aus der Jugendzeit, dem Alltag und Theaterleben Gert Knieps. Der 73-Jährige, gebürtige Freitaler ist  Kabarettist, Conferencier und Autor seit vielen Jahren. Er war von 1991 bis 2011 der Leiter des Kulturhauses Freital, musste aufgrund einer schweren Erkrankung aufhören. Seinen Humor hat er behalten. Seit neun Jahren ist Knieps Leiter der Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“.  Er erheiterte als König im Märchen „Aschenputtel“, der mit zwei Damen in roten, barocken Kleidern flott tanzt bis ihn beim Twist ein Hexenschuss trifft, und lustig-prall als einer der „Wildecker Herzbuben“. Im Wechsel mit Monika Bethge, Gesangspädagogin, viele Jahre Leiterin der Freitaler Musikschule und Vorsitzende des Vereins „Ohne Verfallsdatum“ moderierte Knieps die Jubiläumsshow im Theaterhaus „Rudi“.

Als Gäste und Gratulanten waren der Sänger Mario Boden mit mal sanften und rockig-bluesigen Liedern von Ina Deter und Rio Reiser zur Gitarre und schwungvoll am Akkordeon begleitet von seiner Tochter Hannah zu erleben. Mit flott kessen Tanzeinlagen von Charleston bis Showtanz glänzten sechs junge Tänzerinnen des Dresdner Tanzstudios „Dance Art“ von Dagmar Deke. Das Seniorentheater trifft sich immer dienstags Vormittag zum Proben im „Rudi“.

“Wir könnten noch einen Herren gebrauchen und noch ein, zwei Damen“, so
Knieps. Im Juli spielen sie hier wieder „Aschenputtel“ als Familienvorstellung.
Als nächstes soll ein heiter musikalisches Programm mit dem Titel „Frühling, Sommer, Herbst und Windeln…“ aus seiner Feder im Oktober Premiere haben.
Das Jubiläumsprogramm würde das Seniorentheater auch gern weiter spielen,  wenn sich Spielorte dafür finden. Er denkt dabei an die Spielstätte „Laterne“ unterm Dach im Kulturhaus Freital. Die Spielfreude der Akteure kennt eben kein Verfallsdatum.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos:

www.Ohne-Verfallsdatum.de
http://www.Theaterhaus-Rudi.de

Mit Charme & Schwung begeisterten die jungen Tänzerinnen des Dresdner Tanzstudios „Dance Art“, das es schon 30 Jahre gibt.

Als Gäste der Jubiläumsshow traten außerdem Sänger Mario Boden mit sanft rockigen Songs zur Gitarre und am Akkordeon begleitet von seiner Tochter Hannah auf.