Eine Welt für sich, wo klein und groß noch staunen und sich verzaubern lassen kann. Wo nichts unmöglich scheint – unter der vielfarbig angestrahlten Kuppel des Zirkuszeltes. Die Manege zum Ort für Träume, Ideen und Visionen wird. Wo Artisten, Zauberkünstler, Clowns und Tierlehrer, gleich aus welchem Land der Welt sie kommen, allabendlich zusammenwirken, wundersame und atemberaubende Dinge zeigen, ja auch den Glauben an Wunder aufrechterhalten. Wo besondere und seltene Tierarten zu erleben sind, die teils in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht sind und im Zirkus ein Zuhause finden.

Ich traute meinen Augen kaum, als ich in der Manege das zauberhafte weiße Hörnertier wiedersah, dass ich vorher beim Circus Monaco bereits erlebte  und
außerdem vor und nach den Vorstellungen auf der Wiese mit den anderen Tieren. Seither hat es eine besondere Magie auf mich. (Ich habe ihm sogar ein eigenes BilderAlbum im wortgarten gewidmet.) Während das Hörnertier sonst allein seine Runden drehte dicht am Manegenrund und aufmerksam die Zuschauer betrachtete, trat es diesmal in einer gemischten exotischen Gruppe mit Lamas, Alpakas, Kamelen und Zebras auf. Ich wollte erfahren, wie es hierher zum Dresdner Weihnachts-Circus kam und verabredete mich mit dem Tierlehrer Marek Jama. Am zweiten Weihnachtsfeiertag nachmittag war es soweit. Auf dem Weg zum Hörnertier kam ich hinter dem Zirkuszelt an einem großen blauen Bassin vorbei, in dem die zwei Seelöwen Lola und Lappy munter umher schwammen, tauchten und planschten und die Köpfe neugierig aus dem Wasser reckten. Dahinter stand der Tigerkäfig, in dem die Tiere unruhig auf und ab liefen.
Draußen auf dem Platz standen vor den heugefüllten Zelten die Tiere von Marek Jama friedlich kauend in der Sonne. Als ich dann endlich vor dem langen Container auf Rädern stand, um das Hörnertier zu begrüßen, war es ein anderes. Nicht Kaya, die mich so fasziniert, sondern Tokay. Ein männliches ungarisches Steppenrind benannt nach dem Wein. Tokay ähnelt ihr fast aufs Haar. Weißes Fell, spitze Hörner und sanfter Blick aus dunklen Augen, die einen nicht loslassen. Er schaute mich zunächst nicht an, sondern gleichmütig vor sich hin, selbstversunken. Marek Jama mag das Steppenrind auch wegen seiner sanften Art. „Er versteht sich mit allen anderen Tieren“, sagt er. Tokay ist acht Jahre alt. Kaya ist schon über 20. In ihrer Heimat werden die Steppenrinder als Nutztiere in Farmen gehalten und nach fünf bis sechs Jahren geschlachtet.
Marek Jama erwarb das Tier als es drei Jahre alt war vom Schweizer Zirkus „Morena“, der es als Kalb von einem Zoo im Land kaufte. Das Hörnertier ist also doch nicht so einzigartig, war mein erster Gedanke, sondern reist mit verschiedenen Zirkussen durch die Welt. Und die Zuschauer staunen und rätseln, welcher Art es ist. In Indien laufen ähnlich weiße Rinder frei auf der Straße herum und werden als heilig verehrt. Im Dresdner Weihnachts-Circus hat das Hörnertier regelmäßig Auslauf. Den Wagen teilt sich Tokay mit zwei jungen, zottligbraunen schottischen Hochlandrindern. Er frisst Heu, Gras, Möhren und „Pferde-Müsli“, so Jama.

Seine Tierherde im Dresdner Weihnachts-Circus besteht aus zwölf Pferden, fünf Kamelen, vier Zebras, sechs Rindern, sieben Lamas und zwei Kängurus. Wie er sich mit denen versteht und ob er Fachbücher lese? Nein, die brauche er nicht, sagt Marek Jama. Weil er 24 Stunden am Tag mit den Tieren zusammen sei und weiß, was sie wollen. Er erkenne es an ihrem Verhalten, an der Körpersprache und fühle sich in die Tiere hinein. Natürlich müsse er als Mensch aufpassen, wenn er sich umdreht oder dem Hörnertier nähert. Doch es greife nicht an, sei ruhig und friedlich. Der 41jährige Pole gilt als einer der begnadetsten Tierlehrer der Gegenwart. Dabei hatte der Sohn eines Fabrikdirektors die Warschauer Artistenschule als Luftakrobat absolviert. Doch es siegte die Tierliebe. Mit Learning by doing in mehreren europäischen Zirkussen entdeckte er sein Geschick für viele Tierarten, Tiger und Elefanten eingeschlossen.

2007 holte ihn Direktor Sascha Melnjak in seinen Zirkus Charles Knie (www.zirkus-charles-knie.de), wo Jama zum Chefdresseur und Oberhaupt der Stallungen aufstieg. Sein erstes Dresden-Gastspiel ist sozusagen eine Leihgabe. Hier zeigt er in drei Auftritten, mit einer großen Pferdefreiheit, dem ungewöhnlichen Exoten-Tableau „Afrika United“, ergänzt mit Kängurus und einer Hohen Schule sein vielseitiges Talent. Am 2. Januar nochmals zu erleben.

Danach reist Marek Jama mit seinen Tieren direkt zum 41. Festival du Cirque de Monte Carlo. Und dann ist erst mal jahreszeitbedingt Pause im Winterquartier vom Zirkus Knie in Einbeck bei Hannover. Im März beginnt dort die neue Tour mit einer Saisonpremiere.

Das Programm des Dresdner Weihnachts-Circus ist noch bis zum 2. Januar 2017 zu sehen. Vorstellungen sind täglich um 15 und 19.30 Uhr, mit Tierschau in der Pause und Genuss-Manege im Zirkuszelt an der Pieschener Allee.

Text + Fotos (lv)

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Besinnlich und unterhaltsam ging es zu beim Ökumenischen Gottesdienst des 21. Dresdner Weihnachts-Circus am  zweiten Weihnachtsfeiertag, den Geistliche mehrerer Konfessionen, Artisten, Musiker, Zirkusmitarbeiter und Zirkusfreunde vor gut gefüllten Rängen gestalteten. Da ließ Magier Christian Farla es schneien, gab es wärmende Worte und zeigten die Zirkuskünstler Ausschnitte aus ihrem Programm. Darunter das russische Clownsduo Slobi hier mit kletterfreudiger Katze.

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Charmant, lustig und sehr gelehrig zeigen sich die zwei Seelöwen „Lola“ und „Lappy“ mit ihrem Tierlehrer Ingo Stiebner, der immer ein paar leckere Heringe für sie  bereithält.

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Tierlehrer Marek Jama mit dem ungarischen Steppenrind „Tokaj“ (8) in seinem Domizil, dass das Tier mit dem sanften Blick mit zwei schottischen Hochlandrindern teilt. In der Manege treten sie in einer gemischten exotischen Tiergruppe mit Lamas, Alpakas, Kamelen und Zebras auf. Die Tiere halten sich oft im Freien auf.

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Nach der Vorstellung schwimmen und planschen die Seelöwen sichtlich vergnügt in einem Freiluftbassin, Sonne inklusive. Dahinter Zirkuszelt und Tigerkäfig.

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http://www.Dresdner-Weihnachts-Circus.de

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