Bärischer Spaß & viele kreative Mitmachangebote: die Künstlerin Alexandra Wegbahn entwarf das Bären-Logo für den Kultursommer, hinter ihr der Bär Michael Melerski, Erwin Wagner, Sänger im Bärensteinorchester und Eleni Haase, die mit ihrem Akkordeon in dem frischgegründeten Orchester musiziert.


Für fröhlich mitreißende Musik sorgte die tschechische Gruppe „Muzika Jara“ am Sonnabend zum Abschluss des Kultursommer Bärenstein.

Die Bärensteiner reagierten vorsichtig auf den Bären

Der erste Kultursommer Bärenstein zog vor allem junge Familien und Stammbesucher mit vielen kreativen Mitmachangeboten und Konzerten an. Am Sonnabend war die Abschlussveranstaltung und tanzte der Bär bei fröhlichen Klängen mit der tschechischen Gruppe „Muzika Jara“.

Der Marktplatz ist leer. Das weiße Segel der kleinen Bühne eingerollt. Der Himmel grau verhangen und regnerisch. Die Abschlussveranstaltung vom Kultursommer Bärenstein findet in dem Gebäude statt, in dem das frisch gegründete Bärensteinorchester für seinen ersten Auftritt probt. In einem kleinen Raum im Obergeschoss des früheren Pfarrhauses, gegenüber der Kirche. Das Haus gehört dem Musiker Hartmut Dorschner, der zusammen mit dem Verein Kult-ur-art e.V. und den Künstlern Alexandra Wegbahn und Michael Melerski den Kultursommer Bärenstein initiiert hat. Mit Hilfe von Fördermitteln der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und viel Eigeninitiative. Drei Wochen lang im August war hier buchstäblich der Bär los, so das Motto des ersten Kulturfestivals in dem kleinen Ort im Osterzgebirge. Kreative Angebote wie Malen, Siebdruck, Papierwerkstatt, Schreib-Workshop fanden statt, außerdem viele Konzerte, Filme, Puppentheater und Gesprächsrunden mit den Bewohnern in der  „Bärensteinschänke“, die als Begegnungsort und Treffpunkt im Rathaus während des Kultursommers die Besucher einlud.

Aus dem Fenster des alten Pfarrhausgemäuers scheint warmes gelbes Licht an diesem Samstagabend. Fröhlich beschwingte Klänge sind bis nach draußen zu hören. Die tschechische Gruppe „Muzika Jara“ spielt mitreißende Musik aus ihrer Heimat, aus Böhmen und Mähren und temperamentvolle Zigeunermelodien. Einer der Geiger tritt sonst am tschechischen Nationaltheater auf. Die drei Männer und eine Frau an Geige, Kontrabass und Yylophon tragen traditionelle Kostüme, schwarze und rote, bestickte Westen mit roten Tüchern am Hosenbund und farbige Bänder am Rock. Der Raum ist voll. Im Nu füllt sich die Tanzfläche mit Kindern und Erwachsenen. Sie hüpfen umher, halten sich an den Händen im Kreis und in ihrer Mitte tanzt der Bär. Einige setzen sich große, lustige Pappmachéköpfe auf, einen hohen mit langer Nase und einen dicken, runden und verleihen ihnen immer neue Gestalt mit viel Heiterkeit. Mittendrin auch die jungen Leute vom Bärensteinorchester. Die rund zehn Freizeitmusiker sind zwischen acht und 60 Jahre alt. Bei ihrem ersten Konzert am Sonnabend spielten sie ein eigenes Stück, „Sommerhit“, zwei tschechische Volkslieder, außerdem das erzgebirgische Heimatlied „Glück auf, der Steiger kommt“ und drei Bluestitel.

„Wir hatten in den ersten zwei Ferienwochen einen Workshop und haben dort ein Stück für das Orchester komponiert“, erzählt Erwin Wagner, 13 Jahre, der als Sänger und mit Percussion im Bärensteinorchester auftritt. In der zweiten Woche musizierten sie mit zwei tschechischen Dozenten, einem Saxofonist und einem Gitarrist. Eleni Haase spielt Akkordeon im Bärensteinorchester. „Mir hat dieses Instrument sofort gefallen, als ich es als Kind in der Musikschule das erste Mal sah, da es etwas Exotisches hat“, sagt die 18-jährige, die in Freital die Fachoberschule besucht und dort schon in einer Schulband mitspielte. Ihr jetziger Musiklehrer Hans-Georg Mauer aus Schlottwitz ist Akkordeonist bei den „Bimmelbahnmusikanten“. „Wir haben das Angebot gern angenommen. Die Kinder sind sowieso neugierig und haben schon am Fenster geschaut, was da los ist“, sagt Marco Ebert. Er wohnt mit seiner Familie direkt am Markt in Bärenstein. Mit drei Kindern im Alter von vier, zehn und elf Jahren und seiner Lebensgefährtin waren sie beim Siebdrucken, malten Buttons mit dem Bär-Logo und staunten über den frei umherlaufenden Bär.

„Die Reaktionen der Leute waren verhalten und vorsichtig. Vielleicht auch durch das Fremde und da der Kultursommer recht kurzfristig kam. Wenn man sich darauf eingelassen hat, traf man andere Stammbesucher wieder“, erlebte Marco Ebert. Sein kleiner Sohn, Nico, anderthalb sitzt auf seinen Knien und freut sich. Die Bilder mit dem Bären, auf der Bank mit Kindern und in der Kirche in Bärenstein sind noch einmal im Rückblick auf einer Leinwand in der Bärensteinschänke zu sehen. Schön wäre, wenn die kreativen Angebote für Familien auch nachmittags stattfänden, sagt seine Partnerin Claudia Fischer. Sie wünschen sich außerdem wieder eine Gaststätte in Bärenstein. Weitere Anregungen sind ein Eiscafé und mehr kulturelle Veranstaltungen im Ort, die als gebundenes Wunschbaum-Buch der Gemeinde überreicht werden.

„Mit dem Kultursommer in Bärenstein wollten wir vor allem den Impuls der Mitgestaltung hineingeben. Ein Fest, auf dem man sich trifft, andere Leute kennenlernen und über Dinge reden kann, die einen bewegen und um etwas zu verändern“, sagt die Künstlerin Alexandra Wegbahn, die das Bären-Logo entworfen hat. „Dieses Ziel haben wir erreicht. Die künstlerischen Angebote und Gesprächsrunden wurden gut angenommen. Wir saßen nie alleine da.“ Reserven gebe es noch beim Markttag, an dem lediglich eine Handvoll Stände aufgebaut wurden, darunter eine Töpferei und ein Imker. „Der Bär fand Aufmerksamkeit und war ein Mittel, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Doch solch ein Projekt braucht auch Zeit, um wahrgenommen zu werden“, so Michael Melerski, der ihn verkörperte. „Es gibt schon Pläne von Anwohnern für den Kultursommer Bärenstein im nächsten Jahr und zwei Familien, die es in ihre Hände nehmen“, sagt Alexandra Wegbahn.

Text + Fotos (lv)


Fröhliche Tanzrunde mit Bär zu den schwungvollen Klängen der tschechischen Gruppe „Muzika Jara“ in Bärenstein.