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~ Das Dresdner Kulturgewächshaus im Netz

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Kategorien-Archiv: Theater

Medea: Bitter-komische Rache einer Außerirdischen im Schauspielhaus Dresden

19 Sonntag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

≈ 2 Kommentare

Fotos: Matthias Horn/Staatsschauspiel Dresden

Medea und ihre Kinder tauchen aus einem Ufo auf dem Bühnenrund auf und werden grausame Rache nehmen an den Menschen, die ihnen Schutz und Zuflucht verweigern. Eine intensive, streitbare Aufführung.

Bevor Medea selbst die Bühne betritt, ist vor dem tiefroten Vorhang das Getuschel und Gezischel der einheimischen Frauen in Korinth über die Fremde und das ihr widerfahrene Leid zu hören. Erst im Unglück erkennt sie, was es heißt, kein Vaterland mehr zu haben. Die Tragödie von Euripides, aus dem Griechischen übersetzt von Simon Werle, hatte gestern Premiere im Schauspielhaus Dresden.

Ein weißer magischer Kreis mit dem Buchstaben „M“ auf dem Vorhang steht für den Mythos um Medea. Für die schöne und rebellische Frau, Mutter, Zauberin, Heilkundige und Kindsmörderin. Letzteres wird sie aber erst in der Fassung von Euripides, wo Medea grausame Rache an ihrem untreuen Mann Jason nimmt, dem sie half das goldene Vlies zu erobern und der sie später allein und heimatlos mit ihren Kindern zurückließ.

Ein Chor von drei Männern spielt die Frauenrollen wie im alten Griechenland üblich, begleitet von drei Musikern mit mal düster-bedrohlichen Klängen, mal gebetartig mahnenden Gesängen, kuscheligem Schlageridyll und wild rockigem Sound. Die Männer tragen schwarze Sachen, weiße Masken vorm Gesicht und Kopftücher, sie flüstern und gestikulieren als Frauen von Korinth viel sagend über das rätselhafte Wesen Medeas. Außerdem treten sie als Herrscher und Helden auf, die Medea nacheinander aufsuchen, sie zu beschwichtigen versuchen, ihr mit Verbannung drohen und Teil ihres Racheplans werden.

König Kreon (Benjamin Pauquet) begegnet ihr mit Furcht und Verachtung, während ihre Kinder sich hilfesuchend an ihm festklammern. Jason (Sebastian Wendelin) ist ein bequemer, eitler Mann und gewiefter Taktiker, der durch die Heirat mit Kreons Tochter Macht erlangen und aus seinen Kindern Königssöhne machen will. Dem missmutigen kinderlosen König Aigeus (Sascha Göpel) verspricht Medea ein Mittel dagegen, wenn er ihr Asyl gewährt.

Medea und ihre Kinder tauchen in der klang- und bilderreichen, bitter-komischen Inszenierung von Christina Rast wie Außerirdische aus einem schwarzen, über der Bühne schwebenden Gehäuse auf, das wie ein Ufo aussieht mit gleißenden Scheinwerfern. Ihr weißes, unter dem Tüll rauchschwarzes Brautkleid zerknüllt sie und schlingt es um ihren Leib, kommt nicht davon los. In weißem Mieder und Hosen erhebt Medea, die Paula Dombrowski abwechselnd kühl-überlegt, zornig und stolz verkörpert, verzweifelt umher rennend im schutzlosen Bühnenrund, Klage gegen ihren Mann Jason. Sie reißt ihre schwarze Langhaar-Perücke ab, unter der raspelkurzes Haar verborgen ist und ihre Härte unterstreicht. Sie schleift ihn verächtlich am Handgelenk umher, er pariert mit akrobatischem Körpereinsatz. Sie begehren und bekämpfen sich verbittert.

Eine Gruppe von Kindern, die mal Uniformen und Gewehre tragen, mal Blumenkränze und weiße Kleider, begleiten Medea, beschützen sie und leiden stumm mit ihr. Die Vielschichtigkeit, Widersprüchlichkeit und Magie dieser tragischen Frauenfigur, die hasserfüllt auf eine männerdominierte, sozial ungerechte Umwelt reagiert, ist leider kaum zu spüren in dieser Aufführung, die mehr plakativ als tiefschürfend das Thema Fremdenfeindlichkeit darstellt. Die Spielkulisse mit der Aufschrift „Willkommen“ und Schildern wie „Heimat“, „mein Ich“ und „mein Ausland“ bleibt Fassade.

Der Konflikt und grausame Racheakt Medeas wird in traurig-komischer Szenerie vor allem auf der persönlichen Ebene der beiden Gegenpole Mann – Frau ausgetragen zulasten der Kinder, die stumm und Popcorn essend in der Mitte sitzen und ihren meist abwesenden Vater ignorieren. Und ironisch zugespitzt, wenn Medea mit naiv verstellter Stimme sich Jason scheinbar geschlagen gibt und heile Familienidylle vorgaukelt. Bis zum düsteren Höhepunkt, wenn unter ihrem weißen Rock immer neue kleine Kindersoldaten zum Vorschein kommen.

Medea ringt bis zuletzt mit ihren zwei Söhnen, die sich wehren im sie umschlingenden Todeskampf, quälend lang für den Zuschauer. Um schließlich nackt im grellen Scheinwerferlicht des Ufos wieder in die Ferne zu entschwinden. Vereinzelte Buh-Rufe für das Regieteam und viel Beifall für die Schauspieler und Kinderdarsteller gab es vom Publikum zur Premiere.

Nächste Vorstellungen: 21. und 27.3. und 6.4., 19.30 Uhr

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Länderabend Indien an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

16 Donnerstag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Lebensart, Tanz, Theater

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Eine tänzerische Reise durch Indien und Eindrücke über dieses Land mit der Schauspielerin Julia Rani erleben Besucher dieser Veranstaltungsreihe der Landesbühnen Sachsen am 17. März, um 20 Uhr in der Gaststätte Goldene Weintraube in Radebeul.

Schauspielerin Julia Rani lädt im ersten Teil dieses Abends in den Balllettsaal zu einer tänzerischen Reise durch Indien ein. Im zweiten Teil geht es zurück in die «Goldne Weintraube», wo ein typisch indisches Gericht angeboten wird und Julia Rani im Gespräch über die ferne Welt Indiens zu erleben ist.

Seit ihrem sechsten Lebensjahr beschäftigt sich Julia Rani mit dem klassischen südindischen Tanzstil Bharata Natyam. Ausgebildet wurde sie von Padmashri Chitra Visweswaran – einer der prägendsten Tänzerinnen dieses Tanzstils im 20. Jahrhundert – an der Tanzakademie Chidambaram Academy of Performing Arts in Madras. Bei Aufritten in Indien und in Deutschland, wie z.B. bei der zentralen Jubiläumsfeier anlässlich der 50-jährigen Unabhängigkeit Indiens im Haus der Kulturen in Berlin sowie im Fernsehen, erwies sich Julia Rani als klassische Interpretin des Bharata Natyam, die sich durch besondere Ausdrucksstärke auszeichnet.

Der klassische südindische Tanz Bharata Natyam basiert auf einer mehr als 2000 Jahre alten Geschichte. Neben seiner komplexen Rhythmik, seiner hoch entwickelten Gebärdensprache und überaus kunstvollen Mimik ist er ein Tanzstil, der Körper, Geist und Seele involviert.

Text + Foto: Landesbühnen Sachsen

Nächster Länderabend: Südkorea, 8.3., 20 Uhr

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Natur in meinen Augen – Neue Ausstellung im Kunstkeller

07 Dienstag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Fotografie, Theater

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Das „Seitensprung-Ausstellungs-Projekt“  der Galerie für zeitgenössische Aktfoto-Kunst im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15 in Dresden steht unter dem Titel:

„NATUR – IN MEINEN AUGEN“ mit Fotografie von Ralf Lehmann.

Vernissage: Dienstag, 7. März, 20 Uhr. Zu erleben ist zur Eröffnung außerdem eine eindrucksvolle, erotische Tanzperformance.

Wer jedoch auf Aktfotografie im Kunstkeller nur ungern verzichtet – in Raum Vier wird er dennoch auf seine Kosten kommen…

Der Eintritt ist an diesem Abend, wie immer zu Vernissagen, frei.

Geöffnet hat die Galerie ab 19.15 Uhr.

Mini-Bühne

Mit dem Stück des italienischen Kultautoren und Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo: „SEX? ABER MIT VERGNÜGEN!“,  eröffnet die Frühjahrsspielzeit im Kunstkeller am Freitag, 10. März, 20.30 Uhr.

Platzreservierung empfohlen über: http://www.erotic-art-dresden.de/veranstaltung25.htm

oder Tel.:  0162 682 93 79

Foto: Fundus Ralf Lehmann, in der Ausstellung nicht vorhanden…

 

 

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Der Graf von Monte Christo: Wahnwitziger Rachefeldzug im Schauspielhaus Dresden

06 Montag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Um Liebe, Leid und Rache und deren Sinn geht es im Stück „Der Graf von Monte Christo“ nach dem Roman von Alexandre Dumas im Schauspielhaus Dresden.

Sein Roman gehört zu den berühmtesten Werken der französischen Literatur und ist ein Klassiker der Mantel-Degen-Filme. Ganz anders kam der Graf in der Inszenierung von Simon Solberg auf die Bühne. Halb wilde Abenteuergeschichte, halb Politkrimi mit aktuellen Bezügen wie Finanzgeschäfte an der Börse und Poker um einzelne EU-Länder mit millionenschweren Gewinnern und Verlierern, spinnt er den historischen Stoff in die Gegenwart weiter. Als Spielkulisse dienen Metallgestelle, die Schiffe darstellen und abwechselnd in Nebel und südliches Licht getaucht, im Hafen von Marseille eintreffen.

Eine Gruppe Reisender, Seeleute, Gestrandete und Geflüchtete, erscheint im Halbdunkel mit Taschenlampen. Im Hintergrund Meerrauschen und Akkordeonklänge. Abwechselnd erzählen sechs Schauspieler, klangreich begleitet von einem Musiker, MC Hector Berlioz (Sven Kaiser) mit Mikro, temporeich, atemlos, sich gegenseitig übertreffend und reißerisch über Leid und Gewalt. Dramatisch-komisch zugespitzt, mehr surreal als real und weit weg, so dass kaum Mitgefühl mit dem verzweifelten Gefangenen aufkommt. Stattdessen wirkt die schrille Szenerie irritierend und geht man innerlich auf Distanz.

Solberg nimmt die Zuschauer mit auf einen wahnwitzigen Rachefeldzug mit überraschenden Wendungen. In dieser Geschichte über den Seemann Edmond Dantés, der durch eine Intrige seine Braut und seinen Kapitänsposten verliert und 14 Jahre unschuldig auf der Gefängnisinsel Chateau d`If eingesperrt ist. Von einem Mitgefangenen, einem Geistlichen erfährt er von einem vergrabenen Schatz nahe der Insel Elba, mit dem er nach seiner spektakulären Flucht als reicher Mann in seine Heimat zurückkehrt und grausame Rachepläne schmiedet.

Den Graf von Monte Christo spielt Torsten Ranft mit viel Sarkasmus als einen Menschen, der geschunden an Leib und Seele, hart und verbittert geworden, Vergeltung sucht und zuletzt erkennt, dass er im Leid anderer keine Genugtuung findet. Ein anspruchsvoller Theaterabend, einfallsreich mit vielen Film- und Musikzitaten, aber leider überfrachtet mit seiner multimedialen Bilderfülle aus Historie und aktueller Politik und einem Rundumschlag in Sachen Kapitalismuskritik, verpufft vieles bzw. bleiben Zusammenhänge unklar. Das Publikum reagierte mit mäßigem Beifall auf die Inszenierung.

Nächste Vorstellungen: 16. und 29.3., 19.30 Uhr.

Foto: Matthias Horn

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Dr. Jekyll & Mr. Hyde: Spannend-emotionsreiches Doppel-Spiel

05 Sonntag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Das Stück „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ über den ewigen Kampf um das Gute und Dunkle im Menschen hatte am Sonnabend an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul Premiere.

Der Mensch, das Ungeheuer

Von den zwei Seelen in jedem Menschen wusste schon Goethe. Der Arzt und Forscher Jekyll erfindet einen Trank, um das dunkle Begehren und Böse in sich vom Guten zu trennen. Doch sein Doppelgänger reißt ihn immer mehr in einen Strudel aus unbegrenzter Freiheit, Lust, Gewalt und Macht über andere. Davon erzählt das Schauspiel “Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von David Edgar nach dem Roman von Robert Louis Stevenson, das am Sonnabend an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul Premiere hatte.

Auf die Aufführung stimmt im Foyer eine Ausstellung mit wandlungsreichen Spiegelbildern und Texten von Schülern der 9. Klasse/Künstlerisches Profil vom Gymnasium Coswig ein. Die Geschichte spielt im puritanischen, sittenstrengen England des 19. Jahrhunderts. Nah ans Original hält sich die Inszenierung von Axel Köhler, imposant ausgestattet von Stefan Wiel mit viel Zeitkolorit und Atmosphäre in Bühnenbild und Kostümen. Da wechseln die Eleganz eines Landhauses mit geschäftigem Bahnhofstreiben, Kapelle der Heilsarmee und kühlen Kachelwänden im auf und ab tauchenden Versuchslabor mit allerlei Wundermitteln des Dr. Jekyll.

Mit durchweg großartigen Schauspielern, spannend-emotionsgeladen, gruslig und mit leisem Humor kam das Stück über das Doppelleben des Dr. Jekyll und seiner Schattenseite auf die Bühne. Unheimlich gut verkörpert Moritz Gabriel dessen zwiespältiges Wesen in schnellem Rollenwechsel. Als tagsüber freundlicher, hilfsbereiter Arzt und nachts animalisch getriebener Wüstling mit wild-offenem Haar, Sonnenbrille, schwarzem Umhang und Zylinder. Er täuscht alle, leidet und ringt mit seinem Spiegelbild immer in der Angst, erkannt zu werden als Hyde, als menschliches Ungeheuer. Als Jekyll, der über Hyde immer mehr die Kontrolle verliert und mit ihm verschmilzt, begehrt er zunächst auf gegen Etikette, Heuchelei und Scheinheiligkeit. Er agiert mal spöttisch, höhnisch bis hemmungslos gewaltbereit gegen Straßenkinder mit Bauchläden, arglose Frauen und einen ignoranten Parlamentsabgeordneten.

Nur ungern überlässt Jekylls Schwester, deren Selbstbewusstsein nur Fassade ist (Sophie Lüpfert) ihrem Bruder das Porträt des geliebt-gehassten Vaters und seine medizinischen Aufzeichnungen. Sie fotografiert und glaubt, man könne die Wahrheit im Gesicht eines Menschen wie in einem Spiegel sehen, der einen auch andersherum zeigt. Bruder und Vater ähneln sich sehr in ihren Neigungen. Zuletzt wird sie ihrem Sohn verbieten, die „gefährlichen“ Aufzeichnungen zu lesen als seien Wissen und Forschung schuld an verhängnisvollem menschlichen Verhalten und Handeln. Da wird über das Zusammenwirken von Gehirn, Geist und Seele des Menschen, seine niedere und höhere Hälfte und Instinkte, Verstand, Anstand und Gewissen lebhaft debattiert von Jekyll in gutsituierter, ergrauter Herrenrunde.

Da verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse, Wahrheit und Selbsttäuschung, verdrängten Wünschen und Sehnsüchten. Nur so kann Mr. Hyde sein hinterhältiges Spiel mit dem doppelzüngigen Anwalt und besten Freund Utterson (Matthias Henkel), dem entsetzten Arztkollegen Lanyon und dem hasserfüllt über die Schlechtigkeit der Menschen wetternden Pastor (in mehreren Rollen Thomas Förster) treiben. Der Traum von einem neuen Leben im Haus von Dr. Jekyll, der die misshandelte, trotz allem lebenslustige Annie (Cordula Hanns) als Hausmädchen bei sich aufnimmt, wird für sie zum Albtraum. Anrührend komisch, wie sein Diener Poole (Grian Duesberg) ihm trotz der düsteren Verwandlung weiter aufrichtig menschlich begegnet. Fazit: Gutes und Böses im Menschen gehören zusammen und wie stark beides wird, muss immer neu verhandelt werden. Herzlicher Beifall für einen Theaterabend, der einen tief im Inneren berührt und nicht loslässt mit der Frage: Wer man eigentlich wirklich ist.

Foto: Hagen König/Landesbühnen

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

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Premiere: Dr. Jekyll & Mr. Hyde an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

03 Freitag Mär 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Das Schauspiel von  David Edgar nach Robert Louis Stevenson ist am 4. März, um 19 Uhr an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul zu sehen.

Was könnte schrecklicher sein, als das Böse, das in uns selbst wohnt? In seiner 1886 erschienenen Erzählung ging Robert Louis Stevenson dem inneren Zwiespalt und den Abgründen der menschlichen Seele auf den Grund.

Der gütige, menschenfreundliche Dr. Jekyll entwickelt im London des 19. Jahrhunderts einen Trank, der es ihm ermöglicht, einen Teil seines Ichs abzuspalten und in ihm all das auszuleben, was er sich sonst aus moralischen Gründen verbietet. So wird der zynische, sadistische Mr. Hyde zum Leben erweckt, der aggressiv und perfide grausame Verbrechen begeht.

Das Ausleben unterdrückter Lüste verschafft Jekyll das beglückende Gefühl großer Freiheit und er wird abhängig von der Verwandlungsdroge, über die er schon bald die Kontrolle verliert. Trotz des Gegenmittels, das er entwickelt hat, um als Dr. Jekyll menschlich zu handeln und Hydes Taten abzumildern, gewinnt Mr. Hyde die Oberhand und entwickelt in Jekylls Körper ein gefährliches Eigenleben …

Auch in der packenden und schillernden Bühnenbearbeitung David Edgars steht die Problematik der Aufspaltung der Persönlichkeit und des freien Willens im Mittelpunkt, die in den letzten beiden Jahrhunderten Wissenschaftler der Philosophie, Psychologie und Biologie nicht losgelassen hat und heute zu einer zentralen Frage der Hirnforschung geworden ist.

Wie kann ein Miteinander gelingen, das die Bedürfnisse der anderen respektiert, ohne eigene Sehnsüchte zu unterdrücken?

Text: Landesbühnen Sachsen
Foto: Hagen König: Die Titelrolle als Dr. Jekyll & Mr. Hyde spielt Moritz Gabriel
Inszenierung: Axel Köhler
Ausstattung: Stefan Wiel

Besetzung:

Dr. Henry Jekyll / Mr. Hyde Moritz Gabriel
Poole, Sein Butler Grian Duesberg
Gabriel John Utterson, Rechtsanwalt Matthias Henkel
Katherine Urquart, Ihre Mutter Sophie Lüpfert
Annie Loder, Zimmermädchen Cordula Hanns
Dr. Hastie Lanyon / Sir Danvers Carew / Pastor / Polizist Thomas Förster

 Nächste Vorstellungen:

05.03. , 12.03. und 26.03. 2017, 19:00 Uhr und 31.03., 19.30 Uhr Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul

19.03.2017 Sonntag 18:00 Uhr Großenhain Schloss · Großenhain

24.03.2017 Freitag 19:30 Uhr Kulturhaus Freital · Freital

26.03.2017 Sonntag 19:00 Uhr Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul

07.04.2017 Freitag 20:00, und 06.05., 19.30 Uhr Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne · Radebeul

Auskünfte und Kartenverkauf:  Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH ,

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/ 89 54 214 www.landesbuehnen-sachsen.de

 Felsenbühne Rathen, 01824 Kurort Rathen, Amselgrund 17, Kasse: Tel. 035024/ 7770, Fax 035024/ 7735 www.felsenbuehne-rathen.de

 

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Spannende Entdeckungen in der Sammlung „Terra mineralia“ in Freiberg

28 Dienstag Feb 2017

Posted by Lilli Vostry in Kultur, Lebensart, Musik, Theater, Unterwegs

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In der Silberstadt Freiberg kann man in die Geschichte des Bergbaus eintauchen und in einer Sonderausstellung in der Mineraliensammlung werden die Besucher zu Detektiven in einem Kriminalfall.

„Glück auf“: So grüßen sich die Freiberger noch heute.
Mit ihrem komplett restaurierten und denkmalgeschützten Altstadtensemble gilt die Stadt am Fuße der Montanregion Erzgebirge/Krusnohori als einer der schönsten Orte Sachsens.
Im Stadt- und Bergbaumuseum am Untermarkt können Besucher Kostbarkeiten aus der Historie der Silberstadt entdecken. Im Besucherbergwerk „Reiche Zeche“ fahren sie wie die Bergleute mit dem Förderkorb 150 Meter hinab in den Schacht und erleben auf geführten Touren eines der bedeutendsten Silberbergwerke Sachsens.

Lebendig wird die bergmännische Tradition jährlich bei den Aufzügen der traditionellen Bergparade zum Bergstadtfest am letzten Juni-Wochenende und während des erzgebirgischen Christmarktes. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist außerdem das Schloss Freudenstein, das als Burg zum Schutz des Silberbergbaus errichtet wurde, mit der Ausstellung „terra mineralia“. Dort sind mehr als 3 500 farbenprächtige Minerale, Edelsteine und Meteoriten von fünf Kontinenten zu bestaunen. Zurzeit gibt es dort eine erlebnisreiche, spannende und interaktive Sonderausstellung, bei der kleine und große Besucher zu Detektiven werden unter dem Titel: „CSI Freiberg. Ein Mordfall in der terra mineralia“ (vom 12. April bis 27. August zu sehen). Die Kleineren ab sechs Jahren helfen Gecko Gustav, einer Eidechse aus Madagaskar und Haustier von Prof. Bauer, bei der Suche nach seinem Stein. An zwölf Stationen der Sonderschau tauchen Touristen und Schulklassen in die Welt der Seltenen Erden, in Bergbau und globalisierte Ressourcennutzung ein.

Mit dem Mittelsächsischen Theater besitzt Freiberg außerdem – seit 1791 – das älteste Stadttheater der Welt. In der warmen Jahreszeit lockt der Theaterzauber auf der neu errichteten Seebühne Kriebstein. Zurzeit umgebaut wird das Wohn- und Werkstatthaus Gottfried Silbermanns, das im Sommer wieder zugänglich sein soll. Vier Orgeln des berühmten Meisters sind in Freiberg erhalten: je eine in St. Petri und St. Jacobi und zwei im Dom mit reicher Innenausstattung. In die Freiberger Historie eintauchen kann man bei einem Stadtrundgang, wo man mehr über Lebenswerk und Lebenswandel des weltberühmten Orgelbaumeisters erfährt, augenzwinkernd ausgeplaudert von seiner geschwätzigen Haushälterin, und bei ihr auch einen echten Freiberger Silberkräuter und ein Stück der legendären Freiberger Eierschecke probieren kann. Spannendes zur Entstehung der Silberstadt und der traditionsreichen Geschichte des Freiberger Biers hält eine Führung mit einem Braumeister mit Verkostung bereit.
Bei den Silbermanntagen 2017 (vom 6. bis 17. September) locken wieder Konzerte mit internationalen Stars der Orgelmusik und Spitzenensembles Musikfreunde aus aller Welt nach Freiberg.

Text: (lv)

Foto: Sammlung „terra mineralia“

Weitere Infos unter http://www.freiberg-service.de

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„Gott wartet an der Haltestelle“ – Dresdner Stück reist zum Theaterfestival „Radikal jung 2017“ in München

23 Donnerstag Feb 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Das Stück „Gott wartet an der Haltestelle“ – eine Inszenierung am Kleinen Haus in Dresden – ist zum Theaterfestival „Radikal jung 2017“ am Münchner Volkstheater eingeladen.

„Gott wartet an der Haltestelle“ von Maya Arad Yasur, das unter der Regie von Pınar Karabulut am 9.12.2016 im Kleinen Haus 2 des Staatsschauspiels Dresden seine Deutsche Erstaufführung feierte, ist zum Theaterfestival „Radikal jung 2017“ am Münchner Volkstheater eingeladen. Die Vorstellungen finden am 4.5.2017, 19.30 Uhr sowie am 5.5.2017, 17.00 und 21.00 Uhr, statt. Pınar Karabulut zeigt sich begeistert über die Ehre: „Ich freue mich sehr, wieder mit dabei zu sein. Es ist ein besonderes Festival und ein Privileg, als junge Regisseurin teilnehmen zu dürfen.“

Jürgen Reitzler, Intendant des Staatsschauspiels Dresden, ergänzt: „Es freut mich sehr, dass diese Spielzeit, die wesentlich geprägt wird durch junge Theaterschaffende, seien es Regisseur_innen, Schauspieler_innen, oder Autor_innen, so erfolgreich verläuft. Die Einladung von Pınar Karabuluts ‚Gott wartet an der Haltestelle‘ zum renommierten Festival ‚Radikal jung‘ ist für unser Haus ein Höhepunkt des Jahres.“

„Gott wartet an der Haltestelle“ ist die nächsten Male am 25.2., 9.3., 15.3., 24.3. sowie 5.4. und 30.4. im Kleinen Haus 2 des Staatsschauspiels Dresden zu sehen.
. Interview mit Maya Arad Yasur

Zwei junge Frauen stehen einander an einem Grenzposten gegenüber: die israelische Soldatin Yael und die palästinensische Krankenschwester Amal. Wenig später hat Amal sich und 29 Menschen in den Tod gerissen. Sprachlich fragmentarisch und in zahlreichen Rück- und Vorblenden untersuchen die Figuren in Maya Arad Yasurs Drama „Gott wartet an der Haltestelle“ die Gründe für dieses Selbstmordattentat. Gemeinsam gehen sie zurück an den Anfang, erkunden die Spuren der zermürbenden israelischen Besatzungspolitik und hinterfragen die patriarchalischen Machtstrukturen in Familie und Gesellschaft auf beiden Seiten des Grenzzaunes.

Der Text fragt, wo in der Kette der Ereignisse Augenblicke gewesen sind, an denen sich noch alles zum Guten hätte wenden können. Ob ein anderes Handeln – ein menschlicheres – die Katastrophe hätte ver­hindern können? Opfer wie Täter bekommen eine gleichberechtigte Stimme; es geht nicht um Schuld, sondern um den Versuch, die Formel des Hasses zu entschlüsseln.
Maya Arad Yasur, die 1976 in Israel geboren wurde, lebte und studierte fünf Jahre in Amsterdam, ehe sie 2012 nach Israel zurückkehrte. Heute arbeitet sie als Dramatikerin und freischaffende Dramaturgin insbesondere am Habima National Theatre in Tel Aviv. Ihr Stück „Gott wartet an der Haltestelle“ entstand im Rahmen des Terrorismus-Projekts der Union des Théâtres de l’Europe.

„Radikal jung 2017“ findet vom 28 April bis 7. Mai 2017 zum dreizehnten Mal statt und zeigt neun Inszenierungen junger Regisseur_innen am Münchner Volkstheater. Die eingeladenen Stücke kommen aus Berlin, Dresden, Frankfurt, Gent, Hamburg und München. Sechs der neun Regisseur_innen sind zum ersten Mal mit ihren Produktionen zu Gast.

Ziel des Festivals ist es, die neue Generation der Theatermacher zu fördern, ihre thematischen und ästhetischen Vorlieben zu präsentieren und sowohl einem Fachpublikum als auch einer breiten Öffentlichkeit Perspektiven einer möglichen Theaterlandschaft von morgen aufzuzeigen.

Text+ Fotos: Pressestelle/Staatsschauspiel Dresden

www.staatsschauspiel-dresden.de

 

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Sherlock Holmes und die Schnecken von Eastwick im Boulevardtheater

17 Freitag Feb 2017

Posted by Lilli Vostry in Theater

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Foto: Robert Jentzsch

Humorvolles Verführungsspiel mit dem Meisterdetektiv

Er ist ein genialer Denker und etwas schrulliger Gentleman, der Licht in jedes Verbrechen bringt und immer einen kühlen Kopf bewahrt. Dem berühmtesten Detektiv aller Zeiten aus den Romanen von Sir Arthur Conan Doyle, der erste erschien vor nunmehr 130 Jahren, huldigt die Kriminalkomödie “Sherlock Holmes und die Schnecken von Eastwick“ aus der Feder von Schauspieler Michael Kuhn.

Die Premiere war am Sonntagabend im Boulevardtheater Dresden. Dieser ebenso verwicklungs- wie verführungsreiche Kriminalfall stellt den britischen Meisterdetektiv im karierten Mantel und Kappe und seinen Gehilfen Dr. Watson vor sehr weibliche Rätsel unter Regie von Olaf Becker. Im Salon des mondänen Landsitzes treffen sie in einer unheimlichen Gewitternacht auf den leblos auf dem Chesterfield-Sofa sitzenden Earl of Eastwick (Stephan Schill). Der nicht nur ein passionierter Rosenzüchter und Schneckenforscher war, sondern auch den Frauen sehr zugetan. Alle vier Damen in seinem Haus sind des Mordes verdächtig, sie kokettieren mit ihren Reizen, lästern übereinander mit spitzer Zunge und jede hat ihr kleines pikantes Geheimnis. Das blonde, kesse Hausmädchen Melody (Sarah Gebert) und die raffinierte ägyptische Köchin Yasmina (Ilona Raytman) ebenso wie die eifersüchtige Ehefrau Carla (Dorothee Krüger) und ihre ungeniert liebestolle Mutter (Monika Hildebrand).

Cool und galant löst Sherlock Holmes (Boris Schwiebert) den verzwickten Fall, in Denkerpose, im Rauch der Tabakpfeife und mit Lupe, begleitet von seinem gewitzt-tolpatschigen Gehilfen Watson (René Geisler). Um ein Haar erwischt es auch die so neugierig wie geschwätzige Hauswirtin Mrs. Hudson (Katrin Jaehne). Eine gelungene Mischung aus Spannung, schwarzhumorigem und verruchtem Witz und Grusel mit altenglischen, mitreißenden Musik- und Tanzeinlagen und überraschenden Wendungen ist diese Inszenierung.

Zuletzt bleibt nur noch der Gärtner mit auffallendem Bart übrig, der unerwartet auftaucht, sich genauso gut mit Rosen und Schnecken auskennt wie der Hausherr und gelegentlich Schach spielt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Begeisterter Beifall vom Publikum für einen intelligent-vergnüglichen Abend.

Nächste Vorstellungen: 27.2., 19.30; 2. und 3.3., 19.30; 4.3., 15+19.30; 5.3., 14+18
und 6.3., 19.30 Uhr

 

 

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Dresdner Reden 2017: Lukas Bärfuss – Am Ende der Sprache

11 Samstag Feb 2017

Posted by Lilli Vostry in Kultur, Literatur, Theater

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dscf9856Lukas Bärfuss

Es ist jedes Jahr spannend, wer bei den „Dresdner Reden“ ans Pult tritt. Seit ihrem Start im Jahr 1992 bis heute ist die Anziehungskraft beim Publikum ungebrochen, das Schauspielhaus an den vier Sonntagen Ende Januar und Februar meist ausverkauft. Dazu lädt das Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung jedes Jahr Persönlichkeiten aus Kunst, Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft ein, um mit den Zuschauern über welthaltige Themen nachzudenken.

Ein Blick auf die beeindruckend reichhaltige Rednerliste zeigt aber auch, dass in den Anfangsjahren deutlich mehr und charismatische Politiker bei den „Dresdner Reden“ sprachen wie Egon Bahr (gleich zweimal 1992 und 2002), Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Heiner Geißler, Wolfgang Thierse, Joschka Fischer bis Kurt Biedenkopf und viele andere. In den letzten Jahren und auch diesmal überwiegen die Schriftsteller, Publizisten und Soziologen. Zufall oder Ausdruck der politischen Sprachstörungen derzeit hierzulande? Ohnehin sind in letzter Zeit Orte des offen-unaufgeregten Mitdenkens und Zuhörens rar geworden.

In diesem Jahr traten bereits der Schriftsteller Ilija Trojanow und Lukas Bärfuss (Schweizer Essayist und Dramatiker) ans Pult. Nun folgt die israelische, in Marokko geborene Autorin und Soziologin Eva Illouz – zuletzt sorgte ihr Buch „Warum Liebe wehtut“, 2011 bei Suhrkamp erschienen, für Aufsehen – mit ihrer Rede: zu „Sexual Freedom and Social Uncertainty – sexuelle Freiheit und soziale Verunsicherung“ am 12. Februar im Schauspielhaus. Nach ihr spricht dort als letzter Redner der Politiker Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und  früherer Ministerpräsident Brandenburgs, zum Thema: „Brauchen Europa und Russland einander wirklich?“ (19. Februar, 11 Uhr).

Den Anfang bei den „Dresdner Reden“ 2017 machte der in Sofia geborene deutsche Schriftsteller Ilija Trojanow (sein Stück „Der Weltensammler“ wurde 2016 am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt) mit seiner Rede „Nach der Flucht – Gedanken über das restliche Leben“ (29.1.). Er sprach darüber, wie die Flucht aus der Heimat das Leben für immer verändert. Sie wirkt fort, unabhängig von individuellen Prägungen und davon, ob man sich integriert, , assimiliert oder außen vor bleibt, so Trojanow.

Lukas Bärfuss (seine Stücke „Der Bus – Das Zeug einer Heiligen“ und „20 000 Seiten“ über Vergessen und Erinnern waren auch im Dresdner Schauspielhaus und im Kleinen Haus zu sehen) setzte sich am vergangenen Sonntag in seiner anekdotenreichen, mit viel Ironie gewürzten und mit reichlich Beifall bedachten Rede „Am Ende der Sprache“ mit derzeitigen Kommunikationsverunsicherungen, die auch sprachliche Unklarheit hervorbringen, auseinander. Er fragte sich, was derzeit geschieht in Dresden und Sachsen, dass ihn Freunde warnten vor seiner Reise nach Dresden, da es dort „gefährlich“ sei, Fremde angegriffen und angepöbelt würden. Tatsächlich fühle er sich auch als ein Mensch aus Sachsen und besorgter Bürger, so Bärfuss, auch wenn er in den Schweizer Bergen aufwuchs und Schweizer Dialekt spreche. Er sei eingebürgert durch seine weitläufigen Streifzüge und Wanderungen u.a. durch die Oberlausitz und Heimat der Sorben, seit seinem zwölften Lebensjahr war er hier unterwegs und der literarische Held seiner Jugendjahre hieß „Krabat“ aus dem Roman von Otfried Preuß. Einer, der überall zuhause ist und ein Herumtreiber wie Bärfuss. Aus Büchern wie diesem lernte er Zaubern, List und Umgang mit den Armen dieser Welt. Kurz nach dem Mauerfall reiste er mit drei Freunden im Auto mit Schweizer Kennzeichen durch den Osten Deutschlands, misstrauisch beäugt von den Leuten von Zwickau bis Hoyerswerda, Dresden  und Prag. Er wurde 26 Jahre nach Kriegsende geboren und sah in Dresden noch den Trümmerhaufen der Frauenkirche. In seiner Rede dachte Bärfuss nach über Sinn und Wirksamkeit von Sprache, ihren Ge- und Missbrauch in Politik und Gellschaft, über ad absurdum geführte Befehle durch den „Braven Soldat Schwejk“ von Hasek, der alles versteht, aber nie so wie es gemeint ist. Es gibt magische Worte, die „fürchterlich mächtig“ wirken können bis zum Stumm und Gelähmt sein am Ende der Sprache, wenn die Gewalt, Hass und Kälte beginnen. „Zurzeit gibt es wieder viele Zauberkünstler, die nicht wollen, dass wir denken und sprechen, alles nur Worte, Worte, Worte…“, sagte Bärfuss.

„Zauberworte treffen immer eine Gemütslage, Ressentiments. Das Gefühl des Zukurzkommens, Beleidigt seins, das jemand sein Wort nicht gehalten hat…“ Der Zustand einer Gesellschaft lässt sich auch am Reichtum, der Vielfalt oder dem Verfall und der Verarmung der Sprache ablesen. Zuerst gibt es eine Verödung, Verwirrung und Vereinfachung der Sprache, zitierte Bärfuss Victor Klemperer. Dresden sei ein Ort auch des Schmerzes und der Reduktion, an dem das Gewesene und Verschwundene bis heute nachwirke. Mit den Demos und dem gewaltbereiten Polizeiaufgebot 1989 schien wieder das Ende der Sprache erreicht. „Doch hier entschied man sich gegen die Parolen, die Schlagstöcke verstummten und die Sprache begann. Und die andere Möglichkeit für die Sprache, die freie Rede“, so Bärfuss. Diese brauche Räume, Menschen die sie ermöglichen und Mut. Sowohl in Dresden als auch der Schweiz und anderen Ländern Europa seien aber auch Engstirnigkeit, Geschichtsvergessenheit und Rechtspopulisten wieder verbreitet. „Im Unterschied zu hier ziehen sie nicht krakeelend durch die Straßen. Das ist auch nicht nötig. Bei uns sitzen sie in der Regierung!“, so Bärfuss.

Als Dichter sucht er nicht nach Kompromiss und Konsens, sondern nach der Wahrheit: „Ich weiß, es gibt sie. Ohne Wahrheit gibt es keine Menschlichkeit. Zaubersprüche enthalten keine Wahrheit. Sie sind das Ende der Sprache.“ Lukas Bärfuss träumt von einem Zustand, bei dem „keine Lücke bleibt, Gesagtes und Gemeintes, Worte und Sache zusammenfallen, auch eine Erlösung und ein Ende der Doppeldeutigkeiten und Angst im Herzen des anderen stattfinden. Dort wo ein Kuss beginnt am anderen Ende der Sprache.“ Und die Sprache der Zärtlichkeit die Menschen verbindet.

 

 

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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