Um Liebe, Leid und Rache und deren Sinn geht es im Stück „Der Graf von Monte Christo“ nach dem Roman von Alexandre Dumas im Schauspielhaus Dresden.

Sein Roman gehört zu den berühmtesten Werken der französischen Literatur und ist ein Klassiker der Mantel-Degen-Filme. Ganz anders kam der Graf in der Inszenierung von Simon Solberg auf die Bühne. Halb wilde Abenteuergeschichte, halb Politkrimi mit aktuellen Bezügen wie Finanzgeschäfte an der Börse und Poker um einzelne EU-Länder mit millionenschweren Gewinnern und Verlierern, spinnt er den historischen Stoff in die Gegenwart weiter. Als Spielkulisse dienen Metallgestelle, die Schiffe darstellen und abwechselnd in Nebel und südliches Licht getaucht, im Hafen von Marseille eintreffen.

Eine Gruppe Reisender, Seeleute, Gestrandete und Geflüchtete, erscheint im Halbdunkel mit Taschenlampen. Im Hintergrund Meerrauschen und Akkordeonklänge. Abwechselnd erzählen sechs Schauspieler, klangreich begleitet von einem Musiker, MC Hector Berlioz (Sven Kaiser) mit Mikro, temporeich, atemlos, sich gegenseitig übertreffend und reißerisch über Leid und Gewalt. Dramatisch-komisch zugespitzt, mehr surreal als real und weit weg, so dass kaum Mitgefühl mit dem verzweifelten Gefangenen aufkommt. Stattdessen wirkt die schrille Szenerie irritierend und geht man innerlich auf Distanz.

Solberg nimmt die Zuschauer mit auf einen wahnwitzigen Rachefeldzug mit überraschenden Wendungen. In dieser Geschichte über den Seemann Edmond Dantés, der durch eine Intrige seine Braut und seinen Kapitänsposten verliert und 14 Jahre unschuldig auf der Gefängnisinsel Chateau d`If eingesperrt ist. Von einem Mitgefangenen, einem Geistlichen erfährt er von einem vergrabenen Schatz nahe der Insel Elba, mit dem er nach seiner spektakulären Flucht als reicher Mann in seine Heimat zurückkehrt und grausame Rachepläne schmiedet.

Den Graf von Monte Christo spielt Torsten Ranft mit viel Sarkasmus als einen Menschen, der geschunden an Leib und Seele, hart und verbittert geworden, Vergeltung sucht und zuletzt erkennt, dass er im Leid anderer keine Genugtuung findet. Ein anspruchsvoller Theaterabend, einfallsreich mit vielen Film- und Musikzitaten, aber leider überfrachtet mit seiner multimedialen Bilderfülle aus Historie und aktueller Politik und einem Rundumschlag in Sachen Kapitalismuskritik, verpufft vieles bzw. bleiben Zusammenhänge unklar. Das Publikum reagierte mit mäßigem Beifall auf die Inszenierung.

Nächste Vorstellungen: 16. und 29.3., 19.30 Uhr.

Foto: Matthias Horn

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