Ein Leben mit Büchern – Alberto Vigevani

Am 23. Februar  jährte sich der Todestag des italienischen Autors, Verlegers und Buchhändlers Alberto Vigevani (1918 – 1999) zum zwanzigsten Mal.  Im Gespräch erinnert sich sein Sohn Marco Vigevani an das Aufwachsen zwischen Bücherstapeln, gemeinsame literarische Vorlieben und daran, wie die Flucht vor den Faschisten im Leben des Vaters nachhallte.
Marco Vigevani. Foto: privat
Marco Vigevani, Ihr Vater Alberto hat sein Leben den Büchern gewidmet. »Die Bücher sind wohl mein Schicksal«, sagte er.

Wie wächst man auf als Kind eines Bibliomanen?

Wie wächst man als Kind eines Försters auf? Von Bäumen umgeben! So war es auch bei uns zu Hause: Eine ganze Etage unserer Wohnung war der Bibliothek gewidmet. Wenn ich den Vater in seinem Büro in der Stadt aufsuchte, befand ich mich in einer antiquarischen Buchhandlung umgeben von mysteriösen, ledergebundenen Werken. Oder, falls er im Verlag war, von Stapeln frischgedruckter Exemplare einer Neuausgabe, fertig für die Spedition. Nach seiner täglichen Siesta schloss sich mein Vater in seinem Studio ein, von dort sickerte stundenlang das Klack-Klack der Triumph-Schreibmaschine bis in mein Schlafzimmer. Wenn er fertig mit dem Schreiben war, gab er mir öfter die wenigen Seiten zu lesen, die er gerade zum x-ten Mal korrigiert und poliert hatte. Ein- oder zweimal im Monat kamen Gäste zum Abendessen, darunter auch befreundete Schriftsteller und Dichter. Als Jugendlicher half ich beim Servieren, durfte von meinen Studien erzählen und an der allgemeinen Konversation teilnehmen.
Lesen, schöne moderne oder antike Bücher durchzublättern und zu bewundern, über das Gelesene zu diskutieren, gehörte bei uns zum Alltag. Trotz alledem hat mein Vater mich nie zu einer literarischen, verlegerischen oder buchhändlerischen Karriere angeregt, es war wahrscheinlich einfach die Umgebung, der »Wald«, der auf mich wirkte.Die erste Buchhandlung Ihres Vaters, La Lampada, war während der faschistischen Diktatur eine Anlaufstelle für Oppositionelle, 1943 floh er ins Schweizer Exil.

Wie haben diese Erfahrungen das literarische Werk Ihres Vaters beeinflusst?
Das ist schwer zu beurteilen. Sicherlich waren die rassistische Verfolgung, das Ausharren in Mailand unter dem Bombenhagel, die Flucht in die Schweiz mit seiner jungen Ehefrau und dem sechsmonatigen Kind prägende Erfahrungen seines Lebens. Die Sorgen um das Brot – im weitesten Sinne des Wortes – und überhaupt um die Familie waren für ihn immer präsent. Es gab eine existentielle Angst, dass all das schwer Errungene – im privaten aber auch im öffentlichen Leben – wieder verlorengehen könnte.Vielen der Helden Ihres Vaters begegnen wir in ihrer Reifezeit. Auch der Erzähler Giacomo in »Sommer am See« steht an der Schwelle von der Kindheit zum Erwachsenenalter.
Welche Rolle spielten diese Jahre für Ihren Vater?
Mein Vater hat seine Mutter wenige Monate nach seiner Geburt an die spanische Grippe verloren, und sein innig geliebter Vater starb, als er kaum 18 Jahre alt war. Die frühen Lebensjahre und die Reifezeit waren der Kern und der Keim sowohl seines Lebens als auch seines literarischen Schaffens. Nicht von ungefähr war Proust sein literarisches Vorbild.In Ihrer Familie ist der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen – Sie sind heute Literaturagent.
Welche literarischen Vorlieben haben Sie von Ihrem Vater übernommen?
Viele, sehr viele. Die großen jüdischen, zum Teil amerikanischen Schriftsteller wie Bellow, Malamud, Roth, die beiden Singer aber auch Thomas Mann, Kafka, Joseph Roth, Celan, Canetti und viele andere. Nur für Proust kann ich mich bis heute nicht begeistern, obwohl ich mehrmals versucht habe, die Recherche zu lesen. Mein Vater war auch ein leidenschaftlicher Leser von Geschichtsbüchern: Bloch, Braudel, Shirer, Gibbon und andere waren alle in seiner Bibliothek vertreten. Dieses Interesse für die Geschichte habe ich wahrscheinlich von ihm übernommen.
Text: Friedenauer Presse Berlin
Die Erzählung »Sommer am See« erschien 2007 bei der Friedenauer Presse in der Übersetzung von Marianne Schneider erstmals auf Deutsch. Ab dem 22. Februar 2019 ist die Nachauflage des Buches erhältlich.
128 Seiten | fadengeheftete französische Broschur | 18 €
ISBN 978-3-932109-50-8
»Sommer am See« ist das erste Buch der Friedenauer Presse, das sich im neuen Kleid präsentiert: statt Folienverpackungen setzt der kleine Verlag künftig auf umweltfreundliche Papiereinbände.

Bücher-Frühling: Neue Bücher

13 Buchempfehlungen von mir. Einige der Bücher begleiten mich schon eine Weile, andere sind druckfrisch. Es sind faszinierende, ungewöhnliche, wundersame, witzig-verrückte, aufregende, abenteuerliche, berührende Geschichten.

Sie entführen in flirrend-einprägsamen Bildern ins Mailand der 1930er Jahre, mit feinfühlig geschilderten Erinnerungen an erste Liebeserfahrungen in der Erzählung „Sommer am See“ von Alberto Vigevani, Buchhändler und Verleger.

Weitergeht`s in Londons einzigartigen Spielzeugladen, Schauplatz des zauberhaften Liebes- und Familienromans „Die kleinen Wunder von Mayfair“ anfangs des 20. Jahrhunderts. Eindrucksvoll erzählt außerdem Edward Debicki vom Schicksal seiner Familie, wie er Polska Roma, während des Zweiten Weltkrieges in seinem erstmals auf Deutsch erschienenen Buch „Totenvogel“.

Über Menschen mit großen und kleinen Seltsamkeiten, die Kraft des Lachens, wann und warum es not tut, erzählt hinterrücks humorvoll und witzig-ernsthaft zugleich der – hierzulande noch kaum bekannte! – Argentinier César Aira, von dem gleich zwei neue Bücher gerade erschienen sind: „Was habe ich gelacht“ und „Das Testament des Zauberers Tenor“.

„Das zweite Buch Vivaldi“, das dritte ist auch schon draußen, von Jens-Uwe
Sommerschuh versammelt verkaterte Kolumnen aus dem Elbtal, und dem größten Museumsraub der Naturgeschichte kommt ein passionierter Fliegenfischer auf die Spur im Roman „Der Federndieb“.

In die Gedankenwelt und den Kosmos des großen, mystischen Philosophen Jacob Böhme kann man in den beiden Bänden „Alles in Allem“ und
“Grund und Ungrund“ eintauchen.

Wie sie ihr Lebensglück gefunden haben, erzählen Menschen freimütig und mutmachend in 44 Geschichten im Buch „Wozu ich geboren wurde“. Über die Gegenwart in unserem Land reflektieren namhafte Autoren wie Ingo Schulze, Marcel Beyer u.a. im Band „Gespaltenes Land“ mit Beiträgen eines Symposiums der Sächsischen Akademie der Künste im Mai 2018.

Weitere und ausführliche Buch-Rezensionen folgen demnächst.

Lasst Euch überraschen!

Text und Fotos (lv)

Alberto Vigevani
„Sommer am See“
Friedenauer Presse, 2018
18 Euro

Josefine Klougart
„Einer von uns schläft“
Matthes & Seitz Berlin, 2019

Robert Dinsdale
„Die kleinen Wunder von Mayfair“
Knaur, 2018
16,50 Euro

Kirk Wallace Johnson
„Der Federndieb“
Droemer, 2018

Edward Debicki
„Totenvogel“
Friedenauer Presse, 2018
22 Euro

César Aira
„Was habe ich gelacht“
Matthes & Seitz Berlin, 2019
16 Euro

César Aira
„Das Testament des Zauberers Tenor“
Matthes & Seitz Berlin, 2019
18 Euro

Wiete Lenk
„Krähenbeißer“
Zwiebook
12,90 Euro

Michael Braun Alexander
„Madame Jakublonskis Monstrositäten-Cabinet“
Salomo
15 Euro

Jens-Uwe Sommerschuh
„Das zweite Buch Vivaldi“
Zwiebook
12 Euro

Jacob Böhme
„Alles in allem – Die Gedankenwelt des mystischen Philosophen“ und „Grund und Ungrund“
Sandstein Verlag
35 Euro

„Gespaltenes Land – Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag?“
Mit Beiträgen von Ingo Schulze, Marcel Beyer u.a.
Sächsische Akademie der Künste, Sandstein Verlag

„Wozu ich geboren wurde. Menschen. Ihre Lebenswege. Ihre Mission“
Druckerei Schiemenz GmbH

Scott Galloway
„the four – Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google“
Plassen Verlag
24,99 Euro

Literatur-Café Ahoj im Tschechischen Zentrum in Berlin eröffnet

Prager Kaffeehauskultur an der Spree

Im Vorfeld der Leipziger Buchmesse mit Tschechien als Gastland eröffnet das Literatur-Café Ahoj im Tschechischen Zentrum in Berlin.

Aus Anlass des tschechischen Gastlandauftritts bei der Leipziger Buchmesse 2019 eröffnet das Tschechische Zentrum Berlin das Literatur-Café Ahoj: Vom 28.2. bis 3.4. wird dort Prager Kaffeehauskultur zu erleben sein, die von je her den leidenschaftlichen Austausch über Literatur, Kunst und Musik beflügelt hat.

In der Galerie des Tschechischen Zentrums bietet das Literatur-Café Ahoj böhmisches Backwerk und mährischen Wein. Ein Pop up Buchladen stellt die neu erschienenen tschechischen Werke aus, die Wände werden tschechische und slowakische Illustrationskunstwerke zieren. Abends, ab 19 Uhr, treten Autorinnen und Autoren zu Lesungen und Gesprächen auf, finden Konzerte oder Filmvorführungen statt. Der Eintritt ist frei.

Zur Eröffnung des Literatur-Cafés Ahoj am 28. Februar, um 19 Uhr in der Galerie des Tschechischen Zentrums Berlin, Wilhelmstraße 44/Eingang Mohrenstraße  treten die Graphic-Novel-Autoren Jan Novák und Jaromír 99 auf und stellen ihr soeben erschienenes Werk „Tschechenkrieg“ vor. Im Anschluss folgt ein Konzert von J99&DnR, dem neuen Projekt der Musiker Jaromír 99 (Gesang, Vocoder), Dušan Neuwerth (Gitarre, Gesang) und Zdeněk Jurčík (Percussion, Keyboard, Vocoder).

Bis zum 3. April finden folgende weitere Veranstaltungen im Literatur-Café Ahoj! statt:

Mo., 4.3.2019, 19 Uhr

DokuMontag mit dem Debütfilm Švéd v žigulíku / The Russian Job

CZ 2017, 63 Min, OmeU, Regie: Petr Horký
Ein schwedischer Manager wird angeheuert, um einen ehemaligen Vorzeigebetrieb der Sowjetunion zu retten. Der Debütfilm von Petr Horký erhielt den Pavel Koutecký Preis 2018.

Di., 5.3.2019, 19 Uhr

Deutsch-tschechische Poetry Slam Show mit Jaromir Konecny und Freunden
Jaromir Konecny (D, CZ), Kirsten Fuchs (D) und Anatol Svahilec (CZ) führen deutschen und tschechischen Wortwitz vor.

Do., 7.3.2019, 19 Uhr

Poesie und Musik: Zuzana Lazarová, Ondřej Cikán und Polanský wtf Langmann

Deutsch-tschechische Lesung von Gedichten, begleitet von einer progressiven musikalischen Performance.

Mi., 13.3.2019, 19 Uhr

Tschechien erlesen: Kateřina Tučková – Gerta. Das deutsche Mädchen

Die bewegende Geschichte einer deutschen Familie aus Brünn. Lesung und Gespräch mit der Romanautorin (tsch. und dt.) in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Mo., 18.3.2019, 19 Uhr

DokuMontag mit dem Film Der Prinz und der Dybbuk

PL/D 2017, 82 Min., OmU, Regie: Elwira Niewiera & Piotr Rosołowski
Der Pole Michał Waszyński, der nach 1945 in Italien lebte und sich „Prinz” bzw. Michael Waszyński nannte, produzierte einige der größten Hollywood-Filme. Aber wer war er wirklich? Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin. In Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin.

Di., 19.3.2019, 19 Uhr

Buchpremiere Prag – eine literarische Einladung
Die Stadt Prag wird durch die Augen ihrer Autorinnen und Autoren vorgestellt. Es spricht Herausgeberin Petra Knápková, es liest der Schauspieler Denis Abrahams. In Kooperation mit dem Wagenbach Verlag Berlin.

Mo., 25.3.2019, 19 Uhr

Tschechien erlesen: Jiří Hájíček – Dann blühen die Gräser

Lesung und Gespräch (tsch. und dt.) mit dem Romanautor, der sich auch bestens auf das kleine Format der Erzählung versteht. In Kooperation mit dem Verlag Větrné mlýny.

Mi., 27.3.2019, 19 Uhr

Vom Verse schmuggeln. Ein Übersetzergespräch
Kathrin Janka (Parsteinsee), Mirko Kraetsch (Berlin), Martina Lisa (Leipzig) und Pavel Novotný (Liberec) sprechen über die kreative Arbeit beim Projekt VERSschmuggel und die besonderen Herausforderungen beim Übersetzen von Poesie. In Kooperation mit dem Haus für Poesie Berlin.

Fr., 29.3.2019, 20 Uhr

WWW – wilhelmstr./ electronic

Konzert mit grüblerischen, unglücklichen, aber poetischen Liedtexten voller Wortspiele und einem ganz speziellen Sound zwischen Hip Hop und Electro.

Mo., 1.4.2019, 19 Uhr
Tschechien erlesen: Jaroslav Rudiš & Martin Becker
Jaroslav Rudiš moderiert Martin Becker. Martin Becker moderiert Jaroslav Rudiš. Und beide lesen aus ihren Büchern „Winterbergs letzte Reise“ und „Warten auf Kafka“.

Mi., 3.4.2019, 19 Uhr

Finissage mit Jaromír Typlt und Ivan Palacký – Šlahouny ve větve/ Ranken in Zweige

Performance des Dichters und Kunsttheoretikers Jaromír Typlt und des Musikers und Architekten Ivan Palacký mit Poesie und Klangkunst.

Geöffnet hat das Literatur-Café Ahoj vom 1.3. bis 3.4. Montag bis Samstag, 12-18 Uhr, bei Abendveranstaltungen ab 12 Uhr durchgehend.

Das Literatur-Café Ahoj wird aus Anlass des Gastlandauftritts Tschechiens bei der Leipziger Buchmesse 2019 vom Tschechischen Zentrum Berlin veranstaltet. Mit freundlicher Unterstützung vom Kaffeehaus manacoffee, Festival LUSTR, dem Weinhandel HRDINA&dcera, der Buchhandlung Bücher am Nonnendamm sowie dem Grafik Designer Martin Hrdina.

Text: Susanne Meierhenrich/Pressebüro Leipziger Buchmesse

Weitere Informationen

http://berlin.czechcentres.cz/programm/event-details/cafe-ahoj/

www.ahojleipzig2019.de

Leipziger Buchmesse: „Zwischenstopp Dresden. Generation 89 – Literatur in Ausnahmezuständen“

Literatur unterwegs

Auf ihrem Weg von Prag nach Leipzig legen zehn Autorinnen und Autoren einen Zwischenstopp ein. Das deutsch-tschechische Literatur-Treffen findet am 19. März, ab 18 Uhr am Dresdner Hauptbahnhof statt, wo einst die Züge der Ausreisewilligen aus der DDR nach Prag hielten.

3.600 inspirierende Begegnungen mit Autoren und ihren Werken – Leipzig liest lädt ein zu literarischen Entdeckungsreisen, scharfsinnigen Analysen und spannender Unterhaltung im Rahmen der Buchmesse (vom 21. bis 24. März).

Schriftsteller? Den Beruf gibt es nicht. Das behauptet zumindest der Sachbearbeiter des Arbeitsamts gegenüber dem hilfesuchenden Schriftsteller im neuen Roman „Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück“ von Tomer Gardi. Dass es diesen Beruf gibt und wie fantastisch sowie inspirierend er ist, beweist nicht nur der Protagonist des Romans. Das zeigen vom 21. bis 24. März auch eindrücklich die 3.400 Mitwirkenden von Europas größtem Lesefest Leipzig liest in 3.600 Veranstaltungen an 500 Orten auf dem Leipziger Messegelände sowie in der Stadt Leipzig. Vier Tage lang stehen sie stellvertretend für die lebendige internationale Literaturszene auf den Leipziger Bühnen und bieten literarische Entdeckungen, spannende Debatten zu aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen und gute Unterhaltung.

„Ahoj Leipzig! Gastland Tschechien stellt Programm zur Leipziger Buchmesse vor

Auf der gestrigen Pressekonferenz zur Leipziger Buchmesse hat Martin Krafl, Koordinator des tschechischen Gastlandauftritts, das Buchmesseprogramm vorgestellt. Die tschechische Republik ist in Leipzig mit 70 Neuerscheinungen und 55 Autorinnen und Autoren vertreten, die dafür vom Dramaturgischen Rat ausgewählt worden sind:

Michal AlvazDžian Baban, Bianca Bellová, Petr Borkovec, Eugen Brikcius, David Böhm, Tereza Boučková, Dora Čechova, Radka Denemarková, Milan Děžinský, David Drábek, Sylva Fischerová, Radek Fridrich, Renáta Fučíková,Zuzana Fuksová, Thomás Glanc, Arnošt Goldflam, Jiří Grus, Jiří Hájíček, Viktorie Hanišová, Petr  Hruška, Jaromír 99,Dora Kaprálová, Pavel Kohout, Stanislav Komárek, Jiří H. Krchovský, Lucie Lomová, Radek Malý, Vratislav Maňák,Vojtěch Mašek, Galina Miklínová, Marka MíkováJan Němec, Jan Novák, Iva Pekárková, Markéta Pilátová,   Jiří PřibáňIva Procházková, Martin Reiner, Sylvie RichterováJaroslav Rudiš, Tomáš Sedláček, Tereza Semotamová,Marek Šindelka, Petr SísMatěj SpurnýPetr Stančík, Marek Toman, Jáchym Topol, Kateřina TučkováJaromír TypltPetr Váša, Martin VopěnkaDavis Zábransky, Petr Zelenka.

Auf mehr als 130 Veranstaltungen, im Messegelände und in der Leipziger Innenstadt, wird tschechische Literatur zu erleben sein: auf dem Messegelände insbesondere am tschechischen Nationalstand in Halle 4, D 401, der mit einem Veranstaltungsforum versehen ist. Comics, Kinder- und Jugendliteratur werden in Halle 2, H 301 vorgestellt. Darüber hinaus finden tschechische Veranstaltungen im Café Europa, im Forum OstSüdOst und im Forum International statt sowie auf mehreren namhaften Medienpodien, darunter das Blaue Sofa, die LVZ-Autoren-Arena und der ARTE-Stand. An den Messeabenden treten tschechische Literaten an über zehn verschiedenen Orten in der Leipziger Innenstadt auf wie dem Café und Club Telegraph, der Diskothek des Schauspiels Leipzig, der Schaubühne Lindenfels, dem UT Connewitz, der Stadtbibliothek und der Galerie KUB.

Im Mittelpunkt der Lesungen und Diskussionen stehen Themen wie die deutsch-tschechischen Beziehungentschechische Literatur im deutschsprachigen RaumBrexit und die Krise Europasdie Perspektiven der jüngeren Autorengeneration oder die literarische Verarbeitung der Entwicklung nach 1989. Gleich beim Eintritt in die Messe-Glashalle wird die Revolution von 89 als zentraler Bezugspunkt des tschechischen Auftritts unübersehbar sein, indem die Besucher dort auf die Skulptur „Quo Vadis“ des Künstlers David Černý treffen: einen Trabi auf vier Beinen. Die Skulptur, die auch im Garten der Deutschen Botschaft in Prag sowie im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig steht, erinnert an die Grenzöffnung und Ausreise der Botschaftsflüchtlinge aus Prag.

Buchmessedirektor Oliver Zille stellt heraus: „Das Programm unseres diesjährigen Gastlandes ist einzigartig. Die Eingliederung des Gastlandauftrittes in das gesamte Tschechische Kulturjahr, 70 neue Übersetzungen für den deutschen Markt und mehr als 130 Veranstaltungen im Rahmen der Leipziger Buchmesse sorgen schon jetzt für Aufmerksamkeit in der Buchbranche. Ich bin mir sicher, dass unsere Leser großartige Entdeckungen machen und unseren Nachbarn in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken werden. Für dieses Engagement möchte ich den Organisatoren des Gastlandes danken.“

Projektkoordinator Martin Krafl unterstrich: „Ich würde mich freuen, wenn der tschechische Gastlandauftritt in Leipzig und unser Kulturjahr die tschechische Literatur und Kultur im deutschsprachigen Raum dauerhaft präsent halten würden und die SchriftstellerInnen und KünsterInnen unserer beiden Länder im Dialog blieben. Dies ist wichtig für unsere Nachbarschaft, welche auf Nähe und dem gegenseitigen Kennenlernen beruht.“

Literarischer Auftakt in Dresden und Leipzig

Bereits am 19. März findet der tschechische Auftakt in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden statt, wo zehn Autorinnen und Autoren auf ihrem Weg von Prag zur Leipziger Buchmesse einen Zwischenstopp einlegen: „Zwischenstopp Dresden. Generation 89 – Literatur in Ausnahmezuständen“, heißt das deutsch-tschechische Autorentreffen ab 18 Uhr am Dresdner Hauptbahnhof, veranstaltet gemeinsam u.a. mit Euroregion Elbe/Labe, der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek, dem Festival „Literatur Jetzt!“ und dem Kulturhauptstadtbüro Dresden 2025. Erwartet werden Martin BeckerRadka DenemarkováJulia Schoch und Jáchym Topol sowie Jaroslav Rudiš mit der Kafka Band. Außerdem wird dort um 15.30 Uhr die Ausstellung „Die Botschaftsflüchtlinge auf ihrer Fahrt von Prag nach Hof“ eröffnet. Mit dem Hauptbahnhof als Austragungsort für dieses Autorentreffen soll an den dortigen Ausnahmezustand rund um den 3. und 4. Oktober 1989 erinnert werden. Die Autorinnen und Autoren diskutieren darüber, was diese Ereignisse von vor 30 Jahren für sie heute aus tschechischer und deutscher Perspektive bedeuten.

Auch in Leipzig wird es bereits am Vorabend der Buchmesse-Eröffnung einen tschechischen Auftakt geben: Im Haus des Buches eröffnet die Ausstellung „Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel“ mit Pavel Kohout und seiner Tochter Tereza Boučková. Zeitzeugnisse wie Briefe, Fotografien, Zeitungen und Bücher erzählen davon, wie die Politik das persönliche Schicksal des tschechisch-österreichischen Schriftstellers Pavel Kohout bestimmte und sein Leben als Entscheidung gegen die Ideologie und für die Freiheit prägte.

Eröffnung mit Filmpremiere „Orangentage“ und Kafka-Band

Zur Eröffnung des tschechischen Buchmesse-Programms am 20. März feiert der Kinder- und Jugendfilm „Orangentage“, eine tschechisch-deutsch-slowakische Koproduktion (Regie: Ivan Pokorný), im Regina-Palast in Leipzig Premiere: eine Teenagergeschichte über die erste Liebe und das Erwachsenwerden nach dem gleichnamigen preisgekrönten Roman von Iva Procházková. Die Autorin wird ihr Buch auf der Leipziger Buchmesse u.a. in Halle 2, am tschechischen Kinderforum vorstellen. Am 30. Mai wird barnsteiner-film „Orangentage“ in die deutschen Kinos bringen.

Am Abend des 20. März, ab 21 Uhr, beginnt der musikalische Auftakt: Jaroslav Rudiš und die Kultgruppe Kafka Bandtreten in der Schaubühne Lindenfels auf. Neben Jaroslav Rudiš gehört der Zeichner und Musiker Jaromír 99 zur Band, beide wurden in Deutschland durch ihre Graphic Novel „Alois Nebel“ und deren Verfilmung bekannt. Die Kafka Band schöpft ihre Inspiration aus der Literatur Franz Kafkas und verwandelt sie in Klang und Rhythmus. Nach ihrem Album „Das Schloss“ hat die Band jüngst Kafkas Roman „Amerika“ in zwölf Songs musikalisch umgesetzt.

Tschechische Thementage auf dem Messegelände

An den Buchmessetagen, 21. bis 24. März, wird der Gastland-Auftritt auf dem Messegelände am tschechischen Nationalstand jeden Tag unter ein bestimmtes Thema gestellt, das ein prominenter Pate vertritt. Die Paten und ihre Werke werden täglich um 10 Uhr vorgestellt. Darauf gibt es wechselnde Lesungen aus den tschechischen Neuerscheinungen, und um 14 Uhr findet eine Debatte zum Tagesthema statt. Gegen 17 Uhr endet der Messetag mit einer Performance von Zuzana Fuksová, die Rückblicke auf die Highlights des Tages gibt.

Die tschechischen Tagesthemen:

Messedonnerstag: „Literatur im Ausnahmezustand“ mit Patin Radka Denemarková, die vielfach preisgekrönte und europaweit bekannte Autorin, deren neues Buch „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ kürzlich erschienen ist.

Messefreitag: „In der neuen Welt – Generation 89“ mit Pate Jaroslav Rudiš, international bekannter Autor, dessen jüngstes Buch „Winterbergs letzte Reise“ auf der Shortlist in der Kategorie Belletristik des Leipziger Buchpreises steht

Messesamstag: „Krisenzeiten? – Europa heute“ mit Pate Jiří Přibáň, der in England lehrende, international renommierte Jurist und Soziologe

Messesonntag: „Literatur der Beunruhigung“ mit Pate Tomáš Glanc, namhafter Osteuropaexperte, Kulturwissenschaftler und Slawist.

Auch das tschechische Kinderforum in Halle II wird von Paten betreut: der Autorin Iva Procházková, die mit ihrem Buch „Orangentage“ über die Grenzen hinweg bekannt ist, und Petr Sís, der weltweit anerkannte tschechische Buchautor, Maler und Regisseur.

Höhepunkte des tschechischen Messeprogramms:

21.3.: Nationalstand, 10 Uhr, Radká Denemarkova über ihr neues Buch „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“; 12 Uhr, feierliche Eröffnung des tschechischen Nationalstandes unter Anwesenheit des Kulturministers der Tschechischen Republik; 14 Uhr: Jáchym Topol und Radka Denemarková über ihr Leben als Schriftsteller; Kinderforum, 16 Uhr: Gespräch über den tschechischen Comic heute; 17 Uhr Tages-Rückblick

22.3.: Nationalstand, 10 Uhr Jaroslav Rudiš über sein neues Buch „Winterbergs letzte Reise“; Kinderforum: „Kafkas Prag“ mit Renáta Fučíková und Radek Malý; Café Europa, 13 Uhr: „Am Ende – Europa! Die Bedeutung Europas für Polen, Ungarn und Tschechien; Kinderforum, 13 Uhr: Petr Sís, „Zurück in die Kindheit“; Forum OstSüdOst,14 Uhr: „Das Scheitern des Staatssozialismus“, Gründe und Folgen; Forum International, 17 Uhr: Iva Pekárková und Jan Novak über tschechisch-amerikanische Erfahrungen; Nationalstand, 17 Uhr, Tages-Rückblick

23.3.: Nationalstand, 10 Uhr: Jiří Přibáň, Krisenzeiten? – Europa heute. Welche Möglichkeiten hat Europa, aus der Krise gestärkt herauszukommen?; Nationalstand, 14 Uhr: Iva Pekárková und Jiří Přibáň: „Brexit. Zwei tschechische Schicksale im Vereinigten Königreich“; Café Europa, 14 Uhr: „Die Sezession: Tschechien und Slowakei“ mit Radka Denemarková, Tomáš Kafka, Irena Brežná; Leseinsel Junge Verlage, 15:30 Uhr: Jaromír Typlt stellt Lyrik aus Tschechien vor; Kinderforum, 16 Uhr: Lucie Lomová, tschechische Comic-Künstlerin, gibt einen Workshop über „Goldene tschechische Märchen“; Nationalstand 17:30 Uhr, Tages-Rückblick

24.3., Nationalstand, 10 Uhr: Tomáš Glanc über „Literatur der Beunruhigung“; Kinderforum, 11 Uhr: Iva Procházková präsentiert ihr Buch „Orangentage“; Nationalstand, 14 Uhr: „Wie politisch kann und soll die Kunst sein?“ mit dem Slawisten Tomáš Glanc, dem Ökonomen Tomáš Sedláček und dem Historiker Matěj Spurný; Nationalstand, 15:30 Uhr: Get together, Zusammentreffen der AutorInnen und LeserInnen.

Tschechische Autorinnen und Autoren werden darüber hinaus auf den großen Veranstaltungsforen und in den Medien zu erleben sein, darunter:

Blaues Sofa: Pavel Kohout gemeinsam mit Jaroslav Rudiš (21.3.), Jáchym Topol (22.3.) und Radka Denemarková (24.3.), jeweils 11 Uhr

Arte-Stand: Tereza Semotamová (21.3.), Radka Denemarková (22.3.) und Kateřina Tučková (23.3.), jeweils 14 Uhr

LVZ-Autoren-Arena: Pavel Kohout (21.3., 13 Uhr), Radka Denemarková (23.3., 13 Uhr) und Jaroslav Rudiš (24.3., 11 Uhr)

3sat Kulturzeit-Forum: Jiří Hájícek (22.3., 15 Uhr).

Lesungen, Diskussionen, Ausstellungen, Filme und Musik in der Leipziger Innenstadt

An den Messeabenden in der Leipziger Innenstadt wird tschechische Literatur und Kultur an mehr als zehn verschiedenen Orten vorgestellt, flankiert durch Ausstellungen, filmische und musikalische Darbietungen.

Tschechische Programmhöhepunkte in Leipzigs Innenstadt:

21.3.: Stadtbibliothek, 17 Uhr, Jáchym Topol: „Literatur in der Ausnahmesituation“; Galerie KUB, 18.30 Uhr, Jaromír 99 und Jan Novák: „Tschechenkrieg“. Die neueste Graphic Novel des Autorenduos mit Lesung und Musik; Schaubühne Lindenfels, 19 Uhr: Reihe Drama Panorama mit neuen politischen Stücken aus Tschechien

22.3.: Neues Rathaus, Ratsplenarsaal, 15 Uhr: Präsentation der Gesamtausgabe des Werks von Jiří Gruša; Galerie KUB, 18.30 Uhr, Petr Stančík und Petr Janeček: „Der Sprungfedermann“, ein Mann mit Stahlfedern an den Schuhen wird Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg; 19:45 Uhr, Petr Borkovec und Kateřina TučkováGeneration 89, ein Gespräch über die Entwicklung der tschechischen Gesellschaft und Kultur seit 1989; Schaubühne Lindenfels, 20 Uhr, Bohemska. Lange Nacht der tschechischen Literatur mit Lesungen, Film und Musik; Café Telegraph, 21 Uhr, „Tabus der tschechischen Gesellschaft“ und Erfahrungen zweier totalitärer Regime; Galerie KUB, 21:30 Uhr: Lucie Lomová und Jiří GrusTschechischer Comic heute; UT Connewitz, 21:30 Uhr, Dora Kaprálová und David Zábranský zum Thema „Tschechen in Deutschland“. Was bedeutet Deutschland für sie?

23.3.: Telegraph-Club, 18:30 Uhr: Tschechische Literatur im deutschsprachigen Raum mit den Übersetzerinnen und Übersetzern Mirko Kraetsch, Eva Profousová, Katrin Janka, Bernhard Borovansky; Café Telegraph, 18:30 Uhr, Marek Šindelka und Jan Němec: Ein Gespräch über die zeitgenössische tschechische literarische Szene und ihre Themen; Baumwollspinnerei 19 Uhr, Halle 10 G: VERSschmuggel, Kunst aus Leipzig begegnet frischen Gedichten aus Tschechien und Deutschland. Für die Lesung in Leipzig haben fünf Künstler Gedichte multimedial übersetzt; Kunsthalle der Sparkasse Leipzig, 19 Uhr: „Die Dämonen des Kapitals“, Tomáš Sedláček. Vortrag des Bestsellerautors und Chefökonomen der größten tschechischen Bank

Die Ausstellungen zum Gastland-Auftritt:

Stadtbibliothek Leipzig zeigt „12 WORLDS – 12 zeitgenössische Kinderbuch-IllustratorInnen“ (19.1.-13.4.) sowie die Fotoausstellung von Karel Cudlín, „Gesichter der tschechischen Literatur“ mit Porträts tschechischer zeitgenössischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller (18.3.-22.6.)

Deutsches Buch- und Schriftmuseum lenkt den Blick auf tschechische Avantgardekunst „ZIRKUS in der Druckerei“ – Tschechische Avantgardebuchkunst (6.2.-11.8.)

Haus des Buches: Foto-Ausstellung „Pavel Kohout – Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel“ (20.3.- 24.4.)

Rathaus Leipzig: „Jiří Gruša – Schriftsteller und Diplomat – Ein Leben in der Freiheit des Wortes“ (22.3.) und VHS Leipzig (25.3.-31.5.)

Galerie KUB: „Währenddessen an einem anderen Ort. Ein Jahrhundert des tschechischen Comics“(15.3.-13.4.).

Tschechien – Gastland der Leipziger Buchmesse 2019 wird veranstaltet vom Kulturministerium der Tschechischen Republik und der Mährischen Landesbibliothek sowie der Leipziger Buchmesse, mit freundlicher Unterstützung der Botschaft der Tschechischen Republik in Deutschland, dem Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Dresden, der Partnerstädte Leipzig und Brünn, der Tschechischen Zentren in Deutschland und Österreich, des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und des Goethe Instituts Prag sowie weiterer Partnerinstitutionen

Weiterführende Informationen

Das vollständige Programm sowie Informationen zu Autorinnen und Autoren: www.ahojleipzig2019.de

Das Partner-Programm des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds zur Buchmesse: http://fondbudoucnosti.cz/de/leipzig/

Text: Susanne Meierhenrich/Pressebüro Leipziger Buchmesse

http://www.leipziger-buchmesse.de

Auf Entdeckungsreise im Lügenmuseum Radebeul


Kinder entdecken das Lügenmuseum, während einer Sonderschau: „Der Wegwerfgesellschaft auf der Spur“ mit Kunstobjekten aus Recyclingmaterialien.
Foto: André Wirsig

Fabelhafte Wunderwelt

Auf Entdeckungsreise könne kleine und große Besucher während der Winterferien sogar täglich im Lügenmuseum Radebeul gehen. Die Aktion mit Rundgang durch die zwölf Räume inklusive Lügentee dauert bis 3. Februar.

Niemand hat die Absicht, ein Museum zu eröffnen.
Das Lügenmuseum existiert.
Wenn es keine Lüge ist, ist es ein real existierendes Museum.
Freilich weiß keiner so genau, worum es eigentlich geht.
Werden da Lügen ausgestellt?
Es geht wohl eher darum, Nichts zu vermitteln. Es könnte auch Nichtsmuseum heißen, denn Niemand hat die Absicht, ein Museum zu eröffnen. Das Nichts wiederum ist ein Kriterium zeitgenössischer Kunst, siehe John Cage. Und alles ist ersetzbar, nur Überflüssiges nicht.

Es handelt sich um ein Künstlermuseum. Ob das klar wird oder auch nicht, spielt hier keine Rolle. Künstler konstruieren andere Museen: Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf. Sie können die sanfte Berührung der Poesie am starren Reglement des Museumswesens vorbei schlüpfen lassen. Und so verweist der poetische Lügner auf die Ursprünge der Poesie, und dies gehört zu seiner Raffinesse.

Wenn man im Lügenmuseum lügt, spricht man dann die Wahrheit?
Besucher erhalten eine Einführung, einen Lügentee, einen Rundgang durch zwölf Räume. Entführt werden sie in eine fabelhafte Welt, die an Wunderkammern oder Kuriositätenkabinette anknüpfen.
Man muss es eben gesehen haben, es ist amüsant, zweifelsohne unterhaltsam, empfehlenswert für Familien und auch für Leute, die sonst nicht unbedingt in Museen gehen.

Das Leben ohne Lügenmuseum ist möglich, aber sinnlos.
Richard v. Gigantikow

Text: Reinhard Zabka
Handy 0176 – 99 02 56 52
Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Strasse 39, 10445 Radebeul
Geöffnet: Winterferien täglich 13-18 Uhr, Samstag und Sonntag, in den Ferien und an Feiertagen 13 – 18 Uhr

http://www.luegenmuseum.de info@luegenmuseum.de

Erich Kästner Museumsfestival: Elektropolis – Die Arbeitswelt von morgen & Die Konferenz der Tiere als Mitmach-Musical

Motto des Festivals: „Von Vielfalt und Neuer Sachlichkeit“

In diesem Jahr feiern wir den 120. Geburtstag des weltbekannten Dresdner Schriftstellers Erich Kästner und den 20. Geburtstag unseres mobilen interaktiven micromuseum®. Der Förderverein für das ERICH KÄSTNER MUSEUM/Dresdner Literaturbüro e.V. laden zum Ersten Kapitel „Telegramm an alle Welt“* (Aus: Die Konferenz der Tiere, 1949) des Erich Kästner Museumsfestivals 2019 vom 21. bis 24. Februar ein.

Zur Eröffnung las die Autorin Freya Klier am Donnerstagabend aus ihrem Buch „Dresden 1919. Die Geburt einer neuen Epoche“ am 19. Februar im Literaturhaus Villa Augustin, in dem sich auch das Kästner-Museum am Albertplatz befindet. „Die Vergangenheit ragt ins Heute hinein. Auch jene, die hundert Jahre zurückliegt.“ (Feya Klier)

Freya Klier, geb. 1950 in Dresden, arbeitete als Schauspielerin und Theater-regisseurin, 1980 war sie Mitbegründerin der DDR-Friedensbewegung. 1988 wurde sie zusammen mit anderen Bürgerrechtlern verhaftet und unfreiwillig ausgebürgert; seitdem arbeitet sie als Dokumentarfilmerin und Autorin. Freya Klier hat viele Preise und Ehrungen erhalten, u.a. das Bundesverdienstkreuz (2012). 2016 wurde ihr der Franz-Werfel-Menschenrechtspreis in der Frankfurter Paulskirche überreicht.

 „Humanismus? Weltbürgertum? Liberale Demokratie? Bauhaus? Neuer Populismus? Neue Heimat? Neuer Mensch? Diese Fragen bewegten Erich Kästner, Jahrgang 1899. Er wurde Zeuge und Handelnder in einem Jahrhundert voller Kontinuitätsbrüche und Gewalt, Neuanfänge und technischer Fortschritte. Wo stehen wir, die Erben von 1919, 1949 und 1989 heute? Welche Wirklichkeiten bestimmen unsere Haltung?

Weitere Veranstaltungen

Freitag, 22.2., 19 Uhr
„Elektropolis Die Arbeitswelt von morgen“

Offene Podiumsdiskussion zum Thema Arbeit und Digitalisierung mit ExpertInnen aus Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Kunst

Sonnabend, 23.2., 15 Uhr
„Die Konferenz der Tiere/Doubutsu-kaigi“ – Mitmach-Musical von Moco Matsumoto (Tokio): Familienprogramm mit Performance, Gesangsworkshop und Maskenbau
(die Teilnahme ist kostenfrei, Voranmeldung erforderlich)

Sonntag, 24.2., 11 Uhr
„Die Konferenz der Tiere“
Videokonferenz und gemeinsames Singen mit Liveschaltung nach Tokio
(Voranmeldung erforderlich)

Sonntag, 25.2., 15 Uhr
„Emil und die Detektive“

Familien-Parcours im Erich Kästner Viertel mit Emil Tischbein und Fräulein Blümchen

Das Festival wird vom 14.-20. März mit dem Zweiten Kapitel „Der synthetische Mensch“ fortgesetzt, vom 4.-7. April folgt mit „Lassen Sie sich nichts weismachen!“ das Dritte Kapitel.

Text: Andrea 0`Brien/Literaturhaus Dresden

http://www.erich-kaestner-mueum.de
http://www.literaturhaus-dresden.de

Premiere „Die Bremer Stadtmusikanten“ im Theater Junge Generation


Vor dem Auftritt: die „Bremer Stadtmusikanten“ bei der Probe. Foto: Marco Prill

Einer für alle, alle für einen!

Das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ (UA, von Lorenz Seib, nach den Brüdern Grimm, spartenübergreifend, ab 6 Jahre) hat am 16. Februar, 16 Uhr Premiere im Theater Junge Generation im Kraftwerk Mitte. 

Der Esel kann die schweren Lasten nicht mehr tragen, der Hund ist seinem Herren als Wachhund keine große Hilfe mehr, die Katze döst lieber herum statt Mäuse zu jagen und der Hahn kräht nicht mehr laut genug. Sie alle sind zu alt und werden vertrieben. In ihrer Not finden sich die vier Tiere zusammen und werden eine Bande, einer für alle und alle für einen. Der Plan: Zusammen werden sie nach Bremen gehen und dort als „Stadtmusikanten“ ihren Unterhalt verdienen. Auf dem Weg dorthin machen sie Halt in einem Wald voller Räuber. Schnell ändern sie ihren Plan und übernehmen das Räuberhaus – mit Musik, Freundschaft und einem weiteren klugen Plan.

In seiner Inszenierung lässt Lorenz Seib vier SpielerInnen gemeinsam das bekannte Märchen erzählen. Einen Schwerpunkt legt er hierbei auf die unterschiedlichen Talente jeder(s) einzelnen. Nicht jede(r) kann alles, aber gemeinsam können sich Handwerk und Profession beflügeln, einer für alle und alle für einen. Und natürlich machen sie dabei noch jede Menge Musik!

Text: Norbert Seidel/TJG

http://www.tjg-dresden.de

Preisverdächtig: Vier Nominierte für den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 im Gespräch

Preis der Leipziger Buchmesse: die Nominierten vorab erleben

Vorhang auf für die herausragenden Bücher der Saison und ihre Autoren: Bereits vier Wochen vor Beginn der Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März 2019) können Freunde verdächtig guter Literatur die diesjährigen Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik in Leipzig und Halle erleben.

Kenah Cusanit, Jaroslav Rudiš, Anke Stelling und Feridun Zaimoglu heißen vier der fünf Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 in der Kategorie Belletristik. Sie stellen sich am 22. Februar um 19:30 Uhr im Schauspiel Leipzig den Fragen von Jörg Plath (Deutschlandfunk Kultur) und Carsten Tesch (mdr kultur). Letzterer moderiert auch ihre Begegnung mit dem Publikum am 23. Februar um 11.00 Uhr im Literaturhaus Halle/Saale.

Die vier vorgestellten nominierten Werke greifen unterschiedliche, zumeist historische, Begebenheiten auf. Kenah Cusanit erzählt in ihrem Werk „Babel“ von der Ausgrabung der Überreste Babyloniens 1913, während Jaroslav Rudiš in „Winterbergs letzte Reise“ von der letzten Reise des 100 Jahre alten Wenzel Winterberg berichtet, die zu einer Reise in die Geschichte Mitteleuropas wird. Gleich zehn verschiedene Geschichten von Frauen von der Antike bis zur Gegenwart erzählt Feridun Zaimoglu in „Die Geschichte der Frau“. Ganz im Hier und Jetzt, in der sozial bedrohten Mittelklasse Berlins, spielt „Schäfchen im Trockenen“ von Anke Stelling.

Wer die preisverdächtigen Literaten in Leipzig oder Halle verpasst, erhält am 5. März im Literaturhaus Hamburg eine weitere Chance der Begegnung mit den Belletristik-Nominierten. Die Nominierten der Kategorie Übersetzung sind am 1. März im Berliner LCB und die Nominierten in der Kategorie Sachbuch am 13. März im Kölner Literaturhaus zu Gast.

Die Jury des Preis der Leipziger Buchmesse hat unter dem Vorsitz von Jens Bisky aus 359 Bewerbern diese 15 Nominierten ausgewählt. Die feierliche Verkündung der diesjährigen Preisträger sowie die Preisübergabe finden wie immer am ersten Messetag, dem 21. März, um 16 Uhr in der Glashalle statt.

Über den Preis der Leipziger Buchmesse

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Medienpartner ist das Magazin buchjournal und Deutschlandfunk Kultur. Der Jury gehören an: Jens Bisky (Vorsitz), Gregor Dotzauer, Tobias Lehmkuhl, Wiebke Porombka, Marc Reichwein, Elke Schmitter und Katrin Schumacher.

Text: Julia Lücke/Pressebüro Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
http://www.leipziger-buchmesse.de/buecherleben
www.preis-der-leipziger-buchmesse.de 

Roman über Musashi bei Bücher`s Best


Samurai und sanfter Schmusetiger: Ladenkater Musashi sieht und genießt schweigend die Ehre, die ihm gleichermaßen zuteil wird.

Aus dem Leben eines Samurai

Ein kleiner und feiner Verlag gibt sich am heutigen Mittwoch in unserem kleinen und feinen Buchladen die Ehre. Wir hoffen auf regen Zuspruch. Der cass Verlag hat einen sehr speziellen Schwerpunkt – er widmet sich der Vermittlung herausragender japanischer Belletristik und Kriminalliteratur. Zum Programm gehören junge, oft erstmals ins Deutsche übertragene Stimmen ebenso wie moderne Klassiker.
Der Verlag legt Wert auf erstklassige Übersetzung und schöne Ausstattung. Wer mehr erfahren möchte, der komme ! Es lohnt sich.

Die Verleger stellen ihr Programm vor, erzählen aus dem Inneren des Buchbetriebes UND präsentieren vor allem einen neuen Roman über den berühmten Samurai Miyamoto Musashi – Namensgeber unseres ebenfalls berühmten Ladenkaters.

Mittwoch, 13.2. 2019, 20.30 Uhr
Shugoro Yamamoto: Die Rache
Verlagsempfang des cass Verlages
Buchvorstellung, Lesung, Gespräch

Text + Grafik: Büchers Best
Foto: Lilli Vostry

P.S. Der Text zur Aitmatow-Lesung folgt noch auf meinwortgarten.com

Premiere „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch im Kleinen Haus


„Biedermann und die Brandstifter“ auf einer Bank: Wer lacht hier wen aus in brenzliger Lage? Foto: Sebastian Hoppe

Groteskes Spiel um unbequeme Wahrheiten

Auf der Mauer auf der Lauer liegen alle im Stück „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch im Kleinen Haus.

Rote Wäschestücke flattern auf der Leine. Das Wort Benzin steht auf einer Mauer. Drohung oder Warnung? Ein Streichholz genügt und das ganze Haus steht in Flammen. Doch es gibt nur Indizien, Andeutungen, keine Beweise im Stück “Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch. Die Premiere war am Freitagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Frisch selbst bezeichnete seinen Ende der 1950-er Jahre entstandenen Text als „Lehrstück ohne Lehre“. Es geht um den Umgang mit elementaren Ängsten, die alle kennen, zu versagen, das Falsche zu tun, sich lächerlich zu machen. Genau das passiert auch, eingebildete und reale Gefahren sind grandios und beängstigend zugleich in der Schwebe zwischen Spaß und tiefem, bitteren Ernst gehalten in der anderthalbstündigen, spannenden Inszenierung von Nicola Bremer.

“Die beste Tarnung ist immer noch die nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!“, heißt es an einer Stelle im Stück. Als weitere Tarnungen nennt Frisch Humor und Sentimentalität. Ebenso komisch-grotesk, offen und vieldeutig kam die Aufführung auf die Bühne. Dort hat Biedermann, besorgt um seine Sicherheit und aus Angst vor Brandstiftern, eine Schutzmauer um sich herum gezogen, die immer näher ans Publikum heranrückt. Josef Biedermann ist einer, der es allen recht machen will und am Ende alles verliert (tragikomisch: Philipp Grimm). Er ist Haarwasserfabrikant, trägt aber Glatze paradoxerweise. Seine Frau Babette (Eva Hüster) ist auch haarlos, liebevoll-anschmiegsam und wird nachts von Albträumen geplagt.

Biedermann lässt alle Warnzeichen abprallen, ungebetenen Besuch abwimmeln und delegiert Aufgaben weiter an sein Dienstmädchen Anna, ein sprechender Roboter, der Gefühle erläutert und Worte wie „Aufhängen, aufhängen!“ emotionslos nachsagt (unheimlich gut: Anna-Katharina Muck). Ein Obdachloser namens Schmitz im dunklen Kapuzen-Shirt (als verkannter Außenseiter: Philipp Lux)  klopft hungrig bei Biedermann an und tritt immer fordernder auf. Er hockt in einem schubfachähnlichen Mauerteil und erzählt seine traurige Lebensgeschichte. Das geht nahe und löst Mitgefühl aus. Doch als ein zweiter, zwielichtiger Mann im Anzug und Hut (Viktor Tremmel) mit Fässern auftaucht und sie auf Biedermanns Dachboden deponiert, weiß man nicht mehr, was man noch glauben und wem trauen soll.

Unsicher wendet Biedermann sich direkt ans Publikum und fragt: Wie man einen Brandstifter erkennt und ob sie alles glauben, was sie sehen?! Einige antworten scherzhaft, ein Zuschauer sagt, er glaube an das Böse im Menschen. Biedermann lädt die zwei Fremden zum Essen ein, zusammen sitzen sie auf einer Bank und reißen Witze über Brandstifter. Als Sirenenalarm ertönt und der Himmel brennt, frohlockt Biedermann: „Zum Glück ist`s nicht bei uns!“ Und beschwichtigt seine Frau, wirkliche Brandstifter wären doch wohl nicht ohne Streichhölzer?

Viel Beifall für einen aufwühlenden, emotionsreichen Abend, der einen herausfordert, hinter die Fassade zu schauen und selbst erkennbar zu sein.

Text (lv)