Haiku – Lesung


Foto: Michael Zschech

WIEDER EIN JAHR 

Ein Abend mit HAIKU-Dichtung und ostasiatischer Musik im Chinesischen Pavillon.

Das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt. Es ist immer im Jetzt. Immer gegenwärtig, offen und konkret. Und vor allem – wandlungsfähig!

Der Dichter Volker Sielaff und der Yogalehrer Michael Zschech werden eigene Haikus vorstellen. Die Tochter eines japanischen Haikumeisters, Migawa Shimizu, wird auf japanisch klassische Haikus ihres Vaters lesen.

Axel Kabbe wird die Lesungen auf der Bambusflöte begleiten.

Der Abend findet am 2. Februar 2018, 19:00 Uhr, im Chinesischen Pavillon auf dem Weißen Hirsch, Bautzner Landstr. 17 A, statt.

Text: Monika Alexandra Kämpfer,
Presse und Marketing 
Chinesischer Pavillon e.V.

 

 

Die „Vermessung der Welt“ an den Landesbühnen Sachsen

Reise durch Geist und Raum
mit zwei Genies

Das Stück „Die Vermessung der Welt“ nach dem Roman von Daniel Kehlmann ist in der Bühnenfassung von Dirk Engler am 28. Januar wieder an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul zu sehen.

Zum Deutschen Naturforscherkongress 1828 in Berlin treffen sich zwei Wissenschaftler, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Alexander von Humboldt, Forscher, Abenteurer und «zweiter Entdecker Amerikas», und Carl Friedrich Gauß, Mathematiker, Astronom und Misanthrop. Und doch haben beide ein Ziel und eine Passion: die Vermessung der Welt.

Der ehemalige Student der Geologie und Mineralogie an der Bergakademie Freiberg, Humboldt, erforscht mit großer Akribie alles, was ihm begegnet. Er kämpft sich durch Urwald und Steppe, kostet Gifte, befährt den Orinoco, besteigt Vulkane, begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern. Gauß hingegen verlässt einen Ort, an den er sich gewöhnt hat, nur unter Strafandrohung und kommt so sein Leben lang nicht über das Planquadrat Braunschweig/Göttingen hinaus. In seinem Kopf wird der Raum, den er nie gesehen hat, berechenbar. Er, der nicht ohne Frau leben kann, springt selbst in seiner Hochzeitsnacht aus dem Bett, um eine Formel zu Ende zu bringen. Gauß dringt in Sphären vor, wo sich im Unendlichen die Parallelen berühren und entdeckt fünfzig Jahre vor Einstein durch abstrakte Betrachtungsweise, dass der Raum gekrümmt sein muss.

Mit Fantasie und viel Humor beschreibt Kehlmann das Leben dieser beiden Genies und ihr Ringen um Erkenntnis mitsamt ihren Sehnsüchten und Schwächen, zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg. Was beide zu einer Einheit werden lässt, ist die spannende Frage nach dem Verhältnis von Geist und Raum, das sie auf jeweils eigene Art definieren und leben. Ein weltumspannendes Abenteuer, das die große Welt in poetischer Verdichtung auf die Bühne bringt!

Inszenierung: Lutz Hillmann; Ausstattung: Miroslaw Nowotny

Darsteller:

Daguerre – Anke Teickner; Humboldts Assistent, Büttner, Lampe, Wahrsager, Eingeborenen, Missionar, Stimme, Vogt – Tom Hantschel; Alexander von Humboldt  – Michael Berndt-Cananá; Bonpland – Jens Bache; Gauss – Grian Duesberg; Eugen, Eingeborener 2  – Johannes Krobbach; Alle Frauenrollen, Herzog, Der Bärtige, Eingeborener 3  – Julia Vincze

Text: Petra Grubitzsch/LB

Nächste Termine

28.1., 19 Uhr; 24.3., 19.30 Uhr, LB Radebeul
3.2. und 16.3., 19.30 Uhr, Gastspiel Vermessung der Welt, Bautzen/Volkstheater
4.3., 15 Uhr, Gastspiel Vermessung der Welt  Bad Elster/König-Albert-Theater

Auskünfte und Kartenverkauf:  Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/ 89 54 214, Fax 0351/ 89 54 213, www.landesbuehnen-sachsen.de

Ausstellung „Radebeuler Künstler – Heute“ in der Stadtgalerie in Altkötzschenbroda

Wildnis trifft bürgerliche Idylle

Arbeiten zum Schmunzeln und Nachdenken von über 50 Künstlern zeigt derzeit die Jubiläumsausstellung in der Stadtgalerie Radebeul.

Eine afrikanische Eulenmaske hängt neben einem Kleiderhaken mit Hirschkopf.
Die Ansicht eines Puppenhauses aus der Biedermeierzeit mit Schubladen neben einem venezianischen Türklopfer, bestehend aus zwei Holzfäusten. Wildnis und bürgerliche Idylle treffen skurril aufeinander in den Ölbildern von Matthias Kistmacher, die fast eine ganze Wand füllen in der Ausstellung “Radebeuler Künstler – Heute“ in der Stadtgalerie in Alkötzschenbroda 21.

Dort zeigen zum 35jährigen Galeriejubiläum derzeit über 50 ältere und junge Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten. In großer Bandbreite an Aussagen und
Ausdruckskraft sind Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie, Textilgestaltung, Objektkunst bis Neue Medien auf zwei Etagen versammelt. Darunter Figürliches, Blumenstilleben und vielfarbige abstrakte Landschaften. Da begegnen einem „Schulze und Schulze“, zwei gleich aussehende Männer in rotweißgeringelten Ringeranzügen mit schwarzem Bart, Hut und weißem Schleier in einem Bild von Kistmacher.

Auch „Angela“ und „Martin“ haben sich unter die Besucher der Stadtgalerie gemischt. In Gestalt zweier wild-urwüchsiger Figuren stehen sie auf Sockeln aus rostigen Nägeln auf dem Fensterbrett gleich neben dem Eingang. Sie trägt einen grünen Plastfernseher mit Wachstumskurve auf dem Kopf, er eine Maske mit Federn. Diese Politikerparodie stammt von Reinhard Zabka. Ein schwarzgoldener Tierschädel aus Porzellan, den Detlef Reinemer formte und übermalte, symbolisiert den „Tanz um das goldene Kalb“.

Da hängen hinter Glas „Amors Köcher“ in einem Objekt von Wolf-Eike Kuntsche. Daneben ein erdiger Frauenakt-Torso von Gerold Schwenke. Eine papierne Häuserlandschaft mit aufgemalten schwarzen Sonnen, Sternen und spitzen Zinnen wirkt schön und bizarr, abgeschottet zugleich. „Wehrdorf“ heißt dieses auf einer Stele ruhende Gebilde aus Kascheé von Gabriele Reinemer.
In den handgefilzten Wandteppich aus Merinowolle mit dem Titel „Drei von Hundert“ von Anna Kuntsche haben sich unter 97 weißen, drei zart rote Blüten eingeschlichen.

Reizvolle Blickwechsel von verschiedenen Seiten ermöglicht auch das Objekt „Glassworks I“ von Constanze Schüttoff aus pigmentiertem Weißglas, hinter dem blaue Papierstreifen himmelwärts ragen. Peter Graf zeigt ein Ölbild mit bunten Farbinseln und freut sich: „Bald ist Frühling“. Graue Wolken ziehen über eine farbspiegelnde Teichlandschaft  dahin im Bild „Vergehen und Neubeginn“ von Dorothee Kuhbandner.

Saftig gelbe Birnen leuchten vor dunklem Grund sehr gediegen in einem Ölbild von Bärbel Kuntsche. Einen Blick in den Kunstsalon einer alten Dame in „Wien“, die ihn offenbar beeindruckte, gewährt eine farbige Aquatinta von Markus Retzlaff. Fein nuanciert im Licht-Schatten-Spiel auch seine „Schatten-Tulpen“ und „Selbst mit Blumen“. Etwas plakativ wirkt hingegen der Digitaldruck „Ein Schritt zu weit“ von Lutz Lippmann mit rastlosen Körpern in Bewegung und wie eingefügt wirkenden Treppenstufen. Ein Stück ungewöhnliche Realität begegnet dem Betrachter in der nahe gehenden Fotoserie „Romy“ von Josefne Lippmann zum Thema Transgender.

Ihre Farbaufnahmen halten Momente vor und nach der OP fest und erzählen offen und behutsam wie aus Bernd, der sich als Frau gefangen im Körper eines Mannes fühlte, Romy wurde. Heute 63jährig, kann sie endlich so leben wie sie möchte und zeigt sich selbstbewusst wie sie ist.

Die Midissage zur Ausstellung, die noch bis 4. März zu sehen ist, findet am 9. Februar, um 19.30 Uhr in der Stadtgalerie Radebeul statt.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di., Mi., Do. und So. 14 – 18 Uhr

Ausstellungs-Eröffnung: „Wieder Sehen“ in der Villa Eschebach am Albertplatz


Foto: Olaf Amberg

Ein „Wieder Sehen“ mit den Arbeiten von 40 Künstlern, die in den letzten 20 Jahren hier ausstellten und heute noch aktiv sind, gibt es in der nunmehr 90. Ausstellung in der Villa Eschebach der Volksbank Dresden. Die Eröffnung ist am 23. Januar, um 19 Uhr im Bankgebäude am Albertplatz. Es ist zugleich die letzte Ausstellung, die der Initiator der Kunst  in der Villa Eschebach und bisherige Pressesprecher des Hauses, Dieter Hoefer selbst organisiert hat.

Begonnen hat alles im Sommer 1997 mit der Eröffnung der wiedererbauten Villa Eschebach, in deren Räumen außerdem Werke des Dresdner Bildhauers Vinzenz Wanitschke ausgestellt wurden. Seither wurden rund 5 000 Kunstwerke aller Genres gezeigt. Beteiligt waren daran über 320 Künstler in 70 Einzel- und fast 20 Gruppenausstellungen, resümiert Hoefer.

Die Schau „Wieder Sehen“ vereint Malerei, Grafik, Zeichnungen und Plastik von Künstlern, mit denen Hoefer während seiner Ausstellungstätigkeit zu tun hatte und mit denen er auch nach den Ausstellungen vielfach noch freundschaftlich verbunden ist, steht auf der Einladungskarte zu lesen.

Die Ausstellung ist bis 16. März zu sehen.

Text (lv)

Geöffnet: Mo und Mi 8.30 bis 16 Uhr, Di und Do 8.30 bis 18 Uhr, Fr 8.30 bis 13 Uhr

Hier mein persönliches Best of der Werke dieser Ausstellung

Zu sehen sind vielfältige Blicke auf diese Stadt, Landschaft, Mentalitäten und Gegenwart. Von Penthesilea und Achill (Angela Hampel), dem Schokoladenmädchen Peggy mit Halbmond (Holger John), Schlipswürger (Ulrich Eißner) bis zu Zertanzten Schuhen (Anton Paul Kammerer):


Ausstellungsinitiator Dieter Hoefer holte wieder reichlich Kunst ins Bankhaus, die viele Besucher anlockte. Im Hintergrund das Bild „Penthesilea und Achill“ auf Papierrollo.


„Schlipswürger“, Ulrich Eissner            „Blicke“, Stefan Plenkers


Dieter Hoefer und Künstler Holger John (mit Hut)

„Schokoladenmädchen Peggy mit Halbmond“, Holger John


Bilder von Andrea Türke, Victoria Graf und Christiane Latendorf u.a.                                  „mal mir ein bild vom meer“, „müde“, Peter Graf
„Hafen von Kloster“, Olaf Amberg


„Häuser bei Grieben“, Maria Mednikova

 

 

 

 

„Übergänger“, Ulrike Pisch

 


Bilder von Lutz Bleidorn und Jürgen Schieferdecker 
„Ophelia“, Tina Wohlfarth                    „Selbstbildnis“, 1990, Gudrun Trendafilov „Klunkerkäfer“, Gudrun Brückel

                                   „Nicht ewig blüht der Raps…“, Michael Freudenberg
„Aloah“, Gerd Küchler


„In einem“, „Liebe“, Sandsteinplastiken von Konstanze Feindt Eissner                           Plastiken von Ulrich Eissner, Zeichnungen von Victoria Graf

„Zertanzte Schuhe“, Anton Paul Kammerer

Text + Fotos (lv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BilderAlbum: Finissage der Ausstellung „Schwarz Sehen“ von Angela Hampel in der Galerie Mitte

Fest der Farben und der Lebensfreude

Eigentlich mag ich keine Finissagen, wenn etwas zum letzten Mal zu sehen ist, sondern lieber Ausstellungseröffnungen. Doch diesmal war es anders, zufällig landete ich doch dort. Es war eine besondere Atmosphäre zum Abschluss der Ausstellung „Schwarz Sehen“ von Angela Hampel in der Galerie Mitte am Fetscherplatz in Dresden.  Zusammen mit der Malerin und der Galeristin Karin Weber wurde in locker persönlicher Besucher- und Künstlerfreundesrunde gefeiert, geredet, Wein getrunken, getanzt und gelacht über alle Stürme und Widrigkeiten des Lebens hinweg. Unterhielt man sich über die Bilder und spann den Faden weiter, knüpfte neue Kontakte, um gemeinsam Kunst zu zeigen. Begleitet von zauberhaften Klängen am Akkordeon von Gabriel Jagieniak. Erst kurz vor Mitternacht wurde es doch noch etwas wehmütig, als die Bilder nach und nach aus ihren Rahmen von den Wänden genommen, mit Tüchern verhangen oder in Transportkartons gelegt wurden. Wie anders sie da aussehen… Am liebsten sehe ich sie doch an den Wänden leuchten und strahlen. Als ich ihr erzähle, dass mich Finissagen traurig machen, sagt Angela Hampel: „Es entstehen doch immer neue Bilder…“ Und viele ihrer Bilder haben inzwischen auch neue Besitzer gefunden.

Die nächste Ausstellung mit dem Titel „Karins neue Kleider“ mit Malerei und Zeichnung von Lucas Oertel, Nadja Poppe und Robert Finke eröffnet übrigens am 25. Januar, um 19.30 Uhr in der Galerie Mitte. Hier gibt es auch wieder eine Lesung mit der Schauspielerin Hannelore Koch am 4. Februar, um 19.30 Uhr.

Text + Fotos (lv)


Faszination der Farben und Klänge: Da wurde die Galerie spontan zur
Tanzfläche.


Tanzfreudig: die Künstlerin Michelle Cyranka und der
Musiker Gabriel Jagieniak


Reger Austausch (im Bild von li nach re): Galeriemitarbeiter Thomas Bawolski, Torsten Leupold, Angela Hampel und ihr langjähriger künstlerischer Begleiter Steffen Fischer.


Galerie als Treffpunkt: die Künstlerin Manuela Neumann und Besucherin Gabriele Stejke


Angeregte Gespräche: Porzellanmalerin und Galeristin Janett Noack mit ihrem Mann und dem Maler Steffen Fischer. Re. im Bild die Künstlerin Sylvia Ibach hört interessiert Musiker Gabriel Jagieniak zu, der ihr gerade den Obertongesang erklärt.


Ausstellungsbesucher vor dem Bild „Der fröhliche Landmann“

 

 

Premiere Tschick als Road-Oper an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Eine verrückt schöne Abenteuerreise

Witzig-abgedreht und fantasievoll inszeniert mit schräger Klangfülle kam Wolfgang Herrndorfs Bestsellerroman Tschick nun auch als Road-Oper an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul heraus.

Bunt, flippig und verrückt wie das Leben selbst. So kommt „Tschick“, die Geschichte um zwei jugendliche Außenseiter auf großer Abenteuerreise daher. Die Road-Oper von Ludger Vollmer in der Librettofassung von Tiina Hartmann nach dem Bestsellerroman von Wolfgang Herrndorf hatte am Freitagabend Premiere an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Zuvor eroberten die Buchhelden schon kurz nach dem Erscheinen der Roadstory 2010 auch erfolgreich als Theaterstück von Robert Koall die Bühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden und zuletzt die Kinoleinwand in einer Verfilmung von Fatih Akin 2016.

Die Oper von Ludger Vollmer unter Regie von Sebastian Ritschel ist aufregend, witzig-abgedreht und fantasievoll, voller schräger Klänge in Szene gesetzt. Im Bühnenbild prallen bunte Graffiti, Sprüche und Totenschädel und noble Etikette aufeinander. Das Fenster mit dem Protzvorhang öffnet und schließt sich, hinter dem allerhand seltsame, skurrile Typen erscheinen, denen die zwei Ausreißer auf ihrer Tour im geklauten Lada begegnen. Tschick (Michael Zehe), der umtriebige, junge russische Spätaussiedler und der luxusverwahrloste Maik (Johannes Leuschner), vernachlässigt und verprügelt vom Vater (komisch-absurd: Hagen Erkrath), einem Immobilienspekulanten im Kampf gegen Naturschützer und überfordert mit der alkoholkranken Mutter (Stephanie Krone), brechen in den Sommerferien, ohne Handy oder Landkarte, auf in Richtung Süden. Alles erscheint ihnen größer, schöner und dreht sich um sie, wenn sie mitten durch große, flirrende Farbstrudel an den Bühnenwänden in ihrem Autoscooter-Gefährt von einem Abenteuer ins nächste düsen, welche Träume, Übermut, Ängste und Nachdenken über den Lebenssinn in schnellem Wechsel auslösen.

Sie treffen eine Gruppe gebeugte, farblose Rentner im Gleichschritt, eine schrecklich nette Großfamilie und einen hartgesottenen alten Kämpfer und das frech-selbstbewusste Punkmädchen Isa (Kirsten Labonte), das auf einer Müllkippe haust und den Jungs hilft, neues Benzin zu besorgen. Sie streiten, lachen, tanzen durch die Nacht in ferne Galaxien und betrachten das Marsinsektenkino am Sternenhimmel. Die Musik ist mal wild, grell, laut, dissonant und temporeich, dann wieder leise lyrisch, wehmütig und steigert sich im Laufe des Abends rockig-punkig und verlangt dem Publikum ebenso wie den Sängern und Musikern der Elblandphilharmonie Sachsen (Leitung: Hans-Peter Preu) viel ab hinsichtlich diesem Klangmix und dem schnoddrig deftigen Jugendslang. Begleitet wird die Reise von einem mitreißend singenden und agierenden Jugend-Chor und dem Opernchor der Landesbühnen, der akustisch allerdings streckenweise schwer zu verstehen ist. Eine spannende Inszenierung mit Anspruch, die polarisiert. Nicht alle Zuschauer blieben bis zum Schluss. Dennoch gab es viel Beifall vor allem für die jungen Hauptdarsteller.

Text (lv)

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

 

 

 

 

Bilder der ungeschminkten Dresdner Welt


Foto: Matthias Neumann/Stadtarchiv Dresden:
Das Blaue Wunder, 1983.

Ein Vortrag über die Fotografien aus dem Nachlass von Matthias Neumann entführt in das Dresden der 1980er Jahre innerhalb der Fachausstellung „Verborgene Geschichte(n) aus dem Stadtarchiv“ am 23. Januar, um 18 Uhr.

Die Veranstaltung mit Archivdirektor Thomas Kübler findet im Rahmenprogramm der Fachausstellung „Verborgene Geschichte(n) aus dem Stadtarchiv“ statt. Im Jahr 2009 erhielten dieses den vollständigen Fotonachlass des bekannten Kameramannes und Fotografen Matthias Neumann. Der Nachlass umfasst über 1000 Fotografien und Negative, die in den 1980er Jahren entstanden und die ungeschminkte Dresdner Welt widerspiegeln. Besondere Aufmerksamkeit widmete Matthias Neumann dem Blauen Wunder und den anliegenden Stadtteilen Loschwitz und Blasewitz. Unter Lebensgefahr stieg er unerkannt auf die Spitze der Brücke, um zu fotografieren.
Die Aufnahmen zeigen die Enge der Elblandschaft, aber auch den nagenden Verfall der Bausubstanz. Matthias Neumann verwendete eine 6×6 Mittelformatkamera bei seinen Dokumentationen. Die Fotos konservieren einen Zustand der Stadt und gleichzeitig waren sie sein Anprangern, Politisieren und Mahnen. Der in Dresden geborene Matthias Neumann lebte mit seiner Frau Therese Neumann bis 1984 in Dresden. Nach der Ausreise in die BRD konnte sich der studierte Werkzeugmaschinenkonstrukteur als Kameraassistent beim ZDF in Mainz einen Namen machen und blieb bis 2006 als Kameramann bei ARD und SWR in Mainz tätig. Die Rückkehr des Ehepaares erfolgte 2008, woraufhin im selben Jahr Matthias Neumann nach schwerer Krankheit verstarb.
Der Eintritt ist frei.

 

Text: Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Str. 1
01099 Dresden

www.dresden.de/stadtarchiv

Kommende Veranstaltungen:

1. Februar 2018, 18 Uhr
Prof. Dr. Josef Matzerath: Wie kam die italienische Küche nach Dresden?

6. Februar 2018, 18 Uhr
Dr. Alexander Kästner: Von feuchten Kellern und Secreten

 

Fly sein – Ein Tanzabend zum Abheben mit Arbeiten junger Choreografen

Im Rausch der Gefühle

Die Tanz-Uraufführung „Fly sein“ (für Zuschauer ab 13 Jahren) mit Choreografien junger Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie der Landesbühnen Sachsen in Raderbeul ist am 18. Januar, um 18 Uhr auf der Studiobühne.

Ein Song kann fly sein, ein Gefühl, Klamotten … Wenn eine Person fly ist, dann geht sie besonders ab oder ist gut oder speziell oder super drauf. Fly ist eben etwas, was «in» oder cool ist. Und fly ist fliegen, abheben, schwerelos werden, Grenzen überwinden, andere Horizonte sehen, Ängste hinter sich lassen, mutig werden, auf andere zufliegen. Fly kann ein Kick, ein Rausch sein.

Man kann im Rausch der Geschwindigkeit sein, im Rausch der Stille, der Farben, der Klänge, im Glücksrausch. Und das auch ganz ohne Drogen oder doch mit? Auch Tanzen kann eine Droge sein, in jedem Fall ein Rausch, der Rausch der Bewegung, der Energien, der Verwandlungen, des Tempos – ansteckend, lustmachend, nonverbal, universell.

Junge Tänzerinnen und Tänzer unserer Compagnie choreografieren und tanzen «Fly sein» für junge Menschen: ihre Musik, ihre Befindlichkeiten, Aggressionen, Verletzungen, ihren Frust und ihre Sehnsüchte auf der Suche nach sich selbst. Die Themen und die Formen sind dabei so unterschiedlich wie die TänzerInnen selbst. Zum Verständnis braucht es keine Voraussetzungen – nur fly sein und einfach kommen. Die Einladung gilt auch für alle, die das 13. Lebensjahr schon etwas länger hinter sich gelassen haben.

Choreografie: Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie: Anita Suzanne Gregory, Leonardo Germani, Brian Scalini, Mattia Saracino, Morgan Perez und Hugo Rodriguez

Ausstattung: Tom Böhm

Vier Choreografien – Vorgestellt:

2 > 1

Choreografie und Tanz: Anita Suzanne Gregory, Leonardo Germani

Menschen brauchen einander. Aus sozialen, emotionalen und physischen Gründen ist ein Mensch auf den anderen angewiesen. Einsamkeit und Isolation aber verhindern jegliche Interaktion. Der Zustand der Absonderung kann Halluzinationen, Unsicherheiten und ein negatives Selbstbild hervorrufen. Sind wir alleine mit uns, denken wir häufig, wir seien auch allein mit unseren Problemen. Am Ende unterscheiden wir uns aber gar nicht so sehr voneinander, wie wir denken? Viele haben ähnliche Sorgen. Ein anderer Mensch – mit all dem, was er ist und was ihn ausmacht – kann einen größeren Einfluss auf uns haben, als wir vielleicht zunächst denken würden.

In dem Duett „2>1“ spüren die Choreografen und Tänzer Anita Suzanne Gregory und Leonardo Germani den Themen Nähe und Distanz in einer Zweierbeziehung nach. In vier Etappen führt diese Choreografie auf sensible Weise die Notwendigkeit von sozialen Beziehungen vor Augen. Warum man einen Freund braucht. Und dass man auch zu zweit frei sein kann.

outsider – draußen sein

Choreografie : Brian Scalini

Es tanzen  Joana Martins; Anita Suzanne Gregory; Ana Teresa Pereira, Leonardo Germani; Hugo Rodrigues

Was ist das für ein Gefühl, wenn man „draußen ist“ und einfach nicht dazu gehört? Ein Gefühl, das bestimmt jeder schon mal gefühlt hat. Eine Gruppe kann ziemlich mächtig sein und auf einen Einzelnen eine große Kraft ausüben. Sie kann uns sehr anziehen, wenn wir dazugehören wollen. Gruppen können eine Einzelperson aber auch ausstoßen, eben weil sie nicht der Norm entspricht, rausfällt oder einfach „anders“ ist.

In seiner Choreografie zeigt Brian Scalini, indem er auf Clan- und Stammesstrukturen Bezug nimmt, immer wiederkehrende Außenseitersituationen. Ein Kreislauf, der beinahe den Eindruck entstehen lässt, dass einer Ausgrenzung nicht zu entkommen ist. Eine Choreografie, die Fragen aufwirft:  Wem gelingt es überhaupt wirklich, in einer Gruppe zu existieren und trotzdem er selbst zu bleiben?

kind of human – verdammt zu leben

Choreografie : Mattia Saracino

Es tanzen Joana Martins, Ana Teresa Pereira, Morgan Perez, Alena Krivileva

Wie ist das eigentlich mit dem Leben? Es leben, „mitmachen“, müssen wir ja alle. Wenn das nur nicht so verdammt schwierig wäre. Da sind die eigenen Unsicherheiten, die man permanent mit sich herumträgt. Da ist die Auseinandersetzung mit anderen, denen man sich verständlich machen möchte und mit denen man Dinge teilen will. Alles gar nicht so einfach oder?

In seiner Choreografie „kind of human- verdammt zu leben“ erzählt Mattia Saracino von den Unsicherheiten der Menschen. Dass leben auch manchmal einfach nur heißt, seine eigenen Grenzen und gesellschaftlichen Schranken zu überwinden und ein bisschen mutig zu sein. Oder?

trippin`- drauf sein

Choreografie und Tanz: Morgan Perez und Hugo Rodriguez

Zwei junge Menschen spielen auf einem Teppich mit überdimensionierten Karten. Wie verschiebt sich Welt und Wahrnehmung unter Drogenkonsum? Können Drogen das Leben leichter machen? Oder rutscht jeder bei übermäßigem Konsum in die Abhängigkeit? Sind weiche Stoffe, wie Gras okay oder ist genau das die typische „Einstiegsdroge“? Wie verhält sich Drogenkonsum zu Menschen in einem Alter, in dem man sowieso von Unsicherheiten und Selbstzweifeln geplagt ist? Und wann gerät der Spaß am „drauf sein“ zum Höllentrip?

Morgan Perez und Hugo Rodriguez spüren in „trippin’ – drauf sein“ dem Thema Drogen nach. Eine Performance die beide Seiten zeigt: Ekstatischen Rausch und höllischen Absturz.

Text: Petra Grubitzsch/LB

Nächste Termine:

19.1., 11.00 Uhr, 28.2., 18.00 Uhr, 6.3., 19.30 Uhr und 3.6., 19.30 Uhr, Studiobühne
14.3., 10.30 Uhr  Kulturhaus Freital

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0, Kasse : Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; http://www.landesbuehnen-sachsen.de

Schnee von Gestern: Kunst vor 1989 in einer Ausstellung der Galerie Holger John

Von „Honni`s Lehnstuhl“ bis zur „Büchse der Pandora“

An vielen Titeln der Bilder und Namen der Künstler lässt sich unschwer ablesen, wo sie entstanden. Im Vordergrund steht die Vielfalt künstlerischer Qualitäten und Handschriften in dieser besonderen Ausstellung. Noch bis 11. Februar.

Schnee von gestern?! Die Bilder lassen jedenfalls nicht kalt in der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Holger John, in der zurzeit Kunst vor 1989, aus der DDR und davor, von rund 70 Künstlern zu sehen ist. Zur Ausstellungseröffnung letzten Donnerstag waren die Bilder dicht umlagert von Besuchern, unter ihnen viele gestandene Künstler. Das Wort „DDR“ hat Galerist Holger John bewusst weggelassen, da er weder ein Etikett für das Gezeigte wollte und eben auch keine typische Kunst aus dieser Zeit zu sehen ist. „Es ist keine Propagandaschau, sondern es wird eine große Bandbreite an künstlerischen Qualitäten und Handschriften gezeigt, von ganz abstrakten, leisen bis zu lauten, grellen Arbeiten. Auch Ideologisches und viel Zwiespältiges“, sagt der Künstler und Galerist Holger John. „Qualität verändert sich auch, bleibt nie stetig.“ Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Galerie Döbele, der Galerie Himmel und der Städtischen Kunstsammlung Radebeul.

Zu sehen sind frühe Werke von bekannten Künstlern ebenso wie wenig präsente oder noch nie gehörte Namen. Unauffällige, auffallende, vorder- und hintergründige, reizvolle, spannende, poetische, subtile, skurrile und ironische Arbeiten füllen dicht an dicht die Bilderwände auf zwei Etagen in der Galerie in der Rähnitzgasse 17 in Dresden. Die Ausstellung vereint Malerei, Grafik, Plastik, Plakate von Kunstausstellungen und Fotografie. Jedes einzelne Bild erzählt Geschichte und Geschichten.

Das älteste Bild, ein Frauenakt von Curt Querner stammt von 1927. Zu sehen sind außerdem Figürliches und Landschaften mit viel Lokalkolorit von Hans Kinder, Ernst Hassebrauck und Wilhelm Rudolph bis zum Radebeuler Malerhumoristen Horst Hille. Werke von Wolfgang Mattheuer, Willi Sitte sind dabei und Leipziger Künstlergrößen wie Werner Tübke und Bernhard Heisig sowie die sogenannte Berliner Schule mit Malern wie Harald Metzkes – an seinem symbolischen Bild „Harlekin“, der mit der Gesellschaft spielt, malte er zehn Jahre, von 1986 bis 1996 – und Lothar Böhme sind vertreten.

Eine Wand für sich hat am Treppenaufgang Walter Womackas (1925 – 2010) bekanntes Bild „Am Strand“, das er auf Usedom, auf seinem Anwesen in Loddin malte. Für die junge Frau stand seine Tochter Modell. Das Ölbild wurde auf der 5. Deutschen Kunstausstellung 1962/63 in Dresden ausgestellt und dort von 63 Prozent der Besucher zum Lieblingsbild gewählt. Das junge Paar am Strand wurde als Kunstdruck und Postkarte über drei Millionen Mal gedruckt. John, der selbst mit diesem Bild und der Landschaft aufgewachsen ist, zeigt diese „Ikone des Realsozialismus“ – das Paar in Rot scheint sich selbst zu genügen ohne einen Blick auf`s Meer, die Ferne – nun in seiner Galerie. Es ist eine Zweitfassung von Womacka, das John im Strandhotel „Seerose“ in Kölpinsee wiederentdeckte, wo es vom Freundeskreis Walter Womacka ausgestellt war.

Für Schmunzeln sorgt das Bild „Honni`s Lehnstuhl“ von Harald Gallasch, das die aufmüpfige Künstlergruppe um Ralf Winkler (A.R. Penck), Peter Herrmann, Frank Maasdorf u.a. hinter einem roten Thron zeigt. Vieldeutig ist der „Tanz der Geister“ um morsche Baumstämme. Die Mischtechnik mit Zement entstand 1977.

Ein spannendes Bild in morbiden Schwarz- und Grautönen gehalten ist „Die Büchse der Pandora“, selbige hält ein Mann mit schemenhaften Gesichtszügen, die Walter Ulbricht darstellen sollen, so John. Auf der Büchse klebt ein Bildnis von Helmut Kohl. Das Ölbild stammt aus Privatbesitz in Berlin, gemalt hat es Walter Opitz 1989.

In der Bilderliste der derzeitigen Ausstellung stehen nur zwei Frauen: Thea Kowar (geb. 1945) mit einem Holzschnitt: „Die auf Sitzungen Versessenen“ nach Majakowski und „Im Garten Sitzender“, ein Aquarell von Lis Bertram-Ehmsen (1887 – 1986).

Holger John will den Künstlerinnen vor 1989 eine ganze, eigene Ausstellung widmen mit dem Titel „Frauen können auch malen!“, die auch das bezeichnend, am 8. März, um 19 Uhr in seiner Galerie eröffnet wird.

Die Ausstellung „Schnee von Gestern“ ist noch bis 11. Februar zu sehen.

Geöffnet: Mittwoch – Sonntag 14 – 19 Uhr

http://www.galerie-holgerjohn.com

Text + Fotos (lv)


Galerist Holger John im Gespräch mit Zeitzeugen über Kunst in der DDR
Plakativ und viel interpretierbar: Nicht übers Meer, in die Ferne schweift der Blick des jungen Paars, sondern es verweilt „Am Strand“ mit gebannter Miene…  „Eine Ikone des Realsozialismus“ nennt Galerist Holger John das bekannte Bild von Walter Womacka, dessen Zweitfassung o.J. in der Ausstellung hängt.


Schnee von Gestern?! Die Bilder lassen jedenfalls keinen kalt: Besucherinnen der Ausstellung im Gespräch mit dem Maler Olaf Amberg.
Stilecht: Rote Nelken bekam Galerist Holger John zur Ausstellungseröffnung überreicht.

 

Die große Pratajev-Revue in der Alten Feuerwache Loschwitz


Die Russian Doctors. Foto: Solvig Frey

Lieder und Geschichten über die russische Seele

Am 19.Januar wird es um 20 Uhr in der Alten Feuerwache in Loschwitz einen Abend mit Musik und Literatur rund um den russischen Kultdichter Pratajev geben. The Russian Doctors selbst geben sich die Ehre und Walissa Robota und Boris Kreml werden als Gäste aus den „schaurig schönen Geschichten um den großen russischen Dichter “ lesen.

Pratajev, der bekannteste der unbekannten Landlyriker, lebte von 1902 bis 1961 und ist noch immer für gut 90 Prozent der Russian-Doctors-Texte verantwortlich. Pratajev feierte in seinen Gedichten das pralle Leben, ließ sich manches Schwein schmecken, tanzte mit drallen Schwesternschülerinnen und band sich Schlipse aus Lurch um den Hals. Er rauchte, er trank und ging auf die Jagd. Dies alles und noch viel mehr steckt in den Liedern der Russian Doctors. Seltsame Krankheiten, gefesselte Frauen und dicke Bäuche sind ebenso Thema wie rasierte Katzen und gebratene Ratten.

Und natürlich der Schnaps! Wodka muss es sein: die von ihrem rührigen Tourmanager direkt aus Weißrussland importierte Marke BULBASH. Und wer nach einem Doctors-Abend denkt, das kann doch alles nicht wahr sein, dem sei mit einem Lehrspruch aus der Medizin geholfen: „Wahr ist, was der Doctor spricht, alles andre glaube nicht! “

Na starowje!
Text: Solvig Frey und Hans-Jürgen Scholz
alias Walissa Robota und Boris Kreml