Geliebtes Wesen – Malerei, Scherenschnitte und Objekte von Christiane Latendorf in der Stadtgalerie Radebeul

Geheimnisvolle geliebte Wesen

In eine Bilderwelt voller Magie und Geschichten entführt die Künstlerin Christiane Latendorf ab 14. Juli in der Stadtgalerie Radebeul.

Sie ist eine Bilderzauberin. Christiane Latendorf hört und erzählt gern Märchen und Geschichten und deren Zauber wohnt auch vielen ihrer Arbeiten inne. Da tummeln sich allerlei Tag – und Nachtgeister, und Mischwesen, halb märchenhaft und menschlich auf den Leinwänden und Papier. Umgeben von Bilderwänden voller Getier, Vögel, Tauben, Raben, Katzen, Schlangen und magisch maskenhaften Gesichtern, die an alte indianische und afrikanische Kulturen erinnern, steht die Künstlerin und sieht sich lächelnd um im Galerieraum.

Sie trägt meist ein Käppi auf dem schulterlangen, blonden Haar und hat immer ein Skizzenbuch dabei. Darin zeichnet und schreibt sie ihre Gedanken auf und findet ihre Träume immer auch im Alltag. Mit ihren ebenso klaren wie symbolreichen Ölbildern, Zeichnungen, Scherenschnitten, Collagen und Objekten entführt Christiane Latendorf den Betrachter in eine farbreiche Welt zwischen Traum und Realität. Bei allen schönen und traurigen Lebensmomenten zaubern sie immer auch ein Lächeln ins Gesicht. Unter dem Titel „Geliebtes Wesen“ eröffnet ihre erste Einzelausstellung in der Stadtgalerie Radebeul am 14. Juli, um 19.30 Uhr in Altkötzschenbroda 21.

Hier hat Christiane Latendorf schon bei verschiedenen künstlerischen Gemeinschaftsprojekten zu Themen wie „Heimat, die ich meine“ und „Paradiesvögel“ mitgewirkt und sie ist oft beim jährlichen Künstlerfest in der Stadtgalerie und beim Radebeuler Grafikmarkt dabei. „Mir gefällt die Atmosphäre und der Umgang zwischen den älteren und jüngeren Künstlern, weil es dort noch mehr Zusammenhalt und Austausch gibt, was der andere macht“, sagt Christiane Latendorf.

Die Ausstellung versammelt Arbeiten von 2001 bis 2017 und einige eigene Gedichte. Vieldeutig wie ihre Bilder ist auch der Ausstellungstitel. Ein geliebtes Wesen ist etwas, dem man sich besonders verbunden fühlt, an das man denkt und sich erinnert, auch wenn es nicht mehr da ist, so die Künstlerin. Es können Menschen sein, die man lange kennt und einen begleiten, aber auch Tiere, Pflanzen und Steine und das Verbundensein mit ihnen und der Welt.

Die Bilder erzählen fabulierfreudig, poetisch, skurril und geheimnisvoll von unverhofften Begegnungen, von ihren Reisen, von verlorenem und wiedergefundenem Glück. Ein Ölbild, „Zerbrochene Welt“ widmet sie dem bekannten Radebeuler Künstler Ingo Kuczera, den Christiane Latendorf seit ihrem Studium kannte und dessen Tod 2004 ein Schock für sie war. Sie porträtierte die Künstlerkollegen Peter Hermann und Klaus Liebscher. Lustig und anrührend sind auch ihre Bilder geliebter Tierwesen, welche die Malerin zuweilen einsam, hilflos und verletzt unterwegs findet, zuhause aufnimmt und pflegt. Manche bleiben bei ihr wie die Katzen Katka und Kito, die nach dem letzten Hochwasser in Dresden 2012 zu ihr kamen, die Krähe Merry, die ihr aus der Hand frisst und der Papagei Coco.

Da begegnet man ungleichen Tierpaaren wie Hirsch und Vogel, Fuchs und Huhn in trauter Harmonie in leuchtendem Rot und Nachtblau. Segelt ein Wolkenschaf aus dem Himmel und spaziert ein gelber Dackel mit einer kleinen Schnecke auf einer Wiese. Da fühlt sich die prallrunde Frau in einem Aktbildnis federleicht und wohl in ihrer Haut wie der kleine Vogel vor ihren Augen. Figürliches und Stadtlandschaften verbinden sich formenreich in ihren Arbeiten. Das Meer mit seinem Wellenspiel zeige ihr auch abstrakte Muster, sagt Christiane Latendorf. Auch wenn ihr oft nur wenig Zeit bleibt an der Ostsee, wenn sie ihre Eltern in Anklam besucht. „Doch man kann das Meer und was man liebt auch in sich tragen.“ In ihren Scherenschnittkursen beginnen die Kursteilnehmer auch mit offenen, freien Formen.

Christiane Latendorf wurde 1968 nahe der Küste geboren und absolvierte neben ihrem Studium zur Pharmazieingenieurin ein Abendstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Außerdem studierte sie von 1992 bis 1997 an der Dresdner Kunsthochschule, verließ sie mit ausgezeichnetem Diplom und lebt seitdem als freischaffende Malerin und Grafikerin in Dresden. Im September reist sie für drei Wochen nach Georgien, um in Tiflis und Umgebung mit befreundeten einheimischen Künstlern zu malen und die Gegend zu erkunden. Außerdem soll das schon länger geplante Buch „Geliebtes Wesen“ mit Bildern von Christiane Latendorf und Gedichten von Dieter Hoffmann nun bald erscheinen. Wenn alles klappt, gibt es daraus auch eine Lesung zur Finissage der Ausstellung am 27. August.

Geöffnet:  Di., Mi, Do und So von 14 – 18 Uhr

Text + Fotos (lv)

Das Bild „Zerbrochene Welt“ ist dem Künstler Ingo Kuczera gewidmet

Porträts von Peter Herrmann und Klaus Liebscher

Christiane Latendorf und Stadtgaleristin Karin Baum beim Ausstellungsaufbau

Alles gut im Griff: Mitarbeiterin Ingrid May

Fotos (2): Karin Baum/Stadtgalerie Radebeul

Überraschung zur Vernissage: Christiane Latendorf schenkte Lilli Vostry von meinwortgarten.com ein Katzen-Bild

Buchpräsentation: vor der Finissage der Ausstellung (noch bis 27.8.) gibt es am 25. August, um 19.30 Uhr in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda eine Lesung aus dem neuen Buch „Geliebtes Wesen“ mit Bildern von Christiane Latendorf und Gedichten von Dieter Hoffmann.

Aktuelle Ausstellung von Christiane Latendorf  zum 50. Geburtstag:

„Tragender Grund“ – Malerei, Zeichnungen, Papierschnitte und keramische Objekte
sind derzeit zu sehen in der Galerie Mitte am Fetscherplatz/Striesener Str. 49/1. Etage
in Dresden (noch bis 23. März 2019)

Geöffnet: Di bis Fr 15 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr sowie nach Vereinbarung

http://www.galerie-mitte.de

WortgartenGlück: Die 20 000er Marke ist überschritten

Wunderbar. meinwortgarten.com – Das Dresdner Kulturgewächshaus im Netz blüht und wächst weiter: am 6. Juli wurde die 20 000er Marke an Aufrufen überschritten! Herzlichen Dank an dieser Stelle allen Stammlesern, Followern, Freunden und sonstigen Interessierten für`s hier Umschauen, Lesen und Verweilen. Damit meinwortgarten weiter wächst und gedeiht, folgt und empfehlt dieses Angebot gern weiter. Ebenso freue ich mich auf Anregungen, Feedback und auch bare Zuwendung zur Unterstützung meines Tuns. Besucht weiter rege meinen wortgarten und gießt und füllt bitte auch das Spendenkonto am Seitenrand.

Im vorraus Vielen Dank und bleibt weiter schön neugierig.

Eure Wortgärtnerin

Text und Fotos (lv)

Eis Eis Baby – Sommer, Songs & Sonnenstich mit der Comödie draußen

 

Foto: Robert Jentzsch

Heiße Musik und Lavendeleis mit Bratwurstnote

Die flippig-bunte Musical-Komödie mit Hits der 90er eröffnete das dritte Sommer-Open-Air der Komödie Dresden im Innenhof des Hotel Elbflorenz.

Jessica aus Bautzen liebt exotische Eissorten und träumt von einer eigenen Eisdiele im Urlaubsparadies Ibiza. Doch weder die Sonne noch Freund Ronny lassen sich blicken. Da hilft nur cool bleiben und neu durchstarten. Für fröhlich-ausgelassenes Urlaubsfeeling sorgt mit reichlich Lebenslust und heißer Musik „Eis Eis Baby – Sommer, Songs & Sonnenstich“. Die Musical-Komödie von Martin Riemann und Christian Kühn, der auch Regie führt, mit den Hits der 90er eröffnete am Freitag abend dem kühlen Regenwetter trotzend das dritte Sommer-Open-Air der Comödie draußen im Innenhof des benachbarten Hotels Elbflorenz (noch bis 19. August, immer mittwochs bis sonnabends).

Das Fruchtige der Karibik trifft auf das Schärfste aus Bautzen am Eisstand von Jessica. Doch die in zarten Pastelltönen gehaltene Erfrischungsoase am Strand mit Sonnenliegen, Hängematte und verlockenden Sorten wie Schokoeis mit Chili, Limette oder Lavendel bleibt erst mal leer. Nicht nur die ausbleibende Kundschaft macht Jessica (liebenswert-naiv:  Nina Bülles) zu schaffen, sondern auch der locker-lässige Bratwurstheini Joe (Christoph Jonas) gegenüber und der windig-aufdringliche Vertreter von der Leck- und Schleck GmbH mit seinen potenzprotzenden Stieleis-Überfällen (herrlich kauzig: Ramón Hopman). Dann ist da auch noch die feierfreudige Lucy (Anne Römeth) mit ihren witzig-frechen Sprüchen über Männer, die Liebe und das Leben. Sie hilft munter schwäbelnd Jessica ihr Geschäft aufzupeppen – statt Schürze bauchfreie Bluse und knallbunte Strähnen  – und ihr Eis ran an den Kunden zu bringen. Für jeden Typ und jede Stimmung servieren sie die passende Geschmacksnote von süßsauer, beruhigend bis feurig.

Da versucht jeder einen Platz auf der Sonnenseite des Leben zu erhaschen. Kommen sie sich immer wieder in die Quere mitsamt ihren Träumen, Macken, Sorgen und Stärken: das nette, fleißige, aber weltfremde Mädchen aus der Provinz, das pfiffige Partygirl, der nicht nur fiese Eisvertreter und der knackige Bratwurstmann, den daheim keiner vermisste als er mit 16 abhaute und der sein Zuhause in sich hat mit seinen Erinnerungen und Erfahrungen. Für unbeschwerte Sommerlaune und Partystimmung unter Regenschirmen bei der Premiere sorgen vor allem die temperamentvoll-gefühlreichen Musik- und Tanzeinlagen der vier Darsteller, von It`s my Life bis Weil ich `n Mädchen bin von Tic Tac Toe, mit kessem Humor und Power in flippig bunten Klamotten und Laserlichteffekten in Szene gesetzt. Herzlicher Beifall vom begeistert mitgehenden Publikum.

Theaterschule Pegasus – Beflügelnde Spiellust

In der Theaterschule Pegasus haben Kinder und Jugendliche bei Schauspiel, Gesang und Tanz viel Spaß und entdecken sich selbst. Ein besonderes Erlebnis war für die Kursteilnehmer, Kinder, Eltern und Kursleiter ein gemeinsamer Improvisationsnachmittag am letzten Unterrichtstag vor den Sommerferien. Da verwandelte sich der Raum mit den Akteuren immer wieder neu, steigerte sich mit jeder Runde die Freude am Bewegen, aus dem Moment heraus eine Figur oder  Situation zu spielen und durfte die ganze Gefühlspalette von Liebe, Wut, Angst, Freude und Trauer frei heraus fließen.

Spielerisch können die Schüler der Pegasus-Klassen im Alter von sechs bis 18 Jahren und der Pony-Gruppen ab vier Jahren ihre Fantasie, Kreativität und Ausdrucksfähigkeit erkunden und entwickeln, wobei ihnen erfahrene, theatererprobte Lehrkräfte zur Seite stehen im Unterricht. Dort entstehen oft auch Ideen für Theaterprojekte und Aufführungen, die zu verschiedenen Anlässen wie Museumsnacht oder Familientag an den Technischen Sammlungen unweit von der Theaterschule auf der Bärensteiner Straße 16 gezeigt werden.

Nach den Sommerferien heißt es wieder: Bühne frei, das Spiel beginnt!
Anfragen und Anmeldungen für die laufenden Kurse
unter Tel.: (0351) 31 44 66 9 oder per mail unter info@pegasus-theaterschule.de

http://www.pegasus-theaterschule.de

Mehr Text folgt.
Text + Fotos (lv)

Spielfreude aus der Bewegung heraus: Schauspieler und Pegasus-Schulleiter Uwe Lach und die Tanzprofessorin Olimpia Scardi.

Na, was fühle ich? Die Schauspielerin und bisherige Kursleiterin der Pony-Gruppe Annette Richter in Aktion mit kleinen Akteuren.

Neue Dinge aus alten Stoffen zaubert Petra Schöne

Einfallsreich verwandelt und umweltfreundlich erhalten aussortierte Kleidungsstücke ein zweites Leben im Atelier „Petruschka“ – kreatives Textilrecycling im Areal des Alten Bahnhofs in Klotzsche. Diesen Sonnabend (am 1. Juli) steht es wieder für Besucher offen.

Ein farbenfrohes, wundervoll verwandeltes Sammelsurium aus alten Sachen begegnet dem Besucher im Atelier „Petruschka“ – kreatives Textilrecycling, mit dem sich Petra Schöne einen langgehegten Traum erfüllte. Sie eröffnete ihr textiles Wunderreich unlängst in einem Seitengebäude der Bio Bahnhofs-Wirtschaft, Zur Neuen Brücke 4a in Klotzsche. Vis á vis zum Bistro mit Bioladen, dessen Inhaber Gerhard Probst das Areal des alten Bahnhofs sanierte und mit verschiedenen Angeboten neu belebt.

Zu den ersten Nutzern gehört Petra Schöne. Im Hauptberuf arbeitet sie in der Dekorationswerkstatt der Staatsoperette Dresden. In ihrer freien Zeit widmet sie sich mit viel Liebe und Gestaltungslust der Wiedergewinnung alter, gebrauchter Textilien. Ob Teile einer alten Jeans, Bluse oder eines verfilzten Pullovers oder aussortierte Krawattte, ob einfarbig, geblümt, gepunktet oder gestreift. Alles was zum Wegwerfen zu schade oder mit persönlichen Erinnerungen verbunden ist, verarbeitet sie nach mehrfachem Waschen, Stärken und Bügeln zu originell und fantasiereich gestalteten Taschen, Beuteln, Kissenhüllen, Utensilos, Säckchen, Wundertüten. Kleinere Stoffreste werden verwendet für Applikationen, Accessoires wie Ansteckblüten, Arm- und Halsbänder oder Knieflecken.
Eine Augenweide sind auch ihre oft vom Farb- und Formenreichtum der Natur, Erlebtem und Erträumtem angeregten Textilbilder. Außerdem fertigt sie Geschenkverpackungen, z.B. Furoshikis, japanische Einschlagtücher, die auch zu Taschen geknotet werden können. Oder auch Quilts in verschiedenen Größen als Krabbel-, Knie-, Bett- und Tischdecke oder Wandschmuck. Auf Anfrage gestaltet Petra Schöne auch Erinnerungsstücke aus Bekleidung lieber Menschen.

Für gleichfalls Textilbegeisterte hat sie ein wechselndes Angebot an Materialien: Fat Quarter seltener Stoffe (Zuschnitt 45 x 55 cm), Vintage-Knopfkarten mit Häkelornament und stellt auf Wunsch auch Materialpakete für Projekte (auch mit Kundenmaterial) zusammen zum Verschenken. Sie führt auch kleinere Polsterarbeiten aus wie Stuhlsitze, Hocker und Pinnwände.

Wer Lust auf Selbermachen bekommt, dem gibt Petra Schöne auf Anfrage in Kursen ihr Wissen gern weiter. Begonnen bei Einzelunterricht zu Hause, über Crazy Patchwork – entspannter Einstieg, japanisch Quilten – Grundlagen dieser gemütlichen Handnähtechnik bis zu Stoffrosetten anfertigen als Feinmotorik-Training.

Bisher ist das Atelier „Petruschka“ nur zeitweise, nach vorheriger Ankündigung im Schaufenster bzw. telefonischer Vereinbarung geöffnet und wenn das Täfelchen draußen steht. Natürlich können Interessierte auch klopfen oder klingeln, wenn sie die Stoffkünstlerin bei der Arbeit sehen.

Diesen Sonnabend, den 1. Juli steht ihr Atelier wieder offen. Regelmäßig ist ihr Schaffensreich ab 26. August dann jeden Sonnabend von 9.30 bis 16 Uhr geöffnet.

Außerdem ist Petra Schöne wieder mit einem textilen Stand beim Markt „Wolle, Leinen & Co“ im Museumsgehöft Rietschen dabei am 9. Juli und am 17. November beim Lichterfest in Pirna-Posta im „Elbparadies“.

http://www.kreatives-textilrecycling.de

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Zwischen Welten – Grafische Malerei von Anne-K. Pinkert in der Stadtgalerie Radebeul

Von Mythen und Träumen angeregt ist die Bilderwelt der Malerin und Kunsttherapeutin. Ihre Arbeiten spiegeln die Welt im Innen und Außen.

Anne-K. Pinkert und Laudator Thomas Gerlach zur Ausstellungseröffnung

Bezaubernde Klänge zwischen Klassik, Pachelbel und Bossa Nova, romantisch, beschwingt und expressiv spielten auf Geige und Cello die Musikerinnen Sigrid Penkert und Beate Hofmann.

Eine Frau mit wirbeligem Haar lässt sich von den Wellen tragen, aus denen das Glück als goldglänzender Fisch auftaucht. Es ist verheißungsvoll, schwer zu fassen und zu halten. Das “Zufriedensein“, so der Bildtitel von 2016, ist eine Kunst für sich. Traumhaftes, Mythen und Alltägliches verbinden sich in den leuchtendfarbigen Natur- und Lebensbildern in der derzeitigen Ausstellung „Zwischen Welten“ mit grafischer Malerei von Anne-K. Pinkert in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21.
Da taucht der Betrachter in den überwiegend figürlichen Arbeiten, Mischtechniken, Aquarellen und Lithografien, in meerblauen, sonnigen und erdigen Farbtönen ein in die Welt zwischen Außen und Innen, zwischen Mensch und Tier.

Die Bilder erzählen vom Suchen und Finden, Halten und Loslassen, von Stille und Ganzheit. Da tummeln sich „Untersee“ in den mal schwebend leichten, lichten und mal von dunklen Flecken durchzogenen Gewässern Flossentiere aller Art. Vom uralten „Ahn“ umgeben von wuchernden Schlingpflanzen, kleinen Gold- und tiefroten Feuerfischen bis zu Nixe und Fisch, die sich umschwänzeln. Da werden Tiere zu Gefährten des Menschen, erscheinen Männer als knorrig-kraftvolle Baumgestalten und Frauen von Blau umflossen als Schöpferinnen des Lebens. Da küsst eine Frau einen Fisch. Begegnet man einem Hochzeitsstier, Dämmerungs- und Paradiesvögeln, einem Eisvogel und vielen anderen wundersamen Wesen. Trifft „Vainamoinens Gesang“ nach einer alten finnischen Sage auf „Die Klage der Fische“ in teerschwarzem Wasser.
Bei aller Farbenfreude spiegeln die Bilder von Anne-K. Pinkert keine heile Welt. „Es ist eine Ausstellung über inneren Reichtum, aus dem sie ihre Bilderwelt schöpft und sichtbar macht, was ihr wertvoll ist“, sagte Thomas Gerlach zur Eröffnung, der ihr Schaffen seit längerem begleitet. Darin zeige sich auch ihre Sehnsucht nach Aussöhnung des Menschen mit sich und der Welt. Anne-K. Pinkert wurde 1973 in Radebeul geboren.

Sie arbeitet seit 17 Jahren künstlerisch. Bilder sind für sie wie Seelenlandschaften. Das mediterrane Flair ihrer Arbeiten entstammt wohl auch von ihren Aufenthalten in Frankreich. Dort reiste und lernte sie Vielfältiges, arbeitete als Kuhhirtin, bei Winzern und Bauern und als Betreuerin in einer Gemeinschaft mit geistig und körperlich behinderten Menschen. Sie hat ein Kunst-Diplom an der Burg Giebichenstein in Halle im Jahr 2000 erworben und absolvierte danach ein Aufbaustudium in Kunsttherapie an der Dresdner Kunsthochschule. Seither arbeitet sie freischaffend als Malerin und Grafikerin und als Kunsttherapeutin hauptsächlich in der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Ausstellung ist noch bis 2. Juli zu sehen.

Text + Fotos (v)

Geöffnet: Di., Mi., Do. und So. von 14 – 18 Uhr

 

Besuch aus dem Garten Eden

 

Garten Eden

Als ich zurückkam
aus dem Garten Eden
mit den vielen Wildblumen
die an verwunschenen Orten
von Menschen verlassen
blühen
sogar am Asphalt
sich entgegen recken
den grellen Autolichtern

am Himmel die Farben
explodierten
angefüllt mit der Pflanzenfülle
ließ ich das tote Grün
gemähter Großstadtwiesen
hinter mir
da fielst du aus den wilden Blüten
heraus
auf den Küchentisch

ein helles Muschelgehäuse
aus dem sich Fühler reckten
ein agiles Wesen
aus dem Garten Eden
saß auf meinem Finger
und einen Augenblick
träumte ich
ich wäre dort

Text + Fotos (lv)

 

BilderAlbum: Die Natur führt sich auf

Eine Entdeckungsreise im Wald

Eigentlich wollte ich zum Elbhangfest. Ich habe bestimmt einiges verpasst dort. La Dolce vita mit Genüssen aller Art lockte zwischen Loschwitz und Pillnitz. Doch ich blieb auf dem Weg dorthin am Sonnabend nachmittag im Wald im Prießnitzgrund. Vier Stunden lang. Bis die Sonne hinter den Bäumen verschwand. Sie warf ihre gleißenden Scheinwerfer an und ich konnte diesem besonderen Schauspiel nicht widerstehen: Die Natur führt sich auf! Ich dachte an Luthers Ausspruch, die Welt ist voller Wunder. Ich war lange nicht mehr im Wald. Mir gingen fast die Augen über. Was ich alles verpasst hatte.

Berauschend und berührend was einem da alles begegnet. Allein die vielen Baumgestalten, vieläugig, knorrig, wirbelig oder grazil mit ihrer lebhaften Mimik im wechselnden Licht- und Schattenspiel auf den Stämmen, dem Raunen und Rascheln der Blätter. Der würzige Duft nach Walderde und leicht zitronige der Wildpflanzen, innig versonnene Gräserpaare, Vogelstimmen und die murmelnde Wasserquelle…

Von einem grünen Thron aus, einem bemoosten Baumstumpf, lausche und überlasse ich mich ihnen. Manchmal knackt es im Unterholz. Etwas Geheimnis und Spannung gehört zu jedem guten Schauspiel. Nein, da lauern keine wilden Tiere oder finsteren Gesellen. Ein Jogger mit verschwitztem Gesicht steht auf einmal mit erhobenen Armen vor mir. Weiter hinten halb im Gebüsch entdecke ich einen urigen Waldgeist aus Holz mit grünem Kautabak im Mund. Ab und an sausen Radler recht schnell den steinigen Abhang am Ausgang des Waldes hinunter, platzen in die Stille. Ich bin gespannt wo ich herauskomme. Ein Pfeil auf einer Lichtung zeigt 4 km bis zur Elbe an, ein anderer 0,8 km bis zur Königsbrücker Straße. Den wähle ich, stehe nach einem schlängelnden, steilen und holprigen Weg auf einem freien Platz, wo zwei Welten aufeinander treffen. Eine geräuschvolle Motorenhalle auf der einen Seite, eine üppige Wildblumenwiese im Glanz der Abendsonne und Vogelgezwitscher auf der anderen Seite. Ich radele am Technopark Nord entlang mit einem großen Strauß Wildblumen. Die Welt ist eben voller Wunder. Bin gespannt aufs nächste Waldschauspiel.

Text + Fotos (lv)

Herzlichen Dank an Petra Schöne vom Atelier Petruschka – Textiles Recycling im Alten Bahnhof Klotzsche, die mir den Weg durch den Prießnitzgrund empfahl und so landete ich unversehens mitten im Wald.

Elbhangfest: Zwischen Paradiesgärtlein und Höllenkirmes

Von Rom durch die Hölle ins Paradies – Auf den Spuren Luthers pilgern, geistigen, kulturellen und kulinarischen Genüssen frönen ganz im Zeichen des großen Reformators und Genussfreundes kann man beim diesjährigen Elbhangfest. Dabei locken vom 23. bis 25. Juni unter dem Motto „Martins Most und Katharinas Äpfel“ anlässlich des Reformationsjubiläums über 350 Veranstaltungen auf 15 Bühnen sowie viele Stände, offene Häuser und Gärten von Loschwitz bis Pillnitz.

Der Körnerplatz wandelt sich zur italienischen Piazza La Dolce Vita mit Wein, Musik und Tanz. Dort legt zum Auftakt am Freitag, ab 22.30 Uhr DJ Umberto aus Neapel heiße italienische Klassiker auf. Ebenfalls am Eröffnungsabend erklingt das Vocalconcert „Musica Lutherana“ in der Loschwitzer Kirche, um 19.30 Uhr. Dort startet am Sonnabend wieder der historische Festumzug um 11 Uhr. Weitere Höhepunkte sind die Höllenkirmes mit Feuerspektakel in Wachwitz am Sonnabend ab 22 Uhr und das Pillnitzer Paradiesgärtlein mit einer Aufführung der „Carmina Burana“ und einem Konzert der „Kentonmania-Bigband und 8 French Horns“.

Text (lv)

http://www.elbhangfest.de

Wut – Jelinek, Wagner und Jesus von Nazareth in einer Orchesterperformance

Fotos: Matthias Horn

„Oh Gott! Ich muss nachschauen welcher…“

Dunkel-Dramatische, Lichtfunkelnde und Aufrüttelnde Klänge, Bittere, beschwörende und Tragikomische Worte darüber, wie Menschen heute mit sich, anderen und der welt umgehen, wechselten in der Orchesterpeformance „Wut – Jelinek, Wagner und Jesus von Nazareth“ von Christian von Borries am Sonnabend zum Abschluss der Dresdner Musikfestspiele. Eine gemeinsame Aufführung der Dresdner Sinfoniker mit Schauspielern des Staatsschauspiels und dem Dresdner Bürgerchor in der Frauenkirche, die dabei allerdings akustisch an ihre Grenzen stieß, da viele der Chorpassagen – Ironie des Schicksals oder der Zeit – kaum gehört verhallten.

Zuerst stehen die Akteure in blauen Gewändern brav in einer Reihe hinter dem Orchester, später rücken sie immer weiter vor, von einer Zuschauerreihe in die nächste und lassen im Chor mit geballter Stimmkraft ihrer „Wut“ freien Lauf nach der gleichnamigen zornig-scharfzüngigen Textvorlage der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek, entstanden nach den Terroranschlägen in Paris 2015, im weiten Kirchenraum. Klanggewaltig begleitet von den Dresdner Sinfonikern – zu Musik von Wagner, Bach, Mendelssohn Bartholdy, Popmusik und Militärmärschen – suchen sie sich Gehör zu verschaffen in einem zunehmend um sich greifenden Klima der Angst vor Terror, Gewalt, Hass, Leid und Zerstörung, des Zerfalls von Werten und fordern Veränderungen. Sie halten vor dem Altar Schilder mit der Aufschrift Wut und Videobildern mit davonrennenden, fliehenden Menschen und dem aufragenden Bus-Monument, das vor der Frauenkirche für viel Aufsehen sorgte. „Wir brauchen nichts mehr, keinen Gott, keinen Führer“, rufen sie und führen sich auf als „Selbsterschaffene“, die vor Wut übergehen und sich mal ohnmächtig fühlen, in Deckung gehen, hinters Podium stellen, auf die Brüstung springen und sich in dunkle Allmachts- und Vergeltungsfantasien vor dem imaginären Fremden, Unheimlichen flüchten.

Das hinterließ starken Eindruck, ging unter die Haut und bietet viel Zündstoff zum weiteren Nachdenken, wie mit der Wut über das Wegsehen und Nichtgehörtwerden umgegangen werden kann – persönlich und auf gesellschaftlicher Ebene – angesichts der vielen nicht zu übersehenden sozialen Spannungen und vielen ungelösten Fragen zu Zuwanderung und Integration hier im Lande und in anderen Ländern Europas.

„Wir haben das Maß verloren. Fallen aus der Ordnung der Welt heraus, aber die hat noch nie Ordnung halten können“, heißt es in einer Textpassage von Jelinek. „Keiner ist schuld. Keiner ist schuld?“

Wir sind ja nur unsere eigene Wahrheit, wir spielen sie nur, lässt sie die Akteure abschließend sagen. Vielleicht hat es sich aber doch gelohnt, weil alle bezahlt haben?!, fragt sie sarkastisch. Zumindest gab es trotz streckenweise schwer verständlicher Rede im Gegensatz zur wunderbaren Musik dennoch reichlich Applaus vom Publikum.

Die Spieler verteilten neben Taschentüchern auch diesen Wut-Text von Elfriede Jelinek an die Zuschauer:
„Ich sage wir, aber ich bin es nicht, ich bin die alle nicht,
ich bin auch die Flüchtlinge nicht, die da sprechen,
wie könnte ich denn ein Flüchtling sein, wo ich doch nicht mal ins Kino oder
ins Theater oder in ein nettes Restaurant flüchten kann!,
wie kann ich mich in diese Leute hineinversetzen, in diese Mörder?
Ich kann es nicht und tue es nicht.
Ihr Inneres verstehe ich nicht, ihr Äußeres sehe ich nicht, obwohl es oft im
Fernsehn war und ich nur sehe, was dort stattfindet.
Das Äußerste kann das Innerste sein, aber das Innerste sieht man eben nicht,
ich habe das schon öfter irgendwo erwähnt, glaube ich.
Sie wollen das Innerste der Menschen von mir, aber wie soll ich das kennen?
Sie wollen richtige Menschen von mir?
Dann müssen Sie sich an jemand anderen wenden!“