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Text-Atelier Lilli Vostry

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Kolumne: Licht-Blicke

Ich muss Euch noch etwas erzählen. Ausgerechnet am Abend des 13. Februar, an dem vor 71 Jahren die Stadt lichterloh brannte, bin ich ohne Licht erwischt worden. Bevor ich zur Menschenkette in de Innenstadt fuhr, wo ich ein großes Polizeiaufgebot annahm, fuhr ich schnell noch zum Elbepark, um mir eine neue Fotospeicherkarte zu holen.

Auf dem Rückweg am Stadtrand, hielt mich dann auf der taghell erleuchteten Straße plötzlich ein Polizeistreifenwagen, neben dem Radstreifen neben mir herfahrend, an. Zwei Polizisten stiegen aus. Einer verlangte meinen Personalausweis. Wozu?, fragte ich. Er erklärte, ich habe eine Ordnungswidrigkeit begangen, da ich ohne Licht fuhr. Das koste mich 20 Euro. Mein Hinweis auf die taghelle Straße nützte nichts. Die nahe gelegene Fahrradwerkstatt hatte schon geschlossen. Mist. Mein mobiles Fahrradlicht war vor kurzem samt Klebeband vom Lenker gestohlen worden. Als wäre es nie da gewesen ohne jede Spur. Ich kam noch nicht dazu, mir ein neues zu holen. Zumal es jetzt wieder länger hell ist draußen. Der Polizist sagte, als ich ihm von dem Lichtdiebstahl erzählte: Ich könne ja Anzeige erstatten oder ans neue Radlicht dann einen Aufkleber anbringen: „Bitte nicht stehlen!“ Ich musste mir das Lachen verkneifen.

Der Polizist fragte mich, ob ich das Bußgeld annehme. Widerstrebend sagte ich ja. Ich wollte den Ehrgeiz der Ordnungshüter nicht noch mehr anstacheln. Dann wünschten sie mir auch noch eine „Schöne Nacht!“

Die werde ich haben, dachte ich wütend, mit all den anderen, die endlich auch wieder schöne Dinge erleben wollen. Und nicht jeden Montag abend grölende Horden auf dem Theaterplatz oder am Elbufer, die bestimmen wollen, wer in dieser Stadt leben darf und wer nicht. Mir fiel ein, wie erstaunlich oft die Polizei im Dunkeln tappt, wenn es um rechtsextreme Straftäter geht. Sie würden sich immer wieder der Festnahme entziehen, erklärte die Polizei unlängst erst auf eine Anfrage im sächsischen Landtag und dann im Radio. Wo sie doch sonst hinter allem her sind. Schon komisch. Da werden die Flüchtlingsgegner und rechten Straftäter selbst zu Geflüchteten immer auf der Hut vor der Polizei. Unfassbar.

Als ich zu Fuß in der Innenstadt ankam, war die Menschenkette längst vorbei. Keine Polizeisperren. Nur ein paar Polizeiwagen standen an diesem 13. Februar am Rande des Neumarkts und einige blaue Sirenen flimmerten von der anderen Elbseite herüber. Auf dem Platz vor der Frauenkirche leuchtete ein Lichtermeer aus Kerzen. Ich stellte zwei rote Kerzen neben die vielen anderen ins Lichterband vor der Kirche, weit hinten in den Sand, damit der Wind sie nicht gleich wieder ausblies. Einige Helfer zündeten die erloschenen Lichter wieder an. Manche Kerzengläser trugen Namen. Lieselotte, geboren 1929, las ich auf einem Einweckglas. Ob sich noch jemand an sie erinnert? Am großen Gedenkstein vor der Frauenkirche lag neben einigen heruntergebrannten Teelichtern ein roter Rosenstrauß mit einem Kärtchen, goldbemalt war darauf zu lesen: „Wenn ihr uns sucht, sucht in euren Herzen. Haben wir dort eine Bleibe gefunden, leben wir in euch weiter.“

Vor der Kirche sang eine Menschengruppe das Lied „Dona nobis…“ Die Melodie flog zu mir herüber und den anderen Menschen, die still auf das Lichtermeer, aus dem weiße Rosen und Margariten wuchsen, schauten. Ein Abend so ruhig und friedlich wie lange nicht. Andererseits kam mir die wider Erwarten derart leere Innenstadt auch etwas unheimlich vor. Waren die Menschen weggeblieben, weil sie Chaos und Unfrieden befürchteten und das Gedenken in Stille in ihren Stuben bevorzugten?  Wo sie aber auch keiner sehen konnte als Anteilnehmende und die Kraft des Zusammenstehens miterleben. Unterwegs waren an diesem 13. Februar rings um den Neumarkt hauptsächlich Besucher der Stadt, Touristen. Sie liefen an den Restaurants entlang, saßen drinnen beim Candle-light-Dinner und betrachteten die Auslagen der Geschäfte. Ala ginge sie dieser 13. Februar überhaupt nichts an. Als sei das allein ein Tag der Dresdner. Ist das wirklich so?, überlegte ich während ich mit der Straßenbahn unbehelligt nachhause fuhr und mein Rad zurückbrachte. Ein Lichtblick: Um Mitternacht hörte ich in den Radionachrichten, dass an diesem 13. Februar rund 13 000 Einwohner in einer Menschenkette entlang der Alt- und Neustädter Seite zusammenstanden und die Stadt friedlich umschlossen. Wenigstens für einen Augenblick.

Macht was draus.
Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

 

Puppentheater Herbst & Bretschneider

Wenn Ratten Ängste weg rappen

Drei rappende Ratten treffen eines Tages einen total anderen Fremdling. Sie wohnen auf einer verlassenen Baustelle und lieben HipHop, Dreck und Käse. Doch Arthur, der entfernte Verwandte, den sie aufnehmen sollen, ist ganz anders. Er ist weder schmutzig noch stinkig. Er wäscht sich, liest und isst mit Messer und Gabel! Kann das gut gehen? Davon erzählt das Stück „Der feine Arthur“ nach einer Geschichte von Claude Boujon. Witzig-frech, unterhaltsam und garniert mit eigenen Rap-Songs erzählen die Puppenspieler Marie Bretschneider und Thomas Herbst in ihrer ersten gemeinsamen Inszenierung, ausgestattet mit originellen Schaumstofffiguren vom Umgang mit verschiedenen Kulturen, Fremdsein,  Zusammenhalt und Freundschaft. Die Ratten beschnuppern den Fremdling neugierig und misstrauisch und wollen ihn loswerden.

„Doch als sie von einem großen Hund angegriffen werden, stellen sie fest: vor ihm, der Gefahr sind alle gleich“, erzählt Marie Bretschneider. Und Arthur bekommt die gleiche Salbe und darf bleiben. „Doch leichter wird es dadurch nicht. Es ist ein erster Schritt aufeinander zu“, sagt sie.

Premiere hat „Der feine Arthur“ am 28. Februar um 16 Uhr im Stadtteilhaus Äußere Neustadt. Im Frühjahr 2015 begann ihre Zusammenarbeit mit zeitgenössischem Puppentheater. Thomas Herbst suchte eine neue, „kraftvolle“ Mitspielerin. Marie wurde ihm empfohlen und es passte für beide. Marie Bretschneider ist seit 2012 selbstständig als Puppen- und Schauspielerin und tritt damit in die Fußtapfen ihres Vaters Jörg Bretschneider, mit dessen so fantasie- wie erfolgreichem Dresdner Figurentheater sie aufwuchs. Inzwischen spielte Marie bereits zwei Stücke mit ihm und brachte fünf Eigenproduktionen auf die Bühne, darunter „Ansichten eines Clowns“ am Neuen Theater Halle und „Der Draculakomplex“ mit Handmaids in der Schaubude Berlin. Vorher war sie zwei Jahre im Schauspielstudio am Staatsschauspiel Dresden zu sehen. Seit der Geburt von Töchterchen Momo arbeitet sie freiberuflich. Thomas Herbst studierte  Puppenspiel an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst und ist seit 2004 freischaffend. Sonst ist er in drei Kinderstücken mit dem Puppenspieler Hanno Wuckasch zu sehen und in einem Heinrich-Heine-Programm mit Schatten- und Objekttheater. Ihr Rattenstück wollen Marie und Thomas in abgewandelter Form, mehr choreographisch und mit den Rap-Songs auch bald auf englisch für Flüchtlingsfamilien spielen.

Nächste Termine: „Der feine Arthur“, 5.3. im Eselnest.

Kontakt: http://www.marie-bretschneider

 Foto: Robert Jentzsch

Entwaffnend komische Flüchtlingsgespräche

Brechts hochaktuelles Stück bringen die Schauspieler Jürgen Stegmann und Holger Fuchs auf die Bühne.

„Entweder wird die  Bevölkerung abgeschafft, oder Krieg wird unmöglich.“Entwaffnend komisch denken zwei Männer über den Zustand der Welt nach. Sie ist voll von den wahnwitzigsten Forderungen und Zumutungen, stellen sie fest. „Evakuierung auf der ganzen Welt für dauernd? Das braucht Organisation“, überlegen sie. Voll ernstem Humor und schrägen Klängen auf der Klarinette, Ziehharmonika, Topfdeckeln und den kreisenden Teilen eines Windspiels traten die Schauspieler Jürgen Stegmann und Holger Fuchs als Heroen wider Willen auf in einer musikalischen Lesung der „Flüchtlingsgespräche“ von Bertolt Brecht, die in der Galerie mit Weitblick in Radebeul stattfand.

Mit Bierglas und Trommelstock in der Hand geben sie sich mal kämpferisch und nachdenklich in den Rollen des Physikers Ziffel und des Arbeiters Kalle. Sie streiten und philosophieren witz- und geistreich über den Wert von Pässen und Menschen, Volk, Vaterlands- und Freiheitsliebe, Demokratie und Größenwahn und Menschen, die unbelehrbar immer wieder neue Kriege entfachen. Jürgen Stegmann hatte das Stück schon mehrmals in den Fingern. „Offensichtlich hat sich das Thema nicht erledigt, es ist erschreckend aktuell. Manche Sätze wirken wie vor zwei Wochen geschrieben“, sagt er. Die Flüchtlingsgespräche zweier deutscher Emigranten schrieb Brecht 1940/41 im finnischen Exil. Unabgeschlossen, enthalten sie dennoch scharf pointierte Schlüsse und zeitlose Denkanstöße. Jürgen Stegmann und Holger Fuchs wollen nach der Lesung eine Spielfassung der Flüchtlingsgespräche auf die Bühne bringen. Im kommenden Jahr soll diese dann vor allem in Schulen, Flüchtlings- und Sozialarbeitseinrichtungen zu sehen sein.

Eine berührende Aufführung, der man viele Zuschauer wünscht.

Interessierte Einrichtungen können sich melden bei Jürgen Stegmann im Internet unter http://www.wortgestiker.de

Andrea Wechsler liebt Marathonläufe und Balkan-Geschnetzeltes

Von ihren Rucksackreisen erzählt ihr neues Buch

DRESDEN – Andrea Wechsler führt buchstäblich ein bewegtes Leben. Sie liebt Marathonläufe, Rucksackreisen und  ausgedehnte Bergtouren. Was anderen schon beim Hören Schweißperlen auf die Stirn treibt, spornt sie an, pusht ihre Energie und ihr Durchhaltevermögen. Das Laufen bewirke auch ein Stärkegefühl des Gewappnet seins für Probleme des Lebens, sagt sie.

Mit 19 Jahren lief Andrea Wechsler ihren ersten Supermarathon beim Rennsteiglauf über 68 km. Von 1983 bis 1996 führte ihr Weg sechs Mal über den „langen Kanten“, also ca. 66 km. Sie kam immer unbeschadet an, erlebte den „Endorphin-Erguss“ im Ziel pur und fast immer wartete dort ihr Vater auf sie, mit dem sie bis zu seinem Tod 2002 früher im Sommer jeden Morgen immer vier Kilometer auf der Hauptallee entlang im Großen Garten lief.

Während des Städtepartnerschaftslaufes von Dresden über Rotterdam nach Coventry 1996  bemerkte Andrea Wechsler plötzlich, dass sie schwanger war. „Ich also mein Kind den langen Weg im Laufschritt mit mir trug – ein Lebenslauf“, schildert sie. Der Rennsteiglauf 2014 fiel genau auf ihren 50. Geburtstag, sie nahm ihre Familie mit und lief den Geburtstagsmarathon stolzerfüllt noch mal knapp unter fünf Stunden. Heute läuft sie 15 bis 17 km die Woche. Natürlich helfen die Läufe auch zur Vorbereitung auf die Gebirgstouren, bei denen sie und ihr Mann jeder ca. 22 Kilo auf dem Rücken tragen, in den Rucksäcken befinden sich Zelt, Schlafsack, Isomatte und Kleidung und Proviant wie Riegel, Nüsse und Wasser.

Seit über 30 Jahren ist die gebürtige Dresdnerin (51) auf dem Balkan unterwegs. Mit 19 zog Andrea Wechsler los zu ihrer ersten großen Bulgarien-Tramp-Tour, über die sie in ihrem Erzählband „Fremdgefahren“ schrieb (www.autorin-andrea-wechsler.de). Im Sommer 1986 lernte sie dort einen Bulgaren kennen und heiratete zwei Jahre später am Schwarzen Meer ihre Urlaubsliebe. Die Ehe hielt 16 Jahre und ihre zwei Kinder kamen zur Welt. Neben Reiseerzählungen schreibt Andrea Wechsler auch Lyrik über die weite Landschaft, vergessene Orte und die Menschen, die ihr begegnen. „Auf dem Balkan ist vieles wortwörtlich schief und es geht vieles schief. Aus dieser Schräge lassen sich Abenteuer heraus zaubern, die wie weiße Tauben hinauf fliegen und lebenslang in den Zweigen des Alltags gurren“, schwärmt Andrea Wechsler. Wenn sie nicht reist, unterrichtet sie Migranten an einem Berufsschulzentrum in Dresden und arbeitet als Referentin am Sächsischen Bildungsinstitut. Auf dem Balkan liebt sie die Urwüchsigkeit und die Gastfreundschaft der Menschen. Sie hat das Gefühl, dass ihre slawische Seele (ihre Mutter ist Tschechin) sehr hilft, auf die Leute zuzugehen. Sie spricht Russisch und Bulgarisch, manchmal im Kauderwelsch, aber sie kann sich unterhalten.

Das umtriebige Erzähltalent ist in ihrer Familie verwurzelt. Ihr Urgroßonkel mütterlicherseits ist der berühmte „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch. Ihre Großmutter Renata Novalova-Steinbach war verwandt mit ihm. Sie schrieb ebenfalls. Einen Gedichtband  mit ihren und eigenen Texten mit dem Titel „Wenn sich die Parallelen schneiden gab Andrea Wechsler 2012 im Re DiRoma-Verlag heraus. Das Schreiben verband sie über die Grenze zwischen Ost und West hinweg, obwohl sie ihre Großmutter nur zweimal im Leben sah, standen sie sich sehr nah. Und es gibt noch eine Schriftstellerin in ihrer Familie: Urgroßmutter Anna Wechsler (väterlicherseits) war Heimatschriftstellerin in Annaberg – welch ein Zufall, dass Andrea Wechslers neues Buch nun ganz in der Nähe von Annaberg gedruckt wurde.   Unter dem Titel:  „Balkan-Geschnetzeltes. Kein Kochbuch“ – mit dem Rucksack durch Montenegro, Mazedonien und Albanien erscheint am 17. Februar im Telescope-Verlag in Mildenau (296 Seiten, 17 Euro, erhältlich über Amazon, im Buchhandel und bei der Autorin).

In 35 Texten erzählt Andrea Wechsler von vier Rucksackreisen in den Jahren 2013 bis 2015, die sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Jens Reichel unternahm, von dem auch die originellen Reisefotografien im Buch sind. Lebensprall, anekdotenreich, humorvoll  und nahe gehend geschildert, meint man beim Lesen fast selbst dabei zu sein. Wenn sie nach langer Wanderung bei 40 Grad „mit brennenden Füßen und Zungen, die längst vertrocknete Waschlappen sind“ endlich vor einem scheintoten Wirtshaus in den Lovc´en-Bergen stehen: „Wir – die Durstigen, Hungrigen und Geschundenen genießen die Anwesenheit dieser Männer, und sie – die Einsamen und Verlassenen dürfen nach langer Zeit wieder bewirten und uns aufpäppeln. Unser Durst ist ihre Freude. Endlich lebt ihr Wirtshaus auf!“, schreibt Andrea Wechsler.

Und wie ein Mann außer sich vor Freude sie  überschwänglich lobte, da sie den Schafskäse erkannte, nicht irgendwelchen, sondern von seinen Tieren und sie deshalb anhimmelt als „eine Göttin, eine Zarin, eine Heilige!“, erzählt Andrea Wechsler schmunzelnd. Doch damit nicht genug. „Ti si Unikat!“ Nach dieser Reise weiß sie eines ganz genau: „Ich bin ein Unikat.”

Die Buchpremiere und Lesung mit Andrea Wechsler, umrahmt von einer Foto-Show, Musik und kulinarischen Spezialitäten vom Balkan findet am 17. Februar, 19.30 Uhr in der Reisekneipe auf der Görlitzer Straße 15 in der Äußeren Neustadt statt (um Anmeldung wird gebeten per mail an: info@reise-kneipe.de oder telefonisch: 0351 – 26 6255). Das nächste Buch, in dem der Berlin-Marathon eine Rolle spielt, ist schon in Vorbereitung.

Beim Wandern im mazedonischen Baba-Gebirge traf Andrea Wechsler auf diesen Blaubeerpflücker im Damensattel. Foto: Jens Reichel

 

Herr Pastor, Ihre Kutte rutscht!

Humorvolle Predigt voller Lust und Liebe

DRESDEN – Der ebenso einsame wie ratlose Pastor Gotthilf Klingelsack richtet ein Stoßgebet gen Himmel: Was soll er nur tun, damit seine Glocken wieder bimmeln? Er bittet um ein Zeichen. Lebhaftes Vögelgezwitscher antwortet ihm. Die Gefühle stehen kopf im Stück „Herr Pastor, Ihre Kutte rutscht!“ Der frivole Nachfolger von  „Herr Doktor, die Kanüle klemmt!“ von Clemens Wolkmann für Zuschauer ab 18 Jahre hatte passend zum Valentinstag am Sonntag abend Premiere im Boulevardtheater Dresden.

Die idyllische Kulisse vor bayrischer Berglandschaft ist getrübt vom schrägen Glockengeläut aus der alten Pfarrkirche. Der liebenswert-schusselige Pastor Klingelsack (Manuel Krstanovic) überspielt die Misstöne mit flotten Schlagern per iPad, schwingt die Glocken und hängt kopfüber gar halb entblößt am Seil. Dann bekommt der fromme Mann auch gleich von mehreren Damen Besuch, die ihn in Verlegenheit und Versuchung bringen.  Und in dem vorher so stillen Örtchen geht es plötzlich aufregend heiß, ungeniert und turbulent zu und kommt man einander näher beim Abendmahl – mit Grillparty, Tanz und beschwipst weinseligen Sprüchen zum Gaudi der Zuschauer. Auf die Bühne kam ein Stück über Liebe, Glaube und Scheinmoral voll witzig-deftigem Humor und doppeldeutig-anstößiger Dialoge, streckenweise allerdings recht platten Gags über Christentum und Islam unter Regie von Jürgen Mai. Die nackten Tatsachen kommen nicht zu kurz, fast alle lassen die Hüllen fallen, geben sich Badefreuden hin. Und  auch der Pastor steht zuletzt splitternackt da und bekennt freimütig seinen Glauben an die Liebe. Neben ihm, nur noch mit Hüfttuch bekleidet, als moderne Eva die attraktive Bürgermeisterin Theresa (Edith Schachinger). Für Wirbel sorgen außerdem zwei junge Frauen auf der Durchreise. Die eine heißt Maria-Colina (Alice Erk), ist total naiv und verspricht  sich andauernd kurios. Sie verwechselt die Kirche mit einer Moschee und schlafwandelt bei Vollmond als hellsehende, heilige Maria und vollführt wundersame akrobatische Kunststücke. Ihre Freundin, die Ex-Hafennutte Gina-Lolly Lutschbonbon (Lisa Huk) ist cool. Als der Erzbischof sich zum Kirchbesuch ankündigt, spielt Collie eine keusche Novizin mit Strapsen unterm Gewand, die angeblich  einem „Schweigeorden der trockenen Fische“ angehört, dem namentlich Till Schweiger vorsteht. Die zwei jungen Damen verführen und überführen den alten lüsternen Erzbischof Rotzinger ausgerechnet im Beichtstuhl seinen Verfehlungen per Handymitschnitt  (in einer Doppelrolle auch als Landarzt Josef Ayer-Stok sehr amüsant: Michael Kuhn). Es gibt ein Wiedersehen mit der alten schrulligen Ulknudel Liliane Leutheuser-Schnarrenthal (Ulrike Mai), die schon im Arztstück noch scharf auf Leibesvisite war und diesmal einem unkeuschen Fluch über der Kirche nachgeht und ausgerechnet hier im Keller den legendären Schatz des Fruchtbarkeitsgottes Piatpos findet. Ein ganz und gar sinnenfreudiger Abend, der für reichlich vergnügte Heiterkeit beim Publikum sorgte und begeisterten Beifall fand.

Wieder:  am 2.3., 19.30 Uhr; 3. und 4.3., 20 Uhr; 5.3., 15+19.30 Uhr und 6.3., 14+18 Uhr.

Keine für Alle! – Lara Finesse

Hervorgehoben

Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

ÜberMänner

Humorvolles Spiel zwischen Mann und Frau –
mit Annette Richter

Was Frauen und Männer heute zueinander zieht, davon erzählt die Schauspielerin Annette Richter in ihrem neuen Soloprogramm „ÜberMänner“.   Mal sind sie unwiderstehlich, mal unausstehlich. Mal nehmen sie zu viel, mal zu wenig Platz in der Welt der Frau ein.

Ob sie ihm Fleisch oder Sojapampe auftischt ist völlig egal, wenn es nur wie Fleisch aussieht. Und Hauptsache er hat sein Bier.   Mit offenherzig-augenzwinkerndem Blick auf das starke Geschlecht schlüpft Annette Richter in zehn verschiedene Frauenrollen,  die mit genauso vielen Männerrollen verbunden sind. Denn hinter jeder Frau steht ja bekanntlich ein Mann, der sie so werden ließ, wie sie geworden ist. Ohne Schmus und Kitschromantik, aber voll ehrlichem Verlangen und witzig-frechem Charme spielt und singt Annette Richter in schnellem Rollenwechsel über modernes Beziehungsleben (Texte: Jens Fritzsche, Regie: Mario Grünewald). Sie ist zu sehen als resolute Altenpflegerin, als frech-rotzig berlinernde Bäckereifachverkäuferin, leidenschaftlich mit ihrem Smartphone hantierende Frau und als Männer wie Leermasse behandelnde Oberstudienrätin. Sie gibt schön schrullig eine Enten fütternde Alltagsphilosophin und eine bitterböse Feuerwehrfrau, die von allzu viel Romantik total genervt ist.  Das Premierenpublikum in der Brauerei Radeberg hatte bei diesem besonderen Gastspiel unlängst viel Vergnügen. Nun zeigte Annettte Richter die  „ÜberMänner“ im Centrum-Theater in Dresden am 14. Februar auf der Prager Straße vor rund 60 begeisterten Zuschauern.

In diesem Programm wird ganz schön gepiesackt und kaum ein gutes Haar am anderen gelassen. Man spürt, da hat sich im Beziehungsalltag viel Unausgesprochenes angesammelt und brodeln im Inneren verletzte Gefühle, die auf der Bühne endlich herausdürfen. Sie versucht beide Seiten zu verstehen, sagt Annette Richter. Ohne ihren charmanten Humor würde es noch weitaus kälter zugehen in diesem reibungsvollen Spiel zwischen Männern und Frauen. All ihre Rollen strahlen viel Liebe, Leichtigkeit und Lebenserfahrung aus. Geboren wurde Annette Richter in den heißen Sechzigern in Meerane und schloss ihr Schauspielstudium an der Filmhochschule in Potsdam-Bablesberg mit Auszeichnung ab. Sie spielte am Theater in Senftenberg und an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul sowie für Film und Fernsehen. Seit 2000 ist Annette Richter freischaffend als Schauspielerin, Dozentin für Theaterspiel und als Moderatorin. Sie erinnerte mit einem eigenen Theaterabend an die große Romy Schneider im Hoftheater Weißig und ihr Chansonprogramm mit eigenen Liedern: „Mitten im Seelendschungel“ soll  auch bald wieder zu sehen sein.

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

Hervorgehoben

Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Dieser zeitlose BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis erhältlich. Einige Exemplare sind noch über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

Der Idiot

Zu gut für die Welt

Wer nur auf sein Herz hört, der ist verloren in dieser Welt. Davon erzählt das Stück „Der Idiot“ nach dem Roman von Fjodor Dostojewskij. Die russische Seele leuchtet voll dunkler Romantik und Leidenschaft. Humor, Wehmut und bitterer Ernst liegen nah beieinander in dieser trotz des düsteren Stoffs wunderbar leichten Inszenierung in der Regie von Matthias Hartmann. Ehemals Intendant am Wiener Burgtheater, landete er mit seiner ersten Aufführung am Dresdner Schauspielhaus gleich einen Volltreffer. Vier Stunden lang spannendes Erzähltheater und kontroverses Spiel mit viel herzergreifender Situationskomik,  Gefühlsausbrüchen, gleichzeitig heiter und tragisch, das ist selten an einem Abend zu erleben. Das Bühnenbild besteht lediglich aus ein paar Stühlen und grauen Schiebewänden, die sich wandeln zu verschiedenen Räumen der feinen St. Petersburger Gesellschaft. Mit der Ankunft des aus einem Schweizer Sanatorium zurückkehrenden, mittellosen Fürsten Myschkin (naiv und edelmütig: André Kaczmarczyk) scheint sich alles zu verwandeln. Im kühl-vornehmen Salon einer Generalsfamilie sprießen wie von Zauberhand gemalt weiße Blüten die Wände empor. Der zuerst barsch abweisende General (Holger Hübner), seine besorgt-misstrauische und melodramatische Gattin (Rosa Enskat) und ihre Töchter Alexandra (aufgeschlossen: Cathleen Baumann) und Aglaja (hochmütig: Lieke Hoppe) hören auf einmal begierig seine lustigen und traurigen Reiseanekdoten an, staunen über die guten Manieren und Bildung des vermeintlichen „Idioten“.

Er wird bewundert, belächelt, geliebt und verhöhnt. Er ist ein Idealist, Träumer und Feingeist und in sich gefangen. Ein Gutes wollender Unglücksmensch, der immer zwischen die Fronten gerät von Intrigen, Machtstreben, verschmähter Liebe, Eifersucht, sozialem Absturz  und Verzweiflung. Das begehrte, mal schamlose und mal zutiefst verletzliche Objekt der Begierde heißt Nastassja (Yohanna Schwertfeger) und sehnt sich selbst vergebens nach wahrer Liebe. Wie auch ihr besessener Verehrer (Christian Erdmann). Ein zwiespältiger Nachgeschmack bleibt. Der Idiot scheitert an seiner reinen Gutherzigkeit. Für alles hat er Verständnis und hält sich aus allem heraus. Zuletzt hält er seinen einzigen Freund, den Mörder von Nastassja im Arm  und tröstet ihn. Ein großer Theaterabend, der viele Fragen aufwirft. Wie man sich und seinen Idealen treu bleibt ohne unterzugehen in dieser Welt zunehmender Gefühlskälte und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer. Begeisterter Beifall vom Publikum.

Nächste Termine: 19.2. und 2.3., 19.30 Uhr im Schauspielhaus.