Antrittlesung mit dem neuen Dresdner Stadtschreiber Bernd Wagner

Anschauliche Zeitbilder

Der aus Wurzen stammende Schriftsteller Bernd Wagner wird Dresdner Stadtschreiber 2019. Für ein halbes Jahr erhält er ein Stipendium und eine mietfreie Wohnung in Dresden. Das Stipendium wird von der Landeshauptstadt Dresden in Kooperation mit der Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden vergeben.

Zur Antrittlesung am Donnerstag, 27. Juni, 19.30 Uhr
in den Städtische Bibliotheken Dresden – Zentralbibliothek,
Schloßstraße 2 in Dresden, sind Literaturfreunde herzlich eingeladen.

Annekatrin Klepsch, Beigeordnete für Kultur und Tourismus, beglückwünscht die Wahl der Jury: „Aus qualitativ hochwertigen Bewerbungen stach der Text von Bernd Wagner hervor. Mit ihm wird Dresden einen Autor gewinnen, der auf literarisch anspruchsvolle und gleichsam humorvolle Weise unseren Blick auf den Osten Europas schärfen wird und der gerade im Prozess der Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt Europas 2025 wichtige Impulse geben kann. Ich gratuliere Herrn Wagner und der Jury zu dieser Wahl.“ Die Jury setzte sich zusammen aus: Karin Großmann (Vorsitz), Michael Bittner, Julia Meyer, Ulrike Schüler, Jörg Scholz-Nollau, Uta Hauthal und Juliane Moschell.

Zur Entscheidung

Die Jury traf ihre Wahl aus über 30 Einsendungen aus der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz. Bernd Wagner überzeugte mit dem Auszug aus einer Erzählung, die auf der kaschubischen Halbinsel Hel nördlich von Gdansk/Danzig im Zweiten Weltkrieg spielt. Der Autor vermittelt in einer plastischen Sprache ein anschauliches Zeitbild, so die Jury. Sie lobt die poetische Dichte des Textes, die prägnanten Figuren, die präzisen Details. Wagner erzählt mit trockenem Humor, wie ein Mann knapp dem Tod entrinnt.

Mit einem ganz eigenen farbstarken Ton hatte Bernd Wagner schon in seinem jüngsten Roman begeistert. „Die Sintflut in Sachsen“ erschien im Vorjahr im Verlag Schöffling & Co. und zeichnete ein sächsisches Nachkriegspanorama, das bis zum Hochwasser von 2002 reicht. Mit dieser autobiografisch geprägten Familiensaga setzte der Autor seiner Geburtsstadt Wurzen ein literarisches Denkmal.

Zur Person

Bernd Wagner ist Jahrgang 1948, arbeitete nach dem Studium als Lehrer und veröffentlichte 1976 im Aufbau-Verlag seinen ersten Erzählband. Er war Mitherausgeber der illegalen Literaturzeitschrift „Mikado“ und übersiedelte 1985 aus der DDR nach Westberlin. Mit rund zwanzig Büchern gehört der Schriftsteller zu einer Generation, die literarische Erfahrungen aus Ost und West verbindet. Damit kann Bernd Wagner das Gespräch fortsetzen, das Uwe Kolbe und Kurt Drawert als Dresdner Stadtschreiber angestoßen haben. Derzeit schreibt er Epigramme und Aphorismen, in denen er das Zeitgeschehen kommentiert.

Text:  Jörg Scholz-Nollau

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BilderAlbum: Schattentheater „Moving Shadows“ mit den Mobilés beim Fest der Sinne in Großenhain

Wenn Träume lebendig werden

Schattenhaft bewegen sich Körper vor einer weißen Wand. Auf eine bilderreiche, grandiose, fantasiereiche Reise in die Welt der Träume und rund um den Globus entführten mit ihrer Aufführung „Moving Shadows“ „Die Mobilés“ aus Köln am vergangenen Sonnabend beim „Erlebnisfest der Sinne“ im Stadtpark Großenhain. Die acht Tänzer und Körperakrobaten aus Köln, Gewinner des Supertalents in Frankreich, sind bei ihrem wandlungsreichen Schattentheater Darsteller und Kulisse zugleich, lassen immer neue, traumhafte Szenarien entstehen, die verblüffen, faszinieren, zum Schmunzeln und Nachdenken anregen und dafür reichlich Beifall ernteten.

Text + Fotos (lv)

BilderAlbum: „Lasst Euch beflügeln!“ – Unterwegs beim „Erlebnisfest der Sinne“ in Großenhain

Eindrücke vom Erlebnisfest der Sinne am Wochenende in Großenhain.

Text folgt. Fotos (lv)



das Künstler-Paar Horst & Bärbel Kiessling stellte wunderbare Flügel für klein und groß auf die Wiese


Beflügelnd: meinwortgarten.com-Inhaberin Lilli Vostry


Improvisation mit der Spielbühne Großenhain

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Mit Herz & Temperament: die argentinische Vollblutsängerin Lily Dahab & Band

BilderAlbum: Unterwegs in der Bunten Republik Neustadt (BRN) 2019


Klingende Oase. Jede freie Ecke wurde wieder zur Bühne für Musik, Spiele, Straßenaktionen. Spontan, originell, bunt, flippig, schillernd. Noch mehr als sonst zieht das Dresdner Szene- und Kneipenviertel die Blicke auf sich und Tausende feierfreudige Besucher aus nah und fern an während der Bunten Republik Neustadt (BRN). Auch dieses Jahr im Juni. Drei Tage und Nächte lang wurde wieder ausgiebig gefeiert vergangenes Wochenende. Erstmals ausgerufen in der Wendezeit Anfang der 90er Jahre, wurde und wird hier Kultur, Kreativität, Urwüchsigkeit und Lebensfreude in aller Vielfalt zelebriert. Nicht nur zur BRN, sondern alltäglich.

Text + Fotos (lv)
Mehr Text folgt


„Hochrechnung in die Zukunft“ mit dem Zwinger-Trio auf der Felsenbühne Rathen

Zwinger-Trio – Komikerparade auf der Felsenbühne Rathen

Komik ist Tragik in Spiegelschrift. Ausgehend von diesem Gedanken hatte das „Zwinger-Trio“ anläßlich seines 35. Geburtstag in den Spiegel gesehen und festgestellt, die Tragik nimmt ihren Lauf. Zu erleben am 23. Juni, um 17 Uhr auf der Felsenbühne Rathen.

Aber man muss sich der Tragik des Lebens lachend in den Weg stellen, haben sich die drei Herren gedacht und sich gesagt: Wer Humor hat, nimmt sich selbst nicht so wichtig. Wer gerne lacht, tut etwas für seine Gesundheit, und lebt zufriedener. Humor kann urkomisch sein. Das wussten schon viele Komiker vor dem Zwinger-Trio.

Und so werden sich die drei Urgesteine der sächsischen Humorlandschaft, Tom Pauls, Jürgen Haase und Peter Kube, in ihrem neuen Programm bekannten Komik-Klassikern widmen und sie fein improvisiert mit ausgelassenem Humor auf die Bühne bringen.

Natürlich mit viel handgemachter Musik und mit all den Problemen, welche ein Trio, die bekanntermaßen zweitgrößte Vereinigung nach dem Duo, nun einmal mit sich bringt.

Text: Petra Grubitzsch/LB

Tel. 0351/8954203 oder 0160/8820685,  presse@landesbuehnen-sachsen.deLandesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0, Kasse: Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; http://www.landesbuehnen-sachsen.de 

9. Erlebnisfest der Sinne in Großenhain mit Kunst & Konzerten & Kinderhandwerkerdorf


„Weidenengel, Skulptur von Bianca Seidel.

„Datenwolke, gestrandet“, Installation von Constanze Schüttoff

„Engel der Geschichte“ im Stadtpark

Arbeiten aus einem Künstlerworkshop, angeregt von einem Bild Paul Klees „Angelus Novus“ und einem Text Walter Benjamins dazu, beflügeln Geist und Fantasie beim 9. Erlebnisfest der Sinne vom 21. bis 23. Juni in Großenhain. Außerdem locken viele Aktionen zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken für kleine und große Besucher.

Das Erlebnisfest der Sinne ist ein überregionales Kulturfestival, welches Kunst und Musik auf die grüne Bühne des Großenhainer Stadtparks holt. Dann tummeln sich hier renommierte Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Genre und machen Großenhain, gemeinsam mit den Kulturvereinen der Stadt, für ein Wochenende zur besten Adresse für Menschen, die mit allen Sinnen leben und genießen.

Bei Führungen auf dem Künstlerpfad werden die Kunstwerke im Stadtpark den Besuchern näher vorgestellt. Selbst aktiv werden können kleine Besucher im Kinderhandwerkerdorf mit Abenteuerspielplatz. Es gibt ein Erfahrungsfeld der Sinne zum Erkunden, Familienkonzerte, open-air-Kino, das Stroga-Festival e.V., ein Poetry-Slam-Wettstreit und „Moving Shadows“ vor einer erleuchteten Wand mit den Mobilés. Für zauberhaftes Flair sorgt abends außerdem eine Illuminationswiese im Stadtpark. Den Gaumen erfreut internationale Küche.

Als Höhepunkt wird am Sonnabend die argentinische Sängerin Lily Dahab & Band die Besucher mit mal sinnlichen und feurigen Liedern aus aller Welt die Besucher verzaubern auf der Bühne am Pavillon (20 – 22 Uhr). Vorher sorgen die vier jungen Gesangs- und Soundkünstler der Wiener A-Capella-Band „Das wird super!“ mit ihren besonderen Popsongs für Stimmung (18.30 – 20 Uhr).

Infos + Fotos: Veranstalter + lv

Mehr zum Programm unter http://www.erlebnisfest-grossenhain.de

Siehe dazu auch das BilderAlbum: „Lasst Euch beflügeln!“ mit Eindrücken vom Erlebnisfest der Sinne in Großenhain.


Lily Dahab, in Deutschland unlängst bekannt geworden als „die mit der Stimme küsst“ (Badische Neueste Nachrichten) wächst in Buenos Aires auf, studiert dort Musik und nachdem sie gleich mit ihrer ersten Hauptrolle in „Cats“ in ihre Musical-Karriere abhebt, zieht es Dahab nach Spanien, wo sie in Madrid die „Belle“ in der Original Broadway-Version von „Die Schöne und das Biest“ spielt. Oder unter anderem in Barcelona als Esmeralda in der zeitgenössischen Version von Victor Hugo´s „Glöckner von Notre Dame“. Schließlich kommt sie der Liebe wegen nach Berlin, zusammen mit ihrem Partner und Pianisten Bene Aperdannier beginnt sie fortan ihre künstlerischen Visionen umzusetzen. Über 250 Konzerte später ist die argentinische Sängerin aus der World Jazz Musikszene nicht mehr wegzudenken.

Tanz im Zschonergrund


Tanz der Sinne im Zschonergrundbad.

Leise säuselt der Bach im kühlen Grunde. Langsam legt sich der Schleier der Dämmerung über das Wasser. Etwas Neues, Altes erwacht …

A R S A M Y T H I S – Verzauberung der Sinne

Eine Reise voller mystischer Rituale, Phänomene & Geheimnisse, Musik und Tanz lockt am 22. Juni, um 20.30 Uhr im Zschonergrundbad Dresden. Einlass: ab 18 Uhr.

Lodernde Flammen, sprühende Gischt. Tanz der Elemente. Mit wiegenden Hüften, wehenden Schleiern und sich windenden Schlangen. Zwiesprache mit den höheren Mächten, durchdrungen vom Allzumenschlichen. Liebe, Verführung, Gier und Rache. Der ewige Kampf zwischen Finsternis und Licht, mystisch magisch inszeniert und verzaubernd tänzerisch dargeboten von Katári, Una Shamaa, Laila Nahara, Acasya, Salan, Irina, Lunara, Bastaphydio, Myoklonia Nocturna, Ayana, begleitet von Heinz Lindner am Didgeridoo und der Stimme von Jonny Winter.

Ein Abend zum Erleben und Genießen mit allen Sinnen.

Licht und Ton: Torsten Gaitzsch, Markus Orgis
Video Bill d´Amacha

open air – Ihr könnt Euch Sitzkissen mitbringen und es kann abends kühl werden im Grund. Für Imbiss & Getränke ist gesorgt.

Die Eintrittskarten sind auf 137 limitiert und selbst bei Regen bleiben alle trocken.

Für Vorverkauf bitte  eine Mail schicken. (katharina.nicht@schlangentanz.info)  Die Karten werden nach Überweisung zugemailt.

Das Bad hat bis 18 Uhr geöffnet. Abendtarif von 17 bis 18 Uhr, 1,50 €
Für Rollstuhlfahrer gibt es einen extra Einlaß, bitte nachfragen.

Text + Foto: Katharina Nicht

www.ARAMYTHIS.de
https://www.youtube.com/watch?v=sAjgg_Wjk7Q&list=PLwrvMO_pGLVpw-dZ48Gx1QMUfkyElHtiz&fbclid=IwAR0iLffWtI3R1guLuj9w5q7j_P-10ezkG2pLNf2Y9GkyEvBMGqfs-30-zLY

Premiere „Elbfuge“ im Kleinen Haus


Musik & Menschen wollen gehört werden. Wie lässt sich Eigenes und Fremdes verbinden und wie soll man mit Misstönen umgehen? Fragt das Stück „Elbfuge“ in Kleinen Haus. Foto: Sebastian Hoppe

Über die Kunst, den richtigen Ton zu treffen

Wo beginnt, wo endet Verstehen und finden viele verschiedene Klänge zu einem Stimmenstrom? Darüber wird heftig gestritten im Stück „Elbfuge“ von Àrpád Schilling und Máryás Dunjacsik. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Alles um uns herum ist Musik. Es gibt keinen falschen Ton, höchstens den, den wir im großen Ganzen noch nicht gefunden haben. Erklärt eingangs eine Stimme auf der dunklen Bühne. Doch wie finden die vielen, verschiedenen Themen und Stimmen, Punkt und Kontrapunkt zueinander? Davon erzählt „Elbfuge“, eine
Stückentwicklung von Àrpád Schilling und Mátyás Dunajcsik, die aus Ungarn stammen, ins Deutsche übersetzt von Anna Langyel. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Kaum geht das Licht an, wendet sich das Blatt und werden harte, raue Töne, jeder gegen jeden, angeschlagen. Kunst ist Krieg, sagt dieselbe Stimme, den wir gegen unsere eigene Begrenztheit, Feigheit und Faulheit führen. Ein starker Satz, der noch mehrmals leitmotivisch wiederkehrt in der Aufführung. Vor der schwarzen Bühnenwand auf der sonst leeren Bühne steht ein grau verwittertes Klavier, wie eine letzte Zuflucht. Das mit aufgestelltem Flügel zugleich als Projektionsfläche und Leinwand dient, wo die Mitspieler sich vorstellen, von ihren Plänen, Träumen, Ängsten, Schatten der Vergangenheit, Heimat, Fortgehen und Suche nach Integration von Eigenem und Fremdem erzählen.

Da ist die junge PR-Managerin aus Rumänien Lia (temperamentvoll-kämpferisch: Gina Calinoiu), die in der neuen Stadt am Fluss endlich ankommen will, sich für zeitgenössische Komponistinnen stark macht und für ihren Heimatort eine neue Zukunft sucht. Schließlich sei Musik für alle da und ein Menschenrecht.
Sie schätzt den umstrittenen, unbequemen und resoluten Komponisten Martin (Moritz Dürr), reibt sich aber gleichzeitig an seiner egozentrischen Art auf und wird von ihm barsch abgewiesen. Eine junge Frau aus seinem Orchester ist plötzlich gestorben. Nachfragen weicht er aus und will nichts damit zu tun haben. Der 63-jährige Komponist steckt außerdem gerade in einer Schaffenskrise.

Seine um seinen Ruf besorgte Frau Greta (Birte Leest) ist eifersüchtig auf die junge, innovative Künstlerin Sophie (Ursula Hobmair) und entdeckt auch noch, dass er Ideen von ihr gestohlen hat für die „Elbfuge“. Mit dem Werk soll ein
Zentrum für Neue Musik eröffnen. Als nüchtern-ehrgeiziger PR-Manager des entstehenden modernen Konzerthauses agiert Thomas Eisen, der abwechselnd heftig streitet und sich vergnügt mit Lia am Klavier. Mit ihr demonstrativ Hand in Hand zum Mikro schreitet und gemeinsam lautmalerisch tönt. Leider sind diese Szenen nur kurz. Die fünf Schauspieler gruppieren sich rings um das Klavier, stehen mal vorn, mal hinten. Erzählt wird bruchstückhaft aus der Perspektive der einzelnen Spieler. Vieles bleibt jedoch nur vage angedeutet, offen und rätselhaft im Raum stehen. Die nicht eindeutige Rollenzuordnung verwirrt und erschwert zudem das Verständnis und die Zusammenhänge. Die salbungsvoll-absurden Worte des inzwischen verblichenen Komponisten zum neuen Konzerthaus für alle gehen unter in den Hammerschlägen seiner Frau, die auf das Klavier einschlägt. Freundlicher Beifall für einen ambitionierten, widerspruchsvollen Theaterabend.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Lesung „Was wir reden, wenn es gewittert“ mit Thilo Krause im Landhaus


Worte voller Kraft und Energie: Von Erinnerungen an gewittrige Tage, der Enge und den Abenteuern der Kindheit und einer Reise zum Mittelpunkt des Sommers erzählen die Gedichte des aus Dresden stammenden, in Zürich lebenden Autors Thilo Krause.

Sich fallenlassen in die Energie des Moments

Vor der Lesung gewitterte es heftig. Jäh wird man aus allem, was gerade ist, herausgerissen. Ein Paukenschlag der Natur, der alle anderen Geräusche verebben lässt. Was geschieht in solchen Momenten mit uns? Warten wir einfach ab und lassen das Donnergrollen vorbeiziehen, grummeln mit oder lauschen den gewaltigen Naturklängen und gehen in uns?  „Was wir reden, wenn es gewittert“, der Reiz dies zu erfahren, war nach dem Gewitter am Mittwochabend noch größer.

So war die Lesung überschrieben und so heißt der neue Gedichtband des in Dresden geborenen und in Zürich lebenden Autors Thilo Krause, der für sein Schaffen u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis geehrt wurde. Er las innerhalb der Veranstaltungsreihe Literarische Alphabete des Literaturforums Dresden im Landhaus/Stadtmuseum vor kleiner, aufmerksamer Zuhörerrunde. Moderator Patrick Beck befragte ihn Neugier weckend, ohne zu viel zu verraten, nach den literarischen Orten seines Schreibens, wie es sich dadurch verändert und nach oft verwendeten Wörtern in seinen Gedichten wie „Reiher“, „Beton“, „Benzin“ und „Schnee“. Ebenso zum Bild auf dem Buchtitel, das herabfallende Blätter und Zweige auf Marmorboden wie nach einem Sturm zeigt und was er mit einem Gewitter verbindet. Vor sieben Jahren erschien Krauses erster Gedichtband, „Und das ist alles genug“, lektoriert von der Schriftstellerin Jayne Ann Igel, im Leipziger Poetenladen. Der dritte Gedichtband „Was wir reden, wenn es gewittert“ erschien 2018 in der Edition Lyrik Kabinett bei Hanser.

„Für mich ist das Gewitter ein Innehalten, man ist einfach da und es gibt nichts zu tun. Eine gewisse Zeitlosigkeit. Man wartet einfach. Dann fängt auf einmal eine Geschichte an…“, sagt Thilo Krause über diesen Moment. Er hat Wirtschaftsingenieurwesen in Dresden und London studiert, lebt und arbeitet inzwischen als Manager in einem Elektrizitätswerk in Zürich und schreibt in seiner freien Zeit. Morgens in Gedanken auf dem Weg zur Arbeit, wenn er ein paar Haltestellen weiter geht und abends, wenn die Kinder schlafen. Die Elektrizität und das Schreiben haben auch etwas gemeinsam: „In beiden Fällen geht es darum, Energien zu verdichten“, so Krause.

Er las Gedichte aus der Gegenwart, seiner jetzigen Lebenswelt und Erinnerungsgedichte aus seiner Kindheit in der DDR und der Landschaft, in der er aufwuchs und die er vermisst.

Mehr Text zur Lesung folgt.

Text + Fotos (lv)

http://www.literaturforum-dresden.de


Schwebend leichte, vieldeutige Gedichte und Abendstimmung nach dem Gewitter und der Lesung.

7. Schriftenfest in Dresden: Schriftgießer, Bleisetzer & Buchdrucker in Aktion erleben


Eine kalligrafische Kursiv, die heute als Handschrift nur noch selten
anzutreffen ist. Sie wurde vor 110 Jahren von Walter Tiemann, dem Schriftkünstler, Typographen, Lehrer und mit Carl Ernst Poeschel Herausgeber der Janus-Presse, entworfen. Die Rarität ist auch beim 7. Schriftenfest Dresden am Wochenende zu sehen. 

Der Hüter der Schriftschätze

Eckehart SchumacherGebler setzt sich mit dem Verein für die „Schwarze Kunst“ für den Erhalt traditioneller Druckfertigkeiten ein. Rund um Buchdruck und die begleitenden Techniken, Stempelschnitt, Schrifftguss und Handsatz dreht sich alles beim 7. Schriftenfest am 15. und 16. Juni in den Werkstätten für Buchdruck und Bleisatz der Offizin Haag-Drugulin, Großenhainer Str. 11a in Dresden.

Ein großer Teil des Schatzes ruht immer noch bleischwer und überwiegend originalverpackt in den Regalen. Die Schriftenpakete überdauerten die Schriftengießereien und zwei Weltkriege und stehen nun in einer alten Lagerhalle auf dem Druckereigelände. Das Sichten und Bewahren des reichen Fundus an historischen Holz- und Bleilettern ist ein Wettlauf mit der Zeit, weiß Eckehart SchumacherGebler, seit 1992 Eigentümer des Druckereihauses Offizin Haag-Drugulin.

„Ohne das handwerkliche Wissen und Können, das immer mehr verloren geht, sind diese schönen Dinge wertloses Metall“, sagt er. Mit dem Umzug vor drei Jahren nach Dresden startete er neu und setzt die Traditionen des 1829 gegründeten Unternehmens fort. Dort erschienen einst viele Erstausgaben von Dichtern und Schriftstellern wie Georg Trakl, Franz Kafka, Max Brod, Robert Walser, Heinrich Mann und Karl Kraus. Den reichhaltigen Schriftenbestand und die unwiederbringlichen Setz-, Gieß- und Druckmaschinen der Offizin Haag-Drugulin wollte SchumacherGebler nicht dem Schrotthändler überlassen. Also zog er mit 220 Tonnen Metallschriften und Maschinen, darunter eine Handpresse aus dem Jahr 1841, um ins Areal der ehemaligen Schriftgießerei Typoart auf der Großenhainer Straße.

Eckehart SchmacherGbeler hütet hier eine einmalige Sammlung von Schriftschätzen in außergewöhnlicher Vielfalt aus 200 Jahren. Er fand und erwarb sie in stillgelegten Gießereien in England, der Schweiz, Holland und der deutschen Bundesdruckerei. Darunter Gussformen von Fraktur-Schriften, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, Antiqua-Schriften aus der ganzen Welt, von der Renaissance bis zum Klassizismus und des großen italienischen Schriftkünstlers Bodoni. Erhalten blieb auch ein Prachtband: „Marksteine der Weltliteratur in Originalschriften“, der 1902 bei Offzin W. Drugulin in Leipzig erschien, mit farbigen Illustrationen und exotischen Schriften von arabisch bis indisch.

„Wenn wir die Schriften nicht hätten, könnten wir nicht in dieser Vielfalt und Qualität drucken“, sagt Eckehart SchumacherGebler. Er ist gelernter Buchdrucker, Typograph aus Leidenschaft und kenntnisreicher Experte für Schriften. Er wurde in Berlin geboren und wäre lieber Architekt geworden. Doch als Sohn einer Druckerfamilie war sein Weg vorbestimmt und leitete er später die elterliche Druckerei in München. In Dresden sind nun unter einem Dach die Haag-Drugulin mit traditionellem Handwerk und ein Typostudio mit moderner digitaler Technik vereint. Oft sind es Künstler und bibliophile Liebhaber, vor allem aber in- und ausländische Verlage, für die Bücher und grafische Blätter gedruckt werden. Besonders stolz ist SchumacherGebler über eine in seinem Haus gestaltete großformatige Shakespeare-Ausgabe für die englische Folio Society. Außerdem gibt es eine eigene Buchreihe „Bibliothek SG“, die klassischen und modernen Autoren gewidmet ist. Der neueste Band mit Märchen der Brüder Grimm entsteht gerade.

Eckehart SchumacherGebler ist auch der Initiator des im Sommer 2013 während des ersten Schriftenfestes in Dresden gegründeten Vereins für die „Schwarze Kunst“. Hokuspokus ist damit nicht gemeint. Vielmehr geht es seinen Mitstreitern um die gewisse Magie, die noch ganz herkömmlich mit Bleilettern gesetzte und gedruckte Bücher mit dem Geruch von Druckerschwärze ausstrahlen.

Der Verein setzt sich für den Erhalt der Kunst des Schriftgießens und Druckens und entsprechende Fortbildungsangebote ein, um das handwerkliche Können an die nächste Generation weiterzugeben.

Beim zweiten Schriftenfest im Juli 2014 waren grafische Schriftdrucke von experimentierfreudigen Studenten der TU Dresden zu sehen, die bei Workshops in der Offizin Haag-Drugulin entstanden. Derzeit helfen zudem zwei Kommunikations- und Grafikdesignstudentinnen, Merle Sommer aus Saarbrücken und Anna Puig aus Barcelona innerhalb eines Praktikums, die Schriftbestände im Lager zu archivieren. „Es ist wie Geschenke auspacken zu Weihnachten, dann noch so viele auf einmal. Für uns ist es spannend und auch von visuellem Reiz, die alten Schriften, Etiketten und Verpackungen zu sehen und wie sie sich mit der Zeit verändern“, erzählt Merle. In einer Woche leerten sie fünf Paletten voller Schriftpakete, deren Inhalt sie sichten, reinigen, erfassen und katalogisieren und fotografisch dokumentieren. „Neben riesigen Ziffern aus Blei aus der ehemaligen Bundesdruckerei fanden wir viele russische und holländische Antiqua-Schriften und sogar einen chinesischen Zeichensatz“, so Merle. Bis Ende August sind die beiden Studentinnen noch da. Was dabei alles ans Tageslicht kommt, erfreut sein altes Druckerherz.

Als nächstes plant SchumacherGebler das Einrichten einer Handsatzwerkstatt, wo Interessierte und Fachleute, Mediengestalter, Studenten und Schüler sich in der Druckkunst ausprobieren können. Workshops und Führungen bei der Haag-Drugulin werden für Schulklassen und Studenten bereits angeboten. „Die Druckerei soll aber kein Museum sein, sondern ein lebendiger Ort, an dem neben den Geräten und Maschinen auch das Fachwissen am Leben erhalten wird“, so SchumacherGebler. Seine Familie lebt in Bad Tölz bei München. Er ist Vater von vier Kindern und hat drei Enkelkinder. Inzwischen könnte er mit fast 80 Jahren seinen Ruhestand genießen. Doch er denkt noch nicht ans Aufhören. Dazu liebt er die schwarze Kunst zu sehr. Sie ist in aller Bandbreite wieder zu erleben, mit der  historischen Technik und Schriften aus seiner Druckerei, auf der dritten Dresdner Schriftgut-Messe im November in den Messehallen im Ostragehege.

Auf der Internetseite Schriftenfest.de besteht noch die Möglichkeit, sich kurzfristig für das Schriftenfest in Dresden anzumelden. Hier gibt es auch detaillierte Informationen zum Programmablauf.

http://www.Offizin-Haag-Drugulin.de

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