Mit vier Premieren und der Kunstinstallation „Magic Schaltwarte“ feiert das Theater Junge Generation vom 16. bis 18. Dezember seinen Einzug ins Kultur-Kraftwerk Mitte in Dresden.

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Mit dem GENERATOR startet im Theater Junge Generation (TJG) in Dresden eine neue Inszenierungsreihe in einem außergewöhnlichen Kunstraum. Teil des großen Eröffnungs- und Premieren-Wochenendes des TJG im Kraftwerk Mitte vom 16.-18. Dezember und des sich anschließenden Spielplans sind vier Uraufführungen im sogenannten GENERATOR. Der GENERATOR ist ein temporär in die neue Studiobühne des TJG eingebauter Kunstraum zum Experimentieren, in dem die Energie des alten Kraftwerks die gegenwärtigen Ideen des neuen Theaters befeuern soll.

Als räumlich-künstlerische Adaption der historischen Schaltwarte ist der GENERATOR eine begehbare Installation („Magic Schaltwarte“) der TJG-Bühnen- und Kostümbildnerin Grit Dora von Zeschau in Zusammenarbeit mit den Videokünstlern Franz Ehrenberg und Marco Prill sowie dem Klangkünstler Christoph Herrmann und zugleich Bühnenraum für die gleichnamige Inszenierungsreihe. Im GENERATOR setzt sich das Theater künstlerisch und spartenübergreifend mit dem neuen Ort auseinander. Im Mittelpunkt steht eine konsequente Erweiterung ästhetischer Vielfalt und künstlerischer Partnerschaften in einem performance-geprägten und internationalen Rahmen. Wichtiger Bestandteil aller Inszenierungen ist eine gewollte Mitautorenschaft der Zuschauer und somit auch ein Verhandeln von Demokratieprozessen auf der Kunstebene.

Damit wendet sich das TJG neben seinem jugendlichen auch explizit ans erwachsene Publikum. In „viel|leicht“ (Uraufführung) lotet der griechische Choreograf und ehemalige Forsythe-Tänzer Ioannis Mandafounis die biografische und körperliche Vielschichtigkeit des gesamten TJG.-Schauspiel-Ensembles aus. Für „On tradition: the young generation“ (UA) erkundet die britische Choreografin und Videokünstlerin Jo Parkes das Dresdner Stadtzentrum und erarbeitet Videoporträts junger Menschen, die dort leben oder zur Schule gehen. Das entstandene Videomaterial wird in den GENERATOR eingespeist und dort live von SpielerInnen der TJG.-Theaterakademie „beantwortet“. In „Besuchszeit vorbei“ (UA) untersucht der israelische Regisseur und Puppenspieler Ariel Doron zusammen mit dem Ensemble des tjg.-Puppentheaters das Thema Willkür des Tötens. Auch dabei entsteht eine Arbeit, die die Zuschauer nicht aus der Verantwortung entlässt. Mit „Bye Bye Universe“ (UA) bringt schließlich das Autorinnen- und Performerinnen-Kollektiv Henrike Iglesias das Format der inszenierten Party in den GENERATOR.

Nach der Reihe mit Projekten internationaler KünstlerInnen nehmen dann im April 26 SpielerInnen des TJG den GENERATOR in Beschlag: Performance, Monolog, Collage, Konzert … in vielfältigen Formaten stellen die fest engagierten Puppen- und SchauspielerInnen ihre Sicht(en) auf das Theater vor und bringen auf die Bühne, was sie persönlich umtreibt. Die Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Tage der Freiheit“ findet unter künstlerischer Leitung des tjg.-Hausregisseurs Nils Zapfe statt.

http://premieren.tjg-dresden.de/generator.html

Text: TJG; Foto: Marco Prill

„Magic Schaltwarte“
ein Projekt im GENERATOR von Grit Dora von Zeschau ~ 16+ ~ Installation
Von 1930 bis 1996 speiste die Schaltwarte des Kraftwerk Mitte die dort produzierte Energie in die Stadt Dresden ein. Die Architektur und Funktion dieser Schaltwarte aufgreifend hat Raumbildnerin Grit Dora von Zeschau jenes Herzstück des ehemaligen Heizkraftwerks auf der Studiobühne des TJG als Rauminstallation GENERATOR neu erfunden. Der GENERATOR ist kein Nachbau, keine Rekonstruktion, sondern eine künstlerische Übersetzung eines funktionalen Raumes ins Theater. Zur Spielzeiteröffnung zeigt das TJG darin fünf GENERATOR-Projekte, die in Zusammenarbeit mit internationalen KünstlerInnen entstanden sind. Den Auftakt macht die begehbare Raum-Sound-Video-Installation „Magic Schaltwarte“. Sie ist ein trojanisches Pferd, hinterfragt Konzepte von Realität, führt ihre BesucherInnen auf falsche Fährten und lässt so die Grenzen zwischen Original und Fake verschwimmen und neu entstehen.
Grit Dora von Zeschau studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Seit 2000 arbeitet sie als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin, unter anderem am Staatsschauspiel Dresden, am Staatstheater Stuttgart, am Nationaltheater Weimar und am Schauspiel Leipzig. Seit 2008 verbindet sie eine enge Zusammenarbeit mit dem TJG, wo sie seit 2015 fest engagiert ist.
#tjggenerator
Eröffnung: Fr. 20.30 Uhr
Vernissage: Sa. 17 Uhr
Installation aktiv: Fr. 20.30-21.15 Uhr/Sa. 15-15.45 Uhr, 17-17.45 Uhr, 20.30-21.15 Uhr/So. 15-15.45 Uhr, 18.30-19.15 Uhr

„On tradition: the young generation“
Regie: Jo Parkes ~ 16+ ~ Theaterakademie
Das tjg. zieht in ein neues Stadtviertel und ist neugierig, wer seine NachbarInnen sind! Im Auftrag der Theaterakademie erkundet die britische Choreografin und Videokünstlerin Jo Parkes die Friedrichstadt und erarbeitet Videoporträts junger Menschen zwischen 9 und 19 Jahren, die dort leben. Das Thema ihrer Recherche ist „Tradition“: Was tust Du, was Deine Eltern oder Großeltern schon getan haben? Welche Traditionen sind Dir wichtig? Was kann weg? Das entstandene Videomaterial wird in den Generator eingespeist und dort live von SpielerInnen der Theaterakademie „beantwortet“. Auf gute Nachbarschaft!
Jo Parkes kreiert unter dem Label Mobile Dance seit über 15 Jahren partizipatorische Tanzprojekte, die häufig filmisch dokumentiert werden. Sie arbeitet vorwiegend mit Nicht-Profis, so auch in ihrem „On Tradition“-Projekt, das 2015 im Berliner Stadtteil Wedding entstand: In kurzen Videoporträts berichteten Menschen verschiedener Herkunft, die in der Badstraße arbeiten oder Geschäfte betreiben, von ihrem Verhältnis zu Traditionen. Für den Generator entsteht die Fortschreibung dieser Arbeit mit Dresdner Jugendlichen.
PREMIERE: Sa. 18 Uhr

„viel|leicht“
Regie: Ioannis Mandafounis ~ 16+ ~ Schauspiel
19 DarstellerInnen, 19 Menschen, 19 Körper sind ein vielschichtiger Corpus, sind das Schauspiel-Ensemble des tjg. theater junge generation. Dem Publikum sind sie vertraut, jeden Morgen und Abend verwandeln sich diese Menschen in Prinzessinnen und Prinzen, Schulkinder, LehrerInnen, Raben, kleine Hexen …
Mit ihren Biografien und ihrer Körperlichkeit treten die SchauspielerInnen hinter ihre Figuren, in „viel|leicht“ ist das anders.
Zusammen mit dem griechisch-schweizerischen Choreografen Ioannis Mandafounis, der bei der Forsythe Company tanzte und weltweit als Choreograf und Tänzer agiert, hat das Schauspiel-Ensemble eine Stunde Tanz und Bewegung erarbeitet, die sich jede Vorstellung aus alltäglichen Bewegungen und vorgegebenen, geheimen Regeln neu zusammensetzen wird. So agieren die Mitglieder des Ensembles miteinander, nebeneinander, in der Gruppe und lassen immer neue Bilder, Situationen und Figuren entstehen.
PREMIERE: Sa. 21.30 Uhr

„Besuchszeit vorbei“
Regie: Ariel Doron ~ 16+ ~ Puppentheater
Exekutionen, Tötungen, Hinrichtungen: Immer schon haben Menschen sich angemaßt, den Tod eines anderen Menschen zu fordern, dem Anderen seine Daseinsberechtigung abzusprechen, ein Todesurteil zu vollstrecken. In der Regie des israelischen Regisseurs Ariel Doron stellt das Puppentheater-Ensemble nicht weniger zur Debatte als das Töten in seiner Willkür, Zufälligkeit und gleichzeitigen Zwangsläufigkeit – ohne dabei die ZuschauerInnen für einen Augenblick aus der Verantwortung zu entlassen.
Der Puppenspieler und Regisseur Ariel Doron studierte Figurenspiel an der School of Visual Theatre Jerusalem sowie Film an der Universität Tel Aviv.
Er tourt mit seinen international viel beachteten Produktionen „Plastic Hereos“ und „Pinhas!“ auf Festivals in ganz Europa und Asien.
PREMIERE: So. 19.30 Uhr

„Bye Bye Universe“
von Henrike Iglesias, Charlotte Mednansky und Judith Nebel ~ 16+ ~ Schauspiel
Es ist soweit. Wir haben es geschafft. Das ist das Ende von allem. Der BIG RIP steht kurz bevor und er wird das Universum komplett zerreißen. Stella und Nancy, Party-Organisatorinnen mit internationalem Renommee, laden zur letzten Party EVER ein. Auf den letzten Metern muss noch allerhand erledigt werden: Geständnisse werden gemacht, unzählige Drinks werden getrunken, jedeR tanzt noch mal zum Lieblingshit, es wird sich geprügelt, es wird sich versöhnt, es wird sich verliebt, niemand muss alleine sterben.
Henrike Iglesias ist ein Autorinnen- und Performerinnenkollektiv, das sich 2012 aus Studentinnen des Fachbereichs Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation der Uni Hildesheim gründete. Mit ihrer ersten Performance, wir kommen nicht aus dem showbiz (auch wenn man das vielleicht denken könnte) gewannen sie 2013 den Publikumspreis der Sophiensaele beim 100° Berlin Festival. Es folgten Arbeiten am Schauspiel Leipzig, am Theater Roxy Birsfelden (CH), den Sophiensaelen und in dieser Spielzeit am Theater Bielefeld. Die drei Mitglieder Laura Naumann, Anna Fries und Marielle Schavan arbeiten bei ihrem Projekt für den Generator mit den tjg.-Schauspielerinnen Judith Nebel und Charlotte Mednansky zusammen.
PREMIERE: So. 21.30 Uhr

 

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