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Kategorien-Archiv: Bildende Kunst

Neue Lyrik: Sonnenflecken

Hervorgehoben

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches

≈ 2 Kommentare

Sonnenflecken
(Für Vincent van Gogh)

Der Himmel tagelang grau
verhangen wie eine verwaschene Leinwand
bricht die Sonne wieder hervor
noch einmal loderndes Blätterfeuer in allen Farben
über alles erhaben

das Licht flirrt umher
wirft sprenkelnde Schatten
hebt empor webt hinein
verweht was vergeht
mit sacht lösender Geste

sehe die Lichtflecken und denke
an die Sonnenblumen das berühmte Gemälde
in einer Galerie in London
wie für die Ewigkeit gemalt sehen sie aus
doch nichts scheint mehr sicher heute

sehe den Anschlag auf das Kunstwerk
in einer Videoaufnahme im Netz
drehe immer wieder zurück zu der Stelle
wo zwei Umweltaktivistinnen mit gefärbten Haaren
mit Tomatensuppe aus der Dose die Sonnenblumen besudeln

was würde Vincent dazu sagen
vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun
seine Bilder atmen Natur Leben Licht pur
mit jedem Pinselstrich lehren sie uns
sie zu sehen er liebte und malte seine Umwelt zeitlebens

sie vergreifen sich an wehrlosen Bildern
wollen die Welt retten und zerstören das Schöne
und Wertvolle in ihr
in blinder Wut und Fanatismus
gießen noch Öl ins Feuer

was kann ein Gemälde
für menschliche Dummheit und Unvernunft
es wird die Zeiten überdauern
mit der Strahlkraft seiner Farben als Spiegelbild der Natur
nie vergehen

wenn ihr die Natur schützen wollt
legt euch auf die Erde ehrt sie
pflanzt Sonnenblumen und Bäume
auch wenn das weniger aufsehenerregend ist
statt eure Hände an Wänden und auf Autobahnen
festzukleben

Lilli Vostry
20.10.2022

Fotos (lv)
P.S.: Die Bilder stammen aus der van Gogh-Ausstellung in der Zeitenströmung in Dresden Anfang 2022.

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Ausstellung „Die Ordnung der Dinge“ von Chris Löhmann in der Galerie „Kunstgehäuse“

14 Freitag Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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Eine Fülle von Zeitzeichen

Detailreiche Bildlandschaften in großen und kleinen Formaten und gesammelte Schätze zeigt Chris Löhmann in einer Ausstellung in der Galerie Kunstgehäuse in der Dresdner Neustadt.

So klein der Ausstellungsraum, so groß die Fülle an Einfällen und Details in den schwarz-weißen Zeichnungen vorn Chris Löhmann. Ein großformatiges Bild an der Stirnseite und mehrere kleinformatige Arbeiten füllt er mit ebenso prägnanten wie vieldeutigen Figuren und Landschaften. Zu sehen sind sie unter dem Titel „Die Ordnung der Dinge“ in der Galerie Kunstgehäuse auf der Prießnitzstraße 48 in der Dresdner Neustadt.

Es ist die bereits 48. Ausstellung in der mit 16 Quadratmetern kleinsten Galerie Dresdens seit 2014, gegründet von zwei passionierten Galeristen aus Leidenschaft. „Chris Löhmann versteht es, eine Vielfalt von Darstellungen zu Themen wie Liebe, Sexualität und Fragen des Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau bis zu Industriebauten, Ruinenarchitektur und biblischen Motiven wie dem Turmbau zu Babel in einem Ensemble großartig und künstlerisch herausfordernd zu verbinden“, sagte Ulrich Hübner, Kunsthistoriker und Galerist, zur Ausstellungseröffnung. Er arbeitete im Kupferstichkabinett und ist nun im Kultur- und Denkmalschutzamt der Stadt für Denkmale und Friedhöfe zuständig. Um weiter nah mit der Kunst verbunden zu sein, gründete Ulrich Hübner seine eigene Galerie zusammen mit Mario Pitz, der als rechtlicher Betreuer und Galerist arbeitet. Da stehen alte Fabrikschlote, Triumphbogen, Gründerzeithäuser und Baukräne nebeneinander im Titelbild der Ausstellung, sieht  man eine sensende Bäuerin neben Mähdreschern auf Feldern, einen Mann auf einem Hochsitz durchs Gebüsch auf halbnackte Sonnenbadende spähen.

Da treffen Graffitis und politische Parolen, Embleme und Anstecknadeln in den Bildern und in einem Setzkasten mit einem Sammelsurium an Dingen aufeinander. Gesammelte Schätze und kuriose Fundstücke, Vergangenes, Bewahrtes, Privates, Versehrtes, Zufälliges und Absurdes. Turmhohe und spitze Muscheln, kleine Spielfiguren, Gans, Schaf, Hund, Ritter und Indianer, ein Puppenbein, ein Abzeichen „Schwerter zu Pflugscharen“, ein DDR-Emblem in einer Ecke, eine goldene Uhr, kleine Kerzen, Glasscherben und alte Münzen finden sich da.

Collage- oder kalleidoskopartig fügt Löhmann auch in seinen Zeichnungen eine Vielzahl gesammelter Eindrücke, Zeichen, Schrift, Bildschnipsel als Wirklichkeitsausschnitte in seinen Bildern zusammen, ordnet sie an im Bildraum und der Betrachter kann sie wie Puzzleteile nach eigener Wahrnehmung und Empfinden für sich sortieren, zusammensetzen und sehen.

Man kann sich dazu gemütlich in einen Sessel im Galerieraum, gegenüber vom Ofen setzen, und die Bilder bei einem Glas Wein auf sich wirken lassen. Darüber rätseln und schmunzeln, was es mit den skulpturhaften menschlichen Gesichtern und Körpern mit hellen und dunklen Umrissen auf sich hat. Gegenüber an der Wand lockt eine pralle, plastisch wirkende Venus-Figur in einer Zeichnung. Ein Vogel vorm Fenster lockt ins Freie. Auf einer Zeichnung mit herausgerissenen Notizblättern steht als Wunsch, Bekenntnis oder Aufforderung: „Ich habe gesehen, hört und seht, wenn ihr könnt.“

Die Finissage der Ausstellung mit Chris Löhmann mit nochmaligem Bilder anschauen und angeregten Begegnungen und Austausch im und vor dem Galerieraum findet am 14. Oktober, um 18 Uhr statt.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten der Galerie:

Freitag 17 bis 19 Uhr
Sonnabend 11 – 13 Uhr und nach Vereinbarung, Tel.: 0172 – 18 96 705

http://www.kunstgehaeuse.de

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Ausstellung „Venustempel“ von Juan Miguel Restrepo Valdes in der Galerie Kunst & Eros

12 Mittwoch Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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Von der Geheimnissen des Lebens & der Liebe erzählt die Ausstellung „Venustempel“ in der Galerie Kunst & Eros in Dresden. Im Bild die Galeristin Janett Noack und der Künstler Juan Miguel Restrepo Valdes vor seinen neuesten Werken.

Im Reich der Liebesgöttin

Lebenslust, Poesie, Genuss und Melancholie mischen sich in der Malerei von Juan Miguel Restrepo Valdes. Neue Arbeiten von ihm sind zurzeit in der Ausstellung „Venustempel“ in der Galerie Kunst & Eros zu sehen.

Eine Frau zieht verführerisch einen Seidenstrumpf aus vor tiefblauem Hintergrund. Ins Reich der Liebesgöttin Venus entführt die Ausstellung „Venustempel“ mit Malerei, Zeichnungen und Druckgrafik des kolumbianischen, in Dresden lebenden Künstlers Juan Miguel Restrepo Valdes in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden (noch bis 19. November zu sehen).

Zu sehen sind figürlich konkrete Malerei, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem Zeitraum von 2019 bis 2022, die von den Geheimnissen des Lebens, von Träumen und den Gaben der Nacht erzählen in südlich leuchtenden und kühlen Farbtönen. Gegenüber dem Eingang steht ein hell schimmerndes, lebensgroßes Aktbild, ein nachtschwarzer Umhang umfließt den Körper, teils verschlingt ihn das Dunkel. Es zeigt die griechische Dichterin Sappho. Da sieht man in weiteren Arbeiten Frauengesichter mit Blick nach innen, Frauenkörper mal verlockend sinnlich und zurückgezogen. Vor dem Kamin steht mit dem Rücken zum Betrachter eine „schüchterne Flamme“ und es schwebt eine „verlorene Liebkosung“ im Raum, dargestellt in einer blauen Aquatinta auf Bütten. Im zweiteiligen Titelbild der Ausstellung sind Venus, die Göttin der Liebe, deren Gesicht den Menschen verborgen bleibt, und drei Frauen vor einem Tempel zu sehen. „Es ist ein Sinnbild, eine Alegorie auf das Leben, die Liebe und Beziehungen. Das Mädchen das neugierig, erwartungsvoll in die Zukunft schaut, die reife, wissende und die ältere, nachdenkliche Frau“, sagt Restrepo.

Schönheit, Sinnlichkeit, Verderben und Tod liegen in seinen Bildern nah beieinander. Wie im großformatigen Ölbild „Magdalena“, der schönen Sünderin mit langem Haar in weißem Kleid, die einen Totenschädel auf dem Schoß hält. In einem Aquarell  ragt der Totenschädel zwischen ihren Schenkeln hervor. Seine Bilder sind offen, vieldeutig, auch provozierend, weiß der Künstler. Manchmal wirken sie auch etwas vordergründig plakativ. In der Malweise erinnern seine Werke oft an Gemälde Alter Meister und zugleich seine Bildwelten heutig, die er mit ihren schwarzen Hintergründen, hell schimmernden Körperformen und madonnenhaften Gesichtszügen, fließendem Haar und raffinierte Details in die Gegenwart geholt. Nach seinem Kunststudium an der Universität in Marburg von 2011 bis 2014 und dem Umzug nach Dresden beschäftigte sich Restrepo viel mit der Neuinterpretation der Gemälde und Bildmotive Alter Meister, die er aus eigenem, reizvollem Blickwinkel zeigt. Künstler der Renaissance und Barockzeit wie Holbein regen ihn ebenso an wie Otto Dix, die italienischen Maler Carravagio und Velasquez und die zeitgenössischen Künstler der Leipziger Schule mit ihrer Neuen Sachlichkeit und den klaren Formen sind Restrepo auch nahe.

In seinen Bildern mischen sich eindrucksvoll Lebenslust, Poesie, Genuss und Melancholie. Das kurz vor der Ausstellung fertig gewordene Bild „Opfergabe der Nacht“ zeigt eine Frau über ein Weinglas gebeugt, in dem sich das Morgenlicht spiegelt, Nüsse, Schalen und ein Apfel daliegen und ein Rabe gebannt aus dem Bild schaut und der Betrachter darf rätseln, was er sieht. Den Bildtitel sieht Restrepo mit leiser Ironie. Auf spanisch bedeutet das Wort „Ofrenda“ eigentlich Geschenk. „Es ist ein freiwilliges, genussvolles Opfer an die Nacht, das man  auf sich nimmt“, sagt er schmunzelnd. Im Kontrast zur Nachtschwärze gibt es am unteren Bildrand eine farbenfrohe Fantasielandschaft. Angeregt von einem griechischen Fußbodenmuster. Restrepo sammelt Mosaike, die mit ihren zauberhaften Formen in seine opulenten Bildwelten einfließen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de

 

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Neue Hoffnung für das Lügenmuseum Radebeul

10 Montag Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart, Projekte

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Fantastische Wunderwelt: Blick in den Saal vom Lügenmuseum Radebeul im ehemaligen Gasthof Serkowitz. Foto: LV

Geflickte Schönheit                             

Die Unterschriftensammlung auf openPetition für den Erhalt des Lügenmuseums in Radebeul wurde erfolgreich abgeschlossen.

Für den Erhalt des Lügenmuseum in dem Gasthof Serkowitz gab es 1433 Stimmen, 20 Beiträge erschienen, auch die 303 lesenswerten Kommentare zeigen eine vielfältige Wertschätzung. „Es bleibt beeindruckend, woher die Macher des Lügenmuseums ihre nachhaltige Gestalterkraft und Ausdauer für und gegen all diese Windmühlen nehmen. Ihre Website präsentiert ihre Realisationen und deren Ausstrahlungen echt schön und so professionell!“ Prominente Unterstützerinnen sind Anna Mateur, Baby Sommer, Kirsten Zinke, Reinald Grebe und Ruprecht Frieling. Der Radebeuler Kulturverein hatte ebenfalls analog über tausend Unterschriften gesammelt.

https://www.openpetition.de/petition/online/das-luegenmuseum-soll-im-gasthof-serkowitz-ein-zu-hause-finden

Am Horizont ein Hoffnungsschimmer für den Fortbestand des Lügenmuseums, welches als künstlerisches Gesamtkunstwerk Besucher aus aller Welt magnetisch anzieht.

Der Stadt Radebeul liegt ein Angebot vor, das Grundstück zum verlangten Preis zu erwerben und dem Museum damit langfristig eine Existenz zu sichern. Der Charme des Gebäudes in all seiner Morbidität würde auf diese Weise gewahrt bleiben. Entschieden und doch sensibel soll dieser Ort sich weiterentwickeln und im heutigen Zustand von einer gebrochenen und geflickten Schönheit erzählen. Es liegt nun an den Radebeulern, eine zukunftsweisende Entscheidung zu treffen.

Die Unterschriften werden am 12.10. um 17 Uhr in der Stadtratssitzung im Sitzungssaal des Rathauses Radebeul den Stadträten der Stadt übergeben.

—
Reinhard Zabka

Lügenmuseum
Kötzschenbrodaer Str. 39
01445 Radebeul / Dresden
+49 176 99 02 56 52
www.luegenmuseum.de

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Ausstellung „Aus allen Hölzern war Leben zu erwecken“ von Wilhelm Rudolph in der Galerie Himmel

10 Montag Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart

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Berührende Bilder aus dem zerstörten Dresden
Die Ausstellung „Wilhelm Rudolph – Aus allen Hölzern war Leben zu erwecken“ zeigt Holzschnitte und Zeichnungen des Dresdner Malers und Grafikers noch bis 26. November 2022 in der Galerie Himmel.

Die GALERIE HIMMEL widmet sich in ihrer aktuellen Ausstellung „Wilhelm Rudolph – Aus allen Hölzern war Leben zu erwecken“ dem druckgrafischen Werk des Dresdner Malers und Grafikers Wilhelm Rudolph (1889-1982). Im Zentrum stehen dabei die Holzschnitte Rudolphs, denen ein herausragender Platz in der deutschen Kunstgeschichte eingeräumt wird. In ihnen vereint sich hohes handwerkliches Können mit einem autarken Formwillen von seltener Konsequenz. In über sieben Jahrzehnten schuf Wilhelm Rudolph ein vielfältiges und eindringliches Werk. Als Höhepunkt seines Schaffens gilt sein expressiver grafischer Werkkomplex „Das zerstörte Dresden“, der mehrere hundert  Rohrfederzeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Radierungen und Lithografien umfasst. Für die Intensität und den Umfang dieser künstlerischen Auseinandersetzung gibt es in der deutschen Kunst jener Zeit kein Äquivalent. Darüber hinaus werden Landschaften, Porträts, Tier- und Aktdarstellungen zu sehen sein, stilgeschichtlich von den expressionistischen Anfängen bis hin zu einem Realismus eigener Prägung.

Im Kabinett zeigen wir zeitgleich die Ausstellung „Hans Kutschke – Blickwinkel“ mit Ölmalerei auf Leinwand. Die malerische Handschrift von Hans Kutschke (*1945) ist klar in der Komposition, reich und ausgewogen in der Farbigkeit, mit feinsten Abstufungen im Hell-Dunkel. Dem Betrachter erschließt sich eine stille, melancholisch gestimmte Bildwelt, die durch genaue Beobachtung besticht. Hans Kutschkes unaufgeregt ruhiger Blick richtet sich auf Freunde, Weggefährten und Fremde, die Straßen und Innenräume in urbanen Räumen beleben, oft bezuglos und introvertiert. Im Kabinett zeigen wir einige dieser „Blickwinkel“.

Die Ausstellungen „Wilhelm Rudolph – Aus allen Hölzern war Leben zu erwecken“ und „Hans Kutschke – Blickwinkel“ werden am 30. September 2022, 19 Uhr, mit einer Vernissage eröffnet. Es wäre uns eine große Freude, Sie in der Galerie begrüßen zu dürfen!

Text + Fotos:

Anja Himmel & Michael Böhlitz

GALERIE HIMMEL
Obergraben 8
01097 Dresden

0351-4843578
0172-9782555

email@galerie-himmel.de
www.galerie-himmel.de

Online-Shop Grafikliebhaber.de

Steuer-Nr.: 202/208/05817
Umsatzsteuer-ID: DE 294676499
Handelsregisterauszug: HRA Dresden 9286

Aktuelle Ausstellung mit Holzschnitten und Zeichnungen von Wilhelm Rudolph:

Im Kabinett zeigen wir Ölmalerei von Hans Kutschke:

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Ausstellung „Beobachtungen im Tharandter Wald/Grillenburg“ mit Druckgrafiken von Siegfried Berndt im Einnehmerhaus in Freital

09 Sonntag Okt 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart

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Landschaften in flirrend fließenden Farben & klaren, reduzierten Formen: Bettina Liepe, Mitglied im Vorstand des Kunstvereins Freital e.V. hat die Bilder für die Ausstellung so zusammengestellt und gerahmt, dass deren Farbwirkung und Aussagen sich voll entfalten können. Fotos (6): lv


Waldweg und alte Buche. Fotos (3): Andreas Albert

Die Leuchtkraft der Farben

Siegfried Berndt war ein Meister des Farbholzschnittes. Zu sehen sind seine Druckgrafiken zurzeit in der Ausstellung „Beobachtungen im Tharandter Wald/Grillenburg“ im Einnehmerhaus in Freital.

In lichtvolles Gelbgrün getaucht sind die Bäume, deren dunklen Umrisse und Sonnenflecken auf einem Waldweg ineinanderfließen. Umgeben von Fichten und den Wolken nahe, schimmert zart blau und violett ein See im Gebirge. In herb erdigen, herbstlichen Farben gemalt ist eine Baumgruppe im Morgenlicht und Nebel. Die Farbfülle, Schönheit, Kraft und Fragilität sowohl in der Natur wie im Leben spiegeln sich kontrastreich und eindrucksvoll in diesen Bildern. Zu sehen sind sie in der derzeitigen Ausstellung „Beobachtungen im Tharandter Wald/Grillenburg“ mit Druckgrafiken und anderen Arbeiten von Siegfried Berndt (1880 – 1946) im Einnehmerhaus auf der Dresdner Straße 2 in Freital-Potschappel.

Gezeigt werden 46 Arbeiten, vorwiegend Farbholzschnitte, Aquarelle, Zeichnungen und Ölbilder aus verschiedenen Schaffensphasen von Berndt, der außerdem als Kunst- und Werklehrer an der ersten Waldorfschule in Dresden von 1932 bis 1941 unterrichtete bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten. Er gehört zu den Dresdner Künstlern der sogenannten „verschollenen Generation“, die von den Ereignissen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrfach betroffen waren und in den Wirrnissen der Zeit später ins Vergessen gerieten. Eine Wiederentdeckung mit dem Werk von Siegfried Berndt, der 1880 in Görlitz geboren wurde und ab 1884 nach dem Umzug der Familie in Freital-Deuben aufwuchs, gab es bereits 2015 mit einer Ausstellung im Einnehmerhaus.

Sein Großvater gründete dort die Sammetfabrik Berndt. Der frühe Tod des Vaters 1889 war für den neunjährigen Sohn ein harter Schicksalsschlag, so dass er frühzeitig auf sich selbst gestellt, in seiner Einsamkeit begann eifrig zu zeichnen und zu malen. Als er 16 Jahre alt war, siedelte seine Mutter nach Dresden über. Siegfried Berndt setzte seinen Willen zum Kunststudium durch, er studierte von 1899 bis 1906 an der Dresdner Kunstakademie und war Meisterschüler von Eugen Bracht. „Wer der Natur nichts abzulauschen weiß, der hat der Welt auch schwerlich viel zu sagen“, notierte Berndt einen Grundsatz seines geschätzten Lehrers ins Tagebuch. In den Landschaften mit ihrem faszinierenden Licht- und Schattenspiel im Wechsel von flirrend, fließenden, warmen Farben, impressionistischer Malweise und klar umrissenen, brüchigen, einschneidenden Formen von Siegfried Berndt kann der Betrachter viel über seine Naturverbundenheit ebenso wie über die Suche nach Harmonie, Schutz, Geborgenheit und Gleichgewicht in einer Welt voller Gegensätze und Wandlungen damals wie heute entdecken. Wie im Titelbild der Ausstellung, einem Blick durch dunkles Baumgeäst, die Häuser wie umhüllend in durchscheinendem Licht. Neu dazugekommen sind Handzeichnungen aus dem Jahr 1940, in denen Siegfried Berndt mit Graphitstift stattliche, machtvoll erhabene, breitstämmige und hoch aufragende Bäume und filigrane Wurzeln oft als Naturvorstudien für seine Aquarelle festhielt.

Farbige Aquarelle in Grün- und Brauntönen vor blauem Himmel zeigen Ansichten aus dem Tharandter Wald, Grillenburg und der Umgebung Altenbergs. Darunter auch Blicke auf Schloss Grillenburg und den Gondelteich umgeben von Wald, das in den 1930er Jahren schon ein beliebtes Ausflugsziel war. Da weiden friedlich Kühe auf einer Wiese am Waldrand hinter einem Holzzaun. Sieht man zwei Pferde, eins grasend und eins rennend. Außerdem treffen Ansichten der „Lausche“, der Lausitzer Berglandschaft, das bayerische Hochgebirge, der Arbersee, das Wattenmeer auf Sylt, die Steilküste auf Rügen, Elbboote, die Seinebrücke von St. Cloud und ein polnisches Dorf in Flussnähe aufeinander in den frühen Arbeiten, die mit ihrer tiefen, klaren Farbigkeit und reduzierten Formen erstaunlich zeitlos und frisch wirken.

„Gezeigt werden die wichtigsten Arbeiten von Siegfried Berndt aus den 1930er Jahren, der als einer der ersten Künstler mit dem Farbholzschnitt und experimentellen Drucktechniken arbeitete. Die Farbholzschnitte auf Japanpapier stehen im Zentrum, die in ihrer Qualität, der Leuchtkraft der Farben und Tiefe der Bilder einzigartig sind“, sagt Bettina Liepe, die im Vorstand des Kunstvereins Freital e.V. mitarbeitet. Es ist die erste Ausstellung ohne Barbara Hornich, die langjährige Vorsitzende des Kunstvereins, die im Juli verstarb. Im Frühjahr bereitete sie die Bilderschau mit Andreas Albert, Kunstlehrer an der Walddorfschule und Nachlassverwalter des Werks von Siegfried Berndt noch vor und freute sich sehr darauf, da sie in der Nähe des Tharandter Waldes aufwuchs.

Ausgewählt, neu gerahmt und zusammengestellt für die Ausstellung hat die Landschaftsbilder nun Bettina Liepe. Zwei Tage hat sie dafür gebraucht, bei der Hängung der Arbeiten unterstützten sie Klaus Fichte, der die Aufsicht in der Ausstellung mitübernimmt und Thomas Unger, 2. Vereinsvorsitzender und passionierter Fotograf insbesondere für Industrieruinen und andere Orte der Stille. Zum Abschluss der Ausstellung am 15. Oktober, 15 Uhr gibt es ein Kunstgespräch mit Andreas Albert zum Leben und Schaffen von Siegfried Berndt in der Ausstellung im Einnehmerhaus. Dort ist auch ein Katalog mit seinen Werken erhältlich.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten:

Do und Fr von 16 bis 18 Uhr, Sa und So von 14 bis 17 Uhr, feiertags geschlossen

http://www.kunstvereinfreital.de

 

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Fantasievolle Wunderwelt: Das Lügenmuseum Radebeul feierte 10. Geburtstag mit einer Gesprächsrunde zum Wert freier Kulturarbeit

24 Samstag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart, Musik, Projekte, Zwischenmenschliches

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Das Lügenmuseum stärker zum Leuchten bringen

Mit zwei neuen Ausstellungen und einer Gesprächsrunde zum Wert freier Kulturarbeit wurde das zehnjährige Jubiläum im fantasievollen Wunderreich im ehemaligen Gasthof Serkowitz gefeiert. Beim Herbst- und Weinfest in Radebeul-Altkötzschennbroda kann man wieder in den labyrinth-Installationen des Lügemuseums aif der Elbwiese umherwandeln.

„Die Zukunft war früher auch besser“, steht auf der Hauswand. Die witzig-weisen Sprüche sind ein Hingucker und wecken ebenso wie die fantasievollen Installationen am Eingang Neugier auf das Innere. Bevor sie hineingehen, sitzen die Besucher gemütlich rings um eine Feuerschale. Mit neuen Installationen, zwei Ausstellungen und einer Podiumsdiskussion zum Wert freier Kulturarbeit feierte das Lügenmuseum Radebeul sein 10-jähriges Jubiläum an diesem Ort am Montagabend. Vor zehn Jahren lud der Radebeuler Kulturausschuss Reinhard Zabka, Künstler und Betreiber des Lügenmuseums ein, den historischen Gasthof in Serkowitz auf der Kötzschenbrodaer Straße 39 neu zu beleben. Seitdem ist ein lebendiges Kulturzentrum in dem 700-jährigen Gemäuer entstanden, das immer wieder mit Kunstprojekten im Kulturraum des Elbtales und auch überregional auf sich aufmerksam macht und Besucher anlockt. Zwei neue Ausstellungen wurden am Jubiläumsabend eröffnet. „Kunstbrücke“, ein Vernetzungsprojekt unabhängiger Kunstorte im Landkreis Meißen und eine „Fassadengalerie“ zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die Schlafzimmerbilder umformten, die ihre Besitzer nach einem Zeitungsaufruf vorbei brachten. Auf ihre Weise interpretierten sie zeichnerisch und malerisch die Künstlerinnen Franziska Kunath, Maja Nagel, Anita Rempe und Sophie Cau.

Für zauberhafte Klänge auf dem Vibraphon sorgte der Musiker Scotty Böttcher und fröhlich beschwingte Weisen spielte die Kapelle Krambambuli im Saal
des Lügenmuseums. Außerdem gab es eine Gesprächsrunde zum Erhalt dieses besonderen Kultur- und Erlebnisortes. „Es ist ein künstlerisch belebter Ort, demnach benutzbar. Es geht um den Bestandserhalt und Auswirkungen auf das Umfeld“, sagte Claudia Muntschick von der Initiative „Kreatives Sachsen“. Nachdem das Lügenmuseum von der Landesstelle für Museumswesen abgewiesen wurde, so Reinhard Zabka, bewarben sie sich als soziokulturelles Zentrum und wurden aufgenommen. „Kreativität bekommt man in keine Schublade. Das ist auch nicht gewollt. Doch ohne Finanzierung ist das der Tod der Kreativität“, benannte Kirstin Zinke, Geschäftsführerin vom Landesverband Soziokultur die Situation vieler Kulturschaffender. Juliane Vowinckel ist Kulturgeografin und unterstützt das Lügenmuseum seit 2014 bei der Konzeption neuer künstlerischer Projekte, Förderanträgen und der Umsetzung. „Das Lügenmuseum hat überregional Strahlkraft und macht die Stadt Radebeul bekannter“, so Juliane Vowinckel.

Doch die Stadt tut sich schwer. Bisher gibt es kein Bekenntnis zum Erhalt des Lügenmuseums. „Als Reinhard Zabka vor zehn Jahren herkam mit vielen tollen Ideen als multimedial arbeitender Künstler, waren wir selig und haben viel gemeinsam mit der Stadtgalerie veranstaltet“, sagte die ehemalige Radebeuler Stadtgaleristin Karin Baum. Das Lügenmuseum sollte für die öffentliche Nutzung erhalten bleiben. „Die Stadt Radebeul hielt sich von Anfang an die Option zum Verkauf des Gebäudes offen und hat sich bis heute nicht bewegt“, sagt Uwe Baum. Ein Verkaufsversuch sei bereits gescheitert. Er und seine Frau sammelten schon fast 1 000 Unterschriften in einer Petition an den Stadtrat. Ende September endet die Ausschreibungsfrist zum Verkauf des Gebäudes. „Den geforderten Kaufpreis von 310 000 Euro würde ich aus privaten Mitteln bereitstellen, aber ohne Auflagen. Damit der Zirkus mit der Stadt aufhört und das Lügenmuseum erhalten bleibt “, sagte Ruprecht Frieling, Autor und früher Kulturmanager großer Ausstellungen mit Beuys, Baselitz und a.r. Penck in Berlin. „Ein solches Museum zu haben ist ein Schatz, ein Kleinod, das als einzigartige Attraktion weiterentwickelt werden sollte. Den Stern polieren und zum Leuchten bringen über Radebeul, das verlangt ein Miteinander mit der Stadt, Verwaltung und Unternehmen“, so Frieling.

Vielleicht könne das Lügenmuseum auch mit der Karl May-Gesellschaft und ihrem Museum kooperieren, einem fantastischen Erzähler und Lügenbaron. Die Auflagen der Stadt erschweren das Kaufvorhaben durch private Unterstützer des Lügenmuseums. „In drei Jahren für 3,5 Millionen das Gebäude zu sanieren ist nicht machbar“, so Frieling. Das Lügenmuseum samt Kunstsammlung würde damit zudem vor die Tür gesetzt während der Bauzeit. „10 bis 30 000 Euro fehlen uns an kultureller Förderung seitens der Stadt, um eine Hausmeisterstelle zu finanzieren und das Museum weiterzuentwickeln“, so Zabka. Das Dach ist gesichert und die Elektrik erneuert. Reinhard Zabka hat die Stadträte eingeladen ins Lügenmuseum, doch leider sei keiner gekommen. Doch das kann sich ja noch ändern. Beim Herbst- und Weinfest lockt wieder eine begehbare, originelle Wunderwelt mit Installationen des Lügenmuseums auf den Elbwiesen in Altkötzschenbroda. Außerdem will Reinhard Zabka demnächst eine Zukunftswerkstatt mit dem Freundeskreis, Akteuren und Interessierten im Lügenmuseum veranstalten.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten im Lügenmuseum Radebeul:

Samstag, Sonntag, Ferien uns Feiertage von 13 bis 18 Uhr

http://www.luegenmuseum.de

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Ausstellung „Sinnbilder in Stein“ beim Skulpturensommer auf dem Sonnenstein in Pirna

24 Samstag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte

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Faszinierende steinerne Figurenwelt

Der Skulpturensommer Pirna zog viele Besucher an und feiert nächstes Jahr sein zehnjähriges Jubiläum mit noch größerem Rahmenprogramm.

Gesichter, pflanzliche Formen aus Stein und der kraftstrotzende Herkules, der die Weltkugel auf seiner Schulter trägt, erscheinen auf Fotografien in der Unterführung am Bahnhof Pirna und wecken Neugier auf die Ausstellung. Letzterer ist auch auf dem Titelplakat des Pirnaer Skulpturensommer 2022/23 zu sehen, das leider auf dem Weg dorthin kaum auftaucht und für auswärtige Besucher daher schwer zu finden ist. Die Werke kann man in Originalgröße bestaunen in der derzeitigen Ausstellung „Canaletto zu Ehren – Sinnbilder in Stein“ anlässlich des 300. Geburtstages des Malers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, in den Bastionen der Festung Sonnenstein hoch über der Stadt. Dort werden originale Barockwerke wie Putti und mythologische Figuren, Leihgaben der Zwingerbauhütte Dresden und der Sandsteinwerke Pirna, den Steinskulpuren von 16 zeitgenössischen Bildhauern aus Deutschland ebenso reizvoll wie spannend in Form und Wirkung gegenübergestellt.

Der Eingang zur Ausstellung in den ehemaligen Festungsanlagen befindet sich unterhalb der Schlossschänke mit grandioser Aussichtsterrasse. Gleich dahinter begegnen dem Besucher zwei steinerne Köpfe. Ein verschmitzt lächelnder Tambourinspieler mit weinlaubbekränztem Haupt von einem Schüler Permosers, Johann Kretzschmar (1677 – 1740) und ein nach innen, nachdenklich schauender „König David“ aus dunklem Granit von Peter Makolies von 2010. Es ist eine buchstäblich schwergewichtige Ausstellung „Die Steinwerke hinein in die Gewölbe zu hieven, war schon ein Kraftakt“, sagt Christiane Stoebe, Kuratorin der Ausstellung, Bildhauerin und Kunstpädagogin zu Beginn der Führung am vergangenen Sonntagnachmittag. Rund ein Dutzend Besucher, zumeist mittleren Alters und älter, haben sich zu dem Rundgang durch die steinerne Figurenwelt versammelt. Fasziniert betrachten sie die filigranen, zarten, kraftvollen und ausdrucksreichen Spiegelbilder menschlichen Seins mit allem Licht und Schatten. Die zeitlos zauberhaften Skulpturen, trotz Splittern und Rissen in der Steinhaut, wie der Engel mit nur einem Flügel, „Notos“ von Christian Kirchner, der auf Salome schaut, die nackt und verletzlich da steht in Marmor. Geschafften hat sie Susanne Knorr 1987.

Weiter vorn steht ein „Steinkind“, das allein vor sich hin träumt, von Matthias Jackisch. Von ihm stammt auch die „Frierende“, eine schmale Gestalt, die ihre Hände mit ihrem Atem wärmt, eine trauernde „Ophelia“ und ein mondbeschienenes Frauengesicht aus weißem Muschelkalk. Eine „Sonnenanbeterin“ aus Sandstein von Konstanze Feindt Eißner steht auf der Freiterrasse mit Blick auf die Elbe und ein Stück weiter eine kraftvoll „Schreitende“ von ihr aus hellem Marmor. Ein sanftmütiger, steinerner Löwe von Balthasar Permoser sitzt vor einem Tor. Dahinter schaut Nathan der Weise hervor in einer Skulptur von Klaus Schwabe, 2009 entstanden. „Nicht immer geradeaus“ nennt Ursula Güttsches eine weibliche Skulptur, in der sich runde, fließende, kantige und unebene Formen verbinden. Von Werner Stötzer ist ein schwungvoll, liegender und ein sich öffnender weiblicher Torso zu sehen.

Die Besucher konnten außerdem erleben, wie nach alten Gemälden aus der Canaletto-Zeit als Vorlage die barocken Skulpturen heute restauriert und in Stein übertragen werden. So entstand auch die Idee zu dieser Ausstellung. Vor einem Gipskapitell, reich verziert mit Blüten und Ornamenten steht Heino Lemke mit einem Punktiergerät und überträgt punktgenau die Details in Stein. Er arbeitet seit 47 Jahren als Bildhauer bei den Sandsteinwerken Pirna und stellt das heute seltene Handwerk eindrucksvoll vor. Das von einem Kollegen restaurierte Janus-Portal ist wieder über dem Eingang der Heinrich Schütz-Residenz auf dem Dresdner Neumarkt zu sehen. Bis hin zu haarfeinen Federn an einem Ritterhelm, die Lemke mit langen Eisen akribisch aus dem Stein herausholt. „Man muss sich Zeit nehmen. Und wenn die früher das konnten, können wir das auch“, sagt er. Leider gebe es heute kaum noch Aufträge für Bildhauer. Während Kunst am Bau früher in der Architektur ganz selbstverständlich war.

Ausstellungen wie diese können zumindest die Bildhauerei und Handwerkskunst wieder mehr sichtbar machen. „Die Ausstellung ist großartig angekommen, auch durch das 9-Euro-Ticket ausgelöst hatten wir viele Besucher“, sagt Christiane Stoebe. Es kamen auch Touristen und Urlauber aus Baden-Würtemberg, Hamburg, aus den Niederlanden, der Schweiz und Tschechien sowie viele Stammbesucher. Teilweise waren bis zu 100 Besucher an einem Tag in der Skulpturen-Schau, die sich bei sommerlicher Hitze auch gern in den angenehm kühlen Gewölberäumen aufhielten. Die Besucher konnten sich auch selbst mit Knipfel am Stein ausprobieren. Nächstes Jahr im Mai feiert der Skulpturensommer Pirna sein zehnjähriges Jubiläum. „Dazu ist ein größeres Rahmenprogramm angedacht und werden wir uns etwas Besonderes einfallen lassen“, so Christiane Stoebe. Die Ausstellung ist noch bis 3. Oktober zu sehen und am Abschlusstag gibt es noch mal eine Führung mit der Kuratorin.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Mi – So und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr

http://www.pirna.de/skulpturensommer

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Die Sprache des Steins: Ausstellung zum Abschluss des Internationalen Bildhauer-Symposiums auf dem Campus der Fachhochschule Dresden

05 Montag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Projekte

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Beeindruckend & Berührend: Die Skulptur des georgischen Künstlers Gela Durujeli verbindet Geschichte und Gegenwart dieser Stadt und wirkt wie eine Liebeserklärung an Dresden.

Der Künstler Gela Durujeli und meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry vor seinem Werk.

Steingewordene Liebeserklärung an Dresden

Acht Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten, die während eines Internationalen Bildhauer-Symposiums auf dem Campus der Fachhochschule Dresden entstanden. Dort werden sie für die Öffentlichkeit sichtbar das Stadtbild verschönern.

Die Sprache des Steins. Faszinierend wie die rohen Sandsteinblöcke sich verwandelt haben. Formenreiche, vielgestaltige Werke von acht Künstlerinnen und Künstlerinnen aus sieben Ländern stehen auf dem Campus der Fachhochschule Dresden am Straßburger Platz/Güntzstraße 1 in Dresden. Diese entstanden während eines Internationalen Bildhauer-Symposiums im August, das die Fachhochschule ins Leben rief. Bei einer Vernissage mit den Künstlerinnen und Künstler wurden sie gestern nachmittag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Anwohnerin aus dem bunten Hochhaus gegenüber kam rein zufällig vorbei, sie habe nirgends in den Medien etwas über dieses Kunst-Projekt gelesen, und war „positiv überrascht“ von den Arbeiten der Bildhauer. Sie wünscht sich für ähnliche Veranstaltungen das nächste Mal Aushänge in den umliegenden Wohnhäusern. Dann kämen sicher noch mehr Besucher. Die Idee für mehr Kunst im öffentlichen Raum findet die Anwohnerin gut.

Besonders beeindruckend und berührend ist eine Skulptur des georgischen Künstlers Gela Durujeli mit Bezug zu Dresden, dieses auf die zerstörte Stadt, zahllose Häuserruinen blickende, schattenhafte Gesicht nach dem berühmten Foto und dahinter ein helles, ausdrucksvolles Antlitz vor Steinstrümmern. Steingewordene und zugleich lebendige Erinnerung voller Schönheit, Kraft und Würde spricht aus seinem Werk. Das auch dazu anregt, sich mit gegenwärtigen Konflikten, Kriegen und Zerstörung in der Welt auseinanderzusetzen. Die Skulptur lässt sich von allen Seiten betrachten und stellt eindrucksvoll eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft her. Auf der Rückseite sieht man einen Stadtplan mit der Elbe, bestückt mit kleinen Solarzellen  und Mikrochips. Die Skulptur von Durujeli wirkt wie eine Liebeserklärung an Dresden und verdient einen Platz im Herzen der Stadt, vor der Frauenkirche.

Auf vielfältige, großartige Weise lassen die Künstlerinnen und Künstler ihre Träume im Stein sprechen, angeregt vom Motto „Lebenslanges Lernen“ des Bildhauer-Symposiums. Figuren, die mit ihren Köpfen an einen Steinsbrocken stoßen, zeigt Enrica Rebeck aus Italien. „Wenn man lernt, gerät man auch an Grenzen“, sagt sie. „Wir sollten mutig genug sein, darüber hinweg ins Leben zu springen, das Wissen mehren und nutzen ohne sich davon zu sehr niederdrücken zu lassen.“

Olena Dodatko aus der Ukraine zeigt gebündelte, geometrische Formen, die das Ordnen und Sortieren von Wissen versinnbildlichen. „Wenn man das schafft, kann man auf dieser Struktur in den Himmel klettern“, sagt sie zu ihrem Werk. Der in Dresden lebende Bildhauer Peter Fiedler und künstlerischer Leiter des Symposiums lässt pflanzliche, fließende Formen und Blattspitzen aus dem Stein wachsen unter dem Titel „Das geheime Leben der Pflanzen“.

Der polnische und eine Zeitlang in Kanada lebende Künstler Ryszard Litwiniuk schuf einen „Meilen- oder Philosophenstein“, der für das Wissen steht, mit eingraviertem Fragezeichen und den man drehen, verschieben kann mit einigem Kraftaufwand. Einem Kind gelang dies spielend leicht. Einer Landschaft mit kleinen, hügeligen Formen oder Sandkuchen ähnelt der „Tisch für Ronja“ des Nürnberger Künstlers Christian Ruckdeschel.

Der mexikanische Künstler Carlos Monge kreiert gern neue, ungewöhnliche Formen und sucht sie ins Gleichgewicht zu bringen. Ein großes, steinernes Ohr in einem Gehäuse zeigt der japanische Künstler Kei Nakamura. „Hört auf  die Stimme“ heißt seine Skulptur. Der Betrachter kann sich davor auf einen Stein setzen, den äußeren Geräuschen, aber auch dem Sound der eigenen Stimme und des Steins zuhören. „Manchmal ist es schwierig, da die Welt sich immer dreht, sich selbst zu hören. Dann kann man innehalten, auch um seinen Platz in der Welt zu finden und den Moment genießen“, dazu lädt Nakamura mit seiner Skulptur ein.

“Die Arbeiten vom Bildhauer-Symposium bleiben auf dem Gelände stehen und werden weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Hier ist etwas von Wert und Bestand von internationalen Künstlern geschaffen worden“, sagt Günter Kahle, geschäftsführender Gesellschafter der Fachhochschule Dresden. Diese Woche werden Schüler der Fachoberschule in Workshops unter dem Motto „Handwerk trifft Kopfwerk“ unter Anleitung kreativ den Sandstein bearbeiten.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos: www.fh-dresden.eu


Fantasievoll offene Form: „Ein Tisch für Ronja“ des Nürnberger Bildhauers Christian Ruckdeschel.


Einen klangreichen Mix aus beschwingt jazzigen Klängen spielte der Musiker Neo Stateman zur Ausstellungseröffnung auf dem Campus der Fachhochschule Dresden bei schönstem Sonnenwetter.


Ein Ohr aus Stein als Symbol zum Wahrnehmen nach außen und innen zeigt der japanische Künstler Kei Nakamura. Ein Stück weiter steht die abstrakt-formspielerische Skulptur von Carlos Monge aus Mexiko.


Lust oder Last des Wissens? Die Frage stellt sich bei diesem Werk von Enrica Rebeck aus Italien. Peter Fiedler aus Dresden erkundet in seiner Skulptur „Das geheime Leben der Pflanzen“, so der Titel.


Nicht den Stein der Weisen, aber immerhin einen Meilen- oder Philosophenstein, der sich mit einiger Kraft drehen lässt, hat der polnische Künstler Ryszard Litwiniuk geschaffen. (links im Bild zu sehen neben der Pflanzen-Skulptur von Peter Fiedler.)


Mit entwirrtem, gebündeltem Gedankengut in den Wissens-Olymp: die Skulptur von Olena Dodatko aus der Ukraine.


Platz zum Innehalten, der Sprache des Steins und sich selbst lauschen unter dem weiten Blätterdach der Buche. Dazu sind kleine wie große Besucher auf dem Campus mit den Steinkunstwerken eingeladen. Vielleicht auch eine Anregung, selbst kreativ zu werden, ob mit Stein oder anderen Materialien.


Steinernes Abbild der Geschichte, das in der Gegenwart nachwirkt: der georgische Künstler Gela Durujeli vor seiner Skulptur mit Blick auf das kriegszerstörte Dresden nach dem berühmten Foto. Das man am oberen Bildrand scannen und  ansehen kann.

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Kunst am Elbufer – Lebensräume entdecken bei der 5. Kunstmeile Laubegast

02 Freitag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart, Literatur, Musik, Projekte

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Grafik aus Japan, Lateinamerika und Deutschland wird im flussaufwärts-Saal am Laubegaster Ufer 29 gezeigt. Dort ist am Sonnabend, um 18 Uhr das Pantomime-Duo Bodecker & Neander mit seinem Programm „Silence“ zu erleben (begrenzte Sitzplätze! Reservierung per mail an flussaufwaerts@gmx.de )

Ausstellungen, Pantomime, Lesung und Musik

Zum 5. Mal lockt die 5. Kunstmeile Laubegast mit einem vielfältigen Programm am 3. und 4. September von 11 bis 18 Uhr an verschiedenen Veranstaltungsorten zwischen Fährstraße, Laubegaster Ufer und Österreicher Straße.

Der Künstler Eckhard Kempin zeigt Malerei in seinem Atelier im Melli-Beese-Haus auf der Österreicher Straße 84. Dieses Jahr wird zusätzlich auch die Ferienwohnung auf dem Arial des Melli-Beese-Grundstückes für Ausstellungszwecke genutzt. Sybille Sprunk bereitet eine Lesung vor (Sa, 15 Uhr) und es wird musiziert (Sa., 15.30 Uhr und So., 12 Uhr, Liedermacher Uwe Kotteck).

Im Kunst-Café von Silvia Jaretzki und Team könnt Ihr am Sonntag selbstgebackenen Kuchen genießen.

Genauere Angaben für eure Kunstwanderung entnehmt Ihr bitte dem Programm.

Info: Angela Fugmann
Freundeskreis Eckhard Kempin

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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