Stadtschreiber Peter Wawerzinek stellte sein Manuskript „Dresden“ vor

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Fotos (lv): Der Schriftsteller und derzeitige Stadtschreiber in Dresden Peter Wawerzinek bei seiner Lesung in der Produzentengalerie. Die Künstlerin Antje Guske hatte ihn dorthin am Donnerstag abend in ihre Ausstellung „Das letzte Lied“ zur Begegnung mit Literatur und Kunst eingeladen.

Es ist an der Zeit zu „entpegidisieren“

Eine Stadt wie ein Magnet, ihr Name weltweit in aller Munde. Die Dresdner könnten eigentlich glücklich sein. Fiele nicht schlagartig in letzter Zeit immer wieder ein  Reizwort zusammen mit ihrer Stadt: „Pegida liegt weit vorn vor den Stollen, wenn heute von Dresden die Rede ist“, beobachtet Peter Wawerzinek, seit Juni Stadtschreiber für ein halbes Jahr in Dresden.

Ihn schreckt so leicht nichts. Der Schriftsteller ist bekannt für seinen lebensprallen, poetisch skurrilen wie rabenschwarzen Humor aus autobiographischen Romanen wie „Rabenliebe“, für den er 2010 den renommierten Ingeborg-Bachmann-Literaturpreis erhielt und der letztes Jahr seine Uraufführung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden erlebte, sowie seinen zuletzt veröffentlichten “Schluckspecht“. Ausgerechnet er, das „enfant terrible“ der deutschen Literaturszene der 90er Jahre, ein vagabundierendes und zechendes Unikum, so der Galiani Verlag Berlin über seinen Autor, bricht nun eine Lanze für Dresden.

„Ich schreibe die Dinge auf, wie sie mir unterkommen, auch die hässlichen. Doch ich will in dem Text über Dresden auch entpegidisieren und finde die Stadt unter dem wechselnden und weiten Himmelszelt toll“, sagte Wawerzinek. Er stellte sein Manuskript mit dem Arbeitstitel „Dresden“ am Donnerstag abend in der Produzentengalerie im Wallgässchen 1 im Dresdner Barockviertel vor. Die Künstlerin Antje Guske hatte ihn dorthin in ihre Ausstellung „Das letzte Lied“ (noch bis 15. Oktober zu sehen) zu der Lesung mit Gespräch eingeladen. Ihre Bildobjekte imitieren Wandvorhänge, die zwischen märchenhaft-idyllischer bis martialischer Symbolik mit Illusion und Wirklichkeit spielen und gut passten als Kulisse für den fabulierfreudigen Geschichtenerzähler Wawerzinek (62).

In seiner lebhaft anekdotenreichen Schilderung verschmolzen Kindheitserinnerungen an seinen ersten Aufenthalt vor fast 50 Jahren und Eindrücke von der Stadt und den Menschen heute. Wie er über die barocke Pracht und vielen Backstuben staunte, über die Gläserne Frau und aus dem Zugfenster heraus die Elblandschaft samt frei umher laufender Tiere betrachtete und sich als Kind fragte, ob sie wohl deutsch oder tschechisch seien. Und er findet eine schöne Metapher:  „Die Tiere sind staatenlos, an kein Land gebunden. Sie reisen ein- und aus wie es ihnen gefällt und ihr Biorythmus ihnen vorschreibt.“ Wawerzinek über Pegida: „Es ist wie mit einem italienischen Schinken mit blauem Stempel unten. Den man entweder wegschneidet oder mitisst“, sieht er die ausländerfeindliche Bewegung gelassen-entspannt. Er setzt auf die Vernunft der Masse.

Mehr beschäftigt ihn, dass sich zuletzt nur noch 30 Autoren für die Stelle des Stadtschreibers in Dresden bewarben, während es vorher über hundert waren. “Ich hoffe, dass diese Stadt auch hier wieder anzieht“, so Wawerzinek, der bereits als Stadtschreiber in Klagenfurt, Venedig und Magdeburg war in zumeist „dunklen Dachwohnungen“, so dass er die meiste Zeit an frischer Luft verbrachte. Er fühlt sich wohl in Dresden, fährt gern Rad entlang der Elbwiesen, fotografiert und zeichnet neben seinen Notizen und ist viel draußen auf Entdeckungstour.

Im Galiani oder im Verbrecher Verlag soll 2017 sein Buch „Dresden“ erscheinen. Welche Farbe das Buchcover haben wird, ist noch nicht entschieden. Wawerzinek möchte es gern „aquariumbunt“ haben. Noch bis Ende November ist er als Stadtschreiber in Dresden.

Öffnungszeiten der Produzenten Galerie, Wallgässchen 1: Mi  – Fr von 14 – 19 Uhr, Sa von 11 – 16 Uhr

Tel.: 0176 – 577 167 05

http://www.produzenten.net

In der Wunderkammer: Ausstellung anlässlich 100 Jahre DaDa im Lügenmuseum Radebeul

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Wunderkammer zum Staunen und Schmunzeln

Die Ausstellung „100 Jahre DaDa“ im Lügenmuseum versammelt schön absurde Dinge von über 20 Künstlern aus acht Ländern.

Donnergrollen zieht geräuschvoll am Kunsthimmel herauf. Ein Papierflugzeug fliegt zwischen weiß aufleuchtenden Wattewolken hindurch. Gleich neben dem „Gewitter aus Rio“, das den Künstler Justus Ehras offenbar sehr beeindruckt und zu seiner Installation angeregt hat, steht der urige Holzstand des brasilianischen Künstlers Getulio Damado. Mit Strohdach, Glocke zum Läuten und einer Fülle lustiger Figuren, die er aus Abfalldingen wie Flaschendeckeln neu zusammensetzt. Er hat sein Atelier in Santa Teresa in einer Straßenbahn. Seine urbane Kunst zeigte Damado bereits im Labyrinth-Gelände beim diesjährigen Herbst- und Weinfest in Radebeul.

Nun stehen seine originellen Abfallmännchen neben anderen eigenwilligen Kunstwerken von mehr als 20 Künstlern aus Chile, Deutschland, Japan, Niederlande, Philippinen, Spanien und Slowakei. Einige luden im Sommer innerhalb des mehrteiligen Kunstprojekts „WuKaMenta“ auf dem Dresdner Neumarkt vis a vis zur Frauenkirche bereits zum Staunen und Schmunzeln ein und sind nun in der Ausstellung „100 Jahre DaDa“ im Lügenmuseum Radebeul zu sehen. Eröffnet wurde die von der Stadt Radebeul und dem Verein „Kunst der Lüge“ e.V. geförderte Schau über die Wunderkammern zeitgenössischer Kunst am Freitag abend im alten Gasthof Serkowitz auf der Kötzschenbrodaer Straße 39. Dazu gab es Klänge von Jan Heinke und Robert Hennig, zu denen der Radebeuler Künstler Klaus Liebscher live malte wie schon beim Aktions­-Painting auf dem Neumarkt, wo er grauen Teppichbelag aus der Bewegung heraus mit spontanen Farbdosenschwüngen in ein farbenfrohes „Bodengemälde“ verwandelte, über dem nun luftig-leichte Stoffketten wie Segel schweben in der Installation
“Normal mit Flügeln“ von Dorothee Kletzsch.

Der Berliner Künstler Ulli Sachse las aus dem ersten „Dadaistischen Manifest“ aus deutschen Landen von 1916. Einhundert Jahre nach der Eröffnung des Cabaret Voltaire in Zürich der ersten Dadaisten erinnert die „DaDa“-Ausstellung im Lügenmuseum an den „Urknall des künstlerischen Zweifelns“, so Inhaber und Ausstellungsinitiator Reinhard Zabka. Der „letzte Dadaist aus dem Wilden Osten“, wie ihn die Wochenzeitung ZEIT einmal nannte. Er selbst verbindet mit dieser Kunstrichtung „unkonventionelle Ideen, die Demontage von Sinn und eine Geisteshaltung mit Biss.“ Dazu gehören auch seine kuriosen „Maschinen zur Belustigung“, ein aufklappbarer Schrank mit Dingen und Stimmen aus der DDR-Zeit oder das „Reisehuhn Emma“, bestehend aus einem Schaukelpferd auf Rädern mit offenem Wohnkarren.

Die „Dada“-Ausstellung versammelt Bilder, kinetische Objekte und Installationen von skurril, poetisch, verrückt-komisch bis schwarzhumorig aus Geschichte und Gegenwart. Darunter witzige „Orakel“-Karten der Künstlerin Annamateur, die Persiflage „Pegida-Milch“ mit schwarz-rot-goldenen Kühen von Lutz Fleischer, eine Reibeisen-Kette von Anette Blunk und eine „Wehrpasseinwurfbox“ von Olaf Spillner. Ein altes, schnarrendes Telefon mit rotem Leuchtsignal, Wanzenschatten und der Aufschrift: „Sichere Verbindung“ stellt Justus Ehras Gesichtern von Wissenschaftlern mit Leuchtbrillen, voller elektronischer Chiffren gegenüber. Weiter vorn thront ein Storchennest auf einem rot-weißen Verkehrskegel von Komatsu Tsunetaka. Die Ausstellung „100 Jahre DaDa“ ist noch bis 31. Dezember im Lügenmuseum Radebeul zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa und So, Ferien und Feiertage von 13 bis 18 Uhr.

http://www.luegenmuseum.de

Wo die Lüge zur Kunst wird…

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Premiere: Scheitern – Aber richtig! im Societaetstheater

 

mario_gruenewald_anne_kessler_und_tobias_herzz_hallbauer_von_links_foto_detlef_ulbrichFoto: Detlev Ulbrich

Wie man lernt Absagen im Leben von der komischen Seite zu sehen, weiterzugehen und zu tun was einem gefällt, davon erzählt die Inszenierung „Scheitern – Aber richtig!“ (Idee, Text und Regie: Amina Gusner), mit der die neue Spielzeit im Societaetstheater Dresden eröffnete.

Eine aberwitzige szenische Collage, in der eine Frau (Anne Keßler) und ein Mann (Mario Grünewald) und ein Musiker an der Gitarre (Tobias Herzz-Hallbauer) über all die verdammt traurigen, schrecklich komischen, herzzerreißenden Momente im Leben erzählen, spielen und singen, wo alles zu Ende zu sein scheint und dann plötzlich doch irgendwie weiter geht.

Nein, Nein. Immer nur Nein! Wer kann das schon hören! „Ich bin das Nein. Die Wand von der ihr abprallt, der Strich in der Landschaft, der Sand im Getriebe. Euer Scheitern. Das schwarze Loch, das alles verschluckt…“, sagt die Frau mit dunkler Stimme ans Publikum gerichtet nach der zigsten Absage. Und schreit: „Schluss mit Nein!“ Sie will endlich ein klares Ja, und gibt sich prompt selbst die Stelle, um die sich vergebens bewarb. Sie schreibt ihren Vorgesetzten, dass sie die Stelle antreten wird und sich schon darauf freut, die Kollegen kennenzulernen. Schöner Einfall.
Beide Schauspieler wechseln mittels Stimme, Körpersprache und wenigen Requisiten wie schwarzen Bürostühlen, Handtasche und auf der Bühne verstreuten Papierbögen tempo- und gefühlreich von einer Rolle in die nächste als Mutter-Kind-Frau-Freundin-Angestellte oder Sohn-Vater-Chef-Freund-Mann-Liebhaber. Nicht immer ist eindeutig, wer gerade wer ist, ob es tatsächlich verschiedene Figuren sind oder nur verschiedene Seiten des Ichs.

Absurder Höhepunkt ist das Vorstellungsgespräch der Frau, bei dem sie fabulierfreudig in immer neuen Metaphern über ihre geplante filmische Sience Fiction-Dokumentation über Langzeitarbeitslose, ganz normale Menschen, vollkommen reizlos wie du und ich erzählt und sich den Mund fusselig redet über die Fusseln, die als Werte die Gesellschaft zusammenhalten, während ihr Gegenüber nichts versteht.

Beide geben sich abwechselnd cool, heulen, höhnen, stöhnen rhythmisch gemeinsam ins Mikro ihre Wut, Trotz, Enttäuschung, Frust und Lust, lassen nach und nach alle Masken und Durchhalte-Parolen fallen und zeigen sich pur und verletzlich, wie es ist, plötzlich ohne Partner, Job und Aussicht für die Zukunft dazustehen. Wie viel manchmal von einem Wort und seiner Betonung abhängt, wird im absurden Sprach-Ping-Pong vorgeführt: „I c h sollte, mach`s aber nicht… Aber d i e machen`s, s o l l t e n aber nicht…“
Grünewald ist herrlich naiv-komisch und wehleidig mal der rausgeworfene Ehemann, der wild mit zwei weißen Plastbeuteln durch die Luft rudert wie abgestürzt und nicht weiß wo er hin soll und Unterschlupf bei seinem Musikerfreund findet. Der vermittelt hin und her zwischen den beiden Gestrandeten, obwohl er selbst allein und einsam ist und sich nicht mitgenommen fühlt vom Leben. Während der frisch Verlassene hemmungslos schluchzend seine Marianne um eine neue Chance bittet, von seiner Mutter Geld pumpt, die Zuschauer anfleht,  sie sollen ihn toll finden und seine dunkle Seite zeigt als nachts durch die Neustadt streifender, Herzen aufreißender einsamer Wolf.

Er ist ebenso der arbeitslose Koch, der sich schwer artikulieren, aber mit Leib und Seele kochen kann. Und zwar so, dass man vom Essen satt wird und sich nicht nur daran satt sieht wie in den immer neuen Essen-als-Erlebnis-Gourmettempeln. Der es schön findet, „nichts zu wissen und zu müssen…“ Während die Frau nach dem Besuch ihrer dementen Mutter im Heim, die das Leben draußen vermisst, verzweifelt nach dem Sinn sucht, wofür all die Anstrengung, wenn der Tod doch unausweichlich ist?
Der Film ihres Lebens ist noch nicht abgedreht, mögliche Szenarien gibt es viele.
Wie es ausgeht, weiß man nie. Doch man kann sich freuen, dass es weitergeht.
So können beide am Schluss der Aufführung über sich lachen.
Herzlicher Beifall für diesen offenherzigen Theaterabend über die Kunst des Scheiterns.

Nächste Vorstellungen: 8.10. und 3.11., 20 Uhr

Karten unter Tel: 0351 – 803 68 10
http://www.societaetstheater.de

 

Ostrale: Wie geht es weiter auf der Kunst-Baustelle?

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Reformprozess und Fragezeichen:

OSTRALE künftig als Biennale

Besucherrekord/ Zukunft mangels Fördermittel weiterhin ungewiss / bis auf weiteres nochmals Planung mit baufälligem Domizil Futterställe für 2017 / Hoffnung auf schnelle Sanierung danach / OSTRALE in Dresden ab sofort als Biennale / auch künftig Präsentation zeitgenössischer sächsischer Kunst im Ausland/nächste internationale Kunstausstellung soll vom 28. Juli bis 1. Oktober 2017 letztmals in den Futterställen stattfinden.

Die 10. OSTRALE ist am 25. September mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen. Zu den erstmals ca. 25.000 Besuchern der Schau in Dresden (Vorjahr: gut 20.000) kamen noch ca. 17.000 Besucher der Ausstellung Dresdner Künstler in Breslau hinzu, die ebenfalls vom OSTRALE e.V. organisiert worden war. Die OSTRALE ist die immerhin drittgrößte jährliche temporäre Kunstausstellung in Deutschland. Längst wird sie überregional als die OST-deutsche Kunstausstellung identifiziert und überregional gar nicht mit dem Dresdner OSTragehege identifiziert. Nach zehn Jahren erfolgreich in die Köpfe von Künstlern und Besuchern aus der ganzen Welt gelangt, kämpft die OSTRALE jedoch derzeit um das nackte Überleben. Dabei steht die internationale Kunstausstellung der in die negativen Schlagzeilen geratenen Kulturstadt Dresden – auch im Zuge der vorgesehenen Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 – durchaus gut zu Gesicht.

Besondere Eigenschaften und Stärken der OSTRALE liegen in ihrer Lage und Größe, in der beeindruckenden Internationalität der Ausstellung (so waren in diesem Jahr Positionen von Künstlern aus 42 Nationen in Dresden zu sehen) und in ihrer starken internationalen, vor allem europäischen Vernetzung, die in diesem Jahr unter anderem in ca. 20 Veranstaltungen und 10 Workshops Ausdruck fand.

FINANZIELLE SITUATION: NOCH IMMER KEINE TRAGFÄHIGE FÖRDERUNG

Dennoch sind wir angesichts der äußerst knappen finanziellen Unterstützung leider seit Jahren permanent gezwungen, unsere Kreativität ständig für die Lösung existenzieller Probleme zu instrumentalisieren. Gern würden wir uns künftig wieder positiv und mit den nötigen Freiheiten dafür einsetzen können, in Dresden auch weiterhin eine weltweit geachtete Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der Kulturstadt Dresden zu gestalten.“, so OSTRALE-Direktorin Andrea Hilger.

Die finanzielle Situation der OSTRALE entspricht leider nicht dem inzwischen erarbeiteten guten Ruf, den die Ausstellung in Kunstkreisen genießt. Der Finanzierungsbedarf von aktuell ca. 225.000 Euro wird nur zu ca. einem Viertel von der Stadt Dresden durch einen zum großen Teil zweckgebundenen Zuschuss getragen. Trotz des maßgeblichen Engagements der privaten Wirtschaft, zu nennen sind zuvorderst die Hauptsponsoren Schneider + Partner Wirtschaftsprüfung Steuerberatung GmbH, die Ostsächsische Sparkasse Dresden, Heinrichsthaler Königliche Käsespezialitäten und die SAXOPRINT GmbH, reicht das bei weitem nicht aus. Die Existenz der OSTRALE ist daher bisher auch und vor allem dem zu großen Teilen ehrenamtlichen Einsatz ihrer Organisatoren zu verdanken. Nur so konnte sie sich in ihren ersten zehn Jahren trotz permanenter Unterdeckung kontinuierlich entwickeln. Doch auch die gerade zu Ende gegangene OSTRALE’O16 ist trotz größter Sparsamkeit und großen ehrenamtlichen Engagements finanziell noch nicht gedeckt.

Wir wollen die OSTRALE auch künftig weiterentwickeln. Angesichts der ständigen Unterdeckung ist jedoch aus heutiger Sicht keine Fortführung, geschweige denn weitere Professionalisierung möglich. Wir können bis heute leider keine Ausstellungsvergütung an unsere Künstler zahlen, zumal wir auch selbst seit Jahren größtenteils unbezahlt an der OSTRALE als Aushängeschild der Landeshauptstadt Dresden arbeiten. Wir wissen – leider wie immer – heute nicht, ob die nächste OSTRALE überhaupt stattfinden kann.“, so der Vereinsvorstand um die Künstlerische Leiterin und OSTRALE-Direktorin Andrea Hilger.

Zumeist private Unterstützer der Ostrale

Auf die prekäre finanzielle Situation haben jetzt nochmals die OSTRALE.freunde, zumeist private Unterstützer der Ausstellung, in einem Schreiben die politischen Entscheider Dresdens in der Hoffnung auf eine Erhöhung der institutionellen Förderung hingewiesen. Danach sind mit der derzeitigen institutionellen Förderung in Höhe von 59.000 Euro die laufenden Kosten der OSTRALE keineswegs abgedeckt, die sich auf derzeit ca. 225.000 Euro belaufen – und in denen die Projektkosten noch gar nicht enthalten sind (Projektkosten zusätzlich 2016: 275.000 Euro, 2015: 325.000 Euro). Zu den Projektkosten gehören unter anderem auch die Material- und Technikkosten, Reisekosten der Künstler, Druck- und Werbekosten, Versicherungen, Honorarkosten für Aufbau, Transportkosten etc. pp.

Wir bitten darum, zur Rettung und Weiterentwicklung der OSTRALE schon im Doppelhaushalt 2017/2018 eine deutlich höhere institutionelle Förderung zu beschließen, als bisher. Für eine finanzielle Deckung und Sicherung der OSTRALE als Grundlage einer weiteren Professionalisierung benötigen wir anstelle der 59.000 Euro eine deutlich höhere Summe zur Absicherung des personellen und betriebsbedingten Grundbedarfes.“, so Dr. Bernd Kugelberg, Schatzmeister der OSTRALE.freunde.

Setzt man die derzeitigen 59.000 Euro brutto (49.569 Euro netto) an städtischem Fördergeld für die OSTRALE in Relation zu ihrem 25.000 Besuchern, wird die OSTRALE trotz ihrer überregionalen Bedeutung nur mit dem vergleichsweise geringen Beitrag von 2,36 Euro brutto (1,98 Euro netto) pro Besucher bezuschusst.

BAULICHE SITUATION

Mit einem Hilferuf hatte die OSTRALE auf die völlig unsichere räumliche Situation hingewiesen. In den letzten Jahren waren rings um die Futterställe einige Gebäude entweder an Dritte verkauft worden oder soweit verfallen, dass sie nicht mehr nutzbar sind. Auch dem denkmalgeschützten, unsanierten, aber bewährten Domizil der Kunstausstellung droht ein solches Schicksal. Mehr als 1.000 Zuschriften von Kunstfreunden haben die OSTRALE inzwischen erreicht, in denen auf die Bedeutung dieses speziellen Ortes für die Ausstellung und die Bedeutung der OSTRALE für Dresden hingewiesen wird.

Es regnet in die Futterställe hinein, seit Jahren schon positionieren wir Kunstwerke um die Regenpfützen herum. Die vorliegende Baugenehmigung für die Ausstellung in den Futterställen endet am 31.12.2017 und ist eine Nutzungsgenehmigung unter Auflagenvorbehalt. Damit ist denkbar, dass die OSTRALE – unter Vorbehalten von Hochwasser und anderen Wettereinflüssen sowie der Anbringung von Fluchttreppen, der Durchführung weiterer gebäudeerhaltender Maßnahmen und eines erneuten statischen Gutachtens auf eigene Kosten noch einmal in den Futterställen stattfinden könnte. Wie wir das finanzieren sollen, wissen wir derzeit nicht.“, so Detlef Schweiger, 2. Vorsitzender des OSTRALE e.V.

Im Ergebnis der Bemühungen um eine langfristige Sicherung des Domizils für die Ausstellung darf gehofft werden, dass die Futterställe von Seiten der Stadt anschließend renoviert werden, in diesem Fall werden sie jedoch nach heutigem Stand erst 2019 oder 2020 wieder bespielbar sein.

OSTRALE’O17 GEPLANT: 28. JULI – 1. OKTOBER 2017

Noch ist nichts unterschrieben, nach heutigem Stand planen die Organisatoren die OSTRALE’O17 für den Zeitraum 28. Juli – 1. Oktober 2017 letztmalig in den dann noch immer unsanierten denkmalgeschützten Futterställen im Dresdner Ostragehege. „Damit gehen wir wie jedes Jahr unter völlig ungesicherten Verhältnissen gezwungen optimistisch in Vorleistung – keine gute Grundlage für eine weitere Professionalisierung.“, so Detlef Schweiger, 2. Vorsitzender des OSTRALE e.V.

REFORMPROZESS OSTRALE: BIENNALE

Für die Ausstellung 2017 werden derzeit neue Kuratoren zusammengestellt, mit denen sich die OSTRALE noch weiter vernetzen will. So stehen der Künstler; Verleger und Ausstellungsorganisator Holger Wendland und sein ukrainischer Partner, der Künstler, Netzwerker und Ausstellungsorganisator Mykola Dzhychka, sowie der Selliner Galerist Knut Hartwig als erste neue Kuratoren bereits fest.

Der OSTRALE-Vorstand hat darüber hinaus die konzeptionelle Entscheidung getroffen, die OSTRALE schon ab 2017 in Dresden als Biennale stattfinden zu lassen. Ab 2018 soll die OSTRALE dann unter Nutzung ihrer internationalen Kontakte und ihres internationalen Renommees alle zwei Jahre zeitgenössische Sächsische Kunst im Ausland präsentieren.

Haben wir bisher schon, meist parallel zur Dresdner Schau, zeitgenössische sächsische Kunst im Ausland präsentiert – seit 2010 in immerhin 12 europäischen Städten –, so wollen wir das auch weiterhin tun. Die Qualität der OSTRALE wie auch der Ausstellungen im Ausland wollen wir dabei aber weiterentwickeln, in dem wir unsere Kräfte künftig jährlich auf eines von Beidem fokussieren.“, so Andrea Hilger.

In 2018 wird die OSTRALE voraussichtlich in der Europäischen Kulturhauptstadt La Valetta, Malta gastieren, wo sie als Partner mit sächsischen und israelischen Künstlern angefragt wurde, ebenso gibt es werden derzeit Kooperationen mit Partnern an den Standorten Manchester, Budapest, Tel Aviv und Prag besprochen.

Für die Rettung der OSTRALE sind also seitens der Veranstalter die ersten Weichen gestellt. Bleibt zu hoffen, dass der Wert der Kunstausstellung für Dresden jetzt auch politisch neu eingeschätzt wird – und dass sich das in Form einer den Fortbestand und die Weiterentwicklung der OSTRALE sichernden Förderung schon im nächsten Jahr bemerkbar macht.“, so Detlef Schweiger.

Text: F.d.R.d.A. Tobias Blaurock

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Der OSTRALE-Hirsch als bedrohte Art.

www.ostrale.de

WEITERE INFORMATIONEN / KONTAKT:
OSTRALE Zentrum für zeitgenössische Kunst
OSTRALE / Büro, Messering 20, Frigolanda Kühlhaus,  Tel +49 351 653 37 63, post@ostrale.de
www.ostrale.de, OSTRALE: / Postanschrift: Messering 8, D-01067 Dresden, Förderverein: www.ostrale-freunde.de
blaurock markenkommunikation
Tobias Blaurock, Plattleite 68, 01324 Dresden, Tel. +49 351 210 98 71, Fax +49 351 2078 15 33, blaurock@team-blaurock.de, www.blaurock-markenkommunikation.de

WuKaMenta: 100 Jahre DaDa im Lügenmuseum

Über 20 Künstler zeigen ihre Arbeiten im Zeichen des Absurden und provozieren zum Nachdenken.

Die Ausstellung „WuKaMenta – 100 Jahre DaDa“ eröffnet am 7. Oktober, um 19 Uhr im Lügenmuseum Radebeul im alten Gasthof Serkowitz.  WuKaMenta ist ein dreiteiliges Kunstprojekt. Der erste Teil fand im Juni zwei Wochen mit über dreißig Künstlern als Kunst im öffentlichen Raum auf dem Neumarkt Dresden statt. Der zweite Teil ist eine Präsentation der WuKamenta als Baustein der Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit vor dem Rathaus Dresden. Der dritte Teil ist die Ausstellung WuKaMenta im Gasthof Serkowitz und bezieht sich auf 100 Jahre DaDa. Über 20 Künstler sind eingeladen zeitgenössische Positionen zu DaDa auszustellen.

Die Eröffnung des Cabaret Voltaire 1916 war der Urknall des künstlerischen Zweifelns. Eine Handvoll Kreativer lehnte alles Konventionelle ab und schuf stattdessen Anti-Kunst. So hat DaDa die Kunst für immer verändert und prägt sie bis heute: sinnfreie Gedichte wie die von Ernst Jandl, Punk-Gebete von Pussy Riot, Maschinen zur Belustigung im Lügenmuseum, Noise-Musik, Performance oder flüchtige Aktionskunst. Die Studentenbewegung von 1968 hat sich ebenso an DaDa orientiert, wie die ästhetischen Ausdrucksformen und bilderstürmerischen Installationen subkultureller Künstler in Ostdeutschland. Sie rebellierten gegen den Systemdruck, DaDa als totale Ablehnung gab die degenerierten Machtstrukturen der Lächerlichkeit preis.
Die Ausstellung ist bis 31.12. im Lügenmuseum zu sehen.

Beteiligte Künstler: 

Perry Argel, Popke Bakker, Jola Brejdack, David Campesino, Silvio Colditz, Getulio Damado, Justus Ehras, Robert Frenzel, Richard von Gigantikow, Michael von Hintzenstern, Jan Heinke, Frank Hermann, Dorothee Kletzsch, Otis Laubert, Klaus Liebscher, Anna Mateur, Annette Muck, Sebastian Qiroz, Madlyn Sauer, Reinhard Sandner, Rose Schulze, Olaf Spillner, Erwin Stache, Hilla Steinert, Andre Wirsig.

Text: Lügenmuseum
Richard v. Gigantikow, Tel:  0176 – 99 02 56 52
Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Straße 39, 10445 Radebeul

Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, Ferien und Feiertage 13 – 18 Uhr

www.luegenmuseum.de info@luegenmuseum.de

Konzert: Hair Rock & Hair Metal

Ein Abend voller Haare!

Rock- und Metal-Leidenschaft pur im Konzert mit den Bands Jammy ` s Bar  und Blazing Dawn.

Das versprechen 2 lokale Bands, die all ihre kostbaren Freiminuten der legendären Rock- und Metal-Ära der 70er- und 80er-Jahre widmen – und zwar aufs Heftigste!!

Die Dresdner Band Jammy’s Bar schöpft ungehemmt aus dem Vollen der Post-Hippie- und Grunge-Ära und kämpft mit Liedern wie „Fight“ für ihr Grundrecht auf Traumverwirklichung. Zu ihrem bislang größten Hit „Crazy Woman“ wird diesmal live auch eine ebensolche im Rampenlicht erwartet.

Die junge Meißner Band Blazing Dawn hingegen schöpft all ihre Leidenschaft aus dem Metalbereich der 80er-Jahre und lässt – mit viel Glam & Violine – die Herzen klassischer Metal-Fans dahinschmelzen, während frische Strähnen fliegen.

Danach lässt DJ Tobi II zur Neustadtdisko tanzbare Tracks zwischen Indie, Pop und Rock vom Stapel.

Was: Ein Abend voller Haare! Mit Jammy’s Bar & Blazing Dawn
Wann: 29. Oktober, 21 Uhr (Einlass 20 Uhr)
Wo: Katys Garage, Dresden
Wieviel: 6 Euro

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Welcome to Jammy’s Bar

Keine Schnörkel, kein Firlefanz, keine Kompromisse. Am Tresen von Jammy’s Bar kann man nur ein einziges Getränk ordern: „Rock on the rocks“! Einen Schluck später und mit verzerrtem Gesicht wird die Sache glasklar: Hier hat niemand irgendwelchen Unsinn hineingemixt. Jammy’s Bar ist purer Rock, ohne sonstigen Schnickschnack. Cheers!

Guitar: Johann Bauer  |  Bass: Ludwig Zeumer  |  Vocals: Tom Vörös  |  Drums: Martin Buder

Crazy Woman (EP 2015)

https://soundcloud.com/jammys-bar/sets/crazy-woman-album

  1. Past is gone  |  2. Fight  |  3. Crazy Woman   |   4. Beyond Redemption  |  5. Lost

jammys-bar.bandpage.com       facebook.com/jammysbar          mail: jammys-bar@live.de

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Violine trifft auf Heavy Metal

Drei tapfere junge Recken und eine holde Maid aus einem fernen Land (Sachsen) erobern die Bühnen dieser Welt.

Ihr Arsenal setzt sich aus Heavy und Glam Metal Elementen zusammen, doch die Geheimwaffe ihrer Wahl ist die Geige, die die Zuschauer mal mit folkigen, mal mit neoklassischen Melodien zum Tanzen, Mitsingen und/oder Headbangen einlädt. Mit dieser bunten Mischung kreiert die Band eigene Songs.

Aber auch Coverversionen bekannter Klassiker von Judas Priest, Iron Maiden, Saxon, Manowar usw. können ihren Weg in die Setlist finden. Wenn nun das Horn (oder in diesem Fall die Violine) zum nächsten Gefecht ruft, stürmen die Rocker die Bühne und sorgen für fliegende Haare und schmelzende Herzen.

Jeder Auftritt von Blazing Dawn ist einzigartig, sie beherrschen die Bühne, als hätten sie nie etwas anderes getan.

www.blazingdawn.de

Text: Tom Vörös

Jazztage Dresden 2016: Ein Fest mit lebenden Legenden

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Al Jarreau                                    Fanfare Ciocarlia

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Barcelona Gipsy Balkan Orchestra    Mohamad Reza Mortazavi

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 Al di Meola                               Estas Tonnè & Friends

 Schillernde Vielfalt an Stars und Stimmen

Ein hochkarätiges Programm mit internationalen Jazzgrößen wie Al Jarreau, Stanley Clarke, Klaus Doldinger, Chris Barber und Al di Meola lockt bei den 16. Jazztagen Dresden vom 4. bis 13. November.

Bühne frei für schillernde Living Legends heißt es im grauen November bei den
16. Jazztagen Dresden. Ein Fest der Stars und Legenden des Jazz steht bevor mit großartigen Künstlern wie Al Jarreau, Stanley Clarke, Klaus Doldinger, Chris Barber und Al di Meola, die nach vielen erfolgreichen Musikerjahren auf den Bühnen dieser Welt nach wie vor Maßstäbe für nachfolgende Musikergenerationen setzen.

Außerdem bieten die Jazztage ein Podium für außergewöhnliche Programme, in denen sich die ganze stilistische Vielfalt im Jazz widerspiegelt und die sich kreativ mit großen Musikern der Vergangenheit auseinandersetzen. Beginnend bei den klassischen Meistern Mozart und Beethoven über Duke Ellington und George Gershwin bis zu „Tributes to“ Michael Jackson, Udo Jürgens und Prince.

Zu den 68 Veranstaltungen der Jazztage vom 4. bis 13. November werden über 250 Künstler aus 30 Nationen an zehn Spielstätten erwartet. Das Erlwein-Capitol im Ostrapark ist Festivalzentrum und wird erneut zum coolen und wohl größten Jazzclub Deutschlands umgebaut, wo allein 15 Konzerte mit Festivalstars stattfinden. Dazu gehören neben den erwähnten auch Estas Tonnè, Tom Gaebel, Lizz Wright, Jasmin Tabatabai bis zum Abschlusskonzert mit Patax am 13. November. Ein Konzerthöhepunkt ist „20 Jahre Fanfare Ciocarlia“ mit ihrem neuen Programm „Onward to Mars“ am 6.11., 20.15 Uhr im Erlwein­-Capitol. Sänger Max Mutzke & Monopunk bieten am selben Ort Soulpop vom Feinsten am 8.11., 20.30 Uhr.

Im Jazzclub Tonne im alten Gewölbe unter dem Kurländer Palais gibt es elf Konzerte, darunter Rick Margitza, Jazz Bigband Graz, Pascal von Wroblewsky, Markus Schinkel, Jacob Karlzon und Sebastian Studnitzki. Von Free Jazz bis zu „Tributes to“ Udo Jürgens, Deep Purple und anderen zeitlosen Legenden reicht dabei die Bandbreite. Das Societaetstheater ist mit sieben Konzerten dabei. Dort gibt es besondere Musikerlebnisse mit dem Barcelona Gipsy Balkan Orchestra und Micha Maass sowie dem außergewöhnlichen Rahmentrommler Mohamad Reza Mortazavi. Im Gebäudeensemble der Deutschen Werkstätten Hellerau ist erstmals ein Wochenende lang Jazz in vier Konzerten zu erleben, darunter Klaus Doldingers Passport, das Terem Quartet, die Mozart Group und das Kinderkonzert mit Tumba Ito. Glanzvoll endet das Jazzfestival am 13. November mit einem Konzert im Flughafen mit der The Big Chris Barber Band mit dem erfolgreichsten Jazzmusiker aller Zeiten.

Das QF (Quartier an der Frauenkirche) gibt zum Festivalstart am 4. November erneut die gesamte Passage frei für die große Eröffnung der Jazztage. Auf mehreren Bühnen und mit einem ambitionierten Programm verschiedenster Künstler, kleinen Konzerten in der gesamten Passage und einer Modenschau zu Live-Jazz wird das Publikum auf die Festivaltage eingestimmt.

Das kommunikative Zentrum und allabendlicher Treff von Künstlern, Publikum, Partnern und weiteren Gästen bei hervorragender Musik – mit häufig außergewöhnlichen, spontanen Treffen der Künstler der verschiedenen Abendkonzerte auf der Session-Bühne – wird auch in diesem Jahr täglich vom 4. bis 13. November im Gewandhaus Dresden sein. Ebenso wie das Format für Genießer: Swing & Dine mit erstklassigem 3-Gänge-Menü zu entsprechend hochwertiger Musik (4. bis 6. und 11. bis 13. November).
Die Radio Körner Jazztage-Lounge findet erneut im Erlwein Capitol statt und lädt bereits vor den Konzerten zum entspannten Ankommen und Einstimmen bei guter Musik ein.

Fotos: Jazztage Dresden

Weitere Infos unter: www-jazztage-dresden.de

„Bimini“: Malerei von Martin Müller im Stadtarchiv Dresden

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 ©  Martin Müller „Confieso que he vivido“,
Fine Art Print, Acryl/Lwd., 140 x 200 cm, 2016

„Bimini“- Malerei von Martin Müller
Am 17. Oktober 2016, 19 Uhr wird die Kunstausstellung „Bimini. Malerei“ von Martin Müller im Stadtarchiv Dresden auf der Elisabeth-Boer-Str. 1 eröffnet.  

In seiner Arbeit als Maler, Gestalter und Ausstellungsmacher bewegt sich Martin Müller in einer fließenden Grenzgängerschaft zwischen den Disziplinen. Die Übergänge sind pulsierend durchlässig, dennoch hat jedes Medium seine eigene Sprache und künstlerische Ausformung, um wiederum zu einer konzeptuellen Einheit im Werk zu verschmelzen. Durchdrungen von geistigen Bezügen, unerwarteten Überlagerungen und transformierendem Humor werden komplexe Spannungsräume zwischen gestischer Berührung und poetischer Entladung geschaffen. Nicht selten basieren seine Bilder auf Found Footage-Fotografien, die entweder als Bild im Bild monochrom gemalt in unzählige Tonstufen zerlegt werden oder als Fine Art-Prints auf Leinwand gedruckt sind, die durch „realistisch“ gemalte Zitate überlagert werden. Letztere Methode lässt Foto-Grafisches als „Realität“ auf der „Realität“ des reproduzierten Fotos gleichberechtigt neben Expressiv-Gestischem und sprachlichen Notationen stehen, ohne dass diese „aufeinander zu gemalt“ sind. Sie bilden eigenständige, verschachtelte Ebenen und bleiben disparat, eindeutig, vieldeutig und offen. Oszillierend im Zueinander. Die so entstandenen visuellen und gedanklichen Räume kann nur der Betrachter füllen. Jedes Mal aufs Neue.

Martin Müller wurde 1961 in Emmerich am Rhein geboren und war von 1993 bis 2007 Gründungsdirektor des PAN kunstforum in Emmerich, von 2009 bis 2012, gemeinsam mit Andrea Hilger, künstlerischer Leiter der OSTRALE in Dresden, des drittgrößten Festivals für zeitgenössische Kunst in Deutschland und ist Gründer des internationalen Kunsthochschulprojektes „IAM – international art moves“. Müller lebt und arbeitet in Dresden und Berlin und ist seit Jahren als Gastprofessor und Dozent an Universitäten in England, Spanien, Hongkong, Brunei, Kroatien, Polen, im Libanon, der Türkei und Zypern tätig.

Text + Foto: Stadtarchiv Dresden
Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo/Mi: 9-16 Uhr, Die/Do: 9-18 Uhr, Freitag: 9-12 Uhr.

Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Str. 1
01099 Dresden

www.dresden.de/stadtarchiv

Romeo und Julia neu erzählt von arabischen und deutschen Jugendlichen im Kleinen Haus

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Fotos: Krafft Angerer/Staatsschauspiel Dresden

Liebe gegen Gewalt im Kampf der Kulturen

Frei nach Shakespeares Liebesdrama erzählt die Inszenierung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden spannend, bewegend und lebensnah über Gefühle und Konflikte im Alltag zwischen Einheimischen und Zugereisten.

Gegensätze ziehen sich an. Doch statt Liebe und Zärtlichkeit dominieren Hass und Fäuste in der Inszenierung „Romeo und Julia“. Von alten und neuen Feindseligkeiten, denen Liebende heutzutage ausgesetzt sind, erzählt frei nach William Shakespeares Liebesdrama in einer Stückfassung von Martin Heckmanns dieses besondere Theaterprojekt mit arabischen und deutschen Jugendlichen. Premiere hatte die Produktion der Bürgerbühne am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Montagues kommen aus dem arabischen Raum, aus Libanon, Syrien und Palästina, die Capulets aus Dresden in dieser Aufführung. Insgesamt 13 Darsteller zwischen 15 und 30 Jahren und sechs Musiker agieren gemeinsam auf der großen Bühne. Sie erzählen und spielen spannend und herzergreifend die Geschichte in arabischer und deutscher Sprache, klangreich begleitet von mitreißendem Oriental Jazz und Gesang am Klavier, Trommeln, Schlagzeug, Cello, arabischer Oud-Gitarre und Querflöte.

Mit viel Humor und Poesie, lauten und leisen Tönen, starken Bildern und temporeich-intensivem Spiel kam die dramatische Liebesgeschichte zweier verfeindeter Familien angesichts der aktuellen Konflikte als Kampf zweier verschiedener Kulturen und Lebenswelten unter Regie von Bürgerbühnenleiterin Miriam Tscholl auf die Bühne. Die Idee zum Stück entstand während der Proben zur Morgenland-Inszenierung, wo bereits junge arabischsprachige Dresdner auftraten.

Zwischen den Spielszenen sind dokumentarische Videobilder zu sehen, in denen arabisch-deutsche Paare, Eltern, Freunde, religiöse Vertreter des Islam und Christentums und ein Rechtsgelehrter von ihren eigenen Erfahrungen und Sichtweisen im Umgang mit den kulturellen Unterschieden im Alltag erzählen, es wird offen über Liebe, Sex, Glaubensfragen, Zwiespälte, die auch nicht frei von Klischees und Unsicherheit sind, gesprochen. Die Spielfläche ist kurvig ähnlich einer Halfpipe gestaltet, auf der die Akteure rauf und runter, hin und her rennen, hangeln, rutschen, raufen.

Die arabischen und deutschen Jugendlichen stehen sich als zwei Jugendgangs gegenüber, die sich gegenseitig herausfordern, beleidigen und mit Fäusten und  Eisenstangen aufeinander losgehen. Es gibt Tote auf beiden Seiten. Insbesondere in den gewalteskalierenden Szenen spürt man bei den arabischen Darstellern auch eigenen Schmerz, Wut und Trauer über Verlorenes, Freunde, Familie und Heimat. Ebenso romantisch wie selbstbewusst springt Julia (Tabea Günther, 18, lebt in Dresden) auf die andere Bühnenseite, um den dunkelhaarigen, temperamentvollen Jungen Romeo (Rouni Mustafa, 21, stammt aus Aleppo in Syrien) näher kennenzulernen. Mit ihrem traurigen Ende finden sich die jungen Akteure nicht ab. Sie ergreifen mit einer wilden Kissenschlacht Revolte zu rockigen Klängen, halten Schilder hoch mit der Aufschrift: „Ich liebe wen ich will“ und zum Schluss tanzen alle übermütig zusammen. Begeisterter Beifall vom Publikum für eine bewegende Aufführung, der man viel Zulauf wünscht, weil sie wärmt und ermutigt, mehr Brücken aus Mitgefühl und Akzeptanz zwischen den Kulturen zu errichten.

Nächste Vorstellungen: 6. und 31.10., 19.30 Uhr; 3.11., 19.30 Uhr

 

Bilder & GedichtAlbum: Verlangen nach Me(h)er

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Verlangen nach Me(h)er
(Für D.)

Traumwandler der Meere
schillernd in allen Farben
ziehen ihre Bahnen
hinter Glas ein Augenschmaus
landen sie nicht
auf dem Teller wie ihre Artgenossen

taucht der Blick immer tiefer
mit all den Wunderwesen
in die Gefilde schwereloser Bewegung
endloser Schwerelosigkeit
zwischen Schlinggewächsen
und Korallenriffen
fließendes Verlangen
nach Me(h)er

sehe einen großen blauen Fisch
neben ihm einen kleinen
hin und her schnellen
und denke an das Märchen
vom Fischer und seiner Frau
der alles und nichts gefiel

die Fische stoßen aneinander
und an ihr Gehäuse
du wärst gern ein Fisch
vom Wasser angezogen
doch du willst auch fliegen
sagst du beim Gehen

Text + Fotos (lv)

Die Bilder entstanden im Fischhaus Alberthafen in Dresden.

http://www.fischhaus-alberthafen.de