Technische Sammlungen Dresden: Sonderausstellung „Maschinen, Menschen, Sensationen“

Maschinen, Menschen, Sensationen –
50 Jahre Technische Sammlungen Dresden

Die Sonderausstellung zum Jubiläum ist noch bis 8. Januar 2017 zu sehen.

Was sind die Technischen Sammlungen Dresden heute? Erlebnisland? Öffentliches Forum der Technologieforschung? Museum der Informationsgesellschaft? Podium für Fotografie und Anima-tionsfilm? Die Technischen Sammlungen sind heute alles in einem: Museum, Fotogalerie und Science Center.
Der Weg dorthin war ereignisreich und verschlungen. Die Geschichte beginnt 1966 auf bescheidenen 300 m2 in der Dresdner Neustadt: Mit dem Auftrag gegründet, das damals brandaktuelle Thema Elek-tronik einer breiten Öffentlichkeit zugängig zu machen, präsentierte das Museum in den Folgejahren ein stetig breiter werdendes Themenspektrum. Informations- und Medientechnik, wissenschaftlicher Gerätebau sowie Fotografie kamen hinzu.

Das Museum wechselte mehrfach seinen Namen: Von 1966 bis 1975 hieß es Polytechnisches Museum Dresden, von 1975 bis 1992 Technisches Museum Dresden, danach Technische Sammlungen Dresden. Es zog zweimal um und nahm zahlreiche große Sammlungen in sich auf, darunter die des Museums für Photographie, die Büromaschinen-Lehrsammlung der TU Dresden und den Nachlass des Kombinat Pentacon. Heute bietet es im ehemaligen Industriebau der Ernemann-Kamerawerke auf über 6 500 m2 Platz für Ausstellungen, Erlebniswerkstätten und Veranstaltungen.
Anfangs dem Ideal polytechnischer Allgemeinbildung verpflichtet, konzentrierte sich das Museum zunächst auf die Popularisierung Dresdner Industrien: Rechentechnik, Feinmechanik, Gerätebau und Optik. Die Vermittlung naturwissenschaftlicher Grundlagen und technischer Funktionen stand neben der Erklärung von Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Heute fördern die Technischen Sammlungen die aktive Auseinandersetzung mit den technischen Grundlagen der Gegenwart – mit Ausstellungen zur Geschichte der Fotografie und des Films, des Computers und anderer Medientechnik sowie Wechselausstellungen zu Fotokunst und aktueller Technologieforschung.

Die Jubiläumsausstellung präsentiert Objekte und Dokumente aus 50 Jahren Museumsgeschichte, die bisher gar nicht oder nur sehr selten zu sehen waren. Sie erzählt die Geschichte des Museums, von den wechselnden Konzepten sowie von den historischen Standorten, von 50 Jahren Sammelleidenschaft, von der Arbeit der Museumsleute, von der Kooperation mit Freunden und Förderern sowie der Neugier seiner Besucher.
Gefeiert wird das Jubiläum mit einem großen Familienfest am 29. Mai. Höhepunkt am Vormittag ist das Konzert mit Liedermacher Gerhard Schöne. Ein Jahrmarkt im Museumshof mit Zirkusartistik, Luftakrobatik, Zaubershow und vielen Aktionen lädt Groß und Klein zum Mitmachen ein.

Text: Technische Sammlungen Dresden

Ansprechpartner:
Dr. Ralf Pulla, Kustos für Informations- und Kommunikationstechnik, ralf.pulla@museen-dresden.de, Tel: 0351/4887204, Maren Dose, Öffentlichkeitsarbeit, maren.dose@museen-dresden.de, Tel: 0351/4887254

Technische Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1-3, 01277 Dresden
Öffnungszeiten: Di-Fr 9-17 Uhr, Sa/So/Fei 10 bis 18 Uhr, Telefon: 0351/4887201, http://www.tsd.de

Museen der Stadt Dresden | Dresden Municipal Museums

Telefon +49 351 488-7254 | Fax +49 351 488-7203
Junghansstraße 1-3 | 01277 Dresden
http://www.museen-dresden.de | http://www.facebook.com/MuseenDresden

Museen der Stadt Dresden | Landeshauptstadt Dresden | Amt 43
Stadtmuseum Dresden | Städtische Galerie Dresden | Technische Sammlungen Dresden | Carl-Maria-von-Weber-Museum | Kraszewski-Museum | Kügelgenhaus – Museum der Dresdner Romantik | Palitzsch-Museum | Schillerhäuschen

Maschinen, Menschen, Sensationen. 50 Jahre Technische Sammlungen Dresden | 29.5. bis 8.1.2017 | Technische Sammlungen Dresden
Wir erinnern uns. 125 Jahre Stadtmuseum Dresden | 4.6. bis 18.9.2016 | Stadtmuseum Dresden
Wohin mit der Schönheit? 20 Jahre Sächsische Akademie der Künste | 18.6. bis 18.9.2016 | Städtische Galerie Dresden

„Die Lebenden Toten“ im Kleinen Haus: Wahnwitzige Parodie über das Flüchtlingsdrama in Europa

Die Zombies kommen!

Eine wahnwitzige Parodie über das Flüchtlingsdrama in Europa im Kleinen Haus in Dresden

Ein riesiges, hungriges und alles verschlingendes Zombiemassenheer steuert auf Europas Küsten zu. Es lässt sich weder von Krieg, Seenot oder EU-Grenzwachen aufhalten. Nur eine gruslige Fiktion oder fast Wirklichkeit? Das fragt das Stück „Die lebenden Toten“ von Christian Lollike, ergänzt mit Textfragmenten von Tanja Diers und Mads Madsen.

Die Premiere in einer Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Viel Zündstoff birgt diese grotesk zugespitzte Aufführung, die berechtigten und diffusen Ängsten vor Fremdem sowie Gründen und möglichen Folgen des gegenwärtigen Flüchtlingsdramas in Europa nachgeht unter Regie von Tilmann Köhler. Dagegen wirkt Houllebecqs ironische politische Fiktion eines islamischen europäischen Staates in seinem Roman „Unterwerfung“, ebenfalls in einer Inszenierung im Kleinen Haus zu sehen, ziemlich harmlos angesichts dieses viel radikaleren Stücks.

Denn es geht noch einen Schritt weiter, indem es ein gleichzeitig irrwitziges wie schmerzhaftes Horrorszenario der schlimmsten Befürchtungen, genährt aus Verunsicherung und schlechtem Gewissen nicht genug zu tun, entwirft: Was passiert, wenn aus dem weiterhin auf Europa zusteuernden Flüchtlingsheer Zombies werden? Jene lebende Untote bestehend aus den Körpern der zahlreichen ertrunkenen Flüchtlinge, die aus dem Meer an Land kommen und blutige Rache nehmen für das Wegsehen und unterlassene Hilfe der „Festung Europa“. Die Inszenierung hinterfragt in intensiven, beklemmenden, bis an die Grenze des Erträglichen gehenden Bildern blutrünstiger Vampire sowie eindringlich spannungsreichem Körpertheater kritisch die aktuelle Flüchtlingspolitik, die Rolle und Verantwortung der Politik, der Medien, des Theaters und jedes Einzelnen.

Die Ausgangssituation: Drei Menschen wollen einen Film zur Flüchtlingskrise drehen. Die Bühne ähnelt einer Sandwüste, ein paar Kisten mit Requisiten, eine Filmleinwand und ein Popcornbecher stehen griffbereit. Die zwei Männer und eine Frau überlegen, wie sie am besten Mitgefühl mit dem Flüchtlingselend erreichen können beim Zuschauer. Sie versuchen es mittels schockierender Filmszenen wie in Vampir- und Horrorfilmen. In so viele Flüchtlinge kann man sich nicht hineinversetzen, lautet ihre These. Die drei hartnäckig um Emphatie und Glaubwürdigkeit ringenden Schauspieler André Kaczmarczyk, Kilian Land und Antje Trautmann sehen sich selbst auf der Leinwand zu und ihren Albträumen. Sie spielen Phrasen dreschende EU-Politiker, böse Geister beschwörende Geistliche und menschliche Zombies mit grusligen Masken, Flüchtlinge in gebrochenem Deutsch und sächselnde Urlauber am Mittelmeer, die von Zombies überfallen werden.

Großartig die wahnwitzige Parodie von Kaczmarczyk eines Mannes, der überall Bedrohung wittert, sich in ein Erdloch verkriecht und die Mauer wiederaufbauen will. Kilian Land berührt als Zombie, der das menschliche Grauen nicht fassen kann. Antje Trautmann taucht in einem mitgefilmten Selbstversuch ihren Kopf in eine Wasserschüssel und ihre Mitspieler lassen sie zappeln, bis sie kaum noch Luft bekommt, damit es echt aussieht. Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Gleichgültigkeit und Abschotten, bevor die schrecklichen Visionen wahr werden ist diese Aufführung. Wie geht man aber nun mit den realen Ängsten um und findet konstruktive Auswege aus dem Flüchtlingsleid? Darauf findet die Inszenierung keine schlüssige Antwort. Bei aller Absurdität in der Darstellung übertriebener Ängstlichkeit von aus ihrem Alltagstrott heraus gerissenen Bürgern blieb ein befreiendes Lachen am Ende aus. Dennoch herzlicher Beifall für einen engagierten Theaterabend.

Es gibt nur noch zwei Vorstellungen: am 13. und 17.6., 19.30 Uhr

Foto: Staatsschauspiel Dresden

Aktuell zur Flüchtlingskrise: Überlebende berichten von Flüchtlingsunglück mit Hunderten Toten http://a.msn.com/01/de-de/BBtBiUO?ocid=se

 

Schönes bleibt: Gedichte zur Erinnerung

MaiNatur 007MaiNatur 059MaiNatur 083MaiNatur 084MaiNatur 086MaiNatur 100

Gedichte zum 3. Jahresgedenken an meine Mutter
an ihrem Geburtstag am 27. Mai 2016

FarbHimmel

Die Kerzenflamme malt
Schattenblumen an die Wand
bis sie verglimmt im Farbrausch der Blüten
in Wassergläsern randvoll
aufgereiht vor einem Bild von dir
aus fernen Tagen

als dir mit jedem Pinselstrich Flügel wuchsen
ein Leben lang diese Welt kannte keine Risse
unsre Kinderträume und deine Marotten
überdauern auf Leinwand und Papier
nun stehen Staffelei, Malhocker und Farben
unberührt bei mir im Exil

keiner malt das Weidenherz Rosen und Holunder
verduften unbesehen
während die Schwalben wie Zeichenfedern
hin und her schnellen im farbübersäten Abendhimmel
überbringen sie deine Bilder

8.6.2014

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Wie immer (Ohne Dich)

In der Wohnung nebenan
trällert die Opernsängerin
wie immer
Eine verirrte Amsel
ohne Bühne

deine Stimme weit weg
hör ich immer noch
dein letzter Anruf
keine Zeit wie immer
deine überschäumende Freude

die mir keine Wahl ließ
als dir zuzuhören
der Fluss der Worte
schlängelte unaufhaltsam
hin zu mir
nun ist er versiegt

Du lächelst mich an
auf einem Bild dein Gesicht
schaut aus einer Malwand
als Kopf einer braunen Tigerkatze
meine Katze trautest du dich
nie zu streicheln

glaubtest an deine unbezähmbare
Lebenslust unbeirrbar
ein kleiner Butterstollen noch von Weihnachten
eingepackt mit blauer Schleife von dir
bitterweiß werden die Stücke zerfallen
mir im Mund reiben
mit den Erinnerungen

3.2.2014

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Stille

Wenn die Worte
Lautlos
Widerhallen
In des Tages
Dunkel
Fallen

Das Tosen der Gedanken
Verstummt
Die Tür nach innen
Sich öffnet

Wo die Stille
Mich anstarrt
Wie ein scheues Tier

2013

 

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Von mir zu dir

Von mir
Zu Dir
Ist es ein Schritt
Ein Moment
Und eine Ewigkeit
Ein Hin und Zurück
Von mir
Aus
Zu Dir
Ohne Anker

2013

Tango: Leidenschaft braucht keine Rosen

Ausst.RadebeulAltkö 431Tangolehrer Jens Klant und seine Tanzpartnrin Dorothea Schipp geben ihre Leidenschaft für den argentinischen Tango weiter.Ausst.RadebeulAltkö 398Ausst.RadebeulAltkö 509

 Dresden gilt als ostdeutsche Tango-Hochburg. Seit nunmehr 14 Jahren ist Jens Klant mit seinem Studio 24 – Tango Argentino dabei.

Tango ist Sehnsucht, Verführung, Leidenschaft. All das schwingt in den originalen, betörenden Aufnahmen mit, zu denen die Tanzenden sich langsam und hingebungsvoll übers Parkett bewegen. „Lasst mal mehr Abstand. Die Nähe kommt von ganz allein“, sagt Tanzlehrer Jens Klant zu den Männern.

Der leidenschaftlichste aller Tänze, das wird schnell klar, erfordert vor allem Geduld und Fingerspitzengefühl. Etwa wenn der Tangotänzer seine Partnerin zuerst mit Schwung und Grazie um ihre eigene Achse dreht und dann sanft in Schrittrichtung absetzt. „Anheben, um sie herumgehen. Genau auf den Drehpunkt der Frau, auf den Boden konzentrieren. Absetzen“, erklärt und zeigt Jens Klant die Bewegungsabfolge der doppelten Colgadas, der schwierigsten Tanzfigur beim Tango.

Ein halbes Dutzend Paare jungen und mittleren Alters steht mit ihm auf der Tanzfläche im Dresdner Studio 24. Sie üben schönes, weiches Gehen und erfahren, wie man eine kraftvolle und zugleich geschmeidige Körperhaltung bekommt. Bis zu jenem wunderbaren Moment, in dem nicht mehr der Kopf bestimmt, wo es langgeht, stattdessen der Körper auf einmal federleicht ist und Schritte und Bewegungen wie von selbst aus ihm herausfließen. Seine Tanzschule für argentinischen Tango hat Klant in einem ehemaligen Fabrikraum im Hinterhof der Großenhainer Straße 29 eingerichtet. Ein heller gemütlicher Raum mit Säulen, Kugellampen und großem Wandspiegel. Am Rand der Tanzfläche stehen schwarze Stühle und Tische mit Kerzen, Sofas und ein Tresen.
Hier treffen sich an mehreren Abenden in der Woche Anfänger und Fortgeschrittene zu Tangokursen und Freitag abends ab 21.30 Uhr zu Milongas, den offenen Tanzabenden. Dann ist der Raum in warmes rotes Licht getaucht. Man kann den anderen Tanzenden zuschauen, miteinander tanzen und unterhalten.

Als eine der ersten Tango-Adressen in Dresden eröffnete das Studio 24 im Jahr 2002, kurz nachdem die Tanzschule Tres Tangos auf der anderen Elbseite in Striesen startete. Damals sei die Dresdner Tangoszene mit rund 500 Leuten überschaubar klein gewesen. Mittlerweile ist sie auf rund 2 000 regelmäßig Tanzende angewachsen und größer als die Salsa-Szene. „Nach Berlin ist Dresden die zweitgrößte Tango-Stadt in Ostdeutschland. Man kann hier jeden Tag woanders Tango tanzen“, sagt Jens Klant. Inzwischen gebe es hier bereits acht feste Adressen für Liebhaber dieses Tanzes. Vielleicht sei es auch die immer etwas schwermütige Art des Tango, die der Mentalität der Dresdner entgegenkomme, vermutet er.

„Das Schöne am Tango ist die Vielfalt der Bewegungen, die er zulässt. Daher wird diese Musik nie langweilig“, erklärt Klant. Dieser Tanz sei immer wieder neu und anders auch im Erleben, weil jeder Partner ganz individuell reagiert. „Doch wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, kann man sich darauf einstellen“, so Klant. Er selbst kam über den Rock`n`Roll zum Tango. Tanzbegeistert war er, 1971 in Chemnitz geboren, schon immer. Seit 1998 lebt Jens Klant in Dresden und arbeitet als Lehrer an einer Förderschule. In seiner Freizeit lebt er seine Passion mit der Tangoschule aus. Im Sommer 2013 feierte diese ihr zehnjähriges Bestehen. Locker und sportlich gekleidet, in Jeans, Kapuzenshirt und Turnschuhen, entspricht er dabei gar nicht dem klassischen Bild eines Tangotänzers.

„Die Leidenschaft entsteht nicht unbedingt durch schwarze Kleidung, gegeltes Haar und Rose im Mund. Sie entsteht vielmehr mit der Verbindung des Paars beim Tanzen“, sagt Jens Klant. Seine erste Begegnung mit dem Tango war 1999 zufällig im Gare de la Lune. Ihm gefiel die Atmosphäre der wechselnden Tanzpaare, so dass immer andere Bilder entstanden. Jedes Paar tanzte nach eigener Art und nach eigenem Gefühl. „Wir sind in dieser Hinsicht flexibel und nutzen das ganze Spektrum an Tänzen und Musik von den Anfängen des Tangos vor einhundert Jahren in Buenos Aires bis zur Gegenwart“, so Jens Klant. Seit 2012 tanzt und unterrichtet er zusammen mit Dorothea Schipp. Auf Anfragen treten sie auch gemeinsam in Show-Aufführungen auf. Kurz und knapp und oft in humorvoller Weise stelle er die Bewegungsabläufe vor und gehe gut auf die Tanzschüler ein, sagt sie über Jens Klant. Rund einhundert Tangoschüler, vom Studenten bis zum 75-Jährigen, besuchen zurzeit sein Tanzstudio. Tango kennt keine Altersgrenzen.

(der Beitrag erschien im April 2013 in der SZ, Dresden-Kultur anlässlich des 3. Dresdner Tangofestes)

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos zu Tango-Kursen unter http://www.24tangos.de
Kontakt: Jens Klant/studio 24, Großenhainer Str. 29, HH, 01097 Dresden
Tel: (0351)856 72 09, Handy: 0172 – 362 24 55
e-mail: kontakt@24tangos.de

 

 

Höchste Zeit!: eine Heirats-Musicalkomödie

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Foto: Robert Jentzsch

Ein humorvoller Hochzeits(alb)traum

Ein Muss für alle frisch Verlobten, Langzeit-Singles und Ehe-Insassen ist diese Inszenierung in der Comödie Dresden.

Eigentlich müsste sie im siebten Himmel schweben. Denn die lebenslustige Karrierefrau Gaby wird gleich ihren Traummann heiraten. Doch seit letzter Nacht ist er spurlos verschwunden und sie weiß nicht, mit wem sie diese verbracht hat. Damit ist für reichlich Herzkribbeln, Aufregung und Spannung gesorgt in der Musicalkomödie  „Höchste Zeit!“ (Buch: Tilman von Blomberg, Liedtexte: Carsten Gerlitz). Die Premiere war am Freitag abend in der Comödie Dresden.

Buchstäblich berauscht stolpert die Braut in spe im schwarzen Minikleid (reichlich gefühlsverwirrt: Charlotte Heinke)aus dem Bad. Sie befindet sich in der Hotelsuite eines Grand Hotels. Dem einzigen Ort, an dem man noch an Märchen glaubt, erklingt süffisant eine Männerstimme aus einem sprechenden, grünflimmernden Spiegel, um wie ein froschverzauberter Traumprinz (Viktor Neumann) kühl-ungerührte und ungenierte Kommentare zu den Liebesturbulenzen abzugeben.

Mit Blick auf eine handsignierte CD von Howard Carpendale steigt ein beunruhigender Verdacht in der Braut auf. Während die drei Freundinnen als Brautjungfern in Feierlaune anschwirren und weder mit gut gemeinten Ratschlägen noch giftigen Seitenhieben rund um Liebesromantik und -alltag, Ehe und Treue und ihre Schattenseiten sparen, hat die Braut Zeit sich klar zu werden, was sie eigentlich will. Ihr Motto heißt: „Im Herzen treu, im Leben frei.“

Mit viel Witz und Power, Lust und Wut singt, spielt und tanzt das Damen-Quartett in der Fortsetzung des Musicals „Heiße Zeiten“ unter Regie von Katja Wolff nun wieder samt verrückt spielender Hormone und Gefühle. Die vier sehr verschiedenen Damen lästern, lachen, leiden, streiten, trösten und machen sich gegenseitig Mut und nehmen zu bekannten, umgeschriebenen Popsongs das Ideal von ewiger Liebe und Zweisamkeit humorvoll auf die Schippe. Da ist die vornehme, nach außen forsche und abgeklärte Ehefrau (Heike Jonca), die ihre „Scheidung als vorzeitige Haftentlassung“ betrachtet und wieder frei sein will. Und der Braut einpaukt: „Den Richtigen gibt es nicht, sondern nur den am wenigsten Falschen!“ Da ist die junge Mutter (Wiebke Wötzel), die sehnlichst heiraten will und derart hohe Ansprüche an ihren Freund stellt, dass er sich nicht traut sie zu fragen. Und die üppig-quirlige Hausfrau Doris (Angelika Mann), die ihr Herz auf der Zunge trägt und mit hinreißend bluesig-rockiger Stimme bekennt: „Ich will mehr!“ – als nur für Mann und Haushalt da zu sein.

Das Publikum hat sichtlich Spaß und durchlebt mit der Braut alle Höhen und Tiefen dieses Hochzeits(alb)traums. Wenn die Geschichte auch streckenweise sehr überdreht und widersprüchlich hinsichtlich der Wünsche und Realität der Frauen daherkommt und mehr auf Gags abzielt, bleibt es zumindest amüsant, unterhaltsam und spannend bis zum Schluss. Herzlicher Beifall.

Nächste Vorstellungen: 24. – 28.5. und 31.5., 1. – 11.6, 19.30 Uhr; 12. und 19.6., 15 Uhr und 14. – 18.6., 19.30 Uhr

Warten auf Godot an den Landesbühnen Sachsen

Warten auf bessere Zeiten

Samuel Becketts berühmtes Stück am Sonntag auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Die absurd-komische Geschichte um die beiden Landstreicher Wladimir und Estragon, die auf einen geheimnisvollen Unbekannten namens Godot warten, weil sie nichts zu tun haben und mit dem bestimmt alles besser wird, ist am Sonntag (22.5., 20 Uhr) wieder auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul in der Regie von Peter Kube zu sehen.

Das berühmte Stück von Samuel Beckett über Glück und Lebenssinn, Warten als innere Leere und Stillstand oder Abwarten und Reifen lassen bis die Zeit gekommen ist, stellt immer eine Gratwanderung dar. Passiert doch erst einmal  – nichts. Um so mehr kommen das Imaginäre und Bedeutungsschwere des Augenblicks, jede noch so kleine Geste sowie hin und her ge- und verdrehter Wort- und Spielwitz zum Zuge, den die beiden sehr komödiantischen Hauptdarsteller voll auskosten. Herrlich naiv-komisch und tiefgründig, lustig und traurig zugleich agieren sie in dieser zeitlos aktuellen Geschichte.

Sie laufen auf und ab, vor und zurück auf der runden Spielfläche mit einem kahlen Baum, der seine Schatten wirft. Wladimir (Michael Berndt-Cananá) fragt Estragon (Grian Duesberg) ob er sicher ist, dass sie hier an dieser Stelle warten sollen? Und was eigentlich ihre Rolle sei? Sind sie gebunden und an wen? Worauf warten sie eigentlich? Auf Rettung, einen Erlöser?

Das wissen sie selbst nicht. Die Langeweile quält sie und sie tun alles, um sie zu vertreiben. Vermessen den Platz, überlegen, wo sie überall hin gehen könnten und kommen doch nicht weiter als bis zum Bühnenrand. Denn sie könnten Godot ja verpassen und das wäre unverzeihlich. Sie erfinden Spiele, erörtern verschiedene Möglichkeiten des Selbstmords, philosophieren über das Leben und den Tod. Und tauschen ihre Hüte als ob sie dann ein anderer wären oder sich etwas ändern würde. Ein angeblich von Godot ausgesandter Bote, ein Junge, verkündet, dass sich seine Ankunft verzögern, er aber ganz bestimmt kommen werde. Mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen.

Dann taucht noch ein seltsames Duo auf mit dem reichen, tyrannischen Landsbesitzer Pozzo (Marcus Staiger) und seinem schwer beladenen Diener  Lucky (Mattias Nagatis für den erkrankten Tom Hantschel ), den er wie einen alten Gaul an der Leine führt, zerrt und herumkommandiert. Hungrig muss er zusehen wie Pozzo isst und den Landstreichern die Knochen zuwirft und als Estragon sich der wimmernden, dürren Kreatur mitfühlend nähert, tritt Lucky ihn. Er kann Fremde nicht leiden und gehorcht nur seinem Herrn, kommentiert Pozzo trocken. Er verhöhnt und erniedrigt Lucky, befiehlt ihm zu tanzen und akrobatische Kunststücke vorzuführen.

Plötzlich sprudeln aus ihm wilde Wortkaskaden in einem verächtlich-wahnwitzigen Monolog darüber, wie der Mensch immer kleiner werde und redet sich in Rage bis sein Herr ihm das Seil um den Hals legt. Dafür gab es Szenenapplaus. Die beiden Landstreicher machen sich über Herr und Knecht lustig und ahmen die Kommandos nach, schreien und befehlen sich gegenseitig. Und führen absurde Dialoge im Wechsel von Verzweiflung und Hoffnung.

Als Pozzo und sein Diener wieder vorbei kommen – ist ein Tag vergangen oder Jahre? – ist Lucky stumm und Pozzo blind geworden. Der Herr muss jetzt von seinem Sklaven geführt werden. Sie können sich ebenso wie der Bote nicht entsinnen, Estragon oder Wladimir jemals zuvor begegnet zu sein. Als ob sie gar nicht existieren würden. Oder haben sie sich das alles nur eingebildet, sind die anderen nur Truggestalten? Ist das Leben ein einziger Betrug, eine Illusion und Sinnestäuschung? Sollen sie zusammenbleiben oder auseinander gehen? Was passiert, wenn sie Godot einfach fallen ließen?

Darüber darf der Zuschauer alleine weiterrätseln. Das ist auch der Reiz dieses Stückes, es stellt viele elementare menschliche Fragen,  spielt mit Wünschen und Erwartungen an sich selbst und andere und man kann es immer wieder neu und anders sehen. Und es wird nie langweilig. Viel Beifall.

 

 

Fährtensuche: Neue Bilder und Objekte von Andreas Hanske erstmals in der Stadtgalerie Radebeul

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Bilder mit geballter Farbkraft

Mit der Ausstellung „Fährtensuche“ in der Stadtgalerie Radebeul zeigt der Künstler Andreas Hanske seine Werke erstmals in seiner Heimatstadt.

Leuchtend farbige Flächen umkreisen und stoßen aneinander, kräuseln, steigen, fallen und bilden wilde Schwünge. Mit seinen zumeist großformatigen, abstrakten Bildern und Objekten geht der Künstler Andreas Hanske auf „Fährtensuche“.

Seine neuesten und einige frühe Arbeiten zeigt er seit Freitagabend in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21. Es ist die erste Ausstellung in seiner Heimatstadt, in die Hanske, 1950 in Niederlößnitz geboren und aufgewachsen, nun mit seinem Alterswerk zurückkehrt. Zu sehen sind Bilder voll geballter Farbkraft und Spannung auf der Suche nach der Essenz des Lebens. Das Wort Essenz steht auf einem frei schwebenden Objekt, das aussieht wie ein Boxsack und mit runden und eckigen Farbflecken übersät ist. Begriffe stehen darauf, die alle mit „E“ beginnen wie Einkauf, Ego, Echo und Emphatie. „Großes E-Kissen“ heißt dieses gar nicht wie ein weiches Ruhekissen wirkende Objekt aus geleimtem Papier und Drahtgeflecht. Mit den Begriffen bekommt es etwas Gegenständliches, sagt Hanske, während sonst geometrische und archaisch reduzierte, schwarz umrissene zeichenhafte Formen und starke Farbkontraste in seinen Arbeiten überwiegen, darunter der Fahnenträger und der Mann mit orangener Sichel, die 1985 entstanden als Gouachen auf Kupferdruckpapier.

Im Eingangsraum hängt auch ein rosa „Deckel“ bemalt mit hellblauen Farbtupfern neben Löchern und quadratischen Linien. „Vorher war es ein Druckstock, der wiederum einem alten Waschzuberdeckel aus dem Elternhaus entstammt. Damit habe ich Holzschnitte gedruckt“, erzählt Andreas Hanske. Zierlich von Gestalt und mit schelmischem Blick, schwarzem Käppi, Jeans und orangenen Turnschuhen steht er vor seinen großformatigen, farbintensiven Leinwänden. In seinen Bildern gehe er immer von der Farbe aus und denke nicht daran, was herauskommt. Außerdem ist seine gestische Malerei immer auch mit einem Augenzwinkern versehen. Begonnen hat Andreas Hanske mit Landschaft und Figürlichem, die sich immer wieder verändern im ungebändigten Spiel der Formen und Gegensätze. Er sieht seine Arbeiten als Versuch einer Weiterentwicklung der Tradition der Expressionisten, die in der DDR nicht aufgearbeitet wurden.

Doch es gab Nischen, wo der künstlerische Autodidakt andere „Untergrundkünstler“ treffen und seine Arbeiten zeigen konnte. 1983 war die erste Einzelausstellung von Andreas Hanske in der Galerie am Körnerplatz in Leipzig zu sehen, aus der später durch eine Künstlerinitiative, der er angehörte, die berühmte Galerie „Eigen + Art“ von Harry Lybke hervorging. 1984 wurde Hanske nach erheblichen Auseinandersetzungen in den Künstlerverband der DDR, Bezirk Leipzig, aufgenommen. Damit war eine gewisse soziale Absicherung verbunden, wenn auch praktisch ein „Ausstellungsverbot“ für den unangepassten Künstler bestehen blieb. Doch zunächst hatte Hanske eine naturwissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen. Als Jugendlicher baute er in einem Zirkel die Volkssternwarte in Radebeul mit auf. Hier beobachtete er die Sterne und den Mond und begann zu zeichnen.

Nach dem Abitur und einer Ausbildung als Maschinenschlosser im Druckmaschinenwerk Planeta studierte er Geophysik an der Bergakademie in Freiberg. Seit 1978 ist Andreas Hanske künstlerisch tätig und wohnt in Leipzig. Zu seinen künstlerischen Anregern gehören der Dresdner Maler Willy Günther, dem er seine frühe Auseinandersetzung mit der Technik der Gouache verdankt und der Grafiker Alfred Erhard in Ilmenau, bei dem er verschiedene Drucktechniken erprobte. „Es war eine Überraschung für uns, als wir die großen Bilder und seine neuesten Arbeiten sahen“, sagt Stadtgaleristin Karin Baum. Sie kennt Andreas Hanske seit Schulzeiten, sah 2013 seine große Ausstellung „Hyle (griech.: Materie) – Wildwuchs“ im Sächsischen Landtag und holte ihn für die Ausstellung „Fährtensuche“ nun in die Stadtgalerie Radebeul.

Zu sehen sind auch ganz konkrete, übermalte Foto-Collagen zur aktuellen Flüchtlingspolitik, darunter das bekannte Bild des leblos am Strand liegenden kleinen Flüchtlingsjungen. Ein anderes zeigt eine Gestalt hoch auf einem schwarzen Rettungsringberg stehend mit Blick aufs offene Meer und ein winziges Flüchtlingsboot. Neben dem sonnenlichtumspielten Körper einer Frau umrahmt ein Rotkreuz-Zeichen die neuesten Nachrichtenschlagzeilen. „Die Sterne sind alle vergriffen“, steht unter diesem vieldeutigen Bild. Die Ausstellung von Andreas Hanske ist noch bis 3. Juli zu sehen.

Geöffnet hat die Stadtgalerie Radebeul: Di, Mi, Do, So von 14 – 18 Uhr

Fotos und Text (lv)

Kolumne: Brief-Geheimnisse

lara3Kennt Ihr das Spiel „Stille Post“? Man kann so schön flüstern und flunkern dabei. Es ist ein beliebtes Kinder- und Gesellschaftsspiel. Einer sagt dem anderen ein Wort ins Ohr, derjenige dem nächsten und der Letzte in der Runde sagt laut, was bei ihm angekommen ist. Es ist spannend und lustig zugleich, wie viel vom Original noch übrig ist, wie viel oder wenig wahr, haargenau oder ähnlich gehört und weitergegeben wird. Kann man flirtend fluchen, kulant Kuchen versuchen und wann ist ein Versprechen ein Verbrechen? Wird Liebesbeweis zum Liebesverschleiß, ein Schornsteinfeger zum Schwermutjäger, ein Nachtwandler zum Nachtverwandler. Sicherheit zu Schisserleid. Briefverkehr zu Siebverkehr.

Nicht nur die „stille Post“ nimmt überraschend rätselhafte Wege.
Manchmal kommen Worte und Briefe gar nicht an. Obwohl ich das persönliche Schriftstück wohlverwahrt in einem Umschlag mit Briefmarke und ausreichend Porto auf die Reise schickte. In dem Fall eine Geburtstagskarte innerhalb der Familie mit einem übermütig bis zu den Sternen fliegenden Mädchen und den Worten: Träume werden wahr! Doch der Brief erreichte das Mädchen nicht, sondern ging irgendwo unterwegs verloren. Der Umschlag war liebevoll beklebt mit Glückskäfern und Frühlingsblumen. Und ich hatte einen 20 Euro-Schein hineingelegt. Ich verschicke diese Geburtstagsbriefe seit vielen Jahren an beide Kinder, kurz nacheinander. Der eine Woche vorher geschickte Brief mit der gleichen Summe kam an. Wie immer.

Den anderen Geburtstagsbrief brachte ich zu Walpurgisnacht, es war Samstag vormittag, zum Briefkasten gegenüber vom Ballhaus Watzke in Pieschen. Um 11 Uhr sollte die Leerung sein. Vor mir tat ein alter Mann einen Brief hinein und blieb noch eine Weile bedächtig in einiger Entfernung stehen. Hing er in Gedanken noch dem zu Papier Gebrachten, nun Fortgegebenen nach? Konnte er sich schwer davon trennen? Kam sein Brief überhaupt an und wie schwer wog die Antwort für ihn?

Als der letztere Geburtstagsbrief nach fast einer Woche immer noch nicht ankam, rief ich eine Service-Nummer bei der Deutschen Post an und fragte nach. Erstmal hing ich in der Warteschleife und durfte mir Werbeangebote anhören und wie zuverlässig sie ihr anvertraute Sendungen befördere… Als ich von dem nicht angekommenen Brief erzählte, bedauerte der Mann am Telefonhörer dies. Ich müsse jedoch zunächst die Zustellungsfrist von sieben Werktagen abwarten, bevor ich mich an die bundesweite Briefermittlungsstelle der Post wegen einem Nachforschungsauftrag wenden könne.

Doch dies sei wie eine Stecknadel im Heuhaufen suchen. Zumal der Brief nicht als Einschreiben aufgegeben wurde und daher keine Registriernummer hat. Als er von dem Geld im Briefumschlag hörte, sagte er, das würde er nicht empfehlen. Die Post arbeite mit verschiedenen Fremdfirmen zusammen und offensichtlich seien nicht alle der Mitarbeiter ehrlich. Es gebe sogar Leute, die fühlen es, wenn Geld im Briefumschlag sei!

Ich gab zu verstehen, dass mein Vertrauen in die Post ziemlich erschüttert ist und ich mir überlege, ob ich künftig noch Briefe verschicke oder lieber via Internet grüße. Das verstehe er, sagte der Mann, aber der Post insgesamt sei das egal. Schon deswegen wollte ich, dass sie von dem verschollenen Geburtstagsbrief erfahren. Anruf bei der Briefermittlungsstelle am Freitag, dem 13., nachmittag. Der Mann am Telefon notierte sich meine Postleitzahl, Tag und Ort der Briefab- oder besser aufgabe, Absender und Empfänger. Er war kurz angebunden: „Die Leitungen sind voll!“ Warum wohl, überlegte ich. Der Mann von der Briefermittlungsstelle sagte, ich werde schriftlich benachrichtigt über das Ergebnis.

Da bin ich gespannt. Ob dieses Brief-Geheimnis noch gelüftet wird.
Ein nachträglicher Geburtstags-Brief mit glücklicherweise derselben Grußkarte, der Umschlag diesmal unauffällig, schmucklos, nur mit einer aufgemalten lachenden Blume (ohne Geldschein drinnen) kam an bei der Empfängerin. Die Post geht rätselhafte Wege.

Macht was draus.
Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

P.S.: Übrigens habe ich jetzt, nach drei Monaten, Post von der Post, genauer vom Servicecenter Briefermittlung zu meinem verschollenen Geburtstagsbrief bekommen. Ob sie wirklich solange gesucht haben? Die Antwort klang wenig überraschend: „Leider hat Ihr Nachforschungsauftrag nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Ihre Sendung konnte nicht gefunden werden. (wen wundert`s. Wenn vorher jemand schneller war.) Dies bedauern wir sehr und bitten Sie für die Ihnen hierdurch entstandenen Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.“ Die Briefe würden heute weitgehend „automatisiert“ versendet, heißt es weiter. Daher könne die Post keine Haftung für den Inhalt von Briefen übernehmen. Hat dann ein Automat versehentlich den Geldschein aus dem Geburtstagsbrief verschluckt und den Rest entsorgt oder wie ??! Das bleibt das Geheimnis der Post.

Wind.Mühlen.Flügel: Don Quijote im Kleinen Haus

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Auf den Flügeln der Fantasie

„Die Realität sind die Windmühlenflügel. Wir kämpfen alle dagegen, merken es nur nicht“, sagt Don Quijote. Kaum einer, der ihn nicht kennt, den Ritter von der traurigen Gestalt. Auch wenn man den dicken Wälzer nicht vollständig gelesen hat, gilt er als d e r Träumer und unverbesserliche Optimist und Weltverbesserer. War er ein Fantast, Depp oder Held oder beides?
Dem geht das Stück „Wind.Mühlen.Flügel.“, ein Rechercheprojekt frei nach Miguel Cervantes` berühmtem Roman „Don Quijote“ nach in einer Produktion der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Jeder der sechs Spielerinnen und Spieler hat seine eigene Version der Geschichte von Don Quijote in dieser witzig, poetisch und einfallsreich in Szene gesetzten Aufführung von Autor und Regisseur Tobias Rausch. Gemeinsam gehen sie auf die Suche nach den Don Quijotes unserer Zeit, musikalisch originell auf Blasinstrumenten von vier jungen Musikern begleitet.
Fantasie und Realität, Episoden aus dem Roman und persönliche Lebensgeschichten mischen sich ständig, wenn sie von ihren Träumen, Siegen und Niederlagen und Erfahrungen im Umgang damit erzählen. Spielkulisse ist ein Bibliotheksraum mit langen Tischen, auf denen sich Buchstaben drehen und bewegen heraus aus den Bücherregalen und später kleine Windmühlen, gebaut aus Pappbechern und Getränkedosen mit Flügeln aus Besteck, projiziert im Schattenriss auf einer Leinwand. Zwei adrette Bibliothekarinnen in weißen Kleidern und schwarzer Schleife sortieren, archivieren und verwalten streng auf Ordnung bedacht die Bände. Eine junge Frau gibt sich als Profigamerin mit Leidenschaft für Fantasyspiele zu erkennen, setzt sich mal eine Blechdose auf den Kopf und mal einen rosa käfigähnlichen Korb wie gefangen in ihren Fantasien. Eine andere Frau erzählt von ihrer Liebe zu Büchern und von Leuten, die sie nur hin und her tragen ohne eine Seite aufzuschlagen.

Früher waren Bücher eine Insel, eine Waffe, sagt Susanna Pervana, sie haben geflüstert, gezischelt und gestichelt. „Heute stehen Bücher vergessen herum, gibt es nur noch ein einziges Buch – Facebook“, sagt sie, die aus einem griechischen Dorf stammt und als Kind mit ihrer Mutter nach Deutschland kam. Sie fühlte sich manchmal allein gelassen und wie in Platons Höhle: „Du bist von Schatten umgeben und weißt nicht mehr, was die Realität ist. Doch unsere Fantasie sucht immer einen Weg durch diese dünne Schicht, die wir Realität nennen“, weiß sie inzwischen. Später schlüpft sie in die Rolle von Sancho Pansa, dem treuen Knappen von Don Quijote, der ihn immer wieder aus dem Schlamassel herausholt. Statt seiner Lanze bringt sie ihm erst mal einen Latte Macchiato, als er mit verwegener Miene und Metalldeckel auf dem Kopf und hohen Schaftstiefeln den Lesesaal stürmt, den Tisch erklimmt und von oben aus seinem Tagebuch liest, heitere, nachdenkliche und anstößige Notate.

Der skurrile wie tollkühne Don Quijote ist eine Paraderolle für Hans Kubach, der als ehemaliger Journalist mit brüchiger Stimme von den Irrungen und Wirrungen seines Lebens und der Wendezeit erzählt, als die Riesen zu Boden gingen, aber auch von übergroßem Liebeskummer und Alkoholzuspruch, der die Wirklichkeit verrückte. Einer wie Don Quijote hat es nicht leicht heute.
In einer Welt voll cooler Gewinnertypen und multimedial umgeben von Verschwörungstheorien, Gewalt und zerstörerischen Fantasien. „Vielleicht müssen wir alle auf kalten Entzug“, sagt Marco Tabor, der als Polizist Don Quijote verhört. Außerdem küsst er auf der Bühne Greta, die noch nie einen Jungen geküsst hat. Ähnlich wie Don Quijote seine unbekannte Geliebte Dulcinea anschmachtet, lebt ihr Traummann nur in ihrem Kopf.
Eine Frau wäre gern Meeresforscherin geworden, untersuchte später als Wissenschaftlerin Gewässer um schließlich zu beweisen, dass sie ihre These nicht beweisen kann. „Ich wollte raus in die Natur und jetzt arbeite ich nur noch mit Daten. Was uns wirklich fehlt, ist eine Resistenz gegen das Gefühl des Scheiterns“, sagt Claudia Seiler. Es sind ihre Ideen, Neugier, ihr Erfindungsgeist und Wagemut, die alle Spieler und ihre Geschichten mit Don Quijote gemeinsam haben. Wie viel vom Erzählten fiktiv oder echt ist, darf sich der Zuschauer selbst aussuchen und seine Fantasie spielen lassen. Viel Beifall.

Nächste Termine: 17.5., 20 Uhr; 5.6., 19 und 17.6., 20 Uhr

 

Neuer Gedichtband von Kerstin Becker: Biestmilch

Leseprobe aus dem Gedichtband „Biestmilch“ von Kerstin Becker, erschienen bei der editionAzur in Dresden. http://www.edition-azur.de

Weltraum

wir scharen uns
im Rücken der Fabrik
zum Mondrakete baun

wir schlagen uns
durch Dorntentakel
Wurzelkrallen Windenwürmer wir
raffen Holz
und ausrangierte Kästen aus Metall

wir stopfen Glas
faserwolle gegen Kosmoskälte
und Sternensplitter in lavede Wände

passt auf
die Fasern gehn beim Atmen in die Lungenblasen
schreit der Heizer aus dem schwarzen Fensterloch

Holunterbeeren sauen unsre Sachen blau
Brennesseln beißen unsre Beine bis zum Bauch
wir steuern unser Schiff mit Schrott
wir fülln mit hohlen Händen Pfützenbrühe
die schillert in den Tank der leckt

wir klotzen unsre Finger kriegen Risse
Motorbrummen mit dem Mund wir ziehen steile
steigende Spiralen in das All
bis wir verschmiert vom Diesseits
abgeschnitten in der Kapsel glühn

 

Eine ausführliche Besprechung zum Gedichtband von Kerstin Becker folgt.