Ausstellung „Unverzagt“ von Angela Hampel in der Galerie Mitte


„Im Eis“: Selbstbildnis von Angela Hampel. Zwei Engel vor dem Abflug, einer hält den anderen: Vor dem Bild steht Galeristin Karin Weber.

Wie Phönix aus der Asche

Eine Werkgruppe mit „Aschebildern“ zeigt die Künstlerin Angela Hampel erstmals in ihrer neuen Ausstellung „Unverzagt“ mit Malerei, Zeichnungen und Druckgrafik, die beeindruckend und berührend von Leben, Liebe, Tod und Vergänglichkeit erzählen in der Galerie Mitte.

Wie Phönix aus der Asche entsteigen weißgraue Figuren mit schattenhaften Gesichtern und fragiler, fast durchsichtiger Haut dem schwarzen Malgrund. Die Werkgruppe mit „Aschebildern“ ist erstmals zu sehen in der Ausstellung „Unverzagt“ mit Malerei, Zeichnungen und künstlerischer Druckgrafik von Angela Hampel in der Galerie Mitte, Striesener Str. 49 in Dresden (noch bis 10. Juni zu sehen).

Die Arbeiten sind in den letzten zwei Jahren entstanden. Versammelt sind Bilder mit Paaren., die sich halten oder mit Beeren beschenken, Selbstbildnisse, Frauen mit Tieren, Katze und Maus, Rabe, Fischen, Schlange und wilde Natur mit heulend sich umarmenden Wölfen und Raubkatzen. Das Selbstbildnis „Im Eis“ zeigt eine Frau mit Fellmütze inmitten einer Vogelschar, die sie schützen und wärmen vor der Kälte. Die Aschebilder beunruhigen und berühren mit ihren starken Hell-Dunkel-Kontrasten und ihrer zarten Verletzlichkeit. Mit Ruß und anderen Materialien hat sie auch schon gearbeitet. Das verbrannte Holz stammt von alten Apfelbäumen in ihrem Garten und war ihr zu schade, wegzuwerfen, erzählt Angela Hampel. So nahm sie die Asche zum Malen, verdünnt mit Zell-Leim. Das sei sehr arbeitsaufwendig, das Mischungsverhältnis muss stimmen, sonst zerfällt das Ganze. Sichtbar wird das Gezeichnete erst im Trocknungsprozess und ist damit auch künstlerisch reizvoll und überraschend.

„Asche entspricht auch der trüben Stimmung im Land, die Situation insgesamt sieht gerade mehr aschig aus“, sagt sie. Ihre Bilder spiegeln spannungsvoll die Gegensätze von Leben, Liebe, Tod und Vergänglichkeit. Schönes und Bedrohliches, Verführung und Verletzlichkeit, Sehnsucht nach Geborgenheit und Halt, Fressen und Gefressen werden nah beieinander. Neu ist eine vierteilige Figurengruppe „Der Querulant“ aus Schamotteton. Drei der kompakten Körper mit geschlossenen Augen liegen in eine Richtung ausgerichtet, einer liegt quer. Diese Arbeit nimmt ironisch den Herdentrieb und gleichgeschaltete Denkweisen auf`s Korn, so Angela Hampel.

Außerdem zeigt sie großformatige, farbkräftige figürliche Malerei. Wie das Bild „Das Schwein wird geschlachtet“, das über dem Sofa im Galerieraum hängt. Zwei Frauen halten auf der Leinwand die leidende, geschundene Kreatur.
Umgeben von zwei Landschaften, urig-stachligen Weiden und hohen, aufrecht am Hang stehenden Pappeln. Und ein großes Ölbild mit zwei Engeln, einer hält den anderen. Kräftige Flügel haben und brauchen sie in stürmischen, widrigen Zeiten. „Der Ausstellungstitel `Unverzagt` steht dafür, dass die Künstlerin weder links noch rechts schaut und immer ihren eigenen Weg gegangen ist. Ihre Arbeiten setzen sich immer mit geschlechterspezifischen, gesellschaftlichen Rollenzuweisungen von Männern und Frauen auseinander. Sie war und ist immer für eine Begegnung auf Augenhöhe“, sagt Galeristin Karin Weber (62). Sie kennt Angela Hampel seit 1984. Die 1956 in Räckelwitz geborene Künstlerin hat als Forstfacharbeiterin und Kraftfahrerin gearbeitet und studierte von 1977 bis 1982 an der Dresdner Kunsthochschule bei Prof. Jutta Damme und Dietmar Büttner. In diesem Jahr wurde Angela Hampel für ihr Schaffen mit dem Kunstpreis der Stadt Dresden 2023 ausgezeichnet, dotiert mit 7 000 Euro.

Ein Künstlergespräch mit ihr gibt es am 11. Mai, 19.30 Uhr in der Ausstellung  und zur Finissage am 9. Juni, 19.30 Uhr eine Lesung „Wechselhäcksel“ zwischen Róza Domascyna und Michael Wüstefeld.

Text + Fotos (lv)

Weitere Bilder folgen

Buchpremiere zum Essayband „Geist und Müll. Von Denkweisen in postnormalen Zeiten“ von Guillaume Paoli in der Volksbühne Berlin

Archäologie der verdrängten Einsichten

Am 30. März ist der Essayband »Geist und Müll. Von Denkweisen in postnormalen Zeiten« von Guillaume Paoli erschienen.
Die Buchpremiere findet statt am Mittwoch, den 10. Mai um 20 Uhr im Roten Salon der Volksbühne (Linienstraße 227, 10178 Berlin).
Guillaume Paoli wird seine Texte vorstellen und mit Alexander Karschnia (Theatermacher und -wissenschaftler) darüber sprechen.
Eintrittskarten sind noch hier zu erwerben.

Guillaume Paolis Plädoyer für einen aufgeklärten Katastrophismus ist zugleich ein wütendes Manifest gegen den Bullshit: »Geist und Müll« räumt auf mit den leeren Sprechblasen, die uns den Blick verstellen und das gemeinsame Handeln angesichts des menschengemachten Desasters unmöglich machen. Nicht nur das Unheil erscheint unwirklich, sondern auch und vor allem der Alltag. Deshalb ist es höchste Zeit, Unruhe in die Debatte zu bringen und über die Bedingungen der Möglichkeit des Denkens heute zu reflektieren. In den Texten des ermüdenden Fortschrittsglaubens der 1960er- und 1970er-Jahre stößt Paoli bereits auf alles, was es zum Verständnis der Situation braucht. Sein Essay wird so zugleich zu einer Archäologie verdrängter Einsichten, zum Prolegomena einer Wissenschaft vom Müll sowie zu einer rigorosen Verurteilung unserer Gegenwart.

Guillaume Paoli: Geist und Müll
Von Denkweisen in postnormalen Zeiten
Hardcover mit Schutzumschlag
268 Seiten | 22 Euro | Buch bestellen | Leseprobe
Auch als Ebook erhältlich

 

Guillaume Paoli, 1959 in Frankreich geboren, lebt in Berlin und war Mitbegründer der Glücklichen Arbeitslosen, deren Manifeste 2002 unter dem Titel Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche erschienen, sowie Hausphilosoph im Leipziger Theater. Für Matthes & Seitz Berlin veranstaltete er in den letzten Jahren eine Diskussionsreihe im Roten Salon der Berliner Volksbühne.

Foto: © Renate Koßmann

Leipziger Buchmesse: Großartiges Bücherfest & Die LeserInnen haben sich ihre Messe zurückerobert

UND WIE SIE GEFEHLT HAT!

274.000 Besucher:innen feierten die Literatur auf der Leipziger Buchmesse und dem Lesefest Leipzig liest

Es war ein großes Fest. Überall auf der Messe und in der Stadt war die Freude erlebbar: Die Leipziger Buchmesse ist zurück und mit ihr die Manga-Comic-Con und das Lesefest Leipzig liest. Ob bei den Preisverleihungen, Standeröffnungen oder Veranstaltungen – überall kam die Freude zum Ausdruck, nach drei Jahren endlich wieder die Messehallen öffnen und Lesebegeisterte wie Literaturschaffende nach Leipzig einladen zu können. 2.082 Aussteller:innen und Verlage aus 40 Ländern sowie mehr als 3.200 Mitwirkende aus aller Welt haben die vergangenen Tage und neuen Buchmesseformate wie die #buchbar, das Forum Offene Gesellschaft oder den JugendCampus UVERSE gestaltet.

Ob an den Verlagsständen, bei den Lesungen und Vorträgen, in den bunten Hallen der Manga-Comic-Con oder auch auf der Antiquariatsmesse und bei den 3.000 Veranstaltungen von Leipzig liest: Bücherfans, Schriftsteller:innen, Zeichner:innen, Verlagsvertreter:innen, Literaturkritiker:innen, Übersetzer:innen – alle, die Literatur bewegt und die Literatur bewegen, waren in dieser Woche in Leipzig zu Gast, um das Wort zu feiern und um die vergangenen drei Jahre nachzuholen.

„Ohne die Leipziger Buchmesse geht es nicht. Wie sehr sie allen gefehlt hat, zeigen die vielen emotionalen Worte, die in den vergangenen Tagen gefallen sind. Die Buchmesse war ein großes Fest der Literatur. Das zeigen die 274.000 Lesebegeisterten, die zur Leipziger Buchmesse und dem Lesefest Leipzig liest gekommen sind“, so Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe.

„Was für ein Comeback! Die Leipziger Buchmesse hat aufs Beste bewiesen, warum sie im Bücherfrühling unentbehrlich ist. Nach drei Jahren schmerzvoller Pause hat sie sich erneut als bedeutendes Forum für die Branche und öffentliche Bühne für Bücher und das Lesen gezeigt“, so Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Leipzig versprüht Buchbegeisterung an jeder Ecke – das ist so wichtig, um gerade junge Menschen ans Lesen heranzuführen. Die Branche hat die Messe zum intensiven Austausch genutzt und konnte zeigen, wie engagiert und selbstbewusst sie trotz wirtschaftlicher Herausforderungen ist. Hochaktuelle politische Debatten wechselten sich ab mit Bildungsworkshops und großem Cosplay-Wettbewerb – das spiegelt die unglaubliche Vielfalt des Buchmarkts wider, die elementar für unsere Gesellschaft ist und die es unbedingt zu erhalten gilt.“

„Die Leser:innen haben sich ihre Messe zurückerobert“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. „Die Branche ist begeistert, mit welcher Herzlichkeit und Entspanntheit das Bücherfest gefeiert wurde. Die Autor:innen sind glücklich, endlich wieder ihr Publikum persönlich getroffen zu haben. Der Schwung der letzten Tage gibt uns Rückenwind für alles Kommende.“

„meaoiswiamia“ – Gastland Österreich begeistert Tausende

„Das gemeinsame Wir“ steht auch im Zentrum des Auftritts des diesjährigen Gastlandes. Unter dem Motto „meaoiswiamia“ feierte Österreich die Vielfalt seiner Autor:innen, seiner Literatur und der Sprachen. Welche Vorteile es habe, mehrsprachig beziehungsweise mit mehreren Mundarten gleichzeitig aufzuwachsen, davon berichtete auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Buchmesse am Mittwochabend. Rund 200 Autor:innen aus Österreich kamen nach Leipzig, um am Gastlandstand, auf dem Messegelände sowie im Stadtgebiet bei rund 110 Veranstaltungen Einblicke in die österreichische Literatur und Kultur zu geben.

„Die Leipziger Buchmesse hat alle Vorstellungen übertroffen“, so Katja Gasser, künstlerische Leiterin des Gastlandauftritts. „Der größte Glücksmoment war, als zur Eröffnung unseres Gastlandstands kein Plätzchen frei blieb. Der Andrang, die Begeisterung, die übervollen Lesungen, das aufgeschlossene Publikum – einfach beglückend. Die Leute sind gern mit auf Entdeckungsreise gegangen, haben die 400 Quadratmeter ‚erwandert’ wie eine alpine Landschaft und sich auf Debatten eingelassen. Unsere Sprachskulptur ‚meaoiswiamia’ prägte die ganze Stadt. Gastland zu sein, ist eine große Verantwortung und ein Ereignis, das nachhallt – wie die gesamte Buchmesse. Deren Team hat in Leipzig wieder gezeigt, dass die Buchmesse ein gesellschaftlich relevanter Ort ist. Respekt!“

Zwischen den Zeilen, zwischen den Zeiten, über alle Grenzen

Die Partner des südosteuropäischen Literaturzusammenschlusses TRADUKI verstehen sich als Familie, die einander laut Nayden Todorov, dem Kulturminister Bulgariens, „zu besseren Nachbarn“ machen. Auf der TRADUKI-Kafana-Bühne und bei Veranstaltungen in der Stadt präsentierten sich mehr als 40 Autor:innen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien und Slowenien und feierten die vielschichtige lebendige Literatur ihrer Länder.

Vom Schreiben in einem Land, das nur noch Gegenwart kennt

Vier Tage des Erinnerns, des Weiterdenkens und Neu-Gestaltens – vor allem durch den offenen Dialog miteinander: Von Donnerstag bis Sonntag trafen sich Journalist:innen, Autor:innen, Illustrator:innen, Kulturschaffende und Übersetzer:innen am Ukraine-Stand, um über die Literatur eines Landes zu sprechen, das um seine Existenz kämpft. Das Programm wurde vom Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kunst- und Kulturmuseum Mystetskyi Arsenal (Art Arsenal), dem Ukrainischen Buchinstitut und dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen sowie der Bundeszentrale für politische Bildung umgesetzt. Finanziert wurde der Stand durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Goethe-Institut sowie die Leipziger Buchmesse.

Oden an starke Frauen – die Preisträger:innen des Leipziger Buchpreises

Für den Preis der Leipziger Buchmesse wurden 465 Werke eingereicht. Drei Autor:innen erhielten am Donnerstag in der Glashalle vor einem großen Auditorium die Auszeichnung der Jury: Dinçer Güçyeter in der Kategorie Belletristik für sein Familienporträt „Unser Deutschlandmärchen“, Regina Scheer in der Kategorie Sachbuch/Essayistik für ihre Biographik „Bittere Brunnen. Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution“ und Johanna Schwering in der Kategorie Übersetzung für ihre Übersetzung des Buches „Die Cousinen“ der argentinischen Schriftstellerin Aurora Venturini. Zahlreiche weitere Preisverleihungen wie der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, der Leipziger Lesekompass, der Alfred-Kerr-Preis, der Phantastikpreis Seraph, der Kurt-Wolff-Preis oder der Buchpreis Klimazukünfte 2050 würdigten ebenfalls herausragende Autor:innen und Verlage für ihre Arbeit.

Ein Iglu aus Luft, ein Forum für alle, mehr Raum für die Jugend – die neuen Buchmesseformate

Drei Jahre ohne Buchmesse bedeuten auch drei Jahre, in denen vieles angedacht, konzipiert und vorbereitet wurde, was diese Woche nun endlich erlebbar gemacht werden konnte. So schuf die neue #buchbar, der weiße luftgefüllte Quader, in der großen Messehalle eine Atmosphäre, die Autor:innen und Fans zum Bleiben einlud. Das Angebot, am „community table“ den 16 moderierten Tischgesprächen zu lauschen, wurde intensiv genutzt. Auch im neuen Forum Offene Gesellschaft trafen sich viele Menschen aller Altersklassen, um an den moderierten Publikumsdiskussionen teilzunehmen und konstruktive Fragen zu stellen. Die Gespräche waren sowohl kontroverser Natur, als beispielsweise Gerd Koenen und Harald Welzer mit Natascha Freundel über Deutschland, den Ukraine-Krieg und die Medien sprachen, aber auch informativ, als Daniela Sepeheri und Sanaz Azimipour über die feministische Revolution im Iran aufklärten. Sehr persönlich wurde es beim Bericht von Nava Ebrahimi und Tinashe Williamson über ihre Erfahrungen mit Rassismus und Identitätsfindung in der weißen Mehrheitsgesellschaft. Auch Fake News und Faktenchecks wurden von Bastian Schlange und David Schraven vom Correktiv Verlag thematisiert.

Das Ziel, Kinder fürs Lesen zu begeistern und ihnen den Stellenwert von Kultur und Demokratie zu vermitteln, hat der neue JugendCampus UVERSE in den vergangenen Tagen auf jeden Fall erreicht. Jugendliche, Eltern und ihre Kinder wie auch Schulklassen nahmen an den über 100 spannenden Workshops teil und erfuhren zum Beispiel mehr darüber, wie Kinderbücher entstehen, wie Algorithmen die mediale Wahrnehmung von Geschichte prägen, wie ihr eigener Körper funktioniert oder wie man sich in Gebärdensprache verständigt. Ein kunterbuntes Bild zeichnet das Finale der Buchhandelstour YOUR PLACE TO READ. Besucher:innen konnten ihre Lieblingsbuchhandlung an der Wand verewigen und kreierten damit eine Hommage an den stationären Buchhandel. 24 Stunden live von der Buchmesse berichtete erstmals buchmesse ON AIR – auf dem Leipziger Marktplatz und im Netz – und ermöglichte so allen Buchmessefans, die nicht nach Leipzig kommen konnten, dennoch dabei zu sein.

Endlich wieder vereint auf dem größten Lesefest Europas

Unter 3.000 Veranstaltungen fiel die Auswahl des persönlichen Programms bei Leipzig liest besonders schwer. Dazu trugen zahlreiche prominente Autor:innen bei wie Kirsten Boie, Jana Crämer, Ulrike Draesner, Sebastian Fitzek, Judith Hermann, Keri Kusabi, Maja Lunde, Teresa Präauer, Ralph Ruthe, David Safier, Helga Schubert, Brianna Wiest und Takis Würger. Auch Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., stellte gemeinsam mit Co-Autorin Helga Hirsch sein neues Buch vor und sprach auf der ZDF-Bühne mit Jo Schück darüber, wie in den letzten Jahren so manche Gewissheit über die Stabilität unserer Demokratie verloren gegangen sei. Für Begeisterung bei ihren Fans sorgten Musiker wie Dirk von Lowtzow, Roland Kaiser oder Frank Schöbel. Internationale Stimmen präsentierten auch die Niederlande & Flandern, Gastland des kommenden Jahres, oder Portugal, Gastland 2021 und 2022.

Buchmesse als Fachmesse und wichtiger Indikator für die Trends der Branche

Bei den über 100 Fachveranstaltungen brachten sich die Branchenvertreter:innen auf den neuesten Stand und nutzten die Gelegenheit zum Austausch untereinander. Die Preise, die im Rahmen der Buchmesse verliehen werden, dienen den Buchhändler:innen als wichtige Indikatoren, welche Themen, Genre und Autor:innen aktuell den Ton angeben. Teil des Fachprogramms ist traditionell auch die Leipziger Autor:innenrunde, bei der Schreibende im Speed-Dating-Format bei 66 Tischgesprächsrunden ihre Erfahrungen miteinander teilten und sich von Referent:innen wie Hanna Aden, Friedrich Ani oder Tom Bresemann Empfehlungen geben ließen, auf was Publizierende besonders achten sollten.

Zahlreiche Manga-Fans auf knapp 30.000 Quadratmetern

Viele der Manga-, Anime-, Comic- und Cosplay-Liebhaber:innen kamen in aufwendigen Kostümen, um beim Cosplay-Wettbewerb am Samstag anzutreten, und setzten auch in den anderen Buchmessehallen farbenfrohe Akzente. Das Angebot der rund 400 Aussteller:innen an Artworks, Dojinshis und Comics sowie Postern, Stickern, Buttons, KaKAO-Karten und Merchandiseartikeln sowie die über 100 Veranstaltungen, darunter Workshops mit Olschi oder Yunuyei, verstanden es, dass Publikum gut zu unterhalten. Ein besonderes Highlight stellten die Lesungen und Signierstunden mit Ehrengästen wie Todd Nauck, Arild Midthun, RJ Barker, Ben Aaronovitch, Peter Eickmeyer oder Nicolas Mahler dar.

Text: Julia Lücke/Pressesprecherin Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
www.preis-der-leipziger-buchmesse.de
https://blog.leipziger-buchmesse.de/

Unterwegs auf der Leipziger Buchmesse: Bettler auf dem Weg & Büchermenschen & Büchernarren mit Lust, Leidenschaft, Fantasie und Anspruch


Neue, spannende & wagemutige Bücher zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Utopie: Die Anwärter auf den Preis der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Sachbuch, Übersetzung und Belletristik.


Lesung & Gespräch mit Judith Herrmann aus ihrem neuen Buch „Wir hätten uns alles gesagt“, in dem es um verpasste Gelegenheiten, Kommunikation und Schreiben geht.


Viel Interesse & Aufmerksamkeit fand auch das Gespräch mit der russischen Dichterin Maria Stepanowa, die mit dem Preis der europäischen Verständigung zu Beginn der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde.


Vielfältige sächsische Bücherwelt: 20 Verlage, ausgezeichnet mit dem Sächsischen Verlagspreis 2022, sind auf der Leipziger Buchmesse vertreten und werden in einer Broschüre mit ihren kreativen, engagierten, identitätsstiftenden und zukunftsorientierten Buchangeboten vorgestellt. Die Bandbreite reicht von Romanen, Lyrik, Kinder- und Jugendbüchern, Hörbüchern, Sachtexten, sorbischer Literatur, theologischen Werken, afrikanischer Literatur, jüdischen Themen, sächsischer Geschichte, Kunsthistorie bis zu handgefertigten Bücherunikaten.


Der neue Preisträger der Leipziger Buchmesse für Belletristik steht fest: Dincer Gücyeter für sein Buch „Unser Deutschlandmärchen“, erschienen bei Mikrotext, in dem er ein „Familienporträt in kräftigen Farben zeichnet, eine wütende Suche nach einer eigenen Sprache und Heimat“, steht in der Broschüre mit den insgesamt 17 Nominierten für den Buchpreis. Gücyeter stammt aus einer anatolischen Familie und wurde 1979 in Nettetal in Deutschland geboren. Er ist Theatermacher, Lyriker, Herausgeber und Verleger. 2012 gründete er seinen Elif Verlag, den er bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit finanziert.


Vorliebe für Bücher mit Geschichte(n) und Kunst: Lars Skowronski ist Historiker und betreute während der Leipziger Buchmesse den Stand vom Verlag C & N Berlin und wirkt mit in dessen Projekten.


Besondere, schöne und unbequeme Bücher zur Geschichte in Europa & Kunstbücher und -projekte mit internationalen KünstlerInnen initiiert Verleger Ludwig Norz vom Verlag C & N Berlin.

Tierisch nachhaltige Bücher mit lustig, beflügelndem Maskottchen, dem Blaufußteufel, einem Vogel, der auf den Galapagos-Inseln zu Hause ist: Der CalmeMara Verlag aus Bielefeld fällt auf mit seinem Stand mit Meerrauschen, dem man im Liegestuhl lauschen kann und dazu liebe- und fantasievoll erzählte und illustrierte, wahre Tiergeschichten aus aller Welt entdecken und lesen. Toll auch: Ein Teil des Erlöses aus dem Bücherverkauf kommt den Tieren und sozialen Projekten im Bielefelder Begegnungs- und Gnadenhof Dorf Sentana zugute, in dem alte, kranke und verstoßene Tiere ein Zuhause finden.

Die Sehnsucht sich mitzuteilen und gesehen zu werden

Trubel im BücherReich der Leipziger Buchmesse vom ersten Tag am Donnerstag an. Noch bis Sonntag, von 10 bis 18 Uhr, lockt ein reichhaltiges Angebot mit vielen Neuerscheinungen und Entdeckungen für kleine und große Besucher. Doch wie erreicht man auch die Menschen, denen der Zugang zum Buch schwer fällt aus sozialen Gründen?

Große Vorfreude, erwartungsvolle Gesichter auf den Bahnsteigen. Der Zug setzt sich in Bewegung, irgendwie kommen alle mit und dann strömen alle hinaus, mitten hinein ins Abenteuer Leipziger Buchmesse. Jeder sieht und erlebt es auf seine eigene Weise. Lang vermisstes und zurück erobertes Terrain oder Neuland. Wo Bücher aufgeschlagen werden, werden Träume wahr, tun sich ganze Welten auf, scheint alles möglich. Wundervolles, Fantastisches, Schönes, Lebensfrohes, Erschreckendes, Bedenkliches nah beieinander. Es beginnt an der Endhaltestelle Richtung Messegelände, die auf einmal als Anfang oder Endstation Sehnsucht erscheint.

Während scharenweise Besucher schnurstracks zur Buchmesse eilen, geschäftig, neugierig und quirlig, Erwachsene und Schülergruppen, hat sich ausgerechnet dort am Ausgang des Bahnhofs ein Mann niedergelassen. Unter der Bahnhofsbrücke liegt er auf einer Decke und der Trubel geht buchstäblich an ihm vorbei. Vor ihm steht ein Teller mit ein paar Münzen. Keiner beachtet ihn und auch er scheint völlig in seiner Welt zu sein. Träumt oder dämmert vor sich hin. Was wäre, wenn er plötzlich ein Buch in die Hand bekäme?! Würde er es nehmen, hinein schauen und sich daran festhalten für einen Moment? Oder ist er nur auf die Münzen aus, weil gerade viele hier vorbeikommen?

Weiß er überhaupt, dass wieder Leipziger Buchmesse ist, das erste Mal seit drei Jahren nach der coronabedingten Pause? Wäre es möglich, auch Menschen wie ihm, die in Not und am Boden sind, nicht mehr weiterwissen und sich keine Eintrittskarte leisten können, den Zugang zur Welt der Bücher, die doch für alle gedacht ist, zu ermöglichen?

Das Angebot ist reichhaltig in den fünf Hallen, der Zuspruch auf die Lesungen und Andrang an den Ständen der Verlage, zumeist der größeren, publikumswirksamen, erfreulich und beachtlich. Die Verlockung groß, hier und da hängenzubleiben und eine Herausforderung, in der Fülle das für sich zu finden, was einen wirklich anspricht und nicht nur berieseln und unterhalten zu lassen vom großen, bunten Bücherreigen und den vielen Veranstaltungen. Um die Fülle der Möglichkeiten, fiktive und echte Wahrheiten und Wirklichkeit geht es auch im neuen Buch von Judith Herrmann „Wir hätten uns alles gesagt“ (erschienen im S. Fischer Verlag und auch als Hörbuch, von ihr selbst gelesen). Es ist ein „Hätte“ der verpassten Gelegenheiten, eine Situation, in die man nicht so schnell noch mal kommen wird. Ebenso wie die Schwierigkeit, im Gespräch auf einen Punkt zu kommen, sagte Judith Herrmann im Gespräch mit Moderator Carsten Tesch von MDRKultur. Es soll aber immer auch eine Leerstelle, eine Lücke, ein Geheimnis geben für die alleinige Wahrnehmung des Lesers. „Die Sehnsucht sich mitzuteilen und die Sehnsucht, sich zu verschweigen“, beides ist ihr wichtig beim Schreiben. „Ich bin froh, dass es kein finales Zufriedensein geben kann, sondern immer eine neue Sehnsucht. Wenn ich angekommen bin, will ich immer weiter.“

Die russische, in Berlin lebende Dichterin Maria Stepanowa wurde mit  dem diesjährigen Preis der europäischen Verständigung der Leipziger Buchmesse, dotiert mit 20 000 Euro ausgezeichnet für ihren Gedichtband „Mädchen ohne Kleider“. Sie gab einen Blick in ihre Poesiewerkstatt. Sie interessiere sich zeit ihres Lebens für große Fragen wie der Tod und was danach geschieht und der Krieg und was davor geschieht, sagte sie. Sie hat einen Appell unterschrieben, in dem ihre Landsleute aufgerufen werden, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden. „Die russische Poesie war immer geprägt zwischen Widerstand und dem Regime, dem Staat, der sich diese Stimme zu eigen machte oder Literaten wurden verbannt, wenn sie die Weltsprache der Poesie in ihren Texten sprachen“, so Stepanowa. Sie glaubt, dass der Krieg die Sprache komplett verändert. Gerade die russische, die voll sei mit Metaphern, Begriffen und Worten aus den Kriegen vieler Jahrhunderte, die nicht mehr verwendet werden können. Es entstehen immer wieder neue Bilder des Krieges und das sei heute buchstäblich explosiv. „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, sondern müssen handeln“, sagte sie unter dem Beifall der Zuhörer. Es gibt auch einen Buchstand mit Literatur aus der Ukraine gemeinsam mit Balkanländern. Gegenüber geht die Bücherreise nach Portugal, das letztes Jahr Gastland auf der – virtuellen – Buchmesse in Leipzig war. Ein Stück weiter ist neue Literatur aus Österreich zu entdecken, dem  diesjährigen Gastland der Buchmesse.

Es gab auch schöne, zufällige und überraschende, anspornende und anregende Begegnungen mit Büchermachern, Büchernarren, Kunst- und Poesieliebhabern und Verlegern, wie Ludwig Norz vom Verlag C & N Berlin und Wolfgang Allinger, Herausgeber des Literaturmagazins Wortschau und gleichnamigem Verlag aus Neustadt/Rheinland-Pfalz. Ein Blickfang am Buchstand des Verlages C & N Berlin sind die leuchtendfarbigen Bilder, Zeichnungen, Mischtechniken, Grafiken und unikaten Künstlerbücher, die bei Projekten des Vereins Fantom e.V. Berlin – einem Netzwerk für Kunst und Geschichte(n) mit internationalen Künstlern entstanden sind. Darunter Bilder von Oscar Castillo, einem mexikanischen, in Berlin lebenden Künstler. „Über den Verein haben wir außerdem eine enge Partnerschaft mit rumänischen Künstlern“, erzählt Verleger Ludwig Norz, dessen Urgroßvater bereits einen Verlag in Brüssel hatte. Norz wurde in Bukarest geboren. Ein Teil seiner Familie lebt in Südtitol. Zusammen mit einem Schulfreund, Constantin Chirita, dessen Vater einer der bekanntesten rumänischen Schriftsteller war, gründete Ludwig Norz den kleinen Verlag in Berlin.

Die ersten Texte wurden nach einem Historikertreffen vor 20 Jahren in Berlin publiziert, in denen es um den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen ging. Es sind ungewöhnliche, auch unbequeme, bewegende Bücher zu Themen der Geschichte, die sie beschäftigen und in Buchform herausbringen für die Nachwelt. Wie das Fotobuch „Nahaufnahme“ – über das Schicksal der Lebensborn-Kinder von deutschen Soldaten und norwegischen Frauen 1940 bis 1945, mit Porträts von Einar Bangsund und  Gedichten von Julia de Boor. Oder das Buch „Verwünscht geboren – Kriegskinder“ von Jean Paul Picaper, ein französischer Journalist, der die Schicksale von Kindern erzählt, die aus heimlichen Liebesbeziehungen zwischen Französinnen und deutschen Soldaten während der NS-Zeit in Frankreich stammen und nach ihren deutschen Vätern suchten. Ein bis zwei Bücher erscheinen im Jahr im Verlag C & N. Reiner David hat  hier ein Buch mit dem Titel „Reisen – Sammeln – Ordnen“ herausgebracht, in dem der Autor einen Überblick über die Geschichte und die Technik der Druckgraphik von 1510 bis 1870 gibt. Reiner David hat seine kleine Sammlung bei vielen Reisen, meist mit dem Boot, auf den Flohmärkten Europas zusammengetragen. Ein Buchexemplar mit den darin enthaltenen druckgrafischen Raritäten liegt auch im Kupferstichkabinett Berlin. „Wir sind Büchernarren im Verlag“, sagt Ludwig Norz, die neben dem Broterwerb etwa als Angestellter in einem Bundesarchiv ihrer Passion nachgehen. Die Bücher werden teils selbst finanziert von den Autoren wie das Buch mit Druckgrafiken von Reiner David. „Wir haben außerdem einen Freiraum für Kunst und Kultur in einem Haus angemietet, der Eigentümer ist sehr kulturaffin, in der Nähe vom Kudamm. Mit einer Galerie für Ausstellungen, Lesungen und einer Gästewohnung“, erzählt Norz. Eine neue Lesereihe unter dem Motto „Lebenswege“ organisiert Slavica Klimkowsky, eine Autorin. Im Programm stehen zeitgenössische Lyrik und Prosa ebenso wie Lesungen und Gespräche mit Zeitzeugen zu geschichtlichen Themen meist sonntags in der Galerie des Vereins Fantom e.V. auf der Hektorstraße 9 – 10 in Berlin. Das Projekt wird gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“. Diesen Sommer werden sieben Künstler aus verschiedenen Ländern zweieinhalb Monate lang, von Juli bis September, wieder gemeinsam arbeiten in der Galerie des Fantom e.V. Die letztes Jahr entstandenen Arbeiten zum Thema „Sensibilität“, darunter farbige Abdrücke von Händen, ihren Lebenslinien und Gesichter hängen auf langen Papierbahnen an der Wand am Buchmessestand.

Wer schon lange den Traum vom eigenen Buch hegt, findet ebenfalls Angebote und Anregungen auf der Leipziger Buchmesse. Zu warten, bis man entdeckt wird oder der passende Verlag einen findet, braucht großes Glück und ist eher selten. Man kann als AutorIn im Selbstverlag veröffentlichen oder einen Verlag suchen. Literareon ist ein Verlag für Autoren und aus München nach Leipzig gekommen. „Unser Verlag sieht sich als Dienstleister für Autoren, nach deren Ideen und Wünschen das Buch umgesetzt wird“, sagt Matthias Hoffmann, Geschäftsführer von Literareon im utzverlag. Er stellt seine Frühjahrsnovitäten 2023 vor. Darunter Romane, Erzählungen, Lyrik, Fantasy, Geschichts- und Reisebücher. Der Verlag bietet ein kostenloses Manuskriptgutachten, kümmert sich um Korrektorat, Lektorat und Buchgestaltung, Druck, Vertrieb und Marketing. Jedes Buch wird individuell kalkuliert, der Preis richtet sich nach dem Umfang des Manuskriptes und nach den gewünschten Leistungen.

Man bezahlt das Buch selbst – ab 2 – 3 000 Euro ohne Illustrationen geht es los. Seufz. Die wollen erst mal verdient sein als freie Journalistin! Da bräuchte ich schon einen großzügigen Mäzen oder andere Fördermöglichkeit für meinen ersehnten, ersten Lyrikband. Man behält als Autor die Urheberrechte und erhält den kompletten Verlagsgewinn aus dem Verkauf des Buches, so Hoffmann. Es gebe bei Literareon außerdem keine versteckten Kosten wie etwa bei Zuschuss-Verlagen, die eine Beteiligung an den Druckkosten von den Autoren verlangen und dort können sie auch nicht mehr mitbestimmen über die Herstellung, sondern der Verleger. Alle Serviceleistungen sind transparent und individuell kombinierbar. Bisher hat der Verlag Literarareon bereits mehreren hundert Autoren bei der Veröffentlichung ihres Buches hilfreich zur Seite gestanden, steht in dessen Flyer. Als Kostprobe gibt Matthias Hoffmann mir ein Buch mit dem Titel „Zweites Gesicht“, eine Anthologie mit Texten aus dem Kurzgeschichten-Wettbewerb 2023 des Verlages mit auf den Weg.

Mehr Text zum Buchmessen-Rundgang und Entdeckungen folgen.

Text + Fotos (lv)

In diesem Beitrag vorgestellte Verlage & wo sie zu finden sind auf der Leipziger Buchmesse:

Literareron im utzverlag:                      Halle 4, Stand A110
Verlag C & N Berlin:                             Halle 4, Stand D304
Calemara Verlag:                                 Halle 3, Stand B104
eta Verlag:                                          Halle 5, Stand E220
Mirabilis Verlag + Wortschau Verlag       Halle 5, Stand D210


Verleger mit viel Herzblut und Leidenschaft für gute Bücher und Herausgeber des Literaturmagazins „Wortschau“ mit Poesie & Kunst: Wolfgang Allinger vom Wortschau Verlag aus Neustadt/Rheinland-Pfalz. Er teilt sich einen Buchstand mit dem mit dem Sächsischen Verlagspreis 20022 ausgezeichneten Mirabilis Verlag, der in Klipphausen/Miltitz bei Meißen ansässig ist und den Barbara Miklaw seit 2011 betreibt. Sie hat ebenfalls eine Vorliebe für schön gestaltete, kunstvolle Bücher, Erzählungen und Romane, die oft mit Zeichnungen, Grafiken und Fotografien versehen ein besonderes Leseerlebnis bieten.


Glücklich im BücherReich: meinwortgarten.com Inhaberin Lilli Vostry hatte schöne, zufällige und inspirierende Begegnungen mit Büchermenschen, Kunst- und Poesieliebhabern und nahm Anregungen mit, um den Traum vom ersten, eigenen Gedicht-Band wahr werden zu lassen.

Leipziger Buchmesse: Der diesjährige Preisträger für Belletristik heißt Dincer Gücyeter für sein Buch „Unser Deutschlandmärchen“

Ausgezeichnet mit dem diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse: Dinçer Güçyeter, Regina Scheer und Johanna SchweringEndlich wieder Buchmesse – endlich wieder eine Preisverleihung mit applaudierenden Gästen in der Glashalle und glücklichen Preisträger:innen auf der großen Bühne, deren Freude über die Auszeichnung man sehen und erleben kann. Die siebenköpfige Jury kürte am Donnerstag in der Kategorie Belletristik Dinçer Güçyeter für sein Familienportrait „Unser Deutschlandmärchen“. Der Preis in der Kategorie Sachbuch/Essayistik ging an Regina Scheer für ihre teilnehmende Biographik „Bittere Brunnen. Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution“. In der Kategorie Übersetzung wurde Johanna Schwering für ihre Übersetzung des Buches „Die Cousinen“ der argentinischen Schriftstellerin Aurora Venturini geehrt. Die Leipziger Buchmesse lockt noch dieses Wochenende mit vielen Neuerscheinungen und Erlebnissen rund um`s Buch.

Kategorie Belletristik

Dinçer Güçyeter |Unser Deutschlandmärchen“ | mikrotext

Zur Begründung:

Traditionell wie innovativ queer erzählt, reißt einen diese Einwanderergeschichte mit ihrer Emotionalität und großen politischen Bedeutung von Anfang an mit. Der Roman blickt auf deutsche und europäische Verhältnisse, lässt die Worte zum Himmel fliegen, spart aber gleichzeitig die Demütigungen am Boden nicht aus. Dinçer Güçyeter fängt Geschichten mit einem Netz ein, das feiner gewebt ist als ein Schmetterlingskescher, kann schmerzliche Momente in komische verwandeln und hat uns mit „Unser Deutschlandmärchen“ einen mehrstimmigen Roman geschenkt, dessen poetischer Chor noch weiterklingen wird.

Der Autor:

Dinçer Güçyeter ist Theatermacher, Lyriker, Herausgeber und Verleger. 2012 gründete er den Elif Verlag mit dem Programmschwerpunkt Lyrik und finanziert diesen bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. 2017 erschienen im Elif Verlag „Aus Glut geschnitzt“ und 2021 „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“. 2022 wurde Güçyeter mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet.

Kategorie Sachbuch/Essayistik

Regina Scheer |Bittere Brunnen. Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution“ | Penguin Verlag

Zur Begründung:

Mit „Bittere Brunnen“ zeichnet Regina Scheer das außergewöhnliche wie exemplarische Leben von Hertha Gordon-Walcher nach und erzählt damit gleichzeitig eine Chronik der sozialistischen und feministischen Bewegungen im 20. Jahrhundert. „Bittere Brunnen“ geht dabei weit über eine gewöhnliche Biographie hinaus: Meisterlich und transparent verwebt die Autorin historische Recherchen mit persönlichen Erinnerungen. Geholfen hat ihr dabei ihr meisterliches Gedächtnis, mit dem sie Stück für Stück eine Sammlung erstellte. Dieses erzählende Sachbuch steht für große Offenheit im Umgang mit Brüchen, Ungereimtheiten und Leerstellen unseres Wissens um Lebensläufe – und ist eine genaue Dokumentation politischer Zusammenhänge, deren Spuren die Gegenwart prägen.

Die Autorin:

Regina Scheer arbeitet freiberuflich als Autorin und Herausgeberin. Sie veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte. Ihre ersten beiden Romane „Machandel“ (Knaus Verlag, 2014) und „Gott wohnt im Wedding“ (Penguin, 2019) waren große Publikumserfolge. Für „Machandel“ erhielt sie 2014 den Mara-Cassens-Preis.

Kategorie Übersetzung

Johanna Schwering | Aurora Venturini: „Die Cousinen“ | dtv

Zur Begründung:

Schmuddelliese – Worte, die wir längst vergessen glaubten – zaubert Schwering wieder ans Licht oder führt neue ein, die noch nie gehört auf Anhieb einleuchten: Stilletümpel. Ihre Worte schaffen Atmosphären und lassen uns den Geruch der Großstadt, das Ozon und die Orangenblüte aus den Buchseiten herausriechen. Schwerings Übersetzung nimmt die Unverschämtheiten des Originals mutig auf und folgt den eigentümlichen Grammatikregeln des Originals sowie seiner besonderen Härte und seinem sprühenden Witz. Ihr ist es mitzuverdanken, dass mit diesem fabelhaften Künstlerinnenroman erstmalig ein Buch der Argentinierin Aurora Venturini auf Deutsch vorliegt. Es mögen hoffentlich viele weitere, natürlich in der Übersetzung von Johanna Schwering, folgen.

Die Autorin:

Johanna Schwering arbeitet als freie Lektorin und Übersetzerin aus dem Spanischen und hat Lyrikbände von Maricela Guerrero und Legna Rodriguez Iglesias ins Deutsche übertragen. Ihre Übersetzung von Maricela Guerreros Gedichtband „Reibungen“ erhielt 2018 eine Lyrik-Empfehlung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und des Hauses für Poesie.

Über den Preis der Leipziger Buchmesse

Der Preis der Leipzig Buchmesse wird von einer siebenköpfigen Jury vergeben: Unter der Leitung von Insa Wilke haben Moritz Baßler, Anne-Dore Krohn, Andreas Platthaus, Maryam Aras, Shirin Sojitrawalla und Cornelia Geißler die Nominierten ausgewählt. Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Medienpartner ist das Kundenmagazin buchjournal, Deutschlandfunk Kultur und die WELT AM SONNTAG.

Text: Julia Lücke
Pressesprecherin der Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
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Manga-Comic-Con auf TikTok:
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Viele Facetten & Blicke von Frauen auf die Welt: Im Literaturkreis der Stadtbibliothek Radebeul-Ost im Kulturbahnhof bieten sie reichlich Gesprächsstoff


Schöne Landschaft & weiter Blick: Oben im Weinberg an der Spitzhaustreppe in Radebeul.

Weibliche Werte, die inneres Ankommen und Sich Entfalten unterstützen…
Darum geht es im Buch „Die Wiederentdeckung des Weiblichen“ von Marianne Williamson.

Literatur & Lebenswelten von Frauen stehen im Fokus der Runde um Katja Kulisch (Bildmitte), Gleichstellungsbeauftragte in Radebeul, in der Stadtbibliothek im Kulturbahnhof.

Weibliche Power aus
verschiedenen Blickwinkeln betrachtet

Um die Rolle der Frau in der Gesellschaft und was sie bewegen können, geht es in einem Literaturkreis, der Frauen und Männern offen steht, in der Stadtbibliothek Radebeul-Ost im Kulturbahnhof.

Der Buchtitel „Vagabundinnen“ auf dem Tisch deutet schon an. Hier hat sich
keine Frauenrunde zum Kaffeekränzchen, umgeben von schönen Bildern an den
Wänden verabredet. Die Nachmittagssonne scheint zum Fenster herein. Die Frauen blättern in den Büchern. „Vagabundinnen“ ist eins der bekanntesten feministischen Bücher von Christina Thürmer-Rohr, einer einflussreichen, modernen Denkerin und aktiven Mitstreiterin der Zweiten Frauenbewegung. Es erschien 1987. Das neue Buch der inzwischen 86-jährigen, in Berlin lebenden Autorin heißt „Fremdheiten und Freundschaften“ und blickt in feministischen Essays auf die Anfänge. Vorgestellt wurde dieses Buch von Andrea Siegert, die als Beraterin im Frauenzentrum „sowieso“ in Dresden arbeitet und in Radebeul wohnt, kürzlich im Literaturkreis in der Stadtbibliohek Radebeul-Ost im Kulturbahnhof.

Dort werden regelmäßig Bücher besprochen und diskutiert, die sich kritisch mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln auseinandersetzen. Den Literaturkreis veranstaltet die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Radebeul, Katja Kulisch. Seit September 2022 gibt es dieses Angebot, über Literatur  insbesondere von Frauen miteinander ins Gespräch zu kommen. „So etwas hat bisher gefehlt. Sonst verkommt Radebeul zur Schlafstadt“, sagt Susanne Tittes. Sie schreibt selbst Kurzgeschichten, feministische Science Fiction. Die Bandbreite reicht von Lea Ypsi und ihrem Buch „Frei“, Sachbüchern von Peter Modler über „horizontale und vertikale Kommunikationsformen“ zwischen Männern und Frauen bis zur Autobiografie von Erika Mann.

Sieben Frauen sitzen diesmal zusammen an dem langen Tisch, die meisten sind schon älter und haben bereits Enkel. Lisa Haufe ist noch jung, arbeitet als Buchhalterin und zum ersten Mal hier. Sie liest schon immer gern und hat nach der „Neopolitanischen Saga“ von Elena Ferrante über zwei sehr verschiedene Freundinnen auch Maxi Wanders Buch „Guten Morgen, du Schöne“ für sich entdeckt. „Mir gefällt ihre offene, ehrliche Sprache“, sagt sie und: „Alles ist politisch, auch das Private. Wie Männer und Frauen zusammenleben.“

„Es geht um verschiedene Sichtweisen, sonst wird die Welt zu einseitig. Wir brauchen sie bunt“, sagt Katja Kulisch. „Dazu gehört, das Andersdenkende auszuhalten, wenn es um die Grundwerte und Gerechtigkeit für alle Frauen geht.“ Wichtig sei daher, präsenter zu sein, in Gremien oder auf der Straße. Es sollten mehr Frauen in die Politik, findet sie. Um sich für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen in der Gesellschaft stark zu machen. Sie weiß aber auch, dass dies durch die Doppelbelastung immer noch vieler Frauen in Beruf und Familie, zusätzlich Haushalt und oft noch die alten Eltern pflegen oder ein Ehrenamt schwierig zu bewältigen ist.

Nach der Corona-Zeit gebe es auch viel nachzuholen an Kultur- und Freizeitangeboten, was auch in Stress ausarten kann, sagt eine Frau. Diesmal war ein ebenso anspruchsvoller wie spannender, differenzierter und auch streitbarer Rückblick auf die Frauenbewegung in der alten Bundesrepublik, ihre Ideen, Erfolge, Niederlagen, Irrtümer, Neubesinnung und aktuelle Entwicklungen des Feminismus in Deutschland aus dem neuen Essayband von Thürmer-Rohr zu hören. Es geht darin um das Grundgefühl, dass wir „in einer radikalen Bruch- oder Umbruchsituation leben in einer Welt, die aus den Fugen sei, mit vertieften sozialen Rissen, rechtsradikalen Entwicklungen, ungezähmten Hass- und Rauswerfparolen und Rückrufen einer geballten Männlichkeit.“

Da sei es eine paradoxe Herausforderung, sich mit einer Welt anzufreunden, die sich der Anfreundung entzieht. „Diese gleiche Welt braucht aber Menschen, die den Zerfall zum Anlass nehmen, um zu entscheiden, was zusammenzusetzen, was zu entsorgen, was neu zu finden ist“, so Thürmer-Rohr. „Es braucht einen Gegenwarts- und Zukunftselan, der vom menschlichen Handeln noch Neuanfänge erwartet, nicht nur Reparatur- und Wiederaufbauleistungen, die alte Zustände rekonstruieren wollen.“ Ihr Buch stellt viele Fragen und bietet viele Denkanstöße z.B. dazu, wie Fremdheit und Freundschaft sich bedingen, indem man das Andere und Verschiedene anerkennt, zu Freiheit, Selbstbestimmung, Unterschieden bis zur Aufhebung der Bipolarität der Geschlechter und dennoch eigenen Facetten und Sichtbarkeit von Weiblichkeit.

„Die Geschlechterdualität würde abgeschaffen, wenn das mit der Diversität weitergeht. Dann werden Frauen wieder unsichtbar“, gibt Susanne Tittes zu bedenken. Beim nächsten Literaturkreis am 15. Juni, 17 Uhr wird ein Buch über Frauen im Iran in der Stadtbibliothek in Radebeul vorgestellt. Die Runde ist übrigens für interessierte Frauen und Männer zum Austausch offen. Außerdem trifft sich ein Literaturkreis mit derzeit drei Frauen jeden ersten Dienstag von 14 bis 16 Uhr in der Bibliothek in Coswig. Interessierte können sich anmelden bei Katja Kulisch per mal an: gsb@radebeul oder  telefonisch unter 0351-8311 807.

Text + Fotos (lv)

Besondere Schätze: Leipziger Antiquariatsmesse dieses Jahr in den historischen Salles de Pologne in der Innenstadt

29. Leipziger Antiquariatsmesse mit exklusiven Exponaten 

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse öffnet auch die 29. Leipziger Antiquariatsmesse. 42 Aussteller:innen aus Deutschland,  Österreich und den Niederlanden präsentieren am 28. und 29. April seltene Exponate. Die Antiquariatsmesse findet in diesem Jahr in den historischen Salles de Pologne ihre Heimat – mitten in Leipzigs Innenstadt.

Kataloge, Grafiken, Briefe und historische Buchausgaben – unter den Exponaten der Antiquariatsmesse sind wieder besondere Schätze dabei. So bietet zum Beispiel das Münchener Antiquariat Zipprich den mit Originalgrafiken versehenen seltenen Katalog der 14. Ausstellung der Wiener Secession von 1902 an. Das Wiener Antiquariat Krikl präsentiert den Almanach der Wiener Werkstätte von 1911. Österreichische Autoren wie Arthur Schnitzler, Josef Roth, Robert Musil und Stefan Zweig werden von verschiedenen Antiquariaten in Erstausgaben bzw. Widmungsexemplaren vorgestellt. Beim Antiquariat Lenzen aus Düsseldorf findet sich neben moderner Grafik die extrem seltene Erstausgabe von Thomas Mann „Der Tod in Venedig“, erschienen 1912 in nur einhundert bibliophilen Exemplaren. Doch nicht nur die Kunst und Literatur des 20. Jahrhunderts ist vertreten. Das Antiquariat Florisatus aus Den Haag bietet zum Beispiel ein Manuskript über Festungsbau aus dem 17. Jahrhundert an. Am Stand des Bonner Antiquariats Antiquarius ist eine Sammlung von 43 Originalbriefen von Anna Amalia und Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach aus dem 18.Jahrhundert zu entdecken. Die jüngere DDR-Geschichte ist unter anderem beim Roten Antiquariat Berlin mit einem „vergessenen Aktenkoffer“ aus dem DDR Kulturministerium vertreten, der eine nie veröffentlichte Umfrage vom Anfang der 80er Jahre unter 287 prominenten und repräsentativen DDR-Bürgern über ihre Literaturvorlieben enthält und noch auf Auswertung wartet.

Alle Angebote sind erst ab Messebeginn verkäuflich. Wer schon vorab das Angebot begutachten will, kann dies im 140 Seiten umfassenden Katalog mit exklusiven Angeboten ausstellender Antiquariate tun. Ein Schwerpunkt des Kataloges ist dabei das diesjährige Gastland der Leipziger Buchmesse Österreich. Der Katalog kann schon vorab über mail@abooks.de bestellt oder auf der Internetseite der Antiquariatsmesse heruntergeladen werden.

Antiquariatsmesse beteiligt sich an Leipzig liest

Die offizielle Eröffnung der Antiquariatsmesse findet am 28. April, 14 Uhr statt. Einen Tag später, am 29. April, 11 Uhr, stellt der renommierte Mediziner und leidenschaftliche Bibliophile Josef Smolen sein neues Buch vor. Unter dem Titel „Fritzi Löw und die Buchkunst in Wien um 1900“ erfährt das Publikum Neuentdecktes zu Künstler:innen und Verlagen. Die Lesung findet in den Salles de Pollogne statt.

Die Antiquariatsmesse öffnet am Freitag, 28. April, zwischen 14 und 20 Uhr und am 29. April zwischen 10 und 19 Uhr. Tickets kosten 5 Euro und können vor Ort in den Salles de Pologne gekauft werden. Wer bereits ein Ticket der Leipziger Buchmesse hat, erhält kostenlosen Eintritt für die 29. Leipziger Antiquariatsmesse. Alle Infos unter www.leipziger-antiquariatsmesse-23.de.

Über die Leipziger Buchmesse
Die Leipziger Buchmesse ist der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser:innen, Autor:innen und Verlage. Sie präsentiert die Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends und zeigt neben junger deutschsprachiger Literatur auch Neues aus Mittel- und Osteuropa. Gastland der Leipziger Buchmesse 2023 ist Österreich. Durch die einzigartige Verbindung von Messe und „Leipzig liest“ – dem größten europäischen Lesefest – hat sich die Buchmesse zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Zur letzten Veranstaltung kamen 2.500 Aussteller:innen aus 46 Ländern und begeisterten auf dem Messegelände sowie in der gesamten Stadt 286.000 Besucher:innen. Die Leipziger Buchmesse wird durch NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Über die Leipziger Messe
Die Leipziger Messe gehört zu den zehn führenden deutschen Messegesellschaften und den Top 50 weltweit. Sie führt Veranstaltungen in Leipzig und an verschiedenen Standorten im In- und Ausland durch. Mit den fünf Tochtergesellschaften, dem Congress Center Leipzig (CCL) und der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig bildet die Leipziger Messe als umfassender Dienstleister die gesamte Kette des Veranstaltungsgeschäfts ab. Dank dieses Angebots kürten Kunden und Besucher die Leipziger Messe – zum neunten Mal in Folge – 2022 zum Service-Champion der Messebranche in Deutschlands größtem Service-Ranking. Der Messeplatz Leipzig umfasst eine Ausstellungsfläche von 111.900 m² und ein Freigelände von 70.000 m². Jährlich finden durchschnittlich 270 Veranstaltungen – Messen, Ausstellungen und Kongresse – statt. Als erste deutsche Messegesellschaft wurde Leipzig nach Green Globe Standards zertifiziert. Ein Leitmotiv des unternehmerischen Handelns der Leipziger Messe ist die Nachhaltigkeit.

Text: Julia Lücke/Leipziger Buchmesse

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Spannung vor der Buchpreisverleihung in Leipzig

465 Einreichungen für den Preis der Leipziger Buchmesse

Der Lesemarathon für die siebenköpfige Jury ist vorbei. 465 Werke aus 161 Verlagen wurden für den Preis der Leipziger Buchmesse eingereicht. In den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen wurden daraus am 23. März  je fünf Werke nominiert.

„Endlich sind die Listen da. Die Jury freut sich auf die Lektüren“, so Juryvorsitzende Insa Wilke. „Wir sind begeistert vom enormen Spektrum an Schreibweisen, Themen und auch dem Drang in allen drei Bereichen, die individuellen und gesellschaftlichen Denk-Räume offen zu halten. Im Sachbuchbereich vermissen wir erneut naturwissenschaftliche Titel, die offenbar weiterhin eher im angloamerikanischen Raum geschrieben werden, dafür bilden viele eingereichte Titel die notwendigen gesellschaftspolitischen Debatten ab, zum Beispiel um Vorstellungen von Freiheit und Gerechtigkeit.“

Zur Jury gehören neben Insa Wilke, Moritz Baßler, Anne-Dore Krohn, Andreas Platthaus, Shirin Sojitrawalla  – in diesem Jahr zum ersten Mal dabei – Maryam Aras und Cornelia Geißler. Die Jury gab am 23. März 2023 die Liste der Nominierten bekannt. Am 27. April, dem ersten Tag der Leipziger Buchmesse, werden um 16 Uhr die Preisträger:innen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung bekannt gegeben.

Der Preis der Leipziger Buchmesse ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Erstmals ist die WELT AM SONNTAG in diesem Jahr Medienpartner des Preises der Leipziger Buchmesse – gemeinsam mit dem buchjournal und Deutschlandfunk Kultur. Die Leipziger Buchmesse wird unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Text: Julia Lücke/Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
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Bücher-Frühling mit neuen Chancen & großen Herausforderungen für die Buchbranche

DIE BUCHBRANCHE ZUR LEIPZIGER BUCHMESSE: KULTURELLE VIELFALT ERHALTEN, LESEN UND DEMOKRATIE FÖRDERN

Umsatzplus im ersten Quartal 2023, aber Absätze im Langzeitvergleich rückläufig / Kleine Verlage wirtschaftlich unter Druck / Nationaler Leseplan gegen Defizite bei Lesekompetenz / Woche der Meinungsfreiheit vom 3. bis 10. Mai

Die Buchbranche geht selbstbewusst und engagiert in den Bücherfrühling. „Das Buch ist in der Gesellschaft weiterhin stark gefragt. Bücher bieten inspirierende Geschichten, verlässlich aufbereitete Informationen und Orientierung in komplexen Zeiten“, sagte Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels heute zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. Gleichzeitig stünden Branche und Gesellschaft vor Herausforderungen, die es anzupacken gelte. „Die unsichere Weltlage, die angespannte wirtschaftliche Situation und Defizite im Bildungssektor fordern Branche, Politik und Gesellschaft zum Handeln auf“, so Peter Kraus vom Cleff.

Die Umsätze auf dem Buchmarkt entwickeln sich im laufenden Jahr bislang positiv: Das erste Quartal schloss die Branche laut Media Control in den zentralen Vertriebswegen mit einem Umsatzplus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Allerdings ist die Zahl der verkauften Bücher im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 im ersten Quartal um 6 Prozent zurückgegangen. Zudem belasteten die Nachwirkungen der Pandemie und der anhaltende Kostendruck Verlage und Buchhandel weiterhin stark, so Kraus vom Cleff.

Verlage brauchen Förderung
Gerade kleine, unabhängige Verlage verzeichneten aktuell Einbußen und stießen wirtschaftlich an ihre Grenzen. Peter Kraus vom Cleff: „In der Pandemie waren eher die gut laufenden Titel gefragt, Titel abseits des Mainstreams hatten das Nachsehen. Zudem führt der Frequenzrückgang in den Städten zu geringeren Kontakten mit dem lokalen Buchhandel, der ein wichtiges Schaufenster für die Programme kleiner Verlage ist. Dabei prägen gerade die vielen Hundert kleinen Verlage essenziell die kulturelle Vielfalt sowie eine vielstimmige gesellschaftliche Debatte in unserem Land mit. Die von der Politik im Koalitionsvertrag versprochene Verlagsförderung wird daher immer dringender benötigt.“

Priorität für Leseförderung
Besorgniserregend seien auch die von Studien wiederholt bescheinigten Defizite bei der Lesekompetenz in Deutschland. „Leseförderung muss endlich in Politik, Wirtschaft und der gesamten Zivilgesellschaft höchste Priorität haben“, sagte Peter Kraus vom Cleff. „Als Gesellschaft mit wenigen eigenen Rohstoffen und besorgniserregendem Fachkräftemangel können wir es uns nicht leisten, Lesekompetenz links liegen zu lassen. Schließlich ist sie das Fundament für Bildung, Partizipation und Chancengleichheit. Gleichzeitig ist Lesen die Voraussetzung für Meinungsbildung und das Verständnis unterschiedlicher Perspektiven – und somit Grundlage unserer Demokratie. Gemeinsam mit der Stiftung Lesen treiben wir daher einen Nationalen Leseplan voran – ein klarer Fahrplan für die Leseförderung, der bundesweit umgesetzt werden soll.“

„Woche der Meinungsfreiheit“ für Demokratie, Vielfalt und Frieden
Mit großer Sorge blickt die Branche weiterhin in die Ukraine, wo Russland seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg fortführt. Peter Kraus vom Cleff: „Seit Kriegsausbruch unterstützen wir aktiv unsere Kolleg*innen und die Menschen in der Ukraine. Wir dürfen nicht müde werden, Hilfe zu leisten und uns für Demokratie und den Frieden einzusetzen. Die Entwicklungen in der Ukraine sind daher erneut ein Schwerpunkt unserer Woche der Meinungsfreiheit, die am 3. Mai beginnt. Bis zum 10. Mai laden wir wieder alle Bürger*innen ein, sich aktiv mit aktuellen politischen Themen, Debatten und demokratischen Werten auseinanderzusetzen.“

Programmtipps des Börsenvereins

DISKUSSION UND PRESSETERMIN I Auftakt der Woche der Meinungsfreiheit 2023 — „Die Deutschen, der Krieg und die Medien“
Donnerstag, 27.4., 12.30 Uhr I Forum Offene Gesellschaft, Halle 4, E101
Mit: Historiker Gerd Koenen und Soziologe Harald Welzer. Im Anschluss Interviewmöglichkeit mit den Diskutierenden sowie den Initiator*innen der Woche der Meinungsfreiheit.

DISKUSSION I Frühkindliche Leseförderung: Forderungen und Impulse aus der Praxis
Freitag, 28.4, 10.30 Uhr I Forum Bildung, Halle 2, A505

PREISVERLEIHUNG I Lesekünstler*in des Jahres 2023
Freitag, 28.4., 14 Uhr I Forum Kinder-Jugend-Bildung, Halle 3, A307

Karrieretag Buch und Medien für Nachwuchskräfte
Freitag, 28.4., ganztägig I Fachforum, Halle 5, D700

Frankfurt am Main I Leipzig, 26. April 2023

Text: Pressebüro Leipziger Buchmesse

Fest der Bücher: Die Leipziger Buchmesse lockt wieder mit viel Literatur live

ENDLICH. WIEDER. MORGEN ÖFFNET DIE LEIPZIGER BUCHMESSE

Nach drei Jahren Zwangspause kehrt die Leipziger Buchmesse mit dem Lesefest Leipzig liest und der Manga-Comic-Con zurück. Autor:innen, Zeichner:innen, Übersetzer:innen, Vertreter:innen der Verlage und Buchhändler:innen – und natürlich das Publikum: Sie alle freuen sich auf ein Fest der Literatur in Leipzig. Die Leipziger Buchmesse präsentiert dabei nicht nur mehr als 2.500 Veranstaltungen rund um die Novitäten des Frühjahrs, sondern auch zahlreiche neue Formate wie die #buchbar, das Forum Offene Gesellschaft oder den JugendCampus UVERSE. Im Fokus aller Begegnungen steht auch in diesem Jahr: das offene Wort für ein friedliches Miteinander.

2.000 Aussteller:innen aus 40 Ländern präsentieren die Novitäten des Frühjahrs. Für das Comeback des größten Lesefestes Europas lesen und diskutieren mehr als 3.200 Mitwirkende in 3.000 Veranstaltungen an 300 verschiedenen Orten auf dem Messegelände wie auch in der Stadt. „Die Leipziger Buchmesse hat gefehlt – der Branche und unserem Publikum. Die große Resonanz unserer Aussteller zeigt, dass Leipzig der Treffpunkt für die Buch- und Medienwelt im Frühjahr ist“, betont Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe. „Jetzt freuen wir uns alle darauf, einander wiederzusehen und das Lesen uneingeschränkt zusammen feiern zu können.

Was während der Pandemie nicht möglich war und gerade in Krisenzeiten so wichtig ist – der lebendige Austausch – in Leipzig wird er während der nächsten Tage intensiv gepflegt und zelebriert. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das geschriebene und gezeichnete Wort zu genießen. Gleichzeitig ist die Messe aber auch ein Ort der Diskussion, sei es über die vielfältigen Formen und Themen der Literatur, aber auch über die aktuellen Krisen und Wege aus ihnen heraus. Und vor allem bietet Leipzig eines: eine öffentliche Bühne für jene kritischen Stimmen, die in ihrer Heimat nicht gehört werden dürfen.

„Für mich besteht der Zauber der Buchmesse auch im glücklichen Zufall, diesen spontanen kleinen und großen Begegnungen, die für wundervolle Gespräche, Momente und Überraschungen sorgen“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. „Sich endlich wieder ins Literatur-Getümmel begeben zu können, zu sprechen, zu lachen und zu streiten, ehrliche, skeptische und hoffnungsvolle Stimmen laut werden zu lassen und über möglichst viele Grenzen bekannt zu machen – dafür bietet die Buchmesse einen einzigartigen Raum, der seinesgleichen sucht und geschützt und gestärkt werden muss.“

Von #buchbar bis UVERSE – die neuen Buchmesse-Formate

Spontane Zusammenkünfte ergeben sich ganz sicher an der neuen #buchbar in Halle 2, wo man ab morgen seine Lieblingsautor:innen auf einen Kaffee treffen und an moderierten Gesprächen teilnehmen kann. Das ebenfalls neue Forum Offene Gesellschaft bietet spannende Diskurse zu drängenden Themen wie Demokratie, Diskriminierung, Diversität, Integration, Krieg, Meinungsfreiheit und Menschenrechte.

Lust auf die Buchmesse macht seit März die Buchhandelstour YOUR PLACE TO READ, in deren Rahmen in vielen deutschen Buchhandlungen Lesungen stattgefunden haben. Während der Leipziger Buchmesse kann man nun in Halle 4 (Stand A101) seine Lieblingsbuchhandlung am Stand verewigen und so seinen persönlichen Lieblingsleseort promoten.

Leipzig liest: endlich wieder Lieblingsschriftsteller:innen treffen

Schreibende und Lesende ganz nah zusammenzubringen, dafür steht Leipzig liest inzwischen seit mehr als 30 Jahren. Nach der langen Durststrecke ist die Vorfreude enorm, Literatur nicht nur allein zu Hause, sondern auch wieder mit Gleichgesinnten erleben zu können. Die direkte Resonanz des Publikums ist für Autor:innen extrem wichtig, um so länger ist folglich auch die Liste derer, die sich zum größten Lesefest Europas angekündigt haben: von Ulrike Draesner, Ralph Ruthe, Gisa Pauly und Clemens Meyer über Emilia Roig, Jan Weiler und Helga Schubert bis hin zu Jörg Thadeusz, Takis Würger, Hengameh Yaghoobifarah und Angela Merkel – um nur ein paar Beispiele für die deutschsprachigen Vertreter:innen zu nennen. Das aktuelle Programm ist in der Buchmesse-App abrufbar sowie zu finden unter: https://www.leipziger-buchmesse.de/programm

Schlaglichter auf die wichtigsten Werke des Frühjahrs wirft der Preis der Leipziger Buchmesse. Er wird morgen, am 27. April um 16 Uhr in der Glashalle auf dem Messegelände in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung verliehen. Die Preisverleihung wird zudem auf der Website gestreamt.

Im Landeanflug auf Leipzig: prominente Bestseller-Autor:innen aus aller Welt

Mit Spannung werden in Leipzig insbesondere die internationalen Autor:innen erwartet – darunter zum Beispiel aus Österreich Robert Seethaler und Ursula Poznanski, Anneleen Van Offel aus Belgien, aus Rumänien Mircea Cărtărescu, Filip Gańczak aus Polen, die Briten RJ Barker und Ben Aaronovitch, Arild Midthun aus Norwegen, Todd Nauck aus den USA oder die selten in der Öffentlichkeit auftretende Japanerin Keri Kusabi.

„Meaoiswiamia“ lautet das Motto des diesjährigen Gastland-Projektes Österreich (Halle 4, Stand D201/E200), was so viel bedeutet wie „mehr als wir“ und deutlich machen will, wie groß die Vielfalt der Autor:innen ist, die Österreichs und damit Europas Literaturmarkt vertreten. Das Programm umfasst 110 Veranstaltungen, die von rund 60 Verlagen und circa 200 Autor:innen gestaltet werden. Wer erfahren möchte, wie Österreich schmeckt, kann bei der Meaoiswiamia-Menüwoche vom 24. bis 30. April im Café Grundmann täglich von 11:00 bis 22:00 Uhr in der Mahlmannstraße 16 in ein olfaktorisches und gustatorisches Abenteuer starten.

Literat:innen aus zehn Ländern, die sonst nur selten vereint auftreten, präsentieren sich auch am Traduki-Stand und auf der Bühne Traduki-Kafana (Halle 4, Stand D407). Zu hören sind mehr als 40 Autor:innen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien und Slowenien – darunter Ana Marwan, Mircea Cărtărescu, Lana Bastašić und Anja Zag Golob.

Erinnern – Weiterdenken – Neu gestalten. Mit diesem Zielgedanken öffnet auf der Leipziger Buchmesse der Ukraine-Stand (Halle 4, Stand D307). Das Programm am Ukraine-Stand vom Goethe-Institut wird in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kunst- und Kulturmuseum Mystetskyi Arsenal (Art Arsenal), dem Ukrainischen Buchinstitut und dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen sowie der Bundeszentrale für politische Bildung umgesetzt. Finanziert und organisiert wird er durch das Bundesministerium für Kultur und Medien, das Goethe-Institut sowie die Leipziger Buchmesse. Hier werden Themen behandelt wie die Erinnerungskultur und ihrer Instrumentalisierung unter Kriegsbedingungen, Facetten des Pazifismus, das Überleben der Institutionen, eine neue Perspektive auf Gerechtigkeit, Verschwörungstheorien und Informationssicherheit, Frauenrollen im Krieg sowie die Dekolonialisierung der Kunst.

In Vorbereitung auf ihre Teilnahme als Gastland 2024 bringen die Niederlande & Flandern (Halle 4, Stand C305) bereits dieses Jahr 21 Autor:innen und Illustrator:innen, einen Literaturwissenschaftler und eine Übersetzerin nach Leipzig mit. In 27 Veranstaltungen vermitteln sie an verschiedenen Orten auf der Messe und in Leipzig ebenfalls einen Vorgeschmack auf ihren Auftritt im nächsten Jahr.

Auch Portugal und die portugiesische Sprache, Gastland 2021/2022, sind Teil der diesjährigen Messe (Halle 4, Stand D300) und stellt nicht nur portugiesische Autor:innen vor, sondern die gesamte Bandbreite der Literatur in portugiesischer Sprache, in der sich Schriftsteller:innen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika ausdrücken.

Der diesjährige Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht an die russisch-jüdische Autorin Maria Stepanova für ihren Lyrikband „Mädchen ohne Kleider“. Die Verleihung findet heute, am 26. April, im Gewandhaus zu Leipzig statt. Die Gedichtzyklen führen eindrücklich vor, wie sich in aktuelle Poesie ein waches Geschichtsbewusstsein einschreibt.

Eine große Welt für die Jüngsten: der JugendCampus UVERSE

Kinder fürs Lesen begeistern – das ist seit jeher ein wichtiges Ziel der Messe. Und so finden auch in diesem Jahr zahlreiche Lesungen mit Kinderbuchautor:innen statt, bei denen die jüngsten Besucher neue Geschichten und die Köpfe dahinter entdecken, mit dabei sind unter anderem Kirsten Boie, Ralph Ruthe und Bernhard Hoëcker.

Neu in diesem Jahr ist die Kreativwerkstatt UVERSE in Halle 3. In den insgesamt 100 Workshops beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit Fragen der Demokratie, entwickeln eigene Texte, erleben und erfahren den Umgang mit Medien, lernen spielerisch Konflikte zu bestreiten und werden selbst zu kulturellen Akteuren auf dem Buchmesse-Parkett. Das UVERSE ist sowohl für Schulklassen als auch Familien geöffnet. Eine Anmeldung vorab ist nicht notwendig.

Die Stiftung Lesen zeichnet mit dem Lesekompass seit 2012 Neuerscheinungen im Kinder- und Jugendbereich aus, die besonders dazu geeignet sind, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern und ihre Lesekompetenz zu stärken. Dieses Jahr gibt es erstmals einen Schwerpunkt zum Thema Comic. Zur Leipziger Buchmesse werden die zehn besten Werke dieses Genres ausgezeichnet.

Farbenfroher Augenschmaus nicht nur für Fans – die Manga-Comic-Con

Um Comics und Manga dreht sich auch alles bei der wichtigsten deutschen Frühjahrsveranstaltung der Szene, der Manga-Comic-Con, die im Verbund mit der Leipziger Buchmesse stattfindet. Auf knapp 30.000 Quadratmetern in Halle 1 und erstmals auch in der halben Halle 3 erwarten rund 400 Aussteller:innen und über 200 Veranstaltungen Manga-, Anime-, Comic- und Cosplay-Liebhaber:innen. Zahlreiche Lesungen, Signierstunden, Workshops, Podiumsdiskussionen und Performances stehen an, bei denen man Ehrengäste wie Roger Langridge, Todd Nauck, Miguel Díaz Vizoso oder Keri Kusabi treffen kann. Wahre Fan-Liebe erlebt man auch beim Leipziger Cosplay Wettbewerb, wenn sich Besucher:innen in Ebenbilder ihrer fiktiven Held:innen verwandeln (am 29. April von 14:30 bis 16:30 Uhr auf der Großen Bühne in Halle 3, Stand G400; Siegerehrung von 17:30 bis 18:00 Uhr).

Beim Pen-and-Paper-Event „Die Bibliothek aus Obsidian“ am 28. April können die Zuschauer:innen, von 15:00 bis 17:00 Uhr auf der Großen Bühne in Halle 3 live miterleben, wie auf Grundlage des Regelwerks „Die Schwarze Katze“ eine spannende Geschichte erzählt wird. Das Event wird zusätzlich gestreamt. Zum Mitmachen laden auch verschiedene Workshops auf der Manga-Comic-Con sowie das Radioballett ein, eine interaktive und immersive Kunstperformance des Körperfunkkollektivs, bei der die Teilnehmenden via Kopfhörern Anweisungen befolgen und damit Teil des Stückes werden. Ein Stück dafür wurde eigens für die Manga-Comic-Con geschrieben. Das Radioballett findet an allen Messetagen statt – Donnerstag auf der großen Bühne in Halle 3, an allen anderen Tagen auf der Dance Area in Halle 1.

Wichtiger Treffpunkt für die Buchbranche und Impulsgeber für den Bildungsbereich

Über einhundert Fachveranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse richten sich gezielt an Branchenvertreter:innen. Für die Verlage, den Buchhandel und die schreibende Zunft bietet die Messe eine wichtige Orientierung – darunter insbesondere Auszeichnungen wie der Preis der Leipziger Buchmesse oder der Kurt-Wolff-Preis, der im Forum „Die Unabhängigen“, einem gemeinsamen Projekt der Leipziger Buchmesse und der Kurt Wolff Stiftung, für literarische Neuentdeckungen verliehen wird.

Neben ihrer Rolle als Fachmesse ist die Leipziger Buchmesse aber auch eine Bildungsmesse. Im Ausstellungsbereich Bildung in Halle 2 präsentieren sich knapp 80 Aussteller:innen. Das pädagogische Programm Fokus Bildung umfasst zahlreiche Veranstaltungen, unter anderem gebündelt im Forum Unterrichtspraxis (Verband Bildungsmedien), im Trendforum Bildung, im Forum Kinder-Jugend-Bildung und im Congress Center Leipzig (CCL). Lehrer:innen, Erzieher:innen und Pädagog:innen sowie Bibliothekar:innen, Buchhändler:innen aber auch interessierte Eltern und Schüler:innen können spannende Talks verfolgen oder auch neue Impulse für ihre tägliche Arbeit bekommen. Über die Kooperation der Leipziger Buchmesse mit dem Bundesverband Musikunterricht und MDR Klassik erhalten am Musiklehrer:innen-Tag am 28. April Musikpädagog:innen exklusive Impulse für ihren Unterricht und können diese in praktischen Einheiten direkt ausprobieren. Darüber hinaus bietet der Musikbereich an allen Messetagen innovative und kreative musikalische Angebote mit Verlagspräsentationen, Meisterwerkstätten für Holzblas-, Blechblas- und Streichinstrumente oder Lesungen und Konzerte im Musik-Café. Mit der Preisverleihung „Best Edition“ werden besondere Notenausgaben und Musikbücher erstmals auf der Leipziger Buchmesse gewürdigt. Ebenfalls am 28. April findet das didacta-Symposium zur frühkindlichen Bildung unter dem Titel „Kinder schützen – Prävention hat viele Gesichter“ statt. Von 10:30 bis 15:00 Uhr werden verschiedene Aspekte des frühkindlichen Alltags beleuchtet.

Natürlich ist die Leipziger Buchmesse aber vor allem auch eine Autor:innen-Messe. Ob Autor:innen klassischer und neuer Verlage, etablierte und Jungautor:innen, Self-Publisher:innen, Blogger:innen, Texter:innen oder Publizist:innen – alle sind eingeladen, bei der Leipziger Autor:innenrunde am 29. April im CCL, Saal 1, ihre Erfahrungen zu teilen und von den Referent:innen wichtige Tipps zu erhalten, auf was Publizierende aktuell besonders achten müssen.

Öffnungszeiten und Tickets

Die Leipziger Buchmesse im Verbund mit der Manga-Comic-Con sowie dem Lesefest Leipzig liest öffnet vom 27. bis 30. April. Tickets für Privat- und Fachbesucher:innen gibt es unter www.leipziger-buchmesse.de/tickets . Die Tickets gelten für den Veranstaltungsverbund der Leipziger Buchmesse und der Manga-Comic-Con. Das detaillierte Programm ist zu finden unter www.leipziger-buchmesse.de/programm oder in der Buchmesse-App (kostenlos downloadbar im App Store oder auf Google Play).

Die Höhepunkte der Messe lassen sich auch auf Facebook, Twitter und Instagram mitverfolgen sowie per Stream via Buchmesse ON AIR auf der Startseite der Leipziger Buchmesse und auf der großen LED-Wand in der Leipziger Innenstadt.

Über die Leipziger Buchmesse
Die Leipziger Buchmesse ist der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser:innen, Autor:innen und Verlage. Sie präsentiert die Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends und zeigt neben junger deutschsprachiger Literatur auch Neues aus Mittel- und Osteuropa. Gastland der Leipziger Buchmesse 2023 ist Österreich. Durch die einzigartige Verbindung von Messe und „Leipzig liest“ – dem größten europäischen Lesefest – hat sich die Buchmesse zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Zur letzten Veranstaltung kamen 2.500 Aussteller:innen aus 46 Ländern und begeisterten auf dem Messegelände sowie in der gesamten Stadt 286.000 Besucher:innen. Die Leipziger Buchmesse wird durch NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Text: Julia Lücke
Pressesprecherin der Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
www.leipziger-buchmesse.de/programm
www.preis-der-leipziger-buchmesse.de
https://blog.leipziger-buchmesse.de