Gedicht-Lesung „Der Kater beißt den Nutzen“ im Landhaus/Stadtmuseum Dresden

WortLust in Kettengedichten


Zur Lesung “ Der Kater beißt den Nutzen
“ von  Kettengedichten mit Manuela Bibrach, Silvio Colditz, Volker Sielaff, Patrick Wilden und Patrick Beck sind Neugierige herzlich eingeladen am Dienstag, den 1. November, 19.30 Uhr im Landhaus Dresden (Stadtmuseum, Städtische Galerie), Wilsdruffer Str. 2.


Das Kettengedicht ist eine uralte japanische Tradition. Ein Gemeinschaftsgedicht. Strenge Regeln. 36 Verse. Das Einfühlen in den vorigen Vers ist wichtiger und schwieriger als das Dichten des eigenen Verses. Denn, wie sagte schon Shinkei (1406 bis 1475): „Die eigene Strophe in überraschender Weise zu dichten, ist nicht so schwer, wie im Hören weit zu gelangen. Und so sollte es eine Kunst sein, nicht so sehr, Strophen zu dichten…“ (zitiert nach W. Naumann und G. S. Dombrady). Jetzt haben fünf Dichter versucht, den alten Spuren zu folgen, sich in die alten Regeln einzufühlen…

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden. Jetzt haben Manuela Bibrach, Silvio Colditz, Volker Sielaff, Patrick Wilden und Patrick Beck versucht, den alten Spuren zu folgen und sich in die Regeln einzufühlen

Anreise: Linien 1, 2, 3, 4, 7, 12, 62, 75 Pirnaischer Platz

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden. Das Projekt wurde gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e. V.

Die Lesung ist barrierefrei zugänglich.

Eintritt: frei!


Text: Patrick Beck

Internationales Pantomime Festival in Dresden: Geschichten mit Herz & Körper erzählt


Die Sprache der Liebenden: Mit Witz und Fantasie erzählt das Duo „Mangano Massip“ aus Frankreich im Stück „Les Aimants – die Liebenden“ spannende Beziehungsgeschichten. Foto: Veranstalter


Freude an der Improvisationskunst: Michael Meinel und Ralf Herzog, Pantomine uind Begründer des Internationalen Pantomime Festivals. Am 2. November, 19 Uhr findet im Theaterhaus Rudi, Fechnerstr. 2a in Dresden-Pieschen die Eröffnungs-Gala mit Künstlern aus Spanien, Frankreich und Indien statt, die Appetit machen auf ihre Vorstellungen. Foto: Ralf Menzel

Kopfkino für die Seele, und mit der Phantasie auf Reisen gehen


Beim 37. PantomimeTheaterFestival vom 2. bis 6. November ist die stille Kunst wieder in allen Spielarten eindrucksvoll zu erleben.


Kopfgesteuert und hochbeschleunigt – so fühlt sich für viele Menschen der Alltag an. Die Kunst der Pantomime bildet mit ihren vielen Facetten bewusst einen Gegenpol. Hier werden ohne Worte Geschichten erzählt, der Kopf geht auf Phantasiereise, die Seele gerät ins Baumeln und der Körper schaltet einen Gang herunter. Vom 2. bis zum 6. November kann man diese Kunst wieder kompakt und in vielen Spielarten erleben. Dann findet das 37. Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden statt und zeigt nonverbales Bewegungstheater auf hohem internationalem Niveau. Aus fünf Ländern reisen 27 Künstler an und laden von Mittwoch bis Sonntag im Theaterhaus Rudi zu neun Vorstellungen ein.

Zum ersten Mal ist eine Gruppe aus Indien zu Gast, außerdem sind Künstler aus Tschechien, Spanien und Frankreich dabei sowie die Gastgeber aus Deutschland, der Mimenstudio Dresden e.V., welcher das Festival wie bisher ehrenamtlich organisiert. Wie immer bietet das Festival ein breitgefächertes Spektrum des modernen Bewegungstheaters mit Elementen aus klassischer Pantomime, Theater, Tanz, Maskenspiel und Artistik. „Wir freuen uns auf
ein sehr internationales Festival auf hohem künstlerischen Niveau“, so Michael Meinel, Vorsitzender des Mimenstudio Dresden e.V. „Künstler aus Indien hatten wir bisher noch nicht im Programm. Auch die Familienvorstellung von Laterna Magika aus Prag ist etwas ganz Besonderes. Sie richtet sich an Kleinkinder zwischen 6 Monaten und drei Jahren und ist einfach zauberhaft.“

Neun Vorstellungen mit Künstlern aus fünf Ländern

Die Vorstellung des Pantomimen Carlos Martinez (ESP) kann man nur als Weltklasse bezeichnen. Der Spanier verzaubert sein Publikum seit über 40 Jahren meisterhaft mit weiß geschminktem Gesicht. Er wurde 2017 vom Verband „World Mime Organisation“ mit dem WMA-Award für seinen herausragenden Beitrag an der Kunst der Pantomime ausgezeichnet. Beim Festival erwartet die Zuschauer eine Auslese aus acht ausgereiften Bühnenprogrammen, die der Weltklasse-Pantomime im
Laufe seiner Karriere spielte. „Los Escultores del Aire“ aus Spanien erzählen eine berührende Geschichte um ein Ehepaar, vom Alltag, vom Streit, von einem Unfall – das ist getanzte Pantomime zu traumhaften Klängen.


Die Gruppe Mangano Massip aus Frankreich kann man in zwei Vorführungen erleben. In ihrem Stück „Les Aimants – die Liebenden“ greifen sie zum  Beispiel spannende Beziehungsgeschichten auf und lassen sie auf ihre eigene tänzerische Art in den Köpfen der Zuschauer entstehen. In „Alice in the Wonderbox“ verschmelzen gestisches Theater und Masken, Marionette und digitale Kunst.  Sara Mangano und Pierre-Yves Massip lernten sich übrigens 1994 in der Pantomimenschule von Marcel Marceau kennen.

Das Kanglei Mime Theatre aus Indien wird eine Episode aus einem historischen Epos interpretieren und entführt auch dank der farbenprächtigen Kostüme und exotischen Klänge in eine andere Kultur und Zeit. Das neunköpfige Ensemble wird durch drei Musiker begleitet und anlässlich des 75. Jahrestages der Unabhängigkeit Indiens zum Festival nach Dresden delegiert. Stammgäste des Festivals können sich wieder auf die Improvisationsshow mit dem Gründer des Festivals Ralf Herzog und dem Mimenstudio Dresden freuen. Dazu sind die Gastkünstler des Festivals eingeladen, spontan mitzuwirken. Ralf Herzog ist ein Meister der Improvisationskunst und gibt sein Können nach wie vor jeden Dienstag im Projekttheater im Training weiter. Interessierte
sind zum Schnuppern herzlich eingeladen.

Die Kindervorstellung von Laterna Magika aus Prag für die Allerkleinsten steht am Sonntag sogar zweimal auf dem Programm. Hier sind Babys und Kleinkinder im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren willkommen und werden nach einem faszinierenden Konzept in das Geschehen auf der Bühne eingebunden. Dieses Stück wird erstmals außerhalb des tschechischen Nationaltheaters gezeigt, wo Laterna Magika ihr Zuhause haben. Es lebt von der Verbindung von Film, Tanz, Pantomime und Theater und bringt die Kleinsten spielerisch auf zauberhafte Weise zum Staunen und Agieren.

Den Auftakt des Festivals bildet am 2. November eine Eröffnungsgala, bei der die bereits angereisten Künstler aus Spanien und Frankreich unter anderem Ausschnitte aus ihren Programmen zeigen. Außerdem fließen die Ergebnisse eines Workshops ein, der vorgelagert zum Festival am 29. und 30. September im Projekttheater stattfand. Beim Festival werden zwei weitere Workshops angeboten, die sich an theateraffine Laien ebenso wie an Fortgeschrittene richten und zwischen 1,5 und 2 Stunden umfassen. Auch sie finden im Projekttheater auf der Louisenstraße statt.
Workshops sind fester Bestandteil des Festivals und richten sich an jedermann
„Workshops sind seit Gründung des Festivals vor 37 Jahren ein fester Bestandteil des Festivals“, betont Michael Meinel. „Uns geht es um den Austausch der Mimen, um die Weiterentwicklung des Bewegungstheaters und wir laden Interessiere mit und ohne Vorkenntnisse herzlich ein dabei sein. Hier bekommt man einen tollen Einblick, wie man Geschichten mit Mimik und Körper erzählt.“

Am 6.11. kann man zwei Workshops über 90 – 120 Minuten für 15 bzw. 10 Euro besuchen. Von 11 bis 13 Uhr arbeitet die Companie Mangano aus Frankreich mit den Teilnehmern am körperlichen Ausdruck beim Spiel und an der Bewegungsanalyse. Ihr Ziel besteht darin, die ganze Bandbreite des körperlichen Ausdrucks eines Schauspielers, die Nuancen der Bewegung und die dramatische Geste zu entdecken.

Von 13.30 Uhr bis 15 Uhr lädt der weltberühmte Pantomime Carlos Martinez aus Barcelona für 90 Minuten in seine Masterclass. Empfohlenes Mindestalter ist 18 Jahre, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. In seinem Workshop vermittelt er eindrücklich, wie das Zusammenspiel von Körper (Händen und Füßen) und Gesicht in der Pantomime erfolgt und wie Charaktere, Situationen und Gefühle
schrittweise sichtbar werden.

Karten für die Vorstellungen gibt es bei SAX-Ticket (saxticket.de), Reservix und an allen Vorverkaufskassen, die mit Reservix zusammenarbeiten.
Eintrittspreise: Vorverkauf 17,70 €, ermäßigt 14,40 €
Restkarten an der Abendkasse: 20,00 €, ermäßigt 15,00 €
Für die Workshops am 6.11. (Teilnahme 15,00 €, ermäßigt 10,00 €) kann man sich
unter info@mimedresden.de und Telefon 0151/55619899 anmelden.

Text: Sabine Mutschke

Premiere „Harold und Maude“ in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Ein Paar wie Feuer und Wasser

Schwarzhumorig und emotionsreich prallen Träume, Erwartungen und unterschiedliche Lebensvorstellungen aufeinander in der bezaubernden, schmerzlich schönen Liebesgeschichte „Harold und Maude“. Die Komödie von Colin Higgins hatte am Sonnabend Premiere in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Ein Mann und eine Frau. Sie treffen und verlieben sich ineinander in einer Kirche, auf dem Friedhof. Für ihn ist es die erste Liebe, für sie die letzte.  Dass sie sich überhaupt kennenlernen und näher kommen, ist schon ein Wunder für sich. Nicht nur wegen des großen Altersunterschiedes. Er ist 19, sie 79 Jahre alt. Der junge Mann hat schon über ein Dutzend Selbstmordversuche hinter sich, anscheinend eine Vorliebe für Morbides und kommt doch immer wieder irgendwie davon. Maude hingegen ist lebensfroh, lacht viel und geht gern zu Beerdigungen, weil es sie so aufmuntert, der große Kreislauf des Lebens. Eines Tages stolpert sie buchstäblich in sein Leben mit ihren hohen Pumps, sie trägt ein eidechsengrünes Kleid, setzt sich auf seinen Schoß und bietet ihm Nüsse an.

Eine ungewöhnliche, ebenso schöne, bezaubernde wie schmerzliche Liebesgeschichte erzählt „Harold und Maude“. Die Komödie von Colin Higgins nach dem gleichnamigen Kinofilm hatte in der deutschen Übersetzung von Udo Birckholz am Sonnabend Premiere in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Der Theaterraum war erfreulich voll, nicht selbstverständlich in diesen Zeiten. Vielleicht lag es auch an dem reizvoll anstößigen Thema. Als der Film „Harold und Maude“ des jungen Drehbuchautors Colin Higgins 1971 in die Kinos kam, fiel der später zum Kultfilm avancierte Streifen bei Kritikern und Zuschauern gleichermaßen durch. Auch heute noch wird eine Beziehung zwischen einem jungen Mann und einer älteren Frau gesellschaftlich eher anrüchig betrachtet, während die Konstellation älterer Mann – junge Frau für den erfolgreichen, sexy Lebemann spricht, der sich alles leisten kann. Wo die Liebe hinfällt, könnte man meinen. Doch ganz zufällig ist dies wohl doch nicht.

Es geht nicht nur, aber auch um Doppelmoral zwischen den Geschlechtern in diesem Stück, was Männer und Frauen dürfen, sich herausnehmen, wenn sie individuell und selbstbestimmt leben möchten und wie die Gesellschaft damit umgeht. Es geht auch um Erwartungen an sich und andere, um verschiedene Lebensvorstellungen, verdrängte Bedürfnisse und Konflikte, die eskalieren. Das ist sehr schwarzhumorig und kontrastreich, berührend und beklemmend inszeniert im Wechsel von Schauspiel und Videobildern, begleitet von mal traurig melancholischen, sanften, mal düster rockigen und punkigen, eingespielten Songs unter Regie von Sandra Maria Huimann. Die Bühnenwand ist weiß, steril gekachelt, davor weiße, kantige Sitzbänke. Um so mehr heben sich die schrill bunt gekleideten und gebärdenden Figuren ab und auch das viele Kunstblut spritzt effektvoller vor reinweißer Kulisse.

Nur Harold (trotzig lebensverweigernd: Felix Lydike) trägt immer schwarz und erschreckt seine Mutter (kühl-unnahbar: Julia Rani), die ihm immer neue junge Damen von Datingplattformen vorstellt – witzig und wandlungsfreudig gespielt von Tammy Girke –  und sich unbeeindruckt von den Selbstverletzungen ihres Sohnes zeigt. Mehr besorgt um ihre eigenen Nerven und Wohl konsultiert sie den Arzt Dr. Mathews inklusive Flirts. Den spielt Matthias Avemarg eitel, salopp und selbstgefällig, worin er Harolds Mutter sehr ähnelt. Außerdem schlüpft er in die Rolle des beflissenen Pater Finnegan, der meint Maude und ihr Körper sei „zu alt“ für Liebe und Kinder könne sie auch keine mehr bekommen.. Und er gibt den zackigen General, der den Krieg als großes Abenteuer für Männlichkeitstugenden glorifiziert und dem der so naive wie todesmutige Harold gerade recht kommt als Soldat für die Armee.

Immer greller, grotesker und gewaltsamer, bis an die Grenze des Erträglichen, werden Harolds Selbstmordversuche, mit denen er die Aufmerksamkeit seiner Mutter erreichen will, bedroht und mit Blut befleckt werden auch die als Freundinnen vorsprechenden jungen Frauen. Da hat er sich scheinbar erhängt im Türrahmen, im nächsten Moment schaut sein Kopf heraus aus einem Servierwagen, wie ein Stück Fleisch, garniert mit Salatblättern. In grusligen Videoaufnahmen hält er sich ein Messer an die Kehle, aus dem Blut kocht er Tomatensoße, schminkt sich eine blutige Schusswunde ins Gesicht oder liegt blutüberströmt in der Badewanne. Die Videos teilt Harold über die Sozialen Medien mit der ganzen Welt, zur Abschreckung oder um Aufmerksamkeit zu erregen. Absurder Höhepunkt der Gewaltserie ist eine Bombenexplosion, bei der die weiße Wand auseinander bricht und die Rauchschwaden bis ins Publikum ziehen. Und Harold steht unbeschadet auf und verschwindet hinter der Leinwand.

Auf dem Friedhof hilft er Maude (voller Lebensfreude und Gelassenheit: Anke Teickner) mit einer Schubkarre ein Bäumchen zu transportieren, das sie einpflanzen will. Prompt gibt es Ärger. Eine Friedhofsgärtnerin (Julia Vince in mehreren Rollen auch als rabiater Inspektor und Blut weg putzende Haushälterin Marie) fährt sie grob an, das sei ihre Karre, fragt nach der Genehmigung, schließlich könne hier nicht jeder einfach so ein Loch in die Erde buddeln. Maude fährt prompt mit dem Auto des Paters samt Bäumchen davon und stimmt übermütig „Highway to Hell“ von AC/DC an. Herrlich! Mit Besitz nimmt sie es nicht so streng: „Kein Mensch besitzt wirklich etwas. Wir kommen mit nichts auf die Welt und wir verlassen sie mit nichts.“ Maude nimmt das Leben leicht, sie hat viel von der Welt gesehen und erlebt. Sie ist offen, freigiebig, mal fröhlich vergnügt wie ein Kind, mal lebensweise, herzlich und gütig. Ihre Welt ist so anders als seine. Durch sie wird Harold für das Leben mit allen Sinnen empfänglich und lernt sich selbst neu kennen.

Ein Vorhang aus bunten Bändern am Eingang zu ihrer Wohnung, eine Schaukel aus Ästen, ein Geräusch von einer Robbe aus dem Zoo, die sie am Meer freilassen, fantasievolle Installationen aus Bilderstapeln und eine Skulptur aus Kuscheltieren zum Anfassen und wie in einer flauschigen Höhle verschwinden und vieles mehr erfährt Harold durch Maude. Sie hört ihm zu, wie es anfing mit seinen Selbstverletzungen. Eigentlich wäre er gern ganz normal. Eine von den Blumen, die alle gleich aussehen. Das sind sie nicht, jede Blume ist anders, zeigt ihm Maude, größer, kleiner, mehr nach links oder rechts gerichtet.

Harold und Maude finden zueinander, halten sich gegenseitig und sind sich nahe, egal was die anderen sagen. Sie klettern die Leiter hoch auf`s Dach, Maude breitet die Arme aus wie Flügel und Harold überwindet seine Angst vor dem Fallen. Sie tanzen, umarmen sich, gehen Hand in Hand als Liebespaar ins Haus, ihre Körper innig aneinander geschmiegt im Halbdunkel. In Videobildern sieht man ihre kirschroten Lippen und ihn erstmals lächeln. Sie feiern zusammen ihren 80. Geburtstag und Harold schenkt Maude einen Ring und macht ihr einen Heiratsantrag. Sie trägt ein rotes Kleid, lange offene, weiße Haare und strahlt mädchenhaft schön. Um Mitternacht wird sie fortgehen. Maude entscheidet selbst, wann sie geht, in dem Moment als sie am glücklichsten ist. Harold weint, wütet, tobt. Er will sie nicht verlieren, doch durch Maude hat er die Liebe gefunden, weiß nun, wie sie sich anfühlt. Ihr gemeinsames Lied mit ihrer Stimme auf dem Rekorder hört und singt er weiter. Es ist Erinnerung, Traum und Wirklichkeit zugleich. Reichlich Beifall gab es für einen emotionsreichen Theaterabend, der mit seinen schönen und ergreifenden Momenten am Ende die drastischen gewaltvollen Szenen verblassen lässt, da die Liebe zum Leben stärker ist.

Text (lv)

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

Besondere Kunst-Oase nahe der Weinberge: Die Galerie mit Weitblick in Radebeul feiert 10-jähriges Bestehen


Helle Ausstellungsräume mit weitem Blick ins Freie & ein farbenfroh fantasiereiches Universum an Bildern und anderen originellen Dingen zum Staunen, Schmunzeln und Freude bereiten und nicht zu vergessen die kleine, feine Auswahl an Büchern aus dem NotSchriften-Verlag Radebeul und die gemütliche Sitzecke mit Kaminofen: Das alles macht die Galerie von Dorothee Kuhbandner besonders und anziehend für die BesucherInnen, darunter oft Touristen, die das kulturelle Kleinod unterhalb der Radebeuler Weinberge meist zufällig entdecken und um so erfreuter sind darüber. Herzlichen Glückwunsch zum Galeriejubiläum und noch viele weitere Jahre und viele interessierte und kauffreudige BesucherInnen!

Farbreiches Universum mit morbidem Charme

Die Galerie mit Weitblick in Radebeul von Dorothee Kuhbandner feiert am Sonntag, dem 30. Oktober ihr zehnjähriges Jubiläum. Das Angebot kommt gut an und der Langmut macht sich allmählich bezahlt.

Eine Frau im Kleid und mit Regenschirm springt übermütig barfuß über eine Pfütze. Einmal in leuchtenden Farbtönen und in schwarz-weiß. Die Bilder sind
ganz neu und Dorothee Kuhbandner nahm sie mit zum Meißner Grafikmarkt am vergangenen Wochenende. Außerdem ist sie mit ihren Arbeiten beim 44. Radebeuler Grafikmarkt am 6. November dabei. Die Wände strahlen in frischem Weiß wie der Fußboden in ihrer „bunten Stube“, wie sie den Raum nennt, in dem ihre eigenen Bilder hängen. „Dorealismus“ nennt sie dieses farbenfroh fantasiereiche Universum in ihrem unverkennbar eigenen Stil. Luftiger, weiter und klarer wirkt der Raum jetzt. In einer Ecke steht immer noch der kleine Kaminofen, Sessel, Tisch und Stühle für Gäste bereit. Und das hereinfallende Sonnenlicht lässt ihre ohnehin farbreichen Bilder noch mehr leuchten. In weiteren zwei Räumen zeigt Dorothee Kuhbandner die Werke anderer Künstlerinnen und Künstler in wechselnden Ausstellungen in der Galerie mit Weitblick auf der Oberen Bergstraße 13 in Radebeul.

Sie wohnt mit ihrer Familie gegenüber, sah das seit einigen Jahren leer stehende Gebäude. Unten befand sich ehemals ein Pferdestall und oben eine Wohnung. Dort wäre eine Gelegenheit, ihre eigenen Sachen zu zeigen und anzubieten, dachte sie sich und fragte den Vermieter nach einer neuen Nutzung der Räume. Seit nunmehr zehn Jahren betreibt Dorothee Kuhbandner hier nun ihre eigene Galerie. „Es ist immer wieder Neues zu sehen, damit es den Radebeulern nicht langweilig wird“, sagt sie schmunzelnd. Das Treppenhaus ist noch nicht renoviert und besitzt morbiden Charme. „Die Leute mögen es, jetzt bleibt es so“, sagt sie. Der Mietvertrag werde alle zwei Jahre verlängert und es sei nie sicher, ob sie drin bleiben darf. Dennoch ist sie froh über diese Möglichkeit und der Vermieter weiß, dass sie das Gebäude warm hält.

Inzwischen ist in der Galerie mit Weitblick bereits die 24. Ausstellung zu sehen, derzeit mit Malerei, Zeichnungen und Keramik von Michael Horwath. Die Laudatios zur Eröffnung hält meist der bekannte Radebeuler Autor und Kunstfreund Thomas Gerlach aus Freundschaft zur Galerie. Musik, Getränke und Schnittchen gibt es immer gratis dazu für die Besucher. Dorothee Kuhbandner sitzt fast jedes Wochenende hier zu den Öffnungszeiten der Galerie. Die Ausstellungen können auch nach Vereinbarung in der Woche besichtigt werden. Die Besucher können anrufen. Dorothee Kuhbandner hat eine Funkklingel in ihrem Atelier im Wohnhaus und schließt dann den Besuchern die Galerie auf. Manchmal sitzen die Künstler selber in der Ausstellung, wenn sie einmal nicht da sein kann. 150 Stammbesucher stehen in ihrem Verteiler. Sie kümmert sich um alles selbst, Ausstellungen organisieren, Plakate und Ausstellungskarten gestalten und drucken lassen und an Orten wie Buchhandlungen und Bibliotheken verteilen. „Es hängt viel Zeit dran und die Galeriearbeit ist der blanke Idealismus“, sagt Dorothee Kuhbandner. „Im Sommer gehen alle in den Wald, baden und in Urlaub, aber nicht in eine Galerie.“

Aber jetzt im Herbst und Winter sei die beste Zeit. Es kommen neben Einheimischen auch viele Touristen, die meisten entdecken die Galerie zufällig nach einem Ausflug in die nahen Weinberge. „Aus der Besenwirtschaft kommen manche in weinseliger Stimmung hierher, genießen die Kunst und kaufen auch oft etwas“, erzählt Dorothee Kuhbandner. Die Besucher kaufen gern Radebeul-Motive wie Schloss Wackerbarth und die Weinberge in farbigen Federzeichnungen von Christine Grochau unter anderem. Gut gehen auch bemalte Keramik, Schmuck, Weihnachtssterne aus Wäscheklammern, ein Kalender für die Adventszeit und Fensterengel aus weißem Papier von Dorothee Kuhbandner. Der Renner sei jetzt der Kalender für 2023, den sie gestaltet hat. Jedes Blatt ein Unikat, mit Hingabe koloriert, bestempelt und geglitzert. In einer Auflage von 50 Stück. „Die Hälfte ist schon verkauft.“ Sie habe auch schon Sammler für ihre Lebensart-Hefte mit farbigen Zeichnungen und witzig-weisen Sprüchen.

Neben den Ausstellungen gab es außerdem schon 25 Veranstaltungen, musikalische Lesungen und Konzerte in der Galerie mit Weitblick und im Minckwitzschen Weinberghaus. Es kamen auch schon Kindergartengruppen zum Bilder anschauen und drei Mal Schülergruppen vom Radebeuler Gymnasium Louisenstift zu Projekttagen in die Galerie, interviewten die Künstlerin Dorothee Kuhbandner für szenische Lesungen. Die Resultate bekam sie leider nie zu sehen. Einmal konnten die jungen Besucher in ihren Bildern versteckte Details suchen und einen Fragebogen dazu ausfüllen. „Sie haben alles gefunden und das hat viel Spaß gemacht“, sagt die Künstlerin und Mutter von vier Söhnen. Sie selbst malt und zeichnet, seit sie einen Stift halten kann. Ihr Vater war Kunsthistoriker und so lernte sie als Kind schon viele Künstler kennen. „Im Atelier von Peter Graf hat mich das künstlerische Chaos stark beeindruckt und ich war gern bei meinem Patenonkel, dem Künstler Werner Juza in Wachau“, erzählt Dorothee Kuhbandner.

Sie wurde 1964 in Dresden geboren, hat Ausbildungen als Buchbinderin und Krankenschwester und arbeitet seit 2010 freischaffend als Künstlerin und seit 2012 mit eigener Galerie in Radebeul. Sie erhält keinerlei Förderung als private Galerie. Manchmal dachte sie schon ans Aufhören. „Die Besucher bestärkten mich dann weiterzumachen. Sonst würde etwas fehlen in Radebeul!“  Die vielen Kontakte, Gespräche und Leute, die sie kennenlernt durch die Galerie, bedeuten ihr auch viel. Manchmal sei sie auch seelsorgerisch tätig, hört Besuchern und ihren Nöten zu bei Kaffee, Tee und Gebäck. Einige bringen ihr auch Holz für den Ofen mit, einer schöne, alte Papierseiten zum Bemalen und sie bekam zwei dicke Bücher über den Radebeuler Naturheilkundler Eduard Bilz. Sie erhält wöchentlich zwei Anfragen für Ausstellungen in ihrer Galerie. „Der Langmut macht sich langsam bezahlt“, sagt Dorothee Kuhbandner erfreut. Sie will auch weiterhin musikalische Lesungen anbieten. Zur Lesung aus dem Roman „Tyll“ von Daniel Kehlmann mit Annabell Schmieder kamen 30 Zuhörer. Das hätte sie nicht gedacht.

Für die Galerie freut die Künstlerin sich über Unterstützer, die helfen Werbeflyer für die Ausstellungen und Veranstaltungen zu verteilen oder auch mal den Galeriedienst am Wochenende übernehmen. „Ich würde es auf jeden Fall noch mal machen, eine eigene Galerie“, sagt Dorothee Kuhbandner. Sie wünscht sich weiterhin kunstneugierige Besucher und natürlich auch Käufer. Das zehnjährige Galeriejubiläum wird am 30. Oktober, ab 17 Uhr mit einem Konzert mit dem Musiker Peter „Salbei“ Schlott gefeiert. Am vierten Advent wird es wieder ein Weihnachtsmärktlein in der Galerie (von 11 – 19 Uhr) mit Kunsthandwerksständen mehrerer Künstler und zum Aufwärmen für die Besucher Glühwein, Soljanka, Kaffee und Stollen geben. Zeit zum Umschauen, Verweilen und Genießen in einem besonderen Kleinod, das die Radebeuler Kulturlandschaft großartig bereichert.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa und So von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

http://www.doro-malerei.de

Viel Platz für Kunst: 21. Meißner Grafikmarkt auf der Albrechtsburg


Ansichten bekannter Bauten in wechselndem Licht und Farben zeigte Markus Retzlaff beim Meißner Grafikmarkt.


Gemeinsam & eigen: André Uhlig und sein Vater Ralf Uhlig stellten nebeneinander ihre Grafiken, oft Landschaften in warmen, erdigen Farbtönen an zwei Ständen nebeneinander aus.

Farbreiche Welten zwischen Stillleben und Figur

Erfreulich groß war das Interesse mit rund 4 000 Besuchern beim 21. Meißner Grafikmarkt auf der Albrechtsberg. Es wurde auch wieder mehr Kunst gekauft.

Die Türme der Albrechtsburg und der Meißner Dom ragen hoch über der Stadt in verschiedenen Farbstimmungen. Lichtblau, fahlgelb oder rosé wechselt der Himmel in einer Serie farbiger Radierungen am Stand von Markus Retzlaff. In diesen Pastelltönen strahlte auch die abendliche Wolkenlandschaft auf der Aussichtsterrasse unterhalb der Albrechtsburg am Sonnabend. Bekannte Bauten, Schlösser, Waldstücke, Fachwerkhäuser und Landschaften tauchen häufig auf in den Bildern des Radebeuler Künstlers. Es sind druckgrafische Kostbarkeiten. „Es war recht voll schon heute, mittags etwas ruhig“, sagt Markus Retzlaff. Und er hatte vormittag schon einen guten Verkauf, erzählt er. Es kämen viele Sammler, die ihn schon kennen, aber auch Besucher aus dem ländlichen Raum. Markus Retzlaff ist fast immer dabei beim Meißner Grafikmarkt. „Es ist eine schöne Atmosphäre in der Burg und eine vielseitige Kunstschau.“ Zwischendurch schaut er sich gern an anderen Künstlerständen um und kauft auch mal ein Blatt, meist Radierungen.

Eine große Vielfalt an gedruckten Arbeiten auf Papier gab es wieder zu sehen, entdecken und erwerben beim 21. Meißner Grafikmarkt am vergangenen Wochenende, veranstaltet vom Freundeskreis Albrechtsburg Meißen e.V. in den weiten Gewölberäumen im Erdgeschoss. 39 Künstler, Grafiker und Illustratoren aus Meißen und vorwiegend der Region zwischen Dresden, Leipzig, Halle und Berlin zeigten in sieben Räumen ihre Arbeiten in aller Bandbreite von Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarellen, Siebdrucken, Fotografien bis zu Künstlerbüchern. Das Interesse an der Kunst in schwierigen Zeiten ist erfreulich groß. „Rund 4 000 Besucher kamen dieses Jahr an beiden Tagen zum Meißner Grafikmarkt. Die Künstler haben sich überwiegend zufrieden bis sehr gut zu den Erlösen geäußert“, sagt Margit Weinhold, Veranstaltungsmanagerin in der Albrechtsburg.

Letztes Jahr kamen lediglich rund 2 500 Besucher, weitaus weniger als sonst wegen der Corona-Einschränkungen. Die Kunstschau mit freiem Eintritt lockte Publikum von jung bis alt zum Grafikmarkt. „Wir sind neugierig und wollen uns einfach mal umsehen“, sagt Jessica Kühn, die mit Töchterchen Abby, neun Monate, im Tragetuch und ihrem Mann Marcel gerade in Meißen bei seiner Familie zu Besuch ist. Der Rundgang beginnt am Stand von Ralf und André Uhlig, Vater und Sohn zeigen ihre Grafiken regelmäßig in der Albrechtsburg und haben ihre Stände nebeneinander. Die Ähnlichkeit in ihren Arbeiten, oft in warmen, erdigen Farbtönen, ist unverkennbar. In der Künstlerkolonie Worpswede waren sie zusammen zeichnen, dort stehen viele Birken. Bäume, Waldwege, Himmel- und Wasserspiegelungen sind farb- und formspielend abstrahiert festgehalten in den neuen Farbmonotypien von Ralf Uhlig. Er zeigt auch faszinierende Sandreservagen, die im Tiefdruck gedruckt mit Sirup und Tusche aufgetragen und ins Wasserbad gelegt, feinkörnig schimmernde Strukturen ergeben. Ralf Uhlig ist gelernter Werkzeugmacher, arbeitet schon lange künstlerisch, aber hatte noch nie eine Einzelausstellung in einer Galerie, sagt er. Nächstes Jahr wird er 75.

„Er ist bekannter“, sagt der Vater mit Wohlwollen über seinen Sohn. André Uhlig ist ebenfalls Autodidakt, trägt einen schwarzen Hut, manchmal den Zeichenstift zwischen den Zähnen, arbeitet hauptsächlich grafisch und spielt in eigener Band
„The Novikents“ Gitarre. Sein neuer Grafik-Kalender heißt „Sehnsucht nach draußen“, da André Uhlig viel draußen zeichnet und schläft auf seinen Wandertouren oft nach Tschechien. Vom Kalender hat er schon einige Exemplare verkauft, packt gerade eines ein für ein kunstfreudiges Paar. „Wir gehen gern zu Kunstausstellungen querbeet, ob Surrealismus oder Alte Meister“, sagt Sophie Gisa, Studentin für Medieninformatik in Mittweida.

Außerdem hat André Uhlig eine große Grafik an einen Venedig-Fan verkauft und einige kleinere Arbeiten. Sein Vater hat bisher noch nichts verkauft. Obwohl etliche Besucher in seinen Bildermappen blätterten. Die 75 Euro Standgebühr sollten schon hereinkommen, sagt er. Erstmals beim Meißner Grafikmarkt dabei sind Ana Pireva und Sarah Steuer, die noch an der Dresdner Kunsthochschule studieren und sich einen Stand teilen, an dem sie ihre experimentierfreudigen, farb- und assoziationsreichen Zeichnungen und Lithografien zwischen Stillleben und Figur zeigen. Ana, die aus Bulgarien kommt, ist Meisterschülerin bei Ralf Kerbach. Sarah macht im nächsten Sommer ihr Diplom. Ana hat mehr als auf Märkten ihre Arbeiten auch an andere Künstlerinnen verkauft, erzählt sie, womit sie sich gegenseitig wertschätzen und unterstützen. Natürlich sei es schön, wenn sie Menschen mit ihren Bildern berühren. Und es bringe ja nichts, die Arbeiten nur im Atelier zu lassen, ergänzt Sarah.

„Die Leute sind zögerlich, finden etwas schön, doch man merkt, dass sie das Geld zusammen halten müssen“, sagt die Malerin und Grafikerin Renate Winkler aus Radebeul. Die fröhlich bunten Kindergrafiken, die sie gedruckt hat nach Zeichnungen ihrer Enkel, liegen noch auf dem Tisch. „Die gingen sonst als erstes weg noch vor meinen eigenen Arbeiten.“ Sie geht auch mal runter mit dem Preis. Wie bei den jungen Leuten, die lange vor einem Farbholzschnitt mit einer über Schloss Wackerbarth fliegenden Frau standen. Renate Winkler stellte außerdem ihren neuen Kalender mit Ölbildern von ihren Reisen in alle Welt vor. Und eine meerblaue Grafik mit Göttin Isis, die für Geburt, Tod und Fruchtbarkeit steht und eine Kugel auf dem gehörnten Kopf trägt. „Die Stimmung war sehr schön und locker mit einem interessierten Publikum, darunter viele Stammbesucher“, so das Resümee von Schlossleiter Uwe Michel. An den neuen Stellwänden konnten die Künstler ihre Arbeiten zudem noch besser präsentieren. Der Termin für den nächsten Meißner Grafikmarkt werde demnächst bekannt gegeben.

Text + Fotos (lv)

Faszinierende Farbspiegelungen: Grafiken von Ralf Uhlig.


Starke Farbkontraste & fein schimmernde, körnige Struktur: ein alter Kirschbaum im Licht. „Einsamkeit“ heißt dieses Blatt von André Uhlig, mit Sand auf die Druckplatte gemalt in der Technik der Sandreservage, die auch sein Vater gern verwendet.


Farb- und formspielerische Arbeiten auf Papier & die Liebe zur Lithografie verbindet sie: Die Kunststudentinnen Ana Pireva und Sarah Steuer zeigten ihre Arbeiten zwischen Stillleben und Figur erstmals beim Meißner Grafikmarkt. Sie zeichnen mit Tusche drucken auf Stein. Ana zeigt Eva mit dem Apfel und Äpfel zusammen mit archäologischen Fundstücken, Vasen und winzigen Figuren darin, umrahmt, eingekreist, auf- und abtauchend in andere Zeiten und Kulturen, Fragmente, Erinnerungen, was bleibt vom Menschen…


Märchenhaft und assoziativ: die Grafik „Vogelkonzert“ von Sarah Steuer entstand nach einem Popkonzert, das sie mit Tusche und Farben in die Naturwelt übertragen hat.


Vielfarbige Blicke auf die Lößnitzlandschaft, auf Reisen Erlebtes und Gesichter von Menschen groß ins Bild geholt, zeigte Renate Winkler: die Radebeuler Weinberge, die Göttin Isis vom Nil. Ein Kind mit großen, fragenden Augen, eine alte Frau, die sehnsuchtsvoll in die Ferne schaut, auf Besuch wartet…


Abendhimmel am Sonnabend nach dem Grafikmarkt von der Ausschtsterrasse der Albrechtsburg aus.

Neue Lyrik: Sonnenflecken

Hervorgehoben

Sonnenflecken
(Für Vincent van Gogh)

Der Himmel tagelang grau
verhangen wie eine verwaschene Leinwand
bricht die Sonne wieder hervor
noch einmal loderndes Blätterfeuer in allen Farben
über alles erhaben

das Licht flirrt umher
wirft sprenkelnde Schatten
hebt empor webt hinein
verweht was vergeht
mit sacht lösender Geste

sehe die Lichtflecken und denke
an die Sonnenblumen das berühmte Gemälde
in einer Galerie in London
wie für die Ewigkeit gemalt sehen sie aus
doch nichts scheint mehr sicher heute

sehe den Anschlag auf das Kunstwerk
in einer Videoaufnahme im Netz
drehe immer wieder zurück zu der Stelle
wo zwei Umweltaktivistinnen mit gefärbten Haaren
mit Tomatensuppe aus der Dose die Sonnenblumen besudeln

was würde Vincent dazu sagen
vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun
seine Bilder atmen Natur Leben Licht pur
mit jedem Pinselstrich lehren sie uns
sie zu sehen er liebte und malte seine Umwelt zeitlebens

sie vergreifen sich an wehrlosen Bildern
wollen die Welt retten und zerstören das Schöne
und Wertvolle in ihr
in blinder Wut und Fanatismus
gießen noch Öl ins Feuer

was kann ein Gemälde
für menschliche Dummheit und Unvernunft
es wird die Zeiten überdauern
mit der Strahlkraft seiner Farben als Spiegelbild der Natur
nie vergehen

wenn ihr die Natur schützen wollt
legt euch auf die Erde ehrt sie
pflanzt Sonnenblumen und Bäume
auch wenn das weniger aufsehenerregend ist
statt eure Hände an Wänden und auf Autobahnen
festzukleben

Lilli Vostry
20.10.2022

Fotos (lv)
P.S.: Die Bilder stammen aus der van Gogh-Ausstellung in der Zeitenströmung in Dresden Anfang 2022.

Restaurace „Babicka“ eröffnet mit tschechisch-böhmischer Küche in Pirna


Es ist angerichtet: der Pirnaer Oberbürgermeister Hans-Peter Hanke (69, li. im Bild) und Restaurace-Babicka-Wirt Josef Micek (45) mit dem ersten Gulasch im neuen Restaurant. Dieser wurde noch in Miceks Restaurant Hurvinek in Dresden gekocht. Foto: meeco

Kochen, backen, tanzen, essen…

Das Restaurant Babicka lädt am Pirnaer Markt ab heute zum böhmischen Festmahl.

Ab heute,  15. Oktober, ist das Restaurant komplett geöffnet. Die große Eröffnungsfeier selbst startet um 19 Uhr mit Live-Musik des bekanntesten tschechischen Karel-Gott-Doubles – wohl das erste Mal ein Auftritt außerhalb Tschechiens. Unter http://www.karelgott-cover.cz sind Kurzvideos vorhanden.
Der Eintritt ist frei!
Wegen der mangelnden Vodafone-Zuarbeit sind aktuell keine Kartenzahlungen und Reservierungen leider nur persönlich vor Ort möglich!

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass das Wirtshaus MARIENECK als eines der letzten Sanierungsobjekte am Markt wieder in seiner Funktion als ältestes Wirtshaus der Stadt Pirna eröffnet wurde. Die Elbeflut im Jahr nach der Wiederinbetriebnahme oder auch die Corona-Sanktionen sorgten dafür, dass nicht mehr alles so lief wie ursprünglich geplant, was dann wiederum zur Schließung führte.

Auf der Suche nach einem neuen Pächter machte sich Pirnas Oberbürgermeister Hans-Peter Hanke stark für eine Gastronomie mit tschechisch-böhmischer Küche und teilte dies auch dem Vermieter des Marienecks mit. Hankes Wunsch wurde ihm erfüllt: Der in Teplitz (Teplice) geborene Josef Micek startet sein Restaurace Babička am Pirnaer Markt mit rund 180 Sitzplätzen. „Am Samstag, 15. Oktober, steigt unsere große Eröffnung. Aber noch sind wir im Objekt am Vorbereiten“, verrät Micek. So wird noch die komplette Küche an die Anforderungen des zukünftigen Köche-Teams angepasst, Maler sind zugange, WLAN wird installiert und eine neue Zapfanlage wird extra in Tschechien angefertigt. „Der Zapfhahn ist wichtig, denn bei uns wird einiges aus dem Fass kommen. So zapfen wir zukünftig Pilsner Urquell, Krušovice Hell und Dunkel oder auch Budweiser. Speziell für Pirna wird es ein Babička Rotgold geben – und das ist noch nicht alles“, so Micek weiter.

Napoleon übernachtete übrigens 1813 mehrmals im Pirnaer Marieneck, aber bereits 1805 steuerte er vom heute zu Tschechien gehörenden Hügel Žuráň aus seine Truppenbewegungen zur Schlacht bei Austerlitz. Doch nicht nur das verbindet Pirna mit Tschechien, auch gibt es hier das einzige bilinguale deutsch-tschechische Gymnasium Sachsens. Und dass die böhmische Küche der sächsischen sehr ähnelt, ist auch hinreichend bekannt. „Einhundert tschechische Schüler lernen hier gemeinsam mit ihren deutschen Klassenkameraden. Unsere Partnerstadt Děčín ist nur etwas mehr als eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt“, informiert Oberbürgermeister Hanke. „Wir haben so viele ausländische Küchen in der Stadt, nur die tschechisch-böhmische fehlte uns noch. Umso mehr freue ich mich, wenn die Pirnaer hierherkommen – schließlich dürfen sie dann auch ein, zwei Bier mehr trinken, da sie ja dann nicht mehr fahren müssen.“

Dass Micek nach Pirna kam, war eher Zufall. „Ich habe 1999 in Dresden angefangen zu arbeiten, da bin ich immer wieder über die A17 an Pirna vorbeigefahren“, sagt Micek, der neben dem Restaurant in Pirna auch noch das „Hurvinek“ und das „Schwejk“ in Dresden betreibt. „2019 wurde ich dann gefragt, ob ich für die Tschechischen Kulturtage ein spezielles Catering in Pirna anbieten könne. Ich habe zugesagt und durfte dann hier im Marieneck unsere Küche verkosten lassen. Zum damaligen Pächter sagte ich, dass er ein großartiges Haus hätte, das ich auch selbst betreiben würde. Jetzt stehe ich dank mehrerer Umstände wieder hier und bin der Betreiber“, so Micek weiter, „so schnell kann es manchmal gehen.“

Für den Anfang wird mit einem Soft-Opening geplant. „Wenn die Küche besetzt ist, die ersten Kellner mit dem Kassensystem umgehen können und der Zapfhahn funktioniert, dann schließen wir die Türen auf und lassen die ersten Gäste hinein. Bei einer kleinen Karte können dann schonmal kleine Fehler im Arbeitsablauf behoben werden, so dass wir ab dem 15. Oktober Vollgas geben können“, so Micek abschließend.

Text + Foto: Peter Dyroff, meeco Communication Services

SchreibLust

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Zwischenbilanz meines Lebens

Schreiblust

Die Welt der Worte hat mich immer fasziniert. Als Kind sah ich bei meiner Oma Bücher in altdeutscher, schnörkeliger Schrift, die einen eigenen Zauber besaßen.
Wie eine Geheimsprache. Mich reizte, die Worte zu entziffern, auch wenn ich den Inhalt nicht verstand oder er mich langweilte. Ich wollte einfach wissen, was da steht. So weit ich denken kann, waren immer Bücher in meiner Nähe. Ich habe als Kind viel Zeit mit ihnen verbracht, weil ich viel allein war. Bergeweise holte ich sie aus der Bücherei der Kleinstadt. Märchen aus aller Welt, am liebsten von Andersen, außerdem die reichhaltige griechische Mythologie mit ihren vielen Göttern, Helden, Tragödien, Ober- und Unterwelt, Hades und Olymp. All die fremden, klangvollen Namen und zauberhaften, wandlungsreichen Geschichten las und kannte ich auswendig und zehre von diesem Wissen bis heute.

Bald kam zum Lesen das Schreiben hinzu. All die Gedanken, Eindrücke und Einfälle wollten festgehalten werden. Beim Schreiben höre ich mir selbst zu. Es ist wie ein Schüssel zu mir selbst. Ich schließe mich und andere auf. Betrete meine eigene und die Gedanken- und Gefühlswelt anderer. Sehe mich darin um, verweile, lausche, halte Zwiesprache. Das kann innig, zärtlich oder auch rau, heftig, ungeduldig, leise und laut, lustvoll, lakonisch, traurig, komisch und ironisch, verborgen in Metaphern oder klar und konkret geschehen. All das bin ich, die Worte sind mein Spiegel, Ausdruck meines Denkens und Fühlens und Selbstvergewisserung. Indem ich sie niederschreibe, teile ich sie, vertraue mich mit ihnen anderen an. Werde sichtbar mit meinem Sein, auch mein Inneres. Worte können wärmen, schützen, halten, befreien, aber auch herzlos sein, bloßstellen, verletzen.

Bücher und Schreiben sind für mich Schätze, die mich mein ganzes Leben begleiten. Soviel wie als Kind lese ich heute nicht mehr. Es bleibt nie Zeit für alles. Doch ich habe das Schreiben zu meinem Beruf gemacht. Bin aus der Enge der Kleinstadt in die große, weite Welt gegangen, um mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Im Westen war ich das erste Mal 1990 zur Aufnahmeprüfung an der Deutschen Journalistenschule in München. Da wurden die Texte noch in klappernde mechanische Schreibmaschinen geschrieben. Alle zusammen in einem Raum. Das Geräusch höre ich heute noch. Die Reportagen von damals habe ich leider nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass ich über zwei Museumswärter im Deutschen Museum und der Pinakothek in München schrieb und beeindruckt von den Sammlungen war. Ansonsten kam ich mir winzig vor in dieser neuen, fremden Welt. Die überbordende Warenfülle und der kalte Glanz der Einkaufspaläste, die hastenden Damen in Pelzmänteln mit ihren vielen Einkaufstüten, Reisende aus aller Welt und arme, umherirrende Menschen, Bettler und Straßenkünstler waren tägliche Kontraste. Ich hatte immer Angst, verloren zu gehen, unterzugehen. Mich nicht zurechtzufinden. Nicht bestehen zu können in solch einer schönen, wohlhabenden und widersprüchlichen Stadt. In der Journalistenklasse in München waren nur zwei Frauen aus Ostdeutschland. Ich war eine davon. Die erste Frage war: War im Osten wirklich alles so grau?! Es gab Neugier, Offenheit, aber auch Vorurteile und Unsicherheit auf beiden Seiten.

Ein  Leben im Westen für länger konnte ich mir nie vorstellen. Meine Heimatverbundenheit war immer groß. Ich würde nie meine Heimat verlassen,  egal was kommt. Man kann woanders hingehen, doch seiner Vergangenheit, dem was man mitbringt, sich selbst, kann man nicht entkommen, die nimmt man überallhin mit. Man kann sich jedoch wandeln, den Blick auf das eigene Leben mit den Erfahrungen und in anderem Umfeld immer wieder erneuern, sich selbst immer wieder neu und anders erfahren auch im Spiegel anderer Menschen. Den eigenen Horizont erweitern, die Außen- und Innenwelt immer mehr in Einklang bringen. Durch Schreiben erlebe ich die Welt bewusster, lebe intensiver.

Ein Leben ohne Schreiben kann ich mir nicht vorstellen. Vieles wird durch Aufschreiben erst greifbar, erkennbar für mich. Alles was Leben ausmacht. Jeden Tag neu. Sehen, entdecken, finden, sich schreibend immer wieder allem nähern, was einem begegnet, was gesehen und ergründet werden will. Anregungen zum Schreiben finden sich überall. Beispielsweise die Schriftzüge auf Schaufenstern von Läden, Schildern und Speisekarten von Cafés ebenso wie Sehenswürdigkeiten und Gedenkorte einer Stadt. „Geschichte macht Gesichte“ steht auf einer alten Hauswand. Ein Reimesprecher bietet Unterhaltung an, die aus dem Rahmen fällt. Wenn das Leben dir einen Korb gibt… Was dann. Dann nimm ihn und geh Blumen pflücken, schrieb eine der Frauen aus dem Gedicht-Workshop nach dem Stadtspaziergang. Sich einen eigenen Reim auf die Welt machen, Erlebtes und Erfahrenes zusammenbringen nach eigenem Sprachduktus und Empfinden.

Das rein intuitive Schreiben einmal unterbrechen, sich dem Formzwang oder besser Formwillen aussetzen, um gewohnte, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen, offen zu sein und durch die Einschränkungen die Fantasie im Worte (er)finden, hin zu neuer Freiheit der Gedanken, Ideen und Ausdrucksformen noch mehr anzuregen und zu stärken. Das war, reizvoll, spannend und es waren einige Widerstände zu überwinden. Eine ganz neue Erfahrung, andere Herangehensweisen, Zugänge und Formen zum Schreiben kennenzulernen und zu erproben, war dieser Gedicht-Workshop im Rahmen eines Schreib-Festivals, das für alle offen war. Es war das erste Mal, dass ich in einer Gruppe mit anderen Leuten etwas schrieb, ich hatte große Scheu davor, dass ich es dann nicht schaffe, nach innen zu gehen oder mir nichts einfällt, andere schneller fertig und besser sind und mit meinen Texten nichts anfangen können. Doch es ging erstaunlich gut und zum Schluss hatten wir eine wunderbare, gut besuchte Lesung mit den im Gedicht-Workshop entstandenen Gedichten. Ich bin gerade auch in einer intensiven Schreibphase, erkunde neue Erzählgenres und die Worte fließen stetig. Ich spiele auch gern mit Worten, ihrem Sinn, drehe sie hin und her, stelle sie um. Doch nicht nach einem bestimmten Schema oder Ordnungsprinzip, sondern wie es sich aus dem Moment und meinem Befinden ergibt.

Ich sehe meine Gedichte auch als Momentaufnahmen, die in dem Moment so aus mir heraus geschrieben werden wollten und damit einen Sinn und Aussagekraft haben. Jede Änderung ist schon wieder ein neuer Moment, der die Aussage und das Gedicht verändert. Ein Bild wird nicht besser, wenn man es hundert Mal übermalt. Es kommt auf den Kern an, dass der erkennbar und plausibel ist, etwas anstößt beim Lesen. Neugier weckt und zum Weiterdenken, die eigene Fantasie und Tun des Lesenden anregt. Wenn ich das erreiche, bin ich glücklich.
Lilli Vostry
23.9.2022

(Dieser Text entstand zum Abschluss meines Fernstudiums Literarisches Schreiben an der Cornelia Goethe Akademie in Offembacb/Main, das zwei Jahre dauerte mit abschließendem Schriftstellerdiplom im Herbst 2022.)

Fotos (lv)

Worte die beflügeln…

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Text-Atelier Lilli Vostry

Worte geben Träumen Wurzeln um von ihnen zu erzählen.
(Lilli Vostry)

In allen Farben des Lebens geschrieben und gesprochen, abwechslungsreich, mit unverwechselbarer Feder

finde ich für Sie/Euch in vielfältiger Form:

. Texte für Leute mit Ideen, über Projekte und Veranstaltungen
. KünstlerPorträts
. Texte für Kataloge, Werbeflyer und -broschüren, für Websites und Firmenzeitschriften
. Presse- und PR-Texte
. Texte und Reden für Galerien und Künstler, für persönliche Jubiläen, Feste und
Firmenfeiern
. Ghostwriting/Lebensgeschichten festhalten
. Eigene Kurzprosa und Poesie für verschiedene Anlässe
. Schreibwerkstätten für Kinder, Senioren und andere Interessierte

Preise (auf Anfrage)

P.S.: Aktuell suche ich einen Raum in Dresden oder Umgebung für Schreibwerkstätten, der auch als Café & Kunst-Kiosk mit kreativen Angeboten nutzbar ist. Möglichst mit Schaufenster/Ausschank-Möglichkeit/Schiebefenster etc. Gern auch ein kleines Gartenhaus.

Kontakt: Lilli Vostry, Tel.: 0177 – 524 88 48
e-mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de oder lilli.vostry@web.de

Freie Journalistin . Autorin . Poetin . Wortschmiedin . Redekünstlerin

Ausstellung „Die Ordnung der Dinge“ von Chris Löhmann in der Galerie „Kunstgehäuse“

Eine Fülle von Zeitzeichen

Detailreiche Bildlandschaften in großen und kleinen Formaten und gesammelte Schätze zeigt Chris Löhmann in einer Ausstellung in der Galerie Kunstgehäuse in der Dresdner Neustadt.

So klein der Ausstellungsraum, so groß die Fülle an Einfällen und Details in den schwarz-weißen Zeichnungen vorn Chris Löhmann. Ein großformatiges Bild an der Stirnseite und mehrere kleinformatige Arbeiten füllt er mit ebenso prägnanten wie vieldeutigen Figuren und Landschaften. Zu sehen sind sie unter dem Titel „Die Ordnung der Dinge“ in der Galerie Kunstgehäuse auf der Prießnitzstraße 48 in der Dresdner Neustadt.

Es ist die bereits 48. Ausstellung in der mit 16 Quadratmetern kleinsten Galerie Dresdens seit 2014, gegründet von zwei passionierten Galeristen aus Leidenschaft. „Chris Löhmann versteht es, eine Vielfalt von Darstellungen zu Themen wie Liebe, Sexualität und Fragen des Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau bis zu Industriebauten, Ruinenarchitektur und biblischen Motiven wie dem Turmbau zu Babel in einem Ensemble großartig und künstlerisch herausfordernd zu verbinden“, sagte Ulrich Hübner, Kunsthistoriker und Galerist, zur Ausstellungseröffnung. Er arbeitete im Kupferstichkabinett und ist nun im Kultur- und Denkmalschutzamt der Stadt für Denkmale und Friedhöfe zuständig. Um weiter nah mit der Kunst verbunden zu sein, gründete Ulrich Hübner seine eigene Galerie zusammen mit Mario Pitz, der als rechtlicher Betreuer und Galerist arbeitet. Da stehen alte Fabrikschlote, Triumphbogen, Gründerzeithäuser und Baukräne nebeneinander im Titelbild der Ausstellung, sieht  man eine sensende Bäuerin neben Mähdreschern auf Feldern, einen Mann auf einem Hochsitz durchs Gebüsch auf halbnackte Sonnenbadende spähen.

Da treffen Graffitis und politische Parolen, Embleme und Anstecknadeln in den Bildern und in einem Setzkasten mit einem Sammelsurium an Dingen aufeinander. Gesammelte Schätze und kuriose Fundstücke, Vergangenes, Bewahrtes, Privates, Versehrtes, Zufälliges und Absurdes. Turmhohe und spitze Muscheln, kleine Spielfiguren, Gans, Schaf, Hund, Ritter und Indianer, ein Puppenbein, ein Abzeichen „Schwerter zu Pflugscharen“, ein DDR-Emblem in einer Ecke, eine goldene Uhr, kleine Kerzen, Glasscherben und alte Münzen finden sich da.

Collage- oder kalleidoskopartig fügt Löhmann auch in seinen Zeichnungen eine Vielzahl gesammelter Eindrücke, Zeichen, Schrift, Bildschnipsel als Wirklichkeitsausschnitte in seinen Bildern zusammen, ordnet sie an im Bildraum und der Betrachter kann sie wie Puzzleteile nach eigener Wahrnehmung und Empfinden für sich sortieren, zusammensetzen und sehen.

Man kann sich dazu gemütlich in einen Sessel im Galerieraum, gegenüber vom Ofen setzen, und die Bilder bei einem Glas Wein auf sich wirken lassen. Darüber rätseln und schmunzeln, was es mit den skulpturhaften menschlichen Gesichtern und Körpern mit hellen und dunklen Umrissen auf sich hat. Gegenüber an der Wand lockt eine pralle, plastisch wirkende Venus-Figur in einer Zeichnung. Ein Vogel vorm Fenster lockt ins Freie. Auf einer Zeichnung mit herausgerissenen Notizblättern steht als Wunsch, Bekenntnis oder Aufforderung: „Ich habe gesehen, hört und seht, wenn ihr könnt.“

Die Finissage der Ausstellung mit Chris Löhmann mit nochmaligem Bilder anschauen und angeregten Begegnungen und Austausch im und vor dem Galerieraum findet am 14. Oktober, um 18 Uhr statt.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten der Galerie:

Freitag 17 bis 19 Uhr
Sonnabend 11 – 13 Uhr und nach Vereinbarung, Tel.: 0172 – 18 96 705

http://www.kunstgehaeuse.de