Fabelhafte Welt im Lügenmuseum Radebeul


Wundersame Maschinen und Objekte laden kleine und große Besucher zum Staunen und Entdecken ein. Foto: André Wirsig

Wenn man im Lügenmuseum lügt, spricht man dann die Wahrheit?

In den Herbstferien ist das Lügenmuseum Radebeul täglich geöffnet bis 27. Oktober, ab 13 – 18 Uhr.

Das Lügenmuseum ist ein familientaugliches Ausflugsziel von hohem Schauwert. Es beschäftigt sich mit der absurden Maschinerie des Lebens. In den verschlungenen Räumen hat man immer wieder das Gefühl, man werde aus diesem faszinierenden Labyrinth vielleicht nie mehr herausfinden. Doch wenn man nicht aufgibt, gelangt man beim Wandeln durch die thematischen Räume irgendwann an einen geheimnisvollen Punkt, an dem man nicht mehr den einen einzig richtigen Sinn-Ausweg sucht, sondern das immer tiefere Sich-Verlieren in dieses Museum zu genießen beginnt.

Manche Besucher meinen, dass Lügenmuseum schmeckt nicht, ein Missverständnis, denn Kunst kann man nicht essen. Beim Lügenmuseum handelt es sich um ein Kunstmuseum, welches so tief in die Gefilde der Ideen steigt – man ist sprachlos. Ob das klar wird oder auch nicht, spielt hier keine Rolle. Künstler konstruieren andere Museen: Maschinen zur Belustigung, anarchische Apparate im ironischen Leerlauf. Die sanfte Berührung der Poesie schlüpft hier am starren Reglement des Museumswesens vorbei.

Das augenzwinkernde Lügenmuseum zeigt, dass Ironie eine starke Besucherresonanz erzielen kann. Über die Gründe schreibt der Professor für Ästhetik Bazon Brock:  „Ironie ist eine Möglichkeit, auf Distanz zu gehen und das Objekt von allen Seiten zu sehen. Vom Wahren können wir nur noch mit Blick auf das Falsche, auf die Lüge reden. Das sagt uns das Lügenmuseum und da steht es in der Tradition von Till Eulenspiegel, Nietzsche, dem braven Soldaten Schwejk oder Mister Bean: ‚Alles auf den Tisch, bis er bricht.‘

Besucher erhalten eine Einführung, einen Lügentee. Der Rundgang durch zwölf Räume entführt in eine fabelhafte Welt, die an Wunderkammern anknüpft. Das Leben ohne Lügenmuseum ist möglich, aber sinnlos.

Text: Richard v. Gigantikow

Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Strasse 39, 10445 Radebeul
Tel: 0176 – 99 02 56 52

Geöffnet: Samstag und Sonntag, in den Ferien und an Feiertagen täglich 13 – 18 Uhr

http://www.luegenmuseum.de  info@luegenmuseum.de

Premiere „Hell“ der Company „Tango – offen und bunt“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

Von der Kraft der Musik, die Schatten in Licht verwandelt

Berührend, kraftvoll und eindringlich im Wechsel von Musik, Text, Poesie, Tanz und Spiel kam die neue Aufführung „Hell“ der Company „Tango – offen und bunt“ gestern abend auf die Bühne im Rahmen des interkulturellen Montagscafé im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Sprache der Vögel ist ihr Gesang. Der Mensch hat auch diese Gabe der Musik. Freude, Schmerz, Trauer, Sehnsucht. Alle Gefühlsfarben spiegelt sie wider. Sie tröstet, verbindet, hilft Grenzen zu überwinden und verwandelt Schatten in Licht. Davon erzählt in berührenden Bildern, im Wechsel von Klängen, Text, Poesie, Tanz und Spiel die Aufführung „Hell“ (Buch und Regie: Cristian Javier Castano), die am Montag Premiere hatte beim Gastspiel der Company „Tango – offen und bunt“ im Montagscafé im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Das Montagscafé ist ein Begegnungsort für Menschen verschiedener Kulturen und Angeboten wie Musik und Theater. Der Zuschauerraum der Bühne unter dem Dach war gut gefüllt. Die Sprache der Musik und das Tango tanzen verbindet auch die Akteure der Company. Sie stammen aus verschiedenen Ländern der Erde, aus Argentinien, Chile, Deutschland, Irak, Mexiko, Nicaragua, Syrien, Venezuela und Uruguay. Alle leben in Dresden.

Die Aufführung „hell“ ist jenen Menschen gewidmet, die in „der Hölle“ sich selbst und ihren Mitmenschen Licht und Helligkeit gaben, um das Dunkel zu durchbrechen, neue Kraft und Hoffnung zu finden. Auf die Bühne kamen Musik und Lieder, die in Gefängnissen und Konzentrationslagern komponiert und gespielt wurden.

Mehr Text zur Aufführung folgt.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos + aktuelle Termine unter http://www.cellex-stiftung.org/de/projekte/tango

Montagscafé
Kleines Haus, Glacisstraße 28, Dresden

15 bis 17 Uhr, Frauencafé mit Kinderbetreuung
17 bis 22 Uhr, Offenes Café mit wechselndem Abendprogramm

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

BilderAlbum: Im Fluss des Lebens – Ausstellung von Dipa Doreen Wolff im Restaurant „Kastenmeiers“


Immer wieder neu und überraschend: Mit jeder Ausstellung verändern sich die Räume im Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais Dresden. Im Bild (li.n.re.): das Künstlerpaar Dipa Doreen Wolff und Thomas Reichstein und Gerd Kastenmeier.

Jackson Pollock meets Herrmann Glöckner

Heißt ein Bildtitel von Dipa Doreen Wolff, der ihre Malweise charakterisiert. Farben und Formen fließen mal ruhig-harmonisch, mal lebhaft, kreiselnd, still versunken und kraftvoll in ihren Bildern. Sie träumt sich in die Welt der Farben, das Wasser gibt die Richtung an, sagt sie über ihre neuen Arbeiten.  Sie gibt sich hin, dem über das Papier und die Leinwände rinnenden Farbverlauf, spürt ihm nach und zieht ihre eigenen Kreise, Linien und Schlüsse daraus. In der Form oft an Pflanzen, Aufblühendes, sich Entfaltendes, Wellenkreise, Zellkerne erinnernd. Als Sinnbilder für eigenes Sein, für die Fülle an Sichtweisen und Ausdrucksmöglichkeiten, die sich ergeben, wenn man offen dafür ist.

„Ich setze den ersten Farbpunkt, meist in der Mitte des Bildes. Formen nehmen Gestalt an, Farben korresspondieren, das Leben auf dem Gemälde beginn zu fließen. Eigenwillig. Natürlich. Im Fluss. Und ich. Ich schaue, was passiert“, sagt Doreen Wolff über ihr Herangehen. Dem entsprechend auch der Ausstellungstitel: „Der Weg ist das Ziel“ der gezeigten Arbeiten im Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais Dresden. „Mal folgt das Wasser einer geraden Linie, mal einer Zickzacklinie, mal stagniert es… genau wie im Leben. Dabei ist jeder Weg der Richtige, der gerade ebenso wie der verschlungene. Was manchmal wie ein Umweg aussieht, erhöht lediglich die Spannung, führt möglicherweise schneller oder leichter zum Ziel – wenn wir ein Ziel haben.“ Ob unser Leben nun einer Bestimmung folgt oder die Zielrichtung in jedem Augenblick unseres Daseins neu bestimmt werden kann, muss jeder für sich entscheiden, ergänzt sie.

Wasser unterliegt keinen Vorgaben, es fließt und erklärt alles, was ihm begegnet zum Teil des Weges und damit als Chance, uns selbst zu entwickeln, so ihre Beobachtung. So sucht sich auch der Farbstrom seine Chancen und Wege in den Bildern von Doreen Wolff. Das Wasser ist aber auch launisch und unberechenbar, wie das Glück im Leben. Die Arbeiten von Doreen Wolff beschreiben die Bewegung, in der wir uns alle, jeder auf seine Weise, befinden im Fluss des Lebens.

Mal zart, schemenhaft angedeutet, mal in leuchtend farbigen Linienschwüngen weitet diese meditative Malerei von Doreen Wolff den Blick auf das Draußen, lädt den Betrachter ein zum Träumen und Innehalten und öffnet manch verborgene, innere Tür.

Zu sehen sind die Bilder zusammen mit Plastiken von Doreen Wolff und vielgestaltigen, teils mythologischen Frauenfiguren ihres Lebensgefährten Thomas Reichstein in ihrer Ausstellung „Der Weg ist das Ziel“ im Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais Dresden. Die Ausstellung ist noch bis 17. Oktober zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Mehr Infos unter http://www.kastenmeiers.de und http://www.thomas-reichstein.de


„Schlüssel zum Glück“, verlockender Bildtitel.

The Original Woodstock Legends in Concert – Ten Years After im Alten Schlachthof Dresden

WOHIN AM WOCHENENDE? Konzert-Tipps

– LETZTE TICKETS AN DER ABENDKASSE –

ERIC FISH & FRIENDS

+++Resttickets gibt es noch an allen bekannten VVK-Stellen und an der Abendkasse+++

Endlich wieder ERIC FISH & FRIENDS!
Drei Jahre Pause sind genug! Unter der Überschrift ZWISCHEN EBBE UND FLUT spielt der FISH mit seinen Freunden wieder Lieder aus der eigenen Feder für Euch – in denen Ihr Euch selbst wiederfinden werdet.

Betrachtungen der Zeit in der wir leben zwischen EBBE – der schwindenden Aufmerksamkeit für die Dinge, die zwischen Kopf und Geldbeutel passieren, und FLUT – der enormen Vereinnahmung durch die sich radikal verändernde Welt – sind das Thema dieser FISH Abende.

Weitere Informationen
Fr, 11.10.2019 Dresden, Schauburg TICKETS

TOXPACK

+++ Veranstaltung wurde vom Beatpol in den Club Puschkin verlegt+++

+++Resttickets gibt es noch an allen bekannten VVK-Stellen und an der Abendkasse+++

„Die Geschichten werden immer weiter geschrieben – und zwar von denen, die es am besten können: TOXPACK, Seele und Faust des East Berlin Streetcore, sind zurück und mächtig geladen. KÄMPFER, das neunte Album in 18 Jahren TOXPACK, atmet Zorn und kotzt Wut, verarbeitet Trauer und bringt Hoffnung. Das ganze Ding lebt, es greift dich, schickt dich auf eine Reise zu dir sebst und spuckt dich am Ende würdig durchgerockt mit vielen Fragen und noch mehr Antworten im Gepäck wieder aus. Energie fließt und die gehört ganz sicher auch in die Klubs und auf die Festivals des Landes! TOXPACK gehen auf KÄMPFER-Tour. Also, versammelt euch vor den Bühnen und geht mit den Berliner Jungs zusammen auf Reise durch die mächtige Welt des Streetcore – roh, hart, authentisch.“

 

Weitere Informationen
Fr, 11.10.2019 Dresden, Puschkin TICKETS

LEGENDS OF WOODSTOCK

+++Resttickets gibt es noch an allen bekannten VVK-Stellen und an der Abendkasse+++

Rockmusik, wie sie sich zur Pionierzeit ab Ende der 1960er etabliert hat, liegt aktuell wieder am Puls der Zeit, denn Gutes wird einfach nicht alt, und genau das trifft auch auf Canned Heat zu, die 2017 sage und schreibe ein halbes Jahrhundert alt wurden.

Was die immer noch ultimative Blues-Boogie-Band auszeichnet, ist ihr glaubwürdiger Umgang mit dem Spirit of ‘68, dessen Maximen Liebe und Frieden sie hingebungsvoll hochhalten, ohne albern zu wirken, zumal sie ihr Publikum weiterhin mit den Ohren schlackern lassen. Der kraftvolle Sound, den Ur-Schlagzeuger Fito de la Parra und seine junggebliebene Truppe hochkochen, ist nach wie vor heiß genug, um jedem emporgekommenen Newcomer Respekt abzutrotzen, denn wo andere altgediente Combos als Ersatzteillager ins Rennen gehen, bestehen Heat im Kern weiterhin aus den gleichen Musikern, die während der Hochphase des klassischen Rock für Furore sorgten.

Besetzung:

  • Fito de la Parra: drums/vocal
  • Rick Reed: bass/guitar
  • John Paulus: bass
  • Dale Spalding: vocals/guitar/harmonica

 

TEN YEARS AFTER

feiern ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem neuen Studioalbum, das den Titel »A Sting In The Tale« trägt.

Parallel zu den Beatles  tourten sie durch die Lande und spielten unter anderem auch im kultigen Hamburger Starclub. Unvergessen bleibt der viel beachtete Auftritt der damals noch jungen Band im Jahr 1969 beim Festival in Woodstock. Vor allem mit der zehnminütigen Zugabe »I’m Going Home«spielte sich das Quartett in die Herzen der Zuschauer.

TEN YEARS AFTER stehen für eine gelungene Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Power, ebenso zeitlos wie energetisch.

Nach einer wechselvollen Bandgeschichte mit zwischenzeitlichen Auflösungen, Comebacks und wechselnden Bandmitgliedern heißen die beiden originalen Gründungsmitglieder Chick Churchill (Keyboards) und Ric Lee (Schlagzeug) nunmehr zwei wahrlich herausragende Musiker in ihren Reihen willkommen: Den mehrfachen Gewinner des British Blues Award und erfolgreichen Solokünstler Marcus Bonfanti (Gesang und Gitarre) und die Bass-Ikone Colin Hodgkinson (u.a. Spencer Davis, Alexis Korner, Peter Green, John Lord, Charlie Watts, Whitesnake, Chris Rea, Konstantin Wecker).

Besetzung

  • Marcus Bonfanti: guitar/ vocals
  • Chick Churchill: keyboard
  • Colin Hodgkinson: bass
  • Ric Lee: drums

 

Leider konnte  die Band „Ten Years After“ am 12.10.2019 krankheitsbedingt nicht im Rahmen der Legends Of Woodstock Tournee im Alten Schlachthof auftreten. Die Band und der Veranstalter konnten aber bereits einen neuen Konzerttermin finden.

„Ten Years After“ kommen am 26.4.2020 in den Alten Schlachthof.

Die Karten vom 12.10.2019, behalten für diesen neuen Termin ihre Gültigkeit.

 

Sa, 12.10.2019 Dresden, Alter Schlachthof TICKETS

THE CREEPSHOW

+++Resttickets gibt es noch an allen bekannten VVK-Stellen und an der Abendkasse+++

„What doesn’t kill you only makes you stronger!“

Über die letzten 12 Jahre haben die fünf Kanadier von THE CREEPSHOW der ganzen Welt ihren Cocktail aus Punk,Country, Psychobilly und oldschool Rock ‘n‘ Roll um die Ohren gehauen. Mit ihrem Debütalbum „Sell Your Soul“ hatten sich THE CREEPSHOW 2006 auch sofort an die Speerspitze der internationalen Psychobilly-/ Punkszene katapultiert. Die darauffolgenden Veröffentlichungen bestätigten dann nochmals ihren Ruf als eine der Besten ihres Genres.
Die charismatische Stimme von Sängerin Kenda schafft zusammen mit den eingängigen Melodien der Band eine unverwechselbare Atmosphäre, so dass die Songs schnell im Ohr bleiben.

Weitere Informationen
Sa, 12.10.2019 Dresden, Club Puschkin TICKETS
IMPRESSUM

Herausgeber

Aust Konzerte
Bernd Aust KulturManagement GmbH
Gothaer Strasse 11 – Alter Schlachthof
D-01097 DresdenTelefon: +49 (0) 351 43131-0
Telefax: +49 (0) 351 43131-17info@aust-konzerte.com
www.aust-konzerte.com

 

 

 

 

BilderAlbum: Theaterprobe vor der Aufführung „Hell“ der Company „Tango – offen und bunt“ im Montagscafé im Kleinen Haus

Musik, die bewegt und Licht ins Dunkel bringt

Die neue Aufführung „Hell“ der Company „Tango – offen und bunt“ feiert Premiere am 14. Oktober, um 20 Uhr im Montagscafé im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Ein Mann und eine Frau tanzen hingebungsvoll Tango. Sänger Orpheus hat seine Liebste Eurydike im Schattenreich wieder gefunden. Wenig später wird er sie wieder verlieren. Schattenhafte Gestalten in dunklen Gewändern treten aus den Zuschauerreihen einzeln auf die Bühne, stehen, kauern oder gehen vor einer Wand wie Gefangene hin und her. Ein junger Mann läuft zwischen ihnen umher, hebt ihre Kapuzen hoch, sieht ihnen ins Gesicht und geht verzweifelt weiter. Er sucht seine Liebste. Sie trägt eine Nummer auf ihrem weißen Arm und einen gelben Stern auf dem Herzen. Keiner sieht, wie schön die Mädchen sind… Singt Paul Hoorn mit ergreifender Stimme zum Akkordeon. Der Konzert- und Theatermusiker und Komponist aus Dresden (vielen bekannt durch seine frühere Gruppe „Blaues Einhorn“) und weitere Musiker begleiten die Musik-Theater-Aufführung „Hell“ der Company „Tango – offen und bunt“.

Die künstlerische Leitung hat Cristian Javier Castano, Tango-Tänzer und Kulturwissenschaftler aus Argentinien, der die Company „Tango – offen und bunt“ 2017 in Dresden ins Leben rief. Diese bietet kostenlos Tango-Kurse und Theater-Projekte an für Menschen aller Generationen, unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft, mit oder ohne Flucht- und Migrationserfahrung. Die Gruppe führt außerdem regelmäßig Performances auf, die sie gemeinsam entwickelt.

Tanzen überwindet Grenzen – so lautet das Motto der Company „Tango – offen und bunt“. Tango ist aus einer Vielzahl kultureller Einflüsse entstanden und wie kein anderer Tanz offen für neue Stile und Praktiken. Interkulturalität und Austausch sind diesem Tanz eingeschrieben, so Cristian Javier Castano. Zudem stärkt Tanzen das Selbstvertrauen und das Gemeinschaftsgefühl.

Die Company probt mehrmals wöchentlich an verschiedenen Orten in der Stadt, wo jeder kommen, zuschauen und mitmachen kann.

Die neue Aufführung „Hell“ ist jenen Menschen gewidmet, die in „der Hölle“ sich selbst und ihren Mitmenschen Licht und Helligkeit gaben, mittels Musik und Liedern, die an Orten des Leids gespielt und gesungen wurden. Musik, die half Schmerz und Trauer zu tragen, Wärme und Hoffnung gab, die in Gefängnissen und Konzentrationslagern komponiert und gespielt wurde und überlebte, kommt in ebenso starken, berührenden Bildern und Szenen auf die Bühne. Die Endproben laufen zurzeit.

Premiere feiert „Hell“, als dritter Teil der Trilogie „Past Continuous“ bei einem Gastspiel am 14. Oktober, um 20 Uhr, im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Unterstützt und gefördert werden die Projekte der Company „Tango – offen und bunt“ von der Cellex-Stiftung. Darüberhinaus sind Spenden für das in dieser Form einmalige Tanz- und Theaterangebot willkommen.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos und aktuelle Termine unter:
http://www.cellex-stiftung.org/de/projekte/tango

Kultur-Tipp

Zu einer „Paradiesnacht“ mit Musik aus vielen Kulturen und Begegnung lädt heute, am 10. Oktober, von 17 – 23 Uhr das „Paradiesorchester“ um Paul Hoorn, alle die ein friedliches Miteinander aller Menschen wollen, herzlich zum Zuhören, Tanzen und Feiern in die Evangelische Hochschule, Dürerstraße 25 in Dresden ein. Es gibt Essen und Trinken und alles kostenfrei.

 

Ausstellung „Seelenlandschaft“ von Simone Ghin im Autohaus Gommlich Radebeul

Farbenfrohe Spiegelbilder der Seele

Leuchtendfarbige Malerei über Lieblings- und Sehnsuchtsorte zeigt die Künstlerin Simone Ghin zurzeit im Autohaus Gommlich in Radebeul.

Adieu Oktobergrau! Bunte Wäschestücke flattern auf der Leine vor strahlend blauem Himmel. Auf dem Wasser wartet schon eine Gondel. Ein kleiner Amor zückt Pfeil und Bogen und vielleicht sitzen der Mann mit der venezianischen Vogelmaske und die Frau mit dem gelben Strohhut und roter Schleife schon bald zusammen im Boot. Das großformatige Bild ist ein Blickfang in der derzeitigen Ausstellung „Seelenlandschaft“ von Simone Ghin innerhalb der Reihe Kunst im Autohaus Gommlich auf der Meißner Straße 140 in Radebeul.

Mit ihrer leuchtend farbigen, glasspiegelnden Malerei entführt sie die Besucher an Lieblings- und Sehnsuchtsorte voller Licht, Farbe und Weite. Die Bilderreise führt von den Radebeuler Weinhängen, über ein Stelldichein am Frauenteich, in die Toscana mit rot wogenden Mohnfeldern, auf die Mittelmeerinsel Stromboli mit brodelndem Vulkan und in die Provence inmitten von Lavendel und weißem Sand. Zu sehen sind äußere und innere Landschaften, die sichtbar werden im wandlungsreichen Spiel mit Farben, Formen und Stoffen.

Auf den Leinwänden treffen in mal sonnigen, kräftigen und mal zarten, matten Farbtönen paradiesische Gefilde, eine Blumenwiese wie ein „Sommernachtstraum“, ein zauberhaftes „Lied an den Mond“ und symbolhaft abstrahierte Farbräume aufeinander. Manchmal schimmern Glassteine aus den Farbschichten, verlockend, rund und alle Höhen und Tiefen überwindend. Mal recken sich die Glassplitter filigran wie Grashalme und Schilf in die Höhe, mal als kraftvolle Baumstämme oder fließend weich wie Wasser oder fangen ihr Gegenüber in einer Spiegelscherbe ein.

Simone Ghins Bilder erzählen, angeregt von der Natur, Fantasie und Erlebtem,  facettenreich Geschichten. Sie selbst nennt sie „Sinnbilder des Lebens“, die zum Entdecken und Verweilen einladen und in denen man auch innere Ruhe finden kann. Da geht ein Seiltänzer auf dem Drahtseil fesch mit Hut und Blumenstrauß das „Risiko“ ein, herunter zu fallen, wenn er nur jemand eine Freude machen kann. Da taucht der „Perlenfischer“ in dunkle Tiefen, bis unten auf dem Grund halb versteckt zwischen Steinen eine weiße Perle leuchtet. In Gold- und Erdfarben gehalten ist das Bild „Menschen“. Schmunzeln lässt der Farbholzschnitt mit einer graublau vereinten Menschenmenge unter Regenschirmen und der farbenfrohe Menschenstrom „Auf der Straße“.

„Aus der Sehnsucht heraus, Licht einzufangen, konstruiere ich Glasobjekte und ,Lichtfänger`“, sagt Simone Ghin über ihr Herangehen. “Die Landschaft ist der Spiegel der Seele, als Resonanzraum für die eigenen Gefühle, Erinnerungen, Rückzugsorte oder Kraftquellen. Orte, an die man geht, wenn nichts mehr geht.“ Simone Ghin wurde 1966 in Mönchengladbach geboren. Sie ist am Niederrhein und in Norditalien, der Heimat ihres Vaters, aufgewachsen. Sie absolvierte ein Studium an der Neuen Kunstschule Zürich und eine Ausbildung als Heilpraktikerin (Psychotherapie) und lebt als freischaffende Malerin in Radebeul. In ihrem Atelier für Malerei und Glaskunst in Altkötzschenbroda 23b sind Besucher willkommen, das Entstehen ihrer Kunstwerke mitzuerleben und auf einen Schwatz. Die Ausstellung „Seelenlandschaft“ von Simone Ghin ist noch bis 17. Oktober  zu sehen.

Text + Fotos (lv)

http://www.ghinmalerei.de

„Die Ritter der Tafelrunde“ von Christoph Hein – Fernsehaufzeichnung der legendären Aufführung von 1989 & Gesprächsrunde mit Beteiligten


Das Stück ist Geschichte, den runden Tisch und die Stühle von damals gibt es immer noch. Gesprächsrunde am Sonnabend im Schauspielhaus Dresden mit Beteiligten der Aufführung „Die Ritter der Tafelrunde“ von Christoph Hein, die erstmals im April 1989 im Kleinen Haus auf die Bühne kam. Auf dem Bild: Dr. Jörg Bochow (Chefdramaturg und stellvertretender Intenant Staatsschauspiel Dresden), Ursula Müller (Bühnen- und Kostümbildnerin), Christoph Hein (Autor), Prof. Dr. Dieter Görne (ehemaliger Intendant Staatsschauspiel Dresden), Janina Hartwig (Schauspielerin), Hanns-Jörn Weber (Schauspieler), Klaus Dieter Kirst (Regisseur), Thomas Stecher (Schauspieler) Foto: Sebastian Hoppe


Ausschnitt aus der legendären Aufführung im Kleinen Haus u.a. mit den Schauspielern Rudolf Donath als König Artus, Peter Herden als Ritter Lanzelot und Janina Hartwig als Kunneware.

Der Traum von Freiheit und die Suche nach dem Gral

„Ihr lebt in einem Traumland und weigert Euch aufzuwachen!“ Zornig schleudert der junge Mann, Mordret (Thomas Stecher) seine Worte den Rittern der Tafelrunde entgegen. Er sei kein Held, wolle auch keiner werden und in kein Schulbuch. Und nicht sein Leben hier vergeuden. Mordret ist der Sohn von König Artus (Rudolf Donath), dem Gründer der Ritter der Tafelrunde und weigert sich, das Werk der alten Männer fortzuführen. Es sind nicht seine Ideale. Mordret lümmelt respektlos auf der Tafel und setzt noch eins drauf. Er glaubt nicht an die Existenz des Grals! Er will keiner Chimäre nachjagen.

Das entfacht einen heftigen Streit unter den Rittern, die sich alt und ergraut in langen, schweren Mänteln um die Tafel herum im Kreis drehen, sich kämpferisch geben, leere Wortgefechte liefern, nicht merken oder wahrhaben wollen, dass die vielbeschworenen Werte wie der Traum von Gerechtigkeit für alle ihre Glaubwürdigkeit verloren haben und das Land in Aufruhr ist.

30 Jahre nach der Uraufführung des Stücks „Die Ritter der Tafelrunde“ von Christoph Hein, kehrten sie zurück in einer Fernsehaufzeichnung der legendären Aufführung unter Regie von Klaus Dieter Kirst, zu sehen am vergangenen Sonnabend im vollbesetzten Schauspielhaus Dresden. So antiquiert und weit weg die Aufführung auf den ersten Blick anmutet, so frappierend zeitlos, spannend wie tragikomisch ist diese Fabel um die verbittert an überholten Machtritualen festhaltenden Ritter, die einst das Politbüro der DDR meinte und seine Entfernung vom Volk. Wie viel hat sich seither verändert. Was ist geworden aus dem Traum von Freiheit, blühenden Landschaften, Selbstentfaltung und Mitbestimmung und der Überwindung eines einst geteilten Landes?

Viele der im Stück angesprochenen Themen und Konflikte werden heute weiter ausgefochten. Wie der Kampf um wirkliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Waldsterben oder die Suche nach dem Glück und was dies ausmacht. Bei den „Rittern der Tafelrunde“ geben Männer den Ton an. Die Frauen dürfen Bücher lesen, mit am Tisch sitzen, das Dilemma mitansehen und anhören, leiden, aufbegehren, sich entziehen, einschließen im Zimmer, ungehörig verhalten. Doch die Männer entscheiden. Die einen selbstherrlich, starrsinnig und skrupellos. Andere wie der weit gereiste als Greis zurückgekehrte, verstummte und ernüchterte Ritter Lanzelot (Peter Herden) und der sein Scheitern eingestehende König Artus (Rudolf Donath) ringen um Wahrhaftigkeit und sind bereit Neuem Platz zu machen.
Nach der Aufführung gab es eine Gesprächsrunde, Rückblick und Erinnerungen der Beteiligten auf die „Ritter der Tafelrunde“, ebenso nahegehend wie ermutigend, was die Kraft des Wortes, über alle Zensurhindernisse hinweg, auf die Bühne gebracht vermag.

Text + Foto (1) lv
Mehr Text zur Aufführung und Gesprächsrunde folgt.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

„Weck den Kasper in dir“ – Erster Hohnsteiner Kasperwettbewerb


„Hohnsteiner Holzköpfe“: Beliebt bis heute bei kleinen und großen Zuschauern. Und der Kasper trägt sein Herz auf der Zunge. Foto: Fotoatelier Christine Starke

Siegerin der Holzköpfe

Cornelia Fritzsche hat den 1. Hohnsteiner Kasperwettbewerb gewonnen – Premiere des Siegerstücks „Kasper und das Märchenpuzzle“ ist am 3. Oktober, um 15 Uhr im Max Jacob Theater in Hohnstein – Eintritt frei!

Auf dem Land hat man gut lachen – besonders dann, wenn das Kasperspiel beginnt und der Hohnsteiner Kasper mit Witz und Charme Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert. Was nach einem Kinderspiel klingt, ist in Wirklichkeit eine echte Herausforderung! Daher hat der Traditionsverein Hohnsteiner Kasper e.V. einen eigenen Wettbewerb ausgelost. Die professionelle Puppenspielerin Cornelia Fritzsche überzeugte die siebenköpfige Jury mit Wortwitz und hervorragender Puppenführung. Ihr Stück „Kasper und das Märchenpuzzle“ erleben große und kleine Kasperfreunde am Donnerstag, dem 3. Oktober, um 15 Uhr zur Premierenfeier im Max Jacob Theater in Hohnstein. 

„Es ist gar nicht einfach, Kinder und Erwachsene gleichermaßen beim Kaspertheater zu begeistern. Die Kinder müssen ja Spaß haben und die Eltern sollen sich nicht langweilen, sondern über die ein oder andere Pointe lachen können, die die Kleinen noch gar nicht verstehen. Zudem hat Kasperspiel meist auch einen positiven pädagogischen Effekt“, erläutert Ines von Bardeleben, Vereinsvorsitzende des Traditionsvereins Hohnsteiner Kasper e.V. Diese Schwierigkeit war Grund genug für den Verein, einen Wettbewerb auszulosen.

Auf diese Weise soll einerseits eine beliebte Tradition gestärkt und andererseits das kulturelle Leben im ländlichen Raum bereichert werden. Unter dem Motto „Weck den Kasper in Dir“ rief der Verein im Juni dazu auf, ein Stück mit dem Kasper zu erstellen. Teilnehmen durfte jeder – egal ob professionell ausgebildet oder Amateur. Zur Bewerbung für den Wettbewerb gehörte eine inhaltliche Darstellung der geplanten Inszenierung sowie ein Video, das den Puppenspieler beim Spiel zeigt. Dem Gewinner winkten ein Preisgeld zur Finanzierung der Bühne, Puppen und Requisiten für die Aufführung des Kasperstücks.

Eine siebenköpfige Jury aus Puppenspielexperten wählte schließlich Cornelia Fritzsche aus Dresden mit ihrem Stück „Kasper und das Märchenpuzzle“ zur Siegerin. „Die Jury war begeistert von ihrem Wortwitz und ihrem sehr guten Puppenspiel, aber auch davon, wie sie in ihrem Stück Althergebrachtes durcheinanderbringt und neu sortiert. Nach Meinung der Jury lässt sich mit dieser Kombination Tradition und Innovation auf frische Art vereinen“, berichtet Ines von Bardeleben.

Zwar war der Hohnsteiner Kasper nicht ausdrücklich für den Wettbewerb gefordert – Cornelia Fritzsche hat ihn dennoch verwendet. Dabei ist die Nutzung der alten „Hohnsteiner Holzköpfe“ in Fachkreisen durchaus umstritten: überholt, zu kantig, Puppen für jedermann, meinen die einen. Andere professionelle Puppenspieler wissen um die hohe Kunst des Kasperspiels. „Der Kasper steht für Charakterstärke, Klugheit und ist der absolute Favorit bei den Kinderveranstaltungen“, erläutert Birgit Großer, Programmverantwortliche des Traditionsvereins Hohnsteiner Kasper e.V. „Der Kasper ist interaktiv, bringt das Publikum auf den Punkt zum Lachen und auch zum Schweigen. Dabei denkt er an alle, beschenkt mit seinem Charme Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Es ist eben kein Kinderspiel, sondern eine echte Herausforderung“, ergänzt Ines von Bardeleben.

Die Wichtigkeit des Kasperspiels hat auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erkannt. Bereits 2017 hatte das BMEL das Programm „Landkultur“ ausgeschrieben. Ziel des Programms ist es, kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Regionen zu stärken. Zwei Jahre lang dauerte das Auswahlverfahren, 900 Projektideen wurden eingereicht, 250 wurden ausgewählt, mit dabei das kleine Hohnstein in der Sächsischen Schweiz und die große Liebe zum Hohnsteiner Kasper. Mit Hilfe des Programms konnte der Traditionsverein Hohnsteiner Kasper e.V. zum 1. Juni 2019 zum ersten Mal seinen Wettbewerb auslosen. Ziel ist es, den Wettbewerb künftig jedes Jahr durchzuführen.

Über den Verein:
Der Traditionsverein Hohnsteiner Kasper e.V. setzt sich für den Erhalt und Fortführung des Hohnsteiner Handpuppenspiels ein. Zu diesem Zweck wurde unter anderem das Max Jacob Theater mit Unterstützung verschiedener Förderer saniert und wird seither bespielt. Es ist ein Kleinod in der Sächsischen Schweiz und trägt zum Kontakt zwischen Kindern auf dem Land und kulturellem Leben bei. Unterstützt wird das Theater vom Kulturraum Meißen/Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie von der Stadt Hohnstein. Ein weiteres Highlight ist das jährlich stattfindende Puppenspielfestival.

Text: Franziska Märtig/meeco Communication Services

Klimaschutz, der Natur & Portemonnaie schont – wie weiter?


Wer etwas tun will für den Klimaschutz, muss sich bewegen. Nach der ersten großen Demo dazu auch in Dresden, angeführt von der Bewegung Friday for Future, zu der generationsübergreifend Tausende kamen bundesweit, sind jetzt weitere Taten gefragt. Fotos: Lilli Vostry

Neue Wege für eine umweltfreundliche und sozialverträgliche Politik
sind gefragt

Ein fulminantes Fest des Protests mit 1,4 Millionen Bürger*innen – und trotzdem versagt die Regierung beim Klimaschutz. Was bedeutet das jetzt für uns als Klima-Bewegung? Campact-Vorstand Christoph Bautz möchte Ihnen Einblick in die Diskussion bei Campact geben – und hat dafür erste Antworten formuliert. Warum wir Neuwahlen brauchen – und wie wir sie durchsetzen. Wieso die Grünen es alleine auch nicht bringen. Und wie wir eine Wahl jetzt zur Klimawahl machen, die kaum einer auf dem Zettel hat.

Das war’s überhaupt nicht. Ein „Dokument der Mutlosigkeit“[1] nennt der renommierte Klimaforscher und Merkel-Berater Ottmar Edenhofer das Klimapaket der Regierung. Und in dieser vernichtenden Einschätzung sind sich Klimawissenschaftler*innen, das Gros der Medienlandschaft und die Mehrheit der Bevölkerung einig. Denn: Nach Berechnungen der Analysten von Agora Energiewende erbringt das Sammelsurium an Maßnahmen nur ein Drittel der CO2-Einsparung, die zum Erreichen des 2030-Klimaziels der Regierung nötig sind.[2]

Bitter ist: Der Beschluss der Regierung fiel zeitgleich zur größten Demonstration, die dieses Land jemals gesehen hat. Viele Campact-Unterstützer*innen fragen uns jetzt, was wir denn noch tun können, wenn nicht einmal 1,4 Millionen Menschen auf den Straßen die Regierung von solchen fatalen Beschlüssen abhalten konnten. Wir haben die letzten Tage viel nachgedacht und diskutiert – und einige erste Antworten entwickelt:

  1. Was hilft jetzt noch, wie können wir konsequenten Klimaschutz durchsetzen?
  2. Hinter welchen Forderungen sollten wir uns sammeln?
  3. Was können wir jetzt ganz konkret tun?

Wir sind sehr gespannt und freuen uns darauf, was Sie uns in unserem Campact-Blog im Kommentar-Bereich schreiben. Bitte diskutieren Sie mit.

1. Was jetzt noch hilft

Eines ist für uns jetzt klar: Mit dieser Regierung wird das nichts mit konsequentem Klimaschutz. Den bekommen wir nur, indem wir dafür sorgen, dass die GroKo abtritt – und den Platz frei macht für eine Regierung, die beim Klimaschutz ernst macht. Denn die Klimaforschung sagt uns knallhart: Wenn wir verhindern wollen, dass die Welt sich über die kritische 1,5-Grad-Schwelle erhitzt, hinter der eine sich selbst beschleunigende Klimakatastrophe droht, dann dürfen wir weltweit nur noch 420 Gigatonnen CO2 ausstoßen.[3] Bleiben die CO2-Emissionen auf dem derzeitigen Niveau, ist unser gesamtes verbleibendes Budget schon in zehn Jahren verbraucht.

Sprich, die Zeit rennt. Zwei weitere Jahre Stillstand beim Klimaschutz können wir uns nicht erlauben. Doch in der Union verhindert der Wirtschaftsflügel wirksame Klimapolitik. Die SPD ist offenbar zu schwach, sich gegen diesen Widerstand durchzusetzen. Und beide eint die große Angst, dass Klimaschutz den Klimaleugner*innen von der AfD Wähler*innen zutreiben könnte. In den monatelangen Verhandlungen zum Klimapaket ist es nicht gelungen, diese Blockade zu durchbrechen – wieso sollte sich das in den nächsten beiden Jahren ändern? Zumal die Spitzen beider Parteien ihr Versagen auch noch zu bejubeln scheinen.[4][5]

Mit der Forderung nach einem Ende der Großen Koalition nehmen wir den derzeit gewichtigsten SPD-Politiker beim Wort: Vizekanzler Olaf Scholz. Noch Anfang des Monats verkündete er: „Ein Klein-Klein in der Klimapolitik hilft nicht weiter. […] Wir brauchen einen großen Wurf, wenn wir als Regierung weiter eine Berechtigung haben wollen, das Land zu führen.“[6] Nun ist „Klein-Klein“ für das Klimapaket sogar noch eine beschönigende Beschreibung: Mit der Erhöhung der Pendlerpauschale oder mit neuen bundeseinheitlichen Hürden für den Ausbau der Windkraft bremst es den Klimaschutz sogar aus.

Ob die Groko hält oder fällt: Das entscheidet sich am 7. und 8. Dezember. Dann kommt die SPD in Berlin zum Bundesparteitag zusammen. Und zieht ihre Halbzeitbilanz für Schwarz-Rot. Die Spitzen der Partei und auch viele Abgeordneten klammern sich an die GroKo, da sie angesichts desolater Umfragewerte um ihre Posten zu fürchten scheinen. Vermutlich klammern sie sich an die Hoffnung, irgendwie bis zur regulären Wahl 2021 aus dem Tal der Tränen herauszufinden. Doch die Stimmung in der Partei ist miserabel. Bei vielen Delegierten könnte sich die Einschätzung durchsetzen: Die GroKo stellt eine existentielle Gefahr für die Sozialdemokratie im Land dar. Gemeinsam müssen sie ihr den Stecker ziehen.

Denn eine ganze Generation droht der SPD verloren zu gehen: Schon über die Zustimmung der SPD zu Upload-Filtern waren viele junge Menschen empört.[7] Mit dem Klimapaket und dem hilflosen Versuch der regierenden SPD-Politiker*innen, eine Niederlage als Erfolg zu verkaufen, verspielt sie ihre letzte Glaubwürdigkeit. Für die Jugend entwickelt sich die SPD immer mehr zum Feindbild, aber keinesfalls zur wählbaren Option. Und auch die älteren Semester wenden sich scharenweise ab.

Wann sollten wir in einer parlamentarischen Demokratie den Ausweg vorgezogene Neuwahlen nehmen? Nur in sehr gewichtigen Ausnahmefällen. Wenn eine Regierung völlig den gesellschaftlichen Rückhalt verliert, wenn sie eine gesellschaftliche Grundstimmung überhaupt nicht mehr repräsentiert. Wie derzeit bei Schwarz-Rot: Klimapolitik ist endlich das alles beherrschende Thema. Rangierte sie in der Wichtigkeit der Themen zur letzten Bundestagswahl noch auf Platz 7, ist sie seit Monaten einsame Spitze.[8][9] Eine Regierung, die dem überhaupt nicht gerecht wird, muss Platz machen.

Bloß für wen? Für eine Regierung, die nach einer Klimawahl ihr Amt antritt und Klimaschutz den richtigen Stellenwert gibt – als die zentrale und existentielle Menschheitsaufgabe des nächsten Jahrzehnts. Dreh- und Angelpunkt einer solchen Regierung wären nach Lage der Dinge die Grünen. Schwarz-Grün, Jamaika oder Grün-Rot-Rot – keine der nach Umfragen denkbare Regierungsmehrheit jenseits der GroKo kommt ohne die Grünen aus. Sie müssen die Lösung der Klimakrise zur zentralen Aufgabe einer wie auch immer zusammengesetzten Koalition machen.

Doch eine Gleichung geht nicht auf: Grüne an die Macht – und dann ist alles gut. Denn dazu müssen sich auch die Grünen erst noch der Dimension der Aufgabe stellen. Bisher schrecken sie zurück, die Begrenzung der Klimaerhitzung unter der kritischen 1,5-Grad-Schwelle zum Maßstab ihrer Politik zu machen.[10] Und genau die Einhaltung dieses Limits stellte ihr Wahlprogramm zur letzten Bundestagswahl bei Weitem nicht sicher.

Zudem droht bei einer Koalition der Grünen mit CDU/CSU oder FDP die zweite zentrale Säule von Klimapolitik unter die Räder zu kommen: für den sozialen Ausgleich zu sorgen. Denn nur, wenn es auch sozial gerechter im Land zugeht und soziale Härten für die Schwächsten verhindert werden, wird eine ambitionierte Klimapolitik auf den notwendigen gesellschaftlichen Rückhalt treffen.

Sollten wir die Auseinandersetzung, ob die SPD die GroKo verlässt, gewinnen, müssen als nächstes die Grünen in unserem Fokus stehen. Damit sie Klimapolitik auch auf einem Ambitionsniveau durchsetzen wollen, dass der Dramatik der Klimakrise angemessen ist. Und dabei die soziale Frage neben der ökologischen nicht aus dem Auge verlieren. Dafür müssen wir die Grünen treiben – sie aber auch immer wieder unterstützen, wenn sie den Gegenwind von Auto- und Energiekonzernen abbekommen. Denn deren Widerstand gegen konsequente Klimapolitik wird massiv sein.

Die SPD zum Verlassen der GroKo bringen, die Grünen zu echtem Klimaschutz antreiben, der Macht der großen Konzerne widerstehen – all das wird nur mit einer lebendigen und breit verankerte Klimabewegung gelingen. Wie kraftvoll sie ist, in welch neue Dimension sie vorgedrungen ist – das haben wir am Freitag letzter Woche alle gemeinsam an Hunderten Orten unter Beweis gestellt. Darauf können wir stolz sein. Und darauf können wir bauen.

2. Hinter welchen Forderungen sollten wir uns sammeln?

Das Klimapaket zeigt, wie wir Klimaschutz nicht angehen sollten. Es nimmt vor allem sehr viel Geld in die Hand, um Bürger*innen und Wirtschaft Anreize für klimafreundliches Verhalten zu geben. Das alleine ist teuer, ineffizient und schickt ein fatales Zeichen an die Welt: Klimaschutz, das geht nur mit viel Geld. Wenn Ihr das nicht habt, könnt Ihr es lassen.

Dabei brauchen wir für ambitionierten Klimaschutz nicht nur Geld. Eine gut aufeinander abgestimmte und sich gegenseitig verstärkende Mischung von Geboten und Verboten, Marktanreizen und Steuern, Subventionen und Kürzungen. Die folgenden Aspekte erscheinen uns dabei entscheidend zu sein:

  • Harte Verbote? Na klar!
    Spätestens seit der Debatte um den Vorschlag der Grünen für einen Veggie-Day und den Erfolgen der AfD schrecken CDU/CSU und SPD vor dem wichtigsten Klimaschutz-Instrument zurück: Verbote. Dabei sind sie ja nichts anderes als das: klare Regeln. Sie würden zwar auch den*die Einzelne*n, aber vor allem die großen Unternehmen treffen: Etwa die Kohlekonzerne, die in Deutschland soviel CO2 erzeugen wie in keinem anderen europäischen Land.[11] Und die Autoindustrie, die uns immer PS-stärkere und klimaschädlichere Spritschlucker und SUVs andrehen will.
    Wenn überhaupt, findet man im Klimapaket der Regierung daher nur Verbote, die zeitlich sehr weit entfernt liegen. 2026 soll der Einbau neuer Ölheizungen verboten werden. Und dort, wo man schnell am meisten CO2 einsparen könnte – bei der Kohlekraft –, soll erst 2038 Schluss sein. Dabei hätten Regeln ganz entscheidende Vorteile: Sie kosten den Staat nichts. Sie sind schnell umzusetzen. Und sie geben der Wirtschaft einen klaren Orientierungsrahmen, wann in welchem Sektor mit dem Verbrennen von Kohle, Öl und Gas Schluss ist.
    Welche Regeln wir bräuchten, um das 1,5-Grad-Limit nicht zu überschreiten? Werden wir konkret: 2020 muss Schluss sein mit neuen Ölheizungen, dicht gefolgt von Gasheizungen.[12] Nach 2025 dürfen keine PKW mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden.[13] Und allerspätestens 2030 geht der letzte Kohlemeiler vom Netz.[12] Für alle Wirtschaftsunternehmen wäre klar: Ab dann gibt es nur noch einen Markt für Wärmepumpen und Solarthermie, für Elektroautos, neue Züge und Busse, für Windräder und Solaranlagen. Und der wird weit größer sein, als er heute ist. Damit haben Unternehmen in diesen Bereichen weit mehr Anreiz für zukunftsfähige Investitionen als jedes teure Förderprogramm erzielen kann. Das ist die Macht klarer Regeln.
  • Geldhähne öffnen – und zudrehen
    Die große Transformation weg von Kohle, Öl und Gas, hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien in den nächsten 15 bis 20 Jahren schaffen – dafür brauchen wir natürlich auch Geld und Anreize. Denn wir benötigen massive Investitionen in neue Stromnetze und -speicher, in eine moderne Infrastruktur für Fahrrad, Bahn und Bus, in die energetische Sanierung von Gebäuden. Das ist gut angelegtes Geld, das Millionen neuer Arbeitsplätze entstehen und die Wirtschaft pulsieren lassen kann. Das Klimapaket sieht hier immerhin einige sinnvolle Investitionen vor: Der Ausbau von Radschnellwegen und zusätzliche 86 Milliarden Euro für die Modernisierung der Bahn bis 2030. Die Installierung von einer Million Ladepunkte für Elektroautos und das Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“.Aber eines macht überhaupt keinen Sinn: Gleichzeitig mit noch weit mehr Geld klimaschädliches Wirtschaften zu subventionieren – etwa mit der steuerlichen Begünstigung von Kerosin und Diesel und dem Dienstwagen-Privileg. Würden diese Subventionen abgeschafft, brächte das dem Staat sogar Geld ein. Doch der Blick ins Klimapaket zeigt: Fehlanzeige.
  • Ja zum CO2-Preis – aber wenn, dann richtig
    Auch wenn der CO2-Preis alleine nicht das Allheilmittel ist, wie ihn Merkels Chef-Klimaberater Edenhofer gerne präsentiert: Die Idee, dem Ausstoß von CO2 einen Preis zu geben, ist überzeugend. Damit müssen endlich diejenigen für die gesellschaftlichen Folgekosten zahlen, die das Klima zerstören. Und klimafreundliches Verhalten wird belohnt. Doch das funktioniert nur, wenn der Preis stimmt und unser Verhalten lenkt.
    Wenn die Regierung jetzt einen CO2-Preis von 10 Euro pro Tonne CO2 im Verkehrs- und Wärmesektor einführen und diesen Preis bis 2025 auf maximal 35 Euro ansteigen lassen will – dann ist dies nicht mehr als ein schlechter Scherz. 10 Euro pro Tonne – das entspricht 3 Cent mehr für einen Liter Benzin an der Tankstelle.[14] In diesem Bereich schwankt der Preis häufig an einem einzigen Tag.
    Expert*innen sagen uns: Im Verkehrs- und Wärmebereich entstehen Anreize für klimafreundliches Verhalten und Investitionen in eine andere Infrastruktur ab einem Preis jenseits von 100 Euro/Tonne.[15] Das ist das Zehnfache von dem, was die Luftnummer der Regierung vorsieht.
  • Klimaschutz braucht sozialen Ausgleich
    Klimaschutz darf die soziale Ungleichheit im Land nicht weiter befeuern. Wenn der Weg zur Arbeit für Menschen mit geringem Einkommen noch teurer wird, die Reichen aber weiter mit dem SUV das Klima verpesten dürfen, weil sie es sich leisten können, verliert der Klimaschutz viele seiner Unterstützer*innen.In ihrem Klimapaket geht die GroKo diese Frage aber genau falsch herum an: Sie erhöht die Pendlerpauschale – den Steuerbonus, den Menschen mit Arbeitswegen von mehr als 20 Kilometern erhalten. Was erstmal plausibel klingt, hat einen entscheidenden Haken: Von einer höheren Pendlerpauschale profitieren nämlich nur diejenigen, die überhaupt Einkommensteuer bezahlen. Und besonders hoch ist die Ersparnis für jene, die mehr Steuern zahlen, weil sie mehr verdienen. Unter dem Strich heißt das: Gerade reiche Vielfahrer*innen entlastet die GroKo besonders.[17]Dabei ließe sich leicht verhindern, dass ein CO2-Preis soziale Ungleichheit erhöht. Die Schweiz gibt ihre Einnahmen aus dem CO2-Preis an jede*n Eidgenoss*in in gleicher Höhe zurück. Sozial Benachteiligte haben dadurch zumeist mehr in der Tasche, wohingegen Reiche, die in der Regel deutlich mehr CO2 verursachen, überdurchschnittlich belastet werden. Entsprechend liegt der CO2-Preis in unserem Nachbarland bei derzeit 96 Schweizer Franken (ca. 88 Euro)[17] – und beginnt so zu wirken.
    Klar ist aber auch: Klimaschutz allein kann soziale Ungleichheiten nicht beseitigen. Damit der ökologische Umbau gelingt, braucht es auch einen sozialen Umbau: mit höheren Steuern für Reiche, guter Absicherung für Arbeitslose oder gut ausgebauter öffentlicher Infrastruktur. Wer Angst haben muss, auf dem Land abgehängt zu werden oder bei Arbeitslosigkeit in Armut abzurutschen, wird sich auf konsequenten Klimaschutz kaum einlassen können.
  • Ohne Erneuerbare funktioniert nichts
    Der Umstieg auf mehr Züge, Elektro-Mobilität und Wärmepumpen – all das benötigt Strom. Aber ein Fortschritt für den Klimaschutz wird nur daraus, wenn dieser Strom auch aus regenerativen und nicht aus fossilen Quellen stammt. Doch so erfolgreich der Ausbau der Erneuerbaren Energien bisher verlief – derzeit steckt er bei einem Anteil von um die 37 Prozent an der Stromerzeugung fest.[18] Der Grund: Der Ausbaudeckel der Photovoltaik, der Ausschreibungszwang bei neuen Windkraft-Projekten und völlig überzogene Abstandsregeln von neuen Windanlagen zur Wohnbebauung. Im ersten Halbjahr gingen bundesweit netto gerade einmal 35 neue Windräder ans Netz.[19]
    Das Klimapaket der Regierung beseitigt jetzt immerhin den unsinnigen Solar-Ausbaudeckel. Doch beim Wind macht es alles noch schlimmer: Bundeseinheitlich sollen jetzt 1.000 Meter Abstand von Windrädern zu Häusern gelten. Außer in Bayern: Dort lässt die CSU ihre noch schärfere Regelung gelten. Zwar können andere Bundesländer beim Abstand auch nach unten gehen, aber das Signal ist fatal. Deshalb befürchten die Analysten von Aurora Energy, dass die Regierung mit ihren Beschlüssen ihr Ziel krachend verfehlt, bis 2030 die Erneuerbaren auf 65 Prozent Anteil am Strommix auszubauen. Sie rechnen mit maximal 52 Prozent.[20]Was es braucht? Einen klaren Plan, wie der Ausbau der Windkraft wieder vorangebracht wird und zugleich Akzeptanz in den Regionen findet. Der Deckel beim Ausbau der Windenergie, der Ausschreibungszwang bei Wind Onshore und überzogene pauschale Abstandsregelungen von Windanlagen müssen hierfür aufgehoben und der Netzausbau beschleunigt werden.[12] Die Menschen vor Ort in Standort- und Anrainerkommunen müssen vom Ausbau zudem mehr profitieren.[21] Denn nur, wenn wir weit mehr als 65 Prozent Erneuerbare in 2030 erreichen, werden wir das 1,5 Grad-Ziel noch einhalten können.
  • Klimaschutz als Chance begreifen
    Klimaschutz fasst die GroKo leider nur mit spitzen Fingern an. Anscheinend hofft sie, mit vorgetäuschtem Handeln Teile der Bevölkerung zu beruhigen und gleichzeitig ja niemandem auf die Füße zu treten. Die Angst, frustrierte Wähler*innen an die AfD zu verlieren, ist groß. Und es stimmt ja auch: Klimaschutz lässt sich nicht so gestalten, dass alle Menschen begeistert zustimmen. Manche Unternehmen werden weniger verdienen – und wir alle müssen Verhaltensweisen ändern.Doch eines ist die Grundvoraussetzung für eine große, gesellschaftliche Transformation, die Ökologie und Soziales miteinander verbindet. Dass wir sie nicht so ängstlich, verdruckst und halbherzig angehen wie Union und SPD, sondern ihre enormen Chancen begreifen – und sie entsprechend auch kommunizieren. Sie kann zu einem gesellschaftlichen Aufbruch werden, der viele Menschen begeistert. Sie kann uns hinter einer Vision einer anderen Gesellschaft vereinen, sie kann Millionen gute Arbeitsplätze und eine moderne Infrastruktur schaffen. So entsteht für alle ein besseres Leben, und unser Land – wie zu Beginn der Energiewende – wird international zum Vorbild.

3. Was können wir jetzt ganz konkret tun?

Die GroKo abtreten lassen. Eine vorgezogene Bundestagswahl zur Klimawahl machen. Und dann mit ambitionierten Grünen an der Regierung und einer Klimabewegung auf den Straßen die sozial-ökologische Transformation durchsetzen – das klingt doch nach einem Plan. Doch machen wir uns nichts vor: Dafür muss einiges zusammenkommen und gelingen. Und wir müssen alle gemeinsam an den richtigen Stellen ansetzen. Wie wir das schaffen? Hier unsere Ideen:

  • Die SPD überall mit ihrem Versagen beim Klimaschutz konfrontieren
    Die SPD ist derzeit auf Tour. Besser gesagt: ihre Kandidatenpaare für den Vorsitz der Partei. An insgesamt 23 Orten treten sie bei Regionalkonferenzen auf – bevor ihre 440.000 Mitglieder entscheiden. Doch der letzte Auftritt der Kandidat*innen im badischen Ettlingen lief so ganz anders ab: 400 Campact-Unterstützer*innen und Fridays for Future-Schüler*innen warteten am Eingang der Veranstaltung. Sie trugen die Debatte genau zu dem, der das klägliche Klimapaket maßgeblich zu verantworten hat und noch kurz zuvor große Töne spuckte: Olaf Scholz.
    Bei vielen SPD-Mitgliedern traf der Protest auf großes Verständnis, einige schenkten Schüler*innen sogar ihre Eintrittskarten, damit sie ihre Kritik drinnen direkt an Scholz adressieren konnten. Was sie auch taten. Die Debatte um das Klimapaket – sie wurde zum bestimmenden Thema des Abends.Was wir daraus mitnehmen: Lasst uns hunderte Ettlingens im ganzen Land entstehen lassen! Die Idee: Bei weiteren Regionalkonferenzen der SPD und möglichst vielen Partei- und Abgeordneten-Büros tragen Campact-Unterstützer*innen die Debatte über das Klimapaket vor die Tür. Überall adressieren wir erst die Mitglieder der Partei. Sie entscheiden darüber, welches Kandidatenpaar die SPD künftig führt. Eines, das alles beim Alten lässt – wie Scholz und Klara Geywitz. Oder eines, das die SPD endlich aus der GroKo führt und den Weg zu Neuwahlen ebnet – wie Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken oder Karl Lauterbach und Nina Scheer. Direkt vor dem Parteitag fokussieren wir uns dann auf die Delegierten des Parteitags und fordern: Macht den Weg frei für echten Klimaschutz.
    Wenn überall im Land Tausende Bürger*innen ihre Enttäuschung über das Klimapaket den Sozialdemokrat*innen mitteilen und für Neuwahlen werben, wird das seine Wirkung nicht verfehlen. Vielen SPD-Anhänger*innen werden sie aus dem Herzen sprechen.
  • Der 29.11. wird zum nächsten großen Streiktag
    Noch stehen die Details nicht, aber schon jetzt ist klar. Am Freitag, den 29. November geht es wieder raus auf die Straße, zusammen mit den Schüler*innen, alle gemeinsam. Der Termin liegt richtig: Am 1. Dezember beginnt in Chile die Weltklimakonferenz, und alle Aufmerksamkeit der Medien wird auf dem Klimathema liegen. Und ein Wochenende später, am 7. und 8. Dezember, zieht die SPD auf ihrem Parteitag in Berlin Halbzeitbilanz über die GroKo. Neuwahlen oder weiter so? Das wird entschieden. Und wenn die Große Koalition bis dahin nicht ein ganz neues, echtes Klimapaket präsentiert hat, werden wir sagen: #Neuwahlen. Wieder mit Hunderttausenden. Überall im Land. Aber mit neuem Demokonzept. Wie das aussieht? Lassen Sie sich überraschen und seien Sie dabei!
  • Die Klimawahl steigt – in Hamburg
    Sie ist die erste und einzige Landtagswahl im neuen Jahr. Die Wahl in der Hansestadt an Elbe und Alster. Und wir wollen sie zur Klimawahl machen. Denn bisher scheuen SPD und CDU/CSU ambitionierten Klimaschutz auch aus der Angst, Stimmen an die AfD zu verlieren. Doch ihr Kalkül könnte bald ganz anders aussehen, wenn sie merken: Wir verlieren Stimmen nicht wegen zuviel Klimaschutz, sondern wegen zu wenig.Deswegen wollen wir alle Hanseaten auffordern: Wählt nicht die rechtsextremen Klimaleugner*innen von der AfD. Gebt nicht Eure Stimme den Klimaversager*innen von CDU und SPD. Macht Euer Kreuz bei Parteien, die für Klimaschutz eintreten. Wie wir die Hamburger*innen erreichen? Mit Hilfe der 70.192 Menschen, die Campact in Hamburg unterstützen. Und die wir dazu einladen, Hunderttausende Türhänger und Flugblätter zu verteilen, Großplakate zu finanzieren, an den Wahlkampfständen von CDU und SPD über Klima zu diskutieren – das volle Kampagnen-Programm. Für Unruhe im Willy-Brandt-Haus und im Konrad-Adenauer-Haus ist gesorgt – vielleicht schon durch diese Zeilen.

Sie sehen, wir haben uns einige Gedanken gemacht und überlegt, was wir jetzt alle gemeinsam tun können. Doch bevor wir loslegen, wollen wir wissen, was Sie über unsere Analyse denken und von unseren Plänen halten. Schauen Sie, was andere Campact-Unterstützer*innen bereits in den Kommentar-Bereich im Campact-Blog geschrieben haben – und diskutieren Sie mit!

Klicken Sie sich hier in die Debatte ein
Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Christoph Bautz, Campact-Vorstand[1] „Klimaökonom Edenhofer: ‘Paket ist Dokument der Mutlosigkeit’“,  Handelsblatt, 21. September 2019
[2] „Berliner Klimapaket wird doppelt teuer – Heftige Kritik an CO2-Preispfad“,  Frankfurter Rundschau, 23. September 2019
[3] „So schnell ticket die CO2-Uhr“,  Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change
[4] Tweet von Olaf Scholz (@olafscholz), 21. September 2019, 11:35
[5] Tweet von Markus Söder (@Markus_Soeder), 20. September 2019, 14:05
[6] „Scholz erklärt Klimapolitik zur Koalitionsfrage“,  Spiegel Online, 2. September 2019
[7] „Die GroKo und die Angst vor jungen Wählern“,  ZDF, 3. März 2019
[8] „ARD-DeutschlandTREND September 2017 II“,  tagesschau.de, September 2017
[9] „Klimawandel ist für die meisten Deutschen das größte Problem“,  Zeit Online, 19. August 2019
[10] „Der Schein trägt“,  Zeit Online, 7. August 2019
[11] „Treibhausgas-Emissionen in der Europäischen Union“,  Umweltbundesamt, 6. September 2019
[12] „Regierungsbildung als neue Chance für den Klimaschutz“,  Klima-Allianz Deutschland, Oktober 2017
[13] „Verkehrswende für Deutschland“,  Greenpeace e.V., August 2017
[14] „Das steht im Klimaprogramm der Koalition“,  Zeit Online, 20. September 2019
[15] „CO2-Preis jenseits der Leerformel“,  Tagesspiegel Background, 30. Mai 2019
[16] Tweet von Brigitte Knopf (@brigitteknopf), 25. September 2019, 6:33
[17] „Lenkungsabgabe auf CO2“,  Eidgenössische Zollverwaltung
[18] „Erneuerbare Energien in Zahlen“,  Umweltbundesamt, 15. März 2019
[19] „Nur 35 Windräder mehr – in sechs Monaten“,  Spiegel Online, 25. Juli 2019
[20] „Mit Klimapaket nur 52 Prozent Erneuerbare bis 2030“,  Tagesspiegel Background Energie & Klima, 26. September 2019
[21] „Zehn Punkte für den Ausbau der Windenergie“,  BDEW, BWE u.a. , 3. September 2019
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Jugendträume & auf Strohballen im Paradiso & Aus dem Nest in die Welt geflattert – Wandertheater-Preis für Adhok aus Frankreich


Vom Abenteuer Erwachsenwerden: Was passiert, wenn man das schützende Nest verlässt? Da heißt es, Flügel ausbreiten und den Kopf aus dem Nest nehmen! Davon erzählt humorvoll das Tanztheater-Stück „Das Nest“ von Adhok aus Frankreich, dem diesjährigen Gewinner des Publikumspreises beim Internationalen Wandertheaterfestival. Foto: Adhok

Jugendträume neu aufleben lassen

In Radebeul feierten zehntausende Einheimische und Gäste den sächsischen Wein und das internationale Theater. Zum 29. Herbst- und Weinfest mit XXIV. Internationalem Wandertheaterfestival kamen vom 27. bis 27. Septenber etwa 50.000 Besucher nach Altkötzschenbroda, erinnerten sich an die Visionen ihrer Jugend und feierten drei Tage lang ein friedliches und ausgelassenes Fest. Schauspieler, Musiker und Winzer verbanden Wein- und Kulturgenuss und sorgten für einen Ort zum Träumen.

Unter dem diesjährigen Motto „JugendTräume“ wurden drei Tage lang Zukunftshoffnung, junge Liebe und die unstillbare Neugier auf die Welt ins Rampenlicht gestellt. Am Festwochenende zeigten 17 Theatergruppen und Solokünstler aus insgesamt zehn Nationen eindrucksvolle und humorvolle Inszenierungen. Die 70 Aufführungen im Rahmen des Wandertheaterfestivals waren sehr gut besucht. Schon weit vor Beginn bildeten sich Warteschlangen vor den Eingängen und Bühnen.

Gewinner des diesjährigen Publikumspreises ist die Compagnie Adhok aus Frankreich. Mit ihrem europaweit gefeierten Tanztheaterstück „Das Nest“ begeisterten sie auch die Zuschauer in Radebeul mit dem Abenteuer des Erwachsenwerdens. Die jungen Künstler zeigten hoffnungsvoll und humorvoll, was passiert, wenn man das schützende Netz verlässt, welche Herausforderungen dabei warten und wie man sich dennoch einen Platz in der Welt erobert.

Zahlreiche Besucher drängten sich hinter der Friedenskirche, um die Show von Dado, dem stillen Clown aus Kanada und Gewinner des Publikumspreises 2018, zu sehen. Sehr begehrt waren auch wieder die Plätze im Hoftheater. Dort vereinte Multitalent Kerol in „Welcome to my Head“ Jonglage und Comedy und meisterte zur Begeisterung des Publikums mehrstimmiges Beatboxen. Die Landesbühnen Sachsen präsentierten Auszüge aus dem Musical „Hair“ und erhielten viel Applaus dafür. Ein weiterer Höhepunkt des Wandertheaterfestivals war die Aufführung „Take Off“ von der französischen Cie. Tac O Tac, die auf Stelzen und mit überirdischer Akrobatik das Universum eroberte. Die italienisch-argentinische Band España Circo Este sorgte am Kuffenhaus für ausgelassen tanzende Besuchermassen.

Das Duo Olga Show begeisterte mit ihrer einmaligen Kombination aus
Violin&Drums seine Zuhörer auf dem Kirchplatz. Gewürztraminer aus Österreich und Hańba aus Polen lockten mit ihrer energiegeladenen Bühnenshow auf die Tanzfläche und luden zum ausgelassenen Feiern ein. Ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Radebeuler Herbst- und Weinfestes ist das Theaterkarussell von Georg Traber. Auch in diesem Jahr erfreuten sich die Fahrten wieder besonders hoher Nachfrage und Beliebtheit bei Groß und Klein. Zur orientalisch-keltischen Musik von Adaya und Reto Ammann drehte sich das muskelkraftbetriebene Nostalgiekarussell und ließ den Festtrubel im Herzen des historischen Dorfangers zu einem bunten Schleier verschwimmen.

Entspannung und Gemütlichkeit fanden die Besucher zwischen den Bäumen auf der Streuobstwiese. Inmitten der Installation „Paradiso“ der chilenischen Künstler Muriel Cornejo und César Olhagaray konnten sie sich auf Strohballen eine Auszeit gönnen und ihre Jugendträume neu aufleben lassen. Auf der Elbwiese erbauten Richard von Gigantikow und sein internationales Künstlerteam in diesem Jahr ihr 20. Jubiläum. Mit Labyläum erschufen sie ein hölzernes Paralleluniversum, welches zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution labyrinthische Erinnerungen an ein fernes Land DDR aufgriff. Die Besucher wandelten mit Kerzen auf den verworrenen Pfaden des Labyläum und fanden Antworten auf selten gestellte Fragen. Das Finale Grande am Sonntagabend krönt traditionell das Festwochenende. Am nächtlichen Elbufer wird vor dem Holzlabyrinth der Publikumspreis für die beliebteste Theaterinszenierung verliehen.

Text: Sandra Rösler/Kulturamt Radebeul

Mehr Informationen
http://www.weinfest-radebeul.de
http://www.facebook.com/weinfestradebeul

Das Herbst- und Weinfest mit Internationalem Wandertheaterfestival findet jährlich Ende September im historischen Stadtteil Radebeul Altkötzschenbroda statt. Die Komposition aus Weinfest und internationalem Wandertheater ist weltweit einzigartig und lockt jedes Jahr etwa 50.000 Besucher nach Altkötzschenbroda. Das Fest wird von der Stadt Radebeul organisiert.