Zauberhaft & beeindruckend & berührend: Der 24. Dresdner Weihnachts-Circus begeistert kleine und große Besucher


Protest von Zirkustiergegnern vor der Premiere des 24. Dresdner Weihnachts-Circus. Woher wollen sie wissen, wie es den Tieren geht und ob sie wie behauptet leiden, wenn sie diese noch nie in der Manege erlebten und auch nicht die Gelegenheit nutzen, sich die Tierhaltung näher anzuschauen?! Die Zirkusleute bieten bei jeder Vorstellung eine Tierschau an, wo jeder ihre Gehege und Fütterung sehen kann.

Vom Wunder mit wilden Tieren zu leben

Eine grandiose Mischung aus besonderen Tierdarbietungen, erstklassiger Artistik und Clownerie schwungvoll begleitet vom Zirkusorchester bietet der nunmehr 24. Dresdner Weihnachts-Circus auf dem Volksfestplatz an der Pieschener Allee.

Man stelle sich vor: Seelöwen wiegen fröhlich mit den Köpfen hin und her, angesichts der beschwingten Musik der Zirkusbigband. Außerdem balancieren sie Bälle auf der Nasenspitze, fangen Reifen, robben umher und winken mit den Flossen. Kerzengerade auf Podesten hockend und neugierig umher schauend, wie die Seelöwen das gern auch auf dem Rand ihres Wasserbeckens draußen tun. Ist das nun „Tierquälerei“, wie die vor dem Zirkuszelt protestierenden Zirkustiergegner behaupten? Werden die Tiere dazu gezwungen? Wie sollte das gehen?

Mit lautstarkem Pfeifen, Trommeln und Plakaten standen die selbsternannten „Tierrechtler“ dieses Jahr wieder auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor der Premiere des 24. Dresdner Weihnachts-Circus am 18. Dezember. Man hörte den Krach bis ins Zirkuszelt und nicht nur Erwachsene, auch Kinder fanden, dass der Lärm nur die Tiere abschrecke. Überdies wurde die Initiative für ein generelles  Zirkustierhaltungsverbot in deutschen Zirkussen inzwischen vom Bundestag abgelehnt. Es bleibt den Kommunen überlassen, wie sie damit umgehen. In Dresden sind Zirkustiere willkommen, wie der reichliche Beifall am Premierenabend zeigte. Erstmals ist eine Raubtierdarbietung dabei. Ebenso beeindruckend wie berührend agiert Alexander Lacey mit einem Rudel von 13 Löwen und Tigern, die alle aus eigener Zucht stammen, im Manegenkäfig. Er geht vertraut mit ihnen um, sie sitzen um ihn im Kreis wie eine Familie. Mal fordert er die verträumt vor sich hin schauenden Löwen heraus mit einem Fingerschnippen, mal stellen die Raubkatzen sich in einer Reihe vor ihm auf mit verspielt erhobenen Pfoten, geht er auf sie und legt sich zu ihnen und umarmt sie. Wäre nicht der Käfig und ab und zu ein rau donnernder Ruf, man würde glatt vergessen, dass es Raubtiere sind! Stehende Ovationen der Zuschauer gab es für diese wunderbare Darbietung, die den Traum eines angstfreien, harmonischen Miteinanders von Mensch und Tier eindrucksvoll vor Augen führt.

„Nur mit Liebe und Achtung gegenseitig sind diese Leistungen möglich“, sagte Zirkusdirektor Mario Müller-Milano. Für das Programm würden die besten Darbietungen engagiert, die im Vorfeld in puncto Tierschutz genau geprüft werden und alle Richtlinien und Bestimmungen zur Haltung der Tiere erfüllen oder gar übertreffen. Nicht die Dressur stehe im Vordergrund, sondern die Partnerschaft zwischen Tier und Mensch.

39 Vorstellungen gibt es insgesamt bis 5. Januar, fast alle sind schon ausverkauft, verkündete Müller-Milano erfreut. Das seien insgesamt fast 100 000 Besucher.  Außerdem feiert er dieses Jahr das 70-jährige Jubiläum seines Zirkusunternehmens. Mittlerweile eine feste Tradition ist der Weihnachts-Circus, der alljährlich Besucher aller Generationen verzaubert im himmelblauen Chapiteau an der Pieschener Allee. In diesem Jahr lockt ein Programm voller Highlights und besonderer Momente zum Träumen, Staunen, Innehalten und Ergriffensein.

Mehr Text zum Programm folgt.

Text + Fotos (lv)

Vorstellungen sind täglich 15 und 19.30 Uhr, Heiligabend nur 15 Uhr & am 5.1., nur 11 und 15 Uhr. Zusatzvorstellung am 27. und 29.12. um 11 Uhr.

Tickets: 0180/330 2330
http://www.DWC.de

Zum 24. Ökumenischen Gottesdienst in der Manege am 26.12., um 10 Uhr laden die Zirkusleute die Besucher herzlich ein, zu erleben sind auch Ausschnitte aus dem Progamm (Eintritt frei).

Feurige Musik & Leidenschaft & Comedy: „Mafia Mia – Viva Espana“ im Ostra-Dome


Musik mit Herz & Power: die Band Firebirds. Foto: Claudia Jacquemin

Flamenco, Rock`n`Roll und ansteckende Lebensfreude

Feurig, fesselnd und witzig-frivol entführt die Dinnershow „Mafia Mia – Viva Espana“ das Publikum dieses Jahr mitten ins Herz Andalusiens in der neuen Spielstätte im Ostra-Dome.

Was tut man nicht alles für die Familie! Heiraten für den Boss! Nicht ganz freiwillig, aber voller Abenteuerlust reisen Schlicht und Kümmerling, die Handlanger des Paten in pikanter Mission ins sonnige Spanien. Sie sollen die Herzen zweier lediger Schwestern,  Erbinnen des Osborne-Imperiums, erobern, in das der Pate geschäftlich einsteigen will.
Angespornt von den feurigen Klängen des spanischen Gitarrern-Trios „Olé“ zieht das Komiker-Duo Schlicht und Kümmerling alle Register als komische Eroberer. Doch die zwei sehr zurückgezogen lebenden Damen wollen einfach nicht anbeißen. In schwarzen Kleidern und verhüllt entwischen sie den beiden im Garten des Palazzo immer wieder, wovon witzig-dramatische Videoaufnahmen aus dem Süden Spaniens erzählen. Und die Stimmung ist schon am Kochen, noch vor dem Hauptgang, freut sich der Pate, galant-gerissen verkörpert von Bert Callenbach.

Musikalisch mitreißend und mit viel Humor gewürzt kommt die neue Dinnershow „Mafia Mia – Viva Espana“, Teil 9, auf die Bühne in der funkelnagelneuen Spielstätte im „Ostra-Dome“ in Dresden. Der moderne Zeltbau bietet noch mehr Besuchern als bisher Platz, die an langen, weißgedeckten Tafeln sitzen, mit etwas weniger verwinkelt-individuellem Flair wie im vorherigen Erlwein-Capitol. Gestalterisch ist da sicher noch einiges möglich im neuen Ambiente. Der Pate lässt nichts unversucht und lädt die beiden Senoritas zum Besuch nach Dresden ein. Seine zwei tollpatschigen Leibwächter Schlicht und Kümmerling lassen wieder mal kein Fettnäpfchen aus. Sie überreichen den Damen als Gastgeschenk Schmuck „vom letzten Montag“, eine Anspielung auf den Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe. Da überlegen sie, wie man Frauen am besten bezirzen kann.

Da balanciert, tanzt und jongliert zu zauberhaften Spieluhrklängen anmutig die ukrainische Artistin Iryna Bondarenko. Da parodieren die Babsie Dolls die kunterbunte, heile Barbiepuppenwelt mit blitzschnellen Verwandlungen in ihrem Quick-Change-Show-Akt. Die Musiker des Trios Olé wirbeln temperamentvoll mit ihren Gitarren umher, singen Ohrwürmer wie „Volares“ und „El viva Espana“ und nehmen witzig Latino-Klischees auf die Schippe. Mit ihrer leidenschaftlichen Musik-Comedy sind sie eine ernste Konkurrenz für die Firebirds und Gangbang, die sich revanchieren mit heißem Rock`n`Roll, Boogie, Blues, hinreißendem a cappella-Gesang bis zu Mallorca-Hits und für Stimmung im Saal sorgen. Mit mal samtiger Soulstimme und kraftvollem Rock begeistert die Vollblutsängerin Cheri Addo aus den Niederlanden, die unter ihrem Künstlernamen „Georgina Peach“  in ganz Europa unterwegs ist. Genuss für Ohr und Gaumen gleichermaßen erlebt man mit ihren wunderbaren Swing-und Jazzstandards zu dezenten Klavier- und Saxofonklängen begleitend zum exzellenten Menü.

Abwechselnd zu Flamenco-Rhythmen und rockigen Klängen bezaubern die Tänzerinnen in roten Kleidern und in schwarzen Lackkostümen. Der Pate überrascht mit einem rauchig-gefühlvollen Hit, „Besame mucho“. Der kraftvolle Luftakrobat Mikhail Stepanov, der auch noch in einem Stahlring kunstvoll über die Bühne rollt, wird prompt als Personaltrainer für Schlicht & Kümmerling angeheuert, um sie für den „Ernstfall“ zu stärken. Kümmerling liest Tipps aus einem Ratgeber vor, wie man Frauen erfolgreich näherkommt und Schlicht schreitet überaus komisch zur Tat – vom Kompliment bis zum Rendez-vous – mit einer Zuschauerin, Annalena. Ein Höhepunkt der Show ist der ausdrucksstark, stolz, verführerische Balance-Act auf einem Stuhl des spanischen Akrobaten Antonio Vargas Montiel zu archaischen Klängen in einer spannenden Mischung aus tänzerischen und akrobatischen Bewegungen. Wen soll frau nun mehr bewundern?! Ihn oder den mit vollem Körpereinsatz spielenden Pianisten der Firebirds, der auf dem Bauch auf dem Klavier liegend schwungvoll in die Tasten greift… Auf jeden Fall abwechslungsreich und ansteckende Lebensfreude pur, erfreut die Dinnershow „Mafia Mia – Viva Espana“ besonders an kalten Winterabenden. Noch zu erleben bis 12. Januar 2020.
Aufregend und turbulent verspricht auch die Jubiläums-Dinnershow 10 Jahre Mafia Mia zu werden, die im kommenden Jahr weit ostwärts nach Russland unter dem Motto „Diebesgrüße aus Moskau“ führt (vom 27.11.2020 bis 10.1.2021).

Text + Fotos (9) (lv)

Nächste Termine „Mafia Mia – Viva Espana“:  20., 28. und 31.12., 19.30 Uhr

http://www.mafia-mia.de


Unwiderstehlich komisch: der Pate und die zwei schwer zu erobernden Senoritas. Foto: Michael Schmidt

Manege frei für den 24. Dresdner Weihnachts-Circus!

Quirlige Seelöwen, eine kühne Raubtierbegegnung und elegante Pferde

Zu Besuch bei den Zirkustieren im Dresdner Weihnachts-Circus. Ein Blick hinter die Kulissen vor der Premiere heute am Mittwochabend.

Seelöwe Charly planscht vergnügt im Wasserbassin umher und begrüßt lautstark die ersten Besucher. Nach dem Frühstück, frische Heringe, schaut er mit aufgestützten Flossen neugierig über den Beckenrand. Die Tiger sitzen auf ihren Hochsitzen und am Boden und blinzeln in die Morgensonne. Die zwei Löwen „Massai“ und „King“, 10 und 7 Jahre alt, gehen gemächlich im Freigehege umher. Ein Doppelgitter umgibt sie und die Außenwelt. Bei den anderen Löwen ist gerade Morgengymnastik mit Stretching am Baum angesagt. „Alexander Lacey ist das Alphatier und Oberfamilienmitglied“, erklärt Dirk Porn, Sprecher des Dresdner Weihnachts-Circus. „Die Tiere reagieren sofort auf seine Stimme und man merkt die innige Beziehung.“ Lacey selbst sagt: „Ich habe keine Angst vor den Tieren, aber werde nie den Respekt vor ihnen verlieren.“

Lacey steht für die besten Raubtierdarbietungen weltweit und gilt als Gentlemen unter den Dompteuren. Er kommt erstmals mit einem Rudel von 13 Löwen und Tigern nach Dresden und wird für atemberaubende und beeindruckende Momente sorgen im Programm des diesjährigen 24. Dresdner Weihnachts-Circus. Heute, am Mittwochabend, um 18.30 Uhr ist die Premiere auf dem Volksfestplatz an der Pieschener Allee.

Im himmelblauen Chapiteau werden ein tierisches Ensemble von mehr als 50 Tieren, 31 Tierlehrer und Artisten aus neun Ländern, eine Clownsfamilie und eine Bigband mit 15 Musikern und Sängerin wieder das Publikum zum Staunen, Lachen und Träumen bringen mit vielfach preisgekrönten, außergewöhnlichen Darbietungen. Besonderes Augenmerk legt Zirkusdirektor Mario Müller-Milano auf einen liebevollen, aufmerksamen Umgang von Mensch und Tier. Was für Fähigkeiten und Talente in ihnen stecken, zeigen sie eindrucksvoll in der Manege.

Ein ausführlicher Text zum Programm des diesjährigen Dresdner Weihnachts-Circus und zur Unterbringung und Haltung der Tiere im Gelände folgt.

Letzte Gelegenheit, die außergewöhnlichen Artistik- und Tierdarbietungen zu sehen: 4.1., 19.30 Uhr; 5.1., 11 + 15 Uhr.

Tickets: 0180/330 2 330 und unter http://www.DWC.de

Viel Vergnügen!

Text + Fotos (lv)

Publikumsliebling Clown Totti Alexis wird mit seiner Frau und den Söhnen Charlie (8) und Maxim (4) für Spaß und Zauber sorgen beim 24. Dresdner Weihnachts-Circus. Darauf freuen sich auch Zirkusdirektor Mario Müller-Milano und Philipp Geyer-Busch vom Weihnachts-Circus. Foto: Lilli Vostry

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Mallust & Gemeinsam Tun: Das verbindet die Künstler der „Kunstspuren Radebeul“


„Gemeinsam sind wir stärker!“, sagt die Künstlerin Christa Günther über das Projekt „Kunstspuren Radebeul“. Ihr neuestes Bild heißt „Tanzendes Universum“.
Blick ins Atelier von ihr in der alten Schuhfabrik auf der Gartenstraße 72A in Radebeul.

Miteinander im Farbfluss des Lebens

Im Projekt „Kunstspuren Radebeul“ laden derzeit 15 Künstlerinnen und Künstlern zu Gemeinschaftsausstellungen und offenen Ateliers ein. Eine von ihnen ist Christa Günther.

Auf der Staffelei steht das neueste Bild. Lebhafte, farbige
Linienschwünge umkreisen das tiefe Blau der Leinwand.
“Das tanzende Universum“, sagt Christa Günther und lächelt.
Sie trägt ein bunt bekleckstes, weißes Tshirt und rote Handwärmer.
Ihre Liebe zur Farbe, aus der sich Formen entwickeln, die Träume,
Erlebtes und Sinneseindrücke aus der Natur widerspiegeln, verbindet sie mit den anderen Künstlern der „Kunstspuren Radebeul“.

Die Initiatorin Silvia Ibach lernte Christa Günther 2015 kennen, als sie ihr Atelier in der alten Schuhfabrik auf der Gartenstraße 72A in Radebeul besuchte. Dieses öffnet sie für Besucher alljährlich zu Pfingsten unter dem Motto: „Kunst offen in Sachsen“. Silvia Ibach brachte ihre Erfahrungen aus dem Projekt „Kunstspuren in Hamburg“ mit, das sie mit aufbaute und sie suchte nach ihrem Umzug nach Radebeul neue Kontakte und Gleichgesinnte. „Ich war zunächst skeptisch, da ich eigentlich kein Gruppenmensch bin, sondern mehr alleine im Atelier beschäftigt“, sagt Christa Günther. „Doch dann fand ich die Idee ganz gut, etwas zusammen zu machen.“

Einerseits, weil es als einzelner Künstler immer schwieriger wird, Ausstellungsorte zu finden. Andererseits sei der Gedankenaustausch mit den anderen Künstlern, zusammenkommen und miteinander etwas tun, schön. Inzwischen gehören 15 Künstlerinnen und Künstler, vor allem aus der Lößnitzstadt, aber auch aus Dresden zur Initiative “Kunstspuren Radebeul“. Die Treffen finden aller zwei bis drei Monate an wechselnden Orten, in Ateliers oder auch mal der Wohnung von Silvia Ibach statt.

Die Leidenschaft zum künstlerischen Schaffen eint sie ebenso wie der Gedanke: „Gemeinsam sind wir stärker!“ „Wir helfen uns gegenseitig bei den Ausstellungen in der Gruppe und beim Hängen, nehmen aber auch Anteil und gehen zu den Ausstellungen der anderen Künstler. Dass man weiß, was der andere macht. Was der eine nicht kann, macht der andere“, erzählt Christa Günther. Sie ist die Finanzfrau im Kunstspuren-Projekt. Künftig soll es einen Jahresbeitrag für jeden beteiligten Künstler geben, woraus anfallende Ausgaben wie der Druck der Flyer finanziert werden. Außerdem wird die Webseite der „Kunstspuren“ neu gestaltet.

Es gab bereits mehrere Gemeinschaftsausstellungen der Künstlergruppe in beachtlicher Vielfalt der Ausdrucksweisen von Malerei, Grafik bis Fotografie. Die erste Ausstellung fand im April 2016 in der Stadtbibliothek Radebeul im Kultur-Bahnhof statt. „Ein Höhepunkt war unsere Ausstellung ,Spiegelungen` im Frühjahr im Foyer der Landesbühnen in Radebeul, wo von jedem Künstler mehrere Bilder zu sehen waren“, sagt Christa Günther. Das Angebot der offenen Ateliers innerhalb der „Kunstspuren“ sei ebenfalls sehr gut angenommen worden. „Anschließend wurden auch einige Bilder gekauft.“ Dazukommt ein erster gemeinsamer Auftritt der „Radebeuler Kunstspuren“ bei der Kunstmesse „Neue Art“ Anfang 2019 in Dresden. Für das kommende Jahr sei ein größeres Ausstellungsprojekt geplant. Außerdem im Oktober 2020 eine Gemeinschaftsausstellung in der Galerie „Falkenbrunnen“ in Dresden.

„Außerdem hat jeder noch seine eigene Sachen“, schmunzelt Christa Günther. Mit Blick auf eine Serie farbintensiv leuchtender, neuer Meer-Bilder, angeregt vom Rhythmus, der Bewegung der Wellen bei einem Zypern-Urlaub im Herbst. Die Bildtitel “Ekstase“ und „Silence“ (Stille) erzählen von intensiver Malleidenschaft ebenso wie vom intensiven Wahrnehmen mit allen Sinnen. „Malen, das ist meine Insel in der heutigen lauten Welt. Wenn andere Betrachter etwas drin finden in dem Bild für ihr Leben und ich Freude weitergebe, habe ich etwas in die Welt getragen außerhalb des rein Rationalen“, sagt Christa Günther. Mit ihren Bildern kann man eintauchen, verweilen, neue Anregungen finden im Farbfluss des Lebens.

Text + Fotos (lv)

Kontakt zu den „Radebeuler Kunstspuren“: www.kunstspuren-radebeul
si.silvia.ibach@t-online.de oder christamaler@gmx.de
Eintauchen und Träumen in den Bilderlandschaften. Dazu regt auch das Bild „Silence“ (Stille) von Christa Günther den Betrachter an.

Und der Haifisch, der hat Zähne… Die Dreigroschenoper von Brecht & Weill in der Staatsoperette Dresden


Gentleman und Gauner: Macheath besucht die Spelunken Jenny im Freudenhaus. Foto: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Leben im Zwielicht

Mit grotesk-abgründigem Humor und den großartig zeitlosen Songs über Glück, Liebe und Doppelmoral kommt die „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill auf die Bühne der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Mitte. Heute, am 13.12. wieder um 19.30 Uhr.

Ein riesiger Kopf, aus dem Flammen lodern, mit weit aufgerissenen Augen und Schlund ragt über der Bühne. Aus dem Inneren tritt wie aus einer Geisterbahn eine illustre Figurenschar hervor. Es ist Jahrmarkt in Soho, wo Armut, billiges Vergnügen, Not und Verbrechen nah beieinander wohnen und man sich Moral nicht leisten kann. Ein Moritatensänger mit Zylinder singt mit tiefer Stimme den Mäckie Messer-Song „Und der Haifisch, der hat Zähne… Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Not macht erfinderisch und vor nichts halt. Das zeigt ins Milieu der trostlos abgehängten Vorstädte mit viel grotesk-abgründigem Humor entführend, vor morbider Industriebaukulisse mit Glitzerlichtketten überzogen die Inszenierung „Die Dreigroschenoper“. Das Stück von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill nach John Gays „The Beggar´s  Opera, aus dem Englischen übersetzt von Elisabeth Hauptmann, kommt heute, am 13.12., um 19.30 Uhr wieder auf die Bühne der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Mitte. Großartig zeitlos, packend und mitreißend sorgen die düster gefühlreichen Klänge und bekannten Songtexte wie der „Mond über Soho“, „Ein Schiff wird kommen“ und „Soldaten wohnen auf den Kanonen“ oder über das Glück, dem alle nachjagen und nie einholen noch immer abwechselnd für Lachen, Sehnsucht und Gänsehaut in dieser Aufführung unter der musikalischen Leitung von Christian Garbosnik, einfallsreich in Szene gesetzt unter Regie von Sebastian Ritschel. Schön verrucht-schräg auch Kostüme und Tanzszenen (Choreografie: Simon Eichenberger).

Der Bettlerkönig Peachum (Elmar Andree) und seine Frau Celia (Silke Richter), beide ganz in Schwarz gekleidet, wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Er schlägt aus dem Elend Kapital, indem er gesunde Menschen wie Krüppel ausstaffiert und betteln schickt. Er stellt die Grundtypen des Elends und die hohe Schule der Bettelkunst vor und hat vor diesem Lug und Trug keine Skrupel. „Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlecht genug und sein Streben nur Selbstbetrug“, singt Peachum ebenso stolz wie schlau-gerissen. Seine Tochter Polly (naiv-romantisch: Olivia Delauré) im adrett hochgeschlossenen Kleid mit Rüschenkragen ist verliebt in Macheath (Marcus Günzel), den Chef einer Bande von Straßenbanditen. Sie fühlt sich von seiner dunkel-geheimnisvollen Ausstrahlung angezogen und weil er vor nichts und niemand Angst hat. Halb Gauner, halb Gentleman und mit seinem weiß geschminkten Gesicht Dracula ähnelnd und zugleich das Maskenhafte, Unbescholtene betonend, tritt Macheath auf und gibt mal den galanten Herzensbrecher und mal den eiskalten Verbrecher.

Seine Bande wirkt wie Clowns, die mit grellfarbigen, spitz abstehenden Frisuren wild, ungelenk umherrennen und die Macheath wie Marionetten barsch dirigiert. Die Hochzeit mit Polly findet in einem Pferdestall mit in der Luft schwebenden Karussell-Pferden statt. Nebenher geht er im Freudenhaus ein und aus. Eine der Prostituierten wird ihn später verraten. Der Polizeichef Tiger Brown (wehleidig: Christian Grygas) ist ein Jugendfreund von Macheath, der ihn warnt vor Razzien, wegschaut und laufen lässt. Als er dann doch ins Gefängnis eingesperrt in einem Käfig steht, steht die Menge neugierig und mitleidig zugleich um den Gauner. Während die im Dunklen, die man nicht sieht, davonkommen. Herzergreifend komisch, wie Macheaths Braut Polly und seine Geliebte Luzy (Julia Danz), die Tochter des Polizeichefs sich um den Eingesperrten streiten und prügeln. Zum Schluss wird der gewiefte Macheath begnadigt von der Königin, in den Adelsstand erhoben und erhält eine Rente bis zum Lebensende, erzählt der Moritatensänger (Andreas Sauerzapf) über die wundersame Rettung des Ganoven. Und gibt parodierend den Rat, das Unrecht nicht zu sehr zu verfolgen, denn in Bälde erfriert es schon selbst, denn es ist kalt… Viel Beifall für eine witzig-doppelbödig über die Welt und die Zustände, die den Menschen machen, nachdenkende Aufführung der „Dreigroschenoper“.

Text (lv)

Nächste Termine: 13.12., 19.30 Uhr

http://www.staatsoperette.de


Wo die Liebe hinfällt: Macheath und seine Braut Polly. Foto: Stephan Floß

Premiere „Picasso“ – ein Tanzabend von Carlos Matos an den Landesbühnen Sachsen

Auf den Klippen der Kunst

Von der Schönheit, Leidenschaft, Macht und Ohnmacht künstlerischen Schaffens auf der Suche nach immer neuen Ausdrucksformen erzählt in intensiv-lebendigen Bildern der Tanztheaterabend „Picasso“ von Carlos Matos an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Weiße Leinwände stehen auf der Bühne, die sich puzzelartig mit Farben und Formen füllen. Ein blaues und ein orangenes, grafisches Zeichen, aus denen Tänzer hervorkommen und sich mit den Bildflächen bewegen. Ein Knäuel von Körpern, die sich an den Händen halten, auseinander und zueinander streben. Die Männer tragen meerblaue Anzüge und helle, luftige Hemden. Sie betrachten, umkreisen und zeichnen die Umrisse der Frauen, die zumeist fleischfarbene BH`s und Unterhosen anhaben. Sie tanzen in offenen Bilderrahmen, die über die Bühne hin und her geschoben werden. Davor, dazwischen und dahinter entstehen immer neue, ausdrucks- und assoziationsreiche, lebendige Tanzbilder zum Leben und Schaffen von Pablo Picasso.

Der gleichnamige Tanztheaterabend von Carlos Matos, der unlängst Premiere hatte an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul, betrachtet Picassos Werk und Persönlichkeit in der ihm eigenen kubistischen Sichtweise, von den verschiedensten Seiten und Blickwinkeln her. Das reiche schöpferische Potenzial, die Ansprüche an seine Kunst, der sich alles andere unterzuordnen hatte, und Gefühlskonflikte kommen bilderstark, energie- und spannungsgeladen und emotionsreich auf die Bühne in dieser Urauffaufführung.

Der große spanische Künstler begegnet dem Publikum in vielerlei Gestalt, von mehreren Tänzern verkörpert. Neben dem Maler und Bildhauer ist Picasso als Macho, Egomane, Verführer, Torero und als „Stier“, der zeitlebens mit einer großen Angst vor dem Tod kämpft und seinen Alter Egos zu erleben. Außerdem geht es natürlich um Picasso und die Frauen, fünf seiner wichtigsten Musen und seine Beziehungen zu ihnen werden von sinnlich knisternd bis dramatisch, zerstörerisch auf die Bühne gebracht. Sehr unterschiedliche Frauencharaktere: Olga Khoklova, die Tänzerin und Aristokratin; sein Modell Marie-Thérèse Walter, das „neue Gesicht“; die Fotografin Dora Maar, die Exzentrische und verzehrende Liebe; die Künstlerin Francoise Gilot, die Skeptische, die ihn als Einzige verließ und Jaqueline Roque, die Frau im Schatten und letzte Gefährtin  seines langen Künstlerlebens.

Picasso, das zeigt die Inszenierung, sah Frauen vor allem als Mal-Objekte. Ihre Reize, Körper, Fähigkeiten und Gaben, die ihn faszinierten, die er nahm und zur Seite legte, wenn Neugier und Lust gestillt waren. Die Tänzer umlagern jede neue Eroberung, streifen um die Frauen herum, heben sie hoch, lassen sie kopfüber fast fallen und tragen sie wie Gegenstände weg auf die kantigen Kubus-Flächen, wo sie rauf und runter rutschen, hangeln und nach Halt suchen. Leidenschaft, Begehren, Halten, Gehen und rastloses Ringen des Künstlers auf der Suche nach größtmöglicher Ausdruckskraft  und Wahrhaftigkeit wechseln in den Szenen zu mal wehmütigen Geigentönen und sich staccatoartig steigernden, expressiven Klängen.

Zum Schluss wird die Musik immer lauter, wild-archaischer und aggressiver. Wenn Picassos Alter Egos rücksichts- und kompromisslos, allein seiner Kunst verpflichtet, umherspringen und miteinander kämpfen. Kraftstrotzende Männlichkeit und ein Künstler, der die Form bezwingt, von allen Konventionen und Grenzen befreit und doch in seiner Kunst gefangen bleibt. In den großen Farbkuben stehen verlockend Frauen, die auf Picasso zutanzen, ihn umringen zu disharmonischen Klängen. Das Bild vom Anfang schwebt aus dem Bühnenhimmel, davor und hinter dem Bilderrahmen stehen die Modelle. Der Maler betrachtet sie aufmerksam. Das Spiel beginnt von vorn.

Viel Beifall und Bravos für einen intensiven, fesselnden Tanztheaterabend, der vom Streben nach immer neuen Ausdrucksformen, Offenheit, Freisein, Schönheit, Macht und Ohnmacht im Künstlerleben Picassos erzählt und was Kunst überhaupt bewirken kann.

Text (lv)

Nächste Aufführungen: 1.2.2020, 19.30 Uhr, 8.3., 15 Uhr, 13.3., 20 Uhr und 21.3., 19.30 Uhr.

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

Ausstellung „Zeige dem Engel die Welt“ von Ju Sobing in der Stadtgalerie Radebeul

Baummuse und Rapswurzelvolk

Zum Träumen, Besinnen und Nachdenken lädt die Ausstellung „Zeige dem Engel die Welt“ mit Malerei, Grafik und Objekten von Ju Sobing in der Stadtgalerie Radebeul ein.

Eine wundersame Gestalt in einem Papierkleid, aus deren Kopf Zweige wie Antennen, Fühler wachsen, steht im Eingangsraum der Stadtgalerie Radebeul. Die „Baummuse“ ist umhüllt von Zeitungsseiten und übersät mit Gedichtversen in schwarzer Tusche, die Natur und Menschsein in aller Fülle, Schönheit und Abgründen zeigen. Hinter ihr an der Wand wirbeln Farben und Formen heftig durcheinander in der Collage-Serie „Chaoszeit“ aus dem Jahr 2014, daneben leuchtend farbig über schwarzen Umrissen
der „Sommertanz“.

Zum Träumen, Innehalten, Besinnen und Nachdenken lädt die Ausstellung von Ju Sobing “Zeige dem Engel die Welt“ zum 75. Geburtstag der Radebeuler Künstlerin ein. Zu sehen sind Malerei, Grafik und Objekte von Mitte der 90er Jahre bis heute.
Da mischen sich Traumhaft-Surreales, Konkretes, Abstraktes, Ernstes, Poetisches und leise Komisches, Bilder und Sprache auf den Leinwänden, oft Mischtechniken, übermalten Collagen, Zeichnungen und Dingen. Da erhebt sich ein knorrig-lustiges, kleines „Rapswurzelvolk“ auf Steinsockeln, aus Wurzeln und Seidenpapier gestaltet, auf dem Fensterbrett. Blickt man in den Collagen, die farb- und kontrastreich Lebensmomente spiegeln, in Gesichter von Menschen, kleinen, großen, jungen, alten, unbekannten und Politikern.

Licht und Schatten, Glück und Leid, Hunger, Gewalt und lautes Schweigen liegen nah beieinander in diesen Bildern aus aller Welt, zusammengesetzt aus  Zeitungsausschnitten, die die „Unerreichbarkeit des Paradieses“ vor Augen führen und zugleich ein achtsames Erinnern daran sind. In einer Ecke liegt ein Stapel alter Zeitungen und Bücher als gesammelte „Zeitpäckchen“. Die wunderbare Collage „Tundra“ in grünen und erdigen Tönen, als Malgrund dient eine vergilbte Schulwandkarte, mit einem durch die weite Steppe im Rentierschlitten fahrenden Paar entführt in eine Welt, wo noch die Natur den Lauf des Lebens bestimmt. Am Treppenaufgang zum oberen Galerieraum wirft die Künstlerin ihre reichhaltigen Ideen- und Gedankennetze aus, die an einer Pinnwand festgehalten als „Kleine Zeitsammlung“ voller Skizzen, Notizzettel mit Künstlerzitaten und Lebensweisheiten und einem Artikel über „Die Sprache des Sehens“ zum Werk von Andreas Feininger ebenso spannend wie anregend sind für den Betrachter.

Ins ausdrucksreiche „Eigenland“ von Jo Sobing führt zeichen- und wortspielreich ein von der Decke bis zum Boden reichendes, leuchtend rotes Wandbild. „Wenn die Worte verschwinden, verschwinden auch die Bilder“, heißt es da. Und: „Das Zeitrad dreht sich/Du siehst seine Spur in deinem Antlitz – Aufgebrochenes Erdreich zeigt dir/die Wunden die nicht mehr verheilen Verletzungen/Aufgelöste Zeichen des Herzens und Gewinn“, so ihr Blick auf Veränderungen und Vergänglichkeit und Bleibendes. Ju Sobing ist seit 1989 freischaffend tätig als Bildende Künstlerin und Autorin. Sie lebt und arbeitet in Radebeul und in Sorbolongo/Italien.

„Frei von Meinungen und Tendenzen arbeite ich, umkreise meine Themen mit spielerischem Ernst. Bilde, baue, zerstöre, überarbeite, lasse die Natur zuweilen mitarbeiten“, sagt Ju Sobing über ihre Arbeiten. “Kunst heißt umkreisen von Leben und Sterben in allen Facetten.“ Die Ausstellung ist noch bis 15. Dezember in der Stadtgalerie Radebeul zu sehen.

Text + Foto (lv)

Geöffnet:  Di., Mi, Do., So. von 14 bis 18 Uhr

Auszeichnung für das Dresdner Musikprojekt „Erkenne Dich selbst im Fremden“


Musik kennt keine Grenzen: Konzert des Ensembles „Wirbeley“ mit Bassem Hawar am 28. September 2019 in Chemnitz. Fotos: Heike Neubauer-Antoci

Dresdner Musikprojekt erhält Preis der Bundeszentrale für politische Bildung

Das Projekt „Erkenne Dich selbst im Fremden“ der Musikgruppe WIRBELEY wird im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2019“ ausgezeichnet.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt der Bundeszentrale für politische Bildung zeichnet jährlich Projekte aus, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und für kulturellen Austausch einsetzen. In diesem Jahr wurde u.a. der gemeinnützige Verein Erkenne Dich selbst im Fremden e. V. in Dresden aus 254 eingereichten Vorschlägen mit dem Prädikat „vorbildlich“ ausgezeichnet und erhält ein Preisgeld von 2 000 Euro.

Das Ensemble WIRBELEY, das seine Arbeit programmatisch unter den Titel „Barrierefreie Volksmusik“ stellt, startete 2018 die Konzert- und Workshopreihe „Erkenne Dich selbst im Fremden“, in der Gastmusiker aus einem fremden Kulturkreis zu einer konzertanten Begegnung mit der Gruppe eingeladen werden. Ziel ist es, eine gemeinsame musikalische Sprache und Vertrautheit zu entwickeln und den Prozess der Annäherung greifbar zu machen. Das Programm richtet sich an ein breites Publikum, das mitunter wenig interkulturelle Vorerfahrung hat. Es fanden mittlerweile 22 Konzerte in Ostdeutschland mit 18 beteiligten Künstlern aus Sizilien, Griechenland, Irak, Brasilien, Syrien, Indien, Iran u. a. statt.

Für das nächste Jahr sind konzertante Begegnungen mit Musikern aus Japan („Die Rückkehr des Samurai mit der Laute“, 28.02.2020), Jamaika und Tschechien geplant sowie ein Ferienprojekt mit Kindern aus sozialen Brennpunkten.

Text + Fotos: Anna Katharina Schumann

mailto:info@erkenne-dich-selbst-im-fremden.de
http://www.erkenne.dich-selbst-im-fremden.de
http://www.wirbeley.de

Weitere Neuigkeiten immer wieder unter:
https://www.facebook.com/wirbeley/

Premiere „Mein Kampf“ von George Tabori im Kleinen Haus


Vom wilden, ungeliebten Außenseiter zum größenwahnsinnigen, skrupellosen Führer der Nationalsozialisten: Bedrückend und befreiend zugleich mit der Kraft des Humors erzählt Taboris „Mein Kampf“ über Adolf Hitler und wie er ihn besiegte. Fotos: Sebastian Hoppe

Das Nutella-Ungeheuer

Das Bild des bösen Verführers erscheint in frisch gerösteten, schokobraunen Toastscheiben zusammengesetzt in der absurd-komischen Farce „Mein Kampf von George Tabori. Das Stück über Glauben und Werte hatte einen Tag vor dem ersten Advent Premiere im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

In der kältesten Nacht des Jahres kommt ein junger Mann mit zotteligem Haar, Bartund Rucksack in ein Wiener Männerasyl. Er sucht ein Obdach für die Nacht und trifft auf Juden, die ihn gastfreundlich aufnehmen, obwohl er sie hasst. Ein absurd-komisches Spiel auf Leben und Tod, Sieg oder Niederlage zwischen dem Juden Schlomo Herzl und dem jungen Adolf Hitler entfacht das Stück “Mein Kampf“ von George Tabori in der deutschen Übersetzung von Ursula Grützmacher-Tabori.
Die Premiere war am 30. November im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Taboris Farce „Mein Kampf“, 1987 von ihm selbst am Akademie Theater des Wiener Burgtheaters uraufgeführt, greift eine historische Episode aus Hitlers Leben auf, versucht hinter die Maske des Feindes zu schauen, ihn weder dämonisierend noch verharmlosend und regt furchtlos, tragikomisch und streitbar zur Auseinandersetzung mit dem Wegbereiter des deutschen Nationalsozialismus an.

In der tristen Absteige mit grauen Wänden und kalt weiß glitzernden Zweigen führt der Jude Herzl (großmütig: Hans-Werner Leupelt) gerade einen Streit mit Gott, in Gestalt eines extravaganten Ex-Koscher-Kochs Lobkowitz, der sich dafür hält (Moritz Dürr). Herzl verweigert den Gehorsam und schreibt an einem geheimnisvollen Buch. In dem Moment kommt der junge Hitler (zwischen Mitleid und Entsetzen erregend: Philipp Grimm) zunächst ohne anzuklopfen herein. Dann wird sein Klopfen immer lauter, dröhnender, beunruhigender. Er fühlt sich als verkanntes Künstlergenie, allein, ungeliebt, leidet unter Verstopfung, lässt die Hosen runter, schreit, heult, röchelt und rennt ungelenk in weißer Unterhose panisch umher und steht schließlich splitternackt da.

Ein packender, dramatisch-komischer Zweikampf um das Gute und Böse, Zwiespältige im Menschen entbrennt zwischen Schlomo Herzl und Hitler in dieser spannenden, aufregenden, emotions- und wandlungsreichen Inszenierung zwischen Staunen, Lachen und Beklemmung unter Regie von Daniela Löffner. Beide belauern sich gegenseitig. Wie der Dompteur ein Raubtier, das er bändigen will. Das jeden Moment ausbrechen, ihn überwältigen und töten kann. Der Geruch von heißem Toastbrot hängt in der Luft. Hitler schmiert sich Nutella ins Gesicht und bestreicht Toastscheiben damit. Aus weißen und schokobraunen Toastscheiben fügt er ein riesiges Bildnis an der grauen Bühnenwand zusammen.

Anfangs noch ein absurdes Spiel, wandelt sich Hitler als Politiker und selbsternannter Weltretter. Immer ernster, kälter und unberechenbar wird sein Auftreten und Gebaren. Er trägt jetzt einen braunen Anzug, weißes Hemd und Schlips, schwarz gegeltes Haar und Lippenbärtchen und steht hoch auf einem Gerüst auftrumpfend, angestachelt von seiner blonden Geliebten Gretchen (machtlüstern: Ursula Hobmair). Seinen Gegner Schlomo lässt er auf einem Stuhl festbinden, den Mund vollgestopft mit Nutellabrot, bis er sein Buch rausrückt. Die Dreckarbeit wie das Huhn schlachten überlässt Hitler anderen, sein Gefolgsmann Heinrich (Sven Hönig) erklärt detailliert die Zubereitung von Hühnerkotelett in delikater Blutsoße. Zum Schluss reicht Hitler dem Tod, kahlköpfig und elegant in schwarzem Kleid (schön sarkastisch: Christine Hoppe) galant die Hand: “Gnädige Frau, ich werde Sie nicht enttäuschen!“ Viel Beifall für einen außergewöhnlichen, bitterkomischen Theaterabend.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Zeitreise ins Mittelalter mit Musik, Gaukelei & Leckereien im „Prinzenkeller“


Spielleute und Gaukler sorgen für Spaß und Kurzweil im mittelalterlichen
Erlebnisgasthaus „Prinzenkeller“ in Niederwartha. Foto: Veranstalter

Feiern wie im Mittelalter

In die Welt des Mittelalters kann man eintauchen im Erlebnisgasthaus
Prinzenkeller in Niederwartha. In dem urigen Sandsteingewölbe sitzen die Gäste an riesigen Holztafeln. Fackel- und Kerzenlicht sorgen für eine zugleich behagliche und geheimnisvolle Atmosphäre.

Wie in alten Zeiten trinkt man zur Begrüßung den Met, Honigwein aus echten Bullenhörnern. Die üppigen Speisen nimmt man nur mit Dolch und Fingern zu sich. Außerdem kann man  mehrgängige Prinzenmahle genießen. Hier wird die Zeit der Ritter, Gaukler und Spielleute für einen Abend lebendig, die das Volk einst auf Marktplätzen und in Schankwirtschaften amüsierten. Für die stimmungsvolle Umrahmung beim Speisen und Feiern sorgen Minnesänger, Schauspieler, Bauch- und Schlangentänzerinnen, Herolde oder Zauberer aus ganz Deutschland in den wechselnden Shows im „Prinzenkeller“. Es erklingt mittelalterliche Musik, Gaukelei und Animation sorgen für Spaß und Kurzweil. Im Laufe des Abends weihen die Künstler die Gäste in die Rituale des Mittelalters ein, das hier ebenso unterhaltsam wie humorvoll und einzigartig erlebbar wird in Verbindung mit hervorragender Gastronomie. Das weihnachtliche Mahl wird serviert vom 15.1. bis 18.1.2020. Aufgetischt wird gebratenes Federvieh mit verschiedenen Beilagen und hausgemachten Pfifferlingssemmelknödeln. Als Nachtisch gibt es weihnachtliche Krapfen. Angeboten wird auch ein vegetarisches Menü u.a. mit frischer Pasta mit soutiertem Gemüse und frittiertem Rucola.

Text (lv)

Nächste Vorstellung: 11.12., Beginn: 19 Uhr

http://www.Prinzenkeller.de