Die Kunst ohne Worte lebt weiter – Neustart der Dresdner Pantomimeschule


Freude über den Neubeginn: Michael Meinel, ehemaliger Schüler von Ralf Herzog, leitet jetzt den Mimenstudio Dresden e.V. Der Altmeister der Pantomimekunst ist weiter ehrenamtlich als Lehrer und künstlerischer Berater mit an Bord.

Pantomime hat viele Gesichter

Viele Jahre war Dresden eine Hochburg der vielsagenden Kunst der Körpersprache im Osten. Der Mimenstudio Dresden e.V. setzt die Tradition fort mit neuen Angeboten. Im November lockt zudem das 36. Internationale PantomineTheaterFestival.

Gute Nachricht für Freunde der großen Kunst ohne Worte: Die Tradition der Dresdner Pantomimeschule geht weiter. Nach einjährigen Pause zur Neuorientierung wagt der Mimenstudio Dresden e.V. einen Neubeginn. Unter dem Vorsitz von Michael Meinel, einem ehemaligen Schüler von Ralf Herzog, bietet der Verein wieder Pantomimekurse an, er organisiert einen Workshop im März und wird auch das 36. Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden im November ausrichten. Auch Ralf Herzog, der Begründer der Dresdner Pantomimeschule, ist ehrenamtlich als Lehrer und Künstlerischer Berater mit an Bord.

Ralf Herzog war Gründer und langjähriger Vorsitzender des Mimenstudio Dresden e.V. Im August 2018 hatte er das Ende der Mimenbühne und der Ensemblearbeit verkündet. Das Ensemble zog aus der damaligen Spielstätte aus, und auch der Mimenstudio Dresden e.V. als Träger der Mimenbühne stand kurz vor seiner Auflösung.
„Die Kraft ist zu Ende, die Finanzen sind es auch“, begründete Ralf Herzog damals die Entscheidung. „Wir haben lange gekämpft und ziehen nun das Fazit: Eine eigene Spielstätte ohne Förderung ist für uns als Verein auf Dauer nicht zu stemmen.“ Dass er seine Kräfte auch deshalb einteilen musste, weil er seine Frau pflegte, wussten nur enge Freunde. Vor diesem Hintergrund wurde Micheal Meinel, ein ehemaliger Schüler von Ralf Herzog, aktiv. Er wurde von 1994 bis 2000 durch Ralf Herzog unterrichtet und hat in der Zeit auch Kinder- und Erwachsenenkurse gegeben.

„Die Dresdner Pantomimeschule hat international einen großartigen Ruf“, erklärt Michael Meinel. „Die nonverbale Improvisationskunst von Ralf Herzog und seine
Workshops beim Pantomimefestival zogen jedes Jahr Künstler aus der ganzen Welt nach Dresden. Diese über 40-jährige Tradition muss weitergehen. Daher wird es wieder Training und Kurse geben, in denen wir gemeinsam mit Ralf Herzog Erfahrungen weitergeben und das Genre beleben wollen.“

Jede Woche findet mindestens ein Pantomime-Training statt. Das Konzept des Mimenstudio Dresden e.V. wurde neu ausgerichtet, neue Mitstreiter gefunden
und bewährte Partner integriert. Derzeit gibt es jeden Dienstag von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr im Projekttheater auf der Louisenstraße einen offenen Pantomimekurs, zu dem Interessenten ab 18 Jahren jederzeit willkommen sind. In Kürze ist eine weitere Trainingszeit an anderem Ort geplant. Die Teilnahmegebühr am Kurs beträgt momentan 10 Euro pro Monat. Mitglieder des Mimenstudio Dresden e.V. zahlen derzeit 5 Euro zusätzlich zum Vereinsbeitrag von 5 Euro pro Monat.

„Unser Verein ist ebenso offen für unser Publikum, für Freunde der Pantomime, die das Genre unterstützen möchten“, betont Michael Meinel. „Daher werben wir aktiv um Mitglieder und Sponsoren. Auch sie zahlen 5 Euro pro Monat oder einen Betrag, den sie selbst bestimmen können.“

Eine finanzielle Unterstützung benötigt der Verein 2020 für zwei Projekte: Workshop für Mimen, Tänzer und Schauspieler im März. Im März 2020 findet im Theaterhaus Rudi ein Workshop statt, der sich nicht nur an Pantomimen, sondern auch an Tänzer, Schauspieler und Artisten richtet. Ob Amateur oder Profi – hier können Menschen mit Lust am Bewegungstheater ihre Stilmittel erweitern.

36. Internationales PantomimeTheaterFestival vom 12.- 15. November 2020

Der Workshop soll bei den Dresdner Mimen auch die Grundlage legen für eine neue Inszenierung, die beim 36. Pantomimefestival Premiere hat. Sie ist der Beginn eines neuen Dresdner Ensembles. Das Festival findet vom 12. bis 15.11.2020 statt. „Durch die kompakte Verbindung von Vorstellungen und Workshops wird das Festival wie zuletzt 2018 wieder den Charakter eines internationalen Genre-Treffens mit wunderbar familiärem Ambiente bekommen“, erklärt Michael Meinel. „Es gibt unzählige Beispiele, wie sich die „Kunst ohne Worte“ dank des Zusammentreffens der Künstler weiterentwickelt hat. Darauf freuen wir uns heute schon.“

Zur Finanzierung von Workshop und Festival hat der Verein eine erste Förderzusage von der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (OSD) über 3 500 Euro bekommen. Jan Klemmer, Referenz Sponsoring der OSD, erklärt: „Die Pantomimeschule gehört seit über 40 Jahren fest zur Kulturlandschaft in unserer Landeshauptstadt. Wir haben sie oft bei Veranstaltungen als Förderer begleitet. Gerade in diesem Jahr war uns die Förderung wichtig, auch um ein Zeichen zu setzen, dass wir uns eine Kulturszene in Dresden ohne sie nicht vorstellen können und wollen.“

„Über die Unterstützung durch die Stiftung freuen wir uns sehr“, erklärt Michael Meinel. „Sie ist ein erster Schritt, um das Festival zu planen. Ohne finanzielle Förderung wäre es auch in der Vergangenheit nicht möglich gewesen, internationale Künstler nach Dresden einzuladen. Nun hoffen wir ebenfalls auf eine Zusage durch Stadt und Land. Die Anträge sind eingereicht.“

Ralf Herzog ist über die Aufbruchsstimmung im Verein sehr glücklich: „Innerhalb von 40 Jahren hat sich die Pantomime zu einer Kunst mit vielen Einflüssen und Facetten entwickelt. Sie ist zugleich die Basis aller darstellenden Künste. Jeder von uns beherrscht sie mehr oder weniger gut in seiner Körpersprache. Sich damit auseinanderzusetzen ist eine spannende Aufgabe und ich bin sehr froh, dass ich meine Erfahrungen beisteuern kann. Vielen Dank an die neue Mannschaft für den Elan und die Lust wieder anzufangen, ich bin dabei!“

Wer sich für die Pantomimekurse oder den Workshop interessiert oder den Verein durch eine Mitgliedschaft oder eine Spende unterstützen möchte, meldet sich unter info@mimedresden.de
http://www.mimedresden.de

Der neue Vereinsvorsitzende des Mimenstudio Dresden e.V.

Michael Meinel wurde in Meißen geboren, wuchs in Radebeul auf und lebt seit seinem Studium an der TU Dresden in Dresden. Von 1994 bis 2000 war er Schüler der Pantomimeschule von Ralf Herzog. Darüber hinaus besuchte er zahlreiche internationale Workshops. Beim Mimenstudio trainierte er die Kindergruppe und betreute ebenfalls Kurse für Erwachsene. Sein Ingenieurberuf führte ihn einige Zeit ins
Ausland. Nach seiner Rückkehr war er viele Jahre bei der Chorbühne Tritonus aktiv, wo neben dem Gesang auch szenisches Spiel gefragt ist.

Historie des Mimenstudio Dresden e.V.

Der Verein Mimenstudio Dresden e. V. war Träger der Mimenbühne und Organisator des Spielbetriebs. Er wurde 1999 von Ralf Herzog gegründet. Die Mimenbühne Dresden gab es bereits seit 1992. Sie war eine der wenigen Pantomime-Bühnen in Deutschland mit eigener Spielstätte. Zum Ensemble gehörten rund zehn Darsteller – eine Seltenheit in der heutigen Zeit, in der der Solo- und Duo-Darbietungen
dominieren. Etwa 40 Vorstellungen stemmte das Ensemble pro Jahr.
Für die Vereinsmitglieder ist die Pantomime ein Hobby neben ihrer Berufstätigkeit. Sie zahlen Mitgliedsbeiträge. Während des Spielbetriebes spendeten sie die Einnahmen aus Ticketverkäufen an den Verein, der daraus Miete, Techniker und Nebenkosten finanzierte.
Der damalige Vereinsvorsitzender Ralf Herzog fungierte als Intendant und künstlerischer Leiter und unterrichtete die Mitglieder ehrenamtlich im Handwerk
der Pantomime. Rund 20 eigene Inszenierungen hatte das Ensemble unter seiner Leitung erarbeitet, z.B. das nonverbale Maskentheater-Stück „Restaurant Fatal“ oder die Oper ohne Worte „Die Zauberflöte“. Neben den Inszenierungen am eigenen Haus leistete das Ensemble unzählige kulturelle Beiträge in und für Dresden, zum Beispiel beim Elbhangfest, beim Stadtfest, in der Reihe der Dresdner Schülerkonzerte
oder im Rahmen der Theaternacht.
Ein Vorläufer des Vereins und der Dresdner Pantomimeschule war das Pantomimestudio, das 1982 gemeinsam mit dem Volkskunstpodium das renommierte Internationale Pantomimefestival Dresden ins Leben rief.

Dieses findet November 2020 zum 36. Mal statt und wird wieder durch den Mimenstudio Dresden e.V. organisiert. Die Kunst des nonverbalen Improvisationstheaters unter Leitung von Ralf Herzog ist eine besondere Kompetenz der Dresdner Pantomimeschule und wird international sehr geschätzt. Herzogs Workshops zur Improvisation sind für viele Festivalteilnehmer ein ausschlaggebender
Grund, nach Dresden zu kommen. Die Mimenbühne und Verein hatten viele Höhen und Tiefen erlebt und sind mehrfach umgezogen. Aufgrund eines Brandes wechselten sie 2004 aus dem Stadtteilhaus Neustadt auf der Prießnitzstraße in das Haus des Theaters Wechselbad auf die Maternistraße. Im Jahr 2014 mussten sich die Pantomimen wieder eine neue Spielstätte suchen und fanden sie in einer Bühnengemeinschaft mit dem August Theater. Im August 2018 stellte der Verein den Spielbetrieb ein und
löste das Ensemble der Mimenbühne auf. Der Mimenstudio Dresden e.V. führt nun die Tradition der Dresdner Pantomimeschule fort.

Text + Fotos: Sabine Mutschke

Kontakt:

Mimenstudio Dresden e.V.
Vorsitzender: Michael Meinel
Ruf: +49 (0) 151 55 61 98 99
Mail: info@mimedresden.de

Dresden flippig bunt – Ausstellung des „German Pop Art“-Künstlers Michel Friess im „Kastenmeiers im Taschenbergpalais“


Michel Friess, „Dresden“, Ultra-Unikat

Michel Friess, „Mickey Lovespray“

Fröhlich-bunte Popart und fantastische Stadtansichten

Der international renommierte „German Pop Art“ – Künstler Michel Friess stellt bis 16. Januar 2020 im Restaurant „Kastenmeiers im Taschenbergpalais“ Dresden am Taschenberg 3 aus.

Die Bilder von Michel Friess sorgen in Amerika und Asien für ausverkaufte Ausstellungen. In der Dauerausstellung der „Soho Contemporary Art“ in New York hängen die Werke des Pop Art-Künstlers mit den deutschen Wurzeln neben Bildern von Andy Warhol und Keith Haring. Jetzt kann man eine Auswahl seiner „German Pop Art“ auch in Dresden bewundern.
Bis zum 16. Januar präsentieren die Walentowski Galerien seine Arbeiten im Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais und zeigen die spannende Bandbreite seines Schaffens, von den legendären Motiven mit Mickey Mouse und Pink Panther über Pop-Icons wie Audrey Hepburn oder die Beatles bis hin zu fantastischen Stadtansichten aus den USA und Deutschland. Selbst ein Dresden-Motiv ist dabei, das der Künstler extra für diese Ausstellung anfertigte.

Michel Friess wurde 1970 in Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz geboren. Bereits in seiner Jugend fühlte er sich zur Street-Art hingezogen und nahm ab 1986 Aufträge als Graffiti-Künstler an. Nach diversen Studienreisen in die Künstlerviertel New Yorks und Las Vegas wandte er sich endgültig der Pop Art zu. Später machte er sich durch beeindruckende Portrait-Arbeiten für viele prominente Persönlichkeiten unter seinem Label “GERMAN POPART” einen Namen. Beispielsweise porträtierte er Bundeskanzlerin Angela Merkel, Billy Idol, Harald Glööckler, Georgio Armani und Stefan Raab. Jedes Werk fertigt Michel Friess auf Bestellung und einzeln als Unikat in seinem Loft-Atelier in Kaiserslautern – einer ehemaligen Feilenfabrik aus den 50er Jahren.

Der Künstler legt Wert auf komplette Handarbeit. Er widmet sich mit großer Leidenschaft der aufwendigen Herstellung seiner Werke: Mithilfe einzeln aus Holz gefertigter und von Hand gespannter Siebe arbeitet er vorrangig mit der Technik des Handsiebdrucks. Für ein Werk nutzt er bisweilen über 20 Siebe. Darüber hinaus kommen Malerei, Airbrush sowie Spraydosen und Papier-Collagen zum Einsatz.
Die so entstehenden Unikate beeindrucken besonders durch die Hingabe zum Detail.

Seine Werke sind weltweit in vielen namhaften Galerien und Kunstmessen ausgestellt worden – von Shanghai bis nach New York. Michel Friess wurde mehrfach ausgezeichnet, sein Bild „Berliner Dom“ schaffte es zum Beispiel 2013 auf das Cover des Fachmagazins „Der Kunsthandel“. Im Juni 2019 wurde dem Shooting Star der Titel „Artist of the Year“ verliehen.

Die Bilder von Michel Friess sind bis 16. Januar 2020 im „Kastenmeiers im Taschenbergpalais“, auch unabhängig von einem Restaurantbesuch, zu sehen. Die Besichtigung ist täglich ab 15 Uhr möglich, das Restaurant öffnet um 17 Uhr.

Darüber hinaus kann man weitere Werke des Künstlers in der Walentowski Galerie Dresden kennenlernen. Sie befindet sich ebenfalls im Taschenbergpalais und hat täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr bzw. sonntags bis 17 Uhr geöffnet.
Dies ist nicht nur die fünfte Ausstellung im „Kastenmeiers im Taschenbergpalais“, sondern gleichzeitig Nummer 63 seit Beginn dieser Tradition im Herbst 2010 im Kurländer Palais. Bei dieser Ausstellung arbeitet das Restaurant Kastenmeiers mit der Walentowski Galerie Dresden und dem Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden zusammen.

Auch die nächste Ausstellung des Künstlers Frank Zander im Januar ist als gemeinsames Projekt geplant. Die Vernissage findet am 19. Januar 2020 statt.

Text + Fotos: Sabine Mutschke

Mehr Informationen über den Künstler Michel Friess und seine Arbeit auf
https://walentowski-galerien.de/kuenstler/michel-friess
oder http://michel-friess.com/vita/„Kastenmeiers im Taschenbergpalais“

Kontakt:
Restaurant Kastenmeiers im Taschenbergpalais
Taschenberg 3
01067 Dresden,
Telefon 0351/ 48 48 48 01
http://www.kastenmeiers.de
Walentowski Galerien


Michel Friess, „Pink Panther Soup“

Ausstellung „Das Ende der Eindeutigkeit – Malerei aus der X. Kunstausstellung der DDR“ in der Städtischen Galerie Dresden


Wolfgang Mattheuer, „Draußen, drinnen und ich“, 1986
Harald Metzkes, „Kulissensprung“, 1987
Rainer Zille, „Gärtnerei“, 1987

Angela Hampel, „Paarungen I, II, III“, 1986
Heidrun Hegewald, „Die Mutter mit dem Kinde“, 1984/85, „Prometheus bemerkt das Spiel mit dem Feuer“, 1986

Ulrich Hachulla, „Café IV“, 1986/87

Doris Ziegler, „Selbst mit Sohn“

Gudrun Brüne, „Die Modellpuppe“, 1987

Frank Voigt, „Harlekin mit Flügel“, 1986
Reges Interesse von Besuchern in der Ausstellung.

Kunst & Lebensgefühl

Die Ausstellung „Das Ende der Eindeutigkeit – Malerei aus der X. Kunstausstellung der DDR“ zeigt 30 Jahre nach der politischen Wende eine kleine Auswahl, 34 Werke von ehemals 323 ausgestellten Gemälden, in der Städtischen Galerie Dresden. Dabei ist Gelegenheit zur Re-Vision und Neubegegnung mit den Bildern für die Besucher.

„Die Arbeiten verströmen eine Energie, als wären sie heute erst gemalt“, sagte Gisbert Porstmann, Direktor der Städtischen Galerie Dresden bei der Ausstellungseröffnung im Herbst 2019. Die vor allem expressionistischen Kunstwerke setzen sich mit dem Thema Individuum und sein Verhältnis zur Gesellschaft auseinander. Zu sehen sind in der Ausstellung „Das Ende der Eindeutigkeit“ in der Städtischen Galerie Dresden, Wilsdruffer Straße 2/Eingang Landhausstraße noch bis 12. Januar 34 ausgewählte Kunstwerke von ehemals 323 Gemälden auf der X. Kunstausstellung der DDR. Die letzte dieser Art fand vom 3. Oktober 1987 bis 3. April 1988 statt, als vom Ende der DDR noch nichts zu ahnen war. „Ausstellung, Kunstwerke und Diskussionen wurden Teil einer visuellen Erfahrung, die ein Gefühl von Zugehörigkeit erzeugte“, heißt es im Faltblatt zur Ausstellung.

Ob konkret oder abstrakt, unmissverständlich oder nicht. Diese Kunst ist unverkennbar eigen, voller Kraft, Kontraste und Reibung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Diese Bilder provozieren immer noch viele Fragen und Nachdenken, z.B. wie nah oder fern uns diese Träume und Erfahrungen heute sind, ob wir Neues in ihnen entdecken. Dazu lädt die Ausstellung „Das Ende der Eindeutigkeit – Malerei aus der X. Kunstausstellung der DDR“ die Besucher in der Städtischen Galerie/Stadtmuseum Dresden ein. Darunter die hier gezeigten Werke von Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes, Rainer Zille, Angela Hampel, Heidrun Hegewald, Ulrich Hachulla, Frank Voigt, Doris Ziegler und Gudrun Brüne. Die Ausstellung ist noch bis 12. Januar 2020 zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Mehr Text zur Ausstellung folgt.

http://www.Galerie-Dresden.de

Veranstaltungstipps:

9.1., 16.30 Uhr: Kunstgespräch Klasse Macketanz: „Die Frage nach der Malerei. Eine offene Gesprächsrunde mit Prof. Christian Macketanz (Hochschule für Bildende Künste Dresden) und Studierenden seiner Fachklasse für Malerei. Eintritt frei“


Neo Rauch, o.t., 1987

Angela Hampel, „Paarungen I, II, III“, 1986

Bilder-Album: Preisverleihung an Mario Müller-Milano mit dem höchsten Circus-Preis für sein Lebenswerk & Die schönsten Momente im 24. Dresdner Weihnachts-Circus


Beste internationale Circus-Kunst & Einsatz für Tierwohl: Mario Müller-Milano (Bildmitte) wurde der Ernst-Renz-Preis, die höchste Auszeichnung der Circus-Welt für sein Lebenswerk verliehen.

Clown Tottí Alexis (re. im Bild) gratulierte Zirkusdirektor Mario Müller-Milano (mit Mikro) humorvoll zu seiner Auszeichnung und versprach, 2021 samt Clownsfamilie wieder in den Dresdner Weihnachts-Circus zu kommen. Er trat bereits vier Mal hier auf und ist unangefochtener Publikumsliebling.  
Mitreißender Beginn: Ilona Knie begeisterte mit der „Ungarischen Post“ auf Pferderücken stehend in der Manege.

Großartiges Zusammenspiel von Mensch und Tier

Die höchste Auszeichnung der Circus-Welt, der Ernst Renz-Preis wurde am 2. Januar 2020 vor der Vorstellung feierlich an Mario Müller-Milano, Direktor des Dresdner Weihnachts-Circus für sein Lebenswerk verliehen.

Das diesjährige Programm des Dresdner Weihnachts-Circus ist traumhaft schön. Voller Highligths, herausragender Artistik- und Tierdarbietungen, die man so noch nie gesehen hat. Chapeau! Für seine Verdienste um den Circus erhielt Direktor Mario Müller-Milano nun den Ernst-Renz-Preis, die höchste Auszeichnung der europäischen Circus-Cultur innerhalb der abendlichen Show. Das Publikum im gut besuchten Grand Chapiteau auf dem Volksfestplatz an der Pieschener Allee dankte ihm mit langanhaltendem Applaus für sein langjähriges Engagement um die Circus-Kultur. Der Circus Milano feierte 2019 sein 70-jähriges Jubiläum.

Mario Müller-Milano habe wie kein anderer in Deutschland den traditionellen Circus mitgeprägt und in die Moderne geführt, sagte Helmut Grosscurth, Präsident der European Circus Association (ECA) und der Gesellschaft der Circusfreunde Deutschlands bei der Preisverleihung in der Manege. Er hob dessen Einsatz für den Erhalt von Tierdarbietungen im Circus hervor. Außerdem entwickelte Müller-Milano in den letzten zehn Jahren seit seiner Übernahme den Dresdner Weihnachts-Circus zu einem der größten in Europa. Müller-Milano darf sich dazu in eine Reihe von namhaften Preisträger der vergangenen Jahrzehnte einreihen wie z.B. Willy Hagenbeck (Circusdirektor und Raubtierlehrer), Fredy Knie (Circusdirektor und Tierlehrer), Bernhard Paul (Circus Roncalli), Rudolf Probst (Circusdirektor und Tierlehrer) oder Urs Pilz (Artistischer Leiter des Circus Festivals in Monte Carlo).

Es sei ihm eine große Freude und Ehre zugleich, diese Auszeichnung für seine Arbeit und Bestreben entgegenzunehmen, sagte Müller-Milano, der mit Stock in die Manege kam nach einem Unfall mit einem Gabelstapler. Der Preis werde zwar für sein Lebenswerk vergeben, stelle aber eine Teamleistung dar, ohne die der Dresdner Weihnachts-Circus nicht das wäre, was er heute für die Besucher ist.

Beispielhaft auch sein Einsatz für das Tierwohl im Circus. Sowohl Sachsens Tierschutzbeauftragter als auch Vertreter der Tierrechtsorganisation Peta überzeugten sich vor Ort, dass alle Auflagen zur Tierhaltung erfüllt werden. Ein großer Sieg für den Dresdner Weihnachts-Circus.

„Wir zeigen nicht nur Spitzendarbietungen. Die Tiere bekommen auch vom Feinsten frischen Fisch und Fleisch. Bei uns hat fast jeder Löwe einen eigenen Wohnwagen“, so Müller-Milano schmunzelnd. Außerdem haben die Tiere ein großes Freigehege. Die Zirkusbesucher können in der Pause in der Tierschau auch erleben, wie die Zirkustiere untergebracht sind und gefüttert werden. „Zum Circus gehören Tiere“, sagte Müller-Milano und bekam dafür viel Beifall vom Publikum. Zirkusfreunde aus ganz Deutschland kommen inzwischen in den Dresdner Weihnachts-Circus. Nach den letzten Vorstellungen am Sonntag beginnen schon die Vorbereitungen für die kommende Spielzeit. Schaut sich das Circus-Team die neuesten Darbietungen auf dem Zirkusfestival in Monte Carlo an, weitere Stationen sind Brasilien, Argentinien und Kanada. „Wir wollen jedes Jahr wieder das Beste an internationaler Circuskunst unserem Publikum bieten“, so Cirusdirektor Müller-Milano.

Der 24. Dresdner Weihnachts-Circus beeindruckte und faszinierte kleine wie große Zuschauer im himmelblauen Circuszelt mit einer Fülle einzigartiger Tiererlebnisse,  wunderbarer, vielseitiger Luftakrobatik, Jonglage und Clownerie, schwungvoll und musikalisch bunt gemischt, begleitet von einer Bigband mit Sängerin. Temperamentvoll, anmutig und elegant bezauberte die Pferdedarbietung mit Arabern und Friesen, die grazil Pirouetten drehten, Gegenläufe und Fächer zeigten, dezent dirigiert von Louis Knie junior, der bereits in siebter Generation die Tradition des klassischen Circus in Österreich aufrecht erhält. Immer wieder bewegend, wenn die Pferde sich in voller Größe aufrichten. Außerdem zeigte Knie jun. wie musikalisch Kühe sein können, die sich im Walzertakt bewegten und nah am Manegenrand sanftmütig entlangliefen.

Als tierische Publikumslieblinge erwiesen sich erneut die Seelöwen. Dieses Mal kehrte die The Duss Family mit Tino, Joe und Charly und dem Jack Russel Terrier Maylo zurück in die Manege des Dresdner Weihnachts-Circus. Äußerst agil, verspielt, verschmust, witzig und sichtlich vergnügt im Rampenlicht stehend, mit den Köpfen im Takt der Musik wippend und mit den Flossen winkend, eroberten die drei kalifornischen Seelöwen die Zuschauerherzen im Nu. Sie fangen Reifen, lassen sie kreisen, balancieren Bälle auf der Nasenspitze und lassen sich in der Pause in der Tierschau gern vor ihrem Schwimmbassin mit Zirkusbesuchern für ein lustiges Erinnerungsfoto fotografieren. Roland und Petra Duss und ihre Seelöwen sind bekannt aus der ZDF-Serie „Hallo Robbie“ und bekamen für ihr eindrucksvolles Zusammenspiel mit den Seelöwen bereits zwei silberne Clowns beim Circus Festival in Monte Carlo.

Wundervoll, beeindruckend und berührend der Auftritt von Alexander Lacey mit seiner gemischten Raubtiernummer, die als weltweit beste gilt. Der Engländer ist nach sechsjährigem Engagement als Star des Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus, dem größten Circus der Welt in den USA mit seiner unvergleichlichen Raubtiergruppe nach Europa zurückgekehrt. In Dresden ist Lacey mit einem Rudel von 13 Löwen und Tigern aus eigener Zucht in unglaublich innig vertrautem Miteinander zu erleben, so dass man vergisst, dass es Raubtiere sind. Er lässt sie aufstehen, springen, setzt und legt sich zu ihnen und umarmt sie. Für seinen Mut und einfühlsamen Umgang mit den Raubtieren erhält Lacey reichlich Applaus und stehende Ovationen.

Mit viel Witz und Situationskomik begeistert Clown Totti Alexis, zusammen mit seiner Frau Charlott und den Söhnen Charly (8) und Maxim (4) das Publikum. Sie leben abwechselnd in Deutschland, Frankreich und Spanien. Alexis ist Clown in fünfter Generation, agiert seit 33 Jahren in der Manege und weiß immer wieder aufs Neue das Publikum zu überraschen. Er mag lieber mitten im Publikum Trompete spielen als in der Manege. Er verbindet die Eleganz des Weißclowns, die Tollpatschigkeit des dummen August, den Witz der alten Stummfilmkomiker und den Charme der großen Entertainer vergangener Zeiten. Er führt mit seiner Frau das Theaterstück „Wilhelm Tell“ auf, verbirgt scherzend seine Angst vor der Armbrust, die auf ihn und den roten Luftballon auf seinem Kopf gerichtet ist und zerplatzt („Oh, der war zu prall gefüllt mit Vitaminen!“) . Vollführt mit den Zuschauern den „Tanz des glücklichen Tigers“, die Hände erhoben und zur Musik hin und her wippend. Bei seinem romantischen Trompetensolo wird Totti von den kleinen Clowns immer wieder unterbrochen, die mal mit trompeten, mal einen Luftballon auf den Stuhl legen, ihn veralbern und nie machen, was sie sollen. Das sorgt für reichlich Spaß und Staunen über die zwei schon so gewitzt-schlauen Jungen mit Hut, Anzug und Clownsnase. Einfach köstlich! Eine Überraschung hat Totti Alexis noch für seine Frau Charlott: Er überreicht ihr einen großen Blumenstrauß, an dem Abend sind sie genau seit elf Jahren verheiratet und fragt sie auf den Knien in der Manege, ob sie das Ehegelübde mit ihm erneuern will? „Ja“, antwortet sie lächelnd. Und Totti verspricht dem Publikum, 2021 wieder zum Dresdner Weihnachts-Circus zu kommen samt Clownsfamilie und umarmt den Zirkusdirektor Müller-Milano herzlich.

Den temperament- und kraftvoll umherwirbelnden Schlusspunkt in der Mangenshow setzt mit ihrer tollkühnen Schleuderbrett-Akrobatik die 13-köpfige Truppe Sokolov aus Russland, die auch optisch eine Augenweide sind mit ihren opulenten barocken  Kostümen, gepuderten Perücken und zierlichen Menuettschritten zu Klängen Mozarts. Sie katapultieren sich gegenseitig auf einen Thron in luftiger Höhe und landen nach dreifachem Salto sogar auf Stelzen sicher auf dem Boden.

Letzte Gelegenheit, die außergewöhnlichen Artistik- und Tierdarbietungen des 24. Dresdner Weihnachts-Circus zu sehen, ist am Sonntag, dem 5. Januar um 11 + 15 Uhr.

Viel Vergnügen!

Text + Fotos (lv)

Ticktets: 0180/330 2 330 und unter http://www.DWC.de


Wie schwebende Ballerinas unter der Circuskuppel: das Air-Trio aus St. Petersburg.


Spielt gern mitten im Publikum: Clown Totti Alexis.

Schleuderbrett-Akrobatik in barocken Kostümen: die Truppe Sokolov aus Russland.


Schlange stehen in der Tierschau für ein besonderes Erinnerungsfoto mit den lustigen wie neugierigen Seelöwen.

Flirt mit den Seelöwen Tino & Joe allerliebst mit frischem Heringsduft. mein wortgarten-Inhaberin Lilli Vostry genoss die Begegnung mit den charmanten Seelöwen der The Duss Family.

Für viel Zauber, Humor, Staunen und Träumen sorgt der 24. Dresdner Weihnachts-Circus.

„Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss an den Landesbühnen Sachsen

Ein turbulentes Verkleidungsspiel rund um Amore

Die Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss ist am 4. Januar, um 19.30 Uhr an den Landesbühnen Sachsen zu erleben.

Die Ankunft des Herzogs von Urbino beim Karneval sorgt in Venedig für Aufregung, denn dieser feine Herr ist als großer Verführer bekannt. Besonders Senator Delacqua muss um die Ehre seiner Frau Barbara fürchten, da der Herzog auf sie ein Auge geworfen hat. So plant der Senator, Barbara sicherheitshalber aus der Stadt bringen zu lassen, doch Barbara hat ihren eigenen Plan: Um sich heimlich mit ihrem Liebhaber, einem charmanten Seeoffizier, treffen zu können, tauscht sie mit ihrer Vertrauten Annina die Kleider: Dass es sich nun bei der verhüllten Frauengestalt, die der herzogliche Leibbarbier Caramello als falscher Gondoliere zu seinem Herrn entführen will, nicht um die Senatorengattin Barbara handelt, sondern um das Fischermädchen Annina, ist Caramello gar nicht recht, denn: An der aufgeweckten Annina ist er selbst interessiert! Was also tun?

Dem Herzog die ersehnte Schäferstunde mit der falschen Barbara durch Störmanöver gründlich verderben! Zum Glück hat Caramello daran nicht allein Interesse …  Verkleidungen und Verwechslungen bestimmen die Handlung fast jeder Operette. Doch in dieser turbulenten venezianischen Nacht setzt zudem der Karneval die übliche gesellschaftliche Ordnung außer Kraft und wirbelt das gesellschaftliche Oben und Unten so gründlich durcheinander, dass von glücklichen Paaren kaum eine Rede sein kann.

Es ist vielmehr die rastlose Jagd aller nach persönlichem Glück, die Strauss zu seinen unsterblichen Melodien inspirierte.

MUSIKALISCHE LEITUNG: Florian Merz / Hans-Peter Preu
INSZENIERUNG: Wolfgang Dosch als Gast aus Wien
Ausstattung: Stefan Wiel
Mimografie: Ralf Herzog

Text: Petra Grubitzsch/LB

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0, Kasse: Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; http://www.landesbuehnen-sachsen.de 

Weitere Termine:

Fr., 17.1., 19.30 Uhr und Fr., 28.2., 19.30 Uhr, 27.3., 19.30 Uhr im König Albert Theater Bald Elster und Fr., 6.3., 19.30 Uhr, Landesbühnen Sachsen im Stammhaus Radebeul

Genuss & Romantik pur: Die „Palais-Revue“ im Kurländer Palais


Foto: Michael Schmidt

Magische Herzensbrecher und verführerische Stimmen

Die neue „Palais Revue – eine magische Dinnershow zum Verlieben“ vereint romantische, zauberhafte, leise und humorvolle Momente und kulinarische Genüsse im Kurländer Palais. Letztmals am 4. Januar um 19.30 Uhr zu erleben!

Ein großes rotes Herz flimmert auf der Bühne. Es zieht alle in seinen Bann, Künstler wie Publikum an diesem Abend. Die Sängerinnen der „Pearlettes“ rennen aufgekratzt umher und fragen Moderator Raschid Daniel Sidgi, wie sie aussehen. Zwei können es kaum erwarten, den „magischen Herzensbrecher“ Milko Bräuer zu sehen, jede will allein mit ihm auftreten. Die dritte gibt sich ganz cool und lästert über das Auftreten der anderen beiden. Angesichts so viel weiblichem Temperament hat es Sidgi nicht leicht. Der gebürtige Deutsch-Sudanese, Schauspieler, Musiker und Autor führt als galant-augenzwinkernder „Botschafter der Liebe“ durch die Show.

Bei der diesjährigen „Palais-Revue – eine magische Dinnershow zum Verlieben“ geht es rund um die Geheimnisse der Liebe vor bezaubernder Kulisse im Kurländer Palais unweit der Dresdner Frauenkirche. Die Sinne werden verwöhnt mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Musik, Zauberei, Humor und Akrobatik und kulinarischen Köstlichkeiten. Da wechseln romantische, zauberhafte, leise und leidenschaftliche, heitere und sinnliche Momente. Da wird ein „Emotionsbeauftragter“ aus dem Publikum ernannt, der zu „O yeah!“-Rufen anstimmt bei besonders starken Szenen. Das geschieht öfters.

Wenn die drei Sängerinnen der „Pearlettes“, die schon letztes Jahr bei der Dinnershow im Kurländer Palais die Zuschauer begeisterten, gefühlreich mit viel Charme und Power und nicht mit ihren Reizen geizend, in raffinierten Kleidern mit Songs von „Ich will keine Schokolade…“ bis zu „You make me feel“ die Zuschauer umgarnen. Die Sängerinnen assistieren abwechselnd auch dem Magier und Illusionist Milko Bräuer, der Dinge verzaubert und verwandelt, erscheinen und verschwinden lässt. Aus einem zerplatzten Luftballon holt er eine Weinflasche, aus dem Nichts zaubert er Rosen und füllt eine Laterne mit Licht. Und wie von Zauberhand schaukelt plötzlich ein kleines, lustiges Wesen mit roter Nase auf seinem Knie, das einer Sängerin einen roten Blumenstrauß überreicht.

Moderator Raschid Daniel Sidgi überrascht mit einer humorvollen Stimm- und Geräuschcollage, ein Mikro an seinen Kopf haltend und singt zur Gitarre den Beatles-Song „All you need is love“. Eine der Sängerinnen gibt ihm Tipps, wie er bei Frauen gut ankommt. „Mit Energie aufladen und auf die Traumfrau zugehen…“

Witzig auch die Szene mit einem Zuschauer-Paar, wie sie sich kennenlernten bis zum ersten Kuss, erfragen Sidgi und die Sängerin und spielen es nach.

Als Höhepunkt der Show schwebt das Akrobatik-Paar Lena & Sven zuerst einzeln und später zu zweit, liebevoll umeinander kreisend an Bändern in luftiger Höhe über den Zuschauern. Zum Schluss regnet es Blumen in farbenprächtiger Fülle und Zauberer Milko Bräuer steht lächelnd dabei. Eine Pearlette-Sängerin offenbart Raschid Daniel Sidgi: „Ich muss dir was sagen!“. Er neugierig: „Ja?“ „Ich hab gar keine Luftballons mehr“, gibt sie ihm zu verstehen. Ein ebenso luftig-leichtes Vergnügen wie die Liebe und ihre Launen ist diese „Palais-Revue“ zum Träumen und Innehalten, die sich zu zweit oder mit mehreren lieben Menschen, Freunden oder Arbeitskollegen genießen lässt.

Die „Palais-Revue – eine magische Dinnershow zum Verlieben“ ist letztmals am
4. Januar, um 19.30 Uhr im Kurländer Palais zu erleben.

http://www.palais-revue.de

Text + Fotos (10) (lv)

Verführerisches Dessert.

BilderAlbum: Ökumenischer Weihnachtsgottesdienst in der Manege – Sterne der Liebe & Nachdenkliche Worte eines Clowns

Löwen unterm Tannenbaum, verschmitzte Seelöwen und Sterne als Wegweiser

Für ein friedliches und freundliches Miteinander von Mensch und Tier warben Zirkusleute und Geistliche verschiedener Konfessionen wieder beim Ökumenischen Gottesdienst des 24. Dresdner Weihnachts-Circus.

Ein großer Stern, von Kindern getragen, leuchtete in der Manege beim Ökumenischen Gottesdienst des 24. Dresdner Weihnachts-Circus, der am zweiten Weihnachtsfeiertag im gut gefüllten Zirkuszelt an der Pieschener Allee stattfand. Mit Weihrauch, Krippenspiel, Posaunenchor und gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern. Der öffentliche, festliche Zirkusgottesdienst vereinte Vertreter aller Glaubensrichtungen, wie sie auch im internationalen Ensemble der Zirkusleute gelebt werden. Auch um ein Zeichen zu setzen in einer Welt voller Unterschiede und Konflikte jeden Tag, sagte Bohdan Luka, Priester der Ukrainisch-Katholischen Kirche des Byzantinischen Ritus Kiew in seiner Ansprache.

„Sterne dienten den Menschen schon immer als Wegweiser. Sie sind wie ein Fenster in den Himmel, ein Schlüsselloch, wo es hell ist. Da wohnt Güte, Nachsicht, da wächst Liebe“, sagte Pfarrerin Manja Pietzcker von der protestantischen Lucas-Kirche in ihrer Andacht. „Das Licht deines Sterns leuchtet nicht nur auf dich herab, sondern in dich hinein. Dann kannst du auch für andere leuchten.“ Dann können einem auch grau verhangene Tage nichts anhaben.

Nahe gingen auch die Fürbitten und guten Wünsche der Mitwirkenden des Gottesdienstes im Weihnachts-Circus für Frieden und ein gutes Miteinander der  Menschen, gleich aus welchem Land sie kommen. Die Artisten wünschten allen Verständnis füreinander und eine Portion Humor, um mit Meinungsverschiedenheiten freundlich umzugehen wie in einer großen Familie. Die Kinder bitten darum, die Natur und Tiere der Erde zu schützen und bewahren und dass Kinder überall lachen, lernen und unbeschwert spielen können. Die Zirkusleute sammeln bei ihrem Gastspiel Spenden für die Kinderarche Meißen.

Im abschließenden Gebet für die Artisten ging es nochmals um Eintracht, liebevollen Umgang ebenso wie Kraft und Ideen, um das Kulturgut Zirkus zu erhalten.

Außerdem waren Ausschnitte aus dem Programm des diesjährigen Dresdner Weihnachts-Circus zu sehen, die viel Beifall fanden. Darunter das Air-Trio aus St. Petersburg mit einer tänzerisch akrobatischen Glanzleistung. Hoch über der Manege bewegen sich die drei Luftakrobatinnen voll Grazie und schwebender Leichtigkeit rings um ein Metallgehäuse. Sie verkörpern die Sterne am Himmel des Grand Chapiteau in sich ständig wandelnden Konstellationen.

Für Heiterkeit und Staunen sorgte Seelöwe Charlie, der sich ebenso gewandt wie gelehrig und verschmitzt verhielt im innig-humorvollen Zusammenspiel mit Tierlehrer Roland Duss von der The Duss Family. Beiden machte es sichtlich viel Spaß und im Duo war das Erlebnis noch intensiver, konnte Charlie noch mehr zeigen, was er drauf hat. Zur Duss Family gehören insgesamt drei kalifornische Seelöwen und der Jack Russel Terrier Maylo.

Zum Schluss trat Clown Totti Alexis auf, seit Jahren der Publikumsliebling des Dresdner Weihnachts-Circus und immer für eine Überraschung gut. Diesmal sang er zunächst gefühlvoll ein französisches Chanson und zeigte sich als nachdenklicher Clown. „Wir spielen im Dunkeln und strecken die Arme nach oben zum Unerreichbaren…“, sagte er.
Doch auch ein Clown kann nicht alles und nicht immer lachen. Ihm gehe es nicht um Perfektion, sondern Streben nach Bestmöglichem Gutem. Er glaubt an die Liebe, so Totti, das war nicht immer so und nur dank seiner wunderbaren Frau Charlotte und seinen Kindern. Er glaubt an das Gute in den meisten Menschen.

Gerade waren sie in Schottland auf Tournee, erzählt er. Manchmal habe er Zukunftsängste und Zweifel, auch um seine Kinder und ihren Glauben und wie es weitergehe, so Totti. Er vertraute sich einem befreundeten Pfarrer an, betrachtete den Sternenhimmel erstmals wieder seit langem und atmete frisch durch. Am nächsten Tag bereits waren einige Probleme gelöst, erzählt Totti. Jedes Mal, wenn er einen Moment innehielt und zuließ, dass die Welt ihn umspielt, spürte er, dass eine unsichtbare Hand ihn führt. „Die Welt ist voller Wunder. Genießen wir sie doch. Gott ist die Erde unter unseren Füßen, die Luft, die wir atmen und die Liebe, die wir spüren.“ Berührende Worte eines Clowns (der ganze Text steht unter http://www.facebook.com/clowntotti/posts). Zu ihm gesellten sich seine zwei Söhne Charlie und Maxim, die wie er ungeschminkt mit Wanderstab und Triangel am Manegenrand nah am Publikum entlangliefen und  diesem zusammen mit ihrem Vater Totti fröhlich zuwinkten.

Das Programm des diesjährigen Dresdner Weihnachts-Circus ist noch bis 5. Januar 2020 zu sehen.

Text + Fotos (lv)

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„Dein Herz. Dein Körper. Deine Seele“ – Lesung aus Weihnachtspost berühmter Frauen & Männer in der Galerie Kunst & Eros

„Küsse sind unser Gebet“

Romantische, schwärmerische, traurige, komische, nachdenkliche und tröstliche Momente zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, vereinte eine Lesung mit Weihnachtspost berühmter Frauen und Männer in der Galerie Kunst & Eros. Die Gruppenausstellung „Erotischer Advent“ mit Malerei, Grafik und Plastik zeitgenössischer Künstler ist noch bis 18. Januar 2020 zu sehen.

„Ein Fest für alle Menschheit, das lebt und wärmt…“, schrieb die Malerin Paula Modersohn-Becker einst an den befreundeten Dichter Rainer Maria Rilke, der sie an ihre Zeit in der Künstlerkolonie Worpswede erinnerte und von dem sie sich als Künstlerin verstanden fühlte. Sie habe das Gefühl, dass man mit Weihnachten wachsen muss, auf dass jedes Jahr eine weiße Rose die Welt mit Licht und Liebe erfülle. 1907 stirbt sie wenige Monate nach der Geburt ihres ersten Kindes. „Mein Leben ist ein kurzes, intensives Fest“, notiert sie in einem ihrer letzten Briefe. „Ist es deswegen denn weniger schön, da es kürzer ist?“

Wunderbare Worte und Gedanken, die der „Weihnachtspost berühmter Frauen und Männer“ aus dem gleichnamigen Buch entstammen, waren zu hören in einer Lesung mit dem „Literarischen Quartett“ am Nikolaustag in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden, wo jedes Jahr zum „Erotischen Advent“ Kunst und literarisch-musikalische Programme zum Verweilen und Innehalten im vorweihnachtlichen Trubel einladen. Auf eine ebenso besinnlich, berührende wie kurzweilige Reise in die Weihnachtsstuben und Herzen bekannter Persönlichkeiten aus vergangenen Zeiten nahmen lebhaft vorlesend am Tisch bei Kerzenschein Kristin Rudloff, Solvig Frey, Hans-Jürgen Scholz und Rüdiger Schlögel ihr Publikum mit. Liebevoll mit Glöckchen einläutend, vorher Plätzchen und Pfefferkuchen aus Kästchen verteilend, lauschte man neugierig, schmunzelnd bis ergriffen der Weihnachtspost.

Solvig Frey stellte die Briefe zusammen. Sie erzählen sehr persönlich, offen, schwärmerisch, romantisch, nachdenklich und tröstlich von schönen, sehnsuchtsvollen, traurigen, wehmütigen, bangen, aber auch heiter-komischen Momenten in bewegter Zeit, in der die Briefeschreiber durch verschiedene Umstände, Krieg, Exil, Beruf, Familie oder andere Partner am Weihnachtsabend voneinander getrennt waren.

Da berichtet der französische Philosoph Jean-Paul Sartre in einem Liebesbrief an die Schriftstellerin Simone de Beauvoir, wie er als Marinesoldat in blauer Uniform vor der Mannschaft hingebungsvoll die Arie des Don Camillo aus Bizets Oper „Carmen“ schmettert und sich als Skifahrer versucht. Da freut sich F. Scott Fitzgeralds  Liebste Selda auf das Wiedersehen mit ihm, nicht ohne Eifersüchteleien und bemerkt, dass es „nichts Schöneres als rote, leuchtende Weihnachtskugeln gibt.“ Der große amerikanische Schriftsteller und die Tänzerin galten als das Glamourpaar der 1920er Jahre in der Welt der Schönen und Reichen, der er einen Spiegel vorhält in seinem berühmten Roman „Der große Gatsby“. Die Liebe zur Musik verband zeitlebens die virtuose, europaweit umher reisende Pianistin Clara Wieck und den Komponisten und mittellosen Künstler Robert Schumann, den sie gegen den Widerstand ihres Vaters heiratete. „Küsse sind unser Gebet“, schrieb er in einem Weihnachtsbrief an sie. Der Schauspieler Richard Burton stellt sich lustvoll in Zeilen an die Hollywood-Diva Elizabeth Taylor vor, wie die Tinte hervorsprudelt aus dem Füllfederhalter, seinem Geschenk an sie. Für den Schriftsteller Erich Maria Remarque ist Weihnachten das „ironischste aller Feste“ und „immer mit verdorbenem Magen verbunden“, schreibt er an Marlene Dietrich nach Amerika, die er liebevoll seinen „kleinen Nestvogel“ nennt, die nicht treu sein konnte und der er auch nach der Trennung 1940 weiter schreibt.

Thomas Mann wurde von seinen Kindern „der Zauberer“ genannt. „Es ist doch seltsam, welche Verklärung einfache Dinge erfahren, sie hören auf Ware zu sein, werden Gabe durch die Art des Empfangs und Schenkens“, schreibt der Schriftsteller an seine Tochter Erika und schwelgt in opulenten Erinnerungen an die Weihnachtsfeste der Kindheit in seinem Roman „Die Buddenbrooks“. Während für den Dichter Hans-Christian Andersen „Weihnachten der schönste Märchenabend des Jahres“ ist, an dem alles wunderbar verwandelt scheint, man allein vom Zusammensein mit anderen träumt oder umgekehrt und die Herzen und Sehnsucht überfließen. Ach wär ich doch in der Stube mit all der Pracht und Herrlichkeit, wünscht sich der einsam, draußen im Wald stehende Tannenbaum in einer von Andersens schönsten Weihnachtsgeschichten.

Das „Literarische Quartett“ las die Briefe abwechselnd, dazu die biografischen Hintergründe zu Leben und Werk der Briefeschreiber, am Piano begleitet von Christian Mögel, der mit beschwingten Melodien bekannter Weihnachtslieder wie „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“ variantenreich die Stimmung, Trubel und Vorfreude einfing, augenzwinkernd zwischen leisen, besinnlichen, glockenklaren und turbulenten Klängen. Viel Beifall gab es für diese Herz und Geist gleichermaßen erfreuende Weihnachtslesung.

Die Gruppenausstellung „Erotischer Advent“ mit Arbeiten von Gudrun Trendafilov, Juan Miguel Restrepol Vales, Leo Lessig, Konstanze Feindt-Eißner, Steffen Fischer, Olaf Stoy und weiteren Gästen sowie neue lust- und liebevoll bemalte Schmuckstücke aus Porzellan der Künstlerin und Galeristin Janett Noack sind noch 18. Januar 2020 zu sehen.

Text + Fotos (lv)
Mehr Text zur Ausstellung folgt.

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de


Sinnenfroher Kunstgenuss: In aller Vielfalt zu sehen bei Janett Noack in der Galerie Kunst & Eros in Dresden.

Die Welt mit Kinderaugen sehen. Immer mehr Väter nehmen Elternzeit


Torsten Siegemund mit seinen Söhnen Felix und Ole bei der Vater-Kind-Kur in GRaal-Müritz. Foto: privat


Torsten Weber mit seinem jüngsten Sohn Yanis. Foto: privat

Mehr als zwei Vätermonate

Torsten Siegemund und Torsten Weber nahmen selbst länger Elternzeit und geben ihre Erfahrungen im Männernetzwerk Dresden e.V. weiter.

An die gemeinsame Vater-Kind-Kur in Graal Müritz im Frühjahr denkt Torsten Siegemund gern zurück. Drei Wochen war er dort mit seinen zwei Söhnen Felix, 5 Jahre und Ole, 3 Jahre unterwegs. „ Ich habe eine Auszeit genommen, um die Beziehung zu ihnen zu festigen“, sagt er. Seit der Kur  kommen Ole und er sehr gut klar miteinander. In den ersten Monaten nach der Geburt seiner Söhne  unterstützte er als Mann und Vater in Elternzeit seine Frau. Torsten Siegemund war mit den Kindern vormittags mit dem Kinderwagen unterwegs, so dass seine Frau etwas Ruhe hatte. Und er kümmerte sich um Felix, als Ole geboren war. „Bei Felix hatte ich mir vorgenommen, aktiv als Vater da zu sein, mit ihm spazieren gehen, einkaufen und aktiv die Entwicklung des Kindes fördern“, erzählt er.

Väter von heute gehen neue Wege, weiß Torsten Siegemund aus eigener Erfahrung und seiner Arbeit im Männernetzwerk Dresden e.V. Er ist 38 Jahre alt, Sozialpädagoge und Projektkoordinator des Vereins im Büro auf der Schwepnitzer Straße 10. Zurzeit arbeitet er 30 Stunden pro Woche, da die Stadt dem Projekt Mittel gekürzt hat. Dadurch bleibe kaum Zeit, um die neue Plakataktion über positive männliche Rollenbilder  vorzubereiten. Vielleicht findet sich dafür ein hilfsbereiter Sponsor. Der vor zwei Jahren vom Männernetzwerk Dresden veranstaltete Fotowettbewerb „VäterBilder“ stieß auf große Resonanz, als Wanderausstellung und Kalender.  Väter als Stütze, als „Kopfkissen“, als Freund, Clown, Fußballexperte, Vorbild und Berater, vor Glück platzender und liebevoller Vater oder auch als unsicherer, sensibler und Unterstützung suchender Mann waren da zu sehen.

Inzwischen nehmen immer mehr Väter Elternzeit. In Sachsen stehen sie damit sogar an der Spitze bundesweit. Mit einem Anteil von 46,7 Prozent gehen hier deutlich mehr Männer in die „Babypause“. 2017 pausierten laut Sächsischem Sozialministerium 25 763 Väter beruflich für ihren Nachwuchs, fast 3000 mehr als im Vorjahr. „In der zweiten Elternzeit, kurz vor dem ersten Geburtstag von Ole, waren wir in Spanien und haben dort als Familie auf kleinsten Raum in einem Bus gelebt“, erzählt Torsten Siegemund. „Die Beziehung zu den Kindern ist durch die gemeinsamen Erlebnisse in den sechs Wochen besonders stark geworden. Auch jetzt nach drei Jahren kann sich Felix noch sehr gut an die Zeit in Spanien erinnern.“

Bei der Dauer der Elternzeit herrscht insgesamt allerdings noch ein Ungleichgewicht, sagt Torsten Weber, ebenfalls Sozialpädagoge, Vater von zwei Kindern und Leiter der Fachstelle für Jungen und junge Männer im Männernetzwerk Dresden. „Väter gehen meist nur zwei oder drei Monate in Elternzeit, während Mütter im Durchschnitt 11,6 Monate zu Hause bleiben. Ein Schritt weiter ist entweder halbe halbe bei der Elternzeit oder der Vater bleibt bewusst länger zu Hause“, sieht er noch Reserven. Das erfordere die Offenheit und Bereitschaft des Paares zu diesem Rollenwandel ebenso wie der Arbeitgeber, dass Männer auch länger in Elternzeit gehen können, ohne Sorge um ihren Job oder vor einem Karriereknick. Dazu gehören auch flexible Arbeitszeiten und ausreichend Kinderbetreuungsangebote.

Oft fällt die Entscheidung ganz pragmatisch: Wer mehr verdient, geht arbeiten und der andere bleibt zuhause in der Elternzeit. Oft verdienen Männer mehr. Das ElterngeldPlus, das es seit 2015 gibt, ermöglicht Paaren, sich die Erwerbs- und Familienarbeit zu teilen. Die Bezugszeit wurde von 14 auf 32 Monate ausgeweitet. Die Höhe des Elterngeldes beträgt 67 Prozent des Vorjahreseinkommens. Torsten Weber war den ersten Monat nach der Geburt seines zweiten Sohnes Yanis im Mai gemeinsam mit seiner Partnerin in Elternzeit. Wie vorher auch beim ersten Sohn Juri, der jetzt viereinhalb Jahre ist. „Solch eine frühzeitige Elternzeit sehe ich eher als Entlastung der Mutter, denn als gestaltbare Interaktion mit dem Kind“, sagt er. „Natürlich kann ich Yanis Zuwendung, Nähe und Geborgenheit vermitteln, ihn hochnehmen, wickeln und im Wagen umherfahren. Wenn er allerdings Hunger hat – und er hat oft Hunger – führt der Weg, dank lautstarker Proteste, stracks zur Mutter zurück und als Vater steht man mit dem Gefühl da, nicht zu genügen…Aber zum Glück weiß ich ja, dass das völlig normal ist und sich bald ändern wird.“

Mit Juri war Torsten Weber ab seinem 7. Lebensmonat noch mal für ein halbes Jahr in Elternzeit, während seine Partnerin wieder arbeiten ging. „In dieser Zeit gibt es für den Vater natürlich viel mehr zu tun und mit dem Kind zu erleben, als am Anfang: spielen, singen, Bücher anschauen, füttern, spazieren fahren (oder -tragen) und verschiedene Angebote nutzen. Ich hatte damals so meine Routinen: Nach dem Frühstück mit dem Wagen eine Runde durch den Stadtteil bis das Kind eingeschlafen ist, dann nach Hause: aufräumen, abwaschen, Brei kochen etc. Anschließend füttern, wieder raus, schlafen usw…. Einmal die Woche zum Babyschwimmen, einmal zum PEKIP.“ Während er beim Babyschwimmen vereinzelt noch andere Väter traf, waren beim PEKIP ausschließlich Mütter anzutreffen. „Das ist natürlich auch sehr nett und macht für das Kind keinen Unterschied. Aber als Mann in einer reinen Frauenrunde gibt es in Gesprächen manchmal thematisch wenig Berührung mit den anderen Elternteilen und ich hatte schon ein bisschen das Gefühl des Exoten“, so Torsten Weber. Daher ist er auch mal zum Papacafé nach Pieschen gefahren und hat dort mit anderen Vätern und deren Kindern Zeit verbracht.

Am Ende der Elternzeit war er dann zur Eingewöhnung von Juri im Kindergarten, hier waren wieder ein paar mehr Väter zu sehen, was wahrscheinlich an den berühmten „Vätermonaten“ lag. Eben jene zwei Monate, die es länger Elterngeld gibt, wenn beide Partner Elternzeit in Anspruch nehmen. Torsten Weber und seine Partnerin bleiben abwechselnd sechs Monate mit Yanis zu Hause. „Bis dahin ist hoffentlich unsere Haus-Baustelle abgeschlossen. Inzwischen hat sich ja auch die Angebotslandschaft deutlich erweitert. Für einen Väter-Krabbeltreff oder ein Väterfrühstück muss ich nicht mehr durch die ganze Stadt fahren“, sagt er. „Vielleicht nehmen wir beide nochmal Elternzeit, bevor Juri 2021 in die Schule kommt. Das wäre dann die letzte Gelegenheit, unabhängig von Ferien nochmal intensiv als Familie unterwegs zu sein und eine längere Reise zu unternehmen.“

Text (lv)

Kontakt:

Männernetzwerk Dresden e.V.
Schwepnitzer Str. 10
01097 Dresden

Tel.: (0351) 796 – 6348
http://www.maennernetzwerk-dresden.de

BuchTipp: Humorvoll & herzergreifend – „Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte“ von Kirsten Boie

Eine lustige und berührende Geschichte über Anderssein

Das Kinderbuch „Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte“ von
Kirsten Boie (erschienen bei Oetinger) erzählt ebenso liebe- wie fantasievoll vom Umgang mit Unterschieden.

Mama Reh findet nach einem großen Feuer im Wald unter dem Heckenrosenstrauch ein kleines graues Puscheliges. Einen jungen Fuchs, der seine Familie verloren hat. Sie nimmt ihn mit nach Hause zu ihren Kindern. Der kleine Fuchs, genannt „Blau-Auge“, gibt sich große Mühe, ein gutes Reh zu sein. Doch schon der Versuch, wie die Rehe flugs über einen Weidezaun zu springen, geht schief. Seine Beine sind zu kurz. Mama Reh tröstet: „Es gibt immer verschiedene  Wege, um ans Ziel zu kommen. Man muss nur herausfinden, welcher Weg für einen selbst der richtige ist. Wenn es schwierig wird, hilft nur, sich selber Mut zu machen.“ Der Fuchs kann ja auch unter dem Zaun durchkriechen und das klappt wunderbar.

Doch als zuerst die kleine Maus verschwindet und kurz darauf das Rehkitz Vielpunkt, glauben die Waldtiere, dass “Blau-Auge“ dahintersteckt. Ein Fuchs bleibt eben immer ein Fuchs, dem man nicht trauen kann!, meint der aufgeplusterte Uhu. Doch dann kommen er und die anderen Waldtiere aus dem Staunen nicht heraus, was „Blau-Auge“ alles kann.

Eine wunderbare Geschichte zum Selber- und Vorlesen, nicht nur an langen Winterabenden, über den Umgang mit Unterschieden und Anderssein, Gefahren, Geheimnisse, aber auch von Hilfe und Freundschaft, wenn man in Not ist, erzählt einfallsreich, spannend und berührend das neue Buch „Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte“ von Kirsten Boie. Eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Das Buch erschien dieses Jahr im Oetinger Verlag Hamburg (192 S., 16 Euro). Empfohlen für Kinder ab sechs Jahre. Die Abenteuer des kleinen Fuchs werden farbenfroh und liebevoll illustriert von Barbara Scholz im Buch lebendig.

Kindgerecht, fantasievoll, lustig, aber auch traurig und nachdenklich schildert Kirsten Boie die Erlebnisse aus der Sicht der Tiere. Voller Neugier, mit allen Freuden, aber auch Ängsten und greift dabei beim Erzählen schön beiläufig auch auf das Wissen der Kinder zurück. Da geht es um das Leben mit der Natur bei Tag, Nacht und sich wandelnden Jahreszeiten. Um Spuren, Geräusche, Stimmen und auftauchende brüllende Ungeheuer, Rundfüßler, die schneller als jedes Tier auf dem schwarzen Band entlang sausen und vor denen man auf der Hut sein muss, ebenso wie vor den Zweifüßlern, die Fallen aufstellen und Tiere mir einem Donnerflügel töten. Die um ihren Bau herum wunderbare, köstliche Pflanzen und Kräuter anbauen, die sie aber ungern teilen, anders als das getrocknete Gras und die Eicheln in den Futterkrippen, die sie in der eisigen Zeit für die Waldtiere aufstellen. Eines Tages nimmt der junge Fuchs schweren Herzens Abschied von der Rehfamilie und zieht allein los, um seine Fuchsfamilie wiederzufinden. Unterwegs sammelt er viele eigene Erfahrungen und erlebt: Jeder darf sein, wer er ist! Nach diesem fesselnd-feinfühligen, lebensfrohen Buch, an dem man auch als Erwachsener sein Vergnügen hat, sieht man mit anderem, wacherem Blick auf die Mensch- und Tierwelt.

Text (lv)
Foto: Oetinger Verlag

http://www.oetinger.de