Premiere „Schuldenmädchen-Report“ auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus


Heftiger Anfall von „Kreditoris“: Wilma Moneta ist es leid, die Schuldenlast ihres Mannes durch den Kredit für die Zweitapotheke länger zu tragen. Szene aus dem Stück „Schuldenmädchen-Report“ im Kleinen Haus. Foto: Sebastian Hoppe

Witzig-offenherziger Austausch über Konsumlust und
“Kreditoris“

Fünf Frauen erzählen freimütig über das Reizthema Geld und Schulden im Stück „Schuldenmädchen-Report“ von Vanessa Stern, das am Sonntagabend Premiere hatte im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Sie schreiten wie auf dem Laufsteg zwischen Getränkekisten
vom Supermarkt umher. Tragen Kistenberge auf und ab, verstecken sich dahinter und halten die Kästen zärtlich an ihren Körper im Kaufrausch. Sie reden offen über ihre Schulden und wie sie am besten „kreditoral“ zum Höhepunkt kommen. Rund um das Reizthema Geld erzählen fünf Frauen über ihre persönlichen Erfahrungen damit. Witzig, freimütig und offenherzig geht es zur Sache im  „Schuldenmädchen-Report“ von Vanessa Stern. Premiere dieser ersten Produktion unter dem neuen Leiter der Bürgerbühne, Tobias Rausch, war am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Zusammen mit fünf Dresdnerinnen von Mitte 20 bis 60 Jahren entwickelten
die Regisseurin Vanessa Stern und der Dramaturg Dietmar Schmidt das Stück, das sich mit der Absurdität von Schulden und dem Umgang damit beschäftigt. In ironischer Anlehnung an die Softporno-Serie „Schulmädchen-Report“ aus den 1970er Jahren, bei dem junge Frauen in gestellten Interviews auf der Straße zu ihrer Sexualität befragt wurden, sprechen die Schuldenmädchen ungefragt, ungeniert und selbstbewusst darüber, wie sie in die Schuldenfalle tappten und sich befreiten von ihren Schuldgefühlen.

Als Spielfläche dienen bunte Getränkekisten. Vor Mikro und Kamera befragen sich die fünf Frauen in farbigen Overalls gegenseitig in kurzen Szenen zu flotten Klängen über Einkäufe, Schuldenhöhe und Kreditwürdigkeit. Sie zeigen sich cool-verführerisch mit herausgewölbten weißen, leeren Hosentaschen und als kraftprotzende, bedrohliche Inkasso-Geldeintreiber. Jede in der Schuldenmädchen-WG hat ihr Päckchen zu tragen. Begonnen bei der Studentin (Luise Kropp), die weniger finanzielle als emotionale Schulden hat. Ihre Eltern finanzieren das Studium für drei Kinder und mussten für sie einen Bafög-Kredit aufnehmen. Da ist die von ihrem Mann verlassene Apothekersfrau (kraftvoll-selbstironisch: Wilma Moneta), die für ihn einen Kredit aufnahm, erst sein Jungbrunnen war und nun mit „Kreditphobie“ und einem Schuldenberg kämpft.

Mit einem lustigen Vogel-Tattoo auf dem Rücken, der laut piept und krr…die Krallen zeigt, macht „Schuldenmädchen“ Ruth Mader ihr und den anderen Frauen Mut. Sie ist 30 und will keine Kinder, die sie weder der Familie noch der Gesellschaft schulde. Als Veganerin fühlt sie sich dafür moralisch überlegen. Julia-Marie Beier gerät in ein humorvoll-nachdenkliches Gespräch mit Gott, ihrem „ewigen Gläubiger“, der sich wiederum über den neuen Gott namens Kredit aufregt.

Herrlich komisch auch der Workshop zur Transformation des „negativen Eigenkapitals,“ anstelle des verpönten S-Wortes, und der Austausch der Schuldenmädchen auf ausgerollten Matten über das Phänomen „Kreditoris“, die offensichtlich nur Frauen haben und mit dem Hormon „Schuldosol“ auch leicht zu stimulieren und verführbar sind bis zum Höhepunkt mit Schufa-Auskunft, Kreditvertrag und tief im Dispo. Viel Beifall für einen amüsant nachdenklichen Theaterabend über Haben und Sein.

Text (lv)

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Ostrale Biennale 2019 schließt erfolgreich


Anya Janssen, Niederlande, Öl auf Leinwand: „Die Leute sagen, ich bin anders.“

Biennale-Zwischenjahr 2020 mit Gastspielen in Rijeka, Kampala und Nairobi

Die diesjährige internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste OSTRALE Biennale schloss Anfang September nach gut neun Wochen ihre Tore. Sie fand in diesem Jahr als Zwischennutzung in der von einem privaten Bauherren zur Verfügung gestellten, historischen Zigarettenfabrik f6 und parallel in mehreren Häusern im Stadtgebiet statt. Obwohl sie in diesem Jahr elf Tage weniger geöffnet hatte als zuletzt und diesmal die gesamten Sommerferien in der Ausstellungszeit lagen (2017: nur 2 Ferienwochen), hatte die diesjährige OSTRALE Biennale mit ca. 28.000 Besuchern fast genauso viele wie beim letzten Mal (2017: ca. 30.000). Gegen Ende konnten an manchen Tagen trotz der Hitze bis zu ca. 1.500 Kunstfreunde gezählt werden. In den nur zwei Wochen nach den Ferien kamen im Rahmen des Kunstunterrichtes auch ca. 5.000 Schüler (225 Schulklassen) aus ganz Sachsen.

Da die OSTRALE über keinen festen Veranstaltungsort mehr verfügt, sucht der OSTRALE Zentrum für zeitgenössische Künste e. V. für das nächste Biennale-Jahr 2021 bereits nach einem neuen Gebäude in Dresden. Die dortige Veranstaltung soll erneut durch mehrere dezentrale Ausstellungen ergänzt werden. Im kommenden Jahr 2020 wird die OSTRALE einen Teil der soeben in Dresden gezeigten Werke unter anderem auch in der Europäischen Kulturhauptstadt Rijeka (Kroatien) präsentieren. Die Stadt Dresden bewirbt sich für das Jahr 2025 ebenfalls als Europäische Kulturhauptstadt.

Die Dresdner und ihre Gäste haben die Ausstellung und die Ergänzungen durch Symposien, Workshops und Artist in Residence nach Einschätzung der Organisatoren erneut sehr gut angenommen. Gleiches gilt für die im Stadtgebiet verteilten Ausstellungen, wie unter anderem im Ausländerrat, in der ehemaligen Haftanstalt Bautzner Straße und im Goethe-Institut Dresden. In diesem Biennale-Jahr waren insgesamt über 300 Werke von 180 Künstlern aus über 34 Nationen zu erleben. Ihr Spektrum deckte erneut alle Gattungen der zeitgenössischen Kunst ab.

„Gern würden wir auch künftig als ‚Raumpionier‘ eine möglichst umfassend kuratierte Schau aktueller internationaler Kunst in einem Stadtteil Dresdens präsentieren, an dem sie sonst nicht so stark vertreten wäre. Dafür werden wir wieder ca. 8.000 Quadratmeter Gebäude plus Freigelände benötigen. Es wäre grandios, wenn wir ein vorübergehend leerstehendes Gebäude beleben könnten.“, so die Biennale-Direktorin Andrea Hilger.

2020: Biennale-Zwischenjahr mit Auftritten Rijeka, Kampala und Nairobi

Emina Višnić, Direktorin von Rijeka 2020, kündigt an: „Die OSTRALE hat in den letzten Jahren bereits das Programm Europäischer Kulturhauptstädte bereichert, wie in Pécs (Ungarn, 2010), Wroclaw (Polen, 2016), Valletta (Malta, 2018) und anderen Partnerstädten. Sie wird ihr aktuelles Konzept ‚-ismus‘ in Rijeka unter dem Titel ‚Watergate‘ in unsere drei Schwerpunktthemen ‚Arbeit, Migration und Wasser‘ einbinden.“. „Wir freuen uns außerordentlich, dass wir im kommenden Biennale-Zwischenjahr erneut das Programm einer Europäischen Kulturhauptstadt mitgestalten dürfen. ‚Watergate‘ wird Elemente unserer diesjährigen Ausstellungsthemen ‚Ismus‘, ‚WomanIsm‘ und ‚MigARTion‘ vereinen.“, freut sich auch Andrea Hilger.

Die Präsentation in Rijeka ist im kommenden Jahr 2020 nicht das einzige Auslandsgastspiel der OSTRALE. Antka Hofmann, eine der Kuratorinnen der OSTRALE Biennale: „Wir werden mit unserem Projekt ‚WomanIsm‘ in Uganda und in Kenia gastieren und dort mit spannenden Partnern, wie dem Goethe-Zentrum in Kampala und der Circle Art Gallery in Nairobi zusammenarbeiten.“ WomanIsm wird gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und durch das „ifa“ Institut für Auslandsbeziehungen.

Die OSTRALE Biennale ist mit aktuell insgesamt über 300 Kunstwerken von ca. 180 Künstlern aus über 34 Nationen eine der größten temporären Ausstellungen für zeitgenössische Künste in Deutschland. Sie ist keine Verkaufsausstellung per se, was ihr die Freiheit gibt, gesellschaftlich relevante Themen abseits des Marktgeschehens zu diskutieren. Die Leitgedanken der OSTRALE, wie unter anderem friedliches Miteinander, Akzeptanz des Fremden/Unbekannten, respektvoller Umgang, religiöse Vielfalt und Internationalität spiegeln sich in den Ausstellungen inhaltlich wieder. Das Team des OSTRALE Zentrums für zeitgenössische Künste hat bereits mehrfach große Teile des Programms zeitgenössischer Künste in Europäischen Kulturhauptstädten gestaltet, so 2010 in Pécs, 2016 in Breslau und 2018 in Valletta/Malta. Auch in der Europäischen Kulturhauptstadt 2020 Rijeka/Kroatien wird die OSTRALE Teile des Programmes mitgestalten. 

Text: Tobias Blaurock

http://www.ostrale.de

Ausstellung „Radebeul gewendet“ in der Stadtgalerie


Blühende Landschaften & Wohlstand für alle nach dem „Gießkannenprinzip“. Installation von Ralf Uhlig.

„Horch & Guck“, Bilderserie von Gerald Risch ; Karikatur von Lutz Richter
„Rosa Bad“ von Wolfgang Smy, „Der Untergang“ (Entwurf) und „Masken“ von
Bärbel Voigt ; „Patriot“ von Wolfgang Smy

„Rosa Leuna“ von Karola Smy    ;  „Neuer Berliner Totentanz“ von Reinhard Zabka


„Punk“ von Gabriele Reinemer   ;       „Der Amnestierte“ von Markus Retzlaff


„o.t.“ von Wolf-Eike Kuntsche

„Was von uns bleibt“ von Reinhard Zabka; „Selbst als Bausoldat“ von Frank Ruschka

„Ab-Wendung“ von Anne-K. Pinkert  ;  „Es kommt selten vor…“ von Bernd Hanke
„Ende der Probefahrt“ von Burkhard Schade ; „Erinnerung“ von Markus Retzlaff ; „Schöne neue Welt“ von Anita Voigt

Schöne neue Welt

Ausbrüche aus der Enge, Träume, Erinnerungen, Verlockungen und Grenzen der Freiheit zeigt die Ausstellung „Radebeul gewendet“ zurzeit in der Stadtgalerie der Lößnitzstadt. Zu sehen sind Arbeiten von 52 Künstlern, die vor und nach 1989 entstanden.

Ein Mann steht auf, befreit sich aus seinem Käfig, breitet die Arme zum Fliegen aus und landet auf der Erde. Die Installation mit Miniaturfiguren aus Zinn und Blei auf einer dunklen Holztafel von Wolf-Eike Kuntsche, „o.t.“ aus dem Jahr 1986 hängt an der Stirnseite im Galerieraum. Gerade entlassen, aber mit starrem Blick und verschränkten Händen sitzt „Der Amnestierte“ in einem grauen Raum, in einem Ölbild von Markus Retzlaff von 1989/90. Eine rote Gestalt leuchtet kopfüber aus dem Nussbaum draußen. Den „Wendehals“ mit Spiegel zur Selbstbetrachtung installierte Dorothee Kuhbandner.

Zu sehen sind die Werke zurzeit in der Ausstellung „Radebeul gewendet“ in der Stadtgalerie Radebeul, Altkötzschenbroda 21 anlässlich des Ereignisses 30 Jahre Friedliche Revolution in Ostdeutschland in diesem Jahr. 52 Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten, die vor 1989 und danach entstanden und die Zeit des Umbruchs reflektieren. Die Ausstellung steht in der Tradition der multimedialen Kunstprojekte, welche die bisherige Stadtgaleristin Karin Baum begründete, mit Titeln wie „Radebeul besitzen“ und „Radebeul bei Tag und Nacht“.

In großer Bandbreite der Ausdrucksformen, subjektiv, brüchig und wandlungsreich spiegelt sich die Zeit vor und nach der Wende. Ausbrüche aus der Enge, Träume, Erinnerungen, Illusionen, Verlockungen und Grenzen der Freiheit begegnen dem Betrachter vielgestaltig in Malerei, Grafik, Zeichnungen, Fotografie, Plastik und Installationen. In Wolfgang Smys ironischem Gemälde „Rosa Bad“ von 1985/92 gehen die Figuren mit heroischen Posen buchstäblich baden. Ebenfalls von ihm stammt der „Patriot“ von 2012, der aus rostigen Eisenfundstücken montiert und fahneschwenkend mehr einem wilden Eingeborenen ähnelt. Vielsagend zeichenreich ist Karola Smys Siebdruck „Rosa Leuna“. Schein und Sein von Ideal und Wirklichkeit spiegelt auch die Collage aus Zeitungsausschnitten in Labyrinthform, „Neuer Berliner Totentanz“, 1987/2009 von Reinhard Zabka. In einem Objektkasten mit dem Titel „Was von uns bleibt“ von 1988 sammelte er eine Fülle materieller Überbleibsel wie leere Konservendosen und Mokka-Fixtüten. Frank Ruschka zeigt ein berührend zwiegespaltenes Porträt „Selbst als Bausoldat“ von 1987.

In Claus Weidensdorfers Farblithografie „Am Flugfeld“ von 1988 schaut eine Menschenschlange gebannt durchs Fenster auf das Tor zur Welt. Aus einer Gießkanne voll bunter Aufkleber regnet es Wundermittel zwischen Ausverkauf und Aufbau Ost, blühenden Landschaften und Investruinen auf das durchgestrichene Schild DDR mit offenem Mauergürtel und rotgelbschwarzen Fähnchen. Die Installation stammt von Ralf Uhlig. „Schöne neue Welt“ heißt ein Siebdruck von Anita Voigt von 2008 voller sich in Farbe und Stil übertrumpfender Ich`s.

Menschen im Zug und eine Gestalt, die die Weltkugel in der Hand fragend betrachten, zeigt Peter Grafs Ölbild „Nicht mehr weit bis Catania“ von 2018. Ein Baum kurz vor dem Aufblühen vor halboffener Tür ist im Bild „Nach draußen“, 1990/2000 von Karen Graf zu sehen. Eine südliche Szene mit einem letzten Blick aufs Meer von der fast menschenleeren Terrasse, „Am Ende der Saison“, 2015 von ihr gemalt, lädt zum Träumen ein. Die Ausstellung „Radebeul gewendet“ ist noch bis 20. Oktober zu sehen.

Am 11.10., 19 Uhr gibt es in der Ausstellung eine Lesung und Musik mit den Radebeuler „Schreibenden Senioren“ und am 20.10. eine Sonderführung durch die Galerieleitung. Ein Stück Zeitgeschichte dokumentieren außerdem spannend und reich bebildert zwei Kataloge, die zum 20-jährigen Jubiläum der Stadtgalerie Radebeul erschienen und dort erhältlich sind.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di, Mi., Do und So von 14 – 18 Uhr.

Nach der Vernissage gab es ein Künstlerfest im Garten der Stadtgalerie Radebeul mit viel Musik, Gesprächen & Wein. Klangreich erfreuten Olicìa electronic handmade loopjazz und Jazzuro mit Swing, Bebop und Modern Ära die Besucher.


Den „Wendehals“ mit Spiegel zur Selbstbetrachtung installierte Dorothee Kuhbandner im Nussbaum vor der Stadtgalerie Radebeul.

Premieren-Wochenende im Staatsschauspiel Dresden: „Mit der Faust in die Welt schlagen“, „Der Kirschgarten“ & „Schuldenmädchen-Report“


„Mit der Faust in die Welt schlagen“ nach dem Roman von Lukas Rietzschel in einer Spielfassung von Lukas Rietzschel, Liesbeth Coltof und Julia Weinreich. Foto: Sebastian Hoppe

 
„Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow aus dem Russischen von Elina Finkel. Foto: Sebastian Hoppe


„Schuldenmädchen-Report“ von Vanessa Stern. Foto: Sebastian Hoppe

Starke Stoffe zur Gegenwart

Der Start in die neue Spielzeit im Staatsschauspiel Dresden beginnt faustdick, aufregend und spannend. Mit der Uraufführung des Stückes „Mit der Faust in die Welt schlagen“ nach dem Roman von Lukas Rietzschel unter Regie von Liesbeth Coltof, Trägerin des deutschen Theaterpreises Der Faust, am Freitagabend im Kleinen Haus. Der 1994 in der Lausitz geborene Autor erzählt in seinem Debütroman die Geschichte zweier Brüder, die in der Provinz Ostsachsens leben, wo nach der Wende vieles weggebrochen ist, Ohnmacht und Wut in Hass und Gewalt umschlagen.

Man sieht den jungen Männern beim Erwachsenwerden zu und wie sie rechtsradikal werden. Als Nachwendekind und Nachfragender wollte er wissen, warum alles auseinanderfällt, kaputt geht und wie es vorher war, bekam aber keine Antwort von den Eltern und Großeltern. Sagte Lukas Rietzschel im Gespräch zum Stück „Mit der Faust in die Welt schlagen“ bei der Großen Saisonvorschau im Schauspielhaus. Nach der Landtagswahl in Sachsen, wo die AfD vor allem im ländlichen Raum die meisten Stimmen holte, gewinnt das Stück noch an Brisanz und bietet reichlich Diskussionsstoff.

Am Sonnabend hat „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow, sein letztes Stück, unter Regie des Theater- und Opernregisseurs Andreas Kriegenburg Premiere im Großen Haus. Ob die Kirschen schon reif sind, fragte Schauspielerin und Moderatorin Louise Aschenbrenner bei der Spielzeiteröffnungs-Show in die Darstellerrunde. Sogleich brach ein wilder Streit aus, wie mit dem brachliegenden Kirschgarten zu verfahren sei, dem Objekt der Begierde von Träumern und Spekulanten. Ganz in weiß gekleidete Gestalten, romantisch-verklärt, elegisch, mit bleich geschminkten Gesichtern geisterten auf der himmelblauen Bühne mit aufsteigenden Rauch umher.

Am Sonntag eröffnet die Inszenierung „Schuldenmädchen-Report“ der Bürgerbühne, die mit Tobias Rausch einen neuen Leiter hat, die Saison im Kleinen Haus. In der Aufführung decken sechs unbestechliche Reporterinnen die Schulden- und Schuldigkeitsfalle auf, in die besonders Frauen immer wieder geraten. In Anspielung auf die Softporno-Serie „Schulmädchen-Report“ aus den 1970er Jahren lassen sie die ökonomischen Hüllen fallen und befreien sich von Schuldgefühlen, weil sie nicht den Erwartungen anderer entsprechen. Da wird Klartext geredet, offen, ungeniert, direkt, selbstbewusst und provokant, was Frauen der Familie und Gesellschaft schuldig sind und wie ihre eigenen Lebensvorstellungen aussehen. Die Szene zur Saisonvorschau machte sofort Lust auf mehr. Es inszeniert die Schauspielerin und Regisseurin Vanessa Stern.

Insgesamt stehen 24 Premieren in der Spielzeit 2019/2020 bevor, vom Lügenbaron Münchhausen über Lulu, Shakespeares Macbeth, Mein Kampf von George Tabori bis zu Anna Seghers Transit.

Mehr Text zur neuen Spielzeit folgt.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

10. Sommersalon in der Galerie Kunst & Eros


„Bettgeflüster“ & „Apfelsine“ von Helena Zubler


Reizvolle Kleinplastik von Horst Hille


„Servant“ von Oskar Staudinger  „Schwarzer Mantel“ von Peter Zaumseil

Lustvolles Spiel der Sinne

Arbeiten von acht Künstlerinnen und Künstlern und Gästen vereint der nunmehr 10. Sommersalon in der Galerie Kunst & Eros noch bis 14. September.

Eine leidenschaftliche Umarmung. Zwei Möpse als Raffael-Engel und eine „Odaliske“, die keck ihre Fangarme kreiseln lässt. Lustvoll, fantasiereich und
versponnen geht es zu beim bereits zehnten Sommersalon in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden (noch bis 14. September, Geöffnet: Mo – Sa 11 bis 15 Uhr).

Die Gruppenausstellung vereint verführerische Malerei, Zeichnung, Grafik und Plastik von acht Künstlerinnen und Künstlern und weiteren Gästen. Zudem werden neue Porzellanstücke mit raffinierter Lüstermalerei von Galeristin Janett Noack gezeigt.
Außerdem zarte Aktzeichnungen von Maria Adler Krafft. Witzig-farbige Collagen von Heinz-Dieter Wenzel aus Berlin und sinnlich-heitere Emaillebilder, die Adam und Eva und Frauen mit Chilischoten zeigen, von Günter Gläser aus Radebeul.

Ausdrucksstarke Paar-Bilder, Fesselungskunst und reizvolle Halbakte wie eine Frau mit Apfelsine vor dem Schoß zeigt Helena Zubler. Sie ist Diplommalerin und Grafikerin und hat gerade ihr Meisterschülerstudium bei Professor Ralf Kerbach an der Dresdner Kunsthochschule abgeschlossen. Das Spiel mit der Fantasie des Betrachters, jeder kann sehen was er will, macht für sie den Reiz an der Kunst aus.

Text + Fotos (lv)

„Impressionen aus dem Feuer“. So heißt der neue Bildband des Radebeuler Künstlers Günter Gläser, der verlockende Emaillebilder eigens für die Galerie Kunst & Eros gestaltete.

Die Kunst hält ihn jung: Günter Gläser und seine Frau Karin vor seinen Bildern
zur Ausstellungseröffnung.

„Umarmung“. Die Künstlerin Helena Zubler vor einem ihrer Paarbilder.

http://www.kunstunderos.de

Ausstellung Labytopia über den Herbst `89 in der Kreuzkirche Dresden


Notstandskreativität & die Macht der Phantasie: Davon erzählen die Ausstellung Labytopia über den Herbst `89 in der Kreuzkirche Dresden und die witzig-absurden Objekte von Reinhard Zabka im Lügenmuseum Radebeul. Fotos: Lilli Vostry

Labytopia – Altäre der Friedlichen Revolution?

Eine Ausstellung in der Kreuzkirche Dresden – 30 Jahre Friedliche Revolution. Eröffnung: 11. September, 18 Uhr. Einführung: Christian Behr, Laudatio: Susanne Altmann. Musikalische Begleitung: Irina Bugataja, Bandoneon, Robert Hennig, Akkordeon.

Labytopia – Altäre der Revolution? in der Kreuzkirche Dresden ist der zweite Teil der mehrteiligen Ausstellungsreihe über den Herbst `89 zu sehen.

Der erste Teil Labystan wurde letztes Wochenende in der Zionskirche Berlin feierlich eröffnet. Die Besucher Labystans passieren vor der Kirchentür einen Schlagbaum und ein Grenzhäuschen und betreten ein fernes Land. Das Gesamtkunstwerk mit 14 beteiligten Künstlern unter der Regie von Reinhard Zabka erinnert an DDR, an Notstandskreativität, an die Macht der Phantasie. Zabka behauptet: „Nicht die akademische sozialistische Malerei und ihre Gegner der Leipziger “Bilder”Ausstellung Point of no return waren revolutionär, revolutionär war Malerei auf Sperrmüll, Installationen und Happenings zur Überwindung des Kunstbegriffs, Aktionen die gesellschaftliche verkrustete Struktur aufbrachen und Verwirrungen als Realitätsbewältigung stifteten.”

Mit der kreativen Kraft von Spiel, Konfrontation und Reibung gelingt es Zabka, ein Protagonist der Prenzlauer Berg Szene, weit besser, in die Köpfe der Besucher hineinzuwirken. Bei komplexen Zusammenhängen ist der spielerische dem objekthaften Ansatz weit überlegen. Besucher erleben beim Wandeln durch die Zionskirche in Berlin und die Kreuzkirche in Dresden etwas von dem Freigeist dieser Zeit und werden automatisch durch ihr bloßes Interesse ein Teil davon.

Weitere Infos:

https://luegenmuseum.de/labystan/

Labytopia – Altäre der Revolution? in der Kreuzkirche Dresden erzählt von den Träumen der Akteure von `89, von den labyrinthischen Ereignissen der Wiedervereinigung, von den Verlusten im Umbruch und koppeln diese Erfahrungen mit dem heutigen Leben zurück. Die Kuratoren Juliane Vowinckel und Reinhard Zabka laden anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Friedliche Revolution und unterstützt durch das Förderprogramm „Revolution und Demokratie“ des Freistaates Sachsen zur Ausstellung Labytopia ein. Kann man die Ereignisse des Herbstes auf einem Altar verehren? Künstler standen in den Zeiten der SED-Diktatur unter Beobachtung, konnten nur eingeschränkt arbeiten, erhielten Berufsverbot oder waren inhaftiert. Die eingeladenen künstlerischen Positionen verehren nicht die Asche der Friedlichen Revolution, sondern sie erhalten das innere Feuer.

Künstler: Klaus Liebscher, Angela Hampel und Steffen Fischer, Frank Herrmann, Marion Kahnemann, Karola Smy und Wolfgang Smy, André Wirsig, die in Frankreich geborene Künstlerin Sophie Cau und der junge Künstler Justus Ehras nehmen das prägende Lebensgefühl von `89 auf.

Die Ausstellung Labytopia – Altäre der Revolution? ist vom 12. September bis 24. Oktober 2019 in der Kreuzkirche Dresden zu sehen und ist Besuchern jeglichen Alters und jeglicher Herkunft wärmstens zu empfehlen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

https://luegenmuseum.de/labytopia/

Text: Richard von Gigantikow, Direktor des Lügenmuseums Radebeul
0176 – 99 02 56 52,
info@luegenmuseum.de
Homepage:
luegenmuseum.de  

Meditative Malerei von Dipa Doreen Wolff im Kastenmeiers


Schwebend leicht fließen Farben und Formen in den Bildern von Dipa Doreen Wolff.

„Der Weg ist das fließende Ziel“

Die Dresdner Künstlerin Dipa Doreen Wolff stellt neue Arbeiten im Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais, Taschenberg 3, aus. Die Vernissage ist am 1. September, von 13 – 15 Uhr.

Die aus Naumburg stammende Malerin und Bildhauerin zeigt Gemälde aus einer ganz neuen Werkphase, welche die Veränderung, die sie sich für unsere Welt wünscht, in natürlich-schimmernde, fließende, sonnige Werke fasst. Mit ihrem hauchzarten Farbauftrag und dem harmonisch-meditativen Ausdruck spricht Dipa Doreen Wolffs Malerei eine eigene, zarte Sprache, die auf den in edlem Grau gehaltenen Lehmputzwänden im „Kastenmeiers“ besonders strahlend zur Geltung kommen.

Kunstinteressierte sind herzlich eingeladen zur Vernissage am 14.Juli 2019 von 13-15 Uhr. Für all jene, die das „Kastenmeiers“ am neuen Standort noch nicht besucht haben, ist die Vernissage gleichzeitig ein schöner Anlass, um das neue Restaurant kennenzulernen, mit einem Glas Sekt und feinem Fingerfood durch die Räumlichkeiten zu schlendern und neben der Kunst vertraute und neue Details der Innenarchitektur à la Kastenmeiers zu entdecken.

Dies ist nicht nur die dritte Ausstellung im Restaurant am neuen Standort, sondern gleichzeitig Nummer 61 seit Beginn dieser Tradition im Herbst 2010 im Kurländer Palais. Die Ausstellung von Dipa Doreen Wolff ist bis zum 17. Oktober 2019 im Kastenmeiers zu sehen.

Mehr Informationen über die Künstlerin und ihre Arbeit steht unter https://www.facebook.com/doreenskunst/  und  http://www.doreenskunst.de/

Text + Foto: Sabine Mutschke,
PR i.A. des „Kastenmeiers“

http://www.kastenmeiers.de

Konzert von Anja Schumann & Klaviernacht & Kino zum Abschluss des Palais Sommer


Berührende Songs & Klangwelten. Die Klavier spielende Sängerin Anja Schumann kommt mit ihrem aktuellen Liederprogramm wieder zum Abschlusskonzert des Palais Sommer Dresden. Foto: Knut Zyball

„Und wir tanzen im Regen…“

Die Sängerin Anja Schumann ist in der Reihe Konzerte im Park am 25. August, um 17 Uhr beim Palais Sommer zu erleben.

Schon 2017 spielte Anja Schumann mit Ihrer Band das Abschlusskonzert beim Palais Sommer Dresden. In diesem Jahr kommt sie wieder – mit neuen Songs. Diesmal ist sie am Flügel im Duo mit dem Schlagzeuger Micha Gramm (ehemals Chief in the Garden)  zu hören. „Und wir tanzen im Regen…“ ist der Titel des aktuellen Liederprogramms. Dabei fließen Blues, Jazz und Soul genauso wie klassisches Songwriting in Anjas Kompositionen ein. Mit dieser Mischung lässt die Klavier spielende Sängerin dynamische und berührende Klangwelten entstehen, die den intimen, vorwiegend deutschen Texten einen samtenen Teppich ausrollen.

Mehr unter: https://palaissommer.de/programm/anja-schumann/

Text: Veranstalter

Anja Schumann live in concert:

Dresden: 25.08. Palais Sommer, 17 Uhr
Bischofswerda: 20.09. Schaufenster Konzert, 20 Uhr

Klaviernacht und Palais.Kino

Der Palais Sommer verlängert sich um 24 Stunden. Am Montag (26.8., 19 Uhr) können Kulturgenießer ein letztes Mal in diesem Jahr einen lauen Sommerabend auf der Wiese vom Japanischen Palais genießen und gemütlich auf Decken und Liegestühlen picknickend wunderbaren Klängen lauschen. Die Pianistin Olena Khoruzha, sie stammt aus der Ukraine, gestaltet die Klaviernacht zum Abschluss des Palais Sommers mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Jean Pierre Duport und Frederic Chopin. Um 21 Uhr ist beim Palais.Kino dann Woody Allens zauberhafte Komödie „Midnight in Paris“ zu sehen, die in die dortige Künstlerszene der 1920er Jahre entführt.

Text (lv)

http://www.Palaissommer.de

Alice im Anderland mit der Spielbühne Großenhain gastiert im Stadttheater Kamenz

Leben in einer verrückten Welt. Davon erzählt „Alice im Anderland“, mit der Grinsekatze an ihrer Seite, frei nach dem berühmten Buch von Lewis Carrol in der neuen Inszenierung der Spielbühne Großenhain.

Die zehn beliebtesten Nervenkrankheiten – Diagnose und Heilung

Leid und Lachen, Ernst und Komik liegen nah beieinander in der Inszenierung „Alice im Anderland“ von Stefan Altherr mit der Spielbühne Großenhain, die den Blick für psychische Krankheiten schärfen will. Am 27. August, um 18 Uhr kommt das Stück für Zuschauer ab 14 Jahre im Stadttheater Kamenz auf die Bühne.

Alice ist Patientin in einer Nervenheilanstalt. Ihre Eltern sind bei einem Brand ums Leben gekommen. Nach einer langen Zeit der Zurückgezogenheit öffnet sie sich langsam. Unter der Wirkung ihrer Medikamente trifft Alice auf die anderen Patienten der Klinik und eine junge Ärztin. Die will ihr aus der Isolation heraushelfen. Immer an der Seite von Alice ist ihr Alter Ego – die Grinsekatze.
Die Jugendgruppe der Spielbühne Großenhain zeigt dieses Stück „Alice im Anderland“ von Stefan Altherr in der Regie von Claudia Stange am 27. August, um 18 Uhr im Stadttheater Kamenz. Die Inszenierung lehnt sich an die bekannte Geschichte „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll an. Es treten die selben Figuren auf – hier allerdings als Ärzte und Betreuer bzw. Patienten. Die Inszenierung für Zuschauer ab 14 Jahre will den Blick für psychische Krankheiten schärfen und wie sie im Alltag auftreten können. Eine kleine eingebaute Vortragsreihe macht mit Behandlungsmethoden und Heilungschancen vertraut. „Wir wollen Betroffene nicht stigmatisieren, sondern die Ausprägung und Folgen solcher Leiden erhellend und natürlich auch unterhaltsam auf die Bühne bringen“, so Regisseurin Claudia Stange.
Eintritt: Erwachsene 5 Euro, Schüler 3 Euro
Text + Foto (krü)

Besuch aus Hollywood im Minckwitzschen Weinberghaus Radebeul

Einblicke in das schillernde Leben einer Diva

Es ist wieder so weit. Dorothee Kuhbandner lädt wieder zu einer Veranstaltung im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul ein. Am 25. August, um 18 Uhr wird die Hollywood-Diva der Neunziger, Linda Miller (Schauspielerin Annette Richter), direkt aus Kalifornien kommend, das Publikum beehren. Als schillernde Diva und Dame von Welt singt und erzählt sie locker, fröhlich von ihren Erlebnissen und aus ihrem Leben mit allen Licht- und Schattenseiten. Ihr Partner, Herr Kurz Kurz, ist ein entfernter Verwandter des chinesischen Starpianisten Lang Lang (Derek Henderson) und am Piano mit von der Partie.

Die beiden geben Einblicke in Lebenswelten, die so ihres Gleichen suchen und die Zuschauer lauschen den Botschaften vergänglicher Jahre, die im Rausch verfliegen.

Vorher und in der Pause gibt es Wein und Schnittchen zum leiblichen Wohl. Wer dieses nicht verpassen möchte, melde sich bitte rechtzeitig in der Galerie mit Weitblick Radebeul bei Dorothee Kuhbandner (Tel. 0174 – 147 1270) an. Die Plätze im Lusthaus sind begrenzt. 10 Euro kostet der Spaß!

Bis Anfang September ist zudem noch die wunderbare Ausstellung von Katharina Probst in der Galerie mit Weitblick, Obere Bergstraße 13, zu besichtigen an den Wochenenden.
Geöffnet: Sa und So. von 14 – 18 Uhr

Text (lv)