Erstes gemeinsames Programm von Manfred Breschke und Philipp Schaller: „Wir werden`s Euch besorgen“

Alle wissen: Geld allein macht nicht glücklich. Glück kann man nicht kaufen. Warum will der Mensch trotzdem immer mehr? Treibt viele tatsächlich die nackte Angst, nicht genug zu haben umher und montags zu den Pegida-Demos, wo der soziale Sprengstoff im Lande verschärft durch die Flüchtlingskrise öffentlich sichtbar wird? Über das heikle Thema Pegida und besorgte Bürger und die Stadt spaltende Grabenkämpfe von „Nazis“ gegen „Gutmenschen“ reden und streiten das Dresdner Kabaretturgestein Manfred Breschke und der Jungsatiriker Philipp Schaller, der vorher viele Jahre als Autor und Spieler bei der Dresdner Herkuleskeule mitwirkte, in ihrem ersten gemeinsamen Programm „Wir werden`s Euch besorgen“. Die Premiere war am Sonnabend im ausverkauften Dresdner Kabarett Breschke & Schuch.

Philipp Schaller kommt auf die Bühne (Regie: Mario Grünewald) wie ein Entertainer, strahlend gut drauf. Einer, der über alles Bescheid weiß und für alles eine Erklärung hat. Ob diese den Leuten passt oder nicht. Hauptsache, das Publikum hat seinen Spaß und lacht. Mit scharfem Witz und Selbstironie gespielt, nimmt Schaller zuerst die eigene Zunft der Kabarettisten aufs Korn, die sich um den heißen Brei drücken, wenn es um Pegida geht, weil sie das Risiko scheuen, dass die Zuschauer dann wegbleiben. Und stattdessen auf allgemeine Politikschelte und sichere Pointen setzen.

Manfred Breschke hockt zunächst zurückhaltend und missmutig da: „Ich kann das nicht mehr!“ Einfach so weitermachen geht nicht, in rauen Zeiten wie diesen mit Forderungen wie von der AfD-Vorsitzenden Petry, dass auf Frauen und Kinder an der deutschen Grenze geschossen werden dürfe, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Er habe Angst, wenn er diesen Satz sagt im Kabarett, dass Zuschauer im Saal dies gut finden. „Die Mauer muss höher!“, ertönt prompt eine Stimme aus den hinteren Zuschauerreihen. Breschke entgegnet: „…etwas weiter weg.“ Schaller und Breschke sitzen an einem Tisch, den zwei weiße offene Fensterrahmen halten und obendrauf liegt das Textbuch. Für alle Fälle.

Im anderthalbstündigen Streitgespräch sprachen sie über eine Fülle an Themen von banal bis bissig-grotesk, begonnen beim alles bestimmenden Konsum, Besitzstreben als einer Urkraft über Pilates, Bildung, Wald-Phobie von überbesorgten Müttern um ihre Kinder bis zu „Best Agern“, neudeutsch für immerjunge Rentner. Zunächst wundert und fragt man sich, was das mit Pegida und den sozialen Spannungen zu tun hat. Zunächst reißt Philipp Schaller Veganer-Witze als „letztes Feindbild, bei dem sich alle einig sind.“ Etwa diesen: „Warum schreien Veganer nicht beim Orgasmus? Weil sie nicht zugeben können, dass ein Stück Fleisch so viel Freude bereiten kann…“

Der junge fordert den älteren Kabarettkollegen heraus, stachelt ihn an wie beim Ping-Pong mit Wortwitzen, Rede und Gegenrede und rügt ihn, wenn er ihm recht gibt. Offen und direkt, bissig und intelligent, alles andere als belehrendes Kabarett von oben herab, damit gewannen sie das Publikum, das aufmerksam zuhörte und auch viel lachte.

Im zweiten Teil des Abends spitzten sich die Inhalte und Aussagekraft deutlich zu. Kam die Kluft zwischen arm und reich und krasse Unterschiede in der Behandlung von Flüchtlingsfamilien und sozial Bedürftigen hierzulande auf den Tisch und wurde der Ton zwischen den beiden auch schärfer. Wurden Gläser hin und her geschoben wie Schachfiguren, die für den „kleinen Mann“ standen. Da wurde knallharte Politik, Konsumrausch und echtes Glück und Werte anhand von Märchen und Volksweisheiten wie dem Fischer und seiner Frau und der Fabel vom Fuchs und den Trauben plausibel dargestellt. Da rezitierte Breschke ein – kaum zu glauben – 20 Jahre altes, sarkastisches Gedicht über „Koloniale Zeiten“ –  Eroberungsfeldzüge in Afrika und die „Rettung der Ersten vor der Dritten Welt“. Und fragte er mit Wut im Bauch, wo der Widerspruch und die Kraft im Volk von `89 geblieben sind. „Was ist aus uns geworden? Abwinkelemente!“ Breschke machte seiner Wut über Protestwähler Luft: „Die AfD zu wählen ist wie aus der Kloschüssel zu trinken, weil einem das Bier zu warm geworden ist!“ Und bekam viel Beifall dafür.

Grandios ist Breschkes abschließender, schwarzhumoriger Monolog als Milliardär im Rollstuhl, der vorrechnete, was übrig bliebe von seinem Reichtum, wenn er täglich einen Cent mehr oder weniger spende und zuletzt würde er auch noch die Sonne kaufen. Viel Beifall für einen streitbaren Abend mit humorvollem Nachdenken über Glück, die Kunst des Verzichts zugunsten von mehr Lebensfreude und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Gleichzeitig ein erster Schritt, wieder mehr hinzuschauen, was die Menschen verbindet, um den Riss in dieser Stadt und Gräben zwischen Einheimischen und Zugereisten zu überwinden.

Weitere Vorstellungen: 22. bis 25. Juni und 29. Juni bis 2. Juli, jeweils 19.30 Uhr
Kartentelefon: (0351) 490 4009

http://www.kabarett-breschke-schuch.de

Foto: Elisabeth Schuch-Wiens

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