Werner Wittig, „Stilleben mit Weinberg“; Ingo Kuczera, o.t. (Selbstbildnis mit schwebenden Gestalten)

Paul Wilhelm, „Landschaft im leuchtenden Herbst“

Heinz Drache, „Meine Umgebung“

Karl Kröner, „Mein Garten“

Karl Kröner, „Halbakt mit Pelzumhang“; Erhard Hippold, „Stilleben mit Ananas“ und o.t.

Ute Wittig, „Harlekin“

Sophie Cau, „Berg-Vigne“

Gestreifte Weinberge in „Rade-Nizza“

Vertraute und ungewöhnliche Blicke auf die Stadt und Lößnitzlandschaft versammelt die Jubiläumsausstellung 25 Jahre Kunstsammlung Radebeul in der Stadtgalerie.

Eine Schnecke klettert eine Weinflasche empor, die nächste wartet schon unten. In dem kleinen, heiteren pastellfarbenen Ölbild „Stilleben mit Weinberg“ von Werner Wittig ist alles zusammengefasst, was den besonderen Reiz der Lößnitzlandschaft ausmacht. Sie hat schon immer viele Künstler angezogen und so kann die Ausstellung „Sammlung statt Sammelsurium“ – 25 Jahre Städtische Kunstsammlung Radebeul inzwischen aus einem reichen Fundus schöpfen.

Vielfältige Blicke auf die Stadt, auf Bekanntes, Vertrautes, Beschauliches und Besinnliches, aber auch weniger Auffälliges, vor sich hin Schlummerndes und Wunderliches vereint die derzeitige Schau mit Kunst aus drei Jahrhunderten in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21. Versammelt sind zunächst 140 Arbeiten von 80 Künstlerinnen und Künstlern. Das entspricht lediglich fünf Prozent der Werke aus der Sammlung laut Stadtgaleristin Karin Baum. Das meiste lagert bisher im Depot der Stadt. Zu sehen sind vor allem die Radebeuler Weinhänge zu allen Jahreszeiten, viele Stilleben mit Blumen und Früchten, Porträts und figürliche Szenen, festgehalten in Gemälden, Grafiken, Zeichnungen, Aquarellen, Scherenschnitte und Collagen. Dabei begegnen dem Besucher überwiegend konkrete, einige surreale und abstrakte Werke, die mal romantisch, sachlich-nüchtern bis augenzwinkernd ironisch Natur und Zeitkolorit widerspiegeln vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Da trifft eine „Landschaft im leuchtenden Herbst“ von Paul Wilhelm, einem Altradebeuler Künstler auf eine Ansicht mit alten Industriebauten, Fabrikschornsteinen und detailreich bröckligen Häuserfassaden aus den 1960er Jahren von Heinz Drache. Zeigt sich der Künstler Ingo Kuczera in einem leuchtendfarbigen „Selbstbildnis mit schwebenden Gestalten“, federleicht fliegenden Körpern und einer tiefblauen Gestalt, die Wasser- oder Seifenblasen mit der Hand auffängt. Das Bild ist eine Schenkung der Erbengemeinschaft Kuczera des durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Künstlers.

Neben der ungetrübt farbenfrohen Gartenidylle vor dem Haus, gemalt von Karl Kröner 1933 und einem „Halbakt mit Pelzumhang“ von ihm von 1947 sieht man einen „Harlekin“ ganz mit der Landschaft verwoben in einem Ölbild von Ute Wittig von 2009. In ihrer Aquatintaradierung „Montagsfrüh“ von 1984 hingegen sitzt ein Rabe auf einer Mauer, dahinter ein Frauengesicht mit Kind im Rücken und mit der Fabrikkulisse fast verschmolzen. Einen luftig-leichten, südländisch anmutenden Blick auf „Rade-Nizza“ wirft Christian URI Weber in einer Kaltnadelradierung, ein altes schönes Villengebäude in einem Park an der Meißner Landstraße im „Dornröschenschlaf“ zeigt André Uhlig in kräftigen Erdtönen und einem gestreiften Badehandtuch ähneln die Weinberge im Acrylbild „Berg-Vigne“ von Sophie Cau. Um Muße und Konsumfreude der Deutschen kreisen augenzwinkernd die Bilder Horst Hilles.

Es gibt eine Wand voller Selbstbildnisse von Radebeuler Künstlern. Darunter ein Aquarell des wenig bekannten Malers Georg Richter-Lößnitz als junger Mann mit forsch-verwegenem Blick, Schirmmütze und wehendem Mantel. Neugierig auf mehr macht auch ein wunderbar farbharmonisches Stilleben mit Christrose, Gummibaum und Katze von Käthe Trehde. Dieses Bild erwarben und schenkten die Stadtgaleristin und ihr Mann der Städtischen Kunstsammlung Radebeul. Es sollen bald noch weitere Arbeiten, Plastiken und Kleingrafik sowie ergänzende Angaben zu den Künstlern in die Jubiläumsausstellung kommen, so Karin Baum.

Die Ausstellung ist noch bis 29. Oktober zu sehen, während des Herbst- und Weinfestes in Radebeul steht sie länger offen. Nach einer Pause ist sie dann wieder vom 19. November bis 17. Dezember geöffnet.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di, Mi, Do, So von 14 bis 18 Uhr; zum Herbst- und Weinfest
Fr 19 – 22 Uhr, Sa von 14 – 22 Uhr und So von 14 – 20 Uhr.

obere Reihe: Christian URI Weber, „Rade-Nizza“; Ute Wittig, Montagsfrüh“; Andrea Türke „Große Lößnitztreppe“

Johannes Thaut, o.t. (Maschinenarbeiter); „Gabriele im Schnee“

Künstler-Porträts                       Georg Richter-Lößnitz, „Selbstporträt“

Käthe Trehde, „Christrose und Gummibaum“

 

Mandy Herrmann, „Nicht Hören, nicht Sehen“; „Umzug“

Horst Hille, „Harakiriadler“, „Anbetung der Könige“, „Wochenendgebetsmühle“

Künstlerbücher und Objekte

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