„Kunst zum Anfassen.“ Die Dresdner Malerin, Grafikerin und Bildhauerin Catrin Große zeigte hautnah ihre neuesten Werke beim Meißner Grafikmarkt.


Farbenfrohe Kunst von der Postkarte über Advents- und Jahreskalender, kleine LebensARTBüchlein mit witzigen Sprüchen bis zu illustrierten Kinderbüchern brachte die Radebeuler Künstlerin und Galeristin (Galerie mit Weitblick) Dorothee Kuhbandner mit auf die Albrechtsburg.


Originell: Farbige, zackige Sägeblatt-Drucke mit schwungvollen Figuren im Lebens-Tanz von Dorothee Kuhbandner.

Die Lust an der Linie

Über 30 Künstler zeigten Arbeiten auf Papier in aller Vielfalt beim 20. Meißner Grafikmarkt auf der Albrechtsburg. Allerdings kamen diesmal mit rund 2 500 Besuchern weniger als sonst.

„Nimm was der Blick dir gibt“, lockt als Aufforderung an die Besucher zum Sehen und Genießen gleich neben dem Eingang. Der Spruch ziert zusammen mit farbigen Holzschnitten und Bonmots aus seinem Lebenswerk den Ringelnatz-Kalender für 2022. Der liegt neben maritimen Grafiken auf alten Seekarten und kleinen typografischen Blättern voller doppelsinniger Lebensweisheiten am Stand von Hans-Hilmar Koch. Er ist Grafiker, Setzer und Drucker in Krakow am See, wo er eine Werkstatt und eine Galerie in Schwerin hat, und er ist wohl der am weitesten angereiste Teilnehmer beim diesjährigen 20. Meißner Grafikmarkt, der veranstaltet vom Freundeskreis Albrechtsburg Meißen e.V. am vorletzten Oktober-Wochenende auf der Albrechtsburg stattfand.

Über 30 Künstlerinnen und Künstler aus der Region zwischen Dresden, Leipzig, Halle und Berlin zeigten eine  große Vielfalt an Arbeiten auf Papier und verschiedenste Drucktechniken für ein breites Publikum zum Verkauf. Der Erlös geht anders als in Galerien vollständig an die Künstler. Ca. fünf, sechs Künstler hatten ihre Teilnahme am Meißner Grafikmarkt kurzfristig abgesagt. “Zwei von ihnen kamen nicht klar mit der 3G-Regel und dem erforderlichen, kostenpflichtigen Testnachweis für Ungeimpfte. Das ist sehr bedauerlich“, sagt Schlossleiter Uwe Michel. In der Ausschreibung zum Meißner Grafikmarkt sei jedoch auf die geltenden Covid 19-Regelungen hingewiesen worden. Nachdem dieser bereits zwei Mal abgesagt werden musste, sei man froh, dass die Kunstschau dieses Jahr wieder stattfinden konnte. Daher fand der Jubiläums-Grafikmarkt auch nicht wie sonst im Frühjahr statt, sondern jetzt. Rund 2 500 Besucher kamen diesmal, so Michel. Weitaus weniger als sonst wohl auch wegen der Corona-Einschränkungen. Bisher kamen bis zu 5 000 Besucher an beiden Tagen zum Meißner Grafikmarkt.

„Es ist ein ambitioniertes Publikum in Meißen und ein angenehmer Ort. Ich bin gern hier“, sagt Hans-Hilmar Koch. Er komme nicht nur aus monetären Gründen her, er schaut sich auch an den anderen Kunstständen um, trifft Freunde und Künstlerkollegen, auch um neue Dinge zu besprechen. Catrin Große ist freischaffend als Malerin, Grafikerin und Bildhauerin in Dresden und erstmals beim Meißner Grafikmarkt dabei. Vor ihr steht eine fast leere Kaffeetasse und sie blättert in der großen Grafikmappe, nimmt die Bilder aus der Folie, damit die Besucher sie besser sehen. „Es ist ja auch als Kunst zum Anfassen gedacht“, sagt Catrin Große. Sie zeigt die menschliche Figur, Tiere und Pflanzen, zarte Kirschblütenzweige, sich jagende Jaguare und eine grinsende Gestalt mit Totenschädel in schwarz-weißen Farbkontrasten und schwebend leichte Blätter, die mit linearen, grafischen Strukturen spielen im von ihr entwickelten Ambossdruck, einem Hochdruckverfahren mit vielen Tiefdruckanleihen.

In ihren Grafiken gibt sie sich ganz der Lust am Spiel mit der Linie hin. Etwas zweischneidig sei es, so Catrin Große, zwischen den Arbeiten zu sitzen und zu merken, wenn Besuchern etwas nicht gefällt oder die Farbe Schwarz sie zurückhält. „Doch ich habe auch schon oft Bildtitel gefunden durch Gespräche mit Besuchern. Die Bilder wirken ja auf jeden Betrachter anders mit ihren Assoziationen und öffnen Türen. Ich freue mich, wenn sie jemand ansprechen“, sagt Catrin Große. Es gehe aber nicht nur darum, Grafiken zu verkaufen, die dann privat in einem Haushalt hängen. Schön wäre, wenn Künstlerinnen ihre Arbeiten noch selbstverständlicher und sichtbar auch in großen Ausstellungen, Galerien und Museen zeigen könnten. Das passiere leider noch zu wenig.

Bereits mehrmals beim Meißner Grafikmarkt dabei ist die Radebeuler Künstlerin Dorothee Kuhbandner. „Es gibt nicht so viele Grafikmärkte in der Gegend und ist eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen“, sagt sie. Guten Zuspruch fanden bei dieser Kunstmesse ihr neuer, farbenfreudiger und fantasievoller Jahres- und Adventskalender sowie ihre kleinen „LebensART“-Hefte mit farbigen Zeichnungen und witzigen Sprüchen. Neu von ihr sind farbige Sägeblatt-Drucke mit schwungvollen Figuren. Die Fotokünstlerin Gabriele Seitz stellte ihren neuen Bildband „In Lethes Garten“ mit schwarz-weißen Aufnahmen von Blüten und Gewächsen aus dem Botanischen Garten in Dresden und Gedichten von Heinz Weißflog vor und einen Tischkalender mit Blumen-Stilleben.

Eine besondere Entdeckung im Rahmen des Grafikmarktes sind die farbenfroh skurrilen Bilder sächsischer Kurfürsten von Esteban Velazquez von Wilhelm. „Herr Michel hat mich angerufen und eingeladen, meine Bilder auf der Albrechtsburg zu zeigen“, sagt von Wilhelm erfreut. Der 41jährige Historiker und Künstler stammt aus Venezuela und lebt seit 2016 in Dresden. Er trägt eine rote Augenklappe, ein Auge verlor er durch Folter durch das politische Regime in Venezuela, und eine Lederjacke bemalt mit dem Meißner Stadtwappen und auf der Rückseite die Albrechtsburg. Witzig, frech und fantasievoll, weiß perückt und ein Auge von einem Fleck bedeckt, spielen seine Porträts sächsischer Kurfürsten und Herrscher mit Äußerlichkeiten, Posen, Symbolen von Macht und Individualität und hinterfragen sie. Die Bilder lösen unweigerlich Staunen und Schmunzeln beim Betrachter aus und bringen goldverziert, mit wild expressiver Farbigkeit und dem Blick von außen auf hiesige Traditionen und Gegenwart frischen Wind in das altehrwürdige Gemäuer der Albrechtsburg. Von Wilhelms sächsischer Hof auf der Albrechtsburg kann auf Anfrage noch zwei Wochen bis 4. November besichtigt werden. Der nächste Meißner Grafikmarkt soll im Frühjahr 2022 stattfinden.

Text + Fotos (lv)


Skurril-eigenwillige Porträts sächsischer Kurfürsten zeigte der aus Venezuela stammende und jetzt in Dresden lebende Künstler Esteban Velazquez von Wilhelm in einer Sonderausstellung im Rahmen des Meißner Grafikmarktes.


Stilvoll: Porträt des Künstlers Esteban Velazquez von Wilhelm fotografiert von Lorenzo Capunata. Der Maler von Wilhelm sagt über seine Bilder: „Das Thema Kurfürsten ist für mich von größter Bedeutung.  Ich verspreche allen Sachsen, dass ich durch meine Kunst eure Kurfürsten zu hochgeschätzten Persönlichkeiten in der ganzen Welt machen werde. In meiner Arbeit kommen der Historiker und der Künstler zusammen. Es handelt sich um eine Arbeit, die eine vorbereitende dokumentarische Recherche beinhaltet. Ein Dialog mit der historischen und anekdotischen Aufarbeitung der sächsischen Geschichte ist notwendig, einschließlich der Auseinandersetzung mit den relevanten Aspekten der Persönlichkeit jedes dieser sächsischen Adligen. Erst danach kann ich meine Pinsel und meine Tuben mit Ölfarbe in die Hand nehmen. Ich liebe das.“