Bühne frei für neue literarische Stimmen!
Der Eintritt zur Lesung ist frei.
Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.
Villa Augustin
Antonstraße 1
01097 Dresden
Tel 0351 / 8045087
kontakt@kaestnerhaus-literatur.de
www.kaestnerhaus-literatur.de
25 Montag Apr 2022
Der Eintritt zur Lesung ist frei.
Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.
Villa Augustin
Antonstraße 1
01097 Dresden
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23 Samstag Apr 2022

Ein herausgerissenes Notizblatt mit noch freien Linien und Kästchen, angefüllt mit Zeichensymbolen wie Auge, Fußspuren, Rabe, ein aufgeklapptes Buch wie ein Zelt, aus dem Hände wie Flügel wachsen oder ein Schiff auf dem Meer, schmückt den Umschlag. Sie spielen mit der Fantasie des Betrachters und verwandeln sich in wortspielreiche Lyrik. Über 150 Gedichte von rund 100 sächsischen Autorinnen und Autoren versammelt das Buch „Weltbetrachter – Neue Lyrik. Eine Anthologie aus Sachsen“, herausgegeben von Róza Domascyna und Axel Helbig vom Sächsischen Literaturrat e.V. (267 S., 2020, poetenladen, Leipzig).
Darin finden sich vielfältige Blicke auf die Welt, ebenso viele Betrachtungs- und Ausdrucksweisen, unterschiedlich in ihrer Intensität, Tiefe und Sprachkraft. Eine große Bandbreite an lyrischen Spielarten und Inhalten, über Leben, Liebe, Tod und Menschsein, Natur und Sprache in allen Facetten, enthält dieser Gedichtband von klassisch gereimt bis experimentell. Prosagedichte in Sätzen, freie Verse mit eigenen Wortschöpfungen, konsequent kleingeschrieben, nüchtern sachlich, konkret oder assoziativ. Sie sind leise, sanft, zärtlich, rau oder zornig im Ton. Karg oder üppig, lustvoll, spöttisch, sinnlich oder melancholisch, bitter und komisch in ihrer Weltbetrachtung.
Die Herausgeber haben eine Auswahl aus 1 500 eingesandten Gedichten getroffen, aus denen sich ein Spiegel der Zeit geformt hat, heißt es im Vorwort. Die Texte stehen in Kapiteln thematisch geordnet unter Überschriften wie „Flach in der Schrift liegt das Gedicht in dir“, „Nichts ist wie es bleibt“ und „Allein die Purpurfarbe weicht nicht aus“.
Das Schöne und Reizvolle an solch einer Lyriksammlung ist, man kann sich an einer zufällig aufgeschlagenen Seite von den Gedichten überraschen lassen, bleibt daran hängen, liest sich fest oder blättert weiter. Taucht in immer neue, andere Stimmungen und Welten ein, die einen verzaubern, erstaunen, rätseln, träumen und nachsinnen lassen.
Text + Foto (lv)
Mehr Text zum Gedichtband folgt.
23 Samstag Apr 2022

Zwei Inszenierungen, welche die Theatergruppe „Spielbrett“ während der coronabedingten Einschränkungen in Angriff genommen hat, können nun endlich Premiere feiern: „Shakespeare komplett – Stark verdichtet“ und „Freilandhaltung“. Für Shakespeare-Fans und solche, die es werden wollen. Der britische Dramenkönig hat den Vortritt. Denn als Shakespeare-verliebte Truppe sind die Spielbrett-Akteure davon überzeugt: William lebt – und wie!
Zwölf seiner Stücke hat dat die Gruppe um den künstlerischen Leiter und Regisseur Uli Schwarz im Rahmen ihrer europaweit einmaligen Planwagentour bereits auf die Bühne gebracht. Nun ist es Zeit, Shakespeares Genialität einen größeren Raum zu geben – aber keine Angst, Shakespeare komplett wird stark verdichtet. Seine bis heute bekannten 38 Stücke werden statt in 120 Stunden in nur 100 Minuten von nur drei Schauspielern gespielt. Klingt waghalsig – ist es auch. So einen Ritt durch 52 Lebensjahre voller Schaffenskraft können die Spieler nur mit temporeichem Spiel, schnellen Rollenwechseln und immenser Spielfreude überleben.
Wenn mächtige Monarchen auf komische Kobolde und leidenschaftlich Liebende auf abgrundtief Hassende treffen, erlebt man Shakespeare pur und vor allem: einen unterhaltsamen Abend.
Wenn Spielbrett sich mit dem Schöpfer so vieler Klassiker beschäftigt, geht das natürlich nicht, ohne die eigene Geschichte mit ihm zu beleuchten. 35 Jahre Beziehung – man kann fast sagen Ehe – mit Shakespeare – da sind zahlreiche Anekdoten zu erzählen und Highlights der eigenen Inszenierungen zu zeigen. Nicht zu vergessen natürlich die Abenteuer der Planwagentouren. Spielbrett möchte auch hier seinem Motto treu bleiben und den Zuschauern jegliche Klassikerangst nehmen. Das Publikum
erhält so nicht nur einen Crash-Kurs in Shakespeare, sondern auch eine neue Sichtweise auf einen alten Literaten. Diese hundert Minuten sind eine Hommage an Spielbretts Lieblingsdichter der besonderen Art.
Zwei Einakter, die über Führung und Verführung, über Männer und Frauen erzählen –
vereint in der Inszenierung „Freilandhaltung“. In Fiese Tricks mit Chicks erprobt ein gutaussehender Fuchs vorm Hühnerstall die ‚Methoden der männlichen Annäherung‘. Die Hühner sind unauffällig auffällig interessiert. Das entgeht auch dem Hahn nicht. Doch welche Chance hat er gegen die Raffinesse eines Meisters im Blenden?
Das wirft die Frage auf: Wie hat alles begonnen? Mann und Frau – oder: Frau
und Mann? Im Paradies begann Gottes Experiment mit den Menschen. Sein
Verbot: Ein Apfel. Sein Lockmittel: Erkenntnis. Ob das gut geht?
Text: Claudia Leutemann/Spielbrett
Freilandhaltung
Premiere: 30. April 2022. 20 Uhr, Theaterhaus Rudi
2. Premiere: 01. Mai 2022, 19 Uhr, Theaterhaus Rudi
Nächste Vorstellungen:
07. Mai 2022, 20 Uhr, Theaterhaus Rudi
08. Mai 2022, 19 Uhr, Theaterhaus Rudi
19 Dienstag Apr 2022
Posted in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie

Ohne Worte
(Für V.)
Kein Wort
war die Verabredung
Keiner hat mich
vor Dir so gesehen
ich tanze vor der Leinwand
in meine Bilder manche in roten Farbtönen
von Dir aufgenommen
hinein
still versunkene Anblicke
entrückt verzückt
im Liegen Steigen Fallen Fliegen
im See mit Wasser spritzend
an Bäume gelehnt
mein schwarzfellig sternäugiges
Liebstes im Arm
und aufgerollt
am Boden gemeinsam
hüllenlos nah bei mir
lange nicht gesehen
staunend das alles bin ich
bewege ich mich mit ihnen
ich trage ein goldgelbes Kleid mit schmalen Trägern
rückenfrei
lasse die Schatten
abfallen
gehe neu auf mich zu
du stellst Dich vor die Bilder
wir gehen uns nah
siehst in mich hinein
du bist Nichttänzer sagst Du
doch dann lassen wir
uns doch tragen von der Musik
fröhlichen Akkordeon und flüsternden Geigenklängen
der Sprache der Bilder
ihrem schwebenden Zauber
LV
13.4.2022
Fotos (3) (VF) und (lv)


Versteckspiel
Das Gelbe vom Ei
die kleine Kugel
die immer wieder auf
und ab fiel
die getigerte Katze
liebte das Spiel
verschwand plötzlich
sie suchte sie überall
keiner sagte warm laut kalt
die getigerte konnte sich auch
unaufhörlich verstecken
die Tür stand offen
doch die zwei Katzentiere
wollten nicht hinaus
noch nicht
sie fand die gelbe Kugel
als sie noch einmal
in die Höhle des Kratzbaums
in die hinterste Ecke griff
lag sie wie von Zauberhand
hingelegt wieder da
LV
18.4.2022






Osterspaziergang
Die alte Weide trägt
wieder ihr Frühlingskleid
Sonne Wind und Wolken
im Wechsel
Vögel trällern emsig
eine Sirene entfernt sich
am Feiertag
Gänseblümchen und Löwenzahn
lächeln unverzagt
neben den schon wieder
fallenden Blütenblättern
der Winter fiel aus
dieses Jahr in der Stadt
die weißen Blütenflocken
auf der Baumwiese am Fluss
zittern in der Sonne
und fallen lautlos
abends scheint der Mond
voll und klar
wandert mit den Schatten
ein Kerzenlicht erhellt den Raum
am Morgen löst der Mond
sich auf in Licht
LV
18.4.2022
















16 Samstag Apr 2022

Er ist keiner, der auf den Putz haut, nimmt aber auch kein Blatt vor den Mund: Der Dichter Utz Rachowski. Foto: Literaturforum Dresden
Utz Rachowski, geb. 1954 in Plauen/Vogtland – was für eine Biografie, was für ein literarisches Werk!
Mit siebzehn Jahren wird Utz Rachwoski wegen der Gründung eines Philosophieclubs von der Oberschule relegiert. Er findet Arbeit als Bahnhofsarbeiter, Elektromonteur, dann Grundwehrdienst, Abitur. Ein kurzes Medizinstudium in Leipzig schliesst sich an. 1980 dann die Verurteilung zu 27 Monaten Gefängnis wegen fünf seiner Gedichte und Verbreitung verbotener Literatur (Wolf Biermann, Jürgen Fuchs, Reiner Kunze, Gerulf Pannach). Ausbürgerung aus der DDR im November 1980.
Das sind nur die äußeren Lebensdaten. Wenn man wissen will, was das alles wirklich bedeutet, muß man seine Bücher lesen. Aber Rachowski ist keiner, der auf den Putz haut, sondern ein leiser und intensiver Beobachter des Lebens. Kritisch gegenüber blindem Gehorsam, den es zu allen Zeiten gab und gibt.
Die Bundesrepublik kauft ihn frei, die Jahre in Westberlin und Göttingen waren nicht seine Wahl. 1992 geht er zurück in seine Heimatstadt, Reichenbach im Vogtland, wo er heute wieder lebt. Als freier Autor mit Nebenberufen.
Zahlreiche Bücher sind von Utz Rachowski erschienen: Namenlose (1993), Red’ mir nicht von Minnigerode (2006), Beide Sommer (2011), Miss Suki oder Amerika ist nicht weit! (2013, polnisch 2015), Die Dinge, die ich vergaß. Gedichte aus fünf Jahrzehnten (2018), Poesiealbum 339 (2018), Die Lichter, die wir selbst entzünden. Essays (2019), Unverschuldete Teilnahme (dt.-poln. 2021), Spaziergänge mit Miss Suki. Ein Poem (dt.-poln. 2021). Reiner-Kunze-Preis 2007. Nikolaus-Lenau-Preis 2014. Prosa-Preis der Society for Contemporary American Literature in German (USA 2017), Alfred-Müller-Felsenburg-Preis f. aufrechte Literatur (2020), Lisa-u.-Robert-Kahn-Lyrikpreis (USA 2021).
Jetzt gibt es ein neues Buch von ihm: den Gedichtband „Es fielen die schönen Bilder“.
Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes. Landeshauptstadt Dresden und dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz.
Leider ist der Dichter Thomas Rosenlöcher, der zu den bekanntesten aus Sachsen zählt, nach langer schwerer Krankheit kürzlich verstorben. Hier: https://www.youtube.com/watch?v=ICV3Ujay3yg sieht und hört man Ihn bei einer seiner letzten Lesungen (Beginn ab 11:06). Die letzten beiden Gedichte – fast prophetisch.
Text: Patrick Beck
16 Samstag Apr 2022

Jede Menge kunstvoller Überraschungen locken auch zur Osterzeit im Lügenmuseum Radebeul. Sir Richard alias Reinhard Zabka empfängt die kleinen und großen Besucher.
Zum Frühstück hören die Direktoren des Lügenmuseums ihren Lieblings-Crime-Podcast, wunderbar. Doch plötzlich fliegt ihnen ihre wohlgehütete Vergangenheit um die Ohren und ein actionreicher Höllentrip beginnt. An diesem Tag kommt alles anders, ihr harmonisches Leben gerät aus den Fugen, und sie stecken mittendrin in der Handlung eines Tatort-Krimis aus Radebeul. Es geht darin um eine Himmelsscheibe, ein Loch aus der Zauberflöte von Mozart und um den Untergang der Titanic. Was will man mehr? Sie sind begeistert, bis ihnen klar wird, dass alles in ihrem eigenen Hause passiert. Die Besitzer wollen den Gasthof verkaufen und im Kellergewölbe aus dem 12. Jahrhundert holt sie plötzlich die von ihnen sorgsam verdrängte Geschichte ein.
Bis zum Ende des Krimis kann das Lügenmuseum in Radebeul noch besucht werden.
In den Osterferien täglich von 13 – 18 Uhr
Mithilfe eines labyrinthischen Begebenheitsknäuels entfaltet das Lügenmuseum eine eigentümlich schwebende Bedeutung. Damit lernen die Besucher nicht nur etwas über zeitgenössische Kunst und Sensibilität, sondern auch über sich selbst. Eine Art träumender Rezeptionshaltung ist der nachhaltigste Gewinn, der durch die Auseinandersetzung mit diesem geheimnisvollen Ort zuwachsen kann.
16 Samstag Apr 2022
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart












Farbenfroh beschwingte Landschaften, Bäume an Wind und Wolke und Figürliches mischen sich auf den Leinwänden. Eine große, gezackte Blüte ragt aus einer Wiese. „Achtung Frühling“, heißt die Grafik ironisch doppeldeutig. Achtung im Sinne von Gefahr und Achtung, Ehrfurcht vor der Natur. Luftig-leicht und ausdrucksreich sind die “Bilder aus Landschaften“ mit Malerei und Grafik von Franziska Kunath in der derzeitigen Frühjahrsausstellung im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz in Radebeul.
„Wir freuen uns auf eine möglichst normale Saison“, sagte Museumsleiter Frank Andert zur Ausstellungseröffnung. Während der Corona-Zeit konnten die Künstler zwar in ihren Ateliers weiterarbeiten, doch es fehlte die Ausstellungsmöglichkeit. Diese Ausstellung wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Franziska Kunath zeige in ihren Bildern Spuren einer Kulturlandschaft, die mit dem Weinbau eng verbunden ist, nur zwölf Autominuten von Radebeul entfernt, so Andert. Die Landschaft der Lommatzscher Pflege sei etwas rauer als die Hoflössnitz und von einer melancholischen Stimmung durchzogen durch alte, sterbende Obstbäume in einer einmaligen Kulturlandschaft, die immer mehr verloren geht. Durch Stürme, Trockenheit, aber auch industriellen Anbau, bei dem ein Apfel dem anderen gleicht. Zu sehen sind 34 Arbeiten, Druckgrafik, Tuschezeichnungen und Ölbilder, zumeist aus den letzten zwei Jahren und ältere in zwei Räumen im Bergverwalterhaus. Sie erzählen vom Erwachen, Erblühen, Werden, Wachsen und Vergehen in der Natur und den Spuren, die bleiben, in zarten, kraftvollen, hellen und dunklen Farbtönen. Blühende Natur und kahle, absterbende Bäume tauchen immer wieder auf in den Bildern von Franziska Kunath.
Abstrahiert, zeichenhaft und poetisch in der Darstellung wie den Bildtiteln sind ihre Blicke auf die Landschaft. Die Umrisse von Bäumen, Farben und Formen überlagern sich und fließen ineinander. Tiefgrün, rot, gelb, weiße und erdige Farbflächen, gestrichelte und markierte Linien gehen der Landschaft nach, ergründen und kennzeichnen Urwüchsiges, Vertrautes und Bedrohtes. Das farbenfrohe Titelbild „Die Anderen im Garten“ umrahmen zwei Tuschezeichnungen, „Obsthain am Wald“ und „Alter Obsthain“ mit schwarzen, knorrigen Baumstämmen. Es scheint als ob die Bäume Trauer tragen. Wie dunkel umrissene Gestalten, die mit erhobenen Zweigarmen, flehend, auflehnend und windzerzaust in der Landschaft stehen. Manchmal wirken sie auch heiter wie Tanzende. Franziska Kunath wurde 1964 in Dresden geboren, sie studierte von 1992 bis`97 an der Dresdner Kunsthochschule bei Elke Hopfe, Ralf Kerbach, Siegfried Klotz und Max Uhlig. Seit 1999 ist sie als Künstlerin freischaffend, seit 2008 lebt und arbeitet sie in ihrem Künstlerhof in Röhrsdorf in einem alten Gehöft.
Inmitten der Natur entstehen auch ihre Arbeiten und findet sie Anregungen. „Man versenkt sich hinein und geht in Verbindung mit der Natur“, sagt sie. Ihre Bilder sind nicht konkret, das wäre ihr zu langweilig, es geht ihr um Sichtbarmachen von Erlebtem. „Was ich zeigen will, sind Traumlandschaften, Seelenlandschaften.“ Da begegnen einem in wenigen, markanten Strichen fantasievoll und leise schmunzelnd ins Bild geholt „Baumgetier“, „Gartenreiter“, „Wolkenschiff“, „Mann und Mond und Vögel“ und träumt ein „Astronaut im Paradies“ auf einer Blumenwiese liegend. Da gibt es eine fröhlich unbeschwerte „Landschaft mit Schafgeräusch“ in Form lustiger Farbkringel und eine artenreiche „Arche“. Außerdem ein kleines, saftig grünes Ölbild mit dunklen Baumkronen und in der Mitte ein kleiner blühender Kirschbaum, hoffnungsvoll. Nach Ostern lädt Franziska Kunath wieder Künstlerkollegen zum Plenair mit Ausstellung auf ihren Hof ein. Außerdem plant sie Veranstaltungen im Mai auf ihrem Künstlerhof. Die „Bilder aus Landschaften“ von Franziska Kunath im Hoflößnitz sind noch bis 22. Mai zu sehen.
Text + Fotos (lv)
Öffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 18 Uhr
http://www.hofloessnitz.de

Freude am Bildergenuss, Wein und guten Gesprächen: Museumsleiter Frank Andert mit Besuchern bei der Eröffnung der Frühjahrsausstellung.


Usedomer Landschaft


„Landschaft mit Schafgeräusch“

Leben und Arbeiten inmitten der Natur: die Künstlerin Franziska Kunath im Atelier ihres Künstlerhofs in Röhrsdorf in der Lommatzscher Pflege.
„Arche“





„Baumgetier“









15 Freitag Apr 2022
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart



Farbenfrohe Gesichter & Landschaften, offen und vieldeutig: Lucas Oertel vor seinen Bildern in der neuen Ausstellung im Einnehmerhaus Freital.



Fröhlichbunte Wesen, die ihre langen Knollennasen nach allen Seiten ausstrecken, den Betrachter verschmitzt anlächeln und die Arme übermütig in die Luft halten als wollten sie gleich los fliegen, tummeln sich auf den Leinwänden. Lucas Oertel hat sich den kindlich naiven Stauneblick auf die Welt bewahrt, mit dem er seine fantasievoll wunderliche Figurenschar erschafft.
Diese trifft man in der Ausstellung „Der schöne Samstag“, die am vergangenen Sonntagnachmittag im Einnehmerhaus Freital auf der Dresdner Straße 2 mit reger Resonanz und viel Sonnenschein eröffnete. Es ist die erste Ausstellung nach der langen Corona-Pause. Eigentlich sollte Lucas Oertel hier zum 30-jährigen Jubiläum des Kunstvereins Freital vor zwei Jahren ausstellen.
„Das wird jetzt nachgeholt“, sagt Barbara Hornich, die Vorsitzende des Kunstvereins. Sie kennt Lucas Oertel noch aus der Zeit, als er mit zehn Jahren bei ihr im Keramikzirkel und später im Malkurs bei Sandor Doro seine ersten künstlerischen Erfahrungen sammelte. Lucas Oertel wurde 1983 in Dresden geboren, wuchs in Freital auf und studierte von 2002 bis 2008 an der Dresdner Kunsthochschule bei den Professoren Siegfried Klotz, Elke Hopfe und Peter Bömmels. Eine seiner ersten Ausstellungen mit Malerei zeigte Oertel dann nach seinem Meisterschülerstudium zusammen mit Radierungen von Peter Wuttke 2008 im Einnehmerhaus. Nun sind an diesem Ort neue Arbeiten, Malerei und Figürliches aus bemaltem Holz, von Lucas Oertel zu sehen, der inzwischen in Dresden lebt und arbeitet.
Die 30 klein- und großformatigen Ölbilder und eine Videoinstallation mit dem Titel „Resilienz“, wo es um Klimmzüge, Fit halten und Entkommen aus dem Hamsterrad der Leistungsgesellschaft nicht nur in Corona-Zeiten geht, entstanden in den letzten drei Jahren. Vor den witzig-skurrilen Bildern mit farbbeklecksten Gestalten und auf frühlingsbunten Wiesen umherschwirrendem Getier wie Schmetterlinge, Insekten, Vögel und Katzen, die aus dem Blätterdschungel hervorlugen und zwei honigsüßen Miezen aus Holz, erlebten die Besucher zur Ausstellungseröffnung eine urwüchsig zauberhafte, laut- und klangmalerische Performance mit dem Musiker Arystan. Er lebt abwechselnd in Dresden und Umbrien in Italien, spielt verschiedenste Instrumente wie Flöte, Rundhalsharfe, Zimbeln, Saxofon und versteht es großartig, auf seiner Loop Station archaische und moderne Klänge miteinander zu verbinden. Das Titelbild zur Ausstellung zeigt drei Gestalten in einem rotgrünen Paddelboot. Einer liegt erschöpft da mit ausgestrecktem Arm, einer holt kräftig aus und der dritte greift nach dem Ruder. Eine Anspielung auf die derzeitige Ampelregierung, die in wilder Abenteuerlaune drauflos rudert? Manche sahen auch einen Bezug zur Flüchtlingskrise, sagt der Künstler. Lucas Oertel überlässt es dem Betrachter, was er in seinen Bildern sieht. Sie sind offen und vieldeutig. „Freiheit für den Kopf“, sagt er dazu. Seine Arbeiten sind ein Spiel mit Fiktion und Fantasie, Wünschen und Wirklichkeit. Sie zeigen Ausschnitte, spielen mit Sehgewohnheiten aus der Fotoästhetik und fragen, was wir wirklich sehen.
Da begegnen einem lustige Gesichter, die aus Farbflecken erwachsen und an denen sich schon die Kleinsten auf Vaters Arm erfreuen, sieht man Füße barfuß im Gras und ein Paar, das sich küsst im Mondenschein. Im hinteren Raum, etwas versteckt, sieht man splitternackte Körper, zwei Mädchen beim Sonnenbad und einen Mann alleine beim FKK groß ins Bild gerückt. Doch die Bilderwelt von Lucas Oertel ist nicht nur heiter unbeschwert, es geht darin ebenso witzig-hintergründig bis abgründig um menschliches Sein, Individualität und kleinkariertes Denken. Schönes kann jederzeit ins Gegenteil umschlagen. Ein Lächeln zur Grimasse werden. Begeistert hochgerissene Arme und erhobene Fäuste recken sich im strahlenden Himmelblau, die jeden Moment aufeinander einschlagen können. Die Ausstellung „Der schöne Samstag“ von Lucas Oertel ist noch bis 21. Mai zu sehen. Außerdem lockt ein vielfältiges künstlerisches Kursangebot für alle Altersgruppen von Töpfern, Schnitzen, Klöppeln, Bildender Kunst mit dem Künstler Matthias Jackisch bis zu Textilgestaltung mit der Künstlerin Annerose Schulze.
Text + Fotos (lv)
Geöffnet: Di bis Fr von 16 bis 18 Uhr, Sa von 14 bis 17 Uhr
http://www.kunstvereinfreital.de
http://www.lucasoertel.de







Zeit zum Innehalten & Genießen. In den Ausstellungsräumen lockt zugleich ein vielseitiges künstlerisches Kursangebot für alle Altersgruppen. Barbara Hornich, die Vorsitzende des Kunstvereins Freital freute sich über die rege Resonanz zur Ausstellungseröffnung.

Bezaubernd klangreich: der Musiker Arystan überraschte mit einer urwüchsigen Performance die Besucher.






09 Samstag Apr 2022

Gebannter Blick aufs Meer. Die Idylle trügt. Was kommt da alles angeschwemmt und auf uns zu in naher Zukunft?! Dieser lebenswichtigen Frage geht das Stück „Das Wasser“ nach. Fotos: Sebastian Hoppe
Auf dem Weg ins Theater regnete es. Kurz darauf schien wieder die Sonne und malte einen Regenbogen an den Himmel für einen Moment. Regentropfen sammelten sich auch auf dem Schaukasten mit dem Szenenfoto aus der Aufführung „Das Wasser“. Drei Menschen schauen dort wie aus einer dunklen Höhle hinaus aufs Meer und auf den hellen Horizont. Als sähen sie einem fernen Schauspiel zu oder warteten auf etwas. Eine schwarze Wand mit Öffnung in der Mitte, hinter der leises Meerrauschen zu hören ist, bildet die Kulisse für das Stück „Das Wasser“ von Kathrin Röggla, das in der Regie von Jan Gehler am Donnerstagabend seine Uraufführung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden erlebte.
Für ihr Auftragswerk, das sich mit unserem Umgang mit dem Klimawandel befasst, traf sie Aktivistinnen, Öko-Initiativen, Unternehmer und Umweltbeamte in Dresden und im sächsischen Umland, wo Wasser als zerstörerische Flut, aber auch als Mangelerscheinung bereits seit längerem zum dringendsten ökologischen Problem geworden ist. So klar und nüchtern der Stücktitel, so assoziationsreich ist das Wasser – als Lebenselixier, die Quelle, die Mensch und Natur erfrischt, belebt und gebraucht wird zum Überleben. Der selbstverständlich rinnende Wasserhahn und die gewaltige Urkraft, die einmal entfesselt, sich brausend und tosend ihren Weg bahnt.
Sie beherrscht mit dröhnend, ohrbetäubendem Donnern die Bühne und kündigt die Flut an, wenn das Wasser bedrohlich steigt und aus einstmals beschaulichen Bächlein plötzlich reißende Flüsse werden, die Hab und Gut und Leben zerstören können. Und weder vor Shopping-Malls noch Wohnsiedlungen Halt machen. Eine Gruppe schleppt mit vereinter Kraft ein Klavier auf die Bühne, als gerettetes Kulturgut, an dem man sich festhält, auf das man klettert vor der Gefahr und auf dessen Tasten leise und laute, bedächtige, schnelle, sanft perlende und schrille Töne angeschlagen werden und ebenso das Echo des Wassers widerspiegeln.
Ein Mann liegt unter dem Klavier und singt aus einem Kinderlied: „Hast`s fein gemacht…“ Doch um ihn herum die Menge regt sich auf, die Wellen der Entrüstung schlagen hoch mit den gurgelnden, berauschenden Gewässern, die die Menschen immer häufiger heimsuchen. Sie sind empört, dass sie nicht vorher gewarnt wurden. Dass sie den Lärm der Wassermassen nicht hören, erkennen konnten. „Du machst die Tür auf und da steht eine Wand Wasser…“ Manches wird auch frei gespült durch die Flut wie ganze Munitionslager aus dem Zweiten Weltkrieg, erfährt man.
Die Darsteller stehen und verschanzen sich hinter dem Klavier, beschweren sich und verlangen eine „Katastrophe mit Ansage“. Sie ahnen, dass etwas anders ist in der Umwelt, aber sie wollen die Veränderungen, die Gefahren nicht sehen und wahrhaben, mit denen sie immer häufiger konfrontiert werden und ziehen sich immer mehr aus der Außenwelt zurück. Mit viel trockenem Humor, der sich immer mehr ins Groteske steigert und einfallsreich, mit wenigen Requisiten in Szene gesetzt, kommen diffuse und reale Ängste, Zweifel, Unsicherheiten und düstere Zukunftsprognosen in knapp zwei Stunden auf die Bühne.
Die sieben SchauspielerInnen, die graublau verwaschene Sachen tragen, treten einzeln und im Chor auf, ohne festgelegte Rollen, spielen sie Bürger, Beamte und Umweltschützer. Sie beruhigen sich damit, dass es schon immer Hochwasser gab, das heiße dann jedes Mal „Jahrhundertflut“ oder „Jahrhundertdürre“ aufgebauscht in den Medien. Sie weichen ängstlich, mit den Händen abwehrend, zurück vor dem donnernden Geräusch der Flut. Eine Frau sagt, sie sei ja kein Klimaleugner, doch sie verstehe die vielen Zahlen und Erklärungen der Wissenschaftler und Experten nicht. Es gebe schon genug andere Probleme im Alltag und das Wasser stehe vielen bis oben.
Sie blasen demonstrativ blaue Luftballons auf und sehen zu, wie aus ihnen nach und nach die Luft entweicht. Sie halten Aktenordner in der Hand und streiten, wer anfängt im Gremium für Umweltfragen. Haben panische Angst vor Fehlern, ziehen das W in die Länge: „Wir kochen auch nur mit Wasser!“ Sie zaudern, warnen und schieben die Verantwortung für die Umwelt von einem zum anderen. Und fordern lautstark die anderen auf, etwas zu tun. Einer spielt einen Mann aus dem Ministerium, der sich nur Umweltstudien ansehe, er beschwert sich über die vielen Anrufer und erfindet Telefonnummern. Wohlwissend, dass es für deren Anliegen gar keine Telefonnummer gibt. Wenn es nur Borkenkäfer oder Wasserstandsfragen wären, sagt er missmutig.
Da ist die Bühne längst in rotes Licht getaucht. Die Darsteller klettern nacheinander durch die Öffnung in der schwarzen Wand und verschwinden wie einst Jona im Inneren des Walfischbauches, um sich vor der erwarteten Flut zu retten. Einer (Franziskus Claus) liest Jonas Geschichte aus dem Alten Testament. Einer von ihnen, gespielt von Thomas Eisen, ist es leid: „Wir wollen solche Bilder nicht mehr sehen!“ Niemand stelle hier die richtigen Fragen, nichts als Ressortdenken, beklagt er als Umweltbeamter.
Drastisch absurd-komisch vor Augen geführt von den Darstellern mit vielsagendem Körpertheater – eine der stärksten Szenen des Abends und mit Zwischenbeifall bedacht – wo sich alle gleich bewegen, auf der Stelle treten mit groß ausholenden Gesten und erschöpft vom Hin und Her am Boden liegen. Mit schlussfolgernder Drohgebärde der Umweltbeamten: „Wir müssen zu einer Art Kurzzeit-China werden! Was soll man machen, wenn die Leute nicht parieren?!“ Während der Corona-Pandemie wäre es ja schon ähnlich gewesen.
Als eifrig-komischer, fast dem Verdursten naher Umweltberater, im grauen Anzug und rosa Hemd und Schlips, agiert Regisseur Jan Gehler. Er sprang kurzfristig für den erkrankten Schauspielerkollegen Philipp Lux ein. Er lechzt nach einem Glas Wasser und erzählt, dass es bald wasserunabhängige Pflanzen geben werde. „Also lassen Sie das mit Ihrer Schwarzmalerei! Nichts mehr konsumieren und genießen…“, sagt er in Richtung Publikum. Eine Frau mit feurigem Haar und schwarzem Kleid (Marlene Reiter) stellt sich, während die Uhr tickt, als „Frau mit Zukunft“ vor, mit mal schöngeredetem und düsterem Szenario, wenn alles mehr oder weniger weggefallen ist. Es werde schon noch etwas wie Landschaft zwischen den Häusern geben und Nachkommen, also etwas wird geboren worden sein, gibt sie sich kämpferisch optimistisch. Beim Gehen kleben dem Umweltberater und der Frau mit Zukunft ihre Sitzhocker am Hinterteil. Ein Mann mit Vergangenheit bei einem Automobilkonzern, mit cool grau hochstehendem Haar schön ironisch gespielt von Thomas Eisen, möchte gern ein planetares Ehrenamt antreten. Doch es habe keiner geantwortet, schon gar kein Planet! Komisch findet er auch den „New Green Deal“, solange alles noch auf Wachstum ausgerichtet sei,
Der Gipfel des tragikomischen Geschehens ist der zwischen Jung und Alt emotionsreich ausgefochtene Generationenkonflikt zum Umweltschutz, wo die Eltern mit Zweigbüscheln auf dem Kopf wie getarnte Krieger in der rauchenden Landschaft umherirren, sich Vorwürfe über ihre Versäumnisse machen und nach Auswegen suchen (verzweifelt-komisch: Christine Hoppe und energisch zum Handeln aufrufend: Moritz Dürr). Während die jungen Leute markige Sprüche auf ihren weißen Shirts wie „Klimawandel tötet“ tragen und eine „Mobilitäts-„, Energie-“ und „Konsumdiktatur“, eben „Kurzzeit-China“ fordern, um die Umwelt zu retten. Am Ende sitzen sie alle zusammen unter der Uhr, deren Zeiger auf 5 vor 12 steht vor der schwarzen Wand. Und sie schauen gebannt aus der Höhle aufs Meer. Doch es ist nicht das Meer, etwas anderes, sagen Stimmen aus dem Off. Graues Wasser, das nur noch aus Müll besteht, nicht mehr aus sich selbst. Kein Meer mehr. Nichts mehr. Dunkel auf der Bühne. Schweigen. Viel Beifall gab es zur Premiere für einen intensiv, eindringlich und nahegehend dem Wasser als Kraft- und Lebensquell zuhörenden Theaterabend. Möge es uns immer begleiten, laben und erfrischen und wir es als kostbares Gut ebenso achten und schützen.
Text (lv)
07 Donnerstag Apr 2022
Ein fulminantes Erinnerungswerk mit zahllosen begonnenen und wieder abgebrochenen Erzählungen. Ein Blick in den damals legendären Berliner Künstlerkreis im Prenzlauer Berg. Verlassene Werke, die zu schön und anregend sind, um vergessen zu sein. Sie werden hier endlich aufgelassen.
Die Aufzeichnungen entstanden ab 1976 fast ausschließlich in Berlin, zuerst im Ostteil, seit Ende 1985, nach der Ausreise aus der DDR, im Westen der Stadt. Die letzte Notiz datiert vom Heiligen Abend 1989, als die DDR absehbar unterzugehen schien. Verschiedene Notizen fanden sich nicht in Heften oder Tagebüchern, sondern auf losen Blättern, so die »Gazetten«, deren Worte der Autor aus Zeitungen schnitt und aufklebte.
Dieses Opus ist der Versuch, der allgegenwärtigen äußeren Chronologie der historischen Ereignisse eine innere entgegenzusetzen.
»Verlassene Werke sind wie gewisse Steine an den Meeresküsten. Man kam von weit her, hob sie auf, schleppte sie ein Stück mit, man warf sie zurück in den See. Doch unter ihnen war nicht der richtige, der Urstein, doch einmal lagen sie in der Hand, einmal wurden sie betrachtet. Ihre Unschuld ist dahin, sie können nicht zurück in die Anonymität. Sie gehen umher wie Geister und leben hinter geschlossenen Augen, unerlöst.« Bernd Wagner
Das Buch Verlassene Werke erschien im März 2022 im Verlag Faber & Faber Leipzig
Moderation: Michael G. Fritz
Veranstaltungsinfo:
Jörg Scholz-Nollau
-- Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr Buchhandlung LeseZeichen Priessnitzstrasse 56 01099 Dresden Inh.: Jörg Scholz-Nollau Tel. 0351-8033914 Fax 0351-8033915 www.buchlesen.de info@buchlesen.de