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Kategorien-Archiv: Unterwegs

Atelierbesuch bei Renate Winkler in Radebeul & Reisebilder

20 Sonntag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Lust am Reisen & Malen: Die farbenfrohe Welt des Orients, Landschaft & Begegnungen mit Menschen haben es der Künstlerin Renate Winkler angetan. Von Radebeul zieht es sie immer wieder zu Malreisen in die Welt hinaus. Fotos: (8) (lv)

Vier Reisetagebücher mit ihren Eindrücken, Erlebnissen und lustigen, liebevoll gestalteten Illustrationen & Geschichten für ihre Enkel hat Renate Winkler schon geschrieben. Als als Erwachsener hat man viel Vergnügen beim Anschauen und Lesen der unkonventionellen und interessanten Geschichten-Abenteuer aus dem Orient.

Im Gebirge in Sama Wakan, in einer Herberge auf 1 400 Metern Höhe vor malerischer Kulisse. Fotos (2): Burkhard Schade

“Ich mache Küchenkunst“

Von ihren vielen Malreisen in den Orient erzählen farbenfroh und ausdrucksreich Malerei, Grafik und Keramik der Künstlerin Renate Winkler in Radebeul.

Der Blick schweift von einer Terrasse mit Bogenfenster über eine südliche Landschaft mit farbigen Häusern, Palmen, Grün- und Feldstreifen und gelb dunstig blauem Himmel. Auf dem Sims steht eine bronzene Karaffe. Das Bild hat Renate Winkler auf ihrer jüngsten Reise nach Luxor in Ägypten im April diesen Jahres gemalt. Dort weilte sie in einem alten, gemütlichen Familienhotel an der Westbank mit Blick Richtung Tal der Könige, um künstlerisch zu arbeiten. Es scheint, als sitze sie direkt vor dieser Landschaft auf dem braunen Ledersofa ihres Wohnzimmers auf der Dr. Külz-Straße in Radebeul.<

Diese ferne, geheimnisvolle Welt des Orients ist ihr längst nahe. Renate Winkler trägt ein graublaues, ornamentverziertes Trägerkleid, ein Bein hat sie hochgeschlagen, das andere barfuß auf dem ziegelfarbenen Teppich. Auf dem Beistelltisch stehen eine Bronzekaraffe, eine bemalte Erdkugel aus Keramik, kleine Tonfiguren und ein Buch über Tutanchamun, den ägyptischen Pharao. Tiere aus Keramik, mehrere Kamele, ein Nilpferd und Fabelwesen aus knorrigen Wurzeln in einer türkisblauen Schale tummeln sich im Raum. Gegenüber eine Schrankwand voller Bücher, Kunst- und Reisebände, Märchen und Belletristik. Im Flur hängen drei weitere, neue Ölbilder, auf einem ragen die Pyramiden von Gizeh und sitzt ein Kamel mit bunter Decke und Troddeln davor im Wüstensand, außerdem Ansichten vom sanftblau in der Morgensonne und abends orange und violett schimmernden, breiten Nil, darauf schaukelnden winzigen Schiffen und großen Segelbooten und der Skyline mit Tempeln und Hochhäusern.

Ein großer Farbholzschnitt der Göttin Isis vom Nil hängt im Schlafzimmer. Sie strahlt in sonnigen Farbtönen Liebe, Güte und Weisheit aus. „Sie verkörpert Fruchtbarkeit, neues Leben, Werden und Vergehen“, sagt Renate Winkler. Diese Grafik war auch sehr gefragt bei Käufern. Sie habe nur noch ein Blatt der Göttin Isis. Renate Winkler reiste seit 2011 bereits elf Mal nach Ägypten, in alle Ecken des Landes, ins Sinai-Gebirge bis nach Assuan. Es begann mit einer Malreise mit dem Radebeuler Künstler  Pit Müller. „Ich bin mitgefahren, weil ich in Ruhe malen wollte und mir der Orient gefällt“, sagt Renate Winkler. „Dann bin ich neugierig geworden und wollte immer mehr sehen.“ Seitdem reist sie allein als Individualtouristin, weil sie das Land, die Menschen und Kultur möglichst authentisch erleben und näher kennenlernen möchte. Das spiegeln ihre Bilder faszinierend.

Zuletzt war sie im Frühjahr zusammen mit Roland Gräfe, einem Radebeuler Künstler, unterwegs. Vier Malreisen haben sie schon gemeinsam nach Ägypten und Istanbul unternommen und helfen sich gegenseitig. Das Plenair malen habe sie von ihm gelernt, nun hat sie immer auch Leinwandrollen im Gepäck. Sie organisiert die Reiseroute, den Flug und die Unterkunft. In Bildern, Skizzen- und Tagebüchern hält sie ihre Eindrücke und Erlebnisse fest. Auf ihren Reisen entstanden auch viele ausdrucksvolle Porträts, wie der Wüstenfürst, ein alter Beduine mit wettergegerbtem Gesicht, eine alte Ziegenhirtin in rotem Gewand und schwarzem Kopftuch, ein Kind mit großen, fragenden Augen und ein alter Mann aus dem Iran sitzt vor einer Moschee und telefoniert am Handy. „Hello Mr. Trump“, so der Bildtitel. Das Blatt entstand 2019 während des drohenden Angriffs der USA auf den Iran. Ein Mann geht mit einem Kind an der Hand die Straße entlang, vor ihnen ragen Berggipfel und davor kleine Häuschen, erhellt von der Morgensonne. Der Holzschnitt entstand nach einer Reise nach Georgien im März letzten Jahres.

Sie könnte nicht nur Landschaften malen. “Eigentlich interessiert mich der Mensch am meisten und dass man einen Bezug zur Zeit sieht in der Grafik“, sagt Renate Winkler. “Ich mache Küchenkunst“, sagt sie schmunzelnd. Da sie kein richtiges Atelier habe, sitzt sie oft in der Küche, wo sie ihre Holzschnitte macht und Tiefdruckkupferplatten ätzt und manchmal schaut sie nebenher einen Film auf Arte. Nebenan hat Renate Winkler einen kleinen Raum mit Arbeitstisch am Fenster, Kästen mit Farbentuben und Druckplatten und Tüten mit Ton stehen dort. Eine Wand voller Arbeiten anderer Künstler. Darunter eine Origialgrafik „Chaost“ von a.r. Penck, Grafiken von Angela Hampel, Gudrun Trendafilov, Christiane Latendorf, Markus Retzlaff, Pit Müller u.a. „Ich kann machen, worauf ich Lust habe, weil ich nicht von der Kunst leben muss. Ich bekomme ja Rente“; sagt Renate Winkler. „Ich mache es, weil es mich innerlich drängt. Wenn ich Glück habe, wird mal etwas von meinen Arbeiten verkauft.“ „ArtigeUnart“ ist der Anspruch an ihr künstlerisches Tun. Renate Winkler wurde 1948 in Meißen geboren, stammt aus einer Familie von Porzellanmalern und Grafikern und lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr in Radebeul. Sie selbst hat viele Jahre als Kunstpädagogin gearbeitet, Erzieherinnen ausgebildet und absolvierte eine Ausbildung u.a. bei Lothar Sell als Keramikkurs-Leiterin. Ihr Rakubrandofen steht in der Garage.

Wenn die Familie zusammenkommt, gehe es zu wie auf dem Marktplatz. Bis zu 17 Leute feiern Weihnachten bei ihr, die von Potsdam bis Hamburg anreisen. Fünf Kinder, davon ein gemeinsames und zehn Enkel haben Renate Winkler und ihr Mann zusammen. Die auch herkommen, weil sie am besten kocht, sagt sie lächelnd. An diesem Nachmittag gibt es leckere panierte Hähnchensteaks mit Gemüse und eine herzhafte Kichererbsensuppe auch für den Besuch. Und Reisetomaten, die zerteilbar sind wie Mandarinen, aus dem Garten ihrer Tochter. Am Herd stehend, erzählt Renate Winkler aus ihrem Leben. Wie die Kunst ihr auch half, Schicksalsschläge zu verkraften. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes Peter vor 21 Jahren in Kuba, an den eine sonnenfarbene Grafik in der Küche erinnert, war ihre Rettung die offene Druckwerkstatt bei Markus Retzlaff im Atelier Oberlicht in Altkötzschenbroda, wo sie mit anderen Menschen zusammen aktiv sein konnte. Mit ihm ist sie bis heute befreundet.

„Ich bin ein Optimist. Das Glas ist nie halbleer. Das bringt mir Kraft, wenn ich mich auseinandersetze und das Leben annehme wie es kommt“, so Renate Winkler. Vier Bücher mit ihren Reiseabenteuern im Orient, humorvoll und episodenreich erzählt von einem Kamel und einem Krokodil, mit fröhlich bunten Illustrationen und Fotografien hat sie bereits für ihre Enkel geschrieben, auch für einen größeren Leserkreis verlegenswert. Im November wird Renate Winkler 76 Jahre und ist immer noch sehr unternehmungslustig. Sie hält sich drei Mal in der Woche fit mit Sport. Ihre nächste Reise führt Renate Winkler im Oktober nach Oman, wo sie zu viert durch die Wüste und Wadis wandern am Indischen Ozean entlang und sie auch ihre Malsachen wieder im Rucksack dabei hat.

Text (lv)

http://www.renate-winkler.com

Das Bild entstand nach einer Reise nach Georgien im März 2023. Die Fotos stammen aus ihren Reisetagebüchern in den Orient.

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Ausstellung von Anita Rempe & Maleah Gilbert in der Galerie & Museum in den Heimatstuben Schellerhau

16 Mittwoch Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Unterwegs

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Flirrendes Spiel der Farben & Formen: die Künstlerinnen Anita Rempe & Maleah Gilbert vor einem Waldbild in ihrer Ausstellung in den Heimatstuben Schellerhau. Foto: privat

Zauberhafte Waldlandschaften

Farbenfreudige Malerei und Zeichnungen von Anita Rempe und Maleah Gilbert sind derzeit in der Galerie & Museum in den Heimatstuben Schellerhau im Osterzgebirge zu sehen.

Viele Waldbilder und Landschaften, gesäumt von Bäumen auf Wiesen, Feldern und am Wasser in lichtvoll flirrenden Gelb-, Grün- und Blautönen, sind in dieser Ausstellung der Malerin und Grafikerin Anita Rempe versammelt. In faszinierendem Farben- und Formenspiel von Licht und Schatten, mal konkret, linear, getupft und gesprenkelt und mal nur schemenhaft angedeutet, verwischen die Grenzen von Raum und Zeit, Ruhe und Bewegung, taucht man ganz in den Moment mit aller Fülle ein. Die Betrachter werden mal tief ins Waldesinnere, ins Dickicht geführt, mal auf sonnendurchflutete Lichtungen mit farbfunkelnden Baumstämmen und an Teich- und Uferlandschaften.

Über einer Waldansicht in warmen Farbtönen fliegen Kraniche. Natürlich hat Anita Rempe sie dort nicht wirklich gesehen. Wenn es die im Erzgebirge geben sollte, dann wird es Landunter sein und sind sie Vorboten von Klimawandel?, fragt die Künstlerin mit diesem Bild. Ihre Ölbilder und Zeichnungen mit Tusche und Kohle auf Papier sind zumeist in unmittelbare Nähe zum Ausstellungsort im Erzgebirge entstanden. Der Wald steht als Sinnbild für Ruhe, Entspannung, er lockt zum Spazierengehen und Wandern. In der Kunst und Literatur ist der Wald ein Symbol für Romantik, ein Ort voller Zauber, Geheimnisse, Sehnsucht und Geborgenheit, aber auch ein Zufluchtsort für Menschen und wilde Tiere leben dort versteckt im Schutz des Dickichts im Wald.

Ein neues Wald-Bild von Anita Rempe zeigt Rotkäppchen und den Wolf. Er steht abwartend vor ihr wie sie. Rotkäppchen ist das Unheimliche, die nicht sichtbare Angst und Gefahr, die man überwinden kann, so die Künstlerin. Anita Rempe ist gern im erzgebirgischen Dunkelwald unterwegs, der magisch und zauberhaft ist wie ihre Bilder. Das mal ruhige Fließen, Innehalten, dann wieder lebhafte Pulsieren in ihren Farblandschaften spiegelt auch die Suche nach einem eigenen, ihr gemäßen Schaffens- und Lebensryhtmus wider. Es hilft ihr auch, Schönes noch klarer zu sehen. Die Kräfte bündeln, dann kommt auch die Energie, dass es weitergeht, so lautet die Devise der 58-jährigen.

Seit 2013 wohnt und arbeitet Anita Rempe als freischaffende Künstlerin im einstigen Fischerdorf Gauernitz bei Meißen in ihrem Atelier- und Wohnhaus mit urwüchsig wundervollem Garten. Sie hat ein Diplom für Gebrauchsgrafik und Illustration, arbeitete als freie Trickfilmzeichnerin für Fernseh- und Filmproduktionen und ist tätig als ausgebildete Kunsttherapeutin u.a. in der Kinderarche Sachsen in einem Projekt in Seyde im Erzgebirge. Sie malt meist im Freien vor ihrem Haus oder an der nahen Elbe. Anita Rempe hat zu ihrer Ausstellung außerdem Maleah Gilbert eingeladen, einen Raum mit ihren Bildern zu hängen. Sie ist 17 Jahre jung, macht zurzeit ihr Abitur am Evangelischen Kreuzgymnasium in Dresden und möchte gern einen künstlerischen Beruf künftig ausüben. Sie ist talentiert und hat auch schon etwas vorzuweisen. Maleah zeigt ca. 20 Zeichnungen und Illustrationen im Format 20 x 20 Zentimeter und einige farbige, größere Bilder. Darunter Figürliches, Porträts, ein Mädchen mit schmerzerfülltem, nach unten gerichteten Blick im schwarzen Kleid mit weißem Kragen in einer Kirche, hinter ihr eine steinerne Figur in klösterlichem Gewand.

Ganz anders, fröhlich-fantasievoll und farbenfroh ein Bild mit einer Szene aus dem bekannten Buch Alice im Wunderland, in der das Mädchen im roten Kleid und langem Haar auf einem rotierenden Zifferblatt mit Uhrzeiger schwebt, zusammen mit dem weißen Kaninchen mit roter Halskrause, Spielkarten fliegen umher, ein Schlüssel, eine überschwappende Kaffeetasse, Teller und Rosenblätter. Auf einem anderen Blatt sprießen prächtige rote Rosen aus einem Topf, umgeben von Dornen und dunkelroten Farbspritzern vor sepiafarbenem Hintergrund. Verletzliche Schönheit. Schönes und Bedrohliches nah beieinander. Die Farbschwünge erinnern auch an Kalligraphie, mit der sich Maleah schon beschäftigt hat, auch mit chinesischen Schriftzeichen. Sie hatte als kleines Kind schon einen Sinn für Piktogramme und malte mit Stöcken im Sand im Waldkindergarten. Später kamen Katzenbilder und menschliche Porträts hinzu und die positive Resonanz von Betrachtern motivierte sie zu weiterem Ausprobieren. Farbenfreude und Ausdrucksvielfalt ebenso wie ein ganz eigener, wundersam Alltägliches verwandelnder Blick auf die Natur und das Leben verbindet die beiden Bildermalerinnen. Die Ausstellung ist noch bis 29. Dezember in den Heimatstuben Schellerhau zu sehen.

Text (lv)

Geöffnet: Sonntags 14 bis 17 Uhr sowie nach telegf. Vereinbarung (0160 – 9984 2786)

http://www.galerie-schellerhau.de

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Neue Lyrik: Herbst- und Herzgedichte vom Meer

11 Freitag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie, Unterwegs

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Meine Fellmusen & jetzt Meerkatzen Jade & Lina. Meine neuen kleinen Wirbelwinde Minnie Jade & Flausch Kasimir & Lino.
Kleine Kobolde: die Kater Kasimir & Lino sind für jeden Unsinn zu haben.

Kleine Wirbelwinde

Die kleinen felligen Kobolde wirbeln umher
der Strohhut mit der blauweißen Schleife herunter
gerissen von der Garderobe
als wüssten sie wohin ich fahr
Schreibsachen vom Schrank gefegt
die kleine Sonne und ein Schirchen stehen noch
welch Glück blieben von ihnen verschont
unbändige Leichtmatrosen auf hoher See
das Schiff kenterte fast schon sind sie
wilde Wirbelwinde Schmusetiger Raufbolde
Nimmersatte kleine Narren und Eroberer
die an mir hochklettern sich festkrallen und
zusammen kuscheln im Schlaf und ich lieg endlos
wach
manches liegt brach und in Scherben
immer wieder staunend manchmal entsetzt
meistens beglückt über so viel hemmungslose
Lebensfreude die sich alles was sie sieht nimmt
immer von Neuem wagt voll Neugier und Übermut
Ich bin gern ihr Kapitän
doch gehör ihnen nicht

LV
1.10.2024

Sonnenaufgang

Der Koffer steht bereit
draussen noch Dunkel
der kleine Weiße schleicht
noch mal kurz in die Stube
inspiziert die Sachen
die getigerte Minnie Jade schaut
mir nach aus der Küche
der flauschige Kasimir nicht zu sehen
im Zug fast allein
Dunkelstille ringsum
die orangeroten Streifen über den dunklen
Baumumrissen am Horizont werden größer
Morgenrot flammt auf
Ich sehe der Sonne beim Aufstehen zu
die Schatten der Bäume fliegen und tanzen
am Zugfenster vorbei
am Himmel lodert ein Meer aus Farben
über noch sattgrünen traumversunkenen Wiesen und
schimmernden Stoppelfeldern
Lichtgefunkel breitet sich aus
gleißt glasklar der Tag
blauer Himmel mit Federwolken ziehen vorbei
ein Sonnenblumenfeld leuchtet
als würde es nie vergehen
Kraniche breiten ihre Flügel aus in Scharen
auf Wiesen und Teichen
Kühe und Kälber zupfen noch weidlich Grün
ein Pferd umhüllt mit einer Decke steht allein
eingezäunt
ein kleines Mädchen ihr dunkler Pferdeschwanz
wippt bewegt sich wie eine Katze mit den Füßen die
Lehne hoch im Zug
und fängt tatsächlich an zu miauen mit Wonne
untergehen sah ich sie nicht
zu schnell war die Sonne
seh ihre pastellfarbenen Schimmer wiegen grauweiße
Wogen neben der Seebrücke und dem Haus mit den
Türmchen am Strand
die letzten Strandkörbe dazwischen streifen Möwen
umher
weiter hinten auf weißen Hängeschaukeln sitzt ein
Paar schwingen miteinander
bei jedem Anstoßen gibt sie ihm einen Kuss

LV
1.10.2024

Endlich wieder am Meer & seiner Stimme gelauscht: die Autorin und meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry.

Begrüßung am Meer

Es brauste bebte schwang und webte
mit seiner ganzen meerblauen Pracht
immer neue weiße Kräuselwellen
sonnenfunkelnd wie im Sommer

ein wilder Wind fegte über die weißen
Schaumkronen
alle Kümmernisse und Schwermut
im Handumdrehen wie weggeblasen
der Wind zieht zerrt an mir
er darf das und nur hier
schüttelt mich durch
rückt mich wieder gerade
Ich spür mich wieder bis in jede Pore

Windsbraut bin ich
mit verwirbeltem Haar
glücklich verwegen und ruhelos wie die Wellen
die auf und ab rollen
mir ins Innerste schauen
Halt ich die Bilder meiner geliebten Felligen
weit ins Meer
träum mich mit den Möwen
hinaus zu den weißen Schiffen am Horizont
singe und weine
seh einer kleinen braunweißen Möwe mit spitzem
Schnabel zu im nassen Ufersaum wo sich dicke
weiße Federwolken spiegeln und milchiger Schaum
quillt sucht die kleine Möwe nach Essbarem

steh solange bis die nackten Füße im feuchten Sand
weh tun röter und kälter werden
doch da liegen noch so viele Federn
lange spitze und kleine
helle und dunkle die meisten zerzaust vom Wind
und von Sand verklebt
die Boten des Meeres lasse
ich nicht liegen

LV
1.10.2024

Stille

Kein Laut keine Sonne
der Himmel fahl weiß
keine Möwe auf den Dächern gegenüber
wie im Sommer
die mich sonst immer kichernd wecken
auch kein Rabe krächzt
im Baum vorn an der Straße
alles wie ausgestorben
allein auf einer Insel

Leere fließt vor sich hin
einen Moment wie Balsam
kein Poltern Springen Scherbeln
hinter Türen verschanzen
um in Ruhe zu arbeiten

plötzlich ein leises Piepsen
vielleicht eine junge Möwe
und Gezwitscher aus dem Baum
am Ferienzimmer
mein Herz macht einen Sprung
Ich bin noch am Leben

LV
1.10.2024

Meerlinien

Mitten ins Blaue hinein
gezeichnet von Licht Himmel
Wind und Wolken
verlaufen Meerlinien weiß funkelnd
schäumend alle Farbtöne säumend
in der Sonne
kreuz und quer in hohen Bögen
hin und her
vor und zurück
durchzogen von Perlschaum
wie Zeichen dem Meeralphabet
bewegt und durchsichtig
im Sand wellige Muster
wie Flügel
fließen unentwegt formen sich neu
mal wie Klippen Abhänge
ins Boden oder Schwerelose
aufgerissene Rachen
und zartes Gefieder
gleiten über meine Körperumrisse
im Wellenspiel
immer wieder von vorn

LV
1.10.2024

Meerweit

Lockendes Rauschen und Tosen
die Wellen sich allein überlassen
schaukeln von fern
unerhört bleibt ihr Rufen
grau fast bleiern das Meer
unter schwerer Wolkendecke
ein blass gelber Streifen am Horizont
kleiner Lichtsteg
Leute mit Regenschirmen steigen auf die Dünen
und betrachten das Meer
das sanft wogt während der Regen strömt
im Sommer sehnte man ihn her
nun bleibt nur frischer Kiefernduft oben
auf der Promenade
und die Sehnsucht nach doch noch hinein Wagen
ins wogende Meer

LV
1.10.2024

Regentag am Meer

Das Meer grauweiß aufgewühlt
magisch schimmernd
wie der wolkenreich gefärbte Himmel
am fast menschenleeren Strand
Schaumkronen schnellen heran
schaukeln brausen tänzeln mit den Möwen
mit weit aufgespannten Flügeln
wie das Meer umarmend
silbergrau und weiß leuchten sie weithin
wie der bewegte Schaum auf den dunklen Wellen wie
Perlmutt glänzend
nie näher verbunden Meer und Möwen
als in diesem Moment
stehen sie im spiegelblanken nassen Ufersaum
aufgereiht andächtig unbeirrt mit gebanntem Blick
auf die hohen Wellen

Meerwasser schwappt in die Schuhe
brauch keinen Regenschirm unter den
Möwenschwingen bin ich gut behütet
leicht und unbeschwert wie sie
geduldig fangen sie ihr Futter fast lautlos
ein geschwungenes L aus Perlschaum
führt vom Meer zu mir in den Sand neben Seetang
fein wie Katzenhaar
in den Wolken hängt noch ein blasser Regenbogen
Wassertropfen perlen an den Kiefernzweigen
dunkle Vogelzüge fliegen übers Meer
dem Grau davon dem Licht entgegen
hoch oben im schwankenden rauschenden
Baumwipfel der alten Eiche nahe dem Ferienzimmer
lassen sich zwei Schwarzgefiederte nieder
im wolkenflimmernden Abendlicht

LV
2.10.2024

Möwenland

Das Meer tost blautrunken
die Wellen lichtberauscht brausend
nach den langen grauen Regentagen
kann ich es den Möwen endlich gleich tun
mit dem Meer wieder auf Tuchfühlung gehen
die Wellen pulsieren branden
erfrischen stillen meine Wunden
es spricht wild zärtlich besänftigend besonnen
und aufrüttelnd mit mir
vertraut und verzaubert immer aufs Neue
mit seinem Farbspiel Licht Energie unendlicher
Schönheit
vermisse dich schon jetzt
unendlich
rufe die Namen der Felligen
die Schaumkronen blitzen und funkeln wie ihre Augen
alles überflutendes Glücksgefühl

Ich teile das Meer nur mit den Möwen
es scheint sie versammeln sich zu einem großen
rauschenden Fest
so viele wie nie wie Muscheln im feuchten noch
sonnenwarmen Sand
sitzen sie grüppchenweise und stehen aufgereiht
feierlich mit Blick aufs Meer
zumeist große Silbermöwen grauweiße
gelbschnäbelige braunweiß gesprenkelte und die
kleinen weißen rotfüßigen Segler kichern und
kreischen freudig
tunken die Schnäbel ins schäumende Meerwasser in
Erwartung eines großen Fangs
tragen stolz gefüllte Muscheln an Land
und schwimmen hernach berauscht vom Farbenmeer
des Himmels golden rosé violett und azurblau
gemischt mit Wolkentupfen in den schaukelnden
Wellen
auf und davon mit den ausschwärmenden
Vogelzügen

wie ich die Geflügelten beneide
die nie frieren
immerzu eintauchen können in die Wogen
die sie wiegen tragen auffangen
mir bleiben die Federschätze
helle dunkle lange spitze windzerzauste und weiße
seidige Federn
und winzige weiße Muschelgehäuse
eins bewegt sich noch
und ein Winzling schaut heraus
zwischen all den Federn
auf dem Tisch am Morgen

LV
5.10.2024

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Texte & Fotos (lv)
Weitere Gedichte und Fotos folgen.

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Atelierbesuch bei der Malerin Angela Hampel in Dresden

29 Sonntag Sept 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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In ihrem Garten-Atelier in Struppen inmitten der Natur malt Angela Hampel gern Aquarelle und Tuschezeichnungen, darunter zum Thema „Laokoon“, dem griechischen Seher und Mahner, der vor den Kriegern im Trojanischen Pferd warnte und dafür von den Göttern bestraft wurde. Der Bilder-Zyklus soll auch in einer großen Ausstellung von ihr zum 800-jährigen Stadtjubiläum im nächsten Jahr in ihrer Heimatstadt Kamenz zu sehen sein. Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Im Garten mit Grünspecht und vielen neuen Tuschezeichnungen

Die Malerin und Grafikerin Angela Hampel zieht sich vom Großstadtlärm gern in ihr Bauernhaus mit alten Obstbäumen und Streuobstwiese in Struppen zurück. Hier ist auch schon ein Garten-Buch von ihr entstanden.

Immer wieder tauchen sie gestaltreich auf in den Bildern von Angela Hampel. Frauen, Paare und die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Manchmal wächst ihnen ein Geweih oder Flügel. Der Narr mit weißem Kopfverband und Halskrause. Ein Rabe hält oder umklammert eine kleine weiße Echse. Kreatürliches aller Art und mythologische Figuren treffen farbkräftig lodernd, lustvoll, leidenschaftlich, innig umarmend, oder abweisend, zornig und ironisch aufeinander in den oft großformatigen Leinwänden, Zeichnungen mit schwarzer Tusche und sibirischer Kreide bis zu keramischen Objekten. Auf der Staffelei in ihrem Dresdner Atelier steht ein älteres Ölbild, an dem Angela Hampel Feinheiten in der Körperhaltung ändern will. Es zeigt eine archaische gelbe Figur, eine Jägerin mit Pfeil und Bogen, die eine Hand um ein rotes wildes Tier hält, das mit dunklen Wunden Schutz suchend an ihr lehnt. Leben, Tod, Schönes und Verletzliches sind oft nah beeinander in ihren Bildern.

Es spiegelt die zwei Teile in unserer Seele, Liebe, Mitgefühl und Kampf und Gewalt, sagt Angela Hampel, Malerin, Grafikerin und Objektkünstlerin. Der Körper der Jägerin ist blau und rot gefleckt und kennzeichnet den Übergang von einer Gestalt zur anderen. Es zeige nicht immer Blut. Sie liebt Rot als Farbe. „Die menschliche Figur im Umlauf der Zeit interessiert mich vor allem und es muss etwas mit mir zu tun haben“, sagt Angela Hampel, die zu den herausragendsten Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum zählt. Eine neue große Tuschezeichnung in dunklen und hellen Farbtönen hängt an der Wand. Eine Frauengestalt, in deren lang herabfallendem schwarzen Haar der Schädel eines Tigers auftaucht. Das Blatt mit dem Titel „Spiel“ wird noch gedruckt und mit weiteren Arbeiten von ihr bei der nächsten Leipziger Grafikbörse im September zu sehen sein.

Seit 2004 lebt und arbeitet Angela Hampel in ihrer Atelierwohnung in einem schönen alten Gründerzeithaus, um 1900 erbaut in der Dresdner Südvorstadt. Ein lichtvoller, gläserner Fahrstuhl führt hinauf und ist auch gut für den Bildertransport. Vier Räume inklusive ein Lagerraum für ihre Arbeiten gibt es hier. Wände voller Bilder und viele Bücherregale. Sie sei ja eine Sammlerin und hat viel  mitgebracht, Andenken von ihren Reisen in alle Welt. Ob die Ostsee, die Bretagne in Frankreich oder die Berge, Afrika, Alaska, Nord- und Südamerika. Die Malerin hat zehn Jahre lang als Bergsteigerin hohe Berge erklommen, in Nepal und den Mustak Atta in Tibet, mit 7 600 Metern ihr höchster Berg. Als Kind war sie mit den Großeltern oft im Riesengebirge unterwegs. “Das ist alles in mir drin und mein Fundus, aus dem ich schöpfe.“

Gleich neben dem Atelier ist ein Wintergarten voller Grünpflanzen und eine Sitzbank. Am Wochenende und manchmal auch in der Woche zieht es sie in ein kleines Bauernhaus mit Fachwerk, Atelierraum und Garten in Struppen in der Sächsischen Schweiz, das sie seit Anfang der 90er Jahre hat und sie und ihr Lebensgefährte Torsten Leupold, der in der Grafikwerkstatt Dresden arbeitet und viele ihrer Arbeiten druckt, im Bestand erhalten haben. Das Haus stammt von 1842, hat eine hellgelbe Fassade und drei Weinstöcke am Haus. Ihr Refugium. „Das ist ein Ort für sich, wildromantisch mit einer Streuobstwiese und alten Obstbäumen, hauptsächlich Äpfel und zwei großen Nussbäumen“, erzählt sie. Vögel seien leider nicht mehr so viele da. Spatzen und Meisen tummeln sich dort. „Wir freuen uns immer, wenn wir mal einen Grünspecht oder Gartenrotschwänzchen sehen.. Immerhin haben sie wieder gebrütet.“ In ihrem Gartenatelier malt sie Aquarelle und probiert Angela Hampel viel mit Material aus wie für ihre Serie „Aschebilder“,  gezeichnet mit Ruß aus verbrannten, wurmstichigen Baumstämmen oder mit Beize für ihren gerade entstehenden Bilderzyklus aus erdbraunen Zeichnungen zu „Laokoon“, jenem Priester und Seher aus der griechischen Antike, der die Krieger im Trojanischen Pferd vorhersah, vor ihnen warnte und von den Göttern bestraft und durch Schlangen totgebissen wurde.

Sie arbeitet seit vielen Jahren künstlerisch zu großen Frauenfiguren wie Kassandra, die auch Seherin war, Medea, Salome und Penthesilea. „Das Thema interessiert mich und ist so aktuell, dass Seher immer noch bestraft werden, die von der Hauptmeinung abweichen“, sagt Angela Hampel. Zu der Bilderserie wurde sie angeregt von einer Figurengruppe mit Laokoon und seinen zwei Söhnen, die im Innenhof des Kamenzer Rathauses steht.

Zum 800-jährigen Stadtjubiläum nächstes Jahr ist eine große Ausstellung mit Bildern der 67-jährigen bekannten Künstlerin im Lessingmuseum in ihrer Heimatstadt geplant. Ein Falter, ein Tagpfauenauge flattert aufgeregt am Atelierfenster auf und ab. Angela Hampel nimmt ihn behutsam in die Hand und lässt ihn hinaus fliegen. Es ist auch bereits ein Buch „Im Garten“ mit Tuschezeichnungen und Gedichten von ihr erschienen, ein weiteres „Am Fluss“ zu Dresden und „Am Stein“ rund um Kamenz, alle im Eigenverlag herausgebracht und bestellbar über die Galerie Mitte in Dresden. Im Sommer erschien ein neues Buch mit Zeichnungen von Angela Hampel zu Gedichten der sorbischen Dichterin Roza Domascyna. Im Sächsischen Bergsteigerbund  ist sie noch immer Mitglied, auch wenn die Künstlerin gesundheitsbedingt keine Klettertouren mehr unternehmen kann. Gerade hat sie eine Ausstellung für die Irmgard-Uhlig-Stiftung mit Werken der bekannten Bergmalerin organisiert zusammen mit ihrem Kollegen Steffen Milde, die in der Radfahrerkirche in Wehlen zu sehen sind.

Text (lv)

http://www.angelahampel.de

 

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Die Felsenbühne in Rathen als Sprungbrett für junge Schauspieler

19 Montag Aug 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Projekte, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Volle Power, Spaß und Spiellust: Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen von der Theaterakademie Sachsen erobern derzeit die Felsenbühne Rathen, auch auf regennasser Bühne (im Foto einige von ihnen von li. nach re.): Adam Wahlgren, Sean Kühnl, Emily Siegert, Tom Warschewski, Danny Mlaouhia und Vera Antonenko.


Mit Spaß am Spiel, Power und Leidenschaft das Publikum erobern

Insgesamt neun Studierende der Theaterakademie Sachsen in Delitzsch spielen in fünf Stücken mit und sammeln erste praktische Erfahrungen im Theateralltag. Noch bis Ende August dauert ihr Praktikums in Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen auf der Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz.

Strahlend blauer Himmel, weiße Federwolken ziehen vorüber auf dem Bühnenbild. Davor steht ein kleines Haus mit Sonnenblumen vor dem Fenster. Die jungen Darsteller sitzen schon in der Maske und beim Soundcheck. Da kommt die Durchsage auf der regennassen Bühne: „Die Vorstellung ist für heute abgesagt!“ Am Eingang stehen schon einige Erwachsene und Kinder mit Regenschirmen und schauen traurig auf das Plakat mit dem fröhlichen, getigerten Kater Findus, der eine riesige Brille trägt und hinter dem bärtigen Herrn Petterson in gestreiftem Hemd, schwarzer Weste und Zylinder auf dem Fahrrad neugierig in die Welt schaut.

Eigentlich stand das Familienstück „Feiern mit Pettersson und Findus“ nach den beliebten Büchern von Sven Norqvist im Spielplan auf der Felsenbühne Rathen an jenem Freitagnachmittag. Doch gegen den starken Regen hatten sie keine Chance. Die Geschichten um den alten, schrulligen Mann und seinen frechen, abenteuerlustigen Kater Findus werden mit viel Humor, Spielfreude und Fantasie lebendig in dieser Aufführung, in der hauptsächlich Studierende der Theaterakademie Sachsen in Delitzsch unter Regie von Steffen Pietsch mitwirken, der abwechselnd mit Jürgen Haase den Pettersson spielt. Für uns gaben die Theaterneulinge eine kleine Extravorstellung und Kostproben ihres Könnens. Spaß am Spiel, Power und Leidenschaft erwachen, sobald die insgesamt neun jungen Schauspielerinnen und Schauspieler und Musicaldarsteller die Bühne betreten.

Diese können sie in ganz verschiedenen Rollen in fünf Stücken vor reizvoller Naturkulisse ausleben und dabei erste Erfahrungen im Theateralltag sammeln bei ihrem Praktikum in Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen noch bis Ende August. Die Bandbreite reicht vom Abenteuerstück „Shatterhand“, „Pettersson und Findus“, „Peter Pan“, „Kaltes Herz“ bis zur Oper „Fliegender Holländer“. Sie spielen Comanchen, Can-Can-Tänzerinnen, Dorfbewohner, flotte Hühner und den Schatten von Peter Pan. „Es ist eine sehr schöne Zeit, ein cooler Ort und das Ensemble hat uns mega herzlich aufgenommen“, sagt Sean Kühnl (24). Tom Warschewski (23) mag das  Draußenspielen auf mehreren Bühnenebenen. „Das härtet auch ab.“ Man tausche sich auch privat aus mit den Kollegen nach der Vorstellung, sitzt zusammen in der Kantine, trifft sich zu Kochabenden oder spielt zusammen „Laser Tech“.

Adam Wahlgren (21) ist mit den Büchern von „Pettersson und Findus“ aufgewachsen. „Nun sich selbst in der Geschichte zu finden, die man als Kind gern gehört hat, ist schon großartig. Auch wenn ich eine gegensätzliche Rolle zu Findus spiele im Stück, Gustavsson, den grimmigen Nachbarn.“ Adams Vater ist Schwede. Er spielt und singt außerdem einen norwegischen Seemann im „Fliegenden Holländer“.Vorher hat Adam neun Jahre im klassischen Chor gesungen. „Rathen ist ein guter Platz, um sich auszuprobieren auf der Bühne, aber auch vor der Kamera oder Mikro kann ich mir vorstellen“, sagt er.

Das erste Mal auf der großen Bühne zu stehen sei schon besonders gewesen, sagt Vera Antonenko (22). „Wir werden geschminkt, haben aber auch kurze Umziehzeiten und müssen ganz schön rennen.“ Sarah Frese (23), die als gewitzter Kater Findus abwechselnd mit Linda Neuschulz (20) spielt und singt, mag vor allem: „Wenn die Kinder mitgehen und reagieren, wie in der Szene als die Hühner sich weigern Eier zu legen für die Geburtstagstorte. Ein Kind rief hinein: `Ihr werdet  geschlachtet!`“ Das sei lustig und traurig zugleich gewesen. Danny Mlaouhia (22) der als Petterssons Nachbbarin Frau Lindgren und „Henne Henni“ auf der Bühne steht, genießt diese Rolle, in der auch „viel Probenarbeit steckt“: „Es ging nicht darum, Menschen in Hühnerkostümen zu spielen. Wir haben mit dem Tanztrainer geübt, wie eine Henne sich bewegt. Die Hühner sind wie gescheiterte Ballerinas, erklärte er uns.“ Bei der Umsetzung der Rollen seien auch die Ideen der Studierenden gefragt. Eine Traumrolle hat Danny nicht: „Ich möchte so viele Charaktere abdecken wie möglich und flexibel sein.“ Er hat sich beim Theater in Essen auf eine Anzeige für Berufseinsteiger beworben und würde auch erst mal eine Weile in der freien Theaterszene tätig sein.

Tom will ab Oktober ein halbes Jahr auf einem Bauernhof arbeiten und einen Fantasy-Roman schreiben, ein Sience Fiction-Buch von ihm ist schon draußen. Linda und Vera wollen in Richtung Musical gehen. Sean will sich neben der Bühne gern auch in der Filmbranche ausprobieren, z.B. Drehbücher schreiben: „Die eigene Kreativität ausleben. Die Arbeit soll auch Spaß machen und nicht nur zum Geldverdienen sein.“

Größere Pannen gab es bisher keine auf der Bühne. „Bei Texthängern helfen wir uns gegenseitig und improvisieren“, so Adam. „Wichtig ist der Sinn, nicht Wort für Wort.“ Neue, spontane Spieleinfälle sorgen für zusätzliche Lacher im Publikum und erhalten das Theaterspiel frisch und lebendig. „In der Premiere wird man beschenkt und zur Derniere, der letzten Vorstellung, überraschen sich die Schauspielkollegen gern selber, indem sie Sachen anders machen als vorgegeben und den Spielspaß untereinander voll ausleben“, darauf freut sich Adam jetzt schon.

Text + Fotos (lv)

Die nächsten Vorstellungen von „Feiern mit Pettersson und Findus“ sind am 21., 22. und 31.8., 15 Uhr und die letzte Aufführung am 1.9., 15 Uhr.
„Ihr seid toll. Ich nehm Euch alle!“ Das wünscht man den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, dass den Satz ein Regisseur oder Theaterleiter zu ihnen sagt und sie engagiert. Es macht Spaß ihnen zuzuschauen, so frisch, unverbraucht, voller Ideen und Spiellaune. Weiter so!

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Unterwegs mit Pferdewagen wie zu Shakespeares Zeiten: Die Theatergruppe Spielbrett tourt derzeit mit „Shakespeares Sturm. Ein Labyrinth“ durch die Sächsische Schweiz

26 Freitag Jul 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Urwüchsig-romantische Kulisse in Königstein, Malerwinkel: Dort zeigte die Theatergruppe „Spielbrett“ ihr neues Stück „Shakespeares Sturm“ am Mittwochabend vor vollen Rängen. Zeitweise regnete es stark, so dass die Vorstellung unterbrochen und dann weitergespielt wurde.

Theater voller Spielleidenschaft trotz Wetterkapriolen

Auf ihrer Planwagentour durch die Sächsische Schweiz erlebt die Theatergruppe Spielbrett mit ihrem neuen Stück „Shakespeares Sturm“ viel Besucherzuspruch.

Ein kleines Segelschiff fährt hoch über dem dunklen Bühnenvorhang und geht unter. Die Schiffbrüchigen landen auf einer einsamen Insel. Ein Sturm, eine gestrandete Regierung und ein gestürzter Herrscher über das Eiland, das sind die spannenden Zutaten für die Inszenierung „Shakespeares Sturm“. Mit dem Stück tourt die Theatergruppe Spielbrett derzeit auf ihrer traditionellen, einwöchigen Planwagentour mit Pferdewagen und Fahrrädern durch die Sächsische Schweiz.

Sechs Vorstellungen spielten sie schon bei ihrem diesjährigen Sommertheater. Der Tourauftakt war am vergangenen Sonnabend im Schlosspark Graupa. Weiter ging es über Schloss Weesenstein, Struppen am Schloss, Gohrisch am Dorfteich, Königstein am Malerwinkel nach Bad Schandau zur Bühne im Kurpark. „Die Vorstellungen sind gut besucht. Es kommen immer zwischen 150 und 200 Zuschauer und wenige sind vorzeitig rausgegangen, die vielleicht mehr Comedy sehen wollten. Wir haben einen anderen Humor“, sagt Ulrich Schwarz, Schauspieler, Regisseur und künstlerischer Leiter von Spielbrett seit der Gründung 1985. Dem man seine 77 Jahre nicht ansieht und der noch längst nicht ans Aufhören denkt. Dazu mache es ihm zu viel Spaß.

Zu erleben ist urwüchsiges, sinnliches, deftig komödiantisches, intelligentes Volkstheater mit großer Leidenschaft, Spielfreude, voll Leichtigkeit und Tiefsinn und vielen aktuellen Bezügen. „Eine fahrende Schauspielertruppe, die durch die Lande zieht wie zu Shakespeares Zeiten und das schon seit vielen Jahren, das ist deutschland- und europaweit einzigartig“, so Ulrich Schwarz. Elf Spieler in Doppelbesetzung sind derzeit dabei im Alter von 20 Jahren bis Anfang 70. Sie arbeiten als Lehrer, Ärztin oder in der IT-Branche. Ein Koch fährt auch mit, der für Speis und Trank sorgt und abends nach den Vorstellungen sitzen und feiern die Akteure gemeinsam. Die Planwagentour wird privat finanziert. Übernachtet wird unterwegs in Turnhallen und Schulräumen in Schlafsäcken. „Es waren auch viele da, die uns schon kannten und nach der Vorstellung sagten, dass es ihnen gefallen hat“, so Regisseur Schwarz. Das war in Königstein im Malerwinkel nicht anders, wo die Gruppe Spielbrett schon das vierte Mal gastierte am Mittwochabend.

Der Planwagen vom Pferdehof Schmidt aus Loschwitz stand noch in Gohrisch, in Königstein der Barkas mit der Technik. Vor romantischer Kulisse im Innenhof der urigen, sandsteinernen alten Mühlengebäude, mit Meisterhaus und Vogtei, hohem Schornstein und imposantem Torbogen, zeigten sie vor vollen Rängen und Publikum von jung bis alt ihr neues Stück. Dort finden sich Gestrandete und Inselherscher in einem Labyrinth aus Magie, Gewalt, Intrigen, aber auch Liebe wieder. Prospero, der gestürzte Herzog und Herr der Bücher, unternimmt mit seinen quirligen Luftgeistern alles, um seine Widersacher, die ihn und seine Tochter Miranda auf dem Meer aussetzten, zum Nachdenken zu bringen und den wild-ungehorsamen Inselbewohner Caliban zu bändigen. Der plant einen Umsturz gegen Prospero und heuert dafür die zwei Scherz- und Trunkenbolde Stephano und Trinculo an, verspricht ihnen ein Königreich und die Tochter dazu. Beschwipst lassen sie tief blicken über Fremde, quälen und benutzen das „Monster“ Caliban, träumen von der Macht und probieren von der bunt schillernden Kleiderstange des Königs neue Kleider. Die beiden Luftgeister singen und kommentieren von der Empore der ehemaligen Vogtei aus zu Harfe und Akkordeon witzig-ironisch das turbulente Geschehen.

Davor steht ein Gerüst mit Bühnenbild und Vorhang. Das Wetter spielt meist ganz gut mit. „Außer bei der ersten Vorstellung im Schlosspark Graupa, da kippte durch Windstöße das Bühnengerüst um. Das war ein Schreck, es wurde wieder aufgerichtet. Zum Glück keiner verletzt“, so Ulrich Schwarz. Im Malerwinkel in Königstein tröpfelte es zuerst und regnete dann stärker, so dass die Aufführung für zehn Minuten unterbrochen wurde. Die Zuschauer stellten sich mit Posterstühlen im alten Gemäuer unter. Dann wurde weiter gespielt. Das Areal der Bienermühle wird neu belebt kulturell vom 2017 gegründeten Verein Malerwinkel e.V. Monatlich findet eine Veranstaltung statt. „Hier soll eine Multifunktionshalle mit kultureller Nutzung und Gastronomie entstehen und die alten Mühlengebäude erhalten werden“, sagt  Matthias Hinz, der stellvertretende Vereinsvorsitzend bei einer kleinen Führung durchs Gelände. Große Maler wie Caspar David Friedrich kamen hier vorbei und hielten die imposante Felslandschaft in ihren Gemälden fest. Beim Frühschoppen im Malerwinkel wird die feierliche Fördermittelübergabe und Baugenehmigung zur Sanierung der Bienermühle mit Ministerpräsident Michael Kretschmer am 10. August, 10 bis 14 Uhr in der Mühlgasse 4 und 6 stattfinden.

Die Planwagentour von Spielbrett dauert noch bis 27. Juli. Die letzten beiden Vorstellungen sind am 26.7., 19 Uhr in der Puppenbühne Hohnstein und am 27.7., 20 Uhr in Dürröhrsdorf-Dittersbach, Börnfried e.V., An der Mühle 35 zu erleben. Ab August stehen die Akteure von Spielbrett wieder in ihrem Stammhaus im Theaterhaus Rudi in Dresden auf der Bühne.

Text + Fotos (lv)

http://www.spielbrett.info

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BilderAlbum & Neue Lyrik: Von Meerfarben & Möwen & Meerkatzen

23 Dienstag Jul 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Genießen, Lebensart, Poesie, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Aufbruch an`s Meer
(Für Jade & Lina)

Morgen in der Früh
breche ich auf an`s Meer
nichts ist wie vorher mehr
keiner sieht mir nach
wenn ich geh

aus der Strandtasche frisch genäht
rieselt Sand noch vom letzten Jahr
lese Muscheln etliche zerbrochen auf
Nein glücklich waren wir nicht immer
doch es gab immer Liebe
und Hoffnungsschimmer

im Dunkeln schreien liebestolle Katzen
hinten bei den Gärten
am Himmel funkeln die Sterne
lautlos sitzt ihr bei mir
die grauweiß getigerte und die schwarz-weiße
euer Fell scheint Mondkatzenhell
wenn ihr durch die Räume streift

ich trag euer Bild mit mir
der rote Koffer trägt Jades zärtliche Kratzspuren
die Leere bleibt zurück
vor uns liegt das Meer

LV
13/14.7.2024

Lufttänze
(Für meine Meerkatzen)

Ich kam an
alles in mir zerbrochen
als hätt ich was verbrochen
im Zug der Sturz Knie blau
am Bahnhof in Anklam die erste Möwe
mit Euch wachsen mir wieder Flügel
verwegene Segler der Lüfte
elegant und keck mit weiten Fächerschwingen
der Schnabel immer weit aufgerissen
unersättliche Freude und Lebenshunger

umgeben mich hier
der weiche Sand unter mir
Jade kitzelt meine Füße
zeig das Foto mit den Samtpfotigen dem Meer
sie vollführen jetzt auch solche Lufttänze
sie sprangen und kletterten immer gern
Federn mochten sie auch

halt mich an die Gefiederten
tanz mit Wind Meer und Wellen
tauch tief ein ins Leben
und wieder auf
wie meine Fellmusen
Meerkatzen seid ihr jetzt
und die Möwen meine Antreiber

LV
15.7.2024

Meerrufer

Sie sind die Stimme des Meeres
wenn es tost flüstert und schweigt
ihre Rufe voll Hingabe lockende Sehnsuchtsschreie
kichern freudig kreischen unverzagt
morgens mittags und abends
besonders ergreifend
sind scheint es immer in der Nähe
immer hellwach
fliegen weiß beschwingt voran
übers Dach am Ferienzimmer
sitzen auf dem Dach gegenüber
schauen herüber
grüßen lautstark
und fliegen wieder
zum Meer
von wo ein starker Wind und Regen
mich heute wegtrieben meerlos wehrlos
klatschnass
Sand wirbelte umher den Strand
im Nu menschenleer
ein paar Möwen pickten noch unverdrossen
Brotkrumen im Sand
zwei rissen sich um einen Fischhappen
die Wellen rollten ungerührt weiter
das Meer selten so ruhig und klar

LV
16.7.2024

Sommertag

Zwei Gartenhandschuhe liegen
auf der Wiese in der Mittagssonne
einer mit der hellgrünen Seite und
einer mit der schwarzen nach oben
eine Pflanze aus dem Kaktustopf
mit der Wurzel ausgegraben
der Topf vom Fensterbrett ist fort

Möwen fliegen kichernd
vorbei
Ich schreie innerlich
ihnen ist Schmerz einerlei
ein Marienkäfer landet
unversehens auf meinem Bein
oberhalb vom blauen Knie
setze ihn auf eine gelbe Rosenblüte
da bleibt er nicht allein

zwei Rosenblüten sind schon
wieder verblüht
breiten ihre Blätter zum Flug
über dem Stuhl mit der Herzlehne
er ist noch immer frei
Vögel Hummeln und ein gelber Falter
schwirren vorbei

neuerdings sitzt unter dem Baum
auf einem hohen Stein
umrankt von Efeu
ein Froschkönig
was macht er da
und schaut mich an

LV
18.7.2024

Farbmeer
(Für Otto Niemeyer-Holstein)

Auf den Leinwänden und im Garten
des Malers ein Pulsieren und Flimmern
in allen Farben des Sommers
Sonnen- und Erdtönen
helles Ocker Orange Sand- und
Meerfarben verrinnen
rings um`s paradiesische Rosenspalier
hängen Äpfel wie Glückskugeln
duften himmlisch und ein paar kommen mit
prallrund wie die steinernen Grazien
im wogenden Grün
der kantige Kopf des Käpt`n
überdauert die Zeit
der Himmel und das Meer malen immer neue Farben
auf den Buhnen am Koserower Strand thronen
die Möwen kosen kreisen kreischen
stolzieren spalieren den Schwimmern fliegen umher
durch`s helle und dunkle Wolkenmeer
und einen Reghenbogen
sitzen abends im warmen Sand
lassen manchmal wundervolle Federn liegen
eine weiße grau braun gesprenkelte wie die Fellfarbe
von Jade und eine lange schwarz-weiße mit Schwung
wie von Lina die wie Segel vor ihrem Bild stehen
heute wieder eine große grauweiße Feder gefunden
mit winzig schwarzem Rand

LV
18.7.2024

Die Kräfte des Meers

Der Himmel weit aufgespannt
azurblau fast durchsichtig
wolkenleer ein leises Lüftchen weht
Möwen kreischen zwischen bunten Zelten
und Sonnenschirmen
nichts mehr woran mein Schmerz
sich festhalten kann
ich übergebe ihn dem Meer

die Wellen schlagen nicht
mehr aufgewühlt
gegen meinen Körper
dünnhäutige Porzellanhaut
dem Gleichmaß der Wogen
überlassen

die Kräfte des Meers
wiegen werfen mich vor und zurück
nehmen mich auf und bergen mich
auf den Wellenkämmen tanzen
unzählige Sonnensplitter
am Ufersaum liegt eine lange weiß braune Feder
streift mich wie feine Fellhaare
und das Meerrauschen hört sich einen Moment
fast wie Schnurren an

LV
20.7.2024

Abschied vom Meer

Die weiß Gefiederten fliegen
vergnügt rufend
über die Häuser an der Promenade
Richtung Strand
der Wasserstrahl am Springbrunnen schnellt
auf und ab glänzt in der Sonne
umweht von duftenden Sommerblumen
Dahlien und Lavendel
die gelben Rosen vor dem Ferienzimmer
duften weiter
ohne mich
der Froschkönig und der zottlige Hofhund Joschi
schauen mir nach
der schwarze dicke Kater Franz hockt ungerührt
vor einem Strauch als ich geh

den gleichen Weg zur Promenade hoch
den gestern eine graue dunkel getupfte Möwe
entlang lief es war schon dunkel
sie kam mir nach ein Stück
als ich näher kam lief sie zurück
weg vom Meer
langsam über die Straße Leute betrachteten sie
und liefen stumm weiter ein Auto wich ihr aus
ein Flügel mit schwarzen Federn
hing herab
sie irrte umher überall nur dunkle Läden
hätt sie so gern aufgehoben
in die Luft zurück
meine Strandtasche voller Möwenfedern
sie bog um die Ecke

Heute Morgen sah ich
die Möwe lief in Richtung der schönen
alten Backsteinkirche auf der Anhöhe
deren Spitze über den Bäumen ich vom
Ferienzimmer aus seh
eine helle Feder lag am Weg
Ich hoffe die Möwe hat ihren gefunden

LV
21.7.2024

Zurück vom Meer

Fernab vom Meer
Fernweh kaum zurück
von der See
gestrandet nachts in
überfüllten Zügen
Heimweh nach den Katzen
sie würden verschlafen verwundert
sich die Augen reiben: Schon wieder da?!
die Möwenrufe weit
die den Takt angaben
ihr gellendes unerschütterliches Lachen
hoch über allem erhaben
und der frische Seewind der das Gemüt losreißt
aus der Starre
die funkelnden Sonnenlichter auf den Wogen

wieder an Land gespült
drückende Hitze stickige Luft Sirenen
Gerangel der Reisenden auf dem Bahnhof
alles kostet jede Sekunde
alles braucht seine Zeit
der rote Koffer auf dem Jade gern saß
steht offen im Flur
darin die Lieblingssachen vom Meer
mit dem eigentümlichen Duft vom Ferienzimmer
in dem alles gut riecht
Sachen voll schöner Momente
selten getragen aufbewahrt für den Sehnsuchtsort

dazwischen viele Möwenfedern
helle dunkle weiße und schwarze Linien und Tupfen
weiß braun gesprenkelte fast getigerte
lange feste spitze grazile kleine streichelzarte seidig
schimmernde hauchfeine und flaumige Federn
manche riechen wild und pikant
Ich mag sie alle
auch die zerzausten
die mir ihre Geschichten erzählen

im Flug fallen gelassen
schwammen mehrere im Meer
federleichte Zeichen
es ihnen gleichzutun
leg die schönsten Federn an die Plätze der Katzen
zuhause
als Meerkatzen begleiten sie mich jetzt
Federsegel stehen an ihren Bildern

hab Farbe bekommen
neue Energie brennt auf der Haut
alles weitermachen wie am Meer
Schönes mehren
mit den Wellen fließen

LV
22.7.2024

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Unterwegs: Planwagentour der Theatergruppe „Spielbrett“ führt in die Sächsische Schweiz

11 Donnerstag Jul 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Mit Pferdewagen, Drahteseln und dem neuen Sommertheater-Stück, Shakespeares „Sturm“ im Gepäck zieht die Dresdner Theatergruppe „Spielbrett“ als fahrende Schauspielertruppe wieder über Land auf ihrer diesjährigen Planwagentour, die weit und breit einzigartig ist. Fotos (4): Tanja Grünert

Mit Pferdewagen und Spielleidenschaft unterwegs wie zu Shakespeares Zeiten

Die Theatergruppe „Spielbrett“ aus Dresden geht wieder auf Planwagentour in die Sächsische Schweiz vom 29. bis 27. Juli.

Der Planwagen ist vollbeladen mit Requisiten, die helle Leinenplane bemalt mit der Route und die zwei Pferde ziehen den Karren im Schritttempo. Dahinter radeln die Darsteller in bunten Sachen auf Drahteseln mit Satteltaschen und Rucksäcken hinterher, hinaus aus der Großstadt, über Dorfstraßen und auf weiter Flur. Die Gruppe „Spielbrett“ geht bald wieder auf ihre traditionelle, einwöchige Planwagentour durch die Sächsische Schweiz vom 20. bis 27. Juli. Im Gepäck für das Sommertheater hat sie dieses Jahr „Shakespeares Sturm“.

„Ein Sturm, eine Insel, eine gestrandete Regierung und ein gestürzter Herzog als Herrscher über das Eiland“, so kündigt die Gruppe das Stück an. In dem nicht ganz zufällig die Helden und Heldinnen sich in einem Labyrinth aus Magie, Gewalt, Intrigen, aber auch Liebe wiederfinden. Luftgeister kommentieren das Geschehen mit aktuellen Bezügen. „Eine fahrende Schauspielertruppe, die durch die Lande zieht wie zu Shakespeares Zeiten und das schon seit vielen Jahren, das ist deutschland- und europaweit einmalig“, weiß der Schauspieler, Regisseur und künstlerische Leiter von „Spielbrett“ seit der Gründung 1985, Ulrich Schwarz. Dem man seine 77 Jahre nicht ansieht und der noch längst nicht ans Aufhören denkt. Dazu mache es ihm zu viel Spaß. Sie zeigen urwüchsiges, sinnlich, poetisches, unterhaltsames und intelligentes Volkstheater mit großer Leidenschaft, Spielfreude und Humor an verschiedenen Orten. Insgesamt acht Vorstellungen stehen auf dem Programm.

Der Start mit dem Planwagen vom Pferdehof Schmidt aus Loschwitz ist am 20. Juli, um 10 Uhr am Blauen Wunder. Erster Spielort dann abends, 20 Uhr im Schlosspark Graupa vor einer uralten Eiche. Weiter geht`s über Schloss Weesenstein, Struppen, Gohrisch am Dorfteich, Königstein am romantischen Malerwinkel, Bad Schandau, Hohnstein bis nach Dürröhrsdorf-Dittersbach als letzter Tourstation.

„Die Spieler ziehen in Kostümen und mit Musik, Akkordeon und Gitarre, lautstark jeweils in den Ort ein und werben für die Vorstellungen. Bei der Planwagentour geht es um den Schauwert, aber auch um Langsamkeit und Genießen für Akteure wie Zuschauer“, so Ulrich Schwarz. Sie fallen überall auf. „Mindestens 50 Prozent der Leute fühlen sich durch den Planwagen angezogen.“ Als Spielkulisse dient ein Bühnengestell, an dem bemalte Bühnenbilder und manchmal auch Türen hineingehängt werden. Bekannte Künstler gingen mit „Spielbrett“ auf Planwagentour ihre ersten Schritte, so Regisseur Schwarz, wie der inzwischen verstorbene Schauspieler und Kabarettist Olaf Böhme als „Falstaff“ oder die Sängerin und Liedkabarettistin Anna Mateur. Elf Spieler in Doppelbesetzung sind derzeit dabei im Alter von 20 Jahren bis Anfang 70. Sie arbeiten als Lehrer, Ärztin oder in der IT-Branche. Ein Koch fährt auch mit, der für Speis und Trank sorgt. Beim Frühstück und abends nach der Vorstellung sitzen die Spieler an einer großen Tafel zusammen, wird gequatscht und gefeiert. Die Planwagentour wird privat finanziert. Übernachtet wird unterwegs in Turnhallen und Schulräumen in Schlafsäcken.

„Die Planwagentour ist noch nie gefördert worden weder von der Stadt Dresden noch vom Land Sachsen. Obwohl wir doch in Sachsen bleiben und Kultur in den ländlichen Raum bringen“, so Ulrich Schwarz. Er als künstlerischer Leiter und die Organisatoren der Tour bekommen ein Honorar. Und die Gruppe „Spielbrett“ erhalte eine geringe Förderung von der Stadt pro neue Inszenierung. Die Planwagentour wechselt jährlich, neben der Sächsischen Schweiz führt sie auch ins Osterzgebirge und nächstes Jahr wieder an die Märkischen Seen mit immer anderen Shakespeare-Stücken. „Meist kommen um die 100 Besucher pro Vorstellung. Letztes Jahr am Schloss Lauenstein waren es sogar 200 Zuschauer“, so Schwarz. Nächstes Jahr im Herbst feiert die mehrfach preisgekrönte Gruppe „Spielbrett“ ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Theaterfestival unter dem Motto „Danke Volk!“ im Theaterhaus Rudi in Dresden.

Text (lv)

http://www.spielbrett.info

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Literatur in aller Vielfalt & Forum Offene Gesellschaft & Poesie der Unzugehörigkeit aus Südosteuropa auf der Leipziger Buchmesse 2024

20 Mittwoch Mär 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Ort der Demokratie und Literaturvielfalt – die Leipziger Buchmesse lädt vom 21. bis 24. März zum Meinungsaustausch ein

*

Der Frühling steht vor der Tür und damit ein Ereignis, auf das sich Leser:innen, Autor:innen und Verleger:innen das ganze Jahr über freuen: die Leipziger Buchmesse. Vom 21. bis 24. März finden hier wieder unzählige Lesungen, Workshops und Veranstaltungen statt. Sie zeigen, welche vielfältigen Formen Literatur annehmen kann – und wie umfangreich das künstlerische Schaffen all derer ist, die sich ihr verschrieben haben. Als Ort der gelebten Meinungsfreiheit und Bildungsmesse thematisiert die Leipziger Buchmesse mit vielen Diskussionsrunden auch die gesellschaftliche Verantwortung, mit der wir alle zum Erhalt der Demokratie beitragen.

*

2.085 Aussteller zeigen dem Publikum vom 21. bis 24. März in Leipzig, was es Neues auf dem Buchmarkt gibt. Ihre Zahl ist im Vergleich zu 2023 leicht gestiegen. Mit den aktuellen Veröffentlichungen und diversen Literaturformaten im Gepäck sind sie aus 40 Ländern angereist, haben Autor:innen eingeladen und Lesungen, Gespräche und Workshops organisiert. Das Programm kann sich sehen lassen: 2.800 Veranstaltungen warten auf die Besucher:innen an 300 verschiedenen Orten – sei es auf dem Messegelände als auch in der Stadt. Zu verdanken ist dies vor allem dem Einsatz der mehr als 3.400 Mitwirkenden, die mit „Leipzig liest“ wieder einmal das größte Lesefest Europas auf die Beine stellen.

Einen Überblick über alle Veranstaltungen gibt es in der App und online unter: https://www.leipziger-buchmesse.de/programm

*

„Wir freuen uns über den ungebrochenen Zuspruch der Aussteller und auf all die Gäste aus nah und fern, denen wir auch in diesem Jahr wieder großartige Unterhaltung bieten werden. Aber auch als Ort der Diskussionen und Debatten nimmt die Leipziger Buchmesse gerade in diesen schwierigen Zeiten voller gesellschaftlichen Spannungen eine tragende Rolle ein. Wie herausragend diese ist, zeigen auch die Besuche von Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier“, so Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe.

*

Mitmach-Aktion im Rahmen der Kampagne #DemokratieWählenJetzt
Jedes einzelne Mitglied einer Gesellschaft trägt Verantwortung dafür, wie sich ihre Demokratie entwickelt. Die Leipziger Buchmesse will mit ihrem Programm dazu animieren, Haltung zu zeigen und sich für eine demokratische und vielfältige Gesellschaft stark zu machen. Gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat sie die Initiative #DemokratieWählenJetzt gestartet. Alle Besucher:innen der Buchmesse sind eingeladen, sich mit dem Kampagnenmotiv zu fotografieren oder ein Video aufzunehmen. Dazu stehen in der Glashalle sowie in den Hallen 2 und 5 Fotowände bereit. Die Bilder und Videos können Besucher:innen in den sozialen Medien unter dem Hashtag #DemokratieWählenJetzt mit ihrem persönlichen Statement für Demokratie posten. Die Motive der Kampagne sind während der Buchmesse an vielen Orten auf dem Messegelände und in der Leipziger Innenstadt zu sehen. Ein besonderes Signal möchten die Leipziger Buchmesse und der Börsenverein bei der Eröffnungsfeier heute Abend im Gewandhaus zu Leipzig in die Welt senden. Alle Gäste im Gewandhaus sind eingeladen, ein Plakat mit der Aufschrift „Demokratie wählen. Jetzt.“ in die Höhe zu halten und so ein gemeinsames Zeichen für Demokratie, Freiheit und Vielfalt zu setzen.
*
„Literatur leistet einen wichtigen und wertvollen Beitrag für die Demokratie – sie braucht jedoch auch Demokratie als Grundlage, um sich überhaupt frei entfalten zu können“, betont Astrid Böhmisch, Direktorin der Leipziger Buchmesse. „Auf der Leipziger Buchmesse zeigt sich Literatur in ihrer ganzen Vielfalt, sorgt für große Emotionen und verschafft auch Stimmen Gehör, die es sonst schwer haben. Ich freue mich darauf, sie zu hören und auf viele erinnerungswürdige Momente und Begegnungen zwischen Autor:innen, Leser:innen und Verleger:innen.“

*

Das Forum Offene Gesellschaft 
Die Leipziger Buchmesse versteht sich als Plattform für Meinungsvielfalt, offene Diskussionen und freie Debatten. Diese finden vor allem im Forum Offene Gesellschaft statt. Exemplarisch für die vielen Veranstaltungen in Halle 2, Stand E600, sind folgende Diskussionsrunden:
 – Über das Thema „Lesen, informieren, wählen – Demokratie und Parlamentarismus stärken“ sprechen Dr. Christiane Schenderlein, MdB, Sprecherin Kultur und Medien der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Amy Kirchhoff, Vorsitzende LandesSchülerRat Sachsen und die Autorin Anne Rabe.
 – Die neue Entfremdung zwischen Ost- und Westdeutschland und was sich dagegen tun lässt, diskutiert die Journalistin Jessy Wellmer im Zuge ihrer Buchveröffentlichung mit dem CDU-Politiker Thomas de Maizière.
 – Auf dem Panel von PEN Berlin gehen die Autor:innen Stephan Anpalagan, Miku Sophie Kühmel, Max Annas und Sophie Sumburane der Frage nach, „Wie Rechte reden“.

*

Leipzig liest – das größte Lesefest Europas
Literatur, Übersetzungen, Mangas und Comics erlebbar machen – das ist das Ziel von Leipzig liest. Ob auf dem Messegelände, in Bibliotheken, Buchhandlungen, Galerien oder Cafés und sogar auf Friedhöfen und in Kirchen – an 300 Leseorten in Leipzig wird vom 21. bis 23. März bei 2.800 Veranstaltungen das geschriebene und gezeichnete Wort gefeiert. Mehr als 3.400 Mitwirkende tragen dazu bei. Aus aller Welt reisen Schriftsteller:innen an wie Christopher Clark (UK, gebürt. Australien), Elena Malisowa (Russland), Katerina Silwanowa (Ukraine) und Alana S. Portero (Spanien). Auch zahlreiche deutsche Autor:innen sind vor Ort wie Dana Grigorcea, Bernhard Schlink und Odile Kennel. Die jungen deutschen Stimmen werden zum Beispiel vertreten von Ronya Othmann, Illona Hartmann und Toxische Pommes.

*

Wie jedes Jahr sind alle – insbesondere die Nominierten – auf die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse sehr gespannt. Die begehrte Auszeichnung feiert 2024 ihr 20-jähriges Jubiläum. Dieses Jahr wurden 486 Neuerscheinungen aus 177 Verlagen eingereicht. Am Donnerstag, 21. März, werden in der #buchbar in Halle 4, E101 die nominierten Autor:innen der Kategorie Belletristik von 11 bis 12 Uhr präsentiert und von 12 bis 13 Uhr die Nominierten der Kategorie Sachbuch/Essayistik. Die nominierten Übersetzer:innen werden ebenfalls am 21. März von 13 bis 14 Uhr im Forum International + Übersetzerzentrum in Halle 4, C403 vorgestellt.
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„Alles außer flach“: Gastland 2024 Niederlande & Flandern
Die großen Fragen unserer Zeit stehen auch im Zentrum des Gastland-Programms. Aus den Niederlanden & Flandern haben sich 41 Autor:innen angekündigt, darunter viel beachtete neue Stimmen wie Lisa Weeda, Gaea Schoeters, Raoul de Jong, Gijs Wilbrink und Angelo Tijssens, aber auch bekannte Schriftsteller:innen wie Anna Enquist, Connie Palmen, Lize Spit und Stefan Hertmans. Gemeinsam mit ihren deutschen Kolleg:innen und dem Publikum werden sie in über 100 Lesungen, Gesprächen und Performances über aktuelle Themen wie Klimakrise, Überkonsum, Genderfragen, Kolonialismus, Geflüchtete weltweit und Krieg in Europa diskutieren. Begleitend laden rund 20 Kulturprojekte zu Digitalen Literaturwelten, Filmen, Ausstellungen, Residenzprogrammen, Kreativindustrie, Theater & Konzert ein. Die Eröffnung des Gastland-Messestandes findet am Donnerstag, 21. März von 10:50 bis 11:30 Uhr in Halle 4, D300/C301 statt.
Ukraine: die künstlerische Vielfalt einer Nation, die sich nicht aufgibt
Nach wir vor kämpft die Ukraine für ihre Freiheit und ihre Kultur – und muss dabei enorme menschliche Verluste hinnehmen. Wie sich das Land in diesem traumatischen Prozess verändert, thematisieren viele Veranstaltungen auf der Ukraine-Bühne und im Café Europa. Unter anderem stellen Schriftstellerinnen wie Olena Stiaschkina und Olena Sachartschenko und die Literaturkritikerin Tetiana Trofymenko ihre Werke vor. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Gedenken an den jungen talentierten Dichter Maksym Kryvtsov gewidmet, der Anfang 2024 an der Front starb. Zur Eröffnung der Ukraine-Bühne sowie zum Start des ukrainischen Programms auf der Leipziger Buchmesse sind alle Besucher:innen am Donnerstag, 20. März, um 14:30 Uhr herzlich eingeladen.

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TRADUKI: zeitgenössisches Literaturschaffen aus Südosteuropa
Unter dem Motto „Poesie der Unzugehörigkeit“ reflektiert das Literaturnetzwerk TRADUKI 2024 das Gefühl der Unzugehörigkeit mit zwanzig Veranstaltungen. Auf der Messe ist TRADUKI in der eigenen TRADUKI Kafana zuhause (Halle 4, D403) und bei zwei Veranstaltungen im Café Europa vertreten. Außerdem richtet es die beliebte Balkannacht im UT Connewitz am Samstag, 23. März aus.

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Norwegen auf der Leipziger Buchmesse 2024
Dieses Jahr reisen sieben norwegische Autor:innen, darunter Trude Teige, Cecilie Enger und Odin Helgheim, nach Leipzig, um ihre Werke vorzustellen. Man trifft sie am norwegischen Stand 305, Halle 4 sowie in der Stadt im Rahmen der rund zwanzig Veranstaltungen, die sich dem kommenden Gastland widmen. Als Einstimmung auf 2025 sind alle Besucher:innen herzlich zur Eröffnung des norwegischen Standes und zum Empfang am Donnerstag, 21. März um 13 Uhr eingeladen. Dort wird auch verkündet, welche Schriftsteller:innen unter anderem nächstes Jahr vor Ort auf der Leipziger Buchmesse sein werden.

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Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 
Ein Streben nach Gemeinsamkeit – der humanistische Universalismus – steht im Mittelpunkt des Werkes des deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm. Er ist Preisträger des diesjährigen Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Mit dem Journalisten Daniel-Dylan Böhmer spricht er am Donnerstag, 21. März von 14.15 bis 15 Uhr über die „moralische Wasserscheide” seit dem 7. Oktober und einen Frieden für die Region, der derzeit utopisch erscheint. Das Gespräch findet im Forum Offene Gesellschaft (Halle 2, E600) statt.

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10 Jahre Manga-Comic-Con
Die Convention in Leipzig feiert 2024 Jubiläum. Was die Manga-Comic-Con in 10 Jahren schon alles erlebt hat, zeigt die Ausstellung „10 Jahre MCC“ in Halle 3. Wie man das von Geburtstagskindern kennt, ist auch die Manga-Comic-Con größer geworden und beteiligt sich erstmals an den Abendveranstaltungen von Leipzig liest. Natürlich reisen wieder zahlreiche Ehrengäste an wie Gou Tanabe (Japan), Satoru Nii (Japan), RJ Baker (UK), Katrin Gal (Deutschland), Miguel Díaz Vizoso (Spanien) und viele mehr.

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Wer Fantasy, Science-Fiction und Horror liebt, sollte unbedingt dem Bereich Phantastik einen Besuch abstatten. In Halle 3 präsentieren Bestsellerautor:innen, Selfpublisher:innen und Verlage des Genres wieder ihre neuesten Werke und geben Einblick in Geschichten von unerschöpflicher Vorstellungskraft.

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An der #buchbar mit den Lieblingsautor:innen 
Zahlreiche Lesungen bieten den Besucher:innen wieder die Gelegenheit, ihre Stars auf der Leipziger Buchmesse live zu erleben. In der #buchbar in Halle 2 können sie auch 2024 wieder bei einem Kaffee mit den Autor:innen ins Gespräch kommen. Das neue Format, das im vergangenen Jahr Premiere feierte und sehr positiv vom Publikum aufgenommen wurde, ist in diesem März noch umfangreicher.

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Unvergessliches Erlebnis: die exklusiven Signierstunden
Ihre Idole persönlich treffen, können Bücher-, Manga- und Comic-Fans auch bei den mehr als 100 exklusiven Signierstunden in Halle 4 und 1. Von Satoru Nii (Japan) über Stefán Máni (Island) bis Flavia Scuderi (Italien) sind zahlreiche Autor:innen und Künstler:innen vor Ort und machen mit ihrer Widmung den Besuch der Buchmesse für viele Gäste unvergesslich. Einen Überblick über die Signierstunden gibt es online.

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JugendCampus UVERSE und die Verleihung des Lesekompass
Kinder- und Jugendbücher entführen in andere Welten, regen die Fantasie an und bringen spannende Abenteuer ins Kinderzimmer. Auf der Buchmesse können junge Leser:innen mehr als 250 Veranstaltungen besuchen – darunter viele Aktionen zum Mitmachen. Ihre Helden treffen Kinder in der „Lesebude“ – Jugendliche zieht es zu spannendenden Geschichten in den „Lesetreff“.

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„Erfahren, Denken, Machen, Verstehen, Wissen“ heißt es auch 2024 auf dem JugendCampus UVERSE. In der Kreativwerkstatt der Leipziger Buchmesse finden junge Leser:innen wieder zahlreiche Workshops und Angebote rund um Leseförderung, Medienbildung sowie politische und kulturelle Bildung. Darüber hinaus erwarten die jungen Leute vor allem in den Hallen 1 und 3 viele weitere zielgruppengerechte Veranstaltungen und spannende Lesungen.
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Im Rahmen der Lesekompass Sonderedition 2024 werden Kinder- und Jugend-Bücher ausgezeichnet, die durch die Verknüpfung von Text und Bild Geschichten vor den Augen der Kinder lebendig machen. Auf der Großen Bühne in Halle 3, G400 vergibt die Jury am Donnerstag, 21. März, um 10:30 Uhr je einen Preis für einen Titel mit Zielgruppe Kita-Kinder, Grundschüler:innen sowie Kinder und Jugendliche der Sekundarstufe I.
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Zweitgrößter Ausstellungsbereich auf der Leipziger Buchmesse: Bildung
Mit ihrem umfassenden Ausstellungsangebot und dem vielfältigen pädagogischen Programm FOKUS BILDUNG ist die Leipziger Buchmesse die größte Veranstaltung zu Leseförderung und Medienbildung im deutschsprachigen Raum. Auf einer der wichtigsten Bildungsmessen in Deutschland erhalten Pädagog:innen zahlreiche Anregungen für ihre Unterrichtspraxis sowie Lösungsansätze für drängende Herausforderungen im Bildungssektor. Im Congress Center Leipzig (CCL) finden viele Veranstaltungen von FOKUS BILDUNG statt. Hier präsentieren Bildungsverlage ihre neuesten Angebote, zum Beispiel Klett in seinem eigenen Veranstaltungszentrum.

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Das Forum Die Unabhängigen 
Bei 49 Veranstaltungen können die Besucher:innen die Vielfalt der Unabhängigen Verlage kennenlernen. Autor:innen wie Artur Becker, Frauke Buchholz, Dilek Güngör, Thomas Lehr oder Jochen Schimmang präsentieren hier ihre neuesten Publikationen. Auch viele Herausgeber:innen, Übersetzer:innen und Verleger:innen werden vor Ort sein. Täglich von 10.30 Uhr bis 18.00 Uhr (Sonntag bis 17 Uhr) finden Lesungen zu Neuerscheinungen, Podiumsdiskussionen sowie Empfänge statt. Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik wird am Donnerstag, 21. März von 14 bis 14:30 Uhr verliehen, der Kurt-Wolff-Preis am Freitag, 22. März von 13 bis 13:30 Uhr.

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Fachprogramm Buch- und Medienbranche
Mit den Auswirkungen der aktuellen globalen Krisen ringt auch die Buchbranche. Insbesondere die kleinen Verlage arbeiten wirtschaftlich am Limit. Viele Buchläden haben sich immer noch nicht von der Pandemie erholt. Um so wichtiger ist es für alle Beteiligten, sich regelmäßig auszutauschen. Beste Gelegenheit bieten dazu die diversen Fachveranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse. Topthemen sind 2024 unter anderem Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Social Media. Alles, was Autor:innen umtreibt, findet Beachtung im Forum autoren@leipzig in Halle 5 (Stand B700). Zur traditionellen Autor:innenrunde sind Schriftsteller:innen am 23. März von 10 bis 18 Uhr im CCL eingeladen.
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Einen Überblick über alle Veranstaltungen der Leipziger Buchmesse und Leipzig liest bieten https://www.leipziger-buchmesse.de/programm und die App.
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Öffnungszeiten und Preise
Die Leipziger Buchmesse im Verbund mit der Manga-Comic-Con sowie dem Lesefest Leipzig liest öffnet vom 21. bis 24. März. Tickets gibt es unter: www.leipziger-buchmesse.de

Text: Felix Wisotzki, Pressesprecher Leipziger Buchmesse

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Zeitreise zurück zu den journalistischen Wurzeln& Spätes Rendez-vous mit Kisch

16 Samstag Mär 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, In eigener Sache, Lebensart, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Gemeinsam in einem Boot: Die TeilnehmerInnen der 29k, der ersten ost- und westdeutschen Lehrredaktion nach der Wende in der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München. Oben links steht Heinrich Löbbers, der als einer der ersten Redakteure aus dem Westen bei der Sächsischen Zeitung in Dresden anfing und bis heute dabei ist und inzwischen Mitglied der Chefredaktion. In der zweiten Reihe, die dritte Frau von links ist Lilli Vostry, eine der beiden ostdeutschen DJS-Schülerinnen, links neben ihr Evelyn Zegenhagen, die heute in den USA lebt und arbeitet.


Fantastische Aussicht auf die Stadt (im Bild im Uhrzeigersinn): Fotografin Melanie, SZ-Redakteur Heinrich Löbbers, DJS-Studentin Natascha Koch und Lilli Vostry, freie Journalistin auf der Dachterrasse vom Haus der Presse in der Ostra-Allee in Dresden.

Offenheit und weiter Blick für die Wirklichkeit

Hoch hinaus auf die Dachterrasse des SZ-Hochhauses ging es gestern am Freitagnachmittag für Fotoaufnahmen und danach zum Gespräch mit Heinrich Löbbers und Lilli Vostry. Der SZ-Redakteur und die freie Journalistin sprachen mit Journalistikstudentin Natascha Koch über Erlebtes und Erfahrungen in der ersten gemeinsamen ost- und westdeutschen Lehrredaktion nach der Wende in der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München, die im Juni ihr 75-jähriges Bestehen feiert. Dazu erscheint ein Magazin mit Beiträgen ehemaliger und heutiger DJS-Absolventen.

Dresden von oben. Wunderbare Weite, bewegtes LichtFarbWolkenSpiel vor der Stadtkulisse, milde Luft und frischer Wind. Alles dabei. Hoch hinaus zu einer fantastischen Wolkenlandschaft und Aussicht auf die gesamte Stadt ging es am Freitagnachmittag auf die Dachterrasse des SZ-Hochhauses in Dresden für Fotoaufnahmen und ein anschließendes spannendes wie bewegendes Gespräch über unsere Zeit an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München, erstmals mit ost- und westdeutscher Lehrredaktion vom 5. November 1990 bis 29. Februar 1992.

Mit dabei war Heinrich Löbbers, inzwischen Mitglied der Chefredaktion der Sächsischen Zeitung und längst zuhause in Dresden, der mein sächselndes „Nu“ noch in guter Erinnerung hat. 34 Jahre ist das jetzt her. Zum 75-jährigen Schuljubiläum Anfang Juni erscheint ein Magazin. in dem einstige und heutige Absolventen mit ihren Erfahrungen aufeinander treffen. Fotografin Melanie, so hieß mal ein Hit der Puhdys im Osten, den sie nicht kennt, aber ihre Eltern, und Journalistikstudentin Natascha Koch, ihr Vater stammt aus dem Osten und sie besuchten sich oft, befragten und porträtierten auch uns für einen Beitrag im Jubiläums-Heft. Bin gespannt!

Vor dem Gespräch gingen wir für ein paar weitere, aussagereiche Fotos zusammen zum Kongresscenter Dresden hinter dem Haus der Presse. Wir liefen die Treppe hinauf, stellten uns zuerst ein Stück entfernt am Geländer auf, dann nebeneinander und gegenüber. Hennek, so nannten wir ihn in der Journalistenschule, lief oben auf der Terrasse hin und her und schaute übers Elbufer auf die andere Seite. Dann standen wir und schauten zusammen hinüber, ließen den Blick schweifen in die Ferne… Geradeaus und zur Seite. Auf einer Hälfte zogen dunkle Wolken herauf, in der Mitte und dahinter hellere Himmelsfarben. Es kam mir ein bisschen vor wie „Warten auf Godot“, eins meiner Lieblingstheaterstücke von Samuel Beckett, komisch und traurig zugleich über das Warten auf Wunder, den Retter, Erlöser, der alles zum Guten wendet.
Wohin gehen wir, die Entwicklung in unserem Land? Kommen wir uns in Ost und West näher oder entfernen wir uns wieder?

Mit welchem Blick sieht ein ehemals Westdeutscher auf den Osten? Fühlt er sich hier angekommen, akzeptiert und integriert von den Einheimischen? Wie wird er von ihnen wahrgenommen?
Wie fühlt es sich an, aus dem Osten zu kommen? Gehen da Scheuklappen an oder runter? Wie sollten Journalisten aus dem Osten berichten, was kann dabei helfen?
Was wir mit Heimat verbinden? Ob wir uns noch an den ersten Tag an der Journalistenschule in München erinnern? Zu diesen Fragen von Natascha gab es spontan viel zu erzählen, rückblickend auf Erlebtes und mit den Erfahrungen von heute und es ist noch längst nicht alles dazu gesagt. Die Fragen klingen nach, regen an zum weiteren Nachdenken. Über sich selbst, über das Schreiben, wie wir uns begegnen und mit anderen Leuten umgehen, auch wenn uns deren Meinung oder politische Einstellung nicht passt. Über Möglichkeiten und Grenzen von Offenheit, Verstehen wollen und Toleranz.

Wir zeigen Fotos aus der Journalistenschulzeit, darunter von einem Besuch der Berliner DJS-Klasse und Recherchereise in Berln. Hennek ist auf einem Bild mit riesigen, bunt graffitibemalten Mauerrresten zu sehen. Warum er da einen Helm trug?, wundert er sich im Gespräch. Er stand auf dem ehemaligen Grenzstreifen und vor einem Wachturm, in den später ein Club einzog. Ich besuchte und schrieb über das damals noch unsanierte Kunsthaus „Tacheles“(übers.: Klartext, offene Rede) in der Oranienburger Straße 52 in Berlin-Mitte. Sehe noch das mehrstöckige Gemäuer mit den großen Fensterhöhlen, ohne Rahmen vor mir, in denen die Künstler, Musiker und Bewohner saßen, rausschauten, rauchten, musizierten und drinnen konnten man fantasievolle, bunte Wandmalereien sehen, Konzerte im Kellercafé erleben und die wie in einem Bienenstock umherschwirrenden Kreativen und Gäste treppauf, treppab. Die Leute dort kamen aus über 40 Ländern. Das „Tacheles“ war eins der ersten, aus einem ehemals besetzten Haus entstandenen, soziokulturellen Zentren, derer es nach der Wende viele auch in der Dresdner Neustadt gab, Kellerkneipen, Café und Galerien mit urbaner, lebensnaher Kunst. Inzwischen ist der Charme des Bröckligen, Unfertigen weitgehend verloren, vieles schick saniert, geglättet und kommerzialisiert. Es findet kaum noch Kunst im öffentlichen Raum, auf der Straße statt, mitten unter den Menschen.

Er zeigt seinen DJS-Ausweis, Presseausweis hatten wir ja noch nicht, ich wiedergefundene journalistische Beiträge, darunter eine Reportage „Wichtig ist, was man daraus macht“ über Erfahrungen dreier Ostdeutscher, die in München studierten und eine Dialog-Szene zu einer selbst erdachten Fernsehserie samt Exposé „Spätes Rendez-vous mit Kisch“, entstanden innerhalb der TV-Ausbildung. Wir erprobten uns in allen journalistischen Genres und Darstellungsformen. Beide Beiträge haben mich beim Lesen sehr überrascht und gefreut, da ich von ihnen gar nichts mehr wusste und staune, was mir da so alles eingefallen ist mit 24 Jahren und wie zeitlos das Geschriebene teilweise ist, gerade über die Veränderungen im Journalismus und Situation in den Redaktionen in der Umbruchszeit der Wende und heute wieder.

Die Neugier, Offenheit, Schwung, Elan, Ideen und Aufbruchsgeist Anfang der 90er Jahre im wiedervereinigten Land wünsche ich mir sehr für unsere heute wieder an Veränderungen reiche Zeit. Es wurde damals viel gefragt und diskutiert, wenn man etwas nicht verstand oder wusste und spielte bald keine Rolle mehr ob Ossi oder Wessi. Faszinierend wie alle ein Thema jeder auf seine Weise in unserer DJS-Klasse umsetzte und alle sich davon etwas für sich abschauen konnten.

Text + Fotos (lv)

Ein weiterer Beitrag: „Klassentreffen in München: Wiedersehen nach 25 Jahren von Absolventen der Deutschen Journalistenschule“ steht auch auf meinwortgarten.com (vom 7. Nov. 2016, unter „Unterwegs“)


Neugier, Freude, Erinnern und Staunen über gemeinsam Erlebtes, gesammelte Eindrücke und Erfahrungen während der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München: Heinrich Löbbers, SZ-Redakteur lud in sein Büro im Haus der Presse ein für das Gespräch mit DJS-Studentin Natascha Koch und Lilli Vostry, freie Journalistin und Inhaberin des KulturBlogs http://www.meinwortgarten.com


Immer wieder neue Blicke und Sichtweisen auf Menschen, Räume, Situationen:
Fotografin Melanie hielt unser Gespräch motivreich fest. Bin schon sehr gespannt auf die Bilder!


Der Brief noch in die DDR adressiert mit dem Aufnahmeschreiben für die Deutsche Journalistenschule in München.


Auszüge aus meiner Reportage um 1990/91 aus der DJS-Zeit: „Wichtig ist, was man daraus macht“ über die Erfahrungen dreier Ostdeutscher, die in München studierten.


Original Dialog-Szene zur selbst erdachten Fernsehserie „Spätes Rendez-vous mit Kisch“ von Lilli Vostry, entstanden in der DJS.

Kischs Stimme taucht im Redaktionsbüro der Dresdner Journalistin Stella Kirsch auf. Er macht sich mit Zitaten aus einer seiner Reportagen über Stellas langatmige, schwerfällige Kollegen lustig.

Kischs Stimme im Raum:
„Komisch, dass sich die anderen immer die interessantesten Lügen ausdenken und Sie immer nur die langweiligste Wahrheit wissen.“‚

Lokalredakteur:
„Wer spricht da, ohne gefragt zu werden! Was geht es Sie überhaupt an!“

Kisch:
„Ich wollte Ihnen einen Namen machen.“

Lokalredakteur:
„Auf Sie haben wir gerade gewartet! Unsere Auflage liegt immerhin bei über 500 000 Exemplaren. Die Zeitung, die wir machen, spricht also die Leser an.“

Kisch:
„… und unten schleicht geduckt und gedemütigt einer davon, der vieles unternehmen wollte und nichts gekonnt.“

Lokalredakteur:
„Was wollen Sie damit sagen? Dass wir vielleicht zuviel hinterm Schreibtisch hocken, anstatt rauszufahren? Wir bemühen uns. Warum verstecken Sie sich eigentlich, wenn Sie so schlau sind?“
Stella lacht. „Der kann Dich nicht hören.“

(Zitate aus: „Debüt beim Mühlenfeuer“, E. Erwin Kisch, Reportagen, Reclam)

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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