Premiere „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller im Schauspielhaus


Einmal der Größte sein, Erfolg haben, beliebt sein, dann wird`s nie an etwas fehlen. Glaubt Willy Loman, Handlungsreisender. Doch ist das wirkliche Größe? Fotos: Sebastian Hoppe

Der Traum von der großen Freiheit

Wenn der Erfolg auf der Karriereleiter ausbleibt, was bleibt dann noch im Leben? Fragt in traumversponnen schönen, komischen und düsteren Bildern und Szenen die Inszenierung „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller im Schauspielhaus Dresden.

Ein lächelndes Paar im Auto, hinter ihnen schaut ein Kind mit Hund aus dem Fenster auf die Freiheitsstatue in New York. Vor dem romantischen Reklamebild steht Willy Loman (erfolgsbesessen und stur: Torsten Ranft). Er ist Familienvater, fährt als Handelsvertreter tausende Kilometer übers Land und rauft sich das Haar. Beinah hätte er einen Unfall gehabt, da sein Blick einmal in die sonnige Landschaft abschweifte. Er hält einen Moment inne und wird wütend, wenn er daran denkt: „Die Welt ist außer Kontrolle geraten, dieser Wettbewerb ist wahnsinnig!“

Doch Willy Loman macht mit, er kann nicht aufhören. Er misst seinen Wert an seiner Arbeit, an den Erfolgen und dem Umsatz, den er erzielt. Er will es allen zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. In diesem Erfolgsstreben erzieht er auch seine zwei Söhne, Biff und Happy, die buchstäblich aus dem Reklamebild mit dem Familienidyll herausfallen. Der Vater trimmt sie als Basketball-Sportler, dort sollen sie ihm Ehre machen. Ein Sportgeschäft der beiden ist sein Traum. Doch Happy (Yassin Trabelsi) ist ein Tagträumer und schläft wahllos mit Frauen. Biff (sensibler Sonderling: Simon Werdelis) ist durch die Abschlussprüfung gefallen, fühlt sich als Versager und leidet unter dem Leistungsdruck seines Vaters. Er spielt eine Weile das Erfolgs-Spiel mit, um seine Zuneigung zu erlangen, doch er taugt nicht zum Verkäufer und Geschäftsmann. Außerdem steht noch ein Geheimnis aus der Vergangenheit zwischen Biff und seinem Vater, das nach und nach aufgedeckt wird. Immer mehr offenbart sich, dass das ganze vermeintlich erfolgreiche Leben von Willy Loman auf einer Lüge aufgebaut ist.

Davon erzählt dramatisch, tragikomisch und berührend, wobei Traum- und reale Lebensszenen in der Schwebe gehalten sind bzw. Vergangenheit, Erinnerung und Gegenwart sich überlagern, das Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller, in der deutschen Textfassung von Volker Schlöndorff und Florian Hopf, im Schauspielhaus Dresden (Regie: Michael Talke). Mit der Uraufführung 1949 erlebte er seinen Durchbruch als Schriftsteller, für sein Stück erhält er im selben Jahr den Pulitzer-Preis. Es hat bis heute nichts an Aktualität und Ausdrucksschärfe verloren, vielmehr wird die Frage immer brisanter, um den Preis von Erfolg, seine Folgen und was für Werte sonst noch zählen.

Auf der Rückseite des Bühnenbildes mit der heile Familien-Reklame steht der Spruch: „What you will“ (Du kannst es erreichen). Daran hält sich Willy Loman eisern, hat abwechselnd Anfälle von Größenwahn, Wut- und Verzweiflungsausbrüche, dann wieder wird er ganz sanft und still. Im Traum erscheint ihm, wenn er nicht weiter weiß, sein toter Bruder Ben (Hans-Werner Leupelt), ein kraftprotzender Abenteurer mit Fellmütze und Mantel, der Goldgräber in Alaska war und Willy anfeuert mit Sprüchen wie „was riskieren“ und „sich durchschlagen“. Daran klammert er sich und wird immer erschöpfter, depressiver. Seine Frau Linda hält zu ihm, ohne klein beizugeben (stark und feinfühlig: Christine Hoppe), versucht zu schlichten zwischen Söhnen und Vater. Doch die harte Wahrheit, ausgesprochen von seinem Sohn Biff: „Ich bin ein Niemand und du auch!“ erträgt sein Vater nicht. Während die Erkenntnis für Biff eine Befreiung ist: „Ich bin, was ich bin, sonst nichts“, kann Willy Loman nicht damit leben.
Der Traum von der großen Freiheit zerplatzt lautlos wie eine Seifenblase.
Viel Beifall für einen emotionsreichen, spannenden Theaterabend.

Nächste Vorstellung: 6. Mai, 19.30 Uhr im Schauspielhaus.

Text (lv)

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Zeitreise in die Welt der Hippies: Premiere „Hair“ an den Landesbühnen Sachsen

Love, Peace und musikalische Power

So aufregend, flippig-bunt und lebendig kann der Einsatz für eine bessere Welt sein! Das Musical „Hair“ feierte am Sonnabend Premiere an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Sie lieben flippige, farbenfrohe Klamotten und lange Haare, rebellieren gegen autoritäre Machtstrukturen und scheinheilige Moralapostel. „Hair“ – The American Tribut Love Rock-Musical lässt die aufregende Welt der Hippies aufleben. 1968 wurde das Stück am Broadway in New York uraufgeführt (Buch und Liedtexte von Gerome Ragni und James Rado, Musik: Galt MacDermot), 1979 von Milos Forman verfilmt.
Nun feierte „Hair“ in der deutschen Fassung von Nico Rabenald und den Liedtexten von Walter Brandin am Sonnabend Premiere an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Gleich zu Beginn warnt einer der Hippies (Alexander Wulke) schon mal vorsorglich vor den „Drogen verherrlichenden Szenen und Sex-Aufforderungen“ als nicht mehr zeitgemäß und auch nicht der westlichen Leitkultur entsprechend.
Um so mehr wird in der Inszenierung unter Regie von Peter Dehler, der musikalischen Leitung von Michael Fuchs und Uwe Zimmermann und opulenter Ausstattung von Stefan Wiel die zeitlose Botschaft von Love, Peace, Flowerpower and Happyness mit unbändiger Lebenslust, Spielfreude und musikalischer Power zelebriert. Zu fetziger Musik schwingen langhaarige Frauen und Männer in bauchfreien, engen Fransenwesten und bunten Schlaghosen fröhlich und lasziv die Hüften. Da wogen im weißen Bühnennebel Körper auf und ab, raucht man Joints, meditiert, betet, geht gemeinsam auf Sinnsuche und tanzt wild im Rausch der Sinne. Da kommt man zur „Kamasutra-Orgie“ zusammen, feiert die freie Liebe und protestiert auf Eisengerüsten mit bunt bemalten Werbeplakaten gegen den Vietnamkrieg, gegen Rassismus und Sexismus.

Dabei prallen Ideale und Realität immer wieder aufeinander in der bunten, jungen Hippie-Truppe um den lebenshungrigen, exzentrischen George Berger (Baritenor Benjamin Oeser als Gast), seiner unter seinen Eskapaden leidenden Freundin Sheila (kraftvoll: Christin Rettig) und dem aus bürgerlichen Kreisen stammenden Claude (zerrissen von Zweifeln: Holger Uwe Thews). Dann sind da noch Chrissy (temperamentvoll: Julia Rani), die coole Dionne (Sandra Maria Huimann) und die naive, schwangere Jeanie mit dem Engelshaar (Luca Lehnert), die einen Vater für ihr Baby sucht. Mal versucht sie es bei Claude, mal bei dem komischen Kauz Woof (Grian Duesberg). Claudes spießige Eltern, mit witzigen Pappköpfen (Julia Vincze und Alexander Wulke, beide in mehreren Rollen) wollen einen „richtigen Amerikaner“ aus ihm machen. Doch vom als lebensgroße Marionette auftauchenden „Onkel Sam“ aus dem Dollar-Wunderland wollen die Hippies nichts wissen.

Als „wilder schwarzer Mann“ mit Kraushaar und nacktem Oberkörper, der die anderen erschreckt, tanzt mit viel Witz der Brasilianer Anderson Pinheiro Da Silva als Gast. Dann erhält Claude seinen Einberufungsbefehl nach Vietnam. Gesicht und Arme schwarz bemalt, hin und her gerissen zwischen freiem Leben, Pflichterfüllung, militärischem Drill und der Order andere zu töten, spielt Holger Uwe Thews ergreifend diese Gratwanderung. Grandios und mitreißend in Szene gesetzt, begeistern ebenso die Tanz- und Gesangsszenen (Choreographie und Lichtkonzept: Till Nau), mal solo, zu zweit, dritt oder in der Gruppe mal temporeich, mal leise, traumversunken schwebend auf die Bühne gebracht. Übermütig verwegen springen die flippig-bunten Typen auch mal über die Zuschauersitze.

Die Schauspieler bekommen als Hippies Verstärkung von Studenten der Theaterakademie Sachsen. Hits wie „Aquarius“, „Hare Krishna“ und „Let the Sunshine in“, mit denen die Hippie-Gemeinschaft ansingt gegen soziale Kälte und Gewalt gegen Andersdenkende in der Gesellschaft sorgen für Schwung, gute Laune und reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

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Frivole Märchenwelt: „Na, du kleine Maus?!“ im Kleinen Welttheater Radebeul


Joachim Lippmann und Alf Mahlo im Kleinen Welttheater Radebeul.
Foto: Max Patzig

Na, du kleine Maus?!

Das Kleine Welttheater Radebeul zeigt jetzt Märchen P18.

Im Kleinen Welttheater steht heute wieder eine Premiere an. Bisher hieß es „Die schönsten deutschen Märchen… in 70 Minuten“ als fantastisch-komödiantische Reise für jung und alt in die Welt der alten Geschichten. Aber schon als Alf Mahlo im letzten Sommer das Stück seiner Lebensgefährtin und Achim Lippmann aka Clown Lulu präsentierte, bekam er von Zuschauern zu hören: „Das geht ja überhaupt nicht!“ Zu viele Texte waren nicht jugendfrei. Also schrieb Alf das Stück kindgerecht um und so stand der Premiere am Kindertag 2018 nichts mehr im Wege.

Aber jetzt geschah Verwunderliches: „Immer mehr ältere Gäste tauchten im Theater auf, die weder Kinder noch Enkel im Saal dabeihatten“, verrät Mahlo. „Schließlich erinnerte ich mich an eine Szene im Supermarkt, als mein Sohn bereits mit vier Jahren die nicht mehr ganz junge, aber noch ganz ordentlich aussehende Frau hinter uns in der Reihe mit dem Spruch ‚Na, du kleine Maus‘ anmachte.“

Also kam es wie es kommen musste, „alles auf Anfang“. Dafür baute Mahlo das Stück „Die schönsten deutschen Märchen… in 70 Minuten“ noch etwas frivoler aus und ergänzte den Titel um ein „P18“. Kaum war der Premierentermin 4. Mai online, so ging der Run nach Karten los. Regisseurin Henriette Ehrlich dazu: „Ausgerechnet Märchen; das hatte ich so ja gar nicht erwartet. Jetzt ist die Premiere bereits ausverkauft und wir haben eine weitere Veranstaltung für den 14. Juni freigeschaltet.“ Start ist wie immer um 20 Uhr, Möglichkeit eines Dinners besteht ab 18 Uhr im Sonnenhof Altkötzschenbroda. „Und da die Gäste von dort aus trockenen Fußes das Theater erreichen können, ist das doch eine gute Lösung für alle. Es reicht, wenn sie dann im während der Vorstellung feuchte Augen oder sonst wie feucht-‚fröhlich‘ aufgrund der Anspielungen werden“, so Ehrlich weiter.

„Jetzt freuen wir uns auf zahlreiche kleine Mäuse P18 in unserem Kleinen Welttheater. Wir werden da sicherlich gemeinsam genug zum Lachen haben. Achim Lippmann aka Clown Lulu und ich werden die Anspielungen bis dahin nochmals kräftigst ausbauen“, so Mahlo erwartungsvoll.

Weitere Infos: www.kleines-welttheater.de

Text: meeco Communication Services

Festival-Monat Mai im Staatsschauspiel Dresden


„Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“
nach Theodor Fontane. Gastspiel Deutsches Schauspielhaus Hamburg
Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht. Foto: M.©HORN

Von „Effie Briest“ mit Slapstick-Einlagen bis zu Dostojewskis „Schuld und Sühne“

Drei Premieren und viele Gastspiele bieten abwechslungsreiche Kost für Theaterhungrige!

Festival-Monat für das Staatsschauspiel Dresden! Da Staatsschauspiel Dresden ist gleich mit zwei Produktionen zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen ist, mit „Erniedrigte und Beleidigte“ (Regie: Sebastian Hartmann) und „Das große Heft“ (Regie: Ulrich Rasche). „Operation Kamen“ (Regie Florian Fischer) wird bei Radikal jung, der wichtigen Platform für Nachwuchsregie in München präsentiert – „9 Tage wach“ (Regie: Sebastian) Klink eröffnet das 23. Divadelni Flora Festival in Olomouc, Tschechische Republik!

Aber auch das Staatsschauspiel Dresden selbst richtet ein Festival aus:  our stage, das 4. Europäische Bürgerbühnenfestival zeigt vom 18. bis zum 25. Mai elf Produktionen aus zehn Ländern und ein außergewöhnliches Rahmenprogramm mit 38 spannenden Veranstaltungen.

Doch damit nicht genug: Zusätzlich können Sie sich auf drei weitere Premieren freuen. Am 11. Mai, 19.30, feiert „Kasimir und Karoline“ von Ödon von Horváth in der Regie von Nora Schlocker Premiere im Schauspielhaus.

„Früchte des Zorns“ nach dem mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Stück von John Steinbeck, inszeniert von unserer Hausregisseurin Mina Salehpour, steht am Donnerstag, 16. Mai, 19.30 Uhr im Kleinen Haus 1 auf dem Spielplan. Den Abschluss macht am 31. Mai, 19.30 die Premiere von „Schuld und Sühne“ in der Regie von Sebastian Hartmann – nach dem zum Theatertreffen eingeladenen“Erniedrigte und Beleidigte“ ein weiterer von Hartmann inszenierter Dostojewski auf der großen Bühne im Schauspielhaus.

Mit „Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ (Regie Barbara Bürk, Clemens Sienknecht) ist am 4. Mai (19.30) und 5. Mai (19.00) ein hochkarätiges Gastspiel des Schauspielhaus Hamburg im Schauspielhaus als Gastspiel zu sehen. Die Inszenierung war 2016 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und erhielt den Theaterpreis Hamburg in der Kategorie Herausragende Inszenierung/Dramaturgie. Ein ungewöhnlicher Theaterabend mit Slapstick-Elementen, Sarkasmus und Parodie, der dennoch die Konflikte und Stimmungen des Romans perfekt einfängt.

Bürgerbühnenfestival our stage

Das 4. Europäische Bürgerbühnenfestival hält vom 18.–25. Mai elf Produktionen aus zehn Ländern und ein Rahmenprogramm mit 38 spannenden Veranstaltungen bereit. 

Eine inklusive Theatergruppe aus Griechenland eröffnet das Festival mit „the fan-man or how to dress an elephant“. Ein gewöhnlicher Theaterabend mit ungewöhnlichen Menschen. Oder andersherum? Im Schauspielhaus geht es weiter mit „STADIUM“: 53 Fans des französischen Fußballclubs RC Lens machen die Faszination des Stadions auch im Theaterraum erlebbar. In einer Privatwohnung treffen wir bei „a doll’s house“ gemeinsam mit drei Performer*innen aus Dänemark ein echtes Dresdner Pärchen. Lucy und ihr 16-jähriger Sohn Readie aus Schottland stellen für uns in „the ballad of the apathetic son and his narcissistic mother“ ihre turbulente Beziehung ins Scheinwerferlicht.

Wem gehört die Bühne, und was darf gezeigt werden? Das befragt die radikale Tanzperformance „every body electric“ der österreichischen Choreografin Doris Uhlich, in der die Performer*innen ihre Rollstühle und Prothesen als Erweiterung des Körpers verstehen. In dem interaktiven Gesellschaftsspiel „addressless“ werden Sie als Publikum mit der Situation von Wohnungslosen in Ungarn konfrontiert. Ebenfalls als Publikum aktiv werden Sie in „pending vote“ aus Spanien, wenn sich der Theaterraum in ein Parlament verwandelt. In der Tanzperformance „hillbrowfication“, einer südafrikanisch-deutschen Koproduktion von Constanza Macras, kommen Aliens auf die Erde und etablieren eine neue Weltordnung: Wer gut tanzen kann, hat das Sagen.

Beim Kochen erzählen Ihnen Roma-Frauen in „Long live regina!“ Episoden, die sie als Mütter in ungarischen Krankenhäusern erlebt haben. Das Ensemble tritt bei diesem Festival zum ersten Mal außerhalb Ungarns auf. Ein generationsübergreifendes Ensemble aus Belgien macht Sie als Publikum in „Invited“ während der Vorstellung unmerklich zu Ko-Autor*innen der Choreografie. Das Festival endet fulminant mit der Produktion des Schauspielhaus Bochum der „Hamiltonkomplex von Lies Pauwels: Dreizehn 13-jährige Mädchen zeigen sich als Unschuldsengel oder Zombies, mit Misswahl-Schärpen und Maschinengewehren. Und mittendrin ein Bodybuilder, der versucht, der unkontrollierbaren Meute Herr zu werden.

Das Bürgerbühnenfestival wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit der ETC – European Theatre Convention, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste, Societaetstheater.

http://www.buergerbuehnenfestival.de
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Die Premieren

Kasimir und Karoline
von Ödön von Horváth
Premiere 11.5., Schauspielhaus

Die Konjunktur liegt am Boden. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Doch was ist der Mensch ohne Arbeit? Wie sollen sich Sehnsüchte und Träume verwirklichen lassen, wenn sich jedes Gefühl den Gesetzen der Ökonomie unterwerfen und genauestens kalkuliert werden muss? In Horváths Volksstück kasimir und karoline sind alle überfordert. Dabei wollte Karoline doch nur ein wenig Spaß haben und sich auf dem Rummel amüsieren. Doch ihrem Freund Kasimir ist nicht nach Feiern zumute. Er hat seine Stelle verloren. Dass Karoline sich gleich nach etwas Besserem umsieht, macht die Sache nur noch schlimmer: Wütend tigert er zwischen Karoline und Kleinkriminalität umher. Er will mehr vom Leben und weiß doch, er wird es nicht bekommen. Frust macht sich breit inmitten von Verrat und Isolation, der gern mal in Gewalt mündet: Kasimir – der Prototyp eines Wutbürgers?

In Horváths sozialkritischem Drama von 1932, das die Endphase der Weimarer Republik beschreibt und sich zwischen Weltwirtschaftskrise und Kapitalismuskritik bewegt, sind Sätze wie „Die Staaten müssen wieder radikal national werden“ Einfallstore für die Aktualität des Stoffes, ihre Bezüge zum Hier und Jetzt liegen auf der Hand.
Mit Emil Borgeest, Tammy Girke, Jannik Hinsch, Eva Hüster, David Kosel, Raiko Küster, Anja Laïs, Karina Plachetka, Marina Poltmann, Ingo Tomi, Viktor Tremmel und den Musikern Benjamin Arnold, Florian Mayer, Filip Sommer, Georg Wettin, Dietrich Zöllner

Regie Nora Schlocker Bühne Jessica Rockstroh Kostüme Caroline Rössle Harper Musik Marcel Blatti Dramaturgie Julia Weinreich

Früchte des Zorns
Schauspiel in drei Akten nach dem Roman von John Steinbeck von Frank Galati. Deutsch von Gottfried Greiffenhagen und Bettina von Leoprechting
Premiere 16.5.,  Kleines Haus 1

Eine große Dürre hat ihre Lebensgrundlage zerstört. Der Pachtzins kann nicht mehr bezahlt werden, die Grundbesitzer vertreiben sie mit Baggern, und die Familie Joad entschließt sich zu einer Reise ins Ungewisse: Tau­sende Kilometer reisen sie mit wenig mehr als sie am Leib tragen, einmal quer durch die Wüste und über den Kontinent, einer verheißungsvollen Zukunft entgegen. In Kalifornien, so hat man gehört, gebe es Arbeit, Wohlstand und die Hoffnung auf ein besseres Leben, ein kleines Glück. Doch mit jedem Schritt in Richtung des gelobten Landes wachsen Ent­behrung, Ausbeutung und Anfeindung. Die Familie bricht auseinander und verliert sich in einer enttäuschten Schicksalsgemeinschaft von Einwander*innen, in der die Früchte des Zorns reifen.

John Steinbeck schilderte bereits 1939 eindrücklich die Folgen von Großer Depression, Monokultur und Missernten in den Vereinigten Staaten. Die Resonanz war immens: Gegendarstellungen wurden geschrieben, Verbote angestrebt, der Autor als Volksverhetzer diffamiert. Gleichzeitig hatte Steinbeck selbst intensiv recherchiert, war mit einer Gruppe wie der Familie Joad gemeinsam bis nach Kalifornien gereist und wurde als Stimme der Unterdrückten gefeiert. 1940 wurde „Früchte des Zorns mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, 1962 erhielt Steinbeck den Literaturnobelpreis.

Mit Lisa Arnold, Philipp Grimm, Hans-Werner Leupelt, Anna-Katharina Muck, Oliver Simon, Simon Werdelis

Regie Mina Salehpour Bühne Andrea Wagner Kostüme Maria Anderski Musik Sandro Tajouri Dramaturgie Svenja Käshammer/Katrin Schmitz

Schuld und Sühne
nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
Premiere 31.5., Schauspielhaus

So paradox es klingen mag, ich muss behaupten, dass das Schuldbewusstsein früher da war als das Vergehen, dass es nicht aus diesem hervorging, sondern umgekehrt das Vergehen aus dem Schuldbewusstsein.“(Sigmund Freud)

Sigmund Freud analysierte Verbrecher aus Schuldbewusstsein, die kriminelle Handlungen begingen, eben weil sie verboten waren. Bei Rodion Raskolnikow, verarmter Student und Held von Dostojewskis großem Roman, kommt hinzu, dass er sich eine philosophische Theorie zusammengebaut hat, nach der er die Menschen in ‚gewöhnliche‘ und ‚ungewöhnliche‘ einteilt. Letztere hätten das Recht, die ersteren als Material für ihre Ideen und Vorhaben zu behandeln und zu benutzen und eben auch das Recht zu töten. Den Ideen der ‚großen‘ Menschen ist alles unterzuordnen, da nur sie in der Lage seien, etwas Neues zu schaffen. Raskolnikow testet seine Theorie im realen Leben, er ermordet eine Pfandleiherin und als ‚Kollateralschaden‘ auch noch ihre Schwester. Der Mord steht am Beginn des Romans, der dann die schrittweise Aufklärung der Motive, der Ängste und der Irrungen Raskolnikows als spannenden Krimi erzählt. schuld und sühne bietet meisterhaft komponierte Spannung, es ist aber vor allem einer der großen Ideenromane Dostojewskis: Die nihilistische Philosophie Raskolnikows verweist auf menschliche Abgründe und Denkmuster, die immer wieder den dünnen Mantel humanistischer Zivilisation durchstoßen.

Mit Luise Aschenbrenner, Moritz Kienemann, Philipp Lux, Linda Pöppel, Torsten Ranft, Lukas Rüppel, Fanny Staffa, Nadja Stübiger, Yassin Trabelsi

Regie und Bühne Sebastian Hartmann Kostüme Adriana Braga Peretzki Lichtdesign Lothar Baumgarte musik Samuel Wiese Dramaturgie Jörg Bochow

Einladungen/Extras/Gastspiele

56. Theatertreffen Berlin – 13./14.5. + 19./20.5.

„Was bedeutet bemerkenswert im Theater?“ – unter diesem Gesichtspunkt stellt die Jury jedes Jahr Theaterstücke im gesamten deutsch­sprachigen Raum auf den Prüfstand. „Das große Heft“ (Regie: Ulrich Rasche) und „Erniedrigte und Beleidigte“ (Regie: Sebastian Hartmann) wurden ausgewählt und sind damit als zwei der zehn bemerkenswertesten Stücke der Saison zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Dort ist „Erniedrigte und Beleidigte“ am 13. und 14.5. zu sehen, „Das große Heft“ am 19. und 20.5. Es ist damit Abschlussveranstaltung und letzter außergewöhnlicher Höhepunkt des Theatertreffens. Das Staatsschauspiel Dresden ist das einzige Theater, das mit gleich zwei Stücken vertreten sein wird! Überdies wurde „Erniedrigte und Beleidigte am 9. April 2019 im Schauspielhaus aufgezeichnet – und ist dann am 11.5., 20.15 Uhr auf 3sat zu sehen.

radikal jung 2019 – 04.05.

Das Staatsschauspiel Dresden freut sich über eine weitere Einladung! Regisseur Florian Fischer wird „Operation Kamen“ bei Radikal jung, dieser wichtigen Plattform für Nachwuchsregie in München präsentieren. Entstanden ist „Operation Kamen“ in Koproduktion mit dem Archa Theater Prag. Das Festival Radikal jung fördert junge Talente im Bereich der Theaterregie, die sich mit ihren Arbeiten in der deutschen und europäischen Theaterlandschaft hervorgetan haben. Zu sehen ist „Operation Kamen“ im Rahmen von Radikal jung 2019 am 04.05.2019 im Großen Saal des Volkstheaters München.

23. Divadelní Flora Festival 2019 – 15.05.

Aller guten Dinge sind drei! Am 15.5. ist das Staatsschauspiel Dresden mit „9 Tage wach“ (Regie: Sebastian Klink) als Eröffnungs­inszenierung zum 23. Divadelní Flora Festival in Olomouc, Tschechische Republik, eingeladen. Das Flora Festival ist eines der progressivsten und sich am schnellsten entwickelnden Theaterfestivals der Tschechischen Republik, das insbesondere beim jungen europäischen Theaterpublikum sehr beliebt ist.

#wod: gemeinsam für Vielfalt! – 04.5.

Wir haben die Wahl! Es geht um Freiräume – denn Vielfalt braucht Platz zum Pulsieren, Wachsen, Leben. Es geht um Unterschiede, denn diese bringen uns zusammen, wollen gezeigt, verstanden und gestaltet werden – mithilfe eines breiten Spektrums von Kunst und Kultur. Es geht um uns alle, denn wir wollen frei miteinander agieren, leben und unsere Gedanken austauschen. Für ein positives Miteinander und Lust am Wählen. Die Kulturinstitutionen bieten ein buntes Programm zum Zuschauen und Mitmachen!

Gastspiel Schauspielhaus Hamburg: „Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ – 4. + 5.5.

Diese Inszenierung war 2016 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und erhielt den Theaterpreis Hamburg in der Kategorie Herausragende Inszenierung/Dramaturgie. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Alle Register von Running Gags zu Sarkasmus, Slapstick und Parodie, Kalauern, absichtlichen Versprechern und Tierlauten werden in perfektem Timing gezogen […]. Doch das wirklich Erstaunliche […] ist, dass Geschichte, Konflikte und Stimmungen dieses protestantischen Unliebesromans vollkommen sicher getroffen werden.“

Musik zwischen den Welten – 5.5.

Das wilde und mitreißende Ensemble Kolektif Istanbul verbindet in ihrem Programm „patrrirma yazi“ traditionelle anatolische Rhythmen und Melodien mit Funk, World und Jazz zu einem ebenso schweißtreibenden wie freudespendenden Sound, der mit seiner Kraft und Präsenz und seiner musikalischen Vielfältigkeit an ihre bunte Heimat, den kulturellen Schmelztiegel Istanbul, erinnert. Mit modernen Beats und verschiedensten Folk-Elemente entführen die Musiker ihr Publikum in die Heimat und die angrenzenden Länder am östlichen Mittelmeer.

Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten – 10.5.

Ferdinand von Schirachs neues Buch verwebt autobiographische Erzählungen, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat.

In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und Themen ist es das bislang persönlichste Buch Ferdinand von Schirachs. Außerdem wird er einen Vortrag zum Thema Aufklärung halten.

Poetry Slam Dead vs. Alive – 15.5.

Vier deutschsprachige Slam-Poeten treten mit ihren eigenen Slam-Texten („alive“) in einem gnadenlosen Showdown gegen die toten Klassiker der Weltliteratur („dead“) an. Vier Schauspieler*innen aus dem Ensemble leihen dabei den toten Dichter*innen ihre Körper und Stimmen.

Das neue Wunschkonzert – 30.5.

Jeder kennt sie, die alltägliche Frage: Was zieh’ ich heute an? Bei einem tieferen Blick in den Kleiderschrank stellen Mann und Frau manchmal fest: Das besser nicht mehr! Die geliebte Schlagjeans, das Hawaiihemd aus dem letzten Urlaub – nicht mehr tragbar, aber zu schade, um sie wegzuwerfen. Gibt es einen Song, den Sie mit dem Tragen dieses Kleidungsstücks verbinden? Ein Sommerhit? Oder ein Song ihrer Jugend? Am 30.5. fragen wir im Neuen Wunschkonzert mit „old brown shoe – Lieder meiner modischen Entgleisungen“ nach diesen Liedern! Schicken Sie uns Ihren Liedwunsch mit der passenden Geschichte bis zum 6.5. an dramaturgie@staatsschauspiel.de, und mit etwas Glück, erklingt Ihr Lied am 30.5. im Kleinen Haus.

Bürgerbühne
Neues

Wie könnte eine mobile Bühne für unterschiedliche Akteure aussehen, um sich durch Städte und Dörfer zu bewegen? Der Club der entwerfenden Bürger*innen präsentiert am 11.5. im Rahmen der Ausstellungseröffnung „nachbarschaften 2025 – eine Manufaktur der Visionen für Dresden und Europa „im Kunsthaus Dresden seine Entwürfe, die in Zusammenarbeit mit Construct Lab entstanden sind.

Sie warten auf ihren Vater. Der heißt Odysseus und soll nach zehn Jahren Krieg endlich nach Hause kommen. Währenddessen erzählen sie von den Abenteuern, die ihr Vater angeblich erlebt hat. Und von anderen Vätern und deren Heldentaten. Der Club der dramatischen Bürger*innen I bewegt sich in seiner neuen Werkstattaufführung „Wir. Telemach. Von Odysseus und anderen Vätern“ zwischen griechischem Chor und Performance. Am 15. und 28.5. im Kleinen Haus 3.

Weitere Werkstattaufführungen im Kleinen Haus 3: Am 2.5. zeigt der Club der Dramatischen Bürger*innen II noch einmal „Die Liebe ist tot – es lebe die Liebe!“ und sucht nach einer Antwort auf die wiederkehrende Frage, „was unserem Herz die Welt ohne Liebe ist“. Am 3.5. ist „Gegenwind wieder zu sehen: Der Club der beschleunigten Bürger*innen hat sich Zeit genommen, um Wege zu finden aus den immer gleichen Routinen. Am 11.5. zeigt der Club der lehrenden Bürger*innen „Das Institut“. 18 Lehrkräfte aller Schularten haben diskutiert, gestritten, improvisiert und geprobt – auf der Suche nach der perfekten Gemeinschaft.

Das Montagscafé
Vorbei kommen. Fremde Leute treffen. Einfach so.

Das Montagscafé hat jeden Montag von 15 bis ca. 22 Uhr geöffnet: Von 15 bis 17 Uhr gibt es ein Angebot für Frauen (mit Kinderbetreuung) und ab 17 Uhr öffnet das Café für alle mit dem folgenden Abendprogramm: Am 6.5. reisen wir mit „Kunst am
Kopierer“
zurück in die Zukunft. Unter der Anleitung von Josef Panda zeichnen und kopieren wir unsere eigenen kleinen Magazine. Am 13.5. werden wir die internationalen Spieler*innen des Theaterprojekts „Being hier“ auf der Bühne begrüßen. Sie haben im Rahmen des RAC (Refugee Art Center, HELLERAU) im April ihr zweites Stück in der Regie von Ellen Muriel uraufgeführt und zeigen es nun auch bei uns! Das 4. Europäische Bürgerbühnenfestival OUR STAGE unterstützen wir am Montag, den 20.5. mit kosmopolitischem Kochen und Siebdrucken auf der Terrasse des Kleinen Hauses. Am 27.5. werden wir uns – anlässlich der Europawahl am Tag zuvor – im Montagstalk mit dem Thema Europa beschäftigen und dazu verschiedene Expert*innen an unseren Tischen zum Gespräch einladen.f

Text: Gertrud Aringer/Staatsschauspiel Dresden

Theaterstraße 2, 01067 Dresden
Telefon +49 351 4913 755

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Premiere „Hair“ an den Landesbühnen Sachsen

Hair – The American Tribal Love Rock-Musical

Buch und Liedtexte von Gerome Ragni und James Rado, Musik von Galt Macdermot, Die Originalproduktion fand in New York unter der Leitung von Michael Butler statt. Nun erlebt das Hippie-Musical seine Premiere am 4. Mai, um 19 Uhr in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul und Open Air am 8. Juni, um 19.30 Uhr auf der Felsenbühne Rathen. 

Junge Leute um die Hippie-Truppe von George Berger suchen ein neues Lebensgefühl: eine Gesellschaft jenseits von Krieg, Rassentrennung und Autorität. Sie hoffen auf ein Zeitalter im Zeichen des Wassermanns, das geprägt ist durch Liebe, Gewaltlosigkeit und Frieden. Der bürgerliche Claude kommt neu dazu und fühlt sich sofort von dem charismatischen Berger und seinen Freunden angezogen. Doch er hat gerade seinen Einberufungsbefehl nach Vietnam erhalten. Soll er pflichtbewusst in einen unsinnigen Krieg ziehen?

Oder soll er seinen Dienst verweigern, und somit eine Gefängnisstrafe und gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen?

Vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges, des Protestes gegen autoritäre Gesellschaftsstrukturen und des Aufkommens der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung schrieben die Schauspieler Gerome Ragni und James Rado, die sich als Schauspieler am Broadway kennengelernt hatten, HAIR als lyrischen Theater-Text. Galt MacDermot, ein ehemaliger Organist und Kirchenmusiker, komponierte die eingängige, bisweilen an gregorianische Gesänge erinnernde Musik.

Der Regisseur der Uraufführung, Bertand Castelli, wurde als Anführer von Friedensmärschen mehrere Male verhaftet. Michael Butler, der sogenannte ≪Hippie-Millionär≫, brachte 1968 das Musical an den Broadway, wo es über 1800 Auffuhrungen erlebte. 1979 wurde es von Miloš Forman verfilmt. Das Musical ist nicht nur eine brillante Show aus Tanz und Musik, auch die Songs von ≪Aquarius ≫ und ≪Hair≫ bis ≪Hare Krishna≫ und ≪Let the Sunshine in≫ gehen bis heute unter die Haut und vermitteln eine Vision, die jetzt ebenso aktuell ist wie zur Zeit der Entstehung: die einer besseren Welt.

Inszenierung: Peter Dehler a.G.; Musikalische Leitung: Michael Fuchs a.G. / Uwe Zimmermann, Choreographie: Till Nau a. G.;  Ausstattung: Stefan Wiel

Besetzung: Claude -Holger Uwe Thews;  Berger – Benjamin Oeser a.G.; Sheila – Christin Rettig; Hud – Anderson Pinheiro a.G.; Ronny – Alexander Wulke; Chrissie– Julia Rani; Dionne -Sandra Maria Huimann; Jeane – Luca Lehnert / N. N.; Woof – Grian Duesberg; Linda- Julia Vincze; Tribe – Michael Berndt-Canana, Johannes Krobbach, Felix Lydike, Iris Stefanie Maier / N. N.;

Studierende der Theaterakademie Sachsen: Lena Beltermann/ Philipp Trant/ Lisa- Marie Breithaupt/ Max Henel/  Natalie Bernhardt / Katharina Apitz/  Lea Göpel/  Teresa Laura Mann-Fimmel

Die Band: Keyboards : Michael Fuchs a.G. / Uwe Zimmermann; Saxofon: Friedemann Seidlitz / Anja Bachmann; Trompeten: Robert Wintzen, lngolf Barth / Stefan Leitner, Christian Rien; Posaune: Joachim Gelsdorf! N.N.; Gitarre: Flonian Naegli / N. N.; Bass: Tino Scholz / N.N.; Drumset: Sascha Mock / Steffen Roth; Percussion: Hendrik Gläßer / Stefan Köcher

Termine:

4.5., 5.5., 19 Uhr;  7.5., 11 Uhr; 11.5. und 12.5., 19.30 Uhr im Stammhaus der Landesbühnen in Radebeul.

Text: Petra Grubitzsch/LB

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0, Kasse: Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213 http://www.landesbuehnen-sachsen.de 

Felsenbühne Rathen, Amselgrund 17, 01824 Kurort Rathen,
Tel. 035024/ 777-0
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Premiere „Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Wenn das Ampelmännchen zum Nazi wird

Die Tochter zieht ein Dirndlkleid unter der Lederjacke an, um herauszufinden, was deutsch ist. Die Mutter ruft rebellisch: „Macht kaputt, was euch kaputt macht !“ Doch reicht das, um einander zu verstehen? Über Werte, Aussehen und Haltung wird heftig diskutiert und gerungen im Stück „Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski. Die Uraufführung war am Freitagabend auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Die Bühne hat sich in eine Dorfkneipe irgendwo in Sachsen verwandelt. Mit bunten Lämpchen überm Tresen und Zapfhahn mit dem Schild „Außer Betrieb“. Die Zuschauer sitzen ringsum auf Holzbänken an langen Tischen. Wer mag, kann eine Flasche Bier, Radler oder Himbeerlimonade für einen Euro bestellen bei der feschen Wirtsfrau, die Anke Teickner spielt. Ein Stück Alltag aus dem tiefsten Osten kommt hautnah, ungeschminkt und brandaktuell auf die Bühne mit der Inszenierung “Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski. Entstanden als Auftragsarbeit der Landesbühnen Sachsen in Radebeul, fand die Uraufführung am Freitagabend dort auf der Studiobühne statt.

Kundschaft verirrt sich kaum hierher. Der Fernseher läuft fast den ganzen Tag. Für Belustigung sorgt ein Beitrag über eine junge Frau, die mitten auf einer Kreuzung in Berlin vor den Autos keulen- und bänderschwingend umhertanzt, dafür Geld verlangt und ihre Wut über die Verhältnisse im Land herausschreit. Plötzlich bricht sie zusammen. Entsetzt erkennen die Leute in der Kneipe Lisa. Ihre Eltern betreiben die Dorfkneipe. Wenig später wird sie unfreiwillig in ihr Elternhaus zurück gebracht. Im Rollstuhl wird Lisa (beklemmend als knallharte Idealistin: Sophie Lüpfert) mit Laptop auf den Knien von ihrer Mutter hereingefahren, blass, dünn, mit flackernden Augen und voller Zorn auf alle. Als sie ihr Haar zu einem blonden Zopf flechtet, unter der schwarzen Mütze, zu Jeans und Lederjacke, spottet Lisa: “Zeig mir wie du aussiehst und ich sage dir, wer du bist!“

Die Mutter (adrett-besorgt: Anke Teickner) versucht ihre Tochter zu ändern, die Wogen zu glätten. Eine versteht die andere nicht. Der Vater (innerlich brodelnd: Michael Heuser) behandelt Lisa wie einen unerbetenen, störenden Gast. Da sie provozierende Fragen stellt, ob sie mitmarschiert seien wie zum Kirchgang mit den Nazis und was mit ihnen passiert sei. Das löst ebenso komisch-absurde wie haarsträubende, hitzige Wortgefechte in der Familie aus, wann jemand ein Nazi ist, da rebellieren Junge gegen Alte und hauen sich gegenseitig ihren Frust, Ängste, Einstellungen und Vorurteile über Flüchtlinge und die sozialen Konflikte im Land um die Ohren in dieser spannenden Inszenierung von Tom Quaas.

Da witzelt Lisas Onkel Ralf (Matthias Henkel) darüber, wie ein „kleiner Nazi“ aussieht: „Wie`s Ampelmännchen, nur  mit Hitlergruß!“ Wenig später zieht er eine Pistole aus dem Bademantel und zielt auf Lisas Freund Fred (besserwisserisch dozierend: Moritz Gabriel) als vermeintlichen Einbrecher. Dann brennt die Dorfkneipe. Die Familie kann gerade so entkommen und genießt die Aufmerksamkeit, die ihr im TV-Studio mit Blick auf die Altdresdner Kulisse zuteil wird. Nur Lisa fehlt. Sie wurde von Rechtsradikalen zusammengeschlagen, dokumentiert in einer Handy-Aufnahme. Am Ende  herrscht minutenlang betroffenes Schweigen. Herzlicher Beifall für eine Aufführung, die viel Zünd- und Gesprächsstoff bietet, manche Fragen offen lässt, beunruhigt und aufrüttelt. Selbst aufzustehen für das, was einem nicht gefällt.

Text (lv)

Nächste Vorstellungen:

3.5., 5.5., 29.5. und 8.6., jeweils 19.30 Uhr.

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

Tanzwoche Dresden: Bewegungsreiche Vielfalt

Körper in Bewegung und Begegnung

Die 28. Tanzwoche Dresden lockt vom 19. bis 29. April wieder mit zahlreichen  Veranstaltungen an mehreren Spielorten mit internationalen Gästen.

Vom 19.4. bis zum 29.4.2019 inklusive eines grandiosen Nachschlags am 2.5.19 kommen wieder zahlreiche Gäste zu vielen Veranstaltungen im projektteater, Societätstheater, Hygienemuseum, Theaterhaus Rudi, Festspielhaus Hellerau, Staatsschauspiel – Kleines Haus und outdoor an Platzen und Parks dieser schönen Stadt. Es werden Künstler aus Brasilien, Belgien, der Schweiz und natürlich  auch aus Deutschland zu erleben sein.

Im Programm „Begegnung“ – am 27. April, um 19 Uhr im Theaterhaus Rudi – treffen Tänzerinnen aufeinander, die die Sprache des Tanzes nutzen, um ihre individuellen Erfahrungen und Prägungen auszudrücken. Dabei verbinden sich Musik und Tanz auf besondere Weise. Denn die Bewegung im Tanz entsteht aus dem Moment heraus, durch ein aufeinander Eingehen auf die Improvisationskunst der Musiker, ohne vorher zu wissen, was tatsächlich passiert auf der Bühne. Ein spannendes Erlebnis für Künstler wie Publikum!
Den Abend im Rahmen der Tanzwoche gestalten „Elements 4 Emotion“: Annett Schuricht (künstlerische Leitung und Butoh Tanz), Natalie Pichler-Hagge (zeitgenössischer orientalischer Tanz), Silvia Kaiser (Ballett Fusion), begleitet von Florian Mayer an der Violine und Andrea Dorschner an der elektronischen Harfe.

Das gesamte Programm findet Ihr auf  www.tanzwoche.de, www.tanzbuehne-dresden.de, www.dresden.de

Text + Fotos: Tanzbühne Dresden
c/o projekttheater dresden
Tel.: 0049-(0)351-8107600
tanzwoche@tanzbuehne

www.projekttheater.de

Bürgerinitiative Wohnen am Leipziger Bahnhof lädt zu Podiumsdiskussion zum Globus-Markt ein

Einsatz für ein lebendiges, grünes Wohnquartier kontra Globus-Großmarkt

Vier Wochen vor der Stadtratswahl…
Noch immer gibt es keinen klaren Stadtratsbeschluss!

Wenn ihr wissen wollt, welche Parteien sich für Globus stark machen und welche sich für ein neues Wohnquartier einsetzen, dann kommt! „Ich darf für die Grünen als Stadtratskandidatin auf dem Podium sitzen:

Eure Unterstützung im Ringen für das Entstehen eines lebendigen, quirligen, grünen Wohnquartiers würde mir wahnsinnig gut tun! Ich freue mich auf euch!“, sagt Kati Bischofsberger, Stadträtin für Bündnis 90/Die Grünen im Dresdner Stadtrat.
NEU!
Freitag 26.4.2019  19 Uhr   Blaue Fabrik   Eisenbahnstraße 1
Neue Vielfalt für den (Alten) Leipziger Bahnhof – eine Zukunft ohne Globus?

https://wohnen-am-leipziger-bahnhof.de/2019/04/15/26-4-2019-eine-zukunft-ohne-globus-podiumsdiskussion-mit-stadtratskandidaten/

Lesung & Musik mit Ulrich Thiem aus „Die Spieluhr“ bei Büchers Best


Musiker Ulrich Thiem am Violoncello

Die Macht der Malerei und die Magie der Musik

Der Musiker Ulrich Thiem liest aus „Die Spieluhr“ von Ulrich Tukur und spielt dazu Violoncello am 25. April, um 20.30 Uhr bei Büchers Best in der Neustadt.

Eine ungleiche Liebe und die Kraft der Vergangenheit. Die Macht der Malerei und die Magie der Musik. Eine fantastische Reise durch drei Jahrhunderte, in eine beunruhigende Welt zwischen Traum und Wirklichkeit.

Ulrich Thiem, seit Jahrzehnten als Cellist mit seiner Gruppe BACH & BLUES DRESDEN unterwegs, stellt ein Buch vor, das ihn fasziniert hat wie kaum ein anderes. Sein Programm „Die Spieluhr“ beruht auf dem gleichnamigen Buch von Ulrich Tukur, dem in Berlin und Venedig lebenden Weltbürger, Schauspieler/Musiker und Schriftsteller, das er einmal in die Hand genommen und erst aus der Hand gelegt hat, als er am Ende angekommen war.
Mit diesem Programm frönt er seiner Begeisterung, Literatur lesend zu verbreiten und tut dies als Sprecher, mit seinem Cello und weiterem Musizieren (wie Pfeifen und Percussion).
So hört der geneigte Interessent Auszüge aus der Novelle Tukurs, verbunden mit klassischen Kompositionen (J.S.Bach, M.Reger, A.Franchomme u.a.), mit Improvisationen, Geräuschen, auch Rezensionen.

Eintritt: Hut an der Tür

Text + Foto: Büchers Best

Buchhandlung „Büchers Best“, Louisenstr. 37, 01099 Dresden, Tel. (0351) 801 5087

Geöffnet: Mo 12 – 20, Di – Fr 11 – 20, Sa 10 – 16 Uhr

http://www.buchersbest.de

Ausstellung „HORIZONTverschiebung“ von Katharina Probst in der Galerie mit Weitblick Radebeul


„Fliegender Fisch“ & „Rast“: die Künstlerin Katharina Probst vor ihren Arbeiten.

Fliegende Fische und Lavafelder

Vielfarbig-surreale Elblandschaften und Ansichten von Lanzarote zeigt zurzeit die Ausstellung „HORIZONTverschiebung“ von Katharina Probst in der „Galerie mit Weitblick“ Radebeul.

Faszinierende Farbenspiele und Gegensätze von Landschaft,
Kargem und Lebendigem zeigt die derzeitige Ausstellung
“HORIZONTverschiebung“ mit Malerei von Katharina Probst
in der „Galerie mit Weitblick“, Obere Bergstraße 13 in Radebeul.

Ihre Elblandschaften sind den Lanzaroter Ansichten gegenübergestellt. Zu sehen sind von ihr Ölbilder und Aquarelle aus den letzten vier Jahren in der kleinen Wochenend-Galerie mit Atelier, welche die Radebeuler Künstlerin Dorothee Kuhbandner im nunmehr siebenten Jahr betreibt. Nahe der Weinberge gelegen, schauen neben Kunstinteressierten auch oft Spaziergänger hier herein, angenehm überrascht von der farbenfrohen Kunst-Oase. Sie und Katharina Probst kennen sich vom Radebeuler Grafikmarkt und von der Dresdner Künstlermesse. „Ich mag die Farbigkeit der Bilder und den eigenen Stil“, sagt Dorothee Kuhbandner.

Die Bilderwelt von Katharina Probst ist konkret und surreal zugleich, mal verwebt sie Figürliches und Pflanzliches mit Blick auf menschliche Eigenarten romantisch bis skurril. Die neuen Arbeiten sind eine Mischung aus Landschaft und Stillleben. Erlebtes und Erfundenes fließen in reizvollem Kontrast zusammen auf Papier und Leinwänden. “Ich suche einen Ausdruck für ein Erlebnis, ein Gefühl oder Stimmung“, sagt Katharina Probst. Gern sitzt sie am Wasser und lässt sich davon inspirieren. “Dieses Fließen, die Farbreflexe auf dem Wasser. Der Fluss ist für mich wie ein Lebensschiff – eine Lebensreise.“ Die Bilder sind vieldeutig und regen die Fantasie an.

Da schwimmen ein leeres Ruderboot und eine Ente auf der Elbe. Gleitet ein Ruderer durch wogende Farbstrudel. Sieht man feuerrote und verbrannte, ascheschwarze Berge. Schwarzer Strand und Meerblau. Dunkle Schlackewüste, erstarrte Lava und rot saftige Kaki-Früchte. Kaki und Zitrone. „Der Fang des Tages“, ein Papageienfisch, liegt ausgebreitet. Ein fliegender Fisch im weiten Himmel, garniert mit Lauchstangen und darunter aufragende Berge, ist buchstäblich eingefangen im Titelbild der Ausstellung. Die „Horizontverschiebung“ bezieht sich auf den besonderen Blickwinkel, wie Katharina Probst die Landschaft in Lanzarote erlebte. „Es ist eine Insel der Elemente. Der Sternenhimmel erscheint greifbar nah und das Meer als ein blaues, ewig weites Band am Horizont. Die Wahrnehmung ist eine andere und der Blick erweitert sich“, erzählt sie. Im Dezember 2018 führte sie eine Studienreise in den Süden von Lanzarote. Sie wohnte bei Freunden. Abends saß Katharina Probst in der Küche und malte zusammen mit einer Freundin, die Musikerin ist.

Aus dem Erlebten, Erfahrungen, Erinnerungen und nach fotografischen Skizzen entstehen ihre Bilder. Sei ihrer Teilnahme an den „Vogtländischen Malertagen“ 2014 holt Katharina Probst zunehmend Landschaftserlebnisse auf die Leinwände. Sie wurde 1965 in Crimmitschau/Sachsen geboren. 1990 begann ihre künstlerische Arbeit. Katharina Probst studierte von 1997 bis 2001 Theatermalerei an der Dresdner Kunsthochschule,  arbeitete als Theatermalerin im Landestheater Eisenach und als Kostümmalerin an der Semperoper Dresden. Seit 2008 lebt und arbeitet Katharina Probst als freischaffende Malerin und Grafikerin in Dresden. Sie schätzt besonders den Renaissancemaler Hans Holbein d.J. und den naiv-surrealen Maler Henry Rousseau. Die Ausstellung “HORIZONTverschiebung“ ist noch bis 1. September in der „Galerie mit Weitblick“ Radebeul zu sehen.

Text + Fotos (lv)
Weitere Fotos zur Ausstellung folgen.

Geöffnet: Sa & So 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.
Die Künstlerin ist am 13., 14., 20., 27. und 28.4. anwesend.

http://www.doro-malerei.de