Jubiläumsgala Fünf Jahre Boulevardtheater Dresden & Premiere „Barock me, Gräfin Cosel“


Publikumslieblinge Egon Olsen und Pippi Langstrumpf

Mit Herz und Humor: die beiden Geschäftsführer des Boulevardtheaters, Morten Ernst und Olaf Becker verstehen ihr Publikum immer auf`s Neue zu überraschen. Fotos: Robert Jentzsch

Barock me Cosel zur Jubiläumsfete

Eine bunte Schar witzig bis schrill-skurrller Gestalten – die Stars der aktuellen Inszenierungen und aus den beliebtesten Produktionen der vergangenen fünf Jahre – spielten und feierten mit 500 Gästen das fünfjährige Bestehen der Spielstätte.


Mit einer großen Jubiläumsgala hat das Boulevardtheater Dresden am vergangenen Samstag sein fünfjähriges Bestehen gefeiert. Der Abend präsentierte sich als ein großes gemeinsames Fest im gesamten Haus und bot eine einmalige Show anlässlich der Theatereröffnung am 14. September 2014.

 In einer festlichen und herrlich amüsanten Gala erlebten die 500 Gäste die Stars aus dem aktuellen Spielplan und viele Publikumslieblinge aus den beliebtesten Produktionen der vergangenen fünf Jahre einmal ganz anders. Dieser Abend war das einmalige und gemeinsame Erlebnis zum fünften Geburtstag einer verrückten Idee.

Das Publikum sah ein feierliches, überraschendes und emotionales Miteinander – mit Lieblingsliedern und großen Hits, so manche Anekdote aus den bisherigen turbulenten Jahren und jede Menge Spaß. Die Lieblingskünstler aus dem Lieblingstheater ihrer Lieblingsgäste musizierten zusammen mit der Lieblingsband des Hauses – und nichts schien unmöglich.

Da traf Pippi Langstrumpf auf einen mächtig gewaltigen Egon, auf die ollen dollen Tortenkiller, auf Bernd Seifert, den Klempner der Herzen, auf Charleys Tante im Chor mit frivolen Doktoren, Pastoren und Lehrern. Die Mama aus Belcanto schmetterte ihre Lieblingsarie, die Legenden erhoben ihre Stimmen im Osten und feierten mit der perückten Gräfin Cosel eine Fete, die schier nie enden wollte… 

Dass der Abend zum Fest für alle Sinne wurde, dafür sorgten das Hotel Suitess mit einem zünftigen BBQ-Buffett, Susi Sorglos mit leckeren Suppen, LisaLi mit köstlichen Eissorten sowie Viba Erlebnis-Confiserie und Café mit unwiderstehlichen Dessert-Variationen. Für die gute Unterhaltung vor, zwischen und nach der Jubiläumsgala sorgten u.a. 2hot, DC Marc, das Duo Mimikry, Close-Up Magier und ein Pyrografie-Schnellzeichner mit Wunderkerzen.

Hintergrund

Das Boulevardtheater Dresden ist mittlerweile die beliebteste Adresse für Unterhaltung und Volkstheater in der sächsischen Landeshauptstadt. Seit dem 14. September 2014 heißt es „Vorhang auf“ und „Bühne frei“ für die hohe Kunst des Amüsements und der herzerfrischenden Unterhaltung in Dresden. Komödie, Märchen und Konzert – Comedy, Lesung und Show – für Kinder und Familien, für Erwachsene jeden Alters, für Gruppen und Firmen – das ist das ganzjährige Unterhaltungsprogramm für alle Dresdner und die Gäste der Stadt. Neben jährlichen Neu-Inszenierungen gibt es im Haus in der Maternistraße (ehemals Theater Wechselbad) auch besondere Dresdner Klassiker, faszinierende Märchen, einzigartiges Sandtheater, kultige Musik- und Theatershows zu erleben oder auch die berühmten frivolen Komödien, welche erst für Besucher ab 18 Jahre empfohlen werden. Weitere empfehlenswerte Gastspiele von lokalen, nationalen und internationalen Künstlern ergänzen den abwechslungsreichen Spielplan.

Die nächste Premiere ist „Barock me, Gräfin Cosel“ – ein perücktes Musical über Macht, Mätressen und Magie am 27. Oktober, um 18 Uhr im Boulevardtheater Dresden.

Text: Rex Jakob/Boulevardtheater

http://www.boulevardtheater.de

Demo zum Klimaschutz weltweit am 20. September auch in Dresden

Ich bin Clara Mayer, 18 Jahre alt, komme aus Berlin und mache bei „Fridays for Future“ mit. 

Bei meinem ersten Streik fürs Klima waren wir nur ein paar Hundert Leute, kaum jemand hat uns beachtet. Aber beim letzten großen Aktionstag waren wir 300.000 Menschen deutschlandweit. In Berlin war es so voll, überall Leute. Es war krass! Aber es ist auch frustrierend. Denn wir streiken jetzt seit einem halben Jahr. Und die Bundesregierung tut nichts. Sie redet nur. Wir Jugendlichen müssen weiter zuschauen, wie Erwachsene unsere Erde verheizen. Und unsere Zukunft.

Wenn die Regierung auf uns alleine nicht hört, dann müssen jetzt auch die anderen Generationen dabei sein. Deswegen hat Greta Thunberg zum größten Streik der Erde aufgerufen. Am Freitag, den 20. September streiken wir weltweit – und diesmal brauchen wir auch Euch, die Erwachsenen! An diesem Tag entscheidet das Klimakabinett der Regierung über die neuen Klimagesetze.

Überall in Deutschland soll es Demos und Kundgebungen und Aktionen geben. Das schaffen wir nicht allein. Dafür brauchen wir Organisationen wie Campact, die wissen, wie man Erwachsene auf die Straße bringt.

Campact will uns mit Hunderttausenden Plakaten und Flyern unterstützen, mit Videos für den Streiktag und jeder Menge Hilfe bei den Bühnen und Lautsprechern. So könnte das wirklich klappen mit dem größten Streik der Welt! Aber der September ist schon bald, also müssen wir gleich loslegen. Deswegen bitte ich Sie: Unterstützen Sie uns Schüler*innen. Machen Sie mit Ihrer Spende den größten Klimastreik der Welt möglich! Schon 10 Euro sind eine große Hilfe.
Spenden Sie bitte hier für den großen Klimastreik
Ich kann heute leider nicht spenden

Einsatz für Klimaschutzpaket

„Es reicht nicht mehr, dass nur wir jungen Menschen streiken“, sagt Jakob Blasel, 18 Jahre, Aktivist von Fridays for Future. „Alle müssen jetzt mitmachen, denn es geht um die Zukunft unseres Planeten.“ Jakob und seine Mitstreiter*innen wollen etwas historisch Einmaliges erreichen: einen weltweiten Klimastreik mit Millionen Menschen – alle Generationen an Tausenden Orten. Am Freitag nächste Woche, den 20. September. Deshalb setzt Jakob darauf, dass Sie dabei sind: bei Ihnen in Dresden.

„Wenn genug Menschen mitmachen, könnte der 20. September ein Wendepunkt sein,“ sagt Jakob. Zu Recht. Denn selten war Protest so optimal terminiert. Am gleichen Tag entscheidet die Regierung über ihr Klimaschutzpaket. Sie will die wichtigen Fragen knacken: Ob wir ein Klimaschutzgesetz bekommen. Wie schnell der Kohleausstieg geht. Ob ein CO2-Preis kommt – und in welcher Höhe. Sie sehen: Es geht um alles. SPD-Vizekanzler Olaf Scholz hat ambitionierten Klimaschutz gar zur Koalitionsfrage erklärt.[1]

Schon jetzt sind CDU/CSU und SPD in Aufregung. Sie ahnen, dass ihnen die Wähler*innen davonlaufen – weil sie beim Klimaschutz versagen. Protest von Hunderttausenden in allen Ecken Deutschlands: Das zeigt der Koalition – sie muss handeln. Dafür braucht es jetzt Sie. Protestieren Sie nächste Woche Freitag mit!

Überall im Land versammeln sich am Freitag, den 20. September Rentner*innen, Berufstätige und Familien mit ihren Kindern. Schüler*innen, Auszubildende und Student*innen. Manche können sich nur zwei Stunden frei nehmen, schauen während der Mittagspause vorbei. Jeder Mensch, jedes Plakat zählt: Auch bei Ihnen um die Ecke ist was los – machen Sie den Protest stark, kommen Sie vorbei.

Dresden, Hauptbahnhof, 11:55 Uhr

Sagen Sie uns jetzt Bescheid, ob Sie am 20. September dabei sind. Klicken Sie hier:

Ja, ich bin dabei!
Nein, ich kann leider nicht
„Wenn wir jetzt nichts unternehmen, gibt es keine Zukunft für uns“ – Jakob protestiert jeden Freitag für das Klima. Zusammen mit Hunderten Jugendlichen in seiner Stadt und gemeinsam mit Millionen weltweit. Die jungen Menschen haben das Klima-Thema ganz oben auf die politische Agenda gebracht. Doch gehandelt hat die Politik bisher nicht. Dafür müssen wir ran – die Erwachsenen, die Wähler*innen. Beim großen Klimastreik stehen alle Generationen zusammen.

Jakob und seine Mitstreiter*innen sind seit Wochen am Wirbeln: Plakate aufhängen, Lautsprecher anmieten, Schilder malen – es ist viel zu tun. Doch die Jugendlichen sind nicht allein. Umwelt- und Sozialverbände, Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen rufen am 20. September ihre Mitglieder auf, mitzustreiken. Viele Unternehmen wollen mit der kompletten Belegschaft auf die Straße gehen. Es kann die größte Klimademo werden, die es jemals gegeben hat. Wir haben die Chance, Geschichte zu schreiben.

Jetzt kommt es auf Sie an: Stellen Sie sich an die Seite der jungen Menschen. Gehen Sie am 20. September auf die Straße. Fordern Sie gemeinsam mit Jakob und seinen Mitstreiter*innen von der Regierung: Handelt, bevor es zu spät ist! Klicken Sie hier und sagen Sie uns, ob Sie beim großen Klimastreik in Dresden dabei sind. Können wir auf Sie setzen?

Ja, ich bin dabei!
Nein, ich kann leider nicht
Herzliche Grüße

Matthias Flieder, Campaigner
Christoph Bautz, Campact-Vorstand

PS: Von Tromsø in Norwegen bis Kapstadt in Südafrika, von Tijuana in Mexiko bis Tokio in Japan – weltweit sind am 20. September Millionen auf den Straßen, damit wir beim Klimaschutz im letzten Moment das Ruder noch rumreißen. Sorgen Sie mit dafür, dass auch Dresden bunt und lautstark mit dabei ist!

 

Ja, ich bin dabei!
Nein, ich kann leider nicht
[1] „Scholz erklärt Klimapolitik zur Koalitionsfrage“, Spiegel Online, 2. September 2019
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„Die Vermessung der Welt“ zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt an den Landesbühnen Sachsen

Ein weltumspannendes Abenteuer

„Die Vermessung der Welt“ nach dem Roman von Daniel Kehlmann in der Bühnenfassung von Dirk Engler kommt als bilderreich-raumspielerisches Stück über Forscherdrang und Verantwortung für die Natur, Leben und Werk der zwei Wissenschaftler-Genies Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß am Sonntag, dem 22. September, um 19 Uhr auf die Bretter der Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Weitere Aufführungen: 4. und 19. Oktober, um 19.30 Uhr.

Extra zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt (geb.14 September 1769- gest. 6.5.1859) haben wir „Die Vermessung der Welt“ nach dem Roman von Daniel Kehlmann für drei Vorstellungen wieder aufgenommen.

Zum Deutschen Naturforscherkongress 1828 in Berlin treffen sich zwei Wissenschaftler, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Alexander von Humboldt, Forscher, Abenteurer und «zweiter Entdecker Amerikas», und Carl Friedrich Gauß, Mathematiker, Astronom und Misanthrop. Und doch haben beide ein Ziel und eine Passion: die Vermessung der Welt.

Der ehemalige Student der Geologie und Mineralogie an der Bergakademie Freiberg, Humboldt, erforscht mit großer Akribie alles, was ihm begegnet. Er kämpft sich durch Urwald und Steppe, kostet Gifte, befährt den Orinoco, besteigt Vulkane, begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern. Gauß hingegen verlässt einen Ort, an den er sich gewöhnt hat, nur unter Strafandrohung und kommt so sein Leben lang nicht über das Planquadrat Braunschweig / Göttingen hinaus. In seinem Kopf wird der Raum, den er nie gesehen hat, berechenbar. Er, der nicht ohne Frau leben kann, springt selbst in seiner Hochzeitsnacht aus dem Bett, um eine Formel zu Ende zu bringen. Gauß dringt in Sphären vor, wo sich im Unendlichen die Parallelen berühren und entdeckt fünfzig Jahre vor Einstein durch abstrakte Betrachtungsweise, dass der Raum gekrümmt sein muss.

Mit Fantasie und viel Humor beschreibt Kehlmann das Leben dieser beiden Genies und ihr Ringen um Erkenntnis mitsamt ihren Sehnsüchten und Schwächen, zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg. Was beide zu einer Einheit werden lässt, ist die spannende Frage nach dem Verhältnis von Geist und Raum, das sie auf jeweils eigene Art definieren und leben. Ein weltumspannendes Abenteuer, das die große Welt in poetischer Verdichtung auf die Bühne bringt!

Kurz: Zum Deutschen Naturforscherkongress 1828 in Berlin treffen sich zwei sehr unterschiedliche Genies: Alexander von Humboldt, Forscher und «zweiter Entdecker Amerikas», und Carl Friedrich Gauß, der große Mathematiker und Astronom. Und doch haben beide das gleiche Ziel: die Vermessung der Welt. Was sie zu einer Einheit werden lässt, ist die spannende Frage nach dem Verhältnis von Geist und Raum, das sie auf jeweils eigene Art definieren und leben. Ein höchst vergnügliches und weltumspannendes Abenteuer, das die große Welt in poetischer Verdichtung auf die Bühne bringt!

Text: Petra Grubitzsch/LB

Inszenierung: Lutz Hillmann; Ausstattung: Miroslaw Nowotny

Darsteller:

Daguerre  -Anke Teickner; Humboldts Assistent, Büttner, Lampe, Wahrsager, Eingeborenen, Missionar, Stimme, Vogt – Tom Hantschel – Alexander von Humboldt  – Michael Berndt-Cananá; Bonpland –Felix Lydike;  Gauss – Grian Duesberg; Eugen, Eingeborener 2  – Johannes Krobbach; Alle Frauenrollen, Herzog, Der Bärtige, Eingeborener 3  – Julia Vincze

Auskünfte und Kartenverkauf:  Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH ,

Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/ 89 54 214, Fax 0351/ 89 54 213, www.landesbuehnen-sachsen.de 

Premiere „Spielplatzhirsche“ in der Comödie Dresden


Zupackend, cool, mitfühlend und für jeden Spaß zu haben: Keine Superdaddys, aber symphatische Kerle, die das Vatersein wagen, geben spielend, singend, tanzend alles in der Karaoke-Komödie „Spielplatzhirsche“ in der Comödie Dresden. Foto: Chris Gonz

Witziger Ausflug ins Vatersein

Humorvoller Rollentausch. Wie Männer den Alltag mit Job, Frau und Kindern erleben und durchstehen, davon erzählt die turbulente Karaoke-Komödie „Spielplatzhirsche“ in der Comödie Dresden.

Sie steigen mal übermütig, mal gestresst auf den Kletterturm. Bewerfen sich mit Windeln und wischen sich dunkle Spritzer vom Kragen. Sie lästern, leiden und kämpfen um ihr Glück, ihren Job und ihre Familie. Die drei Kerle sind keine Superdaddys, aber sie wagen das Abenteuer des Vaterseins. Davon erzählt die turbulente Karaokekomödie „Spielplatzhirsche“ von Christian Kühn, der auch Regie führt. Premiere war unlängst in der Comödie Dresden.

Ein junger Vater sitzt allein mit Kinderwagen auf der Bühne, schreckt aus dem Schlaf hoch. Sein Sohn Fin ist verschwunden. Stattdessen sitzt da eine alte, schrullige Frau in eine Decke gehüllt, die ihn erst aus ihrem „Schlafzimmer“ von der Bank hochscheucht und dann zuhört. Da steht noch die Karaoke-Maschine , das Geburtstagsgeschenk für Fin, Rettungsanker und Gute-Laune-Kasten zugleich für seinen Vater Paul (Benjamin Sommerfeld). Der Spielplatz wird zur drehenden Bühne mit bunt flackernden Scheinwerfern, wo die drei Väter nacheinander auftauchen, nachts wenn die Kleinen schlafen oder auch nicht, und die wichtigsten Überlebenstipps austauschen. Und dabei mal voll aufdrehen, lässig und cool auftreten und mal geschafft, zweifelnd und traurig, ob Karriere Kinder stört oder umgekehrt, dahocken mit dem passenden Song dazu von HipHop bis sanftem Pop.

Da ist der sechsfache Vater Bernd (herzergreifend komisch: Ramón Hopman), der im Schlafanzug und Bademantel mit seinem Hund Gassi geht, das Babyphon und immer einen weisen Spruch parat hat. Der lustig mit Windeln jongliert, genüsslich einen Schokoriegel isst, was er sonst nicht darf, weil seine Frau nicht nur vegan kocht, sondern auch schimpft mit der Rasselbande: „Euer Zimmer sieht ja aus wie im Hirsefeld! Ihr Faulpilze!“ Paul zeigt eine Narbe an seinem Arm, wo seine Freundin Jule hineinbiss während der Wehen. Und dann dieser Schlachtergeruch im Kreißsaal! Im schicken Anzug und Bierflasche in der Hand liegt Florian (EX-Bachelor Daniel Völz) entspannt auf der Kletterbrücke und denkt sehnsuchtsvoll ans Büro, den magischen Ort ohne Kinder. Seine kleine Tochter habe mehr Oktaven drauf als Maria Carey. Paul findet Kindergeschrei ganz praktisch, dann weiß man wenigstens, wo er das Kind abgelegt hat.

Amüsant der Videochat des ausgebüxten Florian und seiner energischen  Frau Jessica (Dorothea Kriegl) und den als “mobiles Büro“ einspringenden Vätern. Herrlich komisch der Geschichtenvorlese-Wettstreit aus „Aschenputtel“ zwischen Bernd, der mit Zipfelmütze und verstellter Stimme geräuschvoll mit den Figuren mitleidet und dem cool triumphierenden Florian mit Krone und ihr Streit um einen Kita-Platz.

Alle Frauenrollen spielt Charlotte Heinke und bietet den drei Vätern humorvoll Paroli. Sie ist als obdachlose Frau, Karrierefrau, Pauls Schwiegermutter und als Therapeutin zu sehen. Witzig-märchenhafter Höhepunkt ist der Auftritt der Erwachsenen zum Kindergeburtstag als edler König, gute Fee und tapferer Ritter, der den bösen Drachen besiegt. Viel Beifall für diese offenherzig-ehrliche Komödie über das Leben mit Kindern und die wundervolle Gabe, die Welt mit Kinderaugen zu sehen.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

Premiere „Schuldenmädchen-Report“ auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus


Heftiger Anfall von „Kreditoris“: Wilma Moneta ist es leid, die Schuldenlast ihres Mannes durch den Kredit für die Zweitapotheke länger zu tragen. Szene aus dem Stück „Schuldenmädchen-Report“ im Kleinen Haus. Foto: Sebastian Hoppe

Witzig-offenherziger Austausch über Konsumlust und
“Kreditoris“

Fünf Frauen erzählen freimütig über das Reizthema Geld und Schulden im Stück „Schuldenmädchen-Report“ von Vanessa Stern, das am Sonntagabend Premiere hatte im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Sie schreiten wie auf dem Laufsteg zwischen Getränkekisten
vom Supermarkt umher. Tragen Kistenberge auf und ab, verstecken sich dahinter und halten die Kästen zärtlich an ihren Körper im Kaufrausch. Sie reden offen über ihre Schulden und wie sie am besten „kreditoral“ zum Höhepunkt kommen. Rund um das Reizthema Geld erzählen fünf Frauen über ihre persönlichen Erfahrungen damit. Witzig, freimütig und offenherzig geht es zur Sache im  „Schuldenmädchen-Report“ von Vanessa Stern. Premiere dieser ersten Produktion unter dem neuen Leiter der Bürgerbühne, Tobias Rausch, war am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Zusammen mit fünf Dresdnerinnen von Mitte 20 bis 60 Jahren entwickelten
die Regisseurin Vanessa Stern und der Dramaturg Dietmar Schmidt das Stück, das sich mit der Absurdität von Schulden und dem Umgang damit beschäftigt. In ironischer Anlehnung an die Softporno-Serie „Schulmädchen-Report“ aus den 1970er Jahren, bei dem junge Frauen in gestellten Interviews auf der Straße zu ihrer Sexualität befragt wurden, sprechen die Schuldenmädchen ungefragt, ungeniert und selbstbewusst darüber, wie sie in die Schuldenfalle tappten und sich befreiten von ihren Schuldgefühlen.

Als Spielfläche dienen bunte Getränkekisten. Vor Mikro und Kamera befragen sich die fünf Frauen in farbigen Overalls gegenseitig in kurzen Szenen zu flotten Klängen über Einkäufe, Schuldenhöhe und Kreditwürdigkeit. Sie zeigen sich cool-verführerisch mit herausgewölbten weißen, leeren Hosentaschen und als kraftprotzende, bedrohliche Inkasso-Geldeintreiber. Jede in der Schuldenmädchen-WG hat ihr Päckchen zu tragen. Begonnen bei der Studentin (Luise Kropp), die weniger finanzielle als emotionale Schulden hat. Ihre Eltern finanzieren das Studium für drei Kinder und mussten für sie einen Bafög-Kredit aufnehmen. Da ist die von ihrem Mann verlassene Apothekersfrau (kraftvoll-selbstironisch: Wilma Moneta), die für ihn einen Kredit aufnahm, erst sein Jungbrunnen war und nun mit „Kreditphobie“ und einem Schuldenberg kämpft.

Mit einem lustigen Vogel-Tattoo auf dem Rücken, der laut piept und krr…die Krallen zeigt, macht „Schuldenmädchen“ Ruth Mader ihr und den anderen Frauen Mut. Sie ist 30 und will keine Kinder, die sie weder der Familie noch der Gesellschaft schulde. Als Veganerin fühlt sie sich dafür moralisch überlegen. Julia-Marie Beier gerät in ein humorvoll-nachdenkliches Gespräch mit Gott, ihrem „ewigen Gläubiger“, der sich wiederum über den neuen Gott namens Kredit aufregt.

Herrlich komisch auch der Workshop zur Transformation des „negativen Eigenkapitals,“ anstelle des verpönten S-Wortes, und der Austausch der Schuldenmädchen auf ausgerollten Matten über das Phänomen „Kreditoris“, die offensichtlich nur Frauen haben und mit dem Hormon „Schuldosol“ auch leicht zu stimulieren und verführbar sind bis zum Höhepunkt mit Schufa-Auskunft, Kreditvertrag und tief im Dispo. Viel Beifall für einen amüsant nachdenklichen Theaterabend über Haben und Sein.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Ostrale Biennale 2019 schließt erfolgreich


Anya Janssen, Niederlande, Öl auf Leinwand: „Die Leute sagen, ich bin anders.“

Biennale-Zwischenjahr 2020 mit Gastspielen in Rijeka, Kampala und Nairobi

Die diesjährige internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste OSTRALE Biennale schloss Anfang September nach gut neun Wochen ihre Tore. Sie fand in diesem Jahr als Zwischennutzung in der von einem privaten Bauherren zur Verfügung gestellten, historischen Zigarettenfabrik f6 und parallel in mehreren Häusern im Stadtgebiet statt. Obwohl sie in diesem Jahr elf Tage weniger geöffnet hatte als zuletzt und diesmal die gesamten Sommerferien in der Ausstellungszeit lagen (2017: nur 2 Ferienwochen), hatte die diesjährige OSTRALE Biennale mit ca. 28.000 Besuchern fast genauso viele wie beim letzten Mal (2017: ca. 30.000). Gegen Ende konnten an manchen Tagen trotz der Hitze bis zu ca. 1.500 Kunstfreunde gezählt werden. In den nur zwei Wochen nach den Ferien kamen im Rahmen des Kunstunterrichtes auch ca. 5.000 Schüler (225 Schulklassen) aus ganz Sachsen.

Da die OSTRALE über keinen festen Veranstaltungsort mehr verfügt, sucht der OSTRALE Zentrum für zeitgenössische Künste e. V. für das nächste Biennale-Jahr 2021 bereits nach einem neuen Gebäude in Dresden. Die dortige Veranstaltung soll erneut durch mehrere dezentrale Ausstellungen ergänzt werden. Im kommenden Jahr 2020 wird die OSTRALE einen Teil der soeben in Dresden gezeigten Werke unter anderem auch in der Europäischen Kulturhauptstadt Rijeka (Kroatien) präsentieren. Die Stadt Dresden bewirbt sich für das Jahr 2025 ebenfalls als Europäische Kulturhauptstadt.

Die Dresdner und ihre Gäste haben die Ausstellung und die Ergänzungen durch Symposien, Workshops und Artist in Residence nach Einschätzung der Organisatoren erneut sehr gut angenommen. Gleiches gilt für die im Stadtgebiet verteilten Ausstellungen, wie unter anderem im Ausländerrat, in der ehemaligen Haftanstalt Bautzner Straße und im Goethe-Institut Dresden. In diesem Biennale-Jahr waren insgesamt über 300 Werke von 180 Künstlern aus über 34 Nationen zu erleben. Ihr Spektrum deckte erneut alle Gattungen der zeitgenössischen Kunst ab.

„Gern würden wir auch künftig als ‚Raumpionier‘ eine möglichst umfassend kuratierte Schau aktueller internationaler Kunst in einem Stadtteil Dresdens präsentieren, an dem sie sonst nicht so stark vertreten wäre. Dafür werden wir wieder ca. 8.000 Quadratmeter Gebäude plus Freigelände benötigen. Es wäre grandios, wenn wir ein vorübergehend leerstehendes Gebäude beleben könnten.“, so die Biennale-Direktorin Andrea Hilger.

2020: Biennale-Zwischenjahr mit Auftritten Rijeka, Kampala und Nairobi

Emina Višnić, Direktorin von Rijeka 2020, kündigt an: „Die OSTRALE hat in den letzten Jahren bereits das Programm Europäischer Kulturhauptstädte bereichert, wie in Pécs (Ungarn, 2010), Wroclaw (Polen, 2016), Valletta (Malta, 2018) und anderen Partnerstädten. Sie wird ihr aktuelles Konzept ‚-ismus‘ in Rijeka unter dem Titel ‚Watergate‘ in unsere drei Schwerpunktthemen ‚Arbeit, Migration und Wasser‘ einbinden.“. „Wir freuen uns außerordentlich, dass wir im kommenden Biennale-Zwischenjahr erneut das Programm einer Europäischen Kulturhauptstadt mitgestalten dürfen. ‚Watergate‘ wird Elemente unserer diesjährigen Ausstellungsthemen ‚Ismus‘, ‚WomanIsm‘ und ‚MigARTion‘ vereinen.“, freut sich auch Andrea Hilger.

Die Präsentation in Rijeka ist im kommenden Jahr 2020 nicht das einzige Auslandsgastspiel der OSTRALE. Antka Hofmann, eine der Kuratorinnen der OSTRALE Biennale: „Wir werden mit unserem Projekt ‚WomanIsm‘ in Uganda und in Kenia gastieren und dort mit spannenden Partnern, wie dem Goethe-Zentrum in Kampala und der Circle Art Gallery in Nairobi zusammenarbeiten.“ WomanIsm wird gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und durch das „ifa“ Institut für Auslandsbeziehungen.

Die OSTRALE Biennale ist mit aktuell insgesamt über 300 Kunstwerken von ca. 180 Künstlern aus über 34 Nationen eine der größten temporären Ausstellungen für zeitgenössische Künste in Deutschland. Sie ist keine Verkaufsausstellung per se, was ihr die Freiheit gibt, gesellschaftlich relevante Themen abseits des Marktgeschehens zu diskutieren. Die Leitgedanken der OSTRALE, wie unter anderem friedliches Miteinander, Akzeptanz des Fremden/Unbekannten, respektvoller Umgang, religiöse Vielfalt und Internationalität spiegeln sich in den Ausstellungen inhaltlich wieder. Das Team des OSTRALE Zentrums für zeitgenössische Künste hat bereits mehrfach große Teile des Programms zeitgenössischer Künste in Europäischen Kulturhauptstädten gestaltet, so 2010 in Pécs, 2016 in Breslau und 2018 in Valletta/Malta. Auch in der Europäischen Kulturhauptstadt 2020 Rijeka/Kroatien wird die OSTRALE Teile des Programmes mitgestalten. 

Text: Tobias Blaurock

http://www.ostrale.de

Ausstellung „Radebeul gewendet“ in der Stadtgalerie


Blühende Landschaften & Wohlstand für alle nach dem „Gießkannenprinzip“. Installation von Ralf Uhlig.

„Horch & Guck“, Bilderserie von Gerald Risch ; Karikatur von Lutz Richter
„Rosa Bad“ von Wolfgang Smy, „Der Untergang“ (Entwurf) und „Masken“ von
Bärbel Voigt ; „Patriot“ von Wolfgang Smy

„Rosa Leuna“ von Karola Smy    ;  „Neuer Berliner Totentanz“ von Reinhard Zabka


„Punk“ von Gabriele Reinemer   ;       „Der Amnestierte“ von Markus Retzlaff


„o.t.“ von Wolf-Eike Kuntsche

„Was von uns bleibt“ von Reinhard Zabka; „Selbst als Bausoldat“ von Frank Ruschka

„Ab-Wendung“ von Anne-K. Pinkert  ;  „Es kommt selten vor…“ von Bernd Hanke
„Ende der Probefahrt“ von Burkhard Schade ; „Erinnerung“ von Markus Retzlaff ; „Schöne neue Welt“ von Anita Voigt

Schöne neue Welt

Ausbrüche aus der Enge, Träume, Erinnerungen, Verlockungen und Grenzen der Freiheit zeigt die Ausstellung „Radebeul gewendet“ zurzeit in der Stadtgalerie der Lößnitzstadt. Zu sehen sind Arbeiten von 52 Künstlern, die vor und nach 1989 entstanden.

Ein Mann steht auf, befreit sich aus seinem Käfig, breitet die Arme zum Fliegen aus und landet auf der Erde. Die Installation mit Miniaturfiguren aus Zinn und Blei auf einer dunklen Holztafel von Wolf-Eike Kuntsche, „o.t.“ aus dem Jahr 1986 hängt an der Stirnseite im Galerieraum. Gerade entlassen, aber mit starrem Blick und verschränkten Händen sitzt „Der Amnestierte“ in einem grauen Raum, in einem Ölbild von Markus Retzlaff von 1989/90. Eine rote Gestalt leuchtet kopfüber aus dem Nussbaum draußen. Den „Wendehals“ mit Spiegel zur Selbstbetrachtung installierte Dorothee Kuhbandner.

Zu sehen sind die Werke zurzeit in der Ausstellung „Radebeul gewendet“ in der Stadtgalerie Radebeul, Altkötzschenbroda 21 anlässlich des Ereignisses 30 Jahre Friedliche Revolution in Ostdeutschland in diesem Jahr. 52 Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten, die vor 1989 und danach entstanden und die Zeit des Umbruchs reflektieren. Die Ausstellung steht in der Tradition der multimedialen Kunstprojekte, welche die bisherige Stadtgaleristin Karin Baum begründete, mit Titeln wie „Radebeul besitzen“ und „Radebeul bei Tag und Nacht“.

In großer Bandbreite der Ausdrucksformen, subjektiv, brüchig und wandlungsreich spiegelt sich die Zeit vor und nach der Wende. Ausbrüche aus der Enge, Träume, Erinnerungen, Illusionen, Verlockungen und Grenzen der Freiheit begegnen dem Betrachter vielgestaltig in Malerei, Grafik, Zeichnungen, Fotografie, Plastik und Installationen. In Wolfgang Smys ironischem Gemälde „Rosa Bad“ von 1985/92 gehen die Figuren mit heroischen Posen buchstäblich baden. Ebenfalls von ihm stammt der „Patriot“ von 2012, der aus rostigen Eisenfundstücken montiert und fahneschwenkend mehr einem wilden Eingeborenen ähnelt. Vielsagend zeichenreich ist Karola Smys Siebdruck „Rosa Leuna“. Schein und Sein von Ideal und Wirklichkeit spiegelt auch die Collage aus Zeitungsausschnitten in Labyrinthform, „Neuer Berliner Totentanz“, 1987/2009 von Reinhard Zabka. In einem Objektkasten mit dem Titel „Was von uns bleibt“ von 1988 sammelte er eine Fülle materieller Überbleibsel wie leere Konservendosen und Mokka-Fixtüten. Frank Ruschka zeigt ein berührend zwiegespaltenes Porträt „Selbst als Bausoldat“ von 1987.

In Claus Weidensdorfers Farblithografie „Am Flugfeld“ von 1988 schaut eine Menschenschlange gebannt durchs Fenster auf das Tor zur Welt. Aus einer Gießkanne voll bunter Aufkleber regnet es Wundermittel zwischen Ausverkauf und Aufbau Ost, blühenden Landschaften und Investruinen auf das durchgestrichene Schild DDR mit offenem Mauergürtel und rotgelbschwarzen Fähnchen. Die Installation stammt von Ralf Uhlig. „Schöne neue Welt“ heißt ein Siebdruck von Anita Voigt von 2008 voller sich in Farbe und Stil übertrumpfender Ich`s.

Menschen im Zug und eine Gestalt, die die Weltkugel in der Hand fragend betrachten, zeigt Peter Grafs Ölbild „Nicht mehr weit bis Catania“ von 2018. Ein Baum kurz vor dem Aufblühen vor halboffener Tür ist im Bild „Nach draußen“, 1990/2000 von Karen Graf zu sehen. Eine südliche Szene mit einem letzten Blick aufs Meer von der fast menschenleeren Terrasse, „Am Ende der Saison“, 2015 von ihr gemalt, lädt zum Träumen ein. Die Ausstellung „Radebeul gewendet“ ist noch bis 20. Oktober zu sehen.

Am 11.10., 19 Uhr gibt es in der Ausstellung eine Lesung und Musik mit den Radebeuler „Schreibenden Senioren“ und am 20.10. eine Sonderführung durch die Galerieleitung. Ein Stück Zeitgeschichte dokumentieren außerdem spannend und reich bebildert zwei Kataloge, die zum 20-jährigen Jubiläum der Stadtgalerie Radebeul erschienen und dort erhältlich sind.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di, Mi., Do und So von 14 – 18 Uhr.

Nach der Vernissage gab es ein Künstlerfest im Garten der Stadtgalerie Radebeul mit viel Musik, Gesprächen & Wein. Klangreich erfreuten Olicìa electronic handmade loopjazz und Jazzuro mit Swing, Bebop und Modern Ära die Besucher.


Den „Wendehals“ mit Spiegel zur Selbstbetrachtung installierte Dorothee Kuhbandner im Nussbaum vor der Stadtgalerie Radebeul.

Premieren-Wochenende im Staatsschauspiel Dresden: „Mit der Faust in die Welt schlagen“, „Der Kirschgarten“ & „Schuldenmädchen-Report“


„Mit der Faust in die Welt schlagen“ nach dem Roman von Lukas Rietzschel in einer Spielfassung von Lukas Rietzschel, Liesbeth Coltof und Julia Weinreich. Foto: Sebastian Hoppe

 
„Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow aus dem Russischen von Elina Finkel. Foto: Sebastian Hoppe


„Schuldenmädchen-Report“ von Vanessa Stern. Foto: Sebastian Hoppe

Starke Stoffe zur Gegenwart

Der Start in die neue Spielzeit im Staatsschauspiel Dresden beginnt faustdick, aufregend und spannend. Mit der Uraufführung des Stückes „Mit der Faust in die Welt schlagen“ nach dem Roman von Lukas Rietzschel unter Regie von Liesbeth Coltof, Trägerin des deutschen Theaterpreises Der Faust, am Freitagabend im Kleinen Haus. Der 1994 in der Lausitz geborene Autor erzählt in seinem Debütroman die Geschichte zweier Brüder, die in der Provinz Ostsachsens leben, wo nach der Wende vieles weggebrochen ist, Ohnmacht und Wut in Hass und Gewalt umschlagen.

Man sieht den jungen Männern beim Erwachsenwerden zu und wie sie rechtsradikal werden. Als Nachwendekind und Nachfragender wollte er wissen, warum alles auseinanderfällt, kaputt geht und wie es vorher war, bekam aber keine Antwort von den Eltern und Großeltern. Sagte Lukas Rietzschel im Gespräch zum Stück „Mit der Faust in die Welt schlagen“ bei der Großen Saisonvorschau im Schauspielhaus. Nach der Landtagswahl in Sachsen, wo die AfD vor allem im ländlichen Raum die meisten Stimmen holte, gewinnt das Stück noch an Brisanz und bietet reichlich Diskussionsstoff.

Am Sonnabend hat „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow, sein letztes Stück, unter Regie des Theater- und Opernregisseurs Andreas Kriegenburg Premiere im Großen Haus. Ob die Kirschen schon reif sind, fragte Schauspielerin und Moderatorin Louise Aschenbrenner bei der Spielzeiteröffnungs-Show in die Darstellerrunde. Sogleich brach ein wilder Streit aus, wie mit dem brachliegenden Kirschgarten zu verfahren sei, dem Objekt der Begierde von Träumern und Spekulanten. Ganz in weiß gekleidete Gestalten, romantisch-verklärt, elegisch, mit bleich geschminkten Gesichtern geisterten auf der himmelblauen Bühne mit aufsteigenden Rauch umher.

Am Sonntag eröffnet die Inszenierung „Schuldenmädchen-Report“ der Bürgerbühne, die mit Tobias Rausch einen neuen Leiter hat, die Saison im Kleinen Haus. In der Aufführung decken sechs unbestechliche Reporterinnen die Schulden- und Schuldigkeitsfalle auf, in die besonders Frauen immer wieder geraten. In Anspielung auf die Softporno-Serie „Schulmädchen-Report“ aus den 1970er Jahren lassen sie die ökonomischen Hüllen fallen und befreien sich von Schuldgefühlen, weil sie nicht den Erwartungen anderer entsprechen. Da wird Klartext geredet, offen, ungeniert, direkt, selbstbewusst und provokant, was Frauen der Familie und Gesellschaft schuldig sind und wie ihre eigenen Lebensvorstellungen aussehen. Die Szene zur Saisonvorschau machte sofort Lust auf mehr. Es inszeniert die Schauspielerin und Regisseurin Vanessa Stern.

Insgesamt stehen 24 Premieren in der Spielzeit 2019/2020 bevor, vom Lügenbaron Münchhausen über Lulu, Shakespeares Macbeth, Mein Kampf von George Tabori bis zu Anna Seghers Transit.

Mehr Text zur neuen Spielzeit folgt.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

10. Sommersalon in der Galerie Kunst & Eros


„Bettgeflüster“ & „Apfelsine“ von Helena Zubler


Reizvolle Kleinplastik von Horst Hille


„Servant“ von Oskar Staudinger  „Schwarzer Mantel“ von Peter Zaumseil

Lustvolles Spiel der Sinne

Arbeiten von acht Künstlerinnen und Künstlern und Gästen vereint der nunmehr 10. Sommersalon in der Galerie Kunst & Eros noch bis 14. September.

Eine leidenschaftliche Umarmung. Zwei Möpse als Raffael-Engel und eine „Odaliske“, die keck ihre Fangarme kreiseln lässt. Lustvoll, fantasiereich und
versponnen geht es zu beim bereits zehnten Sommersalon in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden (noch bis 14. September, Geöffnet: Mo – Sa 11 bis 15 Uhr).

Die Gruppenausstellung vereint verführerische Malerei, Zeichnung, Grafik und Plastik von acht Künstlerinnen und Künstlern und weiteren Gästen. Zudem werden neue Porzellanstücke mit raffinierter Lüstermalerei von Galeristin Janett Noack gezeigt.
Außerdem zarte Aktzeichnungen von Maria Adler Krafft. Witzig-farbige Collagen von Heinz-Dieter Wenzel aus Berlin und sinnlich-heitere Emaillebilder, die Adam und Eva und Frauen mit Chilischoten zeigen, von Günter Gläser aus Radebeul.

Ausdrucksstarke Paar-Bilder, Fesselungskunst und reizvolle Halbakte wie eine Frau mit Apfelsine vor dem Schoß zeigt Helena Zubler. Sie ist Diplommalerin und Grafikerin und hat gerade ihr Meisterschülerstudium bei Professor Ralf Kerbach an der Dresdner Kunsthochschule abgeschlossen. Das Spiel mit der Fantasie des Betrachters, jeder kann sehen was er will, macht für sie den Reiz an der Kunst aus.

Text + Fotos (lv)

„Impressionen aus dem Feuer“. So heißt der neue Bildband des Radebeuler Künstlers Günter Gläser, der verlockende Emaillebilder eigens für die Galerie Kunst & Eros gestaltete.

Die Kunst hält ihn jung: Günter Gläser und seine Frau Karin vor seinen Bildern
zur Ausstellungseröffnung.

„Umarmung“. Die Künstlerin Helena Zubler vor einem ihrer Paarbilder.

http://www.kunstunderos.de

Ausstellung Labytopia über den Herbst `89 in der Kreuzkirche Dresden


Notstandskreativität & die Macht der Phantasie: Davon erzählen die Ausstellung Labytopia über den Herbst `89 in der Kreuzkirche Dresden und die witzig-absurden Objekte von Reinhard Zabka im Lügenmuseum Radebeul. Fotos: Lilli Vostry

Labytopia – Altäre der Friedlichen Revolution?

Eine Ausstellung in der Kreuzkirche Dresden – 30 Jahre Friedliche Revolution. Eröffnung: 11. September, 18 Uhr. Einführung: Christian Behr, Laudatio: Susanne Altmann. Musikalische Begleitung: Irina Bugataja, Bandoneon, Robert Hennig, Akkordeon.

Labytopia – Altäre der Revolution? in der Kreuzkirche Dresden ist der zweite Teil der mehrteiligen Ausstellungsreihe über den Herbst `89 zu sehen.

Der erste Teil Labystan wurde letztes Wochenende in der Zionskirche Berlin feierlich eröffnet. Die Besucher Labystans passieren vor der Kirchentür einen Schlagbaum und ein Grenzhäuschen und betreten ein fernes Land. Das Gesamtkunstwerk mit 14 beteiligten Künstlern unter der Regie von Reinhard Zabka erinnert an DDR, an Notstandskreativität, an die Macht der Phantasie. Zabka behauptet: „Nicht die akademische sozialistische Malerei und ihre Gegner der Leipziger “Bilder”Ausstellung Point of no return waren revolutionär, revolutionär war Malerei auf Sperrmüll, Installationen und Happenings zur Überwindung des Kunstbegriffs, Aktionen die gesellschaftliche verkrustete Struktur aufbrachen und Verwirrungen als Realitätsbewältigung stifteten.”

Mit der kreativen Kraft von Spiel, Konfrontation und Reibung gelingt es Zabka, ein Protagonist der Prenzlauer Berg Szene, weit besser, in die Köpfe der Besucher hineinzuwirken. Bei komplexen Zusammenhängen ist der spielerische dem objekthaften Ansatz weit überlegen. Besucher erleben beim Wandeln durch die Zionskirche in Berlin und die Kreuzkirche in Dresden etwas von dem Freigeist dieser Zeit und werden automatisch durch ihr bloßes Interesse ein Teil davon.

Weitere Infos:

https://luegenmuseum.de/labystan/

Labytopia – Altäre der Revolution? in der Kreuzkirche Dresden erzählt von den Träumen der Akteure von `89, von den labyrinthischen Ereignissen der Wiedervereinigung, von den Verlusten im Umbruch und koppeln diese Erfahrungen mit dem heutigen Leben zurück. Die Kuratoren Juliane Vowinckel und Reinhard Zabka laden anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Friedliche Revolution und unterstützt durch das Förderprogramm „Revolution und Demokratie“ des Freistaates Sachsen zur Ausstellung Labytopia ein. Kann man die Ereignisse des Herbstes auf einem Altar verehren? Künstler standen in den Zeiten der SED-Diktatur unter Beobachtung, konnten nur eingeschränkt arbeiten, erhielten Berufsverbot oder waren inhaftiert. Die eingeladenen künstlerischen Positionen verehren nicht die Asche der Friedlichen Revolution, sondern sie erhalten das innere Feuer.

Künstler: Klaus Liebscher, Angela Hampel und Steffen Fischer, Frank Herrmann, Marion Kahnemann, Karola Smy und Wolfgang Smy, André Wirsig, die in Frankreich geborene Künstlerin Sophie Cau und der junge Künstler Justus Ehras nehmen das prägende Lebensgefühl von `89 auf.

Die Ausstellung Labytopia – Altäre der Revolution? ist vom 12. September bis 24. Oktober 2019 in der Kreuzkirche Dresden zu sehen und ist Besuchern jeglichen Alters und jeglicher Herkunft wärmstens zu empfehlen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

https://luegenmuseum.de/labytopia/

Text: Richard von Gigantikow, Direktor des Lügenmuseums Radebeul
0176 – 99 02 56 52,
info@luegenmuseum.de
Homepage:
luegenmuseum.de