Ostrale-Rundgang: „Error: X“ Suchspiel mit Kunst – Finde den Fehler im System

Vielfarbige Blicke auf die Welt und ihre Widersprüche

Unter dem Motto „Error: X“ zeigen derzeit rund 200 Künstler aus 42 Ländern über eintausend Werke auf der 10. Internationalen Ausstellung zeitgenössischer Künste Ostrale. Zugleich ist es ein Alarmsignal für die ungewisse Zukunft der Kunstschau in den denkmalgeschützten, maroden Futterställen im ehemaligen Erlwein-Schlachthofgelände im Ostragehege.

Die Vielfalt der Themen und Ausdrucksmittel von Malerei, Grafik über Installationen bis zu Medienkunst ist teils verblüffend einfach, spannend, an- und aufregend im Aufeinanderprall der unterschiedlichen Kulturen und Sichtweisen auf die vielen Konfliktherde in der Welt. Dabei lenkt die Schau den Blick auch auf zeitgenössische Kunst aus nichtwestlichen Ländern und Afrika. Außerdem sind viele Künstler aus Osteuropa auf der Ostrale vertreten. Die Ausstellung wirkt wie ein großes Suchspiel mit Kunst: Finde den Fehler im System.

„Der Titel ,Error X` und die Werke lassen sich vielseitig interpretieren. Liegt der Fehler im digitalen Bereich, in der Wirtschaft, Politik oder im Kunstbetrieb selber?“, sagt Franziska Wolf zu Beginn der einstündigen Führung. Sie hat Kulturwissenschaften in Amsterdam studiert, eine Weile in Frankreich und Spanien gelebt. Auf der Ostrale begleitet sie mit anderen Kunststudierenden seit Juli jeweils am Wochenende Interessierte und bringt ihnen ausgewählte Kunstwerke näher. Schön sei, wenn die Besucher sich darauf einlassen und über das Gesehene diskutieren. „Das ist auch die Kraft der zeitgenössischen Kunst, dass sie die Widersprüche der Gegenwart zeigt und auffordert hinzuschauen“, sagt Franziska Wolf. Diesmal sind es zehn Teilnehmer. Sie stehen vor einem traditionellen Stick-Bild mit der Aufschrift „Less is enough“ (Man braucht weniger als man denkt) der polnischen Künstlerin Monika Drozynska, das vorher in einer U-Bahnstation hing. Weiter geht es zu einer abstrakten Malerei. „Es kann ein schmelzender Eisberg sein oder auch Erinnerungen, die verblassen“, meint Franziska Wolf zum Bild „Melt“ von Christian Manss.

Auf einer Fläche stehen labyrinthartig angeordnete Radios, wo man hin und her läuft im ständigen Stimmengewirr und täglichen Informations-Dschungel der Medien, unter „Soundduschen“ aus Glasschirmen kurz anhält, da einem dort plötzlich persönliche Erlebnisberichte aus Krisengebieten näher rücken.

Zu sehen ist außerdem ein farbenfroher Perserteppich aus Papierschnipseln, den Ramona Seyfarth auslegte, den man betreten und verändern kann. Eine Installation mit grellgrüner, aufgeblasener Plastlandschaft mit Kaktus, goldenen Blüten und Kissen zieht den Blick auf sich. “Blühende Landschaften“ nennt der deutsch-türkische Künstler Yediler seine Installation. Auf flimmernden Bildschirmen ertönt eine „Symphonie für Computer“ mit Geräuschen zwischen Start und Absturz und wiederholter Fehlermeldung, installiert hat sie der polnische Künstler Kasper Lecnim. „Die Vielfalt der künstlerischen Techniken und Blicke auf die Welt ist atemberaubend und beeindruckend. Es wäre daher traurig, wenn es die Ostrale nicht mehr gibt“, sagt Birgit Wagner aus Dresden, die seit drei Jahren hierher kommt.

„Dresden braucht einen solchen unkonventionellen Ort für moderne Kunst, auch um sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen“, meint Babette Weinrich. „Dinge und Ausstellung sollten aber nicht an einen Raum gebunden sein, vielleicht findet sich eine neue Location dafür.“ „Man betritt hier unerschlossenes Gebiet. Klar, zeitgenössische Kunst ist auch anstrengend, denn man sieht und erlebt sie nicht passiv, sondern aktiv“, sagt Mandy Unger. Sie ist Performerin, studiert Tanz und Theaterwissenschaften in Bern und kam spontan mit einem Bekannten zur Ostrale. Vielleicht könne ein Kulturticket an bestimmten Tagen für verschiedene Zielgruppen helfen, ein breites und bunt gemischtes Publikum in allen Generationen zu erreichen. „Kunstobjekte kann man nicht so schnell konsumieren wie einen Kaffee bei Starbucks. Die Rahmenbedingungen und das Verständnis für zeitgenössische Kunst muss die Stadt schaffen, um die Ostrale noch attraktiver zu machen“, findet David Lau, Schauspielstudent in Hannover.

„Die Ostrale ist erst dann gerettet, wenn die Sanierung der Futterställe beginnt“, sagt Andrea Hilger, die künstlerische Direktorin der Kunstausstellung. OB Dirk Hilbert habe bei seinem Besuch nur mündlich Zugeständnisse gemacht, dass die Stadt eine Lösung für die Ostrale finden will. „Wie der Kompromiss aussieht, damit sie 2017 überhaupt noch stattfinden kann wegen mangelnder Bausicherheit, ist derzeit völlig offen“, so Hilger. „Wir brauchen einen festen, gesicherten Ort für die Ostrale, da wir mit  Kooperationspartnern unsere internationalen Kunstprojekte einschließlich aufwendiger Transporte langfristig vorbereiten und finanzieren müssen. Es investiert auch niemand in die verfallenen Gebäude, wenn deren Zukunft ungewiss ist.“ Überdies würde ein Abriss der Futterställe genauso viel kosten wie eine Sanierung  –  rund vier Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Im September soll der Stadtrat nun über den künftigen Standort der Ostrale und mögliche Finanzierungsmodelle wie eine Stiftung entscheiden, in deren Besitz die bislang städtischen Futterställe dann übergehen könnten.

Die diesjährige Ausstellung sahen bisher rund 5 000 Besucher. Nach der Ferienzeit rechnet Andrea Hilger wieder mit mehr Zulauf von Dresdnern wie Touristen: „Wir haben schon Anmeldungen von Schulen. In nächster Zeit werden sich 4 000 Schüler bei uns Kunst aus aller Welt anschauen.“ Die Ostrale ist noch bis 25. September zu sehen. Die Kunst-Führungen finden Sa und So um 14 und 17 Uhr statt.

Weitere Programminfos unter http://www.ostrale.de

Text + Fotos (lv)

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Ostrale: Kunst aus Wroclaw jetzt in Dresden zu sehen

Die 10. OSTRALE zeigt zeitgenössische Kunst aus der europäischen Kulturhauptstadt Wrocław in Dresden // Über 15.000 Gäste besuchten Ausstellung zeitgenössischer Dresdner Kunst in Wrocław // OSTRALE-Programmhighlights im August

Seit Mitte Mai hat sich die zeitgenössische Kunstszene des Kulturhauptstadt-Bewerbers Dresden in der derzeitigen europäischen Kulturhauptstadt Wrocław präsentiert. Beeindruckende 64 Künstler und Künstlergruppen konnten Dresden dabei vertreten. Die Positionen waren von den Kuratoren Sybille Nütt, Detlef Schweiger, Andrea Hilger, Antka Hofmann gemeinsam mit der polnischen Kulturmanagerin Anna Kudarewska (Wrocław) und Thomas Dumke unter dem Thema „Identität vor dem Hintergrund von Migration“ ausgewählt worden. Die Ausstellung in Wrocław endete am Sonntag abend. Die Ostrale geht noch bis 25. September. Bis dahin werden in Dresden unter anderem auch Werke aus Wrocław gezeigt.

 Zahlreiche andere europäische Städte hatten vergeblich versucht, ihr zeitgenössisch-kulturelles Image in diesem Jahr mit einer Präsenz in Wrocław zu schärfen. Seit dem Beginn haben nach Angaben der Veranstalter mehr als 15.000 Gäste die Dresdner Präsentation besucht, darunter auch der Sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich mit dem Marschall von Niederschlesien, Cezary Przybylski und Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch. Die Ausstellung “OSTRALE weht ODER” in den Räumen der Kulturbrauerei war als Austauschprojekt angelegt, so dass seit bis Ende September künstlerische Positionen aus Wrocław auch im Rahmen der Dresdner Ostrale zu sehen sind.

Kunstszene Wrocławs in Dresden zu sehen

So präsentiert die diesjährige 10. internationale Ausstellung für zeitgenössische Kunst Ostrale unter anderem Arbeiten aus der Kunst- und Designhochschule Wroclaws. Zu sehen sind beispielsweise die großformatigen Kohlezeichnungen von Sebastian Łubiński, der in Dresden im Kontext der israelischen Präsentation Natur und Zustandsveränderung von Materie, das Vordringen ins Unbekannte und die Koexistenz des Physischen und des Spirituellen hinterfragt und Betrachtungen visueller, philosophischer und physischer Aspekte kraftvoll auf Papier setzt.

Identität von Menschen und Räumen

Auch die Ostrale selbst, immerhin die drittgrößte jährliche und temporäre Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Deutschland, greift eines der zentralen Themen der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław 2016 auf: die Frage nach der Identität von Menschen und neuen Räumen, die Flüchtlings- und Migrationsbewegungen in Vergangenheit und Gegenwart in der Region Niederschlesien als auch Sachsen, insbesondere Wroclaw und Dresden.

 OSTRALE: international vernetzt

Der interkulturelle Austausch gehört traditionell zu den wichtigsten Aspekten der Ostrale, sei es durch das Projekt „Out of OSTRALE“, die open Hub Kooperationen oder durch das Artist-in-Residence-Programm, das Künstlern der Ostrale die Möglichkeit gibt, direkt vor Ort künstlerisch zu arbeiten und auf internationalem Boden miteinander zu kooperieren.

Anfang Juli startete auch das neue Ostrale Projekt CIVIC MEDIA LAB in Dnepropetrowsk (Ukraine). Damit engagiert sich die Ostrale zusammen mit ihrem ukrainischen Partner Kultura Medialna unter der Förderung durch das Auswärtige Amt am internationalen Dialog. Für Multiplikatoren der Zivilgesellschaft aus Ländern der östlichen Partnerschaft bietet sich damit eine innovative gemeinschaftliche Plattform. Diese soll mittels künstlerisch-medialer Formate und unkonventioneller Methoden den internationalen Dialog und die Verständigung fördern und findet ihre Fortführung im August 2016 in Dresden auf der Ostrale. http://www.civicmedialab.eu

 Die Ostrale zeigt noch bis 25. September Werke von Künstlern aus 42 Nationen in Dresden. www.ostrale.de 

Text: Pressestelle Ostrale

AUS DEM OSTRALE-PROGRAMM DER NÄCHSTEN WOCHEN:

 13.08.:

Einstürzende Neubauten-Drummer N.U. Unruh lädt zum Mittrommeln ein 

Am Abend des 13. August findet im Rahmen des Sparkassen-Familienwochenendes ein besonderes, in diesem Fall musikalisches Highlight statt: N.U. Unruh, Gründer und Schlagzeuger der Band Einstürzende Neubauten, lädt zum Mitmachen in einer Trommelinstallation. Die konzertante Aktion findet statt am Samstag, 13. August ab 20.00 Uhr bis ca. 23.00 Uhr.

Kartenvorverkauf, Anmeldung und Reservierung:

http://beating_the_drum.eventbrite.de

Preise:

Trommelplätze: limitiert auf 100 Karten: 20 Euro, ermäßigt 15 Euro (gültig ab 20 Uhr, berechtigt nicht zum Besuch der OSTRALE-Ausstellung)

OSTRALE-Ausstellung (Futterställe) und Besuch Konzert Beating the Drum: 21 Euro, ermäßigt 14 Euro
mit Vorlage einer SparkassenCard 16, ermäßigt 12 Euro (gültig ab 11 Uhr, inklusive Besuch der OSTRALE-Ausstellung)

Besuch Beating the Drum: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro (ab 20 Uhr, ohne Ausstellung)„Beating the Drum“ wird gesponsert von Vier Vogel Pils.

14.08.: „Massa Mobil – Wandel!“ – eine performative Einladung zu einem partizipativen Wandelgang auf dem Gelände und in den Räumen der OSTRALE ́O16.

Die OSTRALE bietet im Rahmen des Sparkassen-Familienwochenendes auch am Sonntag, 14. August Spannendes: “Wo finde ich meinen Platz? Und darüber hinaus: Wie komme ich dorthin? „MASSA MOBIL – Wandel!“ spannt anhand von kleinen poetischen Interventionen ein für jedermann zugängliches, subtiles Netz in den öffentlichen Raum und verbindet Kunstschaffende und Publikum auf einfühlsame Weise, lässt Spielraum für Assoziationen, Interpretationen und vor allem Begegnungen entstehen Per „trial and error“, mit Lust am Scheitern und unverzagt manövriert es sich über das Ausstellungsgelände und macht Mut, stets einen Schritt weiter nach vorne zu denken.
Konzept & Choreographie: Wagner Moreira | Konzept & Dramaturgie: Thomas Schütt | Produktionsleitung: Helena M. Fernandino | Performance: Fernando Balsera, Elena Cencetti, Anne Dietrich, Helena Fernandino, Franziska Kusebauch, Lutz Langhammer, Wagner Moreira, Pelle Tillo, Thomas Schütt, u.a.

20.-28.08.: COSMOTIC Laborphase der Initiative neue raeume;

Die Initiative „neue raeume;“ entwickelt ein digitales Spiel, welches nicht primär der Unterhaltung dient, sondern therapeutisch und gesundheitsfördernd bei seinen Spielern wirken wird. COSMOTIC erlaubt seinen Besuchern der OSTRALE eine ästhetische Erfahrung seiner Selbst und Anderer. Als künstlerisch gestalteter Kommunikationsraum ermöglicht COSMOTIC eine Veränderung des Körperbewusstseins in einer virtuellen Umgebung. Die Spieler werden mit Vitalwertdaten-Sensoren ausgestattet. Die interpretierten Vitalwerte werden zurück in das System gespeist und der Spieler mit diesen in Form von Bild, Grafik und Sound konfrontiert. Durch die Stimmen und Vitalwerte der Spieler wird die erzählerische Welt entstehen. Der Spieler erschafft also mit seinen ihm rückgekoppelten Vitalwerten seine audiovisuelle Umgebung und kann das Spiel durch seinen Puls und Atmung steuern. COSMOTIC hat zum Ziel, dass seine Besucher gelassener und achtsamer mit sich und seiner wirklichen Umgebung werden.
Workshop zum Thema Stereoskopie und Virtual Reality von Paul Schluttig im Rahmen der COSMOTIC Laborphase. http://neueraeume.xyz

WEITERE INFORMATIONEN / KONTAKT:

 OSTRALE‘016

OSTRALE / Büro, Messering 20, Frigolanda Kühlhaus, Tel +49 351 653 37 63, post@ostrale.de

www.ostrale.de, OSTRALE: / Postanschrift: Messering 8, D-01067 Dresden, Förderverein: www.ostrale-freunde.de

blaurock markenkommunikation

Tobias Blaurock, Plattleite 68, 01324 Dresden, Tel. +49 351 210 98 71, Fax +49 351 2078 15 33, blaurock@team-blaurock.de, www.blaurock-markenkommunikation.de

 

Sommer-Gedichte: Feuerkäfer und Wilder Mohn

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Herzballon
(Für D.)

Mit den pfeilschnellen Schwalben
vor dem Fenster
fliegt mein Herzballon hinaus in den Morgen
unzählige Farbsplitter versprengt auf der dünnen Haut
das unbekannte Flugobjekt
nur mir vertraut

verschwindet hinter Häuser-Klippen
im Wolkengrau
sacht umweht zwischen Bäumen
steigt und steigt ins helle Grau-Blau
deiner Augen

über der Trennlinie
deiner und meiner Landkarte
gegenseitig voller weißer Flecken

7.7.2016
(L.V. mit D.)

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Wilder Mohn

Ich bin wie der wilde Mohn
hinter dem verriegelten Tor
der aus steinigem Brachland
hervorleuchtet
den du nicht siehst und pflücken kannst
ohne über die Mauer zu springen

Ich bin wie ein Kind
das an jeder Ecke stehen bleibt
mit den Augen festhält
was es sieht
nie vergisst
was es verliert

Du legst den Finger
auf die wunde aufgeplatzte Mohnkapsel
voll widerhakender Wünsche
das ist beinahe wie in der Wüste Wasser sehen
und nicht trinken können
das hält keiner aus
sagst du mir
genauso Durstigen

Ich liebe nicht mehr
hinter verschlossenen Türen
seit wir uns umtanzen
vor und zurück stolpern
sehe dich und mich
mit anderen Augen
dein Duft an meinem Kleid
neues Sehnen wach gekitzelt

regt sich in mir
ungeborgen wie der wilde Mohn

10.7.2016
L.V.

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Sommertag am See

Die Sonne zeichnet Gräserschatten
auf meine Haut lose geflochten
unser Netz

im flimmernden Wasser hält
uns nichts mehr
leg ich mich auf deinen Rücken
fangen wir uns auf

eine blaue Libelle landet
auf meinem Körper
nimmt deinen Platz ein
ein Falter schwirrt umher im hohen Gras

schwankend wie du
das Knäuel zu entwirren
dich zu finden in mir
mich in dir

7.8.2016
L.V.

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Erfrischend

Regen klopft ans Fenster
Tropfen zerspringen
auf meiner Haut
auf wolkenweiten Laken
löst sich mein Verlangen
nach dir auf

lasse mich fallen
mit den Feuerkäfern auf bemoostem Stein
stolpere über mein Spiegelbild im Wasser
Tropfen für Tropfen sammle ich es ein
koste mich neu
barfuß zwischen Lavendel und Minze

13.7.2015
L.V.

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Morgenhimmel

Tanzende Luftakrobaten
rosé auf blauem Grund
halten sich kopfüber

auf schmalem Grat über dem Dachfirst
schwingen sie mit den Schwalben
drehen sich ein letztes Mal

im Liebeswalzer mit der Morgenröte
mir bleibt ein Lächeln

23.5.2016
L.V.

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Alles im Fluss

Die Zeit steht still
ein Angler hält sie
am Haken

mit regloser Miene
wirft er seine Rute aus
vergisst das Getöse

Die Fische im Fluss
nehmen mit den vielen Schiffen
Reißaus

im weißen Schlagschaum
gierig spitzmäuliger Motorhechte
schlagen die Angeln rasselnd an

verfliegt die Zeit
ohne Fang

16.9.2012
L.V.

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Himmelsleiter

Unvermutet zwischen
grauschweren Gewitterwolken
führt ein perlmuttweißer Steg
lichtgemalte Spur
ausgeworfene Himmelsleiter
hält in die Höhe schnellende Gedankenflüge
nicht auf in unendlicher Weite mit den
torkelnden Lufttänzen übermütiger Schwalben

kaum gewonnen
schon zerronnen
der Lichtstreif hinter
dunklen Wolkenfeldern
versinkt der Blick
in Abendröte

1.9.2012
L.V.

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Sommerabend

Ich hatte schon vergessen
wie es ist
Sonne auf der Haut
ungeniertes Kribbeln
Kitzeln und Brennen
winziger gelber Hüpfer
Falter und Käfer
die auf mich fliegen

Meinen Körper umwandeln
zur Landebahn
im frisch geschnittenen Gras
biegsame und pieksende Halme
an empfindlichen Stellen

Gebe ich mich hin
auf der wohligen Deckeninsel
am Rand des Großstadtmeers

umbraust von den weiß aufspritzenden Schweifen
schnittiger Sportboote auf dem Wasser
ungemein betört von einem mit Lavendelduftöl
im schwarzen Fell vorbei jagenden Hund

27.7.2012
L.V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Menschen lieben Kunst – eine Foto-Ausstellung von Stefan Gärtner

Menschen lieben Kunst. Ein Plädoyer für Mitmenschen, die gerne Kunst anschauen.

Habt Ihr Euch schon mal gefragt, warum so unendlich viele Menschen in Museen und Galerien pilgern? Mehr als 50 Millionen Besucher pilgern pro Jahr allein zu den zwanzig beliebtesten Kunstmuseen auf dieser Welt. Da zählen die Museen hier in Dresden noch gar nicht mit!

Also warum reisen wir für Kunst um die halbe Welt? Warum fotografieren wir Fotografiertes, filmen Performtes, posten Erlebtes? Vielleicht suchen wir Bilder, die uns berühren? Oder Farben und Lichter, die uns einfach motivieren? Geschichten, die uns verführen? Oder Menschen, die uns faszinieren?

Kunst, sagte einmal Goethe, ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen. Auch eine gute Photographie zeigt uns mehr, als unsere Augen sehen: sie lässt uns erkennen. Mit seinem Ausstellungsprojekt forscht Stefan Gärtner nach den Beweggründen, mit denen wir Kunst „konsumieren“. Seine Photographien bieten uns nicht nur etwas fürs Auge. Mit stillem Vergnügen – und auch mit Hintersinn – beobachtet er Artfremde und Artfreunde: von Dresden bis Venedig, Peking bis Petersburg, Leipzig bis London.

Auf dem Weg zur Moderne: Die Eremitage übertrifft sich selbst

Venus (Medici Venus by Hans-Peter Feldmann, Manifesta 10, St. Petersburg, 2014) #5288-1  Venus (Medici Venus by Hans-Peter Feldmann, Manifesta 10, St. Petersburg, 2014) #5288

Von Prunk-Museen mag man halten, was man will. Doch wie sich die Eremitage zu ihrem 250. Geburtstag präsentiert hat, war ebenso kühn wie respektvoll. Mit der 2014 in St. Petersburg gastierenden Manifesta 10 wagte es der russische Kunsttempel erstmals, sein klassikverwöhntes Publikum mit zeitgenössischen Werken zu konfrontieren.

Den strahlend hellen, frisch eröffneten Flügel der Eremitage erreicht man vom Foyer aus über eine grandiose Freitreppe. Vier ebenso strahlend frische Grazien sah ich die Treppe „empor schweben“ wie auf einem Laufsteg.

Auf dem Olymp angekommen, wurden sie von einer irritierend modernen Venus-Skulptur aus Plastik überrascht. Was dachten die Damen wohl in diesem Moment über die westliche Moderne?

Um die Sammlung in St. Petersburg zu begründen, erwarb Katharina die Große 1764 erst 225 Gemälde von einem Berliner Kunsthändler und dann weitere fast 1.000 Bilder des Grafen Brühl. So wollte die Kaiserin nicht zuletzt die kulturelle Aufgeklärtheit Russlands gegenüber dem westlichen Europa demonstrieren.

Der Name „Hermitage“ bedeutet übrigens im Altfranzösischen „Einsiedelei“. Die Zaren zogen sich hier vom politischen Alltag zurück, um sich nur mit Kunst und Muse zu umgeben. Zumindest früher mal. Heute werden die rund 350 Säle der Eremitage jährlich von etwa vier Millionen Menschen besucht. Weitere rund 50 Millionen Besucher pilgerten im letzten Jahr allein zu den zwanzig beliebtesten Kunstmuseen auf dieser Welt.

Der 1941 geborene Hans-Peter Feldmann beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit der Wirkung von Bildern und Gegenständen, der Verschiebung von Bedeutungen und der Überwindung von tradierten Kunstgrenzen. In schrill-bunten Farben persifliert Feldmann in seiner „Antikenserie“ eine Bandbreite an Themen: vermeintlich blind gegenüber der Anmut und feinen Ausgestaltung des antiken Originals wirbelt er ästhetische Kunstbegriffe durcheinander. Neben der in St. Petersburg gezeigten Venus gehören zur Antikenserie auch Michelangelos David oder die Venus von Milo. In der Neuen Nationalgalerie in Berlin stellte Feldmann 2012 „Die Büste der Nofretete“ aus. Im Gegensatz zum Original blickt uns die „modernisierte“ Büste mit zwei Augen an und verweist – dank künstlichem Schönheitsfleck und grellem Make-up – auf unseren heutigen Zeitgeist.

Von Konfuzius zu Ai Weiwei: Kunst als Identitätssuche

  Nudes in Beijing (National Art Museum of China, 2004-12) #0662 Nudes in Beijing (National Art Museum of China, 2004-12) #0662

In China hat es lange gedauert, bis die Hüllen fallen. Die von Konfuzius bis Mao – Jahrhundert um Jahrhundert – uniformierte Kultur zeigt den Menschenfast fast nur als Gewandfigur.

Doch als ich mich 2004 in Peking aufhielt, gab es einiges Aufsehen: eine Ausstellung zeitgenössischer Malerei präsentierte im traditionsreichen Staatlichen Kunstmuseum wohl zum ersten Mal eine Reihe moderner Aktbilder – viel diskutiert, viel besucht und viel bewacht. Aber immerhin ganze 10 Jahre, bevor die Eremitage diesen Traditionsbruch wagte!

Auch wenn die Gegenwartskünstler in der Chinesischen Volksrepublik wahrscheinlich noch lange um die künstlerische Freiheit ringen müssen, die uns hier im Westen selbstverständlich erscheint, erhält das Land auf internationalen Kunstevents und Biennalen immer mehr Anerkennung. Vielleicht bietet die politische Öffnung der künstlerischen Avantgarde zunehmende Chancen – und umgekehrt hilft die neue Kunst den Chinesen bei ihrer Identitätssuche in der Moderne…

Text + Fotos: Stefan Gärtner

Zum Autor:

Schon kurz nach seiner Geburt (1965 in der Heimatstadt der Penti) begann Stefan Gärtner eine weithin unerkannte Laufbahn als freier Photograph. (Nebenbei befasst er sich mit der Planung von Fabriken und anderen logistischen Wunderwerken.)

Viele seiner künstlerischen Arbeiten sind bis heute in führenden Sammlungen (c/o, Tate, Guggenheim) zwar noch nicht entdeckt worden, aber bis dahin schonmal in seiner Onlinegalerie unter wwww.StefanGaertner.de zugänglich.

Zur Ausstellung:

Menschen lieben Kunst. Ein Ausstellungsprojekt mit Photographien von Stefan Gärtner. Für Mitmenschen, die gerne Kunst anschauen.

Vernissage: am 29. Juli, um 18 Uhr im Foyer des Sächsischen Kommunalen Studieninstituts Dresden

Foyerausstellung in der Galerie SKSD
vom 30. Juli bis 24. Dezember 2016
Mo. – Fr. 09 bis 17 Uhr, Sa. bis 13 Uhr

Sächsisches Kommunales Studieninstitut
An der Kreuzkirche 6, 01067 Dresden
Foyer 5. & 6. Etage, Eingang Schulgasse 2,
gleich neben Rathaus und Kreuzkirche
Tel. 0351 43835-16, http://www.sksd-dd.de/galerie.html

Mehr Prints aus der Reihe Art Space:
www.stefangaertner.de

Coloured Wall Blue Girl (St. Petersburg, Manifesta 2014 07) #5319

 Colored Wall Blue Girl (St. Petersburg, Manifesta 2014) #5319

Foto ganz oben: Girls shooting (Coloured Wall) (Venezia, Biennale 2011-07) #4813

Bitterschöne Sommerliebe: der neue Roman „Geteiltes Vergnügen“ von Johanna Adorján

DSCF6839Die Buchautorin Johanna Adorján.
Foto: Verlag/Joachim Gern

Ein vielsagender Buchtitel. Wenn zwei Menschen sich ineinander verlieben, teilen sie ihr Vergnügen. Doch hier schwingt noch etwas anderes mit. Es ist nur ein halbes Vergnügen, etwas fehlt.

Ist es Liebe, wenn man mit jemand alles oder fast nichts teilt? Oder dem anderen zuliebe alles von sich hergibt und es bald keinen Unterschied mehr macht, mit wie vielen anderen man sein Vergnügen inbegriffen intime Momente teilt?

Von nahen und unnahbaren Gefühlen erzählt voller Leichtigkeit und Tiefgang, leisem Humor, spannend, sachlich nüchtern, tabulos offen und nahegehend der neue Roman „Geteiltes Vergnügen“ von Johanna Adorján (erschienen im Verlag Hanser Berlin, 208 Seiten, 19,90 Euro).

Eine ausführliche Rezension folgt.

Text + Buch-Foto (lv)

Ostrale: Zum 10jährigen Jubiläum droht der Internationalen Kunstausstellung das Aus

Unter dem Titel „Error: X“ zeigen rund 200 Künstler aus 40 Ländern über eintausend Werke in den denkmalgeschützten, seit Jahren verfallenden Futterställen in städtischem Eigentum im alten Schlachthof-Gelände im Ostra-Gehege. Den Ostrale-Machern fehlen die Mittel für die Sanierung.

Hier eine kleine Auswahl der gezeigten Arbeiten:

016Thorbjoern Rahnfeld, Serienteil                                                                                              „Erinnerung“

unspecifiedThomas Brenner, „Krieg + Frieden“

IvanIvana De Vivanco, „Die Marionette“

unspecifiedStephanie Abben, „Haijans End“

Kunst schlägt Alarm: Unter dem Titel „Error: X“ eröffnete zum 10. Mal die Ostrale, die internationale zeitgenössische Kunst im Dresdner Ostragehege zeigt.
Seit Anfang Juli stellen dort rund 200 Künstler aus 40 Ländern über 1 000 kuratierte Werke von Malerei bis Objektkunst auf über 20 000 Quadratmetern in den denkmalgeschützten Futter- und Kleinviehställen des ehemaligen Erlwein-Schlachthofensembles und der Messehalle 4 aus.

Zu sehen ist junge, noch nicht etablierte Kunst ebenso wie bereits international anerkannte und künstlerische Arbeiten von Flüchtlingen. Ein Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen sowie „die Rekonstruktion der Erinnerung, die untersucht inwiefern unsere Wahrnehmung die Gegenwart und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie Zuwanderung und Flüchtlingsproblematik bestimmt“, heißt es im Ostrale-Programm. Außerdem ist die Ostrale noch bis 31. Juli mit 64 Dresdner Künstlern und Künstlergruppen zu Gast in der europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw in der „Browar Mieszczanski Wroclaw“ (Kulturbrauerei).

Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr droht der Ostrale, welche das verfallene Areal neu belebt und als weltoffener Kunstort weiterentwickelt werden soll,  das Aus. Der Grund: Die Futterställe mit ihrem besonderen Flair sind seit Jahren akut dem Verfall preisgegeben. Ihr maroder baulicher Zustand lässt eine Öffnung für das Publikum nächstes Jahr nicht mehr zu trotz jahrelanger Bemühungen des Fördervereins der Ostrale-Freunde. Die Futterställe befinden sich bislang im Eigentum der Stadt Dresden und eine Sanierung ist nicht in Sicht.

„Die Ostrale soll aktuell ein Finanzierungskonzept für Kauf und Sanierung der Futterställe vorlegen. Benötigt werden nach unseren Vorgesprächen mit der Stadt dafür ca. 4,5 bis 5 Millionen Euro. Diese können wir gar nicht aufbringen, was der Stadt bekannt ist“, sagt Ostrale-Direktorin Andrea Hilger. Es soll dem Vernehmen nach im Hintergrund bereits Gespräche über einen Verkauf an Dritte geben, worüber die Ostrale-Veranstalter trotz wiederholter Nachfragen gar nicht informiert wurden. Dass die Ostrale dann eine marktübliche Miete aufbringen könnte an einen neuen Eigentümer, der mit einer Sanierung der Ställe auch kommerzielle Interessen verfolgen würde, sei nicht realistisch. Damit bleibt eigentlich nur, einen neuen Standort zu suchen, so Hilger. Dazu Kai Schulz, Pressesprecher der Stadt Dresden: „In der Ostrale wird nach wie vor ein hohes Entwicklungspotenzial gesehen. Wenn das Konzept vorliegt, kann über weitere mögliche Schritte gesprochen werden.“ Die Ostrale-Freunde haben bereits einen von vielen Kulturschaffenden und Unternehmen unterzeichneten Hilferuf zur Rettung der international ausstrahlenden Kunstausstellung im Ostragehege gestartet. Die Ostrale mit Begleitprogramm ist noch bis 25. September zu sehen.

Der Verein der Ostrale.freunde und Team setzt sich für den Erhalt der Kunstmesse am jetzigen Ort ein, versandte dazu auch einen öffentlichen Unterstützerbrief.
„Gerade in ,besorgten` Zeiten wie diesen halten wir es für absolut notwendig, auch weiterhin internationale und kulturvolle Signale von Dresden aus zu senden“, heißt es in dem Schreiben. Der Verein bittet Besucher und weitere Interessierte um unterstützende Worte und auch finanzielle Hilfe, um das bürgerschaftliche Engagement für den Erhalt dieses einzigartigen Ortes gegenüber der Stadt reichhaltig zu zeigen.

Zuschriften an: rettung@ostrale.de

Das Titelfoto ganz oben zeigt ein Werk von Burchard Vossmann.

Weitere Infos und das ausführliche Programm der Ostrale-Messe und Aktivitäten des Fördervereins unter:
http://www.ostrale.de
http://www.ostrale-freunde.de

Zahlen/Fakten 2016:

20 000 m2 Ausstellungsfläche
1 000 Werkpräsentationen
200 Künstler
die Ostrale beschäftigt laut Veranstalter alljährlich rund 99 Arbeitskräfte, die sich um Technik, Kasse, Auf- und Abbau, Organisation und Catering auf der Kunstmesse kümmern.

Öffnungszeiten: außer montags Dienstag bis Donnerstag von 10 – 20 Uhr,
Freitag bis Sonntag  von 11 – 20 Uhr
Offene Führungen: Sonnabend und Sonntag 14 und 17 Uhr

Fotos: PR/Ostrale

Spanischer Abend im Hahnemannzentrum Meißen

Beschwingte und feurige Klänge vor romantischer Kulisse

Es passte alles. Strahlend blauer Himmel, südländische Hitze und das romantische, efeuumrankte Gemäuer der Klosterruine inmitten einer blühenden Gartenoase.
Vor dieser Kulisse bezauberten beim „Spanischen Abend“ vor reichlich Publikum – rund 300 Besucher zog es am Freitagabend ins Hahnemannzentrum in Meißen – mit beschwingten und feurigen Klängen im Vorprogramm das junge Cello-Duo „Circulo“, Deborah Oehler und Laura Härtel aus Dresden und die wunderbaren andalusischen Sänger Maria Mellado Prenda und Enrique Correa, begleitet von dem Flamenco-Gitarristen Johannes „Josel“ Ratsch. Eingeladen zu dem Konzert hatten das Hahnemannzentrum gemeinsam mit dem Mittelsächsischen Jugendverein, der sich für Musik, Begegnung und Kultur an verschiedenen Orten engagiert. Man konnte die Musik auf der Wiese vor der Bühne genießen und zwischendurch spanische Spezialitäten wie Paella und Tapas probieren, die zeitig ausgingen angesichts der vielen Besucher, etwas Obst, Brot und Schinken und Sangria gab es aber bis zum Schluss.

Die zwei jungen Musikerinnen begeisterten die Zuhörer mit ihrem frisch lebendigen, mit viel Grazie, Schwung und Hingabe dargebotenen lateinamerikanischen Programm und Improvisationen. Sie reisen und spielen viel Straßenmusik unterwegs und stellten einige der auf ihren Reisen durch Südamerika kennengelernten alten Lieder und Volkstänze vor. Begonnen beim lebhaft, klangerfrischenden Stück „Wind“, einem im Schlamm umherspringenden Stier in Ekuador, einem Tanz der Klöppelfrauen aus Nordbrasilien bis zu verlockend-charmanten Tangos, „Im Licht der Öllampe“, melancholisch an „Alte Zeiten“ erinnernd bis zum sentimentalen und leicht augenzwinkernden Tango „Wenn die Ente weint“. Klanglich interessant und kraftvoll-temperamentvoll außerdem ihr abschließender Flamenco und als Zugabe der zu zweit an einem Cello und auf zwei Bögen musizierte, flügelschwingende „Schwan“ aus Camille Saint-Saens „Karneval der Tiere“. Auf jeden Fall ein Klangerlebnis, von dem man sich weitere wünscht vom Duo „Circulo“.
Feurig, betörend und leidenschaftlich das Leben und die Liebe, den Schmerz und die Hoffnung besingend, ging es weiter im Programm „Aire Flamenco“ der andalusischen Sänger Maria Mellado Prenda und Enricque  Correa, die mit rhytmischem Händeschlagen, Percussionspiel und anfeuernden Rufen den Gitarristen Johannes „Josel“ Ratsch begleiteten. Traditionelle, volksliedhafte und neuere Lieder zum Träumen und Innehalten, leise bis glutvoll, sehnsuchtsvoll und lebensfroh. Maria Mellado Prenda singt ergreifend mit ihrem ganzen Körper, bewegt und gestikuliert mit den Händen. Und auch wenn man die Sprache nicht versteht, fühlt man worum es geht. Enrique Correa singt mit mal dunkel-schwermütig, bebender, mal stolz kraftvoller Stimme, ausdrucksstark und einfühlsam von Johannes „Josel“ Ratsch an der Gitarre begleitet. Abschließend besingt Maria mit tief warmer Stimme, allein von Trommeln begleitet ein archaisches, natur- und erdverbundenes Lied mit Blick auf das im Dunkeln entzündete Feuer.
Mit einer furiosen Feuershow vor der Klosterruine klang der mit viel Beifall bedachte Spanische Abend aus.

Der Spanische Abend ist heute, am 24.7., von 15 bis 21 Uhr noch einmal in Leisnig auf der Burg Mildenstein zu erleben.

Das Hahnemannzentrum Meißen, das sein Angebot als sozialer und kultureller Begegnungsort weiter ausbauen will, feiert im kommenden Jahr das Jubiläum „800 Jahre Kloster zum Heilig Kreuz“ in der einstigen Zisterzienserinnenanlage mit einer Festwoche vom 14. bis 21. September 2017.

http://www.hahnemannzentrum-meißen.de

http://www.mjv-online.de

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Sommertheater Dresden im Bärenzwinger: Humorvolle Glücksjagd im Wilden Westen

Premiere von „Coltfingers letzter Schuss – Ein Shakespeare aus dem Wilden Westen“

Alle sind besessen von der Suche nach dem großen Glück und Geld. Da wechseln Liebe und Lüge, Freund und Feind von einem Moment zum nächsten im Stück „Coltfingers letzter Schuss – Ein Shakespeare aus dem Wilden Westen“ (Buch und Regie: Peter Förster). Die nunmehr 13. Inszenierung des Sommertheaters Dresden erzählt unterhaltsam, spannend und mit viel schwarzhumorigem, aktuellem Zündstoff über eine Gruppe von Auswanderern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Premiere war am Freitag abend im überdachten Innenhof im Bärenzwinger.

Als Spielkulisse dienen Stellwände mit Saloon und Schwingtür, Planwagen und ein Indianermarterpfahl. Da nehmen die fünf jungen Schauspieler im wildem Rollen- und Kostümwechsel amüsant, zungenbrecherisch reimend und mit viel Situationskomik die klischeehafte Wildwest-Romantik der Karl-May-Filme ebenso wie westliche Werte und Willkommenskultur in Historie und Gegenwart näher unter die Lupe. Als heuchlerisch gut meinender, finsterer Typ im Anzug und Hut tritt der Geschäftsmann Coltfinger auf (Dominik Breuer), der trickreich versucht den Indianern ihr Land wegzunehmen. Ebenso naiv wie lässig begegnet ihm als stolzer Wild- wie Schürzenjäger der Häuptling „Ins Herz treffender Pfeil“ (Dennis Dagli). In die Quere kommt ihnen der schießwütige Cowboy und Depp Slaughterman (Simon Fleischacker). Außerdem bieten die zwei so reizenden wie cleveren Salongirls (Antonia Michalsky und Carolin Jakoby) mit scharf-witziger Wortmunition den Männern Paroli. Herzlicher Beifall vom Publikum.

Gespielt wird bis 18.8. und dann wieder vom 23.8. bis 4.9., täglich außer montags.

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http://www.Sommertheater-Dresden.de

 

Galerie mit Weitblick Radebeul: Im Farbenmeer von Maria Mednikova

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Sommerlich beschwingte Malerei von Maria Mednikova zeigt derzeit eine Ausstellung in der Galerie mit Weitblick in Radebeul.

In farbenreiche Landschaften und an Sehnsuchtsorte entführt die Künstlerin Maria Mednikova derzeit die Besucher in der Ausstellung „Die Ewigkeit im Herz“ in der Galerie mit Weitblick auf der Oberen Bergstraße 13 in Radebeul.

Mit ihren Bildern taucht man in ein Farbenmeer aus leuchtend expressiven und zart pastellfarbenen, lebhaft wogenden Formen. Im Wechsel des Lichts und der Jahreszeiten sind Naturstimmungen und die Orte ihrer Reisen oft nur von knappen Linien umrissen in den luftig-leicht beschwingten Aquarellen und Tuschezeichnungen eingefangen. Die Mittagssonne in Montenegro strahlt über dem belebten Strand und einer kleiner Kirche. Ein rotes Boot ruht auf dem Wasser. Da schlängelt ein blauviolettes Band inmitten sandiger Landschaft „Auf der Dolmar“, verschwimmen Meer und Horizont in der „Boddenlandschaft auf Hiddensee“, spiegeln sich in den Ölbildern Himmel und Bäume im Wasser farbenfroh in einer Teichlandschaft oder strahlen warm im Abendlicht und wärmt die Wintersonne kahle Baumstämme.

Sommerbunte Gartenblumen und Stillleben mit Primeln, Tulpen und Äpfeln sind bezaubernd festgehalten. „Einzig auf die Farbe kommt es an“, sagt Maria Mednikova über ihre Arbeiten. Manchmal könne sie gar nicht so schnell malen wie sie sieht, da sich das Licht auch ständig ändert. Ihr Farbauftrag mit Spachtel ist ungeachtet dessen voller Schwung und Leichtigkeit. „Farben sind lebendig wie die Ewigkeit im Herzen, in ihnen sind alle Hoffnung, Liebe und Erinnerungen verankert“, sagt die Künstlerin.

Ihren ersten Malunterricht in Aquarellmalerei und Zeichnung erhielt Maria Mednikova mit zehn Jahren bei der Malerin Tamara Kawolina an der Akademie der Künste in St. Petersburg. Hier wurde sie 1977 geboren. Inzwischen ist sie in Dresden zuhause. Sie studierte Malerei und Grafik an der Dresdner Kunsthochschule von 1997 bis 2004. Ihre Lehrer waren Siegfried Klotz, Elke Hopfe, Max Uhlig und Ralf Kerbach, bei dem sie nach ihrem Diplom außerdem drei Jahre Meisterschülerin bis 2007 war. Seitdem lebt und arbeitet Maria Mednikova mit ihrer Familie, ihr Mann Olaf Amberg ist ebenfalls Maler, als freischaffende Künstlerin in Dresden. Die Ausstellung ist noch bis 2. Oktober in der Galerie mit Weitblick in Radebeul zu sehen.

Geöffnet: Sa und So von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

www.doro-malerei.de Tel.: 0174 – 147 12 70

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Sommerausstellung in der Galerie Mitte: Es blüht die Fantasie…

Eine Augenweide für die Sinne

Es blühen der Schalk, die Lebensfreude und die Sinneslust in farbenfroher Vielfalt der künstlerischen Handschriften. Leicht und beschwingt,witzig-hintergründig und zuweilen nachdenklich geht es zu in den rund 140 Arbeiten von 48 Künstlern aus Dresden, Leipzig, Augustusburg bis Gütersloh.
Zu sehen sind diese zurzeit in der Sommerausstellung „Es blüht…“ in der Galerie Mitte am Fetscherplatz/Striesener Str. 49, 2. Etage (noch bis 13. August).
Da sprießen Sommergewächse aller Art auf Leinwänden, Aquarellen, Druckgrafiken, Papierschnitten und Filzobjekten. Da prangen Blüten keck im Haar von Frauen oder umspielen nackte Körper und fliegt ein sonnengelbes Lachen aus einem Mund. Dem „Rosenkrieger“ mit Blütenkopf wachsen Dornen aus den Händen in einer Zeichnung von Katharina Probst. Neben ihm zieht in einem weiteren Blatt von ihr die „Schöne Gärtnerin“ alle Blicke und Insekten an.

Die Fantasie blüht in aller Fülle in einem Objektbild von Christoph Winkler, auf dem das Meer wogt mit seinen vielen Gesichtern und wundersamen Fundstücken. Einen alten schelmischen Satyr, halb Mann, halb Stier aus dionysischen Gefilden zeigt als graue Keramikplastik und mit strahlend blauem, efeuumkränzten Haupt der Künstler Rolf Büttner. Mit lustvollem Augenzwinkern hat Tanja Rein „Zwei Tittenfische“ im Meer in ihrer Aquarellzeichnung eingefangen. Ein Paar schwebt mit den Blütenkelchen und eine meerblaue Frau betrachtet ihr Spiegelbild in zwei Grafiken von Gudrun Trendafilov.

Traumhaft farbige Unterwasserlandschaften zeigt die russische Kunstfotografin Oxana Jad. Weit gereist sind offensichtlich die zwei ornament- und farbenreich bemalten Fußsohlen von Viola Schöpe. Inmitten einer Früchteschale mit Blüten liegt ein Fisch. „Der letzte Stör“ heißt die Installation von Susan Donath, die an den fragilen Zustand nicht nur der Natur erinnert.

Erstmals dabei mit ihren Werken in der Galerie Mitte sind der kolumbianische Maler und Grafiker Juan Miguel Restrepo mit seinen Bildern über Leben und Vergängnis sowie die beiden Dresdner Künstlerinnen Mirjam Moritz mit ihren heiter-erfrischenden Blumenstilleben und Kerstin Böttger mit filigranem Papierschmuck, Ketten- und Ohranhängern und poesiereichen Zeichnungen.

„Die Ausstellung will in dieser nicht gerade lebens- und kunstfreundlichen Zeit etwas Blühendes entgegensetzen und die Sinne anregen. Es geht um Mythen, Zuwendung, Träume und Illusionen und auch Visionen“, sagt Karin Weber, Kunstwissenschaftlerin und seit über 30 Jahren Galeristin. Sie kümmert sich außerdem als Geschäftsstellenleiterin beim Neuen Sächsischen Kunstverein um Ausstellungen, Führungen und Atelierbesuche bei Künstlern innerhalb der „Schule des Sehens“.
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Geöffnet: Di bis Fr von 15 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr  sowie nach Vereinbarung
Fon/Fax: 0351 – 459 00 52, Mobile: 0179 – 297 95 52

http://www.galerie-mitte.de

DSCF6382 Filzblumen von Claudia Müller,
Engel von Elena Pagel

DSCF6384Memento mori von Juan Miguel Restrepo, Der letzte Stör von Susan Donath

DSCF6389 Satyr von Rolf Büttner, Blumenstilleben
von Mirjam Moritz

DSCF6391Paar von Gudrun Trendafilov, Es blüht der Schalk…
von Heike Brettschneider

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„Tittenfische“ von Tanja Rein

DSCF6399„Rosenkrieger“ von Katharina Probst

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Papierschmuck von Kerstin Böttger

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Objektbild von Christoph Winkler

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Manuela Neumann

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Manuela Neumann

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Angela Hampel

DSCF6434Viola Schöpe