Weihnachtsausstellung „Erotischer Advent“ in der Galerie Kunst & Eros


Traumversunkene Zweisamkeit. Titelbild von Gudrun Trendafilov zur Gruppenausstellung „Erotischer Advent“. Foto: Galerie Kunst & Eros

Verlockendes für die Sinne

Die neue Weihnachtsausstellung »EROTISCHER ADVENT« eröffnet heute, 25. November, 19 Uhr und ist bist 28. Januar 2023 zu sehen.

Begrüßung: Janett Noack, Galeristin

Musik: Kleines Konzert mit Stephan Pankow Gitarre/ Mandoline & Ruslan Krachkovsky Akkordeon in den Räumen der Galerie

Das Duo spielt an diesem Abend eine Melange aus traditioneller brasilianischer Folklore und Eigenkompositionen

In dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Grafik, Malerei und Plastik zeitgenössischer Künstler vorgestellt:

Rita Geißler · Anita Voigt · Udo Haufe · Konstanze Feindt Eißner · Gudrun Trendafilov · Horst Hille · Tina Wohlfarth & weitere Gäste

Wir freuen uns auf dieses Wiedersehen, Ihre Neugier und auf die anschließende Geselligkeit in der Galerie.

Text: Janett Noack

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Neue Lyrik: Neues Lebensjahr & Kinderbild & weitere

Neues Lebensjahr

Alle Farben des Himmels
maltest Du mir
im tiefen Rot gemischt mit Grau
sass ein dunkler Vogel
in der Dämmerung

mir wuchsen Farnflügel
hin zu Dir
nun sitz ich mit dem Vollmond
allein hier
die Gäste längst fort

die Stile lässt mir
keine Ruh die brennende Kerze
im Dunkel umschleichen mich
meine Wünsche wie Katzen
die Geschenke noch unausgepackt

keine Spur von Dir
dem anderen Teil meiner Existenz
Spross und Spiegelbild
das sich nach Ganzheit sehnt

warum können wir
uns nicht lassen
wie wir sind
ohne uns aus den Augen
zu verlieren

warum kann ich mein Gepäck nicht
einfach abstellen
und dem Meer übergeben

LV
11./12.11.2022

Der erste Schnee

Gestern fiel der erste Schnee
ich sah ihn nicht
fuhr vorher noch entlang
einer gelben Baumallee
mitten im November

heute wieder strahlender Sonnenschein
winzige weiße Flecken festgeklebt
auf dem Efeudach vom Gartenhaus
rote Kaktusblüten im Wintergarten läuten
den Winter ein

LV
19.11.2022

Zuneigung

Tiefrote Blütensterne
fielen nacheinander ein
ihre Köpfe hingen
Geburtstagsblumen
sah nicht mehr ihr Leuchten
nur mehr den fallenden Schein

riss sie um noch tiefer
in die dunkle Erde
und richtete die Blüten
wieder auf
hielt sie in den Händen
kann aufrichtige Schönheit
je enden

LV
20.11.2022

Kinderbild

Als ich Dir heute morgen
von der Teddy-Ausstellung erzählte
fiel ein Stück heraus aus dem Bild
es hatte  schon einen Riss
ein weißer Fleck nahe am Gesicht
verlor sich irgendwo zwischen Decke und
Falten des Bettes Büchern und Notizen

suchte fassungslos alles ab
nach dem kleinen Fizzelchen
das mich vollständig sein lässt
Müdigkeit splitterte aus den Augen
obwohl schon Tag
draußen die Müllabfuhr entleerte die Behälter
ich bin es müde in Erinnerungen zu kramen

Teddywärme hatte ich
aber wer hielt mich sonst
der Teddy sitzt mit grau abgewetztem Fell
vor dem Fenster
und hütet das Kinderbild
von einst

LV
22.11.2011

BilderAlbum: Atelierbesuch bei Ralf Uhlig in Radebeul


Farbreich & feinsinnig bezaubernde Landschaften & Lebensmomente: Der Maler und Grafiker Ralf Uhlig vor einem neuen Bild in seinem Atelier in Radebeul. Im kommenden Jahr ist eine Einzelausstellung seiner Bilder in der Stadtgalerie Radebeul geplant.

Lebensbaum
(Für Ralf Uhlig)

Ein Holzscheit ragt auf
vor dem Atelierfenster
vis a vis zum letzten gelben Blattgefunkel
die letzten Gartenrosen stehen
halb verblüht auf dem Tisch bereit zum Malen
bestückt das Holz mit alten Zahnrädern und Taschenuhren
sie ticken lautlos
Farben halten verrinnende Zeit auf dem Papier fest
Augenblicke Landschaften Orte

der Blick hält inne ruht aus
verweilt wandert über die Bilder
schlängelnde Waldwege Baumalleen Berge
Wiesen Wolken und Wasser Spiegelungen
fließen warm hell und dunkel
ineinander im Licht und Schatten des Tages

strahlendes Gelb mischt sich mit fahl grüngrauem Nebeldunst
eisblau schimmert der See umrahmt von Schilf
und den schwarz und violetten Umrissen der Bäume
am Ufer
vielfarbiges Leuchten und Raunen sich überlagernder
Farbgespinste wie ein Traum aus ferner Zeit
führt eine blaue Tür in verwitterter Steinmauer
zu einem von Bäumen umstandenen Gehöft
was verbirgt sich im Inneren

LV
20.11.2022

Fotos (lv)

Mehr Text zum Schaffen und Werk von Ralf Uhlig folgt.

Weitere Infos: http://www.ralfuhlig-malerradebeul.de

Premiere „Der brave Soldat Schwejk“ in der Comödie Dresden


Von einer pikant brenzligen Situation in die nächste: In einer Paraderolle als „Soldat Schwejk“ glänzt der Komiker Thomas Böttcher. Fotos (2); Robert Jentzsch

Unerschütterlicher Humor gegen blinden Gehorsam

Von gemütlich zu explosiv, fröhlichen Klängen zu Marschmusik wechselt die Stimmung in der Komödie „Der brave Soldat Schwejk“ nach dem Schelmenroman von Jaroslav Hasek, der letzten Freitag Premiere in der Comödie Dresden feierte. Das beste Stück seit langem auf einer Dresdner Bühne und die Geschichte hochaktuell.

Er trägt sein Herz auf der Zunge und sein unerschütterlicher Humor ist Munition für die Mächtigen dieser Welt. Von beidem gibt es reichlich in der Komödie „Der brave Soldat Schwejk“ nach dem autobiographischen Schelmenroman von Jaroslav Hasek, der in einer Bearbeitung von Robert Gillner und Dominik Paetzholdt Premiere am Freitagabend in der Comödie Dresden feierte.

Die ebenso berührende wie bissige Satire um Obrigkeitshörigkeit, blinden Gehorsam, verlogene Doppelmoral der Befehlsgeber und bodenständige, gewitzte und untrügliche Volksweisheit ist im 100. Jubiläumsjahr der Romanvorlage aktueller denn je. Das Buch wurde in über 50 Sprachen übersetzt, verfilmt und für Theater und TV adaptiert. In einem Schwejk-Film von 1960 spielte Heinz Rühmann die Titelrolle. Die Inszenierung von Dominik Paetzholdt schafft das Kunststück, lustig und leicht bitterernste Themen wie die Angst vor Krieg, soziale Gräben und Spannungen und menschliche Zivilcourage auf die Bühne zu bringen. Sieben Schauspieler spielen um die 20 Rollen in kurzen Episoden, in schnellem Wechsel der Kostüme und Stimmungen und mit viel Situationskomik. Das turbulente Geschehen zwischen bierernst und tieftraurig vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird begleitet von abwechselnd flotten und schmissigen Walzerklängen wie dem Radetzkimarsch, volkstümlicher Blasmusik und romantischen, beschwingten Melodien. Vor der Kulisse eines Wirtshauses mit trist grauen Wänden und hohen Bogengängen trifft sich Freund und Feind, geht es offen und direkt, gemütlich und explosiv zu von einem Moment zum anderen.

Da sitzt Schwejk (herrlich schalkhaft-verschmitzt: Thomas Böttcher) in Jackett, Hut und Fliege beim Bier, bestellt gleich noch ein Dunkles aus Pietätsgründen, als er vom Attentat auf Herzog Ferdinand in Sarajevo erfährt und wird prompt von einem mithörenden Spitzel verhaftet, als er über den „beschissenen Kaiser“ von Österreich herzieht, obwohl es doch nur die Fliegen waren. Schwejk bittet um Handschellen, damit die Leute nicht denken, er gehe freiwillig mit einem Spitzel und bekommt Szenenapplaus dafür. Furchtlos, voll trockenem Humor, deftig und anrührend naiv-komisch spielt Thomas Böttcher, bekannt als Radiomoderator und Komiker, in einer Paraderolle wie auf den Leib geschrieben den „behördlich anerkannten Idioten“ Schwejk, der doch immer den Nagel auf den Kopf trifft. Als kluger Dummkopf bringt er Polizeibeamte, Ärzte und Oberste derart in Rage, dass ihnen reihum die angeklebten Schnauzbärte abfliegen zum Gaudi des Publikums. Ob bei der Musterung fürs Militär, im Spital bei den kriegsverweigernden, verschiedenste Krankheiten vortäuschenden Simulanten oder aus dem Zug an die Front geworfen, da er die Notbremse zog, überall trumpft Schwejk auf mit pointierten Sprüchen wie: „Nur mit Klisieren kann die Monarchie existieren!“ oder „Der Krieg ist nur was für reiche Leute!“

Mal ist er der Trottel, mal ein gefeierter patriotischer Held als Krüppel im Rollstuhl. Als Laufbursche des galanten Oberleutnants und Schürzenjägers Lukasch mit Wiener Dialekt (Ferdinand Kopeinig) hilft Schwejk ihm immer wieder aus der Bredouille, aus pikanten Situationen und springt notfalls samt seiner Manneskraft selbst ein bei gar zu liebeshungrigen Damen. Alle Frauenrollen wie auch eine spendable, geleimte Baronin und die fesche, besorgte Wirtin, spielt Dorothea Kriegl. Ein bisschen mehr Liebe und keiner hätte mehr Zeit für den saublöden Krieg!, kommentiert Schwejk dazu. Er entführt einen – echten – sehr lieben und folgsamen Hund für den Oberleutnant, den sein Herrchen jedoch beim Gassi gehen wieder erkennt und ihn strafversetzt an die Front. Schwejk begleitet den Oberleutnant bis zum letzten Atemzug. Nahegeht auch  die Szene mit dem russischem Soldat Ossip (Ulrich Milde), die beide die Gewehre niederlegen, sich nebeneinander setzen am Bühnenrand, ihre Geschichte erzählen und die Uniformen tauschen. Schwejk wird deswegen zum Tod verurteilt. In letzter Minute der erlösende Ruf: Der Krieg ist aus! Und Schwejk kann doch noch zur Verabredung mit seinem besten Freund Woditschka im Gasthaus. Er hat nur noch ein Bein. Der Spitzel sitzt auch wieder am Nebentisch. Alles ist so wie es war, nur bissl schlechter, sagt Schwejk. Und er hofft, dass mit dem Frieden auch der Verstand zurückkommt. Reichlich Beifall und stehende Ovationen gab es für einen Theaterabend, der großartig Unterhaltung und Haltung vereint. Bitte mehr von diesen Schwejks!

Text + Fotos (2) (lv)

http://www.comoedie-dresden.de


Spielte brav mit im Stück und bekam hinterher viel Applaus und Leckerli: Hund Charly, im Stück heißt er „Rosine“.

Neue Lyrik & Wiedergefundenes: Berührung & Traum & LichtSegel & Erinnerung & Nachts

Berührung

Ungewohnt
dass einer neben mir liegt
auf diese Weise

dreh mich auf den Bauch
wie Strandgut
angeschwemmt
zu keiner Regung fähig

dann auf der Seite
liegend zeichnest du
mit einer Hand
Körperumrisse nach

sanft verhalten
wie ein feiner Luftzug
fächelnder Wind am Meer
auf durchlässiger Haut

wozu Hände gut sind
sie streifen streichen entlang
auf der Hülle rühren etwas an
in mir
lauernd wie Katzen

auf ein Zeichen Zugreifen
das Unfassbare
das sich in uns
nach Nahrung sehnt

eingerollt unter der Decke
aus rotem Samt
die Krallen eingezogen

überlasse ich mich diesen Händen
die mir erzählen was ich noch nicht
oder nicht mehr weiß

LV
28.10.2022

Traum

Letzte Nacht sah
ich dich im Traum
schemenhaft
lange vermisst

saßest du da
ich legte mich
auf deine Knie
wiegte mich wie Wellen
sanft hin und her

griff nach deiner Hand
du nahmst und hieltst meine
ergriffen sah ich es

später stand ich
allein mit viel Gepäck
angesammelt in all den Jahren
du kannst es nicht für mich tragen
weiß ich es ist dir zu viel

ich kann eins nach dem anderen tragen
nichts wiegt schwerer als Versäumtes
Unversuchtes Ungelebtes Erträumtes

es wird leichter wenn du siehst
ich gehe diesen meinen Weg mit all
den Unwägbarkeiten großen und kleinen Schritten
schaukle getragen von den Wellen
überwundener Hindernisse auf und ab vor Glück

nun trag ich diesen Traum mit mir
mein Gepäck kannst du mir nicht abnehmen
doch mit mir sein
Anteil nehmen
am Leben das dir und mir
noch bleibt

LV
28.10.2022


LichtSegel

Nun reist das Papierschiffchen
mit dem Blattsegel
aus goldenem Licht
herzoffen
gleich fort
zu Dir

überbringt meine Grüße
ich wünschte
Du wärst hier

LV
7.11.2022

Erinnerung

Ein Junge mit greisem Gesicht
grauem Haar und zu langen Hemdsärmeln
unter schwarzer Weste

den Kinderschuhen nie entwachsen
doch zeitig erwachsen
seine Tränen sieht keiner

zwischen den Zeilen
die Bücher der Vergangenheit
stehen zugeschlagen

der Junge altert nie
sich zu erinnern durch alle Zeit

LV
17.1.2014, nach der Premiere von „20 000 Seiten“ von Lukas Bärfuss, einem Stück über Erinnern und Vergessen

 

Nachts

Die Nacht schleicht
auf Samtpfoten heran
im Fell die letzten
Sonnenstrahlen löschen
den Tagstaub

in der wachen Stille
wandern Sternaugen
halten mich in der Dunkelheit
umarme die Schatten

im Verborgenen bergen sie
meine Geheimnisse
in der Tiefe auf dem Herzgrund
fallen aus der Schwärze Perlen

die ich bei Tag nicht sehe

LV
21.6. 2014, zum Sommeranfang,
der kürzesten Nacht des Jahres

Hereinspaziert zum Open Mic – der offenen Bühne für alle im Kulturcafé Freital


Das erste Mal auf einer Bühne: Gudi, sechs Jahre, hat viel Freude am Musizieren zusammen mit der Musikerin Sophia Mix beim Open Mic im Kulturcafé im Kulturhaus Freital. Später kamen auch noch ihre Schwester Asia, zwölf Jahre, und ihr Vater ans Mikro. Er sang ein Lied aus seiner Heimat Syrien.

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Herzerwärmende Lieder und humorvolle Verse

Beim Open Mic, einer offenen Bühne für alle überraschen sich Akteure und Zuschauer gegenseitig. Jeden ersten Dienstag im Monat, ab 19 Uhr im Kulturcafé Freital.

Die Scheinwerfer sind schon an. Gudi, sechs Jahre, sitzt schon probehalber auf dem Hocker am Mikro. An ihrer Seite steht die Musikerin Sophia Mix mit der Gitarre und stimmt eine Melodie an. Die ersten Zuschauer nehmen Platz. Zur Tonprobe kommen auch noch ihre Schwester Asia, zwölf, und ihr Vater auf die Bühne. Er singt ein Lied aus seiner Heimat Syrien. Mit seiner Familie ist er vor dem Krieg geflohen, zuerst waren sie neun Monate in Griechenland in einem Camp. Seit zwei Jahren wohnen sie in Deutschland. Zuerst in Kreischa und seit einem Monat in Freital. Asia spricht arabisch, englisch, lernt gerade französisch, versteht auch schon gut Deutsch und übersetzt für ihren Vater. Sie sind schon das vierte Mal im Kulturcafé im Kulturhaus Freital, Lutherstraße 2, das immer dienstags ab 16.30 Uhr offen steht für alle Interessierten.

Jeden ersten Dienstag im Monat, ab 19 Uhr ist Open Mic. Eine offene Bühne für alle, für selbst erdachte und traditionelle Texte, Lieder, Gedichte und Performances aller Sprachen und Formen. Ein Experimentierraum für Neues. Jeder, der mag und Spaß daran hat, kann etwas vortragen vor Zuschauern. Egal ob Laien oder Profis. Technik und ein Klavier sind vorhanden. Instrumente gerne mitbringen. Ohne Voranmeldung kann man auf die Bühne. Eintritt frei. Das macht die Sache auch so spannend und überraschend für Zuschauer wie Akteure, wer kommt und wie es wird. Man braucht nur Neugier, Offenheit und etwas Mut dafür. Je mehr sich trauen, um so bunter und ausdrucksreicher wird der Abend. Gern überraschen von neuen Teilnehmern und Beiträgen lässt sich auch Sophia Mix, die Gastgeberin der offenen Bühne. „Ich bin ein Bühnenmensch“, sagt die 36-Jährige. Ihre Mutter hatte ein kleines Theater in Würzburg. Seit kleinauf konnte Sophia sich dort ausprobieren.

Seit 13 Jahren ist sie freischaffend tätig als Bildende Künstlerin und Musikerin und arbeitet auch im Montagscafé im Kleinen Haus in Dresden mit. „Dort wurde ich auch eingeladen, das Kulturcafé in Freital mitzugestalten“, erzählt sie. „Multidilletantin“ nennt Sophia Mix sich. Sie schreibt eigene Lieder und gern dadaistische Texte. Einige davon trägt sie witzig, wortspielerisch und temporeich an diesem Abend vor, die von einer „Flaschenpost“ erzählen und wie sie den Swing wiederfand. Und ringt köstlich sprachakrobatisch nach Worten im Liebesgedicht „Frag nicht“. Sie begleitet außerdem zusammen mit Vincent Oertel durch den Abend, stellt die Akteure vor und er stellt originelle Fragen. Der 35-Jährige schreibt auch, „Reflexionen über sich und die Welt“. Er  moderierte die „Open Mic`s“, die es einige Jahre in der Spielbühne Freital gab, und unterstützt jetzt Sophia bei der offenen Bühne im Kulturcafé. Zwischen fünf und 30 Zuschauer kamen bisher. Jeder Akteur hat eine viertel Stunde Zeit für seine Darbietung. „Man kann das Angebot auch als Netzwerk sehen. Man lernt Leute kennen, andere Musiker, Dichter und Autoren, kommt miteinander ins Gespräch und kann sich verbinden für andere Veranstaltungen“, sagt Sophia Mix. Wer schon einmal da war, kann gern wieder auf die Bühne.

Bevor es losgeht, gibt es  Tee, Kaffee oder Wasser und belegte Brote, die auf einem Tisch für die Besucher bereitstehen. Diesmal gehen sechs Akteure ans Mikro. Rund ein Dutzend kleine und große Zuhörer sitzen davor, hören aufmerksam zu und alle erhalten viel Beifall. Die Kinder sitzen in der ersten Reihe. Auch Asia, Gudi und ihr Bruder Abdul, der noch seine Fußballsachen trägt. Makeda, sieben Jahre,  malt nebenbei lustige Bilder mit fliegenden Herzen, Häusern, Mond, Sonne und Sternen auf kleine Notizblätter und verschenkt sie an die Zuschauer. Friedemann Röber aus Pretzschendorf leitet den offenen Familienchor im Kulturcafé und lauscht mit seinem kleinen Sohn Adrian im Arm der Musik. Beim Open Mic spielt an diesem Abend sein Bruder Christoph am Klavier und begleitet eine Sängerin. Sie singt mit sanfter, herzerwärmender Stimme Lieder von Tori Amos und Gundermann, die von Abschied, vom Wandel in der Natur und im Leben erzählen.

Franziska Mühr aus Tharandt las aus ihrem Buchmanuskript „Pocket Guide Grundschulzeit“ über ihre eigene Erfahrungen und von anderen Eltern, wie Kinder und Erwachsene durch einfühlsames Reden und Geduld, ohne vergleichen und bewerten, aktiver und lernfreudiger werden. René Seim aus Dresden ist zum zweiten Mal beim Open Mic im Kulturcafé Freital dabei. Seine Texte erscheinen, von ihm und anderen Künstlern illustriert, im eigenen „Windlust“-Verlag. Außerdem lädt er regelmäßig zum Wildblumenblues auf seine Lesebühne „Wildes Parfüm“ mit Texten anderer Autoren und Musik in die Spielstätte „Wanne“ im Stadtteilhaus Äußere Neustadt in Dresden ein. Das nächste Mal am 12. November um 16 Uhr. Seim las kurzweilig gereimte Verse mit viel Humor, Lust und Hintersinn und bekam reichlich Applaus. Das Spektrum reicht von Naturbetrachtungen, Liebesbriefen, Gedanken über Leben und Schreiben bis zu Geschichten über bunte Vögel, Dämmerlicht und Kneipenflair, Großmäuler und Genießer.

Stefan Döhnert blätterte lange bis er endlich seinen skurrilen Text für ein Kinderlied mit dem Titel „Ich liebe dich nicht“ fand und sorgte mit einem ironischen Dialog zum Thema Gender-Sprachverwirrung mit eigenen Wortschöpfungen wie „Spieli“ und „Mitbewohni“ für Heiterkeit. Und auch ich las spontan drei neue, auf dem Handy gespeicherte Gedichte: „Sonnenflecken (Für Vincent van Gogh), „Bericht an die Nachgeborenen“ (nach Brecht) und „Der Zwitscherbaum“. Das nächste „Open Mic“ findet am 6. Dezember als spezielle „Nikolaus-Edition“ statt. Nächste Woche Dienstag, den 8. November, von 18 bis 19.30 Uhr wird zum offenen Spieleabend für alle im Kulturcafé Freital eingeladen.

Text + Fotos (lv)

37. Internationales Pantomime Theater Festival: Zauberhaftes Spiel für die Allerkleinsten mit „Laterna Magica“ aus Prag


Mit und ohne weiße Schminke zieht der Pantomime Carlos Martinez aus Spanien die Zuschauer in Bann. Er ist am Sonnabend, 20 Uhr im Rudi zu erleben. Theater zum Staunen und Mitspielen für die Allerkleinsten gibt es am Sonntag um 13 und 14.30 mit „Laterna Magica aus Prag“. Fotos: Veranstalter

Wochenendtipp zum 37. Internationalen PantomimeTheaterFestival:
Kopfkino für die Seele, und mit der Phantasie auf Reisen gehen

Pantomime-KünstlerInnen aus Frankreich, Spanien, Indien und Tschechien verzaubern mit facettenreichem Körper- und Bewegungstheater ihr Publikum noch bis Sonntag, den 6. November im Theaterhaus Rudi. Etwas Besonderes ist die Familienvorstellung für Kleinkinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren mit Film, Tanz, Pantomime und Theater mit „Laterna Magica“ aus Prag am Sonntag um 13 und 14.30 Uhr.

Noch bis zum Sonntag findet im Theaterhaus Rudi das 37. Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden statt und zeigt nonverbales Bewegungstheater auf hohem internationalem Niveau. Zum ersten Mal ist eine Gruppe aus Indien zu Gast, außerdem sind Künstler aus Tschechien, Spanien und Frankreich dabei. Organisiert wird das Festival durch den Mimenstudio Dresden e.V.

Wie immer bietet das Festival ein breitgefächertes Spektrum des modernen Bewegungstheaters mit Elementen aus klassischer Pantomime, Theater, Tanz, Maskenspiel und Artistik. „Wir freuen uns auf ein sehr internationales Festival auf hohem künstlerischen Niveau“, so Michael Meinel, Vorsitzender des Mimenstudio Dresden e.V. „Künstler aus Indien hatten wir bisher noch nicht im Programm.

Auch die Familienvorstellung von Laterna Magika aus Prag ist etwas ganz Besonderes. Sie richtet sich an Kleinkinder zwischen 6 Monaten und drei Jahren und ist einfach zauberhaft.“

Samstag, 5.11., 20 Uhr „Vitamimo“ mit Carlos Martinez (ESP)
Die Vorstellung des Pantomimen Carlos Martinez (ESP) kann man nur als Weltklasse bezeichnen. Der Spanier verzaubert sein Publikum seit über 40 Jahren meisterhaft mit weiß geschminktem Gesicht. Er wurde 2017 vom Verband „World Mime Organisation“ mit dem WMA-Award für seinen herausragenden Beitrag an der Kunst der Pantomime ausgezeichnet. Beim Festival erwartet die Zuschauer eine Auslese aus acht ausgereiften Bühnenprogrammen, die der Weltklasse-Pantomime im
Laufe seiner Karriere spielte.

Freitag, 4.11., 20 Uhr „Les Aimant“ mit Mangano Massip (FR)
In ihrem Stück „Les Aimants – die Liebenden“ greifen Mangano Massip zum Beispiel spannende Beziehungsgeschichten auf und lassen sie auf ihre eigene tänzerische Art in den Köpfen der Zuschauer entstehen. Sara Mangano und Pierre-Yves Massip lernten sich übrigens 1994 in der Pantomimenschule von Marcel Marceau kennen.


Mit- und aneinander vorbei: Berührendes Körper- und Tanztheater zeigen in ihrem Stück „Les Aimants – die Liebenden“ Mangano Massip am 4.11., 20 Uhr im Theaterhaus Rudi. Foto: Veranstalter

Samstag, 5.11., 17 Uhr, Alice in The Wonderbox mit Mangano Massip (FR)

In „Alice in the Wonderbox“ verschmelzen gestisches Theater und Masken, Marionette und digitale Kunst. Hier ist die Compagnie Mangano Massip mit vier Mimen zu erleben.

Sonntag, 6.11. 13 Uhr und 14.30 Uhr
Die Kindervorstellung von Laterna Magika aus Prag für die Allerkleinsten steht am Sonntag sogar zweimal auf dem Programm. Hier sind Babys und Kleinkinder im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren willkommen und werden nach einem faszinierenden Konzept in das Geschehen auf der Bühne eingebunden. Dieses Stück wird erstmals außerhalb des tschechischen Nationaltheaters gezeigt, wo Laterna Magika ihr Zuhause haben. Es lebt von der Verbindung von Film, Tanz, Pantomime und Theater und bringt die Kleinsten spielerisch auf zauberhafte Weise zum Staunen und Agieren.

Sonntag, 6.11., 19.30 Uhr „Cheitheng“ mit Kanglei Mime Theatre (Indien)
Das Kanglei Mime Theatre aus Indien wird eine Episode aus einem historischen Epos interpretieren und entführt auch dank der farbenprächtigen Kostüme und exotischen Klänge in eine andere Kultur und Zeit. Das neunköpfige Ensemble wird durch drei Musiker begleitet und anlässlich des 75. Jahrestages der Unabhängigkeit Indiens zum Festival nach Dresden delegiert.


Kraftvolle Akrobatik zu Trommelklängen: Ein Mitglied des indischen Kanglei Mime Theatre. Foto: Veranstalter

Alle Vorstellungen finden im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2, statt.
Karten für die Vorstellungen gibt es bei SAX-Ticket (saxticket.de), Reservix und an allen Vorverkaufskassen, die mit Reservix zusammenarbeiten.
Eintrittspreise: Vorverkauf 17,70 €, ermäßigt 14,40 €
Restkarten an der Abendkasse: 20,00 €, ermäßigt 15,00 €

Am 6.11. kann man im Projekttheater zwei Workshops für jedermann besuchen
„Workshops sind seit Gründung des Festivals vor 37 Jahren ein fester Bestandteil des Festivals“, betont Michael Meinel. „Uns geht es um den Austausch der Mimen, um die Weiterentwicklung des  Bewegungstheaters und wir laden Interessiere mit und ohne Vorkenntnisse herzlich ein dabei sein. Hier bekommt man einen tollen Einblick, wie man Geschichten mit Mimik und Körper erzählt.“

Von 11 bis 13 Uhr arbeitet die Companie Mangano aus Frankreich mit den Teilnehmern am körperlichen Ausdruck beim Spiel und an der Bewegungsanalyse. Ihr Ziel besteht darin, die ganze Bandbreite des körperlichen Ausdrucks eines Schauspielers, die Nuancen der Bewegung und die dramatische Geste zu entdecken.
Von 13.30 Uhr bis 15 Uhr lädt der weltberühmte Pantomime Carlos Martinez aus Barcelona für 90 Minuten in seine Masterclass. Empfohlenes Mindestalter ist 18 Jahre, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. In seinem Workshop vermittelt er eindrücklich, wie das Zusammenspiel von Körper (Händen und Füßen) und Gesicht in der Pantomime erfolgt und wie Charaktere, Situationen und Gefühle
schrittweise sichtbar werden.
Für die Workshops am 6.11. (Teilnahme 15,00 €, ermäßigt 10,00 €) kann man sich
unter info@mimedresden.de und Telefon 0151/55619899 anmelden.
Die Teilnahme an einem Workshop am 6.11. kostet pro Person 15,00 €, ermäßigt 10,00 €.

Text: Sabine Mutschke

http://www.mimedresden.de


Zauberhaftes Theater für die Allerkleinsten mit „Laterna Magica“ aus Prag.

Ein Leben für den Rock`N`Roll: „The Firebirds“ aus Leipzig feierten 30-jähriges Bandjubiläum


Die Firebirds auf einem Bandfoto von 1994.
Session am Flügel in der Aula der Leipziger Werner-Heisenberg-Schule.

Nach 30 Jahren zurück zu den Wurzeln

Deutschlands bekannteste Rock’n’Roll-Band startete als Schülerband der Leipziger Werner-Heisenberg-Schule.

30 Jahre nach ihrer Gründung haben „The Firebirds“ den Ort ihrer ersten musikalischen Schritte besucht: die Werner-Heisenberg-Schule in Leipzig. Denn die heute bekannteste Rock’n’Roll-Band der Bundesrepublik hat sich in diesem Gymnasium als Schülerband gegründet. Die Jungs nahmen ihren 30. Geburtstag zum Anlass für einen kleinen Rückblick und haben dazu die heutige Schulleiterin, Lehrer von damals und natürlich auch die von heute sowie Mitglieder der sich in Gründung befindlichen aktuellen Schulband in die Aula der Werner-Heisenberg-Schule eingeladen.

Bei Firebirds-Gründungsmitglied Guido Gentzel kamen mit jeder Treppenstufe mehr Erinnerungen an die damalige Zeit hoch. „Damals ließen wir uns freitags nach Schulschluss einschließen, um in Ruhe im Bandraum proben zu können – teilweise sogar über Nacht. Und am nächsten Tag riefen wir unsere Musiklehrerin Karin Schumacher an und sie kam extra für uns in die Schule, um uns wieder rauszulassen“, so Gentzel. Und genau diese Lehrerin, die jetzt Weidel heißt, ließ es sich nicht nehmen, von Saalfeld in Thüringen, wo sie jetzt unterrichtet, extra zum Treffen nach Leipzig zu kommen und ihre Zöglinge zu treffen. „Als neue Musiklehrerin habe ich damals gefragt, wer singt, wer kann tanzen oder wer kann ein Instrument spielen. Von 25 Schülern haben seinerzeit zwölf die Hand gehoben, unter anderem Guido, der sagte, dass er Schlagzeug spiele. Ich antwortete ihm, dass das kein Instrument sei, wogegen er sich ganz schön auflehnte. Aber wenig später durfte ich seinen Künsten lauschen und wurde eines Besseren belehrt“, erinnert sich Karin Weidel. Christina Stegmann, als einzige Lehrerin von Anfang an dabei, als die Jungs damals noch im Plattenbau unweit der heutigen Schule anfingen, ist stolz auf deren heutige Leistung. „Damals sagte ich ihnen, dass sie unbedingt nach der Schule weitermachen müssen – glücklicherweise haben sie haben auf meinen Rat gehört. Den auf sie folgenden Schülerbands habe ich immer den Erfolg der Firebirds vor Augen gehalten – leider haben die meisten mit Schulzeitende aufgehört zu spielen“, sagt Frau Stegmann. Dank vieler Fördermittel gibt es heute einen perfekt ausgestatteten Bandraum, von dem die Firebirds damals nur geträumt hätten. Ein super Start für die neue Schulband.

Heute bestehen die Firebirds aus zwölf Personen: Neben der eigentlichen Band gehören fünf Techniker und zwei Kräfte im Büro zum Team. „Die sind nötig, wenn man bedenkt, dass wir in den letzten 30 Jahren über 4.000 Konzerte spielen durften. Leider haben uns immer wieder Bandmitglieder verlassen, um ihren eigenen Weg einzuschlagen. Aber jeder Neuzugang hat uns neue Wege eröffnet. Wir haben somit immer profitieren dürfen“, sagt Mit-Gründer Konrad Schöpe.

Doch die Firebirds singen nicht nur, sie leben auch ihren Rock’n’Roll: Mittlerweile organisieren sie für ihre Fans jedes Jahr am ersten Juli-Wochenende ein eigenes Festival im und am Schloss Trebsen und 2023 ihre zweite Rock’n’Roll-Cruise, diesmal im östlichen Mittelmeer. Man kommt als Band viel herum und versteht sich dabei immer als Botschafter der Musik und des Miteinanders. Aus dem Grund sagte Konrad Schöpe auch spontan zu, als ihn die heutige Schulleiterin Dagmar Schreiber fragte, ob er, so sich die Schule für die Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ qualifizieren würde, die Patenschaft übernehmen würde.

Der Bandraum liegt wie damals immer noch neben der Aula. Und in dieser steht immer noch ein Flügel. An diesen setzte sich das neueste Firebirds-Mitglied Roy J. Martin und spielte spontan ein Lied von der neuen CD. Anschließend kamen Guido, Konrad sowie die zwischenzeitlich zur Band gekommenen Krusdy van Friday und Henning Plankl dazu und performten zu fünft einen A-capella-Song für ihre Gäste. „Wir waren gerne in unserer alten Schule zu Besuch und haben die Atmosphäre und die Gespräche genossen, denn wir sind immer noch Lokalpatrioten. Wir sind unterwegs in der Welt, aber immer bodenständig und heimatverbunden geblieben. Daher starten wir unsere Jubiläumstour auch am Mittwoch, 2. November, in Leipzig. Weiter geht es in unserer näheren Umgebung am 3. November in Halle, am 4. November in Chemnitz und am 5. November in Kooperation mit den Jazztagen Dresden in der BallsportARENA Dresden. Und exklusiv auf diesen Konzerten starten wir mit dem Pre-Sale unserer neuen CD ‚Stripes‘. Jetzt freuen wir uns auf viele Gäste bei unseren Auftritten – lasst uns den Geburtstag gemeinsam feiern!“, so Konrad Schöpe abschließend.

Weitere Infos: www.the-firebirds.de

Text + Fotos: meeco Communication Services

 

Eröffnungsgala zum 37. Internationalen Pantomime Theater Festival in Dresden

Verlockendes Spiel mit Orangen und Reise durch die Zeit

Faszinierendes Körper- und Bewegungstheater mit Mimekünstlern aus Frankreich, Spanien, Deutschland und Indien war am Mittwochabend zur Eröffnungsgala des 37. Internationalen Pantomime Festivals im Theaterhaus Rudi zu erleben. Insgesamt zeigen fünf Gruppen in acht Vorstellungen ihre Stücke bis Sonntag.

Der „Orangen-Kuss“ vom Titelplakat des diesjährigen Internationalen Pantormime Theater Festivals. Gestern abend zur Eröffnungsgala war er im Theaterhaus Rudi live zu sehen. Der Theaterraum war erfreulich gut gefüllt. Eine Frau und ein Mann halten eine Orange zwischen ihren Lippen. Teilen sie sich oder streiten darum. Das lässt das Bild offen. Es sieht sehr verlockend und verführerisch aus. Ebenso war auch der Auftritt der Compagnie Mangano-Massip aus Frankreich, die den Reigen der Mimekunst in allen Spielarten eindrucksvoll eröffneten. Betörend, zart und kraftvoll zugleich.

Buchstäblich mit allen Sinnen spielen, erstaunen und bezaubern Mangano und Massip mit ihrem sinnlich intensiven, tänzerischen Körper- und Bewegungstheater zu südländischen Giitarrenklängen. Ein Mann im hellen Anzug steht am Fenster, zieht die Jalousien hoch. Ein langer weißer Vorhang fällt fließend in den Raum, der in warmes Licht getaucht ist. Eine Frau kommt herein. Sie trägt ein schwarzes Kleid. Er hebt sie hoch, trägt sie durch den Raum. Sie balanciert vorsichtig, erkundet den Raum um sie herum. Auf dem Tisch das Spiel mit den Orangen. Sie hält eine Frucht vor ihren Körper. Sie tanzen zusammen, innige Nähe, im gleichen Rhythmus. Er schnipst mit den Fingern, ihre Körper stoßen aneinander, außer Takt. Ihre Arme greifen wie Grenzen, Schranken, Sperren an den Körpern vorbei ins Leere, sie fühlen sich eingesperrt, eng, starr. Spannende Gefühlskontraste über Miteinander und Freisein in Beziehungen und die Suche nach dem eigenen Weg und Wahrhaftigkeit. Die Kostprobe aus dem Stück „Les Aimants – Die Liebenden“ von Mangano-Massip machte Lust auf mehr und bekam reichlich Applaus. Zu seheen am Freitagabend, 20 Uhr im Rudi. Außerdem zeigt die Compagnie am Sonnabend, 17 Uhr ihr Stück „Alice in The Wonderbox“, eine Reise in virtuelle Welten, bei der Identität, Wirklichkeit und Schein absurdkomisch verschmelzen. Ein Stück zwischen gestischem Theater und Masken, Marionette und digitaler Kunst.

Körpertheater und Tanz verbindet beeindruckend auch der aus Puerto Rico stammende Mime und Tänzer Mai Rojas, der bereits viel gereist ist mit dem Circque de Soleil. Er zeigte Szenen aus dem Stück „A Skin Poem for a Cosy House“ – das Hautgedicht für ein gemütliches Haus“ ist im ersten Jahr der Corona-Pandemie entstanden. Ein Welttheater aus Katalonien um Tod und Leben. In wunderbaren Bildern zwischen Traum und Realität auf die Bühne gebracht von Mai Rojas als Reisender zwischen Raum und Zeit, der mit seinem Koffer mal davonzufliegen schein und sich daran festhält. Zu sehen ist dieses Stück am 3.11., 19 Uhr im Rudi.

Der spanische Pantomime Carlos Martinez feiert dieses Jahr sein 40-jähriges Bühnenjubiläum mit seinem neuen Stück „Vitamino“, das am 5.11., 20 Uhr im Rudi zu sehen ist. Normalerweise sprechen Mimen nicht, doch zu diesem besonderen Anlass erzählte Martinez, wie er zur Pantomime kam. Er redete als Kind viel, was seinem Vater weniger gefiel. Doch er wollte nicht ruhig sein und sein Traum war es, eines Tages alle Sprachen dieser Welt zu sprechen. Sein Vater meinte, dass gehe nicht. Doch Carlos gab nicht auf. Sein zweiter Traum war, Schauspieler zu werden. Sein Vater hatte wieder Bedenken wegen der „brotlosen“ Kunst. An der Schauspielschule brachten sie ihm Pantomime bei, so Martinez. „Pantomime ist doch nur so ein halber Schauspieler. Und ich will reden“, dachte er. Martinez erzählt und gestikuliert lebhaft mit seinen Händen. Einen seiner ersten Auftritte als wortloser Künstler hatte er auf einem Kongress mit tausenden Zuschauern. „Sie hätten den Übersetzer sehen sollen! Und erst das Publikum“, sagt er schmunzelnd. Sein Traun hatte sich erfüllt: „In dem Moment sprach ich alle Sprachen der Welt.“

Zur Eröffnungsgala des Pantomime-Festivals in Dresden zeigte Carlos Martinez Szenen aus seinem ersten Stück „Der Barbier“. Mit nur einem Stuhl als Requisit. Sein Werkzeug ist die Körpersprache, vielsagende Blicke und Gesten. Er bindet dem unsichtbaren Gast galant ein Tuch um, knotet es fest, rührt Rasierschaum an mit abwechselnd gelangweilter und freundlicher Miene. Hebt ein Bein widerwillig und wetzt das Messer und schwingt es in der Luft, agiert wie ein tollkühner Torero. Hält sich mit einer Hand die Augen zu als wolle er nicht sehen, was er da gerade tut und rasiert mit der anderen weiter den Gast. Die Szene lebt von Situationskomik und der Vorstellungskraft der Zuschauer. Martinez bekam viel Beifall. In seiner Vorstellung am Sonnabend trägt er die klassische weiße Pantomimemaske, und auch sein Sohn erkennt ihn und weiß inzwischen: „Das ist mein anderer Vater!“

Vier Akteure vom Mimenstudio Dresden e.V., der das Festival veranstaltet, zeigten eine Szene, die sie in einem Workshop mit dem Mimekünstler Mai Rojas einstudiert haben. Der Vorsitzende des Vereins Michael Meinel hielt das Schild hoch. Zu den Klängen von „Give me Fever“ durchforsteten sie Zeitungen begierig nach den neuesten Schlagzeilen und Sensationen. Einer zerknüllte sie zu einem Ball und warf ihn in Richtung Publikum.

Zum Schluss gab es eine kurze Einlage mit einem Artist, der mit Holzstäben temporeich jonglierte zu archaischen Trommelklängen des Kanglei Mime Theatre, das in Manipur im Nordwesten Indiens zuhause ist und erst kurz vorher nach langem Flug eintraf. Das Ensemble vereint vielseitig begabte Künstler, Mimen, Musiker und Akrobaten. Es tourt anlässlich des 75. Jahrestages der Unabhängigkeit Indiens mit seinem Programm, dem Ramajana-Nationalepos in Sanskrit, derzeit durch die Welt in farbenprächtigen Kostümen und bezaubernden Klängen. Zu erleben am Sonntag, 6.11., 19.30 Uhr im Rudi als krönender Abschluss des diesjährigen Pantomime-Festivals.

Text+ Fotos (lv)

Programm und Tickets: http://www.mimedresden.de

 

Wenn der Bacchus Sonnenbrand bekommt

Traubenlese im Kaitzer Weinberg trotz Wetterkapriolen erfolgreich

Der Manufakturwinzer Volker Kahlert belebt ein 130 Jahre im Dornröschenschlaf versunkenes Landstück im Süden Dresdens neu für den Weinbau, zusammen mit der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG.

Wer Volker Kahlert als Winzer kennenlernen durfte, weiß, diesem Mann ist eine Menge zuzutrauen. Aber 1 900 Quadratmeter Weingarten in einer Stunde mit
1 000 Pflanzen zu bestocken? Man glaubt, das geht nicht? Doch, es geht! „Ehrlicherweise“, so der erfolgreiche Gastronom und Manufakturwinzer, der bereits in Pillnitz einen Weinberg bewirtschaftet, „ist ein solches Wunder nur dank modernem GPS und neuester Pflanztechnik möglich.“ 2018 pachtete Kahlert, der auch im Herzen von Elbflorenz eine Besenwirtschaft betreibt, genau den Grund und Boden, der zwar bis heute die Bezeichnung Kaitzer Weinberg trägt, aber bereits vor rund 130 Jahren in Folge der Reblaus-Epidemie um 1890 als Rebfläche endgültig aufgegeben worden war.

Nun nahm sich der wagemutige Manufakturwinzer Dr. Volker Kahlert dieses Stückchens Erde an, das zu gleichen Teilen sowohl ihm als auch der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG gehört und rekultivierte die Fläche. „Ich fand, dass dieser Weinberg im Süden von Dresden, zwischen Winzerhäuschen und Kaitzbach gelegen, es durchaus verdient hatte und sich aufgrund des Bodens und der Lage gerade Weißweine hier gut entwickeln müssten.“ Auch sei es immer zu wenig Wein, den sein bereits etablierter Pillnitzer Königlicher Weinberg für den Ausschank und Verkauf hergegeben habe. „Deshalb haben wir uns entschieden, hier auf dem 130 Jahre im Dornröschenschlaf versunkenen Landstück den Weinanbau wieder zu beleben“, so Kahlert weiter.

Das Weinjahr 2022 verlangte den Winzern im Anbaugebiet Sachsen eine Menge ab, denn entweder gab es deutlich zu wenig Regen oder gleich sintflutartige Wolkenbrüche. Mit seinem Weinberg auf der Dresdner Südhöhe ist Winzer Kahlert aber zufrieden mit der Lese. Inzwischen leuchten die Rebstöcke herbstlich goldgelb und locken zu einem Spaziergang mit herbstlichem Farbrausch im Weinberg. Die Trauben sind geerntet, der Wein gärt in Edelstahltanks im Keller und wird bald von der Hefe getrennt. Im Frühjahr wird er filtriert, dann auf die Flaschen „gezogen“ und anschließend kann der neue Jahrgang auch verkostet werden.

„Mit dem Ertrag in diesem schwierigen Jahr kann man trotzdem zufrieden sein. Ein Kilo Trauben pro Quadratmeter ist die Norm und das haben wir in etwa in diesem Umfang auch auf der in den letzten vier Jahren entwickelten Fläche geerntet“, erläutert Kahlert. Er ist Physiker im Ruhestand und seit 2015 passionierter Winzer, der sich sein Wissen rund um den Weinbau peu à peu selbst aneignete. Seit 2018 hegt, pflegt und betreibt Kahlert nun den von ihm neu angelegten Weinberg auf der Dresdner Südhöhe mit rund 900 Rebstöcken auf 1.800 Quadratmetern in Hanglage.

Die Fläche hat er von der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG gepachtet, die damit ihr „Produktportfolio um eine klassische Rarität, nämlich um Sächsischen Wein ergänzen konnte“, wie Lutz Müller, Vorstandsmitglied der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG schmunzelnd ergänzt. Die Straße am Kaitzer Weinberg weist auch heute noch auf das einstige Weinbauareal hin, das schon seit dem Mittelalter bestand. Ein denkmalgeschütztes Winzerhäuschen und ein Café stehen noch dort und laden zum Verweilen ein. Die Fläche wurde weitgehend neu bebaut. Der jetzige Weinberg auf der Dresdner Südhöhe sei bisher nach wie vor noch wenig bekannt, so Kahlert. Selbst Anwohner aus der Umgebung staunen, wenn sie das erste Mal die Rebstöcke sehen.

Die Hälfte der Flächen der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG ist mit der Weinsorte Bacchus bepflanzt. Benannt nach dem Weingott, traf es jedoch diese empfindliche Weinsorte arg. „Der Bacchus hat starken Sonnenbrand erlitten, die Trauben vertrockneten, als es Ende Juli so heiß war. Dadurch konnte dieses Jahr nur ein Drittel von dieser Weinsorte geerntet werden“, bedauert der Winzer. Insgesamt wurden sechs Weinsorten auf der Dresdner Südhöhe geerntet: Bacchus, Müller-Thurgau, Weißburgunder, Grauburgunder, Kerner und Solaris. Volker Kahlert liebt trockene Weine mit etwas Restsüße, auch einen kräftigen Rotwein und will mit dem in Pillnitz geernteten, gut gereiften Spätburgunder eine feine Cuvée als Roséwein kreieren.

Weitere Infos über Weine und Termine, wie die Glühweinverkostung am 2. Advent in der Besenwirtschaft in der Dresdener Ackermannstraße 15: http://www.kahlerts-weinmanufaktur.de

Weitere Infos: www.agrar-dresden.de

Text: LV zusammen mit meeco Communication Services