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Kategorien-Archiv: Literatur

Lesung: „Es fielen die schönen Bilder“ mit Utz Rachowski im Stadtmuseum & Erinnerung an den verstorbenen Dichter Thomas Rosenlöcher

16 Samstag Apr 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Poesie

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Er ist keiner, der auf den Putz haut, nimmt aber auch kein Blatt vor den Mund: Der Dichter Utz Rachowski. Foto: Literaturforum Dresden

Ins Gefängnis wegen fünf Gedichten

Das Literaturforum Dresden e.V. lädt Freunde der Wortkunst ein zur nächsten Lesung am Dienstag, dem 19. April, 19.30 Uhr im Landhaus Dresden (Stadtmuseum, Städtische Galerie), Wilsdruffer Str. 2. Utz Rachowski liest Erzählungen, Essays und Gedichte: „Es fielen die schönen Bilder“.

Utz Rachowski, geb. 1954 in Plauen/Vogtland – was für eine Biografie, was für ein literarisches Werk!
Mit siebzehn Jahren wird Utz Rachwoski wegen der Gründung eines Philosophieclubs von der Oberschule relegiert. Er findet Arbeit als  Bahnhofsarbeiter, Elektromonteur, dann Grundwehrdienst, Abitur. Ein kurzes Medizinstudium in Leipzig schliesst sich an. 1980 dann die Verurteilung zu 27 Monaten Gefängnis wegen fünf seiner Gedichte und Verbreitung verbotener Literatur (Wolf Biermann, Jürgen Fuchs, Reiner Kunze, Gerulf Pannach). Ausbürgerung aus der DDR im November 1980.

Das sind nur die äußeren Lebensdaten. Wenn man wissen will, was das alles wirklich bedeutet, muß man seine Bücher lesen. Aber Rachowski ist keiner, der auf den Putz haut, sondern ein leiser und intensiver Beobachter des Lebens. Kritisch gegenüber blindem Gehorsam, den es zu allen Zeiten gab und gibt.

Die Bundesrepublik kauft ihn frei, die Jahre in Westberlin und Göttingen waren nicht seine Wahl. 1992 geht er zurück in seine Heimatstadt, Reichenbach im Vogtland, wo er heute wieder lebt. Als freier Autor mit Nebenberufen.

Zahlreiche Bücher sind von Utz Rachowski erschienen: Namenlose (1993), Red’ mir nicht von Minnigerode (2006), Beide Sommer (2011), Miss Suki oder Amerika ist nicht weit! (2013, polnisch 2015), Die Dinge, die ich vergaß. Gedichte aus fünf Jahrzehnten (2018), Poesiealbum 339 (2018), Die Lichter, die wir selbst entzünden. Essays (2019), Unverschuldete Teilnahme (dt.-poln. 2021), Spaziergänge mit Miss Suki. Ein Poem (dt.-poln. 2021). Reiner-Kunze-Preis 2007. Nikolaus-Lenau-Preis 2014. Prosa-Preis der Society for Contemporary American Literature in German (USA 2017), Alfred-Müller-Felsenburg-Preis f. aufrechte Literatur (2020), Lisa-u.-Robert-Kahn-Lyrikpreis (USA 2021).

Jetzt gibt es ein neues Buch von ihm: den Gedichtband „Es fielen die schönen Bilder“.

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes. Landeshauptstadt Dresden und dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz.

Poesie-Lesung im Gedenken an Thomas Rosenlöcher

Leider ist der Dichter Thomas Rosenlöcher, der zu den bekanntesten aus Sachsen zählt, nach langer schwerer Krankheit kürzlich verstorben. Hier: https://www.youtube.com/watch?v=ICV3Ujay3yg sieht und hört man Ihn bei einer seiner letzten Lesungen (Beginn ab 11:06). Die letzten beiden Gedichte – fast prophetisch.

Text: Patrick Beck

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Dresdner Buchpremiere: „Verlassene Werke“ mit Bernd Wagner in der Kulturschlosserei

07 Donnerstag Apr 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur

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Zurückgelassenes in neuem Licht betrachtet

Bernd Wagner stellt sein neues Buch „Verlassene Werke“ vor, das Einblick gibt in den damals legendären Berliner Künstlerkreis im Prenzlauer Berg. Die Lesung findet am Freitag, dem 8. April, um 19.30 Uhr in der Kulturschlosserei, Bischofsweg 31 statt. Wenige Schritte von der Buchhandlung LeseZeichen entfernt.

Ein fulminantes Erinnerungswerk mit zahllosen begonnenen und wieder abgebrochenen Erzählungen. Ein Blick in den damals legendären Berliner Künstlerkreis im Prenzlauer Berg. Verlassene Werke, die zu schön und anregend sind, um vergessen zu sein. Sie werden hier endlich aufgelassen.

Die Aufzeichnungen entstanden ab 1976 fast ausschließlich in Berlin, zuerst im Ostteil, seit Ende 1985, nach der Ausreise aus der DDR, im Westen der Stadt. Die letzte Notiz datiert vom Heiligen Abend 1989, als die DDR absehbar unterzugehen schien. Verschiedene Notizen fanden sich nicht in Heften oder Tagebüchern, sondern auf losen Blättern, so die »Gazetten«, deren Worte der Autor aus Zeitungen schnitt und aufklebte.

Dieses Opus ist der Versuch, der allgegenwärtigen äußeren Chronologie der historischen Ereignisse eine innere entgegenzusetzen.

»Verlassene Werke sind wie gewisse Steine an den Meeresküsten. Man kam von weit her, hob sie auf, schleppte sie ein Stück mit, man warf sie zurück in den See. Doch unter ihnen war nicht der richtige, der Urstein, doch einmal lagen sie in der Hand, einmal wurden sie betrachtet. Ihre Unschuld ist dahin, sie können nicht zurück in die Anonymität. Sie gehen umher wie Geister und leben hinter geschlossenen Augen, unerlöst.« Bernd Wagner

Das Buch Verlassene Werke erschien im März 2022 im Verlag Faber & Faber Leipzig

Moderation: Michael G. Fritz

Veranstaltungsinfo:
Jörg Scholz-Nollau

-- 
Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

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Premiere „Djamila“ nach Tschingis Aitmatow im Theater Junge Generation

25 Freitag Mär 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Theater

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Was der Krieg mit Menschen macht: Wie Djamila und ihre Freunde ihre Freude am Leben wiederfinden, davon erzählt das dieser Tage hochaktuelle Stück als Figuren- und Objekttheater nach der bekannten Erzählung von Tschingis Aitmatow. Foto: Marco Prill

Von der Liebe zum Leben

Das Stück „Djamila“ nach Tschingis Aitmatows Erzählung „Dshamilja“ hat aus dem Russischen übersetzt von Gisela Drohla in einer Fassung von Katharina Kummer am Sonnabend, dem 26. März, 19.30 Uhr Premiere im Puppentheater des Theaters Junge Generation im Kraftwerk Mitte. Für Zuschauer ab 16 Jahre.

Djamila ist jung, klug und gewitzt. Während viele ihrer Mitmenschen ihre zupackende Energie bewundern, empört sie Djamilas Schlagfertigkeit. Der fünfzehnjährige Said hingegen liebt seine Schwägerin unschuldig und innig. Weil alle erwachsenen Männer des Dorfes zum Kriegsdienst an die Front eingezogen wurden, soll er sie beschützen und ihr bei der Arbeit zur Hand gehen. Als sich Djamilas Arbeitsaufgaben erweitern, bekommt sie weitere Unterstützung – durch Danijar, einen schweigsamen, verwundeten Kriegsrückkehrer. Auch ihn neckt Djamila gemeinsam mit Said, bis er eines Abends mit einem eigenen Lied seine Gedanken und unfassbar schöne Stimme erklingen lässt. Said ist von Danijars Gesang so verzaubert, dass auf einen Schlag seine von ihm selbst als unmöglich eingeschätzte Leidenschaft für die Malerei wieder erwacht und heftig danach verlangt, ausgelebt zu werden. Und Djamila? Schweigt. Und trifft bewusst eine ihr Leben verändernde Entscheidung.

Tschingis Aitmatows Novelle „Djamila“ von 1958 erzählt nicht nur davon, wie wichtig es ist, mit Vertrauen in sich selbst das eigene Leben zu gestalten, sondern ist auch eine Liebeserklärung an die Künste und ihre den Blick auf die Welt verändernde Sprengkraft.

Text: Norbert Seidel/TJG

tjg. theater junge generation
Kinder- und Jugendtheater Dresden
~ theatre for children and young audiences
Kraftwerk Mitte 1
~ 01067 Dresden
Postanschrift
~ Postfach 12 00 20 ~ 01001 Dresden
Tickets und Info +49 351 3 20 42 777
~ tjg-dresden.de

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BücherFrühling: Die besten neuen Kinderbücher

24 Donnerstag Mär 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur

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Der Lesekompass 2022: Kinder lieben diese 30 Geschichten

Leipziger Buchmesse und Stiftung Lesen feiern 10 Jahre Lesekompass / Fach- und Kinderjury zeichnen 30 (Hör-)Bücher und Apps aus, die Lesefreude garantieren.

Der Lesekompass feiert seinen 10. Geburtstag: Seit 2012 gibt der Lesekompass Orientierung im Dschungel der Neuerscheinungen im Kinder- und Jugendbuchbereich. Gemeinsam mit der Stiftung Lesen zeichnet die Leipziger Buchmesse Bücher, Hörbücher, Apps und andere Medien für Kinder zwischen 2 und 10 Jahren aus, die sich besonders gut zum Vor- und selber lesen eignen. Das Besondere am Lesekompass: Neben einer 18-köpfigen Fachjury wählen eine Jugend- sowie zwei Kinderjurys gemeinsam die jeweils zehn Titel für die entsprechenden Altersgruppen aus. Ganz nach dem Motto: Wer kann geeignete Geschichten besser beurteilen als die Zielgruppe selbst? Bisher wurden in den vergangenen 10 Jahren 330 Titel, darunter rund 20 Hörbücher, von insgesamt 53 Verlagen prämiert. Die diesjährigen Gewinnertitel werden auf der Website der Leipziger Buchmesse, http://www.leipziger-buchmesse.de und der Stiftung Lesen, www.stiftunglesen.de, bekannt gegeben. KiKA-Moderator und Lesebotschafter Tim Gailus stellt alle prämierten Titel in mehreren, kleinen Videos unter www.youtube.com vor.

Lotse durch den Dschungel der Neuerscheinungen
Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, sagt: „Seit zehn Jahren lotst der Lesekompass sehr erfolgreich durch den Dschungel der Kinder- und Jugendbuchneuerscheinungen. Mit großem Stolz schauen wir zurück auf diese Erfolgsgeschichte. Durch die gezielte Auswahl sowohl für Leseeinsteiger als auch Leseratten gelingt es seit vielen Jahren, die Lese- und Abenteuerlust bei Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu wecken. Denn das ist und bleibt auch in der Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben der Leipziger Buchmesse.“

Kinder lieben und brauchen gute Geschichten
Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, erklärt: „Die prämierten Bücher und Hörbücher setzen sich dieses Jahr mit dem zentralen Thema „Vielfalt“ auseinander. Auf positive, offene und inspirierende Weise erzählen sie Geschichten über Diversität, Toleranz und ein gelungenes Miteinander. Seit zehn Jahren ist der Lesekompass nicht zuletzt durch die außergewöhnliche Juryzusammensetzung eine herausragende Navigationshilfe für Eltern, Buchhändler/-innen, pädagogische Fachkräfte, Bibliotheken, ehrenamtlich Engagierte sowie natürlich für Kinder und Jugendliche, um geeigneten (Vor-)Lesestoff zu finden.“

Der Lesekompass 2022

2 bis 6 Jahre
Susanne Straßer: Kann ich bitte in die Mitte? |Peter Hammer Verlag | Pappbilderbuch an ca. 2 Jahren
Rotraut Susanne Berner: Karlchen und der Kapuzen-Klub | Hanser | Wimmelbuch ab ca. 2 Jahren
Derick Wilder / K-Fai Steele (Ill.): Hat der Bagger einen Po? | Klett Kinderbuch | Gereimtes Bilderbuch ab ca. 3 Jahren
Gemma Merino: Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte | Baumhaus | Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Helen Stephens: Huhu, Herr Schuhu | Annette Betz | Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Tracey Corderoy / Tony Neal (Ill.): Ist ja nur eins!? | Penguin Junior |Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Thomas M. Müller: Robin kommt! | Moritz Verlag | Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Cornelia Boese / Dorota Wünsch (Ill.): Wo ist Theatrine? | Gerstenberg | Sachbilderbuch ab ca. 4 Jahren
Andreas H. Schmachtl: Hörnchen und Bär. Haufenweise echt waldige Abenteuer | Arena | Vorlesebuch ab ca. 4 Jahren
Maren Hasenjäger: Ein kleiner blauer Punkt | Magellan | Sachbilderbuch ab ca. 5 Jahren

6 bis 10 Jahre
Véro Mischitz / Claudia Gotthardt (Ill.): Fiese Viecher. Warum Ratte, Wespe & Co. viel cooler sind, als du denkst | Kosmos | Sachbuch ab ca. 6 Jahren
Henriette Wich / Steffen Gumpert (Ill.): Team Lupe ermittelt. Der rätselhafte Hundedieb | Arena | Lesestarter ab ca. 6-7 Jahren
Nicolas Gorny / David Füleki (Ill.): Grusel & Co. – Achtung! Weltraum-Glibber | Südpol Verlag| Kinderroman ab ca. 7-8 Jahren
Karl Olsberg / Philipp Ach (Ill.): Das Dorf. Gestrandet auf der Smaragdinsel | Loewe WOW! | Comicroman ab ca. 8 Jahren
Tobias Goldfarb / Lisa Hänsch (Ill.): Fonk. Geheimagent aus dem All | Carlsen | Kinderroman ab ca. 8 Jahren
Thomas Möller / Sebastian Grusnick / Nikolai Renger (Ill.): Mein Bruder der Elbenritter hat nicht mehr alle Ziegel auf dem Dach | Dressler | Kinderroman ab ca. 8 Jahren
Maria Scrivan / Harriet Fricke (Übers.): nICHt genug! | Loewe Graphix |Graphic Novel ab ca. 8-9 Jahren
Maria Kling / Astrid Henn (Ill.): Freddy und Flo gruseln sich vor gar nix | Carlsen | Kinderroman ab ca. 8-9 Jahren
Julia Blesken / Stefan Kaminski (Sprecher): Mission Kolomoro oder: Opa in der Plastiktüte. Gekürzte Lesung | Oetinger audio | Hörbuch ab ca. 9 Jahren
Vashti Hardy: Molly und das Rätsel von Moorland | Gulliver (Super lesbar) | Easy Reader ab ca. 9 Jahren

10 bis 14 Jahre
Peter Schwindt / Alexander Knorre (Ill.): Finsterbrook. Vier Freunde und ein Höllenhund | Fischer Sauerländer | Fantastischer Roman ab ca. 10-11 Jahren
Wauter Mannaert: Yasmina und die Kartoffelkrise | Reprodukt | Graphic Novel ab ca. 10 Jahren
Lev Grossmann / Alina Brost (Ill.): Der Silberpfeil. Die abenteuerliche Reise in einem magischen Zug | rowohlt rotfuchs | Fantastischer Roman ab ca. 10 Jahren
Lisa Krusche: Das Universum ist verdammt groß und supermystisch | Beltz & Gelberg | Realistischer Roman ab ca. 10 Jahren
B.B. Halston: Amari und die Nachtbrüder | Dragonfly | Fantastischer Roman ab ca. 10-11 Jahren
Linda Becker / Julian Wenzel / Birgit Jansen (Ill.): Was ist eigentlich dieses LGBTIQ?* | Migo | Sachbuch ab ca. 11 Jahren
Simon van der Geest: Der Urwald hat meinen Vater verschluckt | Thienemann | Realistischer Roman ab ca. 10-11 Jahren
R.L. Ferguson: Catacombia. Abstieg in die Tiefe | Ravensburger | Fantastischer Roman ab ca. 11 Jahren
Katharina Hacker: Alles, was passieren wird |Fischer Sauerländer | Realistischer Roman ab ca. 12 Jahren
Katharina Bendixen: Taras Augen | Mixtvision | Dystopie ab ca. 14 Jahren

Lesen ist die zentrale Voraussetzung für Bildung, beruflichen Erfolg, Integration und eine zukunftsfähige gesellschaftliche Entwicklung. Damit alle Kinder in Deutschland lesen können, engagiert sich die Stiftung Lesen gemeinsam mit Bundes- und Landesministerien, mit Unternehmen, Stiftungen, Verbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen in bundesweiten Programmen und Kampagnen. Die Stiftung Lesen steht seit ihrer Gründung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von zahlreichen prominenten Lesebotschaftern unterstützt. www.stiftunglesen.de

Die Leipziger Buchmesse ist Literatur- und Bildungsmesse zugleich. Der Bereich „FOKUS BILDUNG“ fasst alle ausstellungs- und programmseitigen Angebote zum Thema Bildung zusammen. Die Inhalte reichen von frühkindlicher bis hin zur schulischen Bildung in der Abiturstufe. So erhalten Erzieher, Lehrer und Pädagogen einen umfassenden Überblick über bildungsrelevanten Themen für eine erfolgreiche und nachhaltige Arbeit.

Text: Julia Lücke
Pressesprecherin Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:

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Leipziger Buchmesse im Social Web:

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Preis der Leipziger Buchmesse 2022 an drei WortkünstlerInnen verliehen

18 Freitag Mär 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur

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Schelmenstück, Wortgewitztheit und Gespensterorte

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2022: Tomer Gardi, Uljana Wolf und Anne Weber

Drei Wortkünstler:innen nahmen in der Glashalle der Leipziger Messe den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung entgegen: Tomer Gardi, Uljana Wolf und Anne Weber. Anne Weber erhielt den Preis in der Kategorie Übersetzung für „Nevermore“ von Cécile Wajsbrot, übersetzt aus dem Französischen. Die siebenköpfige Jury unter der Leitung von Insa Wilke zeichnete zudem Uljana Wolf für ihr Werk „Etymologischer Gossip. Essays und Reden“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik aus. In der Kategorie Belletristik freute sich Tomer Gardi für seinen Roman „Eine runde Sache“ über die bedeutende Auszeichnung. Insgesamt 441 Werke wurden für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse eingereicht.

Kategorie Belletristik:

Tomer Gardi | Eine runde Sache | zur Hälfte übersetzt aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer | Literaturverlag Droschl

Zur Begründung der Jury:

Unverschämt, dieser Tomer Gardi. Den ersten Teil seines Romans erzählt er nicht in astreinem Deutsch, sondern in einer Kunstsprache mit eigenartiger Rechtschreibung und merkwürdigem Satzbau. Broken German. Es gibt einen zweiten Teil, oder besser: Es gibt den Roman doppelt. Jetzt hat Tomer Gardi ihn auf Hebräisch geschrieben. Anne Birkenhauer hat ihn ins Deutsche übersetzt. … „Eine runde Sache“ ist ein Schelmenstück. Wirklichkeit und Fiktion prallen darin aufeinander wie das Echte und das Gemachte. Dabei spielt Gardi ebenso kunstvoll wie dreist mit Lesegewohnheiten und Erwartungen an einen Roman, zumal an einen deutschsprachigen. „(…) ein Schriftsteller ist jemand, der Schwierigkeiten hat mit die deutsche Sprache“, schreibt er und hinterfragt unser Bedürfnis nach Korrektheit und Geradlinigkeit ebenso wie ästhetische Normen. Dahinter lauert die bittere Frage, wie es einem Menschen überhaupt gelingen kann, seine eigene Sprache zu finden. Kurzum: „Eine runde Sache“ ist ein großzügiger Roman von hoher sprachlicher Präzision.

Autor:

Tomer Gardi, geboren 1974 in Galiläa, lebt in Berlin. 2016 erschien sein Roman BROKEN GERMAN, 2019 SONST KRIEGEN SIE IHR GELD ZURÜCK (beide im Literaturverlag Droschl). BROKEN GERMAN erhielt als Hörspieladaption 2017 den Deutschen Hörspielpreis, das Hörspiel DIE FEUERBRINGER – EINE SCHLAGER-OPERETTA wurde von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats Februar 2018 gewählt.

Kategorie Sachbuch / Essayistik:

Uljana Wolf | Etymologischer Gossip. Essays und Reden | kookbooks

Zur Begründung der Jury:

Uljana Wolf hätte in allen drei Kategorien für unseren Preis nominiert werden können, und in allen drei auch mit diesem einen Buch, denn das ist sehr vereinfacht gesprochen ein Sachbuch übers Übersetzen von Lyrik – allerdings höchst komplex geschrieben von einer Poetin, die auch als Übersetzerin renommiert ist. Wolfs „Etymologischer Gossip“ bietet denn auch sowohl hinreißende Gedichte als auch brillante Übertragungen aus anderen Sprachen. Doch gewonnen hat der Band zu Recht in der Sparte Sachbuch, denn diese Lebensthemensammlung seiner Verfasserin ist ein Musterbeispiel für Essayistik. Und geradezu übermütig sind Wortgewitzheit und Assoziationsfreude, mit denen Uljana Wolf ans Werk geht. Dieses Sachbuch ist nicht zuletzt ein Lachbuch: Wer wissen möchte, wie eine fröhliche Sprachwissenschaft sich liest, der hat damit die geeignete Lektüre zur Hand. Ihrem „Etymologischen Gossip“ möchte man gar nicht mehr aufhören zu lauschen.

Autorin:

Uljana Wolf ist Lyrikerin und Übersetzerin. Ihr Werk wurde in über 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis für ihr Debüt KOCHANIE, ICH HABE BROT GEKAUFT (kookbooks, 2005) und dem Arbeitsstipendium der Villa Massimo Rom 2017/18. Zuletzt übersetzte sie mit Michael Zgodzay Gedichte von Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki aus dem Polnischen (NORWIDS GELIEBTE, Edition Korrespondenzen 2019).

Kategorie Übersetzung:

Anne Weber | „Nevermore“ von Cécile Wajsbrot, übersetzt aus dem Französischen | Wallstein Verlag

Zur Begründung der Jury:

Eine französische Autorin, die auch Übersetzerin ist, übersetzt „To the Lighthouse“ von Virginia Woolf. Sie wird ihrerseits übersetzt von Anne Weber, einer Deutschen, die ebenfalls Schriftstellerin ist. Was diese drei Frauen hier aufführen, das ist ein Krimi des Bezeichnens! Doch wo ist das Bezeichnete eigentlich? „Jedes Ding verbirgt ein anders“, liest man in Anne Webers Worten bei Cécile Wajsbrot. Und so führt sie uns im Flüsterton dreier Sprachen ein in ein Reich der Abwesenheiten: in das ausgebombte Dresden, die im Krieg zerstörte Kathedrale von Coventry, das verseuchte Gebiet um Tschernobyl und zur Industrieruine der High Line in New York. Etwas lebt an diesen Orten, das sich immer wieder entzieht. So wie das Original sich dem Übersetzer entzieht. Gespensterorte und – Gespensterworte. Anne Weber, herzlichen Glückwunsch zu diesem „Roman Noir“ der Übersetzungskunst. Herzlichen Glückwunsch auch zum Preis der Leipziger Buchmesse.

Übersetzerin:

Die Autorin und Übersetzerin Anne Weber, geboren 1964 in Offenbach, lebt in Paris. Sie übersetzt ins Deutsche (u.a. Pierre Michon, Marguerite Duras) und Französische (z. B. Sibylle Lewitscharoff und Wilhelm Genazino). Ihr Roman KIRIO (S. Fischer, 2017) stand auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse 2017, für ANNETTE, EIN HELDINNENEPOS (Matthes & Seitz, 2020) erhielt sie den Deutschen Buchpreis.

Über den Preis der Leipziger Buchmesse
Der Preis der Leipzig Buchmesse wird von einer siebenköpfigen Jury vergeben: Unter der Leitung von Insa Wilke haben Moritz Baßler, Anne-Dore Krohn, Andreas Platthaus, Miryam Schellbach, Shirin Sojitrawalla und Katharina Teutsch die Nominierten ausgewählt. Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Medienpartner sind das Kundenmagazin buchjournal und Deutschlandfunk Kultur.

Text: Julia Lücke/Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
www.leipziger-buchmesse.de/buecherleben

Leipziger Buchmesse im Social Web:
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Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an Karl-Markus Gauß verliehen

18 Freitag Mär 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Zwischenmenschliches

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Der österreichische Schriftsteller und Aufklärer Karl-Markus Gauß wurde für sein Buch „Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen“ (Paul Zsolnay Verlag Wien) mit dem mit 20 000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022 ausgezeichnet. Foto/Leipziger Buchmesse

„Ein trittsicherer Wanderer durch Europa“

So lange Krieg herrscht, ist es schwierig, für Verständigung zu werben. Aber wann wäre es notwendiger, es zu tun?“ Diese Botschaft sandte am Donnerstag Abend Karl-Markus Gauß in seiner Dankesrede in der Nikolaikirche Leipzig. Kurz zuvor hatte er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. In ihrer Laudatio lobte Daniela Strigl den Preisträger als einen „trittsicheren Wanderer“, der sich bei seinem Gang durch Europa an den Rändern, an den Peripherien orientiere und sich auf dem Boden eines aufgeklärten Humanismus bewege. Der Preisverleihung war eine Friedensaktion auf dem Nikolaikirchhof vorangegangen. Neben Friedensbotschaften von Oberbürgermeister Burkhard Jung und Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V., wandte sich der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch mit einer eindringlichen Mahnung an die deutsche Bevölkerung. „Fürchten Sie sich nicht, seien Sie tapfer gegen diese Gefahr. Das ist hier eine Gefahr für uns alle, das ist eine gemeinsame Gefahr. Es ist die höchste Zeit, nicht mal für die klare europäische Perspektive, sondern für die vollwertige Mitgliedschaft der Ukraine in der EU. Sie brauchen uns, um viel größer, mutiger und stärker zu sein.“

Anbei die Reden von Preisträger Karl-Markus Gauß, der Laudatorin Daniela Strigl sowie die Worte der Videobotschaft von Juri Andruchowytsch. Diese stehen hier:
https://www.leipziger-buchmesse.de/de/erleben/international/europaeischer-buchpreis/

Text: Julia Lücke,
Pressesprecherin Leipziger Buchmesse

https://www.leipziger-messe.de
https://www.leipziger-buchmesse.de

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Lesung für den Frieden im Erich Kästner Haus für Literatur

16 Mittwoch Mär 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Literatur, Zwischenmenschliches

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PŘEPROŠENJE – EINLADUNG

Mi., 16.03., 19 Uhr

Kurzlesungen für den Frieden

Leid und Tod beherrschen das Leben in der Ukraine, und Hunderttausende sind auf der Flucht. Wir verurteilen diesen Krieg auf das Schärfste. Mit den Mitteln der Literatur möchten wir Nähe und Austausch zwischen all jenen bewahren, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzen.

Der sorbische Verein Stup dale e. V. und Das Erich Kästner Haus für Literatur e. V. Antonstraße 1, 01097 Dresden / Begrüßung: Michael G. Fritz und Jadwiga Pjacec / Organisation und Moderation: Benedikt Dyrlich / Eintritt frei!

Etliche Autorinnen und Autoren aus der Ukraine (u.a. aus Lviv, Tschernihiv, Kiew und Winnizyja) bereicherten in den vergangenen vier Jahrzehnten die jährlichen internationalen Feste der sorbischen Poesie in der Lausitz, in Dresden, Leipzig, Berlin, Zgorzelec, Opole, Varnsdorf, Prag und Bratislava. Ausdruck dieser Mitwirkung sind vielfältige literarische Publikationen in mehreren Sprachen und auch persönliche Kontakte. Der Angriffskrieg Putins bedroht nun auch diese Beziehungen, insbesondere aber die vielfältigen Lebens-, Kultur- und Sprachräume aller Menschen in der Ukraine.

Mit den Kurzlesungen in mehreren Sprachen – u.a. in ukrainischer, sorbischer, deutscher, polnischer, russischer, belarussischer, armenischer, kurdischer und arabischer Sprache – wollen Autorinnen und Autoren aus der Lausitz und Dresden sowie des PEN-Zentrums Bundesrepublik Deutschland in der sächsischen Metropole ihre Solidarität mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Dichterland von Taras Schewtschenko und Iwan Franko bekunden. Zudem rufen sie mit Unterstützung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen e.V. zu Spenden für Kriegsopfer in und aus dem ukrainischen Tschernihiv auf.

Spenden sind willkommen über:
DPG Sachsen
IBAN: DE53 8509 0000 3281 1110 00
BIC: GENODEF1DRS (VB Dresden-Bautzen)
Stichwort: Hilfe Tschernihiv

Für Spendenquittungen bitte Name und Anschrift angeben.

Wir würden uns freuen, wenn wir Sie zu den Lesungen begrüßen bzw. wenn Sie unsere Initiative unterstützen könnten. Rückfragen unter 0177 4576695.

Jadwiga Pjacec

Stup dale e.V.
Vorsitzende

Michael G. Fritz

Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.

Vorstand

http://www.kaestnerhaus-literatur.de

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Common Ground. Literatur aus Osteuropa in Leipzig

15 Dienstag Mär 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Musik, Zwischenmenschliches

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Lesungen, Gespräche und Musik: Südosteuropa erleben

17. bis 20. März: Spannende Begegnungen in Leipzig und virtuell

Zahlreiche spannende Begegnungen, oft auch über das Literarische hinaus – das bietet „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“ nach der Absage der Leipziger Buchmesse nun in der Stadt Leipzig und im digitalen Raum. Vom 17. bis 20. März geben Lesungen, Gespräche und Musik, viele darunter als Live-Events im UT Connewitz, einen Überblick über neue Bücher, interessante Autor:innen und die facettenreiche Literaturszene der Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020-2022. Und das alles bei freiem Eintritt. Eines der Highlights ist die schon legendäre Balkannacht, die am 19. März zu einer nächtlichen Reise kreuz und quer durch den Balkan einlädt – sowohl literarisch als auch musikalisch. Alle Veranstaltungen stehen unter dem diesjährigen Motto WIR UND SIE und beschäftigen sich mit der Frage, was Menschen und Gesellschaften trennt und wie man produktiv mit diesen Unterschieden umgehen kann. Eine cineastische Einstimmung vor Ort und digital bot bereits die Balkan Film Week (27. Februar bis 1. März).

Das literarische Programm vor Ort startet am Freitag, dem 18. März mit einem Einblick in die Komplexität der Region: Balkankenner Norbert Mappes-Niediek, der Grünen-Politiker Manuel Sarrazin und Ralf Beste, Leiter der Abteilung für Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amtes, gehen der Frage nach, wie sich Ost- und Westeuropa trotz aller Unterschiede mit Wertschätzung begegnen und eine Brücke über „Europas geteilten Himmel“ spannen können. Am Samstag, dem 19. März sind dann ganztägig Begegnungen mit Autor:innen aus Südosteuropa möglich: Fluide Identitäten und nicht-binäre Sexualität untersuchen der kosovarisch-finnische Autor Pajtim Statovci und die kroatische Autorin Ivana Bodrožić in ihren vielfach preisgekrönten Romanen „Grenzgänge“ bzw. „Söhne, Töchter“. Im Anschluss präsentiert der Buchblogger Tino Schlench in seiner bekannten Podcast-Reihe „Literaturpalast“ zwei herausragende lyrische Stimmen Südosteuropas: aus Bulgarien Marianna Georgieva mit ihrem deutschsprachigen Debüt „ausweg“ und die albanische Lyrikerin Luljeta Lleshanaku mit ihrem Gedichtband „Die Stadt der Äpfel“.

Über das Fremdsein und die Zeit als Zuflucht

Am Samstagnachmittag steht der Umgang mit Fremdheit im Mittelpunkt: Von einem besonderen Kampf um die eigene Existenz erzählt der slowenische Schriftsteller Miha Mazzini in seinem Buch „Du existierst nicht“. Der nordmazedonische Autor Petar Andonovski, 2020 mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet, beschreibt in „Die Angst vor Barbaren“ das Lebensgefühl von Menschen, die sich unerwartet am südlichsten Punkt Europas wiederfinden. Am Abend steigt die Balkannacht mit zahlreichen südosteuropäischen Autor:innen und der slowenischen Band „Pantaloons“. Auch der 20. März verspricht außergewöhnliche literarische Einblicke: Die serbisch-österreichische Autorin Barbi Marković liefert in „Die verschissene Zeit“ ein einzigartiges popkulturelles Spiel mit dem Belgrad der Neunziger. Sie ist im Gespräch mit der renommierten slowenischen Autorin Ana Schnabl, die ihr Buch „Meisterwerk“ vorstellt.  Und der neue Roman „Zeitzuflucht“ des bulgarischen Autors Georgi Gospodinov eröffnet uns eine ganz neue Art, unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenzudenken.

Online-Lesungen

Auch digital können Literaturfreund:innen in die Buchwelt Südosteuropas eintauchen, online stets abends ab 19 Uhr. Am 17. März liest der bosnisch-amerikanische Autor Aleksandar Hemon aus seinem neuen autobiografischen Doppel-Roman „Meine Eltern / Alles nicht dein Eigen“. Es ist ein Buch zugleich über die Emigration seiner Familie aus Sarajevo nach Kanada und über seine wilde, raue Jugend in Bosnien. Am folgenden Abend ist die Eltern-Kind-Beziehung ebenfalls ein zentrales Thema: Tatiana Țîbuleac (Moldawien/Frankreich) und Lavinia Braniște (Rumänien) nähern sich dem Thema im Gespräch mit Florian Valerius aka Literarischer Nerd auf unterschiedliche Weise. Stadt und Land, Mensch und Natur trennen Welten – das zeigt die slowenische Autorin Nataša Kramberger in ihrem autofiktionalen Roman “Verfluchte Misteln” am 19. März. Zum Abschluss der virtuellen Begegnungen liest Georgi Gospodinov am 20. März noch einmal aus seinem neuen Roman „Zeitzuflucht“.

Das vollständige Programm mit weiteren Informationen über Teilnehmende, genaue Zeiten sowie die Online-Kanäle findet sich hier: http://www.traduki.eu/wir-und-sie.

Text: Julia Lücke
Leipziger Buchmesse

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„Philosophische Zugänge zur Corona-Pandemie“ – Lesung mit Peter Engelmann im Landhaus Dresden

15 Dienstag Mär 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur

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Was heißt Leben?

In der Reihe „Literarische Alphabete“ spricht Peter Engelmann (Wien) über philosophische Aspekte der Corona-Pandemie und stellt aktuelle Bücher aus dem Passagen Verlag vor am 22. März, 19:30 Uhr im Landhaus Dresden (Stadtmuseum,  Städtische Galerie), Wilsdruffer Str. 2. 

Wer hätte noch vor drei Jahren gedacht, dass heutzutage das Recht, einen Schuh zu kaufen, von einem bestimmten medizinischen Status abhängt? Was geschieht hier? Ist das noch Leben, wenn Menschen aus dem öffentlichen Leben verbannt werden? Gehört unser Körper, unsere Gesundheit uns selbst – oder dem Staat? Was heißt Leben? Ist die Pandemie nur ein Ergebnis der medizinischen Statistik? Sind Grundrechte als natürliche Rechte des Menschen ewige Werte – oder sind sie nur etwas, dass vom Staat beliebig per Diskussion entzogen und gewährt werden kann? Warum gilt eine Genesung so wenig? Was geschieht mit einem Staat, der per Notverordnungen regiert? Und grundsätzlicher: Wie kommt es dazu, dass das wissenschaftliche Denken anscheinend nur noch rein statistisches Denken ist? Was gilt die Philosophie noch? Gibt es einen medizinisch-industriellen Komplex, der für das Individuum bestimmen will, was gesund ist? Und vor allem: Was tun? Diese und andere Fragen sollen an diesem Abend ergründet werden. Außerdem werden wir über aktuelle Erscheinungen aus dem Programm des Passagen Verlags sprechen.

Der Philosoph und Verleger Peter Engelmann ist seit langem einer der wichtigsten Vermittler der französischen Philosophie im deutschsprachigen Raum. Geboren 1947 und aufgewachsen in Berlin (Ost), studierte er dort bis zu einer Gefängnisstrafe Philosophie. Nach seinem Freikauf durch die Bundesrepublik 1973 setzte er in Paris und Bremen seine Studien fort und promovierte schließlich über Hegel. 1985 gründete er in Wien den Passagen Verlag, dessen Schwerpunkt die französische Philosophie ist. Bis heute verlegt er unter anderem Schriften von Jacques Derrida, Jean-Luc Nancy, Jacques Rancière und Alain Badiou. 2013 veröffentlichte Peter Engelmann sein Buch „Dekonstruktion – Jacques Derridas semiotische Wende der Philosophie“ – wie kann das Individuelle seine Eigenständigkeit gegenüber einem Allgemeinen bewahren?

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes. Gefördert von der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur- und Denkmalschutz.der Landeshauptstadt Dresden.
Anreise: Linien 1, 2, 3, 4, 7, 12, 62, 75 Pirnaischer Platz

Die Lesung ist barrierefrei zugänglich.

Text: Patrick Beck

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Dresdner Reden 2022: Clemens Meyer sprach über „Realitätsverlust oder: Komm wieder, Dr. May!“ im Schauspielhaus

25 Freitag Feb 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Literatur, Projekte

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Fabulierfreudig zwischen Fiktion und Wahrheit: der Leipziger Schriftsteller Clemens Meyer. Foto: Staatsschauspiel Dresden

Schwindelerregende Wahrheiten

Mit viel Ironie, Spottlust, aber auch Ratlosigkeit und Nachdenklichkeit sprach Clemens Meyer in seiner Rede im  Schauspielhaus Dresden über verzerrte Realitäten, fantasiereiche Erzähler und täuschende Phantasten.

Seine Texte sind lebensprall, direkt, krass und sozialkritisch, voll komisch-skurriler Typen, Außenseiter und Gestrandeter. Clemens Meyer sagt von sich, er sei „ein Voyeur erster Klasse“. Einer, der begierig „Menschen aufsauge“ und sich „für Dinge interessiert, die aus dem Ruder gelaufen sind.“ So gesehen, dürften verrückte Zeiten wie diese ihm reichlich literarisches Futter bescheren. Doch manches ist so absurd, unglaublich und entsetzlich, dass man nicht weiß, ob man lachen oder heulen, schreien oder schweigen statt sich den Mund verbrennen soll.

Ebenso schwindelerregend zwischen Fiktion und Wahrheit, Spottlust und Ratlosigkeit, Wut, Humor und ernsthaftem Nachdenken, Geschichte und Gegenwart hin und her springend, bewegte sich der Leipziger Schriftsteller Clemens Meyer („Als wir träumten“, „Im Stein“) in seiner Dresdner Rede mit dem Titel „Realitätsverlust oder: Komm wieder, Dr. May!“ am denkwürdigen 13. Februar im Schauspielhaus Dresden. Es ist bereits die 30. Ausgabe dieser Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung, bei der bekannte wie streitbare Persönlichkeiten des nationalen und internationalen Kultur- und Geisteslebens zum Zeitgeschehen sprechen, ein vorgegebenes Motto gibt es nicht. Das hält die Neugier des Publikums wach und macht die Reden spannend.

Meyer begann seine Rede mit einem langen Vorsatz, in dem er Ge- und Erfundenes querbeet durcheinander als Gerüchte entkräftete, entschieden dementierte oder klarstellte einschließlich der Tatsache, dass er nicht verrückt sei! Er war noch nie in Amerika in Sachsen gewesen, weil dort der CIA stationiert ist, sagt er flüsternd. Berichtet von einem ominösen Teilchenbeschleuniger im Cern-Forschungszentrum, der Nanopartikel absondere, die eigentlich Viren seien. Er sei nicht Lex Barker, obwohl er ihm sehr ähnlich sehe. Er hat keinen Ziegenkäse bei Beate Schöpe gekauft und war nicht auf Klassenfahrt mit Björn Höcke, habe aber das Buch gelesen. „Wenn Sie Zusammenhänge nicht sehen“, sagte er, „heißt das nicht, dass sie nicht existieren.“

Er dementiert zudem, dass er gemeinsam mit KollegInnen einen „Phantastischen Salon“ einrichten werde in der frühlingsleeren Glashalle der Leipziger Buchmesse, um das „Monopol der Realitätserfindungen zurückzuholen von denen, die sich ungehemmt eine neue Realität erschaffen, ohne über die erzählerischen Mittel zu verfügen.“ – Zwischenbeifall –  „Begreifen Sie es  doch endlich. Dr. Karl May ist tot !“, so Meyer.

Er packte in seine einstündige, anspruchsvolle Rede eine Fülle an Themen, parlierte und schwadronierte mit viel Ironie und Fabulierfreude rund um Dichtung und Wahrheit, Farce und Tragödie, Tragödie und Farce. Erzählte wie er kürzlich einer Täuschung zum Opfer fiel, als er Artefakte aus der jugoslawischen Geschichte kaufte, die er sammelt für eine größere Geschichte und las Passagen aus neuen Texten. Statt des gesuchten Minenwarnschildes erwarb Meyer über ebay ein Schild eines Stromhäuschens oder Hochspannungsmastes und wurde zornig, da er sich um „seinen Krieg betrogen fühlte.“ Ein Kapitel seines neuen Romans handelt vom Glauben an Täuschung, Erscheinungen und Wunderheiler.

Er glaube an das Wunder der Autographen und Handschriften, so Clemens Meyer. Wenn er vorsichtig mit den Fingerspitzen über den Namen und das Papier streicht, habe er keine Angst mehr vor der Realität. „Der Geist erhebt sich aus dem Papier.“ Es löst Fragen  aus. „Wo stand Tito, als er dieses Foto unterzeichnete, wer reichte es ihm…“

Es geht um Sachsen und Karl May, den fantastischen Geschichtenerzähler und -erfinder und Humanist. Der veröffentlichte seine ersten Kolportageromane in Dresden bei einem direkten Nachfahr des Barons von Münchhausen, Mönchmeyer und erlangte erst mit seinem Spätwerk Tiefe, findet Meyer. Er erwähnt einen Indianer, Edward Tutu, der einst mit dem berühmten Circus Sarrasani aus Dresden auf Tournee ging und auf dem Neuen Katholischen Friedhof in Dresden begraben liegt. Und er überrascht und erheitert mit der Aussage: „Im Grunde unseres Herzens sind wir Sachsen Monarchen, die am Straßenrand stehen und winken. Wir wollen uns weiden an den Klatsch- und Hofgeschichten und unserem König in Sachsen glauben, dass wir kein rechtes Problem haben.“ Und lieber über die guten alten Wichs-, ähm Wettiner Witze lachen, so Meyer, statt sich um den Rest der Welt zu scheren.

Clemens Meyer hat – da die Leipziger Buchmesse dieses Jahr erneut ausfällt – viele Bücher mitgebracht, aus denen er zitiert, von Anna Seghers „Die Toten bleiben jung“ und „Die Überfahrt“ bis zu Christa Wolfs „Kindheitsmuster“. „Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es ab von uns…“, heißt es dort. Stark polemisch wird es im zweiten Teil der Rede, als es um den Umgang mit der Realität und narratives, authentisches Erzählen geht.

„Uns sind die Narrative abhanden gekommen. Es gibt keine Erzählungen mehr. Die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt, weil uns die Narrative fehlen“, beklagt Clemens Meyer, der 2008 den Preis der Leipziger Buchmesse, Belletristik gewann für seinen Erzählband „Die Nacht, die Lichter“ und sich darüber mit erhobener Bierflasche freute. Nun sagt er: „Wir Erzähler, Erfinder sind arbeitslos! Die Phantasten, Antierzähler haben übernommen und die an Verschwörungen glauben.“ Und setzt amüsiert und verärgert zugleich noch eins drauf: „Unsere Narrative sind nicht verrückt genug gegenüber den Narrativen der Straße.“

Vielleicht sollte man es doch darauf ankommen lassen, denen zuhören und den Faden des Absurden, Ungeheuren weiterspinnen?! Vielleicht wird es dann erkennbarer in seiner Drastik, man wacht auf wie aus einem Albtraum und sieht die Realität wieder klarer.  Schön ironisch las Meyer zum Schluss eine Episode über einen seltsamen Reisenden. Ein kleiner Mann, sein Alter war nicht zu schätzen, mit einer Art Kaftan gekleidet, Turban und Sandalen, erschien an einem Januarmorgen auf dem Bahnsteig in Zwickau und murmelte halb fremd-, halb einheimische Worte vor sich hin. Er rief das Wort „Bomben“, das im Lärm des Bahnhofs fast unterging und zwei Biertrinker verstanden „Plomben“ und zeigten grinsend auf ihre schwarzsilbernen Zahnruinen.

„Karl May weiter erzählen, den Hatschi zurückholen in die Gegenwart, die Narrative zurückerobern, verzweifeln und lesen und den Zügen hinterher schauen, die am Horizont verschwinden“, gab Clemens Meyer dem Publikum abschließend mit auf den Weg. Eine Rede, die zum Nachdenken darüber anregt, was Literatur heutzutage noch vermag, um Menschen zu erreichen. Ein zwiespältiger Eindruck bleibt. Die Szene erscheint verlockend und surreal. Man schaut nur, reist in Gedanken und der Fantasie, tut es aber nicht mehr selber. Steigt nicht in den Zug. Warum nicht?!

Text (lv)

Den Schlusspunkt der diesjährigen Dresdner Reden setzt Svenja Flaßpöhler, Philosophin, Journalistin und Autorin am 27.2., 11 Uhr im Schauspielhaus Dresden. Sie forscht in ihrem Vortrag unter dem Titel „Erkenntnislust“ nach den Grundbedingungen guter Gespräche und setzt in einer Zeit zunehmender Polarisierung und Verhärtung auf die Kunst der Dialektik und die unerschrockene Erkenntnislust der Philosophie.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Lilli Vostry

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