Romantischer Gruselabend „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ im Tom Pauls Theater Pirna


In eine düster romantische Welt voller Geister, Geheimnisse & Wunderbarem entführen mit Spiel, Gesang und sphärischen Klängen Tom Pauls und die Musiker des Freddie Ommitzsch Studio Ensemble in ihrem Gruselmärchenabend frei nach Grimm im Tom Pauls Theater Pirna. Foto: Siegfried Michael Wagner

Von der Sehnsucht, die Angst zu verlieren

Im romantischen Gruselabend frei nach Grimm wandern Tom Pauls und Ensemble zu düsterkomisch sphärischen Klängen durch die Gefilde des Geheimnisvollen und Magischen in seinem Theater in Pirna.

Es wird kein lustiger Abend, sagt Tom Pauls gleich zu Beginn seines neuen Programms. Schließlich kommen darin Geister, Irrlichter und Untote aller Art vor im Gruselmärchen „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ der Gebrüder Grimm, das mit Pauls und dem Freddie-Ommitzsch-Studio-Ensemble neu erzählt auf die Bühne kam am Mittwochabend im Tom Pauls Theater in Pirna. Vor vollen Rängen zogen der Komödiant und die anderen Darsteller alle Register mit Musik, Gesang und Spiel und ließen dabei nichts aus im Wechsel von Licht und Dunkel, schaurigen Gruseleffekten und romantischen Szenen mit bekannten Volks- und Wanderliedern.

Jedem gruselts vor etwas, dem einen vor seiner Frau oder vor der Regierung in Berlin, so Pauls. Dem anderen vor dem neblig trüben Novemberwetter. „Man sieht und hört nischd mehr!“ Während er aus dem Märchenbuch vorlas und erzählte, steckten seine Söhne Maximilian, Felix und Konstantin Pauls nacheinander, neugierig lauschend die Köpfe durch den roten Vorhang, denen er als sie noch klein waren auch oft Märchen vorlas. Pauls führte als Erzähler und in allen Rollen, mit ernster Miene und schelmisch ironischen Unterton, mal sachlicher, hoher und tiefer Stimme, erschrocken oder Schrecken einjagend, zögernd oder vorpreschend, raunend, zischelnd oder schallend lachend, herzhaft, wehmütig, still und aufbrausend in eine rätselhaft undurchschaubare Welt, die sich mit Seeelenzuständen wie Angst, Tod und Trauer beschäftigt. Das Motiv der Furcht wird variantenreich durchgespielt. Tom Pauls sieht es als Gleichnis für das „angstdurchzogene Lebensgefühl heutiger Menschen.“ Und spürt mit seinem romantischen Gruselbabend frei nach Grimm, neu erzählt von Autor Mario Süßenguth und inszeniert einschließlich Choreografie von Irina Pauls, dem romantischen Lebensgefühl zu Lebzeiten von Caspar David Friedrich nach.

In diesem Jahr seines 250. Geburtstages und inspiriert von Friedrich als herausragendem Maler von Licht und Atmosphäre und als Vorreiter der Moderne, nehmen Pauls und Ensemble dies zum Anlass für eine stimmungsreiche, märchenhaft-musikalische Wanderung in die Gefilde des Geheimnisvollen, Magischen, Wunderbaren, kontrastiert mit der rational nüchternen Suche nach dem unterschwelligen Gefühl der Angst. Da wechseln lyrische, mehrstimmige Männerchöre mit Melodien von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Maria von Weber und sphärische, geisterhafte und moderne Klänge, komponiert von Konstantin Pauls. Am Klavier begleitet und die musikalische Bearbeitung der Chöre hat Benjamin Rietz inne. Tom Pauls trägt ein weißes Hemd und Kniebundhosen wie ein Wanderbursche und fragt sich als Hauptfigur Hans in der Geschichte immer wieder, was es wohl mit dem Gruseln auf sich habe und seufzt laut: „Ach, wenn`s mich nur gruselte!“ Das klingt komisch und traurig zugleich, als wäre dies der Schlüssel zu einer anderen, ihm verborgenen Welt, als lebe er in einer Art Dämmerzustand. Das Getöse, Geister ohne Kopf und Stimmengewirr um ihn herum sieht er, doch es berührt ihn nicht.

Der furchtlose Hans weiß nichts von Leid und Schmerz, das er anderen Lebewesen zufügt, wenn er mit Stöcken Vögel tot schlägt, Katzen peinigt oder Fliegen die Beine ausreißt. Den Pfarrer hält Hans im Dunklen für einen Spitzbuben und stößt ihn die Treppe hinunter. Sein Vater schickt den ungehobelten Taugenichts daraufhin hinaus in die Welt, um das Fürchten zu lernen. In einem verwunschenen Schloss übernachtet Hans drei Nächte lang, erlebt ungerührt allerlei Geisterspuk. Gruslig-komischer Höhepunkt dabei, wie die Männer in dunklen Kutten weiße Totenköpfe halten, hochwerfen, tanzen und damit kegeln zu hämmernden Technoklängen. Als Belohnung für seine Unerschrockenheit erhält Hans die Königstochter.

Mit dem Gruseln ist es wie mit dem Verlieben. Es geschieht einfach oder eben nicht. Auf der Hochzeitsfeier zur Geisterstunde, beim Auftritt einer Kapelle mit Schlagersänger in goldener Glitzerjacke und blondem Haar und seinem geschmachteten „Alles was du willst“ packt Hans plötzlich das Gruseln, hält er sich die Ohren zu mit leidender Miene. Nichts geht über echtes Gefühl, tief aus dem Inneren. Reichlich Applaus gab es für diesen romantischen Gruselabend mit Tom Pauls und Ensemble. Die Vorstellungen gestern und an diesem Freitagabend sind schon ausverkauft. Mit etwas Glück gibt es noch Restkarten an der Abendkasse, die 18.30 Uhr öffnet, sagt Kerstin Kochan vom Tom Pauls-Theater. Ab Mai 2025 steht der Gruselabend dort wieder im Spielplan.

Text + Fotos (3) (lv)

Weitere Spielplan-Infos:
http://www.tom-pauls-theater.de

Unter dem Titel „Wandergefährten“ gibt es zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich auch eine Ausstellung mit Landschafts-Bildern aus seiner Zeit im Tom Pauls Theater in Pirna zu sehen.

Premiere „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen im Schauspielhaus Dresden


Kalter Glanz & Herzen, die zu Eis gefrieren: Die Schneekönigin (Christine Hoppe) entführt Kay (Jakob Fließ) in ihr blendend weißes Reich der Eiseskälte und der Märchenerzähler Hans Christian (Paul Kutzner) bangt mit ihm in der diesjährigen Märchenaufführung zur Weihnachtszeit für kleine und große Zuschauer im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Zauberhafte Reise in eine kalte Glitzerwelt

Vor einem großen Spiegelrund, abwechselnd in warmes und kaltes Licht getaucht, umgeben von spitzen Eissplittern und einer fantasievoll farbenfrohen Figurenschar hatte das Märchen von Hans-Christian Andersen am Sonnabend im Schauspielhaus Dresden Premiere.

Gerade im schönsten, funkelnden Flockenreigen fliegt die kalte Herrscherin am Fenster vorbei und alles ringsum erstarrt. In ihre Welt aus blendendem, blinkendem Eis entführt „Die Schneekönigin“ in dem bekannten Märchen von Hans Christian Andersen den Jungen Kay und sein Herz gefriert zu einem Eisklumpen. Seine Freundin Gerda macht sich auf die Suche nach ihm und erlebt auf ihrer Reise an den Nordpol viele wundersame und gefährliche Abenteuer. Die Premiere der diesjährigen Märchenaufführung zur Weihnachtszeit für die ganze Familie war am vergangenen Sonnabend im Schauspielhaus Dresden.

Der große dänische Dichter Andersen (Paul Kutzner) begleitet in dunklem Anzug und Regenschirm die Zuschauer mit kindlichem Stauneblick durch die traumhaft geheimnisvolle Märchenwelt in dieser Inszenierung unter Regie von Nora Bussenius. Er taucht auch als gewitzt-kluger Krähenmann und Waldtaube auf, die Gerda den Weg weisen. Gebannt hören die Kinder von der Großmutter (gutmütig-beherzt: Anna-Katharina Muck, die auch als Blumenfrau, Räubermutter und Finnin urkomisch herausragt) die Geschichte von dem Spiegel, der im Gerangel zwischen Engeln und Teufel in unzählige Teile zersplittert vom Himmel auf die Erde fiel und wenn die Splitter in die Augen oder sogar ins Herz der Menschen gelangen, verkehren sich alle guten Eigenschaften ins Gegenteil, treten Hässliches und Böses besonders hervor. So ergeht es auch Kai (sanft und rau: Jakob Fließ, der auch als Prinz und Rose zu sehen ist), der gerade noch scherzte, dass er die Schneekönigin auf den Ofen setzen und schmelzen würde und seine Freundin Gerda liebevoll Huckepack trägt, als die ersten Schneeflocken schweben.

Die Großmutter weigert sich, ihren auch im Winter blühenden Rosenstrauch einem kalten Geschäftsmann (Sven Hönig, der außerdem als Krähendame, Feuerlilie und Waldtaube erheitert) zu verkaufen. Kurz darauf schneidet eine Spiegelscherbe Kay ins Auge und Herz, ist er wie umgewandelt, redet nur noch grob und verächtlich über die Rosen, Gerda und sieht nichts Schönes mehr. Er bindet seinen Schlitten an den großen Schlitten der Schneekönigin und fliegt mit ihr durch die dunkle Winternacht in ihr eisiges Reich. Die Dame im weiß glitzernden Mantel mit Kapuze und spitzer Eiszapfenkrone (kühl-arrogant mit unnahbar hallender Stimme: Christine Hoppe) küsst Kay auf die Stirn. Nun friert und fühlt er nichts mehr. Das Bühnenbild ist karg und modern gestaltet. Als Spielfläche dient ein großer Erdkreis in der Bühnenmitte, der mal in sonnigen, frühlingshaften und winterlichen Farben leuchtet und mal die Nordlichter. Dahinter kreisen wie in einem Spiegel mal die Schwalben und mal schattenhafte Nachtgestalten in Videobildern (Gary Hurst).

Ringsherum ragen große, spiegelglatte Eissplitter, die das Reich der Eiskönigin umgeben. Die Schauspieler spielen und singen fast durchweg in mehreren Rollen und bezaubern mit wandlungsreicher Spielfreude, mal lustigen, komischen und traurigen Szenen, zauberhaften Klängen und abwechselnd weißen und farbenfroh fantasievollen Kostümen. Gerda (aufgeweckt und mutig: Pauline Georgieva, Studentin vom Schauspielstudio Dresden) zieht allein und Hand in Hand mit ihrem Spiegelbild (Gisela de Paz Solvas) los, um Kay wiederzufinden und begegnet auf ihrer Reise vielen illustren Menschen und Tieren, die ihr weiterhelfen, wie die sprechenden Blumen, das flippige Prinzenpaar schenkt eine Kutsche, das aufmüpfige und gutmütige Räubermädchen (Kaya Loewe) gibt Gerda ihr liebes, altes Rentier Bä (anrührend: Thomas Eisen) als Reisebegleiter mit nach Lappland.

Wundervoll die Szene wie er als silbergraues Rentier mit stattlichem Geweih glücklich über die lang ersehnte Freiheit hoch am Sternenhimmel schwebt gemeinam mit Gerda. Sie findet Kai im Eispalast, der gerade dabei ist aus Eisstücken das Wort der Worte zusammenzusetzen. Dann will die Schneekönigin ihm die ganze Welt und neue Schlittschuhe schenken. Doch erst Gerdas Tränen tauen sein kaltes Herz wieder auf und er wundert sich wie er es in dieser Kälte ausgehalten hat. Herzlichen Beifall und viele Bravos gab es für diese zauberhafte Geschichte über Liebe, Mitgefühl und Verbundenheit zwischen Menschen und Natur, die stärker sind als kalter Glanz und Gleichgültigkeit auf der Welt.

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Eröffnungsgala: 39. Internationale Pantomime Festival Dresden


Mit oder ohne rote Nase. Die Pantomime-Kunst hat immer noch viele Fans von jung bis älter, die in vielen Spielarten wieder zu erleben ist beim, diesjährigen Internationalen Pantomime Festival in Dresden.


Wenn einem der Blätterwald & Nachrichtenflut über den Kopf wächst. Davon erzählt einfallsreich und komisch das Stück „News“  der 044 Mime Company aus der Ukraine.
Romantische Begegnung voller Reiz & Widersprüche, Licht und Schatten: das Mime-Paar Mangano-Massip beeindruckte wieder mit bilderreichem, vieldeutigen Körpertheater. Die Szenen entstanden zusammen mit Workshop-Teinehmern beim Pantomime-Festival.

Absurd-abgründige Pantomime zeigten Akteure vom Mimenstudio Dresden in Szenen aus Kafkas „Der Prozess“.

Von der Kunst, Geschichten mit dem Körper zu erzählen

Mit vielsagender Mimik, Gestik und Körpersprache faszinieren, begeistern, berühren und regen sie ihr Publikum zum Nachdenken an – Mimekünstler aus Tschechien, der Ukraine, Russland und Deutschland sind dabei an diesem Wochenende beim 39. Internationalen Pantomime Festival Dresden. Die Eröffnungsgala war vor vollen Rängen am Mittwochabend im Theaterhaus Rudi in Dresden-Pieschen.

Ein Mann steht auf der Bühne, sieht sich verstohlen nach allen Seiten um, nach oben und unten. Als stünde da noch mehr oder anderes als in der Zeitung, die er in den Händen hält. Eine Frau kommt dazu und liest bei ihm mit. Ein Mann im karierten Jackett liest und lacht schallend. Worüber? Über Lustiges oder Unglaubliches?
Lachen ist ansteckend, egal worum es geht. Und die Mimik und Reaktionen des Lesers sagen viel über das Gelesene. Da bewegen und kämpfen sich die drei Pantomimen mit den Zeitungsseiten durch einen schier endlosen Nachrichtendschungel, den sie wie ein langes Band hinter sich herziehen, vor den Kopf halten, darin vergraben, sich verknäulen. Die Welt der täglichen Nachrichtenflut und welche Auswirkungen sie auf uns hat, zeigten mit Szenen aus ihrem Stück „News“ eindrucksvoll, einfallsreich, überaus komisch und vieldeutig die Pantomimen der „044 Mime Company“ aus der Ukraine und derzeit in den Niederlanden lebend bei  der Eröffnungsgala des 39.  Internationalen Pantomime Festival Dresden am Mittwochabend im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a im Stadtteil Pieschen. Der Zuschauerraum war erfreulich voll.

Zu erleben waren Ausschnitte aus den Vorstellungen mit den Mimekünstlern aus der Ukraine, Tschechien, Russland und Deutschland, die noch bis Sonntag zu erleben sind. Die Kunst der Stille, wie Marcel Marceau, einer der großen Mimekünstler aus Frankreich, die Pantomimekunst einmal nannte, mit der er die Menschen in der Tiefe ihrer Seele berühren wollte und dies bis zu seinem Lebensende wundervoll tat, fasziniert bis heute das Publikum. In aller Bandbreite von klassischer Pantomime, Körpertheater bis Ausdruckstanz, Clownerie und Slapstick kam sie auf die Bühne am Eröffnungsabend und während des Festivals, so dass kleine wie große Zuschauer ihre Freude daran haben. Das Pantomime-Paar Sarah Mangano und Pierre-Yves Massip aus Frankreich aus der Schule von Marcel Marceau, die ihn noch persönlich kannten, waren vor zwei Jahren erstmals beim Pantomime-Festival in Dresden und beeindruckten auch diesmal wieder mit ihrer Performance. Sie zeigten Szenen aus einem Workshop-Wochenende mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die sich in der Kunst ohne Worte ausprobieren konnten.

Mangano-Massip arbeiten mit der „Dramatik der Bewegungen, die unser tägliches Leben mit allen Höhen und Tiefen widerspiegeln.“  Vor einer leuchtenden Laterne, an der eine gelbe Jacke hängt, steht eine Frau im blauen Kleid, legt ihre Hand ins Gesicht als suche sie Halt und setzt sich auf eine Bank. Ein Mann liegt darunter. Beide liegen und bewegen sich auf und unter der Bank entlang synchron zu leise, traumhaften Klängen. Bald sitzt er bei ihr, hinter ihr. In mal ruhigen, versunkenen und innigen, mal aufspringenden, spannungsvollen Bewegungen und Gesten im Wechsel von leisen und schnellen, rythmischen Klängen zeigten sie ein Liebespaar zwischen Gehen und Bleiben, Nähe, Zärtlichkeit, Halten und Freisein und bekamen viel Beifall für ihrer berührende, ausdrucksreiche Momentaufnahme einer Beziehung.

Mit einer Szene aus Kafkas „Der Prozess“ überraschten und begeisterten die gastgebenden Akteure des Mimenstudio Dresden e.V. unter der Leitung von Pantomime-Urgestein Ralf Herzog. Die Hälfte der Gruppe ist erst wenige Wochen dabei. Geprobt wird immer dienstags 19 Uhr. Neue Mitakteure sind dem Mimenstdudio Dresden willkommen, warb Michael Meinel, selbst begeisterter Mime und Mitorganisator des Pantomime-Festivals. Sechs Darsteller in schwarzen Sachen agieren mit monotonen, gleichförmigen Bewegungen, lassen sich umher dirigieren von einem Anführer zu mal leisen, mal rockigen, düsteren und unheimlichen Klängen und fallen um wie in einem dunklen Traum. Viel Beifall bekamen sie für ihr kafkaeskes Spiel.

Die Mimekünstlerin Aneta Alexsandra Anisimova aus der Ukraine erzählte emotionsreich fesselnd und bewegend, verletzlich und kraftvoll ihre eigene Geschichte, von ihrer Hin und Hergerissenheit ausgelöst durch den Krieg, ihr Land, Familie und den Liebsten zu verlassen und in der Fremde ein neues Leben zu beginnen. Ihr Stück „Peace inside us“, das fragt wie man die Lebenskraft bewahren kann in einer Zeit wie dieser und die innere Welt heilt, ist am Sonntag, dem 10.11., 10 Uhr in einer Doppelvorstellung mit „News“ der 044 Mime Company im Theaterhaus Rudi zu sehen. Mit Kaffee & Kuchen und der Möglichkeit zum Gespräch mit den Mimekünstlern nach der Vorstellung. Heute am Sa., 9.11.,18 Uhr kommt „Kuku“, eine witzig-skurrile Geschichte über einen Kuckuck und den Kuckucksuhrbesitzer als Familienvorstellung auf die Bühne. Zum Ausklang des Festivals am Sonntag, 18 Uhr hat die Performance „Durch den Spiegel“, die das DerevoArtHouse präsentiert nach fünf Tagen intensiver Proben mit internationalen Teilnehmern des Creative Lab mit Anton Adasinskiy,  Premiere im Theaterhaus Rudi.
Im Foyer dort ist auch eine interessante Ausstellung zur Geschichte der Pantomime in Europa mit Schautafeln in Wort und Bild zu sehen. Erinnert wird auch an das Schaffen des in diesem Jahr verstorbenen Mimekünstlers Nils-Zdenek Kühn. Er war 37 Jahre lang Schulleiter der ETAGE Schule für Darstellende Künste, Fine Arts e.V. in Berlin und Leiter der Abteilung Pantomime und Körpertheater. Im Jahr 2013 war er Gründungsmitglied der FEM – Federation of European Mime. Außerdem wird in der Ausstellung der „Pantomimevater Dresdens“ Ralf Herzog mit seinem Wirken gewürdig, der die Mimekultur in Dresen aufbaute, 1982 das Pantomime-Festival in Dresden gründete zusammen mit Rainer Petrovsky, 1992 die Mimenbühne Dresden gründete und 1999 den Verein Mimenstudio Dresden e.V. als deren Träger. Für seine Verdienste wurde Ralf Herzog bei der Eröffnungsgala des diesjährigen Pantomime-Festivals mit den „Golden Hands“, goldenen Handschuhen, dem Special WMO Award der weltweiten Mimen-Organisation ausgezeichnet. Er kann auf 45 Jahre Bühnenarbeit zurückblicken und denkt noch nicht ans Aufhören.

Text + Fotos (lv)

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Pantomime-Urgestein, Künstler, Festival-Gründer, Ausbilder, Mimograf, Regisseur & langjähriger künstlerischer Leiter des Ensembles „Mimenbühne Dresden“ von 1992 bis 2018: Ralf Herzog (1952 in Dresden geboren) zeigt die Ehrenurkunde und seine Auszeichnung „Golden Hands“ bei der Eröffnungsgala des 39. Internationalen Pantomime Festivals in Dresden. Durch das Programm führte Michael Meinel vom Mimenstudio Dresden.

Neue Lyrik zur HerbstZeit: Trauben & In neuem Licht & Zauberwesen

Trauben

Dunkles Tiefblau schimmernd wie Nachtseide
stößt an Rotviolett daran hängt noch der Glanz
und Duft des Sommers
schwelgend raunen sie mir aus dem Karton zu:
Greif zu!
kitzeln meine Sinne verführen
und verschließen mir den Mund
mit wohlig würziger Süße
Bitternis verrinnt
Es sind weniger Trauben dieses Jahr
nur ein Drittel der sonstigen Ernte
sagst Du die anderen erfroren nach der Wärme
der Kälteschock im Frühjahr
einhundertjährige Reben die am Haus Spalier stehen
und die Nachzügler auf dem Dach der Werkstatt mit
den sich im Wind drehenden Monden
sah hinterm Weinlaub die grünen Beeren wie sie
wuchsen blau sich ins Wachstum vertieften alle
Widrigkeiten hinter sich ließen
in vollen Reben wie Perlen an einer Schnur
jede einzelne ein Wunder
in reifer Fülle strahlen sie mich nun an
wie Du der sie mir schenkte
mir scheint die Trauben werden gar nicht weniger
sie wiegen leicht und schwer
einige winzig und runzlig wie Rosinen
liegen bei den anderen süß saftig und prall rund
wie ein langes gutes Leben

LV
21.10.2024

In neuem Licht

Der Himmel flammt auf
in Goldtönen Rot und Violett
spiegeln sich im Fluss
dahinter dunkle Baumumrisse
blättrige Gesellen am Ufer
tasten und tanzen im Schattenlicht
bangte davor dass es erlischt
zu Samhain vor einem Jahr
nach dem Flimmern den Lichtblitzen
im Dunkeln die Schockdiagnose
die Netzhaut löste sich zur Hälfte
von einem Auge schon am nächsten Tag
OP brannte tagelang ins Sonnenlicht zu sehen
wieder eintauchen in die lichten Farbschwünge
die sich im Blau ausbreiten wie Flügel
endlos weit
ein Junge steigt mit einer Mondlaterne auf
die Ufermauer
von der Seite ein klirrendes Geräusch
eine schwarze Gestalt nähert sich
mit weißem Grinseschädel der Sensenmann
läuft an mir vorbei
stützt sich auf sein blitzendes Schwert
jeder Schritt ein Aufschlag
wie ein Herzschlag
vor einer Haustür leuchtet mit breitem Lachen
ein Kürbiskopf

LV
31.10.2024

Zauberwesen

Sie rühren sich nicht
von der Stelle
sehen still vor sich hin
lächeln verzückt milde
traurig oder verwegen
staunend fragen ihre Blicke
Bin ich noch am Leben
Wie auf ein geheimes Zeichen hin
wie von Zauberhand bewegt
aus einem Traum entstiegen
einer anderen Zeit
zwischen Gestern und Morgen
Tag und Nacht
vergessen sie die Fäden
an denen sie hängen
regen ihre Glieder
die in dunklen Kleidern und Anzügen
stecken elegant und vornehm ihr Auftreten
kokett zierlich zurückhaltend ergeben
versponnen oder pikiert
einige tragen spitze Hüte
einer spitze Ohren ein anderer eine
Herznase
in weißen und verwitterten Gesichtern
leuchten Augen auf rollen lebhaft hin
und her
sehen sich an und um im
Raum halb Salon und Rumpelkammer
brennende Kerzen Kürbisse morsche Äste
und dunkle Rosenblätter
Geisterhaft wiegen sie im Takt zu
zauberhaften Klängen
alle halten etwas in den Händen manche
wie Krallen
kleine Figuren an Fäden
zappelndes Getier
Gezweig und lange Stäbe
alle scheinen auf etwas zu warten
das sie losreißt
ein paar Jungen nehmen Reißaus in
großen Sprüngen in Zeitlupe als könnten
sie die Zeit anhalten oder ihr entfliehen
dem Zauber des Zerfalls der
Vergänglichkeit und Zeitlosigkeit
entgehen
Stumm schreiend hält ein Mann ein
zuckendes Etwas wie ein Herz in der Hand
im blutigen Mund

LV
31.10.2024

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Kunst ohne Worte in allen Spielarten lockt wieder beim 39. Internationalen Pantomime Festival Dresden


Clownerie mit dem Bewohner einer Kuckucksuhr und ihrem Besitzer.
Kuku, 9.11., 18 Uhr, Familienvorstellung mit Anatoli Akerman & Christoph Schiele. Foto N. Milatovic


„flying kuku“, 9.11., 18 Uhr. Foto: D. Shakin


„Mime on the Moon“, 8.11., 19 Uhr mit Radim Vizváry aus Tschechien.

Slapstick, Clownerie und Tragikomik entführen in die faszinierende Welt der Pantomime

Vom 6. bis 10.November 24 findet das 39. Internationale Pantomime Theater Festival Dresden im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a statt. Der Mitbegründer des Festivals und  „Vater der Pantomime“ in Dresden, Ralf Herzog wird für seine Verdienste geehrt bei der Eröffnungsgala am kommenden Mittwoch.

Eine wunderbare Dresdner Tradition nimmt Anlauf auf den 40. Geburtstag im nächsten Jahr: Das Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden findet vom 6. bis zum 10. November 2024 bereits zum 39. Mal statt. Künstler und Ensembles aus Deutschland, Tschechien, Frankreich, Österreich und der Ukraine laden zu sechs Vorstellungen in das Theaterhaus Rudi ein. So vielfältig, wie die Spielarten des Bewegungstheaters sind, so breit gefächert ist das Programm. Ein schräges Nummernprogramm mit Slapstick und Comedy ist ebenso dabei wie komisch-tragische Clownerie, klassische und zeitgenössische Spielarten der Pantomime und Performances in Verbindung mit ausdrucksstarken Tanzelementen.

„Pantomime ist die Basis für viele künstlerischen Ausdrucksformen und erzählt mit Mimik und Körpersprache wunderbare emotionale Geschichten“, so Michael Meinel, Vorsitzender des Vereins Mimenstudio Dresden, welcher das Festival mit viel Herzblut im Ehrenamt auf die Beine stellt. „Ob zum Lachen, zum Nachdenken oder als inspirierende Reise in die Phantasie – das Festival hat viele Facetten und das auf sehr hohem künstlerischem Niveau.“

Die Eröffnungsgala am Mittwoch zeigt Ausschnitte aus den Shows des Festivals

Den Auftakt des Festivals bildet traditionell die Eröffnungsgala am 6. November. Hier zeigen die bereits angereisten Künstler Auszüge aus ihren Shows. Das Galaprogramm gestalten das Duo Diagonal aus Deutschland, die 044 Mime Company und Anetta Anisimova aus der Ukraine, die Franzosen Mangano & Massip und ihre Werkstatt-Teilnehmer und das Derevo Creative Lab aus Deutschland. Außerdem zeigen die gastgebenden Akteure des Mimenstudio Dresden e.V. eine Etüde zu „Kafka – der Prozess“, die sie im offenen Pantomimekurs unter Regie von Ralf Herzog derzeit erarbeiten.

Die einzelnen Vorstellungen bedienen ein breites künstlerisches Spektrum

Am Donnerstag kann man über das Jubiläumsprogramm des Duo Diagonal herzlich lachen. Seit 25 Jahren verbinden Deana und Holger Ehrich Comedy, Mime, Tanz und Slapstick und lassen hintergründigen Witz auf gekonnten Unfug treffen. Am Freitag ist Radim Vizvary aus Tschechien zu Gast, einer der angesehensten Vertreter der zeitgenössischen Pantomime in Europa. In „Mime on the Moon“ erzählt er von einer Flucht aus einer Welt, die von Perfektion besessen ist. Das Publikum erwartet ein poetisches Spiel auf einem hohen mimisch-künstlerischen Niveau.

Clownerie der alten Schule wird in der Vorstellung „kuku“ am Samstag gezeigt. Sie beginnt bereits 18 Uhr und richtet sich an Familien mit Kindern ab sechs Jahren. Hier geht es um den Bewohner einer Kuckucksuhr und den Besitzer jener Uhr, die zusammen wunderbare tragisch-komische Momente erleben, aber auch Absurdes und hinreißend Fröhliches. Am Sonntagvormittag zeigen Künstler aus der Ukraine eine Doppelvorstellung und laden im Anschluss zu Kaffee und Kuchen und Gesprächen ein. Die 044 Company beschäftigt sich in ihrem Stück „News“ mit der Nachrichtenflut und ihrem Einfluss – Was ist wahr und was ist falsch? Die Künstler pflegen die Kunst der klassischen Pantomime und spiegeln die verschiedenen Charaktere in ihrem Stück sowohl auf groteske als auch komödiantische Weise.

„Peace inside us“ titelt im Anschluss die Solo-Performance mit Anetta Aleksandra
Animisova. Die Künstlerin hat sie während des Krieges nach ihrer eigenen Geschichte entwickelt und kommt zum Credo: “Wenn jeder im Inneren Frieden schafft, wird es auf der ganzen Welt Frieden geben“. Am Sonntagabend kann man eine Premiere mit Anton Adasinskij und Derevo erleben. Die deutsch-russische Company veranstaltet parallel zum Festival einen fünftägigen „DerevoArtHouse Pantomime Creative Lab“ und präsentiert mit den internationalen Teilnehmern das Ergebnis – eine Performance mit dem Titel „Durch den Spiegel“.

Workshops sind ein wichtiger Teil des Festivals – noch gibt es freie Plätze

Am Wochenende vor dem Festival (am 2./3.11.) konnte man im Projekttheater einen 10-stündigen Workshop mit Mangano-Massip aus Frankreich besuchen, Schüler des berühmten Pantomimen Marcel Marceau. Sara Mangano und Pierre-Yves Massip waren 2022 mit zwei eigenen Stücken Gäste des Festivals. In diesem Jahr sind sie als Dozenten für die offene Werkstatt dabei, die Neugierige, Amateure und professionelle Künstler einlädt, das Medium Pantomime kennenzulernen oder ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern.

Ein weiterer Workshop findet während des Festivals statt. Am Samstag von 10 bis 12 Uhr führt Anetta Aleksandra Animisova im Projekttheater Amateure und Profis in die Grundlagen mimischer Körpertechniken und des Improvisierens ein. Die Teilnahme kostet 10 Euro. „Die Workshops und der fachliche Austausch unter den internationalen Künstlern sind von jeher ein ganz wesentlicher Teil und eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Festivals“, betont Michael Meinel. „Dieser Austausch ist neben der familiären Atmosphäre beim Festival einer der wichtigsten Gründe, dass sich Künstler aus aller Welt für die Teilnahme bewerben. Auch wir als Gastgeber nehmen jedes Jahr neue Impulse für das vielfältige Genre der „Kunst ohne Worte“ mit.“

Die Ausstellung über die „Geschichte der Pantomime in Europa“ wurde erweitert
Im vergangenen Jahr wurde das Festival durch eine Ausstellung mit dem Titel „Geschichte der Pantomime in Europa“ begleitet. Sie wurde vom Mimenstudio Dresden e.V. organisiert in Zusammenarbeit mit Nils-Zdenek Kühn, Vorsitzender der FEM – Federation of European Mime und über 37 Jahre Leiter der ETAGE Schule für Darstellende Künste Fine Arts e.V. Nils-Zdenek Kühn ist in diesem Jahr leider verstorben. Ihm zu Ehren widmet sich ein neuer Teil der Ausstellung seinem Schaffen.

Eine weitere Tafel erzählt die Geschichte eines Pantomimen, dessen Werdegang mit der Tradition des Pantomimefestivals in Dresden untrennbar verbunden ist. Die Rede ist von Ralf Herzog, „Vater der Pantomime“ in Dresden, Mitbegründer des Festivals und langjähriger Intendant der Mimenbühne. Nach wie vor leitet er im Mimenstudio einen Pantomimekurs und hat im Laufe der Jahrzehnte ungezählte Schüler geprägt und inspiriert. Für seine herausragenden Verdienste in der Kunst der Pantomime wird er im Rahmen der Eröffnungsgala mit dem Special Award „Golden Hands“ der World Mime Organisation ausgezeichnet.

Karten für die Shows gibt es bei SAX-Ticket (saxticket.de), Reservix und an allen Vorverkaufskassen, die mit Reservix zusammenarbeiten. Reservierungen sind auch unter Telefon +49 1515 5619899 möglich. Wer sich für einen Workshop interessiert, meldet sich bitte per E-Mail: info@mimedresden.de

Das 39. Internationale PantomimeTheaterFestival wird durch die Kulturstiftung des  Freistaats Sachsen, die Landeshauptstadt Dresden, die Ostsächsische Sparkasse, das Stadtbezirksamt Dresden Pieschen, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und den Bund Deutscher Amateurtheater gefördert.

Text: Sabine Mutschke i.A. des Mimenstudio Dresden e.V.

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Mimenstudio Dresden e.V.
Vereinsvorsitzender und Künstlerischer Leiter
Michael Meinel
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25 Jahre Romantik & Slapstick – das Jubiläumsprogramm mit dem Duo Diagonal aus Deutschland, am 7.11., 19 Uhr. Foto O.Haas.

Ausstellung „Similar“ von Steffen Petrenz in der Galerie „ArtToGo“ in Dorfhain

Beflügelnde Aufnahmen

Zauberhafte Momentaufnahmen bekannter und seltener Vogelarten versammelt die Ausstellung „Similar“ des Freitaler Künstlers Steffen Petrenz derzeit in der Galerie „ArtToGo“ in Dorfhain.

Traumwandlerisch, federleicht fliegt eine Schar weißer Vögel mit weiten Schwingen vor schwarzem Hintergrund über einer Teichlandschaft. In Großaufnahme schweben sie frei im Raum. Zwei Silberreiher sehen aus als ob sie verliebt schnäbeln. Doch die Idylle trügt. „Viele denken es wäre Balz. Doch das ist ein Positionskampf. Der beißt den anderen in den Hals“, sagt der Künstler Steffen Petrenz, der die Szene mit der Kamera festhielt. Die Gruppe Silberreiher ist aufgeflogen und geflüchtet vor einem Seeadler, der mit sechs Kilo um einiges mehr wiegt als sie. „Da sind schon Welten dazwischen“, so Petrenz. Silberreiher, Seeadler, Haubentaucher, Tauben, Rauchschwalben… Bekannte und seltene Vogelarten wie die Bekassine, in Mooren anzutreffen, tummeln sich zwischen Himmel und Erde und laden den Betrachter mit den stimmungsvollen Fotografien ein mitzufliegen in ihre Welt.

Insgesamt 36 Aufnahmen, farbige und schwarz-weiße, zumeist großformatige, der luftigen gefiederten Gesellen, zeigt die Ausstellung „Similar“ – das steht für Ähnlichkeit, Übereinstimmung – des Freitaler Künstlers Steffen Petrenz, der sich seit längerem intensiv der Vogelfotografie widmet, derzeit in der Galerie „ArtToGo“ der Georado-Stiftung, Talstraße 7,  in Dorfhain. Er fühlt sich ähnlich den Zugvögeln, die nicht ortsgebunden sind und sich genau wie er auf ewiger Wanderschaft befinden. Die Fotografien haben keine Bildtitel und auch keine Bezeichnung der Vogelarten. Da es weniger um eine ornithologische Betrachtung als um die Athmosphäre und Wirkung geht. „Für mich sind die Bilder von Steffen Petrenz Grafiken von besonderer, narrativer Poesie. Einer Poesie, die uns die Wunder der Natur vor Augen führt“, sagt Olaf Stoy, Kurator der Ausstellung und Galerist. Besonders in den Großformaten werde das deutlich, mit denen man vollkommen in die Situation eintauchen kann. „Das ist großes Kino!“, so Stoy. Er kennt Steffen Petrenz und sein künstlerisches Schaffen seit 20 Jahren und dies ist die dritte Ausstellung, die er gemeinsam mit ihm eröffnete. Petrenz lebt und arbeitet seit 2007 als freischaffender Bildhauer, Fotograf und Keramiker in Freital. Er absolvierte eine Meisterausbildung zum Bildhauer und Gestalter an der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule in Freiburg. Faszinierend an diesen Momentaufnahmen ist vor allem, wie nahe er dern so scheuen und schnellen Wesen kommt, wie man die Vögel selten zu Gesicht bekommt. Die Bilder berühren mit ihrer Unmittelbarkeit.

Er zeigt die gesichteten und beobachteten Vögel in all ihrer Schönheit, Anmut, Zartheit, Kraft, Erhabenheit und Größe, im Flug, lockend bei der Balz, auf und an Teichen still versunken oder elegant tänzelnd wie ein Corps de Ballett und Beute fangend, in zauberhaftem, wechselnden Spiel von Licht, Farben, Federkleid, Tages- und Jahreszeit und Landschaft. In einem Bild breitet ein Vogel seine Schwingen aus und ein anderer fliegt davon. „Das war ein symbolischer Moment, das alte und das neue Jahr, das schon bereitsteht“, so Petrenz. Das Foto entstand am letzten Tag des Jahres 2023 in Tiefenau im Landkreis Meißen. Eine Feldlerche fliegt vor dem Sonnenkreis in den Himmel in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme. Sehnsuchtsvoll, frei und schwerelos wirkt sie zugleich. Offen und frei interpretierbar sind seine Fotografien. Für Petrenz spiegeln sie auch Kommen und Gehen, Werden und Vergehen in der Natur und im Leben. Steffen Petrenz ist fast täglich mit der Kamera, Rucksack mit Tarnzelt, Tarnnetz und Tarnanzug unterwegs. Oft noch vor Sonnenaufgang begibt er sich in Position, vor Tageswerwachen und Erscheinen der Vögel an Teichen und auf Wiesen.

Er ist meist an Teichen im Landkreis Meißen  rechts und links der Röder zum Fotografieren. Sein Motto dabei: „Das Tier kommt zum Fotografen und nicht umgekehrt.“ Er harrt für seine nuancenreichen Bilder geduldig oft stundenlang aus, ob Hitze oder Kälte, Bremsen, Brombeersträucher, Mücken, Brennesseln. Das nimmt er für ein gutes Foto in Kauf. Manchmal komme er auch ohne Foto zurück. „Die Silberreiher haben es mir schon etwas angetan“, so Petrenz. Aber sonst habe er keine Vorlieben. „Im Licht sehen alle schön aus.“ Das Naturerlebnis und Fotografieren verschmelzen bei Steffen Petrenz miteinander und ergreifen ihn immer wieder. Er versucht sich so zu bewegen, dass er niemand stört. „Das ist auch ein Respekt vor der Natur.“

„In der Natur gibt es kein Gut und Böse, sondern es gibt nur Konsequenzen“, zitiert Petrenz einen Naturwissenschaftler. Das war für ihn auch ein Beweggrund, die Vielfalt der Vogelwelt in seinen Aufnahmen zu zeigen und das was noch da ist, zu bewahren und ihr natürlichen Lebensräume. Ca. 150 Vogelarten hat er inzwischen fotografiert, rund ein Dutzend davon sind in der Ausstellung zu sehen. Steffen Petrenz kennt viele seiner gefiederten Modelle, die oft beringt sind. „Fast alle Fischadler in der Radeburger Ecke, die beringt sind, habe ich inzwischen fotografiert.“ Und wenn er sie wiedersieht, meldet Petrenz es der Beringungszentrale Hiddensee. Von dort erfährt er, wohin die Vögel reisen und wo sie wieder auftauchen. So auch an diesem Nachmittag in der Ausstellung in Dorfhain kommt eine Nachricht per Handy von der Beringungszentrale.

„Das Mühlbacher Fischadler-Pärchen, das im Juli beringt wurde, hat dieses Jahr Nachwuchs bekommen und sie sind nun zusammen in den Süden geflogen“, erzählt Petrenz mit freudiger Miene. Er bietet auch Fotografie-Workshops an und hält Vorträge über die Vogelarten und seine Exkursionen. Interessierte können sich bei ihm melden.  Die Ausstellung ist noch bis 3. Januar 2025 zu sehen.

Geöffnet auf Anfrage und zu Veranstaltungen in der Galerie ArtToGo in Dorfhain. Dort gibt es außerdem eine Lesung mit dem Dresdner Autor Uwe Salzbrenner aus seinem neuen Roman „Die Talente“ am 1. November, 19 Uhr.

Text + Fotos (lv)

Weitere Fotos zur Ausstellung folgen.

http://www.georado.de/veranstaltungen


Besondere Liebe zu Kunst, Fotografie und Zugvögeln, die sich facettenreich in den Bildern in der Ausstellung widerspiegeln: Der Künstler Steffen Petrenz im Gespräch mit Olaf Stoy, Kurator und Galerist von „ArtToGo“ in Dorfhain bei Freital und selbst ein vielseitiger Künstler.

Kreatives Universum mit neuen Erlebnisräumen für Kunst: Der aus Venezuela stammende Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm hat eine Kunstmanufaktur mit Galerie & Atelier in Wurzen eröffnet


Ein charismatischer & wagemutiger & visionärer Künstler ist Esteban Velázquez von Wilhelm. Sein Markenzeichen ist die Augenklappe, die nicht nur für Abenteuer in der Kunst steht, sondern auch für den gefahrvollen Weg und Wirken in seiner Heimat Venezuela, die er deshalb verlassen musste. Nun hat er sich den Traum von einer eigenen Kunstmanufaktur in einem alten Fabrikgebäude in Wurzen erfüllt, in der sogar der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer schon zu Besuch war.
Fotos: Ronny Bahr

SEHR SÄXSISCH

Mit einer Einzelausstellung und einem Rundgang durch sein Atelier eröffnete der aus Venezuela stammende Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm seine `von Wilhelm Manufaktur`auf über 2 000 Quadratmetern in Wurzen (Landkreis Leipzig) offiziell.

Resonanzvolle Ausstellungen sowie seine häufigen Kunstaktionen im öffentlichen Raum Dresdens haben dazu beigetragen, einen Namen und einen Stil zu festigen, der einen bislang leeren Schrank füllt. Sein Name ist ebenso klangvoll wie, um es metaphorisch auszudrücken, seine Gemälde. Der in Venezuela geborene Dresdner Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm, dessen jüngste Vergangenheit bereits weit verbreitet ist, feiert 10 Jahre seines Lebens in Deutschland, 2 davon in München und 8 in Dresden, was der Künstler selbst in seiner Rede zum Ausdruck gebracht hat, den Teilnehmern als „ein neues Leben“ präsentiert.

Von einem winzigen Raum in einem Flüchtlingslager bis zu einem riesigen Atelier von mehr als 2 000 Quadratmetern. Nachdem er in seinem Herkunftsland schrecklich gefoltert wurde, fliegt von Wilhelm nach Deutschland, dem Land seiner Vorfahren, und lässt sich in München nieder, wo er hofft, das Kunst- und Lifestyle-Magazin wieder auf den Markt zu bringen, das ihm in Venezuela so viel Erfolg (aber auch Unglück) beschert hat. Er lässt sich im eleganten und aristokratischen Viertel Schwabing in einer wunderschönen Villa an der Ecke Tengstraße/Elisabethstraße nieder, von der der Künstler glaubt, dass er sein neues Leben in Deutschland beginnen wird. Aber das wäre nur eine helle Einleitung, mit dem, was als nächstes kommen würde, hatte von Wilhelm nicht gerechnet. Nach zwei Jahren in München, ohne mit seiner Zeitschrift „Wilhelm Magazin“ Erfolg zu haben, muss der Künstler Asyl beantragen, da eine Rückkehr in das Land, in dem er beinah tödlich angegriffen wurde, nicht möglich ist.
Das Flüchtlingsverteilungssystem weist dem Freistaat Sachsen die Zuständigkeit für die Aufnahme zu. „Eines Nachts in einem kalten Herbst kam ich im Lager des Deutschen Roten Kreuzes in Dresden an, die erste Nacht schlief ich in einem Zimmer mit 11 anderen Flüchtlingen aus arabischen und afrikanischen Ländern. Ich konnte mich überhaupt nicht ausruhen: Es war alles sehr laut, mit einem starken Geruch, und irgendwie fühlte ich mich unsicher“, so von Wilhelm.

Dies war von Wilhelms erste Nacht in seiner neuen Heimat. Doch am nächsten Morgen stellte der Lagerleiter überrascht fest, dass es sich um einen Asylbewerber aus Venezuela handelte, was zu diesem Zeitpunkt völlig neu war. Der Mann, den von Wilhelm als freundlich und beschützend beschreibt, bot ihm ein kleines Privatzimmer mit nur einem Bett und einem großen Fenster an, das viel Licht bedeuten würde. Von Wilhelm war inmitten so vieler Schatten glücklich, am nächsten Tag besorgte er sich einige Leinwände und Tuben mit Ölfarben und begann zu malen. „Ich fühlte mich euphorisch, ich konnte nicht mehr an einen Relaunch meines Magazins denken, ich konnte mir nicht einmal vorstellen, mit Freunden auf einen Kaffee oder ein Bier in einen Biergarten zu trinken. Dann griff ich auf das zurück, was mich mein ganzes Leben lang vor Unglück bewahrt hat: die Malerei. Ich habe drei Monate lang zwanghaft gemalt, um mir eine andere Welt zu schaffen und in sie einzutauchen, dann entdeckte ich im Dresdner Schloss die Gemäldegalerie der Kurfürsten von Sachsen: Stolz, königlich, brillant, mächtig; Ich fing an, sie zu malen und schloss mich mit in die Bilder ein, bis eines Tages der Geruch von Terpentin das Personal des Flüchtlingslagers alarmierte und die Polizei kam und mich aufforderte, alle diese Bilder loszuwerden, was für mich unmöglich war, sie waren gemalt in Öl eingelegt und sie waren noch frisch. Mitten in der Auseinandersetzung mit der Polizei erschien der freundliche Lagerleiter und diskutierte hitzig mit den Polizisten in einem Deutsch, das ich noch nicht beherrschte. Aber die Polizei ging und ich konnte weiter malen. Das war mein Atelier, eigentlich wurde dort „von Wilhelm“ geboren, der ich jetzt bin“, so von Wilhelm.

Doch Platzbeschränkungen stellten für den Künstler nie ein Hindernis dar, obwohl sein Ehrgeiz, große Installationen zu schaffen oder sein gewaltiges Projekt „Neuer Fürstenzug“ zu schaffen, durch diesen Faktor behindert wurde, träumte von Wilhelm von einer großen Kunstmanufaktur mit ausreichend Platz, und zwar dafür mehrmals besuchte er die Leipziger Spinnerei, beobachtete die Räumlichkeiten, die Dimensionen und die Bewirtschaftungsmöglichkeiten, doch bald kristallisierte sich sein visionäres Projekt heraus, nicht genau in der Spinnerei, sondern ganz in der Nähe von Leipzig, in Wurzen. Dort in den alten Gebäuden, wo vor mehr als 160 Jahren die alte sächsische Bronzewarenfabrik gegründet wurde. In dem riesigen Gebäudekomplex in der Badergraben 16, 04808 Wurzen, in dem auch die Leuchtenmanufaktur ihren Sitz hat, befindet sich die vom Künstler begehrte “von Wilhelm Manufaktur”, die auf einer Fläche von mehr als 2 000 Quadratmetern ein ausgestattetes Atelier umfasst großzügige Flächen von gigantischen Ausmaßen, zahlreiche Räume zur Aufbewahrung von Kunstwerken, je nach Größe, Material, Themen und Jahren sowie eine eigene, öffentlich zugängliche Galerie.

Aber von Wilhelms Idee geht noch weiter und er möchte andere Künstler in sein Atelier einbeziehen, um sich für kurze Zeiträume dort niederzulassen, um Kunstwerke zu produzieren, die dann nach den Kriterien der von von Wilhelm selbst eingeladenen Kuratoren in Ausstellungen enden würden sowie in gedruckten und digitalen Katalogen. Nach Aussage des Künstlers wäre dies ein Weg zur Einbeziehung zahlreicher Künstler, die kein Atelier haben, in die Kunstszene.

Der Besuch des sächsischen Ministerpräsidenten im Atelier des Künstlers.

Doch von Wilhelms Erfolg beschränkt sich nicht nur auf sein Arbeitsumfeld oder den Umfang seines künstlerischen Schaffens, sondern auch auf seine Fähigkeit, Menschen anzuziehen. Der Künstler kennt den Weg zum Erfolg, es ist nicht das erste Mal, dass er ihn beschreitet. So war der erste Gast, noch während des Ausstellungsaufbaus, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Der MP ging mit von Wilhelm von der mit den bekannten Stoffpuppen des Künstlers geschmückten Fassade zu den Galerieräumen, wo er bei einem privaten Besuch die Werke des Künstlers betrachten konnte.

Die Eröffnung der Ausstellung

Ein roter Teppich und eine riesige Festtafel mit einer Vielzahl internationaler und regionaler Gerichte, geschmückt mit großen Steinamphoren voller Blumen, dienten den Gästen als Empfang am gewölbten Eingang zu den alten Manufakturhöfen.
Die angrenzende Galerie voller Besucher mit Sektgläsern in der Hand lauschten den Begrüßungsworten des Oberbürgermeisters von Wurzen Marcel Buchta (parteilos). Der verantwortlich für die Auswahl der in der Galerie ausgestellten Werke und die kuratorische Arbeit, Prof. Henry Ripke erläuterte den Anwesenden das Leben und künstlerische Werk von Wilhelms. Die ukrainische Geigerin Tatiana Liakhina begeisterte mit einem klassischen Repertoire, das teilweise vom Künstler selbst ausgewählt wurde, der ein Liebhaber klassischer Musik ist.

Zu Professor Ripkes Auswahl gehörten weiße Werke aus der Münchner Periode des Künstlers, die von 2014 bis 2016 konzipiert wurden, eine umfangreiche Auswahl abstraktionistischer Barockwerke aus der Dresdner Zeit, die sich durch das Thema der Kurfürsten auszeichneten, und sogar Werke aus den Jahren 2023 und 2024, die von Professor Ripke als zweite Dresdner Periode katalogisiert wurden, obwohl einige dieser letzten Gemälde bereits im Jahr 2024 im neuen Wurzener Atelier entstanden sind.

Der am meisten erwartete Moment. Der Rundgang durch das Atelier.

Auf der Treppe des Hauses führte ein riesiges, 5 Meter hohes Banner mit dem Bild der Ausstellung die Gäste zum Erdgeschoss, in das kreative Universum des Künstlers ein.
Im Flur vor dem Betreten des Ateliers sollte ein Podest mit Orientierungskarten und nummerierten Schildern den Besuchern als Wegweiser dienen, damit sie ihre Reise durch das riesige Atelier sinnvoll gestalten können. Sobald wir das Atelier betreten, ist die Atmosphäre nur Kunst, eine musikalische Untermalung mit Oper ließ uns „O mio Babbino caro“ von Maria Callas hören, während die Menge, die sich nie überfüllt oder unterbrochen fühlte, angenehm, ohne zu stolpern, durch die Arbeitsbereiche, Lagerhallen, persönlichen Räume, Nähwerkstatt, Bildhauerwerkstatt und die viel diskutierte Dunkelkammer gingen. Als wir das Atelier des Künstlers betraten, konnten wir jedoch eine Reihe neuer Werke bemerken, die völlig neu sind und sich stark von den Arbeiten des Künstlers unterschieden, die wir bisher kannten. Riesige Installationen aus Gummischläuchen, die in Form von Wasserfällen von der Decke
herabsteigen und sich viele Meter über dem Boden erstrecken. Die Besucher blickten neugierig auf die neuen Werke des Künstlers, die weit entfernt von seinem bis dahin zwanghaft entwickelten Thema der sächsischen Kurfürsten sind.

Der Künstler ist jedenfalls davon überzeugt, dass seine Ausstellungen für den Betrachter ein neues Erlebnis generieren werden. „Die Zeit des passiven Zuschauers ist vorbei. Wir befinden uns im Zeitalter der direkten Beteiligung. Die Öffentlichkeit möchte sich einbringen und Teil des Prozesses und nicht länger blind sein, was hinter den Kulissen passiert,“ so von Wilhelm.

Ein Abschluss mit Stil.

Am 5. und 6. Oktober erfolgte der letzte Schliff. An den alten Industrie-Arbeitstischen aus massivem Holz wurden großzügig verschiedene Tapas-Gerichte aus der lateinamerikanischen, spanische, russischen und deutschen Küche serviert.
Die Gläser mit Wein und Sekt waren in den Händen aller Gäste zu sehen, die in Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten, beginnend um 11.30 Uhr, eintrafen. was es dem Künstler ermöglichte, das riesige Atelier noch einmal mit all seinen Gästen zu besichtigen. Auch wenn von Wilhelms Werke Aufmerksamkeit erregen, ist das Erscheinungsbild des Künstlers selbst, stets mit seinen von ihm entworfenen und bemalten Kleidungsstücken, nicht weniger auffällig. Zu diesem Anlass trug der Künstler ein Outfit im Cowboy-Stil, komplett bemalt mit den Motiven, die ihn bekannt gemacht haben: den Kurfürsten von Sachsen. Zusammen mit einem ausführlichen Besuch seines riesigen Ateliers weckt dies bei den Besuchern noch mehr Neugier und Spannung. Die Atmosphäre, die im Gegensatz zur Sommervernissage nun kälter war, begleitet von den Opern von Maria Callas und Montserrat Caballé, sorgte für eine festliche Atmosphäre mit viel Stil. Diese Art von Partys scheinen für den Künstler nichts Neues zu sein, sondern waren eher ein Merkmal der exzentrischen Soireen, die der Künstler bereits in seiner Heimat Venezuela zusammen mit seiner Großtante Angelina zu organisieren gelernt hatte. Sogar die Serviertabletts aus Keramik waren mit dem Gesicht des Künstlers bemalt und erregten die Aufmerksamkeit der Gäste, die beim zweiten oder dritten Glas Sekt begannen, sich zu dem besonderen Detail zu äußern.

Der Abschluss endete mit einer prächtigen Torte, deren Dekorationsmotiv die gleiche
Einladungskarte aus der Ausstellung war und die Veranstaltung spät um 19 Uhr schließlich abschloss.

Verlängerung der Ausstellungstermine.

Auf Wunsch vieler, die nicht teilnehmen konnten, beschloss der Künstler, die Besuchstermine in der Galerie und im Atelier nach Vereinbarung bis Samstag, den 9.11., zu verlängern. Hierzu müssen Interessenten eine E-Mail an das  von wilhelm.atelier@gmail.com schreiben.

Text: Daniel Uscher

website: vonwilhelmart.com
Instagram: @vonwilhelmart

Ausstellung „LICHTmalerei“ von Volkmar Hopfe im Schloss Struppen


Farb- und formreiche Symbiose von Natur-Fotografie & digitaler Malerei: der diplomierte Chemiker und Fotokünstler Dr. Volkmar Hopfe vor seinen Bildern in der Ausstellung im Schloss Struppen bei Pirna. Nur noch bis 3.11. zu sehen.

“Die Natur ist der größte Maler“

Farb- und formenreich fließen Landschaft und Architektur zusammen in der Ausstellung „LICHTmalerei“ mit experimenteller und abstrakter Fotografie von Volkmar Hopfe im Schloss Struppen.

Eine Wendeltreppe, die von oben an ein Schneckengehäuse erinnert, führt zu einem weiten, licht- und farbspiegelnden Horizont im Titelbild der Ausstellung „LICHTmalerei“ mit experimenteller und abstrakter Fotografie von Dr.
Volkmar Hopfe. Zu sehen sind seine eindrucksvollen, farb- und formreichen Bilder in der letzten Schau dieses Jahres derzeit im Schloss Struppen, am Kirchberg 6, bei Pirna.

Er zeigt eine Auswahl von 54 Bildern, zumeist Landschaften und Architektur. Seine Motive findet der diplomierte Chemiker im Ruhestand, der seit 15 Jahren fotokünstlerisch tätig ist, in der Umgebung, in der Sächsischern Schweiz, in Großstädten und auf Reisen auf die Kanarischen Inseln und nach Portugal. Da treffen Bäume in wechselndem Licht und Farben, konkret und digital bearbeitet und verfremdet aufeinander. Ein Olivenbaum strahlt mit hervorgehobener, wettergegerbter Rinde in intensiven Blau- und Rottönen noch eindrucksvoller. Ein anderes Mal wirken sie wie Lava oder loderndes Feuer in den Zweigen. Schönes und Bedrohliches nah beieinander. Eine Wurzel erhebt sich wie eine schwebende Figur über dem Feuer. Gräser und Tang am Strand wirken wie Fabelwesen mit ausgestreckten Fühlern. Eine asiatische Pflanze aus seinem Garten, ein „japanischer Blumenhartriegel“ mit spitzen, schlängelnden Blättern gibt dem Betrachter Rätsel auf. Ein anderes Bild mit Treppenstufen wirkt verfremdet wie ein Zahn- oder Zeitrad. Hopfes Arbeiten sind eine Mischform zwischen Malerei und Fotografie. Die Vorlagen werden übereinanderlegt, mehrfach gedreht und mit dem digitalen Pinsel bearbeitet, so Hopfe, die Form löst sich vom Ursprung durch die Verschiebung von Perspektiven und zur originalen Aufnahme kommen neue Kontraste hinzu. Da hängen Eiszapfen von Felsen herunter, umgeben von Herbstlaub in warmen Orange- und Brauntönen, die mit Blautönen zusammenfließen und aussehen wie ein Vogel mit spitzem Schnabel und ein anderes Eisbild schimmert wie eine grazile Tänzerin.

Diese Aufnahmen sind ein faszinierendes Spiel mit Formen, Farben und Verwandlung in neue Ausdrucksweisen. Mal konkret, naturalistisch, mal märchenhaft, bezaubernd, fantasiereich und geheimnisvoll sind die Bilderlandschaften von Volkmar Hopfe. Fotografiert hat er beispielsweise im Treppenhaus der Albrechtsburg in Meißen, die kühle gläserne Gigantomanie der Hochhäuser am Potsdamer Platz in Berlin und die Neue Philharmonie in Hamburg. Außerdem uralte Bäume in La Gomera, mit wundersam verhangenem Blick durch eine Nebelwand. Wunderbare Naturfotografien begegnen einem auch von Bergen und Meer an der Westküste in Portugal. Von tiefblau bis smaragdgrün wogen die Wellen und weiße Gischt in zwei Aufnahmen, welche die Farbbewegung und den Schwung der Küste aufnehmen und einen Bild aus der Vogelperspektive von einsamen, menschenleeren Felsstränden. Die Bilder enstanden auf einer Sechs-Tages-Wanderung von Lissabon zur Algarve auf dem europäischen Fernwanderweg.

Vis a vis dazu hängen stimmungsvolle Fotografien von Sonnenuntergängen, Wolkenlandschaften und verschneite Felslandschaft im Elbsandsteingebirge. Seine Arbeiten haben generell keine Bildtitel, so Hopfe. „Ich überlasse es ganz der Fantasie des Betrachters, was er sieht.“ Und er fügt hinzu: „Die Natur ist der größte Maler“, so Hopfe. Ihm gehe es um fließende Übergänge zwischen Vorgefundenem und experimenteller Fotografie, die sich verbinden in seinen Bildern und betont akzentuiert die Naturformen. Bei der digitalen Malerei vereinen sich das Empfinden ebenso wie der rationale Verstand und die Intuition des Wissenschaftlers und Forschers, so Hopfe. Er fotografiert mit einer Vollbildkamera mit Ultraweitwinkel-Optik. Die Aufnahmen wirken besonders im Großformat 70 mal 100 Zentimeter.

„Mit meinen Bildern möchte ich die Betrachter erfreuen und inspirieren“, sagt Volkmar Hopfe. Er wohnt in Kleingießhübel bei Bad Schandau und denkt mit über achtzig Jahren noch längst nicht ans Aufhören mit seiner Lichtmalerei. Der Schlossverein Struppen kann wieder auf ein Jahr mit vielfältigen kulturellen Aktivitäten zurückschauen. Im und am Schloss fanden insgesamt zwölf Veranstaltungen statt, neben Ausstellungen verschiedener Künstler von April bis September im großen Saal waren vier Konzerte und eine Aufführung von Shakespeares „Der Sturm“ mit der Theatergruppe „Spielbrett“ im Rahmen ihrer Planwagentour im Juli die Höhepunkte auch von der Besucherresonanz. „Die Sanieungs- und Restaurierungsarbeiten an der Nord- und Ostfassade am Schloss sind fertiggestellt“, sagt Jürgen Söcknick vom Schlossverein Struppen. Stolz ist er auch auf das zum Tag des offenen Denkmals im Herbst erstmals für Besucher eröffnete Lapidarium, eine Steinsammlung. Nächstes Jahr und 2026 stehen die Sanierung des Wendelsteins, die Ausführung einer Multifunktionsanlage auf der angrenzenden Freifläche sowie die Sanierung und Restaurierung der West- und Südfassade am Schloss bevor. An den Wochenenden fanden jeweils Schlossführungen durch Vereinsmitglieder statt, die auch dn neu gestalteten und erweiterten Museumsbereich im Schloss vorstellten.

Die Foto-Ausstellung „LICHTmalerei“ ist noch bis 3.11. im Schloss Struppen zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Samstags, Sonntags, Feiertags von 13 bis 17 Uhr und auf Anfrage

www.schlossstruppen.de


Die noch unsanierte Wendeltreppe im Schloss Struppen. Weitere Spenden sind dem rührigen Schlossverein dafür willkommen.
Eingang zum gerade fertiggestellten Lapidarium, einer Steinsammlung am Schloss Struppen.

BilderAlbum: Jubiläumsausstellung „KunstGeschichten“ in der Galerie Mitte


Mit viel Liebe, Ideen, Ausdauer, Mut und Kraft für die Kunst: Karin Weber feierte unlängst ihr 40-jähriges Jubiläum in der Galerie Mitte in Dresden.

„Es geht immer um Sinnlichkeit in der Kunst“

84 Künstlerinnen und Künstler gratulieren mit 250 Arbeiten Karin Weber, der Grand Dame der Dresdner Kunstszene, zur Jubiläumsausstellung „KunstGeschichten“ zum 40-jährigen Jubiläum unter ihrer Leitung in der Galerie Mitte.

Ein Meer aus Blumen und Bilder, überall wohin das Auge blickt, empfängt den Besucher in den Galerieräumen. In allen Farbtönen, Stimmungen und Schattierungen tummeln sich Mensch- und Tierwesen allein oder nah beieinander, ausgeliefert oder eng verwoben mit der Natur, spiegeln sich Leben, Liebe, Verlockungen aller Art und Vergänglichkeit eindrucksvoll, mal konkret, fantastisch, versponnen, heiter, anrührend und abgründig auf den Leinwänden und Papieren. 84 Künstler und Künstlerinnen mit 250 Arbeiten versammelt die Jubiläumsausstellung „KunstGeschichten“ – 40 Jahre Galerie Mitte unter der Leitung von Karin Weber in den Räumen am Fetscherplatz, Striesener Str. 49, 1. Etage in Dresden. Noch zu sehen bis 26. Oktober.

KünstlerInnen, die eng mit ihrem Wirken verbunden sind, von A – wie Leonore Adler bis Z – wie Tanja Zimmermann gratulieren mit ihren Arbeiten der langjährigen, leidenschaftlich für die Kunst engagierten Grande Dame der Dresdner Kunstszene, Karin Weber zum Galeriejubiläum. Die Bandbreite reicht von Malerei, Grafik, Fotografie, Plastik bis Objektkunst. Zu sehen sind fast alles neue Arbeiten, so Karin Weber. Darunter auch von schon verstorbenen Künstlern wie Lutz Fleischer, Anton Paul Kammerer, Jürgen Wenzel, Florian T. Keller, Richaard, Woldemar Winkler, Lothar Sell und Inge Thiess-Böttner. Bilder von ihr zieren auch den neuen Kunst-Tischkalender für 2025, der auch in der Galerie Mitte erhältlich ist.

„Im Mittelpunkt stehen figurative expressive Arbeiten bis zu Fotomontagen und Surrealismus“, so Karin Weber. „Es geht immer um Sinnlichkeit in der Kunst.“ Sie sieht sich als Mittlerin zwischen Kunst und Leben. Sie begann nach ihrem Diplom als Kunstwissenschaftlerin in Leipzig und ihrem Studium der Kunstgeschichte in Polen am 20. August 1984 in der Galerie Mitte, die sich damals in einem Gebäude gegenüber den jetzigen Ausstellungsräumen befand. Am 1. April 1994 machte sich Karin Weber selbstständig als Galeristin. Sie hat Ausstellungen für den Kulturraum Mittelsachsen organisiert, deren Förderung inzwischen ausgelaufen ist. Außerdem veranstaltete sie 15 Jahre lang in der Galerie Design Wroclaw Ausstellungen mit sächsischen Künstlern und innerhalb des Künstleraustauschs mit Dresdens Partnerstadt St. Petersburg bis 2014. Karin Weber war zudem lange als Kuratorin für den Neuen Sächsischen Kunstverein tätig und sieben Jahre als dessen Geschäftsstellenleiterin. Die Galerie Mitte stand immer verschiedenen Künsten offen und tut dies weiterhin. So fand zum Jubiläum auch wieder eine Lesung mit der Schauspielerin Hannelore Koch statt. Und es gab eine Versteigerung von Kunstwerken  durch den Künstler und Kabarettisten Ulrich Eißner zugunsten der Galerie Mitte. Die Zeiten sind nicht einfacher geworden für die Kunst. Kunst ist auch eine Lebenshilfe und hilft heilen, sagte Karin Weber einmal bei einer Ausstellungseröffnung. In ihr findet sich alles wieder, was das Leben schön, liebenswert und wertvoll macht, sie tröstet, bestärkt und öffnet den Blick für neue Sichtweisen, sich immer wieder neu einzulassen auf das Leben über alle Widrigkeiten und Krisen hinweg. „Ich mache weiter, solange ich die Kraft habe“, sagt die 63-jährige Galeristin Karin Weber. Chapeau für ihren langen Atem, ihren Mut, Ideen, Beharrlichkeit und Hochhalten der Kunst! Auf viele wundervolle weitere Galeriejahre und immer viele BesucherInnen und Kunstkäufer!

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di bis Fr 15 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr

http://www.galerie-mitte.de/shop

Neue Lyrik: Kindheitswege & Alles aus Liebe

Kindheitswege

Jahrelang zog mich nichts
an diesen Ort
keiner den ich liebte lebt mehr dort
alles weit weg fremd und doch nah
immer noch und vertraut
kenne fast alle Wege die alten Steinmauern
engen Gassen und Gemäuer wirkten kalt
und trostlos in der Kindheit
rühren mich heute efeubewachsen mit kleinen Gärten
und hinter Torbögen verborgen ruhender Schönheit
kleine Häuschen in verblassten Farben
heruntergekommen verstecken sich fast
hinter hohen Bäumen im milden Abendlicht
in einem der Häuser an der Pulsnitzer Strasse 27
hängt der Rollladen etwas schief im Schaufenster
die Fenster leer eins angelehnt
dort wohnte ein Onkel aus unserer Familie
Omas Bruder er hatte dort einen Spielzeugladen
und nur einen Arm noch nach dem Krieg
wir waren selten dort als Kinder
könnte ich doch noch einmal in seinen Laden
hineinschauen
der kleine Junge sitzt noch immer auf dem hellen
Stein auf dem Kirchhof der St. Marienkirche in der
Nähe
Was hat er vom Leben gesehen
was ist ihm geschehen
Efeu wächst aus seinem Knie
der große Engel breitet immer noch seine Arme
über allen aus schwärzer sein Gewand von grüner
Patina überzogen und gütig lächelnd
friedfertige Stille einen Moment
an einen Baum gelehnt mit uralt knorrigem Stamm
hoch über der Stadt
die weite hügelige Landschaft Baumwipfel und der
Blick tief ins Herrental wo ein Mann laut zetert über
unsere Zeit die neue Hetze die Worte versagen
an diesem Platz mit der weiten Aussicht saß Lessing
gern der große Dichter hier geboren und immer Teil
der Liebe zu meiner Heimatstadt
Über ihn hieß es: sein Geist sei wie ein Pferd das
doppelt Futter braucht
diese Wissbegier faszinierte mich schon als Kind
Neulich hörte ich den Satz einer Frau zu ihrem Kind
im Vorübergehen: Pferde haben keine Flügel!
Und was ist mit Pegasus kennt den keiner mehr
Was wollen wir heute nicht alles wissen
Doch was nützt das alles wenn der Verstand das
Herz nicht hört
sie nicht zusammenfinden
Wer reicht Nathan das Wasser
im alten grauen Gemäuer vorn am Pfarrhaus
fliegen in den Fensterhöhlen viele Tauben ein und
aus
aus den Städten weitgehend vertrieben
und halten Ausschau

LV
12.9.2024

Alles aus Liebe
(Für meine Großmutter zu ihrem 113. Geburtstag heute)

Ein Kerzenlicht rote Herbstblumen
und ein Zweig weiße Rhododendron stehen
vor Deinem Bild
vor vielen Jahren aufgenommen bei uns zuhause
Ich lege eine Hand um Dich
ein gütiger Blick aus braunen Augen weißes welliges
Haar umrahmt Dein Gesicht und Du lächelst etwas
verlegen
ein altes Familienbild zeigt Dich Jahrgang 1911
als kleines Mädchen im schwarzen Kleid mit weißem
Kragen und großer Schleife im langen Haar
zauberhaft zwischen zwei größeren Schwestern und
Jungen und den Eltern
Dein Vorname Lotte kurz und knapp beginnt mit L
wie Liebe wie meiner
Du zeigtest sie selten
doch gabst sie uns
Wir Kinder waren Dein ein und alles
umarmten Dich hielten uns
Du hieltest viel aus
manchmal flossen Tränen
Deine große Liebe Rudolf verlorst
Du früh im Krieg bliebst mit zwei Mädchen
allein
Vor der Krippe beim Abholen empfing ich Dich
mit Gänseblümchen und nannte Dich Muppi
einmal nahmst Du mich mit zu Uropa Max
mit einer Kanne voll Milch und warmem Essen
an den Zigarrenduft erinnere ich mich noch
er saß allein am Küchentisch im weißen Unterhemd
und Hosenträgern ein großer hagerer Mann mit
kantigen Gesichtszügen immer noch vollem weißen
kurzen Haar
ich staunte wie Du ruhig seinen Bart rasiertest
ohne einen Kratzer eine innige Geste
er sagte kaum ein Wort der Blick abwesend
vielleicht bei Uroma Marie
sie stand noch an meinem Kinderwagen
mir war bang vor ihm und wollte ihn  gern einmal
lächeln sehen
doch wusste nicht wie
das wunderschöne alte Stubenbuffet von ihnen
steht nun bei mir

Manchmal hast Du Dich in ein kleines Zimmer
eingeschlossen auf dem Hausflur
Wir Kinder klopften an wie an einen Zauberort
abgeschirmt geborgen und warm
ein großer Glasschrank voll wundersamer Dinge
stand dort
Bücher mit vergilbten Seiten in alter Schrift
die ich entzifferte wie eine Geheimsprache
bunte Glaskugeln als Briefbeschwerer Urgroßvater
war Glasbläser
und Schokolade von den Tanten im Westen
stecktest Du uns zu
in der Küche duftete es immer gut
Du machtest aus wenig viel
Es gab oft Nachschlag
doch den Hunger nach Liebe stillte es nie ganz
das Warten auf das Fehlende den Einen
übernahm ich von Dir
Das Kindheitshaus steht schon lange nicht mehr
seh Dich noch immer vor mir
wie Du mir zum Abschied jedes Mal aus dem Fenster
des hell gelben Hauses in der Heinrich-Heine-Straße
nachwinkst und ich drehe mich immer wieder um
und winke zurück solange ich Dich seh

LV
22.10.2024

Texte + Fotos; Lilli Vostry

Weitere Bilder und KindheitsGedichte folgen demnächst.