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Kategorien-Archiv: Lebensart

Was Frauen wollen. Nicht nur zum Frauentag. „Frauenrechte. Von der Aufklärung bis in die Gegenwart“

08 Montag Mär 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Projekte, Zwischenmenschliches

≈ Ein Kommentar


Der kleine, große Unterschied. Um die Vorstellungen des Mann- und Frauseins einst und heute und den langen Weg bis zur Gleichstellung der Geschlechter geht es im gerade erschienenen Buch „Frauenrechte. Von der Aufklärung bis in die Gegenwart“. (Sandstein Verlag).

Frauenrechte in der Waagschale

Über die Geschichte der Frauenbewegung in der Schweiz erzählt anschaulich und aufschlussreich das Buch „Frauenrechte“ und zeigt auch, dass der Weg zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen noch längst nicht abgeschlossen ist.

Das Titelbild zeigt ein Frauengesicht, dessen Gesichtszüge umrissen, markiert und ausgeschmückt sind mit vielen Paragraphenzeichen. In Rot, der Farbe der Liebe, des Herzens und Lebenssaftes, die zumeist mit Frauen verbunden wird. Konturen erhält das Frauengesicht erst mit den gesetzlich verankerten Rechten. Wie es damit einst und heute bestellt ist, erzählt das Buch „Frauenrechte. Von der Aufklärung bis in die Gegenwart“, herausgegeben vom Schweizerischen Nationalmuseum, Landesmuseum Zürich, erschienen Mitte Februar 2021 im Sandstein Verlag Dresden.

50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz nimmt diese Begleitpublikation zur Ausstellung „Frauenrechte“ des Landesmuseums Zürich die LeserInnen mit auf eine spannende, wissenswerte und bewegende Zeitreise zurück in die Geschichte der Frauenbewegung. Frauenrechte sind Menschenrechte, aber erst seit 1981 sind die Schweizer Frauen in der Verfassung den Männern gleichgestellt. Das Buch zeigt mit anschaulichen Beispielen, illustriert mit Zeitdokumenten wie Urkunden, historischen Porträts von Frauenrechtlerinnen, Fotografien von Demonstrationen, Plakaten und Karikaturen, den langwierigen, mühsamen, teils kuriosen und haarsträubenden Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter auf gesellschaftlicher, politischer, sozialer und persönlicher Ebene in den Beziehungen.

Es wird nacherlebbar, dass Frauenrechte damals wie heute leider nicht selbstverständlich sind, nicht nur in der Schweiz, sondern auch bei uns, immer wieder von jeder Generation neu errungen werden wollen, solange die patriarchalen, männerdominierten Strukturen in der Gesellschaft weiter bestehen und Frauen nicht gleichermaßen Führungsrollen mit ihren eigenen, weiblichen Qualitäten ausüben können.

Die Beiträge hinterfragen den Einfluss und die Grenzen des Rechts zu Themen der Gleichberechtigung. Außerdem wird im Buch „Frauenrechte“ beschrieben, welche teils verheerenden Auswirkungen, von ungleichem Lohn für gleiche Arbeit, finanzieller Benachteiligung beim Erbe bis zu Ausgrenzung von ethnischen Minderheiten, die unterschiedliche Behandlung von Frauen und Männern in den Gesetzestexten auf den Lebensalltag der Schweizerinnen hatte und hat.

Ein Plakat für das Frauenstimmrecht von 1920, das Dora Hauth Tracksler (1874 – 1957) gestaltete und im Museum für Gestaltung Zürich aufbewahrt wird, zeigt eine nackte Frau auf einem galoppierenden Pferd. In der Hand hält sie eine Waagschale, auf der eine Frau und ein Mann sich die Hand reichen.

Wie weit der Weg dahin war, verdeutlicht ein Beitrag im Buch über den Ausschluss der Frauen aus den Kantonsverfassungen der Schweiz im 19. Jahrhundert mit der Überschrift und unglaublichen Feststellung: „Weiber sind auch Menschen“! Frauen wurden von den damaligen Gesetzgebern gar als „Halbthiere“ angeschrieben.

Das Buch versammelt Beiträge von zwölf Autorinnen, darunter Historikerinnen, Juristinnen und eine Philosophin, die Fragen nachgehen wie „Ob die Frauen auch zum Volk gehören?“, „Als Frau dem Haupt der Gemeinschaft unterstellt“ zu Ehe- und Erbrecht, „Der hohe Preis der Freiheit“, „Das Recht auf Arbeit von Fall zu Fall“, „Nach der Heirat ausgebürgert“ über ausgewiesene Schweizer Jüdinnen in der Zeit des Nationalsozialismus bis zur „Erhaltung des Weiblichen im Weibe“, wo sich Frauen gegen das Frauenstimmrecht aussprachen. Da sie die Rollentrennung von Männern und Frauen im Alltag und natürliche Geschlechterdifferenz als gegeben ansahen und die politische Gleichberechtigung ablehnten aus Sorge, was dann aus der Weiblichkeit würde.

Die Bilder lockern die teils etwas trocken sachlichen Formulierungen und reichlich Fachbegriffe etwas auf. Wie das Foto aus den 1960er Jahren von einer Menschensammlung, fast ausschließlich Männer, auf einem Platz mit Säulenportal. Ein Polizist verweist die einzige Frau, die sich bei ihrem Mann untergehakt hat, vom Gelände. Oder die Farbfotografie von 2009 mit drei freudestrahlenden Frauen mit Blumen in den Händen. Es war das erste Mal, dass Frauen in die höchsten politischen Ämter in der Schweiz gewählt wurden. Dank den vielen Streiterinnen für Frauenrechte vor ihnen! Wie Gleichberechtigung im Alltag aussieht, haben wir alle, jeder Mann und jede Frau selbst in der Hand.

Text (lv)

Frauenrechte
Von der Aufklärung bis in die Gegenwart
Herausgeber: Schweizerisches Nationalmuseum, Landesmuseum Zürich
88 Seiten, 37 meist farbige Abb.
24 x 17 cm, Klappenbroschur
Erscheinungsdatum 22.2.2021
Sandstein Verlag
ISBN 978-3-95498-598-2
18 €
https://verlag.sandstein.de/detailview?no=98-598


Herzlichen Glückwunsch allen Frauen und Mädchen zum Internationalen Frauentag! Lebt Eure Träume! (Schreibt mir gern wie diese aussehen und wie Ihr Euer Frausein feiert…)

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Comic-Buch „Temple of Refuge“ über die Erlebnisse eines Flüchtlings & den Traum von einer besseren Welt

23 Dienstag Feb 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart

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Flüchtlingsunterkunft „Tempelhof“ als Sehnsuchtsort

Bildgewaltige Utopie im Sci-Fi Comic „Temple of Refuge“ nach einer persönlichen Geschichte

Vor fünf Jahren kam der kurdische Iraker Sartep Namiq mit der Hoffnung auf
eine bessere Zukunft in der Notunterkunft am alten Flughafen Tempelhof in Berlin an. Ein Jahr lang lebte er dort mit anderen geflüchteten Menschen in einem Hangar, ohne zu wissen, wie es für ihn weitergehen sollte. Seine persönliche Geschichte wird nun als utopische Science-Fiction-Erzählung nach einer Idee von Cyberpunk-Legende Bruce Sterling und Matthias Zuber sowie gezeichnet von Felix Mertikat („Steam Noir“) in „Temple of Refuge“ erzählt. Egmont spendet den gesamten Erlös des Buches an die
Hilfsorganisation Sea-Watch.

In “Temple of Refuge” wird der Flughafen Tempelhof zum Zentrum der Welt: Der junge Protagonist Sartep ist auf der Suche nach einer besseren Zukunft in der Fremde. Unterwegs zeichnet er auf seinem Smartphone die hoffnungsvollen Träume der Menschen, die ihm begegnen. Doch die Realität in dem Auffanglager vor den Toren eines futuristischen Berlins ist geprägt von Elend, Gewalt und Ablehnung, doch auch von Solidarität und Freundschaft. Als seine Bilder plötzlich Wirklichkeit werden, wird aus dem Slum ein fantastischer neuer Ort, eine neue Gesellschaft, ein besseres Leben für alle.

Der Comic, der komplett ohne Worte auskommt, wurde ermöglicht von der
Berliner Gesellschaft der Neuen Auftraggeber, die Menschen dabei unterstützt, ungewöhnliche Kunstprojekte zu verwirklichen. Sartep Namiq gab den Comic in Auftrag mit dem Wunsch, zu einer anderen Wahrnehmung geflüchteter Menschen beizutragen und ihr Potenzial für eine progressive soziale Veränderung greifbar zu machen.

„Dieses Projekt war die erste Tür für mich, die sich nach meiner Flucht wieder öffnete – etwas, das ich wirklich tun konnte. Danach öffneten sich dann weitere Türen für mich in Berlin. Ich hoffe, dass diese Geschichte die Menschen optimistisch stimmt, zusammenzukommen, ihre eigenen Türen zu öffnen und neue offene Türen für sich selbst zu finden“, so Sartep Namiq über sein Buch.

Die Egmont Comic Collection veröffentlicht nun im Rahmen des Non-Profit Projekts die Hardcover-Version des Comics. Der gesamte Erlös aus dem Verkauf des Albums kommt der Hilfsorganisation Sea-Watch e.V. zugute, die im Mittelmeer geflüchtete Menschen in Seenot rettet.

„Temple of Refuge“ (ISBN: 978-3-7704-0115-4, gebundene Ausgabe, 10,00 Euro [D]) erscheint am 3. März im Handel. Weitere Informationen auf http://www.templeof-refuge.net.

Text: Karoline Westermeyer Benz

Egmont Verlagsgesellschaften mbH

Die Verlage Egmont Ehapa Media GmbH und Egmont Verlagsgesellschaften mbH gehören zu den größten Verlagen für Kinderbücher und Magazine, Comics sowie Corporate Publishing-Titel im deutschsprachigen Raum. Populäre Marken
wie „Asterix“, „Walt Disney Lustiges Taschenbuch“, „Micky Maus-Magazin“, „Wendy“, „POPCORN“, „Mädchen“, „Sailor“

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Talk mit Tänzern der Landesbühnen Sachsen auf Instagram

18 Donnerstag Feb 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Tanz

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Immer schön in Bewegung bleiben

Am Freitag, den 19. Februar, 19 Uhr  gibt es wieder einen Talk auf Instagram. https://www.instagram.com/landesbuehnen.sachsen  Die Mitglieder der Tanzcompagnie – Ema Jankovic und Simon Wolant – der Landesbühnen Sachsen sind im Gespräch.

Beide plaudern über ihre Arbeit bei den Landesbühnen (überwiegend in Englisch). Sie erzählen, wie sie sich in diesen Corona-Zeiten – ohne das übliche tägliche Training im Ballettsaal – fit halten und welche Tanzproduktionen in Zukunft für beide anstehen.

Es wird spannend. Also mal hineinhören!

Text + Foto: Petra Grubitzsch/LB

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

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Brachialromantiker Dieter Beckert: „Verschwende nie eine Krise!“

18 Donnerstag Feb 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Projekte

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Brachialromantischer Figurenzauber mit Dieter Beckert

Multimediales Kaspertheater

Der umtriebige Barde und Musiker Dieter Beckert probt zurzeit für ein wiederentdecktes Puppentheaterstück „Kasper im Land der Musik“. Puppen und Bühnenbild gestaltete der Künstler Helge Leiberg. Im Frühjahr soll die Inszenierung in bewegten Bildern auf die Bühne kommen.

Ein lustiger Pappmachékopf spielt zurzeit die Hauptrolle auf der Probebühne von Dieter Beckert im Zentralwerk an der Riesaer Straße. In dem Areal haben rund 60 Künstler ihre Arbeitsräume. Der Barde, Musiker, Entertainer und Brachialromantiker bereitet  gerade in seinem Studiotheater ein Puppentheaterstück mit dem Titel: „Kasper im Land der Musik“ vor. Unter dem Motto „Verschwende nie eine Krise!“ nimmt er die Corona-Zeit mit Humor.

Zur Begrüßung hebt Beckert die „Ghettofaust mit Konfetti“, bei der die Finger winken und zappeln. „Humor ist das Öl im Getriebe des Lebens“, meint der „weisheitspralle“ Philosoph, der immer einen Spruch parat hat. Er arbeite nach vorne, indem er neue Projekte vorbereite, und nach hinten, indem er alte Projekte seines reichhaltigen Schaffens archiviere. Jetzt hat er dafür Zeit und Muße. Beckert hat in Tharandt Forstwirtschaft studiert und nebenbei immer Musik gemacht. Während des Studiums hatte er in den 1970er Jahren im „Klub International“ des Dresdner Kulturpalastes seine ersten Auftritte.

Von 1978 bis 1980 arbeitete er als Puppenspieleleve am damaligen Staatlichen Puppentheater. Für sein erstes Theaterstück „Kasper und die Farben“ erhielt Beckert einen Preis des Theaterverbandes. Sein zweites Stück „Kasper im Land der Musik“ blieb unaufgeführt. Die Puppen und das Bühnenbild dafür gestaltete der in Berlin lebende Künstler Helge Leiberg, den Beckert aus dem Künstlerkreis um A.R. Penck kannte. Die Aufführung sei jedoch wegen technischer Probleme nicht zustande gekommen. Viele Jahre standen Leibergs Puppen dann im Märchentheater Yenidze als Dekoration. Nur den Kasper nahm Helge Leiberg damals in den Westen mit. Jetzt brachte er ihn für die Neuinszenierung des Stücks wieder zurück. „Es soll wiederaufleben als multimediales Theater passend zur Corona-Zeit“, so Beckert.

„Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“, zitiert er „seinen“ Walter Benjamin. Beckert will in der Inszenierung als Erzähler und Sänger am Tisch sitzen. Über ihm sollen Ausschnitte der Geschichte in Trickfilmbildern auf einer Leinwand gezeigt werden. Die Filme sollen  in Kooperation mit Anne Levin von „Pegasusi-Filmproduktion“ entstehen.

Im Stück gibt es zwei Schauplätze: das Notenschlüssel-Schlösschen, das die Harmonikaner bewohnen, und die Höhle vom Räuber „Tritonus“, der die Prinzessin raubt. Der Tritonus –  d.h. drei Ganztonschritte – ist das spannendste Intervall, erklärt Beckert. Die Bühnenmusik, in der die Intervalle eine ganz besondere Behandlung erfahren, stammt von Wolfgang Heisig.

Im Frühjahr will er, wenn es die Virusinzidenz erlaubt, das multimediale Kaspertheater auf die Bühne bringen. Eine Spielstätte hat er noch nicht. “Das wird sich schon ergeben“, ist er optimistisch. Auf der Agenda steht auch noch ein viertes Buch mit brachialromantischen Texten vom Duo Sonnenschirm.

Vom Alter her, mit 70, wäre er eigentlich pensioniert. Doch ans Aufhören denkt Dieter Beckert noch lange nicht. Er will weiterhin als DUO SONNENSCHIRM, gemeinsam mit Jürgen B. Wolff auftreten. Die von Beckert mitgegründete „Kommune Woodstock“, ein freies Gesangs- und Instrumentalensemble, trifft sich momentan coronabedingt nur im Internet. Die musikalische Selbsthilfegruppe singt Lagerfeuerlieder und Hippiesongs aus der Flower-Power-Ära. Beckert hofft, dass im Herbst auch die Dinner-Shows im Restauranttheater „Merlins Wunderland“ weitergehen können, wo er auf die „Sternstunden der Menschheit“ blickt,  den Grafen Dracula jagt und in der „Wunderlandklinik“ Humoralmedizin betreibt.

Texte + Fotos (lv)

Weitere Infos unter: http://www.duosonnenschirm.de


Dieter Beckert in seinem Studiotheater im Zentralwerk in Dresden. Bald will er wieder als Duo Sonnenschirm, gemeinsam mit Jürgen B. Wolff auftreten.

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Der Meister der Übertreibungskunst: Thomas Bernhard zum 90. Geburtstag

10 Mittwoch Feb 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Zwischenmenschliches

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Absurdkomischer Blick auf die Verrücktheiten des Lebens

Zwischen schallendem Gelächter, Wahnwitz und Verzweiflung hin und her gerissen, erzählt der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard von den Widersprüchen und Widerwärtigkeiten des menschlichen Daseins. Eine Auswahl an Texten, von ihm selbst gelesen, ist in der „Lesezeit“ auf MDR Kultur noch bis Freitag zu hören.

„Ich greif` ja gar nicht an, ich schreib ja nur. Es ist ja kein Angriff, ist ein geschriebenes Buch, kein angreifendes. Ich schreib` ja mit der Maschine und nicht mit dem Geschütz“, sagte Thomas Bernhard (1931 – 1989) einmal. Tatsächlich ist der österreichische Schriftsteller und Dramatiker für seine „literarischen Beschimpfungen“ und Lust an der Provokation weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt-berüchtigt geworden.

Am 9. Februar wäre Bernhard, der Meister der Übertreibungskunst,  90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass sind diese Woche in der „Lesezeit“ im MDR Kultur Radio einige Erzählungen von Bernhard, gelesen von ihm selbst und von Schauspieler Bruno Ganz vorgetragen, zu hören. Insgesamt fünf Folgen bis zum 12. Februar (täglich um 9.05 und 19.05 Uhr) mit Texten, die unter dem Titel „Midland in Stilfs“ wie all seine Bücher bei Suhrkamp erschienen sind.

Den Anfang machte am Montagabend die Erzählung „Die Mütze“ in einer Aufnahme von 1969. Darin beschreibt Bernhard herrlich absurdkomisch, sich immer mehr hineinsteigernd, einen Mann, 25 Jahre alt, der eine Mütze findet und sie unbedingt dem Besitzer zurückbringen will, zumal er es allein im Haus seines in Amerika weilenden Bruders und in düsterer Stimmung ohnehin nicht aushält. Angetrieben von seiner „Kopfhitze“ und kurz davor, verrückt zu werden, bei verschiedensten Ärzten und allen möglichen „Kopfspezialisten“ gewesen, die ihm seine Krankheit nicht erklären konnten, läuft er los, um seine Angst vor der beklemmenden Finsternis zu vertreiben. Er geht von Haustür zu Haustür und wird überall abgewiesen. Die Mütze ist ihm eine Last und beherrscht ihn bald vollends bis zur völligen Erschöpfung. Er wollte sich „nicht auf erbärmlichste Weise der Mütze entledigen durch Wegwerfen…“ Hinterher beim Aufschreiben des Erlebten wird ihm kalt, ob seiner eigenen Ausweglosigkeit, die Mütze behalten zu müssen und der Gleichgültigkeit der Mitmenschen.

Meine erste Begegnung mit seinem Werk war das Stück „Der Theatermacher“, das ich Mitte der 1990er Jahre im damaligen Schlosstheater in einer Inszenierung des Staatsschauspiels Dresden sah, voll bissiger Ironie zum Geschehen vor und hinter den Kulissen des Kulturbetriebes in seiner Heimatstadt Wien und einer selbstgefällig im eigenen Saft schmorenden Kulturszene, die er auch in seinem Roman „Holzfällen. Eine Erregung“ drastisch direkt auf`s Korn nimmt. Die Aufführung von Bernhards Komödie „Alte Meister“, die ursprünglich im Wiener Kunsthistorischen Museum im Bordone-Saal spielt, war in den Räumen der Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger vor zwei Jahren immer ausverkauft. Dort wettert ein Mann, der regelmäßig auf der Sitzbank gegenüber den Gemälden Stellung bezieht, in aberwitzigen Tiraden gegen die Kunst im allgemeinen, die Maler im besonderen, sucht mit Hingabe nach Fehlern in den Meisterwerken und wünscht sich doch nichts sehnlicher als ein menschliches Gegenüber zum Reden und Streiten.

Vom Umgang mit den „Alten Meistern“, der Lust oder Unlust an Schöpferischem bis hin zu Stumpfsinnigkeit gegenüber der Vergangenheit seiner Landsleute, erzählt in einer imaginären Begegnung mit dem Schriftsteller Thomas Bernhard und ihrem Vater in seinen zeichnerischen Anfängen Teresa Präauer, die als Schriftstellerin in Wien lebt, in einem Beitrag in der Literaturbeilage der Zeitung „Die Welt“ vom vergangenen Wochenende. Eine Hommage für den „Erregungskünstler“, der doch das Bestehende vielmehr benannt habe und anstatt es zu übertreiben, in seinen Beschreibungen verallgemeinert und wiederholt habe. Woraufhin es derart wiederholt und wiederholt, aus der Komödie eine Tragödie und umgekehrt machend, dann zur „Thomas-Bernhard-Wurst“ verkocht werden kann, meint süffisant ihr Vater. Die gebe es in der Feinkostabteilung neben den Mozartkugeln und sie schmecke, nach mildem Rezept, nun auch den Abonnenten am Pausenbuffet vom Theater in der Josefstadt. Wie Bernhard selbst das wohl fände?!

Und was würde Thomas Bernhard, der selbst wegen einer Lungentuberkulose im Landeskrankenhaus Salzburg behandelt wurde und mehrmals nah am Tod war, wohl zum Leben in Corona-Zeiten sagen? Vielleicht, sich weder zu viel Sorgen machen, noch zu unbesorgt sein. Vielleicht schrieb er gerade deswegen so trocken lakoniscn und erbarmungslos über existenzielle Fragen von Leben und Tod, menschliches Sein, Unsinn und Nichtigkeiten, um sie maßlos übertrieben der Lächerlichkeit preiszugeben.

Seine Texte über zu viel oder zu wenig Denken, kleingeistige Verhältnisse und seine Hassliebe zu seiner Heimatstadt Wien sind scharf- und feinsinnig zugleich. Derb, ätzend komisch, traurig, verzweifelt und anrührend von einem Moment zum anderen. Ein ständiges Ringen mit den (Un)möglichkeiten und Zumutungen des Lebens, die er durch Schreiben sucht zu bannen, abgrundtief ehrlich zu sich selbst und immer um Wahrhaftigkeit bemüht. Das fasziniert, fesselt, verstört und man ist hin und her gerissen zwischen schallendem Gelächter und gleichzeitig Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein angesichts all dieser menschlichen Ungeheuerlichkeiten und Verrücktheiten, an denen es auch in der Gegenwart nicht mangelt. Das macht Bernhards Texte zeitlos und immer noch treffsicher.

Thomas Bernhard gehört zu meinen Lieblingsschriftstellern. Weniger bekannt, aber eine Entdeckung für sich ist er als Lyriker, der er zuerst war. Sein erstes Gedicht „Mein Weltenstück“ und alle weiteren enthält der Band „Gesammelte Gedichte“, bei Suhrkamp Taschenbuch erschienen, voll eigener Sprachbilder und Kraft. Mir gefällt sein offen unerschrockener Blick auf die Welt, oft selbstironisch, niemandem außer sich selbst verpflichtet, oft zum Heulen komisch, der auf die erkennende und befreiende Kraft des Lachens setzt. „Das ist ja das Schöne an meinen Büchern, dass das Schöne überhaupt nicht beschrieben ist, dadurch entsteht es von selbst“, schrieb Bernhard einmal schön ironisch.

Text + Foto (lv)

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Ausstellung „36,6 Grad Celsius“ von Angela Hampel in der Galerie Mitte

05 Dienstag Jan 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart

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König & Narr: „Bommel ab !“, Mischtechnik auf Kapak‚
„In Arkadien“: Schönheit und Zerstörung nah beieinander
Die Künstlerin Angela Hampel vor ihrer Bilderserie „Maskerade“
Lieber mit Maske als ohne Kunst: Thomas Bawolski, rühriger Galeriemitarbeiter, empfing die Besucher zur Ausstellungseröffnung.

Drei Gestalten mit Zipfelmütze, Maske und verschränkten Händen verkörpern
den „Corona-Kasper“.

Vieldeutig: „Die Königin und ihr Kasper“   Mensch-Tier-Paar
„Trio Infernale“                                   „Die kranke Katze“
„Selbst“ mit Pestmaske                       „Begegnung“
Frau mit Panther                               „Im Wald I“, sibirische Kreide auf Papier

Karnevalsmasken und Corona-Kasper

Märchenhaft, surreal und zugleich sehr gegenwärtig, wild, zärtlich, brutal und berührend treffen in starken Farbkontrasten vieldeutig Mensch-Tier-Paare, maskierte Gestalten und die leidende Kreatur aufeinander in der Ausstellung „36,6 Grad Celsius“ mit neuen Arbeiten von Angela Hampel in der Galerie Mitte. Eine der besten Ausstellungen mit ihrer Ausdruckskraft seit langem in Dresden! Sie wird wegen des Lockdown über den 30. Januar hinaus verlängert.

Die Königin und ihr Kasper. Tod und Harlekin und Maskerade mit und ohne Maske. Märchenhaft, aber auch sehr gegenwärtig und anspielungsreich setzt sich die Künstlerin Angela Hampel in ihrer im Dezember eröffneten Ausstellung „36,6 Grad Celsius“ mit der Corona-Krise und dem Verhältnis Mensch und Umwelt auseinander in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49/1. Etage. Wegen dem erneuten Lockdown bleibt die Galerie vorerst wie viele Geschäfte bis 10. Januar geschlossen.

Ein intensiv farbiger, vieldeutiger, aberwitziger, dramatischer und nachdenklicher Figurenreigen voller Gegensätze begegnet dem Betrachter. In den Bildern, Malerei und Kohlezeichnungen sowie Objekten und bemalter Keramik prallen Schönheit, Wildheit, Zärtlichkeit, Gewalt, Geborgenheit, Schutz und Ausgeliefertsein in der Mensch- und Tierwelt ausdrucksstark aufeinander.

Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die durchschnittliche Körpertemperatur des Menschen. Auf das Fiebermessen bei Corona-Tests. Der erhitzten Corona-Debatte setzt Angela Hampel ihre Kunstwerke entgegen, die dem Sinn und Ursprung von Masken nachgehen. Da sieht man eine Figurenserie mit Karnevalsmasken über den Augen. Drei graue Gestalten mit Zipfelmützen, weißen Masken und verschränkten Händen
verkörpern den „Corona-Kasper“. Ein Selbstbildnis zeigt Angela Hampel mit
Pestmaske auf dem Kopf.

Die Maske ablegen oder etwas verstecken

„Die Thematik Maske und Kasper gibt es schon länger in meinen Bildern. Die Maske ablegen oder etwas verstecken damit und jetzt hat sie noch mal eine andere Bedeutung als Corona-Maske“, sagt Angela Hampel (64). Mit dem Aufsetzen der Maske nehme sie Rücksicht auf andere Menschen und altersmäßig gehöre sie außerdem zur Risikogruppe. Bei den Debatten, ob über Virus, Umweltverschmutzung oder Rassismus, vermisse sie, dass diese die Probleme nicht an der Wurzel, den kapitalistischen Verhältnissen, packen.

„Alle starren auf das Virus. Diese Hysterie macht mir Angst. Während weiter Wälder abgeholzt werden, die exzessive Ausbeutung von Natur und Tieren weitergehen“, sagt sie besorgt. Die künstlerische Arbeit geht auch weiter im Lockdown. „Ich versuche mir eine gewisse Normalität zu erhalten, indem ich male oder im Garten die Vögel füttere“, so Angela Hampel.

Abgründiges und Arkadien liegen nah beieinander in ihren Arbeiten

Da begegnen einem immer wieder Mensch- und Tierpaare abwechselnd kraftvoll und verletzlich. Eine Frau mit Raubkatze auf dem Sprung im Wald und in liebevoller Umarmung. Ein Clown mit Rabe auf der Schulter, Mäusekönig, Damen mit Fisch und Gepard. Eine Jägerin und ein brennender Tiger, der sich schutzsuchend an sie klammert. Zwei rote Raubtiere in der Savanne, einer hält auf seiner Pfote vorsichtig eine kleine Maus. Eine Bilderserie „Schächten“ zeigt brutal, beklemmend und erschütternd die gequälte Kreatur. Bluttriefende Tierschädel, die Körper kopfüber aufgehängt und zwei Tierköpfe aneinander geschmiegt im Leid. Erschreckend findet Angela Hampel, dass die Schächtung auch hierzulande stattfindet und “restriktive Religionen wieder so eine große Rolle spielen.“

Sie weiß, dass mit Kunst die Welt nicht zu retten ist. “Doch ich glaube an die Kraft der Kunst etwas zu verändern“, sagt Angela Hampel. Sie gebe Denkanstöße mit ihren Bildern. Man könne kleine Dinge tun, ein Bäumchen pflanzen oder freundlich zu Tieren sein. „Man muss es immer wieder versuchen, darf nicht aufgeben. Das geht mich alles etwas an, meine Stadt, mein Land“, so Angela Hampel, „und im Osten haben wir noch etwas mehr Gemeinschaftssinn.“

Aufgrund des Lockdowns kann das am 7. Januar, um 19.30 Uhr geplante Künstlergespräch mit ihr nicht stattfinden. Die Ausstellung ist noch bis 30. Januar zu sehen. Wird der Lockdown weiter verlängert, bleibt sie darüber hinaus geöffnet. Interessierte können sich an die Galeristin Karin Weber telefonisch wenden unter 0179 – 29 79 552.

Text + Fotos (lv)

http://www.galerie-mitte.de

„Brennender Tiger“              Herzen als Zielscheibe: „Steckschuss“ und „Durchschuss“


Die gequälte Kreatur: Aus der Serie „Schächten I – V“, Mischtechnik auf Papier
Engel der Trauer und Erneuerung: „Verwandlung“

„Fass mich, lass mich“

„In der Savanne“

„Fackelträgerin“

Farbreicher Bilderreigen: Die kleinen Ölbilder von Angela Hampel spiegeln das Liebevolle, Beschützende und Dunkle, Bedrohliche im Verhältnis Mensch – Natur kraft- und sehnsuchtsvoll in Arbeiten wie: „Nach Süden“, „Im Meer“, „Kopf mit Fisch“, „Clown mit Rabe“, „Mäusekönig“, „Blaue Maus“.

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Die Ausstellung „Erotischer Advent“ in der Galerie Kunst & Eros wird verlängert

05 Dienstag Jan 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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Schwebend leichte Grafiken und eine kecke Bronzefigur von Catrin Große
und Insekten-Paarungen auf edlem Porzellan von Porzellanmalerin und Galeristin Janett Noack sind in der Gruppenausstellung „Erotischer Advent“ zu sehen.

Reizvoll frohlockendes Kopfkino

Schon wenige Tage nach der Eröffnung musste wegen des erneuten Lockdowns die traditionelle Gruppenausstellung „Erotischer Advent“ in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 wieder schließen. Nun wurde sie bis Februar verlängert.

Sie reizen, umgarnen und schweben auf Leinwänden, Papierschnitten, Porzellanschmuck, bemalten Kerzenleuchtern und Obstschalen. Anmutige und verführerische Frauenfiguren und Paare tummeln sich mal still, zart und mal opulent farbreich und goldglänzend zwischen Himmel und Hades in der Weihnachtsausstellung der Galerie Kunst & Eros in der Hauptstraße 15 in Dresden.

Zu sehen sind Malerei, Zeichnungen, Grafik‚ Plastik und bemalte Keramik mit  zeitgenössischer erotischer Kunst. Darunter bekannte Künstlerinnen und Künstler wie Gudrun Trendafilov, Steffen Fischer, Wieland Richter und Michael Hofmann. Die Bandbreite reicht vom klassischen Akt über verschiedene Frauenbilder aus der griechischen Mythologie bis zur Gegenwart. In feinen Tuschezeichnungen mit einem Hauch schwarzem Humor von Oskar Staudinger begegnen einem Frauengestalten wie Andromeda, als Opfer männlicher Macht an einen Fels geschmiedet, neben Persephone, Gespielin des Herrschers der Unterwelt und ihre Mutter Demeter, die aus Rache alles Leben in kaltem Weiß erstarren lässt.

Gleich drei neue Künstlerinnen sind mit ihren Arbeiten in der Weihnachtsausstellung dabei: Catrin Große aus Dresden mit ihren schwebend leichten, farbigen Linoldrucken und einer keck kraftvollen Bronzefrau, “Erotic Woman“. Manya Henkel aus Görlitz zeigt grazile Tuschefiguren mit Blattgold veredelt zu Poesie von Eva Strittmatter. Ein Fest für`s Auge sind die fantasiereich filigranen Grafiken von Tina Wohlfarth, die verbunden mit Papierschnitt und Collage besonders plastisch wirken: Blicke in Gesichter und ein Bild aus der Serie „Ophelia“, der Femme Fatale im weißen Papierkleid.

Das Bild „Kopfkino“ von Tina Wohlfarth wurde gleich am ersten Ausstellungsabend verkauft. Es sei das erste Bild überhaupt, das sie kaufte, sagte die stolze Besitzerin, weil die detailverliebte Form sie anspreche. Begehrt waren auch eine liebevoll bemalte Porzellanvase und Weihnachtsanhänger mit sinnenfrohen Szenen aus dem edlen Material. “Die Besucher ahnten schon, dass die Gelegenheit bald vorbei ist“, sagt Galeristin Janett Noack. Gerade eine Woche konnte die Weihnachtsausstellung mit Verlockendem zum Fest der Liebe öffnen. Nun bleibt sie wie alle Geschäfte und Galerien durch den verschärften Lockdown wegen steigender Corona-Infektionen geschlossen bis zum 10. Januar.

„Das ist bedrückend, dass wir so kurz nach der Eröffnung und vor Weihnachten schon wieder schließen mussten“, so Janett Noack. Doch sie hat Glück. Da ihre Werkstatt für Porzellanmalerei sich in der Galerie befindet, kann sie weiter arbeiten. Doch für sie sei es ein Spagat mit zwei Kindern zuhause ohne Betreuungsmöglichkeit, so dass sie nur eingeschränkt in der Galerie sein kann. Janett Noack nimmt weiter Bestellungen von Kunden entgegen, versendet ihre Porzellansachen oder bringt sie vor die Galerietür.

Außerdem können nach Absprache individuell Ausstellungsbesuche in der Weihnachtsausstellung der Galerie Kunst & Eros vereinbart werden, die verlängert wird bis in den Februar. So dass Interessierte nicht ganz auf sinnenfrohe Kunst verzichten müssen.

Text + Fotos (lv)

Kunst & Eros, Hauptstr. 15, 01097 Dresden
Tel.: 0351 – 802 4785

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de

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Neue Lyrik & Wiedergefundenes: An den Mond & Neuanfang & WortSegel hissen & Weisse Inseln

02 Samstag Jan 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie

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An den Mond

Drinnen hält mich
nichts
lausche in die Nachts hinaus
höre Vogelstimmen vergesse den weißen
Atemrauch
von ferne funkeln Sterne
mittendrin ein einsamer Segler auf dunkler See

Du bist mein Leuchtturm
der sich über der Schwärze erhebt
Wolken und schwere Gedanken beiseite  schiebt
als Lampion lichttorkelnd
hoch über den Bäumen schwebt
mich anstrahlt

voll und ganz
legt sich Dein Glanz
über alle Schatten
überlasse mich
dem Sog der Klänge
der Ode an die Freude
gehe durch ein Tränengebirge
beim Vers: „Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuss der ganzen Welt…“

und lächle dem Mond vorm Davonsegeln zu

LV
1.1.2021

Neuanfang
(Für Lola)

Azurblauer Morgenhimmel
weiße Federwolken
ein paar gerötete und graue Tupfen
wie von Samtpfoten dagelassen
und Sonnenlicht fließt
zu mir herein
bescheint Deinen Platz
am letzten Tag im alten Jahr

abends funkeln Deine Augen
mich aus der Höhe an
manchmal huscht ein kleines
schwarzes Wesen vorbei am Mond

samtfellig sternäugig
legst Du Dich zu mir
träume ich mich auf die andere
Seite der Nacht
wo kein Hier und Dort
kein Nah und Fern
sondern unendliche Weite
herzverbundener Seelen

die dunkle Grenze überwindet

LV
1.1.2021

Wort – Bilder – Gedanken

Ich versink
immer tiefer
im See
meiner Träume
Du stehst am Ufer
und siehst zu

LV
19.7.2009

Paradox

Du kannst wohl
nur Frauen lieben
die Dich
ablehnen

Mir geht es mit
Männern
ebenso

Ich liebe Dich
nicht
wenn Du
mich liebst

Wer fliegt
zuerst
Wer verliert

Wer fühlt
zuerst
nichts
mehr

LV
21.7.2009

Du irrst
durch meine Träume
ein ruhloser Schatten

Keine Sternschnuppe
fällt mehr
so tief

LV
21.7.2021

Aufgeblüht

Der Himmel ein fahlweißes Band
rote Blüten wärmen
im Wintergarten
der Weihnachtskaktus blüht
seit langem wieder
vorm Fenster rieseln
die ersten Flocken
wie ein Flüstern der Natur
die noch weiß
was sie will
winzige Eiskristalle auf dem
Balkontisch schmelzen
langsam
unendlich schön

LV
15.12.2018

Blütenhimmel

Über mir wogende Blüten
schaue ihnen zu
alle Blicke fliegen zu ihnen
Zuneigung für den Moment
ein Bild inniges Versinken
in den Blütengrund
bis sie sich lautlos lösen

nicht zu halten
nicht zu fassen
davon segeln
den Boden färben

Würd gern mit dir hier sitzen
halt mich lass dich fassen
Besiegen wir uns
beide

LV
19.4.2019

Herzgarten

Vor mir im Treppenhaus
springt die Tür
zu einem wilden Garten auf
vielblättriges Verlangen
schaut mich an

wachse aus mir
heraus fließe über
mit dem Duft frischer Erde
pflanze mein Herz
in mich aufweckende Blütenknospen

LV
17.3.2019

Dunkler Strom

Der große dunkle Strom
hat uns erfasst
droht uns zu verschlingen

Ich hisse WortSegel
sehe kein Land
überall Fragen brodelnd
die sich an mir festkrallen
wie Ertrinkende

LV
8.4.2017

Wandlung

Ich wanke noch
wache auf
wandle mich
nun ohne dich

wachse aus mir
heraus
in mich hinein
in endlose Tiefen
und Höhen

wische mir den Sand
unserer Träume aus den Augen
die weiter brennen

LV
7.9.2018

Inbesitznahme

Der Raum noch leer
Zeit verstrichen
fort geschliffen die Gebrauchsspuren
vergangener Tage
wage mich kaum
hinein

ergriffen vom strahlenden
Nichts

im Eimer Farbe angerührt
Sonnengelb
der Raum noch unberührt
stelle ich mich
hinein

am Schreibtisch noch
ein paar gelbe Spritzer
erinnern mich
an mein neues Leben

LV
29.9.2018

Neujahr

Ein weißes Blatt
unbefangene Stille
Lauschen dem ersten Tag
der noch unberührt
unbewegt
alle Wege stehen offen
alles ist möglich
auch das Unmögliche
sagt Mary Poppins
ihre Rückkehr am Jahresende
war höchste Zeit
der resoluten Retterin der Träume
folge ich gern

LV
1.1.2019

Texte + Fotos (lv)

Weiße Inseln

Der Himmel bleiern seit Tagen
erschüttert von donnerndem Flockengewitter
als bräche ein Riese auf der dünnen Wolkendecke ein
sie zersplittert in unzählige
watteweiche Inseln

kühles Weiss
unberührt
ungeborgen
sehnsuchtsstarr wandert der Blick
über das strahlende Nichts

pudrig überzogen das dunkle Geäst
darauf ein weißes gefaltetes Tuch
noch vom Sommer vom Balkon nebenan
hergeflogen

hinter den Bäumen
das schneebemalte graue Gemäuer
mit den vergitterten Fenstern
hinter denen Wesen sitzen
warten wie ich
dass Türen aufgehen
in jemandes Herz

die weissbunte mit den magisch
entrückten Augen die mich nicht loslassen
die dunkle schildpatt mit den Sonnenflecken
schnurrt sofort wie meine schwarzfellig
sternäugige aus der Ferne

zwei gelbe Augen treffen mich
noch scheu legt die kleine grauweiß getigerte
ihre Pfote durch die Gitterstäbe
auf das Fell der schildpattfarbenen
beide sehen mich an
auf dem Weg zu mir

wenn ich sie hole wird eine woanders sein
bereits vergeben
Doch wir werden einen langen Augenblick
uns weiter nah sein

LV
17.1.2021

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LeseVergnügen – Vorschau: „Senor Herreras blühende Intuition“ von Linus Reichlin

24 Donnerstag Dez 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur

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Auszeit in einem andalusischen Schweigekloster mit ungeahnten Turbulenzen. Davon erzählt der neue Roman von Linus Reichlin, der im Februar 2021 im Verlag Galiani Berlin erscheint. Fotos: David Biene

Poetisch, witzig, schräg: Wenn Fantasie und Wirklichkeit aufeinander treffen

Jetzt, da tatsächlich der zweite Lockdown andauert, möchten wir Ihnen sehr einen Roman ans Herz legen, der sich – Zufall oder auch nicht – tatsächlich perfekt für die nächsten Wochen zur Lektüre anbietet: Linus Reichlins Señor Herreras blühende Intuition.

Denn auch in diesem Roman geht es einerseits ums bewusste Abschalten, und andererseits um die Frage, was es ist, woraus der Mensch die Wirklichkeit kreiert, die ihn umgibt. Wie sehr sind wir selbst mitverantwortlich für die Verzauberung oder Entzauberung unseres Daseins?

Der Protagonist des Romans – ein Schriftsteller – begibt sich in eine freiwillig gewählte Einsamkeit, er mietet sich in einem andalusischen Schweigekloster ein. Die Auszeit und die damit einhergehende Langeweile, so sein Kalkül, sollen einen Kreativitätsschub auslösen – den vor allem sein Romankonzept dringend nötig hat. Jedoch hat der Autor seine Gleichung ohne Señor Herrera gemacht, einen ehemaligen Matador, der sich inzwischen als Koch der Klosterküche ausprobiert.

Denn Herrera lässt einfach keine Langeweile aufkommen. Schon am ersten Abend beginnt er, den Schriftsteller auf allerlei Ungereimtheiten im Kloster aufmerksam zu machen. Vor allem eine der Nonnen – Schwester Ana Maria –, da ist Herrera sich sicher, könnte ein Doppelleben führen… Eine verwirrende Angelegenheit, denn auch der Roman des Autors soll sich um eine junge Frau drehen, die sich als Nonne getarnt vor der Mafia in einem Kloster versteckt.

Wir finden, Linus Reichlin legt mit Señor Herreras blühende Intuition ein Meisterstück vor. Denn selten zuvor wurde so geistreich und gewitzt über die Frage philosophiert, ob der Mensch seine Wirklichkeit selbst schafft, oder ob umgekehrt die Wirklichkeit unsere Wahrnehmung beeinflusst. Ein poetisches Buch, das in seiner Schrägheit an Filme von Pedro Almodóvar erinnert – randgefüllt mit Einfällen und überraschenden Wendungen. Und zugleich ein Vexierspiel voller Finten und doppelter Böden.

Am liebsten möchte man sich sofort selbst auf den Weg nach Andalusien begeben. Oder zumindest Señor Herrera einladen, in den nächsten Tagen mal vorbeizukommen.

Das Buch erscheint am 11. Februar 2021.

Text: Esther Kormann und Theresa Feldhaus

Verlag Galiani Berlin
Friedrichstraße 119
10117 Berlin
Tel.: 030 68812097-14
galiani.de
Facebook
Instagram
Twitter

Hörprobe


Noch 6 lange Tage bis Linus Reichlins Roman
Señor Herreras blühende  Intuition erscheint. Für einen witzigen Start in den Tag (und zur Überbrückung der Langeweile bis zum Erscheinen) hat der Autor für uns und Sie schon einmal ein paar Textstellen eingelesen. Diesmal dreht sich alles um die Frage:

Können wir unser Leben verändern oder verändert das Leben uns?  Vielleicht ist ja schon alles, was uns passiert, irgendwo aufgeschrieben – wie in einem Romankonzept? Señor Herrera jedenfalls war einmal Matador und ist jetzt Koch und Gästebetreuer. Und er hat da seine ganz eigene Theorie … Auf unserer Magazinseite oder unserem Youtube-Kanal finden Sie jeden Morgen ab 8 Uhr die neuste Hörprobe, ab jetzt jeden Tag als Countdown bis zum Erscheinen des Buches.

Countdown #1

Countdown #2

Text: Kristin Hinz & das Galiani Team

Eine Rezension zu diesem Roman kommt, sobald er erschienen ist.

Weitere Buch-Empfehlungen für genussvolle Leseabende zuhause an kalten Winterabenden folgen demnächst. (lv)

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Originelle Fassadengalerie am Lügenmuseum

20 Sonntag Dez 2020

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Kunst zum Greifen nah

Das Lügenmuseum verlagert seinen Inhalt nach außen und hängt seine besten Kunstwerke an die Fassade des historischen Gasthofes Serkowitz in Radebeul. Besucher können nun die Freiluft-Galerie besichtigen. Mit Abstand Kultur zu genieße, ein coronatauglicher Kunstgenuss passt zielgenau in diese Zeit.

Die Fassadengalerie ist Teil des Kunstprojektes Labypoly 2020, Kunst rund um den Gasthof: Im Sommer wurden nach einem Aufruf Kunstwerke von Bürgern dem Lügenmuseum gespendet. Diese „unbrauchbaren“ Kunstwerke wurden von Künstlern umgeformt oder verfremdet. Labypoly wurde gefördert von der Stadt Radebeul, dem Kulturraum Meißen, der Sparkassenstiftung Meißen und dem Kunst der Lüge e. V.

Text + Foto: Reinhard Zabka

Weihnachtsgrüße 2020 aus dem Lügenmuseum

Ein Film über Labypoly, Kunst rund um das Lügenmuseum
https://youtu.be/fclxzEwPTrs

Labylysium, Interventionen auf dem Burgplatz Leipzig
https://youtu.be/Lhb8RY7UUdU

Interieur Underground, die Filme sind nun auch hier zu sehen:
https://luegenmuseum.de/film-interieur-underground/

—
Reinhard Zabka
Lügenmuseum

Kötzschenbrodaer Str. 39
01445 Radebeul / Dresden
+49 176 99 02 56 52
www.luegenmuseum.de 

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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