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Kategorien-Archiv: Kultur

Neue Lyrik: Adventszeit & Verzauberung & Wunderreiche Zeit & Rückkehr des Lichts & Weihnachtsmorgen & Vor der Winterruhe

15 Mittwoch Dez 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Genießen, Kultur, Lebensart, Poesie

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Unvergessen: Seit einem Jahr bist Du jetzt bei den Sternen und sind wir uns weiter nah, meine liebste und langjährige Begleiterin Lola. Stolze 18,5 Jahre wurdest Du alt.
Foto: VF

Adventszeit
(Für Lola)

Vor mir sitzt ein kleines
zappelndes Fellwesen
das auf einen besonderen
Leckerbissen hofft
die andere getigerte liebt es
mit Wasser aus dem Napf zu panschen
und Blüten zu zupfen

davor der Blumentopf verwelkt
bringe es nicht übers Herz
ihn wegzuwerfen
die Blumenreste stehen an der Stelle
an der sich alles änderte
vor einem Jahr

du fielst mir fast vor die Füße
ein kleiner dumpfer Aufprall eines Nachts
hob dich auf erschüttert wir beide
dein Herzpochen immer schneller
der Atem immer leiser
hielten uns aneinander fest

bis zum Abschied
eine gefühlte Ewigkeit
mein Seelentier

als der Moment wieder naht
streifen zwei Katzentiere
um mich herum
gerührt als wüssten sie alles
bricht alles wieder auf
sie hören es still an und ich merke
wie sehr sie mir schon ans Herz
gewachsen

im Schlafzimmerfenster steht ein
Kerzenlicht
am Morgen brennt es noch immer
der erste Schnee fällt
bleibt nicht liegen
die Lichterblumen am Fenster gegenüber
leuchten wieder

und an deinem Bild öffnet sich
am Weihnachtskaktus gerade
die erste rote Blüte

LV
4.12.2021

Adventszauber mit Lina & Jade

Verzauberung

Als ich aufwache
dunkelt es schon
verkehrte Welt
nachts war ich wach
schrieb und schrieb
mich träumend ins WeihnachtsZauberland
bis es tagte und Sonnenlicht den Raum
flutete

das ich einen Augenblick lang sah
all die Lichtfiguren standen
vor leerer Kulisse
auf dem weiten Platz im Herzen der Stadt
ohne Buden anders als sonst
erfüllt nur von den Klängen
der Posaunen Gloria in excelsis Deo
und den Menschen

ihrem andächtigen Schauen
Verweilen und Staunen wie die Kinder
unterm leis rauschenden Lichterbaum
und der Krippe mit dem neuen Erdenkind
als sähen sie alles zum ersten Mal

beim Teekochen Holunder Minze
sehe ich an der Regalunterseite
eine zierliche Spinne sie hält sich
auf einem Bein oder unsichtbaren Faden
die anderen anmutig in die Höhe erhoben
wie die Lichterspinnen Leuchter

immer noch verzaubert
will ich bleiben
scheue mich in die Welt der „Flüchtigen“
zurückzukehren
wie sie Alain Damasio* beschreibt
voll digitalisiert ein alles überwachendes
Auge
von Suchtrupps die Flüchtige jagen
mit Blicken die töten

wenn sie die wundersamen Wesen
aufspüren
in den verirrten toten Winkeln
menschlicher Wahrnehmung
in denen sie ihre Fantasie und Eigenes
verstecken und bewahren

LV
12.12.2021

* Zum neuen Roman „Die Flüchtigen“ des französischen Autors Alain Damasio (erschienen bei Matthes & Seitz Berlin) erscheint demnächst eine Buchrezension auf diesem Blog. Unbedingte Leseempfehlung!

Texte + Fotos (lv)

Wunderreiche Zeit

Der Himmel weiß verhangen
die Flocken bleiben
noch bei Frau Holle oben
Regentropfen rieseln herab
und der Lichterglanz scheint
durch eine Nebelwand

watteweich umhüllt
die Welt ungewisses Schweben
der Weihnachtsmann spannt dennoch
den Rentierschllitten an
Herzen pochen in Vorfreude
Kinderaugen strahlen
über das Lichterfunkeln am Baum
und in den Fenstern
in der Dunkelheit

süßer Duft nach gebrannten Mandeln
Plätzchen und Pfefferkuchen
hängt in der Luft
nebenan ertönt wie eine Fanfare
ein heller Kinderschrei
noch ganz neu auf Erden

einen Moment später läutet
es an meiner Tür
der Nachbar überbringt mir
welch Überraschung
ein großes Weihnachtspaket
aus einem Zeitungshaus
bedruckt mit hoffnungsfrohen Symbolen
und Weihnachtsgrüßen in vielen Sprachen
verschickt in die Welt hinaus

Sterntaler hält unter einem gelben Weihnachtsstern
seine Schürze auf im Zauberwald
auf dem Altmarkt wo sonst Buden stehen
in einer Galerie nahe beim Goldenen Reiter
brennt noch Licht
eine Frau und ein kleines Mädchen in weißen Kitteln
bemalen und behüten zauberhafte Dinge
wunderreiche Zeit
aus weißem Porzellan

verlockend und liebevoll schwirrende Mensch und Tierwesen
erfüllt mit Freude
ihr Lächeln steckt mich an

LV
17.12.2021

Rückkehr des Lichts

Wir saßen lange
zusammen in der längsten Nacht
des Jahres
vor dem Fenster hielten
weiße Sterne Wacht

es gab ein Festessen
und wir schütteten unsere Herzen aus
nicht nur sacht

wer keine roten Linien mehr kennt
wie kann man dem noch trauen
Kopf oder Arm frei
weg oder hinschauen
wie hältst Du`s mit dem G

schutzlos ausgeliefert anderen
wie weit geht Nächstenliebe
was löscht sie aus
alles dreht sich nur noch um das Eine
bleibt es was vertreibt es
verbindet oder trennt uns

man kann auch in Liebe auseinander gehen
sagst Du
das Licht von Neuem sehen
seit gestern Nacht kann ich es

mit der Wintersonnenwende
kamst Du
der Tag badet im Licht
Abendrot hinter dunklen Bäumen

ein Feuer knistert unterm Geäst
brennt meine Ängste nieder

LV
22.12.2021

Weihnachtsmorgen

Lichtflecken wandern
über die Wände
verwandeln alles
graue Mattigkeit zerfließt
tanzende Körperumrisse
treten aus einem Bild

das hohe Baumpaar vorm
Wintergartenfenster funkelt
wie mit Sternen behängt
in der Sonne
unterm weißen Schneepelz
ein Vogel flattert auf die Baumspitze

Glocken läuten in der Ferne
weißer Rauch steigt auf
wie Atemhauch
in unmerklich leichter
gleißender Helligkeit

das Bild der schwarzen Sternäugigen
getaucht in Licht
zwei Katzentiere zieht es ins Helle
von Eiseskälte wissen sie
noch nichts

und ich denke an Gülsary
das alte Pferd und den alten Mann
aus der Erzählung von Aitmatow
die zusammen ihren letzten Weg gehen
über die Schlucht nachhause
schaffen sie es nicht mehr

der Funkenflug am Feuer wärmt sie
ein letztes Mal und erhebt sie noch einmal
in die Größe vergangener Tage

LV
26.12.2021

Vor der Winterruhe

Der Himmel blassgesichtig
gefrorener Tag
überlass mich der Winterruhe
ein Schimmer Licht fällt herein
lässt mich kurz aufsehen
und erschrecken

das grazile Baumpaar vorm Wintergartenfenster
reißt es fast mittenzwei
hin und her geworfen vom Wind
der weiße Glanz in den Zweigen
schon wieder geschmolzen

bricht die Sonne unversehens
aus ihrem Verlies
färbt den Himmel golden
hinter dunklen Bäumen
folge der Lichtspur

in immer neuen Farben
wie sehen wir andere
und uns wirklich

alles zu seiner Zeit oder
wonach mir zumute
nichts bleibt wie es ist
sehnendes Vergewissern
in allem
Sichergehen

ich ziehe die neuen blauen Ringelsocken an
und träume mich ans Meer
backe Vanillekipferl und andere Plätzchen
nach Weihnachten der Winter ist lang
mache gern die Nacht zum Tag

werfe meinen Wollschal wie ein Lasso
nach dem getigerten Katzentier
das gern Fangen spielt
und mich um den Finger wickelt

schäle eine Mandarine oder
Clementine
wo liegt der Unterschied
Hauptsache süß und saftig
Alles kann ganz anders sein

LV
27.12.2021


Jade im Wintergarten

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry

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BilderAlbum: Im WeihnachtsWunderland

12 Sonntag Dez 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Genießen, Kultur, Lebensart, Musik, Zwischenmenschliches

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Die wundersame Verwandlung des Altmarkts –
Weihnachtszauber ohne Budengewimmel

Der 587. Dresdner Striezelmarkt auf dem weithin leeren Altmarkt erfreut kleine wie große Besucher mit einem prächtigen Lichterbaum, einer  drehenden Pyramide, Krippenfiguren,  Märchenzauberwald und spontanen Musikerauftritten, die viel Beifall finden.

Die Lichter der Stadt spiegeln sich im Fluss, während ich mit dem Rad die Marienbrücke überquere. Der Himmel ist grau verhangen und es dunkelt schon.
Der sonst vielbesuchte Zwinger ähnelt einem Geisterschloss und auf einmal fällt mir dieses Lied aus Schulchorzeiten ein: „Alles schweiget… Nachtigallen locken mit süßen Melodien/ Tränen ins Auge/ Schwermut ins Herz…“  Es passt vielleicht nicht in diese Jahreszeit, aber in meine Stimmung. Es ist Samstagabend vor dem dritten Advent. Die Stadt strahlt im Lichterglanz, doch wo sind all die Menschen, die sonst in der Adventszeit zahlreich den Liedern, Klängen und Düften auf den Flaniermeilen nachgehen? Die zu Weihnachten gehören, bei denen einem warm ums Herz wird, es weit werden lassen, leichter, froh und vergnügt, innehaltend vom Alltag und diese besondere Zeit im Jahr genießend?

Zuerst fallen mir die vielen, allein vor sich hin funkelnden Weihnachtsbäume vor Gebäuden mit dunklen Fenstern und verschlossenen Türen auf. Hotels, Gaststätten, Geschäfte und Kultureinrichtungen. Die wenigen geöffneten Läden, Lokale und Cafés in der Dresdner Innenstadt sind fast leer. Es scheint als trauten sich die Leute nicht nach draußen und noch weniger in Innenräume. Als lauere überall eine unsichtbare Gefahr, der man nicht entrinnen kann. Das Coronavirus in immer neuen Mutationen ist allgegenwärtig, will partout nicht wieder verschwinden und bisher ist kein wirklich wirksames Mittel für seinen Rückzug gefunden. Das hält die Menschen nicht nur auf Abstand. Sie meiden zunehmend von sich aus den öffentlichen Raum, nehmen von der Politik beschlossene Kontaktbeschränkungen und Zutrittsverbote wie die 2G-Regel, die nur Geimpften und Genesenen den Zugang zu Veranstaltungen, in Hotels, Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants erlaubt, größtenteils hin. Und fühlen sich dennoch nicht sicher.

Die Innenstadt ist an diesem Adventswochenende weder voll pulsierendem Leben, noch menschenleer. Weder laut, noch ruhig. Nicht himmelhoch jauchzend und nicht zu Tode betrübt. Es ist eine anders feierliche und schöne Weihnachtsstimmung als sonst. Damit wird angenehm überrascht und beschenkt, wer sich ein Herz fasst und hinaus geht. Auch wenn es weder Stollenfest noch den gewohnten Striezelmarkt und auch keine Weihnachtsbuden an jeder Ecke wie sonst gibt. Keine Adventskonzerte im Kulturpalast und kein Theater zur Weihnachtszeit. Das wundervolle Stück „Der Zauberer von Oz“, ähnlich dem im ostdeutschen Raum noch bekannteren Kinderbuchklassiker „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ von Alexander Wolkow über Freundschaft und Zusammenhalt in brenzligen Situationen, welche das Mädchen Elli, die Strohpuppe Scheuch, der eiserne Holzfäller und ein ängstlicher Löwe einander näherbringen, hatte letztes Jahr seine Streaming-Premiere und war nur wenige Male im Schauspielhaus zu sehen. Bevor dieses wie alle anderen Kultureinrichtungen wegen der neuen sächsischen Corona-Schutzverordnung Mitte November wieder schließen musste. Auf der Empore des Schauspielhauses leuchtet ein Weihnachtsbaum. Seitlich an der Wand steht auf einem Transparent: „Impfen schützt auch die Kultur!“ Das leuchtet derart pauschal jedoch nicht ein. Zumal Theater und Konzerthäuser bekanntlich nicht zu den sogenannten Corona-Hotspots, wo sich viele infizieren, zählen.

Fast wie ein lichtergeschmücktes Ufo wirkt die „Käseglocke“ am Postplatz, ein kleiner Rundbau mit Flachdach, ehemals ein Fahrkartenkiosk und jetzt ein Ausschank mit Kaffee und anderen heißen Getränken, vor dem einige Besucher verweilen. Der nunmehr 587. Dresdner Striezelmarkt auf dem Altmarkt, der älteste Weihnachtsmarkt in Deutschland, hat zwar kein buntes Budengewimmel, aber dennoch viel Weihnachtszauber zu bieten. Am Schwibbogen-Eingang stehen vor leuchtender Kulisse Weihnachtsfiguren Spalier: Nussknacker, Lichterengel, Weihnachtsmann mit Tannenbaum, Kurrende-Chorsänger, ein Schneemann mit Schal und Zylinder schwingt einen Reisig-Taktstock und ein Räuchermann pafft gemütlich Pfeife. Davor stehen staunend Kinder. Hereinspaziert ins Weihnachts-Wunderland!

Während die Händler der umliegenden Kaufhäuser und Geschäfte derzeit über massive Umsatzrückgänge wegen ausbleibender einheimischer Kunden und Touristen klagen, geht eine wundersame Verwandlung auf dem weithin leeren Altmarkt vor sich. Der weite Platz belebt sich zusehends. Vor dem hohen Lichterbaum und der Weihnachtskrippe mit holzgeschnitzten Figuren und der drehenden Pyramide voll bezaubernder Gestalten stehen andächtig Erwachsene, stille Freude in den Gesichtern, hüpfen fröhlich Kinder umher, werden Erinnerungsfotos gemacht. Junge und Ältere, von hier und aus anderen Teilen der Welt, erfreuen sich an der besinnlich zauberhaften Atmosphäre, jeder für sich und doch alle irgendwie miteinander verbunden im Erleben in diesem Moment. So geben sie ebenso wie die Musiker mit ihren ergreifenden, herzerwärmenden Melodien in schwieriger Zeit Weihnachten seine Würde und Schönheit im ursprünglichen Sinn zurück. Festliche Bläserklänge erfüllen den Platz. Eine weitere Posaunengruppe musiziert aus der Höhe vom Turm der Kreuzkirche aus. Sie spielen lange und mit Hingabe bekannte Weihnachtsweisen, kirchliche- und Kinderlieder und auch mal einen swingend heiteren Ohrwurm. Von „Maria durch ein` Dornwald ging“ über „Hosianna“, „Hört der Engel helle Lieder/Gloria in excelsis Deo“ bis zu „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Lasst uns froh und munter sein“. Und sie bekommen viel Applaus von den ihnen lauschenden, großen und kleinen Zuhörern. Und wer mag, summt und singt die Lieder mit.

Eine Augenweide sind die liebevoll zusammengestellten Szenen aus der Märchenwelt der Gebrüder Grimm. Mit Hänsel und Gretel vorm Pfefferkuchenhaus, Schneeweißchen und Rosenrot mit dem sanftmütigen Bär in ihrer Mitte. Der gestiefelte Kater stapft durch Tannengrün, dahinter trifft Rotkäppchen auf den Wolf, der sich als ihre Großmutter mit Spitzenhaube ausgibt. Ein großer gelber Weihnachtsstern hängt im Abendhimmel. Darunter hält Sterntaler seine Schürze auf und schüttelt Frau Holle die Betten, auf dass es bald schneit. Das Puppentheater-Häuschen ist geschlossen und auch das Karussell aus dem Zauberwald steht still auf den Schienen. Das Kassenhaus ist leer. Die Kinder stehen traurig davor oder wollen aus Mutters Arm dorthin auf Reise ins Märchenland und verstehen nicht, warum das gerade nicht geht.

Dafür lockt ein paar Meter weiter am Rande des Altmarkts eine wunderschöne Weihnachtsbude, in der es himmlisch nach gebrannten Mandeln und anderen süßen Leckereien duftet, Pfefferkuchenherzen und rot kandierte Liebesäpfel, letztere vorerst nur als Blickfang, ohne langes Warten zu haben sind. Neue, echte Liebesäpfel gibt es am Montag wieder, sagt der Verkäufer. Weiter vorn auf der Prager Straße gibt es an einem Kiosk Crepes, nebenan Bratwurst. Straßenmusiker sorgen dafür, dass es nicht zu trist zugeht auf der sonst sang- und klanglosen Einkaufsmeile, gesäumt von den Lichterketten der Kaufhäuser. Am Freitagabend waren mittelalterliche Klänge mit Dudelsack und Trommel zu hören. Ein Stück weiter spielte ein Mann an der Gitarre bekannte Rocksongs wie „Wind of Change“ von den Scorpions, der Hymne aus der Wendezeit. Tags darauf ist der Musiker wieder da, begleitet von einem Percussionisten, der auf einer Kiste trommelt und spielt „Imagine“ von John Lennon, er singt über Schatten und Träume. Zwei junge Mädchen tanzen und umarmen sich fröhlich und ein vorbeikommendes Paar tanzt spontan mit.

Vor einem großen Modegeschäft warten ein paar Leute auf Einlass. Zwei Männer mit Maske kontrollieren sie nach der 2G-Regel. Draußen stehen vorsichtshalber zwei blaue Polizeiwagen. Drinnen im fast leeren Geschäft steht ein Weihnachtsbaum und daneben ein Bild mit einem lebensgroßen Nussknacker in grünem Frack, Krone und starrer Miene. Der Kontrolleur in der neonfarbenen Weste schaut ebenso streng drein, kommt heraus aus der gläsernen Wand und fragt, was ich mache?! Ich fotografiere den leeren Raum, antworte ich. Die beiden wollen nicht auf dem Foto zu sehen sein. Ihre Gesichter werden durch das Schild an der Ladentür verdeckt.

Mittlerweile bin ich durchgefroren und fahre zurück aus der Stadt, im Zwingerteich spiegeln sich helle Lichter, vor dem Gerätehaus sehe ich noch ein winziges Weihnachtsbäumchen und die Hausfassade gegenüber leuchtet wie ein großer farbenfroher Adventskalender. Die Wiesen sind puderzuckrig mit Schneeresten bestreut. Zuhause erwarten mich zwei lebhafte, ungeduldige Katzen, die sich weniger für meine glückselige Weihnachtsverzauberung als für einen vollen Futterteller und ausgiebiges Streicheln interessieren und ich sehe den Zauber schon schwinden.
Beim Anschauen der Bilder und Schreiben dieser Zeilen schwelge ich dann wieder ganz ergriffen mitten im Weihnachts-Wunderland.

In diesem Sinne allen einen zauberhaften Dritten Advent und Frohe Weihnachten!

Text + Fotos (lv)

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Leerstand in der Dresdner Innenstadt alarmierend

12 Sonntag Dez 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte

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Leere Schaufenster am Altmarkt, wenig los auch auf der Bummelmeile Prager Straße im Dresdner Stadtzentrum. Kaum ein Mensch in den Geschäften, Cafés und Lokalen zu sehen. Viele haben geschlossen. Die Lichterketten funkeln einsam vor sich hin. Ein ungewohnter Anblick in der Adventszeit, in der die Innenstadt sonst voller Trubel ist und rund um den Striezelmarkt und die Kaufhäuser an jeder Ecke Weihnachtsbuden mit Leckereien zum Verweilen locken. Die aktuelle Corana-Situation dämpft die Stimmung und die von der Politik verhängten Maßnahmen wie Kontaktbeschränkung und 2G-Regel mit Zutritt nur für Geimpfte und Genesene in Läden und Restaurants
zeigen ihre Wirkung, sorgen für Zurückhaltung, Unsicherheit und Verdruss statt entspanntem Genuss.

Handel, Gastro, Dienstleistungen, Soziales, Kunst und Kultur
unter einem Dach sind gefragt für eine lebendige Innenstadt in Zukunft

Eine Studie im Auftrag des City Management Dresden e.V. empfiehlt der Stadt dringend ein neues Einzelhandels- und Zentrenkonzept und den Erhalt des Branchenmix.

Gähnend leere Schaufenster und Ladenlokale. Wenige Menschen zu sehen auf den ehemals gut belebten, attraktiven Flanier- und Einkaufsmeilen rund um den Altmarkt, die Wilsdruffer Straße, Ringstraße, Prager Straße und Hauptbahnhof. Ein trostloser Anblick in Top-Lagen in der Dresdner Innenstadt.

Derzeit stehen 93 Objekte in Erdgeschoss-Zonen im Stadtzentrum leer. Die ehemaligen Einzelhandelsgeschäfte und gastronomischen Einrichtungen verfügten einmal über insgesamt ca. 22.000 Quadratmeter Ladenfläche. Damit hat sich der Leerstand seit 2015 verschärft.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur “Erhebung der Leerstände in der Dresdner Innenstadt“, welche im Auftrag des City Management Dresden e.V. seit Frühling bis August 2021 von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) mbH, Büro Dresden durchgeführt wurde.

Besonders alarmierend: Die Leerstände seien weniger durch ruinösen Bauzustand bzw. unattraktives Umfeld geprägt, sondern meist durch kleinere Geschäfte im wieder bezugsfertigen Zustand. Die Nachfrage nach „traditionellen“ Nutzungen ist laut Studie fast zum Erliegen gekommen und es sind weitere Leerstände zu erwarten.

Zahlreiche Objekte werden auf Grund ihrer Lage, der generellen Entwicklung im Einzelhandel und im Verbraucherverhalten für Handelsfunktionen nicht wieder vermiet- bzw. nutzbar sein, so die düstere Prognose. Daher sind die Einzelhandels- und Zentrenstruktur für die Innenstadt, aber auch die peripheren Bereiche neu zu durchdenken und konzeptionell festzulegen.

Die Stadt Dresden muss mit dem Einzelhandelskonzept sowie in weiteren Maßnahmen wie Mobilitätskonzept, Gestaltungs- und Grünflächenkonzept sich klar zur vordergründigen Aufwertung der Innenstadt bekennen, um weiterem Qualitätsverlust vorzubeugen, legt die Studie nahe.

„Die Dresdner Innenstadt ist trotz des Landeshauptstadt-Bonus nicht ausgenommen vom allgemeinen Trend, dass die Leerstände in den Innenstädten zunehmen und einen Umfang erreicht haben, was ein aktives, gemeinschaftliches Gegensteuern unabdingbar macht.“ so der Leiter der GMA, Dr. Eddy Donat.

Die Situation der Leerstände hat sich während- und nach Corona weiter verschärft. Aus den Untersuchungen, zahlreichen Gesprächen mit Akteuren und der Auswertung diverser Veröffentlichungen geht der Studie zufolge aber auch hervor, dass der zunehmend sichtbare Leerstand in der Innenstadt auch durch allgemein fehlende Frequenz in den Fußgängerzonen zustande kommt. Branchenabhängige Umsatzrückgänge von 50 bis 80 Prozent haben Auswirkungen auf die Erhaltung des Branchenmix.

Für die Innenstadt sei besonders nachteilig, dass PKW-Besucher in Dresden vorwiegend um die Kernstadt herumgeleitet werden, außerdem wenig Menschen direkt im Zentrum wohnen und eine besondere Aufenthaltsqualität, Flair, moderne Stadtmöblierung bis zur Vernetzung mit digitalen Angeboten im Stadtzentrum der sächsischen Landeshauptstadt fehlt.

Dennoch habe die Innenstadt von Dresden mit Prager Straße, Altstadt und Hauptstraße viel Potenzial, was aber nur mit nachhaltigen politischen Entscheidungen zur Unterstützung dieser Einkaufszentren entwickelt werden kann. Erforderlich sind laut Studie intelligente Mobilitätskonzepte (P+R, ÖPNV, Parkraum), gezielte Strukturverbesserung, finanzielle Anreize und Förderprogramme für die Aufwertung der Innenstadt bereitzustellen.

Der Trend gehe zu Mixed-Used-Konzepten, auch in den Einkaufszentren mit Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie, Soziales, Kunst und Kultur unter einem Dach. Vielseitigkeit ist Trumpf im Gesamtkonzept für Immobilien und eine lebendige Innenstadt in Zukunft. Außerdem sind Lokalität, Regionalität und Identifizierung mit den Angeboten bei den Kunden gefragt, so das Resümee der GMA-Studie. Daher sollte alles getan werden seitens der Stadt, Centermanagements, Händler und Eigentümer, um dem Leerstand und weiterer Verödung der Innenstadt aktiv zu begegnen, um diese wieder anziehend zum Besuch, Verweilen, Erleben und Shopping-Bummel zu gestalten.

„Eine Erhaltung und punktuelle Attraktivitätssteigerung des Einzelhandels in der Dresdner Innenstadt liegt uns sehr am Herzen, weshalb wir die Ergebnisse der Leerstandsanalyse mit Interesse und auch Sorge betrachten. Erfreulicherweise konnten wir in den letzten Wochen fünf neue Mietverträge in der Altmarkt-Galerie abschließen, weshalb wir nur noch sechs Leerstände haben und auch diesbezüglich optimistisch in die Zukunft schauen“, sagt Christian Polkow, Center Manager der Altmarkt-Galerie Dresden

„Mit dem Gutachten der GMA liegt eine qualifizierte und objektive Analyse zur Leerstandssituation des Einzelhandels in der Dresdner Innenstadt vor. Auch wir beobachten die Entwicklung in der Innenstadt mit großer Sorge, denn mit den Leerständen sinkt die Attraktivität des Einkaufsstandortes Innenstadt Dresden insgesamt. Vor diesem Hintergrund schließen wir uns der Forderung des Büros GMA wie auch Dr. Lademann & Partner (2020) an, dringend ein neues Zentrenkonzept für die Stadt Dresden zu erstellen, welches die Basis für die Entwicklung des Einzelhandelsstandortes Dresden bildet.“, so Dr. Dirk Fittkau, Manager bei Klepierre und Interimsmanager der Centrum Galerie.

Text + Fotos (lv)

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Auszeichnung mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022 für Karl-Markus Gauß: „Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen“

07 Dienstag Dez 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur

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„Feinfühlige Geschichten von besonderen Orten und Menschen in Europa“

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022 wird dem österreichischen Schriftsteller und unermüdlichen Aufklärer Karl-Markus Gauß für sein Buch „Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen“ verliehen. Der Preis wird am 16. März 2022 im Rahmen der Eröffnung der Leipziger Buchmesse verliehen.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022 wird dem österreichischen Schriftsteller und unermüdlichen Aufklärer Karl-Markus Gauß für sein Buch „Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen“ verliehen. Das Buch versammelt feinfühlige Geschichten von besonderen Orten und Menschen in Europa. Es erschien im Oktober 2020 im Paul Zsolnay Verlag Wien. Der Preis wird zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse am Abend des 16. März 2022 im Gewandhaus zu Leipzig verliehen. Die Laudatio hält die österreichische Germanistin, Literaturkritikerin und Essayistin Daniela Strigl.

In der Begründung der Jury heißt es: „Europa? Wer heute an Europa denkt, dem fallen zunächst Verfallsgeschichten ein, Auflösungserscheinungen, Untergänge, verzankte und zerstrittene Parlamente, die auf nationalen Sonderrechten bestehen und die europäische Einigung aus dem Blick verloren haben. Und wenn von Vielfalt die Rede ist, dann fallen dem einen die aussterbenden Tierarten ein, dem anderen Käsesorten oder Reiseziele.

Wenn Karl-Markus Gauß an Europa denkt – und wahrscheinlich gibt es keinen Schriftsteller in Europa, der öfter und nachhaltiger über dieses kleine Gebiet westlich des russischen Reiches nachdenkt –, dann denkt er über die Minderheiten nach, die sich immer noch in den Rissen dieses einsturzgefährdeten Gebäudes halten: über die Bewohner der Zips und der Batschka, über die chaldäischen Christen in der syrisch-orthodoxen Kirche, die sich Assyrer nennen und möglicherweise im Nebenhaus wohnen, über die Aromunen, die eine eigenständige Sprache sprechen und im Norden Griechenlands, in Bulgarien, Nordmazedonien und Albanien leben, oder über die Roma, die in der Slowakei und überall da zu finden sind, wo man nicht nur die Paragrafen der Ausgrenzung, sondern die (ungeschriebenen) Gesetze der Gastfreundschaft kennt und ihnen einen Platz anbietet.

Alle diese Minderheiten mit ihren seltsamen Sitten, Sprachen, Gebräuchen, Literaturen und Religionen haben in Karl-Markus Gauß, der selbst aus einer sogenannten donauschwäbischen Familie kommt, ihren unermüdlichen, treuen, neugierigen, aufmerksamen Chronisten gefunden. Seit mehr als vierzig Jahren nimmt dieser für seine stilistischen Feinheiten gelobte, jedes besserwisserische Pathos meidende Reisende die kulturellen Verluste (besonders in Südosteuropa) wahr und hält ihnen den historisch angehäuften tatsächlichen Reichtum entgegen. Er leistet die Arbeit eines Sisyphos – das heißt, er weiß auch, dass trotz aller Anstrengungen der mühsam auf den Berg geschleppte Stein wieder hinunterrollt.

Wenn er nicht unterwegs ist, schreibt er in Salzburg Reiseberichte über seine unaufhörlichen Wanderungen, die in mehr als zehn Büchern vorliegen, oder er redigiert die literarische Zeitschrift „Literatur und Kritik“, die er schon seit mehr als dreißig Jahren herausgibt. Und wenn er mal das Haus hüten muss, dann begibt er sich auf eine „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“, eines seiner großartigen Bücher. Und da er offenbar wenig schläft, schreibt er auch noch umfangreiche Journale, die einen politisch wachen, parteipolitisch ungebundenen Zeitgenossen zeigen, der gottlob über so viel Ironie und Witz verfügt, dass man sich von ihm gerne in die Abgründe unserer Gesellschaft einführen lässt. Denn kaum einer hat sich so klar gegen Rechtspopulismus ausgesprochen und sich so deutlich für eine humane Flüchtlingspolitik eingesetzt.

Mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung wird ein großer europäischer Schriftsteller ausgezeichnet, der die glanzvolle Reihe mitteleuropäischer Preisträger von Aleksandar Tišma bis Claudio Magris fortführt.“ Der Jury des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2022 gehören Dr. Skadi Jennicke (Bürgermeisterin für Kultur der Stadt Leipzig), Michael Krüger (Autor, Verleger, Übersetzer, München), Johannes Riis (Verleger, Kopenhagen), Elisabeth Ruge (Autorin, Verlegerin, Literaturagentin, Berlin) und Daniela Strigl (Essayistin, Kritikerin, Dozentin, Wien) an.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, seit 1994 jährlich vergeben und mit 20.000 Euro dotiert, zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und die Leipziger Messe. Kooperationspartner ist die Bundeszentrale für politische Bildung.

Ausführliche Informationen zum Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, den bisherigen Preisträgern, dem Kuratorium und der Jury sind unter http://www.leipzig.de/buchpreis zu finden.

Text: Julia Lücke/Pressestelle Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Social Web:
http://www.facebook.com/leipzigerbuchmesse
http://twitter.com/buchmesse
http://www.instagram.com/leipzigerbuchmesse

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Weihnachtsausstellung „Erotischer Advent“ in der Galerie Kunst & Eros

05 Sonntag Dez 2021

Posted by Lilli Vostry in Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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Traumwandlerisch: Mit der Sehlust und Fantasie des Betrachters spielen die Bilder der Künstlerin Peggy Berger. Sie stellt erstmals in der Galerie Kunst & Eros in Dresden aus. Galeristin Janett Noack strahlt, dass es doch noch geklappt hat mit der traditionellen Weihnachtsausstellung „Erotischer Advent“.

Farb- & Sinnenfreudig: Blumen- und Aktbilder von Leo Lessig und Aktzeichnungen „Am Meer“ von Manuela Neumann.

Wie große, bemalte Weihnachtskugeln: Verlockende Körper-Bilder von Peggy Berger und ein Vogelkäfig mit Porzellanfiguren von Sören Zschocke.

“Die Liebe ist unbesiegbar!“

Sinneslust und menschliches Miteinander in widrigen Zeiten spiegelt farb- und facettenreich die Gruppenausstellung „Erotischer Advent“ mit Arbeiten von neun zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern in der Galerie Kunst & Eros.

Adam und Eva schauen, jeder für sich, aus einem aufgeschnittenem Apfelgehäuse hervor. Nackte Schöne tummeln sich in paradiesisch farbenprächtigen Blumengärten. Goldfarbe umspielt schimmernd Körperlinien und Verführerisches aus edlem Porzellan lockt. Reizvolles für die Sinne hält die Weihnachtsausstellung “Erotischer Advent“ in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden bereit.

Zu sehen sind Arbeiten von neun zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Malerei, Grafik, Zeichnungen über Keramik, Porzellankunst bis zu Häkelsternen mit lustvollen Aktbildern in der Mitte. Eigentlich wollte Galeristin Janett Noack (39) die Ausstellung schon absagen. Als private Galerie gehört sie zwar zum Einzelhandel und darf weiter öffnen, aber nur mit 2G-Regel. „Vieles ist zurzeit unsicher, die Leute sind verunsichert und zurückhaltend. Aber das Leben geht weiter. Und jetzt, wo die Ausstellung hängt, bin ich glücklich“, sagt die gelernte Porzellanmalerin. Zurzeit muss sie wieder den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Galerie bewältigen und ihre kleine Tochter zu Hause beschulen.

Doch sie liebt die Kunst. „Durchhalten und weitermachen!“, lautet daher ihre Devise. “Natürlich mit Auflagen. Aber das Licht brennt. Man kann auch am Schaufenster gucken. Auf jeden Fall geht es weiter“, so Janett Noack. Sie findet das Miteinander, Achtsamkeit, Liebe und Verstehen untereinander ebenso wichtig wie den schönen Dingen des Lebens Beachtung zu schenken. Gerade in dieser Zeit: “Die Liebe ist unbesiegbar!“ Das spiegelt sich auf vielerlei Weise auch in der derzeitigen Weihnachtsausstellung wider.

Gleich mehrere Porzellankünstler zeigen hier ihre neuesten Werke: Ein liegender
Männerakt mit lustigem Vogel und eine träumende „Chimäre“ stammen von
Olaf Stoy. Extravagant die kleine, bemalte Porzellanfigur „Conchita“ von Sören Zschocke, der den als Mannfrau bekannten Sänger mit roter Mähne, Bart
und Abendkleid zeigt. In einen offenen, filigranen Vogelkäfig aus Blattkupfer
setzte er zwei Porzellanfiguren mit venezianischen Masken, die sich ihrem Vergnügen hingeben. Ein neues Kaffee- und Teeservice aus bemaltem Porzellan mit dem Titel „Schnecken-Liebe“ von Janett Noack vereint außerdem innige Insekten-Paarungen mit Libellen und Schmetterlingen. Voll intensiver Farbkraft sind die verlockenden Blumen- und Aktbilder mit Pastellkreide auf dunklen Flächen gezeichnet von Leo Lessig. Originelle Bilder mit Porzellanfiguren und -paaren, die lebendig wie Menschen aussehen und mit dem schönen Schein spielen, stellt die spanische Künstlerin Ainara Torrano aus.

Traumwandlerisch und heiter-beschwingt zugleich mit in der Luft kreisenden Kringeln, scheint ein männlicher Körper mit Tutu in weißblau winterlichen Farben geradewegs dem Ballett „Schwanensee“ entstiegen. „Lollipop“ heißt dieses von Peggy Berger gemalte Titelbild der Weihnachtsausstellung. Ihre Bilder sind erstmals in der Galerie Kunst & Eros zu sehen. Sie ist gelernte Porzellanmalerin und hat Malerei und Grafik an der Dresdner Kunsthochschule bei Prof. Max Uhlig von 1997 bis 2002 studiert. Faszinierend vielseitig in der Ausdrucksweise, bleibt auf ihren Leinwänden oft in der Schwebe, was in dem Moment wirklich geschieht.

Ist der mit dem Kopf an der Wand lehnende Mann „Egon“, anspielend auf den Maler Schiele, nun erschöpft oder in erotischem Genuss versunken? Was hat es mit dem Mann mit dem Adoniskörper, der vor einem „Glasperlenspiel“ im Neonlicht sitzt, auf sich? Wieso umarmt sich das junge Paar so zaghaft? Das bleibt ganz der Fantasie des Betrachters überlassen.

„Ich male aus reiner Sinneslust“, sagt Peggy Berger. Ungewöhnliche Bildperspektiven und mal kleine, große oder runde Formate sind das Besondere an ihren Arbeiten, in denen sich Abstraktes und Figürliches oft mischen. Sie wirken wie aquarelliert mit Ölfarben. Die Farben werden wie Gewürze in mal feinen und kräftigen Nuancen abgemischt, sagt Peggy Berger, die auch eine „leidenschaftliche Köchin“ ist. Die Weihnachtsausstellung „Erotischer Advent“ wird über Januar 2022 hinaus verlängert, damit sie noch mehr Besucher sehen können.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet:

am 2. Adventswochenende am 5. + 6.12. zusätzlich von 11 bis 18 Uhr,
Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

Tel.: 0351 – 802 47 85

http://www.kunstunderos.de


Reizvolles für Liebhaber des Schönen: Kleinplastiken von Manuela Neumann, Malerei und Zeichnungen von Helena Zubler und ein bemaltes Tee- und Kaffeeservice mit Insekten-Paarungen von Janett Noack.

Schönes für den Gabentisch: ein Buch mit Grafiken von Michael Hofmann und Texten von Thomas Gerlach und ein neuer wunderbarer Jahreskalender 2022 mit Bildern von Gudrun Trendafilov.

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Leipziger Buchmesse: 441 Neuerscheinungen wetteifern um Preis der Leipziger Buchmesse

27 Samstag Nov 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur

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„Den Blick weit öffnen“

441 Bewerbungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022
Juryvorsitzende Insa Wilke: „Literaturpreise sollen diese starke Literatur feiern, die wir in unserem Land lesen können.“

Der Wettbewerb für den Preis der Leipziger Buchmesse ist eröffnet. 441 Werke aus 169 Verlagen wurden für den hochkarätigen Preis eingereicht. Die siebenköpfige Jury liest sich nun durch die Einreichungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Am 17. Februar werden die Nominierten bekanntgegeben. Weitere vier Wochen heißt es dann Hochspannung: Am Eröffnungstag der Leipziger Buchmesse, dem 17. März 2022, wird der begehrte Preis in der Glashalle vergeben. Die Preisverleihung wird per Stream übertragen.

Insa Wilke übernimmt in diesem Jahr den Juryvorsitz beim Preis der Leipziger Buchmesse. Im Interview spricht sie über die Bedeutung von Literaturpreisen und die Aufgabe von Literatur.

Liebe Insa Wilke: Warum braucht es Literaturpreise?
Literaturpreise sind wichtig, um klar zu machen, was für eine Literatur wir als Lesende für unsere Gegenwart und Gesellschaft wichtig finden. Und zwar außerhalb von Quoten und Verkaufszahlen. Das heißt: Sie sollen Autor:innen in ihrem Eigensinn bestärken und uns Lesende auffordern, wach zu bleiben, uns nicht sedieren zu lassen. Und, vielleicht am wichtigsten: Sie sollen diese starke Literatur feiern, die wir in unserem Land lesen können!

Der Preis der Leipziger Buchmesse zeichnet die Arbeit von Autor:innen und Übersetzer:innen in gleich drei Kategorien aus. Worin liegt der Wert dieser Besonderheit?
Den Preis der Leipziger Buchmesse zeichnet seine Umsicht aus: Durch die drei Sparten Literatur, Sachbuch und Übersetzung ist er in der Lage, den Blick relativ weit zu öffnen. Durch die Kontinuität in der Jury geht es nicht nur um „das beste Buch“ der Saison, sondern um eine grundlegende Verständigung, auf welche Bücher aus welchen Gründen Aufmerksamkeit gelenkt werden soll. Es geht in Leipzig nicht um den Superlativ, sondern um Relevanz. Das haben mir zumindest die Listen und Auszeichnungen der vergangenen Jahre so vermittelt.

Gerade ausgezeichnete Literatur erreicht ein großes Publikum. Welche Aufgabe erfüllen diese Werke im Speziellen aber auch Literatur im Allgemeinen für ihre Leser:innen?
Literatur hat keine Aufgaben. Manche Autor:innen sind sich aber einer auch gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, weil sie die Gabe haben, Verhältnisse präzise zu sehen und auf den Begriff zu bringen. Die Aufgaben schreiben aber eher wir Lesenden der Literatur zu. Und da ist die wichtigste wohl tatsächlich: Mehr zu sehen, die eigene Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit lesend weiter zu verfeinern. Ich behaupte schon, wer Literatur liest, hat zumindest die Möglichkeit, auch gesellschaftliche Verhältnisse lesen zu lernen, also nicht nur den ästhetischen, sondern auch einen in ethischer und politischer Hinsicht kritischen Sinn zu bilden.

Über den Preis der Leipziger Buchmesse
Der Preis der Leipziger Buchmesse wird von einer siebenköpfigen Jury – bestehend aus Insa Wilke (Juryvorsitz), Moritz Baßler, Anne-Dore Krohn, Andreas Platthaus, Miryam Schellbach, Shirin Sojitrawalla, Katharina Teutsch – vergeben. Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Medienpartner sind das Kundenmagazin buchjournal und Deutschlandfunk Kultur. Die Preisträgerinnen 2021 waren in der Kategorie Belletristik Iris Hanika mit „Echos Kammern“ (Literaturverlag Droschl), in der Kategorie Sachbuch/Essayistik Heike Behrend für „Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung“ (Matthes & Seitz Berlin) und in der Kategorie Übersetzung Timea Tankó für „Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus“ von Miklós Szentkuthy (Die Andere Bibliothek).
Text: Julia Lücke/Pressestelle Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
https://blog.leipziger-buchmesse.de/Buecherleben/

Leipziger Buchmesse im Social Web:
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Dinnershows „Die Wunderlandklinik“ & „Der Schöne und das Biest“ können nicht stattfinden

27 Samstag Nov 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, Kultur, Lebensart, Musik, Projekte

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Erkennt er den Ernst der Lage nicht oder fühlt sich zum Narren gehalten durch die Corona-Politik?! Wird die Kultur demnächst zum Notfallpatient? Dauerpatient Herr Pechmarie, gespielt von Vollblutmime Rainer König, musste schon viel über sich ergehen lassen und wollte dem Chef der „Wunderlandklinik“, Prof. Brinkmann (Dieter Beckert) jetzt endlich Paroli bieten. Doch nun bleibt diese geschlossen. Die neue Dinnershow darf wegen der neuen Sächsischen Corona-Notfallverordnung auch dieses Jahr nicht stattfinden. (lv) Fotos (2): Michael Schmidt

Statt Humor als Medizin erneut Stillstand und Frust

Ob „Wunderlandklinik“ oder „Der Schöne und das Biest“ – auch in diesem Jahr können die geplanten Dinnershows von First Class Concept nicht stattfinden. Grund ist die Sächsische Corona-Notfallverordnung vom 19.11., die eine Durchführung der Shows unmöglich macht.

Erst im September hatte Inhaber Mirco Meinel die aufwändige  Jubiläumsproduktion „Mafia Mia“ auf 2022 verschoben und als Plan B die Shows „Die Wunderlandklinik“ und „Der Schöne und das Biest“ in den „Ostra-Studios“ vorgestellt. Die Spielstätte wurde extra mit einer modernen Lüftungs- und Raumdesinfektionsanlage ausgestattet.

„Dass wir nun doch nicht spielen können, das bedeutet für mein Team, für Künstler, Techniker, Partner und Lieferanten erneut Stillstand und Frustration“, so Mirco Meinel. „Das ist wie ein mehrfaches „Déjà-vu“, denn auch die Schlössernacht haben wir schon zweimal verschoben. Es tut mir unendlich leid für alle Beteiligten, die sich so motiviert und flexibel engagiert haben. Und für die vielen Gäste, die schon Karten gekauft hatten und für die eine Dinnershow in der Vorweihnachtszeit einfach dazu gehört.“

Bereits bezahlte Tickets werden in Wertgutscheine umgewandelt und den Gästen zugeschickt. Reservierungen ohne Zahlungseingang werden automatisch storniert.

Bei Fragen kann man sich an das Ticketbüro wenden unter E-Mail info@dinnershows-dresden.de und Telefon 421 99 99.

Text: Sabine Mutschke
PR i.A. der First Class Concept


Wundersame Apparatemedizin: Mit von der Partie in der „Wunderlandklinik“ als Krankenpfleger ist das urkomische Duo „Schlicht & Kümmerling“, die sich als chinesische Wunderheiler versuchen, um ihren Niedriglohn aufzubessern. Foto: Michael Schmidt

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Verhüllungen – Ausstellung „Sweet Spot“ von Helena Zubler in der Galerie Kunst & Eros

18 Donnerstag Nov 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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Sehnsucht nach Nähe, Verbundenheit und Vertrautheit: Galeristin Janett Noack vor den Bildern von Helena Zubler.

Körper kopfüber im Traum verloren

Sinnliche bis ironische Spiegelbilder einer aus dem Lot geratenen Welt zeigt zurzeit Helena Zubler in ihrer Ausstellung „Sweet Spot“ in der Galerie Kunst & Eros, Hauptstraße 15 in Dresden. Noch bis 20. November.

Innere Welten und Auflösung. Sehnsucht nach Nähe, Verbundenheit und Vertrautheit. Mit dem Umgang damit in Corona-Zeiten spielt die Künstlerin Helena Zubler eindrucksvoll, berührend, witzig-sinnlich und verführerisch in ihren Bildern in der derzeitigen Ausstellung „Sweet Spot“ in der Galerie Kunst & Eros in Dresden.

Der Ausstellungstitel nimmt mehrdeutig Bezug auf eine Gegenwart, in der sogenannte „Hot Spots“ plötzlich überall auftauchen und gänzlich ihres ursprünglichen Wortsinns beraubt, von sinnlich, erotischen, heißen Körperpunkten zu Gefahrenzonen werden, die man besser meidet. Diese Umwertung von Begriffen bis ins Gegenteil verkehren aus dem zwischenmenschlichen Bereich ist eine ebenso traurige wie absurde Begleiterscheinung in der Corona-Krise samt all ihren einschränkenden Maßnahmen.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich die figürlichen Arbeiten vorwiegend in Grautönen vor leuchtend gelben Flächen und Körperformen. Malerei auf Papier, Leinwand und Karton sowie Zeichnungen mit schwarzer Tusche und Bleistift von Helena Zubler. Entstanden sind diese im Zeitraum von 2018 bis 2021. Das großformatige Bild mit einem sich innig umarmenden Paar scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Auf den anderen Bildern begegnen einem Körper kopfüber mit verdrehten Gliedern wie eine aus dem Lot geratene Welt. „Im Traum verloren“ heißt ein Bildtitel, das eine Frau im gelben Kleid kopfstehend, versunken, in fließenden Körperlinien zeigt. Immer wieder tauchen Hände auf, die nach Berührung verlangen, sich über Begrenzungen hinweg einem anderen nähern, sich halten oder verspielt und lustvoll von Früchten vor der Körpermitte naschen. Zwei Paar Hände und Füße geben sich wohligem „Bettgeflüster“ hin. Eine Serie mit Zeichnungen dreht sich um „Entfesselungskunst“, die Vertrauen und Hingabe erfordert.

In einem Selbstporträt zeigt sich Helena Zubler mit der Zunge an einem stachligen Kaktus. Lust und Schmerz, Empfindsamkeit und Verletzlichkeit gehören zusammen und wirken der Abstumpfung der Sinne entgegen.

Schön ironisch ihre schwarzen Tuschezeichnungen zum Thema „Verhüllung“ mit körperlicher Ver- und Entkleidung, die schon mal zur „Sockosophie“ werden kann bis zur Maskerade mit Unterhose und drei kleinen Ölbildern mit aufreizend roter „Schnute“. Eine Hand hält ein Herz – frei und ungeschützt.

Helena Zubler studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Seit Abschluss ihres zweijährigen Meisterschülerstudiums bei Prof. Ralf Kerbach ist sie als freischaffende Künstlerin in Dresden tätig.

Die Ausstellung „Sweet Spot“ ist noch bis 20. November zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Mo bis Sa von 11 bis 15 Uhr

Tel.: (0351) 802 47 85

http://www.kunstunderos.de

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Premiere „Die Laborantin“ von Ella Road im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

14 Sonntag Nov 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Nichts Menschliches ist mir fremd?! War einmal. Erst der Kampf gegen das Virus. Erprobung von Covid-Impfstoffen mit modernen medizinischen Verfahren wie Genom Editing und Crispr (einer Art Gen-Schere, mit der sich Gene zielgerichtet herausschneiden und verändern lassen). Und bald komplett designte Menschen?! Dem geht die Gruselkomödie mit realen Bezügen „Die Laborantin“ mit Karina Plachetka in der Titelrolle nach. Foto: Sebastian Hoppe

Im Selbstoptimierungsrausch

Das Streben nach Perfektion, Freiheit von jeglichem Kranksein und Schmerzen durch totale Gesundheits-Überwachung wird düster grotesk auf die Spitze getrieben und wirft viele Fragen auf zu Möglichkeiten und Grenzen moderner Medizinforschung im Stück „Die Laborantin“ von Ella Road im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden,

Sag mir deine Blutwerte und ich sage dir voraus, woran du erkranken wirst und wer du bist! Davon hängt alles, Wohl oder Weh ab im Stück “Die Laborantin“ von Ella Road (Übersetzung aus dem Englischen von John Birke). Die deutschsprachige Erstaufführung der auf einem dokumentarischen Text basierenden fiktiven Geschichte  mit realen Bezügen war kürzlich im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Ein Mann und eine Frau begegnen sich auf einem Krankenhausflur und kommen sich näher. Eigentlich eine banale Story, die überall passieren kann. Ihre Brisanz erhält sie durch die besondere Situation und das Umfeld der Figuren. Schon das zufällige Kennenlernen der beiden ist nicht mehr möglich in der Welt, in der sie leben. Das Private wird politisch in dieser Liebesgeschichte.

Persönliche Lebensvorstellungen und Werte sind restriktiven Regeln der Selbstoptimierung durch die Gesellschaft unterworfen, die hart und konträr aufeinander prallen in dieser Inszenierung unter Regie von Adrian Figueroa.
Auf die Bühne kam das Szenario einer Dystopie mit abwechselnd grotesk-komischen, düsteren und beklemmenden Videobildern und Szenen (Videoprojektion: Victor Morales) mit endlos scheinenden Krankenhausfluren, blutrot aufleuchtenden Lämpchen, unheilvoll kreisenden schwarzen Vögeln am Himmel und Avataren, künstlich-menschlichen Mischwesen mit bizarren Maskengesichtern auf der Leinwand.

Spannend, unheimlich und eindringlich in Szene gesetzt, werden die Versprechen, Versuche und Folgen der modernen Medizin für das künftige menschliche Zusammenleben näher beleuchtet. Damit geht die in England lebende Autorin Ella Road mit ihrem Szenario noch hinaus über den Roman „Corpus Delicti“ von Juli Zeh, der das Bild einer Diktatur entwirft, in der Gesundheit erste Bürgerpflicht ist.

Eingangs erscheint auf der Leinwand das Bild einer Politikerin, die sich vehement für die Genomforschung ausspricht. Ihr Kopf wird immer größer bis er wegkippt wie eine künstliche Attrappe, begleitet von grell lauten, elektronischen, brodelnden und glucksenden Klängen (Musik: Miguel Toro). Eine ebenso verlockende wie gruslige Vorstellung zugleich sind die medizinischen Versuche, in die menschlichen Gene einzugreifen, aus unserem Blut „lesen“ und Vorhersagen für die Zukunft treffen zu können. Keine Krankheiten mehr, makellose Körper und bald auch komplett designte Menschen?!

Mittendrin in diesem Dilemma des absurd auf die Spitze getriebenen Selbstoptimierungswahns stehen Bea, die Laborantin (ehrgeizig-idealistisch: Karina Plachetka) und ihr vermeintlicher Traummann Aaron, der ein Doppelleben führt im Zwiespalt mit den äußeren Zwängen und daran zerbricht (beeindruckend: Simon Werdelis). Sie müssen sich behaupten in einer Welt, in der die Blutwerte über alles entscheiden, welchen Job, Partner, sozialen Status man bekommt. Es gibt nur noch zwei Arten von Menschen: “High-Rater“ mit hohem Rating und „Low-Rater“ mit niedrigen Werten. Die erbarmungslose Auslese treibt das Paar zu einem Versteckspiel, bei dem Gefühle wie Schmerz, Schwäche und Trauer um Verluste ausgeblendet werden. Sie werden immer missmutiger und misstrauischer, erschöpfter und ihre Bewegungen immer mechanischer, starrer.

Bis der schönen Schein ihres sorgfältig konstruierten Lebens als Scherbenhaufen vor ihnen liegt. Bea verdient mit gefälschten Bluttests viel Geld, ihre Freundin Char (Laina Schwarz) ist „Low-Rater“ durch eine unheilbare Erbkrankheit und wird zur glühenden Aktivistin gegen Ratismus und Ausgrenzung. Bedrückend die Szene, in der Bea im Schattenspiel hinter einer roten Wand ein schwarzes Brautkleid anzieht, als sie nach vorn tritt ist es weiß. Am Ende verliert sie alles, ist der andere plötzlich nichts mehr wert, weil er nicht die optimalen Blutwerte hat.

Als bodenständig lebenserfahrener Hausmeister der Klinik, der lustige Anekdoten von Familienfeiern und spielenden Kindern im Garten erzählt, wirkt Holger Böhme wie aus einer anderen Zeit und parodiert erfrischend den Perfektionswahn in einer Zigarettenpause mit Bea. Doch dann wurde alles anders. Sein gärtnernder Bekannter weinte wegen etwas krummer Gurken und erstickte schließlich an einer großen, glatten Tomate. Ein packender Theaterabend, der viele ethische Fragen aufwirft über lebenswertes Leben, Gesund- und Krankheit und Verletzlichkeit, die zum Menschsein dazu  gehören. Viel Beifall vom Publikum.

Text (lv)

Nächste Termine: 16.11., 19.30 Uhr und 21.11., 19 Uhr im Kleinen Haus, Glacisstraße 28.


Wenn die „richtigen“ Blutwerte entscheiden: Ist man von einem Moment zum anderen Gewinner oder Verlierer von Job, Karriere, Partnerschaft, sozialem Status in der Gesellschaft. Char (Laina Schwarz) macht diese Erfahrung und die „Laborantin“ mit selbst durchschnittlichen Blutwerten (Karina Plachetka) profitiert von diesem ungeheuren „Selbstoptimierungs“-System durch gefälschte Bluttests. Foto: Sebastian Hoppe

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Neue Lyrik: Herbst-Gedichte

11 Donnerstag Nov 2021

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches

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Neue Zeit
(Für Lola)

Ich sitze an deinem Lieblingsplatz
auf dem Sofa am Fenster
gehüllt in eine Decke
deine himmelblaue Clownsdecke
liegt unberührt
manchmal nimmt sie Jade
und zerknüllt die Decke versprengt
darauf noch ein paar schwarze Haare
von dir ein Schatz

es ist wieder Herbst
ich liege allein auf der Deckeninsel
wohin wir uns verkrochen
in den letzten dunklen Tagen
nah wie nie
du wolltest das Sofa meist
für dich allein wie jetzt Jade

sie liegt nicht eingerollt schaut nicht
versonnen vor sich hin oder zu mir
an den Schreibtisch
die getigerte Madam residiert
auf ihrer Kissenburg
die kleinere weißschwarzsamtene Lina liegt
wo es ihr gerade gefällt

jede hat ihre eigenen Plätze
einig nur an der beharrlich umlagerten Futterstelle
wissen sie was sie wollen
doch wollen nicht wenn sie sollen
darin sind sie dir ähnlich und mir
als mein neues Lebensjahr begann
ging deines zu Ende

nun beginnt alles ohne dich
mit ihnen
ein dunkler Vogelschwarm kreist
am roten Abendhimmel dreht immer wieder um
vor dem Wintergarten wo du gern in der Sonne lagst
verfliegt alle Schwere mit den schwirrenden Gauklern

ich seh deine Sternenaugen und ein helles Wesen
huscht über den dunklen Hof
beim Füttern und Streicheln erzähl ich
dem roten Katzentier von dir

die zwei felligen Wesen drinnen
rufe ich oft mit deinem Namen – Lola –
nachts in meinen Träumen
kommst du zu mir

LV
9./10.11.2021

LachAlarm

(Für G.)

Der Weg ins Leben
führt durchs Nasenloch
ich teste mich frei
du stehst mir bei
die Autos rollen an uns
vorbei

mein Stäbchen kreist
kitzelt kichere
banges Beben
der Strich zeigt nach oben
zum hohen C

nichts hält mich
mehr auf
negativ heißt die neue
Zauberformel
die Türen öffnet

meine Laune steigt und steigt
vor lauter Negativsein
lache ich
bis die Tränen kommen

Sonne und Regen wechseln
sich ab auf der Fahrt
hinter dunklen Wolken

schaut ein Regenbogen hervor
wo sind wir eigentlich
fragst du

der Glanz vergangener Tage
liegt auf den verfallenen Villen
aus Sandstein die Jalousien springen
fast aus den Fenstern
keiner entwirrt die Streben

der hehre oder die geballte Faust
springt uns aus einem Optikerladen an
wir suchen in der kleinen Stadt
die Bücherei
fragen einen Mann nach dem Weg
der staunt dass wir es hier ganz schön finden:
Wieso?!

die Steinsonne mit den wallenden Strahlen
auf der Hausfassade der Bücherei
lacht uns an wie die Mitarbeiterinnen
aus den Fenstern ansteckendes Lachen
aus frohen Herzen
der Zauber endloser Anfänge findet neue Nahrung
an einem zauberhaften Ort

ich vergesse die Zeit tauche ein
in nahe und ferne Wort und Klanglandschaften
am Meer auf der Steilküste
und am Möwenstrand
wiege mit dem Akkordeon
dem keck tönenden Saxofon
träume mich fort mit den erdig tiefen geheimnisvoll
knarrenden knisternden schamanenhaften Gesängen
lustigen Vogellauten und hohen hellen Tönen
in eine andere Zeit

auf dem Rückweg steht der Mond rotorange
tief am Horizont
Nebel steigen aus den dunklen Wiesen
traumversunken
lächle still in mich hinein

neben mir im Auto sitzt ein Clown
der den versteckten Schelm in mir
wachkitzelt

LV
15.10.2021

__________________________________________

Kalenderblätter

Ich blättere irgendein
Kalenderblatt im Diary auf
sehe auf der Titelseite
das kleine Mädchen schaukeln
über ihr schwebt ein Stift
was verleiht ihr den Schwung

ich lande bei den Libellen
übersehe die things to do
beschließe mich zu wandeln
jeden Tag die Gedanken fliegen
lassen mit den Farben der Kalenderblätter

die noch weitgehend leer
all die prächtigen Bilder
wie mein Tag aussehen könnte
der Himmel voll graublauer Tropfen
und Pinsel zum Übermalen
im Oktober

dann kommt der sweet November
mit wohliger Teekanne trägt Wollmütze und
Schal und bunte Tupfen
und dazu ein feuriger oder schokoladiger
Seelentrunk für dunkle Tage

LV
21.10.2021

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Herbsttag

Gerade noch im leuchtenden Blätterwald
die Zeit vergessen
die letzten Mohnblütenblätter
fliegen sehen
reißt mich ein Brausen
vor dem Fenster
aus unruhigen Träumen

der Wind heult sich aus
die Bäume biegen sich und wanken
bäumen sich auf

ich liege wie erstarrt in den Federn
der Sturm gleicht
einem entfesselten Weltgeist
der an allem rüttelt
was fest verwurzelt
schien

hunderte Bäume stürzten um
im Großen Garten und in Parks
der Umgebung lese ich
bestürzt am nächsten Tag

meine Balkonpflanzen durchgeschüttelt
hielten stand
blühen immer noch
in der Dämmerung steige ich
über große Äste  voller Grün immer noch
und höre das Windrauschen
fast wie am Meer

LV
21.10./24.10.2021

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Jade auf dem Koffer

Zuerst schnupperte sie
an dem fremden Ding im Flur
vielleicht roch es noch nach Meer
meine Anziehung sprang sofort über
die getigerte Madam nahm die
gemütlich federnde Unterlage
in Beschlag
und gibt den Koffer seitdem nicht mehr her

reckt und streckt sich genüsslich
wie auf einer Luftmatratze
schlummert gern darauf
oder liegt vornüber am Griff und Rollen
Kopf und Pfoten
als wolle sie gleich losfliegen
mit dem Zauberkasten
und schaut mitleidig auf mich herunter

drinnen im Koffer liegen noch ein paar
ungetragene Sommersachen und Träume
Wonne und Wehmut erfassen mich
wenn ich Jade auf dem Koffer sehe
als käme ich gerade vom Meer zurück
oder breche gleich wieder auf

manchmal stolpere ich darüber
Jade springt über das Traumgefährt
gräbt ihre Kratzspuren zärtlich hinein

der Koffer mit Jade ist meine Insel
wenn die Wellen hochschlagen
und ich am liebsten verreisen will
an einen Ort wo ich einfach Mensch sein darf

LV
31.10.2021

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Die Abstramplerin

Sie stand am Rand
als habe sie eine Panne
als ich an ihr vorbeifuhr
sprang sie aufs Rad
strampelte wie wild hinter mir her
gab alles her
mich zu überholen
schneller besser überlegen sein
ich lächelte in mich hinein

fuhr noch etwas schneller
sie strampelte sich weiter ab
dicht hinter mir
wie ein Schatten
der sich nicht abschütteln lässt

zog sie an mir vorbei
ein rasendes Rapunzel auf Ausgang
dem Turm einen Moment entkommen
der sie vom Leben fernhält

LV
31.10.2021

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Traumversammlung

Der Traum von letzter Nacht
hing noch schwer an mir
unterwegs sammelte ich Bruchfetzen ein
welke Blätter wehten über die Wege
glänzten golden in der Sonne

im weiten Brunnenrand am Palaisplatz
schlummert die Fontäne eingehaust
bis zum Frühling
Frauen in orangenen Westen kehrten
das gelbe Laub zusammen

im Traum saßen sie im Halbdunkel
geheimnisvoll in der Runde alles Frauen
einige schon älter robust manche
sie verlasen eine Festschrift ich verstand kein Wort
sie rannen zu schnell
las auf einem Blatt meinen Namen
Kinder sprangen zwischen ihnen umher

auf der anderen Seite die Männer
ich sah Bilder von ihnen
die Frauen trugen weinrote fast violette Kleider

die Gesichter erdfarben
die Männer erdig weiß gestreifte Sachen
ihr Aussehen dunkel wie Krieger

ich suchte mein Gesicht und sah
ein schwarzweißes halb zerrissenes Foto
von mir
neben den anderen Gestalten
fühlte mich nackt ausgeliefert
ihren Blicken

eine Frau die meiner Mutter ähnelte
lächelte mich an und wollte mich
anfassen
auf einmal erschien sie
mir wie eine Unbekannte

LV
29.10.2021

_______________________________________

Wandlung

Ich wanke noch
wache auf
wandle mich
nun ohne dich

wachse aus mir
heraus
in mich hinein
in endlose Tiefen
und Höhen

wische mir den Sand
unserer Träume aus den Augen
die weiter brennen

LV
7.9.2018

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Mohnsegel

Der Sturm letzte Woche
riss ganze Bäume aus
trennte mich vom Internet
eine Woche lang Funkstille
die Mohnblumen blieben stehen
oder wagen sich erneut hervor
auf der wilden Wiese nahe am Fluss
wo vorher Baugerät und Betonröhren standen
leuchten überall rote Punkte im Gras

zu zweit und einzeln tiefrot
und ergreifend schön
leicht bewegt vom Wind die Blütensegel
als könne er selbst ihnen nicht widerstehen
wogen wiegen kräuseln sich die Blütenblätter
in verzückter Umarmung mit dem Wind

am Flussufer gegenüber vergnügtes Kreischen
aus der riesigen Überschlags-Luftschaukel
wenn sie in die Tiefe rauschen
und wieder nach oben
fliegen
hoch über dem weiß rot flimmernden
Karusselmast

mir fallen vom Apfelbaum die letzten gelb
fleckigen duftenden Früchte zu
setze mich zu zwei Mohnblumen ins Gras
die mich aus schwarzen Augen anlächeln
winzige Antennen aus dem Inneren ausgerichtet
jeden Moment können sich ihre Blütenblätter lösen
könnte ich doch leichthin wie sie den Moment
des Fortfliegens sehen

das Schöne behalten
wiederkommen
sehen wie es weiterwächst

LV
28.10./29.10.2021

______________________________________________

Überraschung

Ins Novembergrau fiel
noch einmal Licht
ein letzter gelber Apfel
hängt noch immer im Geäst
mit ihm mehrere kleine
und ein roter Besenstiel
der sich oben verfing

auf der wilden Wiese gegenüber
leuchten noch immer Mohnblumen
nebenan ist schon gemäht
der Weg am Fluss versperrt durch Zäune
Hochhäuser  wachsen immer weiter vor
ein gewaltiger Betonchor

zuhause noch eine Überraschung
vor meiner Wohnungstür sitzt
ein rotes Katzentier seelenruhig
wie fandest du den Weg zu mir
kamst ungerufen wieder

ahnst nicht hinter der Tür
sitzen schon zwei Fellwesen
sie beäugen dich staunend
und weniger gerührt wie ich

stehst bewegungslos im Bad
und schaust mich an
mit einem unendlich tiefen vielsagenden
Blick aus grünen Augen
blinzelst kneifst die Augen zusammen
siehst zur Seite

und ich weiss nicht
ob du mich nur besuchen
oder bleiben willst

LV
16.11.2021

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Wunder vor dem Winter

(Für Dana Einhorn)

Der Himmel grau
seit Tagen
der letzte Vogelschwarm
längst gen Süden gezogen
fort sind auch die Mohnblumen
und wispernden Gräser
die kleine blühende Insel
nahe am Fluss gibt es nicht mehr

nicht vom Wind verweht
nein weg gemäht alles Blühende
das Stürmen widerstand
kahle tote Fläche nun
winzige Halme zeigen sich
zaghaft

der letzte gelbe Apfel hängt
immer noch im Geäst gegenüber
der rote Besenstiel herunter gefallen
der Bauzaun vor den Hochhäusern
mitten im Beton ein kleiner Spielturm
hindert die Leute nicht weiter am Flussufer
entlang zu gehen

aus dem Briefkasten fliegt
ein wundervolles Wesen
mit Schmetterlingsflügeln
und einem Stern in der Hand
mir entgegen

aus einer Pakethülle leuchten
Mohnblüten Kamille und Kornblumen
umgeben von Gräsern hervor
mit Aquarellfarben und viel Liebe
aufs Papier gebannt
seh ich ihre Schönheit weiter
übersteh die Winterzeit

Bis es im Frühling wieder
ist soweit

LV
21.11.2021

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Straßenkatzen

irgendwo da draußen
sitzt du
blass rotes Fell
noch sehr jung
rührst dich nicht
von der Stelle
siehst dich hilfesuchend um

vor dir liegt leblos
ein Kätzchen bunt gesprenkelt
Glückskatze werden sie genannt
wie lang habt ihr auf das Glück
gewartet

kaum auf der Welt
euch selbst überlassen
hier und da ein Happen
meist übersehen
fortgescheucht mickrig zerzaustes Fell
hütest du die kleine bunte sie liegt auf der Seite
auf blauer Unterlage die Augen offen
fast ein wenig schelmisch als könne sie
immer noch das Glück erhaschen

kannst es nicht fassen
liebkost das Kätzchen gleich wird es
aufwachen
umarmst und willst es nicht loslassen
als Menschen kommen den kleinen Streuner
sacht in eine weiße Hülle legen
seine Pfoten gerade rücken
und noch einmal bewegen

ich seh die Bilder im Netz
sie lassen mich nicht los
meine beiden Katzen laufen weg
als ich laut schluchze
hab auch ein geliebtes Fellwesen
verloren vor einem Jahr war bis zuletzt
bei ihr

die zwei neuen Katzenwesen lassen mich
meine schwarze Sternäugige weiter sehen
und sind doch eigen
weitaus übermütiger und ungestümer
sprangen sie in mein Leben
kamen von der Straße ins Tierheim
von da zu mir

vor Händen weichen sie immer
noch schnell zurück
sie lieben Streicheln inzwischen
und wissen um die Gefahr
doch sie wollen es immer wieder wissen
scheu und unbefangen
und ich frag mich manchmal
ob sie ihr erstes Leben draußen vermissen

wie es sein wird wenn es sie wieder
hinauszieht

LV
22.11.2021

_______________________________________

Inneres Feuer

Perlmuttfarben der Himmel
hinter den Scherenschnittbäumen
eine weiße Kugel die Sonne hält sich
auf dunklem Grat zwischen Wolkenschluchten

einen Moment überstrahlt sie alles
ich gieße die Pflanzen im Winergarten
fließe mit der Magie der Doppelzahlen
die gibt es nur im November

ich bin wie der wilde Mohn
aufflammend und fragil
entfacht sein Leuchten mein inneres Feuer
will nicht abkühlen
auskühlen

brennen erblühen
nicht verglühen
innehalten
nicht stillstehen

abends rote Tupfen am Himmel
wie verstreute Mohnblumenblätter
hol sie dir
im Novembergrau

LV
22.11.2021

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Willkommen in diesem reichhaltigen Garten der Künste – Hier blüht Euch was! Hier wächst vieles, Schönes und Dorniges, Auffälliges und Verborgenes, Seltenes und Seltsames nebeneinander. Hier erfahrt Ihr das Neueste aus der Dresdner Kultur- und Kunstszene in aller Eigenart und Vielfalt. Sitzt man auf der Gartenbank mit namhaften und weniger bekannten Kulturmenschen und Menschen mit Ideen und Visionen aus anderen Lebensbereichen. Zeigen Künstler beim Atelier-Besuch ihre neuesten Werke, bevor sie in der Ausstellung hängen und erzählen, welche Bilder sie nie ausstellen würden. Wird Neues aus der Bühnen- und Bücherwelt vorgestellt, Augen- und Ohrenschmaus weitergegeben. Es gibt ein Traumtagebuch, für die Bilder der Nacht und Lebensträume. Es ist Platz für Poesie und Kurzprosa, Reisereportagen, Beiträge über das Leben mit anderen Kulturen, über Lebensart und Zwischenmenschliches. Es werden WortRaritäten gesammelt und Wort-Rätsel mit geheimnisvollem Inhalt gelüftet. Und nun: Schaut Euch um, entdeckt, genießt und lasst Euch anregen von der Fülle an Kulturgewächsen. Und vor allem: Bleibt schön neugierig und empfehlt meinwortgarten weiter.
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Lilli Vostry

Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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