„Brückenbauer“ für interkulturelle Begegnungen

im Foto (von li. nach re.): Dana Ritzmann, Karsten Dietze und Maria Kappelsberger vom Projekt „Brückenbauer Integration“ der VHS Dresden

Volkshochschule und Caritas helfen Ehrenamtlichen bei der Integrationsarbeit

Vorgestellt wird das  Brückenbauer-Projekt am 16. September in den Räumen der Dresdner Volkshochschule in der Annenstraße 10. Mit Vortrags-Programm von 10 – 19.30 Uhr.

Die gelingende Integration ist keine Einbahnstraße: Fragen, Vorurteile und Neugier begegnen sich auf Seiten der Alteingesessenen und der Geflüchteten. Wer sich im persönlichen Gespräch kennenlernt, kann Hemmschwellen leichter abbauen und zusammen die Stadtgesellschaft gestalten. Gemeinsam mit dem Caritasverband für Dresden e.V. will die Dresdner Volkshochschule mit ihrem Projekt „Brückenbauer Integration“ beide Seiten an einen Tisch bringen. Hierfür werden ehrenamtliche „Brückenbauer“ gesucht, die diese Begegnungen vor Ort koordinieren und moderieren.

Entstanden ist die Projektidee auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Der Bedarf an Informationen über die Geflüchteten, deren Hintergründe und Probleme war enorm. Die Caritas vermittelte nach Kräften den direkten Kontakt und betrieb Aufklärung. „Bei einigen Themen stießen wir jedoch an unsere Grenzen“, weiß Stephan Falley, Fachbereichsleiter Pflege und Beratung sowie stellvertretender Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes Dresden. „Viele Fragen, etwa nach ihrer Religion und persönlichen Erlebnissen, können die Geflüchteten selbst am besten beantworten. Wir waren überrascht, wie gut unsere Gesprächskreise mit Alteingesessenen und Neu-Dresdnern funktionierten und wie schnell sich Vorurteile in Fragen umwandelten“, ergänzt Karsten Dietze, Koordinator Flüchtlingssozialberatung der Caritas. Künftig sollen die ehrenamtlichen „Brückenbauer“ den Austausch in kleinen Gruppen fortführen.

„Brückenbauer“ kann grundsätzlich jeder werden, der Interesse und Freude an der Moderation hat und in seiner Kirchgemeinde, Schule oder Nachbarschaft selbst Begegnungen initiieren will. „Wir suchen Menschen, die etwas bewegen wollen“, beschreibt Projektleiterin Dana Ritzmann das Projekt. Je nach persönlichem Engagement finden die Gesprächsrunden einmal im Monat oder vierteljährlich in deutscher Sprache statt. „Ganz bewusst verzichten wir auf einen Dolmetscher. Das ist manchmal für alle Beteiligten anstrengend, aber es hat bisher immer gut funktioniert“, so Ritzmann. Grundsätzlich benötigen die „Brückenbauer“ keine besonderen Vorkenntnisse.

Wer sich inhaltlich wie methodisch weiterbilden und Näheres über das Projekt erfahren möchte, ist herzlich zum „Kompetenztag Brückenbauer Integration“ am 16. September 2017 in den Räumen der Dresdner Volkshochschule (Annenstraße 10) eingeladen. Zwischen 10 Uhr und 19.30 Uhr werden Vorträge unter anderem zur religiösen Vielfalt, interkulturellen Konfliktlösung und zur aktuellen Asylgesetzgebung in Deutschland gehalten, daneben können professionelle Moderationstechniken erlernt werden.

Das Projekt „Brückenbauer Integration“ findet im Rahmen des aktuellen Semesterschwerpunktes „mittendrin“ der Volkshochschule statt. Zu diesem gehört auch das Gesprächsformat „mitreden.DD“, in dem Dresdner gemeinsam über die Zukunft ihrer Stadt diskutieren können. „Dieser Ansatz ist neu. Wir wollen nicht von vorn belehren, sondern den Bürgern die Möglichkeit geben, miteinander das Gespräch zu suchen“, erläutert Frank Uhlmann, Fachbereichsleiter Gesellschaft der Dresdner Volkshochschule. „Wie wichtig dieser Dialog für unsere Stadt ist, erkennt man auch an den vielen Fragen, die die Geflüchteten selbst mitbringen“, hebt Projektleiterin Dana Ritzmann abschließend hervor.

Interessierte können sich telefonisch unter 0351 2544031 oder per E-Mail unter dana.ritzmann@vhs-dresden.de zum Kompetenztag anmelden sowie weitere Informationen zum Projekt erhalten.

Weitere Infos: www.vhs-dresden.de und www.caritas-dresden.de

Text + Foto: Medienkontor Dresden

Wunderfitziges Jubiläum der Puppentheatersammlung Dresden

Bild: Stehwien

Puppenspieltage mit Kasper & Co. verzaubern klein und groß anlässlich des 65. Geburtstags der Puppentheatersammlung am 29. und 30. September 2017 im St.-Pauli-Salon.

Mit 65 Jahren ist die Puppentheatersammlung Dresden noch nicht einmal halb so alt wie ihre ältesten Exponate. Über 200 Lenze zählen einige Marionetten der mit 120.000 Objekten auch im internationalen Vergleich großen und bedeutenden Kollektion. Anlässlich des diesjährigen Jubiläums veranstaltet der Förderverein „Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e.V.“ am 29. und 30. September 2017 im St.-Pauli-Salon (Hinterhaus Hechtstraße 32 in Dresden) die „Wunderfitzigen Puppenspieltage“.

Auf dem Programm stehen unter anderem zwei Dresdner Erstaufführungen von Puppenspielern aus Leipzig und Ostrau. Für Kinder besonders interessant sind die Märchenklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ des Kleinen Salontheaters Dresden (29. September, 16 Uhr), „Zwerg Nase“ von Johann Raphael Boehncke aus Leipzig (30. September, 11 Uhr) und „Froschkönig oder die grüne Minna“ des Vivid Figurentheaters Chemnitz (30. September, 16 Uhr). Mit Kleists Tragikomödie „Amphitryon“ beweist die Theaterimkerei Ostrau am 29. September (20 Uhr), dass Puppenspiel auch für Jugendliche und Erwachsene reizvoll sein kann. In einer „lecture performance“ am 30. September um 19 Uhr lassen die Veranstalter 65 Jahre Puppentheatersammlung Dresden in einem Vortrag mit Marionettenspiel Revue passieren.

„Den nächsten runden Geburtstag können wir hoffentlich schon im Kulturkraftwerk Mitte feiern“, zeigt sich die Vorsitzende der „Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e.V.“, Alexandra Löser, optimistisch. Der geplante Standort, in direkter Nachbarschaft zum Theater Junge Generation, soll vor allem kürzere Wege zwischen Publikum und Museumsarbeit verwirklichen. „Bereits seit 26 Jahren unterstützt unser Verein die Puppentheatersammlung. Wir wollen künftig unsere Workshops, Führungen und Puppentheaterveranstaltungen noch besser der Öffentlichkeit zugänglich machen, denn in der Sammlung gibt es so machen Schatz zu entdecken“, so Löser.

Karten für die „Wunderfitzigen Puppenspieltage“ können via E-Mail an post@puppentheaterfreunde.de oder telefonisch unter 0351 49143700 vorbestellt werden. Der Eintritt für die Märchenspiele beträgt 4 Euro für Kinder und 7 Euro für Erwachsene, für „Amphitryon“ 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Der Eintritt zur „lecture performance“ ist frei, Spenden sind herzlich willkommen.

Weitere Infos: www.puppentheaterfreunde.de

Text: Medienkontor Dresden

BilderAlbum: Beim Königswalder Forst- und Weinfest & Wanderung durch die Heide

Erlebnis Wald

Wald und Natur bewusst erleben. Unter diesem Motto stand das traditionelle Königswalder Forst- und Weinfest am Sonnabend in Klotzsche. Der Staatsbetrieb Sachsenforst und der Klotzscher Verein e.V. gestalten gemeinsam das Fest in diesem grünen Dresdner Stadtteil. Es ist etwas Besonderes, denn es wird nah am Wald gefeiert, mit allem was er zu bieten hat. Nicht nur die volksfestüblichen Stände, sondern neben einer Bühne für Musik und Tanz gegenüber vom Forsthaus lockten außerdem ein Erlebnispfad durch den historischen Waldpark anhand von Schautafeln.
Jagdpächter berichteten über die Hege und Pflege von Wald und Wild, Falkner stellten ihre Vögel vor. Pilzberater, Imker, eine Kräuterecke, ein Stand mit selbst hergestellter Marmelade und anderen Leckereien aus Früchten des Waldes und eine zweistündige Wanderung durch die Dresdner Heide mit Oberforstrat Heiko Müller brachten kleinen und großen Besuchern die Schönheit und Schätze der Natur ebenso wie ihre Gefährdungen durch Klimaeinflüsse und unachtsame Eingriffe des Menschen nahe. Für jeden ist der Wald etwas anderes und das war auch bei diesem zahlreich besuchten Fest zu erleben mit aller Vielfalt der Eindrücke und Kontraste.

Mehr dazu und zur Waldwanderung demnächst.

Text + Fotos (lv)

Petra Schöne vom Atelier für Textilrecycling „petruschka“ bastelte mit Kindern kunterbunte Herbstblätter aus Stoffresten und kleine fliegende Engel.

Die kreative Bastel- und Spielinsel neben dem Forsthaus war rege besucht…

selbst hergestellte Marmeladen und andere Leckereien aus der kleinen Dresdner Genussfabrik

 

Pilzberatung mit reichlich Fundstücken

Erlegtes Wild aus der Dresdner Heide

Oberförster Heiko Müller vom Sachsenforst Betrieb freute sich über das große Interesse an der Wanderung durch die Dresdner Heide.

Pilzfunde beim Wandern: eine Braunkappe und ein Kornblumenröhrling

Schönheit und Gefährdung an den Waldhängen: ein beliebter Freizeitsport mit extra Kick sind waghalsige Fahrten mit Mountnbikes die steilen Hänge hinunter, die den Boden und die Bäume schädigen, gefährlich und illegal sind. Jeder Weg recht bis hin zu Kletterpartien in fragiles Gehölz scheint auch manchen Geocaching-Wanderern bei ihren Versteck- und Suchspielen im Wald zu sein, die selbst Zäune umreißen und schon auch mal nachts vor einem Jagdstand auftauchen, was die Jäger auch nicht lustig finden. Die Schäden durch solche rücksichtslosen Waldspiele geht in die Tausende Euro, sagte Oberförster Heiko Müller auf der Wanderung.

Familie Conrad mit Sohn Lorenz, sieben Jahre und der jüngste Teilnehmer der zweistündigen Heidewanderung. Zur Erinnerung schenkte ihm Oberförster Müller zum Schluss ein Stück Geweih von einem Rehbock. Kommentar des Vaters: „Durchhalten lohnt sich…“

der Klotzscher Verein e.V. stellte sein Angebot beim Waldfest vor: die Klotzscher Kulturtage 2017 locken von September bis November. Mit Konzerten, einem Theaterfestival (14.10., 12 Uhr, Bürgerhaus Langebrück) mit Aufführungen von Kindern aus dem Theaterworkshop (9. – 13.10., 9 bis 15 Uhr im Kinder- und Jugendhaus „Parkhaus Klotzsche“). Einer Lesung „Himmel ist ein Fluss“ der Buchautorin Anna Kaleri am 25.10., 19 Uhr in der Stadtteilbibliothek Klotzsche,
Boltenhagener Str. 66-68 und Klotzscher Geschichten in Wort und Bild von und mit Franz-Josef Fischer gibt es am 4.11., 16 Uhr im Festsaal des St. Marien-Krankenhauses, Selliner Str. 29 Weitere Infos unter http://www.klotzscherverein.de

 

Ausstellung – „Das Gesicht – eine Spurensuche“ im Hygienemuseum Dresden

Was unser Aussehen über uns verrät

Wie sehen wir und andere uns? Was ist schön? Dies ergründet und spiegelt die Sonderausstellung “Das Gesicht – eine Spurensuche“ im Deutschen Hygiene-Museum Dresden.

Überall umgeben uns Gesichter, die uns anlächeln oder grinsen, faszinieren, irritieren, wohlgesonnen oder skeptisch anschauen. Begonnen beim morgendlichen Blick in den Spiegel, auf Werbe- und Wahlkampfplakaten, als Porträts Prominenter in Illustrierten und auf Bildschirmen, als Selfies im Internet und auf Gemälden bis hin zu unmerklich auf uns gerichteten Überwachungskameras im öffentlichen Raum.

Wann berührt uns ein Gesicht und wann lässt es kalt? Was verraten unsere Gesichtszüge über unsere Persönlichkeit? All diesen Fragen geht diese Ausstellung (noch bis 25.2.2018) erkenntnis- wie facettenreich im Spiegel verschiedener Zeitepochen, Kulturen und Moden nach. Mit rund 150 kulturhistorischen und wissenschaftlichen Objekten, Kunstwerken sowie Gegenständen der Alltagskultur wird das Terrain zwischen Stirn und Kinn ausgiebig dargestellt und näher erkundet.

In vier Kapiteln und Räumen geht es in der Ausstellung – konzipiert von Sigrid Weigel, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin aus Berlin und kuratiert von Kathrin Meyer, Projektleiterin im Hygienemuseum – um das Gesicht als Gestalt, seine naturgemäße Vielfalt und Veränderungen durch Altern, kosmetische Bearbeitung und Schönheits-OP`s, um Mimik und Ausdruck, digitale Gesichtserkennung und das Gesicht als Bildnis in Malerei und Fotografie. Warum uns ein Gesicht anziehend oder abstoßend erscheint, ob der erste Eindruck von einem Menschen wirklich stimmt und welche Auswirkung die ständige mediale Präsenz im digitalen Zeitalter auf die Kommunikation und Beziehungen zwischen Menschen hat, damit setzt sich die bilderreiche Schau ebenfalls auseinander. Das Titelbild zur Ausstellung von Kate Cooper zeigt ein makellos schönes Gesicht, das auf den ersten Blick ganz natürlich wirkt. Doch an den drei winzigen roten Punkten erkennt man die technische Bearbeitung. Es ist perfekt, aber langweilig und nicht berührbar als rein digitale Kreation.

Während im meditativen Videofilm „Touch“ ein paar Schritte weiter eine Frau mit den Händen zuerst ihr eigenes Gesicht betastet und erforscht, danach wechselnde Gegenüber. Interaktive Installationen und Köpfe von Schaufensterpuppen zeigen die Wandelbarkeit des Gesichts, sieht man skurrile Charakterköpfe neben noblen Herrscherporträts, verschleierte Gesichter, wo nur die Augen sprechen neben menschlichen Karikaturen und Maskerade und das Gesicht als Zielscheibe mit zerstörten oder grotesk entstellten Gesichtszügen bevorzugt auf Politikerplakaten.

Außerdem gibt es ein originell gestaltetes Begleitbuch, „Das Gesicht – Bilder, Medien, Formate“ (Wallstein Verlag, Göttingen 2017, 204 S., 24,90 Euro) zur Ausstellung, ein Begleitprogramm mit Lesungen und Diskussionen und eine Lese- und Gesprächsreihe Face to Face.

Text + Fotos (lv)                

 

Geöffnet: Di bis So und Feiertage von 10 – 18 Uhr
24. und 25. Dezember sowie 1. Januar geschlossen

Ort:  Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden
Tel.: 0351 – 4846 – 400

http://www.dhmd.de

Premiere im Boulevardtheater Dresden- Herr Lehrer, Fräulein Lustig schwänzt!

Fotos: Robert Jentzsch

Nackt sind alle gleich!

Die bereits dritte frivole Komödie im Boulevardtheater Dresden spielt im Schulmilieu. Die Premiere war am Sonntagabend.

Schule ist langweilig und freudlos. Daher unternimmt Lisa Lustig alles, um von der Schule zu fliegen und brennt frisch verliebt mit Hauptbrandmeister Freddy Funke durch. Der wohlgeordnete Alltag an der Schule für höhere Töchter „Helene Breitschlitz“ gerät völlig durcheinander im Stück “Herr Lehrer, Fräulein Lustig schwänzt!“ Die frivole Komödie für Zuschauer ab 18 Jahren von Clemens Wolkmann hatte am Sonntag abend Premiere im Boulevardtheater Dresden.

Es ist bereits die dritte Inszenierung in diesem Format, die humorvoll reichlich pikante Situationen und nackte Tatsachen auf die Bühne bringt unter der Regie von Jürgen Mai. Nach „Herr Doktor, die Kanüle klemmt!“ und „Herr Pastor, Ihre Kutte rutscht!“ ist diesmal ein Stück aus dem Schulmilieu zu sehen. Das allerdings nur am Rand vorkommt. Hinter der altehrwürdigen Fassade der einstigen bischöflichen Ursulinenschule, die junge Mädchen fürs Leben ausbildet, geht es hoch her. Da kommen sich äußerer Schein und Sein, Strenge und Sittsamkeit und ungehemmte Lust und Triebe ständig in die Quere. Begonnen bei den anstößigen Namen des ganz adretten Lehrpersonals, das wacker mit Wissensvermittlung und eigenen Wünschen und Sorgen ringt. Im Lehrplan stehen Hauswirtschaft, Kochen, Backen und zwölf Stellungen für die angehende Ehefrau.

Haarsträubend komisch führt die Direktorin Dr. Ernestine Schnickenfittich (witzig-verklemmt: Caroline Scholze) im aufreizenden Minikleid bei ihrer Antrittsrede mit vollem Körpereinsatz vor, wie Frauen in höhere Positionen gelangen, um die Frauenquote zu erfüllen und in die feine Gesellschaft aufsteigen. Der Philosophielehrer Gailer (Andreas Köhler) ist ein zotige Sprüche klopfender Macho, der nicht lockerlässt bis er seine Chefin herumkriegt und später in der Sauna alle Hüllen und Hemmungen fallen. Für Wirbel sorgen die beiden Schülerinnen Fritzi Schlecker (Franziska Langer) und Lisa Lustig (Alice Erk). Die eine klein und pummelig mit Zöpfen und Schulranzen, schlau, aber mit ihrer Körperfülle hadernd. Die andere hochgewachsen, blond und mit Kieksstimme gern ihre Reize zeigend. Fräulein Lustig kommt als verwöhnte Göre mit null Bock auf Schule, aber um so mehr Spaß am Leben daher.

Sie provoziert Lehrer Gailer mit Kaugummiblasen und falschen Antworten in Grammatik und Gesellschaftskunde in der Aufnahmeprüfung an die Schule, die ihr Vater, der Landrat Ernst Lustig (gleich in drei Rollen auch noch als Feuerwehrmann und Reitlehrer amüsant: Dennis Wilkesmann) ihr verordnet hat. Für einen Skandal zur Schuleröffnung sorgen die jungen Damen mit einer heißen Tanzeinlage – zur Krönung oben ohne – zu Salsaklängen. Nichts anbrennen lässt auch die schrullige alte ehemalige Schülerin Liliane Leutheuser-Schnarrenthal (Ulrike Mai), die den stotternden Hausmeister Graf Kuno (David Müller) und Lehrer Gailer beherzt verarztet und auch noch einen verborgenen Schatz des Schlossherren aufspürt. Der ist Nebensache, nachdem als Höhepunkt sich zuletzt alle, Lehrer und Schüler, entblättern. Schließlich sind nackt alle gleich! Das soll wohl auch die Botschaft dieses gagreichen, vor allem verrückt-unterhaltsamen Abends sein. Herzlicher Beifall vom Publikum.

http://www.boulevardtheater.de

Ostrale – Mehr Besucher als im letzten Jahr

Kunstausstellung erneut auf Rekordkurs

Halbzeitbilanz der  Biennale O17

Bilanz / Ausblick / Veranstaltungen im September

Die Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste OSTRALE, die erst im Vorjahr Besucherrekord feierte, ist erneut auf Rekordkurs. Begleitet von einer weiter gestiegenen internationalen Aufmerksamkeit zeichnen sich nach der ersten Hälfte der diesjährigen Ausstellungszeit nochmals steigende Besucherzahlen ab. Am Montagabend hatten bereits ca. 13.000 Gäste (davon ca. 4.000 Schüler) die diesjährige Biennale gesehen, mehr, als in der ersten Hälfte im letzten Jahr. Im Vorjahr hatte die OSTRALE insgesamt ca. 25.000 Besucher begrüßen können (2015: ca. 20.000). Die Ausstellung ist in diesem Jahr nur noch bis zum 1. Oktober geöffnet. Ob die OSTRALE Biennale weiterhin stattfinden kann und ob 2019 geeignete Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stehen, ist trotz leicht gestiegener Förderung durch die Landeshauptstadt Dresden noch immer unklar.

Die OSTRALE-Direktorin Andrea Hilger freut sich: „Obwohl die Veranstaltung in diesem Jahr 21 Tage kürzer ist als im Vorjahr, konnten wir bis zur Halbzeit am 28.8. bereits ca. 13.000 Besucher zählen, mehr als die Hälfte der letztes Jahr insgesamt erreichten Besucherzahl.“ In diesem Jahr dauert die OSTRALE 66 Tage, im Vorjahr 2016 hatte sie an insgesamt 87 Tagen geöffnet.

 „Besonders freut uns, dass der gestiegene Zuschauerzuspruch aus nah und fern mit zahlreichen Statements ebenso von privat kunstinteressierten Besuchern wie auch von solchen aus dem Kulturbereich verbunden ist, die die weiter gestiegene Qualität der Ausstellung loben“, so Andrea Hilger. Auch von den zahlreichen Kunstlehrerinnen und -lehrern aus ganz Sachsen und darüber hinaus, die die Biennale im Rahmen des Unterrichtes mit ihren Schulklassen besuchen, wird der OSTRALE eine erneut gestiegene Qualität der Ausstellung bestätigt.

Dipl.-Päd. Katrin Velebil, Lehrerin an der Oberschule der Stadt Leipzig in der Georg-Schwarz-Straße: „Ich war wieder begeistert. Es ist eine außergewöhnliche Präsentation von Kunst in ihrer Vielfalt. Dieses Jahr widmet sich ein Großteil der Ausstellung den uns alle beschäftigenden Themen Krieg, Flucht, Tod, Unterdrückung …. Das ist schon schwere Kost, zeigt aber auch eine große Reife der jungen Künstler.

Zukunft fraglich durch Unterfinanzierung

Die erreichten Erfolge der OSTRALE-Macher sind umso größer einzuschätzen, da die von einem kleinen Team von Idealisten organisierte, nicht institutionelle Kunstausstellung trotz einer leicht gestiegenen Förderung durch die Landeshauptstadt Dresden weiterhin deutlich unterfinanziert ist, was langfristige Planungen und damit eine Sicherung der Biennale unmöglich macht. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen fördert die OSTRALE Biennale bislang gar nicht, auch vom Bund gibt es keine Zuschüsse.

Ausweichquartier noch nicht bekannt

Neben der Finanzierung ist auch die Frage nach einem Ausweichquartier für die nächste OSTRALE Biennale 2019 in Dresden weiterhin ungeklärt, was angesichts der für eine Ausstellung dieser Qualitäts- und Größenordnung nötigen Planungszeiten zusätzliche Probleme schafft, wie die Veranstalter mitteilen.

„Die Zukunft der OSTRALE ist damit trotz enormer Aufwendungen von Förderern aus der privaten Wirtschaft leider weiterhin ungewiss.“, so Dr. Bernd Kugelberg, Schneider + Partner GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Steuerberatungsgesellschaft und Sprecher der OSTRALE.freunde.

Auszug aus dem Veranstaltungsprogramm

Täglich:

Die OSTRALE vermittelt Kunst auf spielerische Weise, lässt sich auch als „Kunst-Parcours der besonderen ART“ bezeichnen. Sie wird im Rahmen des Kunstunterrichtes auch in diesem Jahr wieder von mehreren Hundert Schulklassen besucht. Auch für die Kinder, die die OSTRALE mit ihren Eltern besuchen, gibt es täglich ein eigenes Angebot im „Kreativraum – Atelier der Dinge / Publikumswerkstatt“. Hier können die Kinder ihrer Fantasie selbst freien Lauf lassen und eigene Kunstwerke schaffen.

Jeden Freitag im September,

jeweils 18:00 Uhr:

Derevo Tanzperformance „Try walking in my shoes“  – Sprache des Körpers

Besonders für Taubstumme geeignet!

DEREVO präsentieren ihr Tanzstück „Try walking in my shoes“ am Tor 7 auf der OSTRALE Biennale. Durch die Sprache des Körpers werden die Sinne geschärft. Die Tänzerin Alena (DEREVO) erkundet außerdem mit täglichen Improvisationen das Gelände der Biennale.

Mehr zu Inhalt, Programm und Kooperationspartnern der OSTRALE finden Sie unter www.OSTRALE.de.

Jeden Samstag und Sonntag, 15.00 Uhr
Führungen durch die Ausstellung (5 Euro p.P.)

Sonntag, 03.09.,

Sonntag, 17.09.2017, jeweils 11:00 – 12:30 Uhr:

Kuratorenführung und Künstlergespräch OSTRALE Biennale

In einer angenommenen Zeitspanne von 1.000 Jahren, 500 Jahre vor und nach 2017 erwartet die Besucher eine „form“-bildende, literarisch begleitete Tour, eingeleitet von László F. Földényi: „Das Leben ist ein kurzer Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten.“

Neben der Vermittlung der Kunstwerke gehen die Kuratoren auf die Gesamtplanung und das kuratorische Konzept der diesjährigen Biennale ein. Begleitet werden sie dabei von ausgewählten Künstlern, die im Rahmen der Führung ihre Werke ausführlicher vorstellen.

Die Gruppen sind auf max. 20 Personen begrenzt.

Anmeldung unter post@ostrale.de zum Sonderpreis von 15 Euro, 10 Euro ermäßigt

Donnerstag, 07.09.,

Donnerstag, 21.09. 2017, jeweils 16:00 Uhr:

Für alle Sinne – Sehen im Dunkeln

Kunstvermittlung für Sehende und Sehbeeinträchtigte, Austausch und Horizonterweiterung durch gemeinsame Führungen für Sehbeeinträchtigte und Sehende.

Die 11. „OSTRALE internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste“ bietet dieses Jahr allen Besuchern zum ersten Mal die Möglichkeit, die Biennale mit dem Audio Guide „AllSense“, einer App für iOS- und Androidgeräte, zu erkunden.

Der im App Store und bei Google Play erhältliche digitale Rundgang macht 25 Kunstwerke erlebbar und ermöglicht es Blinden, Sehenden und allen, die über das Visuelle hinaus ihre Wahrnehmung schärfen wollen, Kunst mit ihrem eigenen Smartphone zu ergründen. An der Kasse sind ebenfalls kostenlos mobile Geräte erhältlich.

Weitere Informationen zu AllSense finden Sie auf http://www.ostrale.de/ sowie in Play Store und App Store.

Samstag, 23./Sonntag, 24. September

Familienwochenende

OSTRALE für Farbkleckse und Altmeister –

Eintritt: 15 € Erwachsene / 10 € ermäßigt
Sonderpreis für Friedrichstädter und Sozialbenachteiligte 5 €

Am 23.09. & 24.09. veranstaltet die OSTRALE ein Familienwochenende. Bei den speziell für Kinder und Jugendliche gestalteten Führungen werden die Werke nicht nur durch Erklärungen nähergebracht. Die jungen Besucher werden auch eingeladen, die Werke in eigenen Zeichnungen zu interpretieren. Ein Rahmenprogramm in der Publikumswerkstatt gibt Ihnen außerdem die Möglichkeit neue Materialien auszuprobieren und eigene kreative Ideen zu verwirklichen.

Neben dem Familienprogramm werden gemeinsame Führungen für Sehende und Blinde angeboten, bei denen die Besucher mit der AllSense App durch die Ausstellung gehen und eine neue Art Kunst zu erfahren vermittelt bekommen.
Die Taschenlampenführung mit Dolmetschern für Gehörlose und Hörende ermöglicht es Besuchern ebenfalls, die Ausstellung aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Öffnungszeiten

Montag geschlossen
Dienstag bis Donnerstag 10 Uhr – 19 Uhr
Freitag bis Sonntag 11 – 20 Uhr

1 Stunde vor Schließung ist Kassenschluss

Ostrale – Zentrum für Zeitgenössische Künste,
Ostrale Büro, Messering 20, 01067 Dresden,
Tel.: 0351 – 653 37 63, post@ostrale.de

Ausstellung  – Ostrale: Zur Messe 9, 01067 Dresden

http://www.ostrale.de
http://www.ostrale-freunde.de

Text: blaurock markenkommunikation

Fotos (lv)

BilderAlbum: Kultur für alle beim Palais Sommer

Liegestuhl aufstellen, Decke ausrollen und genießen!

Allein zum Yoga im Park kamen über 8 000 Leute. Im nächsten Jahr soll das Kulturfest noch umfangreicher werden.

Gerade noch war es der schönste und lebendigste Ort in der Stadt, nun ist die große Wiese am Japanischen Palais wieder leer, die Bäume ohne Licht, erfüllt allein vom Gekrächz der Raben. Es war schon eine liebgewordene Gewohnheit, immer mal wieder vorbeizuschauen beim Palais Sommer. Beim Yoga im Park entgegen aller Anfangsscheu fast jeden Abend mitzumachen. Mit vielen anderen Oom zu tönen, gemeinsam ungewohnte Körperbewegungen in aller Öffentlichkeit auszuführen, vor neugierig staunenden Blicken, sich immer mehr in die Entspannung fallen zu lassen und hinterher wunderbar locker und leicht wie die Federwolken am Himmel zu fühlen.
Drei Wochen lang. Es fehlt jetzt schon!

Palais Sommer-Veranstalter Jörg Polenz war überwältigt von der großen Nachfrage für das Yoga im Park ebenso wie vom zahlreichen Erscheinen der Besucher zu den anderen Angeboten. 120 Veranstaltungen, darunter Klaviernächte und weitere Konzerte, Internationales Künstler-Plenair und vieles mehr, gab es bei diesem Kultur-Fest für alle. Eintrittfrei und erschwinglich für jeden. Jeder gibt was er kann, lautet das Motto. Die Unterstützerboxen am Eingang scheinen gut gefüllt zu sein.

Allein zum Yoga im Park kamen über 8 000 Leute und immerhin 500 hörten sich Gedichte zur Poesienacht an, sagte Polenz in der Abschlussveranstaltung des diesjährigen Palais Sommer am Montagabend. Insgesamt 50 Yoga-Sessions gab es in friedlichem Miteinander. Auch sonst sei alles ohne Zwischenfälle – bis auf gelegentliche Wetterkapriolen – abgelaufen. Und die Besucher seien auch achtsam mit der Umwelt umgegangen und hinterließen wenig Müll. Ein wetterfestes Dach für die Bühne beim Palais Sommer fehlt bisher noch.

„Wir wollen auf jeden Fall weitermachen, weil es uns einfach Spaß macht“, so Polenz. „Unsere Vision ist, den Palais Sommer im nächsten Jahr zu dehnen, am liebsten von Mai bis August.“ Das hört man doch gern! An Ideen für das Programm mangelt es nicht, möge auch der Unterstützerkreis weiter wachsen. Das überwiegend junge Helferteam, eine Handvoll Leute, die vom Bühnenaufbau über Technik und Gastronomie bis zu den WC putzen alles erledigten, stand zum Abschluss im Rampenlicht auf der Bühne. Ihnen gefiel neben der „Kultur zum Anfassen“ auch die „unglaubliche Gemeinschaft von netten Menschen, die hierher kommen, um zu genießen.“

Text + Fotos (lv)

http://www.palaissommer.de

Meine neue Lieblingshaltung: auf der Wiese liegen, den „Körper aufrollen und das Herz nach vorn schmelzen lassen…“, wie Yogalehrerin Ina in der letzten Yogastunde (seufz!) mitten im Grünen am Montag abend uns mitgab. Entspannung pur!

 

 

 

 

 

                                                                  Das Palais Sommer-Team um Jörg Polenz: „Es                                                           macht uns einfach großen Spaß.“ 

Oase für Genießer

Sängerin Anja Schumann & Band aus Dresden spielten am Abschlusstag des Palais Sommer am Montag abend vor voller Wiese, nachdem das Konzert am 11. August buchstäblich ins Wasser fiel.

Lieder von der Liebe, vom Meer und mehr, ohne Schmus, glasklar und doch mit viel Seele und Tiefe sang Anja Schumann. Am 21. Oktober ist übrigens ihr erstes CD-Release-Konzert im Lesesaal der Bibliothek im Kulturpalast.

BilderAlbum: Tango Piazolla und die Dresdner Szene beim Palais Sommer

Tanz auf dem Vulkan

Der leidenschaftlichste aller Tänze kam vor einzigartiger, lichterfunkelnder Kulisse zu den elektrisierenden Klängen des Tango Nuevo auf die Bühne beim Tango Piazolla Abend, mit dem die Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen in Radebeul unter Leitung von Carlos Matos zu Gast war beim Palais Sommer. Zu erleben war gefühlreich berauschendes Tanztheater – klassische Tangoelemente gemischt mit modernem Ausdruckstanz – das alle Facetten dieses Tanzes und Lebensgefühls zeigte. Pure Lebenslust, Sinnlichkeit, Verlangen, Einlassen und Verlassen, Nähe und Einsamkeit, Sehnsucht und Hingabe wechselten im farb- und stimmungsvollen Reigen der Tanzpaare. Unbeeindruckt vom kühlen Wetter sprang der Funke vom großartigen Tänzerensemble schnell aufs begeisterte Publikum über. Reichlich Applaus für einen wunderbaren Abend voller Träume. Zum Tango Piazolla Abend der LB gibt es auch einen Beitrag auf meinwortgarten.com

Text und Fotos (lv)

Die Dresdner Tangoszene tanzte auch auf der Bühne im Park beim Palais Sommer

Zu diesem Tanzvergnügen der besonderen Art – Tango im Park beim Palais Sommer – vor den Augen zahlreicher Neugieriger und Bewunderer – kamen auch viele Tangobegeisterte, manche Paare mit Kind im Arm vor und auf der Tanzfläche. Bei strahlender Sonne und blauem Himmel wurde bei dieser Milonga in bunter Vielfalt der Bewegungen und Stilarten des Tango bis in den Abend fast ununterbrochen getanzt. Nach der Sommerpause geht das Tanzen weiter in den Tangostudios der Stadt. Ein neues Angebot startet am 31. August: „Blauer Tango in der Blauen Fabrik“ im Alten Leipziger Bahnhof auf der Eisenbahnstraße 1 (Seitenstraße hinter dem Bahnhof Neustadt). Unter diesem Motto lädt Veranstalterin, Tanzlehrerin und DJ Maria Magdalena Verburg zu Kursen und Milonga, offenen Tanzabenden künftig jeden Donnerstag ab 21 Uhr ein. Losgeht`s diesen Donnerstag um 20 Uhr mit einem Tangokonzert mit dem „Trio Central“ mit Musikern aus Buenos Aires und Berlin (vorher ist für Interessierte von 19 – 20 Uhr eine kostenlose Anfängerstunde).

Weitere Infos unter http://www.tangomagdalena.de

Tango im Park beim Palais Sommer 2018: am 5. August, ab 15 Uhr ist die nächste offene Tanzveranstaltung mit Tango Argentino  zum Zuhören, Zuschauen und selber Tanzen.

Immer in Bewegung: Tangolehrer Jens Klant mit Partnerin Claudia und Töchterchen Johanna unterrichten im Studio 24 – Tango Argentino auf der Großenhainer Straße. http://www.24tangos.de

Der Kalender mit allen Veranstaltungen der Dresdner Tangoszene steht im Netz
unter http://www.dresden-tango.de

Ein Abend für Thomas Brasch im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul

Ein Gedicht aus dem Poesiealbum Nr. 89, das 1975 erschien und seine einzige Veröffentlichung in der DDR blieb. Es entstand nach einem Verhör Braschs, der nach einem öffentlichen Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Wiederentdeckung eines großen Freigeistes

Mit einem musikalisch-literarischen Abend im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul am Sonntag abend erinnerte die Sängerin Ursula Kurze an das Leben und Schaffen des Dichters Thomas Brasch.

“Wer durch mein Leben will, muss durch mein Zimmer“, heißt eine Gedichtzeile von Thomas Brasch. Direkt, intensiv, ohne Umschweife kehrt er sein Inneres nach außen. Wenn er sich auf etwas einließ, ob Ideen oder Menschen, dann voll und ganz. Doch er war auch ein Suchender, Rastloser und Träumender bis an sein Lebensende.

Davon erzählen die Texte, Erzählungen, Stücke und Gedichte des Schriftstellers, Dramatikers, Drehbuchautors, Regisseurs und Lyrikers Brasch. Mal leise lyrisch, zärtlich, mal bluesig, unbändig, innehaltend nachdenklich und kraftvoll, sang und rezitierte die Sängerin und Schauspielerin Ursula Kurze zur Gitarre in einem musikalisch –literarischen Abend Gedichtvertonungen und Texte über das Leben und Schaffen von Thomas Brasch (1945 – 2011) und Wegbegleitern von ihm am Sonntag abend im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul. Sie freute sich über die rege Resonanz und dass der „ins Vergessen geratene große Dichter Brasch jetzt allmählich wieder entdeckt wird. Er spiegelt ja auch ein Stück Leben von uns“. Seit mehreren Jahren lädt zu den Dichterlesungen, verbunden mit Natur- und Kunstgenuss, die Künstlerin Dorothee Kuhbandner von der Galerie mit Weitblick ins nahe gelegene Weinberghaus ein.

Bei sommerlichem Wetter war der Raum voll. Unter den Zuhörern war auch Wolfram von Minckwitz, der Besitzer des Areals. Mit 84 Jahren ist er immer noch vital und fast täglich oben in dem Waldgrundstück und Weinberg. „Die Bewegung an der Luft hält mich gesund“, schmunzelt er. Thomas Brasch hätte es hier sicher gefallen. Weit und frei wie seine Gedanken und vom Wind umweht, schweift der Blick von der Terrasse am Weinberghaus über das Häusermeer und die Elblandschaft. Als ältester von drei Söhnen einer deutsch-jüdischen Emigrantenfamilie kam Brasch als Zweijähriger aus dem englischen Exil nach Ostberlin. Anders als sein Vater, der zum stellvertretenden Kulturminister in der DDR aufstieg, eckte Thomas Brasch mit seiner Haltung an als ebenso lebenssprühend-anziehender wie unbequemer, unangepasster Freigeist und Sprachgenie. Seine Vorbilder waren Heine und Brecht, Rimbaud und Heiner Müller. Er übersetzte die Stücke von Shakespeare, Tschechow und Gorki. Brasch durfte in der DDR nichts veröffentlichen außer einem schmalen Poesiealbum, weshalb er 1976 in die BRD ausreiste mit seiner langjährigen Lebensgefährtin, der Schauspielerin Katharina Thalbach und ihrer Tochter Anna.

Im Westen schlug er wie ein Meteor auf der Bühne ein, sagte Ursula Kurze in ihrem Programm über Brasch. Er wurde über Nacht bekannt mit seinen Gedichtbänden und dem Prosaband „Vor den Vätern sterben die Söhne“. Für die einen war die Lesung eine schöne wie ergreifende Wiederbegegnung mit seinem Werk nach langer Zeit, für andere eine spannende Neuentdeckung. Thomas Brasch dachte laut nach über seine innere Zerrissenheit zwischen den beiden Deutschlands, über Enge und Aufbruch, vertane Chancen nach der Wende und er glaubte weiter an die Utopie einer sozial gerechteren Gesellschaft.

„Mein Volk ist frei. Jetzt kann es tun, was es mit sich tun lässt“, schrieb Brasch nach dem Mauerfall. „Die hassen müssen lieben/ ins Paradies vertrieben.“ In letzter Zeit erschienen vier Biographien über Brasch, ein Buch seiner Schwester Marion Brasch, „Ab jetzt ist Ruhe“ über das bewegte Leben in ihrer „Bonzenfamilie“ und eine Gedichtsammlung – vor zwei Jahren wäre Braschs 70. Geburtstag gewesen – mit dem Titel „Die nennen das Schrei“ bei Suhrkamp. 2001 starb er gerade 56-jährig an Herzversagen in Berlin. Es liegen noch tausende unveröffentlichte Seiten von Thomas Brasch im Literaturarchiv Marbach. Als nächstes plant Ursula Kurze ein Programm über den großen Menschenkenner und Satiriker Kurt Tucholsky.

Text + Fotos (lv)

http://www.ursula-kurze.de

der Eingang zum Minkwitzschen Weinberghaus

Dorothee Kuhbandner lädt regelmäßig zu den Dichterlesungen zusammen mit Ursula Kurze ins Minckwitzsche Weinberghaus in Radebeul ein.

Jens Kuhbandner sorgte für Speis und Trank.

Fantastische Aussicht von der Freiterrasse ins Elbtal: meinwortgarten-Autorin Lilli Vostry

Premiere „ZickenZirkus“ in der Comödie Dresden

Zoffen, singen und tanzen voller Power und Herzblut (von li unten nach oben re): Kim Fisher, Dorothea Kriegl, Aneta Sablik und Charlotte Heinke. Foto: Robert Jentzsch

Im bunt schillernden Chaos der Gefühle

Die witzig-turbulente Karaoke-Komödie um ein quirliges Damenquartett von Christian Kühn hatte am Freitag abend an der Comödie Dresden Premiere.

 

Manege frei im bunt schillernden Chaos der Gefühle. Vier höchst eigenwillige Damen sorgen dabei für reichlich Trubel im “ZickenZirkus“. Die Karaoke-Komödie von Christian Kühn hatte am Freitag abend Premiere in der Comödie Dresden.

Der Titel ist Geschmacksache. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird angenehm überrascht. Nach drei erfolgreichen Spielzeiten mit „Tussipark“ lässt Regisseur Christian Kühn nun im „Zicken Zirkus“ wieder ein quirliges Damenquartett mit viel Witz, Lust und Power aufeinander prallen. Diesmal weckt ein alter Zirkuswagen auf dem Schrottplatz am Rande der Stadt alte und neue Träume, kommen manche Enttäuschungen, Illusionen und die Idealvorstellung vom Traummann gleich mit auf den Schrott.

Die vier Damen zoffen, quatschen, lachen und trinken, singen und tanzen hinreißend, mal biestig und mal sich gegenseitig aufmunternd und anfeuernd. Die von ihrem Eheleben mit „ausgefallenem“ Sex frustrierte Buchhalterin Elke (Kim Fisher), die nach einem Unfall mit dem Auto ihres Mannes fieberhaft ein Ersatzteil sucht. Die kapriziöse Musicaldarstellerin Panagiota (Charlotte Heinke), die hier in Ruhe proben will und auf den Durchbruch hofft. Die Bloggerin und Karaoke-Fan Jennifer (Dorothea Kriegl), die als fröhliche Quasselstrippe mit lustigen Fremdwortverdrehern alle auf Trab hält. Und die coole Lebenskünstlerin Fe (Aneta Sablik), die Besitzerin vom Zirkuswagen. Da gibt es reichlich Zündstoff über Liebe, Männer und ihre Macken, auch sie können zickende Zeitbomben sein wie sich herausstellt und dem Traum, einmal ganz anders zu sein.

Da wagen die vier Damen die Idee vom Man-Sharing. Indem sie Talente und Eigenschaften, die der eigene Mann nicht hat, einfach tauschen mit dem der anderen. Das führt zu verrückten Verwicklungen, einer komisch-dramatischen beinahe Entführung und einer größeren Spendensumme oder besser Schmerzensgeld für Liebesverrat. Die Damen berühren und erheitern mal mit Liebesschnulzen und Hits wie „Frauen regieren die Welt“ von Roger Cicero bis zu „Ich will alles“ von Wencke Myrre. Sie trommeln mit Hingabe auf Blechfässer und begeistern mit einer fantasievolll-glamourösen Showeinlage zum Schluss mit der inzwischen als Musicalstar gefeierten Panagiota. Viel Beifall und stehende Ovationen gab es für diesen gefühlreich mitreißenden „ZickenZirkus“.

http://www.comoedie-dresden.de