Nachlass – ein Theaterstück ohne Menschen im Kleinen Haus

Fotos: Daniel Koch

Was Dinge über Menschen erzählen

Tür auf, Tür zu steht der Betrachter in einem anderen Lebens-und Erinnerungs-Raum in der berührend-eindrucksvollen szenischen Installation „Nachlass – Pièces sans personnes“ der Künstlergruppe Rimini Protokoll im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Ein abgedunkelter Gang mit vielen Türen, die sich öffnen und schließen.  Jeder der acht Räume birgt individuelle Gegenstände, Geschichten, Bilder und Blicke auf Menschen, die nicht mehr da sind. Was bleibt, wenn die Lebensuhr stehen bleibt, von uns zurück? Davon erzählt „Nachlass – Pièces sans personnes“, eine szenische Installation der Künstlergruppe Rimini Protokoll (Stefan Kaegi, Dominic Huber). Sie besuchten Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden und haben berührend-eindrucksvolle Räume des Erinnerns an sie geschaffen. Die Premiere dieser ungewöhnlichen Theateraufführung ohne Menschen war am Freitag abend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Es ist ein seltsames Gefühl, einen Raum mit persönlichen Lebensdingen zu betreten und die Stimme des nicht mehr lebenden Menschen zu hören, dem sie gehörten. Der einen freundlich begrüßt und bittet Platz zu nehmen. Um sich Videoaufnahmen, Fotografien und andere Erinnerungsstücke auf dem Tisch, in Schubladen, Kartons und an den Wänden anzusehen. Und sie verabschieden den Besucher mit einem vieldeutigen „Adieu“ und „Auf Wiedersehen“. Da wird man scheu, erstaunt, ergreifend und fasziniert zum Augenzeugen, wie verschiedene Menschen – vom älteren Unternehmerpaar, über den im Höhenrausch sein Leben riskierenden, leidenschaftlichen Basespringer bis zur früheren EU-Botschafterin  – offen und freimütig, anrührend, gelassen, klar und gefasst und zuweilen mit leisem Humor über den Tod und ihr bald nicht mehr Dasein sprechen. Wie sie letzte Dinge ordnen, ihre Wünsche, Visionen und ihr Vermächtnis an die Nachwelt weitergeben. Da sitzt man in einem Raum auf einem bunten Orientteppich, lauscht den Klängen und sieht auf dem Bildschirm der letzten Reise eines älteren Mannes aus der Türkei zu, der in Istanbul bei seiner Familie bestattet werden möchte. “Vergessen Sie mich nicht. Schönen Tag“, wünscht er abschließend den Besuchern. Ein 44-jähriger, unheilbar kranker Mann hat ein Urlaubsvideo für seine kleine Tochter Marie zur Erinnerung aufgenommen. Dort steht er mit einer Angel an einem Fluss und denkt über sein Leben und die Fische nach, die bei ihm am Haken zappeln.

In einem Raum mit Bühne wandert das Scheinwerferlicht zu einem weißen Wollpullover auf einem Hocker, während die Stimme einer alten Dame erklingt. Sie war Schauspielerin und singt noch einmal eins ihrer Lieblingslieder. „Wenn Sie mich hören, bin ich nicht mehr da“, sagt Nadine Gros.

In einem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer liegen auf dem Tisch Familienbilder ausgebreitet, ticken zwei Wecker ohne ihre Besitzerin weiter und hören die Besucher der wechselvollen Lebensgeschichte der fast 91-jährigen Ururgrossmutter zu, der die Ärzte als sie ins Altersheim kam zunächst nur noch wenige Tage gaben. Der Tod sei gerecht, sagt Jeanne Bellugi, da er natürlich ist und alle trifft. Und der Anblick auch nicht schlimm. „Tote sehen immer schön aus, so wunderbar entspannt, selbst die schlechten Menschen“, sagt sie.

Skurril und nachdenklich zugleich ist ein etwas anderes Beratungsgespräch im Büro des Unternehmers Dr. Günther Wohlfarth und seiner Sekretärin, Haus- und Ehefrau Annemarie. 62 Jahre waren sie ein Team. Jetzt sind die zwei Sessel leer. Die Lampe auf dem Schreibtisch brennt noch. Mit „Liebe Menschen in der Zukunft“ empfängt er die Zuhörenden. „Wenn Sie ein Glas Wasser möchten…“, sagt  seine Frau höflich zu den Gästen, die sich allerdings selbst bedienen müssen am Wasserbehälter. „Wie sieht Ihr Geschäftsplan für die Zukunft aus? Haben Sie eine aussichtsreiche Idee?“, kommt ihr Mann gleich zur Sache, als könne er anderen immer noch helfen. Und er gibt den Menschen der Zukunft als Lebensrat mit, dass sie skeptisch sein und keiner Ideologie glauben sollen.

In einem Raum voller Umzugskisten erzählt in einer Höraufnahme die ehemalige EU-Botschafterin Gabriele von Brochowski, zu dem Zeitpunkt 80-jährig und zeitlebens eine Weltreisende, noch immer energiegeladen, wie ihr Lebenswerk nach ihrem Tod weitergeführt werden soll. Aus ihrem Besitz gründete sie eine Stiftung, die Afrika helfen will und dafür Künstler, Intellektuelle und Unternehmer – das „Trio der Zukunft“ – fördert und zusammenbringt, um Armut und Korruption zu bekämpfen. „Afrika kann sich nur von innen heraus entwickeln“, ist ihre Vision. „Sie werden es erleben. Ich nicht mehr.“

Im letzten Raum mit heißen Punkrockklängen, die der Extremsportler sich auf seiner Beerdigung wünschen würde falls er verunglückt, begleiten die Besucher den Schweizer Basespringer Michael Schwery. Er ist 44jährig und Vater einer kleinen Tochter und zeigt in imposanten Videobildern seine Route in die Berge, bis zum Exit, dem Absprungort mit dem Gleitschirm aus schwindelerregender Höhe. Er weiß, dass immer etwas passieren kann, hat seine Familie entsprechend abgesichert. Doch das Gefühl der totalen Freiheit, nur mit seinem Körper in der Luft und nichts dazwischen während des Flugs zur Erde, sei stärker als die Angst vor dem Absturz und Tod. Die atemberaubenden Bilder aus der Vogelperspektive lassen offen, ob er diesen Sprung überlebte. Kaum ist der Film abgelaufen, geht die Tür auf und warten schon die nächsten Betrachter. So dass das besinnliche Element, Zeit zum Innehalten und Nachklingen im jeweiligen Lebensraum mit den vielen Eindrücken etwas zu kurz kommt. Am Premiereabend war ein reges Kommen und Gehen von Beginn ab 17 Uhr an. Rund 90 Minuten dauert der Besuch der szenischen Installation. Ein authentisches Theatererlebnis vor und hinter dem Lebensvorhang, das man nicht so schnell vergisst.

Weitere Aufführungen:

19. – 24.6., jeweils ab 17 bis 20.30 Uhr startet aller 15 Minuten eine Gruppe von ca. zehn Zuschauern in die szenische Installation. Beim Kauf einer Karte entscheidet man sich für eine bestimmte Uhrzeit. Durch die variable Aufenthaltsdauer kann es zu leichten Verschiebungen der Einlasszeit kommen.

 

Offene Gartenpforte Dresden: „Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage“

Im Gartenreich: Adelheid Neupert, Ehemann Frieder und Freund Dieter (vorn im Bild)

Lustvolle Pflanzenformen: Von ihnen lässt sich Adelheid Neupert gern zu ihren sinnlichen Gartengedichten anregen und fotografiert die reizvollen Gewächse auch.

„Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage“

Von der Lust im Grünen zu leben und der Sexualität der Pflanzen erzählt Adelheid Neupert Besuchern in ihrem Bühlauer Garten am bundesweiten „Tag der offenen Gartenpforte“ am 18. Juni. Dann laden von 10 bis 18 Uhr private Gartenbesitzer in Dresden und Umgebung in ihre blühenden Oasen ein. Auch dieses Jahr öffnen viele Garten-Reiche in Dresden und Umland wieder für Besucher – diesmal am morgigen 3. Juni, von 10 – 18 Uhr zum Schauen und Verweilen. In Adelheid Neuperts „Garten der (Ge)lüste“, Reitzendorfer Str. 57 in Bühlau sind erotische Steinskulpturen von Gerhard Männel, eine Foto-Galerie mit Glücks-Bildern des Gartenjahres und eine Ausstellung alter Gießkannen von Matthias Wagner zu sehen. Eine Lesung mit erotischen Gedichten der Gastgeberin gibt es um 15 Uhr.

Hinter der Fensterscheibe kleben Gedichte von Adelheid Neupert aus dem „Garten der Lüste“. „Ich will Grashüpfer im Bauch. Feuer im Wacholderstrauch und Dich will ich (meistens) auch“, steht dort. Ihr Erleben in der Natur hält sie gern in lustvoll augenzwinkernden Versen fest. In ihrem Gartenreich auf der Reitzendorfer Straße 57 in Dresden-Bühlau grünt und blüht es aber nicht nur.

Für sie ist es vor allem ein offener Erlebnisraum im Grünen, in dem Geselligkeit gelebt und mit Musik, Bildern und Poesie verbunden wird. „Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage. Er erfordert alles, was selten und kostbar geworden ist: Nämlich Raum, Zeit und Zuwendung“, sagt Adelheid Neupert. „Haus und Garten werten sich gegenseitig auf und sind uns gleichermaßen Kultur- und Lebensraum.“

Ein Wohnraum in der Natur

Schon seit kleinauf wohnt sie hier im Haus ihrer Großeltern, erbaut in den 1930er Jahren innerhalb einer Siedlergemeinschaft mit Garten zur Selbstversorgung, und seit nunmehr 50 Jahren lebt sie hier mit ihrem Mann Frieder. Von Beruf Bauingenieur, konnte sie vieles am Haus selbst erledigen. Ihr Mann hat Elektrotechnik studiert. Nun sind beide im aktiven Ruhestand. „Andere gehen in den Garten, doch wir sind mitten im Garten. Wir brauchen einfach das Draussensein können, und so haben wir auch den Garten werden lassen“, erzählt sie. Den sieht sie als Wohnraum in der Natur. Die Küche öffnet sich an der Südwestecke nahtlos zum Garten.

Das aktivste Prachtbeet, das Gemüsebeet, kann sie ohne Schuhwechsel erreichen. Natürlich gibt es heute keine materielle Notwendigkeit zur Selbstversorgung mehr. „Aber es sind einfach Gipfelgefühle, größer als ein teurer Rosenstrauß, wenn man mir ein frisch geerntetes, tropfnasses Bündel Radieschen, Möhren oder Porree in die Küche reicht“, sagt Adelheid Neupert schmunzelnd. Die Pflanzen werden nicht hinter gerade gezogenen Kanten zurückgehalten. Sie können sich in den Rasen ausbreiten. Fingerhut, Spornblume und Malven können sich selber ihren Platz suchen. „Gepflanztes und Verwildertes mischen sich. Blumen werden fast nie geschnitten und Zimmerpflanzen gibt es kaum“, so Adelheid Neupert. Auf den ersten Blick wirkt der Kulturgarten, der an einem leichten Nordhang liegt, mit seiner weiträumigen Rasenfläche recht leer. Rundherum stehen Büsche und Bäume und ranken leuchtend farbige Blüten. „Ich mag den Rasen auch als optische Ruhefläche, die ich nicht missen möchte wie Pausen in der Musik und wenn die Bäume geheimnisvoll ihre Schatten darauf legen“, so Adelheid Neupert.

Es gibt mehrere Sitzplätze verteilt im Garten, wo man je nach Tageszeit und Licht die Pflanzenpracht genießen kann. Hier fühle sich das Leben ein Stück freier an. Kann sie bestimmen, wer sich hier bewegt. Frühmorgens barfuß den taufrischen Rasen spüren, abends lange draußen sitzen und bei Mondschein noch mal rausgehen.

Ihr Garten entstand aus der Lust, sich in der freien Natur, an der Grenze zur Kultur zu bewegen. Eine Lebensart, die ihre Ursprünge in der Lebensreformbewegung anfangs des 20. Jahrhunderts hat. Mit der Adelheid Neupert sich sehr verbunden fühlt. Neben den Gartengedichten sieht man im Fensterrahmen eine historische Fotografie. Sie zeigt einen bärtigen Mann mit längerem Haar und Stirnband im Adamskostüm beim Ackerbau auf dem „Berg der Wahrheit“ (Monte Verita), aufgenommen 1907 bei Ascona in der Schweiz. Dort siedelte sich unter dem Motto „Zurück zur Natur“ einst mit den Lebensreformern eine Künstlerkolonie an, in der auch Literaten wie Hermann Hesse zeitweise wohnten. Heute ist dort ein Museum. Ein zweites Foto zeigt einen Mann mit Bart in ähnlicher Pose mit Spaten im Bühlauer Garten im Jahr 2017. Adelheids Freund Dieter ist dort regelmäßig zu Besuch seit elf Jahren. Die Aufgaben in ihrem grünen Reich sind klar verteilt. Ihr Mann Frieder gräbt um und pflegt den „Lustacker mit Gemüse“. Während Dieter einen kleinen Steingarten angelegt hat und besondere Gewächse wie selbstgezogene, seltene Kakteen mitbringt und Adelheid hält die Fäden im Gartenreich zusammen. Dort wo etwas Neues blüht und treibt im Steingarten, liegt ein kleines Herz für den Besucher und wandert weiter zur nächsten Pflanze.

Sie schauen sich auch gern gemeinsam schöne Gärten an, vom Botanischen Garten der TU Dresden bis nach Zürich und Ascona. Pfingstrosen und Malven, auch Stockrosen genannt und Allium, langstielige Kugelblumen, sind die Lieblingspflanzen von Adelheid Neupert. Malven sehen nicht nur wunderschön aus an ihren langen Stängeln, sie säen sich auch selber aus. Ihre Blütezeit ist im August. Dichterfürst Goethe liebte Malven besonders, weiß sie. Eine prächtige Allee umwogte sein Gartenhaus in Weimar. Und jedes Jahr am 9. August gab er eine „Große Teegesellschaft“ für Freunde und Bekannte.

Geheimnisvolle Sexualität der Pflanzen

Auf dem Gartentisch bei Neuperts liegt ein prachtvoller Bildband
mit dem Titel „Die geheimnisvolle Sexualität der Pflanzen – Von Blüten und Pollen“ von Rob Kessler und Madeline Harley. Er versammelt  Makrofotografien der Natur aus ungewöhnlichem Blickwinkel. Auf dem Titelbild reckt eine rosa Blüte keck ihre Spitzen in die Höhe. Nein, sie geizen nicht mit ihren Reizen. Ob grazil, glockig, zackig oder üppig rund, die Blumenschönheiten zeigen was sie haben, damit Bienen und Schmetterlinge schnurstracks auf sie fliegen. Um sie mit ihrem betörenden Farbenspiel und wohlduftenden Nektar anzulocken, zu verführen im Blütenrausch und sich von ihnen bestäubt zu vermehren. „Wenn man mit ihnen umgeht, dann möchte man auch mal etwas tiefer eintauchen in die Welt der Pflanzen und wissen, was da vor sich geht. Wie sich weibliche und männliche Teile in der Blüte finden. Die machen es ohne unser Zutun“, sagt Adelheid Neupert. Da gebe es viel Faszinierendes zu entdecken. „Aber etwas Romantisierendes oder ein Liebesleben der Pflanzen gibt es in der Natur nicht. Da geht es nur um die Befruchtung“, ergänzt ihr Freund Dieter.

Dafür blühen und sprießen eine Fülle von Gewächsen in unübersehbar sinnlicher Gestalt, die an weibliche oder männliche Körperformen erinnern, auch in ihrem Garten. Da ist die Kanadische Blutwurz, deren länglich phallusartige Blüte sich aus dem Blatt wickelt oder die Arisaema, deren Blütenkelch weibliche und männliche Formen vereint. Diese und viele weitere Bilder mit Pflanzenporträts, die von der Bestäubung, Befruchtung und Sexualität der Pflanzen erzählen, zeigt Adelheid Neupert in einer Fotogalerie, neben erotischen Skulpturen von Bildhauer Bernhard Männel und der Kakteensammlung von Dieter in ihrem Bühlauer Garten am „Tag der offenen Gartenpforte“ am 18. Juni (10 – 18 Uhr), an dem bundesweit private Gartenbesitzer ihre blühenden Oasen und Gartenhäuser für Besucher öffnen. Diese sind eingeladen zu Rundgängen, Vorträgen, anregenden Gesprächen, Ausstellungen im Freien und Hausmusik mit Kaffee und Kuchen.

Natürlich liest Adelheid Neupert auch ihre sinnlichen Gartengedichte. „Niemals bin ich Massliebchen. Das ist mir zu schwach in den Triebchen. Was sollen Blumen im Korn? Ich mag eher die mit `nem Sporn. Auch finde ich besser die Wicken. Nicht nur, weil sie beim Pflücken nicht knicken“, lässt sie ihrer Garten- und Lebenslust freien Lauf.

Von der Schönheit der Malven war schon Dichterfürst Goethe entzückt, die an seinem Gartenhaus in Weimar prachtvoll Spalier standen. Zur Blütezeit lud er jedes Jahr am 9. August zu einer „Großen Teegesellschaft“ Freunde und Bekannte ein. Im Foto Autorin Lilli Vostry von meinwortgarten.com

Text + Fotos (lv)

www.offene –gartenpforte-dresden.de

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Theater auf dem Theaterplatz mit 120 Dresden: „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke

Fotos: Klaus Gigga/Staatsschauspiel Dresden

Skurrile Momente zwischen Traum und Alltag in dieser Stadt

Wundersame Dinge geschehen in dieser Stadt. Pilze wachsen plötzlich aus dem Steinboden vor der Semperoper. Straßenfeger kehren Kaffeebecher und Zeitungsfetzen zusammen. Ein roter Luftballon und ein weißer Taubenschwarm fliegen in den strahlend blauen Abendhimmel. Ein Stadtführer mit Fähnchen und eine Dame mit eingerollten AfD-Fahnen gehen über den Theaterplatz.

Der Theaterplatz wandelt sich zur Bühne für Peter Handkes Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“. Die Premiere war am Sonntagabend. Dabei gibt es keine Grenze zwischen Spielern und Zuschauern, die beidseits des Platzes sitzen und sich gegenseitig neugierig und aufmerksam betrachten. Zu erleben war ein bunt-lebenspralles, kontrastreiches Bildertheater ohne Sprache, begleitet von atmosphärischen Klängen und Großstadtgeräuschen über die vielen Gesichter der Stadt, inszeniert mit 120 Dresdner Bürgerinnen und Bürgern unter Regie von Uli Jäckle. Die Darsteller tragen Alltagssachen, unter sie mischen sich berühmte Gestalten aus der Dresdner Historie und Kunst wie August der Starke im Goldenen Gewand, barocke Hofdamen oder Papageno neben adretten Stewardessen, schrulligen alten Frauen mit klappernder Spielzeugeisenbahn im Schlepptau und dunklen Gestalten schwer bepackt mit Koffern.

Sie laufen kreuz und quer über den Platz, stehen sich gegenüber und halten inne in ihren Posen. Ein Clown im bunten Flickenmantel schubst einen bequem lümmelnden Mann aus seinem Thronstuhl. Eine Kellnerin mit Kaffeetablett sucht in der Menge den einen passenden Gast. Eine Frau reicht ein großes knusprig braunes Kunstbrot an die Zuschauer, die es weitergeben. Ein Polizist mit Schäferhund streift vorbei an Fußballfans, einer Zirkusgruppe und anderen kuriosen Gestalten. Ein Segelboot fährt mit Möwengekreisch auf den Theaterplatz und ein Elefant auf blauen Rädern, gezogen von einer Nonne, die zu orientalischen Klängen gen Mekka betet.

Ein Mann in brauner Uniform tritt ans Mikro und fuchtelt mit den Armen nach oben und allen Seiten. Die bunte Menge marschiert an ihm vorbei mit mal offen ausgebreiteten Armen, mal hin und her rudernd, dirigierend oder mit geballten Fäusten. Momente aus dem Leben der Stadt zwischen banal Alltäglichem und Surrealem, Skurril-Komisches, Ernstes, Trauriges und Nachdenkliches treffen aufeinander, die jeder Betrachter für sich deuten kann.

Leider gab es wenig spannende Interaktion auf dem Platz. Nur die Uhr am
Schlossturm schlug zwei Mal dazwischen in der einstündigen Aufführung. Dabei sollte das Spiel unter freiem Himmel doch gerade auch von überraschender Spontanität leben und auftauchende Passanten Teil des Spiels werden. Bleibt zu hoffen, dass bei den weiteren der insgesamt sechs Vorstellungen (wieder am 12., 16., 17., 18. und 19.6., jeweils 19.30 Uhr) noch mehr die Zufälle des Lebens mitspielen. Dennoch herzlicher Beifall für den originell-wagemutigen Versuch der kulturellen Rückeroberung des Theaterplatzes.

(lv)

Now – Malerei von Wiebke Herrmann und Objekte/Zeichnungen von Elizabeth Charnock in der Galerie Ines Schulz

Ihre Bilder sind ein Spiel mit der Realität und Fantastischem. Sie entwerfen Szenerien mit und ohne Menschen, zeigen Sinnbildhaftes zum Verhältnis Mensch und Tier und Zwischenmenschliches. So verschieden ihre Farb- und Formsprache ist, gemeinsam ist der farbig, vieldeutigen, figürlichen Malerei von Wiebke Herrmann und den Miniaturmodellen von imaginären Städten und den menschenleer, reduzierten Landschaftsszenen in schwarz-weiß und Grautönen von Elizabeth Charnock ihre Fabulierlust und Freude am witzig-hintergründigen Geschichten erzählen. Unter dem Titel „Now“ – Jetzt zeigen die beiden Künstlerinnen und Meisterschülerinnen an der Dresdner Kunsthochschule derzeit ihre Arbeiten in ihrer ersten gemeinsamen Galerieausstellung in den Räumen der Galerie Ines Schulz am Obergraben 21 im Dresdner Barockviertel. Die Ausstellung ist am heutigen Freitag zur Langen Nacht der Galerien und Museen im Areal bis 23 Uhr zu sehen und danach noch bis 17. Juni.

Mehr zur Ausstellung folgt.

Text + Fotos (lv)

Reizvolles Gegenüber der Farben und Formen: Elizabeth Charnock und Wiebke Herrmann stellen erstmals gemeinsam aus in der Galerie Ines Schulz.

Galeristin Ines Schulz (2. v.li.) im Gespräch mit einer Besucherin in der Ausstellung.

Bauteile zum Selberbauen von Miniaturstädten und -landschaften gibt`s auch, entworfen von Elizabeth Charnock, in der Galerie.

Vater und Tochter freuen sich über die erste Galerieausstellung.

Junge Kunst sorgt für frischen Wind im Barockviertel.

Youkali – Eine musikalische Reise in die Goldenen Zwanziger

Konzert mit Charme und Frauenpower, Tango, Jazz, Klassik und Klezmer auf der Bühne von Büchers Best am 8. Juni, um 20.30 Uhr.

Es gab eine Zeit, da hingen noch keine Fahrradhelme an Designergarderoben in Doppelhaushälften. Statt dessen rauchten Frauen mit Kurzhaarfrisuren Filterlose auf dem Rollfeld. Dies waren die Goldenen Zwanziger, eine große Zeit der emanzipatorischen Selbstentfaltung, und zugleich auch eine große Zeit der populären Kulturen – der Casinos und Clubs, der Salons und Jazzschuppen. Am Donnerstag wollen wir genau dorthin eine musikalische Reise unternehmen mit Tango und Jazz, Klassik und Klezmer und natürlich viel Frauenpower.  

Youkali ist der Titel eines Liedes von Kurt Weill und umschreibt einen Ort, an dem die Sehnsucht ihr Zuhause hat. Einen imaginären Ort, an dem man Glück, Sinn und erwiderte Liebe findet. Das Ensemble Youkali möchte die Zuhörer auf eine musikalische Reise dahin mitnehmen. Am Klavier ist Elena Schoychet zu erleben, am Cello Laura Härtel, an der Klarinette Tatjana Davis und mit Gesang Marie Hänsel. Die klassisch studierten Musikerinnen interpretieren Musik verschiedener Stilrichtungen aus der Zeit der Goldenen Zwanziger, einer Zeit in der die Frauen voller Lebenslust zu neuen Ufern aufbrachen. Na dann: Leinen los !

Text: Team Büchers Best
Foto: Youkali

+ HRH Musashi, Burmakater und heimlicher Herrscher des Ladens.

Buchhandlung „Büchers Best“/ 01099 Dresden / Louisenstr. 37 / 0351/8015087 / Mo 12-20, Di-Fr 11-20, Sa 10-16 Uhr / www.buechersbest.de

https://soundcloud.com/user-189637305/tango-appasionato

Youkali – Großes Gefühlskino mit kessem Glanz

Umgeben von Bücherregalen und Bildern mit Papierfliegern träumen sie von der großen weiten Welt, von Liebe, Glück und davon ein Glanz zu sein, auf der Bühne, im Leben und die Sterne zum Greifen nah… Kess, charmant, witzig, launig, lässig, leise, melancholisch und temperamentvoll-verführerisch begeisterten die vier jungen Musikerinnen von Youkali mit Liedern und Texten aus den Goldenen Zwanzigern das dicht gedrängt sitzende Publikum auf der Bühne von Büchers Best gestern abend. Großes Gefühlskino, hinreißend intensiv in Musik und Gesang, übermütig und gefühlreich funkelnd! Das weckte unweigerlich die Sehnsucht nach mehr.

Zur Bunten Republik Neustadt ist die Frauenband wieder zu erleben auf dem Martin-Lutherplatz am Sonntag nachmittag.

(lv)

Erste Jam-Bar Deutschlands in Dresden eröffnet

 Die Live-Musik-Bar ist eine Bühne für nationale und internationale Künstler

In stilvoller Atmosphäre Freunde treffen und Live-Musik lauschen können die Dresdner in einer neu eröffneten Location. Mit der „Jam Bar by S.K.Y.“, Kleine Brüdergasse 3, hat die Altstadt nun die deutschlandweit erste Live-Musik-Bar, die das Konzept der Jam Sessions bereits im Namen trägt. Jeweils Donnerstag und Freitag können sich die Gäste von verschiedenen Musikern hautnah begeistern lassen.

Von ähnlichen Lokalen in Berlin angetan, wollte die Inhaberin, Ksenia Selezneva, das Konzept unbedingt nach Dresden bringen. Vor einigen Jahren kam die gebürtige Russin für ein Studium der Kulturwissenschaft an die Technische Universität Dresden. „Ich wollte etwas Neues ausprobieren, solange ich noch jung bin“, sagt die 29-Jährige. In ihrer Bar werden künftig gestandene Musiker und Newcomer für anregende Abende sorgen. „Der Zusatz S.K.Y. hat im Übrigen nichts mit dem TV-Sender zu tun. Dahinter verbergen sich die Vornamen zweier guter Freunde, die mich in meiner Idee bestärkt haben. Und das K. steht für Ksenia“, ergänzt Selezneva.

Den musikalischen Auftakt gestalteten am 1. und 2. Juni die Gitarristen Lorenz Petrocca und Ulla Heaesen. Mit ihrem Programm „Italy goes Brazil“ erfüllten sie die Location mit südamerikanischer Lebensfreude. „Unser Konzept ist im weitesten Sinne Weltmusik. Wir sind offen für alle Genres, das kann auch mal afrikanische oder indische Musik sein“, erklärt Booker Hendrik Kleditz. Er ist selbst leidenschaftlicher Musiker und ehemaliger Organisator des Boulevards der Weltmusik in Riesa. Nun koordiniert er das künstlerische Programm der Jam Bar by S.K.Y. und will nationale wie internationale Musiker auf die Bühne holen. Kontakte zum Dixieland-Festival bestehen bereits, für weitere Kooperationen mit den Dresdner Jazztagen oder auch dem Jazzclub Tonne ist man jederzeit offen.

Ergänzt wird das Programm von einem erlesenen Getränkeangebot. „Unsere Idee ist ein eleganter Laden mit eleganter Musik und eleganten Drinks“, verspricht Barkeeper Kevin Groß. Zu den Spezialitäten des Hauses zählen auch zwei Cocktails, die Groß selbst erfunden hat. „Zum einen den ‚Berlusconi’, einen Frauenversteher auf Rum-Basis, und zum anderen den ‚Grünen’, der ursprünglich ‚one and only’ hieß, aber die Damen bestellten immer ‚noch einen Grünen‘“, schmunzelt Groß. Künftig soll es jede Woche auch einen besonderen Cocktail im Angebot geben.

Die Jam Bar by S.K.Y. öffnet immer Dienstag bis Sonntag von 17 Uhr bis mindestens 1 Uhr. Das stilvolle Ambiente bietet für rund 40 Gäste vor der kleinen Bühne Platz. Die folgenden Konzerte finden am 8. Juni um 21 Uhr und am 9. Juni um 21 Uhr statt. An einem Auftritt interessierte Musiker können sich bei Hendrik Kleditz melden.

Weitere Infos: www.jambarbysky.com

Text: Medienkontor Dresden


 

WuKaMenta 2017: Mit Bratpfannen auf Kunstwerke werfen

Foto: André Wirsig

Dresdner Wutbürger dürfen am Pfingstmontag mit Bratpfannen auf ein Kunstwerk Ihrer Wahl werfen +++ Museumspädagogin führt durch das Museum ohne Dach +++ Künstler bietet Postkartenschreibservice +++ WuKaMenta 2017 vom 1.-15.Juni auf dem Neumarkt in Dresden +++ 33 Künstler +++ täglich zwischen 12 und 19 Uhr +++ 

In letzter Zeit werden in Dresden gern mal Kunstwerke mit Kochgeschirr beworfen. Das Wunderkammernfestival WuKaMenta möchte sich diesem neuen Trend in der Kunstkritik anschließen und bietet deshalb am Pfingstmontag einen Service für Besucher, um ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen: Bratpfannenwerfen auf ein Kunstwerk ihrer Wahl. Die Museumspädagogin Susanne Lehmann führt durch das Museum ohne Dach und wird Interessierten das Urmodell der Frauenkirche und des niedrigsten Storchennestes Deutschlands nahe bringen. Kaspar Dornfeld bietet einen Postkartenschreibservice für Touristen, die sich einer leidigen Pflicht entledigen wollen.

Am Pfingstsonntag gab es einen Besucheransturm auf die Wukamenta, 4.000 Besucher und 7 Wutbürger. Das Popup-Country „Labystan“ konnte 25 neue Mitbürger begrüßen. Touristen aus Kassel wunderten sich, dass es die WuKaMenta in Dresden gibt.

Richard von Gigantikow, künstlerischer Leiter, hat 33 Künstler eingeladen. Das Motto ist: „Anders leben, aber wie?“ Ideenreich und prozessorientiert nutzen die Künstler die kreative Kraft von Spiel, Konfrontation und Reibung, um vor Ort und gemeinsam mit den Besuchern neue Kunst entstehen zu lassen. Täglich zwischen 12 und 19 Uhr wird der Platz auf dem Neumarkt mit Bildern und Performances gefüllt. Um 16 Uhr findet jeweils ein offenes Kunst-Picknick statt. Die Portfolios der Künstler sowie das Programm sind unter www.kunst-der-luege.de einzusehen.

Der Träger „Kunst der Lüge e.V.“ wird gefördert im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung 2025. Kooperationspartner sind die Stiftung Frauenkirche, die Stiftung Osterberg für Kunst und Kultur, Kultur Aktiv e.V. sowie das Lügenmuseum.

Text: Lügenmuseum/Richard von Gigantikow 

WuKaMenta 2017 auf dem Neumarkt in Dresden: Täglich offenes Kunst-Picknick

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WuKaMenta 2017 vom 1.-15.Juni auf dem Neumarkt in Dresden +++ 33 Künstler +++ täglich in der Zeit zwischen 12 und 19 Uhr +++täglich offenes Kunst-Picknick um 16 Uhr, jeder bringt etwas mit +++Neue Kooperationspartner: Stiftung Frauenkirche, Osterbergstiftung für Kunst und Kultur, Kultur Aktiv e.V. +++ Infos unter www.kunst-der-luege.de

Die WuKaMenta findet in diesem Jahr vom 1.-15. Juni wieder auf dem Neumarkt in Dresden statt. Der Verein „Kunst der Lüge e.V.“ hat unter der künstlerischen Leitung von Richard von Gigantikow 33 Künstler eingeladen unter dem Motto „Anders leben, aber wie?“ im öffentlichen Raum zu agieren. Ideenreich und prozessorientiert nutzen die Künstler die kreative Kraft von Spiel, Konfrontation und Reibung und bekommen täglich zwischen 12 und 19 Uhr Raum, den Platz mit neuen Bildern zu füllen. Um 16 Uhr findet täglich ein offenes Kunst-Picknick statt, bei dem jeder etwas mitbringen kann. Die Portfolios der Künstler sowie das Programm ist unter www.kunst-der-luege.de zu finden.

In diesem Jahr wird das Projekt im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung 2025 wieder gefördert. Neue Kooperationspartner sind die Stiftung Frauenkirche, die Stiftung Osterberg für Kunst und Kultur sowie Kultur Aktiv e.V.

Text + Foto: Reinhard Zabka

Lügenmuseum Radebeul
Kötzschenbrodaer Str. 39
01445 Radebeul / Dresden
+49 176 99 02 56 52
www.luegenmuseum.de

Büro für Kulturvermittlung,
Projektberatung &
Veranstaltungsmanagement
kultur@meusemann.eu
0162 – 170 95 94

Romantischer Rebell: Zorro an den Landesbühnen Sachsen

Er ist Träumer, Narr und Rebell in einer Person: Der Mann mit der Maske, „Zorro“ lehrt die Bösewichte dieser Welt das Fürchten.

Mit viel südlicher Lebensfreude und Leidenschaft in Spiel, Gesang und Tanz feierte das Musical „Zorro“ von Stephen Clark (Buch und Gesangstexte) mit Musik der Gipsy Kings am Sonnabend Premiere an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Erstmals tauchte der legendäre Rächer des Volkes in Kalifornien zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der spanischen Kolonialherrschaft, bei Johnston Mc Cully in seinem Groschenroman „The Curse of Capistrano“/Der Fluch von Capistrano auf. Seitdem ritt “Zorro” in unzähligen Mantel- und Degenfilmen über die Leinwände der Welt. Mit einem Wiegenlied für einen Jungen, der sich ungeliebt und übersehen fühlt und später zum Tyrann und Zorros Gegenspieler wird, beginnt die Inszenierung unter Regie von Manuel Schöbel und musikalischer Leitung von Jan Michael Horstmann an den Landesbühnen. Anfangs ist es nur ein Abenteuerspiel im Video festgehalten. Drei Kinder fechten und streiten im Wald, wer der Anführer sein soll. Doch daraus wird blutiger Ernst in dieser Geschichte um die zwei Brüder Ramon und Diego, die zu erbitterten Feinden werden, obwohl sich beide nur nach Liebe, Freiheit und Anerkennung sehnen.

Ramon (Andreas Petzoldt) fühlt sich benachteiligt vom Vater, vertreibt ihn aus dem Amt des Bürgermeisters und herrscht als selbstherrlicher Despot. Luisa, die schöne, starke und temperamentvolle Freundin aus Kindertagen (Iris Stefanie Maier) findet Diego in Barcelona, wo er statt zu studieren sein Leben genießt mit einer Gruppe Gitanos, die musizierend umherziehen. Aufgerüttelt von den gewaltsamen Zuständen in seiner Heimat, kehrt Diego (als romantischer Rebell: Carlos Matos) zurück. Er taucht abwechselnd als Narr in roter Uniformjacke und ganz in schwarz mit Maske als Rächer der Armen und Entrechteten auf, hinterlässt ein flammendes „Z“ mit seinem Degen, befreit zum Tod Verurteilte und entwischt Ramon immer wieder.

Die keck-verführerische Gitana Inez (Emily Burns-Scott) becirct den trottelig-fügsamen Sergeant Garcia (Marko Bräutigam) und erkennt Ramons selbstzerstörerischen Hass auf alle, die ihn einst gern hatten. Mit viel Herz und Schmerz, Dramatik und Komik erobert “Zorro“ die Herzen der Zuschauer, passend zur beginnenden warmen Jahreszeit, begleitet von feurigen Flamencoklängen, den Ohrwürmern der Gipsy Kings und hinreißenden, mal farbenfroh-fröhlich umherwirbelnden, stolz und kraftvoll mit den Füßen stampfenden Tänzerinnen und Tänzern. Begeisterter Beifall vom Publikum.

Nächste Vorstellungen: 21.5., 19 Uhr, 26.5., 19.30 Uhr und 9.6., 20 Uhr an den Landesbühnen

 

 

 

Paare & Protagonisten – Malerei von Steffen Fischer in der Galerie Mitte

Lustvoll demaskierte Helden

Wer ist Verführer und Verführte? Nicht nur Zeus verfehlt sein Ziel und lässt heftig Federn im verführerisch-abgründigen Spiel der Gegensätze und Kampf der Geschlechter. Da vergnügt sich Leda als Amazone oder Domina mit dem als sanfter Schwan verwandelten  mächtigen Himmelsherrscher. Da treffen antike Mythen wie der vom gehörnten Minotaurus, der durch die Liebe erlöst wird auf lustvoll-grotesk demaskierte Helden und Eroberer. Da verfließen Grenzen zwischen typisch Mann oder Frau, werden tradierte Rollenbilder von Herrschaft und Unterwerfung aufgebrochen und die Sehnsucht nach Verschmelzung des Urmännlichen mit dem Urweiblichen mit farb- und ausdrucksreich vibrierendem Pinsel und Zeichenstift auf zumeist großformatige Leinwände und kleinere Arbeiten auf Papier gebannt in der derzeitigen Ausstellung „Paare und Protagonisten“ von Steffen Fischer in der Galerie Mitte auf der Striesener Straße 49 am Fetscherplatz. Erstmals zeigt sich der Maler mit einigen Selbstportäts, in denen er selbstironisch verschiedene Masken trägt, inmitten seiner expressiv figürlichen Malerei. Zur Ausstellungseröffnung spielten die Musiker Frank Deutscher am Bandoneon und Michael Lindner an Gitarre und Pedal Steel (Tam Tam-Combony) auf Wunsch des Malers charmant-spannungsvolle Tangomusik.

Die Ausstellung ist bis 24. Juni zu sehen.

Weiteres zur Ausstellung demnächst

Geöffnet: Di bis Fr von 15 – 19 Uhr, Sa von 10 – 14 Uhr sowie nach Vereinbarung (geschlossen am 25.5.)

http://www.galerie-mitte.de

Text + Fotos (lv)

Im Kabinett: Arbeiten auf Papier von Jürgen Keßler, den Fischer seit Studienzeiten kennt.