Ausstellungseröffnung „Heimatkunde“ im Kunstverein Meißen


Lebhaft pulsierender Sound kontra dumpfen Gleichklang: Klangkünstler Joules bei der Ausstellungseröffnung.


Siegmund Jähn, der erste DDR-Bürger im Weltall in einem Porträt von Kerstin Junker, daneben ein Brief von ihm an die Künstlerin. 
„Hau ab!“-Rufer von Heinz Schmöller
Alles nur Kinderspiel, Spaß oder Ernst? Die Grenzen sind fließend in den kunterbunten Porträts von Lucas Oertel.

In Sachen Heimatschutz in Dresden unterwegs: Aktionskünstler Dada Vadim
„Flames of love“: Installation von Heinz Schmöller, hier im Gespräch mit Dada Vadim.

Heimatschützer und Hau-ab-Rufer
näher betrachtet

Die Ausstellung „Heimatkunde“ zeigt seit Sonnabend in den Räumen des Kunstvereins Meißen Malerei, Objekt- und Videokunst von vier Dresdner Künstlern, die sich mit Utopien und Realität des Begriffes auseinandersetzen.

Auf einem Platz in der Altstadt singt ein junger Straßenmusiker
zur Gitarre. „Weit weg, weit weiter lass uns gehen und sehen,
wer dann noch kommt…“  Im Schaufenster der Buchhandlung
gegenüber locken viele Reiseführer. Der Markt ist fast menschenleer.
Einige Familien und Ausflügler kommen vorbei. Kinder werfen dem
Musikanten ein paar Münzen in die Gitarrenhülle. Er heißt Joscha,
wohnt in Meißen und spielt schon lange auf der Straße, hier und anderswo
in der Welt, Lieder von Peter Licht und eigene Songs. „Lass uns auf`s Meer
fahren, lass uns nach den Inseln sehen…“ Die Zeilen klingen nach auf dem
Weg zur Ausstellung „Heimatkunde“, die am Sonnabendnachmittag mit viel
Besucherresonanz in den Räumen des Kunstvereins Meißen auf der Burgstraße 2 eröffnete. Das Titelbild am Eingang von Kerstin Junker wirkt apokalyptisch und visionär zugleich. Grellfarbig zeigt sie Bewohner einer fernen Weltraumkolonie, die vor einer nahenden Katastrophe in ihre Behausungen flüchten.

Die Ausstellung reflektiert Wunschvorstellungen, Sehnsüchte und Realität
eines Begriffes, der in letzter Zeit hierzulande immer mehr zum Reizwort wird. Damit setzen sich in ihren Arbeiten die Künstler David Adam, Kerstin Junker, Lucas Oertel und Heinz Schmöller, alle aus Dresden stammend, überraschend vielseitig und vieldeutig auseinander. Zu sehen sind assoziationsreiche Tafelbilder, Objekt- und Videokunst. „Es geht um den Heimatbegriff als utopische Hoffnung im Sinne von Ernst Bloch. Heimat als etwas, an dem wir immer bauen und das in die Zukunft gerichtet ist“, sagt John Hinnerk Pahl, Kunsthistoriker, Galerist in verschiedenen Projekten und Kurator der Ausstellung. Matthias Lehmann, der Vorsitzende des Kunstvereins Meißen lud ihn als Kurator der Ausstellung „Heimatkunde“ ein. Wie nah oder fremd einem Heimat sein kann, deren Bedrohung teils vehement heraufbeschworen wird und der Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen spiegelt sich ebenso in den Werken. Da marschieren fünf Männer mit kindlich-naivem Ausdruck in grünrot gesprenkelten Uniformen in Reih und Glied, um ihr Heimatland zu verteidigen. „The Volonteers, freiwillig verpflichtet“ heißt diese Wandinstallation von Lucas Oertel von 2019. In einer Serie kleinformatiger, farbenfroher Ölbilder zeigt er außerdem witzig-hintersinnig ein „Paar im Sommer“ oder im Heimaturlaub, einen Fäuste ballenden „Sieger in Blau“, ein anderer hält die Hände vors Gesicht: „bin weg“. Auf einem Sockel steht eine kleine weiße Porzellanfigur, die unter dem zwiespältigen Titel „bringing the light“ einen Molotov-Cocktail werfenden Menschen zeigt. Nicht weniger ironisch-gruslig karikiert Heinz Schmöller radikal politische Zündler mit seinem „Empfangskomitee“, eine Gruppe von vier kinetischen Menschenpuppen, mausgrau und mit gescheiteltem Haar, die aktiviert durch einen Bewegungsmelder im Chor die Worte „Hau ab!“ in Anspielung auf “Pegida“-Kundgebungen allen entgegen rufen, die sie sehen. Halb belustigt und bemitleidend betrachtet man die starr ihre Parolen plappernden Geschöpfe.

Während die aus frei hängenden Bierflaschen flackernden „Flames of love“ von Schmöller eher Lagerfeuerromantik verbreiten, wirken die farbkräftig lodernden Szenarien mit Menschen im Weltraum von Kerstin Junker faszinierend, geheimnisvoll und unbehaglich zugleich. Da schauen Kinder gebannt auf ein sternförmiges glänzendes Teil im Wasser, während hinter ihnen eine Riesenfeuerwolke in den Himmel steigt. Ihre Bilder lassen in der Schwebe, was im nächsten Moment passiert und die Figurenumrisse leuchten aus dem Dunklen heraus. Sie erinnern an Maler der Romantik und in der Malweise an Neo Rauch. Für den sie auch am Bühnenbild mitarbeitete in der Oper Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen 2018, erzählt Kerstin Junker. „Es muss immer etwas weh tun“, sagt die diplomierte Künstlerin und Theatermalerin über ihre kontrastreichen Bilderlandschaften. Von ihr stammt auch ein Porträt des 2019 verstorbenen Kosmonauten Siegmund Jähn, daneben hängt ein Brief des ersten DDR-Bürgers im Weltall an die Künstlerin. David Adam ist als Aktionskünstler „Dada Vadim“ als „Heimatschützer“ in Dresden unterwegs, festgehalten in zahlreichen aberwitzigen Fotografien. Er sieht sich in der „radikalen Mitte“ und strebt die „Vereinigung der Widersprüche“ an. „Ich bin mein eigener Feind, das ist die menschliche Natur“, sagt Dada Vadim. Er zeigt ein Video, „Geste des Scheiterns #2-Heimat“ aus Dresden und ein Video „Wo bitte geht es hier zur Heimat“, wo er 2018 Menschen in einem Flüchtlingslager in Libanon besuchte, um zu erfahren wie die Menschen dort bereits seit Generationen leben und auf Rückkehr in ihre Heimat warten. Er läuft durch dieses Niemandsland  wie durch ein Labyrinth.

„Die Ausstellung ist ein Angebot mit sehr unterschiedlichen Positionen, wie man Heimat sehen kann“, sagt Matthias Lehmann. In die neuen Räume des Kunstvereins im Erdgeschoss kämen wesentlich mehr Besucher und auch Laufpublikum. Um junges Publikum zu locken, hat der Kunstverein ein Förderprogramm für Nachwuchskuratoren, die Ausstellungen gestalten, gestartet. Dafür sind weiterhin Unterstützung und private Spenden willkommen. Die Ausstellung „Heimatkunde“ ist noch bis 18. April zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Do bis Fr 12 bis 18 Uhr und Sa 10 bis 15 Uhr

http://www.kunstverein-meissen.de


Schönes und Bedrohliches, Aufbruch und Absturz liegen nah beeinander in den farbkräftigen Bilderlandschaften von Kerstin Junker.

Neue Gedichte: Am Fluss & Hinter der blauen Tür

Schattenfänger

Der Tag neigt sich
halb im Schatten
seh ich dich mein Glück
noch im Verborgenen
kleiner Schornsteinfeger
Schattenfänger

du hast ein Auge
auf mich geworfen
mein Herz wandert
ruhelos umher
nichts ist wie vorher mehr

siehst du mich mit einem
oder beiden Augen an
entspringt das Glück
dem Schatten oder Licht

fall ich in die Leere
unterm Kleeblatt
unter dem es vibriert
oder nicht

LV
24.02.2020

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Haltlos

Der Sturmwind schlug
der alten Weide
mitten ins Herz
riss einen mächtigen Ast voller Zweige
heraus wie ein Armstumpf ragt der Rest
in die Luft
feinfaserig gehalten

erschüttert steh ich vor
den wehrlos verdrehten Zweigen
die Taube hat ihren Platz verloren
rotweisse Absperrbänder liegen
unter dem Baum lose auf der Erde
umkreisen die Gefahrenstelle

LV
13.02.2020

Am Fluss

Die Nacht hat ein Auge
auf mich seit du fort bist
der Tag lässt mich kalt
der Ruf der Wildgänse
in der Dämmerung
begleitet mich zum Fluss

wo Flügel schlagen
Männchen Weibchen jagen
Vogelschreie und Lachen
Bierflaschen kreisen
Rauchschwaden aufsteigen
es nach verbranntem Fleisch riecht

LV
2017

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Hinter der blauen Tür

Du streichst über mich
wie die Sonne über die letzten Schneereste
weiße Wolken segeln am Himmel
Blau umfing uns
hinter dieser Tür

auf warmem Grund
lagst du vor mir
ein großer Fisch
der kurz ausruht
ich strich Tropfen
von deiner Stirn
du hieltst meinen Arm

bevor wir in Küssen ertranken

LV
14.01.2017

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Im Ungefähren

Wir brauchen nur zugreifen
von deiner zu meiner Insel springen
warum tun wir es nicht

Halten uns auf im Ungefähren
unstillbaren Verlangen
kommen nirgends an

Willst du die Blüten inmitten der Brennesseln
winde sie aus dem Blätterdickicht
ihrer verborgenen Wünsche

LV
11.09.2017

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Kleiner Falter

Sah einen dunklen Fleck
dann das Flatterding an der Wand
reglos hing es über der Landkarte
meiner Träume
der Laptop schlief schon
eine Nacht oder länger

lautlos wie unsere Liebe
verflogen mit der Zeit
oder fliegen wir mit ihr
über uns hinaus
bist du bereit auch
unter meine Flügel zu sehen

wenn sie sich nicht mehr öffnen
dachte ich als der Falter am nächsten Tag
immer noch an der Wand saß
scheute mich ihn zu berühren
herabfallen
zerfallen in Nichts zu sehen

gefangen in Schwarz
hob ich sacht seine Flügel an
der Falter flog sofort auf
flimmerte mich an und verschwand

Mein Schattenfalter fliegt draußen
sein Platz ist sonnengelb
doch vermisse ich ihn

LV
15.04.2017

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Lichtquell

Deine Hand findet
meine
wir legen uns
ins Wasser das feuerrot sprudelnde
sammeln Lichtfunken

im schaukelnden Boot deiner Hände
überlassen uns der Quelle
endlich angekommen
stillen unseren Durst

LV
13.01.2017

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Verlangen nach Me(h)er

Traumwandler der Meere
schillernd in allen Farben
ziehen ihre Bahnen
hinter Glas
ein Augenschmaus
landen sie nicht auf dem Teller
wie ihre Artgenossen

taucht der Blick immer tiefer
mit all den Wunderwesen
in die Gefilde schwereloser Bewegung
endloser Schwerelosigkeit
zwischen Schlinggewächsen
und Korallenriffen
fließendes Verlangen
nach Me(h)er

sehe einen großen blauen Fisch
neben ihm einen kleinen
hin und her schnellen
und denke an das Märchen
vom Fischer und seiner Frau
der alles und nichts gefiel

die Fische stoßen aneinander
und an ihr Gehäuse
du wärst gern ein Fisch
angezogen vom Wasser
doch du willst auch fliegen
sagst du beim Gehen

LV
02.10.2016

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Blütentanz

Bei dir vergesse ich
den Lärm der Welt
verlier mich ganz
an die Klänge
in mir
sie springen zu dir

du spielst mir nichts vor
spielst nur für dich
bis sich unsere Blicke
fangen
hin und her treiben
in einem Meer aus Tönen

fliege ich und sehe
die tanzenden Blütenblätter
vom Baum fallen
der seine Zweige wie Arme ausbreitet
und rede mir ein
das alles wäre kein Traum

LV
01.05.2016

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Traumland

Sie drehen sich im Kreise
mit ihnen gehen Träume auf die Reise
Fliegen mit wehenden Mähnen
durch die Zeit
einmal zurück mit pochendem Herzen
ins Kinderland
und nach vorn verwegen-verlegen
wo es verschwand

und die Karusselpferde träumen
einmal nicht im Kreise
sondern mit wildem Getrappel
querfeldein davon zu ziehen

LV
28.10.2018

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Weißer Traum

Zuerst ein Klang
wie Tropfen
die leis anklopfen
aufs Fensterbrett fallen

abgelöst von weißem
Rieseln das mich
lautlos ergreift

die Kälte wegwischt
mit sanfter Zuckerbäckerhand
Dunkles ins Gegenteil verkehrt

Spuren im Schnee hinterlässt
und Flocken wirbeln in mir

LV
02.02.2019

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Schweben

Ein Gesicht am anderen
im Sog der Sonne
ausKroKusswiesen
wächst die Lust

Ein Kind schickt Seifenblasen
auf die Reise
flirrendes Schweben
jede von ihnen birgt
einen Traum
der lautlos zerschellt
an einem Körper
oder am nächsten Baum

an einem Zweig voller Knospen
vor meinen Augen
das Bersten pulsiert in mir

LV
14.04.2018

Ausstellung „Heimatkunde“ im Kunstverein Meißen

Haut ab! Auf der Suche nach Heimat

Die Ausstellung „Heimatkunde“ reflektiert Wunschvorstellungen, Sehnsüchte und Realität eines Begriffes, der immer mehr zum Reizwort wird. Zu sehen sind Tafelbilder, Objekt- und Videokunst von David Adam, Kerstin Junker,  Lucas Oertel undHeinz Schmöller in den Räumen des Kunstvereins Meißen vom 29. Februar bis 18. April.

Die Ausstellung ist Teil des Förderprogramms des Kunstverein Meißen für Nachwuchskurator*innen und wurde kuratiert von John Hinnerk Pahl, Kurator und Kunsthistoriker.

Abbildung: Kerstin Junker: They saw the rise and fall, 23,5 x 16 cm, Öl und Acryl auf Karton, 2019, Detail

Eröffnung am Samstag, 29. Februar 17 Uhr

Begrüßung: Matthias Lehmann
Einführung: John Hinnerk Pahl, Kurator und Kunsthistoriker
Musik: Joules

Heimat birgt etwas Utopisches. In seinem Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“ verkündet der Philosoph Ernst Bloch: „Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ Dass der Begriff heute viel bemüht wird, dass sogar ein Ministerium nach ihm benannt worden ist, dass sein Schutz eingefordert und mitunter seine Bedrohung heraufbeschworen wird, regt an zu einer kreativen Auseinandersetzung.

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Kunstverein Meißen e.V. vergibt für 2020/21 zwei Residenzstipendien

Die Jury des Kunstverein Meißen wählte vergangene Woche die Künstlerinnen Christina Wildgrube und Gaby Taplick für die Residenzstipendien 2020/21 aus.

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Vorschau

Residenzstipendium des Kunstverein Meißen für 2020 geht an
Christina Wildgrube

27. April bis 20. Juni

Die Künstlerin Christina Wildgrube wird im April und Mai 2020 unter dem Titel „Das weite Land“ für vier Wochen in Meißen ihr für das Residenzstipendium eingereichtes künstlerisches Vorhaben unter Einbeziehung von Formen, Ornamenten und Mustern der Albrechtsburg verwirklichen, diese zeichnerisch sammeln und in ein großformatiges Landschaftsbild übertragen. Dieses ist dann in der anschließenden Ausstellung den Räumen des Kunstvereines zu sehen.

Das weite Land – Christina Wildgrube

Stipendiat*innenausstellung 2020
23. Mai bis 20. Juni

von Christina Wildgrube, Rückkehr, Linotype 12 Cicero, 2020

Eröffnung am Samstag, 23. März 17 Uhr

Begrüßung: Matthias Lehmann
Künstleringespräch mit Einführung in das Werk der Stipendiatin

Finissage am Samstag, 20. Juni 17 Uhr
Begrüßung: Matthias Lehmann

Künstleringespräch mit Katalogpräsentation und Einblicke in das Werk der Stipendiatin

Text + Fotos:  KUNSTVEREIN MEISSEN

ÖFFNUNGSZEITEN

Mittwoch bis Freitag 12 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr, Sonntag bis Dienstag und zwischen den Ausstellungen geschlossen.

Eintritt frei. Kunstverein Meißen e.V. Burgstraße 2 • 01662 Meißen
Telefon: 03521 – 476650

Zu Besuch im Malkurs an der Volkshochschule Radebeul

„Gönnen Sie sich diese Linie !“

Der Malkurs von Mechthild Mansel an der Volkshochschule Radebeul ist sehr gefragt und das musische Angebot soll ausgebaut werden. Eine Ausstellung mit Arbeiten von Freizeitkünstlern eröffnet am 28. Februar, um 19.30 Uhr.

Die Staffeleien wirken wie ein großes, aufgeschlagenes Bilderbuch, an dem noch emsig gearbeitet wird. Hinter den fächerartig aufgestellten Zeichenbrettern stehen die Malkursteilnehmer. An diesem Abend ist Porträtzeichnen angesagt. Sie zeichnen mit Bleistift einen jungen Mann, der in der Raummitte auf einem Stuhl sitzt. Elf Zeichnungen sind zu sehen und auf jedem Blatt sieht er anders aus. „Das ist auch das Spannende, Details sehen zu lernen“, sagt Martina Metzenroth. Sie arbeitet in der Verwaltung und besucht seit zwei Jahren den Malkurs in der Volkshochschule im Landkreis Meißen in Radebeul. Hier finde sie Anleitung im Malen und Zeichnen.
„Das ist sehr beflügelnd und macht Spaß“, sagt sie. „Es belebt, entspannt und hinterher trägt man ein Bild nach Hause.“ Ein anderes Mal wird mit Pinsel und Farben gemalt und im Sommer gehen sie auch ins Freie und suchen sich Malmotive wie Schloss Wackerbarth oder an der Elbe.

„Der Ausgangspunkt ist für alle gleich, was jeder daraus macht, unterschiedlich und das bereitet Freude beim Betrachten“, sagt Uwe Buchholz, der bisher als Architekt arbeitete und jetzt mithilft in der Apotheke seiner Frau in Meißen. Das Malen sei auch ihr Hobby und sein Schwiegervater, 77 Jahre, zeichnet ebenso neben ihm an der Staffelei. Uwe Buchholz übt sich gerade im Zeichnen mit der linken Hand, um nicht festzufahren und ins Stereotype zu fallen. “Das ist ungewohnt, man muss sich sehr konzentrieren und es dauert länger“, sagt er. „Wir haben aber eine super Lehrerin, sehr direkt, aber zielführend und schön, was sie aus jedem herauskitzelt“, sagt Uwe Buchholz über Mechthild Mansel.

Sie geht zwischen den Staffeleien umher, gibt Hinweise und geht auf die Arbeiten ein: „Immer das Modell im Blick behalten.“ “Bitte hier die Dunkelheit herstellen zum einfallenden Licht“ und „Gönnen Sie sich diese Linie!“, sagt sie zu den Zeichnenden und macht sie auf Feinheiten der Gesichtspartie, Augen, Ohren und Nase aufmerksam.
Seit 2010 gibt die in Dresden lebende Künstlerin Mechthild Mansel als Dozentin Malkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an der Volkshochschule in Radebeul. Bereits mit zehn Jahren nahm sie Unterricht in der Dresdner Hochschule für Bildende Künste. Zu ihren Lehrern gehörte der bekannte Maler Bernhard Heisig, wegen ihm habe sie schließlich in Leipzig Kunst studiert.

„Im Malkurs geht es darum, die Wahrnehmung zu vertiefen, das kann man ins tägliche Leben mit übernehmen. Außerdem entwickeln die Teilnehmer verschiedene malerische und zeichnerische Techniken und Ausdrucksmöglichkeiten für eigene Gefühle, Erfahrungen und Eindrücke“, so Mechthild Mansel. „Malen hat auch etwas Meditatives und ist gut für die Seele.“ In ihrem Malkurs treffen sich jeden Mittwochabend, 19 Uhr, maximal zwölf Teilnehmer im Alter von Mitte 20 bis über 80 Jahren, um gemeinsam zwei Stunden zu zeichnen und malen. Ein Kurs umfasst fünf Veranstaltungen.

„Die künstlerischen Kurse sind immer sehr gut nachgefragt. Da viele Teilnehmer dabeibleiben im nächsten Kurs mit neuen Schwerpunkten, gibt es wenig freie Plätze für Neueinsteiger“, sagt Ines Ragala. Seit Oktober 2019 leitet sie den Fachbereich Gesundheit, Kunst und Gesellschaft an der Volkshochschule in Radebeul. Es gibt außerdem einen Malkurs mit der Künstlerin Sylvana Arndt dienstags um 9.30 Uhr, den meist Senioren besuchen. Weitere künstlerische Kursleiter sind willkommen. Außerdem wird das musische Angebot ausgebaut, vorerst mit Kursen für Gitarre, Schlagzeug und andere Rythmusinstrumente. „Beim Malen hören wir auch oft Musik von Klassik bis Jazz und man merkt, dass der Stift dann auch leichter wird“, sagt Carolett Kaselowski. Sie malt und musiziert seit ihrer Jugendzeit und betreibt zwei Musikschulen in Radebeul und Dresden. Dass jeder seinen eigenen Stil hat, dem er treu bleiben und sich zeichnerisch weiterentwickeln kann, gefällt ihr am Malkurs mit Mechthild Mansel.

„Die Hand zittert, beschwert sich, dass zu viel radiert wird, altersbedingt“, sagt Barbara Müller, fast 90-jährig und die älteste Teilnehmerin im Malkurs. Doch sie sei froh, dass sie noch gut sehen und zeichnen kann und einer der Teilnehmer nimmt sie mit ins Pflegeheim in Radebeul. Nach dem Kurs lehnen alle Porträtzeichnungen an der Wand, gegenüber sitzen die Teilnehmer und sprechen mit Mechthild Mansel darüber. Der Austausch über die Bilder ist ihnen so wichtig wie das Malen.

Nun sind sie gespannt auf die Ausstellung. Dafür wählte Mechthild Mansel insgesamt 18 Bilder von acht Malkursteilnehmern, die am längsten dabei sind, aus. Die Ausstellungseröffnung ist am 28. Februar, um 19.30 Uhr in der VHS Radebeul auf der Sidonienstraße 1a. Dann wird auch die Schülerband aus der Musikschule “sound of harmony“ von Carolett Kaselowski spielen. Kursleiterin Mechthild Mansel selbst wird am 20. März, um 19.30 Uhr eine Personalausstellung anlässlich ihres 60. Geburtstages mit Ölbildern, Grafiken und Keramik in der Stadtgalerie Radebeul eröffnen, wo auch alle ihre Kursteilnehmer hinkommen. Der nächste Malkurs mit ihr an der VHS Radebeul startet am 26. Februar.

Text + Fotos (lv)

http://www.vhs-lkmeissen.de


Zeichnen entspannt und schärft den Blick: die Künstlerin Mechthild Mansel mit den Porträts ihrer Malkursteilnehmer.

BilderAlbum: Frank Zander stellt im Fischrestaurant „Kastenmeiers“ aus


„Hier kommt Kurt“: Das passende Bild zum Hit hängt auch in der Ausstellung.
Der Musiker und Comedian mit der Reibeisenstimme Frank Zander ist gelernter Grafiker. Natürlich sang er auch ein Lied gemeinsam mit seinen Fans („Nur nach Hause woll`n wir nicht“…)


Kochfisch & Hamburg, Große Freiheit

Bunt beflügelte Zander-Fische

Der Musiker, Comedian und Grafiker Frank Zander stellt zurzeit farbenfrohe Zeichnungen und Gemälde mit und ohne Flossen und Charisma im Fischrestuarant „Kastenmeiers im Taschenbergpalais“ Dresden aus. Er ist ein Unikum wie seine Bilder, direkt aus dem Bauch. Es geht um Genuss, Spaß, aber auch ein offenes Herz und geben denen, die wenig haben. Zur Ausstellungseröffnung signierte, sang und machte Zander viele Selfies zusammen mit den zahlreichen Besuchern. Das erste Bild wurde gleich verkauft, das der stolze Besucher hier hält. Die 33 „echten Zander“ sind noch bis 27. Februar zu sehen.

Text + Fotos (lv)

http://www.kastenmeiers.de
  

Experimental Improvisation: Musik & Malerei live im KlangLabor


Harfenklänge & Pinselschwünge: Aerdna Harp & Manuela Neumann


Gitarrenklänge steuert Christoph Ball bei zur Impro-Session im KlangLabor.


Auf der Trompete begleitet Marcous „Albinoni“ Kliesch die Musik & Malerei-Performance.

Wenn Musik und Farben zusammen fließen

Der Pinsel harft über`s Papier. Die Harfe schwelgt in verschiedensten Farbtönen, trifft auf im Raum umher schwirrende Gitarren- und Trompetenklänge. Die Kunst der Improvisation in gemeinsamem Agieren von Musik & Malerei kann man diesen Sonnabend hautnah im KlangLabor in Dresden erleben. Aerdna Harp spielt an der E-Harfe. Sie ist die Initiatorin dieses neuen Begegnungsortes verschiedener Künste. Marcous „Albinoni“ Kliesch bläst die Trompete. Er ist Berufsmusiker, gibt auch Unterricht und hat ein Tonstudio.
Christoph Ball steuert Klänge auf der Gitarre und Ukulele bei und singt. Er ist ebenfalls als Musiker tätig und unterrichtet. Beide wohnen in Dresden. Manuela Neumann, die an der Dresdner HfBK studierte, beteiligt sich an dem Experiment mit improvisatorischem Malen. Von ihr sind zurzeit auch Miniatur-Zeichnungen unter dem Titel „Faszination der Linie“ im Kabinett in einer Ausstellung in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49 am Fetscherplatz noch bis 14. März zu sehen. Zusammen sind die vier Künstler das Quartett „Pinhartromgit“. Man darf gespannt sein auf die spontan entstehenden Klangbilder und Bilderklänge dieser Musik & Malerei-Performance am 22. Februar, 19.30 Uhr im KlangLabor auf der Lommatzscher Straße 6 in Dresden. Eintritt frei. Spende willkommen.

Text (lv)

Fotos: Veranstalter

„Die Live Butterfly Show“ – Lesung mit Jan Wagner im Stadtmuseum Dresden

Kalifornische Sonette und ein kleiner Krähenhymnus

Der Berliner Dichter und Preisträger der Leipziger Buchmesse 2015, Jan Wagner liest aus seinem neuen Gedichtband „Live Butterfly Show“ am 20. Februar, um 19 Uhr im Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2 (Eingang Landhausstraße).

Man kann sich Jan Wagner als zeitgenössischen Klassiker vorstellen. Seitdem dem Berliner Dichter und Übersetzer im Jahr 2015 für seinen Gedichtband „Regentonnenvariationen“ der Preis der Leipziger Buchmesse zugesprochen wurde, wuchert sein mittlerweile berühmtes Gedicht „giersch“, „mit dem begehren schon im namen“, in den Köpfen von Lesern, Kritikern und Lyrikerkollegen. Selten hat ein kleines Sonett mit angedeuteten Reimen und hinters Licht führender Heimeligkeit derart die Geister geschieden. Schön, wenn Poesie so etwas kann!

Lyrische Anverwandlungen von Rettich und Weißkohl, „kalifornische sonette“, ein „kleiner krähenhymnus“ oder ein „lob des kamels“ bevölkern auch die „Live Butterfly Show“, Wagners neuesten Gedichtband, mit dem der gebürtige Hamburger morgen im Dresdner Stadtmuseum zu erleben ist. Es finden sich darin die ausgeklügelten Beschwörungen der Dingwelt, die man bereits zu kennen meint: Neunaugen als „glitschige urzeitwesen aus ocker / und schlamm“ oder Weißdorn als ein „lokal /begrenzter schneefall, der nicht / aufhört, nicht aufhört“.

Genauso segelt Wagner durch die abendländische Tradition von Jonas im Walfisch bis Horaz, widmet dem Maler John Constable und Dornröschen aus dem Märchen Sestinen und steht dann wieder unvermittelt „am ganges“.

Aber welcher Dichter, bitteschön, hat schon einmal über einen „einstellungstag im meerjungfrauenmuseum“ geschrieben? Der von der irischen Westküste stammende Matthew Sweeney, dessen Gedichte Wagner übersetzt hat, bemerkte einmal, dass man in maritimen Dingen und in puncto Akkuratesse bei Jan Wagner an der richtigen Adresse sei. Sein Hang zu sprachlicher Präzision, zu historischen Blitzlichtern, zum Fortschreiben von Traditionen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das dem kürzlich verstorbenen Sweeney gewidmete „glasauge“ uns anstarrt, „wie um zu sagen: bleibt und seht“. Und was sehen wir? Einen dem Trunke ergebenen „onkel“ etwa, der „an seinen hosenträgern“ hereinschwebt „wie ein prächtiger fesselballon“. Wir sehen „die kapitäne“, die „in unserer straße an land“ gingen und „ankerten in der witwenbucht“.

Unbedingt hervorzuheben ist auch Wagners feiner, ins Absurde spielende Humor, der allerdings ohne Reim kaum zu haben ist: „vergib mir“, heißt es im Titelgedicht, in dem vielleicht sogar von Schmetterlingen die Rede ist, „daß ich aufging in der schar / von eilenden, geblendeten, touristen, / undankbare blüte, die ich war“.   Patrick Wilden, DNN 19.2.2020

Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V. mit der Evangelischen Akademie Meißen und den Museen der Stadt Dresden.

Eine Veranstaltungs-Empfehlung von Jörg Scholz-Nollau

-- 
Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

Familienzentrum Radebeul feiert seinen 30. Geburtstag


Kaum ein Radebeuler, der nicht schon einmal hier war. Der Geschäftsführer des Familienzentrums Radebeul, Mathias Abraham zeigt das prall gefüllte, neue Programmheft. Zum Kinder-Fasching am 25.2., von 15.30 bis 18 Uhr, sind Kinder, Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und Freunde herzlich zum Feiern eingeladen, zu Knüppelkuchen am Feuer und einem kleinen Theaterstück (Anmeldung unter Tel.:  0351 – 83 973 – 0).

Ein Begegnungsort für alle Generationen

Das Familienzentrum Radebeul feiert seinen 30. Geburtstag am 8. März und lockt mit einer Fülle an Angeboten für kleine und große Besucher.

Wer einmal das trostlos verfallene Haus Anfang der 90er Jahre auf dem Dorfanger in Altkötzschenbroda sah, staunt um so mehr über die wundersame Verwandlung. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die Gründerinnen der Familieninitiative Radebeul mich damals durch das alte Gemäuer samt morschem Dachboden führten und erzählten, was hier einmal alles entstehen soll. Elan und Träume können viel bewirken. Auf ein helles Stofftuch schrieben sie in leuchtenden Farben an die Hausfassade: “Hier baut die Familieninitiative ein Familienzentrum“.

Sie wollten einen Platz für Eltern und Kinder in der Öffentlichkeit schaffen, an dem sie sich treffen, austauschen, selbst gestalten und gegenseitig stärken können. Bei der Umsetzung half den Frauen ein Preisgeld einer Stiftung und sie kauften das völlig marode Haus. Inzwischen strahlt der sanierte Dreiseithof sonnengelb wie einst auf dem Plakat. Die Aufnahme ist einem Faltblatt mit dem Jubiläumsprogramm zu sehen. Die Familieninitiative Radebeul e.V. feiert am 8. März ihr 30-jähriges Bestehen.

Mit einem Familien- und Frauentagsfrühstück von 9 bis 13 Uhr im Familienzentrum in Radebeul-Altkötzschenbroda 20. Außerdem gibt es ein fröhlichen Benefizkonzert für Familien in der Friedenskirche um 15.30 Uhr. In der Ausstellung „FamilienFreundeInitiativ“, die um 17.30 Uhr im Familienzentrum eröffnet, werden die Erinnerungen an die Anfangszeit und Entwicklung des Hauses lebendig.

„Das Besondere ist, dass hier alle Angebote unter einem Dach stattfinden. Die Eltern-Kind-Gruppen werden gern in Anspruch genommen und dabei entstehen auch Freundschaften und gegenseitige Unterstützung und wird Gemeinschaft aktiv gelebt“, sagt Mathias Abraham, seit 2004 angestellt und seit 2011 Geschäftsführer im Familienzentrum Radebeul, das Mitarbeiter und Stammbesucher liebevoll „Fami“ nennen. „Wir merken schon, dass Gesichter und Kontinuität wichtig sind und das Haus über die Jahre zu einem etablierten Ort geworden ist.“

Seit 2007 ist das Familienzentrum auch ein Mehrgenerationenhaus, das auch eine verlässliche Finanzierung und Stabilität im Rahmen eines Förderprogramms gebracht hat, so Abraham. Es ist ein Begegnungsort für kleine und große Besucher, jung und alt, wo sie sich auf vielfältige Weise betätigen können. Das 80seitige Heft mit dem neuen Halbjahresprogramm enthält täglich mehrere Angebote  von Musik und Bewegung für Babys und Kleinkinder, Prager Eltern-Kind-Programm (PEKIP), einem Stammtisch Malen und Zeichnen und Fotografie, Spielnachmittage, Singen, Yoga am Morgen, Kochkurs für Männer, Fortbildungen für Tagesmütter und Tagesväter bis zu Beratung für jede Lebensphase, Hilfsangeboten für Demenzkranke, Angehörige und Pflegende und einem Trauercafé.

Das Logo des Familienzentrums zeigt vier farbige Häuser, die miteinander verbunden sind wie ein vierblättriges Glücks-Kleeblatt,  lebhaft wie ein Schmetterling und gemütlich wie Waben. Ein Familiencafé und Spielzimmer laden im Erdgeschoss ein.
“Wenn man mit Radebeulern redet, kommt das Familienzentrum in vielen Lebensläufen vor. Kinder waren in den Ferien oder zum Fasching Seit einigen Jahren kommen die damals kleinen Kinder mit ihren eigenen Kindern hierher und das Familienzentrum ist selbst Bestandteil von Familiengeschichten“, sag Mathias Abraham.

Inzwischen nutzen 60 000 Besucher im Jahr die Angebote im Familienzentrum Radebeul mit nunmehr 25 angestellten Mitarbeitern. Das Familienzentrum setzt sich ebenso für ein lebendiges Miteinander von Bürgern und Vereinen für ihre Stadt ein in der Initiative „Team Radebeul – Mach mit im Leben“. Dazu soll eine Ehrenamtsbörse im Februar ans Netz gehen und der Spendenlauf im Lössnitzstadion am 7. Juni, ab 10 Uhr, unterstützt vier soziale Projekte.

Ab  März öffnet außerdem ein Freitagscafé (von 10 bis 14 Uhr) im Kulturbahnhof Ost parallel zum Wochenmarkt, um die ehemalige Bahnhofshalle und den Vorplatz gestalterisch neu zu beleben. „Es soll ein schöner, einladender Ort werden, der die Bedürfnisse der Radebeuler berücksichtigt“, sagt Mathias Abraham. Das Familienzentrum bringt sich ebenso ein wie die im Areal ansässige Stadtbibliothek und Volkshochschule Radebeul.

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Öffnungszeiten des Familienzentrums:

Mo bis Do  9  – 17 Uhr, Fr 9 – 14 Uhr. Mittagstisch von 11 -13 Uhr.

www.Familienzentrum-Radebeul.de 

Radebeuler Kultur e.V.: Liebe zur Musik und Erschließung neuer Kreativräume


Gemeinsamer Einsatz für eine lebendige, künstlerisch-kreative Szene in Radebeul: Björn Reinemer kurbelt die Projekte im Radebeuler Kultur e.V. an, in dem auch seine Mutter, die Bildhauerin Gabriele Reinemer aktiv ist.

Vom Jazz-Festival bis zur musischen Förderung
für Kinder und Jugendliche

Der Radebeuler Kultur e.V. setzt neue Akzente und will ein Altes Fabrikareal zusammen mit Kreativfirmen neu beleben.

Für eine vielfältige Kulturszene in der Stadt setzt sich der Radebeuler Kultur e.V. ein. Als erstes Projekt unterstützte der Verein im Juni 2019 das XJazz Edition Radebeul Festival. Schirmherr war die Radebeuler Free Jazz Legende Günter Baby Sommer und die bekannte Dresdner Sängerin und Kabarettistin Anna Mateur. Über 800 Besucher erlebten an drei Tagen an mehreren Spielorten, darunter die Landesbühnen Sachsen, Weingut Aust und Haus Steinbach Konzerte mit hochkarätigen lokalen und internationalen Künstlern.

In diesem Jahr findet das genreübergreifende Jazzfestival vom 5. bis 7. Juni wieder in Radebeul statt. Eröffnet wird es mit Jazzrock und Beat der Band „Get The Blessing“ aus Großbritannien am 5.7., um 20.30 Uhr in der Lutherkirche. Mehrere Gruppen spielen wieder im Weingut Aust am 6.6. ab 16 Uhr.

„Uns verbindet alle die Liebe zur Musik, zur Region und der Wunsch, die kulturelle Lebensqualität zu erhalten und zu fördern“, sagt Björn Reinemer.
Der 32-jährige kümmert sich um die Geschäftsführung des Radebeuler Kulturvereins. Er ist Musiker und Inhaber der Konzertagentur Dynamite und arbeitet als Booker im Verlag Voland und Quist in Dresden. Der Kulturverein ist inzwischen auf 27 Mitglieder angewachsen und insgesamt 32 Leute engagieren sich für dessen Projekte. Sie sind zwischen 19 und 83 Jahre alt, arbeiten in der IT-Branche, als Architekten, Baumpfleger, Bühnenbildnerin und Künstler wie die aus Frankreich stammende Sophie Cau oder der Radebeuler Uri Weber.

Der Radebeuler Kulturverein unterstützt und initiiert einzelne Projekte wie Konzerte, Workshops, Lesungen oder Theaterproduktionen. Eine Mischung aus Lesung und Konzert mit Esther Bejarano, eine 95-jährige jüdische Autorin und Holocaust-Überlebende und einem Rapper, ist für den 2. Oktober geplant, der Veranstaltungsort stehe noch nicht fest. „Sie war Musikerin und musste während der Ankunft der Züge im Vernichtungslager spielen als Pianistin. Das Akkordeonspiel hat sie sich selbst beigebracht und die Musik rettete ihr das Leben“, erzählt Björn Reinemer.

Der Kulturverein sammelt mit seinem Projekt „MusikArche“ Spenden
für Instrumente und eine musikalische Ausbildung für Kinder und Jugendliche, die besondere Hilfe benötigen. Gerade gestartet ist ein Jahreskurs, die Kosten von 700 Euro trägt der Radebeuler Kultur e.V., für ein Kind aus einer Betreuungseinrichtung der Kinderarche Sachsen e.V., das nun die Musikschule des Landkreises Meißen in Radebeul besuchen kann.

Ein weiteres Vorhaben ist die Stärkung der künstlerisch-kreativen Szene. Sein Domizil hat der Radebeuler Kulturverein in einem ehemaligen Fabrikgebäude auf der Meißner Straße 21 an der Stadtgrenze zu Radebeul. In dem weiß gestrichenen Gebäude haben sich bereits einige Kreativwirtschaftsfirmen angesiedelt. Björn Reinemer betreibt hier seine Konzertagentur Dynamite. Auf derselben Etage sind die „Centre-Films“-Firma und ein kleines Tonstudio ansässig. Es gibt einen größeren Veranstaltungsraum mit ca. 100 Plätzen. Von Filmvorführungen, hauptsächlich Programmkino, auch kombiniert mit Musik über Ausstellungen bis zu kulturellem Experimentierraum sei hier vieles denkbar.

„Wir wollen etwas in die Lücken gehen mit unseren Angeboten“, so Reinemer. Zunächst sollen quartalsweise Veranstaltungen wie Kinoabende stattfinden, wobei der Radebeuler Kultur e.V. gern mit dem Kulturverein der Stadtbibliothek Radebeul-Ost kooperieren würde. Die weiten Gebäudeflure bieten viel Hängefläche für Bilder.
Die Bildhauerin Gabriele Reinemer ist wie ihr Sohn ebenfalls aktiv im Radebeuler Kulturverein. „Ich finde es wunderbar, dass eine Etage in diesem Gebäude neu belebt wird und der Vermieter offen für eine kreative Nutzung ist“,  sagt sie. Daher sei es wichtig, dass der Verein weiterhin unterstützt wird, um ein breitgefächertes Angebot für junge wie ältere Künstler und Besucher zu entwickeln.

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Kontakt: http://www.radebeuler-kultur.de


Neue Oase für Kreativfirmen. In dem früheren Fabrikgebäude auf der Meißner Straße 21 an der Stadtgrenze zu Radebeul hat jetzt auch der Radebeuler Kultur e.V. sein Domizil.

Die Werkstattgalerie „Atelier Oberlicht“ in Radebeul feierte ihren 20. Geburtstag – Ein Atelierbesuch


Atelier & Galerie in einem: Der Maler und Grafiker Markus Retzlaff ist von Anfang an dabei im „Atelier Oberlicht“ in Radebeul-Altkötzschenbroda 23.

Im Bilderreich: Markus Retzlaff und Simone Ghin. Sie hat hier ihr Atelier für Malerei und Glaskunst.

Kunst hautnah erleben

Die Werkstattgalerie „Atelier Oberlicht“ in Altkötzschenbroda feierte ihr 20jähriges Bestehen. Markus Retzlaff ist von Anfang an dabei. Simone Ghin seit 2015. Zur Kultur- und Kneipennacht am 4. April öffnen sie die Ateliertüren wieder für Besucher.

Mit seinem Glasdach erinnert der Atelierraum an ein Gewächshaus. Hier ist reichlich Kunst gewachsen in 20 Jahren. Überall hängen, liegen, lehnen Bilder
an den Wänden, in und auf den Grafikschränken und Tischen und über der gemütlichen Sofaecke mit Bücherregal. Vorwiegend Grafik, Zeichnungen und Malerei sind zu sehen.

„Die Idee war, eine Künstlergemeinschaft zu gründen, wo jeder sich entfalten und etwas aufbauen kann, Zugang zur Öffentlichkeit hat und die Möglichkeit, die Arbeiten frei zu verkaufen“, sagt Markus Retzlaff. Er ist Diplommaler und Grafiker und Mitgründer der Werkstattgalerie „Atelier Oberlicht“ in Radebeul-Altkötzschenbroda 23.
Im November letztes Jahr wurde das Jubiläum gefeiert im Gebäude, errichtet auf den Grundmauern einer alten Scheune. Da viel Licht von oben hereinfällt, bekam der Kunstraum den Namen „Oberlicht“ von Ingo Kuczera, einem der Künstler aus der Anfangszeit, der 2004 starb. Sechs Künstler eröffneten hier im Juli 1999 ein insgesamt 166 Quadratmeter großes Gemeinschaftsatelier mit Produzentengalerie.

Dazu gehörten Frank Hruschka, Markus Retzlaff, Nikolaj Bachmann, Julius Hempel, Ingo Kuczera und der deutsch-afghanische Künstler Homayon Aatifi. Jeder hatte eine Ecke für sich und der Hauptplatz für die Bilderpräsentation im Atelier war immer sehr begehrt, erinnert sich Retzlaff. Es entstanden gemeinsame Grafikeditionen. Elf weitere Künstlerinnen und Künstler waren zeitweise dabei im „Atelier Oberlicht“. Zusammen mit Frank Hruschka lud Markus Retzlaff oft zum Schaudrucken beim Herbst- und Weinfest auf dem Dorfanger ein.

„Früher gab es dafür noch mehr Interesse und die Grafiken wurden uns gleich aus den Händen gerissen von den Leuten“, so Retzlaff. Es fand auch ein „Farbenforum“ mit einer Tagung und Ausstellung im Jahr 2001 im „Atelier Oberlicht“ statt. Dafür bekamen die Künstler von der Farbenfirma aus Nerschau Hochdruck- und Ölfarben. Außerdem hatten die „Oberlichter“ zwei Ausstellungen im Kunstfachmarkt Gerstaecker in Dresden.

„Uns ging es auch darum, eine Verbindung zwischen Kunst und Wirtschaft herzustellen“, sagt Markus Retzlaff. “Es gibt ja sehr viele freie Räume in öffentlichen Gebäuden, wo Künstler ausstellen könnten. Das wird leider zu wenig genutzt oder es gibt keine finanziellen Mittel dafür.“ Das vom Künstlerbund geforderte Ausstellungs- bzw. Leihhonorar für die gezeigten Werke der Künstler werde noch nicht überall gezahlt von den Unternehmen und auch Bilderankäufe sind nicht selbstverständlich.

Letztes Jahr hatte Markus Retzlaff zusammen mit dem Radebeuler Künstler Claus Weidensdorfer eine große Ausstellung im Stadtmuseum Döbeln und verkaufte auch einige Bilder. Gleich hinter der Ateliertür steht die Tiefdruckpresse. Sie ist fast immer in Betrieb. Markus Retzlaff zeigt eine Grafik mit einem knorrigen Zwillingsbaum, gewachsen aus einem Stamm mit zwei Kronen, den er auf Usedom entdeckte. Eine Ansicht von einem märchenhaft wirkenden, uralten Fachwerkhaus in erdigen Farben, winterlich verschneit. Eine Bilderwand füllen Landschaften, Architektur und Porträts, Reiseeindrücke aus Indien und Italien.

Daneben hängen leuchtend farbige mediterrane Farblandschaften von Simone Ghin. Das „Atelier Oberlicht“ hat jetzt in der Mitte eine Schiebewand. Seit 2015 hat Simone Ghin im Nebenraum ihr Atelier für Malerei und Glaskunst. Farbenfrohe Leinwände mit Mohnfeldern und den Radebeuler Weinbergen und schimmernden Glassteinen auf Bildern, filigrane Schmuckanhänger und Objekte locken in ihrem Atelier zum Umschauen und Erwerben.

Zur Kultur- und  Kneipennacht in Altkötzschenbroda am 4. April öffnet das „Atelier Oberlicht“ ab Mittag für Besucher mit Druckvorführungen und Glasmalerei. Außerdem trifft sich hier eine kleine grafische Arbeitsgemeinschaft donnerstags ab 18 Uhr, die weiteren Künstlern offensteht. Markus Retzlaff ist der einzige Künstler, der von Anfang an dabei ist. Drei der Gründungsmitglieder (Julius Hempel und Ingo Kuzcera) sind inzwischen verstorben, andere weggezogen. Im November 2019 starb Frank Hruschka. „Ich bin ihm dankbar für die Gründung des Ateliers Oberlicht und die vielen künstlerischen Projekte hier“, sagt Markus Retzlaff über den langjährigen künstlerischen Weggefährten.

Der Freundesförderkreis des „Atelier Oberlicht“ mit derzeit 94 Mitgliedern feierte 2019 zehnten Geburtstag mit einem Galeriekonzert. Für den Jahresbeitrag von 35 oder 75 Euro erhalten sie eine Jahresgabe in Form einer Farbradierung von Markus Retzlaff, es findet eine gemeinsame Veranstaltung statt und gleichzeitig unterstützen Kunstinteressierte damit das „Atelier Oberlicht“.

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Kontakt: www.markus-retzlaff.de
www.ghinmalerei.de

Der Pennyzähler
(zu einem Bild von Markus Retzlaff)

Das Blau des Himmels liegt
zu deinen Füßen
hüllt dich ein
doch du senkst den Blick
es macht dich nicht satt
nicht weniger als die Pennys
in deiner Hand
auf die du starrst
als läge darin ein Schatz
als fielen ein paar Sterne zu dir
dich zu führen in einen warmen
fernen Morgen

Lilli Vostry
15.02.2020


Markus Retzlaff am Eingang zur Werkstattgalerie „Atelier Oberlicht“ mit Mischlingshündin „Lene“.