Musik verbindet: „Nacht der Lieder“ im Herzschlag der Großen Trommel in der Stephanuskirche Dresden

Fotos (lv)

Viele Stimmen können etwas bewegen

Singfreunde und Musikinteressierte sind eingeladen zu der Benefizveranstaltung im Rahmen der „Nacht der spirituellen Lieder“, die bereits zum sechsten Mal deutschlandweit stattfindet am 2. November, 18 bis 21 Uhr in der Stephanuskirche Dresden auf der Meußlitzer Straße 113.

Gemeinsames Singen einfacher Lieder aus den Kulturen der Welt zu Trommel, Akkordeon u.a. Instrumente ist das Besondere dieser Liedernacht. Musik, die bewegt – mit Momenten der Stille im Herzschlag der Großen Trommel.

„Singen verbindet uns, auch wenn wir uns nicht kennen – viele Stimmen können Großes bewirken und bewegen…“, sagt Corynna Kilian. Sie lädt wieder zum Liedertrommeln zusammen mit Gabriel Jaginiak, freischaffender Musiker, zur diesjährigen Liedernacht in der Stephanuskirche Dresden ein.
Es ist eine Veranstaltung im Rahmen der ‚Nacht der spirituellen Lieder‘, die deutschlandweit in vielen Städten stattfindet. Es werden Spenden für eine soziale Einrichtung/ Organisation/ Initiative und natürlich auch für die Abdeckung der Kosten der Musiker gesammelt.
In diesem Jahr haben Corynna Kilian und Gabriel Jaginiak zum ersten Mal eine CD dabei. Wer möchte, kann einen Eindruck mit nach Hause nehmen, weiterreichen, verschenken etc.  Ein Mitschnitt von der Liedernacht 2019, eine Auswahl. Einige Lieder davon werden sie auch in diesem Jahr wieder singen.
Die Veranstalter freuen sich auf viele Stimmen… Bringt also Eure Freunde, Verwandten, Bekannte, Nachbarn mit 🙂
Text: Corynna Kilian
gabriel.jagieniak@posteo.com
dolma@gmx.de
Gabriel Jaginiak, freischaffender Musiker:
• handgemachte Musik für allerlei Anlässe,
• Sing-Zeremonien für die Erde, vernetzendes Singen
mit Akkordeon oder PianoCorynna Kilian:
• Bären-Herz-Frauen: Indianische Jahresgruppe
• eigene Lieder, Klezmer und
• Stille, Urkraft und Gesang: Arbeit mit der True Voice®
Balkan Musik sowie Barpiano
• 48h-Trommeln – Traumzeit für Reinigung und Vision
• Akkordeon-Unterricht
• Singtreffen an der Großen Trommel

Matinee zur Tanz-Uraufführung „Picasso“ an den Landesbühnen Sachsen

Von der Leidenschaft zur Kunst

Matinee zu „Picasso“ am 3. November, um 19 Uhr auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen.

Choreograph Carlos Matos, Dramaturgin Gisela Zürner sowie die Tänzerinnen und Tänzer der Companie geben einen ersten Einblick in ihren neuen Tanzabend „Picasso“. Ausstatterin Kerstin Laube stellt ihre Bühne und die Kostüme vor.

„Picasso“, ein Tanzabend von Carlos Matos hat am 10. November, um 19 Uhr in den Landesbühnen Sachsen Uraufführung.

Malergenie, Macho und Musen

Der Spanier Pablo Picasso (1881-1973), eigentlich: Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz y Picasso, Maler, Grafiker und Bildhauer, gilt als eine der bedeutendsten und produktivsten Künstlerpersönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts.

Zu den bekanntesten seiner ca. 50.000 Werke zählen als Schlüsselbild der klassischen Moderne „Les Demoiselles d‘ Avignon“ von 1907 oder das Gemälde „Guernica“ von 1937, eine  künstlerische Umsetzung der Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs.

Picasso hatte die Fähigkeit, durch Reduktion auf die Essenz das Wesen der Dinge mit nur wenigen Strichen erfassen zu können. Dies ist es, was den Choreografen Carlos Matos an diesem außergewöhnlichen Künstler interessiert. Und – selbstverständlich! – die Faszination, die er auf Frauen ausgeübt hat.

Auf welche Weise haben Frauen als Geliebte und Musen das Leben und Schaffen des Künstlers beeinflusst, bzw. wie haben sie sich als Künstlerkolleginnen – Tänzerin, Fotografin oder Malerin – an seiner Seite gefühlt?

Der „Macho“ Picasso liebte den Wechsel – vielleicht auch, weil er sich den Frauen gegenüber nicht wie ein Kavalier des 20. Jahrhunderts, sondern eher wie ein Spanier des 19. Jahrhunderts verhielt, was zu Spannungen und leidvollen Trennungen führte. Denn vor allem liebte Picasso seine Kunst und – sich selbst.

Text:  Petra Grubitzsch/LB

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0, Kasse : Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; http://www.landesbuehnen-sachsen.de 

Premiere „Von der Ehe und anderen Irrtümern“ mit Jörg Bretschneider im Dresdner Figurentheater


Ein Waschbär als zweites Ich von Jochen, der frisch getrennt von seiner Frau, Besuch von einer flotten Katzendame erhält. Eine tierisch heitere Beziehungsposse. Foto: Dresdner Figurentheater

Ein humorvoller Achtsamkeitsratgeber für Mann, Frau und Tier

Am 1. November ist die Premiere des neuen Stückes „Von der Ehe und anderen Irrtümern“ von und mit Puppenspieler Jörg Bretschneider im Dresdner Figurentheater, in seinem Atelier im Künstlerhaus, Pillnitzer Landstraße 59 – Parterre. Die Regie hat Cornelia Fritzsche inne, die einigen bekannt ist durch ihre Stücke mit der gewitzten  Rättin. Wenn sie nicht mindestens drei Mal lachen können, bekommen sie ihr Eintrittsgeld zurück, verspricht Bretschneider.

Fr   01.11.2019   19.30 Uhr   Von der Ehe und anderen Irrtümern

Eine analoge Beziehungsposse oder ein Achtsamkeitsratgeber für Mann, Frau und Tier oder die Halbzeitbilanz eines Ehegatten.

Komik, der die tiefere Bedeutung nicht fehlt.

Sabine ist weg. Das Gasthaus zum grünen Kloß läuft nicht mehr. Seine Mutter macht ihn ein schlechtes Gewissen. Sein Vater sagte immer: „Das einzige, was du auf der Welt verändern kannst, ist die Lage deines Kopfkissens.“ Es gibt Tage, da läuft nichts. Da taucht ein Waschbär auf und behauptet das zweite Ich zu sein, zu wissen, was Jochen denkt und fühlt. Sein Vater sagte immer: „Das Einzige, was dich zuverlässig in die Irre führt, ist dein zweites Ich.“ Und so begibt sich Jochen Würzig mit seinem zweiten Ich auf die Reise zu sich.

Nächste Vorstellungen 

08.11.2019   19.30 Uhr   Von der Ehe und anderen Irrtümern
16.11.2019   19.30 Uhr   Ein Mann räumt auf oder das verliebte Einweckglas
29.11.2019   19.30 Uhr   Der Nächste bitte oder Hypophyse an Kleinhirn. 

Eine heiter – skurrile Reise ins Innere des Körpers und des Gehirns

Herr Meier kommt mit Magenbeschwerden zum Doktor. Ein schneller Schnitt, der Magen landet auf dem Tisch und er klagt sein Leid … Aber die Ursache liegt wohl eher im Kopf – und so begibt sich der Arzt auf eine ab – und hintergründige Reise in das Gehirn seines Patienten. Dort wirkt alles normal: Ein Gedanke jagt den nächsten und der innere Schweinehund verlangt sein Recht. „Wenn meine Patienten wüssten, was ich alles nicht weiß“, sinniert der Mediziner. Aber er gibt nicht auf. Ein Abend mit tiefsinniger Komik, der dem Zuschauer ganz nebenbei das Gefühl vermittelt: Ich bin nicht allein mit meinen Problemen.

30.11.2019   19.30 Uhr   Der Nächste bitte oder Hypophyse an Kleinhirn
06.12.2019   19.30 Uhr   Der Nächste bitte oder Hypophyse an Kleinhirn
28.12.2019   19.30 Uhr   Von der Ehe und anderen Irrtümern
31.12.2019   19.30 Uhr   Von der Ehe und anderen Irrtümern

Text: Jörg Bretschneider

Kartenbestellung über dresdner-figurentheater@gmx.de oder 01726072730

www.dresdner-figurentheater.de

Ausstellung „GefährteN“ von Heike Herzog in der Galerie mit Weitblick Radebeul

Wundervolle Wesen

Fantasiereich-skurrile Gestalten zeigt die Künstlerin Heike Herzog in ihrer Ausstellung „GefährteN“ derzeit in der Galerie mit Weitblick in Radebeul.

Heike Herzog hat einen ganz speziellen Sinn für noch nicht entdeckte Tierarten. Ihre Bilder und Objekte aus dem Wunderland der Natur, so ein Bildtitel, zeigt sie zurzeit in der Ausstellung „GefährteN“ in der Galerie mit Weitblick, Obere Bergstraße 13 in Radebeul. Darunter versteht die Künstlerin sowohl Gefährte zum Fortbewegen als auch Wegbegleiter. Halb Pflanzen- und Insektenwesen, die durchaus auch menschliche Züge und Verhaltensweisen zeigen.

Die Formen erinnern an Schalen, Blätter, Boote oder auch eine Arche Noah, in der die zarten Wesen Zuflucht finden. Ihre fantasiereich-skurrilen Naturwesen bewegen sich an Land, in der Luft und im Wasser, schaukeln auch mal in der Hängematte. Die Insekten und Fabelwesen schwirren und schweben als Objekte an langen Fäden als Windspiele. Darunter Ostseesteine eingesponnen und eingehäkelt in farbige Hüllen, manche halboffen, wie Kokons. Einige Objekte haben große Kulleraugen und Kugelkörper, mit und ohne Flügel, Stacheln und Fühlern. Gestaltet sind sie aus Peddigrohr, Papierkaschée, Strick und Nägeln. Sie tummeln sich außerdem auf Leinwänden und Tuschezeichnungen auf Papier.

Ein Mikrokosmos von winzigen Lebewesen, deren Leiber Kreise, Spiralen und Kugeln wie Eier oder Perlen zieren, festgehalten mit Pinsel und Feder. „Eine kleine Welt auf der Reise“, so ein Bildtitel. Von ihren Beobachtungen und Erlebnissen der Naturwesen, vom Werden, Leben, Vergehen und Veränderung erzählt Heike Herzog einfallsreich, witzig und poetisch in ihrer Bilderwelt in leuchtenden und erdigen Farben.
„Mit dem Sonntagsmantel in die Höhe“, „nach oben gleiten“ und „Etwas Kleines kommt mit“ heißen die Werke. „Zeit für eine neue Verbindung“, „Vorsichtig in die Tiefe“ und „Etwas Wertvolles behüten“ stehen sinnbildlich für den Umgang von Mensch und Umwelt. Es ist auch „ein Mahnmal für einen Krieger“ in Form eines Raubfisches zu sehen.

Ein Bild spiegelt ihr Lebensmotto: „Mein Lieblingsweg ist leicht“. Mit einer ganz entspannt in ihrer Schale sitzenden Schote in sonnigen Farbtönen. Schon als Kind war Heike Herzog fasziniert von den Hülsenfrüchten, Zuckerschoten samt heraus fallenden Kernen. In ihrem Gartenatelier in der Hellersiedlung in Dresden, umgeben von reichlich sprießenden Gewächsen, findet sie immer noch viele Anregungen für ihre Kunstwerke. Heike Herzog wurde 1964 in Dresden geboren. Ihre künstlerische Laufbahn begann sie mit einem Abendstudium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, wo sie von 1988 bis `93 Bühnen- und Kostümbild studierte und von 1994 bis `96 ein Studium für Kunsttherapie anschloss. Sie war als wissenschaftlich-künstlerische Mitarbeiterin an der Hochschule tätig und arbeitet seit 2000 als Kunsttherapeutin und freischaffende Künstlerin. Die Ausstellung „GefährteN“ ist noch bis 26. Januar 2020 in der Galerie mit Weitblick Radebeul noch zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa und So 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

http://www.doro-malerei.de/www.heike-herzog.de

Premiere „Woyzeck“ frei nach Georg Büchner im Staatsschauspiel Dresden


„Immer noch rasiert Woyzeck seinen Hauptmann, isst die verordneten Erbsen, quält mit der Dumpfheit seiner Liebe seine Marie, staatgeworden seine Bevölkerung umstellt von Gespenstern“, schrieb Heiner Müller 1985 in seiner Rede „Die Wunde Woyzeck“ über Büchners Stück „“Woyzeck“.


Wer hat die Macht, wer hält sich für mächtig? Der Mensch als Marionette gefangen in einem Netz aus Ängsten, Widersprüchen und gegenseitigen Abhängigkeiten. Davon erzählt die Inszenierung „Woyzeck“ nach dem fragmentarischen Text von Georg Büchner im Schauspielhaus Dresden. Fotos: Sebastian Hoppe

Menschliche Albträume

„Bin ich ein Mensch?“, steht auf einem Aufkleber, der im Theaterfoyer ausliegt. Was sonst, liegt einem spontan auf der Zunge. Spannend, provokant, aufwühlend und schmerzhaft bis zur Grenze des Erträglichen stellt diese Frage auch die Inszenierung „Woyzeck“ frei nach Georg Büchner, gemischt mit Auszügen aus dem Roman „Tram 83“ von Fiston Mwanza Mujila und „Die Wunde Woyzeck“ von Heiner Müller, die unlängst im Schauspielhaus Dresden unter Regie des Nestroy-Preisträgers Jan-Christoph Gockel Premiere hatte.

In einer Mischung aus Schau- und Puppenspiel und Videosequenzen kam „Woyzeck“ auf eine Drehbühne, die an ein Bergwerk erinnert, mit höhlenartiger Behausung, in der man nur gebückt gehen kann und einer Hängematte zum Sitzen und Liegen. Darüber hebt und senkt sich bedrohlich ein roter Vorhang-Krater (Bühne: Julia Kurzweg). Die anfangs archaischen, leisen Klänge und Gesang, die das Geschehen begleiten, steigern sich im Laufe der Aufführung laut, grell, ekstatisch, eindringlich und unheimlich zugleich (Musik: Anton Berman). Drei Darsteller in grün-schwarzen Militäranzügen führen eine lebensgroße Woyzeck-Puppe mit Stirnlampe am Kopf und richten ihn auf einer Metallpritsche auf. Er hat sich für ein medizinisches Experiment bereiterklärt, für ein paar Pfennige seinen Körper verkauft. Ein halbes Jahr lang nur Erbsen zu essen bekommen und nun schaut eine Kommission aus Wissenschaftlern, was mit ihm passiert. Der Arzt (absurd-komisch: Torsten Ranft) regt sich auf, dass Woyzeck wie ein Hund auf die Straße pinkelt. Auf Befehl kann er nicht. Die Kultur soll ihn fähig machen, seinen Willen zu behaupten, poltert er.

Die Figur Woyzeck verkörpert den Mensch als willfähriges Geschöpf, leidende, geschundene Kreatur, Versuchsobjekt und menschliches Ungeheuer, das selbst zur Bestie wird. Alle brauchen, benutzen und missbrauchen ihn für ihre Zwecke, fragen ihn gar um Rat, den Außenseiter, Ausgestoßenen. Seine Liebste Marie (Luise Aschenbrenner), die mit seinem Kind sehnsuchtsvoll-verzweifelt auf Woyzeck wartet und die er erwürgt im Wahn. Der ehrgeizig-wahnsinnige Arzt, der alte Hauptmann, der nicht alleine sterben will (Lukas Rüppel) und der ratlose Schriftsteller (Matthias Reichwald). Das ist berührend und grotesk zugleich in Szene gesetzt. Grell überzogen und platt hingegen die Szenen mit Woyzeck als Wildem, Fremdem, Bedrohlichem und der Care-Pakete an Hilfsbedürftige verteilenden, großspurig-belehrenden und Dank einfordernden Entwicklungshelferin (Birte Leest). Der Tambourmajor (Jannik Hinsch)  kommt als albern-komischer, aufgeplusterter Feldherr mit Federhelm, halbnackt im Body und schwarz-gelber Schärpe in den Dresdner Stadtfarben kampfeslustig gegen alle wetternd daher. Das ist mehr billiges Kabarett als sprachlich feingeschliffenes Theater wie bei Büchner. „Seine Sätze springen einen beim Lesen heute noch an!“, sagte kürzlich in einem Interview der Schriftsteller und Theaterautor Lukas Bärfuss aus der Schweiz, der in diesem Jahr den Büchner-Preis, die höchste deutschsprachige literarische Auszeichnung erhält. Die Preisverleihung ist am 2. November in Darmstadt.

Sätze wie dieser, als Woyzeck den Doktor fragt: „Was ist das, was in uns lügt, stiehlt und mordet?!“ Doch für derart große, existenzielle und philosophische Fragen fühlt sich der Doktor nicht zuständig. Für ihn ist Woyzeck nur ein „interessanter Kasus.“ Er bekommt Zulage. Und marschiert er noch brav?

Zum Schluss, als er alles verloren hat, sagt Woyzeck noch einen dieser wunderbar klaren wie tiefen, traurigen Sätze: „Wenn man kalt ist, friert man nicht mehr.“

In faszinierendem Wechselspiel zwischen Puppe und Spieler (Puppenbau und -spiel: Michael Pietsch) ragt besonders der Woyzeck-Darsteller Ezé Wendtoin heraus in dieser Inszenierung. Er gibt der Figur ausdrucksstark eine doppelte Spielebene durch seine äußere Erscheinung, Sprache und Stimme, Gesang und kraftvolle Klänge an Trommeln und Schlagzeug. Wendtoin stammt aus Burkina Faso, studierte Germanistik und lebt als Schauspieler und Musiker in Dresden.

Eine Aufführung, die in Themen und Darstellung überfrachtet ist und polarisiert in ihrer grotesk zugespitzten Form, besonders mit ihren brutalen Gewaltszenen, in denen beispielsweise von einer Frau in schwarz glitzerndem Kostüm wie in einer Varietéshow eine kleine Puppe verhöhnt und als kleinbürgerlicher „Michel“ hingerichtet und die Woyzeck-Puppe vom Hauptmann grob umher geschleudert wird. Wer schon am Boden liegt, der kann sich nicht wehren und den kann man nicht mit Gewalt hoch zwingen. Einige Zuschauer verließen vorzeitig die Vorstellung. Und es gab neben Bravos auch Buh-Rufe zur Premiere.

Text (lv)

Nächste Vorstellung: 31.10., 19.30 Uhr im Schauspielhaus Dresden.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

BilderAlbum & Lyrik: Halloween & Tango

Der Tod tanzt Tango

Die Spinnenfrau wirft ihre Netze aus
auf der Tanzfläche führen Männer
in wehenden Umhängen und Masken
die Schönen der Nacht
die rote Teufelshörner oder Leopardenflecken tragen

die fahlen Wangen der Skelettfrau
färben sich rot
Blumen zieren ihre Stirn
der Tod tanzt Tango
verführt von den Klängen
wiegender und wogender Körper
fällt aller Schmerz ab
verwandelt in Hingabe

die Klänge schwirren um
meinen Zauberhut
ringe noch mit den Schatten
ein Tänzer mit Clownsgesicht
entreißt mich ihnen
tanzend wirbeln wir
die dunklen Geister fort

Lilli Vostry
30.10.2019

Fotos (lv)

Das Gedicht & die Fotos entstanden bei einer Halloween-Party & Tanzabend der Compagnie „Tango – offen und bunt“ am 29. Oktober 2019.

Schweben
(Für Luis)

Es wird Winter
eine letzte Umarmung
im Takt des Bandoneons
er geht fort
in das Land ihrer Sehnsucht
das sie nur aus Liedern kennt

die Musik trägt sie
überall hin
mit ihm wachsen ihr Flügel
die weiterreichen
als ein Tanz

6.11.2019
Lilli Vostry

http://www.cellex-stiftung.org/de/projekte/tango

BilderAlbum: Ausstellung „Visions“ von Viktoria Graf in der Galerie Kunst & Eros


Titelbild der Ausstellung „Visions“: „Take it or leave it“, 2019, Öl auf Leinwand.


Traumkörper zum Schmunzeln: Künstlerin Viktoria Graf mit ihrem Bild „Supergirl“.


„Vogelhochzeit“


Zeichnungen aus der Serie „Libidos“


„Dream Cloud“ (Traum Wolke) mit BilderGedankenSplittern


„Umarmen“, 2009                             „Erscheinung“, 2019

Fantasiereiches Spiel der Sinne

Die Künstlerin Viktoria Graf zeigt erstmals sinnlich-verführerische Malerei und Zeichnungen in einer Welt voller Gegensätze in ihrer Ausstellung „Visions“ in der Galerie Kunst & Eros, Hauptstraße 15. Noch bis 23. November.

Gesichter, die magisch den Blick anziehen. Eine Frau trägt Lilien wie Dolchspitzen im Haar. Ein Papierschiff schaukelt in den Wellen ohne Anker. Aus einem Mund fliegen Vögel und ein blaues Segel schlängelt im Wind. Mal fröhlich bunt, mal glasklar oder rätselhaft-versponnen und verlockend entführen die Bilder von Viktoria Graf den Betrachter in eine Welt voller Gegensätze, die sie zwischen Wirklichkeit und Traum zu vereinen sucht. Zu sehen sind ihre Arbeiten zurzeit in der Ausstellung „Visions“
in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden
(noch bis 23. November).

In ihrer oft märchenhaft-skurrilen Malerei und Tuschezeichnungen, die zwischen 2009 und 2019 entstanden, erkundet Viktoria Graf alle Facetten von Weiblichkeit, Sinnlichkeit, Identität und Beziehungen. Erstmals sind auch erotische Bilder dabei. Ein vieldeutiges Spiel mit Sinnesreizen, Schein und Sein, Lust und Disharmonie begegnet dem Betrachter in figürlich-zeichenreicher Symbolik wie im Bild „Stuff only“ (Nur Sachen).

Man sieht außerdem Frauen mit und ohne Masken, halb bekleidet und unverhüllt. Eine Frau im farbenfrohen Federkleid mit Armen wie Flügel. Eine andere hält die Arme über dem Kopf, sich schützend und zugleich nach Umarmung sehnend. Einen Traumkörper zum Schmunzeln zeigt das Bild „Supergirl“ mit Stielaugen, Strichnase und rotem Grinsemund. Eine Gestalt mit Strahlenkranz wirkt wie eine gütige Herrscherin aus einer anderen Welt, genannt „Morakillio“. „Der Ausstellungstitel Visionen will anregen, in andere Dimensionen und Parallelwelten einzutauchen, in denen sich Fiktion und Traum, Beobachtungen und Erfahrungen mit der Welt verbinden“, sagt Viktoria Graf über ihre Arbeiten. Bezogen auf das Titelbild der Ausstellung „Take it or leave it“ (Nimm oder lass es) heißt das für sie, sich voll und ganz auf das Leben einzulassen, mit aller Leichtigkeit und Tiefe, um das Glück zu finden. Die Künstlerin fragt sich mit Blick auf das Papierschiffchen im Lebensfluss: „Wo treibt es hin, flussauf- oder abwärts. Wie kann man es steuern, wo lenke ich es hin?“

No Risk, no Fun, heißt ihr Lebensmotto. Viktoria Graf hat eine Ausbildung als Grafikdesignerin absolviert und Malerei und Grafik an der Dresdner Kunsthochschule studiert. Ihr Studium schloss sie 2013 als Meisterschülerin bei Professor Adamski ab.
Sie liebt es, in ihren Bildern Geschichten zu erzählen. Eine ganze Bilderwand füllt ihre „Dream Cloud“ (Traumwolke) voll neuer Zeichnungen, knappe, fantasiereiche Gedankensplitter über die Wunder und Abgründe des Lebens. Zwillinge mit nur einem Auge, Hand in Hand. Eine schwarze Gestalt, die unter hohen Blumenkelchen im „Wunderwald“ umher wandelt. Ein Stück weiter oben schaut eine Frau aus einer Blüte und man wünscht sich, die beiden würden über den Bilderrand hinweg zueinander finden.

Einen Schritt weiter geht die Bilderserie „Kama Sutra“ mit witzig-sinnlichen Paarungen und eine Serie verführerischer Frauenakte unter dem Titel „Libidos“.
Reizvoll auch die Träumende, gemalt im Stil von Gustav Klimt. „Das schwebend Erotische, die Verspieltheit und Ornamente“ mag Viktoria Graf an seiner Kunst. So wie in ihrer Bilderwelt jeder seine eigenen Träume und Visionen entdecken kann in dieser Ausstellung.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de

„Von Blues bis Brecht“ – Nina Hagen eröffnete die Jazztage Dresden 2019

Lebenslange Liebe: „Brecht, Böll und die Bibel. Yeah!“

Darauf schwört Nina Hagen als ihre Geist- und Kraftquellen. Voll Leidenschaft, wild, witzig, schrill und aufrüttelnd zeigte sich die Sängerin mit Gitarre als Streiterin für Liebe, Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit am Freitagabend in ihrem ausverkauften, über zweistündigen Konzert „Von Blues bis Brecht“ zur Eröffnung der Jazztage Dresden 2019, in der neuen Hauptspielstätte im Ostra-Dome.

Gut gelaunt, locker plaudernd und gar nicht unnahbare Diva, entstand eine schöne Verbundenheit mit dem Publikum, standen Zuschauer zum Schluss am Bühnenrand, gab ihnen die legendäre Ostsängerin die Hand, winkte und verteilte Küsschen übers Mikro und ließ sich bereitweilig fotografieren von vielen gezückten Handykameras. Ein ergreifend intensives Konzert, ganz im Aufbruchsgeist vom Herbst `89. Bald erscheint auch ihre neue Platte, sogar zwei, verriet Nina Hagen. Macht neugierig auf mehr witzig-wachen Zeitgeist!

Text + Fotos (lv)

Mehr Text zum Konzert folgt.

Weitere Programm-Infos unter
http://www.jazztage-dresden.de

Premiere „Acht Frauen“ an den Landesbühnen Sachsen

Schön  und gefährlich – Frauen und ihre Geheimnisse

Die Kriminalkomödie „Acht Frauen“ von Robert Thomas aus dem Französischen von Franz Martin hat heute, am 26. Oktober, um 19 Uhr in den landesbühnen Sachsen in radebeul Premiere. 

In einer verschneiten, abgelegenen Villa hat sich eine große Familie zum gemeinsamen Weihnachtsfest versammelt. Als der Vater am Morgen nicht zum festlichen Familienfrühstück erscheint und die jüngste Tochter ihn holen will, entdeckt sie ihn ermordet im Bett. Der Versuch, die Polizei zu rufen, scheitert und auch das Auto springt nicht an. Aufgrund des vielen Schnees ist der Kontakt zur Außenwelt abgerissen und die Anwesenden, ausschließlich Frauen, sehen sich gezwungen, selbst nach dem Mörder zu suchen. Schnell wird klar, dass nur eine von ihnen den Mord begangen haben kann. Sie beginnen, sich gegenseitig zu verhören und es stellt sich heraus, dass alle ein Mordmotiv und auch die Gelegenheit zur Tat hatten. Kein Mann betritt die Bühne an diesem Abend, und doch sind die Männer allgegenwärtig in den Gesprächen der acht Frauen. Jede von ihnen versucht durch Lügen und Schweigen vergeblich ihr jeweiliges Geheimnis zu bewahren, darunter lesbische Neigungen, Schwangerschaft, unerwiderte Liebe, außereheliche Affären und selbst einen Giftmord. Am Schluss überrascht der Autor in dieser spannend-amüsanten Mixtur aus Kriminalstück, Komödie und Psychodrama das Publikum mit einer überraschenden Pointe.

Die Verfilmung des Stückes aus dem Jahr 2001 durch François Ozon, einen der führenden Regisseure des französischen Kinos, mit einer Traumbesetzung bescherte dem Stoff einen Welterfolg und zahlreiche internationale Preise.

REGIE : Peter Kube ; AUSSTATTUNG:  Barbara Blaschke

Darsteller:  Mamy – Anke Teickner;  Gaby – Cornelia Kaupert; Augustine – Sandra-Maria Huimann;  Louise – Julia Vincze;  Pierrette – Marianna Linden;  Suzon – Julia Rani;  Catherine – Tammy Girke;  Madam Chantal – Tine Josch

Text: Petra Grubitzsch/LB

Termine:

26.10.2019   19 Uhr                           Hauptbühne
02.11.2019   19.30 Uhr                       Hauptbühne
10.11.2019   17 Uhr                            Neustadt/Neustadthalle
08.12.2019   15 Uhr                            Hauptbühne
26.12.2019   19 Uhr                            Hauptbühne
31.12.2019   15 Uhr                            Bad Elster/König Albert Theater
12.01.2020   18 Uhr                            Großenhain /Kulturzentrum
31.01.2020   19.30 Uhr                        Freital /Kulturhaus
08.03.2020   16 Uhr                             Meissen /Theater
05.04.2020   19 Uhr                             Hauptbühne

Kasse : Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; http://www.landesbuehnen-sachsen.de  Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152,  01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0

Lesung „Reisewarnung für Länder Meere Eisberge“ mit Tom Schulz im Stadtmuseum Dresden

Eine große Rhapsodie auf Maschinen und Menschen der Neuzeit

Am 22. Oktober 2019, 19 Uhr veranstaltet die Literarische Arena e. V. gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Meißen und den Städtischen Museen Dresden eine Lesung mit dem Berliner Autor Tom Schulz. Titel: „Reisewarnung für Länder Meere Eisberge“

Je mehr man von Tom Schulz’ bizarren und allzu treffenden Paraphrasen auf die Jetztzeit liest, desto mehr stellt sich ein Gefühl ein, der Wahrheit auf der Spur zu sein, und im Gegenlicht, sozusagen als Sekundärprodukt, so etwas wie Poesie. „Reisewarnung für Länder Meere Eisberge“ heißt der Band, den der Berliner Dichter am Dienstag [22. Oktober 2019] im Dresdner Stadtmuseum vorstellt. Es ist selten, dass ein Gedichtband schon im Titel eine Warnung enthält, zumal Eisberge nur als Vorstellung auftauchen. Aber man weiß ja spätestens seit der Titanic, dass der größte Teil von ihnen nicht zu sehen ist.

Um es gleich vorweg zu sagen: Es geht hier nicht ums Reisen. „Die Maschinen sind volljährig, wenn sie mit dem Träumen / aufgehört haben“, beginnt eines der vielen weitausholenden Gedichte im Kapitel „Schwarze Ampeln“. „Die Maschinen sind pensionspflichtige Serienmodelle“, sie „bewegen sich in einem Leben zwischen Kontostand / Kredit und Tilgungsrate“ oder „sie stehen längs geparkt auf dem Mittelstreifen“. Es sind Tatsachenbehauptungen aus einer großen Rhapsodie aufs Zeitalter jener Maschinen, zu denen im neuzeitlichen Verständnis auch die Menschen gehören. „Tom, bitte empören sie sich mit uns“, empfiehlt der Messengerdienst. „Ich empöre mich, der Himmel ist blau, nicht schwarz.“

„Eine Invasion ohne Luftbrücke, 150 Millionen / gegen uns.“ „Das Auge der Feuerqualle“ gehört zu den strenger komponierten Kapiteln des Buches, wie auch das Langgedicht über Syrakus, „Ein Tag im Leben“ eines scheinbar erfolgreichen Schriftstellers, der die Gegensätze im schmunzelnd-lapidaren Ton etwa wie folgt zusammenfasst: „Ich stehe in der Hundescheiße von Sizilien. / Ich weiß, dass Artemis die Quelle hierher brachte.“

Orte am Meer bevölkern fast das ganze Buch. Es sind Sehnsuchtsorte wie die „Beinhäuser von São João“ in Porto: „Ich liebe die Stadt am Fluss, die Stadt am Meer“ – fast scheint es, als wolle die Stimme, die da spricht, Beklommenheit vertreiben. „Es gibt Tote, die ganz und gar unsichtbar erscheinen.“ Das gilt auch für die beiden Venedig-Kapitel, denen man ein wenig den freien Autor in einer seiner Residenzen anmerkt, wo „Adriatisches Licht“ oder der Konjunktiv den schwankenden Untergrund befestigen sollen: „Wäre ich Lord Byron, würde ich vom Anblick der Blumen leben können“. Auf der griechischen Insel Leros gibt es nicht nur eine Begegnung mit Ahmed aus dem „Asylbewerberheim“, sondern auch mit Jannis Ritsos, der dort viele Jahre seiner Gefangenschaft absaß. „Wir laufen durch die Morgensonne. Wir hören das Gedicht.“ Das Parlando der Texte bekommt hier plötzlich eine gewisse Eindringlichkeit. „Das Gedicht sagt, es glaube an Liebe und Tod.“

Es ist ganz offensichtlich, dass Tom Schulz nicht um des Reisens willen den Mittelmeerraum, die Kanarischen Inseln und Lateinamerika bereist. Die „Reisewarnung“ ist eine Art von dichter Beschreibung, die den Dichter-Ethnologen zu sich selbst führt: „Ich bin ein Passagier / ich reise kreuz und quer.“ Das wird vielleicht am eindrücklichsten an den Orten, die der eigenen Oberlausitzer Herkunft am nächsten liegen. „Alles ist schiefgegangen“, beginnt der „Ausflug ins Elbsandsteingebirge“, das kann auch am Schluss kein „Unsere Heimat“-Pastiche wieder geradesingen: „Ende, Lied aus.“

Text: Patrick Wilden

Tom Schulz: Reisewarnung für Länder Meere Eisberge. Gedichte, Hanser Berlin 2019. 128 Seiten, 19 Euro, ISBN 978-3-446-26201-0.

VERANSTALTUNG am Donnerstag, 22. Oktober 2019, 19:30 Uhr im Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2 (Eingang Landhausstraße), 01097 Dresden. Haltestelle: Pirnaischer Platz.

Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V. mit der Evangelischen Akademie Meißen und den Museen der Stadt Dresden.

Axel Helbig
Literarische Arena e. V.
Redaktion OSTRAGEHEGE

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden
Inh.: Jörg Scholz-Nollau 
www.buchlesen.de
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