Matinee zur Uraufführung „Wer seid Ihr“ von Oliver Bukowski an den Landesbühnen Sachsen

Rückkehr in ein fremdes Zuhause

Die Matinee zu „Wer seíd Ihr“ von Oliver Bukowski findet am 14. April, um 11 Uhr im Glashaus der Landesbühnen Sachsen in Radebeul statt. Die Uraufführung ist am 26. April, um 19.30 Uhr dort auf der Studiobühne.

In der Matinee zur Inszenierung berichtet das Inszenierungsteam von der spannenden Arbeit mit dem Autor an einem zuvor noch nicht veröffentlichten Text, der Probenarbeit und diskutiert mit Experten über die hochaktuellen Themen des Stückes.

Durch den Vormittag führen Dr. Roland Löffler (Leiter der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung), der Regisseur der Inszenierung Tom Quaas, Ausstatter Tom Böhm und Dramaturgin Judith Zieprig.

Zum Stück

Eine Dorfkneipe in Sachsen. Hierher, in ihr Elternhaus, wird Lisa unfreiwillig zurückgebracht, nachdem sie in Berlin auf der Straße zusammengebrochen war. Vor den Spoilern der Kraftfahrzeuge hatte sie keulen- und bänderschwingend linke Brandreden gehalten. Ihre Eltern und Onkel Ralf, der Lisa mit aufgezogen hat, sind stolz auf die aktive Bloggerin, verleiht sie doch auch ihrer Ost-Herkunft eine Stimme, obwohl sie erst ein Jahr nach dem Mauerfall geboren wurde. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf, und Lisa fragt sich nach ihrer Rückkehr allmählich immer mehr: Wer seid ihr …?

Zum Autor

Oliver Bukowski, 1961 in Cottbus geboren, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften und ernährte nebenbei Frau und Kind mit der Arbeit als Profi-DJ. 1989 begann er, Theaterstücke zu schreiben, anfangs spaßeshalber, neben seinem Doktorat. Sein erstes Stück DIE HALBWERTZEIT DER KANARIENVÖGEL wurde erfolgreich im Juni 1991 an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt uraufgeführt. Seitdem und nach dem Abbruch seines Forschungsstipendiums an der Humboldt-Universität, lebt er als freier Autor in Berlin. Für sein reiches Schaffen als Dramatiker und Hörspielautor wurde Oliver Bukowski mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem «Gerhart Hauptmann Preis», dem «Mülheimer  Dramatikerpreis» 1999 und dem «Lessing-Förderpreis des Freistaates Sachsen» 2001. Bukowskis Stärke ist, Geschichten von «kleinen Menschen» zu erzählen, komisch und tragisch zugleich in ihrem Bemühen, mit sich, der Vergangenheit und den Wünschen und Hoffnungen an die Zukunft klarzukommen. Für die Landesbühnen Sachsen schreibt Oliver Bukowskis nun ein Stück, das heutige Themen aufnimmt und in der Region Sachsen spielt.

In der Matinee zur Inszenierung berichtet das Inszenierungsteam von der spannenden Arbeit mit dem Autor an einem zuvor noch nicht veröffentlichten Text, der Probenarbeit und diskutiert mit Experten über die hochaktuellen Themen des Stückes.

Text: Petra Grubitzsch/LB

Auskünfte und Kartenverkauf:  Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH ,

Meißner Str. 152, 01445 Radebeul, Tel. 0351/ 89 54 214, Fax 0351/ 89 54 213, www.landesbuehnen-sachsen.de

Ausstellung „Transformationen“ im Rathaus

Wandlungsreiche Begegnungen

Die Ausstellung „Transformationen“ in der Galerie 2. Stock im Dresdner Rathaus am Dr.-Külz-Ring zeigt Arbeiten von Stephanie Leager, Philipp Gloger, Anita Rempe, Anna Gorsleben, Olaf Amberg, Robert Finke, Michele Cyranka und Carsten Bürger.

Zur Eröffnung am Dienstag, 16. April 2019, um 18 Uhr sind Kunstinteressierte herzlich in die Galerie 2. Stock im Neuen Rathaus, Dr.-Külz-Ring 19, eingeladen.
In der zweiten Ausstellung der vierteiligen Jahresreihe „Die Natur gegenüber der freien Künstlergruppe Pleinair“ zeigen acht Künstlerinnen und Künstler Malerei und Zeichnung: Olaf Amberg, Carsten Bürger, Michele Cyranka, Robert Finke,
Philipp Gloger, Anna Gorsleben, Stephanie Leager, Anita Rempe.

Nachdem die vergangene Ausstellung „Impulse 1“ das unmittelbare Arbeiten in der Natur widerspiegelte, geht es nun mit „Transformationen“, Umformungen, weiter. Damit ist ein künstlerischer Prozess gemeint, der die in der Landschaft empfangenen Reize und Impulse verarbeitet, um sie dann weiter zu denken und neu zu formen.

In diesen Umformungsprozess fließen auch viele verschiedene Eindrücke und Empfindungen aus dem Alltag mit hinein, zum Beispiel Begegnungen mit anderen Menschen, mit Literatur und Musik. So entstehen neue Bildwelten
mit der jedem Künstler eigenen Symbolik und Bildsprache als
schöpferische Reflexion auf Erlebtes und Wahrgenommenes.
In dieser Ausstellung sind demnach – mindestens – acht
unterschiedliche Transformationen zu entdecken.

Begrüßung: Eva Jähnigen, Umweltbürgermeisterin
Einführung: Heinz Weißflog, Autor und Journalist
Musik: Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden

Die Ausstellung ist vom 17. April bis zum 1. Juli 2019 zu sehen.

Geöffnet ist die Galerie 2. Stock montags bis freitags von
9 bis 18 Uhr, außer an Feiertagen. Der Eintritt ist frei.

Text + Foto: Landeshauptstadt Dresden, Amt für Presse-, Öffentlichkeitsarbeit

Farbenfrohe Kunstgewächse: Frühling im Kunstforum Klotzsche


Blick ins Kunstforum und Atelier von Erika Walther.
Foto: E.W.

Wo die Fantasie blüht

Die Künstlerin Erika Walther öffnet  ihre Türen für Kunstinteressierte am 14. April von 11 bis 18 Uhr. Mit Ausstellung mit Malerei & Grafik / Kuchenbuffet & Kaffee / Porzellan & Ton/Schmuckarbeiten & Papier / Frühlingssuppe & Baguette/Installation & Skulptur / Obstsaft & Bowle
Lyrik & Prosa / Textildesign & Filz/Blumensträuße & Pflanzen

Im Hof sind Skulpturen und Installationen zu bestaunen, Blumen und Pflanzen recken neugierig ihre Knospen. Große und kleine Kinder erwartet ein spannendes Mitmach-Angebot auf der Wiese. Malerei und Grafik, Textiles und Filz, Porzellan und Ton sind zu sehen, bestaunen, zu befühlen und gern auch zu erwerben.
Aber Achtung: leuchtende Farben, Freude, Verspieltheit und subtiler Humor der ausgestellten Arbeiten setzen das Glückshormon Serotonin frei! Für das leibliche Wohl brodelt im Kessel eine Frühlingssuppe. Naschkatzen werden auf dem Kuchenbuffet fündig und für den Durst stehen Saft, Bowle und Kaffee bereit. Reger Besuch ist gern gesehen.
Text + Foto: Kunstforum Klotzsche
Ort: Kunstforum Erika Walther, Rostocker Straße 12, 01109 Dresden (Straßenbahn Linie 7, Bus 70 und 80 bis Haltestelle Zur Neuen Brücke, S-Bahn und Zug bis Bahnhof Klotzsche)

Lesung mit Sasa Stanisic aus seinem neuen Buch „Herkunft“ im Hygiene-Museum Dresden


Foto: Sasa Stanisic

Geschichten-Fülle über Heimaten

Der Schriftsteller SAŠA STANIŠIC stellt sein neues Buch „HERKUNFT“ iam 10. April, um 19 Uhr in der Literatur-Reihe im Deutschen Hygiene-Museum Dresden, Lingnerplatz 1 vor.

Saša Stanišić stellt sein neues Buch Herkunft vor, in dem er sich mit dem ersten Zufall unseres Lebens befasst: unserer Herkunft. Saša Stanišić, geboren 1978 in  Višegrad (Jugoslawien) und für seine Romane Wie der Soldat das Grammofon repariert (2006) und Vor dem Fest (2014) bekannt geworden, lässt in seiner Biografie eine Fülle von Geschichten entstehen und setzt sich mit dem Ort auseinander, an dem ein jeder von uns geboren wird.

Herkunft ist kein Roman, kein Sachbuch und kein Erzählungsband. Was es ist, sagt Stanišić selbst: „Herkunft ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh. Diese sind auch Herkunft: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić.“

Info zur Lesung: Jörg Scholz-Nollau


Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 DresdenInh.: Jörg Scholz-NollauTel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

Auszüge aus dem Roman „Herkunft“ von Sasa Stanisic sind zurzeit zur Lesezeit auf MDR-Kultur zu hören (bis 24.1.2020, 9.05 und 19.05 Uhr)Oder zum Nachhören in der ARD-Audiothek.

BilderAlbum: „Tankstelle der Lebensinspiration“ – Lügenball & Frühlingszauber im Lügenmuseum

Ein Ort voll wundersamer Dinge für Träumer und Freigeister

Mit fröhlich-feuriger Musik des spontanen „Lügenmuseum Orchestra“ und Rundgängen durch die Wunderkammern wurde der 29. Geburtstag des Lügenmuseums gefeiert, das seit sieben Jahren im alten Gasthof Serkowitz in Radebeul zuhause ist.

Nach dem Motto von Federico Fellini: „Ich habe mir alles selbst erfunden, eine Kindheit, eine Persönlichkeit, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, um sie erzählen zu können, die Lüge ist immer interessanter als die Wahrheit“, entstand das Lügenmuseum als eine kulturelle Überlebensstrategie im ländlichen Raum. Der Gründer Reinhard Zabka ließ sich vor dem Ungehörigen, der Geschmacklosigkeit und dem Skandal leiten, denn der Künstler, der sich davor fürchtet, sei nicht viel wert.

Mit einem eigenen Museum entzog sich der Künstler den Mechanismen des Kunstmarktes und behielt die Deutungshohheit über seine eigene Geschichte. Heute kann diese ehemals verbotene Kunst im Lügenmuseum erlebt werden. Die virtuosen „Lügen“ dieser kunstvollen Wunderkammern sind dabei immer als solche zu erkennen.

Am 1. April, dem Weltlügentag wurde der 29. Geburtstag des Lügenmuseums gefeiert gemeinsam mit Besuchern und Freunden des Hauses. Mit viel fröhlich-feuriger Musik draußen im urwüchsigen Garten am Lagerfeuer und drinnen im ehemaligen Gasthof Serkowitz zum Zuhören und Tanzen. Seit sieben Jahren ist das Lügenmuseum nun hier zu Hause. Mit wachsendem Zuspruch von kleinen und großen, neugierigen Besuchern aus nah und fern. Die Musikerinnen und Musiker des spontanen „Lügenmuseum Orchestra“ und ihre großartige Sängerin spielten fast ununterbrochen den ganzen Abend voll Leidenschaft und Temperament Melodien und Lieder vorwiegend aus südländischen und osteuropäischen Gegenden, jiddische und Roma-Klänge.
Musik, die sofort in Herz und Beine geht und süchtig macht! Mehr davon, gern auch im Ballsaal im Obergeschoss, wäre wunderbar.

Konzert-Tipp: Einer der Musiker aus der Session im Lügenmuseum, Tobias Rietz, spielt sonst in der „Megilleband“ – Klezmer, Gypsy, Russian, World – das nächste Konzert ist am 3. Mai, um 19.30 Uhr in der Zschoner Mühle.

„Tankstelle der Lebensinspiration“ nennt Lügenmuseum-Betreiber Reinhard Zabka diesen Ort voller wundersamer, gesammelter und selbst erschaffener Dinge, gleichermaßen zum Staunen, Schmunzeln, Wundern, Träumen, Innehalten und Frohsinnn tankend.

Osteraktion im Lügenmuseum zu Radebeul: Ein Freiflugschein für die Phantasie
Das legendäre Museum der Dinge, die es nicht gibt, ist in den Osterferien wieder täglich 13-18 Uhr geöffnet.

Text + Fotos (lv)

Lügenmuseum, Kötzschenbrodaer Strasse 39, 10445 Radebeul
Richard v. Gigantikow
Handy 0176 – 99 02 56 52
www.luegenmuseum.de    info@luegenmuseum.de


Wohnzimmer im Grünen: der Garten hinter dem Lügenmuseum.


„Fontanes Wanderschuh“

 

Premiere „In meinem Namen“ im Kleinen Haus

Schneller Szenenwechsel: Wer spricht hier in wessen Namen? Foto: Sebastian Hoppe

Humorvolles Spiel um Macht und Magie
der eigenen Stimme

Wie viel Ich und Wir-Gefühl tut uns gut? Fragt die Inszenierung „In meinem Namen“ von Wojtek Ziemilski und Ensemble. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Was geschieht, wenn andere für uns sprechen oder wir für andere? Wie viel bleibt dann noch von uns selbst übrig? Das erkundet experimentierfreudig, spannend, philosophisch und aberwitzig-komisch die Inszenierung „In meinem Namen“ von Wojtek Ziemilski. Der polnische Regisseur gewann 2017 das Fast Forward-Festival für junge Regie und damit verbunden war eine neue Inszenierung. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Aufführung erzählt, was mit Menschen passiert, die sich unsichtbar fühlen. Drei Frauen, die über ein Casting gefunden wurden, sechs Schauspielerinnen und Schauspieler und vier Musiker gehen auf die Suche nach ihrem eigenen Ausdruck und Handlungsspielräumen in der Gesellschaft. Mittels Bewegung, Stimme, Klängen, Licht- und Schattenspiel erkunden sie ihre Wirkung auf andere ebenso wie Gehört- und Gesehenwerden. Als Kulisse dienen Stellwände voller Bilder, Ausgrabungsstücke und Gemälde aus dem Depot der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die hin und her geschoben, geöffnet und bespielt werden. Eine der Frauen, Sigrid Woehl, ist Archäologin und hält eingangs einen langen Monolog über wieder ans Licht geholte „Dinge, die nie sind, was sie sind, gebrochen und verletzt. Wir geben ihnen eine neue Existenz und Wahrheit.“ Mit leiser Ironie spricht sie für eine gefundene, kleine Tonfigur, verleiht ihr Macht und Magie. Eine Architektin, Jana Lenauer, suchte eine politische Vertreterin und durfte auf einer Podiumsdiskussion der Linken im Namen von Katja Kipping sprechen. Die Videoaufnahme wurde am 8. März aufgezeichnet. Jana Lenauer stoppt das Video und lässt die Schauspielerin Birte Leest stellvertretend für sich souverän, ruhig und charmant auftreten.

„Verstellt euch nicht, bleibt sichtbar!“, ruft sie ermutigend ins Publikum und bekommt Szenenapplaus dafür. Philipp Lux fordert die Zuschauer zu lauten Buh-Rufen auf, um den Widerstand gegen die Unsichtbarkeit zu erhöhen und liest berührende Texte von Mitspielerin Beate Schulz, die sie ihm hinter seinem Rücken zureicht. Mal erscheinen die Frauen in Goldrahmen im Mittelpunkt, mal tanzen sie ausgelassen zum schräg posaunten „Highway to hell“ von AC/DC. Mal steht Archäologin Sigrid Woehl im Hintergrund mit sich selbst redend, während ein Mann vorn in ihrem Namen um Gehör bittet. Mal isst sie genüsslich einen Schokoriegel in „eurem Namen“, mal agieren die drei Frauen als Fürsprecherinnen der Zuschauer, in schnellem Wechsel von Banalem, Alltäglichem und Gewichtigem wie politischer Haltung. Theater und
Wirklichkeit prallen absurd aufeinander. Köstlich die Szene mit Ahmad Mesgarha als lautstarker Chef in Feldherrenart, nebst Indianerhäuptling und Batman, die Architektin Jana aus dem Job drängen, da sie „zu emotional“ sei.

Grotesker Höhepunkt der Aufführung ist schließlich, als alle sechs Schauspieler gleichzeitig behaupten, Beate Schulz zu sein. Und außer Frage steht: Namen sind Schall und Rauch, Worte beliebig einsetz- und Personen austauschbar. Erst ihre eigene Stimme verleiht ihnen echte Identität. Viel Beifall für einen anspruchsvoll vergnüglichen Theaterabend.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Ausstellung: „Songs from the Wood“ bei Büchers Best


Grafik von Stephan Knechtel

Den Dingen beim Singen zuhören

Die Ausstellung „Songs from the Wood“ – Stephan Knechtel – Holzschnitte eröffnet am 4. April, um 20.30 Uhr bei Büchers Best. Zur Eröffnung unterhalten sich Buchhändler Jörg Stübing und der Künstler vor dem Publikum. 

Mit dem Holzschneiden ist es wie mit dem Leben. Es ist schwer und leicht zugleich: man hat nur den einen Versuch. Einmalig liegt am Ende alles Getane schutzlos offen vor uns: mal auf den Widerstand der Welt verweisend – mal auf das freie Spiel des Geistes. Beide Modi reichen sich auf dem Tanzboden des Könnens harmonisch die Hand und probieren in abgemessenen Schritten neue Figuren.

Hier ist Stefan Knechtel zu Hause, hier führt er seine Klinge durch die Welt – die Welt des Holzes, aus dem gleichermaßen Altäre und Schüsseln, Schiffe und Häuser gemacht sind, hier ist Ithaka. Die Rillen im Druckstock, später gespiegelt in der Graphik, ähneln in Ihrer Archaik einem anderen, ebenso oft totgesagtem Medium – der Schallplatte.

„Die Dinge singen hör ich so gern“, schreibt Rilke über den Zauber der schriftfreien Welterschließung und Welterschaffung.

Stellen wir uns einen metaphysischen Druckplattenspieler vor, legen die Nadel der Imagination in die Rillen und hören den Dingen beim Singen zu.

Sie erzählen von uns und von allem anderen auch: ein heller Flötenklang vorm dunklen Horizont – Songs from the Wood.

Text: (stue)

Stefan Knechtel, 1964 in Dessau geb., Lehre als Schrift- und Grafikmaler, Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Meisterschüler von Karl-Georg Hirsch, lebt seit 1994 als freischaffender Künstler in Kürbitz bei Altenburg, Dozent an der Hochschule Zwickau. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

Ladenausstellung in der Buchhandlung Büchers Best,
01099 Dresden, Louisenstraße 37

www.buechersbest.de Telefon: 0351 8015087

vom 5.4. 2019 bis 12.6. 2019

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Erich Kästner Museumsfestival 2019, Drittes Kapitel: „Lassen Sie sich nichts weismachen!“

„Von Vielfalt und Neuer Sachlichkeit“

Literaturinteressierte und Kästner&Gäste-Fans aufgepasst. Das Festival zum 120. Geburtstag Erich Kästners und dem 20. Geburtstag des Micromuseums zu seinem Leben und Schaffen geht in die dritte Runde vom 3. bis 7. April im Literaturhaus Dresden am Albertplatz.

Mit Wolfgang Korn, Kenah Cusanit und Franziska Gerstenberg, mit der Erich Kästner Gesellschaft und dem Meet & Read Literaturclub stehen tolle Mitwirkende im Programm.

Am 5. April wird im Literaturhaus Dresden am Albertplatz mit Weggefährten und Kästner-Freunden auf das 20-jährige Bestehen des Micromuseum angestoßen. Wer mitfeiern will, melde sich bitte bis zum 1. April telefonisch unter 0351 8045086 oder per E-Mail an info@erich-kaestner-museum.de an!

Drittes Kapitel: Lassen Sie sich nichts weismachen!*
Themenfeld Bildung
3.-7. April

*Aus: Erich Kästner, „Weisheit der Bücher“, erschienen am 17.12.1926 in der Neuen Leipziger Zeitung (Nr. 348)

Erich Kästner, Jahrgang 1899, wurde Zeuge und Handelnder in einem Jahrhundert voller Kontinuitätsbrüche und Gewalt, Neuanfänge und technischer Fortschritte. Er war nicht nur ein äußerst produktiver Schriftsteller, der alle literarischen Genres beherrschte, sondern auch ein vielseitiger und weitsichtiger Intellektueller, der sich in das öffentliche Geschehen einmischte. Ob es um gesellschaftliche Schlüsselfragen, um Bildungskonzepte oder technologische Entwicklungen geht – Kästner schlägt Brücken vom Beginn des 20. Jahrhunderts in unsere Gegenwart und unsere Zukunft.

Mi., 3.4. Verwischte Spuren
10 h
Wolfgang Korn, „Lauf um dein Leben. Die Weltreise der Sneakers“ / Lesung und Gespräch für Schüler 

Ein spannendes Jugendbuch über die Suche nach einem Paar Sneakers und zugleich eine kenntnisreiche Recherchereise zur Globalisierung. Als auf dem Stadtmarathon ein ungewöhnliches Paar Sneakers gefunden wird, beginnt für einen Reporter ein zweites Wettrennen: Er soll als Erster herausfinden, wer die Schuhe getragen hat, wo sie hergestellt wurden und wer sie entworfen hat. Seine Reise führt ihn von deutschen Marken-Turnschuh-Erfindern zu Produktpiraten in China bis zu Billiglohnarbeitern in Äthiopien.

Wolfgang Korn, geboren 1958, schreibt als Autor und Wissenschaftsjournalist über historische und gesellschaftliche Themen. Für „Das Rätsel der Varusschlacht“ wurde ihm zusammen mit dem Illustrator Klaus Ensikat 2009 der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen.

Do., 4.4. Zwischen Orient und Okzident
19 h Kenah Cusanit, „Babel“ / Lesung und Gespräch / Moderation Franziska Gerstenberg 

1913, unweit von Bagdad. Der Archäologe Robert Koldewey leidet ohnehin schon genug unter den Ansichten seines Assistenten Buddensieg, nun quält ihn auch noch eine Blinddarmentzündung. Die Probleme sind menschlich, doch seine Aufgabe ist biblisch: die Ausgrabung Babylons. Zwischen Orient und Okzident bahnt sich gerade ein Umbruch an, der die Welt bis in unsere Gegenwart hinein erschüttern wird. Kenah Cusanits erster Roman ist Abenteuer- und Zeitgeschichte zugleich – klangvoll, hinreißend, klug.

Kenah Cusanit, geboren 1979, lebt in Berlin. Für ihre Essays und Gedichte wurde die Altorientalistin und Ethnologin bereits mehrfach ausgezeichnet.

Fr., 5.4. Neue Räume – Neue Wege
19 h
Museumssalon von Ruairí O’Brien / Impulsvortrag „Lernorte für die Zukunft“ / Einweihung der neuen Kabinettausstellung / Gesprächstreibstoff in der SupernoBAR / Eintritt frei

Der Museumsarchitekt und Vorstandsvorsitzende Ruairí O’Brien ist bekannt für seinen zukunftsorientierten, interdisziplinären Arbeitsansatz und die Entwicklung neuer Typologien in Architektur, Lichtdesign und Hochschullehre.
Als Vorstandsmitglied der Architektenkammer initiierte und kuratierte er 2016 die erste Schulbaukonferenz Sachsens. Seit 2017 ist er zudem Associate Professor and Head of the Architecture and Visual Design Department an der German University in Kairo und betreut dort mehrere Projekte im Kontext von Raum- und Bildungskonzepten.

Sa, 6.4. Bücherwelten und Bildsprachen / Die Erich Kästner Gesellschaft zu Gast
19 h
Andreas Bode, „Emil im neuen Gewand: Neuillustrierung von „Emil und die Detektive“ und anderen Kinderbüchern Kästners im Ausland“ / Vortrag und Diskussion / freier Eintritt

Andreas Bode nimmt sich einige der Kinderromane Kästners vor, vor allem ausländische Ausgaben von „Emil und die Detektive“, und unterzieht ihre Neuillustrierung einer kurzen stilkritischen Analyse. Dabei werden einige Fragen erörtert, etwa, was die Gründe dafür sein können, dass manche Verlage Erich Kästners Bücher überhaupt neu illustrieren lassen, obwohl doch die Bilder von Walter Trier perfekt zu Kästners Texten zu passen scheinen, und, ob es besondere Gründe gibt, dass die Verlage in den ehemaligen sozialistischen Ländern besonders häufig andere Illustratoren als Trier gewählt haben.

Andreas Bode, geb.1942 in Leipzig, studierte in München, Stockholm und Moskau osteuropäische und neuere Geschichte, sowie Slawistik, gefolgt von der Ausbildung zum wissenschaftlichen Bibliothekar des höheren Dienstes in München. Von 1978 bis 1983 war er Leiter der Bibliotheken der Hochschule der Künste in Berlin und anschließend bis 2007 Direktor der Internationalen Jugendbibliothek in München.

20 h Remo Hug, „Die bunte Welt der Kästner-Bücher“ / Vortrag und Diskussion / freier Eintritt

Von Erich Kästners Büchern ist bis dato eine fast unüberschaubare Fülle von Ausgaben und Auflagen entstanden, seine Werke sind in zahlreiche Sprachen rund um den Globus übersetzt worden. Eine exakte Erfassung und eingehende Beschreibung dieses enormen Korpus ist bisher allerdings ausgeblieben. Remo Hug arbeitet seit Längerem daran, diese Forschungslücke zu schließen; in seinem Vortrag gibt er anhand repräsentativer Beispiele einen informativen Einblick in diese bunte Bücherwelt und zeigt mithilfe vieler Bilder, wie sich Erscheinung, Ausstattung und Aufmachung der Kästner’schen Werke im Verlaufe ihrer jahrzehntelangen Publikationsgeschichte weltweit gewandelt haben.

Remo Hug wurde 1967 in der Schweiz geboren. Studium der neueren deutschen Literaturwissenschaft und Philosophie, Tätigkeit als Korrektor und Redakteur für verschiedene Zeitungen, seit 2009 freiberuflicher Lektor. 2006 veröffentlichte er die Monographie Gedichte zum Gebrauch – Die Lyrik Erich Kästners, für Sammelbände verfasste er außerdem drei umfangreiche Artikel über Kästner. Zurzeit arbeitet er an einer auf drei Bände angelegten, detaillierten und reich illustrierten Darstellung des gesamten in Buchform veröffentlichten Werkes von Erich Kästner samt einer Primärliteratur-Bibliographie aller Ausgaben und Auflagen, die bis heute weltweit erschienen sind.

So, 7.4. Von Hausapotheken und Gemischten Gefühlen
11 h Die Mitglieder des Meet & Read Literaturclubs lesen gesammelte Texte Erich Kästners / freier Eintritt

Es lesen: Maren Frei / Steffi Michel / Petra Qadan / Brigitte Zschaber
Moderation: Noelle Waibel

Über den Literaturclub

Diskutieren über Literatur ist langweilig? Nicht im Literaturhaus Villa Augustin! Vorgestellt und besprochen wird Prosa des 20. und 21. Jahrhunderts in deutscher Sprache. Der Literaturclub trifft sich an jedem ersten Dienstag des Monats um 19 Uhr. Neugierige sind willkommen!

Das Erich Kästner Museumsfestival wird von der Landeshauptstadt Dresden gefördert.

Text: Literaturhaus Dresden

Förderverein für das Erich Kästner Museum /
Dresdner Literaturbüro e.V.
Literaturhaus Villa Augustin
Antonstraße 1
01097 Dresden
Tel 0351 / 8045087
http://www.facebook.com/Literaturhaus.Dresden
http://www.literaturhaus-dresden.de

Premiere „Die Niere“ in der Comödie Dresden


Hand auf`s Herz: Liebling, was bist du bereit für mich zu tun?
Foto: Dennis Häntzschel

Humorvolle Prüfung auf Herz und Nieren

Für reichlich Turbulenzen im perfekt gestylten Leben zweier Paare sorgt „Die Niere“ in der gleichnamigen Beziehungskomödie vom Stefan Vögel, die am Freitagabend Premiere hatte in der Comödie Dresden.

Gerade träumte er noch vom großen Durchbruch als Architekt, jetzt bangt er um sein Leben. Arnold fällt aus allen Wolken, als seine Frau Katrin eine neue Niere braucht. Beide haben dieselbe Blutgruppe, doch er will kein Risiko eingehen. So entbrennt ein kurioser wie emotionsreicher Streit um die passende Organspende im Stück „Die Niere“ von Stefan Vögel. Die Beziehungskomödie hatte am Freitagabend Premiere in der Comödie Dresden.

Inmitten des kühl-eleganten Appartments mit weiter Terrasse und Lichterkette steht ein rotes Designersofa, das einer Krankenliege ähnelt. Arnold (Hardy Krüger Jr.) ist ein lässig, cooler Durchstarter. Er hält einen phallisch aufragenden Modellturm, sein neuestes Bauprojekt in Paris, vor seinen Körper. Um so mehr geht ihm an die Nieren, als seine Frau Katrin (clever: Lara Joy Körner) ihn mit der benötigten Organspende überrascht. Er verschanzt sich hinter seiner Angst vor möglichen Nebenwirkungen einer Transplantation, selbst wenn diese weniger häufig wie Gewaltverbrechen sind. Als Arnolds bester Freund Götz (naiv-gutmütig: Urs-Alexander Schleiff) sofort bereit ist als Spender einzuspringen, führt dies zu einem witzig-absurden Hahnenkampf der beiden um die Niere.

Sowohl Arnold als auch Götz` Frau Diana (biestig: Katharina Bauer) sind sauer, schließlich ist solch eine Organspende eine intime Sache, und als Apothekerin führt sie noch mehr mögliche Komplikationen ins Feld. Dann werden angeblich auch noch die Laborbefunde vertauscht und Arnold braucht plötzlich eine neue Niere! Nebenbei kommen auch noch ein paar pikante Geheimnisse der zwei Paare ans Licht und lange unausgesprochene, schwelende Konflikte werden ausgetragen. Was unweigerlich die Frage aufwirft: Liebling, was bist du bereit, für mich zu tun? Eine humorvoll-abgründige Prüfung auf Herz und Nieren mit überraschenden Wendungen, die allerdings nicht durchgängig plausibel sind und zu konstruiert wirken, kam unter Regie von Ute Witting auf die Bühne. Dennoch viel Beifall vom Premierenpublikum für diese turbulente Suche nach wahren Werten.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

Ausstellung „Deutsche Heimat“ in der Galerie Holger John


„Familie“, Georg Egmont Oehme, 1925 
Einen „Rasselbock“ zeigt Beate Bilkenroth, Landschafts-, Tier- und Jagdszenen
stammen von Andreas Bräunsdorf.

„Augustusbrücke“, Barbara Bessen-Möckel, 2008
„Blick auf das brennende Dresden“, Franziska Klotz
„Altmarkt“, Siegfried Klotz, 2003

„Die Parade“, Lutz Heyder, 1990

Mal romantisch, mal steinig ist der Weg durch die Ausstellung „Deutsche Heimat“. Der Künstler und Galerist Holger John überrascht die Besucher gern mit ungewöhnlichen, auch brenzligen Themen und Blicken auf die Gegenwart. 

Zwischen heimelig und unheimlich

Farb- und spannungsreiche Blicke auf „Deutsche Heimat“ im Spiegel der Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart zeigt die gleichnamige Ausstellung in der Galerie Holger John.

Eine Kuckucksuhr tickt an der Wand, neben einer grotesken Radierung „Das Murmelaugenfest zu Dresden“ (1991) von Horst Janssen und einer sonnenflimmerndern, unwirklich schönen „Elblandschaft“ von Johannes Kühl (1943).
Alte Volkslieder, von „Kein schöner Land“, „Muss i denn zum Städtele hinaus“, „Adé nun zur guten Nacht“ bis zu Songs von Hannes Wader und Zupfgeigenhansel, begleiten die Bilder-Wanderung durch die Ausstellung „Deutsche Heimat“ in der Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17 im Dresdner Barockviertel, die mit dieser besonderen Schau ihr fünfjähriges Jubiläum feiert. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kulturhauptstadtbüro Dresden 2025.

Die Wände sind grün wie der deutsche Wald, jedenfalls in der Vorstellung.
Über 100 Bilder aus Biedermeier und Romantik, Altdresdner bis zeitgenössische Malerei, spüren dem Heimat-Begriff einst und heute in allen Facetten, mit Blick auf Landschaft, Orte und Menschen, nach, opulent, heiter, unbeschwert, kitschig-heroisch, witzig, ironisch bis expressiv und dramatisch.

Üppig goldgerahmt erscheint das alte Dresden mit Altmarkt und Hofkirche, Gebäude und Gestalten halb in Licht und Schatten, Pferdegespanne neben der Tram in Ölgemälden von Max Pietschmann und Fritz Beckert von 1926. Daneben hängt ein satirisches Plakat „Die Besteigung der Barbarei“ von 1920, die Erstürmung des Barbarine-Felsens in der Sächsischen Schweiz, ein halsbrecherisches Spektakel.

Gegenüber ein goldglänzendes Naturidyll, ein Bauer sitzt pfeiferauchend neben seiner Frau mit Nähzeug. Davor eine Installation, „Equipment“ von Stephan Ruderisch, zwei Wanderstöcke mit Köpfen, die aus Bierkrügen ragen.

Ein grellfarbiges Gemälde aus der Vogelperspektive erinnert an „Das brennende Dresden“, gemalt hat es Franziska Klotz. Zu sehen ist auch das letzte Bild ihres Vaters, des Malers Siegfried Klotz aus dem Jahr 2003, eine pastellfarbene Ansicht vom Altmarkt, in der Mitte strahlendes Weiß und einige dunkle Flecken am Bildrand.

Von einer älteren Dame, Hobbymalerin, stammt vis a vis das wolkenreich-bewegte Bild „Augustusbrücke“ von 2008. Acryl auf Pappe, ocker und blau dominieren. Es sei auch ein Hoffnungsbild, denn das Malen half Barbara Bessen-Möckel wieder gesund zu werden, erzählt Holger John. „Kunst ist die beste Medizin“, schmunzelt er.

Spannend und emotionsgeladen ist das Bild „Die Parade“ von Lutz Heyder, einem Berliner Künstler, von 1990. Er ist bereits verstorben. „Ein Schlüsselbild der Wendezeit, das noch nie ausgestellt war“, so John. Die Figur auf dem Bild ähnelt einem apokalyptischen, vom Pferd stürzenden Reiter.

Zu sehen sind in der Ausstellung „Deutsche Heimat“ Gemälde, Zeichnungen, Plastik. Ein farb- und spannungsreicher Bilderbogen aus Erinnerungen, in denen sich Gestern und Heute in der Gegenwart spiegeln. Noch bis 31. März.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di – So von 14 – 19 Uhr

http://www.galerie-holgerjohn.com