Ausstellungseröffnung „Sommersalon“ in der Galerie Kunst & Eros


Lustvolles Spiel der Sinne: „Jetzt ist zu Ende das Spiel“, von Karen Gäbler, Öl auf LW, 2023. Es ist das Titelbild der diesjährigen Sommersalon-Gruppenausstellung in der Galerie Kunst & Eros, Hauptstr. 15, in Dresden.

SOMMERSALON »Sommernachtstraum«

Malerei · Zeichnung · Grafik

  1. Juli bis 2. September 2023

Vernissage am Donnerstag, 06. Juli 2023 · Beginn 19.30 Uhr

Begrüßung: Janett Noack

Galeriekonzert: »BAROCK- DUO« mit Kartrin Meingast Violoncello & Judit Iszak Cembalo/ Klavier

Theaterperformance: »ellemonhs of passion« eine theatralische Inszenierung von der Regisseurin Anna Yaryga

Eröffnung der Ausstellung SOMMERSALON »Sommernachtstraum«
am Donnerstag, den 06. Juli 2023, um 19.30 Uhr in der Galerie kunst & eros.
In dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Malerei, Grafik und Zeichnungen zeitgenössischer Künstler vorgestellt:

Karen Gäbler | Steffen Fischer | Helena Zubler | Juan Miguel Restrepo Valdes | Leonore Adler | Mechthild Mansel & weitere Künstler

Anlässlich der neuen Ausstellung in der Galerie kunst & eros wird es zur Eröffnung ein Galeriekonzert mit dem »BAROCK- DUO« geben:

»Barock trifft auf Romantik« heißt es am 6. Juli um 19.30 Uhr, im Rahmen der Eröffnung des SOMMERSALONS »Sommernachtstraum«. Die Cellistin Katrin Meingast und die Pianistin Judit Iszak werden an diesem Abend Werke der Romantik und des Barockes erklingen lassen.

Die 6 Künstler der Ausstellung haben Gedichte zum Thema »Sommernachtstraum« mitgebracht, die durch die beiden Musikerinnen musikalisch eingeflochten werden. Wir freuen uns auf ein unterhaltsames und lebendiges Programm aus Musik und Literatur.

Im Anschluss um 22 Uhr: Theaterperformance »ellemonhs of passion«

Die Theatergruppe »ellemonh« spielt an diesem Abend als kleine Zugabe in der Passage der Galerie eine theatralisch musikalische Skizze »ellemonhs of passion« zum Thema Macht der Leidenschaft und wie man den Kopf verliert wegen der Liebe oder die Liebe wegen dem Kopf. Lasst euch überraschen.

Text + Foto: Ihre Janett Noack & Team

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Ausstellung „Der Zauberteppich. Von Radebeul in andere Welten“ von Renate Winkler im Hoflößnitz Radebeul


Neugierde auf fremde Kulturen: „Meine Arbeiten sind eine Einladung zu einem Flug in die Welt…“, sagt die Radebeuler Künstlerin Renate Winkler über ihre Ausstellung im Hoflößnitz Radebeul. Farbenfroh, faszinierend und überraschend, wie nah Fernes auf einmal werden kann, beim Blick in die Gesichter, die Licht, Freude, Träume, Sorgen spiegeln… Majestätische Berge, das Licht der Wüste, wogendes Häusermeer und leuchtend blaues Meer… Sprudelnder Lebensquell.
Klangreich: Von beschwingt bis besinnlich-erhabene Musik von Bach musizierte Robert Hennig am Bandoneon und Akkordeon zur Ausstellungseröffnung.
„Anflug auf Teheran“: das Titelbild der Ausstellung.

Zauberhafte Bilderreise

In farbenfroher und eindrucksvoller Malerei, Grafiken, Reisetage- und Skizzenbüchern fliegen die Besucher der Ausstellung „Der Zauberteppich. Von Radebeul in andere Welten“ mit Renate Winkler im Sächsischen Weinbaumuseum Hofößnitz in Radebeul.

Hoch über den Dächern und Türmen der Stadt, die in sonnigen Farbtönen vor ihnen liegt, genießen ein Liebespaar, ihre Begleiterin und ein vorbei springender Rehbock die Landschaft und den Wein und schweben auf und davon im Titelbild der diesjährigen Sommerausstellung „Der Zauberteppich. Von Radebeul in andere Welten“ mit Arbeiten von Renate Winkler im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz Radebeul.

Die Künstlerin nimmt die Besucher mit auf eine zauberhafte Bilderreise. Hinauf in die Berge des Sinai, in die Wüste, ans Meer, nach Istanbul, Kairo, Teheran und Jerusalem entführen in leuchtenden und erdigen Farbtönen die Malerei, Grafiken und Reisetage- und Skizzenbücher von Renate Winkler. Eine bunte Häuserkulisse vom Meer aus gesehen. Im hellen Morgenlicht leuchtet blau und violett Hagia Sophia, die berühmte Moschee mit Minarett, davor fliegt eine weiße Taube. Ein weißer Ausflugsdampfer legt an in Assuan. Segelboote liegen am Hafen mit Blick auf Kairo. Inmitten der Bilder in mal ocker, sandigen und kräftigen, pastos aufgetragenen Farben kann man hinter Glas die aufgeschlagenen Skizzenbücher mit farbigen Aquarell- und schwarzen Tuschezeichnungen von unterwegs und eng beschriebene Seiten mit Reiseeindrücken betrachten. Der Ausstellungstitel ist angeregt von einem gleichnishaften orientalischen Märchen von Karl May, einer kleinen Erzählung, die just vor 100 Jahren, im Karl-May-Jahrbuch für 1923, erstmals aus dem Nachlass veröffentlicht wurde unter dem Titel „Der Zauberteppich“.

Iranische Miniaturen inspirierten Renate Winkler zu dem Holzschnitt „Anflug auf Teheran“, dem Titelbild der Ausstellung, 2019 nach einer Reise dorthin entstanden. „Ich kenne die Arbeiten von Renate Winkler seit vielen Jahren vom Radebeuler Grafikmarkt und finde vor allem ihre großformatigen Radierungen und Holzschnitte mit Motiven unserer Weinbaulandschaft toll“, sagt Museumsleiter Frank Andert, der sie zu der Ausstellung im Hoflößnitz einlud. Ihre orientalische Malerei kannte er noch nicht. Nach anfänglicher Skepsis, sich so ins Rampenlicht rücken zu lassen, schließlich sei sie keine „akademische Malerin“, willigte sie in das Projekt ein. Renate Winkler, Jahrgang 1948, war als Lehrerin tätig und ist künstlerische Autodidaktin.

Die Auswahl der gezeigten Bilder überlässt Andert in guter Tradition den Künstlern selbst. „Mein Wunsch war nur, dass das druckgrafische Werk dabei angemessen vertreten ist.“ Da treffen Landschaften, Stadtansichten von nah und fern und Figürliches, Vertrautes und Fremdländisches in spannenden, reizvollen Kontrasten aufeinander. Eine Karawane mit Kamelen und Reitern in der Sahara. Der Blick von Aust`s Weinberg mit prallen Trauben, Steintreppe, Winzers Rastplatz unterhalb der Steinterrasse und Rebstöcke im Winter weiß umhüllt neben einer verwinkelten Häusergasse von Jerusalem und einem Fachwerkhaus mit Weinkneipe in Meißen.

Die Porträts spiegeln Momente der Begegnung. Eine Frau mit Kopftuch in rotem Kleid, verziert mit Sonnenrädern bei einer „Ruhepause im Sinai“. Der Mann im weißen Gewand und Turban heißt „Moussa“ und sitzt erhaben vor einem Zelt. Ein Klarinettenspieler spielt vor der Altstadtkulisse von Jerusalem. Ein Mann trägt sein Akkordeon auf dem Rücken abends in der bunt leuchtenden Neustadt. Ausdrucksstark vor allem die figürlichen Grafiken. Ein Beduinenkind mit großen, fragenden Augen. Eine alte Frau mit lebhaften Gesichtszügen und ein stolzer Wüstenfürst mit wettergegerbtem Gesicht.

In einer Serie Farbholzschnitten wandert Renate Winkler auf den Spuren von Abraham und seinem Sohn Issak. Außerdem zeigt sie keramische Arbeiten, Kamele sitzend und stehend, eine Blütenschale und meerblaue Schüsseln und eine „Schwebende“. Seit ihrer ersten Malreise nach Ägypten, die der Radebeuler Künstler Pit Müller  2009 organisierte, war Renate Winkler zehn Mal dort, außerdem sieben Mal im Sinai und drei Mal auf dem Nil im Segelboot mit einer kleinen Gruppe unterwegs. 15 Skizzenbücher gefüllt mit Bildern ihrer Reisen hat sie inzwischen. „Die Neugierde auf andere Kulturen lässt mich immer wieder aus Radebeul aufbrechen. Abseits herkömmlicher Pfade lerne ich Menschen kennen, zu  denen ich gern zurückkehre, weil sie inzwischen Freunde sind“, sagt Renate Winkler. Die Begegnungen, das Unverhoffte und Überraschende, weiten den Blick. Mit ihrer Offenheit für die Unterschiede in der Lebensweise fühlte sie sich als Reisende dort immer willkommen. Die Ausstellung ist noch bis 6. August zu sehen im Hoflößnitz.

Text + Fotos (lv)

Außerdem ist Renate Winkler zusammen mit Mechthild Mansel mit einer Malaktion im Garten des Weinbaumuseums zu erleben innerhalb der Veranstaltung „Kunst geht in Radebeuler Gärten“ am 1. und 2. Juli, 13 bis 18 Uhr.

Weitere Infos zu „Kunst geht in Gärten“ und Veranstaltungsorte unter: http://www.radebeul.de/stadtgalerie

Die Ausstellung „Der Zauberteppich“ im Hoflößnitz hat geöffnet: Di bis So von 10 bis 18 Uhr

Premiere „Sylvia und Sybille“ nach Christa Winsloe im Kleinen Haus


Der Traum vom Fliegen… Im Zwiespalt der Gefühle zwischen schwebender Leichtigkeit, Lebenslust und Übermut und starren Konventionen von Familie und gesellschaftlichen Rollenbildern hin und hergerissen… Von einer ungewöhnlichen Liebesbeziehung erzählt die Aufführung „Sylvia und Sybille“ (mit Leonie Hämer und Fanny Staffa) unter Regie von Daniela Löffner im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Beeindruckendes Ping-Pong der Gefühle

Emotionsreich voller leiser, lauter, komischer, trauriger, sinnlicher und berührender Szenen und Momente kam die Inszenierung „Sylvia und Sybille“ nach Christa Winsloe in einer Überschreibung von Daniela Löffner auf die Bühne im Kleinen Haus.

Zwei Frauennamen im Stücktitel sind selten im Theater. “Sylvia und Sybille“ nach Christa Winsloe erzählt in einer Überschreibung von Regisseurin Daniela Löffner eine ungewöhnliche und spannungsreiche Liebesgeschichte. Eine Mutter beginnt eine Affäre mit der Freundin ihres Sohnes. Sylvia ist 16, Sybille 46. Der große Altersunterschied und ihre, unkonventionelle, leidenschaftliche Beziehung verschärfen die Situation. Zur Entstehungszeit Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war das Stück ein Skandal. Wie gehen Familie und Gesellschaft heute mit derartigen Tabubrüchen und gleichgeschlechtlicher Liebe um? Fragt die Inszenierung die im Mitte Mai Premiere im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden hatte.

Die Zuschauer sitzen rings um die Bühne und können das Geschehen von allen Seiten betrachten. Die Darsteller spielen und schauen abwechselnd zu.
Zu Beginn sieht man einem jungen Paar beim Tischtennis zu. Minutenlang. Wenig aufregend. Bald fliegen wie beim Ping-Pong des Balls auch die Gefühle, Wut, Schmerz und unerfüllte Sehnsüchte, lange aufgestaut, heftig hin und her zwischen Erwachsenen und jungen Leuten. Nach und nach erfährt man aus ihren Wortwechseln oder mehr  –gefechten die familiären Bezüge, Hintergründe und erlebten Tragödien der einzelnen Figuren und wie sie zueinander stehen. Das Mädchen in den kurzen Hosen, Lilly (lebensfroh-selbstbewusst: Mina Pecik) und ihr Freund Henry, Bruder von Sylvia (Jakob Fließ) bekämpft seine Trauer um den Tod der Mutter mit Aggressivität gegenüber seinem Umfeld. Passt ihm etwas nicht, schlägt er wie verletzt wild um sich, wandelt sich Zärtlichkeit in Gewalt. Seine Schwester Sylvia (nach außen cool: Leonie Hämer) trägt nur dunkle Klamotten, fühlt sich von allen unverstanden und will nur ihre Ruhe.

Mit ihrem Vater (egozentrisch und wehleidig: Hans-Werner Leupelt) zofft sie sich ständig. Die harmoniesüchtige Hausfreundin Maike (Christine Hoppe) kann die Risse in der Familie nicht kitten. Erst lächelnd und dann zunehmend genervt wehrt Sylvia die Annäherungsversuche von Fritz (tragikomisch: Daniel Séjourné) ab, der erst naiv gutmütig im bunten Streifenpulli und dann als feurig romantischer, wutschnaubend verstoßener Liebhaber in weißem offenen Hemd und schwarzer Hose auftritt. Er malt ihr eine schöne Zukunft aus und will mit ihr irgendwohin, weit weg von allem, was dunkel und banal ist. Beim Abendessen bei Fritz zuhause lernt Sylvia Sybille kennen, einer verwitwete Modedesignerin, attraktiv und elegant in weißem Anzug (mal herb dandyhaft und gefühlvoll weiblich im lindgrünen Kleid: Fanny Staffa) kennen, die so ganz anders ist, ihr zuhört, ihren Schmerz versteht. Bei der sie endlich wieder aufblüht und ganz sie selbst sein kann.

Scheu, sinnlich, berührend und schmerzlich schön erlebt das Publikum gemeinsam mit Sylvia und Sybille hautnah alle Facetten ihrer Liebe mit allen Höhen und Tiefen, Widersprüchen, Lust und Verzweiflung, die an gesellschaftlichen Rollenbildern und Normen scheitert. Wunderschön die Szene, bei der Sylvia auf einem funkelnden Kronleuchter wie auf einer Schaukel übermütig schwingt und Sybille sie anschiebt, auffängt und aus ihrer Traurigkeit zurück ins Leben holt. Verlockend schwebende, weiße Tücher wandeln sich zu Seilen, Fesseln und schwarzes Klebeband spannt sich bis in die Zuschauerreihen einschneidend. Da suchen die jungen Leute Geborgenheit und Vergnügen, tanzen im Drogenrausch, aus Infusionsbeuteln inhallierend wie Patienten auf der Intensivstation und wird mit vorgehaltener Pistole knallhart gefragt: Wer bist du und wofür stehst du?!

In einfallsreichen und eindringlichen, lauten, leisen, schrillen, komischen und traurigen Szenen und großartig, packendem Spiel vor allem der beiden Hauptdarstellerinnen kam die Geschichte auf die Bühne. Reichlich Beifall gab es dafür vom Publikum.

Text (lv)

Letzte Vorstellung vor der Spielzeitpause: 30.6., 19.30 Uhr im Kleinen Haus.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Sommertheater: „Der Diener zweier Herren“ nach Carlo Goldoni im Innenhof des Japanischen Palais


Wettstreit der Leidenschaften… Komik und Dramatik nah beieinander… Wer ist Gewinner, wer Verlierer… Das wechselt ständig… aber alle fiebern gemeinsam mit, wenn Dynamo Dresden spielt… Hinreißend komödiantisches Sommertheater bietet die Inszenierung „Der Diener zweier Herren“ nach Carlo Goldoni vom Staatsschauspiel Dresden zurzeit im Innenhof des Japanischen Palais. Foto: Sebastian Hoppe

Das Leben als Glückslotterie

Um Liebe und Geschäft, Business und Moral, List, Lüge und echte Gefühle dreht sich alles in der rasant komischen Verkleidungs- und Verwechslungskomödie „Der Diener zweier Herren“ nach Carlo Goldoni in modernisierter Textfassung. Mit viel Witz, Streitlust, Dance-Hits der 90er Jahre und Lokalkolorit im Jahrmarktsbuden-Ambiente inszeniert, kam zweieinhalb Stunden deftig-direktes, pralles Sommertheater unter Regie von Rafael Sanchez auf die Bühne in dieser Inszenierung des Staatsschauspiels Dresden im Innenhof des Japanischen Palais. Höchst vergnüglich!

Als „Mr. Bombastic“ aus dem gleichnamigen Hit, mit cool-ergrautem Charme und zugleich geschäftstüchtiger Moralapostel namens Pantalone dei Bisognosi, der versucht seine Tochter Clarice unter die – möglichst vermögende – Haube zu bringen, zieht Ahmad Mesgarha alle Register. Besonders reizvoll, da die als „freche Göre“ genannte, aufmüpfige Tochter Clarice von der wie er schon reiferen Schauspielkollegin Anna-Katharina Muck verkörpert wird, die lebenslustig, temperamentvoll, kratzbürstig und leidenschaftlich dramatisch um ihren Liebsten Silvio (verzweifelt-komisch: Philipp Lux) kämpft. Mit dunkler Wuschelperücke, Lederjacke und lila Hose gibt er den südlichen Liebhaber als feurig eifersüchtigen, verwöhnten, eitlen und wehleidig-unverstandenen Trottel. Sein Vater Dottore Lombardi (cool-gelassen: Moritz Dürr) wirkt klein und zäh wie ein Fels in der Brandung, lässt alle Anfeindungen seines Widersachers Pantalone galant und spitzfindig zugleich abprallen und beide entlarven sich bei ihren Wortduellen gegenseitig. Für Verwirrung und Überraschungen sorgt die in Männerkleidern auftretende Beatrice (kess-selbstbewusst und kraftvoll: Ursula Hobmair), die ihren Geliebten Florindo (finster-verwegen: Thomas Eisen) sucht, der unter Verdacht steht, den Bruder Beatrices ermordet zu haben.

Da werden lustvoll genüsslich Mann-Frau-Geschlechterrollen durcheinander gewirbelt auf, vor und hinter der Jahrmarktsbuden-Kulisse. Da fliegt ein roter Herzballon hoch in die Lüfte, unaufhaltsam, unerreichbar. Und wird die Regenbogenfahre gehisst am Balkon vor dem barocken Gemäuer am Japanischen Palais. Da hagelt es Liebesschwüre, Flüche, Kose- und Schimpfworte, Küsse und Vorwürfe von allen Seiten. Da werden Briefe überbracht, heimlich geöffnet, gelesen und mit Kaugummi wieder zugeklebt. Mittendrin eilt Truffaldino (zwiespältig voller Ironie: Raiko Küster) als Diener zweier Herrn hin und her, anfangs naiv, unsicher, gestresst, bald immer gerissener, abgebrühter und dreister, um es allen recht zu machen. Er wechselt Kleidung und Haarmoden nach Belieben und angepasst an die Situation und Vorgesetzte. Mal fühlt er sich als Glückspilz mit gleich zwei Jobs, meint zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Doch immer in Eile und der Angst, aufzufliegen, verstrickt Truffaldino sich immer mehr in seine Lügengeschichten, gerät immer mehr in Bedrängnis bis das Lügengebäude zusammenbricht, platzt wie eine Seifenblase. Ihm zur Seite steht die ihn bewundernde und anhimmelnde, naiv-liebenswerte Smeraldina, die lässig auf einem Motorradroller hereinfährt (Betty Freudenberg). Schön wie die beiden sich näher kommen, mit hungrigem Magen sich die leckersten Speisen ausmalen und immer mehr Lust aufeinander bekommen.

Lakonischer Begleiter des turbulenten Geschehens, Zuhörer, Tröster und Lachender Dritter ist der Imbisshändler Brighella (voll südlicher Heiterkeit und Gelassenheit, mit zurückgekämmtem dunklem Haar und Bart sehr authentisch: Holger Hübner). Im zweiten Teil gewinnt die zweieinhalbstündige Aufführung noch an Tempo, Spannung und Intensität. Klangreich musikalisch begleitet von den in der Losbude sitzenden Musikern der Banda Communale. Zu erleben ist ein äußerst spielfreudiges Ensemble, jeder geht auf in seiner Rolle und zeigt was Geld, Liebe, Glück, Erfolg wert sind und was der Einzelne bereit ist dafür zu tun. Alles hat seinen Preis. Und als alle Maskerade fällt, finden sich am Schluss der Komödie doch noch glückliche Paare. Reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

Nächste Termine: 22.6. und 23.6., jeweils 20 Uhr. Letzte Vorstellung: 09.07., 19 Uhr

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Figuren-Zauber bei der Kasperiade in Radebeul

Fantasiereiches Puppenspiel
mit Händen und Füßen

Bei der 36. Kasperiade Radebeul war vom klassischen Kasperletheater, fast akrobatisches Körpertheater bis zu lebendigen Tanzpuppen alles dabei zum Vergnügen von kleinen und großen Besuchern. 3 000 Zuschauer kamen.

Riesenhafte Zwerge und zauberhafte Dinosaurier tummelten sich auf der Hauptstraße. Mit roten, spitzen Hüten und langen Hosen wandelten zwei Stelzenläufer umher, machen Späße und wiesen Besuchern den Weg zu den Spielstätten. Zur 36. Kasperiade verwandelte sich Radebeul-Ost wieder zur kunterbunten Freilichtbühne ein Wochenende lang, veranstaltet und gefördert vom Kulturamt der Stadt. Sechs Puppentheater zeigten in Höfen und Gassen rings um die Hauptstraße und den Radebeuler Kultur-Bahnhof ihre humor- und fantasievoll erzählten Märchen und Geschichten.

Zu erleben war Puppenspielkunst in großer Bandbreite vom klassischen Kasperletheater bis zum originellen Fußtheater. Mit Sonne und Regen im Wechsel, was die Stimmung keineswegs trübte. Schirme auf- und zugespannt, Regenkapuzen aufgesetzt, Augen und Ohren weit auf, lauschten klein und groß vergnügt dem fröhlichen Figurenzauber und der Straßenmusik, lauschig unter Bäumen, Caféstühlen und gelben Sonnenschirmen auf der Wiese vorm Kultur-Bahnhof. Für abwechslungsreiche Klänge sorgten die Kapelle Krambambuli, das Trio VagabunT und Die Elbzigeuner. Mitten auf der Hauptstraße an der Eiche steht eine Puppenbühne, die sich bei näherem Hinsehen als umgebauter Campinganhänger entpuppt. Golden bemalt, mit Guckfenster und rotem Vorhang zum Auf- und Zuziehen.

Die Bänke davor sind alle besetzt. Dort lachen, staunen und begleiten die Kinder lebhaft die Geschichte von Puppenspieler Christian Bahrmann über Kasper und den Dinosaurier, einem grasgrünen, krokodilähnlichen und kulleräugigen Stofftier, der plötzlich in der Küche steht. Der durch Zaubersalz kleiner oder größer wird und sich entsprechend mehr traut. Die Kinder zählen auf, was der kleine Dino namens Konstantin alles lernen soll: „Sprechen, laufen, Fußball spielen, Radfahren, Fernsehen…“ Ei, ei, ei,  sagt der dazu. Ein Ei taucht auch auf, das wegläuft und nicht in die Pfanne gehauen werden will. Der Dino lässt sich nicht mehr klein und niedlich zaubern und schaut neugierig in die Welt. Zu den Kindern, die jetzt schlauer und mutiger als vorher hoffentlich sind, sagt Bahrmann.

„Uns hat das Stück gut gefallen“, sagt Max, 34 Jahre. Söhnchen Leon, elf Monate, sitzt auf seinem Schoß und lacht verschmitzt. Seine Schwester Elena, drei Jahre, läuft vor zur Puppenbühne. „Wir sind zum ersten Mal bei der Kasperiade und haben im Internet davon gelesen“, sagt seine Frau Kristin, 34 Jahre. Die junge Familie aus Dresden hat einen Ausflug hierher unternommen. „Es ist alles dabei von Musik, Karussell bis Puppenspiel“, freut sie sich. Sie haben außerdem an der Lotterie eines Tierschutz-Vereins teilgenommen und am Glücksrad beim Förderverein des Karl-May-Museums eine Eintrittskarte für ein Kind gewonnen. An einem Bücherstand konnte man in seinen vielen Abenteuergeschichten stöbern. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer vom MuNo-DanceStudio traten exklusiv für die Kasperiade als „lebendige Puppen“ auf in ihrer Show und begeisterten mit mal anmutigen und romantischen Tanzszenen bis zu cool-kraftvollem HipHop und Breakdance sowohl Jungen wie Mädchen. Gegenüber im Hof vom Weinhandel Andrich, umgeben von rankenden Weinreben und lustigen Holzfiguren draußen und im Fenster, hat in einer offenen Scheune Anne Klinge ihr Bühnenpodest aufgebaut. Sie spielte im Sitzen und Liegen, mit Händen und Füßen, aus denen die Figuren hervorwuchsen, mit Stoff umhüllt, Wuschelhaar und Knollennase das Grimmsche Märchen „Der gestiefelte Kater“ vor vollen Rängen.

Für ihr fast akrobatisches Körpertheater, einfallsreich mit viel Witz und Spielfreude erzählt, bekam sie reichlich Applaus und Münzen in den Hut von den faszinierten Zuschauern. Anne Klinge verblüffte die Zuschauer auch noch mal mit ihrem Fußtheater zur Kasperiade-Gala mit einem Best-of der Künstler am Samstagabend, humorvoll moderiert von Kultopa Arnold Böswetter alias Franz Lasch. „Sie kommt aus einem kleinen Ort in Thüringen und ist weltweit die einzige Künstlerin mit dieser Spieltechnik. Wir freuen uns, dass sie bei der Kasperiade dabei war“, sagt Helmut Raeder, künstlerischer Leiter. Rund 3 000 Besucher kamen an beiden Tagen zu dem eintrittfreien Puppentheater-Festival, mehr als letztes Jahr, da das Wetter diesmal zum Glück weniger heiß war.

Text + Fotos (lv)

BilderAlbum & Lyrik: Die Blumen der Kindheit

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Die Blumen der Kindheit

Die Zeit steht still in den Blütenbüschen
im Sonnenlicht glänzen sie noch mehr
selbst die welken Blätter vielfarbig
die Hitze und Frost holten
verdursteten oder erfroren umgeben
von neuen Knospen und Grün
ihre Farben und Duft wohlvertraut
zartlila weiß rosa purpur und tiefrot
innen geflammt und gesprenkelt die
Blütenpollen funkeln wie Perlen
die gelben Azalleen duften wie Orangen
Zitrone und Kirsche auf einmal

ich sehe sie vor mir durchstreife das
knorrige Unterholz stehe unterm Blütendach
irgendwo in de n Bäumen ruft ein Kuckuck
und suche das Kind
das einst lachend zwischen den
Rhododendron umher sprang
oder sich versteckte
das gern Blütenketten auf Grashalme fädelte
den Hutberg hinauf am liebsten
verschlungene Seitenwege lief
die Angst sich zu verlaufen kam erst
später

ich erinnere mich an den Aussichtsturm
und die Ausflugsgaststätte mit muffigem Charme
dichter Rauch Bier und Tanzparkett im Saal
manchmal bekamen wir Kinder
Waldmeisterbrause oder angelten
etwas aus dem Spielzeugautomat
weiter hinten am Wald die steinernen
Monumente Säulenreste von einem
gigantischen Aufmarschplatz
wo wir als Kindern gern spielten

ich sehe die Blütenbüsche
gehe die Wege die meisten verlaufen
gerade in diesem Park
erfreue mich an den einzelnen und
paarweisen Blütenstengeln
nur die Menschen fehlen
mit denen ich damals ging

ich fädle eine Blütenkette und sammle
Blüten von der Erde auf
zuhause sehe ich das dunkle Insekt
am Arm das noch in der Haut steckte
zog es heraus die Stelle noch gerötet
ich häng an der Vergangenheit
an Blütenfäden die nie vergehen

und fühl mit der Zunge
die frische OP-Naht und Fäden
am Zahnfleisch
die Betäubung hat nachgelassen
der Blütenduft bleibt

LV
1.6.2023

Fotos (lv)
Weitere Fotos folgen

„Kunst: offen in Sachsen“: Seltene Emaille-Bildkunst von Günter Gläser & Natur-Bilder von Isolde Ziegenbalg in Radebeul


Farbenfrohe Emaillebilder, die zum Entdecken einladen und viel Lebensfreude ausstrahlen: Günter Gläser und seine Frau Karin freuen sich schon auf die Besucher beim diesjährigen „Kunst: offen in Sachsen“. Sa und So von 10 – 18 Uhr stehen Atelier & Bildergalerie bei ihnen offen.

Farbenfreudige Emaillebilder zu Pfingsten

Zum Schauen, Umherwandeln und Verweilen lädt Günter Gläser mit mehreren Künstlern zum „Kunst: offen in Sachsen“ ein und ist erstmals bei der Veranstaltung „Kunst geht in Radebeuler Gärten“ dabei.

Landschaften in farbreich beschwingten Formen. Sonnenblumen und Mohnblüten. Birkenstämme im Herbstlicht. Ein Blick auf den Weinberg Goldener Wagen und den Bismarckturm. Eine Bank am Seeufer. Wie ein Spaziergang durch die Jahreszeiten, an bekannte, nahe und fernere Orte von Radebeul bis Ontario in Kanada, an denen man wandeln, sich umschauen und verweilen kann, begegnen einem die Bilder von Günter Gläser. Das „fliegende Jahr“ spiegelt das Werden und Vergehen und Neuaufblühen in der Natur und im Leben. Es ist eine neue Arbeit aus diesem Jahr und war ähnlich auch schon als Titelbild auf einem der beiden Bildbände zum Leben und Schaffen des Radebeuler Meisters der Emaille-Bildkunst zu sehen. Einige Buchexemplare sind bei ihm noch erhältlich. Mit seinen 88 Jahren ist Günter Gläser immer noch schaffensfroh und die Gartenarbeit hält ihn außerdem vital und in Bewegung.

Beim nunmehr 19. „Kunst: offen in Sachsen“ stellen Günter Gläser und Isolde Ziegenbalg, eine Dresdner Künstlerin, an diesem Pfingstwochenende, am 27. und 28. Mai, jeweils von 10 bis 18 Uhr, ihre Bilder am Wohnsitz der Familie Gläser auf der Johannesstraße 12c in Radebeul aus. Er ist schon zum siebten Mal dabei. Isolde Ziegenbalg war viele Jahre als Porzellanmalerin in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen tätig und geht seit mehr als 20 Jahren ihrer Leidenschaft für das freie Malen in Aquarell-, Acryl- und Öltechnik nach. Zwei Acrylbilder von ihr zeigen zwischen abstrakt und konkret Bäume lichtfunkelnd und bewegtes Meerrauschen. Auf dem Ateliertisch von Günter Gläser mit Blick in den Garten und ein Zitronenbäumchen liegt ein begonnenes Emaillebild mit fliegenden Möwen am Meer. Die Sonne scheint herein.

„Das eine Meerbild wird stürmisch und das andere sanft mit weißen Möwen“, sagt Günter Gläser. „Es fehlen noch vier Brände.“ Sechs bis acht Brände braucht es, bis die Bilder aus dem Ofen, die sich durch ihre strahlenden Farben und besondere Lichteffekte auszeichnen, fertig sind und den Betrachter erfreuen. Die aufwendige Prozedur der Herstellung erfordern viel Wissen, Umsicht, Erfahrung und Geduld. Günter Gläser stammt aus einer Handwerkerfamilie. Seit dem Seniorenalter vor über 20 Jahren widmet sich der frühere Diplomingenieur mit eigenem Büro mit Hingabe der heutzutage seltenen Emaille-Bildkunst. Er gibt sein Wissen gern an Interessierte weiter. Die Emaillebilder werden auf einer metallischen Grundlage von Kupfer, Silber oder Gold gebrannt, sind aus der Kunstgeschichte vergangener Jahrhunderte bekannt und ermöglichen durch Emaillefarben in über 100 Farbtönen eine Gestaltung in den Bildmotiven, die denen von Öl-, Acryl- und Aquarellbildern ähnlich ist. Da hängen Lebens-Sinnbilder, Pflanzliches und Figürliches nah beieinander an den Bilderwänden in Gläsers Wohnhaus. Adam und Eva unterm Apfelbaum, eine feurige Dame mit Paprika und Bacchus und Ariadne sitzen üppig prall auf einem Weinfass.

Ein farbenfrohes Emaillebild von Rudolf Sitte, von dem er einst zu dieser Kunstform angeregt wurde, ziert die Hausfassade von Günter Gläser. Mit seinen Werken möchte er „Lebensfreude und Optimismus weitergeben“. „Die Kunst bereitet mir Freude, gibt Kraft und Lebensmut“, sagt er. Außerdem wird Günter Gläser erstmals bei der Veranstaltung „Kunst geht in Radebeuler Gärten“ am 1. und 2. Juli jeweils von 13 bis 18 Uhr dabei sein. Mit ihm werden Isolde Ziegenbalg und Mauria Richter, eine Künstlerin und Architektin ihre Bilderstaffeleien im Garten am Haus aufstellen, umgeben von rot leuchtendem Mohn und rankenden Weinreben. Dort wird auch Rakukeramik von Heinz Lindner aus Gostewitz zu sehen sein, der außerdem mit Obertongesang und verschiedenen Klanginstrumenten die Besucher überraschen wird.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos:

http://www.bilder-aus-dem-ofen.de
http://www.ziegenbalg.de


Möwen im Anflug: Ein neues Meer-Bild liegt halb fertig auf dem Werkstattisch von Günter Gläser mit Blick in den Garten.
Blühendes in den Emaillebildern & draußen im Garten. Günter Gläser zeigt Acrylbilder von Isolde Ziegenbalg, einer Dresdner Künstlerin.
Im Garten am Haus werden zur Aktion „Kunst geht in Radebeuler Gärten“ Bilder-Staffeleien der bei Günter Gläser ausstellenden KünstlerInnen stehen und der Balkon wird zur Bildergalerie.

Zwischen Weinreben leuchten Mohnblumen.

BilderAlbum: Gedicht-Lesung mit Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak vor zauberhafter Kulisse im Hoflößnitz Radebeul


Poesie & Musik inmitten der Natur. Einen schöneren Leseort kann es kaum geben: Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak vor der Lesung auf der Terrasse vom Weinbaumuseum Hoflößnitz in Radebeul. Fotos (2): Matthias Starke,

Poesie und Musik im Zusammenklang mit der Natur

Mit der ersten Lyrik-Lesung seit langem an diesem Ort waren Lilli Vostry, freie Autorin und Gabriel Jagieniak am Akkordeon vor traumhafter Kulisse zum Internationalen Museumstag am vergangenen Sonntagnachmittag im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz in Radebeul zu Gast. Schön war`s!

Schreiben bereitet Vergnügen. Lesen vor solch traumhafter Kulisse mit Blick auf die Weinberge wie im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz in Radebeul noch mehr. Poesie, Musik und Naturgenuss gleichzeitig konnten die Besucher hier zum Internationalen Museumstag am vergangenen Sonntag nachmittag erleben. Bei der Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ der freien Autorin Lilli Vostry zusammen mit Gabriel Jagieniak am Akkordeon auf der Terrasse hinter dem Bergverwalterhaus, in dem regelmäßig Ausstellungen Bildender Künstler zu sehen sind.

Bezaubernd war es! Lesen unter dem Blätterdach großer Kastanienbäumen voll weißer Blütenkerzen an einem sonnigen Maitag. Blauer weiter Himmel und Wattewolken. Der Wind wehte Blüten auf den Tisch zu mir, auf`s Papier mit den Gedichten, die auch vom Blütenflug erzählen, und flogen weiter. Ein paar Gedicht-Seiten gleich hinterher, zu den Zuhörern. Eine Freundin hob sie auf und hielt sie. Ein schönes, bewegendes Zusammenspiel mit der Natur, Worten und Klängen, angeregt und wieder verbunden mit ihr, war diese Lesung.

Dies war die erste Lyrik-Lesung seit langem wieder. Das letzte Mal las an diesem Ort 1991 der bekannte Dichter Rainer Kunze, sagte Frank Andert, der Museumsleiter vom Hoflößnitz, der seit acht Jahren hier tätig ist, zu Beginn. Um so erfreulicher, dass wir diesen zauberhaften Leseort im Freien nun wiederbeleben konnten. Dieses kulturelle Angebot im Hoflößnitz muss sich wohl noch mehr herumsprechen. Die Werbung noch präsenter sein im Stadtbild, Aushänge auch in anderen Kultureinrichtungen wie Galerien, Bibliotheken, Läden und Cafés zu sehen sein. Der Leseort liegt auch etwas versteckt. Es war außerdem viel los an diesem Wochenende, die 30. Karl-May-Festtage in Radebeul und Internationales Dixieland-Festival in Dresden. Leise Töne haben es ohnehin schwer, gehört zu werden.

Einige Zuhörer kamen zufällig vom Spaziergang dort entlang und freuten sich über die Lesung in schöner Atmosphäre. Es war ein neugieriges, aufgeschlossenes, aufmerksam lauschendes Publikum. In der Pause gab es ofenfrischen Rhabarber- und Apfelkuchen für die Gäste wie immer bei meinen Lesungen. Poesie und Kuchen-Genuss, etwas für Geist und Sinne, gehören für mich zusammen.

Der Abschied nach fast zwei Stunden Musik & Poesie voller Lebensfreude, Träume und Fantasie zum Innehalten und Genießen inmitten blühender Bäume und schwungvoller Weinterrassen fiel schwer. Und es schwirren schon neue Gedichtideen umher und die Lust auf Fortsetzung der Lesung ist groß. Gern auch wieder hier im Hoflößnitz.

Text + Fotos (lv)

Herzlichen Dank für die Fotos auch an Kathrin Krüger und Andrea Dorschner.


Zauberhafter Leseort im Freien: Frank Andert, Museumsleiter im Hoflößnitz und Organisator vieler schöner Ausstellungen hier, ermöglichte die musikalische Gedicht-Lesung und hatte auch am Internationalen Museumstag im Gelände alle Hände voll zu tun, fand aber zwischendurch auch etwas Zeit für Muße und zum Schluss gab es für uns noch edlen Wein. Herzlichen Dank!
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Beschwingt: Ein Tänzchen gab es auch noch mit einer Freundin. Annette Richter ist Schauspielerin und las auch schon meine Gedichte. Das ist noch mal ein Erlebnis für sich, wie sie dann klingen.

Im Weinberg

Ein Zitronenfalter schwirrt
auf dem Weg zu den schon
saftig grünen Steinterrassen
weithin sichtbar
lila Flieder steht Spalier am Treppenaufgang
oberhalb vom Hoflößnitz
weht seinen Duft hinterher
zwischen Wiesenblumen und Gräsern
liegen zwei grau orangene Winzerhandschuhe im
Gras vor dunklen Rebstöcken aus denen
sich die ersten Blätter recken

am Tor thront ein goldener Wagen mit
Sonnenrädern der durch die Lüfte fliegt
darin steht der Wein- oder Sonnengott
in güldenem Gewand ein Traubenzepter
in der Hand
alle anderen nehmen die Treppe
viel Vergnügen ruft ein Mann mir zu
am Aufstieg

bis oben hin ergibt`s ein Jahr
für manche verfliegt`s im Nu
die Treppenläufer zieht es unentwegt
bergauf bergab
die 365 Stufen immer schneller weiter
hoch hinaus
die Zeit noch überrunden
wetteifern um Sekunden

oben am Spitzhaus angekommen
am Pavillon in dem weinselige und anstößige
Sprüche an den Wänden und Bänke für
Ausflügler stehen
verschnaufen die Treppenläufer kurz und der
Lößnitzdackel schnauft mit lustig gellendem
Pfiff und Glockenklang unten im Tal

im Weinberg weiter Blick blaue Weite
sattgrüne Wiesen und gelbe Felder bis
zum Horizont
der schlängelnde Fluss in sanftem Bogen
die gewölbten Weinhänge recken sich
ins Licht
der Bismarckturm von Bäumen beschirmt
oder umlagert

die dunklen Rebstöcke ragen knorrig und
grazil in den Himmel
senden ihre Zeichen jeder sieht anders aus
sie erinnern an springende und tanzende
Weingeister und Wächter die zwischen
den gespannten Reben stehen
und sie halten

im Wein kannst du dein Antlitz sehen
im Wein der anderen Herz erspähen
steht im Pavillon zu lesen
zurück aus dem Weinberg ins lauschige
Abendkonzert der Vögel hinein
irgendwo zwischen den Gärten in einem Lokal
tönt eine Kapelle Born to be wild
die Vögel hören`s und verschwinden
zwitschernd oder kichernd trunken vom
Blütenwein in den wippenden Blätterkronen

LV
11.5.2023

Glücksberauscht nach der Gedicht-Lesung vor traumhafter Kulisse im Hoflößnitz Radebeul.

Ofenfrischer Rhabarber- und Apfelkuchen: Poesie der Worte & Aromen.


Rezension von Kathrin Krüger zur Gedicht-Lesung von Lilli Vostry & Gabriel Jagieniak in der Sächsischen Zeitung, Radebeul.

Ausstellung „Tete-à-Tete“ von Chris Löhmann & Olaf Stoy in der Galerie Kunst & Eros


Zeichenreiches Zwiegespräch der Körperbilder: Die Lust am Zeichnen, Comics und plastischen Gestalten verbindet die beiden Künstlerfreunde Chris Löhmann und Olaf Stoy. Erstmals zeigen sie zusammen ihre Arbeiten in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden.

Körpermalerei mit Akribie und Leidenschaft

Zeichnungen und Plastiken, in denen sich gestaltreich Liebe, Tod und Eros., Lebenslust und Abgründiges mischen, zeigen Chris Löhmann und Olaf Stoy in ihre gemeinsamen Ausstellung „Tete-à-Tete“ zurzeit in der Galerie Kunst & Eros in Dresden.

Zwei traumblaue Gesichter, bemalt mit weißen Blütenkelchen, voller Licht- und Schattengewächse, zeigt das Titelbild der Ausstellung „Téte-à-Téte“. Kopf an Kopf zeigen die Künstlerfreunde Chris Löhmann und Olaf Stoy neue Zeichnungen und Plastiken und lassen sich auf ein künstlerisches Zwiegespräch ein in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 (zu sehen bis 1. Juli 2023).

Pflanzliches und Figürliches sprießen, wuchern und umgarnen sich reichhaltig auf den blauen, bemalten Plastiken und detailreichen Zeichnungen. Liebe, Tod und Eros, Lebenslust und Abgründiges, Schockierendes stehen nah beieinander
in den paradiesisch-apokalyptischen Bildwelten von Chris Löhmann und Olaf Stoy. Eine reizvoll-spannende Gratwanderung, bei der Schönes und Bedrohliches allgegenwärtig sind, ist diese Ausstellung mit Arbeiten aus den letzten zwei Jahren. Zu sehen sind  außerdem zwei Gemeinschaftsarbeiten der Künstler. Darunter ein großer weiblicher Torso „Die Venus von Hainsberg“ aus Ziegelton von Stoy, die Löhmann als Leinwand für seine intensive Körpermalerei diente und eine kleinere Büste mit dem Titel „Versenkung“, in denen sich üppig Blühendes und bleiche Vergängnis mischen.

Eine Amsel hockt am Bein der Venus. Eine Amselmutter schwirrt auch über dem Galerieeingang ungeachtet der vielen Besucher am Eröffnungsabend emsig hin und her, wo fünf Vogeljunge ihre hungrigen Schnäbel aus dem Nest in einem efeuumrankten Übertopf entgegen recken. „Sie brütet schon zum dritten Mal hier“, sagt Galeristin Janett Noack schmunzelnd. Immer etwas Überraschendes, Besonderes halten auch die Ausstellungen hier bereit. „Neu für Chris Löhmann war, einmal kein flaches Blatt Papier, sondern Plastiken mit Wölbungen und optischen Verzerrungen zu bemalen“, sagt Olaf Stoy. „Der Totenschädel am Bauch und Paradiesgärtchen ist genial. Tod und Wiedergeburt, alles dabei.“ Er brachte die Plastiken ins Atelier von Löhmann nach Königstein/Sächsische Schweiz.

Deren Königsblau und weiße Zeichnungen mit Acrylstift seien angeregt von Delfter Fayencen und Meißner Porzellan mit Zwiebelmuster. “Den Schwung hinzubekommen auch an den etwas unzugänglicheren Stellen und Zwischenräumen der Figuren war schwierig, doch ist gelungen wie man sieht“, sagt Chris Löhmann. „Das Sinnliche, Frische und Vergänglichkeit gehören ja auch zu meinem Sujet. Das macht das Schöne erst schön, da es die Limitierung, Begrenzung gibt.“ In seiner Paradies-Vorstellung gebe es auch das Dunkle. „Wenn diese Kontraste nicht wären, könnten wir das Helle auch nicht sehen.“

In Löhmanns Zeichnungen wimmelt es von grotesk surrealen Gestalten und oft tauchen Bildausschnitte wie alte Fotos, umrahmt mit Zackenrand auf. Ein leeres Zimmer, weiße phallusartig aufsteigende Wolken am Nachthimmel, davor kauernde Körper. Eine Badeszene. Ein Paar im hohen Gras und ein großes Herz freiliegend, ungeschützt. Vor einem verfallenen Waldhaus mit Graffiti liegt eine Frau nackt, halb eingerollt auf einer Decke auf der Wiese, hinter ihr ein halb zerrissenes Soldaten-Foto. Groß ins Licht gerückt ein Frauenkörper vor einer leeren, dunklen Fabrikhalle im Bild „Stromausfall im Freitaler Stahlwerk“. Ein ovales Selbstbildnis zeigt Löhmanns Kopf schlafend oder träumend auf der Wiese, aus der ein kleiner Totenschädel grinst. „Ich bewundere den Chris für seinen tollen, eigenen Grafikstil, den er traumwandlerisch beherrscht“, so Olaf Stoy.

Löhmann (35) begann als Streetartist in Dresden und Berlin und hat von 2013 bis `022 an der Dresdner Kunsthochschule bei Professor Bömmels studiert. Seit 2022 arbeitet er freischaffend als Künstler. Stoy (64) war als Formgießer, Retuscheur und Chefmodelleur in der Sächsischen Porzellan-Manufaktur in Dresden mit Sitz in Freital bis 2003 tätig und studierte von 1979 bis `81 im Abendstudium Grafik und Plastik an der Dresdner Kunsthochschule. Seit 2005 arbeitet er als freiberuflicher Künstler. Die Lust am Zeichnen und an Comics verbindet beide. Sie kennen sich aus der Freitaler Schaffenszeit seit 2015.

Letztes Jahr hatte Löhmann eine große Einzelausstellung in der Galerie der Georado-Stiftung in Dorfhain, die Stoy betreibt und dort sein Atelier hat. Von ihm stehen neben Löhmanns Bildern in der Galerie Kunst & Eros lustvoll-schelmische, farbige Plastiken wie „Die Schöne und das Biest“ mit Teufelshörnern, eine verführerische Dame namens „Rosenrot“, eine hohe grazile Porzellanfigur mit schwarzen Bandagen „Yoyo“ und eine kleine kokette Figur mit blauem Haar und Tätowierungen, die „Seeräuber Jenny“. „Wir haben das Figürliche gemeinsam und auch ein bisschen die Romantik, wobei bei mir auch immer etwas Morbides auftaucht, als Begleiterscheinung des Hellen“, sagt Chris Löhmann über Stoys Plastiken.

Zur Ausstellung gibt es eine Lesung „Dinge aus Nichts“ mit Gedichten zwischen Kunst und Eros von Olaf Stoy, begleitet von der Klanglaborantin Andrea Dorschner mit freien Improvisationen an ihrer E-Harfe. (Kartenreservierung unter Tel. 0351-8024785)

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de
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Eine Amsel taucht als Körpermalerei auf einer Plastik von Stoy & Löhmann auf. Und über dem Galerieeingang schwirrt emsig eine Amselmutter umher, die liebevoll ihre fünf Amseljungen füttert. Sie haben ihr Nest in einem Blumentopf. Fotos: Olaf Stoy

WortLust & Musizierfreude: Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz Radebeul

Hervorgehoben


Traumhafte Landschaft & weiter Blick & Zauber des Augenblicks: Lilli Vostry, Autorin und meinwortgarten-Inhaberin im Weinberg Goldener Wagen oberhalb vom Hoflößnitz in Radebeul.

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Von springenden und tanzenden Weingeistern

Mit ihrer neuen Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ sind Lilli Vostry, freie Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, beide aus Dresden, am 21. Mai, 15.30 Uhr im Sächsischen Weinbaumuseum, Knohllweg 37, in Radebeul zu Gast. Eintritt frei.

Sonnenflecken im Wolkengrau. Ein kribbelndes Etwas liegt in der Luft. Was bleibt von diesem Tag, nur Zahlen oder eine Zauberformel?

Mit viel Wortlust und Musizierfreude kommt die neue Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker daher. In zauberhafter Umgebung mit Blick auf die Weinberge von der Terrasse des Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz können die Besucher sie im Rahmen des Internationalen Museumstages am 21. Mai, um 15.30 Uhr erleben und den Trubel des Karl-May-Festes an diesem Wochenende eine Weile hinter sich lassen. Fantasiereich geht es auch bei uns zu! Abwechselnd fröhlich beschwingtes und leise, sehnsuchtsvolles Akkordeonspiel begleitet und mischt sich mit bilderreicher Poesie und erzählender Lyrik über die Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks und Neubeginnens.

In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches. Sie erzählen von „Bildern im Kopf“, von der Liebe zu Kunst und Farben, vom „Garten Eden“, von der alten Weide vorm Fenster, kleinen Faltern, Wassergetier, Meer und Möwen, ungestümen Katzen, wildem Mohn und einem seltsamen Hörnertier. Natürlich gibt es auch ein Gedicht über den Weinberg oberhalb des Hoflößnitz, in dem es um den Wein- und Sonnengott, Winzerhandschuhe im Gras, springende und tanzende Weingeister in den Rebstöcken und Treppenläufer geht.

Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, auch für die SZ, in Dresden
und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht.
Zu hören in diesem Programm sind frühe und neue Gedichte und Texte.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.

Natürlich gibt`s in der Pause, neben edlem Rebensaft, auch wieder selbstgebackenen Rhabarber- und Apfelkuchen vom Blech zu genießen.

Wir freuen uns auf Euer Kommen.

Herzliche Grüsse
Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak

Texte + Fotos (lv)

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Rhabarber – Ein Gedicht aus dem Backofen

Intensiv rote und zartgrüne
feste Stangen
wie Fernrohre der Blick
nach innen gerichtet

offenbaren nach dem Schälen
feinfaserig zerteilt und aufgelöst
in weiche Stücke beim Kochen
ihre eigenwillige Süße

die mich als Kind schon faszinierte
wenn ich meiner Großmutter in ihrer
geblümten Schürze zusah
wie aus den unscheinbar sperrigen Stielen
solch köstliches Kompott entstehen kann

in dem die Säfte der Natur
und feine Fäden verschmelzen
zu einem rosa fruchtigen Brei
betörender Duft kitzelt die Nase

die Aromen tanzen auf der Zunge
wie es Worte nicht vermögen
in ihrer unwiderstehlichen Mischung
aus herb sauer und frühlingssüß
auf ofenwarmen Teig
zur Feier des Lebens

LV
16.5.2020

(Dieses Gedicht & Rhabarberkuchen gab es zu meiner ersten Lesung vor drei Jahren in Dresden.)